Brief Nr. 11, vom 10. September 1665
Benedikt Bahnsen

Zusammenfassung


HAB, Bibliotheksarchiv, BA II, 1, Nr. 26/ Brief Nr. 11/

Im Jahr 1665 schreibt Bahnsen womöglich mit erhöhter Frequenz Briefe an Herzog August. Der Amsterdamer verfasst am 10. September, nur knapp 20 Tage nach dem vorigen Brief, das vorliegende Schreiben, dem er eine Bücherliste anhängt. Er berichtet, dass er gerade Bücher nach Wolfenbüttel gesendet habe. Dann bezieht er sich explizit auf den Antwortbrief von Herzog August vom 24. August, der nur als Fragment vorliegt, der aber bei Bahnsen als intaktes Schreiben angekommen zu sein scheint, und zwar am 10. September, also am selben Tag, an dem Bahnsen den vorliegenden Brief aufsetzt. Die Bücher des (verstorbenen) Herrn Dr. Verlaan seien bis auf wenige Ausnahmen bereits verkauft. Er nennt zwei bzw. drei Titel, die noch für „6 gulden vnd 5 stuÿver“ erhältlich seien. Weitere Titel werden aufgezählt, wobei Bahnsen Rechenschaft gibt, wo bzw. bei wem er sie gekauft hat. Unter anderem fällt der Name der berühmten Drucker-Verlegerfamilie Elzevir. Bahnsen verweist auf die der angekündigten Büchersendung beiliegende Rechnung, die seine Ausgaben und Unkosten aufzeige. Für seine Mühe erlaubt er sich, „eine Silberne Ducaton, sind dreÿ Gulden vnd dreÿ stuÿvern“ zu fordern. Zugleich versichert er, auch zukünftig für den Herzog und seine Söhne zur Verfügung zu stehen. Anschließend unterrichtet er seinen Adressaten, dass der Bischoff von Münster zahlreiche Ortschaften und Städte in den Generalstaaten erobert habe, von denen er einige aufzählt. Waren diese Städte vormals unbefestigt, lasse der Bischof sie nunmehr fortifizieren. Bahnsen deutet an, dass sich die Niederländer zum Gegenschlag rüsten. Bahnsen meint, er halte mehr von einem guten Nachbarn als von einem fernen Freund. Ferner teilt er mit, dass die Schiffsflotte der Niederländer bis auf 20 Kriegsschiffe in den heimatlichen Häfen liege bzw. dorthin zurückbeordert worden sei, und dass auch 6.000 Soldaten, die zuvor auf den Schiffen waren, zusammengezogen würden, um gegen den Bischof aufgestellt zu werden. Die aktuellen Ereignisse veranlassen Bahnsen zu einer endzeitgestimmten Sicht auf die Dinge: So sei die Zeit gekommen, dass „Babel fallen und zu grunde gehen wird, denn Babels Zeit ist zum ende“. Allerdings wüssten und erkennen nur wenige, was Babel ist. Er verweist auf Prodigien wie den Wunderstern von 1572, dessen Ankündigung sich zwar noch nicht erfüllt habe. Oder er erwähnt das Gerede, das vor ca. einem Jahr die Runde machte, wonach die Juden Mekka eingenommen hätten, was er allerdings nicht glaube. Ferner sei die „Terra Australi“ ein Land, in dem es „beÿ Tage alle Zeit nebelicht, des Nachtes aber wie ferner an zusehen ist, gleich beÿ den Israeliten wie sie aus Egÿpten jagen“, und dass die niederländischen Schiffe ständig Schiffbruch erlitten, wenn sie sich Australien näherten. Gestern, so Bahnsen abschließend, habe er von einem ehrbaren Mann aus Utrecht einen Brief mit einer weiteren Wundernachricht aus dem fernen Arabien erhalten, die er selbst allerdings nicht glauben wolle. Und so bitte er auch den Herzog, ihm ggf. solche wunderlichen Anekdoten zu verzeihen. Mitteilen hingegen wollte er sie, damit ersichtlich werden, mit welchem Gerede er in Amsterdam konfrontiert werde. Ganz zum Abschluss findet sich ein Nachsatz, der von Bahnsen stammen müsste. Er gibt an, dass der Brief, den er vom Herzog erhielt − wahrscheinlich bezieht er sich auf das Schreiben vom 24. August − in einem anderen Brief steckte, der wiederum an eine Person mit Namen Mißmann adressiert gewesen sei. Diese Person Mißmann habe ihm, als er ihm den Brief überhändigte, berichtet, dass beim Öffnen aus Versehen das Siegel des an Bahnsen adressierten Briefes aufgebrochen sei. Er habe aber versichert, der Brief sei dadurch nicht wirklich offen gewesen. Bahnsen bedauert nachträglich, den so korrumpierten Brief überhaupt angenommen zu haben.

Brief: Bahnsen an Herzog August.


|| [1r]


Amsterdam1665 September 10.

Durchleuchtigster Hochgebohrener Gnädiger Fürst vnd Herr p.

E.(ure) Fürstl:(iche) Durchl:(aucht) vnterthänig Zu berichten kann ich nicht vndterlaßen, daß ich
vergangen Sonnabend ein Kast, darinnen ich etliche von den begehrten
buchern, überschicket; Wie ich Ihre Fürstl(iche) Durchl(aucht)Ordre vnd brieff den
24 Augusti datiret, den 10 Septembris s(ine).n.(omine) erstlich bekommen, sind
die bucher von Sel:(igen)Dr. Verlaan auff etliche wenige restierende folianten
nach, verkauffet gewest, vndter den restirenden sei nun folgende zweÿ
fürhanden gewest, deß Heigmori disquisitio et()c(etera): darbeÿ sind aufgelegt
Dondi simplicia Medica vnd Marcellus de Medicamentis welch alle dreÿ
zusammen sind verkaufft vnd müste ich 6 gulden vnd 5 stuÿver dafür geben.
Historia Ecclesiastica aber ward allein verkaufft. die andere lateinischen
habe ich von H(errn)Elzevir gekaufft, die Niederteutschen aber an anderen orth
Zusammen gekaufft. Was gedachte bucher gekostet, vnd was für vnkosten
biß dieselbe zu Schiffe gebracht, darauff gegangen, ist aus inligender
rechnung zu ersehen. für meine mühe setze ich eine Silberne Ducaton, sind
dreÿ Gulden vnd dreÿ stuÿvern. Da ins künfftige Jhr Fürstl(iche) durch(laucht)
vnd denen Fürstl(iche) Herren Söhnen einige vnterthänige Diensterzeigungen
alhier praestiren kann, will ich ia vnd allewege vnterthänig verrichten.
Der Bischoff von Münster hat diesen Staat folgende Städte vnd forten
abgenommen, die vorhin nicht fortificiret leßet er befestigen alß
Lochum, Ootmarsen, Oldenseel, Keppel, Borkelo, Dötekum,
Vennebrugger Sebans, Winschootenm, soll 8 punten oder Boll=
wercke haben, dabeÿ ligen auch 2 forten, die r auch innen hat,
T’Klooster t’Appel, Jtem das Hauß zu Gramsbergen /: welches
beÿ Coeverden ligt :/ leßet er auch befestigen. Was wir nun dagegen
ausrichten werden, wan wir vnse Völcker beÿsammen, stehet zu ver=
nehmen, Jch sollte mehr halten von einem guten Nachbarn alß fernen
freunde, Jn fine videbitur cujus Toni. Unsere Schiffsflotte ist
binnen biß auff 20 Oorlogsschiffe die sollen in See bleiben
Sechstausent Soldaten von vnser Landsmilitie sind auch auf der
flotte gewest, die kommen itzo zu hause vnd werden gegen den
Bischoff geführet werden. Die Giffanischen wollen das Frantzösische
Secours durch Lutzelbürger Landt nicht passiren laßen, alß
werden dieselbe armatamanu den Paß suchen müßen. Ob
wir die Lüneburgischen Völcker darauff gute Hoffnung alhier
auch werden bekommen, solches wird die Zeit geben. Frantzösische

|| [1v]
Oorlogschiffe haben 2 Englische Schiffe, weilen dieselbe nicht haben streichen
wollen, genommen, man sagt daß das dritte in den grundt geschoßen.
Die Zeit ist da, daß Babel fallen und zu grunde gehen wird, denn Babels
Zeit ist zum ende. Aber wenig wißen vnd erkennen was Babel ist. Was
vns der Wunderstern A(nn)o. 1572 angekündiget ist noch nicht erfüllet, das
größt vnd wunderlichste helt vns noch für. Es ist beÿ nahe ein Jahr daß beÿ
etlichen alhier die rede ist gegangen, ob sollten die Juden Mecha in Arabien
ingenommen haben, aber ich kann demselben noch keinen glauben geben, denn
wenn die zehen Stämmen Israelis wider kommen werden, soll der Euphra=
tes für ihnen vertruckenen. Ich kann nicht zu wißen bekommen wor diese
sollen hergekommen seÿn. Hiesige Juden wißen selber nicht wor die zehen Stäm=
men Israelis geblieben vnd wor sie sich itzo aufhalten. Meine meinung ist
hallt, daß sie sich in Terra Australi oder Incognita aufhalten, biß auff die
letzte Zeit, wenn Babel gefallen vnd zu grunde gegangen Meine Ursach ist diese
weilen Terra Australis beÿ Tage alle Zeit nebelicht, des Nachtes aber wie ferner
an zusehen ist, gleich beÿ den Israeliten wie sie aus Egÿpten jagen. Unsere Schiffe
leiden alle Zeit Schiffbruch wenn sie selbiges landt anthun oder näheren.
Hiesige Juden haltens dafür daß gedächte Stämme in America sollen seÿn
aber daß niemandt beÿ ihnen soll konnen kommen, wie den für etlicher Zeit
ein Judischer Rabbi alhie davon geschrieben, verneinend daß sie durch die
Luyta oder Fretum Anian in America sollen gereÿset seÿn, /: denn Erdras
lib.(era) 4. gedencket daß sie 1 ½ Jahr gereÿset vnd in ein landt gekommen
da nie kein Mensch gewohnet :/ N(ota)B(ene) dieses Tractätlein soll Er uns schicken ob Jhr Furstl(iche) Durchl(aucht) selbiges tractätlein
haben, wird deroselben wißend seÿn. Gestern habe ich von einem furneh=
men Mann auß Uÿtrecht einen brief bekommen folgendes Jnhalts: Wie
daß aus vndterschiedlichen Quartieren geConfirmiret wird, daß in einer
Wüsteneÿ in Arabia sich habe sehen laßen ein große Menge Volcks in die
8000 Mann, vndter Jhnen soll keine Fraws Person seÿn, auch sollen sie an=
ders kein gewehr gebrauchen als Schwerdter, bogen, Pfeilen vnd lantzen,
haben kein Geschutz beÿ Jhnen, sie seÿn ins blaw gekleidet, Abr ihre Texten
seÿn schwartz, Sie sollen nach einer Basuÿnen graben, womit sie sollen blasen
vnd auf derselben gelaut soll die gantze welt zu ihnen kommen gelauffen,
/: Jch aber glaube nicht alle :/ Jhr Furstl(iche) Durchl(aucht) gelieben wegen dieser
wunderlichen Zeitung mir gnedig zuverzeihen: Undter etlichen alhier
wird viel davon geredt vnd spargiret, vnd habe ich beÿ etlichen große
Vngunst bekommen, aß ich ihnen kein beÿfall habe geben wollen, noch kon=
nen.
Hiemit E.(ure) Furstl(iche) Durchl(aucht) langwirige Gesundtheit gluckliche vnd
friedliche regierung vnd alle gedeÿliche wolfahrt wündsche, Nach
welcher



|| [2r]
Welcher wundsch vnd bitte zu Gott Jch den verbleibe
E.(ure) Gnädiger Furst vnd HErr,
E.(ure) Furstl(iche) Durchl(aucht)
Unterthänigster vnd Gehorsamster
Diener
Benedictus Bahnsen
woonende op de Prince
Grafft naest de Brouwerije
vant Roo Hart.


Amsterdam.
A(nno)d(omin)i 10 9(septem)bris
A(nn)o 1665.


Eingeschloßener brieff ist in einen anderen brieff an einem Nahmens
Mißmann eingeschloßen gewest, vnd wie derselbe mir den brieff
ein lieferte, berichtete er, daß das Siegel von einligenden müste
warm oder heiß gewesen seÿn, wie der vmschlag darumb ge=
machet, dan ein liegendes Sigel fest an seinen brieff war gewesen,
daß da er diesen brieff heraus nehmen wollen, were das Siegel
zerrißen, sagte aber daß der breiff nicht were offen gewesen
hette ich mich recht besonnen Jch wollte den brieff nicht haben
angenommen.


|| [2v]
Dem Durchleuchtigen Hochgebohrnen
Fürsten und Herren, Herren Augustus
Hertzogen zu Braunschweig und
Lüneburg
, Meinem gnädigen
Fürsten und Heren
zu Wolffenbüttel.

Franco
biß
Bremen.

No 3

a

|| [3r]
Catalogus Variorum librorum D. Joannis Verlaen. D.M. qvorum auctio
habebitur 7. Septembr. 1665. in aedibus defuncti. [?]
von Bahnsen
Libri Theologici in Folio.
° 22. Historia Ecclesiastica à multis Auctoribus collecta. Basil:(ee) 1549.
Libri Medici in Fol.(io)
° 21. Heigmoius disquisitio Corporis humani. cum figur.
Libri Miscellanei in Fol.(io)
Hoogh en Nederdüÿtsche Boeken, Fol:(io)
° 1. Joseph Hals Contemplationes Sionis. 2. delen complet. Amsterd.(am) 1648. 1664.
+ 2. Pieter Janß. Twisch. Chronick van de Ondergang der Tÿran=
nen, Hoorn 1620.

Libri Theolog: in 4t.
+ 54. Janssenius in Proverbia Salomionis. Lovani. 1568.
+ 59. Voetij Problemata Theologica. Ultraj: 1642.
Libri Med: in 4t.
° 5. Bartholini Anatomia reformata. Lugd: Bat: 165
° 29. Oswaldi Arbor integra et ruinosa hominis. Francofurti. 1657.
° 30. Vigieri Opera medico Chirurgica. Hagae. (Comitis) 1659.
Libri Miscellanei, in 4t.
+ 32. Schubelij Algebra compendiosa. Paris. 1552.
+ 72. Montalti Optica. 1606.
Hooch en Nederdüytsche Boecken in 4t.
° 20. Hephams Dictionarium Engels en Duÿts. Rott:(erdam) 1648.
+ 44. Kats Verstandige Huÿshouder. Amsterd:(am) 1660.
° 102. Bulei Postille. Amst:(erdam) 1635.
Libri Theol: in 8v.
+ 30. Marmet Sermons sur diverses textes.
+ 39. Socinus de Baptismo. Racoviae.
+ 41. De coena Domini. Racoviae.
+ 42. Institutio Religionis Christianae. Racoviae.



|| [3v]
+ 76. Larenus in Apocalipsin.
+ 79. Eusebius de adoratione Spirit: S.
Libri Medici et Chÿmici in 8vo.

° 93. Saches de Vitae unifera.
+ 136. Calladonis Opera medica.
+ 143. Valesci de Taranta Opera Medica.
Libri Miscellanei in 8vo.
+ 26. Oeuvres du Sr. du Vair.
+ 140. Neufville Discours sur tous Estats.
Hoogh en Nederduÿtsche Boecken. in 8vo.
° 51. Haÿward Heÿlighdom der benaude Ziele.
+ 59. Bolton Aentwÿsinge tot een Wandelinge met Gott.
+ 86. Sigwart Handboeck der Christelijcke Leere.
° 88. Moulin Ontleedinge van de Misse en 200. kettereÿ uÿt de Mis ge=
sprooten.

° 108. Teelinghs Menschwerdinge Christi.
+ 117. Schot Ontdeckinge der Towerÿe.
+ 158. Vrow Isabella, Kunst van der Alchemie.
Libri Theologici in 12.
+ 54. Opusculus de Jean de l’Espin. 2. Vol:(ubilis)
Libri Miscellanici in 12.

+ 2. Vivis Introductio ad Sapientiam.
+ 39. Platonis Gnomologia.
+ 43. Horace Tragœdiæ.
+ 80. Diest de ratione Studiorum.
+ 123. Moulin Philosophie Francoise.
Hoog en Nederdüÿtsche Boecken. in 12.
+ 8. Simonides Vierbaken en Donius Brantklock.
° 12. Barcker over t’Vader Ons.



|| [4r]
+ 14. Stermont Fonteÿn der ware Wÿßheidt.
+ 20. Kocks Eÿferboeck.
° 78. Spranckhüÿsens Macrocosmus.
° 79. Batti Secretboeck.
° 148. Ridders Leren Christi.
° 152. Lamotiusde Klaglieder Jeremiae.
* 174. Crelliusover t’Nieuwe Testament.
Noch
° 46. Gantz Chronologia Sacra Profana, Lugd: 1644. in 4.t.










4. in f. 11. in 4t. 18. in 8°. 15 in 12. 48. Stück.


Anmerkungen
beantw:(ortet) den 12. X(Decem)bris 1665.
Das Siegel von Benedict Bahnsen; roter Siegellack durchsetzt mit Rußpartikeln.
Es zeigt ein Monogramm. Diese zentrieren sich die Versalien B und C innerhalb eines doppelwandigen Oktagons.
Hier allerdings sind 2/3 des Lacks weggebrochen. Unterhalb des Lacks befindet sich das extrahierte Papier der
gegenüberliegenden Seite, sodass die Sollbruchstelle des Brieföffnens nachvollziehbar wird.

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