Brief Nr. 18, vom 22. Juni 1666
Benedikt Bahnsen

Zusammenfassung


HAB, Bibliotheksarchiv, BA II, 1, Nr. 33/ Brief Nr. 18/

Am 22. Juni 1666 wendet sich Bahnsen mit einer Personalempfehlung an Herzog August. Er habe von einem in Amsterdam ansässigen Bekannten vernommen, dass der Herzog einen Kürschner einstellen wolle. Bahnsen kenne einen Mann namens Andreas Struck, der „ein nützlicher Mann seÿn kan weil er allerleÿ bundtwerck vnd Peltereÿen kennet vnd versehet.“ Bahnsen sei überzeugt, dass Struck wie er selbst dem Herzog bestens dienen wird. Darüber hinaus berichtet er, dass die Engländer offenbar von einem Sieg gegenüber den Holländern ausgehen. Angespielt wird auf die Gefechte im Rahmen der so genannten „Seeschlacht der vier Tage“, die vom 11. bis zum 14. Juni 1666 als Teil des Zweiten Niederländisch-Englischen Krieges (1665–1667) stattfand. Tatsächlich gingen die Niederländer als Sieger aus dieser Kampagne hervor. Die Engländer sind offensichtlich noch nicht von der Gefangennahme ihres Admirals Sir George Ayscue in Folge des Verlustes des von ihm befehligten Flaggschiffes, der Prince Royal, am 13. Juni unterrichtet. „Sir Askue“, wie er von Bahnsen geschrieben wird, wurde bis zum Ende des Krieges 1667 im niederländischen Staatsgefängnis in Loevestein festgehalten. Für den 30. Juni sei ein Sieges- und Dankfest im Amsterdam anberaumt. Bahnsen übersendet auch noch eine Liste von Kriegsschiffen, die auf beiden Seiten zum Einsatz kamen.

Brief: Bahnsen an Herzog August.


|| [1r]


Amsterdam1666 Juni 22.

Durchleuchtiger Hochgebohrner gnädiger Furst und Herr,

Vorzeiger dieses Andreas Struck, mein bekandter vnd der alhier
Burger gewesen, wie ich von anderen vernommen auch niemals anders
gehöret, als daß er ein frommer fleißiger vnd Gottesfurchtiger Mann,
derselbe hat mir zu verstehen gegeben, daß Jhr(e) Furstl(iche) Durchl(aucht)
Hertzog Augustus Zu Braunschweig vnd Lüneburg
, Mein gnädiger
Furst vnd Herr, einen Hoffkurschner in bestallung zu nehmen vorhabens,
Alß will i(ch)E.(ure) Edl.(e) vnd Hochachtb Gunst, dienstfleißigst ersuchet
und gebethen haben, vorgedachten Andreas Struck beÿ Jhr(e) Furstl(iche)
Durchl(aucht)
zu recommendiren vnd befürderlich zu seÿn daß er gedachte
gelegenheÿt bekommen mügte, denn er Jhr(e) Furstl(iche) Durchl(aucht) ein nützlicher
Mann seÿn kan weil er allerleÿ bundtwerck vnd Peltereÿen kennet
vnd versehet. Er wirds die tag seines lebens vmd meines hochgeehrten
Herren
außerster seiner müglichkeit nach verschulden: da auch ich meinem
hochgeehrten Herren hiesiger orthen einige angenehme diensten
Zeigungen praestiren kan, will ich jederzeit williger als
willig erfunden werden. Die Englische Schiffe haben heute mitge=
bracht, daß man zu LondonVictori gebrandt, vmb daß sie die
Englischen den Holländern obsieget, vnd daß Sir Askue noch
auß seÿ vnd die holländische fluth verfolge: da doch gedachter Herr
auff Loevesteÿn
gefangen sitzet. Den 30 Junij s.(ine)n.(omine) wie man
alhier Gott dancken fur erhaltener überwindung, vnd wird darauf
des Abends victori gebrandt werden.

Jch schicke ein Lyste von beider=
seits Oorlogsschiffen vnd noch 2 anders. Befehle meinen hochgeehrten
herrn nebenst alles so ihn lieb seÿn Göttlicher protection und Jch ver=
bleibe

Meines hochgeehrten HerrnDienstgeflißenerBenedictus Bahnsen.Amsterdam.
A(nno)d(omin)i 22 Junij
A(nn)o. 1666.
DEm Edelen Wesen und Hoch=
bohren HErren, HErren Heinrich
Julius fürstl:(icher) braunschweigi=
schen und Lüneburgischen

Kammer=schreibern, Meinem
hochgeehrten Herren
Auff
Wolfenbüttel



Anmerkungen
Das Siegel von Benedict Bahnsen; roter Siegellack durchsetzt mit Rußpartikeln.
Es zeigt ein Monogramm. Die Versalien B und C zentrieren sich innerhalb eines doppelwandigen Oktagons.
Unterhalb des Lacks befindet sich das extrahierte Papier der gegenüberliegenden Seite,
sodass die Sollbruchstelle des Brieföffnens nachvollziehbar wird.
Roter Siegellack durchsetzt mit Rußpartikeln.
Unterhalb des Lacks befindet sich das extrahierte Papier der gegenüberliegenden Seite,
sodass die Sollbruchstelle des Brieföffnens nachvollziehbar wird.

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