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100 Sz 90 Dü 99 1628

Die Episteln der Sonntage

Druck X: Die Episteln | Der Sontage vnd für- | nemsten Feste des
gantzen | Jahres/ | Auff die Weisen der Fran- | tzösischen Psalmen
in Lieder | gefasset/ | Von | Martin Opitzen.
| [rechteckiges Orna-
ment, 2,7 × 1 cm] | In verlegung David Müllers/ | Buchhendlers in
Breßlaw. | Leipzig/ | Gedruckt durch Johan-Albrecht Min- | tzeln/
1628.

12°: A–H 3 Exemplar: Weimar ZB

Von diesem Druck war nur ein einziges Exemplar verfügbar, das
Weimarer. Das Büchlein mißt etwa 10,3 × 5,8 cm; der Druckspie-
gel, inklusive Kolumnentitel und Signaturzeile, 8,1 × 5,0 cm. Die
Rückseite des Titelblattes, [A1], ist unbedruckt. Bl. A2a enthält die
10 Zeilen der Widmungsüberschrift des Gedichtes an Herzog Georg
Rudolf
; die ersten 3 Zeilen sind aus einer größeren Type gesetzt, die
letzten 2 symmetrisch eingezogen. Es folgen die ersten 6 Zeilen des
Gedichtes, das auf der oberen Hälfte von Bl. A3a endet. Die Blätter
bis A3a sind nicht paginiert. Seitenzählung beginnt mit der Ziffer 2
auf Bl. A3b und läuft bis 86 auf Bl. H3b. Die Ziffern befinden sich an
den oberen Außenrändern. (Die Seitenzählung wie die Blattsignatu-
ren erstrecken sich weiter bis S. [118] siehe hierzu die Angaben zu
Druck Y von Werk Nr. 98, Über das Leiden ... unseres Heilandes.)

Das rechteckige Ornament auf dem Titelblatt ist aus 12 Teilchen
zusammengesetzt, deren »Spitzen« nach oben bzw. unten weisen.
Auf der unteren Hälfte von Bl. A3a findet sich ein ähnliches Zier-
stück, doch sind hier 2 Elemente aus dem Rechteck entfernt und je
eines ist dem resultierenden Zehnerblock 1. und r. angefügt worden.
Über der Kolumne auf Bl. A2a ein kleines Typenornament aus 2
nach l. und r. weisenden Eicheln, in der Mitte (o). Dasselbe Orna-
ment findet sich auch unter der letzten Zeile des Gedichtes auf S. 86.

Über dem Text jeder Kolumne erscheint eine zusammengesetzte,
5 cm messende Linie; darüber der Kolumnentitel. Im Vorstoß lautet
er (abgesehen von dem Ornament auf Bl. A2a) Vorrede. Bei den
Epistelgedichten, von S. 2 an, ändert er sich mit dem Inhalt; z. B.
Am 1. Sontage des Advendts. Er ist überall in sich vollständig; nur
auf S. 4/5 erstreckt er sich über die zwei Seiten: Am andern Sontage
|| des Advendts. Auf S.2 findet sich zwischen der Linie und der

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ersten Zeile der Überschrift eine aus 19 Elementen zusammenge-
setzte Zierleiste; nach dem 9. Teilchen (Zählung vom Außenrand)
steht ein Doppelpunkt. An weiteren Zieraten sind nur zwei musi-
zierte Initialen vorhanden: das H am Anfang des Widmungsgedich-
tes und das A des ersten Epistelgedichtes; beide messen 1,3 cm im
Geviert. Bei den Kolumnentiteln wird häufig die Buchstabierung
der Gedichttitel vereinfacht. Die Kustoden weisen keine Unregelmä-
ßigkeiten auf.

Der Druck des Werkes wurde abgeschlossen, ohne daß Opitz oder
ein von ihm beauftragter und mit den Regeln über die Apostrophie-
rung vertrauter Korrektor sich um die Apostrophe gekümmert
hätte: der Druck enthält nicht einen einzigen Apostroph. (Daß
Apostrophzeichen in der verwendeten Nonpareilleschrift vorhan-
den oder beschaffbar waren, ist daraus ersichtlich, daß die Nach-
drucke dieses Schriftzeichen sporadisch verwenden.) Weil der
Druck in dieser Hinsicht ohne Autorität ist, hat Hrsg. folgende, von
der sonstigen Gepflogenheit abweichende Sonderbehandlung ein-
treten lassen: Der Wortlaut folgt X, die Apostrophierung richtet sich
aber nach E. Für das Widmungsgedicht sind auch die Drucke CE
und F herangezogen worden. Einige wenige Sonderfälle wurden im
Apparat gerechtfertigt.

In Sammlung E, Geistliche Poemata 1638, rangieren die Epistel-
lieder auf S. 121–95, hinter Judith und vor den Geistlichen Oden.
Auf S. 121 der ganzseitige Sondertitel Die Episteln | Der Sontage/
vnd fürnembsten Fest | deß gantzen Jahrs/ | Auff die gemeine Wei-
sen der Psal- | men gefasset/ | Von | Martin Opitzen.
Die Seitenzahl
steht oben, in der Mitte der Kolumne; Blattsignatur H v und
Kustos Dem 3,3 cm unter der letzten Zeile des Titels und nach
rechts gerückt. Auf S. 122 (Seitenzahl in der Mitte über einer Kopf-
leiste von 0,7 × 7,4 cm) folgt die gegenüber X gekürzte Widmungs-
anrede; darunter die ersten 14 Zeilen des Gedichtes »Hier habt jhr
...« Es endet auf S. 123, deren Kolumnentitel Vorrede. lautet.
Auf S. 124, unter einer Zierleiste derselben Größe wie der auf 122,
aber eines andern Musters, beginnen die Epistellieder. Bei jedem
Lied steht als Z. 4 der Überschrift der Anfang des Psalmliedes, nach
dem das Epistellied zu singen ist. Die lebenden Kolumnentitel sind
meist über den einzelnen Kolumnen komplett in sich, doch kommen
auch solche vor, die sich auf zwei gegenüberstehende Seiten vertei-
len; z. B. 124 Am Ersten Sontag 126 deß Advents. Aus Platz-

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mangel in der für den Kolumnentitel zur Verfügung stehenden ein-
zelnen Zeile sind eine ganze Anzahl von Liedern überhaupt nicht in
den Kolumnentiteln genannt. Auch unterlaufen zahlreiche Fehler;
z. B. 149 Am Sontage Oculi (wiederholt von S.148) sollte Am
Sontage Laetare lauten; 178 Am 21. Sontag sollte Am
12. Sontag lauten; 176 hat den richtigen Kolumnentitel Am
9. Sontage nach Trinitatis.; doch 177 nach Trinitatis. ist feh-
lerhaft; wenn später der Anschluß richtig hergestellt wird (z. B.
186/87 Am 19. Sontag || nach Trinitatis. , so zeigt der Kolum-
nentitel doch nicht an, daß auf S. 187 das Lied Am 20. Sontag nach
Trinitatis steht. Lied .36 ist aus einem kleineren Typengrad
gesetzt, damit die Alexandrinerzeilen sich der Kolumnenbreite
ohne zu häufigen Zeilenumbruch anpassen. Das letzte Epistellied
endet ohne Verzierung im zweiten Drittel von S.195. Die nächste
Seite, [196] = Bl. N2b, ist gezählt, aber unbedruckt. Die üblichen
Setzervarianten sind in vorliegender Ausgabe nicht verzeichnet
worden.

Außer der Überarbeitung in E existieren noch drei weitere
Drucke der Episteln, alle an Ausgaben der Psalmen angehängt, alle
drei sind mit separaten Titelblättern und separater Seitenzählung
versehen, wurden also auch wohl einzeln verkauft.

Druck y: Sz 204 Dü 99 a (an Sz 200, Dü 176b) Die Episteln |
Der Sontage vnd | fürnembsten Feste des | gantzen Jahrs. | Auff die
Weisen der | Frantzösischen Psalmen in | Lieder gefasset/ Von |
Martin Opitzen.
| [rechteckiges Ornament] | Im Jahr/ nach Christi
Geburt
/ | [Linie] | M. DC. XXXVIII.

12°: [Cc1a]; Cc1b bis Cc2b die Vorrede; Cc3a (= S.1) die Episteln
bis S.78 (= Gg5b) unten; dort ENDE. und etwa rechteckiges
Schlußornament aus 2 Röschen. Benutztes Exemplar: Wolfen-
büttel

Druck z: Sz 218 Dü 99b (an Dü 176 a) Die Episteln | Der Son-
tage vnd für- | nemsten Feste | des gan- | tzen Jahrs/ | Auff die Wei-
sen der Fran- | tzösischen Psalmen in Lieder | gefasset/ | Von Mar-
tin Opitzen.
| [ovales Zierstück] | Dantzigk/ | Gedruckt vnnd Ver-
legt durch | Andream Hünefeldt/ Buchhänd- | ler/ im Jahr
1639.

12°: 2 Bl. Vorstoß u. 67 S. Text + 1 Bl. Benutztes Exemplar: Yale
Univ., FdF 223 b

Druck zz: Sz 219b Dü 99 c (an Dü 176 c) Die Episteln | Der
Sontage vnd Fürnemsten Feste des | gantzen Jahrs. | Auff die Wei-
sen der Fran- | tzösischen Psalmen in Lieder gefasset vnd jtzo ver-

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bessert in die- | sem Format. | Durch | Martin Opitzen. | [rechtecki-
ges Ornament, 2,3 × 2,3 cm] | Erstlich | Gedruckt zu Leiptzig.

12°: 3 Bl. u. 98 S. Die 1., 5. und letzte Zeile des Titels in Rot-
druck. Benutzte Exemplare: Breslau, Gö., Berlin SB (PK)

Zu diesen Drucken ist zu bemerken, daß sie direkt oder indirekt
auf X zurückgehen. Aber wie Opitz 1628 schon das im Auftrage bzw.
auf fürstlichen Befehl hergestellte Werk am liebsten nicht veröffent-
licht hätte »nisi fere cogerer«, so war er ein Jahrzehnt nicht dazu
aufgelegt, die Epistellieder mehr als einmal – nämlich für die Samm-
lung E – durchzugehen und zu verbessern. Die Nachdrucke bringen
durchgehend verschlechterte Versionen: neue Setzer- oder Flüchtig-
keitsfehler, Schlimmbesserungen und vereinzelt auch einige Apost-
rophe. Selbst wenn Hünefeld sich Opitz’ Erlaubnis für den Druck z
eingeholt haben sollte, so kann seine Auflage sich lediglich einer
rechtlichen, nicht einer textlichen Überlegenheit rühmen. Für vorlie-
gende Ausgabe konnten die Drucke y, z und zz also nichts hergeben.

In Christoph ColerusLaudatio ... Opitii, Leipzig 1665, S. 35f.
(meist zitiert nach K. G. Lindners Abdruck und Übersetzung in Um-
ständliche Nachricht von ... Opitz
, Hirschberg 1740/41, Bd.I,
S.73, 119 und 179) heißt es, Opitz habe nach dem Beispiel des Pfäl-
zers Posthius und auf Befehl des Herzogs von Liegnitz die »Epistolas
Dominicales et Festivales anni« in Verse gebracht, so daß sie nach
den Goudimelschen Psalmmelodien gesungen werden konnten. Co-
lerus läßt dies i. J. 1624 geschehen, und folglich wurde angenom-
men, es existiere eine 1624 datierte Ausgabe dieses Werkes. In der
Mitteilung »Ein Opitz-Gespenst«, WBN 3 (1976), 202f., stellt Erich
Trunz
den Irrtum endgültig richtig. Er zitiert Opitz’ Brief (Rei 237)
vom 15. April 1627 an Venator in Straßburg, worin der Dichter be-
richtet, er habe den ihm von seinem Dienstherrn von Dohna gewähr-
ten Urlaub im Winter 1626/27 mit musischen Beschäftigungen ver-
bracht. Viel sei dabei allerdings nicht herausgekommen, »nisi quod
sacras omnium dierum Solis festorumque epistolas anni, quod cum
evangeliis Posthius ... fecit, iussu serenissimi principis Lignicensis,
qui impense me amat, versibus reddidi, singulisque singulare car-
minum genus aptavi, ut cani melodiis psalmorum Gaudimelae Galli
possint. Nisi fere cogerer, publici iuris eas facerem. Sed negare quic-
quam principi optimo nequeo«.

Diese Briefstelle bestätigt den Anlaß für die Versifizierung und
legt die Entstehungszeit eindeutig in den Winter 1626/27. Unerklärt

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bleibt leider, warum der Erstdruck des Werkes die Jahreszahl 1628
trägt. Vielleicht wurde das schon 1627 ausgedruckte Werk auf Ver-
anlassung des Verlegers aus kaufmännischen Gründen vordatiert,
vielleicht verzögerte sich der Abschluß des Druckes, weil Opitz mit
andern Aufgaben überlastet war und sich nicht um die Korrektur
kümmern konnte. Selbst wenn man die leicht kokette Selbstunter-
schätzung des Werkes berücksichtigt, so erhellt aus dem Briefe doch
auch, daß Opitz den herzoglichen Auftrag ohne größere Begeiste-
rung ausgeführt hatte. Auch dies wird dazu beigetragen haben, daß
er sich damit zufrieden gab, wenn der Hauskorrektor bei Mintzel
die Drucklegung überwachte.

Auf die Geschenke, die Opitz für das Werk erhielt, und die Verlei-
hung des Ratstitels (Lindner S. 179, Anm. 45) geht Trunz nicht ein;
der Titel ist bisher archivalisch nicht nachgewiesen worden.

Daß die Epistellieder noch lange beliebt und weit verbreitet wa-
ren, erhellt u. a. aus der Zahl der Drucke. Dünnhaupt zählt außer
den oben angegebenen noch sieben weitere auf. Vollständig kompo-
niert wurden die Episteln von Jakob Hintze (1622–1702) unter dem
Titel Praxis pietatis melica, Berlin 1661 (Dü 99f, g und h). Tobias
Eniccelius
(1635–1680) vertonte die Episteln ebenfalls: Melismata
epistolica oder des theuren Poeten Martin Opitzens Sontags- und
der fürnembsten Fest-Episteln ... componiret
..., Selbstverlag,
Kiel 1667; es ist Eniccelius’ einziges überliefertes Werk; Dü 99i.
Siehe auch Werk Nr. 99, Simon Beslers Komposition von 100.63,
»Das blinde Volck der Heyden«. Abgesehen von den Abdrucken des
Werkes in den Sammlungen des 17. Jahrhunderts bringt Triller die
Episteln ohne Apparat in Bd.III/IV, S. 102–74; er tadelt (mit
Tscherning) gewisse sprachliche Härten, macht Verbesserungsvor-
schläge und ändert. Oesterley druckt alle Epistellieder (doch ohne
das Widmungsgedicht und ohne editorische Zutaten) in DNL 27,
S.203–44 ab.

1931 äußerte Hugo Max sich erwartungsgemäß abwertend über
die Episteln, S. 125–36. Seiner Darstellung wurde im Ganzen wie
auch in Einzelheiten gründlich widersprochen von Renate Gerling
in Schriftwort und biblisches Wort: Die Umsetzung biblischer Texte
in der Lyrik des 17. Jahrhunderts
(Deutsche Studien 8), Meisen-
heim 1969, S.7–46. Irmgard Scheitler, Das Geistliche Lied im deut-
schen Barock
(Schriften zur Literaturwissenschaft 3), Berlin 1982,
befaßt sich S. 172–75 und passim mit den Perikopenliedern, die sie

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eher unter die kirchlichen Gemeindelieder einordnen möchte.
Scheitler zitiert die im Grunde negative Kritik Rists und Harsdörf-
fers
und befaßt sich mit den musikalischen Zusammenhängen (Gou-
dimel
und den z. T. oben schon erwähnten Vertonungen).

Einschlägiges zur Episteldichtung in Deutschland bringt W. G.
Marigolds
Artikel »Evangelien- und Episteldichtung des 16. u.
17.Jh.s: Textproben u. Bibliographisches«, Semasia 2 (1975),
197–231, doch enthält er wenig über Opitz’ Perikopenlieder.

a HIer habt jhr/ was Ihr mir/ O Hoffnung vnsrer Zeit/
Zu thun befohlen habt: Der Worte Zierligkeit
Der Zungen schöner klang gehört zu anderm wesen/
Das schnöd’ vnd jrrdisch ist. Allhier wird nichts gelesen/
Als vnsers Heiles Lieb’/ als eine solche Gunst/
Die von dem Himmel kömt/ vnd hasset Menschen Brunst.
bSo leset/ wenn jhr legt die grossen Sorgen nieder
Für vnser Vaterland/ O Held/ die newen Lieder/
Die ich zu Gottes Ehr’ vnd Ewrer Lust gemacht/
Ohn allen Erdenschein/ ohn alle Redner Pracht.
Der Höchst’ hat Warheit lieb/ vnd Ewrer Tugend Gaben.
Die wollen wie sie sind/ auch jhre Leute haben/
c d e f g h
[Seite 247]

Gerecht vnd ohne falsch. Doch wil ich sonsten nicht
Verbergen ewren Ruhm/ O vnbeflecktes Liecht
Des edlen Schlesien/ ich wil mich höher schwingen/
Als wo der Pöfel kreucht/ wil von den Sorgen singen/
Von väterlicher Trew/ die Ewer Hertze tregt/
Vom Wetter/ welches jr mit ewerm glimpffe legt/
Vnd Sturme dieser Zeit/ der mit des Krieges Wellen
In diesem trüben See vns armes Volck wil fellen/
Vnd reissen vnterhin. Bey andrer Ewrer Zier
Wird auch der Bücher Gunst sich brechen weit herfür/
Vnd leuchten als der Stern/ der vor der Sonnen stehet/
Wenn sie zu Morgenszeit aus jhrer Kammer gehet/
Vnd lacht den Weltkreis an. Es sol der späten zeit
Bewust vnd kundbar seyn die hohe Gütigkeit/
iDarmit so gnädig Ihr mich liebet vnd erhebet/
Vnd meinen Musen fug Euch auffzuwarten gebet/
Wie schlecht sie jmmer sind. Helfft ferner auch darzu/
Daß ich geniessen mag der angenehmen Ruh/
Die vnser Phebus liebt/ mag vnbeschwert vertreiben
Den Nachrest meiner Zeit mit lesen vnd mit schreiben/
Das für den Tod vns dient/ vnd last mir nachmals frey
Zu sagen/ wie Ihr thut/ daß ich der Ewre sey.

M. O.

j k l m n o p q r s
[Seite 248]

[.1] tAm Ersten Advendt/
Zun Röm. am 13.
Auff den 9. Psalm.

AVff/ auff/ die rechte Zeit ist hier
Die Stunde wartet vor der Thür:
Ihr Brüder/ lasset vns erwachen/
Vergeßt der Welt vnd jhrer Sachen.

Bezwingt den Schlaff vnd komt in eil/
Denn vnser Liecht vnd Gnadenheil/
Der rechte Trost vnd Schutz der seinen/
Ist näher als wir selber meynen.

Die vngestirnte schwartze Nacht.
Hat jhren schweren Lauff vollbracht:
Der vielbegehrte Tag ist kommen/
Vnd hat das Leid hinweg genommen.

Legt jhr auch ab den duncklen Schein
Der Wercke die vergenglich seyn:
Zieht an des Liechtes helle Waffen/
Last nichts als nur die Sünden schlaffen.

Geht auff dem Weg der Erbarkeit/
Denckt daß jetzt sey die Tageszeit/
Laßt wilde Saufferey vnd Fressen/
Dadurch wir vnser selbst vergessen.

u Lescht aus des Leibes schnöde brunst/
Seyd feind der falschen Liebesgunst/
Auch liebet nicht Zorn/ Has vnd zancken/
Entsagt den neidischen Gedancken.

v w x y
[Seite 249]

Zieht JEsus Christ den HErren an/
Sein Leben sey des ewren Bahn:
Versorgt den Leib das Theil der Erden/
Vnd laßt jhn doch zu geil nicht werden.

[.2]
Am andern Advent/
Zun Röm. am 15.
Auff den 77. Psalm.

WAs vor diesem/ meine Lieben/
Fleissig worden auffgeschrieben/
Was wir in den Schrifften sehn
Ist als Lehr vnd Trost geschehn/
Daß nicht möchten die Gedancken
In dem See des Zweiffels wanken/
Sondern sich wend’ aller Sinn
Auff Gedult vnd Hoffnung hin.

Aber Gott/ so pflegt zu geben
Die Gedult vnd Trost dem Leben/
Schaffe daß euch einerley
Willen nach dem HErren sey/
Daß jhr stets/ wie sichs gebühret/
Des Erlösers Vater zieret/
zVnd erhebt mit fröligkeit/
Die erschalle weit vnd breit.

Thut zu hülff’ einander kommen/
Wie euch Christus auffgenommen/
Christus/ welcher als ein Knecht
Der Beschneidung gab jhr recht/
Vnd sie lies an sich erfüllen/
Vmb der Warheit Gottes willen/
Der Verheissung grund zu sehn/
Die den Vätern ist geschehn.

aa
[Seite 250]

Die Barmhertzigkeit zu weisen/
Kan Gott auch ein Heyde preisen/
Ob er schon/ den Er erhöht/
Nicht kennt/ wie geschrieben steht:
Ich wil zu den Heyden bringen
Deinen Namen vnd dir singen.
Frewt/ jhr Heyden/ euch ohn end’
Mit dem Volcke das Gott kennt.

Lobt den HErren alle Heyden/
Gar kein Volck soll sein Lob meiden.
Jesaias stimmt auch ein:
Es wird Jessen Wurtzel seyn:
Er wird prächtig aufferstehen/
Bey den Heyden sich erhöhen/
Wird auch jhnen seyn jhr Liecht/
Ihre Lust vnd Zuversicht.

Gott der Trost vnd Hoffnung giebet/
Vnd die Menschen hertzlich liebet/
abSchick’ euch mit gewündschter Ruh’
Frewd’ vnd Fried in Glauben zue/
Daß sein Geist euch recht regiere/
Vnd in wahre Hoffnung führe/
In die Hoffnung welche steht/
Wenn schon alles vntergeht.

ac ad
[Seite 251]

[.3]
Am dritten Advent.
1. Corinth. 4.
Auff den 101. Psalm.

DAfür mag vns ein jederman erkennen/
Daß wir mit recht vns Christus Diener nennen.
Der Höchste hat das/ was kein Weltmensch schawt/
Vns anvertrawt.

Er fordert vns allhie/ jhm hauß zu halten/
Sein’ Heimligkeit vnd Sachen zu verwalten:
Was aber sucht man bey Haußhaltern mehr
Als Trew vnd Ehr?

Ich acht’ es nicht ob schon mich jemand richtet/
Ob mich ein Mensch lobt oder auch vernichtet:
Ich sage selbst/ jhm sey gleich wie jhm wil/
Von mir nicht viel.

Ich habe zwar ein ehrliches Gewissen/
Doch kan ich mich gerecht zu seyn nicht schliessen:
aeDer HErr der ists so das/ was ich gethan/
Recht richten kan.

Drumb vrtheilt nicht von vnbekandten dingen/
Bis Er/ der HErr/ sie an das Liecht wird bringen/
Wird kund thun/ was ein jeder Mensch für rath
Im Herzen hat.

Alßdenn wird Er vns geben allzumahlen
Den rechten Lohn mit gleicher Wageschalen/
Vnd zahlung thun/ nach dem ein jedermann
Hat gut gethan.

af ag ah
[Seite 252]

[.4]
Am vierdten Advent.
1. Philipp. 4.
Auff den 140. Psalm.

NVn frewet/ frewet euch im HErren/
Nun frewt euch/ sag ich/ für vnd für:
Zeigt ewren glimpff von nah vnd ferren:
Sorgt nicht/ der HErr ist bald allhier.

Laßt ewre Bitt im heissen flehen
Mit danckbarkeit am Tage stehn:
Laßt waren ernst vnd eyffer sehen/
Der Gott kan vnter Augen gehn.

Der Friede Gottes/ der die Schrancken
Des Witzes hinter sich lesst weit/
Bewahr euch Sinn/ Hertz vnd Gedancken
In Christo Jesu jederzeit.

[.5] aiAm H. Christtage.
Tit. 3.
Auff den 92. Psalm.

DAs Gnadenliecht des HErren
Ist durch das schöne Zelt
Der gantzen grossen Welt
Erschienen weit vnd ferren:
Es leuchtet vnsern Wegen/
Heist vns der Wercke schein/
Dem Gott pflegt feind zu seyn/
Weit weg vnd von vns legen.

aj ak al am
[Seite 253]

Wir solln die lust verlieren
Zur Lust vnd Sicherheit:
Mit Zucht vnd Frömmigkeit/
Mit Gottesfurcht vns zieren:
In warer Hoffnung leben
Auff Frewd’ vnd Himmelslust/
Die jetzt noch vnbewust/
Vnd Christus vns wird geben.

Der Heyland ist gestorben
Mit Langmut vnd Gedult
Für vnsre schwere Schuld/
Vnd hat vns Gnad erworben:
Die Hertzen so zu stercken/
Zu machen frey vnd rein/
Damit wir mögen seyn
Geschickt zu guten Wercken.

[.6] anAm Sontage nach dem Christtage.
Galat. 4.
Auff den 74. Psalm.

SO lange zeit ein Erbe bleibt ein Kind/
So lange zeit er geht auch Knechten gleiche:
Mus vnterthan/ bis er die Zeit erreiche/
Den Pflegern seyn/ die jhm verordnet sind.

Das rechte Ziel/ in dem er Herr seyn kan/
Vnd seiner selbst/ das körnt nicht vor den Jahren:
So bleiben wir/ in dem wir Kinder waren/
Den Satzungen ingleichen vnterthan.

Als aber ward sie zeit herumb gebracht/
Hat Gott gesandt selbst seinen Sohn auff Erden:
Ihn gleich wie vns geboren lassen werden/
Vnd dem Gesetz auch vnterthan gemacht.

ao
[Seite 254]

Jetzt sind wir gantz von dem Gesetze frey/
Dieweil sein Sohn es hat auff sich genommen:
Nach dem er ist in vnser Mittel kommen/
Vnd wil daß nun die Erbschafft vnser sey.

So höret denn/ wißt daß jhr Kinder seyd/
Gott lesset euch die Erbschafft nun gewinnen/
Vnd schickt den Geist des Sohnes ewren Sinnen/
Der jetzt daselbst/ O Abba Vater/ schreyt.

ap Nun bleibet jhr nicht Knechte nach der zeit/
Seyd Kinder nur/ so daß jhr Gottes Erben
Durch Gottes Sohn/ der einig kund’ erwerben
Die Kinderschafft/ den rechten Heyland seyd.

[.7]
Am Newen Jahrstage.
Tit. 3.
Auff den 93. Psalm.

GOtt vnser Heyl hat seine Freundtligkeit
Mit vollem Glantz erzeiget weit vnd breit:
Hat lassen sehn der grossen Güte macht/
Wo Abend ligt/ vnd wo die Sonn’ erwacht.

Es macht kein Werck vnd sterblichs thun gerecht/
Denn was verdient ein Mensch/ ein armer Knecht?
Vnd thut er gleich was er vermag vnd kan/
So hat er doch vor Gott noch nichts gethan.

Was selig macht/ das ist Barmhertzigkeit/
Die vnser Gott mit reicher Hand verleiht.
Der heil’ge Geist/ des newen Lebens Bad
Ist dis wormit er vns gewaschen hat.

aq ar
[Seite 255]

Er hat auff vns gegossen seinen Geist
Durch Jesum Christ/ der Heyland ist vnd heist:
Desselben Gnad ist die vns selig macht/
Durch die ein Mensch zum Himmel wird gebracht.

[.8] asAm Sontage nach dem Newen Jahre.
Zun Röm. am 3.
Auff den 66. Psalm.

WAs das Gesetz heist/ wie wir wissen/
Das gehet nur die Hertzen an/
So auff dasselbe sind beflissen/
Vnd jhm noch leben vnterthan.
Es muß kein Mund geöffnet werden/
Die Welt mus gantz Gott schuldig seyn:
Kein Mensch lebt auff der weiten Erden/
Der durchs Gesetz ist recht vnd rein.

Hier ist Gesetze nicht vonnöthen:
Wir kennen die Gerechtigkeit
Aus dem Gesetz vnd den Propheten/
Die Gott beliebet jederzeit:
Gerechtigkeit die Gott beliebet/
Die von dem waren Glauben kömt:
Die Gott demselben Menschen gibet/
Der gläubt vnd seinen Sohn annimt.

Hier ist kein vnterscheid zu mercken:
Sie sind nur Sünder all zu mahl/
Sind böser art in jhren Wercken/
Ihr arges thun ist ohne zahl.
Nicht einer kan vor Gott bestehen/
atNur Christus pflichtet jhnen bey:
Ihr thun ist nichts vnd mus vergehen/
Denn Er macht sie aus gnaden frey.

au
[Seite 256]

Gott hat Ihn selber fürgestellet
Den Gnadenstul/ das höchste Gut:
Daß Ihm nun was an vns gefellet/
Macht vnser Glauben vnd sein Blut.
Erlöset vns/ weil Er vns liebet
Mit eigener Gerechtigkeit:
Er macht daß Gott die Schuld vergiebet/
So auff vns lag noch dieser zeit.

Gott hat gedult mit vns getragen/
Der nie zuviel mit straffen thut/
Bis Christus frey vns kundte sagen/
Vnd lösen vmb sein thewres Blut.
Recht vnd gerecht in allen Sachen
Ist JEsus/ vnd wil in der that
Gerecht auch diesen Menschen machen/
Der rechten Glauben an jhn hat.

[.9]
An der H. Drey König tage.
Jesai. am 60.
Auff den 6. Psalm.

BRich auff vnd werde Liechte/
Las gehn die Nacht zu nichte/
avDein Liecht körnt her zu dir:
Die Herrligkeit des HErren
Gläntzt prächtig weit vnd ferren/
Vnd zeigt sich vber dir.

Zwar finster ist die Erde/
Der armen Heyden Herde
Ligt tunckel weit vnd breit:
Dich hat der HERR/ dein Leben/
Dein Heil vnd Trost/ vmbgeben
Mit grosser Herrligkeit.

aw
[Seite 257]

Die Völcker auff der Erden/
So je beschienen werden
Durchs klare SonnenLiecht/
Die sollen dein Liecht kennen/
Zum Glantze frölich rennen/
Der aus der Höhe bricht.

Heb auff/ heb dein Gesichte/
Das Volck folgt deinem Liechte/
Die Welt kömt gantz zu dir:
Sie hat von dir vernommem/
Die Söhn vnd Töchter kommen/
Vnd suchen deine Zier.

Dein Hertze wird dir wallen/
Wenn dir kömt zu gefallen
Die anzahl vmb das Meer:
Du wirst die Augen weiden
axAm Volcke deiner Heyden/
So gantz dringt zu dir her.

Es kommen alle Seelen
Aus Efa mit Camelen/
Mit Läuffern Midian:
Gold wird dir Saba bringen/
Vnd Weyrauch: es wird singen
Dein Lob ein jederman.

[.10]
Am ersten Sontage nach der H. drey König Tage.
Zun Röm. am 6.
Auff den 13. Psalm.

DVrch vnsers Gottes Gütigkeit/
Die vber vns schwebt jederzeit/
Vermahn ich euch/ O lieben Brüder/
Bewahret ewren Leib vnd Glieder/
Mit denen jhr vmbhüllet seyd.

ay
[Seite 258]

Laßt sie ein reines Opffer seyn/
Thut weg der falschen Wollust schein/
Entsagt den schnöden Sachen allen/
Wolt jhr dem Höchsten wolgefallen/
So räumt jhm Leib vnd Sinnen ein.

Gleicht euch nicht mit der eiteln Welt/
Die nichts vom Himmel in sich helt:
azVernewret ewre gute Sinnen/
Wolt jhr/ was Gott euch heist/ beginnen/
Vnd leben wie es jhm gefellt.

Er hat die Gnade mir gethan
Daß ich darff sagen jederman/
Er solle sich nicht mehr erheben
Als jhm ist maß vnd ziel gegeben
Von Ihm/ der alles geben kan.

Ein jeder halte ja von sich
In rechter Demut messiglich/
Nach dem Gott seines Glaubens Gaben/
Den wir von jhm nur einig haben/
Getheilt hat vnter mich vnd dich.

Der Seelen Haus der Leib ist wol
Von Bein/ Haut/ Blut vnd Adern voll/
Von Gliedern schön vnd außerlesen:
Doch hat ein jedes Glied sein Wesen/
Dem es genug thun mus vnd sol.

So sehn wir daß es sich befindt/
Daß wir ein Leib in Christo sind/
Vnd Glieder die des Geistes Gaben
Von vnterschiednen Kräfften haben/
Nach dem vns Gott die Gnade gönnt.

ba
[Seite 259]

[.11] bbAm 2. Sontag nach der H. drey König Tage.
Zun Römern am 12.
Auff den 61. Psalm.

ES sind vnterschiedne Gaben
Die wir haben/
Nach der Gnade die Gott gibt:
Der/ dem er zu Propheceyen
Wil verleihen/
Schawe daß er es recht vbt.

Wer ein Ampt hat/ welcher lehret/
Dem gehöret/
Daß er sehe fleissig zu.
Wer ermahnt/ gibt vnd regieret/
Dem gebühret/
Daß er alles hertzlich thue.

Wer Barmhertzigkeit erzeiget/
Sey geneyget/
Daß es vngezwungen sey.
Liebe weiß mit falschen Sachen
Nichts zu machen:
Lebet recht/ legt arges bey.

Lieb aus brüderlichem Hertzen
Kan nicht schertzen/
bcIst ohn allen falschen Schein.
Schawt daß jhr einander ehret/
Als gehöret:
Nichts an euch sol träge seyn.

bd be bf bg bh
[Seite 260]

Laßt den Geist euch brünstig leiten:
Kennt die Zeiten:
Hofft vnd duldet: Betet viel:
Tragt mit heil’ger Noth erbarmen:
Herbrigt Armen:
Segnet der euch vbel wil.

Frewt euch wenn sich andre frewen:
Weint in trewen
Wenn jhr bey Betrübten seyd:
Vbt euch daß jhr gleiche Sinnen
Mögt gewinnen:
Hasset Pracht/ liebt Niedrigkeit.

[.12]
Am dritten Sontage nach der H. drey König Tage.
Zun Röm. am 12.
Auff den 114. Psalm.

MEynt nicht jhr habt der Klugheit gar zu viel/
Auch dencket nicht den der euch vbel wil
Mit Vbel zu belohnen:
biLaßt Erbarkeit sehn gegen jederman:
Schawt alle Welt/ so viel es nur seyn kan/
Mit Zancke zu verschonen.

Nicht rechet euch/ laßt Gott die Rache hin/
Daß Er/ der HERR/ zur Straffe könne ziehn
Die böses auff euch dencken:
Im fall dein Feind von wegen Hungers klagt/
So mach’ jhn satt: Wenn er nach Trancke fragt/
So solstu jhn auch träncken.

bj bk
[Seite 261]

Wenn du dis thust/ vnd gibest jhm vollauff/
So wirstu auch auff seinen Kopff hinauff
Wie heisse Kohlen bringen:
Nicht räume du dem bösen zu viel ein/
Ists böses starck/ las gutes stärcker seyn/
Vnd alles arge zwingen.

[.13]
Am vierdten Sontage nach der H. drey König Tage.
Zun Röm. am 13.
Auff den 39. Psalm.

DAs/ was jhr solt einander schuldig seyn/
Sey lieben ohne falschen schein:
Wer Liebesgunst mit Liebesgunst vergilt/
Der hat schon das Gesetz erfüllt.
Die Liebe bleibt/ sie ist es die der Welt
Vnd auch dem Himmel selbst gefelt.

bl Gott der befihlt: Gedenck’ an Ehespflicht/
Verlas sie/ tödt’ vnd stihle nicht/
Es komme dir kein falsches Zeugnis ein/
Las lust zu frembden Sachen seyn.
Dis thun versteht in diesem Worte sich:
Den Nechsten lieb’ als selber dich.

Die Satzungen/ so du zu halten hast/
Sind in’s Wort Lieben eingefast.
Die Liebe liebt mit trewen jederman/
Kein böses wird von jhr gethan.
Er setz’ jhm für der rechten liebe Ziel/
Wer das Gesetz erfüllen wil.

bm bn
[Seite 262]

[.14]
Am fünfften Sontage nach der H. drey König Tage.
Coloss. 3
Auff den 1. Psalm.

DEnckt vnd erwegt/ O Brüder/ jederzeit/
Daß jhr erwehlt vnd liebste Gottes seyd:
Seyd nicht verstockt/ bedencket daß wir Armen
Gebrechlich sind: Tragt hertzliches erbarmen:
Liebt Freundligkeit/ Gunst/ Demut vnd Gedult/
Vnd vbertragt des Nechsten seine Schuld.

Wenn jemand schon mit rechte klagen kan/
Jedoch vergebt wie Christus euch gethan:
Last aber euch für andern Sachen allen
Auff dieser Welt die Liebe wolgefallen:
boSie ist das meist’/ ist der Vollkommenheit
Ihr starckes Band/ vnd wärt in Ewigkeit.

Laßt euch ja lieb den Frieden Gottes seyn/
Reumt danckbar jhm Gemüt’ vnd Sinnen ein/
Wo euch sol Gott die Liebe selbst belohnen:
Last Christus Wort ja reichlich bey euch wohnen/
Denckt wie jhr euch ermahnet/ führt vnd lehrt
Zu Gottes Lob’/ als Brüder angehört.

Schawt zu daß jhr dem HERren Psalmen singt/
Daß ewre Stimm’ hoch an die Wolcken dringt/
Regt Hertz vnd Mund/ last schallen hin vnd wieder
Des HErren ruhm/ die Himmelsüssen Lieder.
Vnd alles das so wird von euch gethan/
Das fangt mit Danck’ in Jesu Namen an.

bp bq br bs bt
[Seite 263]

[.15]
Am Sontage Septuagesima.
1. Corinth. 9.
Auff den 30. Psalm.

IHr wisset daß zwar jhrer viel
In Schrancken lauffen an das Ziel/
Doch einem der zu erste kömt/
Ist einig nur der Danck bestimt.
Ihr Brüder/ lauffet auch ingleichen/
Daß jhr das Kleinod mögt erreichen.

bu Ein Kämpffer/ welcher siegen wil/
Der meidet/ thut vnd leidet viel/
Damit er kriege durch den Streit/
Die Krone falscher Herrligkeit:
Wir sollen nach der Krone stehen/
Die nimmermehr nicht kan vergehen.

Ich lauffe wol in gleichen hin/
Doch so daß ich versichert bin:
Ich fechte nicht wie mancher pflegt/
Der fehlt vnd in die Lüfften schlegt.
Ich zähme mir Leib/ Hand vnd Füsse/
Daß ich nicht lehr’ vnd selbst nichts wisse.

Wißt daß der alten Väter schaar
Gantz vnter einer Wolcken war/
Als Moses gieng vor jhnen hin/
Vnd lies sie durch die Wellen ziehn.
Sie wurden in dem gantzen Heere
Getaufft mit Wolcken vnd dem Meere.

Ihr Brod vnd Tranck war Himmelskost.
War weit von schnöder Menschenlust:
bv bw bx by
[Seite 264]

Der Fels der sie geträncket hat
War Christus: Doch an vieler That
Hat Gott gehabt ein mißbehagen/
Vnd in der Wüsten sie geschlagen.

[.16] bzAm Sontage Sexagesima.
2. Corinth. 11.
Auff den 2. Psalm.

WEil jhr seyd klug/ jhr Brüder/ vnd bedacht/
So duldet jhr gar weißlich auch die Thoren:
Wenn jemand schon euch gar zu Knechten macht/
So hört jhr jhn mit nicht erzürnten Ohren.
Ihr leidet Geitz vnd Diebstal/ jhr vertraget/
Trotzt einer euch/ schlegt euch ins Angesicht.
Dis red’ ich so als wie die Welt zwar saget/
Die nach dem schein jhr Vrtheil von vns spricht.

Wo je ein Mensch was rühmlichs an sich find/
So trotz’ ich auch auff meinen guten Namen:
Ich bin so wol/ wie sie Ebreer sind/
Aus Israel/ vnd Abrahams sein Samen.
Vnd sind sie gleich auch Diener Christ des HERREN/
So bin ich mehr. Gefängnis/ Schläge/ Noth/
Viel Müh hab’ ich erlidten weit vnd ferren/
Hab’ offt gesehn vor Augen meinen Tod.

Wol vierzig Streich’/ ohn einen/ an der zahl
Hab’ ich fünff mal vom JüdenVolck ertragen:
Ich bin darzu gesteinigt auch einmal:
Man hat drey mal mit Ruten mich geschlagen.
caJa Schiffbruch hab’ ich drey mal auch erlidten/
Hab’ umb mich her gesehn das wilde Meer/
Mit Wellen/ Sturm’ vnd rawer Lufft gestritten/
Hab’ offt vnd viel gereiset hin vnd her.

cb cc cd
[Seite 265]

Ich mus viel noth vmb Städte/ Püsch’ vnd Flut/
Mus Fehrligkeit bey Mördern/ Jüden/ Heyden/
Müh’/ Hitze/ Frost/ Durst/ Hunger/ Schweis vnd Blut/
Groß wachen/ List vnd falsche Brüder leiden.
Zu diesem werd ich täglich angelauffen:
Es dringet gantz mir die Gemeine zu/
Ich bin bemüht für jhren grossen hauffen:
Ihr wol zu seyn verlier’ ich meine ruh.

Wer ist nun schwach? ich werd’ es aber nicht.
Wer ärgert sich? ich pflege nicht zu brennen.
Wo jemand mir den ruhm für billich spricht/
So wil ich nichts als meine Schwachheit nennen.
Der alles weis/ weis daß ich nicht wil liegen:
Es wolte mich in der Damaßker Stadt
Des Königes Areten Landvoigt kriegen:
Als wie er denn mich fast ergriffen hatt.

Da lies man mich zur Mawren abwerts hin
In einem Korb’/ auff daß ich so entgangen/
Vnd aus Gefahr vom Feinde kommen bin/
Daß seine List mich nicht hat können fangen.
Mein grosser ruhm/ wiewol ich nichts erdichte/
Der nützet zwar mir gantz nicht in der that/
ceDoch wil ich noch erzehlen ein Gesichte/
Das mir der HErr geoffenbaret hat.

Es ist ein Mensch in Christo mir bekandt:
Ob dieser auch vor zwey mal sieben Jahren
Zu einer zeit im Leibe sich befand/
Das weis nur Gott/ ich hab es nie erfahren:
Ich weis es nicht ob er auch war darinnen.
Er ward entzuckt in dritten Himmel hin/
Ich kenn’ jhn zwar: Was wir nicht wissen können/
Das weis nur Gott/ denn ich zu wenig bin.

cf cg ch
[Seite 266]

Er ward entzuckt bis in das Paradeis/
Wohin niemand vor seinem Tod’ ist kommen/
Da hat er/ was darvon kein Mensch nicht weis/
Noch wissen kan vnd können sol/ vernommen.
Was dies belangt/ so kan ich wol mich wagen
Zu rühmen das so mir gezeiget ward.
Im vbrigen vermag ich nichts zu sagen/
Als einig nur von meiner schwachen Art.

Drey mal bat’ ich: O HErr nim jhn doch hin/
Er aber sprach: Las dir daran genügen/
Daß ich so gut/ so mild’ vnd gnädig bin:
Ich mache starck die/ welche nieder liegen.
Drumb wil ich auch mich rühmen keiner Sachen/
Vnd sage nur: Ich habe nichts gethan/
Daß Christus Krafft hier jhre wohnung machen/
Vnd jhren Sitz in mir behalten kan.

[.17] ciAm Sontage Quinquagesima.
1. Corinth. 13.
Auff den 3. Psalm.

HEtt’ ich Beredtsamkeit
Der Menschen weit vnd breit:
Wenn ich wie Engel redte:
Doch were solche Zier
Ein nichtigs thun bey mir/

So ich nicht Liebe hette.
Es were nur ein Thon/
Der körnt vnd fleucht darvon/
Im fall ein Ertz erklinget:
Nur einer Schellen schall/
Die mit vergebnem hall’
Vns in die Ohren dringet.

cj ck
[Seite 267]

Weissagt’ ich recht vnd wol/
Wer’ aller Gaben voll/
Vnd köndte Berge regen
Durch meines Glaubens krafft/
So würde nichts geschafft
Der Liebe mangel wegen.
Lies ich den armen hin
Das was ich hab’ vnd bin/
Vnd liebte nicht von Hertzen:
clSo würd’ es alles seyn
Nichts als ein blinder Schein/
Ein blosser Schimpff vnd Schertzen.

Die Lieb’ ist jederzeit
Begabt mit Freundligkeit/
Leßt bösen Eyfer bleiben:
Die Liebe schalcket nicht/
Sie denckt an jhre Pflicht/
Kan nicht viel von jhr schreiben:
Nicht vngebärdig seyn/
Sie lest den Geitz nicht ein/
Lest sich nicht zornig machen/
Kan nicht nach schaden stehn/
Weis auch nicht vmbzugehn
Mit vngerechten Sachen.

Der Warheit ist sie huld/
Gläubt/ hofft vnd tregt gedult:
Drumb wird sie auch bestehen
Die wahre Liebesbrunst/
Wenn Sprachen/ Witz vnd Kunst
Vnd alles wird vergehen
Des Menschen müh vnd fleis/
Das was er kan vnd weis/
cm cn co cp cq
[Seite 268]

Ist Stückwerck nur zu nennen:
Man wird es nach der Zeit/
Wenn die Vollkommenheit
Wird angehn/ nicht mehr kennen.

cr Ich/ als ich war ein Kind/
War kindisch auch gesinnt/
Vnd that was Kinder machen:
Nach dem ich ward ein Mann/
Da hab’ ich weg gethan
Der Jugend leichte Sachen.
Es siht jetzt vnser Sinn
Durch einen Spiegel hin/
Steht weit vom rechten Liechte:
Hernach ists also nicht/
Man wird das Angesicht
Recht sehn zu Angesichte.

Was ich jetzt sehen kan/
Ist Stückwerck umb vnd an
In vnsrer Schwachheit Orden:
Nach diesen Zeiten sol
Ich’s kennen recht vnd wol/
Wie ich erkandt bin worden.
Was aber vns an jetzt
Am allermeisten nützt/
Ist glauben/ hoffen/ lieben:
Das lieben sonderlich/
In dem ein Hertze sich
Sol besten fleisses vben.

cs ct
[Seite 269]

[.18] cuAm Sontage Invocavit.
2. Corinth. 6.
Auff den 148. Psalm.

SInnt nach/ jhr Brüder/ vnd bedenckt
Warumb euch Gott die Gnade schenckt.
Er spricht: In angenehmer zeit
Hört’ ich dich an mit Gütigkeit:
Der Tag des Heiles war verhanden/
So bin ich dir auch beygestanden.
Der Tag des Heiles ist jetzt hier/
Die rechte Zeit steht vor der Thür.

Seyd alles Ergernisses frey/
Daß vnser Ampt ohn tadel sey:
Zeigt mit der that an jederzeit/
Daß jhr des Höchsten Diener seyd.
Erlernet mit gedult verlachen
Angst/ Trübsal/ Vnlust/ Kercker/ wachen/
Müh/ Auffruhr/ Schläge/ Hungersnoth/
Vnd wo was mehr ist als der Tod.

Seht daß jhr reine Keuschheit liebt/
Erkentnis ewres Gottes vbt/
Der Liebe/ Langmut/ Freundligkeit
Im heil’gen Geist ergeben seyd.
Sagt frey heraus das was jhr wisset/
Weil jhr des HErren Krafft geniesset:
cvGerechtigkeit sey ewer Schild/
Für dem kein feindlichs Waffen gilt.

Es sage gleich der Welt Verstand/
Ihr seyd Verführer/ vnbekandt/
Müst tod/ gezüchtigt/ trawrig seyn/
Seyd arm/ habt nichts als noth vnd peyn:
cw cx
[Seite 270]

So wird euch Gott doch Zeugnis geben/
Er kennt euch/ lest vnd schützt das Leben/
Macht daß jhr reich vnd frölich seyd/
Habt alles innen weit vnd breit.

[.19]
Am Sontage Reminiscere.
1. Thessal. 4.
Auff den 102. Psalm.

ICh ermahn’ euch jetzvnd wieder
In dem HERREN/ liebste Brüder/
Laßt aus ewren Hertzen nicht/
Was für guten Vnterricht
Wir euch haben mitgegeben/
Wie jhr sollet thun vnd leben/
Auff daß jhr noch hier auff Erden
Möget mehr als jrrdisch werden.

Denckt für andern Sachen allen
Gott dem Höchsten zu gefallen/
cyWie jhr denn wol habt gehört/
Daß wir trewlich euch gelehrt/
Daß jhr vnsers HErren Willen
Müst bedacht seyn zu erfüllen/
Müst die Wercke von euch legen
Die vns seinen Zorn erregen.

Er befihlet zu vermeiden
Vppigkeit vnd schnöde Frewden:
Ihm ist böse Liebeslust
Vor den Augen Koth vnd Wust:
Darumb solt jhr nicht versehren
Ewren Leib das Faß der Ehren/
cz da
[Seite 271]

Wie die blinden Heyden brennen/
Die noch Gott noch Himmel kennen.

Niemand gehe falsch im handeln/
Wil er für dem HErren wandeln:
Denn er schickt in alles Land
Seine Rach vnd starcke Hand.
Vnsrer Sinnen schöne Gaben/
Die wir einig von jhm haben/
Sind vns nicht vmbsonst gegeben/
Sondern wol vnd recht zu leben.

[.20] dbAm Sontage Oculi.
Ephes. 5.
Auff den 100. Psalm.

SO thut nun was das höchste Gut
Der Vater/ O jhr Kinder/ thut/
Daß jhr ein solches Leben vbt/
Wie Christus selbst euch hat geliebt.

Er hat sich frewdig dargestellt/
Für euch vnd für die gantze Welt/
Hat vns in Gottes huid gebracht/
Zur Gab’ vnd Opffer sich gemacht.

Schawt daß ja ferren von euch sey
Geitz/ Vppigkeit vnd Hurerey:
Dir Ehr’ vnd Zucht sey ewer Ziel/
Wie Heiligen gebüren wil.

Kein grober Schertz noch schandbar Wort
Sol finden bey euch statt vnd ort:
Last ewer Hertz’ ohn argen schein
Dem Höchsten einig danckbar seyn.

dc dd
[Seite 272]

Denn der/ so hurenwesen liebt
So Götzenknechtisch Wucher vbt/
Der siht das grosse Gnadenliecht
In jenem andern Leben nicht.

Braucht jemand falscher Worte schein
So räumet jhm den Sinn nicht ein:
deDenn Gottes Eyffer der entbrennt
Ob dem der seine Macht nicht kennt.

Bedenckt die jrrung vor der Zeit/
Die jhr ein Liecht im HErren seyd/
Vnd strauchelt nunmehr weiter nicht/
Weil euch noch Weg noch Liecht gebricht.

Des Gnadengeistes reiche frucht
Ist Güte/ Warheit/ Recht vnd Zucht:
Dis solln wir haben in gemein/
Im fall wir wollen Brüder seyn.

[.21]
Am Sontage Laetare.
Galat. 4.
Auff den 104. Psalm.

ERzehlet mir/ jhr/ derer Rede geht/
Daß jhr wol kennt was im Gesetze steht/
Vnd pfleget euch allzeit darmit zu vben:
Wißt jhr was sey vom Abraham geschrieben?
Die Magd bracht’ jhm den einen an das Liecht/
Den andern Sohn der Freyen Ehepflicht:
Der von der Magd ist fleischlich nur geboren/
Den andern hat jhm Gottes Gunst erkohren.

Man mus dis Wort nicht schlagen in den Wind:
Denn solches hier zwey Testamente sind:
df dg
[Seite 273]

dhWas knechtisch ist das ist von Sina kommen/
Hat seinen Stamm von Agar her genommen/
Von Agar her der Sina wird genennt/
Vnd anders Land vom heil’gen Salem trennt/
Der fast das Liecht kan mit den Klippen hindern/
Vnd vnterthan doch ist sampt seinen Kindern.

Jerusalem das aber droben ist/
Ist frey/ ist vns zur Mutter außerkiest/
Als wie denn steht: Wil gleich kein Mensch nicht hoffen/
Gebierst du nicht/ noch solst du dennoch ruffen:
Die einsam lebt/ wird mehr durch Gott belohnt/
Mehr Kinderreich/ als die der Mann bewohnt/
Wie Gott versprach: so sind wir nun gebohren
Von Isaac/ sind nicht vnaußerkohren.

Doch wie zur zeit der so vom Fleische kam/
Den Geistes Sohn in Haß vnd Feindschafft nam/
So ist’s jetzt auch. Jedoch was wird gelesen?
Stoß aus Magd/ Sohn/ jhr thun vnd gantzes Wesen.
Sol der Magd Sohn der Freyen gleiche gehn/
Mit jhrem Sohn’ in einer Erbschafft stehn?
O nein gewiß: Nun sind wir/ liebsten Brüder/
Nicht von der Magd: Wir sind der Freyen Glieder.

[.22] diAm Sontage Judica.
Zun Hebr. am 9.
Auff den 146. Psalm.

CHristus ist auff Erden kommen/
Hat ein hohes Priesterthumb
Vnter seine Pflicht genommen/
Vber Güter/ derer ruhm
Ferren von vergenglichkeit
Blühen wird in jener Zeit.

dj dk dl
[Seite 274]

Seine heilig schöne Hütte
Ist gemacht nicht mit der Hand:
Kälberfleisch vnd Bockgeblüte
Wird vmbsonst vor jhm verbrandt:
Er erwirbt das höchste Gut
Durch sein eignes werthes Blut.

Denn wo Blut von Vieh vnd Böcken/
Wo die Asche von der Kuh
Kan der Menschen Mackel decken/
Vnd sich dringt dem Himmel zu/
Was verdient nicht durch sein Blut
Christus aller Güter Gut?

Er hat selbst sich hingegeben
Für die Sünde dieser Welt:
Daß wir möchten heilig leben/
Er hat kräfftig abgestellt
dmDurch das newe Testament/
Das was Gott vnd Menschen trennt.

Er hat weil er ist gestorben/
Dem was an vns sterblich war/
Leben/ Trost vnd Gnad’ erworben/
Nun wird die beruffne schar/
Erbe sein nach dieser Zeit/
Der gewündschten Seligkeit.

[.23]
Am PalmTage.
Phil. 2.
Auff den 87. Psalm.

EIn jeder soll wie Christus Sinnes werden/
Der ob er schon von Göttlicher Gestalt/
Hielt er’s doch nicht für Raub noch für Gewalt/
Gott gleiche seyn/ vnd ähnlich auch der Erden.

dn do dp
[Seite 275]

Die Güte hat sein’ hoheit vberwunden/
Er ward ein Knecht/ ein armes Menschenkind/
Nam vnser Fleisch/ ward gantz wie wir sonst sind/
Geberd’ vnd Thun ward Menschlich an jhm funden.

Er hat das Kleid der Niedrigkeit genommen/
Hat seinen Thron der Ehren lassen stehn/
Für vns’re schuld zum Tode wollen gehn/
Ein Opffer seyn/ vnd an das Creutze kommen.

dq Drumb hat jhm Gott den Namen auch gegeben
Der Herrligkeit/ für dem der Himmel heer
Neigt seine Knie/ was Erde/ Lufft vnd Meer
In sich beschleust/ vnd vnter vns kan leben.

Es muß jhn nun was Athem hat erkennen/
Was lebt vnd schwebt muß sagen recht vnd frey/
Das Jesus Christ ein HErr der Herren sey/
Man muß jhn Gott zur ehre Gottes nennen.

[.24]
Am Grünen Donnerstage.
1. Corinth. 11.
Auff den 46. Psalm.

VOm HErren hab’ ich es bekommen/
Was jhr von mir habt angenommen/
Dann JEsus in derselben Nacht/
Eh er gefangen ward gebracht/
Das Brodt mit dancken hatt gebrochen/
Vnd seine Jünger angesprochen:
Diß ist mein Leib: nemt hin vnd eßt/
Darmit jhr meiner nicht vergeßt.

Den Kelch nam er hernach ingleichen/
Ihn auff das Abendmahl zu reichen/
dr
[Seite 276]

Sprach: Dieser ist in meinem Blut
Das newe Testament: diß thut
Mich wann jhr trinckt nicht zu vergessen.
Ihr sollt/ so offt jhr diß Brodt essen/
dsVnd trincken werdet diesen Wein/
Des HErren Todtes indenck seyn.

So sehet euch nun für/ vnd wisset
Daß wer nicht würdig trinckt vnd jsset
Der schertzt des HErren Leib vnd Blut.
Drumb schaw’ ein jeder was er thut:
Dann welcher nur aus böser weise
Nimbt diesen werthen Tranck vnd Speise/
Der trinckt vnd jsst für Wein vnd Brodt/
Ihm selber das Gericht’ vnd Todt.

Drumb müsst jhr theiles Kranckheit haben/
Vnd theiles ligt jhr auch begraben/
Müsst vor der Zeit hierumb darvon:
Jedennoch ob wir jetzund schon
Durch’s HErren Hand gezüchtigt werden/
So strafft er darumb hier auff Erden
Dieweil er vns nicht richten mag
Wie sonst die Welt auff jenen Tag.

[.25]
Am Charfreytage.
Esai. 52. 53.
Auff den 51. Psalm.

MErck auff/ mein Knecht wird nicht mehr elend seyn/
Er wird sein Haupt für aller Welt erhöhen/
Wird für vnd für in vollen Ehren stehen/
dtDer zwar zuvor hatt einen schlechten schein: du
[Seite 277]

Wenn mancher sich hoch ärgern vber dir/
Vnd sagen wird: das nichts auff aller Erden
So scheußlich sey/ daß gar kein Mensch allhier
Dem ansehn nach so häßlich könne werden.

Er aber wird sich machen klar vnd kundt
Den Heiden selbst/ vnd seine Schönheit zeigen:
Die König’ auch die sollen für jhm schweigen/
Verwundert stehn/ nicht öffnen jhren Mundt.
Wer sonst von jhm nie worden ist gelehrt/
Wird Frewde sehn an seinen grossen Wercken:
Was niemand nicht hat für der Zeit gehört
Das werden sie mit stillen Ohren mercken.

Wer aber ist’s der vnser Wort annimpt?
Wem bleibt der Arm des HErren vnverborgen?
Er springet auff/ als wie ein Kraut zu Morgen
Vnd schwaches Reiß aus dürrem Boden kömpt.
Sein ansehn war sehr vngestalt vnd arg/
Man sah jhn fast für quall vnd pein verschmachten/
Daß auch viel Volck sein Antlitz für jhm barg/
Vnd wolte nicht im minsten seiner achten.

Je dennoch nam er vnser Kranckheit an/
Er lud auff sich die Bürden vnsrer Schmertzen:
Noch waren wir der meynung in dem Hertzen/
Es hett’ jhm Gott dis leiden angethan.
Wir sind es selbst was jhn verletzet hat/
Für vnsre Schuldt hat er die angst empfunden/
dvVns wol zu thun trug er die Missethat/
Wir sind geheilt durch seine thewre Wunden.

Wir waren jrr/ wir lieffen her vnd hin/
Nach vnsrer Lust mit vnbedachtem rennen/
Wie Schaffe thun so keinen Hirten kennen/
Doch warff der HErr die Sünden gantz auff jhn.
dw dx
[Seite 278]

Er hat sich nie gewegert seiner Pein/
Als wie man sieht ein Lamb zur Schlachtbanck kommen/
Vnd wie ein Schaff gedültig pflegt zu seyn/
Wann etwann jhm die Wolle wird genommen.

Er aber ist errettet auß der Noht:
Wer ist der Mensch der seine zeit nun zehlet?
Er ward geplagt/ ward für mein Volck gequelet.
Für dessen schuld gieng er auch in den Todt.
Man übergab jhn der gottlosen schar/
Deß reichen Hand der jhn hatt tödten sollen/
Weil kein Betrug in seinem Munde war.
Der HErr hat jhn mit Kranckheit martern wollen.

Nun er dann nie gedacht zu wiederstehn/
Vnd willig sich zum Opffer hat gegeben/
So wird hernach sein Samen jmmer leben/
Deß HErren Werck durch seine Hände gehn.
Er wird schon sehn nach kurtzer zeit Gedult
Die beste Lust/ die füll in allen sachen.
Mein Knecht der wird die andern/ derer schuldt
Er auff sich nimpt/ wie sich gerecht auch machen.

dy Drumb wil ich jhn mit Herrligkeit vnd Pracht/
An reicher Beut’ vnd Gaben hoch erheben/
Wil grossen Raub jhm auß zu theilen geben/
Mit seiner schar die er gerecht gemacht:
Dieweil er sich dahin gelassen hat/
Ist in die Zahl der bösen selbst getreten/
Hat sich beschwert mit frembder Missethat/
Vnd für die schuld der Sünder noch gebeten.

dz ea
[Seite 279]

[.26]
Am H. OsterTage.
1. Corinth. 5.
Auff den 12. Psalm.

FEgt ab von euch den Sawerteig der Erden/
Den Sawerteig der alten bösen Zeit/
Auff das jhr so ein newer Teig mögt werden/
Als wie jhr dann auch vngesäwert seyd.

Das Osterlamb/ das Opffer so wir haben/
Ist Christus selbst/ geschlachtet für die Welt/
Drumb lasset vns die Seele mit jhm laben/
Laßt vns auch sein den Teig der jhm gefelt.

Damit jhr mögt die newen Ostern halten/
So seyd auch new/ vnd werdet nach der zeit
Ein newer Teig/ nemt für den sawren alten/
Den süssen Teig der lieb vnd lauterkeit.

[.27] ebAm OsterMontage.
Actor. 10.
Auff den 135. Psalm.

PEtrus Gottes trewer Knecht
That den Mund auff/ vnd fing an:
Nun erfahr ich wol vnd recht/
Daß der HErr nichts ansehn kan/
Vnd ohn vnterscheid sich gibt
Dem der from ist vnd jhn liebt.

Seine Predigt ist bekandt/
Seinen Frieden/ wie jhr wist/
ec ed ee
[Seite 280]

Hat er Israel gesandt/
Durch den HErren JEsum Christ/
Welcher vns vnd alle Welt
Vnter seinem Zepter helt.

Wie Johannes hat gelert/
Von der Tauff vnd Gnadenzeit
Ward das Trostwort angehört/
Durch Judea weit vnd breit/
Fieng in Galilea an/
Das hiervon noch sagen kan.

Jauchtze/ Nazarener Land/
JEsus deine Zier vnd Pracht/
Ward gesalbt von Gottes Hand/
Mit des heil’gen Geistes Macht/
efMit den kräfften die allein/
Gott zu geben müglich sein/

Er ließ weit durch Land vnd Meer/
Hören seinen weisen Mund/
Zohe ferren hin vnd her/
Machte kranckes Volck gesund/
Er vertrieb der Teuffel schar/
Weil Gott selber in jhm war.

Wir die er geliebet hat/
Haben selber angesehn/
Die berümbte Wunderthat/
So durch seine krafft geschehn:
Es ist dir Judeerland/
Dir Jerusalem bekand.

Zwar man hat jhn vmbgebracht/
An ein schmälichs Holtz gestreckt/
Dennoch hat jhn Gottes macht/
Auff den dritten Tag erweckt:
eg
[Seite 281]

Nicht der Pöfel/ wir allein
Können dessen zeugen seyn.

Wir die vorerwehlte schar/
Vnter der er für vnd für/
Nach der Aufferstehung war/
Lebte/ Tranck vnd Aß mit jhr:
Nun hat er vns außgesand/
Diß zu Lehren alles Land.

Er soll richten was noch lebt/ ehVnd was schon ist für vns hin:
Ihr Propheten selber gebt
Wares Zeugniß/ das durch jhn/
Wer an jhn gleubt recht vnd woll/
Aller Sünden frey sein soll.

[.28]
Am Osterdinstage.
Actor. 13.
Auff den 134. Psalm.

IHr Männer/ Abrahams geschlecht/
Das Gott lieb hat vnd helt sein recht/
Ihr habt des heiles Wort erkand/
Es ist zu euch herab gesand.

Jerusalem verstand es nicht/
Den Häuptern schiene zwar diß Liecht/
Jedoch fand der Propheten Wort/
Bey jhnen weder Zeit noch Ort.

Drumb haben sie es auch vollbracht/
Mit jhres Vrtheils blinder macht:
Der Todt ward durch sie zuerkand
Dem/ den man ohne Schuld befand.

ei
[Seite 282]

Nach dem sie jhn zum Creutz’ erhöht/ Als wie von jhm geweissagt steht/
So namen sie jhn da herab/
Vnd legten seinen Leib in’s Grab.

ej Er aber ist durch Gottes Macht/
Vom Tode wieder auffgewacht/
Hat seiner schaar sich selbst gezeigt/
Die solches billich nicht verschweigt.

Den Trost/ der vormals ist geschehn
Den Göttern/ haben sie gesehn/
Wir wissen/ das nun allbereit
Verhanden sey die Gnadenzeit.

Gott hat vns JEsum aufferweckt/
Hat vnsre Sünden zugedeckt/
Vnd die Verheissung so erfüllt/
Das kein Todt weiter bey vns gilt.

[.29]
Am Sontage Quasimodogeniti.
Johan. im 20.
Auff den 49. Psalm.

EIn jeder Ding vnd Thun so Gott gefellt/
Vnd auß jm ist/ das zwingt die schnöde Welt.
Des Glaubens Macht der vnsre Hertzen regt/
Vnd in vns wohnt/ der hatt die Welt erlegt.
Wer aber ist’s der endlich siegen kan/
Als welcher gleubt vnd Gottes Sohn nimpt an?
Er ist mit Blut vnd Wasser zu vns kommen/
Vnd hat den Koht der Sünden weggenommen.

ek el
[Seite 283]

em Es bringet vns das allerhöchste gut/
Nicht Wasser nur: er schencket auch sein Blut:
So ist der Geist der zeiget recht vnd frey/
Das reiner Geist auch reine Warheit sey.
Geist/ Wasser/ Blut/ die drey sind auff der Welt/
Durch welcher Krafft das Zeugniß wird bestelt.
Mehr darff ein Mensch der Siegesherr wil werden/
Kein mittel nicht auff dieser weiten Erden.

Die Menschen nimpt man ja zu Zeugen an/
Wie viel mehr GOtt der nicht betriegen kan?
Er weiset vns vnd vnsern schwachen Sinn/
Den er nur sterckt/ zu seinem Sohne hin:
Dem reume man Hertz vnd Gedancken ein/
Im fall man wil im felde Meister seyn.
Wer feste Glaubt vnd seiner Hand vertrawet/
Hat schon genung worauff er sicher bawet.

[.30]
Am Sontage Misericordias Domini.
1. Petr. 2.
Auff den 91. Psalm.

BEdenckt/ jhr Brüder/ jederzeit/
In ewren rechten Hertzen/
Worzu jhr wol beruffen seyd/
Ertraget noht vnd schmertzen/
enSeht wie doch Christus in der Welt/
Hat für vns leiden wollen/
Sich als ein Fürbild dargestelt/
Das wir jhm folgen sollen.

Bey jhm hat kein Betrug vnd Schuld/
Kein falsches Wort gegolten:
Er schwieg vnd litte mit Gedult/
Im fall er ward gescholten:
eo ep
[Seite 284]

Ließ man jhm weder rast noch ruh/
So drewt er doch mit nichten/
Gab aber dem die Rache zu/
Der einig recht kan richten.

Der schweren Sünden Last vnd Schuld/
Hat er für vns getragen/
Hat seinen Leib auß grosser Huld/
Ans Creutze lassen schlagen:
Nun haben wir Gerechtigkeit/
Für vnsre Schuld gefunden/
Sind selig noch bey Lebenszeit/
Vnd Heil durch seine Wunden.

Ihr waret wie der schaffe schar/
Die jrrend vmb muß lauffen/
Steht Augenblicklich in gefahr/
Für wilder Thiere hauffen/
Eilt müde/ krafftloß vnd beschwert/
Durch Berge/ Püsch’ vnd Hölen/
Nun seid jhr frey/ seyd gantz bekehrt/
Zum Hirten ewrer Seelen.

[.31] eqAm Sontage Jubilate.
1. Petr. 2.
Auff den 45. Psalm.

WIr sind allhier nur Bilger auff Erden/
Drumb solln wir auch also erfunden werden
Wie frembde thun/ die sich der Ehrbarkeit/
Für aller Welt befleissen jederzeit.
Deß fleisches Lust/ die vnsrer Seelen gaben/
Das werthe Pfand/ das wir empfangen haben
Von oben her/ durch jhren bösen schein
In jrrthumb bringt/ soll ferren von vns seyn.

er es et
[Seite 285]

Führt Ehrbars thun vnd wandel für den Heyden/
Das keiner nicht die Augen könne weiden
An ewrer that/ bringt gutes an den Tag/
Das jederman Gott in euch sehen mag.
Ihr sollt vnd must vmb ewres HErren willen/
Was Obrigkeit verordnet/ recht erfüllen/
Sie sey auch hoch vnd niedrig wie sie wil:
Hierauß ersiht man ewres Lebens ziehl.

Gott will vnd heist jhr sollt mit guten sachen/
Der Narren maul zu spot vnd schanden machen/
Als Gottes Volck. Ihr seyd ja freylich frey/
Doch das die macht kein schandendeckel sey.
Die Brüder liebt/ die Menschen sämptlich ehret/
Vnd fürchtet Gott/ des Königs willen höret:
euSeid diesem auch/ der böß’ ist/ vnterthan/
Vnd nicht nur dem der nichts als gut sein kan.

Dann diß liebt Gott/ wann einer übel treget/
Das jrgend wird zu vnrecht auffgeleget:
Es ist kein lob/ wer streich erlitten hat/
Die er verdient durch seine Missethat.
Im fall jhr wollt was löblichs von euch sagen/
So rhümet euch/ jhr könnet böses tragen
Für gutes thun/ diß werck ist auff der Welt
Das Gott erheischt/ vnd das jhm wolgefellt.

[.32]
Am Sontage Cantate.
Jacob. 1.
Auff den 84. Psalm.

WAs vnser Glaube gutes thut/
So viel als nur an jhm ist gut/
Das müssen wir von oben haben:
Des liechtes Vater der vns liebt/
ev ew ex
[Seite 286]

Der Athem/ krafft vnd leben giebt/
Von dem sind alle rechte gaben.
Er wechselt vnd verkehrt sich nicht
Deß liechtes HErr/ ja selbst das Liecht.

Er hat vns lassen in die Welt/
Hier vnter seines Himmels zeit/
Nicht werden nur allein gebohren:
eyEr hat vns auch zur Heiligkeit/
Die für jhm bleibet jederzeit/
Erzeuget vnd auffs new erkohren:
Er nimpt zum ersten von vns hin/
Das Weltgemüt’ vnd MenschenSinn.

Darumb erkennt die gute That/
Die Er an euch erwiesen hat/
Seyd schnell vnd fertig viel zu hören/
Zu reden langsam vnd bedacht/
Deß zornes vngezähmte Macht/
Laßt ewer Hertze nicht bethören/
Deß Menschen zorn begehet viel/
Was Gott nicht von vns haben will.

So legt die Boßheit von euch weit/
Laßt liebe der Vnsauberkeit/
Die jhm ein Haß ist im Gesichte/
Seht daß jhr recht das Wort erkiest/
Das selbst in euch gepflanzet ist/
Von Gott deß Lebens klarem Liechte:
Nembt solches Wort mit Sanfftmut an/
Das ewren Seelen rhaten kan.

ez
[Seite 287]

[.33]
Am Sontage Vocem Jucunditatis.
Jacob. 1.
Auff den 112. Psalm.

ES ist zu wenig das Wort hören/
Man soll auch folgen seinen Lehren/
faWer hört vnd dem nicht nach wil kommen/
Ist wie ein Mensch der sich besiehet/
Wann jhm der Spiegel wird genommen/
So hat er sich vmbsonst bemühet.

Er gehet fort vnd muß indessen/
Wie er gewesen sey vergessen/
Wer seiner freyheit satzung höret/
Ist jhr/ so weit er soll/ ergeben/
Vnd das vollbringet was er lehret/
Derselbe wird recht selig leben.

Wer aber seine falsche sinnen/
So weit bey jhm leßt stat gewinnen/
Das er vermeint Gott recht zu ehren/
Vnd seine Zunge nicht kan zäumen/
Der leßt sich falschen wahn betören/
Leßt jhm vmbsonst von wercken treumen.

Ein warer Dienst der Gott beliebet/
Dem er Gehör vnd Gnade giebet/
Ist mild vnd gütig sein den armen/
Ist weisen rhat in Trübsall geben/
Ist fromer Witwen sich erbarmen/
Vnd für der Welt vnsträfflich leben.

fb
[Seite 288]

[.34] fcAm Tage der Himmelfahrt Christi.
Actor. 1.
Auff den 107. Psalm.

WIe Christus Aufferstanden
Vnd nun entgangen war/
Deß finstern Todes banden/
Zeigt’ er sich seiner schaar:
Ließ seine starcke Hand/
Noch viertzig Tage sehen:
Man hat jhn wol erkandt/
Auß dem was ist geschehen.

Er sprach: Ihr Jünger/ weichet
Von Solyma hier nicht/
Biß jhr die Tauff erreichet/
Die Gott euch selbst verspricht:
Die Zeit wird eilendts seyn.
Johannes hat genommen
Das Wasser nur allein/
Ihr sollt den Geist bekommen.

Ihr werdet jhn empfangen
Den Geist der Herrligkeit/
Vnd solche krafft erlangen
Die reiche weit vnd breit/
Ihr sollt mir Zeugen seyn
fdSo weit der baw der Erden
Durch meinen Sonnenschein/
Erleuchtet pflegt zu werden.

Mit diesem wolt’ er enden/
Biß eine Wolcke kam/
Vnd jhn auß jhren Händen
Hin in den Himmel nam/
fe
[Seite 289]

Von da er nach der Zeit/
Wie er ward auffgenommen/
Mit grosser Herrligkeit
Vnd Macht wird wiederkommen.

[.35]
Am Sontage Exaudi.
1. Petr. 4.
Auff den 110. Psalm.

IHr müsset Gott euch rein vnd nüchtern bringen/
Müst mässig seyn/ vnd nur am Glauben voll/
Wann das Gebet hin durch die Wolcken dringen/
Vnd jhm sein Hertz auch kräfftig rhüren soll.

Last sonderlich die Liebe bey euch schweben/
Sie heilt vnd deckt der Sünden menge zu.
Es ziehmet sich/ das jhr sollt Gastfrey leben/
Vnd das ein Mensch dem andern gutes thu.

Gott schencket vns nicht für vns selbst die Gaben/
Er machet vns zu Wirten nur allein.
ffWir solln mit dem was wir empfangen haben/
Von seiner Hand einander dienstlich seyn.

Wer reden will der rede was Gott lehret/
Wer ämpter hat der lege sie nicht bey/
Also wird Gott durch JEsum recht geehret/
Dem ewig lob vnd preiß gesaget sey.

fg fh
[Seite 290]

[.36]
Am heiligen Pfingstage.
Actor. 2
Auff den 89. Psalm.

ALs durch das schöne Liecht der Sonnen ward gebracht/
Der Pfingsten grosser Tag/ kam eines Sturmes macht/
Hoch auß den wolcken her mit einem grossen sausen/
Das Hauß/ das gantze Hauß ward zitternd von dem Prausen/
In dem der Jünger Volck die außerwehlten Scharen/
In Hoffnung/ in Gedult vnd Trost beysammen wahren.

Der Ort war lauter Glantz/ voll Geistes ward das Hauß/
Vnd jhre Zunge sah als Fewerflammen auß/
fiEr goß sich selbst in sie/ jhr Hertze ward gezwungen/
Zu melden Gottes Wort mit frembder Völcker Zungen/
Mit sprachen vieler art die sie kein Buch gelehret/
Vnd die jhr Ohr auch noch vor diesem nie gehöret.

Das grosse Solyma/ das Volck so dieser Zeit/
Auß aller Welt da war versamlet weit vnd breit/
Lieff gantz bestürtzt herzu/ vnd fand an einem Orte
Der weiten Erden Sprach’ vnd aller Länder worte.
Was ist es? sagten sie: wir hören ja mit Ohren/
Ein jeder seine sprach’ in der er ist geboren.

Wir Parthyeer Volck/ wir vom Hyrcanermeer/
Auß dir/ O Medien/ vnd wir vom Tigris her/
Wir Cappadocier/ wir Bürger in Judeen/
Im Pont/ in Asien/ wir von Olympus höhen/
Beym engen Hellespont/ wir im Pamphylier Lande/
Vnd wir Egyptier vom feisten Nilusstrande.

Wir wohnen/ Lybien/ vmb deinen heissen sand/
Vns hast/ Cyrene/ du geschickt/ du Pferdeland/
Vns Rom die Fraw der Welt/ wir sind auß Creta kommen/
Wir auß Arabien/ noch werden wir vernommen:
fj fk
[Seite 291]

Wir sehn vnd können nun die thaten Gottes hören/
Vom Galileer Volck’ in vnsern sprachen lehren.

fl Diß Werck verwirte sie/ vnd nam die Hertzen ein:
Viel trieben Spot darauß/ vnd legten auff den Wein
Der frembden sprachen schuld: des süssen Weines Gaben
War aber Himmelstranck/ den sie empfangen haben/
Von dem der Seel’ vnd Leib versorgt mit allen sachen/
Der Geist auß blosser Welt/ auß Wasser Wein kan machen.

[.37]
Am Sontage Trinitatis.
Rom. 11.
Auff den 113. Psalm.

O Selig ist ein solcher Mann/
Der etwas nur von weiten kan
Der Weißheit Gottes jnnen werden/
Dieweil jhr Reichthumb höher geht
Als wo des Himmels Spitze steht/
Vnd tieffer als der grund der Erden.

Wem stellst du dein Gerichte für/
O Vater/ das du einig dir
Für allen Menschen hast verborgen?
Was kan der sterblichen Verstand?
fmWer hat des HErren Sinn erkand?
Wer darff für seinen Rhatschlag sorgen?

Wer hat jhm etwas doch geschenckt/
Der auff Vergeltung noch gedenckt/
Die jhm hergegen jetzt gehöre?
Diß alles ist/ vnd war vorhin
Von jhm/ vnd in jhm/ vnd durch jhn:
Ihm sey vnendlich Preiß vnd Ehre.

fn fo fp fq fr
[Seite 292]

[.38]
Am 1. Sontage nach Trinitatis.
Johan. 4.
Auff den 115. Psalm.

GOtt ist die Lieb’/ vnd wer daran sich helt/
Der bleibt in Gott/ vnd thut was jhm gefellt/
Er selbst wird in jhm schweben.
Damit jhr auch auff jenen Tag besteht/
So wil er das/ was ewrer Lieb’ abgeht/
Von seiner Liebe geben.

Wir hatten vns mit eigner Schuld verletzt/
Diß lest er sein durch seine gnad’ ersetzt/
Macht vns noch hier jhm gleiche.
Lieb’ hasset Furcht/ vnd Furcht ist nie ohn Pein:
Wer lieben will der soll bemühet seyn/
Das furchte von jhm weiche.

Liebt hertzlich jhn/ wie er mit vns gethan/
Doch ist kein Mensch der jhn recht lieben kan/
fsVnd seinen Bruder hassen.
Haßt einer den der jhm für Augen geht/
Wie soll er den der im verborgnen steht/
Nicht gleichfalls auch verlassen?

Wer Gott begehrt vnd leßt den Nechsten seyn/
Giebt nur von sich erlognen Hertzensschein:
Er hat vns fürgeschrieben/
Hat seiner schar gesetzt ein solches ziehl/
Das wer Gott liebt/ vnd lieb gehabt sein will/
Auch soll den Bruder lieben.

ft fu fv fw
[Seite 293]

[.39]
Am 2. Sontage nach Trinitatis.
1. Johan. 3.
Auff den 96. Psalm.

IHr dürffet euch gar nicht betrüben/
Weil wir das thun der Welt nicht üben/
Das euch die Welt auch haßt vnd krenckt:
Das Leben wird vns jetzt geschenckt/
Weil wir die Brüder wollen lieben.

Wer nicht will nach dem Bruder fragen/
Der pflegt jhn selber zu erschlagen/
Nun sieht ein Mörder ewig nicht/
Des andern Lebens schönes Liecht/
Darff keine Himmels Hoffnung tragen.

fx Ließ doch der HErren HErr auch eben/
Für vns dahin sein eignes Leben/
So sollen nun ingleichen wir/
Das vnßrig’ auch gedultig hier/
Für vnsre liebste Brüder geben.

Hat jemand alles gut der Erden/
Vnd sieht den Bruder in beschwerden/
Kennt das jhm Trost von nöhten thu/
Vnd schleust doch Hand vnd Hertze zu/
Wie will jhm Gottes liebe werden?

O Kinder/ wann ich euch soll rhaten/
So haßt der liebe falschen schaten/
Liebt nicht mit Worten nur allein/
Laßt ewre Liebe scheinbar seyn/
Durch waren Mund vnd rechte thaten.

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[Seite 294]

[.40]
Am 3. Sontage nach Trinitatis.
1. Petr. 5.
Auff den 38. Psalm.

STellet Gott heim ewre sachen/
Laßt jhn machen/
Reumt jhm alle sorgen ein/
Er der HErr wird bey euch stehen/
Euch erhöhen/
Wann es seine zeit wird seyn.

ga Wie ein Löwe seine klawen/
Einzuhawen/
Wann er tobet/ fertig hat/
Meint der Teuffel euch ingleichen
Zu erreichen/
Drumb wacht nüchtern frü vnd spat.

Wann er brüllend’ auff euch gehet
Bleibt vnd stehet/
Werfft den schild des Glaubens für/
Dencket das die trewen Glieder
Ewre Brüder
Eben leiden als wie jhr.

Ewrer Gott der euch beruffen/
Lest stets offen
Seine reiche Gnadenthür:
Er wird stärcke/ krafft vnd leben/
Völlig geben:
Ihm sey Ehre für vnd für.

gb
[Seite 295]

[.41]
Am 4. Sontage nach Trinitatis.
Rom. 8.
Auff den 34. Psalm.

ICh gleube recht vnd woll/
Das alles Leiden dieser Zeit/
Nicht würdig sey der Herrligkeit/
Die vns erfrewen soll.
gcWas ist vnd werden mag/
Was lebt vnd schwebt auff dieser Welt/
Hat seine Hoffnung recht gestellt/
Auff jenen grossen Tag.

Die Creatur sieht an/
Wie sehr sie vnterworffen sey/
Sie hofft von dem zu werden frey/
Was jhr wird angethan.
Sie selbst soll auch wie wir/
Bekommen Glantz vnd klaren Schein/
Soll Gottes Volcke dienstbar seyn/
In jhrer newen Ziehr.

Sie sehnt sich jmmerdar/
Vnd siehet stündlich/ ob dann nicht
Verhanden sey jhr Tageliecht/
Wie wir auch Gottes schaar:
Wir schar des Geistes stehn/
Vnd warten embsig für vnd für
Ob die Erlösung dann nicht schier/
Mit frewden an wil gehn.

gd ge gf gg
[Seite 296]

[.42]
Am 5. Sontage nach Trinitatis.
1. Petr. 3.
Auff den 133. Psalm.

IHr allesampt sollt haben gleiche Sinnen/
Sollt freundlich sein/ einander gutes gönnen
ghThut wol dem der euch übel meint/
Flucht jemand euch so seid jhm drumb nicht feind/
Ja segnet jhm weil sein Fluch nicht verderbt/
Vnd jhr den Segen dennoch erbt.

Wer leben wil vnd gute Tage kriegen/
Halt’ an die Zung’ vnd lasse sie nicht triegen/
Er handle wol vnd liebe rhu.
Dem fromen siht deß HErren Auge zu/
Er höret jhn wann er die Stimm erhebt/
Vnd kennt den der nicht ehrbar lebt.

Kein Mensch kan euch/ thut jhr was recht ist/ schaden/
Vnd da sie auch zu vnrecht euch beladen/
So bleibt euch doch die Seligkeit.
Erschrecket nicht: jhr Trutz geht vberhin:
Stellt nur auff Gott den HErren Hertz vnd Sin/
Vnd heiligt jhn zu allerzeit.

[.43]
Am 6. Sontage nach Trinitatis.
Rom. 6.
Auff den 42. Psalm.

DIe du/ Christus/ hast erkauffet/
Durch dein Creutz vnd Leidensnoth/
Die wir sind auff dich getauffet/
giSind getaufft auff deinen Todt/ gj gk
[Seite 297]

Durch die Tauffe sind nun wir/
Jetzt begraben auch mit dir/
Können gleich wie du auffstehen/
Vnd in newem Leben gehen.

Du verleihst vns deinen Zweigen/
Einen newen Leib vnd Sinn/
Heissest vns zum Himmel steigen/
Vnser alter Mensch ist hin/
Vns drückt keine schuldt nun nicht/
Weil du vnser Trost vnd Liecht/
Hast so viel für vns erworben/
Da wir sind mit dir gestorben.

Keiner darff von vns mehr sterben/
Sünd’ vnd Todt ist abgethan/
Christus herrschet vnd wir erben:
Gott der sieht vns jetzund an/
Leßt vns seine Kinder seyn/
Nimpt vns gnädig zu jhm ein:
Vnser Heil hat vns gegeben/
Für den Todt das ware Leben.

[.44]
Am 7. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Rom. 6.
Auff den 35. Psalm.

DIweil jhr schwaches fleisches seyd/
So red’ ich Menschlich noch zur zeit/
glIhr habt für diesem/ liebste Brüder/
Verunehrt ewren Geist vnd Glieder:
Gleich wie ein’ vnverstopffte bach/
Sich selber treibet nach vnd nach/
So ist das eine Sündenquell/
Stracks kommen an des andern stell’.

gm gn go gp
[Seite 298]

Jetzt last das Vnrecht von euch seyn/
Vnd räumt euch gutem Wandel ein.
Ihr must euch jenes Lebens schämen/
Wann jhr es wollt zu Hertzen nehmen.
Was trug doch ewres Lebens baum/
Wie jhr noch gabt den Sünden raum?
Ein’ herbe Frucht/ die jhre pest/
Nicht als zum Tode dienen lest.

Nun jhr von Lastern jetzt befreyt/
Vnd Gottes Knechte worden seyd/
So sollt jhr ewer gantzes Leben/
Der wahren Heiligkeit ergeben/
Im fall jhr ja vermeiden wollt
Den bittern Todt/ der Sünden sold/
Vnd selig leben nach der Zeit/
Mit Christo in der ewigkeit.

[.45] gqAm 8. Sontage nach Trinitatis.
Rom. 8.
Auff den 43. Psalm.

IHr müsset nach dem Fleische sterben/
Vnd abthun allen bösen schein/
Der nichts als Straffe kan erwerben:
Wann jhr das Leben wollt ererben/
So last des fleisches Wercke seyn/
Vnd reumt dem Geist’ euch ein.

Schawt zu/ das jhr nichts arges treibet/
Vnd auff des fleisches Sündenbahn/
Als wie für diesem/ nicht verbleibet.
Wer Gottes Geist jhm einverleibet/
gr gs gt
[Seite 299]

Den liebt Gott/ das er jhm fortan/
O Vater/ ruffen kan.

Diß söhnet auß bey Gott vns Sünder/
Auff fleisches Todt vnd zeitlichs Leyd:
Wir werden Erben/ vnd/ nicht minder
Als Christus/ seine liebe Kinder/
Mit frewden gehn nach dieser zeit/
Zur steten Herrligkeit.

[.46] guAm 9. Sontage nach Trinitatis.
1. Corinth. 10.
Auff den 136. Psalm.

O Corinth/ du zier der Welt/
Wie das dir so sehr gefeit/
Einer falschen liebe Gunst/
Vnd des schnöden fleisches brunst?

Schawe wol zu was du thust:
Meide des gelüstens lust/
Stelle deine Götter ein/
Die zu wenig göttlich seyn.

Folge nicht der alten schar/
Die für Gott ein Grewel war/
Vnd nur Spielte/ Tranck vnd Aß/
Das sie jhrer selbst vergaß.

Seyd von Vnzucht loß vnd frey/
Weil durch jener Hurerey/
Drey vnd zwanzig tausend Mann/
Einen Tag fiel auff den plan.

gv gw
[Seite 300]

Auch versucht den HErren nicht/
Der ein strenges Vrtheil spricht:
Als es diß Volck so gemacht/
Ward’s von schlangen vmbgebracht.

gx Leidet jhr auch jrgend noth/
Murret drumb nicht wieder Gott/
Dann er jener gleiche That/
Durch den Todt gestraffet hat.

Dieses nemet fleissig ein/
Laßt es ewre Warnung seyn:
Welcher stehet sehe zu/
Das er keinen Fall nicht thu.

Gott der weiß es allzuwoll/
Wie er euch versuchen soll/
Er thut keinem nicht mehr an/
Als was er ertragen kan.

[.47]
Am 10. Sontage nach Trinitatis.
1. Corinth. 12.
Auff den 137. Psalm.

O Liebste schar/ denckt nach des Geistes gaben/
Das wir sie nur von Gott empfangen haben.
Ihr wisset woll das jhr für dieser zeit/
Ein GötzenVolck vnd blind gewesen seyd:
Drumb sollet jhr ja JEsum nicht verfluchen/
Der durch den Geist euch wil zum Glauben suchen.

Ohn jhn den Geist kan niemand Jesum haben:
Nur ein Geist ist/ sind Aempter/ macht vnd gaben/
gy gz ha
[Seite 301]

hbSchon mancherley. Gott ists der alles giebt/
Vnd ernstlich will das jeder seines übt:
Er schencket vns erkäntniß/ krafft zu gleuben/
Der Weißheit Ziehr/ Kunst Kranckheit zu vertreiben.

Er reget vns viel Wunder für zu bringen/
Schenckt wissenschafft von vngeschehnen dingen/
Er macht/ das der recht Vrtheil’ ohne wahn/
Hergegen der viel Sprachen deuten kan.
Diß thut der Geist/ der einem jeden giebet
Viel oder nicht/ nach dem es jhm beliebet.

[.48]
Am 11. Sontage nach Trinitatis.
1. Corinth. 15.
Auff den 24. Psalm.

ICh hoff jhr liebet noch vnd ehrt/
Was jhr mit ernst habt angehört/
Vnd hertzlich von mir auffgenommen:
Ihr stellet ja auff keinen Ort/
Der Seeligkeit jhr wares Wort/
Dadurch jhr könnt zum Leben kommen.

Es wohnt euch das Gedächtniß bey/
Das Christus vnser Heyland sey.
hcFür vns gestorben vnd begraben:
Vnd als er aufferstanden war/
Wie Kefas vnd der zwölffen schar/
Ihn sichtbarlich gesehen haben.

Er ließ sich sehen auff einmal/
Fünffhundert Brüder an der Zahl/
Die theiles schlaffen/ theiles leben:
Hat mehr gezeigt dem Jacob sich/
Vnd den Aposteln: Dann bin ich/
Dem er sich an den Tag gegeben.

hd he hf
[Seite 302]

Ich bin es sein vnzeitigs Kind/
Das dennoch so viel gnade find/
Auß der Apostel zahl der letzte/
Nicht wehrt das ich soll einer seyn/
Weil ich mich selber der Gemein’
Auch mit der Faust entgegen setzte.

Doch meine Schuld ist vberhin/
Ich bin durch Gott/ der so ich bin/
Ich rhüme mich für jhnen allen:
Ich habe mehr als sie gethan:
Doch nicht ich/ Gott der alles kan/
Thut diß/ vnd lest mich jhm gefallen.

[.49] hgAm 12. Sontage nach Trinitatis.
2. Corinth. 3
Auff den 65. Psalm.

ZV Gott wir setzen ein Vertrawen/
Durch Christum nur allein:
Wir dürffen auff vns selbst nicht bawen/
Von jhm muß alles seyn/
Von jhm entspringet was wir haben:
Es gibt vns vnser Gott/
Des Geistes lebenreiche gaben/
Der Buchstab ist nur Todt.

Zwar das Gesetze so in steine/
Zuvor geschrieben stund/
Kam auch herfür mit pracht vnd scheine/
Bewegte Berg vnd Grund/
Deß grossen Moses sein Gesichte/
War also hell vnd klar/
Das es für stralen/ Glantz vnd Liechte/
Nicht anzuschawen war.

hh hi hj
[Seite 303]

Doch geht des Geistes schöne Sonne
Dem Satzungampte für/
Scheint vns mit vngewölckter wonne/
Vnd breitet seine Zier:
hkDenn das Gesetze zeigt mit zagen
Auff die Verdamnißzeit/
Der Gnadengeist pflegt an zu sagen
Trost/ Heil vnd Herrligkeit.

Sie sind einander nicht zu gleichen
Gesetz vnd Geistes ziehr:
Der zweyer Tafeln schein muß weichen/
Die Gnade gläntzt jhm für.
Hat jenes Ampt sehr hohe Gaben/
Das auffhört vnd vergeht/
Was wird nicht diß für klarheit haben/
Das ewig bleibt vnd steht?

[.50]
Am 13. Sontage nach Trinitatis.
Galat. 3.
Auff den 41. Psalm.

DIeweil man ja der Menschen Testament/
Für recht vnd gut erkennt/
Thut nichts darzu/ vnd nimpt auch nichts darvon/
Ist’s einmal kräfftig schon:
So gilt viel mehr noch das/ so Abraham
Vom Himmel selbst bekam:
Sein Samen ist’s/ den Gottes weiser Rhat/
Ihm außerkohren hat.

hl Diß Testament/ daß gantz auff Christum geht/
Verbleibet vnd besteht/
hm hn ho hp
[Seite 304]

Wiewol es schon mehr als vierhundert Jahr
Für dem Gesetze war/
Weil kein Gesetz hierüber Vrtheil spricht/
Vnd hilfft das Erbe nicht:
Gott hat es selbst dem Abraham vermacht/
Vnd gnädig jhn bedacht.

Doch das Gesetz hat auch Gott eingesetzt/
Dieweil wir jhn verletzt/
Das stillet nun des werthen Mitlers Hand/
Der selbst ist vnser Pfand.
Durch werck erlangt ein Mensch das Leben nicht/
Vnd durch Gesetzes pflicht:
Der ist es nur dem Christus solches giebt/
Der gläubet vnd jhn liebt.

[.51]
Am 14. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Galat. 5
Auff den 121. Psalm.

SChawt vber euch vnd auff den Geist/
Soll euch nicht sein bewust/
Des Fleisches böse Lust/
Die den Verstand zu boden reißt:
Ihr müßt zu einer Seiten/
Denn Geist vnd Fleisch die streiten.

hq Ihr seyd wenn euch der Geist regiert/
Gantz vom Gesetze frey:
Drumb fliehet Hurerey:
Den Ehbruch der zum Tode führt/
Abgötterey/ Raub/ neiden.
Mord/ Schwelgen sollt jhr meiden.

hr hs ht hu hv hw hx
[Seite 305]

Wer solchen Lastern sich ergiebt/
Vnd lest das gute gehn/
Worauff sein Sinn soll stehn/
Ist gantz in böses Thun verliebt/
Der muß nur ewig sterben/
Kan Gottes Reich nicht erben.

Des Geistes frucht ist Liebe/ gunst/
Ist glaub’ vnd Gütigkeit/
Fried vnd bescheidenheit/
Gedult vnd keusche liebesbrunst.
Wen Christus nicht soll lassen/
Muß böse lösten hassen.

[.52]
Am 15. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Galat. 6.
Auff den 23. Psalm.

WEil vnser Gott den Geist vns hat gegeben/
So soll er auch erscheinen auß dem Leben:
Ihr müsset fliehn den Geitz der schnöden ehren/
Mit Zorn vnd Haß einander nicht versehren.
hyWann jemand jrrt vnd gar schnurrecht nicht handelt/
So lehret jhn jhr die jhr Geistlich wandelt.

Seht auff euch selbst/ helfft frembde Last ertragen/
Vnd seyd nicht stoltz/ wenn jhr wolt Gott behagen.
Wenn jemand sich für andern auff der Erden
Was düncken lest/ der wird betrogen werden:
Er prüfe sich was an jhm sey zu finden:
Ein jeder hat genung an seinen Sünden.

Schawt das jhr dem der Gottes Wort euch lehret
Viel gutes thut/ jhn fördert/ liebt vnd ehret.
hz ia ib ic
[Seite 306]

Gott schertzet nicht: ein jeglicher empfähet
Zur Erndtezeit/ das was er außgeseet.
Wer seet auffs Fleisch der erndtet das verderben/
Wer auff den Geist/ der wird das Leben erben.

Dieweil vns dann gar reichlich ein wird kommen/
Wie sämptlich wir es haben fürgenommen/
So seyd an jtzt zu helffen vnverdrossen/
Zwar jederman/ doch mehr an mitgenossen/
Vnd seet so des Geistes edle gaben/
Das jhr hernach mögt ewig erndte haben.

[.53]
Am 16. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Ephes. 3.
Auff den 32. Psalm.

LAst drumb nicht ab/ jhr Brüder/ Gott zu lieben/
Vnd recht zu thun/ wil er mich gleich betrüben.
idIch rühme mich/ es frewet sich mein Sinn/
Das ich an jetzt für euch gefangen bin.
Ich bitte stets den Vater vnsers HErren/
Der Vater ist/ in dem was weit vnd ferren
Welt ist vnd heist/ er woll’ in Noht vnd Pein/
Durch seinen Geist euch geben starck zu seyn.

Er wolle stets euch hertzlich lassen treiben
Des Glaubens thun/ vnd Christum in euch bleiben/
Damit jhr so einander trewlich liebt/
Mit warer brunst die er nur einig giebt.
Er woll’ euch auch/ wie andre heil’ge schaaren/
Sein Gnadenwerck recht geben zu erfahren/
Damit jhr seht vnd fühlt/ wie vielerley/
Wie lang/ vnd tieff/ vnd hoch die Güte sey.

ie if ig ih
[Seite 307]

Er laß’ euch recht die liebe Christi kennen/
Wiewol jr maaß kein Mund gar nicht kan nennen/
Kein Auge sehn/ dieweil sie weiter geht
Als an die Nacht/ vnd wo die Sonn’ auffsteht.
Ihm/ der vns wil gar überschwencklich schencken
Viel mehr/ als wir begehren vnd gedencken/
Sey vnter vns jetzt vnd in jener zeit/
Ohn end vnd ziehl Lob/ Ehr vnd Herrligkeit.

[.54]
Am 17. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Ephes. 4.
Auff den 33. Psalm.

ICh zwar gefangner Gottes wegen/
Doch der euch gleichwol hertzlich liebt/
iiBitt’ euch daß jhr auff ewren Stegen
Im Geiste recht zu gehn euch vbt:
Liebt der Demut Gaben/
Denckt Gedult zu haben/
Neidet stoltzen Wahn:
Knüpfft zum Glaubenspfande
Mit des Friedes Bande
Hertz vnd Sinnen an.

Hegt keinen andern Zanck noch streiten/
Als wegen Lieb vnd Trew allein/
Vnd last bey euch auff allen Seiten
Ein Hertz vnd ein Gemüthe seyn:
Als wie euch auch führet
Ein Gott/ vnd regieret
HErr in ewigkeit:
Der euch hat gegeben
Tauffe/ Geist vnd Leben/
Was jhr köndt vnd seyd.

ij ik
[Seite 308]

[.55]
Am H. Michaels Tage.
Offenbahr. 12.
Auff den 24. Psalm.

IM Hause der Vnsterbligkeit
Kam Michael in einen Streit
Sampt seinen Engeln mit dem Drachen.
Der Drach vnd seiner Engel Schaar
ilVerlohr/ vnd muste gantz vnd gar
Sich aus den Himmelsgräntzen machen.

Der Sathanas vnd Seelen Tod
So alle Welt verführt in Noth/
Der must’ herab gestossen werden.
Er/ welcher vns verhetzt zum fall/
Ist selbst sampt seiner Engel zahl
Gestürtzet in den grund der Erden.

Drauff hub sich einer Stimmen klang/
Der durch den Baw des Himmels drang:
Jetzt mögen sie seyn vnverzaget:
Sie haben Gottes Reich vnd Macht:
Er ist hinweg der Tag vnd Nacht
Vor jhm sie hefftig hat verklaget.

Des Lambes Blut hat jhn bekriegt/
Das ware Zeugnis obgesiegt/
Weil sie jhr Leben nicht geschonet.
Seyd vnbesorget nach der zeit/
Vnd brechet aus mit Fröligkeit/
Ihr Himmel vnd was drinnen wohnet.

im
[Seite 309]

[.56]
Am 18. Sontage nach Trinit〈atis〉.
1. Corinth. 1.
Auff den 5. Psalm.

ICh mus mit Dancke Gott erheben/
Vmb daß er seine Gütigkeit
inEuch mitgetheilet dieser Zeit/
Vnd hat in Christo recht zu leben/
Den Geist gegeben.

Jetzt könnt jhr ewer Hertze laben
Mit troste seiner Himmelsbrunst/
Seyd nun in seines Sohnes gunst/
Vnd dörffet ferner keiner gaben/
Mehr mangel haben.

Ihr könnt getrost vnd frewdig hoffen/
Auff jene zeit so ohne zeit/
Weil jhr durch jhn vnsträfflich seyd.
Es lest euch der/ so euch beruffen/
Den Himmel offen.

[.57]
Am 19. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Ephes. 4.
Auff den 128. Psalm.

SChawt das jhr von euch leget/
Den wandel dieser Welt/
Den alten Menschen feget/
Der sich durch laster fellt.
Thut weg das Kleid der Erden/
Vnd liebt Gerechtigkeit/
io ip iq ir is
[Seite 310]

Ein newer Mensch zu werden/
Wie jhr erschaffen seyd.
Seyd feind den argen Lügen/ itWann ewrer Mund was spricht:
Den Nechsten zu betriegen
Gedencket niemals nicht:
Ihr sollet Zorn nicht fassen/
Vnd nicht nach Feindschafft stehn:
Last über ewrem hassen/ Die Sonn nicht vntergehn.
Erduldet nicht vnd leidet/
Ein böses Lästermaul:
Den Diebstal flieht vnd meidet/
Seyd was zu nehmen faul/
Vnd munter viel zu geben:
Greifft ehrlich’ Arbeit an/
Zu fristung dessen leben/
Der sich nicht retten kan.

[.58]
Am 20. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Ephes. 5.
Auff den 143. Psalm.

Ihr Brüder/ weil jhr hier im leben/
Als BilgersLeute müsset schweben/
So seht das jhr fürsichtig seyd:
Ihr müsset auff euch achtung geben/
Dann es ist jetzund böse zeit.

Schawt das jhr ewren Sinn erhöhet/
Vnd nach des HErren willen gehet/
Vermeidet Wein vnd Trunckenheit/
iu iv
[Seite 311]

iwWeil anders nichts hieraus entstehet
Als sichers Leben/ Zanck vnd Streit.

Singt/ wenn die Sonne gehet nieder/
Vnd wenn sie vns bescheinet wieder/
Dem HErren einen Lobgesang/
Ertichtet Himmelreiche Lieder/
Vnd saget Gott dem Vater Danck.

[.59]
Am 21. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Ephes. 6.
Auff den 27. Psalm.

BEmühet euch/ jhr Brüder/ starck zu werden
In Gott/ zieht an den Harnisch seiner macht.
Es ist ein Feind nicht hier nur von der Erden/
Der stündlich euch zu fellen ist bedacht.
Was euch bekriegt/ das ist kein Fleisch noch Blut/
Kein gleicher Feind/ die Fürsten dieser Welt/
Der Teuffel Schaar kömpt selber in das Feld:
Sie stellet nach auff ewrer Seelen Gut.

So schawet nun behertzt zu widerstehen
Mit steiffer Hand/ legt Gottes Rüstung an:
Seyd vnverzagt jhm auff den Hals zu gehen/
Vnd schewet nicht den ritterlichen Plan.
Der Lenden Gurt sey klarer Warheit schein/
Die nie erliegt/ der Krebs Gerechtigkeit/
ixDie Schue begiehr der rechten Friedenszeit/
So könnet jhr zum kämpffen fertig seyn.

Doch sonderlich ergreifft für allen dingen/
Zu dieser Schlacht den festen Glaubens Schild/
Den gar kein Pfeil/ kein Waffen kan durchdringen/
Vnd der allhier am allermeisten gilt.
iy iz ja jb
[Seite 312]

Des Heiles Helm/ des Geistes scharffes Schwerd/
Des HErren Wort last euch befohlen seyn.
Diß ist der Schutz der einig vnd allein/
Auff dieser Welt des Teuffels wüten wehrt.

[.60]
Am 22. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Phil. 1.
Auff den 20. Psalm.

SO offt ich an euch dencken können/
Wie ich dann allzeit thu/
So offt auch wandt’ ich Hertz vnd Sinnen/
Für euch gen Himmel zu.
Ihr steht mir allzeit im Gesichte/
Seit jhr zum Glauben kommen/
Vnd vnsern Trost vom Gnadenliechte/
Habt eyfrig angenommen.

Ich bin in Hertzlichem Vertrawen/
Daß der so in der That/
Das gute Werck in euch zu bawen
Wol angefangen hat/
jcDer werd’ es ferner auch vollführen/
Euch seine Gnade geben/
Vnd mit des Geistes gütern ziehren/
So lang jhr werdet leben.

Es wallet mir zwar mein Geblüte/
Das ich im Kärcker bin/
Doch hab’ ich bey euch mein Gemüte/
Mein Hertz vnd gantzen Sinn:
Dieweil ich auch allhier gefangen/
Von Gott die Warheit sage/
So weiß es Gott was für verlangen/
Ich stündtlich nach euch trage.

jd je jf
[Seite 313]

Ich bete das jhr möget brennen/
In lieb’ ohn Heucheley/
Mögt weise sein vnd gutes kennen/
Sehn was das beste sey:
Das ewre schaar von Tag’ zu Tage/
Den Glauben könne mehren/
Vnd rechte Geistesfrüchte trage/
Zu Gottes Lob vnd Ehren.

[.61]
Am 23. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Philip. 3.
Auff den 125. Psalm.

WOllt jhr die gute Strasse reisen/
Hin zu des lebens Thür/
jgSo folgt/ jhr Brüder/ mir/
Vnd denen die euch recht anweisen/
Die als ein gutes Fürbild stehen/
Vnd für euch gehen.

Last Christi Creutzes Feinde lauffen/
Ihr Bauch der ist jhr Gott/
Ihr’ Ehr’ ist Schand vnd Spot/
Sie sollen zum verdampten Hauffen/
Dieweil sie nichts sonst von sich geben/
Als weltlichs Leben.

Im Himmel da wir hin solln dencken/
Wird vnser Wandel seyn/
Wann Christus newen schein
Wird diesem schwachen Leibe schencken/
Vnd seinem/ als HErr aller sachen/
Ihn gleiche machen.

jh ji jj
[Seite 314]

[.62]
Am 24. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Col. 1
Auff den 25. Psalm.

SEit wir in erfahrung kommen/
Ihr Colosser/ wie jhr habt
In dem Glauben zugenommen/
Wie euch vnsrer Gott begabt/
Seit der Zeit auch bitten wir/
Er woll’ euch mit Geist erfüllen/
jkGeben rechter Weißheit Ziehr/
Vnd euch zeigen seinen willen.

Wandelt auff deß HErren wegen/
Der euch solche Gnade giebt:
Soll er geben seinen Segen/
Lebet so wie jhm geliebt/
Fasset nach der Warheit Bahn/
Das sich ewer Glaube stercke:
Nehmet euch der Sanfftmut an/
Duldet/ vnd bringt gute Wercke.

Dancket GOtt für allen Dingen/
Als durch den jhr tüchtig seyd/
Das er euch kan nachmals bringen/
In das Reich der Ewigkeit:
Er lest auß der finstern Nacht/
Euch zu seinem Liechte finden:
Seines Sohnes Blut das macht/
Das wir frey sind aller Sünden.

jl jm jn jo jp jq
[Seite 315]

[.63] = 99
Am 25. Sontage nach Trinit〈atis〉.
1. Thess. 4.
Auff den 130. Psalm.

DAs blinde Volck der Heyden/ ...

[.64] jrAm 26. Sontage nach Trinit〈atis〉.
Hebr. 11.
Auff den 18. Psalm.

WEr recht thun will der muß des Glaubens Gaben/
Ohn’ welchen wir nichts richten können/ haben:
Der Glaube macht/ das wann man was nicht siht/
Jedennoch weiß das es gewiß geschieht.
Der Glaube macht das wir bestetigt werden
Vnd zweiffels frey/ das dieser Baw der Erden/
Lufft/ Himmel/ See/ was jrgend wird geschawt/
Was lebt vnd schwebt/ auß nichts sey auffgebawt/
Das er der HErr/ der über vns regieret/
Der wolcken zelt hab’ herrlich außgeziehret/
Der Erden grund auß nichts mit nichts gelegt/
Der nirgends rhuet/ vnd dennoch alles tregt.

Durch Glauben ward der Abel angenommen/
Diß Opffer ist für Gottes Antlitz kommen/
Nicht Kains schein: allein der Glaube nam
Den Enoch weg/ das er gen Himmel kam.
Durch Glaubens krafft hat Noa angehöret
Des HErren Wort/ vnd sein Gebot geehret/
Wie streng’ es war/ hat jhm sich gantz vertrawt/
Hatt für sein Hauß den Kasten auffgebawt:
jsDie Welt war noch mit wasser nicht vmbschlossen
Es hatte sich die Lufft noch nicht ergossen/
jt ju jv jw
[Seite 316]

Doch gieng er hin/ vnd fand Gerechtigkeit/
Bey seinem Gott in grosser Zorneszeit.

Durch Glaubenskrafft kundt’ Abraham erwerben
Den newen Ort/ so Gott jhm gab zu erben/
Er ließ es stehn das liebste Vaterland/
Vnd gieng dahin wo er war vnbekand.
Des Glaubens Krafft hat jhn bewegt zu ziehen/
An End vnd Ort den Gott jhm selbst verliehen/
Hat dem getrawt der alles schaffen kan/
Wie Isaac vnd Jacob auch gethan/
Der Glaube bleibt für andern sachen allen:
Ohn jhn allein kan niemand Gott gefallen/
Den pflantzet fest in ewre Hertzen ein/
Vnd last jhn nicht wann jhr wollt seelig seyn.

[.65]
Am 27. Sontage nach Trinit〈atis〉.
1. Petr. 3.
Auff den 19. Psalm.

SEyd jetzt vnd allezeit/
Zur Rechenschafft bereit/
Fest auff des Glaubens Grund/
Trawt Gott vnd habt Gedult/
Wann euch ohn alle Schuld/
Beleugt ein falscher Mund.
Den er euch fast in Neid/
Dieweil jhr Geistlich seyd/
jxWird Gott zu schanden machen.
Viel besser ists das jhr/
Vmb Wolthat leidet hier/
Als wegen böser Sachen.

jy jz ka kb kc
[Seite 317]

Weil der Gerechte hat/
Für vngerechte that/
Erlitten Schand vnd Noht/
Weil er der alles kan/
Den Mund nicht auffgethan/
Ertragen seinen Todt/
So wil des lebens Liecht/
Das wir vns gleichfalls nicht/
Des Leidens wegern sollen/
Im fall wir für vnd für/
Des Himmels Lust vnd Ziehr/
Mit jhm besitzen wollen.

Des Noens kleinen schaar/
Die in der Archen war/
Gab er die Seligkeit/
Durchs Wasser daß noch jetzt/
Mit Glaubens zuthun nützt/
Vnd hilfft vns jederzeit/
Macht einen Bund mit Gott/
Durch seines Sohnes Todt/
Der vnsre Seelen führet/
Hin in das Vaterland/
Da er an Gottes Hand
Sitzt/ herrschet vnd regieret.

kd ke

Fußnotenapparat

a am Rand: [A2a]
b am Rand: [A2b]
c C II 301 E 122 F II 31
d Überschr. An Ihr. Fürstl. Durchl.
zur Lignitz/ vber die Fest vnnd Son-
täglichen Episteln gesangs weise
gegeben. C Dem Durchleuchtigen/
Hochgebornen Fürsten vnd Herrn/
Herrn Georgen Rudolphen/ Herzog
in Schlesien/ zur Lignitz vnd
Briegk: Meinem gnädigen Fürsten
vnd Herrn. E An Ihr. Fürstl. Gna-
den zur Lignitz/ vber die Sontägli-
chen Episteln/ Gesangs weise gege-
ben. F
e klang] glantz CF
f kompt/ F
g wann CF
h Ehr Dkf. E
i am Rand: [A3a]
j ohne] sonder F
k höher] ferner CF
l den Sorgen] bemühung CF
m ewerm] ewrem C grossem F
n Stürme Dkf F
o Stern so CF
p wann CF
q Hilfft Dkf E
r vnsrer E
s sagen/] rhümen/ CF
t am Rand: [2]
u am Rand: [3]
v .1 Überschr. Z.4: Ich wil dich
HERR von Hertzen Grund. E
w NB: Bei allen Liedern erscheint die
Angabe der Melodie als Z.4 der
Überschrift erstmals in E; diese
Sigle wird nicht jedesmal wieder-
holt.
x Stunde] Aus Stünde Dkf X
nach Röm. 13, 11 u. E
y vergenglich] verborgen E
z am Rand: [4]
aa .2 Überschr. Auff der 77. Dkf E Z.4:
Zu GOtt in dem Himmel droben.
ab am Rand: [5]
ac Als das Volck thut/ das E
ad Ruh’] Aus Ruhe Dkf X nach
Ruh/ E
ae am Rand: [6]
af .3 Überschr. Z.4: Ich hab mir vor-
gesetzt vor allen Dingen.
ag schawt/ Aus Dhf schawet/ nach
E
ah anvertrawet. Aus Dkf anver-
trawet. nach E
ai am Rand: [7]
aj .4 Überschr. Z.4: Errette mich/ O
mein lieber HERR.
ak frewt] Aus Dkf frewet nach E
al lesst] Aus Dkf lesset nach E
am .5 Überschr. Z.4: Es ist ein billich
Dinge.
an am Rand: [8]
ao .6 Überschr. Z. 4: Warumb ver-
stößt du vns/ O Herr/ so gar.
ap am Rand: [9]
aq ist fehlt Dkf E
ar .7 Überschr. Z. 4: Gott als ein Kö-
nig gewaltig regiert.
as am Rand: [10]
at am Rand: [11]
au .8 Überschr. 66.] 108. E Z. 4:
Danck saget nun vnd lobt den Her-
ren.
av am Rand: [12]
aw .9 Überschr. Z. 4: In deinem gros-
sen Zoren.
ax am Rand: [13]
ay .10 Überschr. Z. 4: Wie lange wilt
du/ o lieber HErr.
az am Rand: [14]
ba mit fehlt Dkf E
bb am Rand: [15]
bc am Rand: [16]
bd .11 Überschr. Z. 4: Thue/ Herr
mein Geschrey erhören.
be vnterschiedne] Aus vnterschie-
dene Dkf XE nach z
bf gibt:] Aus Dkf gibet: XE nach
yz
bg er Dkf E
bh reche Dkf E
bi am Rand: [17]
bj heil’ger] Aus Dkf heilg’er E
bk .12 Überschr. Z.4: Da Israel zog
auß Egypten Land.
bl am Rand: [18]
bm .13 Überschr.: Anfang des Psalm-
liedes fehlt.
bn vergilt/] Aus erfüllt/ Dkf X
nach vergielt/ E
bo am Rand: [19]
bp .14 Überschr. Z. 4: Wer nicht mit
den Gottlosen geht zu Raht.
bq DEncket Dkf E
br übertragen = ertragen
bs Laß Dkf E
bt Stimm’] Apostr. vom Hrsg. ein-
gefügt
Stimmen Dkf E
bu am Rand: [20]
bv .15 Überschr. Z. 4: Ich will dich
preisen HErre Gott.
bw In] Aus Im Dkf X nach E
bx ingleichen] Aus ingleichem Dkf
X nach E
by Vatter Dkf E
bz am Rand: [21]
ca am Rand: [22]
cb .16 Überschr. Z. 4: Worauff ist
doch der Heyden thun gestellt.
cc Vrthe’l E
cd Hat’ Dkf E
ce am Rand: [23]
cf Mühe Dkf E Müh’] Apostr.
eingef.
cg Königs Dkf E
ch abwartshin Dkf E
ci am Rand: [24]
cj ward] war Dkf E (siehe 2. Kor.
12,4.)
ck .17 Überschr. Z. 4: Wie viel sind
der/ O Herr.
cl am Rand: [25]
cm liebe Dkf E
cn allen Dkf E
co schalken = betrügen
cp stehen nach = zu erlangen su-
chen (Gr. Wb. X, col. 1597)
cq vmbzugehen Dkf E
cr am Rand: [26]
cs vnsrer E
ct dieser Dkf E
cu am Rand: [27]
cv am Rand: [28]
cw .18 Überschr. Z. 4 Nun lobt den
Herren allzugleich.
cx Mußt Dkf E
cy am Rand: [29]
cz geben/ ... Leben/] Aus gebn/
... Lebn/ Dkf X nach E
da .19 Überschr. Z. 3 Auß Dkf E
Z. 4: Mein Gebett/ O HErr/ erhöre.
db am Rand: [30]
dc .20 Überschr. Z. 4: Ihr Völcker
auff der Erden all.
dd schandbars E
de am Rand: [31]
df sollen Dkf E
dg .21 Überschr. Z. 4: Wach auff/
mein Seel/ vnd sag dem Herren wol.
dh am Rand: [32]
di am Rand: [33]
dj heil’gem Dkf E
dk Der Dkf E (Gal. 4,27)
dl .22 Überschr. Z. 4: Meine Seel mit
allem fleisse.
dm am Rand: [34]
dn heilig-schöne E
do Erde Dkf E
dp .23 Überschr. Z. 4: Gott seine Woh-
nung vnd sein Habitackel.
dq am Rand: [35]
dr .24 Überschr. Z. 4: Zu Gott wir
vnsre Zuflucht haben.
ds am Rand: [36]
dt am Rand: [37]
du .25 Überschr. Z. 4: HErr Gott/
nach deiner grossen Gütigkeit.
dv am Rand: [38]
dw kompt. E
dx vns’re E
dy am Rand: [39]
dz geweigert E
ea leben/] Aus lieben Dkf X nach
E
eb am Rand: [40]
ec .26 Überschr. Z. 4: Bewahr mich
Herr/ thu mir zu Rettung kommen.
ed jhr] ich Dkf E
ee .27 Überschr. Z. 4: Lobt deß HEr-
ren werthen Nam.
ef am Rand: [41]
eg vertreib Dkf E
eh am Rand: [42]
ei .28 Überschr. Z. 4: Ihr Knecht deß
Herren allzugleich.
ej am Rand: [43]
ek .29 Überschr. Z. 4: Hört zu jhr
Völcker fleissig achtung gebt.
el angenommen. E
em am Rand: [44]
en am Rand: [45]
eo .30 Überschr. Z. 4: Wer in deß Al-
lerhöchsten hut.
ep schweig E Dkf
eq am Rand: [46]
er auß] vnd Dkf E
es wilde Dkf E
et .31 Überschr. Z. 4: Mein Hertz für-
bringen will ein schön Gedichte.
eu am Rand: [47]
ev HErren] Hertzen Dkf E
ew Narren maul] Aus Narrenmaul
X nach E getrennt
ex .32 Überschr. Z. 4: O Gott/ der du
ein Heerfürst bist.
ey am Rand: [48]
ez jhr das recht Wort Dkf E
fa am Rand: [49]
fb .33 Überschr. Z. 4: Wol diesem
Menschen der den Herren.
fc am Rand: [50]
fd am Rand: [51]
fe .34 Überschr. Z.4: Dancket vnd
lobt den HErren.
ff am Rand: [52]
fg .35 Überschr. Z. 4: Der Herr zu
meinem Herren hat gesprochen.
fh schweben = leben, vorhanden
sein
fi am Rand: [53]
fj .36 Überschr. Z. 4: Ich will deß
HErren Gnad lobsingen ewiglich.
fk fund Dkf E
fl am Rand: [54]
fm am Rand: [55]
fn ein:] Aus ein nach E
fo Wein] Aus Wein/ nach E
fp Was Dkf E
fq .37 Überschr. Z. 4: Nun lobt den
Herren/ jhr sein Knecht.
fr du] Aus da Dkf X nach E
fs am Rand: [56]
ft .38 Überschr. Z. 4: Nicht vns/
nicht vns/ o lieber Herr. o] Aus Dkf
ö
fu den fehlt; Dkf E
fv verborgen Dkf YE
fw Da Dkf E
fx am Rand: [57]
fy .39 Überschr. Z.4: Singt ein newes
Lied dem HErren.
fz gar nicht] nicht hoch z
ga am Rand: [58]
gb .40 Überschr. Z.4: Herr/ zur zucht
in deinem Grimme.
gc am Rand: [59]
gd .41 Überschr. Z.4: Ich will nicht
lassen ab.
ge wol/ E
gf dann] gantz E
gg gehen. Dkf E
gh am Rand: [60]
gi am Rand: [61]
gj .42 Überschr. Z.4: Schaw wie so
fein vnd lustig ist zu sehen.
gk .43 Überschr. Z.4: Wie nach einer
Wasserquelle.
gl am Rand: [62]
gm erstehen/ E
gn vnsrer E
go .44 Überschr. Z.4: Ficht wider
meine Anfechter.
gp das] Aus dar Dkf X nach E
gq am Rand: [63]
gr jetzt] Aus jetze Dkf XE verbes-
sert
gs .45 Überschr. Z.4: Richt mich
Herr Gott vnd halt mir rechte.
gt Wer] Aus Wenn Dkf XE, emen-
diert
gu am Rand: [64]
gv Süder/ n Dkf (manche Exem-
plare
) E
gw .46 Überschr. Z.4: Lobt den Her-
ren inniglich.
gx am Rand: [65]
gy es] Fehlt X; nach E eingefügt
gz .47 Überschr. Z.2: 1.] Aus 8. nach
E Z.4: Da wir zu Babylon am
Wasser sassen.
ha Aempter/] Aus Dkf Ampter X
nach E
hb am Rand: [66]
hc am Rand: [67]
hd schencket vns] theilt vns auß E
he .48 Überschr. Z.4: Dem HERren
der Erdkreiß zusteht.
hf Dardurch E
hg am Rand: [68]
hh dannoch E
hi überhin = oberflächlich, oben-
hin, leviter, cursim
hj .49 Überschr. Z.1 Sonta Dkf E
Z.4 Auff Sion dir geschicht groß
Ehre.
hk am Rand: [69]
hl am Rand: [70]
hm Sonne] Virgel nach E entfernt
hn .50 Überschr. Z.4: Wol dem der ei-
nen armen krancken nicht.
ho Ist’s] Aus Dkf Isls E krafftig
Dkf E
hp ist’s/] Aus ist/ X und ists/ E ge-
ändert
hq am Rand: [71]
hr Jahr] Aus Jahr/ nach E
hs Gesetz] Aus Gesetzt Dkf X
nach E
ht .51 Überschr. Z.4: Mein Augen ich
gen Berg auffricht.
hu SChawt] Aus SChawet Dkf X
nach E verbessert
hv Dann E die] hie E
hw seyt/ wann E
hx Ehebruch Dkf E
hy am Rand: [72]
hz .52 Überschr. Z. 4: Mein Hüter vnd
mein Hirt ist Gott der HErre.
ia vnsrer E
ib Wann E Erden] Virgel nach
E entfernt
ic jedrer E
id am Rand: [73]
ie säet Dkf E
if dann] Aus denn nach E
ig .53 Überschr. Z. 4: O selig muß ich
diesen Menschen preisen.
ih fühlt/] Virgel nach E einge-
setzt
ii am Rand: [74]
ij .54 Überschr. Z. 4: Wol auff jhr
Heiligen vnd Frommen.
ik neiden = hassen
il am Rand: [75]
im .55 Überschr. Z.4: Dem HERREN
der Erdkreiß zusteht.
in am Rand: [76]
io .56 Überschr. Z. 4: O HERR/ dein’
Ohren zu mir kehre.
ip laben] Virgel nach E beseitigt
iq .57 Überschr. Z. 4: Selig ist der ge-
preiset.
ir fegen = reinigen
is u. 7 sind vertauscht E
it am Rand: [77]
iu Er duldet Dkf E
iv .58 Überschr. Z. 4: Erhör/ O
HERR/ mein Bitt vnd Flehen.
iw am Rand: [78]
ix am Rand: [79]
iy .59 Überschr. Z. 4: Der HErr mein
Liecht ist/ vnd regiert mein Leben.
iz gleich = ebenbürtig, aequus
ja Plan = (Kampf)platz
jb Krebs = Brustharnisch
jc am Rand: [80]
jd Schwerd/] Virgel nach E einge-
fügt
je .60 Überschr. Z. 4: Der HERR er-
hör dich in Gefahren.
jf vom] zum E
jg am Rand: [81]
jh zu] Aus Dkf vnd XE nach z ge-
ändert
ji .61 Überschr. Z. 4: All die auff Gott
den HErren haben.
jj schein] Virgel nach E beseitigt
jk am Rand: [82]
jl .62 Überschr. Z.4: Zu dir ich mein
Hertz erhebe.
jm woll’] Aus woll Dkf E
jn giebt:] Aus giebt/ nach E
jo ergeben Dkf E Segen/] Aus
Segen: nach E
jp Fusset Dkf E
jq stercke:] Aus stercke/ nach E
jr am Rand: [84]
js am Rand: [85]
jt .63 Überschr. in dieser Form nicht
vorhanden
M. Zeile 2: 4.] Aus 3.
Dkf XE nach M; Z.4: Zu dir von
Hertzen Grunde.
ju .64 Überschr. Z.4: O HErr/ der du
mir Macht vnd Stärck thust geben.
jv auffgebawt/] Virgel nach E
jw sich jhm E
jx am Rand: [86]
jy kundt’] Aus kund X nach E
jz zum Erben Dkf E
ka .65 Überschr. Z.2: 1. Petr. 3,8–15
ist die Perikope für den 5. Sonntag
nach Trin. Hier gilt eigentlich 2.
Petr. 3, 3–14, doch beruhen diese
drei Strophen auf 1 Petr. 3,
8–22. Z.4: Die Himmel allzumal.
kb Fußt E
kc faßt E
kd Durchs] Das fehlerhaft E
ke kleinen: schwache Dativendung;
man stelle die Wörter um u. er-
gänze der
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