116 Sz 111 Dü 112 1630

Hercinie

Einzeldruck X: Von X existiert nur eine Ausgabe, die aber in zwei
Ausführungen vorkommt. Der Unterschied besteht einzig im Wort-
laut des Titelblattes.

Ausführung a: Martin Opitzen | Schäfferey | Von der Nimfen Her-
cinie.

Ausführung b: Martin Opitzen | Schäfferey | Von der Nimfen Her-
cinie. | Gedruckt zum Brieg/ | In verlegung David Müllers Buch- |
handlers in Breßlaw. 1630.
[Kolophon auf Bl. [I2a], identisch in
beiden Ausführungen
] Gedruckt in der Fürst- | lichen Stadt Brieg/
durch | Augustinum Gründern.
| A. C. 1630.

4°: A–I2. Exemplare: Ausführung a – Genève BB; Ausführung b
– Genève BB; Breslau (drei); Göttingen UB; Yale UL, FdF 218

Gliederung: Bl. [A1] Titelblatt, Rückseite unbedruckt. A2a (=
S. 3) bis A3b (= S. 6) Widmung an Hans Ulrich, SchaffGotsch ge-
nannt. S. 7 (= Bl. A4a) bis S. 66 (= I1b) der Text des Werkes, Prosa
mit eingelegten Versen. Bl. I2a (= S. [67]) Kolophon; I2b unbe-
druckt.

Der Druck ist einfach und relativ sorgfältig hergestellt. Die ver-
wendete Schrift ist die Mittelfraktur; die Gedichte sind fast alle (au-
ßer S. 37) aus der Cicerofraktur gesetzt. Die normale Prosakolumne
enthält 29 Zeilen, doch kommen Seiten zu 28 und 30 Zeilen vor. Das
Büchlein weist nur drei Verzierungen auf: ein kleines Ornament am

[Seite 509]


Ende, S. 66, aus 8 Röslein, 1,0 × 2,5 cm; eine zusammengesetzte
Zierleiste, 1,1 × 10,6 cm, über den vier Zeilen des Kolophons und
eine Arabeske, 5,8 × 7,1 cm, darunter: Widderköpfe l. und r. oben,
in der Mitte ein weibliches Gesicht. Keine Kolumnentitel, keine Zei-
lenzählung, kein wechselseitiger Einzug von Reimpaaren bei den
Alexandrinergedichten. Das Manuskript scheint auf zwei Setzer
verteilt worden zu sein: auf S. 37 wird der Anschluß der zweiten
Partie erst durch die Verwendung einer kleineren Type für die
Prosa und einer noch kleineren für die ersten sechs Zeilen des Ge-
dichts ermöglicht.

Bei den Kustoden kommt es sechsmal vor, daß das Merkwort in
größerem Typengrad gesetzt worden ist als das dann folgende An-
schlußwort; außerdem erscheinen folgende Unregelmäßigkeiten:
S. 20 dann 21 Dann; 23 Dkf rrzehl- 24 erzehlten; 26 erwehnte 27
erwehnete; 43 Dkf Der 44 Den; 54 Wann 55 wann. Kustoden fehlen
S. 14 u. 55. Die Seitenziffern stehen 1. und r. an den oberen Außen-
rändern; keine Zahlenangaben auf S. 1 und 2 sowie 67. Alle zu er-
wartenden Blattsignaturen sind fehlerfrei vorhanden; Titel- und
Kolophonblatt sind unsigniert.

Das weniger häufige Vorkommen von Fassung a läßt sich vielleicht
so erklären: während der Arbeit an Bogen A bemerkte man in der
Druckerei Gründer, daß der Verleger nicht genannt war. Die Kor-
rektur wurde vorgenommen und die restlichen Bogen ausgedruckt,
ohne daß die schon fertigen eingestampft wurden.

Von Xb liegt ein im Format leicht verkleinerter Reprint vor: Mar-
tin Opitz, Die Schäfferey ... herausgegeben und eingeleitet von Karl
F. Otto, jr.
(Nachdrucke dt. Lit. des 17. Jh.s, Bd. 8), Herbert Lang,
Bern 1976.

Der zweite authentische Druck befindet sich in der Sammlung F II
(1644). Die Hercinie steht dort als letztes Werk des Vierten Buches
der Poetischen Wälder von S. [397] bis 464 wie folgt: [397] der Son-
dertitel MARTINI | OPITII | Schäfferey/ | Von der Nimfen Herci-
nie.
[Kleines Ornament, 3 Eicheln um (o) gruppiert]a. Die Kolum-
nentitel beginnen auf S. 398 und laufen bis 463: Mart. Opitij Vierd-
tes Buch || Der Poetischen Wälder.
Nur auf S. 464: M. Op. IV.

[Seite 510]


Buch/ der Poet. Wälder. Druckfehler: S. 419 Dtr statt Der. Auf
S. 398, unter einer zusammengesetzten Kopfleiste, 0,7 × 7,4 cm, die
Widmung bis S. 401. Von 402 an, unter einer einheitlichen Kopflei-
ste, 1,9 × 7,0 cm, das eigentliche Werk. Pro Seite 32 Zeilen Prosa;
die Gedichte auch hier meist aus einer kleineren Schrift gesetzt. Auf
S. 464, etwas oberhalb der Mitte, das auf den Band II zielende Wort
ENDE. Darunter ein Dreiecksornament, 3,9 × 5,1 cm, mit schraf-
fierten Bestandteilen. Dieser Abdruck ist in dem von Erich Trunz
betreuten Reprint von F II leicht zugänglich.

Die Herstellung des Druckes F geschah weniger sorgfältig als die
des Erstdruckes. In F wimmelt es von Setzerfehlern, Schlimmbesse-
rungen und Versehen. Andererseits finden sich aber auch Beispiele
für auktorielle Änderungen, wovon hier einige erwähnt seien (Anga-
ben nach der Seitenzählung von X aber zumeist in der Schreibung
von F; Hervorhebung durch Kursivschrift): S. 25 dein erschöpfftes
Vatterland [Zusatz] Buntzlaw ist ...; 27 Historien mit [getilgt] klei-
nen
Muscheln ...; 36 Herr Caspar [statt zue Trachenberg] / so das
Lähnhauß gehalten;
ibid. eine hochverständige [statt hoffverstän-
dige
] Gemahlinn; 54 die zarten Rinden [statt birken] hier | Die Bir-
cken
[statt fichten] lassen ... u.s.w.

Weitere Abdrucke der Hercinie finden sich in den Werk-Ausga-
ben von 1645 und 1689 (1690); diese halten sich an den Wortlaut von
F II. Bei Bodmer und Breitinger (1745) geht dem Werk selbst eine
längere kritische Untersuchung voraus, S. 519–29, in der die
Schweizer das Wunderbare der Hexenszene herausstellen und be-
dauern, daß Opitz sich nicht eingehender mit der Gestalt des Berg-
geistes Rübezahl befaßt habe. Die spärlichen Anmerkungen regi-
strieren die Abweichungen in F und bringen einige Erklärungen zu
Personen und Sachen.

Triller (1746) erwähnt in seiner charakteristisch gönnerhaften
Weise mancherlei Quellen und Vorlagen, besonders aus der klassi-
schen Literatur. Tittmann (1869) wie Oesterley in der DNL (1889)
läßt die Widmung weg. Für die Ausgabe bei Reclam, Stuttgart 1969,
ist Peter Rusterholz verantwortlich; sein Nachwort verdient beach-
tet zu werden. Der schon erwähnte photomechanische Reprint von
Karl F. Otto jr. (1976) stellt die bisher umfangreichste Ausgabe dar;
sie enthält u. a. eine Einleitung, die auch die Nachwirkung der Her-
cinie
berücksichtigt, ferner Erläuterungen, Gedichtanfänge, ein
Verzeichnis der Druckfehler u. s.w. In der Anthologie Die deutsche

[Seite 511]


Literatur, Texte und Zeugnisse, Bd. III: Barock, Beck, München
1968, S. 704, bringt Albrecht Schöne nur das Schlußgedicht »Auff
jhr klugen Pierinnen«.

In der erhaltenen Korrespondenz des Dichters findet sich nur
spärliche Auskunft über dies Werk. In einem von Breslau aus an
Buchner gerichteten Briefe vom 31. Dezember 1629 überrascht
Opitz den Wittenberger Freund durch diese Mitteilung: »Nunc au-
daciam meam vide, qui clarissimum nomen tuum meis schedis adji-
cere ausus fuit.« Die Rolle eines Sprechers in der Hercinie werde
Buchner nun nicht mehr ablegen können. Der andere Gesprächs-
partner, Nüßler, lasse grüßen. (Venator wird nicht erwähnt.) Opitz
hofft auf Buchners Verständnis: »aut enim minus recte vales, aut
minus me amas. Res est solliciti plena timoris amor«. Ende Februar
werde er über Leipzig und Hamburg nach Paris reisen. Vor dem
Tore stehe im Augenblick schon das Pferd, das ihn nach Glatz beför-
dern solle (Geiger 57).

Die Entfernung Breslau–Glatz beträgt in Luftlinie etwa 80 km,
war also zur Not und bei gutem Wetter in einem längeren Tagesritt
zu bewältigen. In der Tat ist die Widmung der Hercinie »zue auß-
gange des 1629. Jhares«, d.h., den 31. Dezember, datiert. Opitz
kann sich also ohne dichterische Freiheit dieses hervorstechenden
Datums bedient haben. Wir sind leider nicht über Tätigkeit und
Reisen von Hans Ulrich von Schaffgotsch in genügend Detail unter-
richtet, daß ein Aufenthalt in Glatz an diesem Tage verifiziert wer-
den könnte. Falls er sich in Glatz befand, hielt er sich gewiß in der
dortigen Residenz des Fürsten Heinrich Wenzel von Münsterberg
auf; dieser war gut kaiserlich gesinnt und stand auf freundschaftli-
chem Fuße mit Karl Hannibal von Dohna. Wahrscheinlich über-
reichte Opitz dort also Hans Ulrich eine Abschrift, wenn nicht schon
ein gedrucktes Exemplar der Schäfferey, wie zu Ende der Widmung
angegeben.

Bibliographische Angaben der Sekundärliteratur finden sich bei
Trunz’ Reprint von Opitz Geistliche Poemata 1638, Niemeyer, Tü-
bingen 1975, S. 36*, bei Rusterholz und Otto. Ferner zu beachten
sind: Eine Analyse von Klaus Garber in Der Locus amoenus und der
locus terribilis
, Böhlau, Köln 1974, S. 111–16, auch 18, 28 etc.;
ders. »Martin Opitz’ ›Schäferei von den Nymphe Hercinie‹ [als]
Ursprung der Prosaekloge und des Schäferromans in Deutsch-
land«, Daphnis 11 (1982), 547–603, mit außergewöhnlich vollstän-

[Seite 512]

digen bibliographischen Hinweisen in den Anmerkungen; Leonard
Forster
, »Martin Opitzens ›Schäfferey von der Nimfen Hercinie‹,
eine nicht nur arkadische Pionierarbeit« in Theatrum Europaeum,
Festschrift für Elida Szarota, Fink, München 1982, S. 241–51.
Siehe auch Gel 166–75. Einen weiteren Bericht zur Nachwirkung
liefert Anthony J. Harpers Artikel »Zur Opitz-Rezeption in Leipzig:
Eine frühe Leipziger Schäferei in der Nachfolge der ›Schäfferey von
der Nimfen Hercinie‹«, Dafnis 11 (1982), 605–12.

Die Rückseite des Titelblattes – unbeziffert – zählt als S. [2].

b


HOchwolgeborner Herr/ Gnädiger Herr vndt Obrister; Die Deut-
sche sprache/ von welcher etzliche jhare her hoffnung gewesen/
daß sie/ sonderlich durch vermittelung Poetischer schrifften/ des
eingemengten wesens der außländer ehist möchte befreyet/ vnd in
jhre alte ziehr vnd reinigkeit wiederumb eingesetzt werden/ hatt
zu jhrem vnglücke gleich eine solche zeit angetroffen/ da nicht die
gewalt der waffen/ die auff landt vndt leute vndt nicht auff bestrei-
tung der wißenschafft angesehen/ sondern die menschen aller tu-
gendt dermaßen gehäßig sindt/ daß guete gemüter/ so hierbey das
e

[Seite 513]


jhrige zue thun sich vnterwunden/ nichts anders als einen theils
verachtung/ andern theils mißgunst darvon getragen haben. Die-
sem schreibet man zu tunckel/ jenem gar zue deutsch: welche be-
dencken möchten/ daß der/ den die warheit in die augen sticht/
seynes wandels vnd lebens wegen jhm nicht muße wol bewußt sein;
die andern aber/ sich nicht vber die vnverständtligkeit derer die
schreiben/ sondern vber den vnverstandt beklagen solten/ daß sie
nichts gelernet haben. Mitt denen/ welche für geben/ man
[4]
könne gleichwol der frembden wörter/ bey hofe vndt anderer ge-
legenheit/ in satzschrifften/ vnterredungen vndt auffwarten/ übel
entberen/ wil ich es fast darumb halten/ daß sich zue besorgen/
solte man die Welschen vndt Frantzösischen sachen alle außmu-
stern/ so würden beydes jhre hochgefährliche reisen zue lande
vndt see/ die zue erlernung der sprachen fürnemlich gerichtet ge-
wesen/ den grössesten theil jhres nutzens nicht erlangen/ vndt
dann jhr ansehen/ daß nemlich auff einwerffung solcher höfflig-
keiten nicht wenig beruhet/ vmb ein merckliches geschmälert
werden.

Etzliche vernichten die Poeterey gar miteinander: die als leute
von keiner vernunfft/ auch keiner antwort würdig sindt. Etzliche/
vndt diese die klügesten/ gestehen zwar/ daß hierdurch die spra-
che mercklich verbeßert/ die beredtsamkeit in schwang gebracht/
vndt viel guetes herfür gesucht werde; sagen aber/ es geschehe
doch nicht ohn verletzung der alten einfalt/ vndt deutschen fro-
men sitten: weil in dieser art büchern gleichwol nicht wenig zue
finden sey/ daß ärgerniß zue vermeiden wol köndte nach bleiben.
Wie nun freylich zue wündtschen were/ daß edele gemüter jhre
stattliche beschaffenheiten lieber an sonst etwas/ als eine vndt an-
dere außschreitung verwenden vndt anlegen wolten/ so mußen wir
doch auch gestehen/ daß eben in solchen weltlichen schrifften
f g h i j k l

[Seite 514]


(der heiligen lobgesänge/ der bücher von Kriegesthaten vndt frie-
denskünsten/ der glückwündtschungen/ der trostgetichte/ der na-
turbeschreibungen/ vndt was dergleichen ist/ zue geschweigen)
viel herrliche exempel/ lehren vndt vnterweisungen herfür leuch-
ten/ vmb derer willen – man wol ein auge zuedrucken/ vndt einen
solchen dornstrauch/ angesehen daß er viel liebliche rosen tregt/
vnaußgerottet laßen kan. Dieses Buch/ Gnädiger Herr/ wie es dem
ersten ansehen nach auch mitt einer vberbleibung der jugendt be-
kleidet zue sein scheinet; also
[5] wirdt es in der that viel ein an
ders erweisen/ wann es jhm zuevor durch erwehnung einer liebe/
die ich füglicher mir/ wiewol sie mir niemals in den sinn ist kom-
men/ als einem andern antichten wollen/ die liebe des lesers (weil
man ie heutiges tages der eitelkeit so gern augen vndt hertze gön-
net) wirdt erbuhlet haben. Der jnnhalt beruhet kürtzlich darauff:
Es befinden sich bey anbrechen der morgenröthe drey gelehrte
Poeten/ von denen der eine dem Hochfürstlichen Hause Lignitz
vndt Briegk nicht weniger als ich verbunden/ vndt E. Gn. wol be-
kandt ist/ nebenst mir/ der ich mehr den namen als das verdienst
habe/ vmb die lustigen berge/ wälder vndt wiesen so E. Gn. gehö-
rig sindt/ reden vnter gestalt der hirten (wie vorzeiten Theocritusm/
Virgiliusn/ Nemesianuso/ Calpurniusp/ heutiges tages Sannazar
q/ r s t
[Seite 515]


Balthasar Castilionu/ Laurentz Gambarav/ Ritter Sidneyw/
Der von Vrfex vndt andere/ gethan haben) von tugendt/ von rei-
sen vndt dergleichen so lange/ biß sie vnter dem Riesengefilde
vndt Flintzberge an der lustigen bach des Zackens auff die werthe
Nimfe Herciniey treffen/ welche jhnen in den hölen vnd klüfften
der erden die vrsprünge der flüße hiesiger gegendt/ jhre vndt
jhrer schwestern gemächer vndt lustige grotten höfflich zeiget/
für allen dingen aber E. Gn. vndt derselbten hochrhümlichen Vor-
fahren thaten vndt gedächtniß entwirfft vnd zeiget. Hierauff sie
nach enturlaubung sich selbiger orten weiter vmbsehen/ vndt
nechst anderem verlauffe/ auch betrachtung des Warmen Brun-
nens/ welchen E. Gn. newlicher zeit durch jhren artlichen baw
noch angenemer gemacht hatt/ mitt dem tage vndt abschiede der
Sonnen jhre vnterredung beschließen. Wie ich die erfindung an
seinem ort/ vndt dem vrtheile des Lesers anheimgestellet sein
laße; also wirdt sie doch zum wenigsten anderen/ denen beßere
gaben vndt mehr zeit als mir verlihen sindt/ hoffentlich anlaß rei-
chen/ vnsere sprache/
[6] darinnen sich vormals keiner derglei-
chen zue erdencken/ bemühet hatt/ auch mit dieser nicht weniger
nutzbaren als lustigen art schriften mehr vndt mehr zue berei-
chern. E. Gn. belangendt/ Gnädiger Herr/ halte ich mich wol ver-
sichert/ wie von Deroselbten eine geraume zeit her ich allen gnädi-
gen willen vndt wolmeinen gespüret: also werde E. Gn. auch mei-
ner Hercinien vorwitze verzeihen/ vndt hiesige Schrifft/ so zue E.
z aa ab ac
[Seite 516]


Gn. wolverdientem lobe vndt vnsterbligkeit angesehen ist/ Ihrer
gnädigen augen würdigen/ solche auch zum wenigsten ein geringes
pfandt vndt anzeigung sein laßen/ daß/ Gnädiger Herr/ ich jeder-
zeit sey vndt verbleibe


E. Gn.

Glatz/ zue außgange
des 1629 Jhares.

gehorsamber Diener
Martin Opitz.

ad ae
af

ES lieget dißeits dem Sudetischen gefilde/ welches Böhaimb von
Schlesien trennet/ vnter dem anmutigen Riesenberge ein thal/ de-
ßen weitschweiffiger vmbkreiß einem halben zirckel gleichet/
vndt mitt vielen hohen warten/ schönen bächen/ dörffern/ maier-
höfen vndt schäffereyen erfüllet ist. Du köndtest es einen wohn-
platz aller frewden/ eine fröliche einsamkeit/ ein lusthauß der
Nimfen vndt Feldtgötter/ ein meisterstücke der Natur nennen.
Daselbst befandt ich mich/ nach dem ich die zeit zue vertreiben/
vndt meinen gedancken desto freyer nach zue hengen/ vor zweyen
tagen von einem andern orte/ welcher eben mitt diesem gebirge
gräntzet/ vndt des außgestandenen vbels wegen bey jtzo schwe-
benden jämmerlichen kriegen/ nicht vnbekandt ist/ entwiechen
war.

ai
[Seite 517]

Der Monde machte gleich mehr stunden zue den träwmen/
Der stock stundt ohne wein/ das obst war von den bäwmen/
Der strenge Nortwindt nam den püschen jhre ziehr/
Vndt auff die Wageaj tratt der Scorpionak herfür;


Mitt einem worte: Es war zue ende des Weinmonats/ als die hirten
im felde ein fewer zue machen/ vndt der ackersmann/ welcher nun
vber winter außgeseet/ seinen rock herfür zue suchen begundte.
Ich war vorige nacht auß müdigkeit beydes von sorgen vndt dem
wege so harte entschlaffen/ daß ich nicht erwachte/ biß die muter
der gestirne die Nacht verruckt war/ vndt die schöne Morgenröthe
anfieng sich vndt zuegleich alles mitt jhr zue zeigen.

Vndt kanst du dennoch/ fieng ich wieder mich selbst an/ der-
[8] maßen auff guetes vertrawen ruhen/ nach dem du zu gehor-
samben dem jenigenal/ dem du freylich das beste theil deiner wol-
farth zuedancken hast/ der dich singen letßt was du wilt/ von der-
selbten gewiechen bist/ ohn welche dich keine fröligkeit ergetzte/
vndt mitt welcher dich kein vnfall betrübete? Oder/ schläffest du
darumb/ damit sie dir/ weil du jhrer gegenwart nicht genießen
kanst/ zum minsten durch die wolthaten eines trawmes könne ge-
zeiget werden? Vnter dieser rede sprang ich auff/ vnd grüßete die
lieblichen stralen der Sonnen/ welche von den spitzen der berge
herab blincketen/ vndt mich gleichsam zue trösten schienen; wor-
über ich dann in meinung mir selber ein hertze zue machen/ auff
diese worte gerhiete:

Weil mein Verhengniß wil/ vndt lest mir nicht das glücke
Bey dir/ mein Augen trost/ zue leben nur allein/
So giebet zwar mein sinn sich mitt gedult darein/
Doch sehnt vndt wündschet er auch stündtlich sich zuerücke.
am an ao ap aq ar
[Seite 518]


5 Es ist ja lauter nichts wo diese schöne blicke/
Diß liecht das mich verblendt/ des güldnen haares schein
Das mein gemüte bindt/ diß lachen nicht kan sein/
Der mundt/ vndt alles das wormit ich mich erquicke.
Die Sonne macht mir kalt/ der tag verfinstert mich;
10 Ich geh’/ vndt weiß nicht wie; ich geh’ vndt suche dich
Wohin du nie gedenckst. was macht mein trewes lieben?
Ich seh’ vndt finde nichts; der mangel deiner ziehr
Hatt alles weg geraubt: zwey dinge sindt noch hier:
Das elendt nur/ vndt ich der ich darein vertrieben.

Aber/ sagte ich weiter/ was beschuldige ich mein Verhengniß?
fliehe ich nicht auß eigener wahl für jhr/ vndt für mir selbst? Wo-
ferren du mir meine augen/ so durch die deinigen geraubet sindt/
wiedergiebest/ verhoffe ich/ mein Liecht/ dich zue sehen/ ehe
5 noch das auge der welt die Sonne in das herzuerückende jhar se-
[9]hen wirdt. Was für ein Verhengniß aber wil ich kurtz hernach
anklagen? was für eine hülle werde ich finden/ zue bedeckung de-
ßen verbrechens/ daß ich mein Vaterlandt mitt so weit entlegenen
Provinzen vertauschen/ die meinigen sampt dem größeren theile
10 meines hertzens hinter laßen/ vndt mich in ein freywilliges elendt
verjagen wil? Es ist eine böse gewohnheit/ das wir menschen ge-
meiniglich auff das glück schelten/ welches wir vns doch auff dem
eigenen amboß unserer boßheit geschmiedet haben:as oder wollen
die zeit für gerichte laden/ die/ wann sie ie was böses begehen kan/
15 nichts ärgers thut/ alß daß sie sich uns so reichlich vndt milte ver-
leihet. Armer schäffer! Wilt du lieben/ warumb bleibst du nicht wo
du wirst geliebet? Oder gedenckest du der liebe zue entfliehen/ so
entfleuch erstlich deiner eigenen person/ vndt laß das gemüte zue
lieben daheimbe; wo du anders nicht einen krancken mitt dir füh-
20 ren/ vndt seine siecheit durch die bewegung mehr erwecken wilt.
Soll dir ie die freyheit/ welche dir von kindtheit an gefallen/ zue
theile werden/ so sey nicht allein anderswo/ sondern auch anders/
vndt segele mitt gebundenen augen vndt verstopfften ohren zue
at au av aw ax ay
[Seite 519]

der gedult dem hafen des kummers/ welche dich sampt jhrer mu-
ter der zeit in gewündtschte sicherheit setzen kan.
Mitt solchen vndt dergleichen gedancken schlug ich mich eine
lange weile/ biß ich in dem hin vndt wieder gehen nahe bey einem
5 klaren quelle/ das mitt anmutigem rauschen vndt murmeln von
einer klippen herab fiel/ zue einer glatten vndt hohen tannen kam
die mir dann bequem zue sein schiene/ ein gedächtnüß meiner
sorgen zue verwahren. Schnitte ich also auff jhre rinde nachfol-
gendts

Sonnet.

az Es ist gewagt; ich bin doch gantz entschloßen
Jetzt noch ein mal zue laßen vnser landt/
Vndt hin zue ziehn wo auch ist mordt vndt brandt/
Wo auch das feldt mitt blute wirdt begoßen.
5 Es ist gewagt; heißt aber diß genoßen
Der liebe frucht? ist diß das feste bandt
Der waren gunst? schläfft deine trewe handt?
Ist deiner lust gedächtniß gantz verfloßen?
Wo bleibet dann der mundt/ die augen/ dieses haar/
10 Vndt was sonst mehr dein trost vndt kummer war?
Was thue ich dann? ich bin selbselbst verlohren
Verlier ich sie: verbleib’ ich dann allhier
So ist doch nichts als wanckelmuth an mir:
Ich habe recht den wolff jetzt bey den ohren.
ba


Ich schnitzte noch über dem letzten worte/ als mir ein liebliches
gethöne vnterschiedener querpfeiffen vndt wolldingender music
zue ohren kam. Wiewol ich mich nun besorgete/ daß durch solche
ankunfft anderer mir meine einsamkeit/ bey der ich mir jetziger
beschaffenheit nach nicht ließ übel sein/ möchte abgestrickt wer-
den: so zwang mich doch die begiehr die jenigen zue erkennen/
welche der schönen einstimmung wegen entweder der Musen
söhne/ oder auch die Musen selbst zue sein schienen/ daß ich
bb bc bd be bf

[Seite 520]


jhrer/ weil sie sonderlich gerichts auff mich zue giengen/ erwar-
tete. Wie ein plötzliches vndt großes liecht die augen für seinem
schimmern nicht sehen leßt/ also blendete vndt verwirrete mir die
unverhoffte doch gewündtschte gegenwart der berhümbten hir-
ten/ vndt meiner vor diesem liebsten mitgesellen/ Nüßlers/ Buch-
ners vndt Venators/ hertze vndt sinnen. Seidt jhr es/ sagte ich;
oder muß auch ewer schaten mein fast erliegendes gemüte auff
zue richten an diesen ort kommen/ dahin ich nicht allein von allen
menschen/ sondern
[11] auch von allen geschäfften entwiechen
bin? Ja/ wir sindt es/ hub Venator an/ vndt ich für meine person/
habe endtlich zue wercke gerichtet/ was ich dir längst gedrewet;
auch vnserem Buchner/ wiewol er kümmerlich einen gefunden/
dem er seine herde indeßen vertrawen können/ dennoch anlaß
gegeben/ dich vndt deinen Nüßler/ der sich dir zue gefallen auch
mitt vns hieherwerts erhaben hatt/ heim zue suchen.

Hierüber empfingen wir einander sämptlich. Vndt du Bruder/
fieng ich wieder Buchnern an/ bist mir ein angenemer gast in die-
sen orten. Ich zweiffele nicht/ sagte er; aber du mir ein flüchtiger
wirth. Jetzt habe ich erfahren/ daß der jenige niergendt sey/ der
allenthalben ist.bg Es hatt seinen ort/ sagte Nüßler/ daß du dem/ der
es so gnädig mitt dir meinet/ folge zue leisten/ von den grünen
wiesen vndt fruchtbaren feldern vnserer Hauptstadt dahin gewie-
chen bist/ wo wir dich ehegestern gesucht/ vndt von dannen wir
der trifft nach hieherwerts gegangen sindt. Welche notwendigkeit
aber leget dir auff/ die zeit dermaßen absonderlich zue verschlie-
ßen/ vndt in solcher einsamkeit herumb zue wandern? Du weißest
wol/ gab ich zur antwort/ daß ein mensch der gedancken hatt/ nie-
mals weniger allein ist/ als wann er allein ist.bh Vnd was sindt es für
bi bj bk bl bm bn bo bp

[Seite 521]


gedancken? sprach Venator: solten sie wol an jener tannen ste-
hen? (dann sie hatten mir von ferren zuegesehen. ) Wie gern ich sie
auff was anders leiten wollen/ traten sie dennoch hinan/ vndt la-
sen. Zwey wiederwertige dinge/ sagte eben er Venator; lieben/
vndt reisen. Ich habe freylich gehöret/ daß du deinem Vaterlande
auff etzliche monat guete nacht geben/ vndt in dem königreiche
darauß ich newlich abgereiset binbq/ die ziehr der städte/ die
schule der leutseligkeit/ die muter der gueten sitten auff der insel
der Seyne begrüßen wilt. Es wirdt dich aber der strenge dienst/ in
dem du dich befindest/
[12] nicht weit kommen laßen. Der jenige
gab ich zur antwort/ dem ich getrewlich auff zue warten verbun-
den bin/ ist so gar mitt mir zue frieden/ daß er mir nicht allein
diesen spatzierweg zue erlauben/ sondern auch allen gnädigen
vorschub zu thun auß gewöhnlicher leutseligkeit vndt liebe gegen
mir verheißen hatt. Hieran ist kein zweiffel/ sagte er; wann ich
aber dem bawme gegenüber glauben soll/ so steckest du in einer
solchen dienstbarkeit/ welche dir dem bedüncken nach so ange-
nem ist/ daß du jhr deine freyheit/ wie hoch du sie/ vndt billich von
jugendt an gehalten hast/ willig auffopfferst. Ich lachte/ vndt Die
warheit zue bekennen/ gab ich zur antwort/ du kömpst fast auff die
meinung meines nechsten liedes. Ey laß es uns doch auch hören/
sprach er; gefelt vns der innhalt nicht/ so ergetzen vns doch die
worte. Vieleicht auch diese schwerlich/ sagte ich; dann sie nicht
wenig von der einfalt an sich haben/ welche sie loben. So ist es
auch jetzundt nicht zeit zue singen/ weil vns Gott vndt das geneigte
Glück erst zuesammen fügen. Doch dein weiteres guetachten her-
auß zue locken/ soll mich die mühe nicht rewen. Sang ich derowe-
gen/ so guet ich es gelernet/ folgender maßen:

br bs bt bu bv
[Seite 522]

Ist mein hertze gleich verliebet
In ein schlechtes mägdelein/
Die mich tröstet vndt betrübet/
Soll ich darumb vnrecht sein?
5 Liebste/ deiner Schönheit liecht
Mindert sich durch einfalt nicht.
Was das Glücke dir nicht schencket/
Das verdient doch deine ziehr/
Vndt worauff mein hertze dencket
10 Solches hast du gantz bey dir;
Was mein hertze denckt hast du/
Vndt das hertze selbst darzue.
bw Ein bestendiges gemüte/
Das auß keiner furchte weicht/
15 Sucht jhm gleichfalls ein geblüte/
Eine seele die jhm gleicht/
Sieht für allen dingen an
Trew auff die es bawen kan.
Niemandt wirdt mir vnrecht geben;
20 Hohe brunst bringt furcht vndt neid;
Deiner liebe frucht/ mein Leben/
Ist begabt mitt sicherheit/
Die ich einig mir erkiest/
Vndt mein reiches armutt ist.
25 Dich mitt rhue besitzen können
Ist mein trost vndt gantze lust:
Bleib auff deinen trewen sinnen/
Liebste/ wie du jetzundt thust;
Meine freyheit soll allein
30 Deiner liebe dienstbar sein.

Der liebe dienstbar sein/ hub Venator anbx/ heißet die liebe zum
herren haben: dann welcher dienet/ muß einen herren haben dem
er dienet. Ist jhm nicht also? Ja sagte ich. Ein herr/ redte er wei-
ter/ ist der jenige/ der das was er wil/ oder nicht wil/ zue thun oder
zue laßen macht hatt. Wirdt dich nun die liebe zue halten begeh-
ren/ die mehr einem tyrannen als einem herren ähnlich siehet/
weil sie nicht allein den leib/ sondern auch das freye theil des men-
schen das gemüte zum sclaven macht/ so schawe du/ wie es vmb
by bz

[Seite 523]


deinen vorsatz stehen wirdt. Gehe aber in dich/ vndt bedencke/ ob
du mehr vrsache hast/ diesem vnbarmhertzigen herren zue die-
nen; oder mehr vermögen/ jhn selbst dienstbar zue machen. Wann
die liebe dergleichen beschaffenheit an sich hette/ wie wir vns ein-
bilden/ vndt nicht unter jhrem scheinbaren glantze ein greifflicher
betrug steckte/ [14] so köndten wir sie für einen regenten paßiren
laßen; angesehen/ daß sie über alle furcht vndt notwendigkeit sit-
zen/ vndt jhre freyheit vnbeleidigt wißen wil. Sie verwundert sich
über kein reichthumb/ sie fürchtet keinen könig/ schewet kein ge-
richte/ vndt pfleget keinen todt zue fliehen. Sie leßt sich durch
kein fewer/ kein waßer/ keinen degen/ kein thier noch menschen /
keine hoffnung des glückes/ noch verlust der wolfarth von jhrem
vorsatze bringen. Was andere meiden das verachtet sie; vndt was
andern schwer fürkompt/ das macht sie jhr leichte. Sie schwimmet
durch die teuffe der flüße/ segelt im vngewitter/ vndt klettert über
alle berge. Sie hatt alles in jhrer gewalt/ vndt macht jhr alle gewalt
vnterwürffig. Ein herrliches wesen/ wann diß alles auß einem
muthe der tugendt/ vndt nicht auß verwegenheit/ offtmals auch
auß verzweiffelung/ herrhürete; wann jhre endtursache mitt den
vmbständen überein stimmete/ ja wann sie nicht eben die jenige
were/darüber so viel hirtengetichte schreyen/welche auff allen
schawplätzen gezeiget/vndt in allen fabeln verklaget wirdt; voll wü-
tens/voll vngedult/voll weinens vndt jammers ist. Wordurch wirdt
sie dann darzue verursacht? Durch die schönheit; wirst du sagen.
Wol; es ist natürlich/ daß ein mensch sich an natürlichen sachen
erlustige. Ich zweiffele aber sehr/ ob es mitt einer solchen Schön-
heit/ die von denen welche mitt der rechten Schönheit vnbekandt
sindt dermaßen gepriesen wirdt/ nicht eben bewandt sey wie mitt
den Egyptischen tempeln vorzeiten; die zwar an sich selber kost-
bar vndt prächtig erbawt gewesen: hettest du aber einen gott dar-
innen gesucht/ so würdest du an stat seiner etwan einen bock/ ei-
nen affen/ oder eine katze gefunden haben. Wilt du sehen was
schönheit ist/ so mußt du die augen der vernunfft zue rhate ne-
men/ vndt jhr die vnbändige begiehr der liebe/ wie das pferdt dem
zaume/ den bogen dem schützen/ das schiff dem stewerruder/ das
ca cb cc
[Seite 524]


werckzeug end-[15]lich dem meister vnterwürffig machen. Dann
wie die vernunfft ohn die liebe vnvollkommen ist; also ist die liebe
fast vnbesonnen/ wann sie der vernunfft nicht gehorchet. Dieser
gehorsamb nun ist nichts anders als der vernunfft vndt liebe ver-
mählung/ die zuegleich vndt mitteinander hitzig vnd in einem ren-
nen auff die Schönheit zue eilen. Welcher nun dieselbte in dem
leibe/ in den vmbschweiffenden augen/ gebleichten haaren/ ge-
mahlten wangen/ vndt was dem anhengig ist/ suchen wil/ der findet
eußerlich eine schnöde vergengligkeit/ ein zerbrechliches guet/
einen stündtlichen raub/ einen plitz der zuegleich leuchtet vndt
vergehet; inwendig aber offtmals wanckelmuth/ betrug/ vndt wie
etwan vnsere Poeten am besten hiervon zue reden wißen. Von de-
nen ich gleichwol einen/ deßen name aber nicht verhanden ist/
kaum loben kan/ der ein wenig zue sehr vber die schnur häwet/
vnd gar sagen darff;


Vertrawe dich der see/ dem Frawenzimmer nicht;
Dieweil kein glaß so baldt als jhre gunst zerbricht.
Kein weib ist guet/ vndt ist ja eines oder zwey/
So weiß ich nicht wie guet auß bösem worden sey.
cd



Andere sprechen:


Wer jhnen glaubt fengt windt auff mitt der handt/
Pflügt in das meer/ vndt seet in den sandt;


welche worte ich sie dann verfechten laße. Wiewol auch eine
stoltze abgeführte Dame/ (dann also nennen sie vnsere auffwar-
ter) die niergendt schöner ist als in jhrem eigenen spiegel/ offtmals
mit gleicher müntze bezahlt wirdt/ als in welcher kundtschafft sich
einheimbische vndt frembde zue spielen pflegen/ nicht liebe zue
suchen/ welche bey einem vnbestendigen weihe nur übel angeleget
ce cf cg ch

[Seite 525]


ist/ sondern sich mitt jhrem anmutigen gespreche vndt buhleri-
schen sitten zue erlüstigen. Diese aber wie klug sie auch ist/ mer-
cket doch nicht/ [16] daß jhr solche höffligkeit mehr der erget-
zung/ als liebe wegen erzeigt werde. Darumb wie sie durch jhr
tägliches auffnemen vndt tägliches verstoßen andere schertzet/
also wirdt sie von andern wieder geschertzt. Ein mal ist es gewiß/
daß eine solche liebe gemeiniglich eine arbeit des müßigganges/
eine hoffnung der vnbedachtsamkeit/ vndt darumb eine beherr-
scherinn eines knechtischen hertzens ist/ weil diese flüchtige
schönheit mehrmals mitt so vielem auffwarten/ flehen/ weinen
vndt fußfallen/ dergleichen zue thun ein edeles gemüte in reiffes
bedencken nimpt/ wil bedienet werden. Soll aber je die liebe recht
antreffen/ so muß sie die vernunfft zum gefehrten haben/ muß den
eußerlichen sinnen/ sonderlich aber den augen/ welche als zwey
vnachtsame thürhüter zum offtern allerhandt falsche meinungen
zue dem gemüte einlaßen/ den muth brechen/ vndt durch vrtheil
vndt verstandt von der außwendigen schönheit zue der inwendi-
gen/ welche durch diese angenemer gemacht wirdt/ dringen kön-
nen. Wie die blumen so an sich selber schöne sindt/ dennoch an-
mutiger zue sein scheinen/ wann sie vnter einem klaren waßer her-
für leuchten: also ist die blüte des gemütes/ wann sie mitt einem
schönen leibe vmbhüllet ist.ci So soll nun die schönheit des leibes
nichts anders sein als ein fürfechter der blüte der tugendt/ vndt als
ein heroldt einer größeren schönheit weder sie nicht ist: als wie
der glantz/ welcher sich diesen morgen von hiesigem gefilde bli-
cken ließ/ ein vorbote der güldenen Sonnen war. Wie ferner Py-
thagoras die Sonne für einen gottcj/ Anaxagoras für einen steinck
ansahe; also wirdt die schönheit anders von den begierden/ anders
von der vernunfft angesehen/ welche auch von dieser jnnerlichen
schönheit allgemach zue der jenigen steigen lernet/ die dem was
cl cm cn co cp
[Seite 526]


allenthalben ist seine schönheit verliehen hatt. Alß dann wieder-
fehret vns wie etwan menschen/ welche jhre gantze lebenszeit in
[17] einer finsteren hölen zuegebracht/ vndt an stat des liechtes
nur einen schatten der cörper vndt dinge die bey vns auff erden
sindt erkieset/ dieselbten auch für die rechten vndt warhafftigen
gehalten haben. Dann wie es vermuthlich ist/ wann sie auß dem
tunckelen an das klare liecht kommen solten/ daß sie nicht allein
alles was sie zuevor gesehen/ sondern auch sich selbst als betro-
gene leute verachten würden: also auch vnsere gemüter/ wann sie
der vergenglichen schönheit entronnen/ vndt durch die schönheit
der tugendt einen weg zue der göttlichen gefunden haben/ so fan-
gen sie jhren eitelen wahn vndt vorige thorheit von hertzen an zue
verdammen. Wie nun ein mensch in einem bilde die kunst/ vndt
nicht das bildt/ in einer pflantze die frucht/ vndt nicht die pflantze/
liebet: also mußen wir in einem schönen frawenzimmer nicht die
gestalt/ sondern/ wo sie verhanden ist/ die schönheit des gemütes/
vndt in dem gemüte die schönheit deßen von dem sie hergerhüret/
erheben vndt hochhalten. Vndt hergegen/ wie wir den vrsprung
aller schönheit über alles zue ehren schuldig sindt/ also sollen wir
seinenthalben auch die schönheit des gemütes/ vndt dieser wegen
die schönheit des leibes lieben; weil sie sich nicht weniger zuewei-
len darinnen blicken leßt/ als die edelsten flüße/ die wann sie sich
in das meer außgießen/ den vorigen süßen geschmack vndt lautere
farbe in dem gesaltzenen waßer dennoch nicht baldt verlieren.
Das übrige/ was von eitelen gedancken gesucht wirdt/ ist nicht eine
liebe/ sondern eine begier: dann die liebe siehet auff die Schön-
heit/ die begier auff die wollust/ welche wann sie herr/ vndt die
vernunfft knecht ist/ so mußt du jhr folgen/ sie befehle was sie
wolle. Kanst du aber der wollust ie nicht entberen/ so wiße daß
keine größere als ein bestendiges gemüte ist/ das mitt einem gue-
ten gewißen begleitet wirdt. Daßelbige leßt sich keine liebe/ keine
falsche lust/ keine betrübende fröligkeit/ keine [18] furchte noch
hoffnung von seinem ehrlichen vorsatze dringen. Was wilt du doch
der jenigen dienen/ welcher du zue gebieten hast? welche du mitt
dem zaume der vernunfft anhalten/ mitt der schärffe einer freyen
entschließung als eine leibeigene magdt von dir verstoßen kanst?
cq cr
[Seite 527]


Die frucht der Schönheit/ die im gemüte bestehet/ die nicht zue-
gleich mitt den zähnen wurmstichig/ mitt den haaren greiß/ mitt
der Stirnen geruntzelt/ mitt den wangen bleich/ mitt den augen
trieffendt vndt tunckel wirdt/ die mitt der zeit gewalt nichts zue
thun hatt/ dieselbte wirdt dich über landt vnd see/ durch waßer
vndt waffen/ in glück vndt wiederwertigkeit begleiten. Ist dir aber
vnmöglich der jenigen liebe zue hinterlaßen/ die vieleicht in dei-
nen augen schöner ist/ als in anderer leute/ vndt die wir drey auch
nur nicht zue kennen begehren; so kanst du bey glauben sicherer
hier bleiben; dann eine solche lust wird nur übel sein fort zue brin-
gen.

Eine stattliche rede/ mein Bruder/ sagte ich/ vndt die leichtlich
zue erkennen giebt/ in was für einer schulen/ bey was du für einem
mannecs (der allein exempels genung ist/ daß ein weißer mann
dem glücke die wage halten/ vndt dem vngestirne der zeiten gebie-
ten kan) an den trechtigen feldern des Reines/ wo die Elle vndt
Breuschect von jhm verschluckt werden/ vorwiechener zeit gele-
bet hast: deiner eigenen geschickligkeit/ welcher Apollo vndt der
himmel nichts versaget/ zue geschweigen. Es leßt sich aber der-
gleichen viel behertzter reden/ als in das werck richten. Doch ver-
hoffe ich eine solche mäßigkeit in der liebe zue treffen/ daß sie
mich an meinem fürhaben dennoch nicht verhindern soll. Wer sei-
cu cv cw cx cy cz da db

[Seite 528]

nem laster/ gab Venator zur antwort/ eine maße sucht/ ist eben als
wolle er glauben/ einer der sich von jenem gähen felsen stürtzete/
könne sich wann es jhm geliebte im herab fallen besinnen vndt
wiederhalten. Dann wie diß zue thun vnmöglich; also kan ein ver-
wirrtes [19] vndt erhitztes gemüte sich weder hinterziehen/ noch
an dem orte wo es wil verbleiben. Es weiß auch derjenige/ welcher
allbereit liebet/ so wenig mitt was maße er lieben soll; als wenig
einer/ dem man die augen außgestochen hatt/ weiß wo er hin soll
gehen.


Ich muß jhm gleichwol nicht gar hülffloß laßen/ fieng Nüßler an/
vndt bilde mir gäntzlich ein/ daß er jhm auff der Poeten art/ wel-
che/ der Natur nichts nach zue geben/ offtmals sachen erdencken/
die nie gewesen sindt/ noch sein werden/ eine liebe mache/ die er
nie in den sinn gebracht/ vndt zum theile anderer leute buhlschaff-
ten/ eitelkeiten vndt müßige vnrhue durch seine ertichtete fürbil-
den/ zum theile die einsamkeit/ darinnen er sich dieser zeit befin-
det/ lieber mitt diesem/ als mitt nichts thun erleichtern wolle.
Steckt aber auch etwas von dem anmutigen übel bey jhm/ das
vnseren standes leuten nicht vngemein ist/ so schätze ich jhn frei-
lich weniger glückselig als die jenige/ welcher er mitt seiner Poete-
rey ein vnsterbliches lob vndt gerächte vervrsachen wirdt; wiewol
das Frawenzimmer dergleichen offtmals entweder nicht verste-
het/ oder vnsere getichte lieber als vns hatt. Ich hoffe aber gäntz-
lich/ das reisen/ darzue mir bißher niemals der wille/ sondern das
glück vndt die umbstände meiner gantzen wolfahrt gemangelt ha-
ben/ werde jhm in kürtzen was anders an die handt geben.

Vndt ob ich wol/ liebster mittgeselle/ sagte er zue mir/ deine
abwesenheit kaum mitt gedultigem hertzen werde ertragen kön-
nen/ so finde ich doch nicht/ wann ich meine ergetzligkeit deinem
fromen nachsetzen wil/ was ich dir aller beschaffenheit nach beß-
sers rhaten/ oder auch wündtschen solle. Wie ein waßer das nie-
mals gereget wirdt/ endtlich anfengt zue faulen vndt stincken: also
werden auch vnsere gemüter durch vbermäßige rhue träge vndt
dc dd de df dg dh di dj

[Seite 529]


verdroßen gemacht;dk welche weil sie etwas himmlisches sindt/ so
[20] sollen sie auch billich dem himmel/ der ohn vnterlaß in bewe-
gung ist/ nachfolgen. Vndt wann du diesen großen menschen die
welt ansiehest/ was leßt darinnen vngereiset? Die Sonne vmbwan-
dert den erdenkreiß alle tage: der Monde/ vndt der gantze pöfel
des gestirnes/ haben jhre wanderschafft/ trösten durch jhr liebli-
ches anblicken die vmbschweiffenden/ vndt zeigen den jrrenden
häusern den schiffen wo sie hin sollen. Hast du nie gesehen/ wie die
see von jhrem vfer zue rechter zeit hinweg geflohen/ vndt auff
gewiße stunde allzeit ist zuerück gekehret? Die vierfüßigen thiere
lauffen von einer wildtniß in die andere; die fische steigen auß der
see in die flüße; die vögel/ welche jetzundt hauffen weise in jhr
winterquartir geflogen sindt/ werden mitt dem anbrechenden frü-
linge wieder hieher vndt zue felde kommen. Ja die gantze Natur
giebt vns anlaß zum reisen/ vndt wil vns gleichsam zeigen/ daß wir
auff ein vaterlandt gedencken sollen/ welches nicht krieget noch
bekrieget wirdt/ vndt die stete herbrige aller fromen wandersleute
ist. Zwar wir pflegen von Natur das jenige landt zue lieben/ deßen
athem wir erstlich geschöpfft/ das wir zum ersten getreten/ dem
wir vnsere kindtheit vndt aufferziehung zue dancken haben/ vndt
darinnen vns lufft/ waßer/ flüße/ äcker vndt alle gelegenheit am
besten bekandt sindt. wir reisen aber darumb/ daß wir jhm nach
vnserer zuerückkunfft/ vndt erlernung frembder völcker spra-
chen vndt sitten/ desto rhümlicher sein mögen/ vndt mitt dem was
wir auff gemerckt zue staten kommen. Dann mitt diesem bedinge/
mein Bruder/ wirst du hinweg gelaßen/ daß du/ wann der außgang
dem vorsatze überein stimmet/ vns deiner über die zeit nicht ent-
beren laßest. Anderwerts den fuß ein zue setzen/ verursacht ein
stetes verlangen nach den seinigen/ vndt gemeiniglich einen neidt
dl dm dn do dp dq dr ds dt
[Seite 530]


bey denen/ wohin wir vnseren zuestandt gepflantzt haben. Wiewol
auch nicht ohn vrsach: [21] Dann durch beföderung frembder
bleiben die einheimischen dahinden stehen; vndt wann solches
nicht mäßig geschiehet/ muß endtlich mißvertrawen/ vnrhue/
auch wol gar verenderung des allgemeinen wesens darauß erwach-
sen: welches die alten Römer wol wußtendu/ vndt heutiges tages die
klugen fischer in der Adriatischen see zimlich in acht nemen.dv Zur
Pestzeit/ wann die todtengräber in ein hauß gehen/ so kan man
leicht gedencken/ daß jemandt darinnen gestorben sey: also zei-
get die einnemung der außländer (welches aber allein von der
überhäufften menge zue verstehen ist) daß nur der gemeine nutz
in letzten zügen liegt.

Von dir wil ich mir nicht einbilden/ daß du dich eines vndt ande-
res trübes wölcklein vnsers Vaterlandes vertreiben laßest; dann du
ja auß der aschen in das fewer/ vndt an die jenigen orte geden-
ckest/ wohin das freßende wüten der waffen/ vndt die rache der
gesuchten beleidigung/ sich auß hiesigen winckeln erst recht zue
wenden/ vndt alles auff eine merckliche verenderung angesehen
zue sein scheinet.dw Ich mache mir viel mehr rechnung/ daß die
liebe der deinigen/ vndt die rhue welche dir bißher so gnädig ist
verliehen worden/ deinen fuß offtermals zuerücke ziehen/ vndt
deiner entschließung dieses vndt jenes in den weg wollen werffen.
Wie nun freylich ein freundt ein lebendiger schatz ist/ der lange
gesucht/ kaum gefunden/ vndt schwerlich verwahret wirdt: so ist
doch die vngefärbte liebe an keinen ort gebunden/ vndt jhre abwe-
senheit wirdt zum theil durch das gedächtnis voriger gesellschafft/
zum theil durch schreiben/ welches die rechten fußstapffen vndt
kennezeichen trewer gemüter sindt/ nicht wenig erträglicher ge-
dx dy dz ea eb ec ed

[Seite 531]

macht. So weiß ich auch nicht/ wie gar zue stete gemeinschafft vns
gemeiniglich zart/ vndt auch deßen überdrüßig macht/ was [22] im
leben das beste ist. Zue geschweigen/ was du auch an jenem orte
entweder allbereit für grosse berhümbte leute zu freunden hast/
oder doch bekommen wirst: welche nur zue sehen ich für ein theil
meiner glückseligkeit schätzen wolte. Ist ferner etwas dergleichen/
weßen dich Venator beschuldiget/ vndt liebest der schönheit we-
gen/ so wirdt auch solches verlangen eher verschwinden als du jetzt
vermeinen magst. Eines fuchsschwäntzers freundtschafft besteht
nicht lange/ weil die heucheley vndt anmaßung der falschen warheit
durch die zeit verzehret wirdt: wer nun der schönheit oder ziehr
wegen liebet/ der giebet nur einen schmarotzer bey dem welchen er
liebet/ vndt sindt also seine guete worte auff kein ewiges angesehen.
So mußt du auch wißen/ ob du wieder geliebet wirst/ oder nicht:
dann ich wil nicht hoffen/ daß du auß der jenigen zahl seyest/ welche
sich selbst einer gegenliebe bereden wo sie nirgendt ist/ vndt wie
jener sindt/ der jhm in seiner frölichen blödigkeit einbildete/ alle
schiffe die auß Indien segelten weren seine; gieng an den port/
frewete sich über jhrer gueten ankunfft/ hieß außladen/ und was
der narrheit mehr war: auch über diß mit seinem bruder zürnte/
daß er jhm durch die ärtzte von solcher reichen thorheit abhelffen
lassen/ vndt jhn seiner besten lust beraubet hette.ee

So bist du in aller zeiten historien vndt exempeln dermaßen
durchtrieben/ daß du wol weißest/ wie das frawenzimmer nicht
allein offtmals die wangen/ sondern auch die worte zue färben
pfleget/ vndt daß kein waßer geschwinder eintrucknet als weiber-
threnen.ef Wie ich dir ferner mitt trawrigen augen nachschawe/ so
bin ich der hoffnung/ der wahren welche du zue holen außzeuchst/
die kein Zöllner anhalten/ kein seerauber versencken/ kein fewer
verzehren kan/ ehist durch dich zue genießen. Du bist in dem al-
ter/ da die besten reisegesellen/ wahl vndt vrtheil/ mitt dir ziehen/
eg eh ei ej ek el

[Seite 532]


vndt [23] wirst nicht nach art etlicher jungen leute/ an stat der
tugendt eine nichtige wißenschafft/ einen leichten schatten der
höffligkeit vndt gueter übungen ertappen; weßen die außländer/
welchen man jhre leichtfertigkeit/ laster vndt gauckeley thewer
genung bezahlen muß/ in die faust hinein lachen. Von welcher jun-
gen purß newlich einer sagte; sie kämen jhm für/ wie wann man
etwan eine wandt ansiehet/ vndt auß tunckelen striechen vndt zü-
gen vermeinet/ als ob köpffe von thieren/ waßer vndt wälder daran
stünden/ da doch nichts dergleichen verhanden were: dann alle
gebrechen mußten in jhren augen eine tugendt sein/ also daß sie
einen hoffertigen Spanier anders nicht als ehrbahr/ einen vnver-
schämten Welschen freundtlich/ einen leichtsinnigen Frantzosen
behertzt/ einen springerischen Engelländer hurtig/ vndt einen
versoffenen Deutschen lustig vnd verträwlich zue nennen pflege-
ten. Du hast die sitten der höfe/ da so viel rauch vndt schmincke
verkaufft wirdt/ zimlich erfahren; vndt wirst wißen/ daß wie da-
selbst/ also auch auff reisen eine sparsame Zunge/ vndt ein ver-
schloßenes hertz hoch von nöthen sindt. Letzlich wann dich der
fuhrmann des leibes das gemüte/ durch so viel festungen/ städte
vndt Länder führen wirdt/ wann du augen vndt sinnen zum genü-
gen füllen/ vndt die müdigkeit des weges mitt ergetzung/ diese mitt
jener vermengen wirst/ so schawe zue/ daß du die segel deines
lebens nach dem leitsterne der vnvergängligkeit allzeit wendest/
vndt die weltlichen dinge also ansehest/ daß du betrachtest/ es be-
herrsche sie keiner nicht beßer/ als der jenige welcher sie verach-
ten kan.

Aber/ sagte Nüßler/ was halten wir vnsere gäste mitt anderen
reden auff/ weil jhnen vielleicht lieber were/ in diesen plätzen vndt
gefilden sich vmb zue schawen? Sie lißen es jhnen belieben/ satz-
ten sich zuvor etwas vnter den schatten der hohen bäwme/ vndt
[24] erzehlten von diesem vndt jenem/ was es theils in eines jegli-
chen seinem vaterlande/ theils mitt jhrem eigenen zuestande für
em en eo ep eq er es et

[Seite 533]


beschaffenheit hette. Als sie nachmals vermeinten weiter zue ge-
hen/ vndt die gelegenheit selbiger orte zue besichtigen/ kamen sie
ohn gefehr an eine schöne bach/ die mitt jhrem silbergläntzenden
waßer die augen/ vndt mitt dem lieblichen geräusche ohren vnd
sinnen ergetzete. Ein edeles flüßlein/ fieng Venator an/ vndt weil
die berge dermassen nahe sindt/ so muß es nicht weit hiervon ent-
springen. Laßt vns/ sagte Buchner/ ein wenig daran hinauff spat-
zieren. Wir waren fast an den wurtzeln des schneegebirges/ als wir
einer Nimfeeu/ die an einer frischen grotte oder höle auff den lin-
cken arm gelehnet lag/ gewahr worden/ welche mitt einem subti-
len durch scheinenden schleyer bekleidet war/ die haare/ so mitt
einem grünen krantze geziehret/ auff eine frembde art auffgebun-
den hatte/ vnd vnter der rechten handt ein geschirr von dem wei-
ßesten marmor hielte/ darauß das quell des bächleins geronnen
kam. Wiewol wir nun über dem plötzlichen anschawen nicht allein
erschracken/ sondern auch im zweiffel stunden/ ob wir stehen sol-
ten oder lauffen/ fieng doch die schöneste creatur/ oder viel mehr
göttinn/ mitt anmutiger stimme also an zue singen:

Ihr hirten/ die jhr kompt zue schawen
Die quelle/ diese berg’ vndt awen/
Ihr hirten/ lauffet nicht vor mir/
Ich bin des ortes Nimfe hier.
ev 5 Der Zacken den jhr mich seht gießen/
Der minste von den kleinen flüßen/
Führt oben silber klare flut/
Sein reiner sandt tregt goldt vndt guet.
Warumb sich freundt vndt feinde neiden/
10 Darbey könnt jhr die schaffe weiden.
ew ex ey
[Seite 534]

ez Wer goldt zue waschen erst gelehrt/
Hatt ja die menschen hoch versehrt!
fa Die götter lieben solche sinnen/
Die güldinn’ einfalt lieben können;
15 So kompt/ jhr hirten/ schawet an/
Was ich/ vndt kein mensch zeigen kan.

Wir stunden verwundert vnd bestürtzt/ weren auch auß schre-
cken zuerück gelauffen/ wann sie mich nicht mit höfflicher demut
bey der handt genommen/ vndt die andern zue folgen vermahnet
hette. Als wir in die höle hinein kamen/ sahen wir nichts für vns als
ein lauteres waßer/ das sich gegen jhr wie ein berg aufflehnete/
vnd wir also trucken hindurch giengen. Von dannen befunden wir
vns in einer fast kühlen grotte/ auß welcher nicht allein dieses wa-
ßer sämptlich gefloßen kam/ sondern auch andere ströme durch
verborgene gänge vndt adern der felsen hinauß drungen. Diß ist/
sagte sie/ die Springkammer der flüße/ darvon so viel felder be-
feuchtet/ so viel flecken vndt städte versorget werden. Diese klei-
nere bach (darauff sie dann mit jhren schneeweißen fingern zei-
gete) ist auch ein theil des Zackens an dem jhr hieher gegangen
seidt/ vndt wirdt nicht ferren von dem gebirge mitt dem andern
vermenget. Hier zur seiten sehet jhr den vrsprung des fischrei-
chen klaren Bobersfb/ der jhm in einem schattichten walde sein
thor gesucht hatt/ darauß er sich durch berg vndt thal zwinget vndt
windet/ vndt/ nach dem er bey Hirschberg den Zacken in sich ge-
schluckt/ auch etzliche städte/ darunter/ sagte sie zue mir/ dein
nicht allein dir sondern auch vns Nimfen liebes/ aber erschöpfftes
Vaterlandt ist/ begrüßet hatt/ endtlich an dem ende des landes
Schlesien seinen strom vndt namen der Oder/ dem haupte vndt
regentinn der Schlesischen flüße/ zuegleich einantwortet. Wie
dann die goldt-[26]führende wilde Katzbach/ derer brunnen
fc fd fe ff fg fh

[Seite 535]


nechst darbey herauß quillet/ nicht weit von Parchwitz derglei-
chen thut. Stracks oberhalb dieser krieget der durchbrechende
Queiß/ da zur seiten die hochfallende Aupe/ vndt/ wo jhr den glat-
ten kieß sehet/ die Iser jhren vrsprung; welcher wir zwar wenig
waßer/ dennoch aber so viel andere reiche gaben verliehen/ daß
sie den mangel des gewässers darmit wol ersetzen kan. Ich hette
aus begiehr fast angefangen zue fragen: sie aber/ die es mir am
gesichte ansahe; dieser große strom/ sprach sie/ der gerichts für
euch mitt solchem strudeln vndt prausen herauff steiget/ ist die
Elbe/ so von jhrer geburtsstat den hohen Alben die wir über vns
haben den namen bekommen hatt.

Wie wir vns nun über den seltzamen dingen der Natur verwun-
derten/ vndt den vnerschöpfften lauff der gewäßer bestürtzt in
augenschein genommen/ auch von wegen des großen gethönes
vndt rauschens der auffspringenden fluten fast das gehör verloh-
ren hatten/ gieng sie durch ein weißes thor/ welches vns von mar-
morstein zue sein bedünckte/ für vns her/ vndt; Beschawet nun/
sagte sie/ das ort/ welches für mannes augen zwar sonst verschlos-
sen ist. In diesem Erdengemache pflege ich sampt meinen schwe-
stern der Thalien/ Arethusen/ Cydippen/ Opisfi vndt den andern
die zeit zue vertreiben. Diese anmutige höle war nach art der alten
tempel zirckelrundt/ vndt in zimlicher höhe. Ringes vmbher stun-
den gefrorene cristallen säulen/ welche von der grünen bewachse-
nen erden biß an die decke reichten/ vndt mitt jhrem durchsichti-
gen glantze das gantze zimmer erleuchteten. Mitten innen saßen
die Nimfen/ alle blüende vndt jung von antlitz/ auff grünen teppi-
chen in einem kreiße vmbher/ sponnen/ stickten vndt neheten an
der subtilesten leinwadt/ hatten allerhandt liebliche gespreche/
vndt [27] erwehnete gleich damals eine/ wie die stoltze weberinn
Arachnefj der Minerven kampff angeboten; weil aber jhre arbeit
der himmlischen nicht zuegesagt/ sich selbst erhenckt habe/ vndt
nachmals in eine spinne verwandelt worden sey: daß sie nunmehr
fk

[Seite 536]


als ein beyspiel der vermeßenheit für den augen aller welt wircken
vndt weben muße. Wer seine hoffart an den vnsterblichen außla-
ßen wil/ fieng eine bräunlichte an/ so Lycorias sein solte (vnsere
begleiterinn aber hieße Herciniefl) dem bekömpt es ja allzeit
übel; vndt erzehlte wie der närrische Midasfm mitt seiner block-
pfeiffen den Apollo außgefodert/ vndt endtlich nicht allein nicht
den danck/ sondern auch gar eselsohren davon bekommen habe:
welches er zwar/ gemeinem gebrauche der menschen nach/ ver-
bergen wollen/ solches auch seinem diener zue offenbahren ver-
boten habe. Dieser aber/ dem gäntzlich zue schweigen vnmöglich
gewesen/ were zue einem schilffichten orte gegangen/ hette seine
heimligkeit den rhoren vertrawet/ die/ wann der windt daran ge-
schlagen/ nachmals alle zue schreyen angefangen: Midas hatt
eselsohren. Sie lachten/ vndt; Es mögen wol rhore sein/ fieng
eine andere an/ darmit gelehrte leute schreiben/ vndt die jenigen
für der gantzen welt zue schanden machen/ welche mitt jhrem
vnbesonnenen vrtheile von hurtigen vndt gelehrten gemütern wol
zue erkennen geben/ daß sie Midas gleichen sindt.

Nicht weit von jhnen lagen etzliche lauten/ geigen vndt andere
musicalische instrumente; auch köcher vndt pfeile/ die sie/ wann
sie nebenst den Waldtgötinnen vndt Bergnimfen sich mitt dem ge-
jägdte ergetzen/ zue gebrauchen pflegen. An der wandt waren
vnterschiedene historien mitt kleinen muschelnfn vndt kleinen
steinlein/ vndt zwar so künstlich/ eingelegt/ daß wir hinzu giengen/
[28] vndt es mehr für eines Apellensfo werck als für sonst etwas
fp fq fr fs ft fu fv

[Seite 537]


ansahen. Vnter andern stundt die geschichte/ wie der Jupiter/ wel-
chen sein Vater Saturn freßen wollen/ dem aber die Muter Rhea
einen stein in die windeln gewickelt/ vndt zue verschlucken gege-
ben habe/ von jhren der Nimfen schwestern sey erhalten/ vndt
durch einen adler bedienet worden.fw Baldt darneben/ wie andere
auß jhnen den Bacchus bey Nisa in Asien erzogen/ welche Jupiter
nachmals zur danckbarkeit hinauff genommen/ vndt zue den Hya-
den/ dem schönen gestirne/ das vns gemeiniglich regen ankündi-
get/ gemacht habe. An einem andern orte/ wie die Nimfen Erato/
Pemfredo vndt Dino dem Perseus flügel vndt tasche (welche jhm
gleichwol von den mahlern der himmlischen bilder abgestrickt
wirdt) geliehen/ durch derer hülffe er der Medusen das haupt ab-
geschlagen/ vndt endtlich die Andromeden/ der stoltzen Caßio-
peen tochter/ von dem grawsamen meerwunder erlöset.fx Ferner
wie die Syrinx/ als sie für dem Pan geflohen/ in die pfeiffe so Mer-
curius nachmals gebrauchtfy wie andere Flußnimfen von dem er-
zürnten Achelous in die Echinadischen inseln verwandelt wor-
den;fz vndt was allhier zue erzehlen nicht gelegenheit ist.

Kompt weiter/ sagte Hercinie/ vndt beschawet die wohnung
Thetisga der vnsterblichen muter der Nimfen/ wann sie durch die
verborgenen gänge des erdtreichs mitt jhren seeroßen hieher zue
fahren/ vndt vns zue besuchen pfleget. Wir giengen in begleitung
aller anderen Najaden/ denen die gelben haare vmb den zarten
halß vndt brüste/ vndt die dünnegewebten mäntel vmb jhre bloße
leiber flogen/ durch eine ärtzinne pforte/ vndt kamen in einen
köstlichen saal von großer länge vndt breite. Der boden war an
gb gc gd ge gf

[Seite 538]


sich selbst cristallinn/ vndt mitt allerhandt schlangen/ fischen vndt
meer wundern von anderer art berhümbten steinen dermaßen
eingefü-[29]get/ daß wir im ersten anschawen fast nicht trawen
vndt aufftreten wolten; deßen dann die Nimfen mitt einem süßen
anblicke sämptlich lachten. An der gewölbeten decke/ die mitt
blawen lazursteinen über vnd über belegt war/ vnd durch welche
auß zweyen runden cristallinnen fenstern der anmutige tag den
gantzen platz von oben her beleuchtete/ schiene nicht weniger von
eben dieser köstlichen arbeit das geflügel als in den wolcken her-
umb schweben/ vndt mangelte/ vnsers bedünckens/ nichts als die
stimme. Auff beyden seiten stunden in gleicher zahl vndt abthei-
lung seßel von agsteine/ deren einer vmb den andern roth oder
gelbe war. Hinten/ wie auch gegen der föderthür zue/ waren zwey
vergüldete altare/ auff deren einem dem großen Ocean/ auff dem
andern der Thetis geopffert wardt. Nicht weit von einem jeglichen
sprungen auß zweien weiten silbernen becken oder schalen/ so
ingleichen von silbernen Sirenen gehalten worden/ sehr anmutige
quelle/ die eine blancke metalline kugel in die höhe trieben/ vndt
darmit spieleten; auch gleich wieder herab fielen/ vndt von sich
selbst verschluckt vndt stets wiederumb auffgestoßen worden. In
der mitten war eine lange tafel von polirtem steine/ an welche The-
tis mitt jhnen speise vndt tranck zue nemen pfleget.

Ihr hirten/ fieng Hercinie an/ wir wißen was der himmel vndt die
Musen euch verliehen/ vndt mitt was für begiehr der wissenschafft
jhr behafftet seidt. So laßet euch nun/ indeßen das meine Schwe-
stern den Vnsterblichen jhren dienst erzeigen/ vnd jhr gebürliches
opffer fürtragen/ von mir zeigen/ was die gemelde vnd schrifften
an den wänden allhier in sich halten. Wißet/ sagte sie ferner/ daß
alles was jhr biß anher gesehen vndt noch sehen werdet/ inheimi-
sche außbeute/ in diesen gründen geseiffetgg/ in diesen wäßern
gh gi gj gk gl

[Seite 539]


gewaschen/ hier gefunden vndt gearbeitet sey. Der weiße [30]
chalcedonier/ der schwartze cristall/ der violbraune amethist/ der
blawe saffir/ der striemichte jaspis/ die tunckelrothen granaten/
der fleischfarbene carniol/ der rothgelbe gifftfeindtgm der hya-
cinth/ der gelbichte beryll/ der vielfärbichte achat/ der gelbe topa-
zier/ welchen jhr in der handt jenes adlers (vndt zeigte einen adler
an der decken darauff Ganymedes saß) als einen plitz fünckeln
sehet/ der helle demant/ sindt alle hier zue hause. Diese perlen/
dieses silber/ diß goldt ist in flötzen vndt quärtzen/ flämmicht vndt
körnicht in hiesigen reichen gefilden vndt gegenden an zue tref-
fen; des zinnes/ kupffers/ eisens/ glases vndt allen deßen was die
magdt des höchsten Gottes vndt die gütige muter der menschen
die Natur sonst gebiehret/ zue geschweigen. Hiermit führte sie vns
erstlich wiederumb der pforten zue/ darüber folgende reime stun-
den:

Ihr blinden sterblichen/ was zieht jhr vndt verreist
In beydes Indien? was wagt jhr seel vndt geist
Für jhren knecht den leib? jhr holet krieg vndt streit/
Bringt auß der newen welt auch eine weltvoll leidt.
5 Ihr pflügt die wilde see/ vergeßet ewer landt/
Sucht goldt das eisern macht/ vndt habt es bey der handt.
Den demant findet kaum der schwartze Moor so weiß/
Der jaspis ist vns schlecht/ die perlen tregt der Queiß.
Hieher mensch/ die Natur/ die Erde ruffet dir:
10 Wohin? nach guete: bleib: warumb? du hast es hier.

Nechst diesen Versen/ die in eine schwartze steinerne platten
gehawen waren/ folgeten auff der einen seiten viel historien vndt
bilder von erschaffung der welt; von der güldenen/ silbernen/ irr-
denen vndt letzlich eisernen zeit; von den himmelstürmerischen
gn go gp gq gr gs gt

[Seite 540]


Giganten; der überschwemmung des erdtbodens; alles in der ord-
nung wie es Hesiodusgu/ Apollodorusgv/ Hyginusgw vndt andere/
sonderlich der sinnreicheste vnter allen Poeten in seinen verwan-
delungsbüch-[31]erngx (darumb es allhier zue wiederholen vnnö-
tig ist) verzeichnet haben. Auff der andern seiten stundt erstlich
eine landttafel/ darinnen vnterschiedene berge/ schlößer/ flüße
vndt felder zue sehen waren. Dieses/ sagte sie/ ist die gelegenheit
hiesiger orte/ deren größestes theil von langer zeit her die edelen
Schaffgotschen/ weßen geschlechtes verlauff jhr in folgenden ge-
melden vndt schrifften biß auff jetzigen werthen helden vernemen
sollet/ beherrschen. Ihr vhraltes geblüte/ jhre tugendt/ jhre löbli-
che thaten/ vndt sonderlich die stille rhue/ welcher wir vnter jhnen
als gleichsam schutzgöttern bißanhero genoßen/ hatt verdienet/
jhnen bey vns allhier diß gedächtniß auff zue richten. Damit ich
aber euch/ als denen so zue nachsuchung der alten zeiten sonderli-
che lust tragen/ etwas außführung thue/ so wißet daß wie hiesiges
hohe risengefilde/ hiesiger flintzberggy vndt schneegebirge an-
fänglich von natürlichen erbursprünglichen deutschen/ den Mar-
comannen
gz/ Marsingernha vndt dergleichen bewohnt/ also auch
von jhnen zueweilen der Hartz oder Hercinische waldthb/ darvon
ich heiße/ zueweilen das Sudeten oder Sudödenhc gebirge sey ge-
hd he hf
[Seite 541]

nennt worden: biß die Sarmatischen Windenhg (nicht die Wandali-
schen Völcker) jhre Vistul oder Weixel überschritten/ vndt sich
dieser vndt anderer lande bemächtigt haben. Daß aber dennoch
allzeit etwas von Deutschen übrig verblieben sey/ könnet jhr dan-
nenher von euch selbst schließen/ daß der name Bömenhh/ wel-
cher allbereit vor anderthalb tausendt jharen vndt viel zeiten vor
der Winden einfall berhümbt gewesen/ noch heutiges tages nicht
verloschen ist; wie dann auch ein theil dieser berge die Alpehi oder
Elbe vndt dergleichen/ bey jhren ältern wörtern biß anjetzo ver-
blieben sindt. Hetten ewere Deutschen mit solchem fleiße denck-
würdige große thaten auffschreiben/ als verrichten können/ oder
die blutigen kriege für etzlichen hundert jharen [32] mitt den leu-
ten nicht auch zuegleich das gedächtniß derselbten vndt alle ge-
schickligkeit außgerottethj/ so köndte der edelen Schoffe (dann
also worden sie vormals genennet) werther name/ vndt die tapffer-
keit welche sie zue beschützung des vaterlandes angewendet/ euch
mehr vor augen gestellet werden: bey vns haben wir jhren rhum
allein von der zeit auffgemercket/ seidt vnsere bäche vnter jhrem
schirme ruhig gefloßen/ vndt sie besitzer der orte/ die zum theile
hier entworffen stehen/ gewesen sindt.

Hierüber trat sie fort/ vndt; Dieser/ sagte sie/ welchen jhr in
gantzem küriß stehen sehet/ ist der frey werthe heldt Gothardt/
oder/ wie damals den alten zue reden beliebet hatt/ Gotsche
hk hl hm hn

[Seite 542]


Schoffho/ der seinen kindeskindern mitt dem größeren lobe vndt
auffnemen auch seinen namen/ deßen sie sich sämptlich rhümen/
übergeben hatt. Wir wißen nicht anders/ als daß sein vater Vlrich
Schoff geheißen/ vndt fast für dreyhundert jharen Burggraff zue
Kinsberghp gewesen sey. Edele Nimfe/ fieng ich an/ wann ein
mensch eine göttin zue fragen macht hatt/ warumb daß seine
rechte faust gleichsam blutig abgebildet ist? Vor Erfurthq/ gab sie
zur antwort/ hielte er sich bey gelegenheit eines außfalles so wol/
das jhn der Feldherr/ keyser Carl der vierdte/ alßbaldt für sich
fodern ließ/ jhm seine wolverdiente gnade persönlich an zue tra-
gen/ vndt die handt zue bieten. Er aber/ der vom würgen der
feinde erst zurück gekehret/ hatt die blutigen finger an seine
blancke rüstung gewischt/ vndt also den Keyser mitt dieser wer-
then faust geehret; welcher jhn dann zum ritter geschlagen/ vndt
das hochadliche wapen mit vier rothen striechen deßentwegen ge-
ziehret hatthr/ daß seine nachkommenen nicht allein wißen möch-
ten/ wie jhr adel/ der vor alter von trefflichen thaten hergerhüret/
ingleichen von trefflichen thaten vermehrt worden sey: sondern
auch durch dieses zeichen als einen leb-[33]hafftigen zunder zue
dergleichen solten angeregt/ vndt auffgemuntert werden. Wan-
nenher aber ist der grüne bawmhs in eben diesem wapen? fragte
ht hu hv hw
[Seite 543]


ich. Der sieghaffte Bolcohx/ sagte sie/ Hertzog zur Schweidnitz
vndt Jawer/ deßen bruders tochter Carl der vierdte zur ehe hatte/
liebte jetzt erwehnten Gothardt Schoff seinen waffenträger des
löblichen verhaltens vndt vieler hohen tugenden wegen derma-
ßen/ daß er jhm hiesigen riesenberg/ die trächtige Iser sampt an-
gräntzenden böhaimbischen walde/ das birgguet Schmiedeberghy
neben aller zuegehör/ wie auch das feste schloß oder berghauß
Kinasthz/ auß fürstlicher miltigkeit zue erbeigen übergab vndt ver-
ehrete; darumb dann der Kieferbawm oder Kinast zue dem vhral-
ten wapen ist gezogen worden. Mitt Friedeberg aber/ das jhr in der
tafel gegen dem gebirge zue am Queiße liegen sehet/ wie auch mitt
der stadt Greiffenbergia/ welche der himmlischen weberinn Mi-
nerven dermaßen lieb ist/ vndt der festung oder dem berghause
Greiffenstein/ so hertzog Boleslaus der Heiligen Hedwigen Sohnes
Sohn erbawet/ hatt jhn vorbemeldeter Keyser beschencket; daß
also die besitzung hiesiger orte ein lauteres verdienst der tugendt
ist.
ib

Allerschöneste Nimfeic/ sagte Nüßler/ wir müßen gleichwol die
reime darbey vngelesen nicht laßen. Sie stellete es vns anheim/
vndt gab so viel zueverstehen/ sie weren darumb eingehawen. Rit-
ters Gotschen überschifft war diese:

id ie
[Seite 544]

Ich werde recht von dir mein werther stamm geehret/
Weil ich dir namen/ rhum vndt wapen hoch vermehret;
Die roten striche hatt kein geldt noch gunst erdacht/
Der Keyser hatt sie nur gelobt/ der feindt gemacht.



Vnter dem wapen neben seiner tafel:


if Schaw hier den edlen schildt als ie der tag beschienen:
Was zeigt der frische bawm? die tugendt muß stets grünen:
Vndt was das schaff? ein mensch soll guet vndt guetig sein;
Das blut? wo guet nicht hilfft/ schlag mitt der faust darein.



Nachfolgende drey/ redte Hercinie ferner/ sindt ritter Got-
hardts Söhne. Der erste zur rechten handt eben des namens; de-
ßen drey Söhne/ Vlrich/ Gotsche vndt Hans/ welcher fast für an-
derthalb hundert jharen gestorben/ gleich vnter jhm sindt. Der
dritte/ so zur lincken/ Henrich oder Hentze Schoff auff Kemnitz/
deßen zwey Söhne/ Henrich vndt Peter/ auch vnter jhm stehen.
Der andere/ in der mitten/ ist Hans Schoffgotsche auff Kinast/ den
wir in seinen nachkommenen noch anietzo blühen vnd wachsen
sehen. Die sechse/ wie jhr sie ordentlich nacheinander allhier ge-
setzt findet/ sindt seine Söhne. Der ältere ist Christoff/ den ein
anderer edelmann wenig adelich vnversehens erschossen hatt.
Der andere Ernst des namens/ welcher darumb ein zuesammen
gerolltes schreiben in der faust hatt/ weil er der Fürstenthümber
Schweidnitz vndt Jawer Cantzler gewesen; wie dann solche Cant-
zelley nebenst dem ampte des Hoffrichtersig zur Schweidnitz/ von
etzlichen hundert jharen an den Herren Schaffgotschen eigen-
thümblich hatt zuegehört. Der dritte ist Jeronymus der blödtsin-
nige. Der vierdte Antonius. Er siehet schwartz auß; sagte einer
von vns. Man hatt jhn auch/ gab Hercinie zur antwort/ wie er sich
dann selbst/ den Reppelgotschenih geheißen/ ist ein statlicher
mann/ vndt mitt einer gebornen Freyinn von Schumburg vermählt
gewesen. Der fünffte Caspar. Der letzte Vlrich/ ein streitbarer
mann/ der mitt seiner strengen faust die ritterschafft auff der
ii

[Seite 545]


Buntzlischen heidenij gewonnen; wie auff seinem schwerdte/ das
noch verhanden/ zu lesen ist. Doch besagt es auch die über-
schrifft:


ik Des ritters rhüm ich mich/ dieweil ich obgesieget:
Ich bin kein kriegesmann der niemals hatt gekrieget/
Kein ritter ohne feindt/ kein reuter ohne pferdt;
Wer von mir wißen wil/ der frage noch mein schwerdt.


Wie nun Christoff/ Jeronymus vndt Ernst leibeserben nicht ge-
laßen; also sehet jhr vnter einem ieglichen der andern jhre Söhne.
Des Antons sindt Friedrich/ Ernst/ Vlrich/ Ritter Anton/ welcher
mitt einer ketten vmb die armen abgebildet/ weil er von den Sara-
cenen gefangen/ an den pflug gespannet vndt sehr übel gehalten
worden/ wiewol er endtlich in seinem Vaterlande verschieden; Rit-
ter Hans Kayserlicher Rhat vnd Cämmerer/ vndt Bernhard auff
Rurlach; deren kindeskinder theils noch bey leben. Vber dem An-
ton waren diese worte eingegraben:


Ich wardt gefangen zwar/ vndt habe viel erlitten/
Du wilder Saracen/ nach dem ich dich bestritten:
Doch was dann hast du jetzt von mir in deiner handt?
Der himmel hatt den geist/ den leib das Vaterlandt.


Caspar/ redete Hercinie weiter/ wie jhr sehet/ hatt fünff Söhne
hinterlaßen: Watzlawen/ der jhm durch reisen vndt geschicklig-
keit großes ansehen gemacht/ Hansen/ Christoffen/ Casparn (de-
ßen einiger Sohn Adam/ Freyherr auff Trachenberg vndt Prauß-
nitz/ wiewol er zwey gemahlinn/ deren die letzte eine Gräffinn war/
gehabt/ ohn erben gestorben ist) vndt Balthasern/ der vier Söhne
erzeuget: wie dann der letzte ritterliche heldt Vlrich der fast vier-
zig jhar über die Fürstenthümber Schweidtnitz vndt Jawer Haupt-
mann gewesen/ vndt in die neunzig jhar alt worden/ Wolffen vndt
Hansen erzeuget/ deßen Wolffens Sohnes Sohn Vlrich oder Vdal-
il im in io ip

[Seite 546]

rich (vielmehr Adelreich) zu seiner Vorfahren thaten auch die
liebe der weißheit gebracht/ vndt einen artli-[36] chen Poeten ge-
geben hatt; wie er selbst von sich redendt allhier eingeführt wirdt:


Soll ich mich schämen dann des namens der Poeten?
Ist kunst vndt wißenschafft dem adel nicht von nöthen?
Standt blüet durch verstandt: hett ich nicht standt gehabt/
So hette mich verstandt mitt adel doch begabt.


Obberhürte vier des Herrn Balthasars Söhne/ Freyherren/
sindt der zur rechten Herr Balthasar auff Langenaw/ der zur lin-
cken handt Herr Caspar zue Trachenberg/ der neben diesem Herr
Watzlaw auff Bernßdorff/ vndt der in der mitten oben an der in
krieges vndt friedens tugenden erfahrene Herr/ Herr Christoffiq/
vnter deßen Sohne/ dem Hoch wolgebornen Herrn/ Herrn Han-
sen Vlrichen
/ dem freyen vnverzagten helden/ dieses vorgebirge/
diese wälder vndt brunnen/ vndt wir Nimfen solcher rhue/ solchen
friedens genießen/ daß wir die angräntzenden fewer der blutigen
Bellonen/ dieses klägliche getümel der waffen biß anhero zwar
von ferren angeschawet haben vndt gehöret/ aber (welches zue
einer gueten stunden geredet sey) nie erfahren dürffen.


Hierauff schwiege die leutselige Hercinie etwas stille; ich aber
lase die reimen/ so bey Herren Christoffen seliger gedächtniß ver-
zeichnet waren:


An tugendt bin ich recht/ vndt linckisch auch/ gewesen:
Warumb? dieweil ich diß geschrieben vndt gelesen
Was thaten würdig ist/ vndt gleichfals diß gethan
Was der so thaten lobt gar wol beschreiben kan.
ir


Indeßen fragen die andern wegen der sachen die nach jhm stun-
den. Hier zue nechste/ fieng sie an/ ist seine tapffere/ hochverstän-
is it iu iv

[Seite 547]

dige gemahlinniw/ des vhralten geschlechtes der Freyherren von
Promnitz/ welcher vnsterbligkeit vndt verdienst eine größere zeit
[37] bedörffen/ als daß sie allhier können erzehlt werden. Sehet
aber jhre überschrifft:


5 Ich bin in diese welt von heldenstamme kommen/
Die ziehr der helden hatt zur ehe mich genommen/
Ein heldt der kam auß mir an dieses liechtes schein/
Wie solte dann nicht ich auch eine heldinn sein?


Von jetzigem erst gemeldeten regenten/ sagte die Nimfe/ könnet
jhr den jnhalt folgender tafeln weitleufftig vernemen. Seine hohe
beschaffenheiten/ sein verstandt in anschlägen/ sein muth im strei-
ten/ seine ritterliche thaten verdienten zwar von allen edelen ge-
mütern sinnreicher Poeten in das register der ewigkeit eingetra-
gen zue werden/ er aber/ als ein vollkommener Heldt/ ist auch mitt
solcher demut begabet/ daß er nicht gern von jhm rhümen leßt/
was doch die that vndt warheit selber redet. Was jhr aber allhier
sehet/ haben die Parcen/ Clotho/ Lachesis vndt Atropos/ als sie
jhm auff befehl des himmels die faden des lebens gesponnen/ ein-
helliglich gesungen/ vndt mitt buchstaben von demant dem roste
der zeit zuegegen in diesen schwartzen cristall versetzt. Wir ver-
wunderten vns nicht so sehr über der menge der edelen gesteine/
als über der fürtrefflichen arbeit/ welche von solcher kunst vndt
schönheit war/ das wir wol abnemen kundten/ menschen hände
würden dergleichen nach zue thun sich vmbsunst bemühet haben.
Das getichte aber vndt weißagung der Parcen waren von worte zue
worte diese:


Brich an/ du schöner tag/ vndt komm/ du edles kindt/
Dem götter/ vndt das hauß der götter günstig sindt/
Der himmel/ vndt auch wir. wir haben zwar gewunden
Ein garn/ ein weißes garn zue seines lebens stunden;
5 Wo ist die farbe hin? die faden werden goldt.
Brich an tag/ komm o kindt! die götter sindt dir holdt/
ix Ihr himmel/ vndt wir auch: sie wollen dich begaben/
Dir schencken diß was viel wol wündtschen/ wenig haben;
iy iz ja jb
[Seite 548]


Mars seinen großen muth/ vndt Jupiter verstandt.
10 Komm an/ dein güldnes garn das wächst vns in der handt/
Vndt spinnt sich selber auff. schaw hier die schönen blicke
Der heldinn welche dich mitt solchem gueten glücke
Der liechten Sonnen zeigt/ der heldinn die jetzt dir
Das leben/ vndt hernach des lebens beste ziehr
15 Die tugendt geben wirdt. du wirst zwar waise werden
Durch deines Vatern todt/ der kürtzlich dieser erden
Soll geben guete nacht/ wie vnser buch vermag;
Doch die durch welche du gebracht wirst an den tag
Wirdt nicht nur muter sein/ wirdt auch mitt vatersinnen
20 Zur waren tugendt lust dich baldt gewehnen können/
Dir zeigen einen weg wohin der gehen soll/
Stracks wann er gehen lernt/ der edlen lobes voll
Will brechen durch die zeit. du wirst für allen dingen
Auff jhrem arme noch am liebsten hören klingen
25 Die trummel vndt trompet/ wirst reißen mitt der handt
Auff einen degen zue/ der etwan an der wandt
Mag auffgehencket sein. das mittel dich zue schweigen
Wirdt sein ein blanckes helm/ ein schönes roß zue zeigen/
Die lantz’ vndt rennebahn. ein solches tocken spiel
30 Liebt erstlich baldt ein kindt das nicht versawern wil
In seiner muter schoß. wann dann zue deinen tagen
Die sprache kommen wirdt/ wo wirst du lernen fragen
Nach dem was ritterschaft vndt lob der ahnen ziehrt;
Wirst werden zue der lust der weißheit angeführt/
35 Kein feindt der bücher sein. wirst Rom begierig hören
In jhrer sprache selbst/ dich laßen von jhr lehren
Durch was für witz/ vndt krafft sie jhr die gantze welt/
Was Titan überscheint/ zun fußen hatt gefellt.
jc Es wirdt von tapfferkeit/ von strengem kriegeswesen
40 Dir Leipzig/ Tübingen vndt Altorffjd weiter lesen/
je jf jg jh ji jj jk jl jm jn jo
[Seite 549]


Vndt sagen/ daß ein heldt der große thaten liebt/
Den thaten noch mehr schein durch kunst vndt klugheit giebt.
Biß daß der hohe sinn dich vber berge treget/
Wo freyheit jhren grundt tieff in die see geleget
45 Von langen zeiten an/ vndt Nereusjp eine Stadt/
Die aber länder zwingt/ zue seinem weibe hatt.
Dann wirst du nechst darbey ein gast Antenorsjq werden/
So lange Cynthiajr sechs mal den kreiß der erden
Mitt gantzem liechte füllt: du wirst hier deinen standt/
50 Dein edles ritterblut/ auch zeigen mitt der handt/
Die offtmals sagen muß was mancher führt im hertzen;
Wirst kunst zur mannheit thun/ vndt mitt dem degen schertzen/
Inkünfftig ernst zue sein; wirst legen deine zeit/
Die zeit so güldinn ist/ an güldne tapfferkeit/
55 An sprachen vndt verstandt. wirst hin nach Rom verreisen/
Vndt an den Tiberstrom daselbst dir laßen weisen
Wo Rom gewesen sey: hier stundt die ziehr der welt/
Wirdt sprechen wer dich führt;js hier war der tugendt feldt/
Das ort von dem sich ließ der erdenkreiß beschönen.
60 Auff dieses solt du sehn die muter der Sirenen/
Der welt Sirene selbst;jt vndt Bajasju/ vndt jhr badt/
Was Cumajv/ was Puzoljw für lust vndt wunder hatt/
Der schawplatz der natur. dich wirdt zue roße setzen
jx Das blüende Florentz; es soll sich selbst ergetzen
65 Der weißen Nimfen schar am hohen Apennin/
Wann deine freye faust des pferdes stoltzen sinn
jy jz ka kb kc kd
[Seite 550]


Wirdt brechen durch den zaum/ baldt sicher laßen fliegen
Mitt schäumender begier/ den winden ob zue siegen.
Dann leßest du die flut der see dich nach Meßanke/
70 Von hier nach Malta zue/ von Malta auff Drapan
kf Den Lilibeer port mitt vollem segel tragen/
Darffst gegen Africa nach Tunis zue dich wagen/
Machst die Tyrrhener see dir weit vndt breit bekandt/
Biß Napolis dich setzt noch ein mal an sein landt/
75 Das reiche Napolis/ vndt dann auff Pisa sendet/
Diß wieder nach Florentz/ wo zwar der weg sich endet/
Nicht aber auch der fleiß; du wirst auffs newe hier
Die gantze sommers zeit vermehren deine ziehr
Durch sprachen vndt verstandt. hierauff nach Luca ziehen/
80 Von dar nach Genua wo krieg vndt friede blühen/
Vndt auff Minerven Stadt das künstliche Milankg/
Vndt was die tafel hier sonst mehr nicht faßen kan:
Biß endtlich Spanien dir in den sinn wirdt kommenkh/
Das nunmehr beydes hauß der Sonnenki eingenommen/
85 Vndt jhm verbunden hatt: dein weg soll Franckreich sein/
Der sitten meisterinn/ der künste liecht vndt schein/
An vieh vndt leuten reich/ das weit vndt breit beschloßen
Mitt starcken klippen steht/ mitt wäßern gantz vmbfloßen;
Verwahret mitt der see. du wirst durch Delfinat
kj 90 Hin auff Marsilienkk/ von da auff Arelatkl/
Vndt ferner an den fuß der schneeichten Pirenen/
Die jhre spitzen fast biß an die wolcken lehnen/
Wo du begrüßen solt zum ersten Arragon/
Vndt dann nicht ohn gefahr das stoltze Barcelon/
km
[Seite 551]


95 Tortosa vndt Sagunt berhümbt vom hungerleidenkn/
Die Königinn Valentz/ wo Duriako viel weiden/
Viel blumen/ graß vndt waldt umb seine ströme hegt/
Biß dich ein langer weg hin nach Toledokp/ tregt/
Von dannen nach Madridkq/ auß denen jenes eisen
100 Vndt stahl/ diß weißheit hatt. dann wirst du rückwerts reisen
Da wo der Iber fleußt auff Saragosa hin/
Vndt auß der Sonnen brunst in beßer wetter ziehn.
kr Wie nun dir Spanien gegeben witz zue hören
Vndt schweigen/ also wirdt dich Franckreich reden lehren/
105 Der außzug aller lust/ der edlen demut landt/
In welcher jederman geehrt wirdt vndt bekandt
Der tugendt leiden kan. die erste rhue vndt wonne
Das wirdt Tolosaks sein am strande der Garonne;
Auff diese Bordeaux; Roschellekt nechst nach jhr/
110 Das Mars liebt vndt Neptun; hierauff der Musen ziehr [flüßenku
Vndt künstmarcktkv Poictiers: dann wirst du sampt den
Der gelben Loir Angiers/ vndt Tours/ vndt Blois begrüßen/
Nicht minder Orleans das Bacchuskw also liebt/
Vndt dem Mercurkx das lob der reinen sprache giebt.
115 Wo laßen wir Paris? hier wirst du auch verbleibenky/
Wo alle weißheit wohnt/ wirst deine zeit vertreiben
kz la lb
[Seite 552]


Mitt übung die ein heldt vndt ritter haben muß.
Nach Franckreich/ wann du nun der stoltzen Seyne fluß/
Den faulen gang der Arlc/ des Rhodans schnelles fliehen
120 Gesehn hast/ wirst du dann auch an die Temse ziehen
Dem wolgebawten strom/ beschawen Engellandt/
Das durch den Ocean von vns ist abgetranntld/
Dein rückweg sollen sein die starcken Niederlandele/
Ostende/ Brug vndt Schluys/ vndt Gendt am Scheldestrande/
125 Vndt Brüßel/ vndt was mehr des Zepters willen hört
Das gegen Ost vndt West gehorsamb wirdt geehrt/
Nicht nur von einer welt: dann seine gegen werckelf/
Die nun so lange zeit mitt großer list vndt stärcke
Sich wieder jhn gesetzt. hier halt die flügel an;
130 Hier schawe wieder heim; es ist genung gethan;
Die deinen ruffen dich/ du blum vndt ziehr der jugendt;
Sie wollen nunmehr sehn das reichthumb deiner tugendt/
Der reise newe frucht. was wirdt für wonne hier
Bey deinen quellen sein/ wann du/ jhr trost vndt ziehr/
lg An beute reicher noch als Jason heim wirst kommenlh/
136 Nach dem du alles das in augenschein genommen
Was sehens würdig ist/ vndt nicht nur feldt vndt landt
Vndt städte/ sondern auch die leute hast erkandtli
Die Phebus oder Mars begreifft in seinem orden;
140 Wann dir der Musen volck zue freunde wirdt sein worden/
Zue Londen Casaubonlj/ vndt zue Paris Thuanlk/
Zue Leiden Scaligerll/ vndt was man nennen kan
lm ln lo
[Seite 553]


Für etwan einen geist der nicht auß schlechter erden
Vom Titan ist gedreht.lp die grünen wiesen werden
145 Sich frewen vmb vndt vmb/ es wirdt thal/ pusch vndt feldt
Ein grünes kleidt anziehn/ es werden dir/ o heldt/
Die klaren bäche hier mitt lust entgegen fließen/
Die felsen höher stehn/ der Nimfen schar dich grüßen/
Der zarten Nimfen schar von dreyerley gestaltlq/
150 Als denen heilig sindt die flüße/ berg vndt waldt/
Bey welchen wir diß liedt in demant einverleiben/
Damit es von der zeit mag vnbetastet bleiben/
Mag sein ein stetes pfandt des himmels der dich liebt/
Vndt vns noch mehr befehl also zue setzen giebt:
155 Ihr schönes himmel volck/ jhr glatten Oreaden/
Du der Napeen heer/ jhr flüchtigen Dryaden/
Vndt jhr Najaden auch/ du Echo die du nicht
Was anders sagen kanst als was man zue dir spricht/
Ihr süßen Gratien/ du Paleslr/ du Diane/
160 Seidt günstig wann er hier auff einem grünen plane/
Auff ewre püsche zue/ vmb ewer edles feldt/
Bey dieser einsamkeit nach schnellem wilde stellt/
Vndt sucht ergetzt zue sein. er wirdt die wälder ziehren
Mitt seiner gegenwart/ wirdt an den wilden thieren/
165 Ein newer Hercules/ versuchen seine krafft/
Vndt diß nach dem er hatt die sorgen abgeschafft
ls Für seine leut’ vndt landt.lt man muß die arbeit mengen
Mitt einer freyen lust/ vndt auch der rhue verhengen/
lu lv lw lx
[Seite 554]


Wie selbst thut die Natur/ die nie stets winter macht/
170 Stets sommer/ oder lentz; stets regen/ oder nacht.
Dein bogen/ Delialy/ wirdt gleichfalls abgelaßen;
Es pfleget Jupiter den becher an zue faßen
Mitt eben dieser handt in der er donner tregt:
So wirdt der heldt auch thun nach dem er abgelegt
175 Des Vaterlandes last/ für welches er soll streiten
Mitt ritterlicher faust/ wann gar in kurtzen zeiten
Auch diß ort/ welches jetzt der werthe friede ziehrt/
Auff krieg ohn alle schuldt wirdt werden angeführt.lz
Als wie des windes zorn die eiche nicht kan spalten/
180 Wie eine klippe pflegt die wellen auff zue halten/
So wirdt er vnverzagt auch eine kecke schar
Den kürtzern lehren ziehn/ wirdt suchen die gefahr
Durch die er wachsen soll: jhmma wirdt der hauffe weichen/
Als wie das schöne volck der sternen muß verbleichen
185 Wann etwan Cynthia das gantze liecht bekömpt/
Vndt einen vollen glantz von jhrem bruder nimpt
Der gegenüber steht; der starcke löwe zeiget
Vmbsonst die gelbe mahn/ die Thracer leyermb schweiget/
Orion drewet schwach/ das groß’ vndt kleine thiermc
190 Schawt tunckel vmb sich her/ vndt blickt kaum halb herfür
Auß einer hellen lufft. er wirdt dem feinde weisen
Wie schlechtes glücke hatt wer hunger/ glut vndt eisen
Zue frembden leuten tregt/ vndt bringt ein armes landt
Vmb freyheit/ recht vndt heil ohn vrsach vndt verstandt.
195 Damitt er rhümlich auch mag nach dem tode leben/
So wirdt der himmel jhm viel edle zweige geben
Durch einen werthen stamm/ den du/ o heldt Piastmd/
Mitt Zepter vndt gewalt so weit erhaben hast;
me mf mg
[Seite 555]

mh Den eine göttinmi selbst zum himmel auffgeführet
200 Mitt jhrer frömigkeit; den Henrichmj hoch geziehret
Mitt blute für sein landt; dem seine grüne frucht
Kein wetter dieser zeit/ vndt keiner jhare flucht
Wirdt legen vnter sich. auch dieser heldt soll schawen
Sich selbst in seiner art/ soll schöne pflantzen bawen
205 Von aller tugendt ziehr/ die lust vndt fröligkeit
Vndt rhum jhm machen wirdt die gantze lebenszeit.
Genung; was sonst allhier ist vnverzeichnet blieben/
Das ist mitt golde doch in vnser buchmk geschrieben.

Wir hatten vns an der schönen tafel die augen/ an der weißagung
aber/ welche wir nun mehrentheils erfüllet zue sein wußten/ auch
das hertze erquickt/ vnd wünschten dem Helden solche ersprößli-
che wolfarth/ wie jhm allhier zue ende angekündigt würde. Die
andern Nimfen hatten sich vnter dem lesen alle hinauß verlohren/
Hercinie aber; Ihr hirten/ sagte sie/ so viel ist menschlichen augen
allhier zue besichtigen erlaubet/ vndt jhr werdet mitt meiner vndt
meiner schwestern anjetzo erzeigten gunst vergnüget sein. Also
führte sie vns durch ein anderes thor in eine newe höleml/ die zue
weilen so enge war daß wir fast nach der seiten durch gehen muß-
ten/ zueweilen aber viel thäler vndt berge in sich zue halten
schiene. Nach dem wir eine guete weile also gegangen waren/ ka-
men wir an einen fast heißen ort/ voll schweffelichten dampffes/
zue deßen beyden seiten ein knallen vndt prausen gleichsam eines
auffkochenden waßers/ vndt ich wußte nicht was für ein gethöne
gehöret wardt. Vns war nicht aller maßen wol bey der sache; Ich
habe/ fieng aber die Nimfe an/ euch nicht ohn vrsach an dieses ort
mm mn

[Seite 556]


geführet. Wißet daß Sicilien nicht allein Cyclopen/ vndt Theßalien
Titanen getragen hatt; es liegen allhier zweene mächtige Gigan-
ten/ welche sich eben wie jene an dem himmel zue vergreiffen
vnter-[45] standen/ vndt von den göttern vnter diese klüfften sindt
verstoßen worden. Sie haben den geschmack des schwefels noch
anjetzo nicht verlohren/ vndt riechen nach dem plitze vndt don-
ner/ darmit sie Jupiter hatt herab gestürtzt. Auß jhren rachen
lauffen starcke vndt hitzige ströme/ die dennoch auß gnädiger ver-
ordnung der Vnsterblichen zum besten der menschen gereichen/
vndt nicht weit von hier mitt zweyen heilsamen quellen in dem
gebiete jetztgemeldeten Heldens entspringen mußen. Es solte mir
auch vnschwer sein/ euch zue jhren vngehewren cörpern zue füh-
ren/ wann ewere blöde augen vndt ohren das scheutzliche anscha-
wen vndt brüllen vertragen könten. Lernet aber gleichwol/ daß die
jenigen die sich den himmel an zue tasten vermeßen/ von dem
himmel verstoßen/ vndt von der erden verschlungen werden.

Als wir nun vnter wehrendem gespreche gleichsam bergan ge-
gangen waren/ kamen wir an den außgang einer höle/ darein der
tag seine stralen mitt vollem scheine fallen ließ; Hercinie aber ver-
schwandt ehe wir es gewar worden/ vndt kam vns weiter nicht zue
gesichte. Wir wendeten vns gegen der grotten/ vndt ehrten die
Nimfe vndt den ort/ darinnen wir so/ merckliche vndt wunderbare
lachen gesehen vndt erfahren. Ob vns auch zwar die gelegenheit
des gefildes da wir herauß gegangen etwas seltzam fürkam/ so kun-
ten wir doch aller Beschaffenheit nach fast erkennen/ daß wir eben
an der andern seiten des berges/ wo wir zuevor hinein gelaßen
worden/ sein mußten/ stiegen also gemach vndt gemach gegen der
spitzen zue. Wir waren noch zimlich ferren von der höhe/ als sich
bey so lieblichem wetter dennoch ein dünner schnee sehen ließ/
der aber auff der erden alsobaldt zue tawe vndt waßer wardt. Wei-
ter hinauff war es gantz heiter vndt stille; da wir dann nachfolgen-
des gelubde in einen lindenbawm eingeschnitten funden:

mo Du geist der du allhier bewohnst den öden plan/
Du seist auch wer du wilt/ wann ich vollbringen kan
Was mein gemüte sucht durch deine kunst vndt rhat/
So wil ich dir allhier an dieser grünen stat
mp mq mr
[Seite 557]


5 Erhöhen ein altar/ darauff zur danckbarkeit
Ein opffer das du liebst soll brennen iederzeit.
Du riesenherr/ du artzt/ du berggott/ komm herfür;
Der jene so dich ehrt erwartet deiner hier.

Dieser/ fieng Nüßler an/ hatt sich auch bereden laßen/ es sey ein
Rübezalms allhier/ wie jhn die jenigen nennen/ die jhn nie gesehen
haben. Wir sindt eben auff dem rechten orte/ gab ich zur antwort/
da er sein soll/ vndt nicht ist. Ich habe gleichwol vernommen/ jhr
Schlesier/ sagte Venator/ es solle nicht gar richtig bey euch sein.
Freylich nicht/ fieng ich an; dann es liegt einer hier oben begraben
der nicht mehr lebet. Ich weiß wol/ redte Buchner darzwischen/
daß jhr alle drey dem hauffen zuegethan seidt der nichts übrigs
glaubet: was aber durch lange erfahrung bestetigt ist/ vndt die au-
gen selbst sehen/ das kan das hertze ja glauben. Mitt einem stin-
ckenden aaße/ sagt Nüßler/ ist wol sonst wenig an zue fangen. Dar-
wieder bin ich auch nicht/ spricht Buchner; wiewol manches ehe
verdirbet als ein anders. Ich habe viel mal gehöret/ wann einen der
donner erschlagen hatt/ daß sein cörper nicht verfaulen; vndt
wann einem mitt giffte vergeben ist/ daß das hertze vnvertorben
bleiben soll. Ein mensch der mäßig gelebet hat/ wirdt nicht so
baldt verwesen/ als einer so durch schwelgen vndt vollbretigkeit
seinen leib zue einer pfützen gemacht hatt/ da alle feuchtigkeit
vndt flüße hinein geronnen. Habt jhr nie gesehen/ daß den todten
mt mu mv

[Seite 558]


die haare vndt nägel gewachsen sindt/ sonderlich den jenigen die
Jupiter abwäscht/ Apollo salbet vndt trucknet. Welchen/ fragt Ve-
nator? Den gehangenen/ meine ich/ spricht [47] Buchner/ denen
die geister plötzlich vmbzwenget vndt zuegeknüpfft werden. Hier-
von nun kan man mehrentheils natürliche vrsachen geben: daß
aber der menschen seelen sich in gestalt der verblichenen leiber
sehen laßen/ ist dermaßen klar/ daß es keiner laugnen kan/ der
gleich noch weniger als jhr glaubet. Doch wollen wir den birg-
mann Rübezal in diese zahl nicht setzen: dann angesehen daß er
durch zauberey geruffen wirdt/ so muß er weder eine frome/ noch
eine verdammte seele sein; weil sie beyde biß zue seiner zeit vnter
der handt des Gottes aller götter sindt/ der sich mitt beschwerun-
gen nicht zwingen leßt. So muß es dann der teuffel sein/ fang ich
an. Recht so; sagt Buchner: er ists leibhafftig; wiewol nicht alles
baldt der teuffel ist/ worfür man sich sonderlich bey nachte zue
entsetzen pfleget. Natürlich sindt die flammen oder irrwische vmb
die gesümpffe; natürlich die dünste/ so offtmals in der höhe wie
menschen/ wie thiere vndt andere sachen herumb wandern; na-
türlich in den leibern/ sonderlich gewißen frawenzimmers/ das
seltzame kurren/ zischen/ krehen/ bellen/ das nach gestalt der sa-
chen vndt gänge von der durchdringenden lufft also geartet wirdt/
vndt vnerfahrenen ärtzten eine nase zue drehen pflegt; vndt was
dergleichen mehr ist.

Wo bleiben dann die säuffer/ sagt Venator/ die so vngewisser
augen/ vnstetigen ganges/ vndt seltzamer einbildungen sindt?
Wann sie den kopff fallen laßen/ so kömpt es jhnen bißweilen für
sie versincken; vndt wann die stube ein radt mitt jhnen macht/ so
legen sie sich nieder/ vndt erwischen mitt beyden händen den bo-
den: baldt erhebt sich ein sturm in jhren ohren/ daß sie meinen sie
sindt zur see/ vndt schawen wie weit es noch zue lande ist; springen
wol über jhren eigenen schatten/ vndt sehen jhn für einen graben/
eine katze für einen löwen an; in summa/ schlaffen wachende/
mw mx my mz na

[Seite 559]


vndt [48] fechten schlaffende; schreyen nach pflastern/ vndt wol-
len sich verbinden laßen.
nb

Auff diese weise wirdt mancher bezaubert/ sagt Buchner: aber
ohn schertz/ jhr brüder/ von andern gespenstern redet die gantze
welt/ vndt von diesem viel leute die hierumb wohnen; die jhn zue
weilen in form eines schönen roßes/ einer kröten/ eines rabens/
einer nachteule/ eines bergmännlins/ eines mönches vndt derglei-
chen gesehen haben. Eines mönches? sagt Venator. Warumb
nicht/ giebt Buchner zur antwort? Pflegt sich nicht der teuffel in
einen engel des liechts zue verkehren/ vndt hast du nie gehört/ daß
er dem heiligen Martin in gestalt des Heilandes der welt erschie-
nen sey?nc Muß er dann eben/ spricht Nüßler/ vmb diese felsen
vnd tunckele hölen seinen wohnplatz haben? Er ist/ antwortet
Buchner/ ein Vater der trawrigkeit/ vndt bezeuget solches mitt
den einöden trawrigen örtern/ da er zue nisten pfleget. Vieleicht
wil er jhm hierdurch ein größer ansehen machen/ fange ich an/
weil jhm nicht vnwißendt/ daß der so über vns ist an den stillen
vndt einfaltigen orten mitt einfaltigem hertzen vndt ruhigem gewi-
ßen von allen zeiten her hatt wollen geehret sein. Solches begehr-
ten die vngöttlichen götter/ Rübezales gleichen/ daß man jhnen
nicht weniger erzeigen solte; wie dann die alten nicht so sehr hel-
ffenbeinerne vndt güldene bilder/ als dicke püsche vndt das ge-
heime stillschweigen darinnen angebetet/ ja wälder/ wiesen vndt
see geheiliget/ vndt sie mitt namen der götter genennt haben. Die
Dacier auch berge/ hebt Buchner an. Freylich/ sage ich/ berge/
vndt die jenigen so einen schein der göttligkeit zue erlangen sich
darein verborgen/ als Zamolxesnd vndt andere. Ich meinte/ sagt
Venator/ du würdest vns dergleichen in deinen weitleufftigen be-
richten von den Daciernne außführlich machen. Zwar ich weiß

[49] nicht/ ob es mir wie jenen bergen gehen möchte/ gebe ich zur nf ng nh ni

[Seite 560]


antwort/ die nach langem geberen eine mauß zur welt brachten:nj
wie ich mich aber anietzo mitt meinem zuestande vndt der zeit
gelegenheit genungsam geschützt zue sein befinde/ so hoffe ich/
soll ich leben/ ich wil erweisen/ daß ein hirte mehr als weiden/ vndt
ein Poet mehr als lügen kan.

Vnter wehrendem reden/ als wir zwischen der trennung zweyer
hügel/ dahin wir vns durch hecken vndt gestäude mehr einen weg
gemacht/ als gefunden hatten/ gerichts eingiengen/ erblickten wir
hinter den birckenbäwmen vnd eichen eine grüne wiese/ auff wel-
cher von einem andern orte her ein altes weib/ mitt grawem
haupte/ zitterndem gange/ krummen rücken vndt einem korbe
darauff/ fast gekrochen kam. Wir winckten einander/ vndt legten
vns vnvermerckt in die sträuche nieder/ zue erfahren was die red-
liche muter guetes machen würde. Sie war fast in die mitten an
einen Scheideweg zweyer engen stege kommen/ da ließ sie jhre
geflickte schauben fallen/ striech die hägeren armen auff/ vndt
fieng mitt klingender stimme also an zue ruffen:


Ist dann kein mittel nicht zue zwingen den gesellen
Der eine jungfraw fleucht? soll dann das heil der höllen
Erst sein herfür gesucht? es muß ja sonsten mir
Gehorchen was die welt in see/ in lufft vndt hier
5 In jhrer schoß verbirgt: die sternen mußen schwitzen;
Der monde stille stehn/ vndt seinen wagen stützen;
Der Nortwindt legt den sturm zue meinen füßen hin;
Der sommer schneyet mir: es machen wo ich bin
Die todten sich herzue; auff mein geheiße gehen
10 Die starcken eichen fort; die flüße bleiben stehen;
Die klippen sencken sich; die saate reiffet nicht;
Die thäler steigen auff; der schlangen leib zerbricht;
nk Die löwen werden zahm. was gilt ich wil was finden/
Den wilden tigersinn genungsam zue entzünden!
nl nm
[Seite 561]


15 Du dreykopff/ Hecatenn/ die älter ist als ich;
Du geist der diesen berg beherrschet höre mich;
O Pluto/ komm herauff; ich achte nicht der sachen
Die meines alters volck zue langsam reicher machen;
Ich suche nicht metall/ nicht jaspis/ nicht demant;
20 Ein fester hertz’ als er soll werden vmbgewandt.
Dieweil kein krötenblut/ noch drummel in den rhoren/
Noch federn so die eul hatt vmb ein grab verlohren/
Noch heiße pferdebrunst/ kein westerhembde nicht/
Kein nagelno von der handt/ kein haar/ kein blut/ kein liecht
25 Zue rhaten deiner trew/ o jungfraw/ derer schmertzen/
Wie hart’ vndt raw ich bin/ mir dringen selbst zue hertzen/
Bey jhm verfangen wil/ vndt ich vmbsonst gethan
Was menschen klugheit weiß/ so helffe was da kan.

Der glantz des himmels die Sonne/ welche/ wie wir auß vnserem
schatten abnemen kundten/ den tag biß über die helffte gebracht
hatte/ schiene für schrecken zue erbleichen/ kein geflügel hörte
man singen/ es regte sich nichts als das zittern der bäwme/ vndt wir
selber zweiffelten welches sicherer were/ zue lauffen oder zue
bleiben. Sie zohe den lincken schuch auß/ nam ein tuch über den
kopff/ kehrte sich zwey mal gegen morgen/ vndt zwey mal gegen
Niedergang/ grub mitt einer sichel ein loch in die erden/ vndt
machte darauff einen zirckel vmb sich her/ murmelte auch eine
gute weile eines vndt anders was wir nicht verstehen kundten.
Hiernach brachte sie auß jhrem korbe allerhandt kräuter/ welche
np nq

[Seite 562]


sie vermutlich bey vollem mondenscheine vndt für auffgange der
Sonnen/ auch sonst zue gewißen jhareszeiten mitt der lincken
handt eingelesen hatte/ mengete etzliche steinlein/ wie auch ge-
beine von den todten darzue/ vndt rhürete mitt einer ruten alles
durch [51] einander. Also legte sie es auff wacholterholtz vndt ei-
senkraut/ darbey vngebrauchter schwefel vndt weyrauch war/
zündete es auff/ vndt wie der loh in die höhe schlug/ redete sie
folgende worte:


So mußen gleichfalls auch deßelbten sinnen brennen/
Der von sich selbst nicht wil den trewen sinn erkennen.
nr


Ferner knüpffte sie einen haarlocken vmb drey federn von
vngleicher farben/ vndt sprach:


Diß sindt die federn hier so ich zue diesem wesen/
Auß dreyen nestern zwar/ vmb mitternacht erlesen
Vom vogel den ich weiß; diß ist sein eignes haar
Das bey dem lincken ohr’ ein falsches zeichen war
Der liebe die er fleucht: die feder leßt das fliegen;
Sein haar wirdt jetzt ein bandt; er soll mir auch erliegen.


Auff diß sprützete sie drey mal in jhre schoß/ nam ein bildlein
von jungfrawenwachse in die handt/ beraucherte daßelbte/ bandt
jhm drey wöllene faden von dreyerley farben vmb den halß/ vndt
sagte:


Vngrad’ ist den göttern lieb; dreymal ist er auch gebunden;
Dreyer farben faden sindt vmb den harten halß gewunden.


Vnter solcher rede stach sie mitt einer langen nadel drey mal
hinein/ vndt fieng an:


Also geh’ es auch dem hertzen
Das ein weibes bildt darff schertzen.


ns nt nu nv nw
[Seite 563]

warff es hierüber in das fewer mitt diesem worte:


Wie das reine wachs muß rinnen/
Soll jhm schmeltzen muth vndt sinnen.


Nach dem nun alles nieder gebrennet war/ grieff sie auff die
erden/ warff die asche drey mal über den kopff/ sahe nicht hinter
sich/ vndt hub wie erstlich mitt verbrochenen worten an zue mur-
meln. Sie hatte jhre schreckliche beschwerungen in dem maule
herumb zue werffen nicht recht angefangen/ als sich ein mächtiges

[52] wetter/ schloß/ hagel vndt krachen erregete.nx


Das liecht wardt schwartze nacht; der himmel lieff zuesammen
In dickes finsterniß; die wolcken gaben flammen
Vndt eilten hefftig fort; man sahe keinen tag
Als wann der grimme plitz durch einen donnerschlag
Vorher gesendet kam; der winde starckes prausen
Bewegte waldt vndt berg mitt seinem wilden sausen;
Die lufft wardt lauter see; der höllen gantzes reich
Erregte seine krafft; die bäwme wurden bleich;



vndt was mich das schrecken noch jetzo nicht erzehlen leßt. Ich/
wie ich zuevor am letzten mich niederlegen/ vndt dieser vierdten
Furie zuehören wollen; also war ich der erste so von dannen vndt
auff die nechste straße zue lieff. Die andern kamen hernach ge-
rennet/ vndt hatten mitt dem athem auch fast die sprache verloh-
ren/ wolten den blättern der espen so vmbher stunden am zittern
nichts bevor geben. Eine seltzame sache: es stundt der hügel/ auff
dem wir vns damals befunden/ so ferren nicht von dem vorigen
orte/ dennoch blickte vns die Sonne mitt so einem gnädigen auge
an/ vndt das graß vmbher war dermaßen trucken/ daß wir leicht
verstehen kundten/ wie der teuffel nicht allenthalben zue gebieten
ny nz oa ob oc od oe of og

[Seite 564]


hatt; vndt also in dem grünen ein wenig rhue zue nemen veranlaßt
worden.

Als wir nun beydes von dem verlauffe ietziger schrecklichen
künste/ vndt sonsten diesem vndt jenem vnterredung hielten/ ge-
fiel vns die landtart gegenüber liegenden Königreichesoh sonder-
lich/ als deßen ebene von dem gemach vndt gemach auffsteigen-
den gebirge gleich wie von einem krantze vmbgeben ist/ vndt daß
außsehen eines künstlichen schawplatzes hatt/ darinnen etwan die
alten jhre spiele zue zeigen gewohnt gewesen. Hierüber dann
meine drey mitgesellen/ in erwegung ietziger betrübter läufften/
auff folgendes hirtenliedt oder gesprecheoi geriehten.


oj

Venator.

Ist jenes dann das feldt/ liegt dahinein das landt/
Wo vnlengst eine glut so hoch ist auffgebrandt/
Darvon wir schäffer auch bey vnserm klaren Reine/
Sindt worden angesteckt? wir saßen vor im weine/
5 Das vieh gieng in das graß biß an den bauch hinein;
Jetzt sehen wir den krieg für schaffe/ blut für wein.

Buchner.

Hatt diß gebirge dann den namen von den riesen?
Entspringt mein Landesstromok vmb diese schöne wiesen?
Du suchst dir ja den weg zur Muldeol gar zur weit/
10 Vndt hast auß jhr geschöpfft/ o Elbe/ noth vndt streit.

Nüßler.

Diß ist der Böhmerwaldt/ das heißen die Sudeten;
Wie hoch sie aber gehn/ so sindt doch angst vndt nöthen
Geflogen vber sie. du hast nur vnser landt
Vergebens/ o natur/ von diesem abgetrannt.

om on
[Seite 565]

Venator.

15 Wer hette diß gedacht! noch ist es so weit kommen/
Ein frembdes glücke hatt den Neckar eingenommen/
Sampt vnser hirtentrifft/ vndt mich hinweg gejagt
Von deßen bühels rhue wo Jetteoo wargesagt.

Buchner.

Ich hette doch vermeint/ es solte ja dein singen/
15 Dein edler schäffer thon/ dir gunst vndt liebe bringen/
Vndt freye sicherheit.

Nüßler.

der Musen seiten spiel/
Es sey so guet es kan/ schafft eben also viel
Bey einer heereskrafft/ als etwan eine taube
Für einem adler gilt der außfleugt nach dem raube.op

Venator.

oq Es istor ein berg bey vns/ vom Neckar nicht sehr weit/
26 Der heißt der königstul/ da hatt zue mancher zeit/
Von einer eichen her/ die schildtkraeos angekündet
Was eben ietzt mein landt (nicht ietzt mein landt) empfindet:
Sie hatt vns wol gesagt: jhr schäffer/ seht euch für:
30 Nun milckt man vnser vieh auff eine stunde zwier;ot
Die euter werden schlaff.

Buchner.

es bleibet nichts bestehen
In dieser gantzen welt: muß doch zue rüste gehen/
So offt es abendt wirdt/ der schöne himmelsschildt.
ou ov ow ox oy
[Seite 566]

Nüßler.

Wo häuser sindt war feldt: es leufft viel mal ein wildt/
35 Da etwan für der zeit ist eine Stadt gewesen.

Venator.

Das obst ist abgerupfft/ der reiffe wein gelesen;
Die eicheln fallen selbst; die zarten bircken hier/
Die fichten laßen gehn jhr laub die grüne ziehr.

Buchner.

Die blumen werden welck/ die weide muß verterben.

Nüßler.

40 Man schlacht’ es oder nicht/ so muß das vieh doch sterben.

Venator.

Den leichten vögeln wirdt jhr leben gar nicht schwer;
Sie fischen in der lufft gesichert hin vndt her/
Vndt können stets daheim vndt in dem jhren reisen;
Ein quell giebt jhnen tranck/ der pusch vndt acker speisen;
45 Doch mußen sie dar von.

Buchner.

der rawen kälte zeit
Die dringt vns auff den halß

oz wann alles überschneyt
Vndt zuegewintert ist/ so kömpt der früling wieder.

Venator.

Dann hört man durch die lufft der vögel schöne lieder.

Buchner.

Das vieh verleßt den stall.

Nüßler.

die weide wirdt verjüngt:

pa pb pc pd
[Seite 567]

Venator.

50 Die blumen finden sich.

Buchner.

Cibelens fichtepe bringt
Ein newes laub herfür.

Nüßler.

die frome birckepf blühet.

Venator.

Die eiche schlaget auß.

Buchner.

der süße weinstock siehet
Sich nach den augenpg vmb

Nüßler.

der obstbawm zeucht sein kleidt
Die blätter wieder an.

Venator.

das stadtvolck ist erfrewt.

Buchner.

55 Das dorff geht auff das feldt.

Nüßler.

so laßt vns dem vertrawen
Der dorff stadt/ obst vndt wein/ der bäwme/ feldt vndt awen/
Der vieh vndt vögel hegt; sein werther Sonnenschein
Wirdt nach der strengen lufft vns desto lieber sein.
[Seite 568]

[56] Diß hirtengetichte ermunterte mich/ nicht gar leer auß zue
gehen: damit ich aber nicht auß meiner alten gewohnheit schritte/
fieng ich also an zue singen:


Meine frewde die mich bindet
Ist der list vndt kräuter frey:
Zwar sie hatt mich angezündet/
Doch ohn all Zauberey:
5 Daß mein sinn sich jhr ergiebt/
Kömpt daher weil sie mich liebt.

Diese Circe hatt beysammen
Ihrer augen plitz vndt glantz/
Des gesichtes helle flammen
10 Das mir meines nicht leßt gantz;
Ihre wörter die sie weiß
Nemen aller kunst den preiß.

Ihre ziehr darff nichts begehren
Was man sonst zue hülffe rufft/
15 Darff den monden nicht beschweren/
Rhat nicht suchen bey der lufft:
Lufft vndt monden darff nicht sein/
Wo schon ist jhr tageschein.

Welchem nicht zue hertzen steigen
20 Dieser wangen milch vndt blut/
Dieses reden/ dieses schweigen/
Diese jugendt/ dieser muth
Der mir meinen muth zerbricht/
Den bekehrt kein Zaubern nicht.

Hiernach stunden wir auff/ vndt wanderten allgemach durch die
gefilde vndt wiesen dißeits vndt nach mitternacht zue/ wo wir erst-
lich hiesiger orte einander angetroffen. Im herunter steigen sahen
wir zwischen den felsen vndt hügeln drey tieffe thäler/ darin-

[57] nen der schnee/ welcher niemals ab zue gehen pflegt/ vns der-
massen in die augen gläntzte/ daß wir gleichsam darvon geblendet
wurden. Wir gerhieten auch an einem heckichten vndt wüsten
orte zue einem see/ deßen schwartzes vndt finsteres waßer/ darin-
nen weder fisch noch geflügel gespüret wardt/ vns fast ein grausen
ph pi pj

[Seite 569]


verursachte. Kurtz darauff giengen wir durch ein lustiges püsch-
lein/ deßen gelegenheit/ wegen der nähe noch eines andern kleine-
ren sees/ der grünen bäwme/ berg ab rauschenden bäche/ vndt
sonderlichen anmutigkeit eine herbrige der Waldtnimfen/ eine
rhue der hirten/ eine gelehrte entweichung der Poeten/ ein spat-
zierplatz der liebhabenden gemüter zue sein schiene: wie wir dann
an den stämmen der hohen bäwme vnterschiedene gedancken
vndt tichtungen sinnreicher geister eingeschnitten funden. Wir
kundten vns mitt lesen kaum sättigen/ vndt zwar schiene sich
nichts beßer zue reimen als die vngereimte folgende


Sechstine.pk

Wo ist mein auffenthalt/ mein trost vndt schönes liecht?
Der trübe winter kömpt/ die nacht verkürtzt den tag:
Ich irre gantz betrübt vmb diesen öden waldt:
Doch were gleich ietzt lentz/ vndt tag ohn alle nacht/
5 Vndt hett’ ich für den waldt die lust der gantzen welt/
Was ist welt tag vndt lentz/ wo nicht ist meine ziehr?
Ein schönes frisches quell giebt blumen jhre ziehr/
Dem starcken adler ist nichts liebers als das liecht/
Die süße nachtigal singt frölich auff den tag/
10 Die lerche suchet korn/ die ringeltaube waldt/
Der reiger einen teich/ die eule trübe nacht;
Mein Lieb/ ich suche dich für allem auff der welt.
So lange bist du mir das liebste von der welt/
So lange Pales hegt der grünen weide ziehr/
pl So lange Lucifer entdeckt das klare liecht/
16 So lange Titans glantz bescheint den hellen tag/
So lange Bacchus liebt den wein/ vndt Pan den waldt/
So lange Cynthia vns leuchtet bey der nacht.
Die schnelle hindinnpm sucht den hirschen in der nacht/
20 Was schwimmt/ vndt geht/ vndt kreucht liebt durch die gantze welt/
Die grimme wölffinn schätzt den wolff für jhre ziehr/
Die sternen leihen vns zum lieben selbst jhr liecht;
pn po pp
[Seite 570]


Ich aber gehe nun allhier schon manchen tag/
O Schwester/ ohne dich durch berge/ wildt vndt waldt.
25 Was ist wo du nicht bist? so viel der kühle waldt
Ein sandtfeldt übertrifft/ der morgen für der nacht
Vns angenemer ist/ der mahler dieser welt
Der lentz für winterlufft/ so viel ist deine ziehr/
Die Schönheit/ diese lust mir lieber/ o mein liecht/
30 Als das so weit vndt breit bestralt wirdt durch den tag.
Der trost erquickt mich doch es komme fast der tag/
Da ich nicht werde mehr bewohnen berg vndt waldt/
Da deine gegenwart/ vndt die gewündtschte nacht
Der trew noch lohnen soll: in deßen wirdt die welt
35 Vergeßen jhrer selbst/ eh’ als ich deiner ziehr/
Mein höchster auffenthalt/ mein trost vndt schönes liecht.
Laß wachsen/ edler waldt/ mitt dir mein trewes liecht/
Die liebste von der welt; es schade deiner ziehr/
O bawm/ kein heißer tag/ vndt keine kalte nacht.

Die andern drey lobten das


Sonnet
über die augen der Astree.
pq

Diß sindt die augen: was? die götter; sie gewinnen
Der helden krafft vndt muth mitt jhrer schönheit macht:
Nicht götter; himmel mehr; dann jhrer farbe pracht
4 Ist himmelblaw/ jhr lauff ist über menschen sinnen:
pr Nicht himmel; sonnen selbst/ die also blenden können
Daß wir vmb mittagszeit nur sehen lauter nacht:
Nicht sonnen; sondern plitz/ der schnell vndt vnbedacht
Herab schlegt wann es ie zue donnern wil beginnen.
Doch keines: götter nicht/ die böses nie begehen;
10 Nicht himmel/ dann der lauff des himmels wancket nicht;
Nicht sonnen/ dann es ist nur einer Sonne liecht;
Plitz auch nicht/ weil kein plitz so lange kan bestehen:
Jedennoch siehet sie des volckes blinder wahn
Für himmel/ sonnen/ plitz vndt götter selber an.
[Seite 571]

Die vnterschrifft war: Der vnwürdig Gekrönteps zue ehren dem
Nutzbaren.pt Daher wir abnemen kundten/ daß es auff personen
auß dem edelen mittel der vnsterblichen Fruchtbringenden Ge-
sellschafft gemeinet were. Ob wir nun gleich des kletterns vndt
steigens halben fast müde waren/ schätzten wir doch den gang von
dieser lust wol bezahlt zue sein; namen vns aber für/ nunmehr ohn
vmbschweiff gerichts ein zue gehen/ vndt den tag mitt besichti-
gung des warmen brunnens/ deßen vrsprung vns von der holdtseli-
gen Hercinie erzehlt worden/ zue beschließen. Vnter weges hiel-
ten wir allerhandt gespreche/ von der miltreichen versehung vndt
güte Gottes/ deßen gnädigste außtheilung ein landt mitt dieser/ das
andere mitt jener eigenschafft vndt güte begabet hatt.


Hier wächset gerne korn/ da obst/ vndt dorte wein/
Sabéa schickt geruch/ der Inde helffenbein;pu



sagte Nüßler. Sonderlich/ fieng Buchner an/ hatt sich die magdt
des Höchsten/ die gütige natur/ an der see/ den flüßen vnd quellen
außgelaßen/ vndt ihr bestes meisterstück erwiesen. Das meer ist
ein stetswehrender gefährte des Mondens/ wächst mitt ihm auff/
vndt wirdt auch mitt jhm alt: des waßers gaben aber sindt so viel-
fältig/ daß es vom Thales das stärckste element/ aller
[60] dinge
vrsprung/ eine geseelete welt/ die voller geister sey/ ist genennt
worden.pv In Beotien sollen zwey flüße sein/ deren einer alle
schaffe so darauß trincken schwartz/ der andere weiß macht.pw In
px py pz qa qb qc qd

[Seite 572]


der stadt Garamant soll der brunnen Dubrisqe des tages zehen mal
eißkalt/ vndt des nachts zehen mal siedendt heiß sein. In der Lari-
nensischen gegendtqf sindt zwey brunnen nahe beysammen/ von
denen der eine alles in sich schluckt/ der andere alles außwirfft.
Welcher auß dem Clitorischen brunnenqg trincket/ soll auch den
wein nur nicht riechen können. In Teno ist ein quellqh/ deßen was-
ser sich vnter keinen wein mengen leßt; vndt ich möchte leiden/
daß alle wäßer dieser art weren.

Man sagt von einem brunnen in vnserm Deutschlande/ daß
wann iemandt eine henne hinein steckt die er mitt guetem titul
bekommen/ so sollen jhr die federn stracks gebrühet werden vndt
abgehen; hatt er sie aber gestolen/ so bleibt sie wie sie zuevor ge-
wesen.qi Vnsere reiseleute auß Italien wißen von den zweyen
brunnen zue sagen/ in deren einem ein hundt stracks sterben/ in
dem andern baldt wiederumb lebendig werden soll.qj In Schott-
landt soll sich ein waßer in stein verwandeln. Das habe ich/ fieng
ich an/ im Zipsqk an etlichen brunnen mitt meinen augen gesehen.
Doch ist mir noch seltzamer fürkommen die pfütze oder das see
bey Thordaql in Siebenbürgen/ welches/ ob es zwar von vnglaubli-
qm qn qo qp

[Seite 573]


cher tieffe ist/ dennoch keinen menschen vntersincken leßt/ er
kan schwimmen oder nicht.

Dieses sindt kunstwäßer/ sagte Nüßler/ derer eigenschafften
auch jhrer natürlichen vrsachen sonder zweiffel nicht mangeln/
wiewol sie bey einem leichter zue ergründen sindt als bey dem
andern; aber dennoch kommen sie der fabel des elendes dem
menschen also nicht zue staten wie andere/ denen die Göttinn Hi-
giaqq vndt die
[61] heilsamen Nimfen eine solche krafft vndt art
eingepflantzet/ welche nutzbarkeit vndt fromen bringt. Auß denen
auch ist das liebliche augenquell bey Cicerons Mayerguete so Aca-
demie geheißen/ darvon sein frey gelaßener Laurea Tullius fast
deßen innhalts geschrieben:
qr


Du Hochberedter mann/ dem Rom muß schuldig sein
Die freyheit/ vndt sich selbst/ vndt alle sein Latein/
Der waldt hier der durch dich in newen baw ist kommen/
Diß Vorwerg wo du dir zue schreiben fürgenommen/
5 Zue suchen deine rhue/ ist schöner als zuevor:
Vndt diß noch nicht genug; es springt ein quell empor/
Ein newes wunderquell/ das vnter andern sachen
Ein blödes angesicht kan klar vndt lauter machen.
Der ort/ o Cicero/ thut dieses alles dir/
10 Der edle brunnen quillt nur wegen dein herfür:
Dann weil man weit vndt breit dich lesen wirdt auff erden/
So muß das waßer auch der augen artzney werden.

Zur Schmelnitz/ fieng ich an/ etzliche meilen von Caschawqs
wirdt das eisen durch ein quell innerhalb wenig stunden in schlich/
vndt dieser in kupffer verwandelt. Aber wir haben fast gewonnen;
redte ich weiter. Schawet das feste schloß zur rechten handt auff
dem hohen berge ist vorgemeldeter Kinast; dort hinein zur link-
ken liegt die Kemnitz/ welche Ihr Gn. Herr Obrister Schaffgotsch
mitt einem herrlichen hause vndt lustigen gebäwden nicht wenig
geziehret hatt. Gleich für vns ist der Warme brunnen/ den wir vns
qt qu qv qw

[Seite 574]


zue besuchen fürgenommen. Ihr könnet auß der lustigen gelegen-
heit des ortes/ wo nicht ferren so fruchtbare berge vndt hügel rin-
ges herumb/ da zue nechst der Zackenqx/ hier die grünen wiesen
sich anmutig zeigen/ leichtlich absehen/ daß die natur diß heil-
same waßer in so ein köstliches landt/ als einen fürnemen stein in

[62] einen güldenen ring/ habe versetzen wollen. Von seiner art
vndt eigenschafft laße ich die jenigen reden/ denen der geneigte
Phebus die geschickligkeit solcher dinge verliehen hatt: es
komme auch gleich diese wärme entweder von einem verborge-
nen kalcksteine/ oder von dem durchdringenden zwange der
winde/ oder von bestralung der Sonnen vndt des gestirnes/ oder
von der schnellen fortschiessung vndt gähem abfall/ oder von dem
heimlichen fewer des erdtreichs darüber das waßer lauffen muß/
oder von andern vrsachen her; so geben doch die kräfftigen vndt
heilsamen wirckungen/ daß es der gesundtheit des menschen (wel-
cher wegen auch so viel blumen vndt kräuter wachsen mußen/ da
wir jhr doch mitt einem einigen gewächseqy am meisten schaden)
fürnemlich zum besten geschehe. Taug diß waßer wol zue trincken/
sagte Venator. Des erdtbeches/ saltzes vndt schwefels halben
den es führet/ ist der geschmack etwas wiederwertig/ gab ich zur
antwort/ auch den augen nicht allermaßen dienstlich. Die jenigen
aber/ welche sich etwan an vnreinen weibesbildern verbrennt ha-
ben/ wil es gar nicht leiden: vndt melancholischen oder choleri-
schen leuten bringt es mehr schaden als fromen.


Du bist/ fieng Buchner zue mir an/ dieser orten nicht vnbekandt.
Freylich nicht/ sagte ich; ich habe mich vor etzlichen jharen bey
einer hochansehlichen gesellschafft zwey monat vber allhier zim-
lich wol befundenqz/ vndt nicht allein das leben des stattli-
ra rb rc

[Seite 575]

chen kriegesheldens Seyfriedens von Promnitz/ darvon Venator
ein vrtheil zue fellen pfleget deßen meine wißenschafft nicht wür-
dig istrd/ sondern auch vnterschiedene getichte/ mehrentheils
aber in dem wäldichinn an dem vfer dort oben/ das nechst dem
stege ist/ auffgesetzt:re daß ich also erfahren/ wie auch vnsere
Musen bey den zarten Najaden nicht vnangenem sindt.

[63] Vnter wehrendem gespreche kamen wir durch daß dorff an
den brunnen von dem wir reden; betrachteten die newe art des
bawes/ der seiner runde vndt anderer weise halben einem heidni-
schen tempelrf nicht vngleich sahe/ inwendig aber mitt gemä-
chern vndt stuben also eingetheilet war/ daß jhrer mehr zue sein
schienen/ weder fast der raum des ortes solte leiden können. Mit-
ten innen nun war das berhümbte quell selbstrg/ daß im auffschie-
ßen viel kleine blasen empor warff/ an der farbe aber helle/ durch-
scheinendt vndt auff art eines weißen saffirs etwas bläwlicht an zue
schawen war. Nach dem wir vns nun genungsam ersehen/ vndt an
dem wunderwercke der natur augen vndt gemüte gesättigt hatten/
ehreten wir des glückseligen quelles halben die einheimischen
Nimfen vndt waßergöttinnen dieses ortes/ des schönen bawes we-
gen aber den Hochwolgebornen vndt werthen Helden Hansen
Vlrichen von Schaffgotsch
; zue deßen billichem lobe wir folgen-
den innhalts tafelnrh an die eußere wandt des edelen bawes auff
ri rj rk rl

[Seite 576]


zue hencken/ bey vnserem abschiede/ welchen die nunmehr an-
brechende Nacht verursachte/ sämptlich gelobeten.


I.
Nüßler.

Hier wo das klare quell mitt einfalt war vmbringet/
Das seiner adern krafft in vnsern adern regt/
Vndt beydes sinnen trost vndt leibes wolfarth hegt/
Hier wo jhr Najades in schlechter einfalt gienget/
5 Vndt ewren jägerzeug an faule wände hienget/
Ist worden vmb euch her ein newer grundt gelegt/
Der jetzt das edle hauß zue ewren ehren tregt/
Vndt der Natur auch selbst nicht wenig Schönheit bringet.
rmDiß hatt der heldt gethan dem dieses ort gehöret/
10 Der seinen namen zwar mitt großen thaten mehret/
Doch gleichwol wirdt von jhm nicht minder auff die noth
Vndt lust der lebens zeit durch dieses werck geschawet.
Fragt jhr/ warumb er es nach tempelsart gebawet?
Er meint gesundtheit sey der siechen leute Gott.

II.
An Ihr Fürstliche Gnaden/
Ihr Gn. Gemahlinn.
Buchner.

Solt ich das große lob/ den Königlichen schein/
Die thaten vndt verdienst/ so von dem werthen stande/
Der dich erzeuget hatt/ durch alle ferne lande
Am liechten tage sindt/ recht preisen können? nein;
5 Mir sey die faust dann stahl/ die feder demantstein/
Die tinte hergeholt von dem gelehrten strande
Der beym Parnaß entspringt: mein schiff bleibt an dem rande/
Vndt leßt sich kühnlich nicht in solche wellen ein.
Wann einer ferner auch die sitten/ den verstandt/
10 Die tugendt so du hast/ der edlen gaben pfandt
Die dir der himmel schenckt/ der gantzen welt wil zeigen/
Muß höher gehn als ich/ wiewol Apollo mir
Mitt milden handen reicht die leyer meine ziehr/
Muß/ heldinn/ überauß wol singen oder schweigen.
rn
[Seite 577]

III.
Venator.

Ihr Schwestern/ derer geist auff vns Poeten schwebet/
Anietzt begehr ich nicht zue ewrem Helicon;
roIhr Waßernimfen kompt/ sucht einen süßen thon/
Damit jhr deßen rhum der euch auch ziehrt erhebet.
5 Ihm dancket daß jhr ietzt das quell noch schöner gebet/
Seht jung auß wie jhr seidt/ besitzet einen thron
Der schawens würdig ist/ da Venus vndt jhr Sohn/
Vndt alle Gratien/ vndt rhue/ vndt frewde lebet.
Du heldt/ dem dieses Badt von alters zuegehört/
10 Du hast jhm seine ziehr durch deinen baw vermehrt/
Drumb hebt ein weiser sinn dich billich hoch auff erden.
Nach dem durch dein verdienst/ durch thaten/ durch verstandt/
Dein Schuldner worden ist das gantze Vaterlandt/
So muß das waßer auch von dir begabet werden.

IIII.
Opitz.

Auff jhr klugen Pierinnenrp/
Laßet vns ein liedt beginnen
Einem Helden der euch liebt/
Der bey seinen schönen flüßen/
5 Welche sich herumb ergießen/
Vns auch eine stelle giebt.

Weiß er gleich mitt rittersachen
Ihm ein solches lob zue machen
Das der alten namen gleicht/
10 So erkennt er doch daß thaten
In die lange nacht gerathen/
Wann jhr nicht die hände reicht.

Keine heereskrafft kan streiten
Wieder die gewalt der zeiten;
15 rqDas metall vndt eisen bricht;
Kron vndt Zepter legt sich nieder;
Aber ewre schöne lieder
Wißen von dem tode nicht.

rr
[Seite 578]

Herr/ wo sindt die strengen kriege
20 Deiner Ahnen? jhre siege/
Ihr verdienst liegt vnbeklagt.
Was schon bleibet vnbesungen
Von der schwestern weiser zungen/
Wirdt nicht lange nachgesagt.

25 Vnser Phebus muß es bringen/
Vndt mitt grüner jugendt dringen
Durch der eitelkeiten wahn/
Phebus der mich angetrieben
Daß ich diß von dir geschrieben
30 Was des grabes lachen kan.

Deine blüte/ deine wercke/
Diese ritterliche stärcke
Fühlet endtlich doch die zeit:
Komm/ heldt/ friste dir das leben/
35 Komm/ Thalia wirdt dir geben
Einen krantz der ewigkeit.
rs rt

Fußnotenapparat

a Im Titel von Druck X erscheint das ä in Schäfferey mit einem klei-
nen über dem a stehenden e. In F II wurde ein a mit zwei Umlautpünktchen
verwendet.
b am Rand: [3]
c Das Prädikat hochwohlgeboren und das ›Ehrenwort‹ semper-
frei hatte H. U. v. Sch. am 4. Dez. 1627 von Kaiser Ferdinand II. erhal-
ten. Die vier erstgenannten Besitzungen wurden schon in der Widmung von
Werk Nr. 60, der Promnicii vita erwähnt; Bd. II, S. 295.
d Zur Zeit der Drucklegung befand H. U. sich noch im Range eines Obri-
sten. Erst 1632 ernannte Wallenstein ihn zum Generalwachtmeister. Man
beachte die Formulierung in Druck F.
e Röm. ... Obristen/] Fehlt F
f darvon zu tragen pflegen. F
g deutsch = deutlich, derb
h satzschr. = aktengerechte Ein-
gaben aufw. = Cour ma-
chen, bei Hofe aufwarten
i vmb] vnd Dkf F
j verni. = verachten, pro nihilo
ducere (Stieler) miteinan-
der: Die Bedeutung schwankt
zw. gänzlich u. zugleich.
k nachbl. = unterbleiben
l außschr. = excessus, Übertrei-
bung wolten/] Virgel einge-
fügt, F hat Semikolon.
m Theokrit, griechischer Dichter aus Syrakus (3. Jh. v.Chr.), Begründer
der Hirtenpoesie.
n Publius Vergilius Maro (70–19) aus Mantua, wird hier wegen seiner
Bucolica (Eklogen) erwähnt, in denen er griechische mit römischen Elemen-
ten verschmolz.
o Marcus Aurelius Nemesianus (3. Jh. n. Chr.) aus Karthago schrieb vier
Hirtengedichte, in denen er sich Vergil und Calpurnius zum Vorbild nahm.
p Titus Calpurnius Siculus (1. Jh. n.Chr.) schrieb sieben Hirtenge-
dichte.
q Jacopo Sannazaro (1456–1530), aus einer neapolitanischen Patrizier-
familie, vollendete die erste Fassung seiner Arcadia (einer Serie von Eklo-
gen, die durch Prosatexte miteinander verbunden sind) im Alter von ca.
30 Jahren. Sie erschien 1502 als Raubdruck. Eine erweiterte autorisierte
Auflage folgte 1504. Das Werk erfreute sich außerordentlicher Beliebtheit.
Siehe Anm. 24 infra.
r man] Fehlt, Dkf/ F
s vberbleibung = Überbleibsel,
Rest
t in Sinn kommen F
u Baldassare Castiglione (1478–1529), heute fast nur noch durch sein
Hauptwerk Il Cortegiano bekannt, schrieb zusammen mit Cesare Gonzaga
die Ekloge Tirsi; sie besteht aus 55 Stanzen.
v Lorenzo Gambara (1495–1585) bearbeitete die Hirtengeschichte des
Longus, Daphnis und Chloe, indem er sie in lateinische Hexameter über-
setzte.
w Sir Philip Sidney (1554–86) schrieb den englischen Hirtenroman Ar-
cadia
(1590), der 1629 in einer deutschen Übersetzung von Valentin Theo-
crit von Hirschberg pseudonym erschienen war; Opitz bearbeitete die darin
enthaltenen Gedichte in der Neufassung von 1638.
x Honoré d’Urfé (1567–1625) ist der Autor des Schäferromans L’Astrée.
y Hercinie: siehe Anm. 30 zum Text des Gedichtes.
z Der von Vrfe] Fehlt F drittes
von] vnnd F
aa vndt] Fehlt Dkf F
ab zeiget.] für Augen stellt. F
ac vorw. = sich vordrängender
Mutwille
ad angesehen = bestimmt
ae Opitz.] Opitz von Boberfeld. F
af am Rand: [7]
ag In der eigentlichen Bedeutung (wie in Z. 5) findet sich dies Wort schon
im 14. Jh. Die Nuance ›Darstellung von Szenen aus dem Schäferleben‹ ist
eine Neuerung Opitz’.
ah Hercine: Siehe Anm. 30.
ai N. B. Zu den Quellen und Parallelen siehe auch die in der Einleitung ge-
nannte Diss. von A. Huebner; sie ist hier nur in den Hauptzügen eingearbei-
tet worden.
aj Die Zeit der Waage im Tierkreise erstreckt sich vom 23. Sept. bis
23. Oktober.
ak Skorpion: 24. Okt. bis 12. Nov.
al Karl Hannibal, Burggraf von Dohna; Opitz stand seit Juni 1626 in sei-
nen Diensten
am auff die Wage = nach der W.,
auf d. W. folgend
an Weinm. = Oktober
ao verr. = vergangen
ap freilich das beste] nicht ein ge-
ringes F
aq vnfall = Unheil
ar genießen] geniesen F Wechsel
zwischen ß und s häufig in ähn-
licher Stellung.
as Hier mochte Sall. Rep. I 1,2 vorgeschwebt haben. Sprichwort und
sprichwörtliche Redensart sind feste Bestandteile der Schäferdichtung.
at Ged. 6 güldenen Dkf F
au gedenckest Dkf F
av ding Dkf F
aw der ich fehlt Dkf F
ax deinigen] jenigen Dkf F
ay verbr. = (umgangssprachl.
übertreibend
) schädigende
Handlung, culpa (Stieler)
az am Rand: [10]
ba Sprichwörtlich schon im Altertum; z. B. Ter. Phorm. 506 »Lupum te-
neo auribus«; d. h. sich in einer Lage befinden, in der jegliche Veränderung
Verschlimmerung bedeutet.
bb Ged. 6 diß] das F
bc bleibt der Munde/ Dkf F
bd meine] eine Dkf F
be nicht fehlt Dkf F abgestr. =
beendet
bf schönen fehlt F einst. = con-
centus, Einklang
bg »Nusquam est, qui ubique est«. Sen. Epist. 2, 2
bh Nach einem Worte Scipio Africanus’ d. Ä. »Nunquam se minus otiosum
esse, quam cum otiosus; nec minus solum, quam cum solus esset«. Cic. De
off.
3, 1
bi gerichts fehlt F ger. = gera-
den Wegs
bj kü. = mit Mühe
bk erha.= aufgemacht hatt/]
Virgel nach F
bl empf. = umfingen
bm Ort: (richtige) Stelle, Richtig-
keit
bn gnädig] wol F
bo der trifft nach] dich außzufor-
schen F trifft = Viehweg,Pfad
bp verschl. = verbringen
bq Venator hatte Opitz am 29. Nov. aus Tübingen mitgeteilt, er begleite
demnächst zwei Patriziersöhne aus Augsburg nach Frankreich (Rei 280).
Indem Opitz hier annimmt, Venator sei schon wieder in Deutschland, be-
dient er sich dichterischer Freiheit. Venator kehrte erst 1631 zurück (Rei
780).
br etzliche] etliche F
bs Insul F
bt gnädigen fehlt F
bu Die] die Dkf F Großschreibung
deutet dir. Rede an.
bv auch fehlt F
bw am Rand: [13]
bx Die hier geäußerten Gedanken gehen hauptsächlich auf Platon zu-
rück: Phaidr. 67D, 246A, 250D 253E; Symp. 210B; das Höhlengleichnis:
Rep. VII 514; auch Anklänge an Phaed. und Tim. finden sich.
by Ged.2 schlechtes = schlichtes (so
immer
)
bz herr/] Virgel editor. eingef.
ca waßer/] Aus waß- | ser/ Dkf X
nach F
cb teuffe] Tieffe F Wechsel häufig
cc Wordurch] Aus Worzue Dkf X
nach F
cd Übersetzung eines Gedichtes von Pentadius:
Crede ratem ventis, animum ne crede puellis;
namque est feminea tutior unda fide.
Femina nulla bona est; vel si bona contigit ulla,
nescio quo fato res mala facta bona.
Anth. lat. I, 1, 268; Opitz mochte es der Collectio vet. epigr. des P. Pithoeus,
zuerst 1590, entnommen haben.
ce ohn die liebe] ohne Liebe F
cf zuegleich = gleichzeitig
cg plitz] Aus piltz Dkf X nach F
ch abgef. = schlau
ci Schon im Aristarchus geäußerter Lieblingsgedanke des Dichters. Siehe
Werk Nr. 17, Z.8–11; ähnlich Verg. Aen. V 344: »Gratior est pulchro ve-
niens e corpore virtus«.
cj Diog. Laert. VIII 27
ck ibid. II 8; doch μύδρος διάπυρος(!)
cl aufn. = annehmen
cm antreffen = ans Ziel gelangen
cn waßer: ... hier Tau (Hueb. 62)
co weder = welches von beiden
wieder Dkf F
cp angesehen] angeschawet/ F
cq erkieset = ausersehen die-
selben F
cr verhanden] vorhanden F
cs Aus vorliegenden Andeutungen ist nicht genau zu bestimmen, um wel-
chen »Mann« es sich handelt. Böcler, Bernegger und Lingelsheim sind ge-
nannt worden. Böcler scheidet aus, da er erst 1631 nach Straßburg kam.
Die Stelle ist ein Echo aus dem Brief Venators vom 24. März 1626 an
Opitz: »Unice hoc fortunatus sum, quod apud amplissimum Lingelshe-
mium, amantissimum nostri, sedem inveni, ubi non solum doctior fieri pos-
sim, sed etiam, quantum in hunc animum cadit, sapientior. ... nihil con-
stantius illo viro, nihil moderatius, iucundius et priscis illis sapientiae pro-
fessoribus conformius excogitari potest«; Rei 198.
ct Die Ill, ein linker Nebenfluß des Rheins, fließt durch Straßburg und
mündet in den Rhein, nachdem sie die Breusch aufgenommen hat.
cu kreiß/ F
cv Gemalt Dkf F
cw dich] doch Dkf F
cx zue hinterl. = zurückzulassen,
aufzugeben
cy bey glauben: Beteuerungsfor-
mel
cz dir Wage Dkf F
da trechtig = fruchtbar Ille F
db geschweigen. Es] Aus geschwei-
gen: es nach F
dc beliebte F
dd wiederhalten = ein-, anhalten
de sich hinterziehen = s. zurück-
ziehen
df wo hin er gehen soll F
dg den] Aus Dkf denn X nach F
dh fürbilden = (sich) vorstellen,
ausformen Fürbilden/ F
(Schlimmbesserung)
di Gerichte F (mißverständlich)
dj fr. = Nutzen, Vorteil
dk »Cernis, ... ut capiant vitium, ni moveantur, aquae«. Ov. Ep. ex pont.
I 5, 6; ähnlich Sen. Epist. 67, 14. Dieser Gedanke wurde mehrmals von
Opitz ausgedrückt; z. B. Trostgedichte I, 317–20 und Vielgut 439ff.
dl billich in Dkf F
dm vmwandert] vmbgehet F
dn vmbschweiffenden/] schweif-
fenden/ F
do ist fehlt Dkf F
dp herbrige = Herberge
dq wir] mir Dkf F auffgemerckt
= aufgezeichnet zue staten
kommen = auf (unsere) Kosten
k.
dr außgang = Resultat
ds überein stimmet/] einstimmet
F
dt nach dem F
du Cic. De off. I 125
dv Die Quelle für diese Feststellung bleibt noch zu eruieren.
dw Opitz’ absichtlich verschleierte Anspielung auf die Hugenottenkriege,
die seit 1625 besonders eifrig geführt worden waren. Siehe Anm. 90.
dx einnemung = Aufnahme, Her-
einlassen
dy überhäufft = zahlreich, groß
nur] Bod. / Brei., Triller u.
Tittm. emendieren zu
nun; nur
ist ironisch zu verstehen.
dz gnädig] leutselig
ea werffen wollen. F
eb schwerl. = mit Schwierigkei-
ten, mit Mühe
ec vngef. = infucatus, echt, unge-
schminkt
ed durch fehlt Dkf F
ee 22 Ath. XII 554e; auch Ael. V.H. IV 25 und Hor. Epist. II 2, 126ff.
ef Sprichwort: »Nihil citius arescit lacrima« – ohne feminarum! Otto,
Suppl. 184
eg Fuchsschw. = Schmeichler,
Verleumder
eh Blödigk. = Schwachsinn
ei über fehlt F
ej durchtr. = erfahren
ek bin] lebe F der wahren] de-
rer wahren F W. = Güter
el reisegesellen/] Reißgesellen/ F
Virgel hier u. hinter vrtheil
nach F eingef.
em ertappen = ergreifen, sich ...
bemächtigen
en purß = Gruppe (Burse)
wann fehlt Dkf F
eo einen] Aus eine Dkf X, ein Dkf
F emendiert hoffertiger
Schlimmbesserung F
ep springerisch = zum Springen
aufgelegt
eq rauch: uneigentl. Falschheit,
Vernebelung
er sagte] sagte er F
es etwas fehlt F
et erzehlen Dkf F
eu Hier beginnen die z.T. wörtlichen Übersetzungen aus Sannazaros Ar-
cadia
; ›Prosa Duodecima‹, Carrara, S. 193 ff. Natürlich hält Opitz sich an
die geographischen Gegebenheiten des Riesengebirges. Bei seinen Angaben
von Parallelstellen aus der antiken Literatur folgt Huebner weitgehend
M. Scherills Anmerkungen in dessen Ausgabe der Arcadia, Torino 1888. Die
Ausgabe von E. Carrara, in Opere di Sannazaro, Torino 1963, wurde kon-
sultiert und die dort befindlichen Einteilungsbezeichnungen mit verwendet.
ev »Séguita i passi miei, ch’io son Nympha di questo luogo«. Arc. 276
ew ohn g. = ohne (böse) Absicht,
zufällig jhren Dkf F
ex eines Nimfe Dkf F
ey erschrocken/ Dkf F
ez am Rand: [25]
fa Formelhaft, wie etwa Hor. Carm. III 24, 48f.: »aurum et inutile mate-
riem summi mali«; auch Ov. Met. I 141 und sonst.
fb Für Sannazaros »piacevole et grazioso Sebeto« tritt der »fischreiche
klare Bober« ein; man beachte die schmückenden Beiwörter in beiden Auto-
ren.
fc lauter F
fd springk.: vermutl. O.s eigene
Prägung; nur diese Stelle in
Gr. Wb.
fe Hir Dkf F
ff hatte/ Dkf F
fg Vatterland Buntzlaw ist/ F
fh antwortet. F
fi Durch eine ähnliche Abschweifung Sannazaros darauf gebracht, greift
Opitz hier auf Verg. Georg. IV 333–44 zurück, woher die Namen stammen
(Hueb. 72). Doch während Opitz bei der Beschreibung der Höhle wieder
Sannazaro folgt, entnimmt er die Gesprächsinhalte Ovids Metamorphosen.
fj Ov. Met. VI 5ff.
fk quellet/ F
fl Hercinie: Eponym von Hercinia silva, welche Bezeichnung auf das
ganze deutsche Mittelgebirge angewandt wurde; schon Aristoteles benutzte
sie: Meteor. I 14. Im Lateinischen: Caes. Gall. VI 24,2 und Tac. Germ. 28 u.
30. Siehe die Anm. in der Ausgabe der Germ. von Much/Lange, Heidelberg
1967, S. 351f.
fm Ov. Met. XI 92–193
fn »dintorno a le mura per ornamento poste alcune marine cochiglie.«
Arc. 277
fo Apelles von Kolophon, 2. Hälfte d. 4. Jh.s v. Chr., war der berühmteste
Maler der Antike.
fp müsse F
fq Lyc.: Der Name bedeutet
›kornblond‹.
fr zweites nicht fehlt Dkf F
fs rhor: Wortspiel Schreibrohr,
calamus
ft vnbesonnen Dkf F
fu kleinen vor Muscheln fehlt F
fv Apellens] Aus Apollens Dkf X
nach F emendiert
fw Jupiter: Diese Geschichte bei u.a. Hes. Theog. 485–91; Apollod. I 1,
7; Ov. Fast. IV 199ff. Die »Schwestern« können als die in der Hercinie
gegenwärtigen verstanden werden.
fx Mehrere Autoren berichten, wie Perseus der Gorgo das Haupt ab-
schlug. Apollod. II 4,2 betont die Tasche. Setzt man Erato statt Enyo, so hat
man die Graien oder Phorciden. Perseus zwang diese, ihn zu den Nymphen
zu führen, von denen er Flügel und Tasche erhielt. Opitz hat vereinfacht.
fy Ov. Met. I 689–712
fz Ov. Met. VIII 573–89
ga Ov. Met. XI 235–37 mit geringen Abwandlungen
gb nochmals Dkf F
gc glelchwol Dkf F abstricken
= illaqueare, vorenthalten
gd zue fehlt Dkf F Bekleidung
Dkf F
ge andere Dkf F
gf dingewebten F
gg Fachausdrücke des Bergbaus etc. wie »seiffen, flötze, quärtze, flem-
micht, körnicht« sowie Auskunft über die »heimische außbeute« an Jaspis
und Perlen im Queiß entstammen, z.T. wörtlich, dem balneologisch-wissen-
schaftlichen Werk des Görlitzer Arztes Caspar Schwenckfeldt Hirschbergi-
schen Warm Bades ... Beschreibung
, Görlitz 11607, 21619. Hinweis aus
L. Forsters Artikel im Theatr. Europ. 245f.
gh allerhande Dkf F
gi Ag(t)stein = Bernstein
gj föderth. = Vordertür
gk wardt.] war Dkf F
gl seiffen = waschen, aus Geröll
aussondern
gm Dem Hyazinth wurde die Fähigkeit zugeschrieben, Gift unschädlich zu
machen. (Zedier)
gn Plitzfünckeln Dkf F
go flötz (Fletz) = Lager, stratum
metallicum quartz = noch
nicht spezifisch festgelegtes me-
tallhaltiges oder taubes Ge-
stein flämicht = dünn u.
breit liegend
gp eisens/] Virgel nach F einge-
fügt
gq Macht Dkf F
gr führte] Aus fuhrte Dkf X nach
F
gs erstlich fehlt F
gt von den] Aus von dem Dkf X
nach F
gu Hesiod (um 700 v. Chr.) stellte in seiner Theogonie die Lehre von den
Zeitaltern auf.
gv Dem Apollodorus aus Athen (2. Jh. v. Chr.) wurde fälschlich das my-
thologische Handbuch Bibliotheca zugeschrieben.
gw 42 Unter dem Namen Hyginus sind zwei Werke zur Mythologie erhalten:
Fabularum liber und Poetica astronomia.
gx 43 Ovids fünfzehn Bücher der Metamorphosen werden als bekannt vor-
ausgesetzt.
gy 44 Ein 958 m hoher Berg bei (Bad) Flinsberg am goldführenden Queiß im
früheren Landkreis Löwenberg.
gz Nach Tac. Germ. 42 bewohnten die tapferen Marcomani das den (kelti-
schen) Boii weggenommene Gebiet (Nordböhmen).
ha Tac. Germ. 43 läßt die Marsigni »hinter« (= nördlich oder nordöst-
lich) den Marcomani wohnen.
hb Siehe Anm. 30
hc Erst im 16. Jh. wurde die Bezeichnung Sudeten auf dies Gebiet
angewendet. Die Ableitung von Süd und Öde entstammt der
Volksetymologie. Siehe J. J. Egli, Nomina geographica 1883, Reprint 1971.
hd der] die Dkf F
he landttafel = Landkarte, tabula
hf 9 rohe Dkf F
hg Das Gebiet von der Weichsel bis zur Wolga wurde als sarmatisch
bezeichnet. Unter Wenden versteht Opitz die Slawen; er hätte seine ge-
nauere Erklärung hierzu in der geplanten ›Dacia antiqua‹ gegeben. Siehe
Band II, S. 94, Anm. 13.
hh Da Tacitus in Germ. 28 die Boii als Kelten bezeichnet, betont Opitz hier
lediglich, daß das Wort Böhmen (Boihaemum nomen, Böheim) ein
deutsches ist.
hi Auch diese Ableitung entstammt der Volksetymologie.
hj Daseinsrechtfertigung des Mannes der Feder in seiner Tätigkeit als Hi-
storiograph oder poeta laureatus, als welcher er dem Manne des Schwertes
erst den Nachruhm sichert, ist geläufiges humanistisches Gedankengut.
Eine frühere Lobschrift auf die Familie Schaffgotsch war die von J. Tralles;
siehe Anm.54.
hk selbsten F
hl ältern] Umlaut nach F eingef.
hm forttreten = weitergehen
hn küriß = Küraß, lederner
Brustpanzer
ho Gottschalk/Gotsche war seit dem 14. Jh. der bevorzugte Vorname
männlicher Nachkommen von Sibot(h)o Schaff, der 1243 von Herzog Boles-
law Calvus die Burg Kemnitz erhalten hatte.
hp Auf dem Kinsberg, einer südsüdöstlich von Waldenberg gelegenen
Burg, war Ulrich seit 1369 Burggraf. Opitz konnte sich u. a. aus Johannes
Tralles’ Familiengeschichte Mausoleum Schaff-Gotschianum, Leipzig 1621,
informieren. Alle älteren Werke sind überholt durch Julius Krebs, Hans
Ulrich, Freiherr von Schaffgotsch
, Breslau 1890; siehe Klaus Garber,
»Martin Opitz’ Schäfferey ...«, Daphnis 11 (1982), 556 Anm.26.
hq Der Ausfall vor Erfurt fand 1375 statt. Markgraf Albert II., der Unar-
tige, hatte aus Trotz viele seiner Güter der Stadt vermacht; Landgraf Fried-
rich wollte sie den Söhnen zurückgewinnen; Kaiser Karl IV. spielte eine Ver-
mittlerrolle.
hr Bis zu dieser Zeit hatte die Familie ein Schaf im Wappen geführt.
hs Beim »grünen Baum«, dem Kien-Ast, handelt es sich um die erste Wap-
penvermehrung.
ht auffnehmen = Zunehmen,
Aufblühen
hu Nachkommen F
hv vor Alters F
hw Wannenhero F
hx Anna, die Tochter Heinrich II., Nichte von Herzog Bolko/Boleslaw
II., ehelichte Karl IV. i.J. 1335.
hy Dies »Berggut« entwickelte sich von 1513 an zu einem Fabrikort, wo
Manganeisenerz verarbeitet wurde.
hz Mit der 1292 erbauten Burg Kynast, südwestlich von Hirschberg,
wurde Gotsche Schoff II. 1360 (oder nach andern Quellen 1392) belehnt; sie
wurde 1674 (oder 1675) durch Blitzschlag und Feuer zerstört.
ia In Greiffenberg wurde feine Leinwand hergestellt. (Minerva als
»himmlische Weberin«, Serv. Aen. VII 805 und sonst.) Die nahegelegene
Burg Greiffenstein wurde von Boleslaw I., Altus, »fundiert« (Zedier). Sie
war seit 1399 in Schaffgotschschem Besitz (Krebs 3). Hier wurde
H.U.v. Sch. geboren, hier wuchs er heran.
ib Trotz dieser apodiktischen Feststellung seitens des Dichters waren Be-
sitzungen angekauft worden: Warmbrunn (1387 oder 1399) und Schmiede-
berg. (Kneschke)
ic San. Arc. 281: »O bellissima Nympha ...«
id müßen] Umlaut nach F
ie nicht vngelesen F
if am Rand: [34]
ig Der Hofrichter, »praeses curiae provincialis« (Stieler), in Böhmen
»judex regni«, erfreute sich größerer Unabhängigkeit.
ih Reppel ist laut Tittmann das Diminutivum von Rappe/Rabe. Antonius
starb 1505.
ii streng = stark rittersch. =
Ritterwürde, -stand
ij Nach einer siegreichen Schlacht gegen 1500 aufständische Böhmen
wurde Ulrich 1488 auf der Bunzlischen Heide im Alter von 35 Jahren
zum Ritter geschlagen.
ik am Rand: [35]
il kein kriegesmann] auch kein
Soldat F
im Friedrich] Aus Fridrich nach F
in Arm Setzervariante F
io Bernhard] Aus Bernardt nach
F
ip gefangen] Aus gefangem Dkf X
nach F viel] Aus viell nach F
iq Christoph v. Sch. war schon 1601 im Alter von 49 Jahren gestorben;
siehe Z. 16 des auf S. 16 beginnenden Gedichtes.
ir Nach Plin. Ep. VI 16, 3: »equidem beatos puto, quibus deorum mu-
nere datum est aut facere scribenda, aut scribere legenda; beatissimos vero,
quibus utrumque«.
is vielmehl Dkf F
it obberhürt = oben (schon) er-
wähnt
iu Caspar zue Trachenberg/] Cas-
par/ so das Lähnhaus gehalten/
F Lehnh. = praedium feu-
dale
iv hochverständige] Aus hoffer-
ständige Dkf X nach F
iw Leonore von Promnitz (1576–11. Dez. 1611); von ihren Kindern über-
lebten Magdalena, 1594 geboren, und H.U. Dieser erfuhr vom Tode der
Mutter im Februar 1612, während des zweiten Aufenthalts in Florenz.
ix am Rand: [38]
iy könten F
iz dieser Dkf F
ja jhn Dkf F
jb Ged. 7 sollen F
jc am Rand: [39]
jd H.U. ließ sich im Sommersemester 1609 in Leipzig immatrikulieren
(Matr. I, 389), auch die Altdorfer Matrikel weist ihn im selben Jahr aus. In
Tübingen scheint die Immatrikulation unterblieben zu sein.
je güldenes Dkf F
jf brechen durch = mit kräft. Be-
tätigung (sich) den Weg bah-
nen, perrumpere
jg arme] Aus armen Dkf X nach F
jh reisen F r. = (sich) nach
oben bewegen
ji doch Dkf F schw. = zum
Schweigen zu bringen
jj Helm als Neutr. sonst nur i. d.
Bedeutung
Stiel
jk tocke = Puppe
jl anführen (zu) = adducere
(ad), hinleiten
jm zun] Aus zum Dkf X nach F
jn strengen F
jo weißer Dkf F lesen = berich-
ten
jp Nereus, der Gott der sanften Meeresfläche, hat Venedig »zu seinem
Weibe«. Die Reisenden kamen gerade zu der jährlich wiederholten Vermäh-
lungszeremonie zurecht: 29. April 1610. (Krebs 7)
jq Nach alter Tradition (Verg. Aen. I 247) wurde Antenor als der Grün-
der von Padua angesehen.
jr Cynthia: der Mond; der Aufenthalt dauerte demnach ein halbes Jahr.
js Als Hofmeister des Grafen wirkte der Schlesier Jeremias Gottwald; wahrscheinlich wurde auch ein heimischer Fremdenführer hinzugezogen.
jt Neapel wurde seit alters mit den Sirenen in Verbindung gebracht; siehe
Strab. I 2, 13 u. 18.
ju Bajas: Baiae; schon im Altertum berühmter Badeort
jv In Cumae befand sich die Höhle der Sibylle: Aen. VI 41.
jw Puzol (Pozzuoli) war vor dem Ausbau von Ostia die wichtigste Hafen-
stadt Italiens; das Amphitheater ist die bedeutendste Ruine dort.
jx In Florenz hielt man sich diesmal vier Monate auf »wegen eines be-
rühmten Pferdetrainers.« (Krebs 7)
jy schein = Glanz
jz Sa Dkf F
ka edeles Dkf F
kb guldene Dkf F
kc beschö. = verschönern
kd freye] Freyheit Dkf F
ke Eingedenk des Schicksals von Anton v.Sch. (S. 545,10) schiffte man
sich im April 1612 auf einer Fregatte des Herzogs von Toscana ein (Krebs 7).
Die Reise ging südlich nach Messina, dann über Malta nach Trapani (ca.
25 km nördl. von Marsala, dem alten Lilybaeum) an der Westküste von Sizi-
lien und Tunis am nächsten gelegen.
kf am Rand: [40]
kg Das kunstreiche Mailand wurde wegen seiner Bildungsstätten mit Mi-
nerva in Verbindung gebracht.
kh Der Vorschlag, die Reise auf Spanien auszudehnen, wurde von einem
Ungarn gemacht, dem man – schon auf der Heimreise – in Venedig wieder
begegnete. Er schloß sich der Gruppe an. Man brach am Neujahrstag 1613
auf. (Krebs 8)
ki Beide von Spanien regierte Teile der Welt – Orient und Okzident
kj Delphinat = Dauphiné
kk Marsilia = Marseille
kl Arelat = Arles
km mit de Dkf F
kn Hannibal ließ Sagunt 219 v.Chr. aushungern; daher die Redensart
von der »Saguntina fames«; Otto 305.
ko Die Gegend westlich von Valencia wird durch Wasser aus dem Fluß
Turia (Guadalaviar) bewässert.
kp Ein Ausflug nach Andalusien mußte wegen der Hitze in Toledo unter-
brochen werden (Krebs 8); siehe auch Z.102.
kq Ankunft am 26. März 1613; der Aufenthalt dauerte drei Monate.
(Krebs 8)
kr am Rand: [41]
ks Tolosa = Toulouse
kt Durch die Erwähnung von Mars wird auf den späteren Kampf um La
Rochelle, den wichtigen Stützpunkt der französischen Protestanten, hinge-
wiesen. Die günstige Lage der Festung am Meer (Neptun) erforderte unge-
wöhnliche und grausame Maßnahmen seitens der Katholiken, um die Stadt
im Oktober 1628 zur Übergabe zu zwingen; siehe Werk Nr. 104.
ku Mit flüßen (= undae) sind die Wasser der Loire gemeint.
kv In Poitiers befand sich die »Kunst- und Wunderkammer« des Apothe-
kers Contanti, »von der ein eigen Buch ausgegangen.« (Zedler)
kw Orléans war ein wichtiger Umschlagplatz für Wein; jährliche Ausfuhr
etwa 200 000 Fässer. (Ersch und Gruber)
kx Fremde hielten sich gern in O. auf, um dort das reinste Französisch zu
erlernen. Merkur: Gott der Rede und Beredsamkeit.
ky Der Pariser Aufenthalt währte vom 10. Juli bis 23. Sept. (Krebs 8)
kz außzug = Inbegriff, extractum
la Ruhe Dkf F
lb Tours/] Aus Toous/ Dkf X,
Zours Dkf F emendiert
lc Ar oder Arar »fluvius est Galliae ... ex eodem quo Rhodanus monte
exiens ...; alio nomine Sagona dicitur«. Rob. Stephanus, Dictionarium,
Köln 1563; also Saône; siehe auch Caes. Gall. I 12,2. Rhodanus = Rhône
ld Clichéhafte Nennung der Abgeschiedenheit Englands klingt an: »... et
penitus toto diviso orbe Britannos«, Verg. Ecl. I 66.
le Rückkehr nach Calais am 31. Okt. 1613 (Krebs 8)
lf In dieser Formulierung drückt sich eine vorsichtige Anerkennung der
Opposition gegen Spanien aus.
lg am Rand: [42]
lh Die Reisegruppe kehrte am 14. Januar 1614 nach Greifenstein zu-
rück.
li Nach Hor. Ars. 142; Anfang der Odyssee!
lj Isaac Casaubonus (1559–1614), ein wichtiger Altphilologe seiner Zeit.
lk Jacques Auguste de Thou (1553–1617), Historiker und Staatsmann
ll Joseph Justus Scaliger (1540–1609), Sohn des ebenfalls berühmten
Julius Caesar Scaliger, beide außerordentlich aktiv als Herausgeber klassi-
scher Autoren. Da J. J. schon 1609 verstorben war, wird H.U.v.Sch. ihn
schwerlich »erkandt« haben.
lm Gesehn] Aus Gesehen Dkf X
nach F
ln wolgeb. = (an den Ufern)
wohlbebaut
lo Schluys = Sluys
lp Der Sinn ist: ... was man auch sonst etwa noch für einen Geist nennen
kann, der von Prometheus aus guter Erde geformt worden ist.
lq Die in den Zz. 155/56 namentlich genannten und in Z. 150 nach ihren
Wohnstätten unterschiedenen Nymphen; dazu Forster 250, Anm.4.
lr Göttin der ältesten römischen Religionsordnung, Beschützerin der
Hirten und Herden.
ls am Rand: [43]
lt Nach Rückkehr von der Bildungsreise nahm H. U. sich energisch der
Verwaltung seiner ausgedehnten Besitztümer an: u. a. förderte er die Lein-
wandherstellung in Greiffenberg, baute die Burg Kemnitz aus und erneuerte
1616 und 1627 die Bäder in Warmbrunn (S. 575 infra); bei der Hungersnot
1617 ließ er Brot verteilen; als Befehlshaber einer schlesischen Reiterkom-
panie unterstützte er die böhmische Sache und wurde zum Defensor Schle-
siens gewählt. Nach dem Dresdener Akkord war er auf seiten des Kaisers
tätig, indem er auf eigene Kosten Arkebusiere, ja ein ganzes Kürassierregi-
ment warb und ins Feld führte. In der Zwischenzeit war er auf Fürstentagen
und als Landeshauptmann tätig (Krebs passim).
lu einverleiben = Gestalt, Körper
verleihen
lv heer/] Aus herr/ Dkf X nach F
lw hie F
lx Ruhe Dkf F verhengen =
pflegen (nachhängen)
ly Delia ist die auf Delos geborene Göttin der Jagd Artemis/Diana.
lz Opitz verbirgt hier die geschichtlichen Ereignisse unter z. T. mytholo-
gischen Floskeln. Die Absicht war, H.U. möglichst neutral aber als aktiv
und um das Schicksal des Heimatlandes besorgt darzustellen; tatsächlich
kämpfte er 1626 gegen Mansfeld und Weimar. Wallenstein hatte 1626/27
seine Truppen nach Schlesien in Winterquartiere gelegt, 1627 wurde H.U.
näher mit Wallenstein bekannt und 1628 schloß er sich ihm an. Inzwischen
drohte Gustav Adolfs Einfall, worauf sich Z. 178 beziehen dürfte.
ma jhm ... 191 lufft.] Anklänge an Claud. Paneg. Olybr. et Prob. 18–28;
diesen Hinweis verdankt Hrsg. Herrn Werner Traeger, Bamberg.
mb Das Sternbild des aus Thrazien stammenden Orpheus, die Künste.
mc thier: der große und kleine Bär
md Lob der Piasten, mit denen H.U. seit 1620 durch die Heirat mit
Barbara Agnes verwandt war; aus dieser Ehe gingen 4 Kinder hervor.
me abgel. = entspannt
mf er wachsen] Aus erwachsen
Dkf X nach F
mg zweige = Nachkommen
mh am Rand: [44]
mi Göttin: Hyperbole für die hl. Hedwig, Schutzpatronin von Schlesien;
sie starb 1243.
mj Heinrich II., Hedwigs Gemahl, fiel 1241 bei Liegnitz in der Schlacht
gegen die Mongolen.
mk Das Buch des Schicksals, wie in Z. 17.
ml Hier wendet Opitz sich wieder der Arcadia zu. In der ›Prosa Duode-
cima‹, S. 198 ff. beschreibt und erklärt Sannazaro das heiße, schwefeldamp-
fende Gelände seiner Heimat, z. T. mit Worten aus Vergil und Ovid. Opitz
kürzt und läßt eine Nymphe die zwei heilsamen Quellen von Warmbrunn
erwähnen, ehe die Wanderer mit einem moralisierenden Schlußsatz entlas-
sen werden. Hueb. 84–86 druckt die Parallelstellen ab.
mm führte] Umlaut nach F
mn so fehlt Dkf F
mo am Rand: [46]
mp blöd = schwachsichtig
mq mercklich = bemerkenswert
mr wir] Aus Dkf wie nach F
Ged.4 dir fehlt Dkf F
ms Mit dem Berggeist Rübezahl und seinen verschiedenen Erscheinungs-
formen sowie mit seiner neckischen Tätigkeit (hier Schneefall bei sonst lieb-
lichem Wetter) war Opitz gewiß aus mündlichen Mitteilungen vertraut. In
diesem Falle hält er sich jedoch an die Übermittlung des schon in Anm. 38a
genannten Caspar Schwenckfeldt. Aus dessen Stirpium et Fossilium Silesiae
Catalogus
, Görlitz 1601, Bl. d3b, übernimmt Opitz die Aufzählung der Ge-
stalten R.s (mit einer Auslassung, der des Hahnes.) Eine spätere Liste
Schwenckfeldts, Hirschbergischen Warm Bades ... Beschreibung 11607,
S. 157, nennt überschneidend 5 Gestalten, läßt aber Hahn und Raben aus.
Da Opitz den Raben nennt, muß er das lateinische Werk benutzt haben. Den
Hinweis verdankt Hrsg. L. Forster, Theatr. Europ. 245.
Man beachte den überlegen-ironischen Ton, in dem die Wanderer von R.
sprechen.
mt ni. übrigs glauben = dem Aber-
glauben (der superstitio) nicht
huldigen
mu m. g. vergeben = vergiftet
mv vollbr. = üppiges Tafeln
mw zugeknüfft Dkf F
mx birgmann = Bergmann, metal-
licus
my i. d. höhe = auf den Bergeshö-
hen
mz zue fehlt Dkf F
na Enbildungen Dkf F
nb »Verzauberung« durch Alkohol ist ein beliebtes Thema in den Roma-
nen der Zeit; siehe z.B. Simplicissimus I, 32.
nc Sulpitius Severus, Opera Omnia, C. Halm, Hrsg., CSEL, Wien 1866,
Bd.I, »Vita Beati Martini«, Kap. 24, S.134; auch PL 20, 174.
nd Gott der thrakischen Geten, Hdt. 4, 94–96
ne Siehe Anm. 49
nf erstes die fehlt Dkf F
ng grösseres F
nh dick = dicht
ni sagte F
nj »Parturient montes, nascetur ridiculus mus«, Hor. Ars 139
nk am Rand: [50]
nl Liebeszauber war seit Beginn der Hirtendichtung ein beliebter Topos:
Theokrit II, ›Pharmaceutriai‹; siehe auch Verg. Eclog. VIII 64ff. etc. In der
letzten der fünf (meist der Arc. beigegebenen Eclogae piscatoriae läßt San-
nazaro die Hexe Herpylis eine Beschwörung inszenieren. Jedoch entstam-
men mehrere Einzelheiten in dem nun folgenden Gedicht einem Bericht dar-
über, was eine »famosa vecchia, sagacissima maestra di magichi arteficij«
(Arc. 167) mit Liebeszauber bewerkstelligen kann. Erwähnt werden von
Sannazaro wie Opitz u. a. Sterne, Mond, Tote, Flüsse, Klippen, Krötenblut
(»sangue dela vipera«) und Pferdebrunst (»il veleno dele innamorate ca-
valle«).
nm schaube = Kleidungsstück mit
weiten Ärmeln
nn Opitz hat aber auch eine Stelle aus dem 10. Prosastück der Arc.
(204ff.) mitbenutzt; dort erzählt ein Priester, was er tun würde, wenn die
Zeit günstiger wäre für einen Liebes- oder Gegenzauber. Hierher stammen:
dreykopf Hecate, Pluto/Erebus, bei Mondschein eingelesene Kräuter, Aus-
ziehen des linken Schuhes, die linke Hand, ungebrauchter Schwefel, drei-
maliges Spucken, Bild aus Jungfernwachs, drei Fäden und drei Federn un-
gleicher Farbe, die lange Nadel (Schwert) und die hinter sich geworfene
Asche. Siehe auch Hueb. 91 ff.
no Fingernägel, Haare, Blut, Kerzen, Nadeln, Totenknochen, Eisen-
kraut, Wachsbilder, etc. sind überall zum Liebeszauber benutzt worden;
siehe Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch d. dt. Aberglaubens, s. v. ›Liebes-
zauber‹ 3 u. 4.
np Ged. 21 drummel i. d. r. = Rohr-
dommel
nq Westerh. = mit Stickerei ver-
ziertes Taufkleidchen
nr Die kurzen Zaubersprüche sind denen im 10. Kap. der Arcadia nach-
gebildet. Die gehen wiederum auf damals in Italien übliche zurück (Hueb.
94).
ns der loh = die emporschl. Flam-
me, Lohe der Lohe Dkf F
nt desselben F
nu sprützen = spucken
nv jungfr.wachs = vorher noch
nicht benutztes Wachs
nw jemanden scherzen = seinen
Scherz treiben mit jemandem
nx Alle Hexen können »Wetter erregen«, doch wahrscheinlich ist diese
Stelle durch eine ähnliche im 9. Kap. der Arc. hervorgerufen worden. Dort
rühmt sich die schon erwähnte »famosa vecchia« ihrer Macht, durch »in-
cantamenti inviluppare il cielo di oscuri nuovoli, et ad sua posta ritornarlo
nela pristina chiarezza«; siehe auch Bächtold-Stäubli, s.v. ›Hexe‹ II 2, A.
ny Als wie das F} Metrum geändert
nz jhm auch F
oa übern Kopff/ F
ob verbr. = gebrochenen
oc jhre fehlt F erschreckliche F
od nicht recht = kaum
oe Ged. 3 kein Dkf F
of Bäwe Dkf F
og gnädigem Dkf F
oh Die Besitzungen von H. U. s Nachbarn Wallenstein im Königreich
Böhmen; Hinweis auf die sich bis an den Rhein erstreckten Kriegsunruhen
in den nun folgenden Gedichten.
oi Die Art dieser Hirtengespräche in gebundener Rede ist San. nachge-
bildet, etwa den Gesprächen der 9. Ekloge.
oj am Rand: [53]
ok Landesstrom: die Elbe; Buchner ist Sachse
ol Mulde = Moldau; Anspielung auf die in Böhmen entstandenen
»Läufte«.
om läuffte = Zeitläufe, histor. Er-
eignisse
on Ged. 9 ja] jn Dkf F
oo Zu Jette siehe Bd. I, S. 186; Venator ist Pfälzer.
op ... sed carmina tantum
nostra valent, Lycida, tela inter Martia, quantum
Chaonias dicunt, aquila veniente, columbas. Verg. Ecl. IX 11
oq am Rand: [54]
or Aus den folgenden Zeilen spricht die Klage, die auch bei Vergil in den
Eklogen I und IX ihren Ausdruck fand.
os »monuisset ab ilice cornix«, Verg. Ecl. IX 15
ot General v. Lichtenstein, der »Kühmelker«, befahl, das Vieh zweimal
zu melken, damit die Schlesier höhere Kontributionen leisten könnten.
ou Necker Dkf F
ov bühel = Hügel Ruhe Dkf F
ow Der] Er F Kö.: Berg südöst-
lich von Heidelberg
ox sch. (3silbig) = Nebelkrähe
oy rüste = Rast, Ruhe
oz am Rand: [55]
pa bircken] Rinden F
pb fichten] Bircken F
pc kalte Dkf F
pd Vndt] Aus Wndt Dkf X nach F
pe Cybele: Dieser aus Kleinasien eingeführten Muttergöttin wurde in
Rom am 22. März eine Fichte (oder Pinie) in den Tempel gebracht; Ov. Met.
X 103f.
pf Die Birke wird »fromm« genannt, weil sie am 1. Mai oder zu Pfingsten
als Maibaum in Kirchen, Häusern und auf Plätzen aufgestellt und auch in
Fronleichnamsprozessionen verwendet wurde; Bächtold-Stäubli, s.v.
›Birke‹ und ›Maibaum‹.
pg Wortspiel: »Augen« sind die im Frühling anschwellenden Blätter-
knospen (gemmae) der Reben.
ph ermuntere Dkf F
pi fieng] sing Dkf F
pj schartzes Dkf F
pk Vgl. Sinceros ›Sestine‹ Arcad. Prosa VII; zu »Wo ist« siehe Hueb.
99f., J. Rieß, Die Sestine, München 1971, S. 162–65 und Gel. 173–75.
pl am Rand: [58]
pm Nemes. IV 26ff. (Ov. Ars am. II 481–88 ist dort das Vorbild); die
Folge bei Nemesian ist: cerva, lupa; zur Manier dieser Aufzählung siehe
Hueb. 99f.
pn einer Dkf F
po ein gelehrte Dkf F entwei-
chung = secessio, einsamer Ort
Ged. 11 reiger = Reiher
pp Men Dkf F
pq Hinweis auf Urfés Astrée ist abwegig. Die Vorlage, ein Sonett von H. L.
de Parchère auf die Augen der Gabrielle d’Estrée, der Geliebten Heinrichs
IV.
, bringt Th. A. Schröter in Euphor. 20 (1913), 149–51; dort Abdruck
nach der Ausgabe von 1607. Siehe auch Beckmann 119f., Gel. 175 und
Trunz’ Nachwort zum Reprint von Opitz, Weltl. Ged. II, S. 79*. Auf die
Nachwirkung geht M. v. Waldberg ein: Die dt. Ren.-Lyrik, Berlin 1888,
S. 221.
pr am Rand: [59]
ps »Der Gekrönte« war Opitz’ Gesellschaftsname seit seiner Aufnahme
i. J. 1629.
pt Tobias Huebner (1577–1636) ist als Übersetzer der Schöpfungsepen
von du Bartas bekannt.
pu Nach Verg. Georg. I 54, 57: »hic segetes, illic veniunt felicius uvae, |
arborei fetus alibi« und »India mittit ebur, molles sua tura Sabaei.«
pv Über Thales’ Theorie berichtet Arist. Met. I 3, 983 b.
pw Für die in der Barockliteratur beliebten Berichte über Wunderwässer
standen z.T. recht alte Aufzählungen zur Verfügung. Über die »fontes« in
Böotien berichten z. B. Seneca, Nat. Quaest. III 25,3; Plinius, Nat. hist. II
230 und Isidorus Hispalensis, Etymolog. XIII 5 (allerdings sind sie bei ihm
in Thessalien). Opitz benutzte auch eigene Kenntnisse und mündliche Be-
richte, besonders für die Wässer in und auf dem Wege nach Siebenbürgen;
siehe Werk Nr.76A, Z. 36 u. sonst. Grimmelshausen bediente sich anderer
Listen für seine Aufzählungen in Simplic. V, 10 u. 14, sowie VI, 14.
px mittel = Mitte, Kreis
py were.] sey. F
pz ein = hinein
qa worden/] Aus wurden/ Dkf XF
emendiert
qb gern Dkf F
qc stetswehrendes Dkf F
qd die andere Dkf F
qe Debris: Solin. 29, 1, doch ohne das »zehen mal«; auch Plin. Nat. hist.
V 36 u. Isidor Etymolog. XIII 13, 10. Garama ist nach Plinius, loc. cit., die
Hauptstadt der Garamentes (eines Volkes in Afrika).
qf »in Carrinensi ... agro«, Plin. Nat. hist. II 231; Larinensi ist fehler-
haft.
qg Clitorius lacus: Ov. Met. XV 322; Isidor. Etym. XIII 13,2
qh Teno: Athen. II 43c
qi Dieser Brunnen sowie einige andere Wässer konnte noch nicht identi-
fiziert bzw. verifiziert werden.
qj In der Grotta del Cane bei Neapel werden Hunde aus Sauerstoffmangel
ohnmächtig; sie wurden wiederbelebt, indem man sie in den See Agnano warf.
qk Opitz lernte den Zips 1622/23 auf seiner Reise nach Siebenbürgen
und zurück kennen.
ql Bei Thorda, südöstlich von Cluj /Klausenburg in Siebenbürgen befin-
den sich mehrere solcher stark salzhaltiger »Pfützen«. Siehe 76A, Z. 59.
qm kein Dkf F
qn titul = Nachweis rechtmäßigen
Besitzes
qo bekommen kan/ Dkf F
qp bleibt] Aus bleibe Dkf X nach F
qq »Higia«: Göttin der menschlichen Gesundheit; übliche Schreibung ist
Hygieia.
qr Plin. Nat. hist. XXXI 6–8
qs Vgl. Werk 76A, Z. 33.
qt denen ist auch das F
qu Ged. 10 quillt] Aus quillet nach F
qv Artzeney Dkf F
qw schlich = gewaschenes oder ge-
pochtes Erz
qx Linker Nebenfluß des Bober. Hier ist der kleine Zacken gemeint, der
dem westl. von Warmbrunn gelegenen Teil des Isergebirges den Namen Zak-
kenkamm gibt.
qy Der Leser mochte zu der Zeit zwischen Rebe und Gerste wählen; der
Tabak war noch nicht wichtig.
qz Opitz’ Aufenthalt fiel in das Jahr 1624; siehe die Einleitung zu Werk
Nr. 60.
ra nicht allein allermassen F
rb sich verbrennen = sich anstek-
ken
rc leiden = ausstehen, bei sich
dulden oder] vnnd F chole-
risch = jähzornig, streitsüchtig
rd Venators Urteil kann aus der erhaltenen Korrespondenz nicht erhär-
tet werden. Wahrscheinlich legt Opitz hier Berneggers Lob (Rei 182,41
[nicht Rei 156, wie S. 294 von Bd. II angegeben]) dem jüngeren Freunde in
den Mund.
re Etwa das Sonett »An die Hirschbergischen Bäder«, C II 373.
rf Alle Quell- und Badehäuser waren bisher runde Kuppelbauten gewe-
sen. Abbildungen von Badehäusern in Warmbrunn finden sich bei
G. Grundtmann, Schles. Architekten im Dienste d. Herrschaft Schaffgotsch
u. d. Probstei Warmbrunn
(Studien z. dt. Kunstgesch. 274), Straßburg
1930, Tafel I 3 u. XII 26, 28; siehe auch Kap. 3: »Die Warmbrunner Bä-
der«; desgl. Nüßlers Sonett, Z. 13.
rg Die Beschreibung des Quellwassers schließt sich eng an die von Caspar
Schwenckfeldt gemachte an: Hirschbergischen Warm Bades Beschreibung
S. 62; siehe Anm. 38a und 119. Hinweis aus Forster 246.
rh Die Römer pflegten Weihepigramme (tabulae votivae) an Tempelwän-
den aufzuhängen; ironisches Beispiel: Hor. Carm. I 5, 13.
ri ersättigt F
rj anheimischen Dkf F
rk Hochwolgebornen fehlt F
rl folgen Dkf F
rm am Rand: [64]
rn Ged. II 8 sölche Dkf F
ro am Rand: [65]
rp Die (in der Landschaft Pieria beheimateten) Musen.
rq am Rand: [66]
rr Ged. III 8 Ruhe/ Dkf F
rs Ged. IV, nach 36 ENDE. F
rt Zu S. [67/68] siehe die Einleitung.
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