ES wardt Meleandern baldt angesagt/ daß ein Heroldt vom Radiro-
banes fürhanden were. Er/ so betrübet vnd wegen deß vnvernemens
mit dem Sardinischen König in Kummer war/ hatte gleich damals
seine getreweste Räthe zusammen beruffen. Wie er sonsten fast
mit einer vbermässigkeit gütig war/ also hatte die Wolthat/ welche
er vom Radirobanes empfangen/ bey jhm so viel außgerichtet/ daß
er jhm fast mehr als seiner eigenen Person wol wolte. Es ist noch
vngewiß/ sagte er/ ob er einen bösen Willen gehabt habe: man weiß
aber wol daß wir von jhm geflohen sindt als von einem der vns hin-
terlistig nachstellete. Wir müssen jhn vergnügen auff was weise es
auch seyn mag.
[619] Wann auch schon nichts anders were/ so hat
man sich doch für bösem Nachklange zuhüten. Niemandt wirdt glau-
ben daß der zurecht außgetrieben worden sey/ welchen wir bey
dringenden Zeiten als ein geschencke der Götter auffgenommen
haben. Auff diese Worte wardt es gantz stille. Dann es war vielen
zuwider/ daß jhm Meleander solche Gedancken machte. Vnter an-
dern vermeineten Archombrotus vnd Eurymedes daß sie bestochen
würden/ weil sie dem Könige gerhaten hetten/ sich für dem Radiro-
banes zuhüten; vnd liessen außdrücklich spüren/ daß sie es vbel ver-
merckten. So daß Archombrotus auß hitziger jugendt anfieng; Ich
verstehe/ Herr/ daß Radirobanes vnnd ich nicht zugleich können
a

[Seite 374]


recht haben. Wann ich euch zu vnbilliger Feindtschafft gereitzet
habe/ warumb erkläret jhr mich nicht für schüldig? Wann jhr aber
durch meinen vnnd deß Eurymedes Fleiß frey seydt/ so mache
doch nicht ewere Majestät diesen Glückseligen Tag mit solcher Vn-
gewißheit deß Gemütes zu nichten/ vnd zweifele/ ob er lieber wölle/
daß Radirobanes beleidiget/ oder daß Argenis von jhm entführet
vnd jetzt seine Gefangene sey. Diese deß Archombrotus Freyheit
war allen sehr angenem/ sonderlich der Argenis/ welche es jhr für
einen grossen Gewinst hielte/ daß Radirobanes/ es sey mit recht
oder vnrecht/ wieder Sicilien zürnete. Der König selber entschül-
digte sich wegen seiner Furchte gegen dem Archombrotus; Er sey

[620] alleine bekümmert deß Volckes reden halben: Man müsse zu-
schawen/ daß nicht Radirobanes den Außländern/ vnd die vmb die
Sache nicht wüsten/ etwas einschwätzete/ Ich wil zu jhm schicken/
vnd jhm andeuten lassen/ es käme mir schmertzlich für/ daß er
sich lieber zu Schiffe als zu mir begeben wöllen; mit angehenckter
Bitte/ er möge an den Port zurück kommen/ vnd sich nicht lieber
den vngewissen Wellen/ als Sicilien/ dem er so nahe ist/ vertrawen.
Zugleich wil ich vberflüßigen Vorrath mit vielen Schiffen vberfüh-
ren lassen/ vnd seine fürnembsten Leute beschencken. Also wirdt
mich niemandt für Vndanckbar halten an dem Freunde welchem
ich mit dergleichen Diensten entgegen gegangen.

Man hielt diese Meinung nicht für böse. Vnnd der König hatte
schon dem Timonides solches zuverrichten aufferleget/ als man von
Ankunfft deß Radirobanes Heroldes sagte/ der mit vnterschiedener
Erwarttung aller Gemüter zweiffeln machte. Der König befahl jhn
für zulassen/ vnd/ als er das Schreiben vbergab/ fragte er seinem
Gebrauche nach Leutselig/ ob sein Freundt Radirobanes wol auff
were/ vnd was er machte. Der Heroldt/ wie jhm befohlen worden/
sagte/ Meleander würde auß dem Brieffe den er jhm gebracht/ alles
vmbständlich vernehmen; trat also etwas auff die seiten. Melean-
der/ der sich nichts gutes versahe/ gieng in das nechste Zimmer/
damit der Heroldt auff seine Augen vnd Geberden vber dem lesen
nicht Achtung gebe. Arge-
[621]nis folgte dem Vatter nach/ wie
auch die Obristen Räthe. Er als er das Schreiben eröffnet/ blieb
vber einem jeglichen Worte behalten/ vnd wardt durch die
vnbilli- b c d

[Seite 375]

chenWorte sehr beweget/ biß er endtlich auff das Theil kam/ dar-
innen Argenis vnd Poliarchus geschmähet worden. Sein Gesichte
entbrandte alsbald/ verbleichte auch stracks widerumb/ vnd die
Hände fiengen jhm an auß vngewissem Schrecken zu zittern. Nach
erholung der Kräfften ergrimmete er sich hefftig/ noch vngewiß
wider welche. Das newe Toben stellte jhm die Argenis/ den Radiro-
banes vnd Poliarchus für/ vnd er kundte sich mit keiner Vernunfft
noch Raht in diesem ersten Anlauff zu rück halten.

Es durffte jhn bey solcher hefftigen Bewegung niemandt fragen.
Er aber/ mit möglicher verdruckung der Anzeigungen seiner Ver-
wirrung/ lieff in das nechste Gemach/ vnd hieß die Argenis mit sich
kommen/ zu welcher er nichts mehr sagte/ als das sie den Brieff lesen
solte; satzte sich also auff das Betthe/ sahe jhr vnter die Augen/ vnd
gab auff alle jhre Seufftzen vnd Ergrimmung genawe Achtung. Ar-
genis/ so vber dem lesen erschrack/ entsatzte sich nicht zwar als
wegen einer billichen Verklagung/ sondern auß Vngedult deß Vn-
rechts/ vnd fieng mit fewrigem Gesichte vnd Augen an Rach zu-
ruffen. Ohne das Erschrecknüß empfandt sie gleichwol hefftigen
Schmertzen/ daß jhr Vernehmen mit dem Poliarchus offenbar wor-
den. Weil sie auch solche Freund-
[622]schafft so lang verborgen ge-
halten/ als stundt sie in Sorgen/ die Anklag möchte darumb desto-
scheinbarer seyn/ vnd der Vatter es jhm langsamer außreden lassen.
In dem sie nun nachgedachte/ wer doch dieses grosse Geheimnüß
müßte verrathen haben/ fiel jhr stracks der Selenissen Kundtschafft
mit dem Sardinischen Könige ein. Sie hatte aber nicht Zeit lange
nachzudencken oder zuschweigen. Derwegen fiel sie dem Vatter
zun Füssen/ vnd fieng mit grosser Bemühung der Sprache wegen
der dicken Seufftzer an; verziehet nicht/ Herr/ biß ich das fürge-
worffene Verbrechen ängstiglich wiederlege. Dann ich wil diesem
ehrlosen Feinde diese Frewde nicht machen/ daß er glaube ich
müsse meiner Keuschheit andere rechnung geben/ als daß ich euch/
einem so guten vnd weisen Vatter/ bißher gefallen habe. Einer Sa-
chen wegen muß ich mich entschüldigen/ daß ich dem Poliarchus
(der mich vmb der Wolfahrt willen gebeten/ die er euch vnd mir er-
wiesen hat/ ich wolte euch nicht offenbahren/ was er euch zum be-
sten gethan) vielleicht trewer gewesen bin/ als jhr hettet wöllen
mögen. Weil mir aber durch frembde Anzeigung nun Anlaß gege-
ben worden ist jhn zu loben/ so wisset/ Herr/ daß er eben dieser sey/
e f

[Seite 376]


welchen wir Theocrine hiessen. Auß Begier mich zusehen hat er
sein Geschlecht verändert/ damit er in das Schloß genommen würde.
Aber diese verwegene Vnterfangung hat er mit Glimpff vnd Sitt-
samkeit gemiltert. Dann so war jhr mir mehr glauben könnet als

[623] dem Radirobanes/ so war haben wir nicht gewust daß er eine
Mannes Person sey/ ehe er mich vnd euch von den Nachtraubern
mit solcher stärcke/ welche jhr für Göttlich gehalten/ errettet hat.
Vnd als er auß dem Castell hinweg wolte/ hat er mir vnd Selenissen/
mit dieser Bedingung eröffnet wer er were/ daß wir euch von seiner
Künheit vnd Stärcke nichts meldeten. Nachdem er wiederumb zu
Hofe kommen/ kan der gute Wille den jhr zu jhm getragen bezeu-
gen/ wie wol er sich in anderen Sachen verhalten. Wann jhr ja mein
stillschweigen nicht gut heisset/ so bedencket/ daß die geringste Ver-
geltung so ich jhm geben können/ darinnen bestehe/ daß ich jhn
derer Ehren/ welche jhr jhm sonder zweiffel hettet angethan/ habe
beraubet seyn lassen. Besorget jhr euch aber etwas ärgers von jhm
vnd mir/ weil ich als eine Jungfraw seinen anschlag heimlich ge-
halten/ so wil ich meine ärgste Feindin auff der Welt zu meiner
vnschuldt fürstellen. Ich verstehe Selenissen/ welche allein vmb
dieses Geheimniß Wissenschafft getragen/ vnnd dem Radirobanes
sämptlich entdecket hat. Wann sie nicht vnsinniger weise in Haß
vnd Meineydt gegen mir gerathen were/ so würde sie jhre Trew nit
beflecket/ vnd Frembden kundt gemacht haben was sie euch selber
nicht sagen wolte. Jedennoch trage ich kein Bedencken/ sie zum
Zeugen meiner Vnschuldt zu erfodern. Habe ich ewere Vngunst ver-
dienet/ vnd mein gutes Gerüchte mit heimlicher Vnkeuschheit
[624]
betrogen/ so wil ich euch vnd meine Zucht mit eigener Handt re-
chen/ vnd mein Blut vergiessen/ das von euch entsprossen zuseyn
nicht würdig were.


Vnter diesem reden fiel sie dem Vatter vmb die Knie/ küssete
baldt seine Hände/ baldt sahe sie den Alten mit solcher Artligkeit
an/ daß sie der gütige Vatter baldt vnschuldig zuseyn vrtheilete.
Doch war er in grosser verwirrung: Die vnvmbgängliche Feind-
schafft mit dem Radirobanes/ den Argwohn deß gemeinen Volcks
wegen der beschuldigten Argenis/ vnd daß/ sie were keusch wie sie
wolte/ doch gläublich seyn möchte/ Poliarchus were Vrsach/ daß
Radirobanes jhr nicht gefiele. Als die Princessin hernach darauff
drang/ Selenisse möchte erfordert werden/ befahl er dem
Thürwär- g h

[Seite 377]

terdie Alte zu ruffen. Keiner von den Räthen wuste/ was so sehr in
geheim gehandelt würde; außgenommen daß sie es für hochwich-
tig hielten/ weil es der König allein der Tochter vertrawete. Derhal-
ben hatten sie mancherley Vermutungen/ vnd waren bekümmert
was es seyn mußte. Selenisse/ so jhr dergleichen als fürlieff im min-
sten nicht einbildete/ gieng in deß Königes Zimmer/ darinnen sie
dann baldt durch die Einsamkeit/ durch deß Meleanders Gesichte/
vnd jhren eigenen Geist/ der instehendes Vbel einem Menschen offt-
mahls mit verborgenem Schrecken eingiebt/ ohn jhr verhoffen be-
stürtzt gemacht ward. Stracks fieng Argenis mit brennendem Ge-
sichte/ entweder auß Zulassung deß Vatters/ oder daß der Zorn kei-
nen Verzug erdul-
[625]den kundte/ wieder sie an; Ich beschwere
euch bey dem Radirobanes/ Mutter/ (dann von was solte ich euch
liebers sagen/ dem jhr auch mehr zugefallen weret?) hier für
ewrem vnd meinem Könige zubekennen/ was ich für Vernemen/
daß einer Jungfrawen nicht gebühret/ mit dem Poliarchus ge-
pflogen habe. Bekümmert euch ewerer Person halben im wenigsten
nicht/ daß jhr bißher etwas von jrgend einer Sache in geheim ge-
halten: ich habe euch schon Verzeihung erlangt/ im Fall jhr nur an-
jetzo die Warheit nicht verschweiget. Die Alte erschrack/ vnd
fieng jhr fast an zu geschwinden. Jedoch/ wie sie dann sehr listig
war/ kam sie bald wieder zu jhr selber/ so daß diese Bewegung mehr
schiene eine Anzeigung der Vnschuld/ welche sich für dem Ver-
dacht entsetzet/ als eine Anzeigung deß vergrieffenen Verbrechens
zuseyn. Vnd/ wem soll ich erstlich antworten? sagte sie; weil ich
von beyden einer Vntrew geziehen werde? Ich weiß weder von deß
Radirobanes Verbündtniß mit mir/ noch von deß Poliarchus Ver-
bündtniß mit euch/ Princessin. Was für eine hohe Sünde aber ist es/
daß jhr vermeinen wöllet/ ewere Tugend könne durch einigen Ver-
dacht beleidiget werden? Nein/ nein/ sagte Argenis; laßt die Be-
schönung nur bleiben. Hier sehet jhr/ deß Radirobanes Schreiben an
den König/ in welchem er euch die Schuld giebet/ jhr hettet von
dem Poliarchus/ der sich in die Theocrine vnd Pallas verwandelt
habe/ alles außgeschwätzet. Damit ich aber nichts berge/
[626] so
wisset/ daß ich dem Vatter die Sache mit allen Vmbständen be-
kandt habe. Er hat vber diß meine Vnschuldt auch mit ehrenrühri-
gen Worten angegriffen; ich weiß nicht ob es von euch kömpt.
Die- i
[Seite 378]

serser Sachen halben seyd jhr hieher beruffen. Saget frey herauß (so lieb
jhr wöllet/ daß euch die Götter helffen mögen) saget/ ehe man die
Warheit durch Marter von euch erzwinge/ ob ich die Hoheit mei-
nes Stammes befleckt habe.


Meleander ließ jhm diese Härtigkeit der Argenis nicht mißfallen/
welche Selenissen/ die wider sie reden kundte/ nicht gereitzet hette/
wann sie jhr nicht wol bewust gewesen. Wie sie dann auch weiter zu
jhr redete: Ich wil nicht/ daß jhr auß Drange berichten sollet: aber
ich werde auch nicht zufrieden seyn/ Selenisse/ wann jhr nicht alles
das/ was jhr vom Poliarchus wisset/ mit grösserer Trew erzehlet/ als
jhr es zuvor verschwiegen habt. Die Alte/ so von jrem Gewissen
vberzeuget wardt/ vnd dem Meleander zu Fusse fiel/ Herr/ sagte sie/
alles was ich sagen kan ist dieses: Es ist nichts vnschüldigers vnd
auffrichtigers als die Princessin/ nichts vntrewers als der König in
Sardinien. Wann jhr mir vergönnet in mein Gemach zugehen/ so
wil ich euch auß allem Kummer bringen durch vnfehlbare Zeichen/
vnd sonderlich etliche Brieffe/ derer Gewißheit machen wird/ daß
kein dergleichen Verdacht ewer Gemüthe ferner einnemen könne.
Ihr werdet euch hernach auch
[627] nicht mehr verwundern/ daß
Radirobanes diese Sachen ehe als jhr erfahren habe. Es ist ein kur-
tzer verzug: indessen daß wir alhier vergebliche Worte wechseln/
were ich schon zurück kommen. Der König/ so vber solcher Verheis-
sung zweiffelhafftig war/ befahl jhr eylendts hinzugehen/ vnd jhn in
dieser Angelegenheit nicht zu schertzen: doch solte sie behüttsam
seyn/ damit keiner von den Herren hinder das Wesen käme. Argenis
war ingleichem nicht darwieder/ vnd wolte jhr nichts verhinderlich
seyn etwas gewissers herfür zubringen.

Aber so bald die Alte jhnen auß den Augen kommen war/ rannte
sie hefftig in jhr Zimmer/ zohe die Thür nach jhr zu/ vnd/ Nun/
sagte sie/ bin ich wiederumb mein selber; nun kan ich mich selber
vervrtheilen/ vnd darff nicht erst von andern erwarten/ was ich
verdienet habe. O ich vnglückseliges Weib! Habe ich darumb so
lange gelebet/ damit ich nicht vnschüldig stürbe? Welch Verheng-
niß aber hat mich meiner Sinnen beraubet/ daß ich nie bedacht
habe/ der Verrähterey Lohn sey niemals sicher? Daß ich so gantz
anders worden bin? daß ich einen leichtsinnigen Jünglinge/ der
mir auß vielen Lastern verdächtig hette seyn sollen/ getrawet hab?
j

[Seite 379]


dessen Verheissungen/ dessen Geschencken/ habe ich/ von so vielen
Jahren vnd Erfahrung/ mich meine Trew/ vnd meiner liebsten
Princessin Gunst hingelassen?
[628] Du bedenckest es zu lang-
sam/ Selenisse. Es were eine Tugend gewesen/ wann du dein Hertze
für Vbelthat verschlossen hettest. Weil du nun so vnglückselig ge-
sündiget hast/ so ist deine Klage nicht besser als der Mörder. Hat
mich dann Radirobanes mit so feindlicher Beklagung vmbringen
wöllen: welchen ich mit nichts beleydiget habe/ außgenommen das/
wie andere Sachen/ auch zu grosse Gunst einen Eckel zukriegen
pfleget? Ach dem Vbel! wen werde ich dürffen anschawen? zu
wem werde ich fliehen? oder wer wird mich hören von Verrähterey
klagen/ derer ich ein Exempel bin? Warumb eile ich nicht mich deß
Tagesliechtes zuberauben? Bedecke ich nicht die Schande meines
jetzigen Lasters mit einem Ende daß meiner ersten Tugend gemässe
ist? Auff was warte ich länger? Argenis hasset mich/ den Meineyd
kan ich nicht entschüldigen. Vielleicht wird auch der König seine
Rache vnter anderer Beschönung sättigen/ den mein Verdienst/
vnd der Tochter Klage so sehr gereitzet hat. Man weiß noch nicht/
wie ich verstehen können/ daß ich den Radirobanes zu der Entfüh-
rung durch meinen Rhat auffgefrischet habe. Im Fall dieses wird
außkommen (dann was kan ich hoffen daß es werde verschwiegen
bleiben?) welche Verfliessung der Zeit/ welche Götter werden das
Gedächtnüß solchen Verbrechens meiner Herrschafft auß dem Ge-
müte können bringen? Ich mag sie auch erweichen wie ich wil/ so
werden sie mir doch
[629] befehlen jhnen auß dem Gesichte zu-
gehen. Ich wil weichen die ich bey allen verhast bin/ vnd die zor-
nige Princessin fürchten muß. Ich kan doch weder heimlich noch
offentlich sicher seyn. Ich wil alle Augenblick der schmählichen
Straffe erwarten/ vnd/ auß meinem Verbrechen aller Leute Gedan-
cken von mir ermessen. Du verdienest noch eine grössere Schmach/
Selenisse/ wann du dieser mit dem Tode nicht zuvor kömpst.

k l
[Seite 380]


Fußnotenapparat

a vnvernemen = fehlendes oder
zerstörtes Einverständnis (dissi-
dium; mescontentement)
b vberführen] Aus Dkf vherfüh-
ren
c hielt] Aus Dkf helt
d blieb ... behalten = stockte
(haerens; s’arrestant)
e auch] Aus Dkf auß
f verziehen = warten
g geringste] Aus Dkf geringsten
h darauff] Aus Dkf da auff
i vergriffen = begriffen entweder
von Selenisse selbst oder von an-

dern (deprehensi sceleris; mes-
chanceté descouuerte)
j Weib!] Aus Weib?
k zu langsam] Aus zulangsam
langsam = spät (wie häufig)
l Vbel!] Aus Vbel?
XML: http://diglib.hab.de/edoc/ed000257/Band_III/Band_III_2/Buch_4/III_2_76_4_II.xml
XSLT: http://diglib.hab.de/edoc/ed000257/skripte/tei-transcript.xsl