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118 Sz 113 Dü 114 1630

.1 Quae tua me

.2 Nur diese straffe

Einzeldruck X: Super Illustrissimae | DVCIS OLSNENSIS, | Matris
Patriae, | Et Pientissimae Principis, | Obitu | Martini Opitii | Car-
men:

4: A Exemplare: Breslau; Göttingen UB; Yale UL, FdF 217

Es ist ungewiß, ob Baumann in Breslau oder Bössemesser in Oels
das Werk gedruckt hat. Opitz war wohl auf möglichst rasche Fertig-
stellung bedacht und mehrere Fehler sprechen dafür, daß er nicht
Korrektur gelesen hat. Wahrscheinlich wurde dieser Druck schon
zur Zeit der Beisetzung am 9. April in Oels verteilt. Die Ausführung
ist recht einfach: Rückseite des Titelblattes und Bl. A4b blieben un-
bedruckt; oben auf Bl. A2a findet sich eine Zierleiste von
2,3 × 12,7 cm; am Ende des Alexandrinergedichts ein Dreiecksor-
nament, 3,8 × 4,2 cm. Eine Abschrift der lateinischen Zeilen findet
sich in der Handschrift R 402,778; das deutsche Gedicht wurde spä-
ter noch im Druck wiederholt.

Druck Y steht auf Bl. Ela–2 der Leichenschrift Beschreibung
des Christlichen Abschiedes vnd Fürstlichen
Leich Conducts ...
Der ... Fürstin Elisabeth Magdalenen ... . Gedruckt in Olsse/
Durch Johann: Bossemesser. 1631.
4: 406; SSLS 15 303. Das bei
Mende 449 genannte Exemplar, R742, ist 1632 datiert und umfaßt
378 Seiten. Nur SSLS konnte verglichen werden. Das Gedicht fängt
ohne Überschrift an und ist im Wortlaut identisch mit Druck X.

Der Druck (ohne .1) in F II steht mit neuer Überschrift in der
Abteilung Drittes Buch der Poetischen Wälder. Vber Leichbe-
gängnisse. Er ist auf S. 116/17 hinter das Epicedium auf Herzog
Karl von Oesterreich eingeordnet; ihm folgt das Trauergedicht auf
Dorothee Sybille, Werk Nr. 67.2. Zierleiste aus Eicheln und Doppel-
punkten unter dem Kolumnentitel; am Ende ein kleines Ornament.
Die Änderungen in .2 Z. 10 und 59 scheinen auf Opitz zurückzuge-
hen. Keiner der Drucke zeigt wechselweisen Einzug von Alexandri-
nerpaaren.

Elisabeth Magdalene war eins von sechs Kindern aus der Ehe von
Georg II., Herzog von Brieg (1523–86) und Barbara, der Tochter
Joachims von Brandenburg (1527–95). Ihr Bruder Joachim Fried-

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rich (1550–1602), Herzog von Liegnitz-Brieg, war der Vater der
Herzöge Johann Christian und Georg Rudolf. Elisabeth Magdalene
wurde am 17. Nov. 1562 geboren; am 21. Sept. 1582 wurde sie mit
Karl II., Herzog von Münsterberg-Oels vermählt. Es war Karls
zweite Ehe. Eine der Töchter aus dieser Ehe, die nach der Mutter
benannte Elisabeth Magdalena (1599–4. Nov. 1631) wurde 1624 die
zweite Gemahlin von Herzog Georg Rudolf. Durch den Tod von Eli-
sabeth Magdalene der Älteren wurde Georg Rudolf also in zwiefa-
cher Hinsicht betroffen: als Schwiegersohn und als Neffe. Die bei-
den Leichengedichte zu dem am 1. Februar eingetretenen Tode der
Herzogin wurden am 6. März von Leipzig aus übermittelt; Opitz be-
fand sich schon auf der Reise nach Paris.

Die in den Bibliographien fortgeschleppte Konfusion der Le-
bensdaten wurde durch Franz Heiduk beseitigt: »Fragen an eine
Opitz-Bibliographie«, WBN 5 (1978), 209/10. Auf die Tafeln X und
XIV bei Grotefend sei hingewiesen. Zu »Nur diese straffe« siehe
Gellinek 247–49.


.1 aCelsissimo Principi ac Dno., Dno.
GEORGIO RVDOLPHO,
Duci Silesiae,
Lignicensi, Bregensi ac Goldtbergensi,
Sacr. Caes. Maiest.
Consilario ac Cubiculario,
Principi ac dno. Suo Clementissimo,
Mart. Opitius.

Quae tua me pietas iussit conscribere, Princeps
Optime, sunt meritis inferiora tuis,
Scilicet ad fessos pariter curisque viaque,
Nec sibi constantes, lentus Apollo venit.
5 Tu tamen hoc fieri voluisti illius honori,
Quae caelo magnis addita gaudet avis.
Virtuti confide tuae; patriae inclita mater
En iacet, Olsnensis lux Lygiaeque domus.
b
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At tibi fortunae, generis spes fida, tot inter
Lubrica, dent niveos astra benigna dies.

Lipsiae in transitu,
Prid. Nonas Martias.

c

.2

d NUr diese straffe hatt vns einig noch zur zeit
In Schlesien gefehlt/ dein todt; diß hertzenleidt/
O heldinn/ muß nun auch dem lande wiederfahren/
Dem lande welches schon von vier mal dreyen jharen
5 Mitt seinem tode ringt/ seit daß es in verdacht
Vndt straucheln wieder danck vndt willen wardt gebracht.
Der himmel hatt gezürnt/ das fewer vns verzehret/
Die lufft auch pest geheckt/ die flut das feldt verheeret/
Die erde die vns tregt getragen nicht so viel
10 Daß manches eßen kan so saat er soll vndt wil.
Was sagen wir von last der kriegesmacht vndt renten/
Nach dem wir armes volck auch mitt den elementen
Vndt himmel feinde sindt? o führt ja alle leidt/
Die jhr mit trewer pflicht des landes kinder seidt.
15 Die hoffnung welche wir bißher gesetzet haben
Auffs lohn der gottesfurcht/ wirdt jetzt mitt der begraben
Die durch viel frömigkeit jhr kindt das vaterlandt
Viel mehr geschützet hatt als jemandt mitt der handt.
Zwar wann wir auff das thun der zeiten vns besinnen/
20 Wer wil der Fürstinn doch die Seligkeit nicht gönnen/
Darein sie ist gelangt? sie weiß nun von gefahr/
Von furcht vndt hoffnung nicht/ sie lebet bey der schar
e Der seelen die Gott liebt/ wo Hedwig wirdt sein kommen/
Des stammes heilge ziehr/ sie haben angenommen/
25 Vndt frölich hingeführt/ da wo sie beßer rhue
Vndt Sicherheit ererbt/ als jetzundt eben du/
f g h i
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´O nicht mehr Schlesien! da wo sie nun von ferren
Auff vns herunter sieht/ sampt jhrem fromen Herren
Der (wann die himmlischen auch können trawrig sein)
Sich über dir betrübt/ daß deine lust in pein/
Dein fried’ in krieg/ dein guet in armut vmbgekehret/
Daß mitt dem gelde trew vndt glauben ist verzehret/
Vndt was man beßer denckt. diß ists warumb man weint/
Warumb der heldinn todt zue schnelle kommen scheint/
35 Die nunmehr doch erreicht den winter jhrer jhare/
Vndt frisch an from-sein zwar/ doch gleichwol greiß an haare/
Des leibes baw verleßt. sie wirdt nur einig dir/
O landt/ zue schnell entrückt/ dann sonsten hatt sie jhr
Genung vndt saat gelebt. dieselbten menschen wißen
40 Von schnellem sterben nicht/ die jhrer zeit genießen
Wie recht vndt billich ist/ gebrauchen sie mitt danck/
Vndt machen jhren lauff durch tugendt noch so lang.
Wer aber wirdt hernach/ o Muter/ für vns beten/
Wer wirdt so frey als du für Gott den Herren treten
j Mitt andacht voller glut/ jhm sagen/ er sey mehr
46 Genädig dann erzürnt/ vndt straffe nicht so sehr
Als wol die welt verdient/ die hincket mitt gedancken/
Vndt glaubet mitt der faust/ vndt täglich pflegt zue wancken
Wohin das glücke fellt? wer nimpt das armut nun
50 In seinen milten schutz/ wer wirdt jhm guetes thun
Mitt einer reichen faust? es tragen dich/ o spiegel
Des lebens das Gott liebt/ der ewigkeiten flügel
Auff deine sternen zue/ bey deiner engel schar/
Der noch allhier dein sinn an tugendt ähnlich war.
55 Nun/ heldinn/ guete nacht/ dieweil ja muß geschehen
Wie dein verhengniß wil/ vndt wir dir nach zue sehen
Bereit gezwungen sindt; wir müßen deine grufft/
Vndt dich/ nach welcher nur das landt vergeblich rufft/
So offte wir von angst vndt vnheil werden hören
60 Mitt steter trawrigkeit vndt heißen threnen ehren.
k l m n o p

Fußnotenapparat

a am Rand: [A2a]
b .1 Anrede: 1 Zwei Punkte eingefügt
7 dno.] Aus Dkf duo Clemen-
tissimo,] Aus Clementismo,
c Nach 10 Martias] Aus Dkf Ma-
ritias
d am Rand: [A2b]
e am Rand: [A3a]
f .2 F II 116 Überschr.: Auff den Ab-
schied der Durchleuchten/ Hochge-
bornen Fürstinn Elisabeth Magda-
lenen Hertzogin zu Münsterberg
vnd Oelß. F
g mancher] Aus manches nach F
saat (berecht. Form, siehe
Z. 39.
)
h Renten: Abgaben
i heil’ge F
j am Rand: [A3b]
k Herren: Karl II. war am
28. Jan. 1617 gestorben.
l Fried Dkf F
m noch] Aus Dkf nach nach F
n Gnädig Dkf F
o müßen] Aus mußen nach F
p So offt als wir F
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