IN wehrendem solchen Zustande wird es dem Könige zu wissen ge-
than/ daß Lycogenes ein heimliches Verständtnüß mit den Hyper-
ephaniern habe; vnd befahreten sich etliche/ er würde sich mit jhren
Kräfften zu stärcken von seiner alten
[207] Religion abtretten. Wie
von diesem ohngefehr geredet ward/ war Archombrotus bey dem
Iburranes/ mit welchem er/ sonderlich auff die Worte deß Königes/
etlicher massen in Kundschafft gerhaten. Sie giengen beyde in dem
königlichen Spatzierhofe auff vnd nider. Archombrotus/ der wegen
seiner newlichen Ankunfft vmb die Gelegenheit Siciliens wenig
wuste/ als er etlichmal der Hyperephanier Nahmen gehöret/ fragte
er/ was dann zwischen jhnen vnd den andern Sicilischen Eynwoh-
nern für ein Vnterscheydt were? Warumb sie anders hiessen/ an-
dere Zuneygungen vnd Kräfften hetten? Iburranes/ der den jungen
Herren zu vnterrichten begierig war/ wieche ein wenig in sich sel-
ber/ vnd fieng hernach also an zu reden. Wir haben den Hyperepha-
niern jhres Aberglaubens halben in dem sie stecken diesen Nahmen
gegeben. Ihre Zusammenrottung/ welche der Obrigkeit sehr be-
schwerlich ist/ hat sich zu vnserer Zeit von einem der Vsinulca
hiesse angefangen. Dieser verwarff die alte Art die Götter zu ehren/
welche in Sicilien allzeit vblich gewesen/ vnd dürffte sich vnterwin-
den newe Religion eynzuschieben/ vnd dieselben Gemühter in Vn-
ruhe bringen/ so wegen jhrer Hoffart oder zu grosser Einfalt von
seinem Betruge leichtlich kundten eyngenommen werden. Derent-
wegen haben es jhnen etliche für einen Ruhm gehalten/ wann sie
vnter solchem Anführer von der Fürfahren Glauben abwichen: an-
dere sind durch die Beredtsam-
[208]keit/ welche einen Schein der
Frömigkeit von sich gab/ betrogen worden. Hierzu ist kommen die
Macht der Newerung/ welche die Gemühter dermassen verblendet
hat/ daß die barbarischen Erfindungen deß Vsinulcas hoch sind
gelo- a b c d

[Seite 132]

bet
worden; vnd zwar nicht von rauhen vnd weit abgelegenen Völ-
ckern/ sondern (worüber jhr euch wundern möchtet) von Leuten in
Sicilien selber. Wiewol nichts ärgers seyn kan als die vngereyme-
ten Sachen/ mit denen er seine Schule befleckt hatt. So daß ich mich
schäme die grosse Thorheit/ welche den Göttern außdrücklich vn-
recht thut/ zu erzehlen. Er verleugnet daß ein Mensch er sey wer er
wolle mit einiger Sünde behafftet sey/ es sey dann daß er von den
Göttern böses zu thun gezwungen vnd gedrungen werde. Hergegen
möget jhr den Lastern widerstreben auff das beste als jhr könnet/
möget gegen euch vnschüldig/ gegen den Menschen dienstbar/ vnd
gegen den Göttern freygebig seyn/ so kan euch solches/ seiner Mey-
nung nach/ bey den Göttern angenehmer nicht machen. Dann alle
diese Sachen/ spricht er/ sind nicht eben die Tugendt/ welche den
Menschen bey den vnsterblichen Göttern ersprößlich ist; sondern
nur Zeichen solcher Tugendt. Vber diß helt er vnter den Verbrechen
keinen Vnterscheidt/ sondern vnter den Menschen die selbige Ver-
brechen begehen. Er gibt auch für/ daß die/ welche bey den Göttern
in Vngnaden sind alle Straffen der Furien von denen die Poeten
schrei-
[209]ben verdienen/ vnd hetten sie gleich nur ein Krautblat
gestolen. Die andern aber könten weder durch Vattermordt noch
Blutschande die Freundtschafft/ mit welcher sie gegen den Göttern
verbunden sindt/ verderben. So das von eben einem Kothe der Sün-
den das eine Theil vnbesudelt/ das andere aber mit Verlust seiner
Zier herauß gehe. Gleichsam als wann man ein Geschlecht der
Gänse vnd Aendvogel vntertaucht/ so bleiben sie dennoch trucken;
dem andern Geflügel aber/ wiewol man sie in eben dieses Wasser
vnd nicht so lange stösset/ werden doch die Federn naß vnd be-
schweret. Die vbrige Narrheit deß Vsinulcas mag ich nicht erzehlen.
Es hetten auch solche abschewliche Meynungen in die Länge so gros-
sen Beyfall nicht gehabt/ wann sie nicht gleich zur Zeit junger vnd
vnerzogener Könige weren gestiegen/ da dann gemeiniglich zu aller
Empörung Fug vnd Gelegenheit ist/ vnd gottloses Wesen weder zu
rück getrieben noch gestrafft kan werden. Zu diesem Vbel hat
auch die Wahnsinnigkeit der Auffrührer nicht wenig geholffen/ vnd
haben sich etliche hohe Häupter/ auß Haß gegen denen welche bey
Vnmündigkeit der Fürsten das Hefft in Händen gehabt/ für Be-
schützer der Hyperephanier gebrauchen lassen. Diese
???eynheimi- e
[Seite 133]

sche???
Kriege haben Sicilien mit einem kläglichen Gestirne vberschie-
nen/ vnd alle die zu Auffstande Lust gehabt, sind den rebellischen
Hyperephaniern beygefallen/ vnd
[210] haben die Waffen wider
die Könige selber ergreiffen dörffen. Es ist von jhrem Wüten nichts
verschonet blieben. Sie haben die Altare der Götter mit Füssen ge-
tretten/ die Kirchen eyngestürmet/ die Stätte in Asche geleget/ vnd
jhre Newerungen den Furien mit bürgerlichem Blute geheyliget.
Man kan noch jetzundt nach so langen Jahren an vnzehlich vielen
Orten die eyngestöreten Stätte vnd geheyligten Gebäwe/ wo sie mit
jhrem Toben hingerhaten/ verwüstet stehen sehen. In wehrendem
solchen Vnwesen sind sie so weit von den andern Siciliern abge-
wichen/ daß sie gleichsam ein anderes Landt/ vnd ein anders Volck
auß sich gemacht/ vnd auch nach getroffenem Verbündnüsse trew-
lich vnd auffrichtig sich mit den vbrigen nicht vereyniget haben:
so daß sie auff Antrieb jhrer vnrühigen Köpffe allzeit entweder mit
Kriegen drewen/ oder sich dafür fürchten.

Weil sie nun also gesonnen sind/ meynet jhr wol/ daß Könige
ein freyes Regiment vber sie haben können? Sie haben Stätte/ Sol-
daten/ Meerhafen vnd fast gantze Prouintzen an sich gebracht/ in
welchen sie sich hoffertiger Weise mit einander berhaten/ ob sie
einem Könige helffen oder jhn verachten sollen. Wann sie jhm
aber ja/ bey Kriegen die er führet/ oder andern Angelegenheiten/
jhre Hülffe verheissen/ so wissen sie jhre Trew hoch an zu ziehen/
gleichsam als man jhnen hierumb gantz verbunden were; vnd
dencken nicht/ daß getrewe Vntertha-
[211]nen in solchen Nöhten
nicht erst warten biß sie jhre Zusage gefodert thun; vnd daß man sie
so offte nicht auffs newe erheischen dörffte/ wann man sich darauff
zu verlassen hette. Aber sie kommen mehr zu Hülffe wie Bundtsge-
nossen/ als wie Vnterthanen/ vnd billichen oder verwerffen deß Kö-
niges Rhatschläge nach belieben. Also fällen sie jhr Vrtheil vber
Götter vnd Fürsten/ vnd rechen jhnen daß was sie beyden zu thun
schüldig sind nicht nach der Gewonheit deß Landes/ sondern nach
jhren eygenen Köpffen auß. Ihr könnet leichtlich von euch selber
ermessen/ was für Vnheil Sicilien von dieser Seuche zuhange. Dann
weil dieselbige Verbitterung am allerhefftigsten ist/ welche auß dem
Zancke vnterschiedener Religionen herrühret; als hat man sich bil-
lich zu befahren/ daß nicht die Hyperephanier dermal eines/ was sie
mit jhren eygenen Kräfften nicht erlangen können/ dasselbige mit
Vntergange deß Vatterlandes suchen/ vnd frembde feindselige
Völ

[Seite 134]

cker/
nicht so sehr deß Krieges als Raubens wegen/ vnd gleichsam
zu Besitzung Siciliens/ herzu locken möchten. Es sey auch/ daß gute
Götter solches Vbel abwenden werden/ was sehen vnd erfahren wir
jetzundt nicht? Wann Kinder wider jhre Eltern/ Fürsten wider
Könige sind/ so fliehen sie als baldt/ gleichsam wie zu einer vn-
fehlbahren Freyheit/ mit ertichteter Scheinheyligkeit zu: vnnd ob sie
gleich wissen/ daß sie jhnen selber schaden/ so
[212] wollen sie
jhnen doch nur darumb vngemach zufügen/ damit sie andere neben
sich plagen mögen. Was sol ich von den Vestalischen Jungfrawen
vnd Geistlichen sagen? Wann sie der Keuschheit vberdrüssig wor-
den/ so schmehen sie jhre Religion vngeschewet/ vnd ergeben sich
den Hyperephaniern/ bey denen jhnen jhre Blutschandige Heyrath
gestattet wird. Durch dergleichen Exempel/ vnd solche Freyheit
nach willen zu reden vnd zu leben/ fällt das gemeine Volck in man-
cherley Irrthumb/ vnd hebet zum ersten an zu zweiffeln an welche
Götter es glauben/ vnd wie es dieselben anbeten solle. Nachmals ge-
rähtet es in eine verwegene vnd ruchlose Sicherheit/ fraget weder
nach Göttlichen Sachen/ noch nach Gott selber. Also wird alles hey-
lige Wesen durch solche schändliche Irrung vmbgekehret/ der all-
gemeine Friede zugleich angegrieffen/ vnd deß krancken Sicilien
Kräfften außgesauget; welches zu voriger Stärcke nimmermehr ge-
langen kan/ es sey dann daß diese Wunde durch Zwang der Hyper-
ephanier/ welche man zum ersten zu rechte bringen muß/ zuge-
striechen vnd verheilet werde.


Darauff fieng Archombrotus an: Was machen dann die Sicilier/
daß sie diesen Brandt nicht mit Gewalt leschen? Warumb nehmen
sie nit das Eysen zur Handt/ vnd schneyden den anfälligen Krebs
der so weit vmb sich frist? Meines Theils/ wiewol ich ein frembder
bin/ so wil ich doch meiner
[213] Faust vnd Degens nicht schonen.
Ich glaube/ daß ich den Göttern ein angenemer Opffer nicht
schencken kan/ als wann ich entweder solcher Leute Blut jhnen
verehre/ oder sie das meinige mit vielen Wunden vergiessen. Es
were eweres Amptes/ mein Iburranes/ daß jhr dieses dem Könige
enthieltet/ vnd jhn zu Vollführung deß Krieges antriebet.


Iburranes lächelte/ vnd sagte: Ich lobe ewere Hertzhafftigkeit/
welche von einer so stattlichen Hitze getrieben wirdt. Es sind jhrer
f g h

[Seite 135]


aber viel/ die nicht ohn Vrsache das Widerspiel für rahtsam halten;
weil es die Erfahrung erwiesen hatt/ daß wie etliche Thiere sich
vom Giffte nehren/ also auch diese Sect mit allgemeinem Vbel stär-
cker/ vnd von Kriege vnd Widerwärtigkeit feister werde. Derowe-
gen haben sie andere vnd gelindere Mittel ergrieffen/ dardurch Sicilien
möchte zu rechte kommen/ vnd geglaubet/ daß die Macht solcher
Seuche durch blosse Vorsichtigkeit der Könige/ ohne Blut vnd
Waffen/ vertilget werden könte. Wann jhr aber meine Meynung
hiervon begeret; so halte ich dafür/ daß man mit jhnen so schlecht
wegk weder friede machen noch kriegen solle. Dann wo ferrn sie die
Rhue vertragen können/ kan man sie vnauffgereitzet wol lassen.
Wann sie aber wider den König vnd das gemeine Wesen schädliche
Rhatschläge auffwerffen/ als dann sind sie keines Weges zu erdul-
den; sondern man muß der rasenden Leute Vnsinnigkeit mit Ge-

[214]walt vnd Waffen begegnen. Vnd dißfals sindt dann die Kriege
rechtmässig/ dißfals ist die Schärffe alles Lobes werth. Die Kräff-
ten deß gantzen Reiches sollen darob seyn/ daß sie jhnen die ab-
schewliche Gewalt vber die Könige vngestraffet nicht nehmen. Vnd
darumb sol man auch solche Vbelthat desto geschwinder bezahlen/
je geschwinder sie gegen die welche säumig sind zu verfahren/ vnd
vnsere Gedult für eine Schwachheit verächtlich auffzunehmen
pflegen. Dann diese Sect wächset nicht wie andere gute Künste/
durch ertragen vnd gehorchen; sondern sie pfleget jhre Verbrechen
mit Zancke/ Hassen vnd Empörung zu behaupten. Derowegen bin
ich derer Gedancken/ man müsse mit dem Schwerde vnd Härtigkeit
wider sie verfahren/ so offte sie die Könige vnd das Vatterlandt mit
jhrer Vnbilligkeit reitzen. Wann sie aber sich deß Auffruhrs vnd
Rebellion enthalten/ vnd sich mit Glimpffe weisen lassen/ so wolte
ich lieber Friede mit jhnen haben. Dann diese Sucht hatt allbereit
jhrer mehr eyngenommen/ als daß man einen jeglichen absonder-
lich anklagen/ vnd für Gerichte fodern könne. So ist vber diß Sici-
lien voll junger Leute/ welche theils jhre Leichtfertigkeit/ theils das
Armut/ vnd theils die Begier zum Kriegeswesen treibet/ daß sie/
hindan gesetzt aller Billigkeit vnd Scham/ sich zu den Auffrühri-
schen wenden/ vnd sich bey aller Gelegenheit/ die Göttern vnd Men-
schen gleich
[215] zuwider strebet/ vnterhalten lassen dürffen. Auff
diese weise/ wann die Sach zu den Waffen gerahten/ fallen sie auß
Hoffnung reicher Außbeute zu den Hyperephaniern/ welchen sie
sonsten zu Friedenszeiten alles Vnglück auff den Hals wündschen
[Seite 136]


würden: vnd also machen Könige durch Anhebung deß Krieges
mehr newe Verbrecher/ als sie alte vertilgen.

Ferner wie es leichte ist vnterschiedene dünne vnd einzehle Fä-
den zu zerreissen; wann man aber jhrer viel zusammen zwinget/ je
härter man hernach daran zeucht/ je fester sie halten; biß endlich
gar ein Strick darauß wirdt/ der sich nicht von einander gibt: so
auch diese/ welche für sich selber in jren Sachen nachlässig vnd
leichtlich zu bereden weren/ wann sie jnnen werden daß man jhnen
das Schwert/ eine abgenötigte/ oder wie sie sagen/ eine verschmäh-
liche Busse von jhnen zu erzwingen/ an den Hals setzen wil/ so
verknüpffen sie sich vnter einander mit einem rasenden Bunde/ der
nachmals schwerlich auffzulösen ist. Derhalben muß man sie (wo-
ferrn sie nur den König durch vngestümme empörungen den Har-
nisch anzulegen nicht zwingen werden) mit Friede/ müssiggange
vnd Glückseligkeit bestreitten/ zu welcher Zeit sie auß den offent-
lichen Raubereyen nichts haben/ daß sie jhren vngewissen vnd auff-
rührischen Gehülffen mittheilen können; vnd weil sie von jhren
Widersachern mit keiner Hitz nicht verfolget werden/ so lassen sie
auch leichtlich von der jhrigen. Die obristen Häupter vnter jhnen
sehen mehrentheils auff den König/
[216] an dessen Freundtschafft
bey solcher Hoheit alles gelegen ist. Wann dieser nun wirdt blicken
lassen/ daß er jhr Wesen nur verachte/ vnd doch nicht hasse/ so
wirdt er der Fürnembsten Gemüter hierdurch mehr als mit Kriege
zur busse bringen. Inn Fall sie aber aus vnnöttiger Scham von
jhrer Sect gleich nicht werden abtretten/ so werden sie doch jhre
Kinder in acht nehmen/ vnd jhnen die alte Religion einpflantzen
lassen/ damit sie bey Hofe desto angenehmer seyn mögen. Dann die
jenigen welche mehr auff jhre Halßstarrigkeit/ als auff den Himmel/
auff gründtliche Beweiß vnd Lehren der Alten halten/ vnd bloß nur
dem Vsinulcas gläuben/ die werden durch Verschliessung aller
Würden vnd bescheidene Abschneidung der Hoffnung Königlicher
Geschencke/ vnfehlbar vberwunden werden: fürnemlich wann man
solche Straffen nicht durch offentliche Gesetz wider sie wird er-
gehen lassen/ (dann hierdurch würde jhnen/ so ohne diß sich leicht-
lich reitzen lassen/ zu klage/ Verbündtnüß vnd erregung der Waffen
Anlaß gegeben werden) sondern nur gemach vnd gemach diese
???Ge- i j k

[Seite 137]

wonheit???
auffbringen/ vnd zwar wie dem Fürsten zustehet/ der keine
Regiments Aempter vnter sie theilen soll die von andern können
verrichtet werden/ auch nicht gestatten/ daß sie vber die Freyheit/
welche von den Gesetzen erlaubet ist/ schreiten. Im vbrigen sey er
gegen jhnen sanfftmütig/ vnd ziehe sie bißweilen zu einer freundt-
lichen Vnterredung/ damit sie jhn für werth halten sich zu be-
[217]
fleissen daß sie jhm gefallen mögen. Dann es hat jhrer viel vnter
jhnen/ die nicht auß jhren/ sondern auß dieser Secte vnd jrer auff-
erziehung Gebrechen sündigen; welche/ wann diese nicht were/
sonsten von guter Natur/ vnd so tugendhafftig als jhre Vorfahren
seyn würden. Diese sol man gewißlich lieber mit Gelindigkeit zu
recht führen/ wann nur gelegenheit darzu ist/ als sie gäntzlich
stürtzen/ vnd durch Zwang vbel ärger machen. Solche Mittel/ ob es
wol etwas langsamb darmit hergehet/ werden den Hyperephaniern
jhre Kräfften vnvermerckt abschneiden: vnd die jenigen welche
vnter dem Schein eines tieffern Verstands beysammen halten/ wer-
den durch eine müssige vnd vnauffgereitzete Zeitverfliessung die
Erlernung der Weltweißheit/ welche zum ersten so ein grosses Auß-
sehen hatte/ verächtlich sincken lassen/ vnd sich also leichtlich zer-
trennen. Aber solche Rahtschläge muß man ergreiffen bey völligem
Frieden/ welchen die Götter Sicilien wider geben/ vnd nicht zulas-
sen wöllen/ daß die Hyperephanier dem Lycogenes beyspringen.
Das glaube ich zwar durchauß nicht/ man sage mir was man wölle/
daß er zu jhrer Religion tretten/ vnd damit er jhnen (welche kaum
der viertzigste Theil deß Königreichs sind) desto angenehmer sey/
sich bey allen andern verhaßt machen werde. Als Iburranes solches
gesaget/ forderte er den Archombrotus zum Nachtmal/ vnd war-
nete jhn vertrewlich/ daß er mit den Hyperephaniern zum freund-
lichsten solte vmbgehen. Dann/ wie die Sa-
[218]chen in Sicilien da-
mals stünden/ so köndten sie besser mit glimpfflichen Worten/ gu-
tem Exempel vnd sittsamer Vnterredung auff den rechten Weg ge-
bracht werden/ als mit offentlicher Verachtung.

[Seite 138]


Fußnotenapparat

a Vsinulca] Aus Vsinalca geän-
dert; so auch Zeile
21 und sonst
überall; es handelt sich um ein
Anagramm von
Calvinus.
b der wegen] Aus Dkf derwegen
verbessert
c Gelegenheit] rebus; affaires
d Zuneygungen = Interessen
(studia)
e die selbige] Aus dieselbige ver-
bessert
f schaden] Aus Dkf Schaden
g enthalten = vorhalten (dicere;
porter à vne resolution)
h Hertzhafftigkeit] Aus Dkf
Hertzhaffttgkeit
i abgenötigte ... verschmähliche
Busse] coactam ... pudendam
poenitentiam
j Himmel/] Virgel eingefügt
k gegeben] Aus Dkf geben ver-
bessert
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