<Windig.>
<1 hasen, Abraham von Rindtorf [.]>
Jn Oeconomicis
, travagliiret.
Doctor Fischern, den Medicum
, bey mir gehabt,
Jtem: Secretarium
Paul Ludwigen; <in andern dingen.>
Böse buben, castigiren laßen.
Allerley anstallten gemacht, zum hochzeitlichen
Beylager, weil Jungfer Lenore, mitt
hanß Geörge lackayen, wiederkommen,
von Leiptzigk. etcetera
Die wintergerste, ist aufgemeßen worden,
von drey schogken, 1 Wispel (Raum- und Getreidemaß)w: 6 Schefel (Scheffel)schfl: 3 Viertel (Hohlmaß)v:
Avis
von Ballenstedt, verworrene händel.
Der Amptmann Märtin Schmidt, ist krangk.
<Regen, windt, donner.>
heütte, ist iahrmargkt alhier zu Bernburgk
Mariæ heimsuchung. Die wochenpredigt, wirdt
eingestellet.
Jch habe meine briefe, nach Croßen, in
haagen, undt nacher Saroßpatagk verfertiget.
Gott gebe, daß die wol durchkommen, undt alles, wol
antreffen mögen!
Donnerstag♃ den 3. Julij
; 1651.
<Windig. Kälte.>
Gestern, sol das hagelwetter, umb Oschmarßleben
herümb, großen schaden gethan haben. Gott bewahre
vor ferrneren unheyl!
Die pogken regieren auch auf dem hause Ballenstedt
undter deßelben kornschreibers
kindern.
Freybergk ist wieder forth, auf Cöhten, und Deßaw.
Secretarius
Paul Ludwig
ist bey mir gewesen, in allerley expediendis
.
Avis
: daß die bey Laucha, endtsprungene quelle,
(nach deme unlengst berichteten, erdtfall),
große wunderzeichen, an krangken, undt
bresthafte thue, mehr als zu Hornhausen,
undt anderstwo. Gottes gühte ist zu preisen!
Avis
: das gestern, daß donnerwetter, alß die
leütte in der kirche, gewesen, undt der pfarrer
auf der Cantzel zu Ermschleben, noch gestanden,
im Schlößlein daselbst, eingeschlagen, undt
das halbe Schloß, deme von hoym, abgebrandt. perge
Ergo
; heist es: Seye nicht Stoltz, sondern förchte dich!2
Zu Oscherßleben, sol es auch eingeschlagen, undt
eine Scheüne abgebrandt haben. perge
Gott bewahre
vor mehrerem, undt größerem unheyl!
Bey Oschmarßleben, sol der hagel digke ge-
fallen sein, undt schaden gethan haben, gestriges tages.
<1 lachß, von 12 Pfund (libra)℔: >
Tobias Steffeck de Kolodey
est party. Le bon Dieü le vueille
conduire, & reconduire heüreüsement!
A spasso
, auf die krähenhütte, welche von bösen
buben, sehr ist ruiniret worden.
Postea
in der Mühle, aldar der neẅe
zieheergkner gerichtet wirdt. Gott gebe
zu glügk! segen! undt succeß!
Jch bin hinauß geritten, meine felder
zu besehen, sampt dem Segen, den unß Gott zeiget.
perge
<Regen.>
Avis
: daß gestern, hertzogk Julius heinrich,
von Saxen Lawenburg zu Gaterßleben durch,
auf Schöninghen wiederumb paßiret.
Ich habe heütte meine wochenrechnung,
undt Oeconomysachen, mir vortragen laßen.
Spatziret, in gartten, in die Mühle, & alibj
.
(nach deme es zu regenen aufgehöret,) undt man
hat den zieheerckner, in der mühle, zu richten,
angefangen, wiewol es langsam, von statten gehet.
heütte ist abermalß eine Fehre von oben
herab, alhier ankommen. Die neẅlichste, sol nach
wirschleben, die itzige, sol nachm Gibichenstein.
<Regen.>
Man besorget, eine Naße Erndte. Gott
helfe unß doch, auß nöhten, gnediglich!
Jn die kirche, conjunctim
! Jonius der caplan,
hat geprediget.
Nachmittagß, ist meine freundliche herzlieb(st)e
gemahlin,
mit Schwester Sofie Margrithe, vndt
Carolo Ursino, nacher Plötzkaw, gefahren,
Jch aber, in die kirche, alhier vorm berge
Bernburgk, undt in die Nachmittagspredigt,
so Magister Menzelius gehalten.
Unsere Tauben, so wir alhier haben, in den
Taubenschlägen, kriegen die pogken. Jst seltzam!
undt ist eine anstegkung zu befahren. heütte
hat man es erst deprehendirt. Gott bewahre!
daß solch übel, unsere kinder, nicht inficire!
<Windig.>
Jch habe Secretarium
Paul Ludwig
bey Mir gehabt,
expedienda
expediren zu laßen.
Tobias Steffeck von Kolodey
ist glügklich wiederkommen, von Leiptzigk
(Gott lob!)[.]
Schreiben, von Croßen, entpfangen, en bons termes
.
Die Avisen geben:
Daß die Cosagken, mitt den gefangenen
deützschen, grawsam umbgehen, undt
einen Obrist leütnant
Budler lebendig geschunden.
Sonst sol der König in Polen, sie zurücka
getrieben, undt etwas geschlagen haben,
auch noch der Poßpolite Rußenie
erwarten,
undt über 100000 Mann, gut volgk, stargk sein.
<General>
Chmielinsky, sol die festung, Caminiez
Podolsky, dem Türgken
verschrieben, aber
viel volgk, davor verlohren, undt vergebens
gestürmet haben, also, (re infecta
) abgezogen sein.
Jn Ungarn, erregen sich auch, neẅe motus
undt der Kayser, stärgket die grentzfestungen.
Jn Candiâ
tentiren die Türgken, neẅe
gewaltt, wie auch bey Corfu, undt in
Dal-
matia
. Es wirdt ihnen aber, begegnet.
Die Engelländischen Parlamentischen greiffen
ohne undterscheidt, Frantzösische
E
Malthe-
sische
, undt holländische Schiffe ahn. Undt ob
Sie wol mit den Türgken confœderiret,
trawen ihnen doch die Türgken selber nicht.
Jn Schottlandt stärgket sich der König, in hofnung
seine Feinde, zu überwältigen. hingegen,
stärgken sich die Engelländer, zu waßer, und lande,
undt haben die festen Jnsulen Sorles, mit
accord, erobert.
Jm haagen, hat es das ansehen, alß seye
man, der Engelländischen
Gesandten vom Parlament auch
überdrüßjg, undt sie seindt abgezogen.
Der Chur Brandenburgische
undt Pfaltz Neẅburgische
krieg, hat ein ansehen, zum gühtlichen vergleich.
Jn Frangkreich, sucht man des Cardinals
Mazzarinj, restitution, undt schickt ihm
geldt vollauff, ex parte Reginæ
, darwider
Düc d'Orleans, undt Prince de Condè, sich setzen.
Zu Rom, continuirt der pabst, seine domination,
undt zu Napolj, geschehen große armaturen.
Catalogna gehet vermuhtlich, verlohren.
König in Portugall, promittirt, dem König in Frankreich
iährlich, eine million goldes zum kriege,
wenn er continujren, undt nicht friede machen will,
mit Spannien.
Der Ertzhertzogk, rüstet in Flandern, undt
Brabant, drey stargke armèen auß, contra
Frangkreich[.]
Alß ich diesen Nachmittag, hinauß
spatziren gegangen, mit Carolo Ursino,
auf meine Felder, ist mir, herrvetter
Fürst Augustus begegnet, mit vetter Ernst
Gottlieb, undt ist abgestiegen, undt hat
sich, mit mir, undterredet. Postea
: ist
er forthgereiset, nacher Plötzkaw, zu. perge
Der hofraht Pfaw, hat mir zugesprochen,
undt referiret, wie es zu Cöhten, abge-
lauffen? Die animj Nobilium
, seindt
sehr exacerbiret. Sie haben auch, die
Städte (außer Bernburgk) endtlich, an
sich gezogen, undt suchen, einen Condominat,
ia gar eine superioritet, über unß. Sie
wollen die schulden, nicht separiren laßen,
Suchen einen privateigennutz, undt an
sich ziehung der schulden, <etwan> umb 100 ThalerThlr: Tausendt,
so Sie doch vollkommen einschreiben, undt haben
keine, oder gar geringe affection zur Fürstlichen
herrschaft, machen factiones
, wollen von den
Freẅlein Steẅren, nichts hören, die Fürstliche
herr-
schaft, zur haftung, vor ihre verderbte
undterthanen, zwingen, (darzu ich wol,
|| [[Handschrift: 185r]]
in die 30000 ThalerThlr: an itzo, würde hehrschießen
müßen, undt nicht einen heller werth, wieder
bekommen, auß öden, verwüsteten gühtern.)
Sie aber, die Nobiles
, haben ihre
compensatio-
nes
, undt wol conservirte gühter, Sie
wollen unß Leges
vorschreiben, wie wir
regieren sollen, mengen regierungssachen,
in die landtrechnungßTäge, welches doch
niemalß braüchlich gewesen. Suchen den
Schuldenlast zu haüffen, damit sie nur
Condominj
sein, undt viel extraordinarias
auß-
gaben, machen, auch ein Parlament for-
miren, undt der Fürstlichen herrschaft, die Spitze
biehten können, scheẅen sich auch nicht,
wieder die Fürstliche herrschaft, publice
, bey ihren
gastereyen, zu reden, undt ihre Deputirte
ahnzutasten. Jn Summa
: ihr Dominium
,
thut ihnen wohl, Sie droẅen unß, mit Kayserlichen
Commissionen, wollen die Fürstliche herrschaft, niedrig
bey der erden, allezeit halten, undter dem Schein
der Schuldenlast, regieren, undt dominiren,
(wieder Erbhuldigung, undt lehenspflicht, undt also
doppelte Vincula
), nichts achten, undt sich also ins nest, setzen.
|| [[Handschrift: 185v]]
Die Städte haben anfangß, nicht darzu
sich verstehen wollen, aber endtlich seindt
sie herbey gebracht worden, mit dem punct
der haftung. Die Ritterschaft undt
Städte haften, alß selbstschuldige,
wir Fürsten aber, haften, alß
executores
, nicht als selbstzahler.
Die Ritterschaft haben noch
wol-
conservirte
gühter, haben viel
com-
pensationes
, undt durch Tschachereyen
(wie vorgemeldet vors hundert, oft Tau-
sendt) die Steẅern, an sich gebracht,
ich aber, undt mein bruder, haben Unsere
Patrimonialgelder, in diesem Antheil
stegken, welches ein großes ist, davor
ein gantzes Ampt, nemlich Plötzkaw,
vor iahren, auß freündtbrüderlicher Nach-
gebung
<Meines Sehligen herrn vattern
>, undt pur lautterem, gutem,
willen, liberalissime
, abgetretten worden.
Undt dieser Antheil ist notorie
rujniret,
also: daß auß der Vastation nichts oder wenig
zu erheben, undt billich, die Fürstliche herrschaft übertragen,
nicht aber, die Schulden, ihnen wieder anhejm geschoben, werden sollten.
Man trennet die herrschaft selber, doch
hochnöhtig hat, wieder solche aufgeworfene
selbgemachte genandte Stende, oder landt-
Schände
3, zusammen zu halten.
Domine! in quæ nos reservastj Tempora!
4
Die posteritet, ist billich, auch zu beklagen!
undt zu verwahren. perge
Le Prince Augüste, (quoy qu'aagè, de 76 ans)
m'osa tourmenter, ceste pourmenade,
(de moy si bien jntentionnèe) avec picquan-
teries, contre sa conscience. Car comme
ie le priois, avec beaucoup de respect, &
de sübmissions, qu'il luy pleüst avancer
le payement, dü Dot matrimonial, de ma
seür Sophia Margaretha
& que ie ne pensois a mal, il
repartit: Ah il faut aussy traitter amia-
blement la
landtschaft, ils feront bien quelque
chose! ie rèspondis: Je le souhaitte, & Votre Altesse peüt
beaucoup, comme
Senior
, & Directeür
, etcetera
aussy
Votre Altesse a regognü, en sa derniere lettre, les merites, de
feü Son Altesse
& que ceste seüle occasion, dürant ma regence,
meritoit telle recognoissance. Jl repliqua brüsquement:
Ouy da! vostre Pere, eüst deü retenir les 500000 Dalers,
|| [[Handschrift: 186v]]
qu'il a perdü en la guerre de Boheme,
avec cela, on eüst peü fermer ün bon
trou, aux debtes dü pays. Je repartis:
Je ne scache, que 60000 florins, que
feü Son Altesse ait prestè de ses propres de-
niers. Et a la veritè, la landtschaft,
n'a rien contribuè, a la guerre de Bo-
heme iadis, aussy n'est on nüllement
obbligè, a leür en rendre conte. Si
Son Altesse a perdü 50000 Dalers, environ,
ou aultant vaillant, (car il a perdü
non seülement, de l'argent, ains aussy
dès meübles, dès tapisseries, dès habits,
armes, vaisselle d'argent
, &cetera) les nommèz
Estats, de ce pays icy, ne luy ont rien
donnè a cela, & on devroit honorer, la
memoire, d'ün si Vertueüx, & genereüx
Prince, qui leür a fait dès grands services,
& leür a bien proffitè, les sept annèes,
türbülentes, et dernieres, de son regime,
plüs que cela, aux troubles, sür tout, dü Düc de
Fridlande, & aussy singülierement au Prince Augüste
|| [[Handschrift: 187r]]
lequel, a cause dü bienfait de Plötzkaw, nous
est obbligè, & s'est aussy soy mesme obbligè,
a üne particüliere recognoissance, & gratitüde!
Mais cela s'oublie? ie ne scay pourquoy?
Jl devroit ponderer la sentence:
De mortuis, et absentibus; nihil, nisj bonum!
Lés Depütèz, dü Prince Jean, se sont fort
ioincts, aux nostres, c'est a dire a Docteur Mechovius, & a
Caspar Pfaw, & veülent aussy la separation
dès debtes, affin d'abbattre l'empire nou-
veau, des Estats dü Pays, & pour se re-
mettre au siege de Prince. Jl ne veüt
pas aussy, que l'on tienne üne Diete gene-
ralle
landtTag, sj on ne separe les debtes?
voyant, qu'on dèscoche tant dès flesches, contre
lés Princes, & qu'on ne fait rien, a cés Dietes,
que dèspendre l'argent, mal à propos, & dispüter
lès droicts dès Princes. Lés Directeürs,
Boden-
hausen
, le
landtSyndicus, landtrentmeister,
landtrendtschreiber, & aultres, s'enrichissent.
La noblesse jouit de leürs biens, magnifiquement.
Les Villes iouissent de leür bonne agricültüre &
Brasserie. Les Princes, demeürent miserables!
Mon frere, est allè de Rome, (la ou il èscrit
que regne le comble de tous vices, & excèz
jmaginables) à Florence, de lá, il pense,
de faire, ün tour, en Sicile, & á Malthe,
puis revenir vers le Danübe, par Vienne,
& icy. Dieu le conserve! en sès bons desseings!
Le Prince Lebrecht, est allè de Paris,
(ou il a estè ün peü malade, & galeüx)
en Limousin, vers Adolfe de Börstel[.]
La guerre de Brandenburg
& de Neẅbourg,
(croyt on;) se devoir[!] bien tost appayser!
par l'entremise, dès Puissances voysines.
<
Nota Bene
[:]>
Encores, que lés Estats, (ainsy nommèz, de
ce pays), disent: que le Pact, de l'an 1611
obblige lès Princes, a s'obbliger pour leurs
süjets, touchant lès tribüts
, (haften, vor
die Streẅern) si est ce, que chasque con-
tract, est à entendre
: rebus sic stantibus,
et in eodem statu permanentibus
. Or
on scait bien, comme nous sommes ruinèz!
Puis on scait, que le mot
haften, dès Prin-
ces, s'entend autrement, que dès süjets.
|| [[Handschrift: 188r]]
Nous tenons
, wir haften, comme Princes
regnans, & execütans nos Droits, eulx
tiennent, comme süjets, & rèspondans eux
mesmes
, wie selbst zahlende bürgen.
Aussy au Pact, ou transaction de l'an
1611 il y a, qu'au temps de guerre,
(ce qui est
, inter causus reservatos
) lès
Princes doyvent estre secourüs, & assistèz,
iüsqu'a se saysir dès tribüts, sans reproche.
Es sol vor keinen eingriff gehalten werden:
die peregrinatio transmarina
, Freẅlein
Steẅer, gefängnüß eines Fürsten, im
kriege, augenscheinliche ruin durch krieg
undt fehden, item
: hagelschaden, Mißwachß,
et talia
!
Sie haben auch, von fehrgeldern, Freybrawen,
accisen, Taxgeldt in den Cantzeleyen, undt
dergleichen dingen, geredet, welche doch
niemalß, auf die landtrechnungßTäge gehörig
gewesen, noch ihnen competiren, unß vorzu-
schreiben, oder darüber, ohne noth, zu klagen.
Sieder
anno
1603 da die Schuldenlast
kawm 104000 ThalerThlr: gewesen, haben Sie sie erhöhet,
auff 4[00000,] 5[00000] biß in 600000 ReichsthalerRthlr: et cetera
Mit Reichardten geredet.
Postea
mit dem CammerRaht, Doctor Mechovio,
undt es seindt mir, die gesterigen händel,
mehr als zu viel confirmirt, undt
die Prothocolla
vorgezeiget worden.
Je l'ay retenü, á disner.
perge
Ein iunger Schlegel, hat mir zugesprochen,
in transitu
nacher Cöhten, zu wandern.
Am heüttigen BehtTage, conjunctim
in
die kirche, vorm berge, da Er
Jonius
geprediget, undt auch der geschloßenen
Christfürstlichen handlung gedachtt,
undt dieselbige, in das allgemeine
gebeht, daß sie Gott segenen wolle, etcetera
mitt inseriret, undt eingerügkt
worden, nach der predigt. Faxit Deus!
J'ay entendü heürter, trois coups
ceste nuict sombre & obscüre. Ie crains,
que cela ne me denote rien de bon, &
ie trouve grande resistance, pour le voyage
|| [[Handschrift: 189r]]
de Dessaw, Dieu m'y vueille garder de
malheür, avec lés miens! & divertir tout
dommage, inconveniens, infamie, mèsdisances,
dèshonneür, opprobre, & contrarietèz!
comme aussy toute maladie, & mortalitèz!
de nous tous, quj sommes ensemble, & de mon
pauvre fils, Victor Amadèe! quj est par pays!
& dü petit Charles Ürsin, quj est avec moy.
et cetera
Nacher Palbergk
avec
Madame
gefahren. et cetera
undt daselbst, zu nachts gegeßen.
Donnerstag♃ den 10ten:
Julij
; 1651.
Geschrieben, auf die post, an Victor meinen Sohn.
Ein junges pürschlein, Schweitzer genandt,
einen Apotecker gesellen, auß Cöhten, so in
Böh-
men
, undt Oesterreich gediehnet, habe ich
examiniret, wegen der greẅlichen, undt
gewaltsahmen Päbstischen reformation5, welche
an itzo daselbst im schwange gehet, undt
welche er zum theil selbsten, mitt angesehen,
wie (sonderlich auf des Fürsten von Lobkowitz
gühtern) den leütten, mit gewaltt, in
den kirchen, die hostien <ins maul> eingeschoben, undt
die etwas renitenten, übel geschlagen worden?
J'ay eü beaucoup dès affaires, avec les
domestiques, & avec lés preparatifs,
a nostre solennitè.
<
Doctor Fischer, ist auch extra, dar gewesen.>
Gawens Schiffe 5 seindt gestern abendt, mit
80 wispel getreydig, ankommen.
La speranza, di 19 settimane della mîa
Consorte, s'è riperduta per un spavento d'hierj,
proceduto de' gridj intempestivj de'canj, ella
pensando che quej gridj fossero procedutj, da
nostri fanciullj danneggiatj.
etcetera etcetera etcetera
Cosa da niente! può cagionar gran danno!
Jddîo la riconfortì.
Die Schwestern, alle beyde, seindt diesen
Nachmittag, zum herrnvetter Fürst Augusto,
undt deßen Gemahlin, nacher Aderstedt,
gefahren, abschiedt zu nehmen, wegen der
vorhabenden rayse, nach Deßaw. et cetera
undt seindt darnach, von dannen wiederkommen.
Mein Carolus Ursjnus, ist auch mitt gewesen,
der hat auch, mit Fürst Augusto geangelt. et cetera
undt etzliche pärße, gefangen.
Oeconomica
tractirt, alhier, zu Bernburgk.
Philip Güdern, bey Mir, gehabtt, <
Postea
: Reichardten.>
Post von Ballenstedt, bekommen.
Gegen abendt, bin ich hinauß, auf meine
Felder, geritten.
Diese Tage ist ein Agyrta
, (so ein Promotus
Doctor Medicinæ
zu Frangkfurth an der
Oder gewesen) alhier erschienen, undt
hat wollen auf dem Margk, seinen
Theriack undt andere sachen, außschreyen,
dieweil ihn aber, Doctor Fischer, undt andere,
zuvorhero, examiniren wollen, undt sich
geschähmet, daß ein promotus Doctor
,
auf die bangk steigen sollte, ist er durch-
gegangen, undt hat sich nicht examiniren
laßen wollen, auch vielleicht seiner kunst,
undt schlechten wißenschaft, scheẅ getragen.
Mundus, vult decipj!
6
Ergo: cavendj sunt jmpostores!
Ernst Röder, undt Wischer, haben sich, diesen abendt
alhier zu Bernburgk, zur undterthenigen auf-
warttung, eingestellet.
Vormittagß, cum sororibus, et Liberis
, zur
kirchen, da dann Er
Jonius, auch, die vorseyende
heyrath, undt Fürstliches
beylager, abgekündiget,
undt segen gewüntzschet. Gott erfülle es, mit gnaden!
Ma femme, s'est absentèe, comme indisposte.
perge
Extra: die Rindtorfinn, den Superintendenten
Platonem, <
Doctor Mechovium
>[,] Tobias Steffeck von Kolodey
gehabt, ohne die ordinarios extra-
ordinarios
, alß Wischern, Rödern, die Peckadelinn,
die iungfer Börstelinn, etcetera etcetera etcetera[.]
Die avisen, von Erfurdt, geben:
Daß die Kayserliche Mayestät gerne, dero Sohn, zum Römischen
König, vorm ReichsTag, wollte erwehlen laßen.
Jtem
: das die Frantzösischen
undt Schwedischen
deputirte, noch zu Nürnbergk, wehren, den
Münsterischen Friedenschluß, zu effectuiren.
Mit der evacuation Frangkenthal,
wollte es noch nicht forth. Sie hingegen, in der
garnison, theten sich, proviantiren.
Landgraf Ernst, wehre (leyder!) Päbstisch
worden, undt disputirte, mit seinen
brüdern, undt vettern, eine Neẅe landeßtheilung.
heütte ist des herrnvettern Fürst Augustj, geburts-
Tag, an deme er 76 iahr, altt worden. Gott laße es
ihm, wol gedeyen, undt gebe ihm noch viel guter iahr, undt Stunden!
Jn den Avisen, stunde auch, daß das Päbstische refor-
miren
7, in Böhmen, undt in Oesterreich, so strenge
als iemalß, vor sich, gienge.
Domine! in quæ nos reservastj tempora!
8
Die Geistlichen, alß: Superintendens
Plato,
undt Hesius haben abschiedt genommen, a sorore
,
undt mit segen, valediciret. perge
Gott
laße es wol bekleben!
<1 lachß gefangen.>
Alß wir heütte in den præparatoriis
der rayse
nach Deßaw, begriffen gewesen, ist die Schwester,
Freẅlein Dorothea Bathildis, gantz hinfällig worden.
Gestern, ist auch Meine herzlieb(st)e
gemahlin unpaß gewesen.
Es fähet sich aber ahn, mit ihr, zu beßern, (Gott lob!)
Jch finde viel resistentzen, zu dieser solennitet!
Gott helfe über[w]in[d]en!
Nachm frühestügk, habe ich mich, in die 70 personen
stargk, mit der lieben Schwester, Freẅlein Sofia
Margaretha, nacher Deßaw erhoben, auf ange-
stelletes Fürstliches
beylager, undt Freẅdenfest.
An der grentze, seindt unß, geleittsleütte
entgegen geschickt worden, (nach dem herrvetter
Fürst Augustus, bey Pißdorf, zu unß, gestoßen wahr)
undt unferrne Dessaw, ist uns, der Fürstliche braüttigam,
|| [[Handschrift: 191v]]
entgegen kommen, mit stargkem ansehlichem Comitat,
(darundter, die beyden iungen vettern, von
Plötz-
kaw
, so dann, vetter hanß Geörge begriffen
gewesen) undt Adel, wie auch anderm, iäger:
undt gewöhnlichem gesinde. Sie hatten
höerpaugken, undt 6 Trompter, bey sich,
ich aber brachte 3 Trompter mitt,
zu Deßaw, ritten wir ordentlich ejn
mit allen freẅden, nach dem der Fürstliche
Braüttigam, im felde vorgedacht unß
angenommen, undt vom pferde absitzende,
die brautt
beneventiret, neben unß freünden.
Diesen abendt, ist noch das Fürstliche
Bey-
lager
im großen Sahl, ansehlich celebriret
worden, undt die Trawe, vom Superintendenten
Raumero, (nach gehalt[e]ne[m] schönem Sermon)
geschehen. Jch, undt Fürst Augustus
führeten, die Fürstliche brautt, meine
Freẅlein Schwester, Sofia Margaretha,
die vettern von Plötzkaw aber, nemlich:
Fürst Ernst Gottlieb, undt Fürst Emanuel
führten den braüttigam, Fürst Johann Casimir
zu Anhaltt, zur Trawe. Der Oberste Werder
|| [[Handschrift: 192r]]
so auch zu meinem träin
gehörig, undt sich darein
ergab, (mit 8 pferden, undt 10 personen) that die
übergabe beym brauttbette, ansehlich, mei-
net wegen, der von Freybergk, hofmeister
undt Raht zu Deßaw, that die dangksagung,
auch gar beredtsam, undt ist dieser heylige
ohne zweifel, Gott dem herren, wolgefällige
actus
, wol beschloßen worden.
Den abendt, hat man stadtlich tractjret,
mit blasen, undt musiciren, zu gewöhnlicher
festivitet, undt rechter zeitt, nichts ge-
spahret, undt nach der malzeitt, undt
gebeht, im Saal getantzt, sonderlich die
Ehren: undt Fagkel Täntze nicht undterlaßen.
Des Morgens, umb 5 uhr, ist
man erst, voneinander, gegangen.
Jch habe heütte umb vollziehung
der Ehepacten, undt des verzichts an-
gehalten, aber vergebens, weil es auch
Fürst Augustus
dissuadirt, andere aber, gerahten.
Vom Tantze hat sich, der liebe allte
76iährige Fürst Augustus, (welcher gestern, in
das 77. iahr seines allters, eingetretten) absentiret.
Diesen Morgen ist man umb 5 uhr allererst, vom Nächt-
lichen Tantz, von einander gegangen, undt hat man die
Fürstliche brautt, hinundter in ihr zimmer begleittet.
Darnach, haben sich, die Mannspersonen absentiret,
undt hat meine freundliche herzlieb(st)e
gemahlin, an Mutters Stelle
dem braüttigam, die brautt überlifert,
nach höflichen, <vorhergehenden> baldt darauf, <mehr in ernst als Schertz> folgenden vo
con-
certationen
, weil man die brautt, diesen
Tag, noch undter den Freẅlein behalten, aber
dem braüttigam, diese schalckheit mißfallen wollen.
Es hat unser keiner viel geruhet, sondern
theilß, seindt in die kirche zur predigt gegangen,
theilß haben etwa ein par, oder aufs meiste
drey Stunden, geschlafen, darnach ist man
zur malzeitt gegangen, da dann, der herr
braüttigam oben ahn, sitzen müßen, wiewol
er es ungerne gewilliget, weil es nur
eine abendthochzeitt sein sollen, an deren
gestern abendt, die brautt, oben ahn, ge-
seßen. Jl y a eü dès mèsentendüs, ün peü
,
(inter pocula
!) que l'authoritè dü Prince Augüste
a bien tost, appaysèes, et deprimèes, sous lés cendres
.
Nachmittage hat man wieder, mit Tantzen,
undt frölich sein, zugebracht.
Zu Abends, hat sich, mein vetter, Fürst Johann Casimir, wegen
unpaßligkeitt, von der mahlzeitt, absentiret, undt
man hat doch über Tische, zimlich getrungken, durch
verahnlassung, undt Treẅhertzigkeit, des lieben alten
Fürst Augustj, undt man ist spähte zu bette gegangen, nem-
lich, gegen 2 uhr, Nach Mitternachtt. Der Braüttigam
aber, (nach dem er auch nachmittages, zweymal sich
absentiret, undt außzuruhen, begeben) hat sich den
abendt gar nicht sehen laßen. Die Brautt aber, ist
bey der gesellschaft blieben, undt außgedawret,
wiewol Sie die rose, an Schengkel bekommen.
Die iunge pursche, hat auch noch die nacht ge-
tantzt, nemlich: die iungen herren, undt Freẅlein,
Jungkern, undt Jungfern.
Die angekommene avisen, haben mitgebrachtt:
Daß die Cosagken, undt Tartarn, von den Polen,
totaliter
geschlagen worden, undt in einem blutigen
treffen, (welches in di[e ... Ta]ge lang, gewähret)
wehren in die 200000 Mann, von beyden theilen,
geblieben. Der König in Polen, wehre in der person, darbey gewesen.
Es recolligirten sich aber doch, solche völgker, aufs neẅe,
undt erwarteten weitteren endtsatz. Begehrten
keinen frieden, mit den Polen, einzugehen, unangesehen
es ihnen, ihr, der Cosacken General Chmielinsky
ge-
rahten. Der Große Cham[!], wehre gestorben.
Die Türgken setzen Candia hart zu, laßen sich
auch in Dalmatia
, undt Sclavonia stargk sehen,
wollen Catharo belägern, hingegen rüstet sich
Ve-
nedig
, zur gegenwehre, zu waßer, undt zu lande!
Der Kayser, præparirt sich, zu einem Reichß-
Tage, wil seinen Sohn, zum Römischen König, haben,
trawet dem Türgken, auch nicht allerdingß,
und vertröstet unß, mit der evacuation
Fran-
ckenthal
, wann die gelder einkähmen?
Zu Nürnbergk beschwehren sich, die Frantzösischen
undt Schwedischen
abgeordneten, über der langweiligen
execution, des FriedenSchlußes.
Jn Dennemargk, wil daß Veneficium
noch nicht geglaübet werden, sondern viel mehr
ein Oberster verdacht, daß er die hure corrumpirt
hette, also zu sagen.
Die Tractaten zu Lübegk, zwischen Schweden,
undt Polen, sollen noc[h] vor sich gehen.
Es gibt mißverstände zwischen der iungen
undt allten Princeßin von Uranien.
Die beyden wittiben, prætendiren auf
das gouvernement
von Orange. Es
dörfte wol ein Tertius
darüber sich immisciren.
Man hoft, auß Engelland
und Schottlandt, General
|| [[Handschrift: 194r]]
Cromwell, seye geschlagen.
Chur Brandeburg
undt Pfaltz Neẅburg, seindt
einander, noch in den haaren, undt bewerben sich, umb assistentzen,
Etzliche nachtbarn zwahr, suchen sie zu accordiren, aber die
verbitterungen, nehmen zu. Lottringen, gehet zu Pfaltz
Neẅburgk. Der Ertzhertzogk, hat den gesuchten secours
, recusiret.
Chur Brandeburg wirbt stargk, undt verleßet sich, auf die Staaden.
<1 lachß zu Bernburg
gefangen.>
Man hat diesen Morgen, in publicis
, undt auch im
negocio Religionis
, etzliche nöthige schreiben, vollnzogen.
Gott gebe, zu glügk! und succeß!
Die Rähte, undt hofofficirer, undt bediente
seindt von beyden Theilen (gewöhnlicher weyse)
beschenckt worden, wie auch die Trompter, Musican-
ten, undt andere, so aufwartten helfen. Mein
vetter, Fürst Johann Casimir, hat auch, Meine freundliche herzlieb(st)e
gemahlin,
beschenckt, mit einem demantenen creützlein
von golde. Mir hat er seinen ahnpartt, an all-
hiesigen
<zu Bernburgk stehenden>
Stügken, undt ich ihm hinwieder,
meinen ahnpartt, an 1[8]
doppelhacken, (so noch
ungetheilet, in der Rüstkammer zu Deßaw,
vorhanden liegen) præ[sen]tiret, an stadt anderer
gewöhnlichen Schwägerlichen præsenten, undt
seindt also nach gehaltenen FrüheStügken, in den
gemächern, allerseits friedlich, und höflich, geschieden.
Die gute iunge Fraw Schwester, Sofia
Margaretha, hat gar beweglich valediciret.
herrvetter
Fürst Augustus, nahm abschiedt in meinen gemach
undt fuhr darvon. Seine iunge herren, aber
undt Printz hanß Geörge, haben mich hinauß
zu pferde, cum pompa
wieder begleittet,
ein stügke weges. Fürst Johann Casimir,
nahm im Schloßplatze, von unß abschiedt. Der
Oberste Werder, Obrist leütnant
Diepholtz, Obrist
wacht-
meister
Duderstatt, undt andere, viel vom
adel inngleichem, sonderlich auch, die Rähte <der Oberste Werder[,] Canzler Doctor Müller
>, Cantzler
Milagius, Freybergk, Gehse, der alte Walcwitz,
so CammerJunckers stelle ordinarie
vertritt,
an itzo aber, Marschalcksstelle vertretten,
nebst Zigesarn. Lochaw, wahr vorschneyder.
Zogen also ruhig, mit den unserigen, wieder nach
Bernburgk, undt ließen etzliche zu Deßaw, bey der braut[.]
Allein, daß p[r]incipalste, habe ich gestern einzuzeich-
nen, (bey der großen, mir ungewöhnlichen, unruhe!)
vergeßen, daß nemlich [nach e]tzlicher Tergiversiren,
des morgends, mit nüchternem Munde, der
verzicht, von Meiner Fraw Schwester Liebden dem her-
kommen nach, eydlich beschehen, in meiner præsentz,
|| [[Handschrift: 195r]]
undt in gegenwarth Meines vettern, Fürst Johann Casimirs
seiner, undt meiner Rähte, wie ich solches absonderlich
habe prothocolliren, undt reserviren laßen.
Gott lob! undt dangk! daß alles, noch so wol,
vollnbracht ist, er gebe ferner glück undt segen!
so wol den neẅen eheleütten, alß unß allerseitß!
undt erfülle die vielen gethanen, Schrift:
undt Mündtliche gute wüntzsche, vota
, undt
gratulationes
! zu seines heiligen nahmens ehre,
undt unsers Fürstlichen uhrallten hauses, besten, Amen!
Zu Bernburgk, haben wir, zu unserer (Gott
lob) glügklichen wiederkunft, die lieben kinder,
undt alles in paßlichem zustande gefunden, undt
das man in voller erndte, begriffen. Gott segene
ferner, reichlich, mit gnaden! hin: undt hehr!
undt erleichtere doch gnediglich! väterlich!
undt mildiglich! meine große obliegende
beschwehrungen, anliegen, creütz, undt unvermögen!
nebenst anderen vielen malis domesticis. perge
Sprich doch, nur ein wortt, herr Jesu, so kan
deine rechte handt, alles endern, undt wenden!
Ne quæso, more judicis, quid egerim, quid dixerim, quid cogi-
tarim; pondera! Peccata sed mea omnia, tuo cruore deleas!
9
Donnerstag♃ den 17den:
Julij
; 1651.
Briefe geschrieben, nacher Croßen, undt sonst schreiben laßen.
Freẅlein Johännchen, von Plötzkau
undt Schwester Dorothea Bathilde
besucht,
diese hat sich (Gott lob,) recolligiret. Gott gebe!
das so bestandt habe!
Jch habe in Oeconomicis
, vielerley anzuordnen, gefunden.
<1 lachß gefangen.>
Mit Negromonte, undt Tobias Steffeck von Kolodey
allerley importantzen,
zu reden gehabt.
<
Avis
, das> Zu Deßaw,
sie schon haben überb
1000 lächße, Gefangen.
Freẅlein Johännchen, von Plötzkaw, hat zu Mittage,
mit unß, gegeßen, nebenst Schwester Dorothea Bathildis,
welche hinüber, nacher Plötzkaw, gefahren mitteinander.
<
hertzogk Ernst, von Gohta, kömpt heütte, nacher Plötzkaw.>
<1 lachß, von 9 Pfund (libra)℔: gefangen.>
Commission ertheilet, wegen visitation, der Maltze, welche
(Gott lob) zimblich wol, auf meiner seitte, abgegangen,
undt etwaß betrug, erfahren worden.
A spasso
, auf meine rogkenbreitte, gegangen,
undt gesehen, daß diese Tage, von den Schnittern, zwey
Sechtzigk, 30 Schockßo: 14 garben rogken, abgebracht
worden, Gott laße mirs, wol gedeyen<!> Sie thun:
255 hauffen, 14 garben.
Avis
, undt schreiben von Ballenstedt, das zu Königeroda
undt Dangkeroda, das wetter großen schaden gethan,
undt viel getreydig verderbet hette.
Auf dem hause Ballenstedt graßiren die pogken,
undt liegen daran, des Ambtschreibers, drey kinder.
Gott gebe beßerung, alles übelstandeß!
Cest accident, m'empeschera, d'aller á Ballenstedt, afin
de n'entascher mès enfans!
Diesen Nachmittag, hat Augustus Ludwig von Einsidel
deß hofmeisters Söhnlein, die pogken bekommen. Gott
helfe ihm! undt bewahre, unsere liebe kinder!
< <Text:> Matthäus 7.10 von falschen Propheten.>
Jn die kirche conjunctim
, da Er
Jonius geprediget.
Extra zu Mittage, die Rindtorfjnn, Krosigk von
Alßleben, Tobias Steffeck von Kolodey
undt Caplan Jonius.
Nachmittags, cum filiolo, & tribus filiabus11
zur kirchen,
wiederumb, da dann, der pfarrer von Dohndorf, Angelocrator
geprediget, die Epistel des heüttigen Texts.
A spasso con Madama
, auf dem kleinen kützschlein
nacher Zeptzigk, unser getreydig, zu besehen. Es seindt
undter der gerste, sehr viel disteln, undt unkrautt.
Der weitzen, ist brandicht. Scheinet also, wir werden
nicht eben, so gar eine reiche erndte genießen. Jedoch stehet
alles, in Gottes handen!
hertzogk Ernst von Weymar, ist von Plötzkaw, nacher
Zerbst, verrayset, undt hat an mich, geschrieben, mich
vertröstende, im rügkwege mir zuzusprechen.
Jch bin mit Carolo Ursino, hinauß, nacher
Zeptzigk, undt auf meine felder, geritten.
Nota Bene Nota Bene[:] Jnfluenza d'una coltellata sopra
la sommità del mîo capo, nella guerra mari-
tima contr'il Turco, e forse sarà mortale!
È, ben<!> vada il resto! se Diô lo vuole?
Schreiben, von Wien, Hall, undt Leiptzigk.
Die avisen geben, die confirmation der Pollnischen
Victorie, wieder die Tartarn, undt Cosagken, undt
das auf beyden seitten, viel volgk geblieben, auch
ansehliche häupter, undt Officirer. Jnsonderheit, wehre
es den ersten Tag, mit den Polen, schlecht gestanden,
endtlich aber hetten sie obgesiget, undt 40000 Mann,
vom gegentheil niedergemacht, auch den Cosagken,
so friede begehrt, keine andere conditiones
, alß
sich, auf gnade, undt ungnade zu ergeben, undt
den General Chmielinsky, zu überlifern,
vorgeschrieben.
Jn Engelland
undt Schottlandt, stünden die sachen, so
undt so. Cromwell, wehre genesen, undt gienge auf
die Schotten. Diese aber, stärgkten sich, undt hetten
die factiones
, undt Nahmen undterschiedlicher
secten, alß: Preßbyterianer, Malignanten,
Königische, undt Argailisten, abgeschaft, undt
trachteten in Engellandt. hertzogk von Lottringen,
nehme sich, der Jrrländer, ahn. Der Parlament(ar)ische
gesandte12 im haag, hette eben nicht die verlangte
satisfaction, erhalten.
König in Portugall, suchte hülfe, bey den
Moren-
königen
, wieder Spannien, undt erwartete
dannenhero, einer großen Machtt.
Jn Frangkreich, hofte Cardinal Mazzarinj,
alß ein Päbstlicher Legat, honorifice
, wieder einzukommen,
undterm prætext, Frangkreich mit Spannien,
zu vergleichen, undt zum Friede, zu disponiren.
Dem Prince de Condè, würde sehr nachgestellet.
Die Spannischen undt Frantzösischen armèen, mar-
chirten auf einander.
Pfaltz Neẅburgk hat auch ein Manifest laßen
außgehen, darinnen beschwehrt er sich sehr, über Chur
Brandenburg
der ihn also, absque ulla denunciatione Bellj,
violenter
, überfallen hette, derivirt von sich alle Culpam
,
|| [[Handschrift: 197v]]
der Mißverstände, undt beschuldigungen, auf daß
gegen-
theil
, beschönet seine Sache, so gut er kan, undt
mahnet die beampten, vom Chur Brandeburgischen
gehorsam,
gäntzlich abe[!]. Er hat lottringhische
secours
bekommen,
undt der Kayser hat Chur Brandeburg mit der
Acht, undt Strafe des Friedbruchs, gedroẅet,
wo er die wafen, nicht niederlegte?
Die Königinn in Schweden, ist von einem trungk
kaltes waßers, den sie in die hitze, gethan, krangk
worden, baldt aber wieder genesen, auf einer rayse.
Die Tractaten, zu Lübegk, gehen noch, vor sich.
Die Türgken, sollen noch mit den Neẅen
Regen-
ten in Engellandt, correspondiren, undt wol stehen,
auch vom Türckischen Kayser selbst, admittiret werden.
Der Venezianer krieg, gehet noch, so, undt so,
von statten, undt wirdt zu waßer, undt lande,
(pro posse
!) continuiret, wieder den Erbfeindt. perge
Zu Rom, sollen gar heimliche practicken, undt
Consilia
vor sein, auch wieder Spannien selbst.
Viel Banditen, werden ertapt, undt hin-
gerichtet, so wol, alß ihre fautores
, im Päbstlichen
Stado, undt in dem Königreich Neapolj.
Ce m'est ün crevecoeur, que ie ne voy, nj entends
rien, de mon fils, quj est allè, en Hongrie. Dieu m'en
vueille faire entendre, dés bonnes nouvelles!
J'apprehends, avec crainte, lés mauvayses!
ce, que Dieu ne vueille pas, en son ire, par sa
bontè jnfinie! & par sa misericorde jnèspuisable!
Jn den avisen, stunde auch:
Daß man zu Paris, ein buch, offendtlich verbrennen
laßen, durch den hengker: Defensio populj Anglj-
canj, contra Defensionem Regiam, Salmasij; et cetera
genandt,
weil es alle Monarchien, will dempfen, undt
vernichten.
Domine! jn quæ nos reservastj tempora!
13
Es stunde inngleichem: das der Churfürst von Brandenburg
die herren Staaden, umb secours
, wieder Pfaltz Neẅburg,
ersucht, Sie hetten es aber, abgeschlagen, undt sich lieber,
zur gühtlichen jnterposition, erbotten. Der Churfürst,
wehre
von
<auß>
dem haag, nacher Cleve, wieder ankommen.
Der Pabst, wehre mit den Venezianern, nicht zu
frieden, weil dieselben, den zehenden, von ihren geist-
lichen, zum Türgkenkriege, forderten.
Die Maltheser galleren, hetten wieder gutte
beütten, von eroberten Türckischen Schiffen, gemacht. perge
Es seindt Victualien, von Ballenstedt, ankommen.
Schreiben vom hertzogk Wilhelm von Weymar, <
froide
.>
Rationes contra; Vocationem externam, sive putativam
:
1. Maxima resistentia nunquam jntermittens.
2. Jmportunitas creditorum.
3. Defectus mediorum.
4. Malitia adversariorum, qui litigiis deprimere
meam sortem, satagunt. Ergo authoritas recuperanda
nunc, aut nunquam! Deo volente! Jnter adversarios
pono, inimicos inter nos, <(etiam ex intimis)> et externos, Magnos &
parvos!
5. Crescente ætate, crescit imbecilli-
tas naturæ, ingravescentibus morbis, difficile
erit, remedia sustentationis, quærere.
6. Status huius regionis, miserrimus, ubj omnia
confuse tractantur, Principes sunt inter
sese discordes, invidj, ac æmulj. Consiliarij
quidam, quærunt honores, opes, et dominium
sup
ra
<er>
reliquos. Nobilitas, & cives aliquj,
<(ad jnstar populi Anglicani, et Parlamentariorum ibidem,)>
aliam formam regiminis, non Monarchicj,
sed Aristocraticj, petunt, cum eversione Principum.
Maximj Principes, et Vicinj potentiores, nos devo-
rare cupiunt. Cuncta, sursum deorsum Vertuntur!
|| [[Handschrift: 199r]]
7. Vocatio jnterna, ex maxima parte, jam
impleta esse poterit, attamen in residuo adhuc
aliquid manere, mihj videtur. Faxit Deus!
8. Sunt mihi prætensiones honestæ, si Deus
affuerit, viresque addiderit, consiliis nostris?
9. Mortalitas tam inaudita, et frequens,
carissimorum filiorum, calcar mihi addit, ut
alium locum quæram, quem Deus mihi, mon-
stravit, aut monstrabit, ad meliorem sortem!
Sed quis audet aggredj tantas res? deficjentibus mediis?
10. Contemptus extraordinarius, qui mihi evenit multos
annos jam, ab uxore propria, ab amicis, <a fratre[,]> cognatis,
patruis, patruelibus, <servis, subditis> & aliis, quj iura sanguinis
<et officia debita> neglexerunt, omnia infortunia, mihj imputarunt,
parvo, seü nullo solatio, me juvarunt, horrendas
vastationes bonorum meorum, siccis oculis,
aspexerunt, <apud exteros, & subditos, me traduxerunt> & mihi misere afflicto, sæpius
afflictiones <majores, imo> ingentes addiderunt, imo: in bellj
calamitate, calamitates auxerunt, & cumu-
larunt, nec respirandj facultatem, dederunt,
subditos, contra me, irritarunt & nihil reliqui
fecerunt, (ut videbatur!) ad vitam mihi <iam civili morte perempto prorsum> contumeliose eripiendam!
Jch habe Secretarium
Paul Ludwig
bey mir gehabt, in importanzen.
Meine freundliche herzlieb(st)e
gemahlin, ist hinauß spatziren, nach Palberg
gefahren.
Wolfgang Sutorius, hat mir, in Oeconomicis
, referiret.
Die wochenpredigten, werden numehr, von wegen der
lieben Erndte, biß aufs dangkfest (gebe gott) eingestellet,
damit man nicht, stühlen, undt bängken, predigen dörfe.
Der pfarrer von Palbergk, Bartolomeus Fridericj,
ist bey mir gewesen, con poca sodisfazzione
!
Quilibet Faber; suæ Fortunæ!
14
Gestern ist zu Staßfurth, ein Hardenberg, von einem
Wilßdorf, erstochen worden. Der Thäter, ist endtwichen.
Jch bin hinauß, nach Pröderitz, undt Zeptzigk
geritten, von rogken haben sie zu Pröderitz 140 hauffen,
undt zu Zeptzigk 463 hauffen aufbracht, undt
an der gerste gemeyet.
Avis
vom hertzog Ernst, daß er Morgen, (gebe gott)
zu Mittage, alhier sein will, 19 personen, und
18 pferde stargk.
Doctor Fischer der Medicus
, hat die Apoteke alhier
zu Bernburgk, visitiert, undt dieselbe beßer versehen,
als man vermeinet, befunden.
Donnerstag♃ den 24ten:
Julij
; 1651.
Bürgermeister Tornaw, postea
: Doctor Levinus Fischer, der Medicus
seindt bey mir, gewesen, in diversis
, zu relationniren. perge
Vormittags, ist noch hertzogk Ernst von Saxen
Weymar, anhero kommen,
mit 18 personen, 19 pferdend
.
Er hat mit unß, zu mittage, gegeßen, wol discurirt,
undt ist gegen 4 uhr, forth, nacher Plötzkaw, hat sich,
zu aller affection, undt freundtschaft, anerbotten.
Alß er ankahm, da donnerte es, als er abzoge,
da <donnerte es wieder, undt> regenete es zimlich! C'est ün Prince prüdent,
Vertueux, & fort accomply! expert aux affaires.
Jn seinem train
, wahr: der Stallmeister
Wangenheim, der CammerJungker Segkendorff,
undt ein Medicus
, Doctor Glaß.
Wischer, ist auch wieder zu unß kommen, vormittags
undt hat dem hertzog, vorm trincken, gestanden.
Rindtorf, mir, undt meiner herzlieb(st)e
gemahlin Liebden auch Wischer.
Röder, hat vorgeschnitten.
Zu Deßaw, ist dieser hertzogk, auch nur eine
Mahlzeitt, gewesen, nemlich: gestern abendt,
dahin er, von Zerbst, gekommen.
Doctor Fischer, ist auch extra zu Mittage, bey uns gewesen[.]
Der hofmeister Einsidel, hat aufgewartet, endlich, post abitum
Ducis
, sich absentiret, wegen seines kindes blattern.
Jn Oeconomicis
, Regierungs: undt justitziensachen,
habe ich expedienda
expediret, undt gewöhn-
liche
Conversationes
, nicht verabseümet,
item
: nach der Erndte gefraget, undt
das Proverb:
Quod caret alterna requie; du-
rabile non est!
15 auch observiret, undt practiciret. perge
Jch bin hinauß, in die weinberge geritten,
undt an die Zernitzer brügke, in zimlich warmen
wetter, vormittags.
Extra zu Mittage, den allten Peltzigk
gehabt, welcher seinen Sohn Otto
e zu meiner
gemahlin pagen, præsentiret. perge
<Regenwetter.>
Jn die kirche, vorm berge, cum filiolo Carolo Ursino
.
Der pfarrer von Cörmigk
Valentinus Reichardt, hat
geprediget.
Die avisen von Erfurdt, geben:
Daß in Frangkreich, große mißverstände, undt
Mißtrawen, vorgehen, zwischen der Königinn,
undt dem Printzen, von Condè.
Jtem
: daß der König in Engellandt, sich dem Cromwell
nähert, undt viel Engelländer, nachdengklich macht.
Jtem
: daß die große Victoria
in Polen,
wieder die Tartaren, hetten am meisten, ein-
gebüßet, die Cosagken, wehren bey zeitten
außgerißen, undt ihr General Chmielinsky
hette einen heimlichen verstandt, mit dem
Könige, in Polen, gehabt.
Jn Dennemargk, undt Schweden,
wehre große theẅrung, an brodt, etcetera[.]
Chur Brandeburgs
krieg, würde vor eine
præcipitantz gehalten. Die pfaffen, am
Rheinstrohm, stelleten sich, in verfaßung.
Der Kayser droẅete, mit der Acht,
undt hette ein pœnalmandat, auß-
gehen laßen, wieder Chur Brandeburg wegen
restitution der Thumbprobstey halberstadt.
Die Nürnbergischen
Tractaten, würden nacher
Frangkfurt, am Mayn, verleget.
Nachmittage, wieder in die kirche, conjunctim
, da
Er
Jonius geprediget.
Jn Oeconomicis
, mit Tobias Steffeck von Kolodey
mit Jakob Ludwig Schwartzenberger
undt Wolfgang Sutorio, zu handthieren gehabt; Jtem
:
mit dem allten Sekerka. perge
Schreiben von Saroschpatagk auß Ungarn,
von meinem Sohn, Victorio Amedeo, de dato
den 23. Julij; stylo veteri
entpfangen, daß des iungen
Ragozzj
beylager, (Gott lob) wol abge-
lauffen, undt alles wol angestellet gewesen[.]
Die personen, werden sehr gelobet. Aber
mein Sohn, befindet sonst, allerley mängel
undt defect in beüttel, so Gott beßern wolle!
Die Chur Pfältzischen Gesandten16, undt
andere mögen nicht wol bey gelde sein.
Gott gebe nur, daß Sie weder am leibe
noch am gemühte, noch im beüttel, in ihrem
rügkwege, mangel leiden mögen.
Die Wallachen, sollen auch im gebürge ihnen
aufgepaßet haben, Gott hat sie aber, noch vor
unglügk bewahret gnediglich! dem seye lob!
|| [[Handschrift: 202r]]
Er helfe ferner, mit gnaden!
Jtem
: habe ich schreiben, von der Churfürstin, von Croßen
entpfangen. Die iunge Churfürstinn, sol gar schwach
sein, undt ihr abermals leider! unrichtig gegangen.
Gott woll ihren zustande beßern!
Der krieg, mit Pfaltz Neẅburgk, ist noch nicht
beygeleget, undt wirdt vor eine Præcipitantz gehalten.
Die Avisen geben:
Der Chur Brandenburgische
krieg, mit Pfaltz Neẅburg
noch underhandelt
würde, wiewol Pfaltz Neẅburg die Staaden
disgustiret, undt 4000
lottringher, zu hülfe bekommen, auch sonst animirt würde.
Die Geistlichen würben, zu ihrer landeßdefension,
zu Cölln, Paderborn, Münster, etcetera etcetera etcetera[.]
Die Spannier, undt Frantzosen, gehen wiedereinander,
zu felde, in den Niederlanden, in Jtalien, undt Catalonien.
Jn Flandern, bringt die Frantzösische
irruption große
desolation. Jn Piemont, ist viel deützsch: Bayerisch
volgk ankommen. Jn Catalogna
, sonderlich zu Barcelona
grassiret die pest erschregklich, also: das die
leütte haüffig auf den gaßen, todt hinfallen.
Durch diese mortalitet, hunger, undt ängstigung,
hoffen die Spannier, Barcelona zu recuperiren,
undt Ballaquier zu übermeistern.
Zu Napolj, ist der ViceRè, wieder in großem ansehen.
Der Pabst hat eine Stadtliche fontana
in Piazza Navona
gebawet, so man vor das achte wunder der weltt, halten will.
Zu Wien, stirbts an der pest. Der Kayser sol nach Prag kommen.
Die bettler, so Evangelisch, undt nicht Catohlisch werden
wollen, wie die Romanisten wollen, werden zum ersten mahl
mit ernsten wortten, durch die bettelRichter abgewiesen,
undt mit keinem zeichen, wie die Päbstischen zum allmosen
samlen, erlaubet. Zum andern mahl, ist befohlen, Sie
in die eisen zu schlagen, undt in dem Stadtgraben, sie
arbeitten zu laßen. Werden die zum dritten mahl
betretten, sollen sie mit ruhten außgestrichen,
undt des landes verwiesen werden, wo sie sich
noch nicht accommodiren wollen?
Die große Victoria
des Königes in Polen, wieder
die Tartaren, continuiret, undt das die ersten
zweene tage dieses treffens, (zu welchem der
Große Cham[!], die Polen mit ihrem Könige,
auß-
gefordert
,) sie die Polen zimlich eingebüßet,
undt in die 12000 Mann, auch viel woywoden,
undt hohe Officirer, verlohren. Den dritten, undt
letzten tag aber dieser Schlacht, undt
haüpt-
treffens
, sollen die Tartaren, in gäntzliche
Flucht gebracht, undt Stügke, bagage
muni-
tion, auch in die 30000 Mann, verlohren haben.
Der große Cham[!], wehre mit nawer noht,
darvon kommen, seiner verwandten aber, undt
|| [[Handschrift: 203r]]
diehner wehren etzliche viel gefangen, auch theils blieben.
Der Chmielinsky aber, als er der Tartarn flucht gesehen,
hette er sich mit 100000 Mann, Cosagken, in eine wagen-
burgk retiriret, undt verschantzt. Der König aber,
hette ihn umbsetzt, undt spielet auf sie mit
Stügken, granaten, undt feẅerballen, in hofnung,
sie baldt, zur submission zu zwingen. Theilß
wollen, der große Cham[!], wehre mit einer
Stügk-
kugel
getroffen, worden, undt ümbkommen, da-
rauf hetten die Tartarn, den Chmielinsky auß
grimm, in die eisen geschlagen, undt hetten ihn also
flüchtig, mit sich, in die Tartarey geführet,
als ob er uhrsach, an dem unheyl wehre?
<Die Cosacken aber, hetten fluchs einen andern General erwehlet.>
Es wehren auf beyden seitten, wol 400000 Mann,
gegen einander gestanden, undt der König in
Polen, hat durch diese Schlacht, groß lob, erworben.
Jn Schweden, wehre Dorstensohn, gewesener
GeneralFeldtmarschalck, wegen seiner großen
Thaten, mit ansehlicher pomp, undt solenniteten,
zur erde bestattet worden. Die Königinn hette
selber, dem conduct beygewohnet. perge
Zu Lübeck,
giengen die Tractaten, mit Polen, vor sich, welchen
der muht, wegen der Victorie, sehr gewachßen wehre.
Jn Dennemarck kähme viel verborgenes, durch die
inquisition an tag, undt müste sich, Hannibal Sehestedt,
|| [[Handschrift: 203v]]
des StadthalterAmpts, in Norwegen, aller digniteten, Titul,
Ehrenämpter, auch gühter verzeyhen, viel Königliche schulden
bezahlen, auch restituiren, waß man ihm vor diesem zur ar-
mirung etzlicher Schiffe, an gelde, eingehändiget, undt die sol-
datesca in Norwegen, vollkömblich bezahlen, auch Langelandt
vor 60000 Thaler, vom graf Rantzow, wieder einlösen,
undt verschwehren, keinem außländischen potentaten
zu dienen, sondern nur stille undt privatjm
, in
Denne-
margk
sich aufzuhalten, und nimmermehr wieder in Nor-
wegen zu kommen, <da er ohne das aller gühter verlustig worden> noch ichtwaß, wieder selbigen estat
, zu
practiciren, noch wieder die Crohne Dennemargk[.]
Diese schwehre conditiones
, hat er eingegangen, undt undterschreiben müßen, hat er nicht einen schwehreren
sententz erwartten wollen. Generalleütenambt
Bawer, undt andere kriegßofficirer, seindt zum Könige,
nach Coppenhagen, beruffen worden, undt man inqueriret
noch, auf den Reichßhofmeister Ulefeldt.
Die Türgken, rüsten mächtig, auf Candia, erwarten
Engelländischen
secours
, undt hoffen selbiges Königreich,
zu emportiren. hingegen armiren die Venezianer auch,
undt haben in Dalmatia
undt Albania, nebenst den
Morlacchi
, etwaß succeß gehabt.
Die Schotten hoffen mit ihrem Könige das beste
wieder die Engelländer, vorzunehmen, undt eine
Schlacht, in Gottes nahmen, mit Cromwell zu wagen.
|| [[Handschrift: 204r]]
Der König, macht sich in Schottlandt stargk, undt gantz
absolut. hingegen fahren die neẅen Regenten
in Anglia
mit ihren Violentzen forth, strafen viel leütte, umb
ihr geldt, ehre, undt leib, undt sollen große victorien
in Jrrlandt, erhalten haben, schonen weder geistliche
noch weltliche. Jhre zweene Gesandten, seindt im
Haag stadtlich beschenckt worden, ieder, mit einem
güldenen handtfaß und gießbegken, von 10000 Gulden (florenus)f:
ein ieder Secretarius
der Legation, hat bekommen, eine
güldene kette, von 800 Gulden (florenus)f: Jedoch höret man, von
keiner haüptsächlichen alliance
, noch zur zeitt. perge
Jn Frangkreich, gibt es großes Mißtrawen zwischen Cardjnals Mazzarinj, deßen wiederkunft, der Printz
nicht leiden will, undt weil man anschläge auf
seine des Printzen person, gemacht, hat er sich auf sein
casteel nach Saint Maur, <von Paris
> retiriret, alda er einen
stargken anhang bekömpt, undt von seiner fidelitet
an das Parlament zu Paris, eine Protestation ergehen laßen,
darinnen er sonderlich, umb außschaffung des Cardinals,
bittet, undt selbige rahten thut.
Das vorgewesene Pœnalmandat, contra
Chur Brandenburg
sol der Kayser (auf jntercession, der Schwedischen[,] heßischen,
undt Brandenburgischen
gesandten17,) in gütlichere wege, undt
Compositionsmittel, moderiret haben. perge
<Windig,
wie gestern.>
Paul Ludwig
Secretarius
ist bey mir gewesen, allerley zu refe-
riren, undt expedienda
vorzutragen.
<Ceste nuict, en èscrivant de mon fils Viktor Amadeus
& de l'Electeur de Brandenburg
> mon Baston, sür lequel ie m'appuye,
que
<quand>
ie marche, tomba sans cause apparente, dans
ün coin, loin de moy, á terre, dans mon poile.
Ein Rehe von Ballenstedt, oder hatzgeroda[!], pour argent
.
Jn Oeconomysachen, undt correspondentzen,
(post sacra peracta
) laboriret.
Postea
, durch Paul Ludwig
undt Tobias Steffeck von Kolodey
tractaten
zugeleget, in wiederkaüflichen
zinßsachen.
Meine freundliche herzlieb(st)e
Gemahlin, ist Nachmittags
nacher Plötzkaw, gezogen und abendts wiederkommen.
Jch aber, bin mit Carolo Ursino, nacher Zeptzigk,
undt Palbergk, undt unser getreydig zu besehen,
spatziren geritten. Gott wolle es unß, gesegenen!
undt wol gedeyen laßen!
Briefe im vorrath, geschrieben, an die Churfürstliche
wittibe zu Croßen, undt an meinen Sohn, Victor Amadeus.
Donnerstag♃ den 31. Julij
; 1651.
Post von Ballenstedt, bekommen.
Jch habe mit Georg Reichardt
allerley conferiret, in Justi-
tziensachen, in Oeconomicis
, undt anderen dingen. perge
auch sonsten anstaltt gemacht, wegen meiner abrayse. perge
Mein kammerdiehner, Ludwig Rober, ist von Cöhten,
Deßaw, undt Zerbst, wiederkommen, mit schreiben, undt
allerley expeditionen.
