Brief Nr. 8, vom 17. Dezember 1663
Benedikt Bahnsen

Zusammenfassung


HAB, Bibliotheksarchiv, BA II, 1, Nr. 23 /Brief Nr. 8/

Der letzte Brief aus dem Jahr 1663 datiert auf den 17. Dezember, folgt also vier Monate auf den vorangegangenen vom Spätsommer. Er enthält eine weitere umfangreiche Liste als Beigabe. Da der Herzog die Bücher haben wolle (wie viele genau, wird nicht gesagt), sollen sie kurz beschrieben, also „dieselbe vmb die billigkeit außgefolget werden“. Da wäre erstens ein Traktat des Mediziners Paul Lincke über „de tribus seculis“, in dem vom Jüngsten Tag die Rede sei und in dem der Beweis geführt werde, dass der Jüngste Tag nicht so nah sei, wie vielfach behauptet. Das Buch umfasse ca. 80 Bögen in Quart. Um was es sich bei den anderen Büchern handelt, werde aus den Titeln ersichtlich. Bahnsen erwähnt abschließend ein Werk mit dem Titel „de re vitriaria“, das er im vergangenen Sommer habe kaufen sollen. Bevor ihn jedoch die Aufforderung des Herzogs erreichte, sei das Werk schon verkauft gewesen. Bahnsen habe alles versucht, eine Kopie zu bekommen. Beigelegt ist dem Brief ein kleiner Traktat mit Gedanken zu den Friedensvereinbarungen zwischen Portugal und den Niederlanden.

Brief: Bahnsen an Herzog August.


|| [1r]


Amsterdam 1663 Decembris 17.

Durchleuchtiger Hochgebohrener Gnedigster Fürst vnd Herr p

E.(ure) Hochfurstl(iche) Durchl:(aucht) überschicke ich unterhänigst inligenden
Catalogum etlicher geschriebenen Bücher, da E.(ure) Hochfurstl(iche)
Durchl(aucht)
dieselbe gnädigst begehren, sollen dieselbe vmb die billigkeit
außgefolget werden: Das Erste Pauli Lincken Doct: Med. T[Papierverlust]
ctat de tribus seculis, tractiret von dem bevorstehenden er[Papierverlust]
schröcklichen Gericht vnd Vndtergang der vierdten Monarc[Papierverlust]
vnd aller Stände der Welt; beweÿst auch darinnen außführlich
daß der Jüngste Tag nicht so nahe, alß die Prediger vndter allen
Religionen davon bißher geschrieben vnd gelehret, selbiges
buch ist ohngefehr 80 bogen groß in 4to.: Der ander Bücher
Jnhalt ist aus den Titulen zu ersehen. E.(ure) Hochfurstl(iche) Durchl(aucht)
begehrten gnädigst vergangen Sommer des Sel Schriverij
Tractat, de Re vitriaria
zu erkauffen, aber ehe solch schreiben
ankam, war selbiges albereit verkaufft, Jch aber habe auff
Jnstendiges anhalten copiam davon bekommen.

Hiemit
E.(ure) Hochfurstl(iche) Durchl(aucht) langwirige gesundtheit, friedliche Re=
gierung vnd alle gedeÿliche wolfahrt wündsche, Nach welchen
wündsch vnd bitte zu Gott Jch dan verbleibeGnädiger Furst vnd Herr E.(ure) Hochfurstl(iche) Durchl(aucht)Unterthänigster vnd Ge=
horsamster Diener
Benedictus Bahnsen
woonende bij de noodersyde
van de Westerkerck naest
hat Hoff van Parijs.

Amsterdam. A(nno)d(omin)i 17 Decembris. s.(ine)n.(omine) Anno 1663.

Hochfurstl(iche) Durchl(aucht) überschicke
ich inligendes Kleines tractätlein
sind bedenkingen auf die Fridens
Articulen zwischen Portugal vnd
Niederlandt.


|| [1v]
Dem Durchlauchtigen
Hochgebohrnen Fürsten und
Herrn, Herrn AUGUSTUS
Hertzogen Zu Braunschweig
vnd Lüneburg
, Meinem
gnädigsten fürsten und
Herrn


Franco
bis Bremen.
Wolfenbüttel.


a

|| [2r]
Beil.(age) zu Nr 23

b Verzeichnus etlicher geschriebener Bücher

1. Rechter bericht von den dreÿen Seculis vnd Judicijs divinis post
Diluvium, alß nemblich:
1. Von der Zerstörung Jerusalem vnd vndtergang der gantzen
Jrdischen Policeÿ

2. Von der großen Trübsahl über den gantzen Erdtkreÿß
vnd vndtergang alle Stände der welt.

3. Vom Jüngsten Gericht oder letzten Tag der gantzen Welt et c.
gechrieben durch Paul Lincken, Med:(icinae) Doctorem. Ao. 1599,
Mense Januarij: vnd folgendts A(nn)o. 1602 vermehret
vnd vollendet.

2. Arbatel. Theosophia oder Pnaumatica, das ist, die War=
hafftige Erkändtnus Gottes vnd seiner sichtigen vnd vnsich=
tigen Geschöpffen.
Die Heilige Geist=Konst genandt.

3. Viererleÿ Außlegung über das erste Capittel Mosis von der
Schöpffung aller dinge M. Valentini Weigelij
.

4. Apologia an Esaias Stieffeln von den Jrrthumben der
Secten
Ezechiel Meths, das ist: Grundtlicher
Gegenbericht wieder das Tractätlein von 4 Sprüchen.
Gen:(esis) 1 1. Tim:(otheus) 3. Esa:(ias) 54: v.(ers) 5. 1 Corinth.(er) 11.v.(ers) 12.
Jacob Böhmedurch Teutonicum Philosophum.
Jst noch nie gedrückt.

5. Unterthänigste vorstellung etlicher gewißen Puncten an
die hohe Obrigkeit etc:(etera)

Jst ein Tractätlein wider der Calvinisten Jrrthümber
beschrieben von M.(agister) Fridrich Brekling. Jst noch nie gedrücket.

6. De Re vitriaria von Sel:(igen) Petro Schriverio Zusammen col=
ligiret. latine.

7. Libellus de Secretis. latine Tractiret von
allerleÿ Alten farben. p

8. Liber


|| [2v]
8. Liber de diversis Fabricis Architectonicè. Alß
Caput
1. De principijs Architectonicae
2. De ventis.
3. De Aquae Jnventione.
4. De puteorum Fossionibus ex Structuris.
5. De utilitate Aquae Probandae.
6. De Aqua Jnductione.
7. De mensuris expondere fistularum.
8. De barenae natura.
9. De Calcis utilitate Probanda.
10. De Lateribus faciendis.
11. De parietibus latericijs rectorio operi parandis.
12. De generibus arborum et utilitate cesionis.
13. De fabrica villae Rusticae disponenda.
14. De Dispositione operis urbani.
15. De mensuris aedificiorum.
16. De Fabrica balnearum.
17. De Cameris balnearum.
18. De Expositionibus pavimentorum.
19. De pavimentis supra contignationis faciendis.
20. De Calce probanda operi albario.
21. De Cameris Cannicijs.
22. De politionibus parietum cimenticorum.
23. De opere coronario.
24. De parietibus cementicijs humidis.
25. Triclinia Hiberna minoribus picturis esse ornanda.
26. Pavimenta ut in hyeme repeant.
27. De generibus colorum.
28. De Normae inventione.
29. De Horologij institutione.
30. De maltis diversis.
Finis.


Anmerkungen
Drei vertikale, rötliche Striche direkt nebeneinander gesetzt. Vermutlich von einer anderen Hand.
Nachträgliche Bleistiftbeschriftung von unbekannter Hand.
Das Siegel von Benedict Bahnsen; roter Siegellack durchsetzt mit Rußpartikeln. Es zeigt ein Monogramm.
Diese zentrieren sich die Versalien B und C innerhalb eines doppelwandigen Oktagons. Hier ist das Siegel zur Hälfte,
durch das Öffnen des Briefes, weggebrochen. Der andere Teil befindet sich am
linken Rand des Schriftstücks. Vermutlich entstand dadurch auch der örtliche Papierverlust.

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