Brief Nr. 1, vom 4. April 1660
Benedikt Bahnsen

Zusammenfassung


HAB, Bibliotheksarchiv, BA II, 1, Nr. 16 /Brief Nr. 1/

Der erste erhaltene Brief von Bahnsen an Herzog August datiert auf den 4. April 1660. Wie alle Briefe ist er in Amsterdam auf die Post gegangen. Bahnsen nimmt Bezug auf Anfragen des Herzogs, die sich nicht erhalten haben, aber wie folgt erschließen lassen: August sucht nach einem Exemplar der „Paedia politices“ des späthumanistischen Philologen und zum Katholizismus konvertierten Publizisten Kaspar Schoppe sowie den klandestinen Traktat „De tribus magnis impostoribus“. Das von Mythen umrankte Werk über die Täuschung der Menschheit durch die drei Religionsstifter Moses, Christus und Mohammed wird sich als bibliographisches Phantom erweisen. Bahnsen kündigt an, seine bislang erfolglose Suche nach Utrecht auszuweiten. Nach seiner Einschätzung handelt es sich bei dem Traktat um ein blasphemisches Buch: „ein Grewel aller Bücher“. Ferner kündigt er an, demnächst den Titel „De tribus seculis“ von Julius Sperber zu drucken sowie weitere Werke des Autors. Er werde dem Herzog ein Exemplar zukommen lassen. Schließlich erwähnt er, dass er der Sendung neben weiteren Traktaten und einem Katalog die „Seeräubereien“ des Claes Compaen beilegt. Gut zu erkennen sind die originale Faltung und Siegelung des Blattes. Wie seinerzeit üblich und sicher durch den Papierpreis mit bedingt, ist das Blatt Brief und Kuvert in einem. Über die drei Bücherpäckchen, die als Lieferumfang angekündigt sind, ist nichts bekannt, Fatturen oder andere Belege haben sich nicht erhalten.

Brief: Bahnsen an Herzog August vom 4. April 1660.


|| [1r]


Amsterdam 1660 April 4.

Durchleuchtiger Hochgebohrener Gnädiger Fürst und HErr p

E.(ure) Fürstl:(iche) durchl:(aucht) gnädigem begehren nach, notificire mit weini=
gem, daß die bücher, alß Padia Politica Sciopij, vnd dan das
Buch De Tribus magnis Impostoribus nirgents habe konnen
bekommen, also ich fleißig alhier wie auch zu Ütrecht darnach,
vernommen, so bald ich eins davon werd habhafft werden, soll es
überschicket werden. Das Buch De Tribus magnis Imposto=
ribus
, wird ein Grewel aller Bücher seÿn, denn die Tres ma=
gni Impostores, davon in dem selben Buch gehandelt wird,
sollen seÿn, wie ich von anderen verstanden, Christus, Moyses
vnd Mahumeth.

Was des Julij Sperberi Schrifften anlanget, so geschrieben
beÿ mir verhanden, laße ich itzunder eines drücken
genant De Tribus Seculis, so bald solches verfertiget
will Jhr Fürstl(iche) Durchl(aucht) solches übersenden, möchte also
vnnötig seÿn, dieselbe erst abschreiben zu lassen, vnd
bin ferners entschloßen die anderen auch drucken zu laßen,
vnd alßdan zu überschicken.

Weiter überschicke ich Claes Compaens Seeraubereÿen, nebenst
andern Tractätlein wie aus einliegendem Catalogo zu ersehen,
womit Ew.(re) Fürstl(liche) Gn(a)d(en) Gottlicher protection getrewlich
empfehle vnd Jch verbleibe
E.(ure) Fürstl(iche) Gn(a)d(en)
Underthäniger Diener
Benedictus Bahnsen.
Amsterdam
den [?] Aprilis.
A(nn)o p 1660.


|| [1v]
DEm Durchleuchtigen Hochgebor=
nen Fürsten vnd Herren
HErren AUGUSTUS p Hertzo=
gen Zu Braunschweig vnd
Lüneburg
p Meinem gnädigen
Fürsten vnd HErren p


Hierbeÿ dreÿ
Pacquetlein mit
bucher mit N(umer)o. 1.
N(umer)o. 2. N(umer)o. 3. gezeich=
net mit B–B

Wolfenbüttel.


Anmerkungen
Das Siegel von Benedict Bahnsen; rotschwarzer Siegellack. Das Siegel ist angebrochen und somit nicht mehr lesbar.

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