87 Sz 81 Dü 91 1627

Iure quidem versus

Jesu Maritante, Amore Coronante ... Jonas Melideus et Anna
Coschvvizia
... Aeterni Amoris Foedus Connubiale Pangunt, Stri-
goviae Proprid. Cal. Dec. A.C. MDCXXVII.... Lignitii Typis Duca-
libus.

4°: Gedicht auf Bl. B3. Exemplar: Breslau 4 E 515,26

Ein Paralleldruck steht in der zweiten Hochzeitsschrift, 87a: Je-
sus Maritat, Amor Coronat ... Jonas Melideus, Ill. Gymnasii Be-
than. P.P. et ... Virgo Anna Coschwizia ... fedus connubiale fa-
ciunt. ... [O. O. und J.]

4°: Gedicht auf Bl. B4; Mitteilung bei G. Bauch.

[Seite 88]

J. Milde, der sich später Melideus nannte, wurde 1585 in Sagan
als Sohn armer Eltern geboren. Seit Mai 1604 besuchte er als Stipen-
diat der Bergschen Stiftung die Universität Frankfurt (Matr. I,
423b, 15); 1605 war er in Marburg (Falckenheiner, Register), wo er
in die Wirren um die Gründung der Universität Gießen hineingeriet.
Nach fünfjähriger Tätigkeit an der Hofschule zu Kassel wurde er
1617 als Professor oratoriae et Poeseos an das neu gegründete
Schönaichianum in Beuthen berufen; siehe den Titel seiner An-
trittsrede (Nr. 10, mit Opitz’ carmen commendaticium). Schon 1618
ging Milde als Rektor der von Trozendorf gegründeten Lateinschule
nach Goldberg. Dort verheiratete er sich am 4. Dezember 1618. Als
die Schule 1622 geschlossen wurde, erhielt M. den Posten eines Se-
kretärs der Oberamtskanzlei in Liegnitz; doch schon im August
1622 war er wieder in Beuthen als Professor historiarum und (spä-
ter auch) morum. Kurz vor dem Ende der Beuthener Schule nahm
er die Stellung des Rektors in Striegau an. In diesem Amte starb er
1629; der Todestag ist unbekannt.

Die erste Frau war eine Ursula Koschwitz (Opitz, Nr. 30, nennt
sie Sylvia, was wohl als Dichtername gemeint war, parallel der Aste-
ria); Bauch, Trozendorf 464, teilt den Titel der Hochzeitsschrift
mit. Ursula starb i. J. 1624. Die zweite Frau, Anna Koschwitz, war
eine Tochter des Striegauer Ratmannes und Gelegenheitsdichters
ref="http://diglib.hab.de/edoc/ed000257/texts/register/listPerson.xml#koschwitz_f_d" >F. D. Koschwitz. Über 50 Freunde gratulierten in drei Schriften zu
der am 29. November stattgefundenen Hochzeit. Der Schwiegerva-
ter mag die Berufung Mildes vermittelt haben. Als Opitz am 13. Nov.
sein Epithalamium schrieb, befand er sich gerade in Liegnitz auf der
Reise mit Dohna nach Prag; so ging sein Beitrag rechtzeitig ein.

Melideus verfaßte zahlreiche, meist lateinische Gelegenheitsge-
dichte, u. a. ein Epithalamium für Barbara Agnes’ Hochzeit mit
Hans Ulrich von Schaffgotsch. Die von Bauch 474ff. gebrachten
Proben seiner deutschen Verse verraten gänzliche Nichtbeachtung
der neuen Regeln seines Schülers und Freundes Martin Opitz. Nach
CunradusSil. tog. 186 ist zu bezweifeln, daß M. gekrönter Dichter
war:

Grata Deoque piisque mele, Melidee, figuras: O det Scultetus serta! Melodus eris.

Die gründlichste Darstellung von Melideus’ Leben findet sich bei
Gustav Bauch, Valentin Trozendorf (Monumenta Germaniae Pae-
dagogica 57), Weidmann, Berlin 1921, S. 444–84. Bauch ist auf

[Seite 89]


S. 483 ein Versehen unterlaufen: er wundert sich darüber, daß M.
eine zweite Anna Koschwitz heiratete; die eigenen Mitteilungen hät-
ten den Biographen vor diesem Irrtum bewahren sollen.

Iure quidem versus, vatum doctissime, nostros In thalami poscis gaudia sacra tui. Agnosco veterem, quo me dignaris, honorem Et studia et quicquid Musica turba colit. Sed mihi Maecenas Phoebeas subtrahit artes Et vocat et »Pragae tecta videbis«. ait. Hac sequar; interea fatorum agnosce lubentem Hunc animum atque fove quae volet esse tua. Haec ego: sed quid agat nostris cum versibus ille, Carmina quo melius pangere nemo potest?

Mart. Opitius Lignicii in
transitu perscripsi XVII. Cal. Decemb.


Fußnotenapparat

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