ABer Archombrotus (dann er war damals im Rahte) als er von
Vermählung der Argenis hörete/ ergrimmete er dermassen wider
den Radirobanes vnd Cleobulus/ daß jhm die veränderung seines
Hertzens fast vnter das Gesichte stieg. Doch durffte er nicht dar-
wider seyn/ oder nur etwas sagen. Der König aber lobte deß Cleo-
bulus Meinung/ vnd ließ stracks in den Hafen schicken/ damit sein

[Seite 218]


gewönliches Schiff zugerüstet würde. Bey Friedenszeiten hatte der
König im Gebrauch/ auff demselben an dem Gestad herumb zu spat-
zieren. Es war klein/ daß nicht mehr als sechs Ruderer/ nebenst
andern sechs Personen raum darinnen hatten; im vbrigen sehr
schön wegen deß güldenen vnd silbernen Mahlwerckes/ dessen
Glantz vmb vnd vmb im Wasser einen Widerschein gab. Nicht weit
von dem Hindertheil stunden folgende Verß mit güldenen Buchsta-
ben angeschrieben:

O Venus die du bist geboren auß den Wellen/
Diß Schifflein/ das man mag bey deine Muschel stellen/
Vnd jhr fast ähnlich sieht/ rufft dich/ O Göttin an/
O Allerschönste dich/ dich/ die jhm helffen kan.
a Nicht zwar daß es sich woll in strenge Kriege wagen/
Wann der Bellonen Zorn das Meer heist Waffen tragen;
15 Diß Edle kleine Schiff ist nur zur Fröligkeit/
Zur Fröligkeit vnd Lust/ vnd nicht für grimmen Streitt.
Es kan auch für dem Nort ingleichen nicht bestehen/
Wann er die grüne See bezwingt Berg anzugehen.
Wann Doris sitzt am Strandt/ vnd trucknet jhr das Haar/
20 Das durch den faulen Sudt zuvor beregnet war/
Dann wird sich diß dein Schiff am Vfer lassen schawen/
Vndt dieser Insel Haupt dem stillen Wasser trawen.
O Göttin haben wir dich jemals so verehrt/
Vnd dein Altar geschmückt wie sich zuthun gehört/
25 So schawe ja wol zu daß du die Lufft beschawest/
Vnd unsern König nicht den leichten Winden trawest:
O Königin der Lust/ nim du das Ruder an.
In deine zarte Handt/ vnd mache stille Bahn.
Die Brüder Helenen laß gleichfals glücklich leuchten/
30 Daß kein Gewitter mag deß Landes Trost befeuchten.
Ach? ach? wie schwebt Gewalt doch jmmer auff der Flut?
Wie ist den Königen die See doch keinmal gut!

Damals wurden die Bäncke mit herlichen Tapetzereyen gezieh-
ret/ vnd hinten ein Thron auffgerichtet für zwey Personen. Euri-
medes verblieb zu rücke das Schloß zubewahren; Arsidas wardt
auff einem Rennschifflein vorher gesandt/ der deß Meleanders An-
kunfft zuwissen machte. Das Geschrey kam baldt durch gantz
Epeircte/ daß die Sardinier angelanget waren Sicilien mit starcker
Hülffe beyzustehen. Welches man dann leichtlich glaubete. Der-
halben worden die kurtz zuvor Furchtsamen mit plötzlicher Frölig-
keit vnd nicht allein Hoffnung/
[355] sondern Versicherung deß
Sieges erfüllet. Sie erfülleten den gantzen Marckt/ vnd schlugen

[Seite 219]


mit den Händen zusammen/ wann sie kamen/ zu bezeugung der
Frewden jhrer Erhaltung wegen. So waren die jenigen nicht weni-
ger lustig/ welche auff den Mawren Wache hielten. Als der König
an den Port gieng/ erklungen die Stimmen deß glückwundtschen-
den Volckes/ sampt dem schalle der Trompetten/ vnd andern In-
strumenten/ damit man damals die Knechte in der Schlacht auffzu-
muntern pflegte/ durch die weite Lufft vber See. Vnd weil es ein
Wiederthon deß Krieges war/ bildete jhm Lycogenes ein/ daß deß
Königs Heer auß verzweifflung das euserste daran zusetzen/ vnd
in der Schlacht zu sterben/ gesonnen were. Derhalben soll er zu
denen die vmb jhn gewesen sein gesagt haben. Dieser Tag wirdt vn-
serer Arbeit ein Ende machen/ vnd denen zusterben vergönnen/
welche wir gezwungen haben nicht mehr zu leben. Gehet zu den
Soldaten/ vnd vermahnet sie zur Beute/ die sie verdienet haben. Da-
mit vns der Sieg destoangenemer möge seyn/ so haben die Götter
darmit geeilet/ daß wir sein ehe Habhafft werden als wir vermein e-
ten. Auff dieses stellete er die Hauffen in Ordnung/ vnd vermahnete
sie mit Worten vnd freyem Gesichte zur Tapfferkeit: schickte bey-
nebenst Kundtschaffer voran/ gewiß zuberichten/ ob der Feindt ver-
handen were. Als sie aber allenthalben guete Auffacht gegeben/ vnd
auff nichts feindtliches getroffen/ kamen sie wiederumb
[356] in das
Läger/ mit bericht/ man könte kein Volck im Felde sehen; aber in
der Stadt hörete man ein solch Getümmel/ als ob sie raseten/ vnd
wiederklinge der gantze Vmbkreiß von den Trompetten vnd Pau-
cken/ Lycogenes fürchtete nicht ohn Vrsach/ daß diß ein Zeichen
sey der Entweichung seines Glückes: nichts destoweniger theilete
er das Volck zur Schlacht ein/ vnd fertigte etliche andere ab/ nicht
zwar in Soldaten tracht/ sondern Bawers kleidern/ die von aller Be-
schaffenheit Kundtschafft einziehen solten.


Arsidas hatte allbereit den Radirobanes angesprochen/ vnd jhm
die Schiffe in welchen Meleander sampt den Seinigen ankam/ ge-
zeiget. Dann es waren viel Barcken/ die den König zubegleiten
auff die See kamen/ mit einem grossen Getümmel vnd Frewdenge-
schrey/ derer so darinnen waren. Deß Radirobanes Hauptschiff
stundt mit königlicher Pracht gezieret an dreyen Anckern. An
allen Segeln ‹hingen› schöne Quasten die nur zum Schmuck waren/
b

[Seite 220]


vnd in der Lufft hin vnd wieder spieleten. Das Zitterholtz wandte
sich mit seinen Spitzen sampt den fliegenden Fahnen allzeit/ wo
der Windt hingieng. Die grosse menge der Seyler vnd Leinen dreyer
Mastbäwme/ waren an den seiten angebunden/ vnd gaben von
ferne einen schein von sich eines sehr grossen Netzes/ oder auffge-
deckten Zeltes. Helena sampt jhren Brüdern gläntzeten auff den
hintertheil deß Schiffes mit dreyen güldenen Sternen. Die Schiff-

[357]knechte waren diesen Tag sehr sauber in Himmelblaw ge-
kleidet; vnd warteten entweder jhres Amptes ab/ oder schwebeten
auff den Zitterhöltzern vnd Leinen/ jhre Erfahrung im Schiffwesen
sehen zulassen/ gleichsam als mit Flügeln hin und wieder. Eben in
solcher Lieberey sassen die Ruderer auff den Bäncken. Die Soldaten
waren in jhrer besten Rüstung vnd Kleidern. Für dem Könige wel-
cher auß vielfaltigen Geschäfften mit den Liguriern die Zier der
königlichen Höheit erlernet hatte/ stunden im födertheil deß Schiffes
seine Gerichtsdiener mit Stäben vnd Ruten/ gleichsam als sie die
Flut zurück trieben. An der seiten deß Schiffes giengen hültzerne
Staffeln an der See/ mit Himmelblawen Teppichen bedecket/ auff
welchen zu obriste den Meleander anzunehmen Radirobanes stundt/
in königlicher Kleidung/ mit einem Gürtel von Golde vnd Seiden ge-
sticket/ vmbbunden/ daran hieng ein Schwerdt/ dessen Scheide we-
gen erhabener Arbeit sehr köstlich war. Die Haare/ so jhm biß auff
die Schultern hiengen/ wahren etwas zärter auffgekräuset vnd ge-
balsamiret als einem Kriegesmanne anstehet. Es war ein alter auß
Ligurien bey jhm/ mit Nahmen Virtiganes/ welchem er in seiner
Kindtheit war anvertrawet worden: nach dem er aber erwachsen/
folgete er nicht so sehr seinen Rhatschlägen/ als daß er jhn was er
zu thun gesonnen/ wissen ließ. Mit diesem vnd dem Arsidas hielt er
damals Gespreche/ besahe die Gelegenheit Siciliens/ vnd
[358] lo-
bete mit vberflüssiger Freundligkeit die Herrligkeit deß Landes/
welche er noch nicht gesehen hatte.

Endtlich lendete Meleanders Gondel beym Schiffe an/ der auff die
Treppen schritte nebenst dem Archombrotus/ an dem er sich stewer-
te; biß er so weit kam/ daß er dem Radirobanes die Handt reichen
kundte. Da vmbfiengen sie einander/ als ob sie lange Zeit
zusam- c d e

[Seite 221]

men
bekandt gewesen; vnd als Meleander sich bedanckete/ daß er
jhm Beystandt zuleisten kommen were/ machte er solche seine
Gutthat/ mit sittsamer Entschuldigung noch viel grösser. Als sie
noch ein wenig geredet/ nam der eine die Begrüssung von den Her-
ren in Sicilien/ der andere von denen in Sardinien an; hiessen ein
ander Freunde vnd Bundtsgenossen. Stracks stieg Radirobanes vn-
gebeten in Meleanders Schiff/ welcher zuvor in seines kommen/
vndt sich jhm vertrawet hatte. In dessen ließ sich die Music am Ge-
stade vnd in den Schiffen hören; wie dann auch die Soldaten vnd
Ruderer ein fröliches Geschrey erhuben/ vnd die Vertrewligkeit
der Könige priesen; weil sie ohne Schantzen/ ohne Wache vnd
Waffen/ auff Blosse Trew vnd Glauben sicher vnd frölich mit ein-
ander vmbgiengen. Wie ist solche Macht grosser Herren offtmals
so mühselig? in dem diese Glückseligkeit welche Priuatpersonen
haben sehr seltzam/ vnd die Lust der Zusammenkunfft mehren-
theils verdächtig ist. Wie die Könige auffs
[359] Landt kamen/
vmbfiengen vnd ehrten sie einander auff das newe. Als Radirobanes
die Götter Siciliens an dem eusersten Strande angebetet hatte/ führte
jhn Meleander/ der vnter jhm gieng/ zu den Rossen welche in der
nähe auff sie warteten. Als dann ritten sie in Begleitung jhrer
Freunde in die Stadt/ vnd von da auff das Schloß. Deß Meleanders
Rhäte machten Anstifftung/ daß den Sardinischen Herren selbigen
Abendt gute Außrichtung wiederfahren möchte. Ein jeglicher trug
jhnen sein Losament an/ mit solchen Diensten vnd Auffwartungen/
daß man für Fröligkeit an die Macht deß Feindes/ der jhnen mehr
vnd mehr auff den Hals kam/ kaum gedachte.

Archombrotus aber war vber diesem wenig erfrewet/ in dem er
bedachte/ daß er einen bekommen hette/ zu welchem der König
vnd Argenis nohtwendig Liebe tragen musten. In dem derhalben
die andern deß Radirobanes Freundte empfangen/ wandte er noht-
wendige Geschäffte für/ als ob er auff die Mawren gehen/ vnd im
Nahmen deß Königes die Wache besichtigen muste; damit sie auß
Zuversicht der Hülffe nicht vnachtsam weren: weil vormals auch
erfahren worden/ daß der Feindt solche Gelegenheit ersehen/ vnd
grossen Schaden zugefüget hette. Als er von dem Hauffen
weg- f g h i j

[Seite 222]

kommen/
der jhm sehr verdrüßlich gewesen/ gieng er auff dem
Walle auff vnd ab spatzieren/ hieng das Häupt zur Erden/ schlos
die Hände zusammen/ vnd
[360] druckte sie an die Brust. Bald
blieb er behalten/ als ein Mensch der keine Sinnen hat/ bald kamen
jhm auff einmal vnzehlich viel Sachen ein/ vnwissendt was er ge-
dencken/ oder wo er anfangen solte sich zu beklagen. Vnd/ O wie
gerechte Rächer/ sagt er/ sind die Götter? Du hast den Poliarchus
angefeindet/ du hast deines besten Freunds Zurückkunfft verhin-
dert/ damit du einen Widerpart bekämest/ der viel ärger ist. Wie
ist Radirobanes zu meinem Vnglück in deß Poliarchus Stelle kom-
men; welchem ich mit dieser Brust/ mit diesen Händen/ bevorauß
aber mit der Liebe noch hette gleichen können? Welche Stärcke vnd
Tugendt aber wirdt machen daß ich so viel gelte als Radirobanes?
Er hat nicht allein sein eigen Ansehen/ sondern auch die gantzen
Kräfften seiner Länder/ mit denen er zu Felde zeucht/ mehr wider
mich/ als wider den Lycogenes deß Meleanders wegen. Im Fall ich
die Argenis lieb habe (O ich elender Mensch!) so muß ich diesen
nicht hassen/ der jhr in solcher Noth zu hülffe kompt. Du träger
Liebhaber/ der du das jenige nicht verdienen können was du ge-
wündschet hast; vnd er hat Mittel gefunden/ jhr eher Freundschafft
zu erweisen/ als von jhr zu erlangen.

Vber diesen Gedancken fiel er in Zweifel/ wessen er sich berah-
ten solte/ machte trutzige weite Schritt/ vnd schwieg ein gute weyl
stille; biß er wider anfieng mit dem Glück zu streitten/ vnd mit
einem herben Lachen sagte: Schawe man doch zu; vnserer drey

[361] sind in Kummer der Argenis wegen; wir hoffen alle drey ein
Glückseligkeit/ welche doch nur einem werden kan: ich/ Poliar-
chus/ vnd Radirobanes/ daß ich von denen nicht weiß/ die eben in
solcher Thorheit/ wie ich/ stecken/ vnd mir noch vnbewußt sindt.
Ich Vnglückseliger! Siehestu nicht/ daß jhrer täglich mehr in sol-
che Begier gerahten werden? Es sey dann daß sie nicht werth ist/
daß man sie liebe/ oder daß du alleine Augen hast. Aber du köndest
Zeit haben die andern abzustossen. Schawe nur zu/ daß dieses Vn-
gewitter vom Radirobanes/ deine Hoffnung nicht vber einen Hauf-
fen werffe. So lang Lycogenes lebet/ wirdt dich dein Haß wider jhn
nicht helffen. Gewiß er wirdt die Belohnung für dem Sieg nicht
erlangen. Was für grosse Vngewißheit aber stecket hinder den
k

[Seite 223]


Waffen? wie hat sich das Glück offtmals in einem Augenblick da
vnd dorthin gekehret? Wie wann der Schnarcher in der Schlacht
bliebe? wie wann jhn Meleander für vngestümm hielte/ weil er jhm
einbildete/ als er jhm gantz vnd gar verpflichtet were? Ich muß zu-
schawen/ daß diese Kriege wider den Lycogenes mir bey dem
Meleander eine Ehr/ vnd eine versuchung der Kräfften/ künfftig wi-
der den Radirobanes seyn. In dessen wirst du nur die Hitze deines
Gemüthes nothwendig anhalten/ vnd friedlich mit demselben le-
ben/ den du hernach zu verhindern gesonnen bist. In dieser Mei-
nung gab er sich etwas zufrieden/ gieng zu der Scharwache/ vnd
vermahnete/ sie solten vber solchen Frewden jhres
[362] Amptes
gleichwol nicht vergessen. Eben dieses ließ jhm Eurimedes/ vnd die
andern Befehlshaber sämptlich anbefohlen seyn. Wiewol aber den
Soldaten sicher zuseyn verbotten war/ so wachten sie dennoch also/
daß sie gleichwol deß Weines vnd der Fröligkeit die Nacht vber
nicht vergassen.

Den folgenden Morgen hielten die Könige mit jhren fürnembsten
Leuten Kriegesraht. Deß Radirobanes Volck war noch in den
Schiffen. Weil er aber wuste/ daß es sich verdächtig machte/ wann
er eine solche Heereskrafft in die Stadt führen wolte; so entledigte
er den Meleander/ welcher außgab/ als ob er sich nichts besorgete/
von seiner Furchte mit solchen worten; In dieser Flotte/ sagte er/
welche an jetz zu Ancker lieget/ Allerliebster Bruder/ habe ich
Acht tausendt Soldaten mit schwerer Rüstung/ vnd bey Vier tau-
sendt so Schleudern vnd Bogen führen anher gebracht. Ich habe
auch eine ritterliche Jugendt von Reysigen bey mir/ der schwere
aber vnd weiten Weges halben habe ich viel Roß einzunehmen be-
dencken gehabt. Können wir jhrer habhafft werden/ so wollen wir
sie schon beritten machen. Im vbrigen/ damit man dem Lycogenes
nicht lenger Ruhe lasse/ so wöllen wir das Volck/ wann es euch ge-
liebet/ ans Land setzen. Weil aber das Vfer felsicht ist/ vnd der weg
durch die Stadt gehet/ so wollen wir sie Fänlinweise herein nehmen.
Wann sie hernach durch das andere Thor zur Festung hienauß sindt/
vnd sich in das Läger/ welches wir an dem Fusse deß
[363] Berges
auffschlagen wöllen/ machen; so kan wiederumb ein Fahn nach
l m n

[Seite 224]


dem andern/ von dem Port durch die Stadt geführet werden. Ewer
Volck kan an beyden Thoren/ wo sie hienein kommen/ vnd herauß
gehen sich ins Feldt zubegeben/ Wache halten. Meleander sagte/
Es hette keinen Kummer; vnd wer keine Beysorge für denen Solda-
ten von nöthen/ die vnter deß Radirobanes Befehl gewesen weren.
Wolte Radirobanes ja in den Thoren Wache halten lassen/ so möch-
te er es mit seinen Knechten gar wohl bestellen. Er wolte sich nir-
gendts für sicherer halten/ als vnter seiner Besatzung. Mit solcher
weitleufftiger Entschüldigung vnd Höffligkeit verbrachten die
Könige eine lange weile.

Als nun das Sardinische vnd Balearische Heer auß den Schiffen
an das Gestade kommen war/ ritten sie beyde das Volck zubesehen
vnd auffzumunteren. Radirobanes hatte einen Wapenrock von
Purpur vmb/ der seine vergüldete Rüstung nur halb bedeckte/ vnd
war Bloßhaüpticht/ außgenommen daß er seinen Königlichen
Bundt darumb hatte. Meleander war auch gewaffnet/ vnd machte
mit seinem grossen Ansehen vnd Majestet/ daß ein jeder die Augen
auff jhn werffen muste. Die mit den Schleudern kamen erstlich in
die Stadt. Diese waren Balearisches Volck vnd war ein jeder mit
dreyen Schleudern außgerüstet. Es wuste keine Nation zur selbigen
Zeit besser darmit vmb zugehen/ weil sie sich hierauff von Kindt-
heit an zu legen
[364] pflegten. Es ward gesagt/ sie köndten das ge-
flügel in der Lufft treffen/ vnd hielten es für eine Schande/ wann
einer fehlet. Auff diese folgten der Sardinier Fahnen/ die/ wegen der
Nachbarschafft/ auff Carthaginisches Muster/ mit glatten vnd gros-
sen Schilden außgestaffieret waren. Sie hatten kurtze Degen an den
Gürteln hangen/ welcher sie sich gebrauchten/ wann jhnen die
Pfeile abgiengen. Die Sturmhauben waren mehrertheils von Ertz/
auff deren Spitzen Beerenrachen oder Löwenköpff stunden. Ein
solch weitläufftes Heer kundte den Tag vber kaum gantz durch pas-
sieren. Archombrotus vnd Timonides waren in Meleanders Läger/
die Kriegsgenossen/ wann sie auß der Statt in den zubereiteten Wall
kämen/ zu empfangen. Diese wurffen weiter auff/ vnd erfülleten die
Schantzen/ welche Meleanders Volck jhnen eingeräumet hatte.
Der König schickte jhnen Proviant vollauff/ vnd den Siciliern ward
anbefohlen/ theils mit den Sardiniern zu essen/ theils sie zu sich in
jhre Zelten zu laden.

o
[Seite 225]


Fußnotenapparat

a am Rand: [354]
b ‹hingen›] Dies Verb wurde vom
Hrsg. nach der frz. Vorlage einge-
fügt.
c Kastor und Pollux wurden häu-
fig mit Sternen am Haupt dar-
gestellt.
d ließ.] Aus ließ/ geändert
e vberflüssig = über das gewöhn-
liche Maß hinausgehend (par vn
exces de courtoisie)
f ohne] Aus Dkf ohe
g Priuatpersonen] Aus Dkf
Priuatpersonem
h vnter jhm = ihm zur linken
Hand (illi exterior; marchant
deuant)
i jhrer] Aus Dkf jhre
j Außrichtung = Versorgung
k behalten bleiben = stehenblei-
ben (amens stupebat; demeuroit
esperdu)
l hat] Nach den Vorlagen aus
habe geändert
m Weines] Aus Weinens nach lat.
inter vina verbessert; in man-
chen Exemplaren ist die Kor-
rektur schon gemacht worden.
n Heereskrafft] Aus Dkf Herres-
krafft in manchen Exemplaren
o Balearische] Aus Dkf Balarei-
sche; in manchen Exemplaren ist
die Korrektur schon gemacht
worden.
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