WIe es Tag ward/ damit er dieses Vnrecht mehr mit dem Schwerdt
als mit Worten vergelten möchte/ ließ er das Volck in Ordnung
stellen/ vnd der Hyanisbe vorhin zuwissen machen/ sie solte vnter
a b

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wehrender Schlacht keinem das Thor öffnen lassen. Zwar nicht daß
er an dem Sieg zweifelte; sondern weil er nicht wolte/ wann jemandt
von den seinigen fliehen möchte/ daß er in die Mawren eingenom-
men würde. Er ist seinen Soldaten niemals frewdiger fürkommen/
vnd hat nach Gebür einen jeglichen angeredt. Den Galliern stellte
er die Ehre für/ welche sie von der Hyanisbe wegen jhres Beystandts
zugewarten hetten. Den Mohren machte er ein Hertz deß Hasses
halben gegen dem Tyrannen/ der allen Gottesdienst jhres Lands
entheiligen würde. Beyderseits sagte er von dem Raub vnd Auß-
beute/ vnd daß Sardinien in der Nähe were/ welches wann wir/
sagte er/ auff diesem Felde hier vberwinden werden/ so wirdt es
vns ebener massen vnterthan seyn/ wie jhm Radirobanes Africa
zum Gehorsam zubringen vermeinet. Zwar alle wurden
[830] durch
diese Worte/ doch mehr durch sein Antlitz beweget. Radirobanes
gleichfals war seines Theiles nicht faul die Soldaten auffzumun-
tern/ vnd bildete jhm in diesem Siege mehr als einen Triumph ein.
Dann daß Poliarchus der Argenis Bräutigam were hatte er darumb
geglaubet/ daß er gleichsam vorigen Tages Schreiben zu rechen/ so
baldt schlagen wolte. Wann er jhn nun hinrichtete/ vermeinete er
mit eben dieser Wunden nicht allein die Argenis zustraffen/ sondern
auch Hyanisben vom Königreiche zustossen/ nach welcher
Stürtzung/ vnd empfangener Krone er in Sicilien vbersetzen wolte/
vnd keinen Feindt haben würde/ der jhm vnter Augen tretten vnd
sich seinem Befehl wiedersetzen durffte.


Vber solcher vnmässiger Hoffnung stellete er sein Volck dem Po-
liarchus entgegen. Es war niemandt der nicht gedachte daß der-
selbige Tag jhrem Glück den Außschlag geben würde. Derhalben
machte die Sorge der Bürger vnter jhnen allerley furchtsame Ge-
dancken. Man kundte die Alten Leute/ noch die betrübten Mütter
von den Mawren nicht herab bringen/ welche jhre vnschuldige
Kinder den Göttern zeigeten/ mit bitte/ sie wolten jhre zarte Ju-
gendt dem Feinde nicht in die Hände geben.

Die Schleuderer auß den Balearischen Inseln vnter dem Radiro-
banes machten vnter den Numidiern/ so den ersten Angriff hatten/
eine Trennung. Poliarchus aber hieß die Reuterey auß Gal-
[831]lien
einsetzen vnd den Schleuderen jhren Platz nehmen/ damit sie die
c d

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Steine nicht werffen köndten. Den Numidiern befahl er/ daß sie von
der Spitzen sich ein wenig auff deß Feindes seiten machen/ vnd jhn
von der rechten Ordnung der Schlacht auff sich wenden solten.
Radirobanes hergegen bemühete sich den Feindt mit etlichen Trop-
pen Reutern zu vmbringen/ vnd von hinden zu einzubrechen. Er
hatte auch etliche so der Gallier vnd Africaner Sprache kündig wa-
ren/ außgeschickt/ die gleichsamb auff Geheiß deß Poliarchus
schreyen solten/ der Sieg neigete sich auff der Sardinier seiten; die
Gallier vnd Mohren möchten wol fliehen/ weil Lixa zu jhrer Ein-
nehmung offen stünde. Diese Stimme stieß erstlich jhrer nicht
wenig für den Kopff; hernach wardt darzu gelacht/ vnd gleichsfals
geruffen/ die Sardinier solten außreissen. Es war zwischen beyden
Theilen kein Platz gelassen; Leib stieß an Leib vnd Waffen an Waf-
fen. In solcher Enge muste ein jeglicher entweder fallen oder sie-
gen. Das Geschrey der Anmahnenden/ die Klagen der Verwunde-
ten/ vnd das gethöne der Waffen erklang mit schrecklichem Schall
biß in die Stadt. Die Gallier waren besser zu Roß: zu Fuß aber durff-
ten die Sardinier vnd Ligurier nicht weichen. Sonderlich waren die
Obristen embsig. Auff einer seiten war Poliarchus vber seinen Ge-
brauch vnbarmhertzig/ hörete kein heulen noch flehen ob ihm ent-
weder die Begiehr
[832] zu Kriegen die Ohren verschlossen hatte/
oder der Zorn gegen den Radirobanes/ der seines Theils offtmahls
allein in die Hauffen drang/ als ob er vergessen hette/ wie er wie-
der seinen Danck vnter den Feinden nach Lixa gerhaten were. Also
musten die Sardinier vmb den Poliarchus herhalten vnd die Gallier
sampt den Numidiern vmb den Radirobanes weichen. Poliarchus
Zorn aber war noch hefftiger entzündet/ der nicht mit wenigem
Blute mochte geleschet werden. Allein das Hertze deß Radirobanes/
welches an der Schmach wieder die Argenis vnd Hyanisbe Schuldt
trug/ kundte sein Wüten sättigen. Darumb fieng er an durch seine
vnd der Feinde Hauffen zusetzen/ suchte den Feindt der jhm an
Stande vnd Hasse gemesse war/ und schrie hefftig; wann er Kühn
were/ wann er ein Manneshertz hette/ so solte er das Glück dieses
Krieges mit seiner eigenen Gefahr auff sich nehmen. Das vielfältige
Schreien/ welches andere jhm nachrufften/ wardt in dem Tumult
verstanden/ vnd kam dem Radirobanes/ der nicht weniger keine
friedliche Anschläge hatte/ zu Ohren. Er schämete sich einig vnnd
allein/ daß er nicht erstlich gefodert hette. Den andern Kampff ließ
er alsbaldt bleiben/ vnnd eilete vngeachtet anderer Dinge auff
sei
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nenWidersacher zu. Africa hatte keine Löwen/ keine Schlangen
von solchem Grimm gesehen. Doch hielten sie wegen kurtzer Vn-
terredung die Hände erstlich an/ vnd/ komm
[833] her du Räuber/
sagt Poliarchus/ laß dir die Straffe für deine Vbelthat geben. Du
solt mir heute nicht entrinnen/ vnnd wann dich deine Mutter mehr
als den Achilles in dem Fluß Styx feste gemacht hette. Es ist das
Opffer/ Fraw/ welches ich euch aufftrage/ wann euch so ein schmäh-
liche Gabe nicht zuwieder ist. Radirobanes gab zur Antwort;
kömpstu herfür wie auß dem Frawenzimmer du Buhlerknecht?
Aber der Todt wirdt dein schändtliches Leben vnter den Waffen ver-
bergen. Trag kein Bedencken deine Gurgel darzubieten/ als ob du
ein Mann werest.

Es hatte keiner die Gedult den andern auff seine Scheltworte
weiter zubescheiden. Der grosse Zorn/ so stärcker zu machen pfle-
get/ hatte sie fast schwecher gemacht. Doch kamen sie mit der
Brust/ den Rossen vnd Waffen zusammen/ nicht gelinder als wann
ein Sturmwindt zwene Felsen wieder einander stiesse. Das Glück
wolte aber jhren Streichen damals nicht fugen/ vnd die Pferde/ wie-
wol sie in selbigem rennen beleydiget worden/ waren doch zu vbri-
gem Kampffe nicht vndüchtig. Derhalben wandten sie den Zügel/
vnnd ein jeglicher schoß so kräfftig auff den andern/ daß sie den Pfeil
mit dem Schilde außschlagen musten. Ein jedweder hatte noch einen
Pfeil: damit derselbe nun nicht fehl gienge/ besahen sie einander
lange
[834] wo er durchdringen köndte. Endtlich meinete Radiro-
banes nichts sicherer zuseyn/ als deß Feindes Roß vmbzubringen.
Damit nun dieses vngenossen nicht hinauß gienge/ gab Poliar-
chus seinem Rosse auff den Kopff hergegen einen Streich. Baldt/
auß Furchte deß fallens/ oder daß die Pferde im Tode rasen vnd
außreissen möchten/ stiegen sie als mit gleicher Vereinigung ab/
nahmen die Parten so an den Roßzeugen stackten/ vnd eyleten
auff einander zu. Sie worden aber auß Erbarmung jhrer Leute von
einander geriessen. Dann wie sie dermassen tobeten/ lieffen die
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Gallier vnnd Sardinier darzwischen. Als nun beyde diese Hülffe
außschlugen/ tratt endtlich nach vielem Befehl ein Soldat herfür/
vnd machte den Königen Platz/ welche auff das newe gewaffnet
die Parten fahren liessen/ vnd in der lincken Handt einen Schildt/
in der Rechten einen Spieß trugen/ welchen Poliarchus dem Feinde
aufffieng/ mit seinem aber deß Radirobanes nicht verfehlte/ vnd jhn
zimlich sehr in die Seite beschädigte. Hernach grieffen sie zum De-
gen/ vnd kamen offt so nahe zusammen/ daß sie einander allein
mit den Knöpffen auff den Kopff oder Brust stossen kundten. Es
blieb kein Theil deß Leibes/ keine Vermengung der Waffen vbrig.
Sie worden alle mit Schre-
[835]cken/ hernach mit Barmhertzigkeit
vmbfangen/ daß so ritterliche Fürsten ohn jhres Heeres Schlacht
vmbkommen solten. Derowegen lieffen die Hauffen wider zusam-
men/ vnd scheideten sie von einander: welches ein jeder für seine
Schande anzohe/ vnd fragte die Vmbstehenden mit Zorn vnd Be-
fehl/ ob sie jhn vermeineten vberwunden zuseyn/ daß sie jhn zu-
schützen/ vnd auß dem Kampffe zubringen sich so sehr müheten?

Als sie die Soldaten vnd Befehlichshaber also abgewiesen/ trat-
ten sie beyde zu dem letzten Kampffe/ zwar mit vnüberwindtlichem
Muthe/ aber das vergossene Blut hatte jhnen viel Kräfften wegge-
nommen/ fiengen an zukeichen/ vnd kundten keinen starcken noch
gewissen Streich thun. Poliarchus hatte doch mehr Hertzens vnd
Geblütes. Als er sich nachmals erinnerte/ auß was Vrsachen sich
der Haß erhaben hette/ vnd nicht zweiffelte/ wann er nicht siegete/
daß Argenis für Schmertzen sterben würde/ hub er das Schwerdt
höher empor/ vnd traff den Radirobanes seiten halben in den Hals
zwischen den Helm vnd Pantzer. Wie er fühlete daß er sterben
muste/ vnd zur Rach eylete/ lieff er auff den Poliarchus zu/ vnd
stieß mit seinem Leibe vnversehens dermassen an jhn/ daß sie bey-
de auff die Erde fielen. Baldt tratt das Geschrey der Soldaten biß
in die Lufft/ in dem etliche vermeineten/
[836] dieser/ etliche der an-
dere/ vnd etliche sie weren beyde todt. Vnd weil Poliarchus vnter
den Radirobanes gefallen war/ erschracken die Gallier vnd Mohren
noch hefftiger/ daß auch einer vnd der andere zu der Hyanisbe
lief- k l m

[Seite 500]

fendie böse Zeitung anzumelden. Die Hauffen der Gallier vnd Sar-
dinier breiteten sich durch das gantze Feldt. Der Obristen Gewalt
kundte sie bey jhren Fahnen vnd Ordnung nicht erhalten. Ein jeder
vermeinte er muste den Königen zulauffen/ vnd sie von der Wahl-
stadt hinweg nehmen/ sie weren todt oder lebendig. So daß die
Menge der Hülffe den Poliarchus fast/ erdruckt hette. Er hatte sich
aber allbereit vnter dem Feinde fast herfür gewickelt/ vnd gab
jhm noch eines/ vnwissendt daß jhm die Seele schon außgefahren.
Wie die Gallier vnd Mohren sahen/ daß dieser noch lebete/ worden
sie für grossen Frewden mutiger/ vnd fielen die hurtigsten von den
Sardiniern an/ welche deß Radirobanes Cörper bewahrten/ vnd auff
den Poliarchus drungen. Die Gefahr aber wehrete nicht lange. Dann
die Fröligkeit deß Sieges halben hatte den Poliarchus erquicket/
vnd die Gallier liessen es an jhrer Hülffe nicht erwinden. Derwegen
wiechen die Sardinier allgemach zurück/ vnd rechneten doch dieses
jhrer Tugendt zu/ daß
[837] sie bey solchem jhrem Verlust dennoch
nicht flohen. Als sie gantz hinweg kommen/ war Poliarchus nach
Erlangung deß Cörpers seines Feinds vnd einer reichen Beuthe voll-
kommlicher Siegesherr.

[838: Kupfer Nr. 18]


Fußnotenapparat

a ein schreiben] Aus einschreiben
b denselbigen Abendt] Aus den-
selbigem Abende z. T. nach B
emendiert
c doch mehr] Aus dochmehr
d mehr als = multos triumphos
einen] Aus Dkf einem
e aufftrage = darbiete (fero;
offre)
f fugen = füglich, günstig sein
(fortuna abfuit; ... que leurs
coups portassent)
g beleydiget = verwundet (laesi;
blessez)
h Pfeil = Wurfspieß (jaculum
jauelot)
i außschlagen = abschütteln (ex-
cutere)
j die Parte = Streitaxt (bipen-
nis; hache)
k welchen ... aufffieng] hastam,
quam ab hoste venientem Pol-
iarchus eludens; ... jauelot. Po-
liarque esquiuant celuy de son
ennemy ...
l jhnen] Aus Dkf jhn
m seiten halben = seitwärts
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