[Seite 267]

45. Sz 34; 150 1621
Lobgesang Jesu Christi

Einzeldruck X: Dan. Heinsii | Lobgesang Jesu | Christi | des
einigen vnd ewigen | Sohnes Gottes: | Auß dem Holländischen in
Hoch- | Deutsch gebracht | durch
| Mart. Opitium.

4°: A–D, unpaginiert.

Exemplar Breslau 4 A 234/15 und (4 E 513/5 =) 355 059.

Gliederung: A1a Titel, A1b leer; A2a–A2b Widmung an Caspar
Kirchner
; A3a–A4a An den Leser; A4b Innhalt vnd nutz dieses
Lobgesanges; B1a–D4a der Text des Lobgesanges. Am Ende ein
Strich; darunter: Zu Görlitz im Marggrafenthumb Oberlausitz |
druckts Johann Rhambaw. | [Strich] | M. D. XXI. D4b ist leer.
Keine Kolumnentitel; Seitengröße etwa 190 × 150 mm.

Zweitdruck in Sammlung A, Seite 118–142 wie folgt: oberes
Drittel von 118, Kopftitel fast genau wie der Haupttitel von X,
nur folgt dem Namen des Dichters der Zusatz Silesium.. Un-
mittelbar unter dem Kopftitel beginnt An den Leser., auf 120
spitz auslaufend; 121–142 unter der Überschrift Lobgesang
Jesu Christi. der Text; am Ende dreieckiges Zierstück, 43 × 51
mm, links unten beschädigt; Engelgesicht mit Flügeln.

Der dritte Druck steht in Sammlung B, Blatt F3a–K3a wie
folgt: F3a Zwischentitel, fast genau wie der Haupttitel von X; F3b
unter einer Kopfleiste, 8 × 105 mm, die zwei Paragraphen Dan.
Heinsius
, Praefatione... und Gerbrandt Brederodt vber... wie
unten; F4a und b, mit denselben größeren Lettern wie die beiden
Empfehlungsparagraphen gedruckt, die Widmung an Kirchner,
spitz auslaufend. G1a Ad ... Hamiltonium ... wie unten abge-
druckt. G1b–G2a Inhalt und Nutz ... G2b–K3a der Text des Ge-
dichtes unter dem Kopftitel wie der Haupttitel von X, nur daß die
Formulierung gegen Ende (z. T. fehlerhaft) lautet: ... Gottes. | In
Hochdeusch versetzet | Durch | Martinum Opitium. Am Ende
rechteckiges Zierstück, 28 × 68 mm. Kolumnentitel G3a–K3a ist
(links) Der Poetischen Wälder; (rechts) Erstes Buch ..

Vierter Druck in Sammlung C, erster Teil, S. 47–78 wie folgt:
[47] Zwischentitel wie Haupttitel von X; 48 Zierleiste und darun-
ter die Zitate aus Heinsius und Bredero fast genau wie in B.

[Seite 268]


S. 49, unter Kolumnentitel Erste Buch., das Gedicht an Hamil-
ton; 50–53, unter von jetzt an auf jeder Seite erscheinenden Ko-
lumnentiteln (l.) Der Poetischen Wälder (r.) Erste [sic] Buch.,
folgt Inhalt vnd Nutz dessen Lobgesanges., welche Partie noch
die ersten drei Zeilen von 53 einnimmt. Dann nach einem Strich
der Kopftitel; im Wortlaut wie in B, doch ist der Fehler Hoch-
deusch] in Hochdeutsch verbessert worden. Text des Lobgesanges
53–78; am Ende dreieckiges Zierstück, 37 × 44 mm, mit Adler-
köpfen oben links und rechts, Engelkopf mit Flügeln in der Mitte.

Einzeldruck Y: DAN. HEINSII | Lobgesang | JESV CHRISTI |
des einigen vndt ewigen | Sohnes Gottes/ | Mitt notwendiger auß-
legung/ | Darinnen der grundt des alten Christlichen | glaubens
verfaßet ist. | Hochdeutsch gegeben | Durch
| MART. OPITIVM.
4°:):(,):():(, A–N2 Exemplar: Breslau 4 E 515/7 und ein
weiteres. Sz Nr. 150. Das Datum, 1633, geht aus dem Kolophon
hervor.

Gliederung:):(1a Titel;):(1b –):(4b Widmung an Georgen
Rudolfen
...;):():(2a und b Inhalt und Nutz ...; A1a [= S. 1]
Kopftitel DAN. HEINSII | | Lobgesang | JESV CHRISTI | Des
einigen vndt ewigen | Sohnes Gottes.
Dann acht Zeilen Text, dar-
unter Außlegungen vber den Lobgesang ... wie unten, S. 318 ff.
Es folgen bis M1a = S. 89 Text und Auslegungen vermischt,
z. T. auch noch mit Randnoten. Von M1b = S. 90 bis N2a =
S. 99 Außlegung | Etzlicher Weltlichen Historien/ wörter ...,
wie unten. Von S. 2–99 lautet der Kolumnentitel (l.) Lobgesang;
(r.) Jesu Christi.. Nach dem Wort Ende. und einem Strich, der
Kolophon: Gedruckt zum Brieg/ durch Augustinum | Gründern/
In Verlegung Davidt Müllers | Buchhändlers in Breßlaw 1633..
Der Druck schließt mit einem kleinen Ornament; N2b ist leer. Be-
merkenswert sind einige ungewöhnliche Schreibungen, die aller-
dings nicht ganz konsequent durchgeführt wurden, z. B. mitt,
muter und häufiges ü am Wortanfang.

Der sechste Druck erscheint in Sammlung E, Geistliche Poemata,
S. 285–312 wie folgt: 285 Zwischentitel fast wie in X; 286 unter
einer Kopfleiste von 7×74 mm das Zitat aus Heinsius; das Zitat
aus Bredero fehlt. Dann folgt das Gedicht an Hamilton, welches
mit den letzten sechs Zeilen auf S. 287 hinüberreicht. Unter einer
Zierleiste von 7×73 mm folgt 287–289 Innhalt vnd Nutz...; auf
S. 290–312, unter einem Kopftitel wie bei B (nur fehlt In vor

[Seite 269]


Hochdeutsch), der Text des Lobgesanges. Zum Schluß, dreiecki-
ges Ornament mit geflügeltem Engelkopf, 29 × 36 mm.

Aus dieser Zusammenstellung erhellt, daß Zincgref das einlei-
tende Material des Einzeldruckes X für die Sammlung A auf ein
Mindestmaß – nämlich auf An den Leser. – beschränkte. Für die
Sammlung B und C vermehrte und veränderte Opitz nun die Prä-
liminarien. Kirchners Tod 1627 machte es möglich, Druck Y dem
Fürsten Georg Rudolf zu widmen, aber die schon 1621 verspro-
chene Übersetzung der Auslegungen ließen das Werk durch Ge-
lehrsamkeit aus zweiter Hand in geradezu bedrückender Weise an-
schwellen. Mit E wurde wieder ein geringerer Umfang erreicht.
Textliche Überarbeitung wird besonders bei C und Y bemerkbar.
Auszeichnung der Eigennamen durch den Druck verschwindet
nach XA.

Bodmer und Breitinger drucken den Lobgesang auf S. [43]–107
ihrer Ausgabe der Lobgedichte. Die Schweizer folgen dem Text
der Sammlung E; sie modernisieren leise, bringen einige eigene
Anmerkungen sowie Lesarten aus den andern Ausgaben. Sie kann-
ten aber weder X noch Y. Später wurde ihnen Y bekannt und auf
S. [619]–690 bringen sie daraus die Auslegungen; die auf Y be-
züglichen Lesarten erscheinen auf S. 691/2. Druck X blieb ihnen
unbekannt. Aus ihrer Historischen Nachricht von diesem Lob-
gesang erfahren wir u. a., daß Buchner Opitz’ Übersetzung Barth
gegenüber sehr lobt (Buchner, Epistolae, Teil II, Dresden 1692,
S. 161) und daß Martin Nessel (1607 bis nach 1667) den Lobgesang
ins Lateinische übersetzt hat. Es handelt sich um Danielis Heinsii
Hymnus Jesu Christo ... Belgice conscriptus, ... nunc Latine a
Martino Nesselio Moravo,
Rostock 1635, 4°: A–I (Exemplar UB
Kiel Cb 1650); weitere Ausgaben Emden 1647 und Bremen 1656.
Auf die lat. Übersetzung Nessels folgt Opitz’ deutscher Text nach
der Ausgabe C. Über Nessel siehe Jöcher III und Erg. Bd.

Tittmann und Oesterley bringen den Lobgesang nicht. Bei Wit-
kowski (1902) ist er S. 165–198 nach A mit Lesarten abgedruckt.

HeinsiusLof-sanck van Iesvs Christvs wurde 1616 in Amster-
dam separat veröffentlicht; seit 1618 erscheint er als Teil von
Nederduytsche Poemata. Nach dem Titel kommt die Prosawid-
mung an Jacob van Dijck. Es folgt ein Gedicht von 20 Zeilen,
worin Heinsius ausführt, er sage jetzt der Venus adieu und wolle
Christus preisen. Heinsius’ Freund Petrus Scriverius trägt ein

[Seite 270]


Empfehlungsgedicht von 60 Zeilen bei. Dann folgt Inhout ende
nuttigheyt van desen Lofsanck. und (1622) eine Liste älterer
Autoren, meist Kirchenväter, die für die Auslegungen benutzt
worden sind. Nach den Alexandrinern des Textes stehen die Aus-
legungen (1622 unterm Text, außer den ›Weltlichen‹); Zeilen-
zählung zu viert; keine Auszeichnung der Namen. Die Aus-
legungen stammen von P. Scriverius; doch ist anzunehmen, daß
der als Patristiker bekannte Heinsius dazu beisteuerte. Zahlreiche
Einfügungen in Text und Auslegungen bezeugen, daß Opitz nicht
nach der Erstausgabe übersetzt hat.

Eine verständige Beurteilung, die auch neueren Ansichten über
das Barock gerecht wird, findet sich auf S. 27–31 des Heinsiuska-
pitels von Professor G. A. van Es in Geschiednis van de Letterkunde
der Nederlanden,
Band 4: De Letterkunde van Renaissance en Ba-
rock,
Teil I, von G. A. van Es und G. S. Overdiep, ’s Hertogen-
bosch und Brüssel 1948. Dort auch weitere Literaturangaben.

Es war sein Vetter Caspar Kirchner, der Opitz zur Nachahmung
von Heinsius angeregt hatte und auf dessen Betreiben hin Opitz
den Lof-sanck übersetzte. Durch die Widmung drückte der Dichter
ihm seine Dankbarkeit aus. Die Übersetzung lag am 1. Januar
1620 in Heidelberg fertig vor; sicher zeigte Opitz sie Heinsius,
dem »Phoenix unsrer Zeiten«, als er ihn im Oktober 1620 in Leiden
besuchte. Die Widmung an Kirchner wurde aber erst Ende 1621
unterzeichnet, als Opitz die Übersetzung in den Druck gab. Sinn
und Form des Originals hat Opitz mit bemerkenswerter Treue er-
faßt und wiedergegeben. Vetter Kirchner dürfte ihm beim Erler-
nen des Niederländischen schon vor seiner Abreise nach Heidel-
berg behülflich gewesen sein. (Über Kirchner siehe Nr. 34.)

Daß für den Druck Y eine neue Reinschrift hergestellt wurde,
beweist das Fehlen der Zeile 762, die im Druck durch Sternchen
angedeutet wurde, was ja nicht geschehen wäre, wenn nach einer
gedruckten Vorlage gesetzt worden wäre. Auch die in der Prosa
von Nutz und Inhalt ausgefallene Zeile geht wohl auf Rechnung
des Abschreibers.

Bei unserm Neudruck wolle man folgendes beachten: Zeilen-
zählung und Zeilenangaben bei den Auslegungen stammen vom
Herausgeber. Bei den Auslegungen wurden die Randnoten von Y
aus technischen Gründen unter die Auslegung gesetzt. Gelegent-
lich wurden Worte, die fälschlich in Zitiertype gedruckt worden

[Seite 271]


waren in die Normaltype der Auslegungen transponiert, und
kleinere Druckversehen wurden stillschweigend verbessert, beides
häufig nach dem Druck der niederländischen Urfassung.

a

ET nos hymnum Dei Filio vernacule conscripsimus, in quo to-
tam de persona Filii doctrinam, versu partim, partim prorsa, ex
antiquitate orthodoxa complexi sumus. In quo, ex his maxime
loquendi generibus (κοινωνίας ἰδιωμάτων exprimentibus) colores
duximus Poeticos.

b
c

WAt Mensch is so lomp of duyster van vernuft/ die sonder Bewe-
ging en groote Andachticheyt/ en recht-schapene soeticheit souw
konnen hooren of lesen die Goddelicke Lofsang van Jesu Christo/
door den hooghen en vytgheleerden
DANIEL HEINSIUS ghe-
maeckt? Ich geloof niet/ datter sterfliick mensch leeft/ die begaeft
is met redeliicke sinnen/ die t’selve soude doen. Vor miin/ ick
mach wel seggen/ dattet mijn hooghste Poesie geweest is/ dar ick
myn opperste genoegen in gehadt hebbe van myn leven.

d
[Seite 272]

e f

MEin Herr Vetter/ Vnter andern Vbeln/ welche den Krieg zue be-
gleiten pflegen/ ist auch die verachtung vnd vntergang des studie-
rens. Dann zue zeit der Waffen haben die/ welche den freyen Kün-
sten ohne diß nicht wol wollen gelegenheit sie zue verfolgen/ vnd
die so sonsten für beförderer derselben wollen gehalten sein/ finden
vrsache sie zue verlassen. Weil derwegen ein hohes Gemüte hier-
durch seines billichen Lobes vnd Rhumes beraubet wird/ sich auch
offtermals ohne hülffe vermögender Leute nicht halten kan/ wird
es leichtlich von seinem vorsatze weg geriessen/ vnd hebet an die
Schönheit der wissenschafft erstlich hindan zue stellen/ darnach gar
zue hassen. Wenig sind die durch die Lehren der männlichen Weiß-
heit sich auffrichten können/ vnd die euserlichen sachen/ welche
warlich nur ein blosser schein sind der Glückseligkeit/ mit vnver-
wandtem Gesichte lassen fürüber gehen. Darfür sie dann sorgen
mögen. Von vns zue sagen/ im fall ich oder jhr in dieser mittel-
mässigkeit vnseres zuestandes mit dergleichen sucht behafftet
weren/ wolte ich jetziger zeit/ da sich alles zue der alten Barbarey
wieder anleßt/ dieses getichte weder in vnsere sprache vmbge-
schrieben/ noch euch zugeschrieben haben. Es hat aber mit
[A2b]
vns/ Gott lob/ so weit keine noth nicht: die wir nunmehr auß weiser
Leute Schrifften das Gemüte/ so mit dem seinen zu frieden ist ge-
fasset haben: welches vns die jenige nicht schencken können/ de-
nen andere mit verlust jhrer Freyheit vnd doch gemeiniglich vmb-
sonst fast zue fusse fallen. So habe ich auch mehr vrsachen diesen
Lobgesang euch zue verehren. Dann das ich geschweige/ das ich
jhn auff ewer gutachten/ welches ich billich bey mir gelten lasse/
an den tag bringe; sehe ich den an der jhn erstlich getichtet/ so ist
es ewer
Heinsius, welchen jhr vmb seiner fürtrefflichen Gaben
willen jederzeit hoch geschätzet/ vnd der euch aus ebenmässiger vr-
g h i j k l m n

[Seite 273]

sache/ wie ich selber an jhm gespüret/ wol geneiget ist. Stelle ich
mir das werck für augen/ so ist es Poetisch: in welcher Kunst ich
wenig dieser zeit euch zue vergleichen/ keinen vorzusetzen weiß.
Es ist auß dem Niederländischen vbersetzet: in welcher Sprachen jhr
beydes viel gelesen/ vnd zue zeiten auch selber geschrieben habet.
Hierzu kömpt nicht allein vnsere höchste Blutsverwandtschafft;
sondern auch die trewe vnd mehr als Brüderliche Liebe:
welche ich bey andern meines theiles zue erklären
kein besser mittel als dieses zue dem mal nicht
gewust habe. Buntzlaw/ zu außgange des

M DC xxi. Jahres.

o
p q

ALs mir vor wenig Jaren etliche Holländische Reime/ auff welcher
art dieser Lobgesang gemacht ist/ zue handen gestossen/ haben
sie mir/ Günstiger Leser/ wegen sonderer bequemigkeit sehr gefal-
len/ vnd vnterweilen/ wann mich der verdruß schwereren studierens
ankommen/ mit vnserem Deutschen dergleichen versuch zue thun
anlaß gegeben. Ob nun zwar damals meine einfälle vnd gedancken
mehrentheils nur auff weltliche sachen (wie dann die jugend auß
mangel reifferen verstandes im gebrauch hatt) gerichtet waren: so
sind mir doch hierumb viel gelehrte vnd tapffere Männer nicht allein
mehr als zuevor geneiget worden; sondern es haben auch etliche ge-
wollt/ das ich selbige getichte zum minsten eines theiles an den tag
geben/ vnd der Leute vrtheil hiervon versuchen solte. Wie dann
vnter andern Herr
Ianus Gruterus (dessen name vnd vnsterblicher
rhum/ Gott lob/ höher ist/ als das er durch die vnwissenheit der
Lästerer könne beleidiget werden) mich durch diese freundliche
Verse also hierzue auffmunterte:

r s t u v w
[Seite 274]

Utile qui miscet dulci, placet omnibus; ergo
Quid renuis, Opiti? Displicuisse nequis.
Nempe tibi claves Erato dedit alma cubilis,
Hic ubi Mercurius dormit et ales Amor.
5 Dum sopor hunc illumque ligat, dexterrimus instas
Atque ab utroque rapis cordis et oris opes.
Applausit furto mox biga quaterna sororum,
Tutior ac quo sis per loca cuncta fuga,
Illius adjiciunt alas, talariaque hujus,
10 Mercuriusque Orbi es alter et alter Amor.

Ich bin aber der gedancken/ es seyen diese vngewaffnete Götter vn-
ter dem wilden schall der Heertrompetten vnd gerausche der Waffen/
mit dem gantz Deutschlandt nun eine geraume zeit erfüllet ge-
wesen/ nichts nütze. Vmb die Trostgetichte in wiederwertigkeit
des Krieges/ derer ich verwiechenen Früling vier Bücher in Jut-
landt geschrieben/ hat es solche beschaffenheit/ das mir bey weh-
rendem zuestande sie in den Druck zue bringen guete freunde
wiederrathen. Dieser Lobgesang ist noch übrig: zwar nicht aus
meinem Gehirn entsponnen; aber doch
[A3b] gäntzlich werth/ daß
er nicht allein von mir in vnsere/ sondern auch von viel gelehrte-
rern in aller welt zungen versetzet werde. Der erfinder hierzue ist
der/ vber dessen vngewöhnlichen geschickligkeit sich männiglich/
so weiß was gelehrt sein heisse/ mit recht verwundert; der weitbe-
rhümbte
Heinsius: welcher in diesem Göttlichen getichte/ das
Scriverius billich die Perle seiner wercke heißt/ alle menschliche
vnd himmlische Weißheit zuesammen geholet/ vnd die vnglück-
seligen verächter der hochfliegenden Poeten zue schanden vnd zue
nichte gemacht hat. Ich muß bekennen/ das sein Landtsmann
einer nicht leuget/ als er an Den von Diick schreiben darff/ er
glaube nicht/ das ein sterblich Mensch gefunden werde/ der ohn
bewegung vnd grosse andacht dieses treffliche Lied könne hören
oder lesen. Ich muß auch wol sagen wie er/ das es meine höchste

Poesie gewesen sey/ daran ich die zeit meines Lebens mein eusser-
stes genügen gehabt habe. Es ist hier nichts ohne außerlesene worte/
x y z aa

[Seite 275]


ohne tieffen verstand/ ohne anleitung zue der Gottesfurcht: nichts
das nicht mit der Heyligen Schrifft/ mit aller grossen Helden/
aller hohen Seelen/ aller Christlichen Lehrer meinung vberein-
stimme: nichts das wir Christen nicht alle miteinander bekennen.
Was mich anlanget/ ob zwar das/ so ich hierbey gethan/ am aller
wenigsten ist; dannoch wann ich das ende/ zue dem es von mir ge-
schehen/ auch die trew/ so ich angewandt/ bedencke/ hoffe ich
nicht/ das mich andere hierumb tadeln/ oder vnser Poet (im fall
ich seine freundligkeit recht kenne) selber verdencken wird. Auff
den thon vnd das maß der Syllaben/ darinnen nicht der minste theil
der ziehrligkeit bestehet/ habe ich/ wie sonsten/ auch hier genawe
achtung gegeben: wiewol denselben auch die Frantzosen selber
offtmals gewalt thun; von vns aber noch fast keiner/ meines wissens/
sich darauff verstanden. Wegen der weltlichen Historien vnd art
zue reden/ die in diesem Lobgesange gebraucht werden/ hat es
heutiges tages keine gefahr nicht. Dann ja auch die Kinder wissen/
das durch solche Poetische wörter theils die Sternen/ theils die Ele-
menten/ theils die himlischen gemüter/ theils fürneme Männer/
theils des einigen Gottes tugenden vnd gaben zue verstehen sind.
Welches niemand (wie in den außlegungen des Lobgesanges/ die
wir zue diesem mal nicht verdeutschen/ gesetzet wird) tadeln
kan/ dann der die alten Lehrer/ welchen der
Autor als den
gelehrtesten vnd gottseligsten nachfolgern der Propheten vnd
Apostel auch hierinnen
[A4a] hat folgen wollen/ nicht
gesehen noch gelesen hat. Vnter welchen
S. Augustinus
nicht der geringste/ vnd der keine Poesie geschrieben/ in
seinem Buche von der meinung der Christen angehende die
Lehre/ das wort
Tethys ingleichen vor die See gebraucht hat.
Ja das mehr ist/
S. Ambrosius in seinem dritten Von dem
glauben/ hat sein erstes capitel gegen diß volck geschrieben/
Die/ sagt er/ wann sie nicht wissen etwas zue tadeln in dem
glauben/ tadeln was in den worten. Vnd zeiget das der Heilige
Apostel Paulus
Actor. 17: 28. wol hat dürffen gebrauchen die
worte des Poeten
Arati, als er mit denen von Athen redet. Vnd
das die Propheten selber/ nach der alten vbersetzung/
Poeti- ab ac ad ae
[Seite 276]

sche worte gebraucht haben. Zum Exempel/ Gigantes, Valles
Titanum, vnd bey Esaias vnd Ieremias, Sirenes, filiae Sire-
num; welche wörter von den Poeten entlehnt sein. Hat der
Autor das wort Cocytus gesetzt/ als er von der hellen vnd
jhrem pful redet: er sol sagen/ das dasselbige in der alten vber-
setzung noch gelesen wird
Iobi 21:33. Hat er das wort Pytho
vor den teuffel/ das ist/ die rechte schlange gesetzt/ er sol
vnterschiedene örter herfür bringen aus der Heiligen schrifft/
da dasselbe gethan ist. Als
Deuteronom. 18:11. 1. Reg. 28:3.
vnd 7. wie auch 2. Reg. mehrmals. Esa. 8:19. 19:3. 29:4.
Actor. 16:16. In welchen örtern diß wort nicht allein von war-
sagern/ sondern auch vor den bösen geist von den vbersetzern
genommen wird. Wie in dem letzten orte auch der Griechische
text selber hat
πνευ̃μα Πύϑωνος, der geist des Pytho. Worauß
genugsam erscheinet/ das der Heilige Geist die lehre der Hei-
den verworffen hat/ aber nicht die worte. Diß sey dann allein
gesagt/ vor die jenen scheinheiligen/ die ohne wissenschafft
vrtheilen/ vnd meinen nach jhrem vrtheil; wie sie auch vrthei-
len nach jhrem verstande. Biß hieher gehen die worte der
Niederländischen außlegung/ die wir zue bequemer
zeit hinzue zue setzen gesonnen sind.
Sey Gott befohlen.

af ag ah ai
[Seite 277]

aj

Ad Amplissimum Virum
HENRICUM ALBERTUM HAMILTONIUM;
ak
cum illi Opitius hymnum hunc Kal. Jan.
An. M. D C. XX. Heidelbergae pri-
mum offerret.

FLos juvenum, proavi quem Scotum, patria Cimbrum,
Romanum fecit lingua diserta virum,
Accipe Teutonicae prius abdita carmina linguae:
Hoc didicit per nos Heinsius ore loqui.
5 Da veniam, Batavae decus et laus unica terrae,
Excidit a numeris si mea cura tuis.
Errabit, quisquis te, vates magne, sequetur:
Sic Phaeton superos non bene rexit equos.
Nec sola ad Christi cunas sapientia venit:
10 Pastores pleni simplicitatis erant.
Tu quoque, Hamiltoni, pueri ad cunabula mecum,
Quem nec terra, polus nec capit ipse, veni.
Quicquid Aristoteles, quicquid Plato nesciit, hic est:
Nil par huic stabulo totus hic orbis habet.
15 Tot donamus opes, alius placuisse laboret:
Absolvunt istos pondera justa modos.
Heinsiadae nisi forte tui, neque nomine nostro,
At dulci Jesu nomine, gratus ero.
al
[Seite 278]

am an

GNädiger Fürst vndt Herr/ Was es für einen kläglichen zuestandt
mitt der kirchen Gottes schon zue der zeit gehabt habe/ als der welt
Heilandt vndt rechte Seligmacher Christus Jesus vns zue guete
vnser fleisch an sich genommen/ bezeuget sonderlich der Jünger
den er am liebsten gehabt/ im ersten capitel seines Evangelions/
da er saget: Das war das warhafftige liecht welches alle men-
schen erleuchtet/ die in diese welt kommen. Es war in der welt/
vndt die welt ist durch dasselbige gemacht/ vndt die welt kandte
es nicht. Er kam in sein eigenthumb/ vndt die seinen namen
jhn nicht auff. Die welt belangendt/ war dieselbe nicht durch alle
reiche vndt lande mitt lauter heiden angefüllet/ mitt abgötterey
vndt falschen meinungen überschwemmet/ mitt anbetung der
schanden vndt laster bethöret vndt verblendet? Daß also die welt/
in dem sie dem Fürsten der welt dienete/ den Fürsten des lebens
nicht erkandte/ durch den die welt
[):(2a] gemacht war. Sein
hauß aber/ sein außerwehltes volck vndt eigenthumb die Juden/
waren in so viel meinungen vnnt zwiespalt abgesondert/ daß/ in
dem sie tag vndt nacht das gesetze durchgrübelten/ der jenige der
die last des gesetzes abzueschaffen kommen war/ von jhnen nicht
allein nicht auffgenommen/ sondern auch wieder alles gesetze ver-
worffen vndt hingerichtet wardt. Der vier Samaritanischen secten/
der Eßener nemlich/ Gorthener/ Sebucer/ vndt Dositheer; wie
ao ap

[Seite 279]


auch der Schrifftgelehrten/ Saduceer/ Phariseer/ Ossener/ Hero-
dianer vndt anderer zue geschweigen: welche alle Abrahams nach-
kommenen/ vndt aber in streit vndt vneinigkeit dermaßen ver-
teufft waren/ daß sie darüber den der für Abraham gewesen/ vndt
den Isaac gesehen als er nichts sahe/ zuegleich auß den hertzen
vndt auß den augen ließen. Wie nachmals so viel wütende Römische
Keyser vndt andere tyrannen solche innerliche verfolgung/ derglei-
chen einbrechende wölffe/ als Arius/ Sabellius/ Eutyches/ Nestor
vndt andere/ den schaffstal Christi zerrüttet vndt zerstrewet haben/
darvon wißen E. Fürstl. Gn./ als die zue den Antiquiteten der ersten
vnverfälschten Kirchen vndt den Schrifften der Altväter eine son-
derbare liebe tregt/ mehr als Ihr ich oder ein anderer sagen kan:
jedoch/ wann wir die menge der Ketzereyen/ den eyfer vndt ver-
bitterung der gemüter/ diese auß der gleichen grunde oder scheine
mehrentheils herrhürende blutige kriege betrachten vndt vberlegen/
so hatte es das gäntzliche ansehen/ als ob die eußerste bemühung
des Teuffels vndt seiner werckzeuge biß auff vnsere zeiten sey ge-
sparet vndt hinterhalten worden. Eines vndt anders außführlich
zue ma-
[):(2b]chen/ wil sich bey so gestaltter sachen nur nicht
thun laßen: es ist aber noch nicht aller tage abendt/ vndt werden
guete vndt geschickte/ wolerfahrene gemüter den verlauff dieses
vnwesens vndt die lautere warheit auff die nachkommenen zue
bringen noch wol fug vndt gelegenheit erleben. Indeßen wie wir
freylich Gott von hertzen bitten/ daß wir/ die wir vns des Chri-
stennamens rhümen/ nicht allein mitt Ihm waren frieden/ son-
dern auch vnter vns bestendige eintracht haben/ einerley gebete/
einerley wundtsch vndt seuffzen in die wolcken schicken/ vndt/
dieweil wir eines Schöpffers creaturen sindt/ auch eines Erlösers/
des einigen Hauptes der kirchen/ trewe glieder sein mögen: also
ist ja das jenige/ warumb man sich dermaßen kümmert vndt
zancket/ etwas mehres als was vns zur seligkeit nötig/ etwas meh-
res als was zue einigkeit vndt frieden/ den die Engel bey vnsers
Heilandes geburt verkündigen/ den der Herr in der ersten Predigt
auff dem berge dermaßen rhümet/ vndt vmb den er in dem letzten
gebete an seinen himmlischen Vater/ daß er jhn den seinigen ver-
leihen wolle/ mitt brennendem eyffer vndt andacht bittet/ dienst-
lich vndt zueträglich ist. Wolte Gott/ daß diejenigen/ welche von
aq
[Seite 280]


der nachfolgung Christi so viel schreyen vndt schreiben/ sein exem-
pel auch hierinnen erwiesen/ seine worte auch dißfals mitt dem
leben vndt der that außdruckten: Anietzo wollen wir den jenigen
ergründen/ der doch vnermeßlich/ vnaußsprechlich vndt vnbe-
greifflich ist; von dem es kein wunder ist daß man seine hoheit
nicht erforschen kan/ dieweil es ein größeres wunder were/ wann
man sie erforschen köndte. Wir trennen den rock des Erlösers/ in
dem wir seine person trennen/ vndt entweder seiner göttlichen
Natur
[):(3a] entziehen was jhr gehöret/ oder der menschlichen
zuesetzen was jhr nicht gehöret. Welche sünde niemals so gar allein
ist/ daß sie nicht eine andere baldt an der seiten habe; in dem wir
die H. Schrifft zue vnserer beschönung mitt den haaren herbey
ziehen/ vndt jhres ansehens ohn vnterlaß mißbrauchen. Vndt diß
pflegt gemeiniglich von hohen Schulen auff die Cantzel/ von den
Cantzeln durch ehrgeitzige vndt vnruhige köpffe in die hertzen des
pöfels zue steigen: welcher pöfel offtmals von den schweresten reli-
gionspuncten/ ja so gar von der ewigen gnadenwahl vndt Vorse-
hung mitt solcher freyheit reden darff/ als ob man die tieffe der hei-
ligen geheimniße mitt der elen außmeßen/ oder das jenige bey dem
ruder (wie dergleichen in Hollandt sonderlich nichts newes ist)
entscheiden köndte/ worzue so viel tausent bücher/ so viel lehrer
vndt schriffterfahrene bey weitem zue wenig sindt. Schwer haben
es die jenigen zue verantworten/ welche/ da das arme schifflein
der Kirchen von winden vndt wellen zue allen seiten angesprenget
wirdt/ als bey etwan gueter zeit der allgemeinen gefahr vergeßen/
vndt in deßen mitt gewehrter handt einander selbst verterben vndt
hinrichten. Vndt was darff es viel des vnglückseligen vndeutschen
krieges/ der nach vierzehn jharen schon weder ende noch außgang
gewinnen kan? Wir kämpffen mitt der feder; wir gebrauchen die
zungen an stat der spieße/ die griffel an stat der degen/ vndt da wir
vns des erkändtnißes der warheit mitt vollem maule rhümen; so
erweisen wir doch in der that/ daß wir den weg der warheit/ wel-
ches nichts anders als brüderliche liebe vndt eintracht ist/ so gar
nicht wißen/ daß es auch das ansehen
[):(3b] hatt/ als ob wir
niemals darnach gestrebt hetten. Worauß denn diß erwachsen ist/
ar as
[Seite 281]


daß/ ob wol heutiges tages die wißenschafft der göttlichen dinge
mehr als jemals im schwange gehet/ es dennoch zue keiner zeit
mehr als jetzo an exempeln der waren Gottesfurcht gemangelt hatt.
Wie viel glückseliger weren wir doch/ wann wir lieber der meisten
artickel wegen in denen wir stimmen die Christliche liebe vnterein-
ander in acht nemen; als daß wir der wenigen halben in denen wir
nicht stimmen solchen haß vndt todtfeindtschafft in vns brennen
laßen/ vndt in den hertzen der Herrschafft vndt vnterthanen eben
dergleiches fewer/ daß wir hernach selber nicht leschen können/
erwecken vndt auffblasen! Aber es geht nicht anders her: wir mußen
zue grunde verterben/ vndt/ damit ja gantz Europa im rauche
aufffliege/ so muß nur öle zur flammen gegoßen sein. Gantz anderer
gedancken sindt alle Altväter vndt liechter der Kirchen/ die nim-
mer zuegeben/ daß man die gesetze zue glauben mitt dem schwerdte
fürschreiben/ daß man den willen des Höchsten auß seinem worte
zue lesen beym holtzhauffen vndt strange verbieten/ daß man die
jenigen für wiedersächer vndt stieffbrüder außschreyen solle/ die
Christus für seine brüder helt/ vndt zue Kindern Gottes gemacht
hatt. Die Religion einzwingen/ sagt Tertullianus zum Scapula/
ist kein religionswerck; sie muß von freyem willen/ nicht von
gewalt herrhüren; weil auch die opffer von einem eigenwilligen
hertzen erfordert werden. Vndt Lactantius; Wer wil mich nötigen/
spricht er/ entweder zue glauben was ich nicht wil/
[):(4a]
oder nicht zue glauben was ich wil? Es ist nichts so freywillig
als die religion; bey welcher wenn das hertze nicht ist/ so ist sie
auch fort/ ja sie ist keine religion mehr. Vndt wie die worte ferner
heißen. Was der H. Cyprianus auch von denen verfolgungen gehal-
ten habe/ die offtmals bey Theologen auß vnzeitigem eyfer/ oder
auß neide/ hoffart vndt vngedult dem andern zue weichen/ oder
auch gar auß absehung auff andere politische vndt durch geschen-
cke vndt verheißungen vnterbawete grieffe/ herrhüret/ das giebet
er/ wie auch andere/ an vielen orten zue erkennen. Sonderlich
sindt die worte seines 1. sendeschreibens im 2. buche sehr herrlich:
Im übrigen/ sagt er/ wißen wir gar wol/ wie etzliche das jeni-
ge/ was sie einmal gefaßet/ nicht gern ablegen/ noch jhren
vorsatz nicht leichtlich endern wollen: sondern ohn ver-
ruckung des bandes des friedens vndt der einigkeit welches
at
[Seite 282]


vnter den mitbrüdern ist bey dem jenigen verbleiben/ welches
sie sich einmal gebraucht haben. Worinnen wir dann nieman-
den einige gewalt anlegen/ oder gesetze fürschreiben; weil ein
jeglicher Fürsteher in bestellung seiner kirchen seinen willen
hatt/ vndt dem Herren seines thuns halben rechenschafft wirdt
geben müßen. Aber hiervon ist anjetzo nicht zeit zue reden. Diß ist
allein zum hefftigsten zue beklagen/ daß die jenigen gemeiniglich
den religionszanck am meisten regen/ die am wenigsten wißen-
schafft vndt verstandt darzue bringen; vndt nichts anders als kräen sindt/
die dem
[):(4b] gemeinen wesen vndt hause Gottes mitt jhrem
vnartigen geschrey nichts als regen vndt vngewitter ankündigen;
welches durch dergleichen vnstern der trennung zum hefftigsten
befödert wirdt. Am sichersten gehn die jenigen/ die von Gott reden
als menschen/ vndt gläuben an jhn als Christen/ den glauben aber
mitt jhrem leben vndt seinem rhume für aller welt erweisen. Welches
letzte ein gelehrter mann in hiesigem Lobgesang vndt von mir
dieser tagen zum preise Gottes/ vndt meiner eigenen übung in der
furchte des Herren/ verdolmetscheten außlegungen dermaßen wol
gethan hatt/ daß ich außer zweiffel bin/ dieses schöne buch werde
bey andächtigen hertzen mehr bawen/ als viel vndt große schrifften
von denen streitsachen/ die bey jetzigem ohn diß großen anstoße
der Kirchen vndt ergrimmung der gemüter wol köndten nach-
bleiben. Des Autorn fürnemen/ wie er selber erwehnet/ ist gewe-
sen/ vnsern Herren Christum auff die weise der alten Christen von
allen zeiten her/ darunter Tertullianus/ Cyprianus/ Lactantius/
Hilarius/ Prosper/ Ambrosius vndt andere bevorauß mußen ge-
zehlt werden/ zue erhöhen: zue beweisen/ daß er würcke von ewig-
keit: zue beweisen/ daß er warhafftig Gott sey mitt dem Vater: zue
beweisen/ daß er ist das ende aller beyden bündtniße vndt sacra-
menten derselbigen/ ja der einsetzer vndt stiffter derselbigen; als der
das haupt vndt das leben ist daß wir durch denselben in jhm leben:
zue beweisen/ daß er ist derselbte: zue beweisen/ daß er war ehe
wir waren: daß er bey den seinigen gewesen ist vor der zeit/ die sei-
nigen bewahrt hatt vor der zeit; das werck der seligkeit gefördert
vor der zeit; biß daß er vmb vnsert willen worden
[):():(1a] ist was
wir sindt/ vndt hatt vns gemacht was wir nicht waren. Auch zue
beweisen/ daß diß gewesen sey die meinung vndt hoffnung aller al-
ten Patriarchen/ Propheten vndt Aposteln: die allgemeine lehre
aller märtyrer/ aller Väter/ ja aller alten lehrer: die dem Herren
[Seite 283]


der herrligkeit/ dem erben aller dinge/ dem vnbefleckten spiegel
der Göttlichen krafft/ wie der Apostel 1. Cor. 2:8. Heb. 1:2. von
jhm redet/ in das angesichte mitt den Juden nicht gespeyet/ vndt
auff jhn mitt allen creaturen gewartet haben. Röm. 8:10. Letzlich/
sich selber auff zue muntern/ jhn zue loben/ zue preisen/ vndt
zue erheben/ biß auff die zeit wo wir hinkommen da er ist/ vndt
daß wir jhn mitt voller stimme preisen/ vndt nachfolgen werden
dem newen thone des himmlischen heeres/ vndt aller Heiligen/
welche ohn auffhören ruffen/ Apo. 4:8. HEILIG/ HEILIG/
HEILIG IST GOTT DER HERR/ DER ALLMACHTIGE/
DER DA WAR/ VND DER DA IST/ VND DER DA KOMPT.

Dieses buch nun habe E. Fürstl. Gn. ich gehorsambst darumb/
meiner vnterschiedenen privatvrsachen zue geschweigen/ über-
geben vndt zueschreiben wollen/ weil offenbahr vndt am tage/
waßer maßen E. Fürstl. Gn. vnter andern jhren großen tugenden/
nach dem exempel des löblichen Hertzogs Ihres seligen Herren
Vaters/ wie auch anderer jhrer Königlichen vndt hochfürstlichen
Vorfahren/ welche theils für Gott vndt das landt jhr leben gelaßen/
theils jhren zuenamen von jhrer frömigkeit erlanget haben/ ja
theils in dem register der Heiligen mitt vnsterblichem lobe ver-
zeich-
[):():(1b]net stehen/ jhr nichts mehr angelegen sein laße/ als
die trewe fürsorge vndt gedancken/ wie der Kirchen bestes erhal-
ten/ das vnzeitige disputiren vndt verläumbden abgeschafft/ der
gewißen freyheit gefödert/ vndt alles auff einen solchen grundt
möge gesetzt werden/ ohn welchen der friede ein lauterer krieg/
vndt die rhue gefährlicher ist als offentlicher vmbschlag vndt
waffen. Der Hertzog des lebens/ der Fürst des Friedens/ der allezeit
gewesen/ weil er im anfange war; der allezeit gewesen/ weil er
Gott war vndt noch ist; der allezeit gewesen/ weil er die zeit selbst
gemacht hatt/ vnd ohn jhn nichts gemacht ist/ verleihe E. F. Gn.
glückliche regierung/ heilsamen rhat/ friedtlichen wolstandt/
gesundtheit/ langes leben/ gedult in wiederwertigkeit/ überwin-
dung aller vnverschuldeten feindtschafft/ vndt solchen segen/
da- au av aw ax ay

[Seite 284]

durch Dieselbte sampt jhrem Hochfürstlichen hause zum auff-
nemen des Vaterlandes vndt dem allgemeinen besten so sehr wach-
sen vndt blühen möge/ so sehr es alle die jenigen/ denen das auff-
nemen des Vaterlandes vndt die allgemeine wolfarth lieb ist/ gerne
sehen vndt wüntschen. Breßlaw/ zue außgange des 1632. Jhares.

E: Fürstl. Gn.

trewgehorsamber vnterthäniger
Diener
Martin Opitz.

az
ba bb

DIe meiste frewde welche die seelen in diesem leben haben/ die
nach der rechtfertigung hungern/ vnd nach jhrer seligkeit dürsten
ist die embsige vnd stete bedenckung des HErren Jesu Christi:
Welcher/ wie der Apostel zun Hebreern im dreyzehenden sehr wol
saget/ heute vnd gestern derselbe ist/ vnd in ewigkeit. Doch wie
vns seine Gottheit/ die er gemeine hat mit dem Vater/ eine beson-
dere frewde giebt/ wann wir nachdencken/ das auch jhre vnbe-
greiffligkeit vnd krafft vns zue guete kömpt/ durch seine mensch-
werdung vnd den glauben: Welches der Apostel in seinem eilfften
sagt/ zue sein eine versicherung der dinge die man hofft/ vnd
einen beweiß der dinge die man nicht siehet: So ist dennoch/ das
allem troste weit zuevor gehet/ seine vnaußsprechliche liebe vnd
bc bd be bf bg bh bi bj

[Seite 285]


gunst den alten Vätern bewiesen/ die er mit augenscheinlichen
mirackeln/ verheischungen/ vnd siegeln oder Sacramenten der-
selben zue der zeit der Propheten vnterhalten hat/ die als vorbotten
seiner Zuekunfft das volck behertzt gemacht/ vnd denselben beydes
in der anschawung seiner majestet/ ewigkeit vnd herrligkeit/ wie
auch seiner niedrigkeit vnd angenommenen schwacheit vor augen
gestellet haben: offtmals mit jhnen geredet in dem geiste/ vnd in
dem geiste jhn gesehen auff mancherley weise. Biß das zue letzt in
der vollkommenheit der zeit/ das geheimniß der Gottseligkeit ist
offenbaret/ wie der Apostel davon schreibet an Timotheum/ in dem
fleische/ gerechtfertiget in dem geiste/ gesehen von den engeln/
geprediget vnter den heiden/ gegleubet in der welt/ auffge-
nommen in herrligkeit. So das alle das jene das von jhm vorgesagt
ist gewesen/ auch erfüllt ist gewesen/ vnd das erfüllt ist gewesen/
auch vorgesagt ist gewesen. Dieser trost wird in diesem Lobgesange
von dem
Autor vorgestellt: vnd zue letzt beschlossen mit der betrach-
tung der namen vnd eigenthumben/ die die Heilige Schrifft demsel-
ben HErren Christo/ beydes was seine Gottheit vnd Menschheit/ wie
auch alle beyde zusammen vnd seine ämpter betrifft/ jhm zueschrei-
bet: aber insonderheit/ das vnaußsprechliche bandt/ das die glaubi-
gen mit jhm haben; die nicht allein theilhafftig sein aller seiner ga-
ben/ sondern auch sein selber/ durch die niessung seines fleisches
vnd blutes. Dardurch vnsere seele an die taffel des newen Jerusalem/
die stadt Gottes/ gesetzt/ vnd mit den speisen der künfftigen zeiten er-
nehret wird. Biß das sie theilhafftig seines leichnams/ auch des geistes
des leichnams Christi theilhafftig werde/ vnd das bildt Christi wie-
derumb anneme/ das sie in Adam durch seine vbertrettung verlohren
hatte. Die er auch wird bringen da sie jhn sehen sol/ von angesicht
zu angesichte (wie der H. Apostel wiederumb sagt/ 1. Cor. 13:12.)
vnd jhn erkennen gleich wie sie erkennet ist. Das erste stück redet
bk bl bm bn bo bp bq br bs bt bu bv bw bx
[Seite 286]


von seiner Gottheit/ ewigkeit/ einigkeit mit dem Vater in dem we-
sen/ vnd vnterscheidt der personen: von seiner weißheit vnd güte:
die so groß ist/ das nicht allein die welt vnd der mensch durch jhn
gemacht ist/ sondern er auch mensch durch dieselbe ist worden/
vnd biß zue dem tode sich erniedriget hat; dem menschen das leben
zue geben. Das andere/ von dem fall der menschen/ den verhei-
schungen nach dem fall/ dem bunde gemacht mit dem volcke Israel/
vnd der stetigen vnterhaltung desselben. Das dritte/ von seiner
menschwerdung/ die da weitleufftig erkläret vnd betrachtet wird/
wie auch von seinem leiden/ tode/ aufferstehung vnd auffart gen
himmel. Das vierde ist ein lob- oder dancksagung/ welche begreifft
alle besondere eigenthumbe vnd namen/ die dem HErren Christo
zuegeschrieben werden: vnd verfasset auch in jhr ein ernsthafftiges
gebet/ bequem vor diese Zeit/ vnd eine erzehlung oder beschrei-
bung seiner geistlichen gaben. Welches dann das Hauptstück ist
alles dessen/ das wir thun vnd wissen müssen. Dann wie die höchste
wissenschafft gelegen ist in dem rechten verstande vnd begrieff des
willen Gottes: so ist vnsere seligkeit vollkömlich gelegen in dem
rechten erkendtniß vnd dienste des wortes Gottes: 1. Cor. 2:2.
das ist der HErr Christus/ die einige geschickligkeit/ rhum vnd
wissenschaft desselben Apostels. Der in diesem
Lobgesange gespriesen wird.

by bz ca cb cc cd ce cf
[Seite 287]

cg

DAN. HEINSII
Lobgesang Jesu Christi
des einigen vnd ewigen Sohnes
Gottes
In hochdeutsch versetzt durch
Martinum Opitium.

DAs Wort war vor der zeit bey Gott/ von Gott erlesen/
Vnd selber Gott/ mit Gott dem Vater/ in dem wesen:
Doch gleich so wol der Sohn: der von dem Vater hat
Gewalt vnd Herrligkeit: des Vaters wort und rhat.
5 Vnd da des Himmels Baw mit Wolcken ward vmbschlossen/
Der tieffe Grundt der See mit Wässern vbergossen/
Die Sternen in der Lufft gesetzt in jhren standt/
War er des Vaters hülff/ vnd seine rechte Handt.
Er war der anbegin/ der anfang aller sachen/
10 Er war in dem begin/ halff alle dinge machen.
Er war das wahre Liecht: das Liecht so vnverwacht
Kam in die finsternüß/ kam leuchten in der nacht.
Aus eigentlicher krafft in dieses elendt kommen/
Erworben vnser fleisch/ vor vns den todt genommen.
15 Vnd darumb ist er Gott: weil seine Menscheit kömpt
Nur von der Gottheit macht/ vnd von sich selbst bestimmt.
Ist worden wahrer Mensch/ vnd wahrer Mensch gebohren/
Auß eigener gewalt: Er hat das Fleisch erkohren
ch ci cj ck cl cm cn co cp cq cr cs
[Seite 288]

Da er war ohne Fleisch: Er hat durch seinen rhat/
20 Noch wahrer Gott allein/ genommen diese statt.
Eh’ als er Mensch noch war/ eh’ als die Menschen waren/
Beschloß er bey sich selbst vor sie herab zue fahren/
Zue werden das wir seyn. so rhürt die sterbligkeit
Von dem so ewig ist/ so war vor aller zeit.
25 Denn er die Weißheit war des Vaters/ vnd das Leben
In allem was da lebt; der allen hat gegeben
Ihr wesen/ lauff vnd art: eh Sonn’ vnd Mondens schein/
Die Augen dieser Welt/ geschaffen worden sein.
ct Eh als die Welt gehört von Monden oder tagen/
30 Eh als sie selber war/ war Gott mit jhm vertragen/
Der Vater mit dem Sohn: das vollige gewalt
In allem was er hat dem Sohn’ ist heimgestallt.
Der Vater vberall/ der Sohn zuegleich in allen/
Des Vaters ebenbildt/ des Vaters wolgefallen/
35 Gott selbst/ ein ewig Gott. doch/ ob wol nicht vorhin/
Der Vater gab dem Sohn’/ als Vater/ den begin.
Auß jhm/ vnd nicht nach jhm. Wie wolten wir doch mahlen
Die tieffe heimligkeit? Sieh’ an der Sonnen stralen
Sie scheinen nicht zuevor/ sie sein auch nicht nach jhr/
40 Mit jhr vnd aus jhr doch. so geht es auch allhier.
Was schiffen wir so hoch? ich bitte laßt vns reichen
So weit es sicher ist/ vnd für den klippen weichen.
Ein pferdt das vngezäumt sich braucht der großen macht/
Hat seinen meister bald zue leid’ vnd fall gebracht.
cu cv cw cx cy cz da db dc dd de df dg dh di dj dk dl
[Seite 289]

45 Die von der erden gehn vnd auff den himmel dencken/
Sind ohne ruder auff/ vnd wissen nicht zue lencken.
Der ancker ist hier guet. des menschen schiff vergeht
Der blind vnd vnbedacht nach Gottes weißheit steht.
Nach dem das schöne feldt in Eden war verschlossen/
50 Mit vnerschöpffter lust vnd frewden vbergossen/
Das Adam vnd sein Weib sind flüchtig außgejagt/
Vnd wegen jhrer schuldt der garten ward versagt/
Kriegt’ er den segen nicht/ durch Gottes zorn vertrieben/
Hat sich vnd vns gestürtzt/ ist arm vnd dürfftig blieben/
55 Dem gueten gram vnd feindt/ besudelt/ vngesundt/
Verändert vnd verfälscht/ verderbet in den grundt.
Im menschen ward der todt vnd mit jhm auch gebohren/
Verlassen von jhm selbst/ vnd durch jhn selbst verlohren;
Durch Adam ohne Gott: er ward durch jhn gefellt/
60 Mit Adam vnd durch jhn in Adams statt gestellt.
Noch ließ der grosse Gott sein Vaterhertze wallen/
Voll von barmhertzigkeit: das Adam kaum gefallen
Er hat jhm auff der stett/ da alles war verzagt/
Die hohe werthe hülff’ vnd mittel zuegesagt;
dm Das er vnd sein geschlecht nicht ewig solten schweben
66 In solcher trawrigkeit/ vnd stets verbannet leben:
Des Weibes samen würd’ in seiner Zeit entstehn/
Dem feinde mit gewalt vnd macht entgegen gehn/
Zertretten seinen kopff/ zuestören/ überwinden/
70 Den argen seelenfeind/ den reitzer zue der sünden.
dn do dp dq dr ds dt du dv dw dx dy dz ea eb
[Seite 290]

Diß grosse thewre pfandt/ der schatz ward auff der fahrt
In Gottes sinn verfaßt/ beschlossen vnd verwahrt/
Gezeichnet/ fest gemacht/ besetzt an allen enden/
Mit siegeln von demant: in Gottes Sohnes händen/
75 Gelegt in seine schoß/ als rettung in der noth/
Als mittel und ärtzney für teuffel/ hell’ vnd todt.
Vnd da die grosse flut von oben ab geschwemmet/
Floß vber alles volck/ da alles ward verschlemmet/
Vnd da die wilde see biß an die wolcken trat/
80 Vnd zue den sternen selbst sich auffgeschwellet hat/
Ist Noa vnd sein hauß auff diesem block geschwommen/
Beschlossen in ein holtz/ herauß auch wieder kommen:
Vmbgeben von der flut/ getrieben durch den sund/
Zwar ausser menschentrost/ doch inner dem verbundt:
85 Den du hernach sehr klar mit Abraham thetst machen/
O grosser menschenfreundt vnd richter jhrer sachen.
Von da an ist der mensch gewesen allbereit
Dein wündschen/ deine lust/ sinn vnd ergetzligkeit.
Iehova sey gelobt: du hast auch da begonnen
90 Zue dencken auff dein werck/ des Vaters sinn gewonnen/
Der über Adams schuld ergoß des eyfers meer.
Du bist Emanuel von diesen zeiten her:
Bist kommen da wir sein/ den himmel schier vergessen/
Hast Abraham gezeigt das landt so er besessen/
95 Hast sicher jhn geführt/ geleitet mit der handt.
Der alte vater gieng in vnbekandtes landt/
Durch glauben nur allein: Hat Isaac gebohren/
Des segens grossen stam/ die wurtzel dir erkohren:
ec ed ee ef eg eh ei ej ek el em en eo ep eq er
[Seite 291]

Von dem kam Israel der starcke kühne heldt/
100 Der heldt so wieder dich zur wehre sich gestellt:
es Gleich wie ein Jüngeling von süsser brunst entzündet/
Geht seinem Liebe nach: seufftzt wann er sie nicht findet/
Sein Hertz’ im Leibe bricht: er ist auff sie bedacht
Wann alles lebt bey tag’ vnd alles schläfft bey nacht:
105 Geht vberall jhr nach mit eusserstem verlangen/
Bewahrt sie/ sieht sie an von jhrer huldt gefangen:
Sein’ Augen stehn auff sie: der geist ist jhm beschwert/
Kömpt nimmermehr von jhr biß sie jhm wird gewehrt.
So war es auch mit dir: da Joseph lag begraben/
110 Vnd dein bedrängtes Volck das joch getragen haben/
Da hast du sie befreyt: du hast sie für gefahr
Bewahrt/ geführt/ beschützt biß in die viertzig jahr:
Verköstet vnd erquickt/ beschirmt zue allen seiten/
Sie lassen durch die flamm’ in Waldt vnd Büschen leiten.
115 Mit Wasser aus dem Stein’ vnd Brodten aus der Lufft
Das Volck/ das grosse Volck erhalten vnverhofft.
Ja wieder den gebrauch vnd aller Länder sitten
Bewiesen deine gunst. in jhren Leib geschnitten
Der wahren zukunfft pfandt: gegeben in den mundt/
120 Wie du noch ietzund thust/ den eusserlichen bundt.
Die wüste See gelegt/ die Wässer auffgehangen/
Das Jacobs Kinder gantz sind trucken durchgegangen/
Wie vber festes Landt. der Pharao versanck/
Vnd alle seine macht vnd reuterey ertranck.
125 Dann Richter eingesetzt/ dann König’ außerkohren/
Vnd auch den grossen Heldt von Isai gebohren/
et eu ev ew ex ey ez fa fb fc fd fe ff fg fh
[Seite 292]

In ewigkeit gekrönt/ vnd nach jhm Salomon/
Das Volck durch grosse noth gebracht aus Babylon.
Durch Esdras weisen rhat/ vnd Nehemias wehren/
130 Ierusalem erweckt/ sich wieder lassen nehren:
Vnd wiederumb das Volck durch Esther angesicht
Vnd grosse freundligkeit erquickt vnd auffgericht.
Hast offtmals angesagt du woltest kürtzlich kommen
Wie du dir vor der zeit aus liebe vorgenommen.
135 Biß das der grosse rhat/ so offt vnd viel berhürt/
Bezeuget vnd ernannt ward endlich außgeführt;
fi Das der Gott Israël/ der stiffter aller sachen/
Ihm selbst solt’ ein gesetz’ vmb vnsert willen machen;
Zue werden das wir sein: vnd das der feindt der Welt
140 Würd’ in dem schlechten schein’ vnd niedrigkeit gefellt.
Die botten die rundt vmb den Himmel allzeit schweben/
Vnd sich zue deinem dienst’ ohn vnterlaß begeben/
Sind willig vnd bereit. Der schöne Gabriel
Kömpt von dem Himmel her auff deinen anbefehl/
145 Nach Idumaea zue berhümet vnter allen/
Der Juden bestes Landt: ist durch die lufft gefallen/
Hat sich herab gemacht/ durch dein gebot vnd rhat/
Biß hin in Nazareth der Galileer stadt.
Alldar die grosse Braut des Himmels war zue finden/
150 An die er war gesand die Botschafft zue verkünden.
Ihr hertz war voll von Gott/ sie hielt in jhrer handt
Sein wort vnd seinen bundt. der Himmlische gesandt’
Vnd Heroldt stundt vor jhr; der durch den weg gezogen
Der vngebähnten lufft/ kam plötzlich hergeflogen/
fj fk fl fm fn fo fp fq fr fs ft fu fv fw
[Seite 293]

155 Gesendet durch den Printz vnd Fürsten den niemandt
Als in dem geist’ allein vnd hertzen hat erkandt.
Gleich wie der Mensch im traum wird offtermals was innen/
Schläfft halb vnd wachet halb/ kan doch sich nicht besinnen/
Weiß von sich selber nicht/ sieht nur was für sich gehn:
160 So sieht die reine Magdt den Jüngling bey jhr stehn.
Sein haar ist noch betawt/ die lufft hat jhn befeuchtet/
Vnd des gewülckes naß; sein angesichte leuchtet/
Die wangen sind schneeweiß/ wie wann der Sonnen
liecht

Zue abend’ vntergeht/ vnd wann der tag anbricht.
165 So bracht’ er jhr den gruß mit worten voller machten/
Die Gott (o wunderwerck!) jhr in den Leichnam brachten.
Biß einen Sohn die Fraw so eine Jungfraw war/
Vnd jhren Vater selbst ein Menschenkindt gebahr.
Der vor dem Himmel war/ der See vnd Meer verschantzet/
170 Der diese weite Welt mit seiner Handt gepflantzet/
Der zierlich auffgeführt den Himlischen pallast/
Der künstler dieser Welt kömpt wird in jhr jhr gast.
fx Der erbsaß’ vber das so vberall zue finden/
Der mit dem blitze spielt/ der ruffen kan den winden/
175 Der mit des donners macht das gantze landt erschellt/
Vnd biß zue wurtzel auß die bäwme niederfellt:
Der nicht gebohren ist/ doch vor der zeit erzeuget/
Ohn anfang/ maß vnd ziel/ vor dem die welt sich beuget/
fy fz ga gb gc gd ge gf gg gh gi gj gk gl gm gn go gp gq gr
[Seite 294]

Der biß zum himmel reicht/ der auff den wolcken reitt/
180 Iehova ohne nam beschleußt sich mit der zeit:
Beschleußt sich/ kömpt zu vns/ wird von der magd
empfangen/

Vnd auff die welt gebracht. sie wachet mit verlangen/
Sie wartet auff die zeit/ sie steht in frewd’ vnd scham/
Verstummet das Gott wird jhr sohn vnd breutigam.
185 Der monde war neun mal mit newgespannten pferden
Gelauffen vmb vnd vmb den runden kreiß der erden/
In dem die Jungfraw trug: Augustus groß von macht
Hatt’ vnter sein gebiet die Juden auch gebracht:
Der diese gantze welt zum ersten mal verschrieben:
190 Der frome Joseph kam zuegleich mit seiner Lieben/
Gab seinen namen auch. der weiber kron vnd zierdt
Maria ward von jhm nach Bethlehem geführt:
Wo Iesse grosser Sohn zuevor auff grüner heiden
Noch schlecht vnd vnbekandt die schaffe mussen weiden:
195 Biß das der himmel jhm vor seinen hirtenstab/
Den scepter vnd die kron der ewigkeiten gab.
Allda er zuevorhin von Gottes Geist gezwungen/
In seinem geist’ entzündt/ manch schönes liedt gesungen
Von dem der jetzundt kömpt: der König vnd der Hirt
200 Der selber nun ein mensch vor alle menschen wird.
So kamen sie dahin. die Sonne war gereiset
Biß das sie stille steht/ vnd jetzt zue rücke weiset
Die pferde nach vns zue: da Capricornus haupt
Den angenemen tag vnd schöne liecht wegraubt.
gs gt gu gv gw gx gy gz ha hb hc hd he
[Seite 295]

205 Den flecken sie erreicht/ durchflogen von dem regen/
Vnd von dem strengen schnee/ vnd von den langen wegen:
Insonderheit die magd bey der Gott eingekehrt/
Hat einen kleinen platz zue jhrer rhue begehrt/
hf Von vielen nicht gekandt/ von andern auch vernichtet/
210 Wie dann die schnöde welt gar vnbedachtsam richtet.
Kein örtlein war mehr da. muß liegen in dem stall/
Wird mutter/ bringt das kindt so HErr ist vberall.
Iehova kömpt zue spat. nach dem viel alter väter
Vnd botten vorgesandt: die welt ist voller Götter/
215 Das erdtreich ist zuetheilt/ man rufft sie an in noth/
Die götter zunfft ist groß/ vnd mangelt doch an Gott.
Neptunus hat im Meer die volle macht bekommen/
Sein bruder Iupiter den himmel eingenommen/
Der dritte hat die hell’: hier ist der schäffer Pan.
220 Sie zweiffeln wie sie wol mit so viel götzen dran.
Die blindtheit ist auch nicht mit worten außzuesprechen:
Sie feyren jhre sünd’ vnd eigene gebrechen.
Dann Bacchus hat den wein/ die üppigkeiten lieb/
Vnd Venus ist ein’ hur/ Mercurius ein dieb.
225 Der öberst’ vber sie ist fleissig nachzuefragen
Vmb schönes weibes volck/ mit jhnen sich zue jagen:
Er lesst den himmel stehn/ voll schändtlicher begiehr/
Wird bald ein weisser Schwan/ baldt wird er auch ein stier.
Was alle welt sonst strafft/ von dem man nie gehöret/
230 Was wieder die natur/ das wird zue Rom geehret:
Sie bawen kirchen auff/ sie feyren vnbedacht
Was sonsten jedermann verhöhnet vnd verlacht.
hg hh hi hj hk hl hm hn ho hp hq hr hs ht
[Seite 296]

Vnd wo der Römer reich vnd herrschafft hingewiechen/
Die jhren narrentandt geerbet von den Griechen/
235 Gehn auch die Götter hin. der starcke Persier
Lesst seine Sonne stehn/ nimpt diese Götter her.
Vnd da Araxes laufft/ da seine ströme sausen/
Hartneckicht/ brückeloß/ mit wüstem sturm’ vnd brausen/
Vnd da das kalte volck vnartig auff dem feld’
240 Vnd auff den wagen lebt/ zu niemandt sich gesellt.
Athen das weit vnd breit mit seiner kunst erschollen/
Hat jhm ein eigen fest bey nacht erdencken wollen:
Läufft nach Eleusis zue: nimpt fackeln in die handt/
Mit stiller heiligkeit vnd wenigen bekandt.
hu Egypten gleichfalls auch lesst seine thorheit spüren/
246 Vnd sucht Osiris sehr: macht Götter auß den thieren:
Das weitberhümbte Kalb an einer seiten bundt/
Den wilden Crocodil/ Anubis auch den hundt.
Iudea Gottes hauß muß im gesetze wachen/
250 Helt viel auff Aarons rock vnd eusserliche sachen/
Doch auff Messias mehr. nach dem er aber kömpt/
Ist niemand der jhn sucht vnd der jhn zue sich nimpt.
Sie wündschten sehr nach jhm/ sie zehlen alle tage/
Ihr keiner ist der nicht von seiner zukunfft sage:
255 Stehn allzeit auff der hut/ vnd wachen ohne rhue:
Nach dem er aber kömpt/ sind alle thüren zue.
hv hw hx hy hz ia ib ic id ie if ig ih ii ij ik
[Seite 297]

Die Welt ist gleichsam blind/ die Welt ist gantz entschlaffen/
Kennt auch denselben nicht der doch sie hat geschaffen.
Der herrscher vber See/ den Himmel vnd die Hell
260 Ist in dem seinen frembd’ vnd selbst in Israel.
Der Himmel schämet sich/ die schönen Engel fliegen
Von dannen zue vns her/ sehn jhren Printzen liegen/
Geworffen in den stall. die Sternen werden bleich/
Das der so niedrig ist dem niemand doch ist gleich.
265 Die bänder des Gestirns die durch die grosse Schantzen
Der vnbepfählten lufft stets in bewegung tantzen/
Die beben. sonderlich der eine Stern von dar
Tritt vber seinen kopff/ nimpt seines Meisters war:
Geht aus es kundt zue thun/ den Weisen zue verkünden/
270 Die ferren sind von dar/ wo sie jhn sollen finden/
Vnd jhm sein’ ehre thun. noch eh der tag anbricht
Fellt aus der hohen lufft der Engel klares liecht.
Die newe reuterey der starcken Himmelshelden/
Die allzeit stehn vor Gott vnd seinen rhum vermelden/
275 Belägeren das Hauß/ so vnwerth vnd so klein/
Vnd machen sich herab zue jhrem Capiteyn:
Vnd sagen frieden an/ verkündigen das leben/
Das nun den Menschen wird in ewigkeit gegeben;
Zue Gottes ehr’ allein: vnd singen einen thon/
280 Der aus dem Himmel fleußt/ nicht aus dem Helicon.
il im in io ip iq ir is it iu iv iw ix iy iz ja jb jc
[Seite 298]

jd Nicht ferren von dem ort’/ vnd für der Mutter füssen
Tritt Tityrus herbey/ den Hirten auch zue grüssen
Der nun gebohren war/ mit Corydon bereit/
Der weggeht wiederumb gantz lustig vnd erfrewt.
285 Nun geht/ jhr Kinder/ geht/ vnd lehrt die büsche singen
Ein Lied/ ein Wunderlied von vnbekandten dingen:
Das Tityrus nun kan/ das Corydon nun macht/
Vnd eine newe weiß’ hierauff jhm hat erdacht/
Das Tityrus jetzt pflegt zue spielen auff der weiden/
290 Das Corydon so schön’ erzwingt auff grüner heiden/
Das er so artlich spielt nach seiner leyerkunst/
Nicht Daphnis alte pein/ nicht Melibeus brunst/
Noch Romulus wölffin/ noch ander ding von lieben/
Mit dem man sonsten pflag sich weit vnd breit zue üben.
295 Ihr Lied war von der Braut so newlich in der nacht
Hatt’ jhren Vater selbst auff diese Welt gebracht.
Der frome Ioseph sitzt in hohen tieffen sinnen/
Vnd weiß nicht was er thut: denckt wie doch diß sein
können/

Verwundert vber Gott. wann er das Kindt beschawt/
300 Sieht er die Jungfraw an so jhm vorhin vertrawt.
Die Jungfraw so da sitzt mit heiligkeit vmbgeben/
Vnd wie im Himmel selbst/ sieht allenthalben schweben
Die gläntzend’ Engel schar/ die mächtig’ Himmelskrafft;
Ist vberall vmbringt von Gottes Bürgerschafft.
305 Bald sieht sie auff das Kindt/ bald lesst sie höher steigen
Die augen/ muth vnd sinn/ Gott danckbar anzuzeigen
je jf jg jh ji jj jk jl jm jn jo jp jq jr js
[Seite 299]

Ihr niedriges gemüt. kömpt weiter mehr vnd mehr/
Giebt jhm allein das lob/ giebt jhm allein die ehr.
Das Kindt liegt da vor jhr/ beginnt sie anzublicken/
310 Durch seine freundligkeit jhr hertze zu entzücken/
Sie lieblich anzusehn/ zu bieten jhr die handt/
Vnd wirfft jhr vmb den halß der ärmlinn süsses bandt.
Sie blickt es wieder an/ muß wieder zue jhm lachen
Aus Mütterlicher huldt. denckt an die hohen sachen
315 Voll von demütigkeit vnd von gedancken groß/
Vnd hat jhr hertz’ auff Gott/ der liegt in jhrer schoß.
jt Bald wird die Jungfrawschafft jhr zue gemüt geführet/
Die sie so hoch geliebt/ die jhr das hertze rhüret:
Vnd offtmals wann sie küßt das kindt/ das schöne kindt/
320 Das jmmer mehr vnd mehr der mutter sinn gewinnt/
Bedenckt sie wer sie ist/ vnd wie sie doch sey kommen
In diesen newen standt/ vor mutter angenommen.
Lesst sincken auff die erdt der schönen augen liecht/
Die edle röthe mahlt jhr weisses angesicht:
325 Die scham bezwinget sie der frewdigkeit zu wehren/
Sie bringet an den tag die Jungfräwlichen zehren:
Die tochter jhres Sohns voll hoher niedrigkeit/
Die offte weinen muß in jhrer lust vnd frewd.
Gleich wie der schöne stern der’s morgendts lesst beschawen
330 Sein purpur-angesicht/ vnd macht den himmel tawen
Durch seinen güldnen schein: vnd wie wann es noch
kühlt/

Die rote morgensonn mit jhrem fewer spielt:
ju jv jw jx jy jz ka kb kc kd ke kf kg kh ki kj
[Seite 300]

Wie eine rote roß’ erst jung vnd auffgeschossen
Wird durch die kalte nacht mit weissem taw begossen;
335 So war sie auch von glantz vnd herrligkeit erfüllt/
So war von threnen naß das edle rosen-bildt.
O mutter vnd zuegleich auch jungfraw/ laß doch fahren
Die sorgen: dann dein Sohn der wird dich selbst bewahren/
Vnd deine jungfrawschafft: Gott hat dich außerwehlt/
340 Gott hat dich selbst gefreyt/ den himmel dir vermählt.
Laß sehn dein mutterhertz’. Ey liebe/ ey erwecke
Dein freundliches gemüt/ dasselbe nicht verdecke.
Ob er gleich jetzund liegt arm/ elend/ kalt vnd bleich/
Ohn herrligkeit vnd macht/ ist er an macht doch reich.
345 Die Sonn’ ist vnter jhm: der Monden mit dem wagen
Kehrt ein in seinen hoff: den nächten vnd den tagen
Vergönnet er sein hauß: das goldt so für vnd für
In Pleias sternen scheint/ hat er zue seiner zier.
Orion geht durch jhn in diesen schönen wegen/
350 Geschickt auff seinen dienst/ steht mit dem blossen degen.
Der wagen helt auff jhn/ wann er nur eines winckt/
Der aus der kalten flut der Tethys niemals trinckt.
kk Begraben in das stro/ ist vber alle sachen
Dadurch jhr Rom die welt darff vnterthenig machen:
355 Geleget in die kripp’/ erkältet/ arm vnd bloß/
Ist vber alle macht. der himmel ist sein schloß;
Die balcken sind die lufft/ von Osten biß in Westen:
Die wolcken sein Castell: die grosse See die festen:
Die welt vnd wir sein hauß: was man nur nennen kan/
360 Wo das er liegt vnd geht/ ist gantz jhm zuegethan.
kl km kn ko kp kq kr ks kt ku kv kw kx
[Seite 301]

Laß Caesar in sein guet vnd hoffart sich verwerren/
Laß jhm den purpurrock/ als aller länder Herren/
Mit sternen außgestickt: die Thonaw vnd der Rein
Die neigen sich für jhm/ so nun gewonnen sein.
365 Laß jhn in seiner pracht/ laß jhn hochmütig tragen
Biß auff Tarpejus berg mit seinem güldnen wagen/
Das köstliche gebäw: von da er rundt-vmb sieht
Die gantze weite welt/ sein’ herrschafft vnd gebiet.
Diß kindt liegt vber jhm. Iudea kan nun leben
370 In freyheit/ Iuda wird der scepter vbergeben.
Das Sina frölich werd/ vnd Basan komm’ herbey/
Iordanes sey getrost/ vnd Sion sich erfrew.
Das Idumea sich in diesem tage letze/
Vnd seine palmen trag’/ vnd lorberkräntz’ auffsetze/
375 Da Rom so sehr auff pocht/ die Caesar selber tregt/
Vnd sie mit seiner handt in Iupiters schoß legt.
Biß willekomm/ o kindt/ gesehn an allen enden/
Verkündigt in der lufft: durch den sich muß verwenden
Des himmels firmament: die weisen kommen an/
380 Geführet durch dein liecht/ dich danckbar zue empfahn.
Biß willekomm/ o kindt/ gewündscht vor tausendt jahren/
Vnd tausendt jahr darzue; jetzt endtlich wiederfahren/
Hast jetzt dein volck besucht. bist du nun bey der handt/
O gast des Abrahams/ o Jacobs wiederstandt?
ky kz la lb lc ld le lf lg lh li lj lk ll lm ln
[Seite 302]

385 O seht/ wie klein ist doch/ wie schwach/ wie gantz verlassen/
Den Cherub nicht bedeckt/ vnd nicht vermag zue fassen.
Der so den himmel füllt/ der alle welt ertregt/
Wird mit der handt gefaßt/ vnd wieder hingelegt.
lo Der grosse Capiteyn für dem sich alle schewen/
390 Der wagen Israels vnd jhre reutereyen:
Ihr bollwerck/ jhre schantz’/ jhr Meister in dem feldt/
Der Feldtherr seines Volcks vor dem sich nichts enthelt.
Der ohne Spieß vnd Pfeil/ ohn einig Ross vnd Wagen/
Viel tausendt Männer hat auff eine nacht erschlagen/
395 Dem stoltzen Sancherib zue trotze/ hohn vnd spot/
Vnd mit gewalt erlöst Jerusalem aus noth.
Biß willekomm/ o Kindt/ an allem ort gepreiset/
Wo Moses vnd dein Volck sampt Iosue gereiset:
Von Amos weisen Sohn beschrieben vnd erkandt/
400 Der schönste den man find von Salomon genannt.
Du edle Rose du/ holdtseligster von allen/
Wie vnwerth bist du doch? wie bist du so verfallen?
Vnziehrlich/ vngeehrt. hier lieget der sonst steht
Viel höher als der Mond’ vnd als die Sonne geht.
405 O Fürst aus Canaan/ da alle Bäche fliessen
Mit Honig/ da sie gar von keinem Winter wissen/
Da immer Blumen stehn: wer hat dich so verwirrt?
Wo bist du doch ietzund? wie hast du so geirrt?
Bist kommen ohne kleidt in diesen strengen tagen/
410 Durchgangen von dem Wind’/ hast schnee vnd frost ertragen:
In dem die kalte lufft in alle glieder schleicht/
Der Mensch zue eisse wird/ vnd Boreas so streicht.
lp lq lr ls lt lu lv lw lx ly lz ma mb mc md
[Seite 303]

Ach das die Töchter doch von Sion solten breiten
Die Kleider vber dich/ dein Läger zubereiten.
415 Ach das der scharffe Nort so prauset ohne rhue/
Ach das das bitter’ eiß dir ja nicht schaden thue.
Ach das des Adams Söhn’ ietzt kämen zugelauffen/
Die du nun wiederumb vom Sathan mußt erkauffen/
Vnd schawten in dem stro des Himmels höchste ziehr/
420 Vnd alle truckneten die threnen ab von dir.
Das Zephyrus doch komm’/ als wie er sonsten pfleget
Wann er auff Libanus vnd Galaad sich reget/
Vnd blase wo du bist: der gantze Himmelsbaw
Komm’ her an diesen orth mit seinem süssen taw.
me Ach das der Winter sich mit seinem greisen haare
426 Verender’ in den Lentz/ ietzt schloss vnd kälte spare.
Ach das der Sommer doch dich kenn’ vnd komme her.
Ach das das lange Jahr sich lieber gantz verkehr.
Ach das die Bienen sich an diesen platz begeben/
430 Vnd vmb den süssen mundt vnd kleyne lippen schweben/
Die nichts als manna sind vnd besten zuckers voll/
Darauß die rechte lust des hertzens fliessen soll/
Vnd trieffen vber vns. ach das doch in der summen
Die Blumen allerhand auff diese krippen kommen/
435 Vnd krönen jhren Printz/ bezeugen allerseit
Das du jhr Meister bist/ das du bist Herr der zeit.
Die Kinder auch der lufft/ die Vögel/ sollen springen
Hier inner diesem stall’/ vnd lieblich bey dir singen:
Biß willkomm/ biß willkom: das jeder so beweist
440 Das du bist der sie nehrt/ das du bist der sie speist.
Ach! ach! der anbegin ist anders nichts dann leiden/
Dann pein vnd groß verdruß. man sol das Kindt beschneiden:
Die Jungfraw treget es. jhr mütterlicher sinn
Gibt threnen vor das blut/ gibt jhre gaben hin/
mf mg mh mi mj mk ml mm mn
[Seite 304]

445 Bezahlt sein’ erste pein/ muß kauffen seine wunden/
Vollbringen das Gesetz’/ ob gleich er nicht verbunden
Mit Sünden wie sonst wir. sie selber bringt jhn dar/
Vnd sieht dem wercke zue. diß war sein newes jahr.
Herodes schnaubt vnd tobt/ gedenckt jhn vmbzubringen/
450 Vnd als er innen wird es wolle nicht gelingen/
Erwürget der Tyrann die Kinder groß vnd klein:
Diß arge blutbadt muß sein willekommen sein.
Sey willkomm hier bey uns. das jederman sich ziehre/
Das diesen tag begehn die Menschen vnd die thiere.
455 Die See sey ohne Schiff/ der Himmel ohne wolck/
Die winckel ohne werck/ die strassen ohne volck.
Der bawer so fortan sein feldt wird sollen pflügen/
Lass’ ietzt die pferde stehn/ den pflug vnd ege liegen:
Der kriegsmann sein gewehr. die lehrer halten inn
460 Mit jhrem newen streitt von Gottes tieffem sinn.
mo Biß willekom/ o kindt/ das Simeon thut singen/
Macht Zacharias stumm. Ich seh Johannes springen
Vnd hüpffen auff dich zue vor grosser wonn’ vnd frewd:
Er will zu dir eh er vnd du gebohren seyd.
465 Du solst gehn auff den berg/ die stimme lassen hören/
Wie du zuevor gethan/ vnd dein gesetze lehren/
In grosser herrligkeit gesessen bey der lufft/
Auff deinem hohen stuel/ den völckern zuegerufft.
Der vormals das gesetz’ auff Sina hat befohlen/
470 Solt’ es jetzt wiederumb von newen wiederholen
mp mq mr ms mt mu mv mw mx my mz na nb nc nd ne nf
[Seite 305]

Auff Thabors hoher spitz: das alles was du hast
Nicht lange zeit hernach gar kürtzlich eingefaßt/
Schier in ein wort gebracht: WIR SOLLEN LIEB GEWINNEN
ERST GOTT VON HERTZEN GRUNDT, VON GANTZER KRAFFT UND SINNEN;
475 DEN NECHSTEN ALS UNS SELBST. Wer dieses
halten kan/

Der ist schon außgelehrt/ vnd hat genung gethan.
Biß willkomm hier bey uns. ich seh den Teuffel ziehen
Vnd lauffen vor dir weg/ die kranckheit gleichfalls fliehen:
Die blinden wieder sehn: recht gehen her vnd hin
480 Die lahm vnd krüpel sein. O grosse medicin,
Du solst durch deine macht viel tausendt männer speisen/
Du solst die todten selbst aus jhren gräbern weisen
Vnd leiten an den tag/ sie bringen an die Sonn/
Vnd gantz zuerücke führn auß Styx vnd Acheron.
485 Du solst die wilde See/ biß an die lufft gestiegen/
Mit deiner augen krafft bezwingen still zue liegen/
Vnd wann es dir beliebt auch auff den wilden fluß
Der Amphitrite selbst steiff setzen deinen fuß/
Wie auff das truckne landt. du solst die grossen plagen
490 So von dem monden sein zuestören vnd verjagen/
Vnd aus dem leibe thun. verendern in das liecht/
In flamm’ vnd herrligkeit dein eigen angesicht.
Den fischen schaffest du zue schwimmen auff die erden/
Zue zahlen deine schuldt/ den bäwmen dürr zu werden:
ng nh ni nj nk nl nm nn no np nq nr ns nt nu nv nw nx
[Seite 306]

ny Vnd Achelous naß nur durch dein wort allein
496 Verwandelt seine krafft in angenemen wein.
O grosser menschenfreundt/ eh als du bist gebohren/
O starcker menschenschutz/ nach dem er war verlohren/
Was hast du nicht gethan/ was hast du nicht gemacht
500 Zue seiner hülff’ vnd trost? was hast du nicht bedacht?
Doch sonderlich das volck auß Israel entsprossen/
Mit butter/ vnd mit milch vnd honig vbergossen.
Wannher kömpt dann jhr haß/ jhr grosser eyfer nun/
Die falscheit des gemüts/ jhr frevel den sie thun?
505 Wer hat diß volck gemacht? wer hat sie doch erzeuget?
Hat sie die wüste See in jhrer schoß geseuget?
Hat eine löwinn sie geworffen in der heidt/
Das sie den creutzigen der sie liebt jederzeit?
Der ihnen zuegesagt/ verkündigt/ angewiesen/
510 Beschrieben/ angelobt/ vor langer zeit gepriesen/
Der Vater seines volcks: das weitberhümbte lamm/
Bekandt Egypten durch/ vnd in dem lande Cham:
Der grosse wunderstern der Balaam erschienen
Zue Moabs vntergang/ gezwungen jhm zue dienen:
515 Den er verkündigt hat: der Juden kriegesheldt
Viel jahre vor der zeit eh er kam auff die welt.
Judea gantz verstockt/ blutgierig/ blindt ohn ende/
Ermordet jhn noch selbst/ legt selbst an jhn die hände/
Geht wieder alle recht/ durchbohrt mit eigner handt
520 Der von dem himmel war zue jhnen hergesandt;
nz oa ob oc od oe of og oh oi oj ok ol om on oo
[Seite 307]

Der mit der gantzen last des Vaters vngenaden/
Vnd vnser bösen that hengt an dem holtz beladen/
Gepreßt/ verspeyt/ gedrückt/ veracht/ geschmäht/
verspott/

Verlassen von der welt/ vnd wegen jhr von Gott.
525 Das alles was hier ist sieht seinen schöpffer hangen/
Die himmelweite lufft doch klein jhn zue vmbfangen/
Vnd wird nun mit gewalt (o leidt/ o grosse noth)
Gezwungen anzuesehn jhrs eignen Vaters todt.
Die Sonne flohe vor: der himmel gantz bestürtzet
530 Der hat sich fort gemacht/ der welt das liecht verkürtzet/
op Vnd als er zugesehn das er sein haupt geneigt
Hat er den tag verdeckt/ vnd schrecklich sich erzeigt.
Der fürhang in der kirch’ auffs künstlichste geweben
Mit schönem scharlachroth/ hat einen krach gegeben/
535 Geriessen durch vnd durch: die stein’ ohn wiederhalt
Sind häuffig vmbgekehrt/ zusprungen mit gewalt.
Der vater Atlas hat für vngedult gezittert/
Die grosse laßt der welt auff seinem hals’ erschüttert:
Er war des tragens satt/ vnd wolte lassen gehn.
540 Natura bebete/ vermochte nicht zue stehn/
Sie seuffzete so sehr/ das es die erd’ empfunden/
Die pforten auffgethan/ die tieffen offen stunden.
Das erdtreich brach entzwey biß an Cocytus pful/
Vnd Pluto ward mit krafft geruckt auß seinem stul.
oq or os ot ou ov ow ox oy oz pa pb pc pd pe
[Seite 308]

545 Der tolle Cerberus als er den tag empfande
Ward wütendt vnd ergrimmt/ rieß drey mal von dem bande/
Ließ stehn das thor von stahl so seiner huet vertrawt/
That seinen rachen auff/ vnd heulet’ vberlaut.
Tisiphone verstummt mit grosser furcht vmbfangen/
550 Verwirret sieben mal die abschewlichen schlangen/
Der brennende morast des Phlegetons wird groß/
Speit flocken fewer auß/ leßt dampff vnd nebel loß.
Gleich alß auch Etna scheußt auß seinen tieffen klüfften
Ein’ vngegründte See der flammen in die lüfften/
555 In der Tipheus steckt vnd sich zue rechte legt;
Das gantze landt erbebt vnd wird davon bewegt/
Trinacria hüpfft auff von starcker brunst gezwungen/
Der rauch kömpt mehr vnd mehr biß in die lufft gedrungen.
Die todten hörten es/ vnd stunden wieder auff/
560 Biß nach Ierusalem sie namen jhren lauff.
Die todten brachen auß vnd giengen selbst zue sagen/
Zu zeugen vberall das Belial geschlagen/
Ermordert/ vmbgebracht/ zuebrochen vnd gefellt/
Vnd das jhn hab’ erlegt Emmanuel der heldt:
565 Der mitten durch das grab den dritten tag gebrochen.
Der todt lag vnter dir/ an dem du dich gerochen/
pf Den du verhöhnet hast/ der Teuffel sah’ es an/
Das sich der Himmel dir hat selber auffgethan/
Das du mit vnsrem fleisch den Himmel eingefahren;
570 Das erdtreich vnd die see mit hundert tausendt paren
pg ph pi pj pk pl pm pn po pp pq pr ps pt pu pv pw px
[Seite 309]

Der Engel sahen an/ das du durch deine macht
Hast vnser fleisch vnd blut hoch vber vns gebracht.
Von da schickst du den Geist/ der außgeht von euch beiden/
Dem Vater vnd dem Sohn/ von euch doch vnterscheiden/
575 Ist das jhr beide seidt: ist beide/ das jhr seidt/
Vnd ist das jhr nicht seidt: mit beiden vor der zeit.
Von da du wieder wirst zue vns herunter fallen/
Vnd lassen die trompet durch alle welt erschallen:
Zuerichten alles fleisch das noch auff erden lebt/
580 Vnd das in finsternüß des bleichen todes schwebt.
Erlöser sei gegrüst der alles hat bezwungen:
O grosser starcker Löw aus Israel entsprungen/
Aus Iuda vorgebracht: o du Gott Abraham/
Vnd der nach Abraham viel hundert jahr erst kam.
585 Der wiederumb das feldt in Eden auffgeschlossen/
Cocytus zuegestopfft/ vnd Pytho todt geschossen/
Zuebrochen seine macht. O samen groß von that/
Der Pluto mit gewalt den kopff zueschlagen hat;
Die riegel abgethan/ des teuffels reich gewehret/
590 Das sehr gewaltig war/ das alte joch verheeret
Das Moses selber trug. hast vns darfür ergetzt
Mit tröstlichem gebot’/ vnd newen bundt gesetzt.
Das ende dem Gesetz’/ vnd ende den Propheten/
Das Moses hat gehabt/ vnd Iosue in nöthen:
595 Das ende dem Gesetz’/ vnd wieder der begin:
Den Iacob vater heist/ vnd bist auch Beniamin.
Erst Adam zuegesagt/ bey Noë standhafft blieben
In aller seiner noth: dem guten Mann geschrieben
Ein’ handschrifft in die lufft/ nach dem jhm gunst
geschehn;

600 Die vns zue troste noch gar offte wird gesehn.
py pz qa qb qc qd qe qf qg qh qi qj qk
[Seite 310]

Den Iacob hat gefühlt/ vnd Salomon gesungen/
Den Samson vorgestellt/ mit dem er hat bezwungen
ql So vieler feinde krafft: der Moab vmbgebracht/
Den Amalec geschewt/ vnd David offt bedacht.
605 O wahrer menschen Sohn/ (so hat es dir gefallen)
Vnd zwar der andere des namens/ doch für allen:
O nam/ o süsser nam/ für welchem spat vnd frü/
Biß in den himmel zue sich beugen alle knie.
O Jesu süsser Nam/ süß vber alle wiesen/
610 Süß vber honigtaw/ noch nie genung gepriesen:
Süß vber alles das was Indien vns sendt/
Süß vber alles süß das jergendt jemandt kennt.
Süß vber alles süß darauff die menschen schawen/
O rechter Ionathan: süß vber alle frawen.
615 Elia sey gegrüßt: durch deine himmelfahrt
Elias in der lufft/ vnd Ionas groß von art.
Beschnitten vnd getaufft/ gelitten ohne leiden/
Gestorben ohne todt/ hast nicht Gott mussen meiden:
Als der du selbst bist Gott/ vnd warest schon bey Gott
620 Da du noch ohne fleisch/ vnd mitten in dem todt.
Auff eine zeit bey Gott/ vnd Gott; todt vnd begraben.
Begraben ward das fleisch mit hocherkaufften gaben.
Die seele stets bey Gott vnd bey dem mörder war:
Die Gottheit war vnd blieb bey allen beyden gar.
625 Von Gott dem Vater selbst in deiner tauff gepriesen
Als Gott/ vnd als der Sohn: vnd von dem Geist gewiesen.
qm qn qo qp qq qr qs qt qu qv qw qx qy qz ra rb
[Seite 311]

Da sehen wir euch drey vnd doch nur eines sein/
Vnd ob jhr drey schon seyd/ seyd jhr doch ein’s allein.
O rechter todes todt/ durch den wir heil empfunden/
630 Vor dem der himmel bebt/ die wolcken stehn gebunden/
Die sternen halten still vnd zittern allzuemahl:
Vor dessen grosser krafft der printz der schönen zahl/
Die fackel in der lufft/ der wagenherr der erden/
Die brennend’ heisse Sonn vmbgürtet jhren pferden
635 Den schwartzen schein der nacht: vor dessen hellen liecht
Die grossen Seraphin bedecken jhr gesicht.
O König sey gegrüßt/ von ewigkeit gebohren/
Von ewigkeit gekrönt/ von ewigkeit erkohren/
rc Melchisedech recht gleich. o priester ohne zeit/
640 O ewiger Prophet/ Levit in ewigkeit:
Gesalbter sey gegrüßt mit süssem taw bestriechen/
Der nimmer wird vergehn/ der ewig wol wird riechen/
Mit specerey der frewd/ mit öl recht angewandt
Zue dem dreytopplen ampt zue dem du bist ernannt.
645 Messia sey gegrüßt/ weg/ warheit vnd das leben/
Gott’s warheit/ Gott’s verstand/ Gott selbst/ Gott vns gegeben:
Das wort/ der werthe schatz/ der wunder-ackerßmann/
Der seine schauffel tregt/ das korn recht worffen kan:
Der an den bawm gesetzt die axt/ glatt abzueschlagen
650 Die äste so nicht guet/ vnd keine früchte tragen:
Der bodenlose schatz/ der eckstein für das hauß:
Der mit der grossen faust die welt spannt auß vnd auß.
Das Pascha/ quell vnd brunn zue schöpffen nach genügen:
Der erstling aus dem volck die in der erden liegen:
rd re rf rg rh ri rj rk rl rm rn ro rp rq rr
[Seite 312]

655 Der rechte friedenfürst/ der grosse menge voll
Der starcken zu der beut’ vnd raube kriegen soll:
Derselbe diesen tag/ vnd gestern/ vnd auch morgen:
Der engel in dem rath so lange war verborgen/
Der engel der sein volck mit offenbahrer macht
660 Hat friedlich vnd in rhue in Canaan gebracht.
Mit schrecken vnd gewalt sich wiedersetzt den städten
In dem gelobten land’/ vnd Israel vertretten.
Des Davids deines knechts Herr/ Meister/ Capitein;
Der hirt’ vnd auch das schaff/ der weingart vnd der wein.
665 Die fackel vnd das liecht das denen glantz sol geben
Die in der finsterniß vnd todesschatten schweben.
Das wahre horn des heils: die perle groß von preiß/
Die Sonn so jmmer steht/ die rechte Seelenspeiß.
Der adler/ der mit krafft biß in das grab gezogen/
670 Vnd wieder mit gewalt vnd macht herauß geflogen/
Sitzt vber alles nun. O schlang’ auß ertz gemacht/
Durch welche noth vnd quall von vns wird weggebracht.
Gewesen von begin/ von aller zeit vnd jahren:
Den in der löwengrufft hat Daniel erfahren:
rs Der Sidrach vnd mit jhm die andern auß der flamm’
676 Vnd grossen fewersgluet mit gantzen kräfften nam.
O Vater laß vns auch die kalten hertzen brennen/
Dein’ vnergründte macht zue loben vnd zue kennen:
Laß glüen das gemüt/ entzünde den verstandt/
680 Mit deiner süssen lieb’/ vnd beut vns deine handt.
Laß deinen willen sich in vnsrem willen regen;
Wir können nichts ohn dich/ ohn deinen reichen segen:
rt ru rv rw rx ry rz sa sb sc sd se sf sg sh si sj
[Seite 313]

Ohn dich ist vnser thun vnd armer wille schwach/
Vnd hanget nicht an dir/ geht nur dem bösen nach.
685 Geleit’ vns/ bleib bey vns/ laß vns von dir nicht wancken.
Ein eisernes gebet/ vnd fewrige gedancken
Die dringen durch die lufft: vnd wann des Teuffels list
Sich an vns machen wil/ laß vns sein wolgerüst/
Gib vns des glaubens helm/ bind’ vnser hertz’ vnd sinnen
690 Steiff an den Himmel an/ laß vns durch dich gewinnen/
Wie deine märterer/ die mitten durch die pein/
Gerädert vnd verbrannt/ zue dir gestiegen sein.
Zäum vnsern tollen wahn/ gib warheit vnserm munde/
Thue alle meinung ab die nicht aus festem grunde:
695 Der du vnfehlbar bist/ die grundfest’ vnd verstandt/
Mach’ vns den rechten weg den du gebähnt bekandt:
Laß finden was du sagst/ anheben von der wiege/
Auffwachsen gleich mit dir: biß vnser hertze fliege/
Gereinigt durch dein blut/ durch dein wort newgebohrn/
700 An den ort den du dir vnd deinem volck’ erkohrn.
Wir lassen Esau stehn/ vnd wollen nicht viel fragen/
Noch gehen allzueweit/ warumb doch Gott mißhagen
Zue jhm trug eh er war: nur preisen den der fragt
Vnd fleissig nachsucht dem was dir allein behagt:
705 Beginnt von vnten an: wil deinen weg erkünden:
Den er auch endlich noch wird hier auff erden finden/
Vnd ausser dem nicht geht. das ander/ ist er weiß/
Das setzet er beseit/ biß in das Paradeiß.
Da ist die große schul’ in der man wird erfahren
710 Des Vaters tieffen sinn/ den du wirst offenbahren:
sk Gesessen auff dem stuel/ allzeit vor dich bewahrt;
Da ein vnzehlich volck der Engel steht gepart.
sl sm sn so sp sq sr ss st su sv sw sx sy
[Seite 314]

Wir nemen Iacob an/ den Gott schon außerkohren
Er solt’ im glauben sein/ eh als er noch gebohren/
715 Noch in der mutter leib’: vnd schied den Esau ab;
Nicht das es Iacob werth/ nur das er jhm es gab.
Die ferner wollen gehn/ die müssen vnten bleiben/
Vnd jhre zeit mit zanck vnd zweiffelung vertreiben:
Durchgründen deinen rath/ vnd suchen stets ohn
endt

720 Was weder ich/ noch sie/ noch iergendt einer kennt.
Da wird die flamm entzündt: wir lassen vns belieben
Neidt/ hader/ hass vnd zorn; da wird von vns vertrieben
Die rhue/ die süsse rhue/ die lieb’ vnd niedrigkeit.
Wir steigen all zue hoch vnd wollen gar zue weit.
725 Weil wir zum Vater gehn/ wird vns der Sohn genommen/
Verlieren den compaß: ie mehr wir näher kommen/
Je ferner wir noch sein. verlassen Gottes wort/
Ertrincken in der See/ vnd kommen nicht zue port:
Gleich als Bellerophon der nichts hielt von den pferden
730 Die auff dem boden gehn/ flog sehr weit von der erden/
Gab Pegasus die sporn: vnd gleich als Phaëton
Den wagen zue sich nam/ vnd fuhr an statt der Sonn.
Wir haben auff vns selbst zue grosses zuevertrawen/
Vnd wolln mit Babels volck biß in die wolcken bawen:
735 Verachten gantz den baum des lebens/ greiffen an
Die frucht der wissenschafft/ wie Adam hat gethan.
Vnd fallen auch mit jhm. wir wollen alles finden/
Durchtasten deinen grundt der gar nicht ist zue gründen:
Gehn vber den verstandt vnd suchen vnsern fall.
740 Wer aber vnten geht/ der find dich in dem stall
sz ta tb tc td te tf tg th ti tj tk tl tm tn to
[Seite 315]

Für seinen füssen hier: gleich wie die weisen Persen/
Die keinen falschen wahn nicht liessen in sich herrschen/
Dich suchten wo du warst. sie sahen dich von ferrn/
Verliessen menschen witz/ vnd folgten deinem stern.
745 Laß vns auch eben so/ befreyt von hohen sorgen/
Dich suchen da du scheinst/ nicht da du ligst verborgen/
tp Bedeckt mit schreckligkeit. wie Moses dich erkandt/
Mit fewer gantz vmbringt/ als du mit deiner handt
Die erd’ erschüttert hast/ trompetten lassen schallen/
750 Verkündigt dein gesetz/ bist auff den berg gefallen/
Bekleidt mit herrligkeit: vmbgürtet mit der flamm
Die allen muth dem volck’ vnd jhr gesichte nam:
Da Sina durch den brandt durch grosses fewer-blincken/
Durch deiner stimme macht schier meinte zue versincken/
755 Aus furchte zue vergehn/ zu schmeltzen gar vnd gantz/
Vor deiner majestet/ vnd vnerhörtem glantz/
Vnd als dich Pharao sah’ in dem streite fechten/
Vnd stehn für Israel/ vnd auch für jhren knechten/
Dein außerkoren theil/ dein eigenthumb/ dein heer/
760 Gewaffnet mit der lufft/ vnd mit dem gantzen meer:
Das stracks auff dein gebot erhub die schweren wellen/
Stundt als ein’ hohe wandt/ vnd thet sich wieder stellen
In seinen alten lauff. du/ der du vns gebracht
Durch deine niedrigkeit zue deinem reich’ vnd macht.
tq tr ts tt tu tv tw tx ty tz ua ub uc ud ue
[Seite 316]

765 Der du/ zuevor nur Gott/ auß gnaden angetrieben
Bist worden das wir sein/ vnd beydes nun verblieben:
Hast beydes das wir sein/ vnd das du warest eh/
Vereiniget in dir/ geführet in die höh.
So das nun von der welt die menscheit auffgenommen
770 Da deine Gottheit ist/ vnd gleiche macht bekommen/
In dir der beydes ist: in vns noch schwach vnd kranck/
Gleich einer großen laßt/ vnd schwerer bürden drang.
Die wir nun auch an dich verbunden vnd geschlossen/
Durch dich gesäubert sein/ mit deinem blut begossen/
775 Erfrewen vnsern geist/ vnd trachten jeder frist
Zue kommen an die statt da du jetzt selber bist.
Vnd auff das vnser sinn mög’ eines mahles reisen
An diesen hohen orth/ wilst du vns hier noch speisen/
Setzst vns an deinen tisch/ giebst vns dein fleisch vnd
blut/

780 Ertheilest vns die kost die vber alles gut.
Da werden wir nur nicht durch täglich brodt ernehret;
Du giebst die wahre kost die ewig bleibt vnd wehret:
uf Wir gehn zue dir herauff: es wird dann vnser hertz
Theilhafftig deiner frewd’/ vnd fühlet deinen schmertz.
785 Wir springen aus dem fleisch’ vnd werden gantz entbunden/
Wir lauffen mit dem geist biß inner deine wunden:
Wir leschen vnsern durst/ vnd mesten vns mit lust
An dem gebrochnen leib’ vnd blutbesprengten brust.
Da ist die lust die wir auch sollen nachmals finden/
790 Vnd saugen solche milch die nimmermehr wird schwinden:
ug uh ui uj uk ul um un uo up uq ur us ut uu uv uw ux
[Seite 317]

Der Seelen nahrunge die nicht vergehen kan:
Dein fleisch erquicket vns/ o grosser Pelican!
Der du dein eigen volck zue speisen vnd zue laben
Geopffert deinen leib/ vnd wieder dich erhaben;
795 Ernewert durch den todt: wir saugen auß den wein/
Den wein vom himmel her/ biß daß wir truncken sein:
In deinem tode wir erhöhen hertz vnd sinnen/
Die alle wiedrigkeit getrost verachten können:
Sind meister vnser selbst/ vnd brechen aus der bahn:
800 Zuetretten Behemoth/ stehn auff Leviathan.
Erlöser sey gegrüßt/ gesalbter außerlesen/
Der du wirst ewig sein/ vnd ewig bist gewesen:
O Alpha sey gelobt/ der du das erste bist
Vnd auch das letzte gut/ O mega sey gegrüßt.

Zu Görlitz im Marggrafenthumb Oberlausitz
druckts Johann Rhambaw.

M. DC. xxi.

uy uz va vb vc vd
[Seite 318]

ve

Gar recht wird der Herr Christus Esa. 8:14. Röm. 9:32. genennt
der stein des anstoßes: daß er/ vngeachtet seiner Gottheit vndt der-
selbigen krafft/ welche den menschen vollkömmlich geoffenbahret
worden/ so baldt von dem menschen nicht geschieden/ vmb deßen
willen er zue dem menschen kommen vndt mensch worden ist/ daß
nicht etzliche zuegleich an seiner Gottheit zue zweiffeln/ vndt den-
selbigen/ der für den menschen gecreutzigt war/ wiederumb zue
creutzigen angefangen; auch also des jenigen/ was von den dreyen
Evangelisten von seiner niedrigkeit erzehlt wirdt/ zue vnterdruck-
ung seiner größe vndt ewigkeit mutwilliger weise gemißbraucht
haben. Als
[2]vf wie die Cerinthianer vndt Ebioniten/ welche gar
durfften sagen/ daß der Herr auß dem samen Josephs geboren were.
Diesen zue begegnen/ ist der heilige Evangelist Johannes/ die lust
vndt frewde des Herren/ der auff seiner heiligen brust geruhet/
vndt die schätze der Göttlichen heimligkeit darauß gesogen hat/
vervrsacht worden/ nicht anders als ein Secretar des himmels/ sol-
che dinge/ wie S. Chrysostomus wol sagt/ vor der zeit den Engeln
verborgen waren/ auß zue sprechen: an zue zeigen/ daß derselbte
Herr Jesus/ der nach dem fleische geboren vndt dem menschen ge-
geben war/ für dem fleische vndt ohn das fleisch/ ja für allem
fleische vnd creatur/ Gott bey Gott gewesen sey. Auff dieselbige
weise sindt auch die alten Väter gezwungen worden/ beydes in Sy-
noden undt auch in schrifften/ sich wieder die feinde der person
Christi/ seiner Gottheit/ ewigkeit mitt dem Vater in dem wesen/ vndt
seine vnaußsprechliche ewige erzeugung auß dem Vater/ zue er-
kleren/ vndt den nachkommenen ein gesetze zue stellen/ wie ferren
jhnen zue kommen erlaubet sey. Der Autor/ weil er von den eigen-
schafften des Sohnes Gottes in diesem Lobgesange nicht hatt reden
können/ ehe dann er zuevor von seiner ewigen Gottheit
fürnem-

[Seite 319]

lich geredet hette/ hatt sich selber also gemäßiget/ daß er sich an
die H. Schrifft vndt jhre außleger die alten Väter gehalten hatt.

1 Das Wort]vg Wie der Heilige Johannes sein augen-merck auff
den anfang des ersten buches Mosis genommen hatt/ also hatt der
Autor gesehen auff die ersten worte des H. Johannis: der wieder
die Juden/ vndt allbereit oben erwehnte ketzer/ erweisen wil/ wer
nicht geschaffen sey/ als alles von dem Moses sagt ist geschaffen
worden. Nemlich der Sohn: den er das Wort genennet hatt/ an-
zuezeigen/ daß er nicht allein ist die weißheit des Vaters/ sonder〈n〉
auch der so vns dieselbige außgelegt vndt zue erkennen gegeben hatt.
Als wie das Wort nichts anders ist dann ein rechtes bildt vnseres ver-
standes vndt sinnen/ welches dieselbten außdruckt vndt offen-
bahret; vndt das Griechische wort/ das der Evangelist gebraucht/
beydes bedeutet; daß ist/ wort vndt verstandt. Wie dann auch Ter-
tullianus sagt/*
vh in seinem buche vom gebete/ daß er sey; Das
Wort Gottes/ vndt der Verstandt Gottes: das Wort des Ver-
standes/ vndt der Verstandt des Wortes.

* Die worte sindt: Dei spiritus et Dei sermo et Dei ratio, sermo ratio-
nis et ratio sermonis et spiritus.vi

1 Das Wort war] Moses hatte in seinem ersten buche/ da er
redet von allem was geschaffen ist/ gesagt: Im anfange schuff Gott
himmel vndt erden: Jo-[3]hannes sagt hergegen/ vnd gleichwol
auff das jenige was Moses gesagt hatte; Im anfange war das Wort:
an zue zeigen/ daß gleich wie das jenige was geschaffen wardt/
anfieng: also/ das jenige welches war als alle dinge anfiengen/ ge-
wesen sey vor dem anfange alles deßen was anfieng. Vndt diß war
das Wort/ von dem Johannes wieder den Cerinth vndt Ebion saget;
das nicht geschaffen ist/ aber durch welches alles geschaffen ist/
was Moses sagt daß es geschaffen sey. Darumb auch Ambrosius
sagt/ bey außlegung dieser örter/ des Moses vndt Johannes: Was

[Seite 320]


geschaffen wirdt/ beginnt: das was keinen begin hatt empfan-
gen/ aber herfür ist kommen. Als wie die Väter wol verstanden
haben/ daß ein ort gegen dem andern muß gehalten werden: beyde
wegen rechten verstandes des ortes Johannis/ als wegen miß-
brauch des ortes Mosis.

1 vorvj der Zeit] Diß ist auch eine außlegung der worte des H.
Johannis/ welcher sagt: Im anfange war das Wort; darmit zue
erkennen zue geben/ daß das Wort war als alle dinge anfiengen:
vndt also das Wort allein auß zue nemen von allem was anfieng/
vndt jnner der zeit worden ist was es ist. Als wie Micheas
vk in erweh-
nung des Sohnes Gottes sagt/ daß sein gang von anfang sey/ für
den Tagen der Welt. cap. 5. v. 2.

1 bey Gott] Der Autor hatt sein bestes gethan/ von dieser hohen
vndt tieffen verborgenheit der meinung der h. Evangelistens nicht
ab zue weichen. Vndt das Wort war bey Gott/ sagt Johannes:
darmit er zue erkennen giebt/ daß der Sohn als Sohn vnterschieden
ist von dem Vater bey dem er ist: wie auch die alten Väter diß auß-
legen wieder den Sabellicus; vndt er sich selbst hernach weiter er-
klert/ vndt saget/ daß er mitt jhm eines sey in dem wesen; doch
gleichwol vnterschieden sey als Sohn/ angesehen daß/ wie Augu-
stinus sagt/ der Vater nicht ist der Sohn/ noch der Sohn der Vater/
ob sie wol beyde ein Gott sindt.

1 auß Gott *entsproßen.] Der Prophet David/ als er in dem
geiste von Christo vndt seiner ewigen geburt auß dem Vater im
2. Psalm redet/ sagt: Ich wil das gesetz erzehlen/ das der Herr
zue mir geredt hatt/ Du bist mein Sohn: heute hab ich dich ge-
zeuget. Die alten Väter/ damit sie diese erzeigung mitt ehrerbietung
auß drucken/ gebrauchen sich des wortes
ἀνατέλλειν: das ist/
auffgehen/ entsproßen; als wie das liecht auß der Sonnen ent-

[4]springet. Wie sie sich dann auch deßelbten gleichnißes ge-
brauchen/ wann sie von selbiger ewigen geburt reden: als vnten
soll erwiesen werden. Diß wort hatt der Autor hier außgedruckt
vndt jhm nach gefolgt.

*uyt Gott geresen. Also setzt Heinsius: welches sich aber ohn ver-
ruckung der wichtigen meinung des andern verses in den reim nicht
bringen leßt: darumb der dolmetscher sich des wortes Erlesen gebrauchen
mußen/ vndt zwar hoffentlich auch nicht übel/ weil die Christliche kirche

[Seite 321]


diesen jhren Bräutigam den Erlesenen vnter tausenden nennet/ im Hohen-
liede/ cap. 5. v. 10. vndt Gott selber anderwerts saget/ daß diß sein liebster
Sohn sey/ an dem er ein wolgefallen habe.

3 doch gleich so wol] Der Autor hatt biß hieher mitt kurtzen
worten viel zue erkennen gegeben. Zum ersten/ die ewigkeit des
Wortes Gottes/ da er sagt; Daß das Wort war vor der zeit: Zum
andern/ die ewige erzeugung des Wortes auß dem Vater/ da er
spricht; daß das Wort so vor der zeit war/ auß Gott entsproßen
sey: Zum dritten/ die person des Sohnes/ welcher das Wort war/
vnterschieden von dem Vater/ in dem er sagt: Daß er bey Gott war:
nemlich der Sohn bey dem Vater: Zum vierdten vndt fünfften
dargethan/ daß er Gott war vndt derselbe Gott mitt dem Vater/
in ansehung seines wesens. Nun erweiset er/ wie sie eines sindt/
vndt dannoch vnterschieden werden: vndt diß alles also/ daß er
den worten des Evangelisten nachfolget.

3 der von dem Vater hatt*] Siehe den Apostel zun Hebreern
im 1:2. da er von dem Sohne sagt/ Welchen er gesetzet hatt zue
einem erben aller dinge: weil/ wie Johannes sagt in dem 3:35.
der Vater den Sohn lieb hatt vndt hatt alle dinge in seine hände
gegeben.

* Heinsius setzt: die van denvl Vader erft.

5 Vndt da des himmels baw] Der Autor giebt mitt diesem gant-
zen verse nichts anders zue verstehen/ als das jenige was Johannes
sagt/ alle dinge sindt durch jhn gemacht. Vndt Paulus an die
Coloßer 1:16. durch jhn sindt alle creaturen geschaffen. Vndt diß
beweiset auch die Gottheit des Sohnes: Dann alles was ist/ sagt
S. Augustinus/ ist entweder Gott oder creatur. Es beweiset auch
seine ewigkeit. Dann dieser ort ist eigentlich abgemalt auß den
trefflichen Sprüchworten/ 8: da die Weißheit/ daß ist/ der Sohn
Gottes/ vnter andern/ als er von seiner ewigkeit redet/ also sagt:
Als er die himmel bereitete/ war ich alldar. da er die tieffe mitt
jhrem kreiße verfaßete. da er die wolcken daroben befestigte/
da er befeßtigte die quelle
vm der tieffen. So daß man auff die art zu
reden muß achtung geben. Dann der war da der himmel wardt/ war

[Seite 322]


vor dem himmel: vndt der war da die abgründe worden/ war auch
vor jhnen. Als wie der so war in dem anfange/ war vor dem an-
fange. Vndt darumb sagt dieselbte weißheit in selbigem capitel: Da
die tieffen noch nicht waren/ war ich allbereit
[5] fertig. da die
quelle noch nicht sprungen mitt waßer. Welches dann eben eines
ist mitt dem vorhergehenden.

8 War er des Vatters hülff’] Zu verstehn zue geben/ daß der
Vater den Sohn nicht gebraucht hatt als ein instrument/ welches
Arius sagte; der darumb von Theophylacto/ Basilio/ vnd
vn andern
alten Vätern/ wiederlegt wirdt: sondern wie es der Apostel an dem all-
bereit angezogenen orte außlegt. Wie auch ferner anzuezeigen/ daß
diß wort nicht nur ein eiteler schall/ oder ein wort wie die vnseren
gewesen sey: sondern die andere person in der Gottheit. die/ wie
Tertullianus wieder den Praxean sehr wol sagt/ selber gemacht
hatt alles das jenige was durch jhn gemacht ist worden.

8 vndt seine rechte handt] Anzuedeuten das vorhergehende:
nemlich daß er gewesen ist eine ware vrsach aller creaturen; wie
auch/ daß er ist die macht vndt ehre des Vaters/ durch welchen
alles ist geschaffen: wie dann das wort/ rechte handt/ in der
schrifft vber all also genommen wirdt.

[6] 9 der anbegin/ der anfang aller sachen] Entweder daß er vor
allen war: auß welcher vrsach er von dem Apostel/ der erst-
geborne aller creaturen/ genennt wirdt; oder weil alle dinge von
jhm jhren anbegin haben. Welches der Evangelist zue erkennen
gibt/ da er sagt: Vndt ohn das Wort ist nichts gemacht/ das
gemacht ist. Worauß wiederumb folget/ die ewigkeit des Sohnes
Gottes. Dann alle dinge notwendig nach jhm sindt/ weil alle dinge
durch jhn sindt. ja nichts ist vor jhm/ weil alles durch jhn ist. Vndt
darauß folget auch ferner/ daß der Herr sey ohn begin/ als der ge-
wesen ist in dem begin/ weil er ist der begin alles deßen daß begin
hatt.

10 Vndt war in dem begin] Diß ist eben was der Evangelist sagt/
Im anfange war das Wort.

11 Er war das ware liecht] Siehe Luc. 2:32. Johan. 1:4.vo Esa.
60:1. vndt an andern orten; da der Herr Christus das liecht ge-
nennet wirdt/ weil er das liecht ist der seelen.

[Seite 323]

12 kam leuchten in der nacht] Diß ist wiederumb das jenige was
der H. Evangelist sagt/ Das liecht ist in die finsterniß kommen/
vndt die finsterniß hatt das liecht nicht können begreiffen. Von
dem Worte/ nemlich/ dem Herren/ der mitten in dem irrthumb
der Juden/ Griechen vndt Römer kommen ist/ vndt in der nacht
im fleisch erschienen. Welches/ da es rein an sich selber war/ weil
es von Gott geschaffen/ der nichts gemacht hatt als was guet war/
durch die sünden verterbet vndt vertunckelt worden ist. Diese nacht
kan man nicht beßer vergleichen als mitt der nacht darvon geredet
wirdt Exod. 10:22. Dann wie die Egyptier drey tage in der nacht leb-
ten/ so daß weder bruder den bruder/ noch sohn den Vater kandte/
so ist auch Adam mitt seinen nachkommenen in die nacht der sün-
den gefallen. Welche nacht biß zur ankunfft des andern Adams
gewehret hatt/ der das liecht hatt in die welt gebracht/ ja selber
das liecht gewesen vndt in die welt kommen ist/ vndt hatt die augen
vnserer seelen mit der göttligkeit seines geists erleuchtet.

13 Gebohrn auß seiner krafft] Zum ersten/ als selber Gott/ vndt
eine vrsach seines begins nach dem fleische/ wie S. Augustinus an-
zeigt in seinem handtbuche an Laurentium: da er beweiset/ daß die
menschwerdung des menschen Jesus/ ein werck sey der gantzen
Dreyeinigkeit. Zum andern als der Sohn Gottes. Vndt
[7] darumb
sagt Hilarius sehr wol in dem buche/ von der einigkeit des Vaters
vndt des Sohnes: Ob wol/ spricht er/ der Sohn Gottes in der
geburt/ leiden vndt sterben/ sachen vnser natur gethan hatt/
so hatt er dennoch die sachen auß krafft seiner natur ge-
than: als wie er jhm selber ein begin ist geboren zue werden:
er selber wil leiden das jenige was er nicht kan leiden: als er
stirbet der doch lebet. Vndt dennoch wie er/ der Gott ist/ diß
that durch den menschen/ als der durch seine krafft geboh-
ren wirdt leidet und stirbet; so leßt er doch nicht zue thun was
dem menschen eigen ist; als der durch seine krafft gebohren
wirdt/ leidet und stirbet.

14 gestorben] Der Autor sagt daß der Herr auch durch seine
krafft gestorben sey. Vndt darumb sagt er selber beym Johanne
10. v. 18. Niemandt nimpt die seele von mir/ sondern ich lege
sie ab von mir selber. Zue verstehn zue geben/ daß er nicht allein
mitt seinem willen gestorben sey/ das ist/ daß er sterbende in dem
fleische mitt seinem willen das leben gelaßen habe; sondern daß er
vielmehr hatt außgedruckt seine macht oder krafft/ welche die

[Seite 324]


Theologen potestatem activam nennen. angesehen daß er/ der
sein leben ließ/ daßelbe wiederumb annemen kundte da es jhm be-
liebte. Wie er auch gethan hatt. Welches dann seine Göttliche
macht auch in diesem theil erweiset.

15 Vnd darumb ist er Gott] Diß ist ein großer trost für die seele/
daß die menscheit/ welche der Sohn Gottes angenommen hatt/
mitt der Gottheit also vereiniget ist/ daß er nicht gelitten hatt als
mensch/ vndt wir wißen daß er es hette können nicht leiden als
Gott/ vndt daß er durch seinen willen ist erniedrigt gewesen/ daß
wir in jhm vnterthänig sein solten. Worinnen der grundt vnserer
seligkeit bestehet. Dann niemandt kan vnterthänig sein/ als wer
etwas mitt eigenem willen thut. Nun wißen wir daß er derselbige ist/
nicht allein der gestorben ist vndt der nicht kundte sterben/ wie
der Herr in vorgemeldetem orte von jhm selber redet/ sondern auch/
wie ein Altvater wol sagt/ der den todt hatt angenommen/ vndt
der das leben giebet.

23 so rhürt die sterbligkeit] Es ist nichts daß mehr wieder die
Gottheit Christi zue streiten scheinet/ alß daß er hatt können ster-
ben; vndt gegen seine herrligkeit/ als daß er gestorben ist. Den-
noch ist diß an jhm geschehen durch den rhat vndt wil-
[8]len seiner
ewigen Gottheit: also daß nicht allein seine Gottheit/ die weder
zeitlicher geburt noch tode vnterworffen ist/ sondern auch der
rhat vndt fürsatz seiner menschwerdung vndt sterbligkeit vor
aller zeit ist: als der vor der zeit beschloßen hatt zue thun das jenige/
was er auff die bestimmte zeit vollbracht hatt vndt außgeführet.
Vndt diß ist es was der Autor in dem vorhergehenden biß anher ge-
sagt hatt/

er hatt durch eignen rhat/
Noch warer Gott allein genommen diese stat.
Eh als er mensch noch war. etc.

Es würde auch eine große thorheit sein zue glauben/ was der
Herr Christus/ da er von seiner Vorsehung/ die sich auch abson-
derlich auff alles was geschaffen ist erstreckt/ Matth. am 6. vndt 10.
vnter andern im 29. vndt 30. verse sagt: daß auch nicht ein sper-
ling eines halben pfennings werth ohn seinen willen auff die erde
falle; vndt zue glauben/ daß er ohn seinen willen solle gestorben
oder mensch worden sein. Worauß dann folgen würde/ daß er kein
Gott nicht were. Dann gleich wie Gott allein thut was er wil/ also

[Seite 325]


kan der kein Gott sein welcher thut was er nicht wil/ oder leidet
was ein anderer wil.

[9] 25 die weißheit] Also wirdt er genennt Proverb. 8:22. Sap. 8:
4. insonderheit in der 2. an die Corinthier.

25 das leben] Das leben war in jhm/ vndt das leben war das
liecht der menschen/ sagt vnserer Evangelist/ 1:4. da er den
Herren Christum das leben nennet. weil er entweder alles erhelt
was lebet; oder weil er allen vernünfftigen Creaturen das geistliche
leben giebet/ wie es Theophylactus außlegt/ vndt der Autor hier
nachsagt: oder weil es eine von seinen eigenschafften ist/ das wir
in jhm leben/ wie die alten Väter gelehrt haben. In dem Vater sind
wir/ in dem Sohne leben wir/ in dem Heiligen Geiste nemen
wir zue/ sagt Cyprianus.

32 dem Sohn’ ist heimgestallt] Siehe Johann. 3:35. jtem 13:3.
Matth. 28.
vp Luc. 10:22.

33 er alles auch in allen] Christus ist alles in allen/ daß ist/ das
ende vndt der anfang; wie es auch die Alten Väter außlegen/ vnd
der Griechen sprichwort/ so auch von andern gebraucht wirdt/
mitt sich bringt. Der Apostel in der ersten an die Corinther 15:28.
gebraucht sich der art zue reden von Gott dem Vater: Vndt zue den
Coloßern/ 3:11. von Gott dem Sohne: welcher vrsach sich die alten
Väter gegen den Arianern gebrauchen/ die den ersten ort wieder
den Sohn vndt seine Gottheit anziehen. So daß der Autor diese zwey
orte wol zuesammen gesetzt hatt/ daß der Sohn nicht weniger von
macht ist als der Vater; als welche ein Gott sindt.

34 Des Vaters eignes bildt] Also wirdt der Herr im buch der
Weißheit 7:26. zue den Coloßern 1:15. in der 2. an die Corinth. 4:4.
genennet. dieweil er/ wie Oecumenius mitt den Griechischen Vä-
tern sagt/ Gott auß Gott ist: vndt darumb zeucht S. Hieronymus
an selbigem orte die worte deß Apostels/ Hebr. 1:3. an/ da der
Sohn das ebenbildt der selbstendigkeit Gottes genennt wirdt. So
ist er nun das bild des Vaters; erstlich/ angesehen seine Gottheit.
Zum andern/ angesehen seine menschheit vndt die menschen/
weil er/ da er vnsichtbar war in seiner natur/ sichtbar ist worden
in der vnsrigen. Wer mich sieht/ sagt er/ Philippe/ der sieht
den Vater. Vndt das/ damit er vns das bildt Gottes wiederumb
gebe/ welches in vns durch die sünde vergangen war. Vndt darumb

[Seite 326]


ist er zue vnß kommen. Dann wie ein bildt/ [10] daß durch fäule
auß gegangen oder verleschet ist/ nicht vernewret kan werden/
es sey dann das der jenige komme deßen bildt es ist: also ist das
bildt deß Vaters zue vns kommen/ daßelbige in vns zue vernewern/
daß ein mal durch die sünde vergangen war.

34 des Vaters wolgefallen] Wie der Vater bey seiner Tauffe selbst
bezeugt hatt/ da er gesagt: Diß ist mein lieber Sohn/ an welchem
ich ein wolgefallen habe. Welches die erste stimme ist/ sagt Cypria-
nus/ die der Vater in der person deß Vaters gesprochen hatt: vndt
auch/ sagt er/ niemandt alß er allein/ vnter allen die im Himmel
sindt/ hette Jesum Christum seinen Sohn nennen dürffen.

35 *Gott] Das ist/ nicht anders als Gott: vndt diß ists was der
H. Evangelist sagt: Vndt das Wort war Gott.

* Heinsius sagt: God self.

35 doch/ ob wol etc.] Der Autor beginnt was höher zue gehen/
allein mitt einem worte oder zweyen an zue deuten/ wie ferren
das die alten Väter/ als sie von den Ketzern gedruckt worden/
gestiegen sind/ vnd sagt kürtzlich das jenige darvon sie so viel
geschrieben haben: daß vom Sohne Gottes/ wann man von Ihm
redet/ ohn zue reden von dem Vater/ gesagt wirdt/ daß er das
seinige was er ist von jhm selber sey/ vnd von jhm selber habe:
aber in betrachtung daß er Sohn ist/ vnd Sohn des Vaters/ das er
alles vom Vater habe. Vndt darumb wird er auch/ wie S. Augustinus
sagt/ in ansehung sein selbst Gott/ in ansehung aber des Vaters
Sohn genennet. Vndt wie Cyrillus spricht/ die Dreyeinigkeit in an-
sehung das sie eines ist/ ist ohn begin: die personen aber haben
einen begin/ vndt wiederumb keinen begin. Dann der Vater
ist ohn begin; vndt ist der Sohn vndt der H. Geist/ jhr begin.
Welcher begin vndt vrsach über vns ist/ wie er vor vns ist/ in an-
sehung alles deßen was geschaffen ist: dieweil er war/ wie der
H. Johannes sagt/ in dem begin. Der Autor hatt eigentlich mitt
denen zwey verßlein außgedruckt das jenige was die Griechischen
Theologen sagen von dem Sohne/ das er sey
αὐτόϑεος, nicht
αὐτόυιος: Gott von sich selbst/ aber nicht von sich selbst Sohn.

36 Der Vater gab dem Sohn’/ als Vater/ den begin.] Die alten
Lehrer sagen/ Das der Vater ein begin ist/ der Sohn ein begin ist/
der Heilige Geist ein begin ist. Der Vater ein begin ohn begin/
der
[11] Sohn ein begin auß dem begin/ der H. Geist ein begin auß

[Seite 327]


allen beyden. Ist nun der Sohn ein begin auß dem begin/ so mußen
wir wißen daß er sey ohn begin: weil diese beginnung ist ohn begin.
Der Sohn (sagt Augustinus) ist nicht durch sich selbst: sondern
auß dem der auß niemandt ist: geboren von ewigkeit/ nennende
seine geburt auß der ewigkeit deß Vaters: ewig auß ewig/ Gott
auß Gott/ gleich wie der Vater ewig ist/ vndt Gott ist.

37 Auß jhm/ vndt nicht nach jhm] Diß sind Cyrilli vndt Gregorii
eigene worte:
[griechische Textstelle]; da sie reden von
dem Sohne vnd dem H. Geiste: die (sagen sie) sindt auß dem
Vater/ aber nicht nach dem Vater. Warumb? Weil der Vater/
gleich wie er von ewigkeit gewesen ist/ also den Sohn von ewig-
keit gezeuget hatt: oder/ weil der Vater nicht ehe gewesen ist/ als
er den Sohn gezeuget hatt. weil er von ewigkeit gewesen ist/ vnd
jhn von ewigkeit gezeuget hatt.

38 der Sonnen stralen] Gregorius im ersten buche von dem
Sohne/ wie auch andere Väter/ als er wil zueverstehen geben/ wie
das der Sohn Gottes von ewigkeit sey mitt dem Vater/ vndt dennoch
als Sohn gebohren sey auß dem Vater/ gebraucht sich deß beweises/
welches der Autor sich allhier auch gebraucht hatt: daß er also
von ewigkeit geboren sey auß dem Vater/ daß er nicht sey nach
dem Vater/ sondern von ewigkeit mitt dem Vater. Er braucht auch
das gleichniß von dem liechte der Sonnen/ oder (wie der Autor
thut/ vndt er selbst in seinem büchlein von der Gottheit an dem
Eunomius) von den stralen der Sonnen: die nicht nach der Sonnen/
sondern mitt der Sonnen/ vndt dennoch auß der Sonnen sindt.
Zue verstehen zue geben/ daß auch also der Vater niemals gewesen
ist ohn den Sohn/ vndt dennoch daß der Sohn als Sohn ist auß dem
Vater. Andere gebrauchen sich deß gleichnißes von dem liechte
vndt seinem glantze/ welche nicht können geschieden werden/
vndt werden dennoch vnterschieden: als deren eines liecht/ das
andere glantz ist. auch also/ daß der glantz auß dem liechte/ aber
nicht nach dem liechte ist. ja auch so/ daß das liecht ohne glantz
niemals gewesen ist. Welches sie vermeinen am besten auß zue
drucken die ewige/ vndt darumb vnaußsprechliche/ geburt deß
Sohnes auß dem Vater. welche die H. Schrifft auch vor augen
stellt/ wiewol sie von der manier derselbigen nicht redet. Vndt diß
gleichniß haben mehrentheils gebraucht alle alte Väter; als
[12]
Gregorius/ Chrysostomus/ Theophylactus/ Leo/ Augustinus/
Ruffinus über die artickel deß Glaubens/ weit vndt breit/ Justinus in

[Seite 328]


seiner außlegung oder Bekendtniße deß Glaubens/* mitt noch an-
dern. Tertullianus wieder Praxean gebraucht daß gleichniß von
einer Wurtzel oder sproßen/ von einem quelle vndt deßen bach/ von
der Sonnen vndt jhren stralen. Welcher selbiges mitt vielem erweiß
darthut.

* Gennadius Scholarius ist hiervon sehr weitleufftig in seinem gespreche
vom wege zur menschlichen seligkeit.

41 Was schiffen wir so hoch?] Der Autor giebt mitt nachfolgen-
den worten zue erkennen/ nicht das dieses gleichniß new sey/ als
welches/ wie gesagt/ mehrentheils alle Väter gebraucht haben:
oder/ das es vngereimt sey/ als welches von der alten Kirchen her-
kömpt: sondern erstlich/ daß man nicht leichtsinnig vndt verwe-
gen das jenige/ so über alle geschöpffe ist/ mitt geschaffenen dingen
vergleichen solle: zum andern/ daß die alten Väter etzliche sachen
geschrieben haben/ sich gegen die feinde der Kirchen vndt der
H. Schrifft zue erklären/ welche die H. Schrifft mitt denselbten
worten nicht saget: nicht so sehr auß zue legen was sie sagt/ als
zue vertheidigen das jenige was sie wil sagen: vndt daß man außer
diß nicht schreitten solle/ als wie er dann selbsten auch biß anhero
nicht gethan hatt. Beßer ists daß wir von der sachen reden mitt
Ambrosio/ welcher sagt: Frage mich vmb diese verborgene Natur
nicht. Ich weiß diß nicht beßer als ich weiß. Diß weiß ich allein
wol/ daß ich nicht weiß das jenige was ich nicht wißen kan.
Vndt mitt Hilario im andern von der Dreyeinigkeit/ der/ da er von
der ewigen geburt des Sohnes auß dem Vater (worvon der Autor
biß hierher erwehnet hatt) redet/ auch sehr wol sagt/ Ich weiß es
nicht/ ich erforsche es nicht/ vndt tröste mich dennoch deßelb-
ten. Die ertzengel wißen es
[13] nicht/ die engel haben es nie
gehöret. Der begreiff der zeit begreifft es nicht: kein Prophet
hatt es gefaßet. kein Apostel hatt es gefragt: der Sohn selbst
hatt es nicht gesaget. Vndt vorwar/ weil der mensch nicht kan
die Sonne ansehn/ welche den vierdten Tag gemacht ist/ wie solte
er können die ewige geburt/ die ewige Natur des Sohnes Gottes an-
sehn/ der alle die tage/ vndt vnsern verstandt/ gemacht hat? Dar-
umb last vns wißen lernen/ daß wir nicht wißen/ als was Gott
gewolt hatt das wir sollen wißen/ durch den Herren Christum:
durch welchen wir können wißen alles was wir mußen wißen.
Ja laßt vnß lernen/ daß wir mehr nicht können wißen; Vndt diese
verborgenheit fahren laßen.

[Seite 329]

49 Nach dem daß schöne feldt] Hier beginnt der Autor zu bewei-
sen den elenden
vq standt der menschen nach Adam/ die alle in jhm
vndt in jhnen mit der sünde befleckt sindt; ja durch jhn auch in jhnen:
Vndt sindt nicht allein des todes des leibes/ welcher eine straffe der
sünden ist/ sondern auch der sünde/ welche ein todt der seelen
ist/ in jhm theilhafftig worden; wie ein Altvater wol sagt: in dem

[14] sie durch jhn die gnade Gottes verlohren/ vndt noch alle tage
die früchte seiner sünde herfürbringen. Verterbet am verstande/
durch die vnwißenheit vndt finsterniß deßelbten: verterbet am
willen/ in dem sie streiten wieder die vnterthänigkeit/ welche sie
Gott schuldig sindt. Wie dann die erbsünde anders nichts ist/ als
eine vnwißenheit am verstande/ vndt keine vnterthänigkeit am
willen. Endtlich zue beweisen/ daß niemandt derselben gnade
theilhafftig wirdt/ als welcher die geburt in Adam hinweg thut
durch die wiedergeburt in Christo: der das Lamb ist/ das von an-
begin der Welt geschlachtet ward: (wie der H. Johannes von jhm
redet) vndt allzeit bey den seinigen mitt den zeichen seiner gnade
gewesen/ biß daß er selber mensch worden/ vndt also zue dem
menschen kommen ist; hat beydes gehabt die warheit vnserer Na-
tur vndt die reinigkeit: ist gewesen außer den lenden Adams/ vndt
hatt keinen zehenden gegeben (wie der Apostel zun Hebreern im 7.
sagt) in
vr Abraham/ noch den zehenden selber mit Melchisedech
empfangen. Auff daß er/ als nicht gerhüret von der schlangen/ die
biße vndt leichzeichen
vs der schlangen/ mit denen wir zur welt
kommen/ durch sein blut saubern/ vndt mit seinem leben das je-
nige was in vns durch das vnserige verfallen war auffrichten solte.
Endtlich/ auff daß die Natur welche in dem ersten menschen die
welt mitt sünden erfüllt hatt/ in dem andern menschen/ der
mensch war ohne sünde/ vndt Gott über alle creaturen/ die welt
von der sünde reinigen möchte.

52 Vndt wegen jhrer schuldt] Dann weil sie mehr begehrten zue
sein als sie waren/ sindt sie weniger worden als sie waren. Darumb/
wie Adam vns verterbet hatt/ weil er/ da er mensch war/ Gott
wolte gleich sein: also hatt uns der andere Adam erlöset/ weil er/
da er Gott war/ mensch hatt werden wollen.

[Seite 330]

57 Im menschen wird der todt] Hiermit zue erkennen zue geben/
das nicht die sünde durch den todt/ sondern der todt durch die
sünde in die welt kommen ist: wie ein Altvater wol sagt/ vndt der
Apostel bezeuget/ Rom. 5:12.

[15] 65 Alß daß er] Siehe Genes. 3:15.

77 Vnd da die große flut] Hier fengt der Autor nun an zue bewei-
sen daß Jesus Christus/ der gewesen ist/ als zuevor gesagt/ vor der
zeit/ vndt verheischen vor dem anfange der zeit/ vndt letzlich
gegeben in der erfüllung der zeit/ sey derselbige Christus. Welcher
darumb der inhalt ist beyder bundniße/ vndt giebet vns das ewige
leben auß gnaden. Welches wiederumb das einige ende aller bey-

[16]den bündniße ist. Doch weil niemandt den willen Gottes er-
kennen kan ohn jhn/ so hatt er zue weilen die Väter angesprochen
ehe er kommen ist. Vndt darumb haben auch etzliche vnter den al-
ten Lehrern gesagt/ das er das wort genennet werde. dieweil er
von anfange mitt seinem volcke geredet/ vndt seine süße stimme
hatt hören laßen.

81 Ist Noa vndt sein hauß] Siehe Genes. 7.

84 jedoch nicht ohne bundt] Wegen der allbereit im Paradiß ver-
heischenen gnade/ belangendt den samen des Weibes. Dannenher
kompt es auch/ daß die alten Väter sagen/ der kasten sey gewesen
ein fürbildt der Kirchen außer welcher niemandt kan erhalten
werden: Vndt außdrücklich/ die flut/ so das erdtreich bedeckt
hatt/ sey für Noa vndt die seinigen so mit jhm im kasten waren
eine tauffe/ für die andern eine straffe gewesen. Die (sagt Cypria-
nus im 7. schreiben an Pompejum) nicht haben können durch das
waßer erhalten werden: als wie die/ so in der Kirche nicht getaufft
werden/ durch das waßer nicht gereiniget vndt selig gemacht werden.

85 mitt Abram woltest machen] Nemlich/ den bundt der gna-
den: welcher erst mitt Abraham vndt den seinigen gemacht wardt
Genes. 15. zuevor aber/ doch nicht so deutlich/ mitt Adam/ vndt
begriffen in den trefflichen worten Genes. 3:15. Doch der Autor/
welcher von dem ersten vndt andern redet giebt zue erkennen/ daß
dieser bundt/ der in ansehen der zeit sich auß gebreitet hatt von
Adam zue Abraham/ von Abraham zum Mose/ vndt der erlösung
auß Egypten/ letzlich von der verkündigung des gesetzes an biß
zur ankunfft des Herren in das fleisch/ in betrachtung des grundes
vndt fundamentes/ ein bundt gewesen nemlich der Herr Christus
selbst/ den sie allzumal gemein hatten.

[Seite 331]

92 Du bist Emanuel von diesen zeiten her] Der Autor sagt/
daß der Herr Jesus vom anfange gewesen sey Emanuel/ das ist/
Gott mitt vns. Welcher namen jhm versprochen ist Esa. 7:14. vndt
zuegeeignet Math. 1:23. Vndt darumb haben die alten Väter wol
gesagt/ daß die welche geläugnet haben/ daß der Herr in daß fleisch
kommen sey/ auch nicht kundten bekennen/ daß derselbte Chri-
stus kommen sey vor seiner zuekunfft: nemlich/ zue den Vätern
im ersten bunde. Tertullianus im buche vom fleische Christi; Aber
jhr leute/ sagt er/ lasst
[17] diß nicht zue/ in dem jhr den
Christum nicht wollet annemen/ der von da an das mensch-
liche geschlecht lernete ansprechen/ erlösen/ richten/ in der
gestalt deß fleisches das noch nicht gebohren war; weil es noch
nicht sterben solte/ ehe seine geburt vndt sterbligkeit verkün-
digt weren.

96 Der alte Vater gieng] Siehe Genes. 12:1. vndt Act. 7:3. da es von
dem ersten märtyrer dem H. Stephanus wiederumb erzehlet wirdt.

97 Hatt Isaac geboren Des segens großen stamm etc.] Gleich
wie Abraham der Vater der gleubigen genennet wirdt/ also
wirdt Isaac billich allhier der Vater des segens genennet: entweder
daß er erstlich das zeichen des segens in sein fleisch empfangen
hatt/ nemlich die beschneidung: Genes. 21:4. oder das er die
erste frucht des glaubens gewesen ist; oder das er daß erste fürbildt
gewesen vnsers Herren Christi/ welcher der segen über alle segen
ist. Dann wie der Herr Christus ein Sohn war derer die nach der
Natur nicht kundte gebehren/ so war Isaac ein Sohn derer die nicht
mehr nach der Natur kundte gebehren;
[18] Vndt gleich wie der
glaube Abrahams sein alter zue nichte machte/ also hatt der glaube
in der heiligen Magdt die Natur überwunden. Doch der Autor/ in
dem er Isaac den Vater des segens nennet/ hatt noch andere vr-
sachen gehabt: als sonderlich/ daß Genesis 25:23.
vt der Herr zue
Rebecca/ des Isaacs haußfrawen/ sagt/ es weren zwey völcker in
jhrem leibe; Jacob nemlich/ der Vater der Juden/ (welche den
ersten segen/ so dem samen Abrahams/ Genes. 22. zuegesagt wor-
den/ vndt die gnade genoßen haben) vndt Esau/ der Vater der
Heiden/ die in jhre stelle kommen/ vndt/ wie der Apostel sagt
Rom. 11:20
vu ein geflantzet sindt. Welches vom Tertullianus/ in
seinem Buche gegen die Juden/ sehr wol erwiesen wirdt.

[Seite 332]

101 Gleich wie ein jüngeling] Diß gleichniß wird gebraucht von
der H. Schrifft/ zue verstehn zue geben/ die vnaußsprechliche liebe
welche der Herr zue den seinigen allzeit getragen hatt. Doch in
sonderheit im Hohen Liede Salomonis. Vndt diß ist die vrsach/
das die alten Väter/ wann sie von der liebe des Herren zue seiner
gemeine reden/ sich deßen gleichnißes überall gebrauchen.

[19] 114 In flammen-art] Siehe Exodi 14:19. Psalm 78. da der
Prophet sagt: Vndt du hast sie des tages geleitet durch eine
wolcke/ vndt die gantze nacht durch einen glantz des fewers.

115 Mit waßer auß dem stein’] Siehe Exodi 17:5.vv vndt den
Apostel in der 1. zun Corinth. am 10:4. da er sagt/ daß dieser
felß sey Christus.

118 in jhren leib geschnitten Der wahren zuekunfft pfandt]
Der Autor versteht die beschneidung. Welches das erste besondere
Sacrament gewesen ist/ darmit der Herr seinen bundt besie-
gelt hatt; als wie es auch der bundt der beschneidung genennet
wirdt Act. 7:8. vndt das er in das fleisch seines volckes auß vn-
außsprechlicher liebe geschnitten hatt/ nicht anders als man die
worte eines bundes in hültzerne tafeln schneiden zue laßen gewoh-
net ist. Vndt darumb saget er/

in jhren leib geschnitten Der wahren zuekunfft pfandt.

Siehe die einsetzung deßelben Genes. 17:10 vndt wirdt ernewret Jo-
sue 5:2.

119 gegeben in den mundt] Der Autor versteht das andere be-
sondere Sacrament des alten Bundes/ nemlich das Osterlamb/
welches vnter andern andeutete die vereinigung/ erziehung vndt
lebendig machung in dem zukünfftigen Christo.

[20] 125 Denn richter eingesetzt] Das volck Israels/ so vnter dem
gebiedte war eines Herren/ der aller dinge vndt über alles Herr ist/
ist vnterschiedener arten der regierung vnterworffen gewesen biß
zur zukunfft des Herren aller Herren in das fleisch. Vnter andern
von Jesus an biß zum Priester Eli vnter Richtern gewesen/ biß
daß sie auff jhr eigenes begehren einen König überkommen haben;
nemlich Saul 1. Sam. 8:22.
vw der gekrönt wirdt vom Samuel in
selbigem buche cap. 10:1.
vx An deßen stat David gekrönt wirdt auch

[Seite 333]


in selbigem buche cap. 16:13. das ware vndt rechte vorbildt des
einigen Königs Israels/ der in dem fleische erscheinen solte. Doch der
Autor/ als welcher auch in diesem theile den alten Vätern nach-
folget/ stellt fünff zeiten für biß zur ankunfft des Herren. Die erste
von Adam biß Noe: die andere von Noe biß Abraham: die dritte
von Abraham biß David: die vierdte von David biß zur Babyloni-
schen gefängniß: vndt die fünffte von der erlösung biß zur ankunfft
des Herren.

135 Biß daß der große rhat] Hier beginnt der Autor zue weisen/
wie das Wort/ das im anfange war/ vndt bey Gott war/ vndt Gott
war/ dardurch alle dinge gemacht sindt vndt ohn welches nichts ge-
macht ist das gemacht ist/ das mit dem Vater gemein hatt die Natur
des Vaters/ das ist/ das warhafftiger vnveränderlicher Gott war/
nicht weniger als der Vater/ noch nach dem Vater/ sondern eines
mitt dem Vater/ Sohn ist worden eines menschen/ vndt hatt an-
genommen die Natur deß menschen/ vndt ist also worden warer
mensch in der Jungfrawen/ vndt auß der jungfrawen/ so daß er
angenommen daß fleisch des menschen/ vndt Gott blieben ist über
alle menschen: ohn verenderung der Gottheit durch die schwach-
heit des fleisches in dem fleische/ sondern annemendt
vy daß fleisch
durch die krafft seiner Gottheit/ vns durch sein fleisch zue Gott zu-
bringen/ vndt vns eine newe geistliche geburt zueverleihen durch
[21]
die seinige im fleische/ auff daß/ wie die erste geburt des Sohnes
Gottes/ darvon der Autor oben geredet/ ist gewesen erstlich auß
Gott/ hernach auß dem menschen/ also vnsere erste geburt solte
sein auß dem menschen/ die andere auß Gott.

139 Zue werden das wir sindt] Das ist die menschliche natur an
zue nemen. Denn der Herr Christus hatt die Natur an sich genom-
men/ die von Adam beflecket war: auff daß er/ sagt Cyrillus/ von
der schwacheit Adams vnsere Natur erlösete/ vndt derselben
seinen geist mittheilete.

140 Des vbel-stiffters] Des Satans: wieder Manichaeum/ welcher
die sünde Gott zuschrieb. S. Augustinus im buche von der Kirchen-
lehre: Weder das böse noch die boßheit ist von Gott/ sondern
vom teuffel erfunden/ weil derselbte auch guet von Gott ge-
schaffen war. Vndt ein wenig darnach: Der teuffel/ weil er nicht
zue frieden war daß er allein vergehen mußte/ hatt auch andern
zum übel gerhaten. auff daß der so ein erfinder war seiner
eige-

[Seite 334]

nen boßheit/ auch eine vrsach würde eines andern boßheit.
Cyrillus im buche wieder die Anthropomorphiten im 23. cap. Alles
fleisch/ sagt er/ wirdt beschuldigt durch den erfinder des bösen.
Nyßenus vndt andere Griechische Väter pflegen auch gern also zue
reden/ auß vrsachen wie gemeldet ist. So laßt vns diesem nun nach-
sinnen/ vndt die gütigkeit des Herren Jesu gegen die boßhafftigkeit
des teuffels stellen. Der Teuffel hatte den menschen nicht erschaffen/
vndt hatt jhn verführet. Der Herr Jesus hatt den menschen er-
schaffen/ vndt hatt jhn wiederumb vernewret: ja diß zue thun sich
selbst auch zum menschen gemacht. Dem teuffel also auß zue rei-
ßen die natur welche er geschaffen/ vndt der teuffel verführt hatte.
Darumb hatt er auch angenommen das jenige was wir sindt/ vndt
nicht das jenige was in vns ist vom teuffel: daß ist die natur des
menschen/ nicht die sünde vndt das verterben welches ist in dem
menschen; aber vom teuffel/ dem erfinder des übels/ vndt verter-
ber des jenigen was in vns guet war/ vndt was von Gott war.

[22] 141 Die boten die rundt vmb den himmel allzeit schwe-
ben] Der Autor leget durch das wort allzeit/ das wort auß welches
der H. Evangelist Mattheus gebraucht/ cap. 18:10. da der Herr sagt/
daß die engel im himmel allzeit sehen das angesicht seines Vaters.
Gegen die jenigen/ welche das Griechische wort nicht recht ver-
standen/ vndt darauß schloßen/ daß die engel der gegenwart Gottes
von ewigkeit genießen/ vndt also folgendts ewig sindt. Dann das
wort bedeutet keine ewigkeit/ sondern giebet allein zue verstehen
die stete bezeugung welche die Engel Gott thun/
[23] in der
willigen anerbietung jhres dienstes. Vndt verstehen sie/ daß dieser
dienst nicht sey auß zwange/ noch wegen würdigkeit jhrer natur/
sondern auß gnade. Wie Damascenus sehr wol sagt/ daß sie diener
Gottes sindt/ nach seiner gnade.

149 die große Braut] Nicht allein eine poetischevz art zu reden/
sondern auch welche die alten gebrauchen wieder Nestorium vndt
seines gleichen/ die sagten daß die Heilige magdt allein muter deß
menschen were: vndt andere/ wie Carpocrates/ Ebion vnd Cerin-
thus; die gar durfften sagen/ das sie von Joseph were erkandt
worden. So das sie die jungfraw zue einem weibe/ Gott zu einem
Lügner/ seinen Sohn zue einem bastart machten. Auß welchen vr-
sachen die väter (wie Tertullianus vnndt andere) zueweilen also
reden.

[Seite 335]

156 vndt geiste sehen kan.] Wir sehen Gott mitt dem geist/ nicht
wie er ist/ sondern nach dem wir vns einbilden daß er ist/ auß dem
jenigen was wir meinen daß jhm am aller nechsten beykömpt; oder
auß seinem wercke/ oder auß dem jenigen das jhm zuegeschrieben
wirdt. Wie die mahler/ sagt Gregorius in seinem gespreche über die
geburt vnsers Herren/ jhre erste wercke ohn farben abmahlen:
wegen seiner vnendtligkeit/ vndt vnserer schwachheit. In seiner
sprache/
ὅτι μόνον σκιαγϱαφει̃ται ὁ ϑδός. Dann Gott ist so ferne
über alle das jenige was wir von jhm dencken/ so ferne er ist über
das jenige das wir sindt.

166 o wunderwerck.] Ein werck das alle werck übertrifft. Vndt
darumb sagt Ambrosius in seinem ersten vom Glauben: man mag
wol wißen/ daß der Herr Christus geboren sey; man mag nicht
nachsuchen/ wie er geboren sey. Diß allein mag ich nicht er-
kennen/ nach diesem darff ich nicht fragen.

166 Die Gott jhr in den leichnam brachten.] So das nach der
botschafft des Engels/ durch überschattung des H. Geistes/ das
Wort in die Jungfraw kommen/ vndt fleisch in jhr worden ist.
damit niemandt diß den worten des Engels zuschreibe; welches
ferren von der meinunge des Autorn ist. Dann es würde eine
schreckliche thorheit sein zue glauben/ daß das Wort Gott/ solte
empfangen sein auß dem Worte des Engels: wie Athanasius sehr
wol beweiset in seinem buche von der Mutter Gottes. Vndt darumb
saget auch der Evangelist/
[24] daß der Engel von stunden an dar-
von gegangen sey/ Luc. 1:38. damit niemandt dieses jhm zue-
schreiben solte. Aber wie ist es geschehen? Der Autor/ wie allbereit
gesagt ist/ nennt es ein wunderwerck: weil die weise vnbekandt
ist. So daß Chrysostomus/ über das Sendeschreiben an die Römer/
sehr wol sagt: Ich weiß daß das wort fleisch worden ist/ vndt wie
es fleisch worden ist weiß ich nicht. Wunderst du dich daß ich
es nicht weiß? keine Creatur weiß es nicht. Vndt wie wolte es
möglich sein/ daß der mensch/ der nicht begreiffen kan wie die
erde vndt die seele/ als der mensch erstlich erschaffen wardt/
zuesammen gefügt worden sindt/ verstehen soll/ wie das fleisch
vndt die Gottheit vereinigt sind worden/ in dem vndt durch den der
den menschen erschaffen hatt?

167 so eine jungfraw war] Der Herr ist geboren auß einer jung-
frawen/ weil er keinen Vater auß dem Verterbten samen Adams
haben solte/ vndt kam den verterbten samen Adams mitt seinem

[Seite 336]


exempel zue lehren/ mitt seiner vollkommenen gerechtigkeit auff-
zurichten/ mitt seinen verdiensten in das Paradeiß wieder zue
bringen. Der Autor setzt darbey/ Ein weib von vnser art/ weil
er nicht weniger mensch mußte sein als Adam/ doch außer dem
verterbniß Adams/ als der das verterbniß Adams kam hinweg zue
nemen. So daß er nicht allein darumb rein gebohren ist/ weil sie
jungfraw war: sondern er hatt seine Natur selbst gereiniget/
weil er die reinigkeit war der Natur die er zur reinigen kam.

168 Vndt jhren Vater selbst] Nach seiner ewigkeit vndt Gottheit.
Dann im fall alles (wie auch oben auß dem H. Augustinus allbereit
erwehnt) entweder Gott oder geschöpffe ist/ vndt im fall der Herr
Christus warer Gott ist/ als wie er es ist/ so muß der welcher der
Jungfrawen Sohn war/ auch schöpffer gewesen sein seiner Mutter.
Vndt also sagen alle die alten Väter. Chrysologus: O Jungfraw/
auß dir wirdt der so dich erschaffen hatt/ auß dir entspringt dein
vrsprung/ in deinem samen ist dein Vater/ in deinem fleische
ist dein Gott: ja er hatt das liecht der welt auß dir genommen/
der der welt jhr liecht gegeben hatt. Vndt an einem andern orte
von jhr: Sie hatt den getragen der die welt tregt; sie hatt jhren
Vater herfür gebracht; sie hatt den genährt von dem alles seine
nahrung empfängt. Basilius Bischoff zue Seleucien: Da hatt sie
das geschöpffe gesehen
[25] das zuevor nicht gesehen ist/ einen
Sohn/ seiner Mutter Vater/ ein kindt das vor seiner Mutter
war/ ein kindt das älter war als alle zeiten.

169 Der vor dem himmel war] Die gedancken des menschen/
gehn nicht ferner als der leib/ daran sie gebunden sindt. Hierdurch
geschiehet es gemeiniglich/ daß sie/ wann sie von der erniedrigung
des Herren reden hören/ welche erniedrigung sich mitt seiner ge-
burt angefangen hatt/ seiner hoheit vergessen/ ja vergeßen sei-

[26]ner ewigen geburt auß dem Vater. Darumb kömpt der Autor
nun/ vndt vermahnt einen jeglichen/ zue bedencken/ daß der vber
alle hoheit geblieben ist/ der sich so hefftig erniedrigt hatt. Zeigt
auch ferner/ daß er Gott gewesen ist/ mitt vnterschiedenen eigen-
schafften welche Gott allein zuetreffen. Von denen die erste auß
der schöpffung genommen ist; welche Gott allein/ vndt einem
Gott allein wirdt zuegeschrieben. Weil dann dieses Christo gehörig
ist/ so muß er nicht allein Gott/ sondern eben derselbige Gott sein/
in ansehung des wesens.

177 Der nicht gebohren ist] Zue verstehen zue geben/ daß der

[Seite 337]


Herr von ewigkeit ohn muter ist: wiewol diß wort von der ewigen
geburt in vnserer sprache vneigentlich gebraucht wirdt.

177 vor der zeit gezeugetwa] Zue verstehen zue geben/ daß der
Herr allein auß dem Vater ist von ewigkeit/ vndt daß die Schrifft
eigentlich so redet; als Psal. 2:7. Du bist mein Sohn/ heute
habe ich dich gezeuget.

178 Ohn endewb] Es geht der Autor fort/ vndt zue zeigen daß der
mensch Christus/ der von der Jungfrawen empfangen wardt/
warhafftiger mensch/ vndt auch warhafftiger Gott sey/ erweiset
er/ daß noch andere eigenschafften/ die Gott zuegeschrieben
werden/ nicht allein die jenigen so auch etzlicher maßen in dem
menschen sindt (als da ist das leben/ die wißenschafft/ die war-
heit/ der wille/ die rechtfertigkeit/ die in Gott zwar vollkommener
vndt anders/ aber doch auch etzlicher maßen im menschen sindt)
sondern auch die andern/ welcher niemandt ja selber auch die
Engel nicht theilhafftig sindt/ (als da ist/ daß er allmächtig/ ohn
ende vndt ziehl ist) auch dem Sohne zuegehören/ vndt zwar jhm
auch eigentlich zuegehören/ als der eines ist in dem wesen.

178 außer ziehl] Den kein ort beschleußt/ weil er außer allen
orten ist: ohn den kein ort ist/ weil er alles erfüllet.

179 Der biß zum himmel reicht] Eine art zue reden/ welche
andeutet/ daß der Herr Christus über alle himmel ist: wie die
Schrifft sagt/ Daß die weißheit (also wirdt er genennet) reiche von
ende zue ende; vndt zue verstehen gibt/ daß er mitt seiner vn-
endtligkeit über beyde ende geht. Dann er kan reichen (sagt ein
Altvater) zue allem was geschaffen ist/ wiewol jhn nicht kan be-
schließen alles was geschaffen ist.

[27] 179 Vndtwc auff den wolcken reitt] Eine art zue reden/ die
der H. Geist sehr lieb hatt. Deuteron. 33:26. O recht: da ist nie-
mandt der dem starcken Gott gleich ist/ der auff den himmeln
euch zue hülffe reitet/ vndt auff den wolcken/ in seiner hoheit.
Psal. 68:34. Der auff der himmeln himmel reitet/ welche von
alters her sindt. Psal. 104:3. Er überhohet seine hohe sahle mitt
waßer. er stellet die wolcken zue seinen wagen. Psal. 18:10.
vndt 11. Vndt er beugete die himmel vndt kam hernieder: vndt
Finsterniß war vnter seinen füßen. Vndt er riete auff Cherub/
vndt flog vndt trieb auff die flügel des windes. Doch diß wirdt

[Seite 338]


alles von dem Autore gesetzt/ an zue zeigen/ daß ein Christlichs
gemüte/ wann es von der niedrigkeit des Herren redet/ seine hoheit
allzeit muß dargegen stellen: auff daß wir nicht in schlaff fallen/
sondern allzeit/ wann wir von seiner kleinheit reden/ an seine
größe gedencken; vndt daß er/ der über vns ist/ vns gleich ist
worden allein vmb vnsert willen/ auch gleich so wol allzeit über
vns bleibet.

180 Jehovah namens-frey] Daß ist/ der nach seiner Gottheit
keinen eigenen namen hatt. weil sein name herrhüret auß der war-
heit seiner vnbegreifflichen Natur: oder weil die Juden den namen/
der jhm hier vndt in der H. Schrifft gegeben wirdt/ nicht auß-
drucken.

180 beschleußt sich mitt der zeit] Dann der Gott auß Gott war
vor der zeit/ wardt Gott vndt Mensch/ in dem er zue dem menschen
kommen/ vndt mensch in dem menschen worden ist.

181 Kömpt in den menschen selbst] Das ist/ der Gott war vor
der zeit/ macht sich
wd selber mensch inner der zeit: inner oder mitt
welcher zeit alles gemacht ist was gemacht ist: vndt vor welcher
gewesen ist der so allein nicht gemacht noch geschaffen ist. der
Herr Christus nemlich. Der allein gewesen ist ehe die zeit war/
vndt hatt nicht begunnen mitt der zeit/ noch in der zeit/ noch nach
der zeit. Dieweil er (sagt Augustinus) ein Herr war der zeit/
auch da die zeit anfieng.

181 wirdt von der magdt empfangen] Warhafftig empfangen/
damit sie warhafftig vndt einen warhafftigen menschen gebehren
solte: warhafftig von der Jungfrawen gebohren/ als daß er nicht
minder warhafftig jhr sohn solte sein/ als er Gottes Sohn war: vndt
alles beydes/ dieweil er mitler solte sein zwischen beyden/ vns
vndt
[28] Gott. So daß wir recht sagen mögen/ daß er jhr Sohn ge-
wesen sey/ den sie empfangen vndt gebohren hatt; wiewol es von jhr
nicht war/ daß sie jhn empfangen vndt gebohren hatt/ (sagt Cy-
prianus sehr wol) sondern von Gott; in dem er redet von der art
vndt den mitteln dieses geheimnißes/ nicht von dem fleische sel-
ber/ welches er nicht auß dem himmel gebracht/ sondern in der
jungfrawen hatt angenommen/ als warer mensch: daß er worden
ist auß/ vndt in/ vndt wegen des menschen. So laß vns dann festig-
lich glauben/ nicht allein daß das Wort Gott war/ mitt dem H.
Johannes/ darvon allbereit oben geredet ist: sondern auch daß das

[Seite 339]


Wort/ wie eben er saget im 14. v. fleisch worden ist/ vndt vnter
vns gewohnet hatt. Nicht daß daßelbte/ wie Eunomius lehrte/ in
fleisch verendert gewesen ist/ sondern das fleisch vmb vnsert wil-
len hatt angenommen. Wie selbigen ort allzeit vndt von alter her
die alten Väter einträchtig haben außgelegt; als vnter andern mitt
Athanasio/ Gregorio/ Ambrosio/ Flaviano bischoffe von Antio-
chien/ Gelasio bischoffe von Cäsarea/ Chrysostomo/ Severiano
bischoffe von Gabalen
we/ vndt jhre worte/ die damals noch in der
Christen handen waren/ sehr klar erwiesen werden von Theodo-
reto/ der selbst bischoff zue Cyren in Syrien gewesen/ vndt im
Synodo zue Calchedonien von sechshundert bischoffen vor einen
schrifftmäßigen auffrechten hirten vndt lehrer erkleret worden ist/
in seinem gespreche Atreptos genannt. Da er sehr ernstlich wieder
den jrrthumb seiner zeit/ vndt für seiner zeit beweiset/ Daß das
Wort fleisch worden ist ohn verenderung seiner Natur/ daß ist/
der Göttlichen; sondern mitt annemung der vnsrigen/ das ist/ der
menschlichen. Wie dann auch das Wort/ Fleisch/ in erwehntem
texte nicht allein bedeutet den leib/ sondern auch die seele/ gegen
Arium vndt Eunomium: vndt nicht allein die seele/ sondern auch
die vernünfftige seele/ gegen Apollinarium: ohn welche der mensch
kein vollkommener mensch ist/ vndt die den menschen zum waren
menschen macht/ vndt vollkommentlich absondert/ als waren
menschen. Auff daß wir in dem Herren Christo alle beyde Naturen
bekennen vndt vnterscheiden: nemlich die angenommen ist/ vndt
die angenommen hatt. Dann es ist an allen beyden dem menschen
gleich so viel gelegen; daß er warer Gott vndt warer mensch ist. Die
weise dieser empfängniß ist vns vnbekandt. Das mittel war der
glaube. Denn er mußte auß der jungfrawen gebohren werden/
die den glauben/ nicht die wollust der muter empfangen hatt/
sagt S. Augustinus.

[29] 184 daß Gott wirdt jhr Sohn] Nemlich/ Gott der Sohn.

184 vndt breutigam.] Nemlich/ Gott der H. Geist/ der über sie
kommen ist; wie gesagt wirdt Luc. 1:35. S. Augustinus sagt sehr
wol in seinem handtbuche an Laurentium: Derselbige Jesus Chri-
stus/ der einige Sohn Gottes/ ist gebohren von dem H. Geist/
vndt auß Maria der Jungfrawen. vndt vorwar der H. Geist ist
eine gabe die so groß ist als der sie giebet; Das ist/ Gott: wie der
Vater Gott/ vndt der Sohn Gott ist. Vndt im buche von der
Christ-

[Seite 340]

lichen Lehre; Das der Sohn Gottes gebohren ist auß einem men-
schen/ nicht durch einen menschen. So kömpt auch ferner die
meinung des Rufinus
wf vndt anderer Väter mehr über ein mitt dem
jenigen was der Autor hier saget: welcher meint/ das bey dem H.
Evangelisten Luca/ von der gantzen Dreyeinigkeit geredet wirdt/
in den worten: Der H. Geist wirdt über dich kommen/ vndt
die krafft des Allerhöchsten wirdt dich überschatten. So daß der
Allerhöchste ist der Vater; die krafft des Allerhöchsten der Sohn;
vndt das der H. Geist allein wirdt außgedruckt: dann also solte
der Sohn Gottes sein jhr Sohn als mensch/ vndt jhr Breutigam
als Sohn Gottes. Welcher namen demselbten in ansehung seiner
kirchen überall gegeben wirdt. Wie er auch von demselbten bräu-
tigam genennet wirdt Matth. 25. da er von seiner andern zue-
kunfft
wg redet.

[30] 193 Wo Jeße großer Sohn] Siehe 1. Sam. 17:15. da gesagt
wirdt/ das David seines Vaters schaffe zue Bethlehem geweidet.

199 Von dem der jetzundt kömpt] David hatt von vndt durch
den Herren Christum geredet vor seiner zuekunfft in das fleisch:
Darumb sagt Tertullianus sehr wol: David singet Christum bey
vns/ durch welchen Christus sich selbst gesungen hatt.

210 Wie dann die schnöde welt bloß auß dem wesen richtet]
Der autor redet von der Heiligen Jungfrawen/ wie der Herr selber
1. Sam. 16:7.
wh von David; als er dem Samuel jhn zue salben auff-
erlegt. Gott sieht nicht auff das jenige worauff der mensch
siehet. Dann der mensch siehet auff das jenige was vor augen
ist; aber der Herr siehet auff das hertze.

[33] 213 Jehovah kömpt zue spat] Wie der Herr Jesus/ der in
ansehung seiner Gottheit Jehova genennt wirdt (als vnter andern
orten Jerem. 23. v. 6.
wi da gesagt wirdt/ daß der name darmit der
samen Davids solle genennt werden/ sey Jehovah/ vnser gerechtig-
keit) in der kältesten zeit kommen ist: also ist er auch kommen/
als die liebe vndt erkendniß Gottes gäntzlich erkaltet vndt ver-
lohren war. Ja/ als die welt den abgöttern gäntzlich vertheilet vndt
auß getheilet oder weg gegeben war. So daß kein ort nicht übrig blie-
ben für den jenigen der/ da er allein Gott war/ zue den menschen
kam/ vndt mensch wardt/ damit er den menschen auß seiner
ab-

[Seite 341]

göterey zue dem waren Gott/ als mit der handt/ leiten möchte.
Etzliche beteten an die verstorbenen menschen jhrer großen thaten
wegen/ oder weil sie Fürsten vndt Herren von großer macht gewe-
sen waren: als wie die Römer vndt Griechen die Götter/ von denen
der Autor allhier redet: als da war Jupiter/ von dem sie sagten daß
er der obriste Gott were: Neptunus/ den sie sagten den Gott der
see zue sein. Wie auch Hercules vndt andere mehr. Etzliche/ die
jenigen welche sie meineten das sie etwas besonders zue dienste
der menschen erfunden hetten. Als
[34] Ceres das korn: Pan die
Viehwartung/ welchen sie nicht allein für den Gott des Viehes/
sondern auch für die Natur hielten/ weil sein name dieses mitt
sich bringt. Dann die Griechen nennen die welt vndt alles was drin-
nen ist
τὸ πα̃ν. Etzliche/ jhre eigene gebrechen vndt wollüsten/
vnter dem namen der Götter. Gleich wie eben dieselbigen auch
dem Bacchus/ als den Gott des weines; Mercurius als den Gott der
diebe/ vndt Venus die Göttinn der Huren dieneten. Welches alles
nach der lenge vom Augustino/ Clemente/ Justino/ Lactantio/
Arnobio/ Tatiano/ Cypriano/ Cyrillo/ Minucio/ Aurelio Pruden-
tio/ vndt mehr andern/ die wieder die heyden vndt jhren gottes-
dienst geschrieben haben/ bewiesen wirdt. Die Egyptier/ wie hier
vnten angedeutet steht waren mit menschen nicht zue frieden/ son-
dern gaben die ehre/ welche dem einigen vndt ewigen Gott gebührte
den stummen bestien: viel vnvernünfftiger als die bestien welche sie
anbeteten; dieweil sie jhre Vernunfft der jenigen vnterworffen die
keine vernunfft hatten: vndt jhnen Gott machten auß denen welche
weniger waren als die menschen. Woran der teuffel nicht geringe
lust hatte: der niemals frölicher ist/ als wann er die menschen von
Gott abfrembden/ vndt dem lebendigen Gott was jhm gehörig ist
stelen kan. Dises kan auch ohn erschrecken vndt bebung nicht be-
dacht werden/ daß/ da die menschen im fleische so weit verstocket
waren/ das sie Gott in menschlicher gestalt der bestien anbeteten/
vndt daß sie selbst die menschen vndt bestien an Gottes stat voll-
kömmentlich gesetzt hatten/ der ware vndt ewige Gott warer vndt
sterblicher mensch worden ist/ die menschen von jhrem jrrthumb
abzueführen/ welche nicht verstehen kundten was Gott war/ sie
mußten es daran verstehen auß dem menschen der Gott war. So daß
eben zue der zeit/ als der teuffel das fleisch gebrauchte vnsern
geist zue ertäuben/ der Sohn Gottes das fleisch angenommen hatt/
vnsern geist von dem fleische zue entziehen.

[Seite 342]

249 Judea Gottes hauß.] Bißher hatt der Autor geredet von
blindtheit der Heiden/ betreffendt den Gottesdienst bey zeit der an-
kunfft des Herren Jesu in das fleisch. Nun geht er zue den Juden/
von denen er sagt/ daß sie allzeit embsig waren zue reden von der
zuekunfft des Erlösers/ oder Meßias/ vndt jhn dennoch nicht sahen
als er kam. Er sagt auch/ daß sie auff Aarons rocke vndt veralterte
gesetze viel hielten: welches zue verstehn wir wißen mußen/ daß
das volck Gottes dreyerley gebrechen oder jrrungen hatte/ dardurch
sie vom erkändtniß des Herren/ welches so offtmals vorgesagt vndt
jhnen angesagt war/
[35] abgeleitet worden. Der erste war/ daß
sie vermeinten/ daß reich des Messias erstreckte sich nicht ferner
als auff das glück vndt die vermehrung jhres regimentes. Zum an-
dern/ daß sie nicht verstunden/ warumb das gesetze verkündigt
war: nicht nemlich/ damit das volck in weltlicher zucht vndt gue-
ter manier solte regiert werden (als wie wir lesen/ daß des Solon/
des Lycurgus/ des Minos vndt anderer gesetze darumb sindt ge-
geben vndt gemacht worden/ welche alle an die regierung vndt
gelegenheit jhrer länder vnd städte gebunden/ vndt darnach voll-
kömmlich verfaßet sindt; als wie man vnter andern beym Aristoteles
im 2. buche Polit. siehet) sondern damit den menschen das vrtheil
Gottes/ vndt der schreckliche haß wieder die sünde solte kenntlich
werden/ sie also zue der verheißung des Seligmachers zue bringen/
welcher den zorn Gottes/ der durch das gesetz erklärt worden/
allein solte auff sich nemen. Zum dritten/ daß sie keinen vnter-
scheidt machten zwischen dem gesetze welches die regierung der
manier vndt die außwendige Ceremonien angieng: vndt nicht sahen/
daß diese ceremonien in nichts anders bestunden als in opffern/
kleidern/ speisen/ vndt dergleichen eußerlichen sachen: welche
nichts anders waren/ als zeichen des zuekünfftigen Meßias/ die mitt
seiner ankunfft mußten auffhören. Darauff sie aber hergegen alle
jhre hoffnung stellten/ vndt dardurch deßen vergaßen/ von dem
sie sagten/ daß sie allzeit seiner erwarteten.

249 wil alter satzung wachen] Verstehe der ceremonialischen
satzung oder gesetze: die/ wie allbereit gesagt ist/ auff einer son-
derbaren manier zue thun vndt eußerlichen sachen bestunden. Dar-
von geredet wirdt Matth. 11:13. Das gesetz vndt die Propheten
biß auff Johannes. vndt in viel andern orten. Insonderheit aber
siehe Actor. 15.

277 Vndt sagen frieden an.] Der Autor versteht das liedt Luc. 2:

[Seite 343]


14. Ehre sey Gott in der höhe/ friede auff erden/ vndt den
menschen ein wolgefallen; gesungen von den Engeln/ wie hier
gesagt wirdt.

281 Nicht ferren von dem ort’] Der Autor giebt mitt nachfol-
genden sechzehen Versen zue verstehen/ wer vndt was für leute
es gewesen sindt/ welche die botschafft von dem gebornen hirten
Israels zum ersten empfangen haben: nemlich/ hirten: daß ist/
schlechte vnschuldige menschen/ die mehr mitt dem vieh als mitt
den menschen vmbgiengen. Schlechte vnschuldige menschen/ die
ferren von
[36] den menschen allzeit gelebt hatten/ vndt darumb
Gott kennen zue lernen am allermeisten bequem waren. Dann wer
zue Gott kommen wil/ muß entweder frey vndt vnschuldig sein in
den sachen der welt/ oder es noch werden. Reichthumb/ macht/
begier/ wißenschafft in weltlichen dingen; hochmut vndt verach-
tung der rechten weißheit/ das vmbgehen mitt den menschen/
macht vergeßen alles was Gott angeht. Die diß alles haben/ mußen
suchen was sie nicht haben: vor allem aber verachten was sie ha-
ben. Die vnschuldigen/ vnwißenden hirten/ die allzeit ferren von
den menschen gewohnt hatten/ worden zum aller ersten von Gott
zue Gott geruffen. Ehe sie was gelernet haben/ lernen sie das
meiste/ lernen sie das erste/ lernen sie das allerhöchste: die er-
niedrigung Gottes/ der kommen war zue den menschen/ von
wegen der seligkeit der menschen.

[38] 345 Die Sonn’ ist vnter jhm] Das jenige was von dem
Autorn bißher gesagt ist worden von der jungfrawen vndt dem
kinde/ dient eines theils zue erkennen zue geben/ das
[39] der Herr
nicht allein warer mensch gewesen ist/ vndt über diß alle andere
eigenschafften deß menschen gehabt hatt/ sondern auch kindisch
vndt kinderhafftig gewesen ist alle tage wachsende/ wie der Evan-
gelist von jhm redet/ vndt zuenemende an Weißheit. Vndt darumb
nennt derselbe jhn nicht allein ein kindt/ sondern auch ein kind-
lein. Luc. 2:40.
wj Welches wiederumb dient zuerweisen/ daß er vnß
ist gleich gewesen/ auß genommen in dem jenigen/ deßen er vns
zue befreyen kommen ist. Nemlich/ der sünde. Hierzue dient auch
alle das jenige/ was hier von der muter gesagt wirdt/ welche eine
rechte Muter/ so auch recht mütterlich gegen jhrem Sohne gewesen
ist. Welches wiederumb erweiset/ das er warhafftig mensch
ge-

[Seite 344]

wesen ist. Dann die liebe welche die jungfraw zue jhm trug als zue
Gott/ war gäntzlich eine andere/ als die mütterliche/ so allhier
beschrieben wirdt. Diß hatt der Autor zue ziehrung des werckes/
nach der lenge außgemeßen. Nun steiget er weiter/ vndt weiset/
daß dem menschen/ ja diesem kinde alle eigenschafften vndt
wercke des lebendigen Gottes zuestunden. Nicht allein zuever-
stehn zue geben/ das er eines war mit Gott in dem wesen/ son-
dern auch daß die zwo naturen/ dar von die eine bißher beschrie-
ben ist (die menschliche nemlich) eine person in dem Herren
machen. Vndt diß nach anleitung der H. Schriefft/ welche auff diese
weise von jhm redet/ Also lesen wir daß der Apostel Rom. 9:5. von
demselbigen/ von dem er gesagt hatt daß er auß den Vätern sein
solte nach dem fleische/ sagt daß er Gott über alles ist. Vndt in
andern orten mehr.

359 Die welt vndt wir* sein hauß.] Darumb sagt der H. Apostel
1. Corinth. 3:16. Wißt jhr nicht daß jhr Gotteß tempel seidt/ vndt
daß der Geist Gottes in euch wohnet? Dann wir musten wißen/ daß
nicht allein der Sohn Gottes in vnserm hertzen wohnet/ wie der
Vater vndt der H. Geist. dieweil er über alles ist: sondern auch
mit seinem geiste/ dieweil er bey vns mit seiner gnaden ist. Siehe
Ephes. 3:17.

* Heinsius setzt: vnsere hertzen seine kirche.

[41] 384 O gast des Abrahams] Siehe Gen. 18:3. 4. vndt ferner;
da Abraham den Engel empfengt/ von welchem die alten Väter
sagen/ daß es der Herr Christus gewesen sey. Vndt darumb sagt
Cyrillus/ bischoff zue Jerusalem: Der bey Abraham geßen hatt/
hatt bey vns geßen: wormit er zue erkennen giebt/ daß es eben der-
selbige gewesen/ mitt dem als einem gaste Abraham aß/ mitt dem
jenigen/ der warer mensch vnter den menschen als mensch geßen
hatt. Tertullianus gegen den Marcion: Ja wir werden diß thun
auch vnter den Engeln. Der Herr ist dem Abraham erschienen
ohn gebohren zue werden/ mitt dem fleische nemlich/ nach
dem vnterscheide der vrsache.

386 Den Cherub nicht bedeckt.] Das ist/ der vnendtlich ist/ wie
der Herr Christus ist nach seiner Gottheit. Das wort Cherub wirdt
auff vnterschiedene art in der Schrifft gebraucht. Bißweilen ist es
ein eigener namen. Als Nehem. 7:61. Biß-
[42]weilen wirdt es für
die Kinder/ so auff dem gnadenstule gemacht stunden/ genommen.

[Seite 345]


Als Exod. 25:19. 37:8. vndt an mehr andern orten. Bißweilen vor
den Engel des Herren/ als Ezech. 9:3. 10:4. 79:4.
wk Aber inson-
derheit hatt der Autor das auge hier gehabt auff den ersten ort
deßelbigen Propheten; da gesagt wirdt/ daß die herrligkeit Gottes
sich erhub über den Cherub/ über welchem sie war.

388 Wirdt mitt der handt gefaßt] Diß dient alles zue beweisen/
daß der Herr Christus ein warhafftiges/ greiffliches/ sichtiges/
fleisch hatt angenommen: nicht auß dem himmel/ sondern auß
vns/ vndt mitt vns; dieweil er daßelbige thate für vns. Nicht daß er
vnser fleisch allein scheinbar an sich genommen habe/ die augen
zue betriegen: sondern warhafftig vndt vollkömmlich/ die seelen
zue erlösen. so daß sein fleisch vnser fleisch/ das seinige vnseres ge-
wesen ist. Welches er also hatt angenommen/ daß er war was er
angenommen hatte. Damit wir wißen/ daß in jhm zuesammen
vndt warhafftig gewesen sey die Gottheit/ die seele/ das fleisch;
vndt diß zuesammen in dem einigen Christus gewesen/ vndt noch
ist; einem Sohne Gottes/ einem Seligmacher/ einem Erlöser. So
daß diese drey in jhm machen zwo naturen/ doch nur eine person:
den Sohn nemlich des ewigen Gottes/ der auch selbst der einige
Gott ist/ von ewigkeit zue ewigkeit.

390 Der wagen Israels] Eliseus 2. Reg. 2:12. als er sahe daß
Elias zum himmel auffgenommen wirdt/ vndt Joas König in
Israel/ als er sahe daß der todt den Eliseus hinweg nam/ 2 Reg.
13:14 gebrauchten sich dieser worte: Mein Vater/ mein Vater/
der wagen Israels/ vndt seine reuterey! damit zue erkennen zue
geben/ daß Elias vndt Eliseus/ durch jhre gebete vndt wunder-
wercke/ welche sie im namen des lebendigen Gottes gethan/ denen
von Israel für wagen vndt reuterey dieneten: oder mehr als alle
wagen vndt reuterey hielffen. Welches der Autor allhier bequem
auff den Herren Christum zeucht/ deßen vorbilder vndt schatten
Elias vndt Eliseus waren/ vndt durch welches krafft sie alle jhre
vndt seine feinde erschlugen. Wie der Herr selber sagt beym Osea
1:7. Daß er sich wolte erbarmen über das hauß Juda/ vndt
jhnen helffen durch den Herren jhren Gott: vndt wolle jhnen
nicht helffen durch bogen/ schwerdt/ streit/ pferde vndt reute-
reyen. Das hauß Juda/ auß dem der Herr Christus verheissen war/

[Seite 346]


durch den Herren Christum selbst/ welcher der wagen seines
volckes vndt deßen reuterey war.

[43] 395 Den stoltzen Sancherib.] Siehe 2. Chron. 32. da der
Engel Gottes/ auff eine nacht/ hundert vndt fünff vndt achtzig
tausendt mann erschlägt.

399 Durch Amos weysen sohn] Der Autor verstehet Esaiam: der
für andern vom Herren Christo sehr deutlich gepropheceyet hatt/
vndt derhalben ein Evangelist vnter den Propheten genennet wirdt.

401 Du feldes-rose du] Siehe das Hohe liedt Salomonis 2:1. da
andere es übersetzen
wl die blumen des feldes; andere die rose von
Searen: andere/ die lilie in dem felde: vndt deuten es auff den
Herren Christum/ den bräutigam seiner gemeine.

405 O Fürst auß Canaan] Also wirdt der Herr Christus ge-
nennt/ weil er ein rechter Printz vndt Fürst des landes Canaan/
das ist/ des gelobten landes ist: welches in dem alten bunde das
ewige leben bedeutete/ das in dem newen den glaubigen voll-
kömmlich geoffenbahrt vndt durch Christum/ der im fleische er-
schienen/ zuegesagt ist.

406 vndt keinen winter wißen.] Diese vndt dergleichen eigen-
schafften mußen hier von dem rechten Canaan verstanden werden;
worauff alle arten zue reden können gedeutet werden/ die von dem
andern lauten. Wir wißen auch daß der Herr auß keinem andern
herkam. Als wie der Autor allhier von seiner zuekunfft zue vns
redet.

[45] 429 Ach das die bienen sich] Der Autor scheint gesehen zue
haben auff den ort Esa. 7:15. da von Meßias gesagt wirdt/ Buter
vndt Honig soll er eßen.

440 Daß du bist der sie nehrt.] Die H. Schrifft theilt die vorse-
hung des Herren in drey theil: zum ersten/ in erwegung daß sie
sich erstreckt über alles was von Gott geschaffen ist: zum andern/
in erwegung/ daß auch die minsten vndt geringsten creaturen dar-
durch versorget werden: zum dritten/ in erwegung eines jeg-
lichen menschen der darinnen begrieffen ist. Der Autor redet hier
von derselbten/ die auff die andere art genommen wirdt: von wel-
cher wann die Schrifft redet/ gebraucht sie sich des exempels der
vögel. Als Job 39:3.
wm Wer bereitet den raben jhr aaß/ wann

[Seite 347]


jhre jungen zue Gott schreyen/ vndt kläglich thun daß sie
nichts zue eßen haben? vndt Psal. 147:9. wie auch Matth. 10:29.
Auff welche örter der Autor hier gesehen hatt.

442 man soll daß kindt beschneiden.] Der Herr Christus hatt
wollen beschnitten werden/ nicht allein das gesetze zu vollbrin-
gen/ sondern auch die beschneidung anderer/ die vnter dem ge-
setze beschnitten waren/ in seinem fleische zue heiligen.

444 vor pein die gaben hin.] Ein par Turteltauben/ oder zwey
junge tauben/ wie der H. Lucas zeuget
wn in seinem 2:24. vndt sel-
bige in der beschneidung zue opffern geboten wirdt Levit. 12:8.

446 ob schon er nicht verbunden Mitt sünden.] Diß ist auch
ein besonderer trost/ das der Sohn Gottes vnsere schwachheit auff
solche weise angenommen hatt/ daß die schwachheit so in jhm war
nicht sünde/ sondern eine bezahlung der sünden war: da hergegen

[46] vnsere schwachheiten das meiste theil entweder sünden/
oder doch quell vndt vrsprung der sünden sindt.

447 Mitt sünden als sonst wir.] Der Herr Christus hatt/ sagt der
Autor/ keine sünde mit vns gethan/ noch auch geerbet: dann er
allein ist also gebohren gewesen/ daß er nicht von nöthen hatt
wieder gebohren zue werden. Worauß dann erscheinet/ daß er allein
beschnitten worden daß gesetze zue vollbringen/ vndt seinen ge-
horsam vollkömmlich zue erweisen.

459 die lehrer legen hin.] Gleich wie der Herr kurtz vor seinem
tode vns für allen dingen befohlen hatt den frieden vndt einigkeit/
vndt wie sein gantzes leben vnß zue derselben geleitet vndt gewie-
sen hatt/ also ist nichts das mehr wieder seinen heiligen geburtstag
streitet/ alß das man an demselbigen von zanck vndt zwietracht
handelt. An dem tage/ sage ich/ an welchem die Engel den frieden
gesungen haben. Wie es dann auch allein die liebe der einigkeit ge-
wesen ist/ die den Sohn Gottes/ der mitt Gott eines war/ beweget
hatt zue sein bey den Menschen/ die menschen erstlich also mit
einander/ vndt mitt Gott zue vereinigen; beydes die Juden/ vndt
die so noch fremdlinge (sagt der Apostel) des bundes waren. Vndt
darumb nennet derselbte auch Ephes. 2:14. den Herren Jesus vnse-
ren frieden/ der beyde eines gemacht/ vndt der das geschoß
wo
der mittel mawer gebrochen hatt.

[Seite 348]

461 das Simeon macht singen.] Lucae am 2. den trefflichen Lob-
gesang/ welchen selbiger vom 29. verß an singet/ als er den Herren
auff seinen armen helt/ vndt bereitet ist auß dem fleische ab zue
scheiden/ nach dem er den seligmacher in dem selben gesehen hatt.

462 Vndt Zacharias stumm.] Luc. 1:22. Weil er der botschafft
des Gabriels/ angehende die geburt S. Johannes/ keinen glauben
gab.

464 eh’ er vndt du gebohren seydt.] Nemlich Johannes/ der
auff den gruß Marien in seiner mutter leibe hüpffete. Als ob er eilen
wollen/ sein vorläuffer ampt zue bedienen/ zue dem er kommen
war.

464 vndt du.] Nemlich der Herr Jesus/ der durch die krafft des
H. Geistes empfangen war/ vndt machte das die geburt Elisabeth
in jhrem leibe auff hüpffete.

[47] 469 Der vormals.] Zue verstehn zue geben/ daß auch daß
erste gesetze durch den Herren Jesus/ den Engel des großen rhates/
verkündigt sey. Wie klärlich erscheint Act. 7:38.
wp vndt beym
Apostel/ Hebr. 12:26.

470 auff Thabors spitz’.] Siehe Math. 5. v. 1. Als Jesus das
volck sahe/ stieg er auff den berg. Der Autor folget vnter den
Vätern den jenigen/ welche diesen ort von dem berge Thabor ver-
stehen.

476 Helt das gesetze gantz.] Ein gesetze das so kurtz ist/ das es
ein jeder außwendig kan wer es höret: so groß vndt schwer/ daß
es niemandt vollkömmlich kan vollbringen. Dann wer kan nicht
zwey oder drey worte außwendig lernen? vndt wer liebet Gott/
wie er befiehlt/ so lange er lebet: oder seinen nechsten vollkömm-
lich/ so lange er mit jhm lebt?

[48] 477 den teuffel seh’ ich fliehen.] Hier beginnt der Autor
kürtzlich zue erzehlen/ die wunderwerck die der Herr als er im
fleische gewesen gethan hatt. Der nicht allein das gesetze Mosis zum
theil durch das gesetze der gnade/ sondern auch das gesetze der Na-
tur durch seine zukunfft hatt zue nichte gemacht. wie solches auß
seinen wunderwercken erscheinet. Dann alles was er gethan hatt/
hatt er entweder nach vnserer Natur oder über vnsere gethan; das
ist/ entweder nach vnserer die er angenommen hatte/ oder nach
der seinigen welche die vnsrige angenommen hatt. Nach der
vns-

[Seite 349]

rigen hatt jhn gehungert/ gedürstet/ ist er gebohren worden/
vndt in eine krippe gelegt. Nach der seinigen hatt er wunderwercke
gethan
[49] vndt seine Göttliche krafft vollkömlich erwiesen so
das der Autor zue gleich hier zuverstehen gibt/ das die krafft
Gottes nicht könne geschieden werden von seinem wesen/ welche
darumb der Herr Christus/ auch da er im fleische war/ gemein
hatt gehabt mitt dem Vater vndt dem H. Geiste/ wie das wesen.
Durch welches/ wie er nicht kundte geschieden werden von Gott
der einer ist/ er auch nicht kundte geschieden werden von Gott
der allmächtig ist. Vndt darumb sagt er selber Johan. 5:17. Mein
Vater wircket noch in mir vndt ich wircke. gegen Valentinum
vndt andere/ die nicht bekennen wolten/ daß die krafft Gottes allen
dreyen personen gemein sey.

491 verendern in das liecht.] Siehe Marci 9:2. Luc. 9:29. vndt
in sonderheit Matth. 17:2.
wq da gesagt wirdt/ daß der Herr in
beywesen seiner jünger/ nemlich Petri/ Jacobi vndt Johannis/ auff
dem berge sey verkläret worden. Doch auch daß niemandt dencke/
daß sein leib verendert gewesen sey/ oder daß er einen geistlichen
solle an sich genommen haben/ sagt der Autor/ das er sein ange-
sicht habe verendert/ wie der Evangelist Mattheus sagt/ das sein
angesicht geglentzet habe wie die Sonn. Vndt Lucas/ daß sein an-
gesicht anders worden sey. Auch Hieronimus sagt sehr wol/ das es
eine verenderung sey gewesen nicht der Natur/ sondern der herrlig-
keit. Vndt diß ists was der Autor hier außdrücklich setzt. Siehe
Chrysostomum vndt Proclum/ Bischoff von Constantinopel/ die
alle beyde sonderlich von der verenderung auff dem berge geschrie-
ben haben. Wie auch andere vnter den Vätern. Als Damascenus/
der einen Lobgesang auff dieselbige gemacht hatt/ darinnen er sagt/
daß der Herr/ als meister des lebens/ vndt Herr des todeß/
Mosen vndt Eliam auff den berg Thabor hatt kommen laßen; zue
bezeugen daß er Gott sey. Die Juden welche lebten achteten seiner
nicht; vndt die/ welche die Juden am aller höchsten hielten/ ka-
men jhm zue dienen vndt jhn zue ehren.

494 Zue zahlen deine schuldt.] Wie kan der Sohn Gottes schul-
dig sein/ dem alle menschen schuldig sindt/ vndt den niemandt be-
zahlen kan? Der Autor hatt gesehn auff den ort Matth. 17. da der
Herr/ als er nach Capernaum kömpt/ vmb die schatzung gemahnt

[Seite 350]


wirdt/ die ein jeder den Römern für sein haupt bezahlen mußte.
Welcher/ ob er wol wußte daß er nichts schuldig were/ als nem-
lich ein Sohn des Königs (nemlich Davids) wie er sich selber auch
damals gegen Petro erkläret/ dennoch seine schuldt daselbst ablegt/
vndt zue verstehn
[50] giebt daß er kommen sey seine geistliche
macht zue erklären/ vndt nicht die zeitliche zue verachten. Dar
zwischen aber fengt Petrus einen fisch/ in dem er den pfennig
findet/ darmit für sie beyde zue bezahlen: wordurch er zweyerley
lehret; erstlich was wir sindt/ vndt was wir der zeitlichen obrigkeit
schuldig sindt. Zum andern/ wer er sey/ vndt daß er vor sich selbst
nicht dürffte bezahlen/ der allein auff solche weise kundte bezahlen:
in dem er auß der tieffesten see/ das ist/ auß einem andern ele-
mente/ durch sein göttliche krafft das jenige holet/ was die men-
schen wolten daß er auff dem lande bezahlen solte.

502 Mitt butter vndt mitt milch.] Der Autor hatt gesehn auff
diß was von Moses/ als er von den trefflichen wolthaten so der Herr
dem volcke Israel erwiesen redet/ in seinem andern Lobgesange
Deut. 32:14. gesagt wirdt: Daß er jhnen gegeben hatt die buter
von den kühen/ vndt die milch von den schaffen: wie auch
das feiste der lämmer vndt der hammel auff Basan erzogen/
vndt böcke mitt dem marck des weitzes.

508 Daß sie Gott creutzigen.] Nicht das Gott leiden/ oder ge-
creutzigt werden könne: sondern/ weil im Herren Christo zwo na-
turen sindt/ so wird der gantzen person zue geschrieben/ was der
einen allein eigen ist. Also sagt der H. Geist Act. 20:28. daß Gott
jhm die kirche mitt seinem blute erkaufft habe. Vndt der Apostel
Paulus spricht/ Daß der Herr der herrligkeit gecreutzigt worden
ist. Die Juden haben Gott gecreutzigt. aber nicht die Gottheit: weil
sie gecreutzigt haben der Gott vndt mensch war. Vndt diese art zue
reden (wiewol nicht eygen
wr) hatt jhren trost: damit wir verstehen/
daß kein anderer gewesen ist/ der im fleische gelitten hatt/ als
der im warhafftigen leiden des fleisches ohn leiden gewesen ist:
vndt daß es der ist so gestorben ist/ vndt der den Todt in seinem
tode überwunden hatt; der vollkömmlich gestorben ist/ vndt voll-
kömmlich meister des todes gewesen ist; einer allein/ beyde einer/
beyde in einem/ beyde derselbige. Nemlich dieselbte Person/ der
Herr Christus.

[Seite 351]

513 der Balaam erschienen.] Keine Propheceyung oder verkün-
digung vom Herren Christo/ seiner zuekunfft vndt macht ist deut-
licher/ erfrewlicher für die glaubigen/ schrecklicher für die vn-
glaubigen vndt feinde des herren Christi/ als die gelesen wirdt
Num. 24. da Bileam/ der zuevor beruffen war Israel zue verfluchen/
beginnt sich zum himmel zue erheben/ vndt durch die krafft des
Herren/ mitt vnaußsprechlichen worten/ die jhm der Geist ein-
gab/ zue segenen/
[51] ruffende vnter andern: Ein stern ist kom-
men auß Jacob/ vndt ein Zepter hatt sich gezeigt auß Israel;
der des Moabs hauptleute schlagen soll/ vndt alle kinder Seth
zue nichte machen. Siehe Pet. 2. c. 2:15.

[52] 517 Judea gantz verstockt] Wiewol das leben des Herren
nichts anders gewesen ist als ein stetes leiden/ vndt sein leiden ge-
wehrt hatt so lange sein leben: dennoch ist seine opfferung an das
creutz das eußerste vndt grawsamste seines gantzen lebens/ vndt
das letzte seines lebens/ das höchste seiner schmertzen gewesen.
Doch bey diesem leiden mussen wir drey dinge sonderlich be-
dencken. Erstlich/ seine menschheit: die mehr gelitten hatt für den
menschen/ als der mensch/ ja alle menschen leiden kündten: Zum
andern seine Gottheit/ von der der Autor allhir anfengt zue re-
den: welche Gottheit in dem sterben der menscheit stärcker war
dann alle menschen: ja die menschen so todt waren wiederumb
lebendig machte. Er hieng (sagt S. Ambrosius im buche von der
menschwerdung Christi) am creutze/ vndt bewegte alle dinge: er
bebte an dem holtze/ vndt machte die gantze welt beben. Worbey
man wol fügen mag/ daß er starb/ vndt die todten lebendig machte.
Zum dritten/ die frucht des leidens der menscheit Christi/ die
mehr ist als alle menschen außsinnen können. In dem die opfferung
des einigen mehr ist gewesen als die sünde aller: die gnade als die
übertretung; wie Cyprianus wol sagt.
[53] So daß der mensch nicht
beßer thun kan/ dann mitt bewegung darauff dencken/ vndt sein
leiden mitt bußfertigkeit/ seine macht mitt schrecken/ sein blut
mitt threnen betrachten.

524 Verlaßen von* der welt/ vndt wegen jhr von Gott.] Eine
art zue reden welche der Herr selbst gebraucht/ auß der person des
menschen. Zue verstehn zue geben/ nicht daß er von Gott ver-
laßen gewesen sey/ der selber Gott war/ vndt eines mitt dem Vater:
sondern daß er/ in ansehung der natur die er mitt vns gemein hatte/
geschmeckt hatt den zorn Gottes gegen die natur welche von jhm

[Seite 352]


war abgewiechen. Der auch so schwer/ so erschrecklich/ so vn-
außsprechlich über jhn wirdt außgegoßen/ daß alle menschen diß
nicht können bedencken/ noch zue ertragen vermocht hetten. Vndt
darumb hatt der Autor die worte des Herren selbst/ Matth. 27:46.
behalten: die der Prophet David auch zuevor/ Psalm. 22:2.
ws ge-
braucht hatte. So sollen wir nun wißen/ daß diese worte von jhm
gesagt werden auß vnserer natur/ weil die straffe die er trug (sagt
Cyprianus) groß war/ nicht die schuldt; als der keine sünde hatte.
Vndt diß ists daß der Autor sagt/ Wegen sein: da er kürtzlich zue
erkennen giebt/ erstlich/ daß er vmb vnsertwillen gelitten; zum
andern/ daß er in vns geredet; zum dritten/ daß die natur so von
Gott verlaßen war/ dieselbige war welche der Sohn Gottes ange-
nommen: zum vierden/ daß in derselben gleichwol/ angesehen
seiner/ keine sünde war/ weil sie mitt der Göttlichen vereinigt
war. Aber wie wirdt er verlaßen? weil die menscheit im leiden war/
hielte sich die Gottheit stille/ sagt Ireneus. Auff daß nemlich die
menscheit/ so vollkommen in jhm war/ auch vollkömmlich lei-
den/ vndt wir also allzuemal in jhm vndt durch jhn sollten genung
thun.

* Heinsius sagt: Von dem menschen/ vndt wegen sein.

529 Die Sonne flohe vor] Die Sonne/ die allgemeine fackel der
welt/ weigerte jhr liecht den Juden; nicht allein auff daß sie auch
(wie Maximus des namens Taurinensis sagt) blindt solten werden
von augen/ die blindt waren am hertzen: sondern auch daß
alle elemente mitt jhrem schöpffer bewegt worden; wiewol er nach
vnserer natur mehr beweget wardt. Vndt auff daß sie auch die ge-
schaffene Sonne solten mißen/ die den Schöpffer der Sonnen/ vndt
die Sonne der gerechtigkeit vnrechter weise vntergedruckt hatten.

533 so kostbar war geweben Mitt schönem scharlack-roth.]
Dann also wirdt selbiger fürhang der kirchen/ der in dem tode des
Herren zerrieß beschrieben/ 2. Paralip.
wt 3:14. Auß welchem orte
erscheinet/ daß
[54] er von vnterschiedenen farben gewesen sey.
Doch der Autor nennet die fürnemste/ vndt ist eine art zue reden
die
Synecdoche genennt wirdt.

[Seite 353]

559 Die todten] Diß ist die meiste krafft/ welche der Herr in
seiner meisten erniedrigung gezeiget hatt. Dann Eliseus vndt Elias
haben auch todten erweckt/ Eliaß im 1. der Könige 17./ Eliseus im
2. 4:33. aber durch krafft des jenigen/ der für alle menschen
sterben/ vndt die todten/ in dem er stürbe/ erwecken solle. Alle
treffliche vndt große wercke auch/ die wieder die natur lauffen/
vndt vom Eliseus vndt Elias gethan sindt worden/ sindt gethan
worden als von gesandten vndt Ambassatoren/ abgefertigt vom
Herren vndt Könige der Natur/ vndt dem annemer der vnsrigen.
Der in der vollkommenheit der zeit erscheinen solte; zue erkennen
zue geben/ daß alle wunderwercke die für seiner zuekunfft von
den
wu seinigen in seinem namen sindt gethan worden/ die seinigen
gewesen sindt. Ferner der Evangelist Mattheus/ im 27. cap. im 52.
Verß/ setzt vnter andern mirackeln so geschehen sindt als der Herr
seinen geist auffgab/ daß die gräber geöffnet worden/ vndt daß
viel leichnam der heiligen/ die geschlaffen haben/ auffgestan-
den. Vndt sagt gleichwol im folgenden verse/ daß sie erst nach
seiner aufferstehung auß den gräbern gegangen sindt. Dann die
worte allda lauten: vndt sindt auff gestanden auß den gräbern
nach seiner aufferstehung/ vndt kommen in die heilige Stadt:
vndt haben sich vielen geoffenbahret. Diesen schweren ort be-
trachtet S. Augustinus in seinem 99. brieffe an Evodium geschrieben/
vndt meinet/ daß der H. Evangelist/ da er sagt/ daß die todten
da aufferstanden sindt/ nemlich/ als der Herr seinen geist auffgab/
eine art zue reden solle gebraucht haben/ welche
anticipatio oder
zuevorkommung genennt wirdt; wann man sagt/ es geschehe
etwas/ das kurtz hernach geschehen soll. Die Griechischen Väter
sagen/ daß die todten/ alß der Herr seinen geist auffgegeben/ er-
wecket worden; doch hernach/ als er aufferstanden/ erst auß den
gräbern kommen sindt. Die alten Poeten der Christen/ vnter denen
Juvencus ist/ der schon für dem H. Hieronymus/ zur zeit Keyser
Constantins/ geschrieben hatt/ legt diese worte auß/ als ob die
todten
wv auff selbige zeit lebendig worden/ auß den gräbern vndt
in die Heilige stadt kommen weren. Dann er sagt/ alß ob er selbiges
ww
nicht gelesen:

[Seite 354]

Tum veterum monumenta virum patuere revulsis
Obiicibus, vivaeque animae per membra reversae,
wx Et visum passae populi, per moenia late
Erravere urbis.wy

Vndt dieselben werden auch von Cypriano außen gelaßen. Wie
dann auch Chrisostomus in seiner außlegung auff vorhergehenden
ort im 53. verß/ in gleichen dieselbigen worte/ nach seiner auff-
erstehung/ zue übergehen scheinet: der an einem andern orte
gleichwol deutlich sagt/ Daß die todten durch die stimme des
Herren/ als er den geist auff gegeben/ erweckt/ daß ist/ allein
lebendig gemacht worden; hernach aber mit jhm aufferstanden
weren. Wie auch Origines. Andere sagen/ die meinung des Evan-
gelisten sey/ daß sie/ als der Herr gestorben/ erweckt worden/
vndt auß den gräbern gegangen; nach seiner aufferstehung
aber erst in die Heilige Stadt kommen sindt. Diß ist die vrsache/
daß der Autor/ als der eines so wol als des andern Alten außlegung
nachfolget/ vndt alß fürsichtiglich redet vndt sagt/ Daß die todten
lebten/ das ist/ lebendig worden (dann diß wort hatt eine sonderbare
krafft/ die große macht des Herren in seiner großen erniedrigung
zue erkennen zue geben) auff die stimme des Herren da er starb:
doch daß sie kurtz nach dieser zeit biß in Jerusalem lieffen; daß ist/
daß sie lebendig worden da er starb; vndt aufferstanden da er auff-
erstundt. Doch die meinung welche er selber über erwehnten ort
Mathei hatt/ dardurch alle schwerigkeit hinweg genommen wirdt/
wirdt er mit der hülffe Gottes zue anderer zeit an den tag geben:
wiewol er festiglich darfür helt/ das die gelehrten viel sachen
vnter einander außlegen mögen/ welches schlechte vndt einfeltige
mitt mehrer erbawung nicht wißen.

[56] 562 daß Belial geschlagen] Durch diß das der Teuffel zum
ersten vollkömmlich war vber wunden vom Herren der Gott war.
Zum andern gehörlich überwunden von jhm der mensch war. Dann
(sagt Ireneus im 3. gegen die Valentinianer
wz) wann der feindt des
menschen allein were überwunden gewesen durch den men-
schen/ so würde der feindt des menschen nicht gehörlich über-
wunden gewesen sein für den menschen.

[Seite 355]

565 Der mitten durch das grab den dritten tag gebrochen.] Der
Herr ist mitt gewalt auß der erde gebrochen/ vnser fleisch von dem
stande darein es durch den ersten Adam gesetzt war zue befreyen:
der/ wie von jhm nach dem fall gesagt wirdt/ Genes. 3:19.
staub war/ vndt zue staube werden solte: er ist gebrochen durch
die macht des Teuffels/ dieweil er der samen war/ welcher der
schlangen solte den kopff zertretten: er ist gebrochen durch den
todt weil er vnser leben war/ vnd vns daßelbige gab durch seine
aufferstehung/ vndt allbereit empfangen hatte durch seinen todt:
er ist auch/ wie die Schrifft vns lehret/ gebrochen durch seine fein-
de/ die das grab bewahreten/ auff das alle die jenigen welche kom-
men waren zue verhindern das er nicht aufferstehen solte/ zeugen
würden daß er aufferstanden were: Vndt also die Juden durch die
krafft seiner aufferstehung/ wie bey seinem sterben durch die be-
wegung aller elemendte/ noch eines
xa zue überzeugen daß er Gott
sey. Mehr/ das wie sein leiden die höchste straffe seiner erniedri-
gung gewesen ist/ also die aufferstehung gewesen ist die erste stuffe
seiner erhöhung/ vndt mit jhm vndt in jhm der vnsrigen.

[57] 569 hinauff bist eingefahren.] Diß ist die höchste vndt ob-
riste strasse
xb der erhöung des Herren/ vndt mit jhm der vnsrigen.
Der Herr ist nach seiner aufferstehung mit dem fleische gen him-
mel gefahren: nicht da das Wort zuevorhin nicht gewesen war/
sondern da das Wort nach dem es fleisch worden nicht geseßen
hatte/ sagt Cyprianus. Vndt darumb spricht auch der Autor/ daß
der Todt vnter jhm gelegen/ der über seine Gottheit keine macht
hatte: vndt der Teuffel der ein geschworner feindt vnserer natur/
vndt der vernewerung/ noch mehr aber der vereinigung derselbten
in Christo war. So ist dann der Herr gen himmel gefahren/ nicht
vmb seinet/ sondern vmd vnsert willen. Als wie er auff erden
kommen ist/ ohn daß er den himmel verlaßen hatt. So daß er diß
auch gethan hatt/ durch seine macht/ vndt zue vnserer erhebung
in jhm. Vndt darumb desto mehr dem Teuffel zue hohn/ der vns
verführt hatte/ vndt mußte sehn/ daß vnsere natur/ die er verterbt
vndt befleckt hatte/ gen himmel wardt auff geführt.

572 Hast vnser fleisch.] Der Autor giebt hier nun zue erkennen/
daß der Herr aufferstanden vndt gen himmel gefahren ist/ nicht

[Seite 356]


gleich wie er gestorben ist/ nemlich allein als mensch/ oder allein
in betrachtung der menschlichen natur; sondern als Gott vndt
mensch/ das ist/ also daß die gantze person des Sohnes ist erhöhet
worden/ vndt vnsere natur in jhm. Der auffgefahren ist nicht
allein mitt der Göttlichen/ sondern auch durch sie: als der da ist
nicht dieselbige oder eine natur; sondern von derselben vndt
in derselbigen/ durch die sie in der selbigen vereiniget war.

573 Von da schickst du den Geist.] Der Autor begreifft nun in
kurtzen worten alles diß was wir von dem H. Geiste glauben mußen.
Der Herr war so baldt nicht gen himmel gefahren/ daß der H. Geist
nicht auch baldt auff erden kommen ist. Vndt wie der Sohn/ so vn-
sichtbar gewesen/ sichtbar worden war; so ist auch der Geist/ der
vnsichtbar war/ sichtiglich erschienen/ auff den funffzigsten tag
nach seiner aufferstehung/ den zehenden nach der auffarth gen him-
mel. Wie der Sohn/ so von ewigkeit auß dem Vater geboren/ auff
bestimmte zeit zue dem menschen kommen ist: so ist der H. Geist/
der von ewigkeit von allen beyden außgeht/ auff die bestimmte
zeit kommen/ zue den menschen. Welcher nicht allein gezeiget
hatt/ daß er wahrhafftiger Gott sey/ in dem er den Aposteln gaben
gegeben die über die menschen waren/ vndt die für alle men-[58]
schen nötig waren/ dieselben in dem erkendtniß des Herren zue
vnterweisen: sondern hatt auch erwiesen/ daß der Herr Christus
warhafftig sey/ vndt warhafftig Gott sey: auch nach dem er war-
hafftig mensch worden/ von dem er verheißen war/ Johan. 16:7.

573 der außgeht von euch beyden.] Dann wie es des Vaters
eigenschafft ist/ daß er von ewigkeit den Sohn gezeuget hatt: also
ist es des Sohnes eigenschafft/ daß er von ewigkeit auß dem Vater
gebohren ist: des H. Geistes/ daß er auß allen beyden von ewigkeit
außgeht; vndt also/ daß er das wesen von ewigkeit von allen beyden
empfängt. Von allen beyden/ alldieweil er das bandt der vnauß-
sprechlichen Dreyfaltigkeit ist/ wie Bernardus jhn nennet: die
gütte Gottes/ vndt Gott selbst: die krafft Gottes des Vaters vndt des
Sohnes: vndt mitt jhnen Gott selbst.

574 von euch doch vnterscheiden.] Der H. Geist ist vnterschei-
den vom Vater vndt dem Sohne/ vndt nicht abgescheiden: das ist:

distinctus, non diversus. ein Gott/ vndt derselbige Gott/ nicht die-
selbige person in derselbten Gottheit.

575 Ist das jhr beyde seidt.] Nemlich Gott. Dann der H. Geist ist
warhafftig Gott/ wie Gott der Vater/ vndt Gott der Sohn: wie er

[Seite 357]


auch mitt allen beyden gemein hatt daß er ein geist ist. Dann der
Vater (sagt Bernardus) ist ein Geist; der Sohn ist ein geist; der H.
Geist ist ein geist.

576 Vndt ist das jhr nicht seidt.] Nemlich der H. Geist. Dann
gleich wie der Vater nicht ist der Sohn/ also ist weder der Vater
noch der Sohn der H. Geist; der von dem Vater vndt dem Sohne
vnterschieden wirdt Matth. 3:16. 17. Johan. 14:16 vndt in seinem
ersten Sendeschreiben 5:8./ sampt andern orten. So sagt dann der
Autor/ daß der H. Geist ist das sie beyde (nemlich der Vater vndt
der Sohn) sindt: in betrachtung der Natur vndt des wesens; das ist/
daß er Gott wie sie ist. So daß er beydes ist/ das ist/ das sie sindt/
das ist Gott; vndt ist das sie nicht sindt/ das ist ein anderer/ in
betrachtung der person; nemlich/ nicht der Vater/ nicht der Sohn/
sondern der H. Geist.

576 mitt beyden vor der zeit.] Das ist/ mitt beyden ewig. Dann
gleich wie der Sohn ewig ist mitt dem Vater/ ob er zwar auß dem
Vater gebohren ist/ wie die H. Schrifft sel-
[59]ber von jhm redet:
also ist der H. Geist ewig mitt allen beyden/ ob er wol von allen
beyden außgeht.

579 Zue richten alles fleisch.] Gleich wie es die vollkommene
vnterthänigkeit des Herren Christi war/ welche verheißen/ daß
er dermal eins vor vns gevrtheilt/ ja vervrtheilt werden solte: also
verheißt seine vollkommene herrligkeit/ daß er dermal eines
vrtheilen werde; nicht allein die welche jhn vervrtheilt haben/
sondern auch alle die seinem vrtheil wollen vnterworffen sein/ vnd
lieber haben seine rechtfertigung zue erwarten/ als seine barm-
hertzigkeit an zue nemen.

[60] 582 O großer starcker Löw auß Israel entsprungen] Das
ist/ der Löw auß dem stamme Juda; gleich wie der Herr genennt
wirdt/ Apocalyps. 5:5. Vndt (spricht er) einer von den Eltisten
sagte zue mir: Weine nicht/ siehe der Löw auß dem geschlechte
Juda/ die wurtzel Davids/ hatt überwunden. Doch der Autor
nennet jhn also angesehen seine aufferstehung. Wie auch Ber-
nardus/ da er sagt: Der ein lamb war in seinem leiden/ ist ein
löwe worden in seinem aufferstehen. Der löwe von dem ge-
schlechte Juda ist aufferstanden/ vndt überwinder worden:
der den todt/ welchen er durch vnsere schwachheit auff sich
geladen/ durch seine krafft vndt aufferstehung mitt füßen ge-
treten hatt.

[Seite 358]

594 Dasxc Moses hatt gesehn] Moses hatt den Sohn Gottes
gesehn im geiste/ vndt durch vnterschiedene offenbahrungen/
vndt an vnterschiedenen enden. Darumb nennt Tertullianus
gegen Marcionem den Herren Christum den Gott Mosis/ vndt
sagt: Was hatt der mitt Moses zue thun/ der den Gott Mosis
verwirfft?

594 vndt Josue.] Der das volck in das gelobte landt gebracht
hatt/ vndt also ein fürbildt war deßen/ der vns in das rechte gelobte
landt bringen solte.

596 Den Jacob Vater heißt/ vndt bist auch Benjamin.] Jacobs
Vater war der Herr Christus als Gott/ vndt also der Gott Jacobs.
Benjamin/ weil er der Sohn Jacobs/ ja der liebste Sohn Jacobs war/
nach der menscheit/ wie Benjamin; als der Juda von Jacob selbst
verheißen wirdt. Genes. 49. v. 10.

598 dem frommenxd auffgeschrieben Die handtschrifft in die
lufft.] Nemlich den regen bogen; welcher Noe zue versicherung des
menschlichen geschlechtes gegeben vndt gleichsam in die lufft ge-
mahlt ist worden/ zue einem festen zeichen/ daß die welt nicht
mehr mitt wasser vergehen solle. Sieh Genes. 9. v. 9.

601 Den Jacob hatt gefühlt.] Im ringen. Siehe oben/ vndt
Genes. 2:24.
xe

[61] 601 vndt Salomon gesungen.] Salomon hatt den Herren
Christus gesungen in seinem Hohen Liede/ wie oben gesagt.

602 Den Samson fürgebildt.] Von dem die alten Väter sagen daß
er ein vorbildt zum ersten der verfolgung/ zum andern des leidens
Christi gewesen sey. Sonderlich Prosper Aquitanicus in seinem an-
dern theile/ im 11. vndt 12. cap. Von den verheißungen vndt an-
kündigungen.
xf In welchem buche er erweiset/ wie das jenige was
im alten bunde geschehen vndt von vielen gesagt/ in dem newen
allein in Christo sey erfüllt worden

603 der Moab vmb gebracht] Sieh Num. 24.:17. da Balaam
sagt/ Daß entsprißen soll ein stern auß Jacob/ vndt das auffstehen
soll eine rute auß Israel/ welche die Haubtleute Moabs/ schlagen
vndt alle söhne Seth verwüsten soll.

[Seite 359]

604 Den Amalec geschewt.] Siehe Exod. 17.xg da Amalec fleucht
für dem zeichen das Moses machte: welches die alten Väter auß
legen auff das creutze des Herren. Siehe vnter andern Prosperum
Aquitanicum in seinem ersten hiebevor erwehnten buch/ cap. 40.

604 vndt Davidt viel bedacht.] In einem großen theile seiner
Psalmen.

[62] 605 O warer menschen-sohn.] Dieser name wirdt dem Her-
ren an vielen orten in der Schrifft zuegeschrieben/ vndt in sonder-
heit von jhm selbst/ die warheit der menschlichen natur zue be-
zeugen.

606 der andere des namens.] Dann der erste Jesus ist gewesen/
Josua der Sohn Nun/ der die Israeliten in das gelobte Landt gebracht
hatt. Der Autor sagt/ der andere des namens/ nicht daß nicht
mehr deßen namens gewesen sind (als Jesus Josedec der auch mit
Zorobabel ein großes theil der Juden in Jerusalem gebracht hatt/
vndt also gleich falls etlicher maßen ein fürbildt des Herren Jesu von
etzlichen genennet wirdt) sondern weil Josue/ der Jesus Nave
xh von
Sirach/ dem Griechischen texte/ vndt den alten Vätern genennet
wirdt/ der besondere vndt erste fürläuffer des Herren gewesen ist;
der vns in das ware Canaan bringen muß. Wie dann der rechte
vndt ware Jesus auch eben dieser vrsach wegen Fürst von Canaan
von dem Autor ist genennet worden. Siehe denselbten Prosper
Aquit. in seinem andern jüngst gemeldeten buche/ c. 14. 15. 16.
da weitleufftig erwiesen wirdt/ das Jesus Nave/ vndt diß waß von
jhm im alten testamente verzeichnet ist/ ein vorbildt des Herren
Jesu gewesen sey.

608 sich beugen alle knie.] Siehe den Apostel Paulus Philip.
2:10. Auff daß in dem namen Jesu sich beugen sollen alle knie/
derer die im himmel/ auff der erden/ vndt vnter der erden sindt.

614 O rechter Jonathan! süß’ über alle frawen.] Der Autor
hatt außgedruckt die beweglichen worte des Königs David. damit
er 2. Sam. 1. den todt Jonathans beweinet/ vnd vnter an-
[63]dern
sagt: Jonathan mein bruder/ ich bin in bangigkeit deinet
wegen: ich habe große frewde vndt frömigkeit/ an dir gehabt.
Deine liebe war mir sonderlich/ über die liebe der Frawen.

[Seite 360]

618 Gestorben vndt auch nicht.] Dann der Herr Christus ist
gestorben in dem fleische/ aber nicht gestorben mit dem fleische:
weil er als Gott mehr war dann alles fleisch. Er ist auch wol warhafftig
gestorben/ durch diß daß die seele vndt der Leib von einander ge-
scheiden gewesen sindt: aber nicht gantz gestorben/ weil das Wort
oder die Gottheit mitt der seele vndt dem leibe vereinigt geblieben
sindt. Ja also ist er mensch verblieben/ auch da er todt gewesen: in
ansehung nemlich dieses bandes/ nicht der menschlichen natur. Da-
rumb sagt der Autor/ Gestorben vndt auch nicht/ (oder/ Ge-
storben ohne sterben).

619 schon in der schoß bey Gott Da du noch ohne fleisch.] Der
Herr Christus/ sagt der Autor/ war in der schoß des Vaters/ ehe er
das fleisch an sich genommen/ ja als er das fleisch annam/ vndt
nach dem annemen des fleisches. Dann der in der schoß des Vaters
überal regieret/ sagt ein Altvater/ hatt in dem leibe der Jung-
frawen das fleisch an sich genommen. Derselbte hat selbiges
auch in die schoß der erden niedergelegt/ ohn das er dennoch auß
der schoß des Vaters gegangen ist: biß das er aufferstanden vndt
gen himmel gefahren ist. Vndt darumb strafft Cirillus in seinem
buche gegen die Anthropomorphiten die jenigen/ welche sagen
durfften/ daß der eingebohrne Sohn Gottes/ als er mensch worden/
den himmel seiner Gottheit beraubt/ vndt niedergelegt habe stehen
laßen. Auch darumb sagt Nyßenus sehr wol/ daß der Herr gesendet/
aber nicht geschieden worden. Er wirdt/ sagt er/ als er von der
geburt redet/ gesendet durch die liebe so er zue den menschen
trug/ nicht geschieden: weil die Natur der Gottheit nicht ge-
schieden wirdt. Wie auch die Väter in dem Synodo zue Nicenen:
Er ist/ da er Gott war/ kommen auff die erde/ hatt mitt dem
fleische die größe seiner Gottheit bedecket/ vndt diß nach sei-
nem willen. So daß er den himmel nicht verließ; gleich wie er
auch/ ehe er daß fleisch annam/ nicht außer der Welt war.
Er war Gott/ er ist Gott; wie Gelasius wol sagt. Darumb wie es
war ist/ das er blieb wo er war/ weil er blieb das er war/ als er
gebohren wardt:
[64] also ist es war das er blieb wo er war/ auch
in dem tode: als weil er blieb bey Gott/ blieb Gott/ blieb im leben/
vndt blieb daß leben.

622 Begraben wardt das fleisch mitt hoch erkaufften gaben.]
In diesem verse ist nichts vergeblich gesagt/ ja selbst die letzten
worte. Der Autor versteht durch die hoch erkaufften gaben die
Myr-

[Seite 361]

rhen vndt Aloe/ so Nicodemus zur begräbniß gegeben auff daß
auch deßen leib nicht solte vergehen/ der das leben selber war.
Vndt darumb können wir ohn schrecken vndt trost diß nicht be-
dencken/ als das auff eine zeit das fleisch in der erde gewesen/ die
seele im himmel/ die Gottheit bey allen beyden: welche den Sche-
cher dahin gezogen wo die seele war/ vndt gemacht daß das
fleisch nicht verwesete welches in dem grabe war. So daß das wort
vndt die seele geblieben sindt wie sie waren/ da das fleisch in dem
grabe war/ vndt daß fleisch so in dem grabe war ohn verterb ge-
blieben ist als es in dem grabe war: durch die krafft der Gottheit
vndt ewige versehung deßelbten/ deßen fleisch eine versicherung
des vnsrigen war/ das im grabe ruhen soll: ein trost vnserer natur/
die in Christo mitt der göttlichen mitt dem fleische aufferstanden
vndt auff genommen ist/ vndt in einem jeglichen von vns noch
aufferstehen soll. Ja die aufferstehung des Herren stellt ein gesetze
für die vnsrige; weil er den leib/ den er von vns genommen/ in
seiner aufferstehung vernewret hatt/ vndt alle glieder dahin zeucht
wo das haupt ist. Zum letzten zu erfüllung des ortes/ Psal. 16:10.
Du wirst nicht zuelaßen/ daß dein geliebter das verterben sehe.
Wie diß auff Christum auß gelegt wirdt/ Act. 2:31.

623 Die seele stets bey Gott.] Der Autor hatt hier fürsichtig ge-
redet/ zue wiederlegen die meinung des Euthimius/ vndt etzlicher
anderer Griechischen Väter/ welche den ort Luc. am 23:43. da der
Herr dem schecher/ der als ein mörder an das creutze kommen
war/ vndt durch sein bekendniß starb als ein märterer (wie S.
Hieronymus von jhm sagt) zuesagt/ daß er heute mit jhm solle
im Paradeiß sein/ von der Gottheit des Herren verstanden haben/
die doch überall ist/ vndt auch bey dem mörder als er diß verhieß:
wie auch gegen andere/ welche sagten/ der Herr rede von dem
Paradeis welches Adam für dem fall bewohnet hatte. Vndt spricht
darumb/ Daß die seele des Herren bey Gott vndt dem mörder war/
daß ist/ bey der ruhe/ die den seligen nach diesem leben vom Her-
ren bereitet ist.

[65] 627 Da sehen wir euch drey vndt doch nur eines sein.]
Weil die Gottheit dreyfaltig in personen/ vndt dennoch einig in drey-
faltigkeit ist. Darumb wann wir glauben an den Vater/ den Sohn/
den H. Geist/ welche drey sindt; so glauben wir an Gott/ der einer
ist/ (nicht an Götter/ die viel sindt/ wie die Heiden thun) dieweil
sie ein Gott sindt. Dann angesehen daß sie Vater/ Sohn/ H. Geist

[Seite 362]


sindt/ muß man wißen daß sie personen einer Gottheit sindt:
angesehen daß sie Gott sindt/ muß man wißen/ daß die per-
sonen eine gemeine Natur haben; vndt diß wiederumb/ weil sie
ein Gott sindt.

629 O rechter todestodt.] Weil er vndt kein anderer für
vns gestorben ist/ der/ als er auff solche weise gestorben/
den todt überwunden hatt/ daß er den todt im tode
[66]
nicht gefühlet hatt; sagt Fulgentius/ in seinem 3. wieder Thra-
simundum.

637 O könig sey gegrüßt.] Hier beginnt der Autor zue reden
von den dreyen ämptern Jesu Christi dem königlichen ampte/ dem
prophetischen ampte/ dem priesterlichen ampte. So war er auch
ein König nicht allein der Juden/ wie die Juden spottes weise von
jhm schreiben; sondern aller seinigen: ein priester nicht allein vor
die seinigen; sondern auch vor seinen eigenen leichnam: ein Pro-
phet vndt Herr aller Propheten/ die von jhm vndt durch jhn jhr
ampt kräfftig bedient haben.

639 Melchisedech recht gleich.] Melchisedech war König: der
Herr Christus ist König. Melchisedech war priester ohn ende:
daßelbige ist der Herr Christus. Melchisedech war ohne muter: der
Herr Christus ist ohne muter in ansehung seiner Gottheit. Mel-
chisedech war ohne Vater: der Herr Christus ist ohne Vater in an-
sehung seiner menscheit: Melchisedech war ohne geschlechte: der
Herr Christus ist über alle geschlechte/ vndt ohn einiges ge-
schlechte/ als der Gott ist. Melchisedech war über Abraham/ als
dem Abraham den zehenden opfferte: der Herr Christus sagt Johan-
nis 8:58. Ehe Abraham geboren gewesen ist/ bin ich gewesen.
Vndt giebt darmit zue erkennen/ nicht allein daß er vor jhm war
mitt der zeit/ sondern auch an herrligkeit vndt würden. Siehe von
Melchisedech Genes. 14. Vndt die entgegen stellung des Herren
Christi vnd Melchisedechs/ welche der Apostel macht zun
Hebreern 7:1. vndt ferner. Vnter den Alten Vätern sonderlich
Athanasium in seinem buche/ darinnen er zeiget/ Warumb Mel-
chisedech gesagt wirdt ohne Vater/ ohne Muter/ ohne geschlechte
zue sein.

640 Levit in ewigkeit] Weil er der rechte erstgeborne vnter seinen
Brüdern/ das ist/ der rechte Israel gewesen ist/ beydes Priester in
opfferung seines leichnams vndt Levit. Als wie dieselbigen den Prie-
stern in jhrem ampte halffen vndt beystunden.

[Seite 363]

641 Gesalbter sey gegrüßt.] Das ist/ Christe/ oder Meßia. Siehe
Esai. 61:1. Actor. 10:38.
xi da von dieser salbung geredet wirdt.

643 Mitt specerey der frewd’ vndt öhl.] Siehe Psalm. 44:8.xj

644 Zue dem drey toppeln ampt.] [67] Oben allbereit erkläret.

644 auß dem du bist ernannt.] Nemlich Christus/ das ist/
Gesalbter.

[68] 645 weg/ warheit vndt das leben] Wie der Herr Christus
sich selber nennt/ Johan. 14:6.
xk Jesus sagte zue jhnen: Ich
bin der weg/ die warheit/ vndt das leben. Der weg
[69] (sagt
Hilarius) weil wir durch jhn zum Vater kommen können. Die
warheit/ weil er die lügen nicht kennet. Das leben/ weil er
macht daß alles lebet.

646 Gott’s weißheit.xl] Der Sohn Gottes/ nicht allein die weißheit
Gottes/ sondern die weißheit als Gott. Dann er wirdt die weißheit
genennt/ zum ersten als Sohn/ zum andern als Gott. Gott der Va-
ter/ sagt Augustinus/ ist die weißheit selbst: vndt der Sohn wirdt
genennt die weißheit des Vaters/ gleich wie er genennt wirdt
das liecht des Vaters/ das ist/ wie ein liecht auß dem liechte/
vndt alle beyde ein liecht. So daß sie beyde eine weißheit vndt
ein wesen sindt. Wie die Väter vndt Petrus Lombardus/ der Meister
der Sententien genannt/ beweisen; der mehr örter auß denselbigen/
welche hierzue dienen/ zue sammen gesucht hatt/ in seinem ersten
Buche
Distinct. 5. So wirdt auch der Sohn Gottes eigentlich die
weißheit Gottes genannt. Siehe oben/ vndt selbigen Lombard.

distinct. 10. Da er beweiset/ daß die weißheit Gottes bißweilen von
der Göttlichen natur/ bißweilen von der person/ nemlich dem
Sohne/ gesagt wirdt.

647 Das wort/ der schatz] Der Autor geht fort in diesem Verse/
wie er in den zweyen vorhergehenden angefangen hatt/ vndt
setzt zuesammen die trefflichen namen/ welche dem Herren
Christo in der H. Schrifft/ angesehen seine Gottheit/ rechtfertig-
keit/ güte/ weißheit/ selig-machung/ versamlung der Kirchen
vndt aufferbawung/ sampt noch mehr eigenschafften/ zuege-
schrieben werden. Hilarius/ da er den Herren/ den Schatz nennet/
vndt saget/ daß er in der Schrifft also genennet werde/ in seinem

[Seite 364]


Buche von der einigkeit des Vaters vndt des Sohnes/ scheinet ge-
sehen zue haben auff den ort 2. Cor.
xm 4:7. da die erkändtniß Gottes
in Christo Jesu ein schatz genennet wirdt: oder auff den andern
zun Coloß. 2:3. deßen wir vnten erwehnen: wo der Autor den Her-
ren Christus nicht allein einen schatz/ sondern einen grund-
losen schatz/ nennet. Er wirdt (sagt vorgemeldeter Hilarius)
ein schatz genennet/ weil alle verborgene reichthümber der
himmel in jhm solten bekandt werden.

647 das netz’.] Siehe das gleichniß Matth. 13:47. da das Him-
melreich einem netze vergliechen wirdt/ oder selbst der König des
Reiches/ wie die Väter sagen/ der ein rechtes netze ist/ (spricht
Hilarius in selbigem buche) weil durch jhn vndt in jhm eine
menge der Heiden/ gleich als fische/ auß der
[70] see des welt-
lichen lebens in der kirchen/ da der vnterscheidt zwischen gue-
ten vndt bösen verstanden wirdt/ versamlet wirdt.

647 der wunder-ackersman. Der seine schauffel tregt.] Also
wirdt der Herr Christus genennt von Johannes dem Täuffer. Matth.
3:12. der auch die vrsach darbey setzt. Der die schauffel in seiner
handt hatt/ vndt wirdt den dreschboden saubern/ vndt das korn
in die schewren versammlen. aber die sprew mitt vnaußlesch-
lichem fewer verbrennen. Welches anders nichts ist als eine be-
drewung für die heuchler/ die in der Kirchen vndt vnter den glau-
bigen verborgen liegen/ vndt jhnen selbst behagen/ wann sie von
den menschen nicht erkandt werden: vergeßen aber darzwischen
daß der jenige/ welcher das haupt ist seiner waren glieder/ auch
der richter vndt vnterscheider der falschen sein wird. Welches ist
der Herr Christus allein/ dem auch allein die schauffel zuegeschrie-
ben wirdt/ damit er das korn von der sprew abscheiden sol. Wel-
ches den Aposteln selbst (sagt Cyprianus in seinem 21.
xn schreiben)
nicht gegeben ist. Vndt in dem 21. Daß dem Sohne von dem Va-
ter allein ist gegeben das korn von der sprew/ oder von dem
vnkraute ab zuesondern.

651 der eckstein für das hauß.]xo Also wirdt der Herr genennet
Esa. 28:16. Siehe ich lege in Sion einen grundtstein/ einen
pro-

[Seite 365]

birstein/ einen köstlichen eckstein/ der wol gegründet ist.
Psalm 118:22. Der stein den die bawleute verworffen haben/
ist der eckstein worden. Siehe auch Marc.
xp 12:10. Luc. 20:17.
Epheß. 2:20.
xq da der Apostel sagt: daß die von Ephesus gebawet
sindt auff den grundt der Apostel vndt Propheten/ nemlich
Jesu Christum/ den eusersten eckstein. Welcher ort offentlich
erweiset/ daß alle die andern von dem Herren Christo zue ver-
stehen sindt; der/ wie Theophylactus sagt/ der rechte stein ist
darauff die kirche gebawet steht/ verworffen von den weisen vndt
lehrern dieser welt; insonderheit von den Juden/ wie der Herr
auch vorgemeldeten ort Davids wieder sie gebraucht/ Matth. 21:42.
Marc. 12:10. Luc. 20:17.

651 der bodenlose schatz] Weil der Apostel sagt/ Col.xr 2:3.
Daß im Herren Christo alle schätze der weißheit vndt erkendniß
verborgen sindt.

652 Der mitt der großen faust.] Sihe Esa. 40:12. Wer mißt die
wäßer mit der faust vndt faßet den himmel mitt der spannen?

[71] 653 Das Pascha.] Der Herr Christus wirdt das Pascha ge-
nennt 1. Cor. 5:7. weil er ist das ware lamb/ das für die sünden der
welt geschlachtet ist: wie das Lamb so auff das Pascha fest ge-
schlachtet wardt/ auch das Pascha genennet wirdt/ Exod. 12:11.

653 brunn vndt quell.] Der Herr Christus wird ein brunquell ge-
nennt (sagt Hilarius in seinem buche von der einigkeit des Vaters
vndt des Sohnes) weil auß jhm die durstigen hertzen mitt der
gnade Göttlichen waßers gelabt werden. Siehe Johan. 4:13.14.
Der Autor nennet jhn/ den brunn vndt quell der lust voll nach
genügen: weil alle lust/ so außer dem Herren Christo ist/ als wel-
cher der einige quell der gnaden ist/ dardurch wir mitt Gott ver-
söhnt vndt zue dem schmacke der rechten vndt vollkommenen lust
gebracht werden/ eitelkeit vndt närrischer wahn ist.

654 Der erstling auß der schar die in der erden liegen.] Also
wirdt der Herr Christus genennt 1. Cor. 15:23. von wegen der krafft
seiner aufferstehung/ welcher alle die seinigen sollen theilhafftig
werden. Dann wie vnsere Natur in jhm gebohren worden/ vndt seine
geburt/ wie Leo sehr wol sagt/ vnserer anfang ist/ weil die geburt
des haupts/ auch die geburt des Cörpers ist: also ist auch
dersel-

[Seite 366]

bige im aufferstehen. Vndt darumb wirdt er der erstling der auff-
erstehung genennet. Der erstling ist aufferstanden: hernach die
Christo zuegehören/ sollen auffstehen in seiner zuekunfft/
sagt der Apostel.

655 Der rechte Friedens-Fürst.] So wirdt der Herr Chri-
stus genendt Esa. 9:5. da er sagt/ als er im geiste von seiner
zuekunfft redet: Dann ein kindt ist vns gebohren/ ein Sohn ist
vns gegeben/ die Herrschafft ist gelegt auff seine schultern.
Man wirdt jhn heißen Wunderbar
xs/ Rhat/ Gewaltig vnd mäch-
tig/ den Vater der Ewigkeit/ den Fürsten des Friedens.

655 der große menge voll Der starcken etc.] Der Autor hatt
hier sein augenmerck gehabt auff den ort Esa. 53:12. da vom Herren
Christus gesagt wirdt: Darumb wil ich jhm große hauffen zur
beutte geben/ vndt er wirdt die starcken zum raube haben/
weil er sein Leben in den todt gegeben hatt.

657 Derselbe diesen tag.] [72] Der Autor hatt angesehen auff
den ort Hebr. 13:8. Jesus Christus ist heute vndt gestern der-
selbige/ vndt in ewigkeit.

658 Des Rhates Engel auch so lange war verborgen.] Der
Engel/ das ist/ der bote. Dann das Griechische wort/ von dem
das vnsrige herkömpt/ so viel bedeutet. Nun stehet hier zu mer-
cken/ das die Väter in dem orthe Esa. 9:5. der oben schon angezo-
gen worden da andere Dolmetscher nach dem Hebreischen texte es
übersetzen: Wunderbar/ Rhat/ oder der wunderbare Rhat/
den ort also außgelegt haben/ nach dem Griechischen texte/ wel-
cher hatt der Engel oder bote des großen rahtes. Wie dann vnter
den
xt Griechischen gethan haben Athanasius/ Justinus Martyr
in seiner andern verantwortung der Christen/ vndt gegen Try-
phonem; Epiphanius gegen die Arianer; Dionysius Areopagita in
seinem Buche von den himmlischen kräfften/ cap. 4. Acacius
Bischoff zue Miletene
xu in dem Synodo zue Epheso. Vnter den La-
teinischen Tertullianus im buche vom fleische Christi/ Cyprianus
im andern von den zeugnißen wieder die Juden/ Hieronimus
über die worte Esaiae. Welcher auch die vrsachen darbey setzt/
warumb die Dolmetscher im selbigen vom Hebreischen texte ge-
wichen sindt. Petrus Diaconus im Buche von der Menschwerdung

[Seite 367]


vndt gnade Jesu Christi; Hilarius im 4.xv Von der Dreyeinigkeit;
Augustinus im 18. von der Stadt Gottes/ vndt im 2. von der Drey-
einigkeit/ cap. 13. Vndt Novatianus in seinem; Ambrosius über
das 10. cap. zun Römern/ Epiphanius in seinem Ancyrotus. Vndt
mehr andere. Doch der Herr Christus wird also genennt in an-
sehung seines Prophetischen amptes. Vndt dannenher sagt Ter-
tullianus sehr wol in seinem erstgemeldeten buche: Er wird ge-
nennt der Engel oder bote des großen rhates/ zue erkennen
zuegeben nicht seine Natur/ sondern sein ampt. Vndt Diony-
sius: Daß er der Engel des großen rahtes genennet wirdt/ weil er/
wie er auch englischer weise von jhm selber redet/ alles das
jenige was er vom vater gehöret hatt/ vns verkundtschaffet
hatt. Vndt Augustinus im 18. Von der Stadt Gottes sagt: Es sey
sich nicht zue verwundern/ das der Herr Christus der Engel
deß Allmächtigen Gottes genennt wirdt. Dann wie er ein knecht/
(spricht er) genennt wirdt weil er in knechts gestalt zue den
xw
menschen kommen ist; also wirdt er auch ein Engel genennet/
wegen des Evangelii/ welches er den menschen verkündiget
hatt. Daß auch der Sohn Gottes allenthalben in der H. Schrifft
der Engel genennet wirdt/ ist be-
[73]kandt. Als Genes. 48:16.
nennet jhn Jacob den Engel/ der jhn von allem übel bewahrt
habe. vndt an andern orten der Engel deß Jehova/ vndt/ der
Engel des bundes. Siehe auch die trefflichen orte/ Exod. 3:2.
23:20.
xx vndt 23. Dann im 16. Gen.xy da der Engel Jehova der Agar
die geburt Ismaels verkündiget/ will Hilarius daß es Gott selber/
daß ist/ der Sohn Gottes solle gewesen sein. Wie wol Tertullianus
dasselbige nicht zuestehet.

658 Des Rhates.] Nemlich/ der seligmachung: oder/ wie es
S. Hieronymus außlegt: daß die Juden auff eine zeit verworffen
werden/ vndt die Heiden die seligmachung empfangen solten.

659 Der Engel der sein Volck.] Der Autor hatt gesehen auff
den trefflichen ort Exod. 23:20. da der Herr sagt: Siehe ich
sende meinen Engel für dir her; auff das er dich bewahre auff
deinem wege/ vndt das er dich bringe an den ort welchen ich

[Seite 368]


dir bereitet habe. Siehe daß du achtung auff jhn habest/ höre
seine stimme/ vndt verachte jhn nicht. etc. welcher Engel ge-
wesen ist der Herr Christus; der Engel Gottes/ vndt Gott selbst.

663 Des Davids deines knechts Herr/ meister/ Capitein.]
Der Herr Christus ist ein Sohn Davids gewesen nach dem fleische/
vndt ein Herr vndt Meister deßelben nach seiner Gottheit. vndt
darumb sagt ein Altvater sehr wol: Wie der Herr/ angesehen
daß er mensch ist/ auß Abraham ist; so ist er auch/ ange-
sehen daß er Gott ist/ für Abraham. Vndt wie er als mensch
ein Sohn Davids ist/ so ist er als Gott ein Herr Davids. Vndt
darumb sagt David von sich selber/ Psalm. 110: Der Herr hatt
gesagt zue meinem Herren/ setze dich zue meiner rechten.

664 der weingart.] Also nennt Herr Jesus sich selbst Johann.
15:1.

664 vndt der wein.] In der einsetzung des großen Sacramentes/
das vns mitt jhm vereiniget.

664 Der hirt.] Siehe Johan. 10:11. da der Herr sagt/ Er sey
der guete Hirte.

664 vndtxz das schaff.] Also wirdt der Herr Jesus mehrmals in
der H. Schrifft genennt/
[74] angesehen seine vnschuldt vndt gedult
im leiden. Vnter andern bey Esa. 53:7.

665 Die fackel.] Also wirdt der Herr Christus/ oder wie es die
andern geben/ die erlösung welche er seinem Volcke gethan/
vnter andern genennt von Esai. im 62:1. welcher anfengt: Ich
wil nicht schweigen vmb Sions willen/ vndt vmb Jerusalems
willen wil ich nicht innhalten/ biß daß jhr gerechtigkeit auff-
geht als ein glantz/ vndt jhr heil entbrennt als eine lampe; oder
fackel. Welches eine treffliche propheceyung ist von der herrlig-
keit vndt fürtreffligkeit mitt welcher der Herr Christus seine Kirche
ziehren soll wann er zue jhr kömpt; vndt von seiner gunst vndt
sonderbaren liebe die er jhr beweisen soll.

665 das liecht.] Simeon in seinem Lobgesange nennt den Herren
Jesum ein liecht zue erklärung (oder erleuchtung) aller völcker.
Luc. 2:32.

666 Die in der finsterniß] Siehe den Lobgesang Zacharie/
Luc. 1. da er sagt/ daß der Herr Jesus kommen sey zue erscheinen
denen/ die da sitzen im finsterniß vndt schatten des Todes.

[Seite 369]

667 Das ware horn deß Heil’s.] Siehe eben jhn Luc. 1:69. da
der Herr Christus genennt wirdt das horn des heiles/ oder/ der
seligkeit/ erwecket auß dem hause David.

667 die perle groß von preiß.] Der Autor hatt sein absehen ge-
habt auff das gleichniß Matth. 13:45.
ya da gesagt wirdt/ daß himmel-
reich sey gleich einem kauffmann/ der guete perlen suchte/ vndt
da er eine köstliche gefunden/ all das seinige verkaufft habe/
dieselbte zue kauffen. An welchem orte S. Hieronymus durch die
perle versteht das gesetz vndt die Propheten/ derer ende/ ja auch
innhalt der Herr Christus ist. Andere/ wie Chrysostomus/ die
warheit: welche der Herr Christus selber ist. Das meiste theil der
Vätern den Herren Christum selbst. Siehe vnter andern Theo-
phylactum/ der mehrentheils überall Chrysostomo nachfolgt:
vndt Isidorum Pelusiotam/ der absonderlich darvon gehandelt
hatt im 28. Schreiben des 1. buches.

668 Die Sonne] Also wirdt der Herr auch in der H. Schrifft ge-
nennt/ als Malach. 4:2. die Sonne der Gerechtigkeit. Euch aber/
sagt er/ die jhr meinen namen fürchtet/ soll auffgehen die
Sonne der gerechtigkeit.

[75] 668 die stets scheint] Die nicht vntergeht. Vndt also sagt
Esaias vom Herren/ 60:20. Deine Sonne wirdt nicht mehr vnter-
gehen/ noch dein Monde den schein verlieren. Dann der Herr
wirdt dein ewiges liecht sein/ vndt Gott deiner herrligkeit.

668 die rechte seelen speis’.] Also nennt der Herr Jesus sich
selbst/ vnten in dem orte da er sein heiliges Nachtmal einsetzt/
Johan. 6. vndt beweiset daßselbte mitt vielen vrsachen.

669 Deryb Adler] Also wirdt der Herr genennt. Jerem. 49:22.
Siehe/ er fleucht herauff wie ein adler/ vndt wirdt seine flügel
außbreiten über Botsra. Die vrsach wirdt hier vom Autorn ge-
geben. Vndt vom Hilarius/ welcher auff diesen ort deutet/ vndt
saget: Er wirdt der Adler genennet/ weil er nach seiner hoch-
würdigen aufferstehung/ als mitt rudren der flügel/ zue dem
Vater wiederumb ist auffgeflogen.

671 o schlang’ auß ertz erdacht.] Moses/ wie von jhm ge-
schrieben steht Num. 21:9. machte eine metalline schlange/ vndt
richtete sie auff zue einem zeichen; vndt wann jemanden eine
schlange bieß/ so sahe er diese schlange an/ vndt blieb beym leben.

[Seite 370]


Gleich wie auch alle die/ so von der schlangen in Adam gebießen
sindt/ sterben: es sey dann daß sie mitt augen des glaubens das
an dem holtze des creutzes auffgerichtete zeichen anschawen/
vndt also lebendig bleiben. Wie die außlegung von dem herren sebst
gemacht wirdt.

674 auch Daniel erfahren] Siehe die Historie von Bel zue Babel
im 14. Danielis/ nach der gemeinen übersetzung;
yc worinnen der
Griechischen Theodotionis nachgefolget ist.

675 Durch welchen Sidrach frey] Siehe Danielis 3:19. vndt
ferner/ wie Sydrach/ Mescac
yd/ vndt Habednego/ durch befehl
Nebucadnezars in den glüenden offen geworffen/ (dieweil sie das
bildt das er setzen laßen nicht anbeten wollen) vndt von dem Engel
darauß sindt erlöset worden. Vom vierdten hatt Nebucadnezar be-
kannt/ daß er sey gleich als ein Sohn Gottes. Welches andere an-
ders/ die Väter aber auff den einigen Sohn Gottes außgelegt haben.
Dann weil er über die andern Engel war/ hatt der Heidnische
Keyser/ der niemals
[76] vom Sohn Gottes etwas gelesen hatte/
geglaubt daß er es were/ vndt also gevrtheilt/ sagt Ambrosius
im 1. vom glauben. Siehe Tertull. im 4. wieder Marcionem: da er
diesen ort zwey mal also außlegt. Siehe auch denselbten wieder
Praxean: sampt den meisten von den Alten.

681 Laß deinen willen sich] Der Autor giebt nun zue erkennen/
daß der wille des gueten im menschen/ muß kommen von dem
jenigen/ der den willen im menschen guet gemacht hatte; der/
wie der Apostel sagt/ in vns wircket das wollen vndt das voll-
bringen.

683 vndt armer wille schwach] Vnser wille ist so in vns verter-
bet/ daß er in dem verterbten menschen entweder vngebürlich zum
bösen geneiget ist/ oder nicht gebürlich nach dem gueten stehet.
Vndt diß ists was Fulgentius in seinem buche von der verordnung
vndt Gnade/ fast mitt eben solchen worten sehr trefflich saget:
Wir gefallen Gott nicht es sey dann daß wir wollen: aber von
jhm wirdt es vns gegeben daß wir wollen/ von welchem wann
der willen des menschen nicht zum gueten verendert wirdt/

[Seite 371]


so sucht er entweder allzeit das böse/ oder stehet niemals ge-
bürlich nach dem gueten.

690 An rechte sicherung] Das ist die sicherung/ darvon der
Apostel redet/ Coloß. 2:2. allda er dieselbte
πληϱοφοϱίαν nennt/
das ist/ eine rechte vndt feste sicherung/ die in vnserm hertzen
erweckt wirdt von dem H. Geiste/ vndt kräfftig zeuget von der liebe
Gottes zue den menschen/ vndt sonderlich zue einem jeglichen be-
sonders; mitt der versicherung/ daß vns nichts scheiden könne von
der liebe Gottes in Christo/ vndt daß wir von jhm zur seligkeit ver-
ordnet sindt. Auß welcher sicherung/ als auß seinem brunnen/ daß
vnaußsprechliche seufftzen des geistes entspringet. Worvon gere-
det wirdt Rom 8:26. vndt das vnaußsprechliche vertrawen/ welches
rufft/ Abba Vater. Galat. 4:6.

691 Wie deine Märtyrer.] Die Märtyrer sindt die trefflichsten/
getrewesten vndt stärckesten sodaten der Herren Jesu; sindt auch
von jhm gewaffnet worden/ gegen das fleisch/ den todt/ die hölle/
vndt den teuffel mitt einem starcken/ vnüberwindtlichen/ Gött-
lichen glauben/ dadurch sie mitten in der pein/ als sie mitt dem geiste
über alle pein/ über alle macht/ über fleisch/ todt/ hölle vndt teuffel
gestanden/ mitt einem hohen vndt freyen gemüte/ jhren Herren/
capitein/ vndt meister bekandt/ gelobt/ gepriesen/ ja zue letzt
jhm auch gefolget ha-
[77]ben. Wormit sie vollkömmlich zue er-
kennen gegeben/ wie Athanasius wol sagt/ daß der Todt von jhrem
capitain allbereit überwunden were; den sie so wenig furchteten/
daß sie denselbten durch jhren glauben überwunden/ vndt jhnen
zun füßen legten.

701 Wir lassen Esau stehn.] Der Autor übergehet mitt still-
schweigen alle tunckele vndt vnnötige streithändel diesen punct
betreffendt/ wordurch (Gott sey es geklagt) die Kirchen an jetzo
zerrüttet werden; vndt leßt die jenigen darvon reden/ die es mitt
gewalt verstehen wollen. Wordurch es offtmals geschiehet/ daß
man jhm selber so viel zue thun macht/ daß man keine zeit hatt
den außdrücklichen willen Gottes in acht zue nemen/ vndt den-
selben mitt einem reinen hertzen zue bedencken. S. Augustinus
saget in seinen schreiben/ darinnen er handelt/ Wie man Gott
sehen solle/ sehr wol: Mich dünckt es sey mehr daran gelegen
denen sachen nach zue suchen/ daß man wiße wie man leben
muß/ als wie man reden muß. Dann die so vom Herren Jesu
Christo sanfftmötig vndt niedrig vom hertzen zue sein gelernt

[Seite 372]


haben/ sollen mehr frucht bringen mitt gedancken vndt ge-
beten/ als mitt lesen vndt hören. Er sagt auch/ er laße Esau
stehn/ weil er außer Christo war/ von dem dieser Lobgesang redet:
er war außer der Verordnung Gottes/ oder der Praedestination/
belangendt die Kinder Gottes/ die außer Christo/ vndt in den gott-
losen keinen platz hatt. Gleich wie auch niemandt in Christo/ oder
von Gott/ durch die Verordnung zum bösen gebracht oder ge-
zwungen wirdt/ wiewol Gott das böse zue vorhin weiß/ vndt das
verterben zue vorhin siehet; deßen vrsache das böse ist: nicht er
der guet ist/ vndt den menschen also geschaffen hatt.

[78] 702 warumb Gott kein behagen Zue jhm trug eh er war.] Der
Autor redet nun von der verwerffung vndt Erwehlung/ die eigent-
lich vnter der verordnung oder Praedestination begrieffen wer-
den: wie wol die Alten diß wort mehrentheils von der Erwehlung
allein gebrauchen. Durch diß dann das wir wißen/ daß Jacob so
wol als Esau in der erbsünde ist empfangen vndt gebohren worden/
vndt daß keiner von jhnen bey den mitt dem Glauben oder deß-
elbten krafft (als wie Pelagius meinete/ daß der glaube in der macht
der Natur were) ist empfangen vndt gebohren worden/ fragen etz-
liche/ warumb Gott Esau weniger als Jacob erwehlet habe. vndt
ob eine andere vrsach gewesen sey/ als das guetbedüncken des Her-
ren/ welcher sich erbarmet weßen er will Exod. 33:19. Röm. 9:15.
nemlich die sünde in Esau/ vndt daß er Gottes gnade verworffen
hatt.

705 Beginnt von vnten an.] Dieweil etzliche die vrsach der Er-
wehlung mitt macht vndt gewaldt erforschen wollen/ vndt höher
gehn als sie begreiffen können/ vndt diß zwar zue vnruhe jhrer
seelen/ wie auch zue zanck mitt jhrem nechsten/
ye kömpt der
Autor allhier/ vndt giebt den gottesfürchtigen einen gueten rhat/
in dem er alle schlechte einfeltige menschen anweiset/ wie sie
gerühiglich
yf vndt mitt frewden jhrer seligkeit die lehre der verord-
nung oder Praedestination gebrauchen/ vndt jhrer Erwehlung ver-
sichert sein sollen. Welches/ sagt er/ geschehen wirdt/ wann wir
von unten an/ das ist/ von den früchten/ vndt nicht von der vr-
sach der Erwehlung/ beginnen. So das ein jederer nachfolge den fuß-
stapffen des Herren Jesu/ seine augen habe auff alle dem was er
ge-

[Seite 373]

than vndt vns gelehrt hatt/ bitte vmb seinenyg geist/ vndt stehe durch
hülffe deßelbten ab von allen sünden/ verendere sein altes leben/
vnd beginne ein newes. Worauß er empfinden wirdt die krafft des
glaubens vndt die liebe Gottes/ welche das rechte zeichen der Er-
wehlung ist: also das er nicht weiter gehet/ noch von oben an-
fengt/ das ist von der vrsach der Erwehlung redet. Dann die so
sich vmb dieselbige zue sehr bekümmern/ begreiffen sie nicht/
vndt verlieren auch die früchte.

[80] 710 den du wirst offenbahren.] S. Augustinus/ als er von
dergleichen streit sachen redet/ Als dann wirdt man wißen (sagt
er) nemlich im ewigen leben/ warumb von zweyen kindern das
eine ist angenommen worden durch barmhertzigkeit/ vndt das
andere verworffen durch gerechtigkeit.

716 nur das er jhm es gab.] Nemlich/ den glauben/ der von
dem Herren kam. Der Autor hatt außgedruckt die Synodalischen
worte der Väter oder Bischoffe in Africa/ so deß glaubens wegen in
Sardinia verbannet worden/ welche von dieser Außerwehlung also
schreiben: Vorwar der Herr hatt in Jacob nicht erlesen noch
außerkohren die menschlichen wercke/ sondern die Göttlichen
gaben.

722 da wirdt von vns vertrieben Die ruhe/ die süße rhue.]
Dann in dem die menschen suchen das geheimnis Gottes/ verlie-
ren sie das erkendtniß Gottes; vndt in dem sie wißen wollen was sie
nicht wißen können/ laßen sie nach zu wißen das jenige was sie
wißen mußen. Wordurch sie letzlich auch verlieren (wie ein
Altvater wol sagt) die ruhe vndt frieden/ durch welchen sie
Gott verlieren. Vndt dencken nicht auff diß was vom Augustino
auch sehr trefflich gesagt wirdt/ Daß es besser ist an verborge-
nen sachen zue zweiffeln/ als von vngewißen zue hören.

725 wirdt vns der Sohn genommen] Ohn welchen niemandt
verstehen kan den willen des vaters; alß der durch jhn geoffen-
bahret ist. Darumb fallen die jenigen/ welche außer vndt ohn jhn
von Gott vndt seiner Natur wißen wollen/ in den abgrundt der vn-
wißenheit/ vndt werden ein spot des teuffels/ der vns allzeit ver-
sucht weg zue leiten von Christo/ damit er vns bringe von Gott:
zue welchem wir durch seine lehre vndt menschwerdung kommen
mußen. Dann der Sohn Gottes vereiniget vns auff zweyerley art

[Seite 374]


mitt dem Vater. Erstlich/ durch seine lehre/ weil er vns dadurch
bringet zue dem Vater: Zum andern/ durch seine menschwerdung/
weil er/ wie Cyprianus wol sagt/ das bandt ist/ welches vns mitt
dem Vater vereiniget: mitt vns menschen/ als mensch; mitt Gott
dem Vater/ als Gott vndt ein Gott. Wie er auch/ weil er im Him-
mel
[81] ist/ vnser fleisch bewahret zue einem pfande: vndt vns
seinen Geist allhier leßt zum gegenpfande. Darumb/ damit wir zue
Gott kommen/ mußen wir seiner lehr allein folgen/ vndt außer
derselbten nicht gehen: vndt/ damit wir mit Gott vereinigt werden/
mußen wir erstlich mitt jhm vereinigt werden/ durch seine lehre/
vndt den gebrauch der siegel derselbten. Welches die jenigen nicht
thun können/ die sich mitt vnnöttigem gezäncke vndt tieffen ge-
heimnißen zue sehr bemühen.

[82] 746 Dich suchen da du scheinst.] Daß ist/ da du wilst
erkandt sein; nemlich/ in deinem worte.

747 wie Moses dich erkandt.yh] Das es der Sohn Gottes gewesen
sey/ der das gesetze in Sina verkündigt hatt/ bezeugt die H.
Schrifft selber. Wie oben erwiesen ist auß dem orte Hebr. 11:26. Ac-
tor. 7:38. Siehe auch mehrentheils alle alte Väter/ so hierinnen
derselbten nachfolgen.

748 Mitt fewer gantz vmbringt.] Siehe Exod. 19:18. vndt von
da ferner. Wo beschrieben wirdt/ mitt was für vnaußsprechlicher
Majestet der Herr bereitschafft gemacht sein gesetze zueverkün-
digen. Die jehnigen welche den Heiden jhre ceremonien vndt ge-
setze gegeben haben/ als Minos/ Lycurgus/ Numa vndt andere/
damit sie jhnen bey dem Volck ein ansehen machten/ sagten das sie
dieselbten etwan von einem jhrer Götter empfangen hetten: Minos
vom Jupiter/ Lycurgus vom Apollo/ Numa von Egeria. Der Gott
der heerscharen ist mitt fewer/ mitt schrecklicher Majestet/
mitt grawsamen klingen der Posaunen vndt Trompetten/ mitt
vmgewütter vndt Donner auff den berg kommen/ vndt hatt allda
sein gesetze verkündiget: nicht allein größer an Majestet als alle
menschen/ sondern deßen gegenwart seiner Majestet wegen kein
mensch vertragen kundte. Siehe Exod. 24:17. wo die gegenwer-
ttigkeit des Herren ein verzehrendes fewer genennet wirdt. Dann
daß Moses allein für jhn kam/ kam allein von jhm/ der jhn
stärckete.

[Seite 375]

757 Vndt als dich Pharao.] Gleich wie die H. Schriefft vns klärlich
zue erkennen giebt/ daß es der Herr gewesen sey/ der das gesetze
verkündigt hatt/ worvon biß hieher ist
[83] geredet worden: also
lehrt vns auch dieselbige/ daß kein anderer dieses übertreffliche
mirackel/ zue beschützung seines volckes/ gethan habe als der
Herr Jesus; der nemlich in einer wolcken gestanden/ mitt Israel
gefochten/ vndt den Pharao letzlich in das meer gestürtzet hatt.
Dann Exodi im 14. cap. da diese historie beschrieben wirdt/ sagt
der H. Geist/ Daß der Engel des Herren gegangen sey vor dem
läger Israels/ vndt hernach sich hinter sie gemacht/ vndt hin-
ter jhnen gegangen sey. Nemlich im 19. verse. Vndt wiederumb
hernach im 14. cap.
yi daß Gott selber/ in einer fewersäulen/ vndt in
der wolcken/ seine augen auff das Egyptische läger gewendet/ vndt
solches geschlagen habe. Welchem die Väter recht gefolget/ vndt
es dem Herren Christo zuegeschrieben haben: Man ließt auch noch
einen Griechischen Lobgesang auff das begräbniß Christi/ welcher
sich anfengt: Der mitt dem waßer der see bedeckt hatt den ver-
folger/ Den tyrannen: der habe vnter der erden Bedeckt die
kinder des volckes welchen er damals geholffen hatt. Wie auch
einen andern Damasceni: der sich auch von selbigem mirackel
anhebt. Auff daß alle große seelen sich frewen/ wann sie dencken
vndt betrachten/ daß sie einen Seligmacher haben/ der/ auch da
er Gott allein war/ bey seinem Volcke gewesen/ jhm geholffen/
vndt seine feinde geschlagen hatt. Dann für die anderen/ welche
darmit spotten/ wirdt er ein richter sein. Der Autor aber hatt diß
hier nicht vergeblich einführen wollen/ sondern überall auff die
Schriefft vndt die Väter ein auge gehabt/ damit er beweisen möchte/
Daß wir den glauben nicht mußen leiten wohin wir wollen/
sondern folgen wohin er leitet: vndt den nachkommenen nicht
das vnsrige geben/ sondern diß bewahren was wir von den alten
haben. Wie Vincentius Lirinensis sehr wol sagt in seiner Vermah-
nung wieder die Ketzereyen.

759 Dein so erkohrnes theil.] Also wirdt das volck Israels ge-
nennt. Deuteron. 32. vom Mose in seinem trefflichen Lobgesange/
da er sagt: Dann des
yj Herren theil ist sein volck/ Jacob ist die
schnur seines erbes.

[Seite 376]

759 vndt erbschafft.] Daßelbige volck wirdt das erbe/ vndt
erbtheil/ oder erbschafft des Herren genennt an vielen orten/ als
1. Reg. 8:53.
yk Siehe auch Deuteron. 4:20. 2. Sam. 21:3. Psalm.
47:5. Zach. 2:12.
yl

759 herde.ym] Ist der Herr Christus/ wie oben gesagt/ vndt er sich
nennet/ ein hirte/
[84] so muß auch Israel/ welches eigentlich in
der ersten zeit vndt allein sein volck genennet wirdt/ auch seine
herde vndt vieh sein. Wie es auch geheißen wirdt an vielen orten.
vndt insonderheit beym Jerem. im 13:17. vndt im 23. cap.
yn im
2. auch kurtz hernach im 3. verse.

760 mitt dem winde.yo] Daß der Herr den windt gebraucht habe in
verterbung Pharaons vndt der seinigen/ erscheint auch auß dem
1. Lobgesange Mosis/ Exod. 15: da er sagt im 10. verse; Da ließest
du deinen windt blasen/ vndt das meer bedeckte sie/ vndt
suncken vnter wie bley im mächtigen waßer.

766 Wirst neben bey was wir.] Nemlich mensch/ das wir
sindt. Dann der Herr Christus/ wiewol er das fleisch annam/ blieb
doch gantz in dem Vater das er war: vndt wardt gantz in der Jung-
frawen das er nicht war: vns zue helffen auß dem jenigen das wir
waren/ vndt zue machen das wir nicht waren. Wir hatten nichts
von dem jenigen das er war: er hatte nicht das jenige das wir waren.
Biß das er angenommen hatt das jenige das wir sindt: vns mitt zue
theilen das jenige das er hatte. Welches allen trost vndt alle hohe
gedancken übertrifft. Vndt diß ists was Ambrosius sagt: Ich hatte
das seinige/ er hatte das meinige nicht/ auff daß er mir mit-
theilete von dem seinigen.

766 neben bey.] Diß wort ist nicht vergeblich oder vnkräfftig:
sondern zue verstehn zue geben/ daß die Gottheit nicht sey ver-
endert worden in die menscheit/ sondern daß die menscheit/ die
er nicht hatte/ angenommen wardt von der Gottheit/ die in jhm
blieb das sie war. Der Autor braucht das wort neben bey/ an zue
deuten daß er/ der von ewigkeit Gott war/ als er mensch worden/
nicht verlaßen was er war; wie Gennadius wol sagt/ sondern sich
neben bey/ erniedriget habe/ damit er würde was er nicht war.

[Seite 377]

768 Vereiniget mittyp dir.] Vnsere Natur ist mitt dem Herren ver-
einiget/ sagt der Autor/ solcher maßen/ daß er/ der des Vaters Na-
tur hatte/ auch des menschen Natur hat haben wollen. auff daß/
wie er eben derselbte bleibt mitt dem Vater/ in ansehung seiner
Natur/ da er ein anderer ist als der Vater in ansehung der person/
er auch/ als dieweil er zwo naturen hatt/ des Vaters vndt vnsere/
dennoch nur einer verbleiben solte in ansehung der person. Vndt
auff daß/ wie der Sohn nicht kan gescheiden werden vom Vater/
der einigkeit der Natur wegen/ auch der Mensch nicht solte geschei-
den werden von Gott/ als deßen Natur
[85] von dem Sohne Gottes
in einigkeit der person angenommen ist. Dann es eben derselbige
ist; Christus Gott/ vndt Christus Mensch: vndt alles beydes zue
troste des menschen. als der Gott gewesen/ Gott blieben/ vndt
mensch ist worden wegen des menschen.

769 So daß die menscheit.] Die menscheit/ sagt der Autor/
sitzt wo die Gottheit ist in Christo. das ist/ zur rechten handt des
Vaters. Vndt diß ists was von Ambrosio gesagt wirdt im 4. Vom
glauben: Daß wie wir zur rechten handt des Vaters in jhm
(nemlich Christo) sitzen/ nicht daß wir mitt jhm sitzen/ sondern
daß wir in Christo sitzen/ durch die vereinigung des leibes
Christi/ wir auch also in Christo leben/ durch die vereinigung
seines leibes.

769 So daß die menscheit.]yq Die menscheit ist in Christo erhaben/
wiewol die menschen noch zue dem nicht erhaben sindt: ja vnser
haupt ist erhaben/ vndt wir die glieder in dem haupte. Vndt darumb
sagt Maximus Taurinensis/ als er von diesem geheimniße redet:
Wo ein theil von mir regiert/ da glaube ich daß ich auch re-
giere: wohin mein blut erhaben wirdt/ empfinde ich daß ich
erhaben werde: wo mein fleisch verkläret wirdt/ da weiß ich
daß ich verkläret werde. Vndt ein wenig darnach: Dann wie
vnser Gott in jhm ist also ist vnser blut in jhm. Vndt darnach:
Dann vnser fleisch hatt vns in Christo lieb; weil wir sindt seine
glieder vndt fleisch
yr; wie der H. Apostel sehr wol sagt. Kürtz-
lich/ der Herr ist fleisch von unserm fleische worden in seiner ge-
burt/ wir werden fleisch von seinem fleische in vnserer wiederge-
burt. So daß wir notwendig in jhm sindt was er ist/ der
vnsert-

[Seite 378]

Vndt darumb lehret der Apostel 1. Cor. 6.ys Das wir Christi glieder/
ja nicht vnser eigen sindt: daß vnserer leib/ vnserer geist/
durch jhn vndt in jhm Gott zuegehören. daß der Herr vns erwecken
wirdt durch die krafft deßen der erwecket ist: an welchen wir
gebunden vndt fest verknüpffet sindt/ als wie glieder an einander;
vndt folgendes also/ daß die glieder allbereit in dem haupte erhaben
sindt. Wie er deutlich saget Ephes. 2:6. Daß der Herr vns sampt
Christo in das himmlische wesen gesetzt habe.

770 hatt gleiche macht bekommen In dir der beydes ist.]
Dieweil sie mitt der Gottheit in eine person vereiniget ist. Vndt
darumb sagt Chrysostomus über die Epistel an die Hebreer gar
recht: Es ist eine sache die groß/ die schrecklich vndt wunder-
barlich ist/ daß vnser
[86] fleisch oben sitzet/ vndt von den
Engeln vndt Ertzengeln vndt Cherubin vndt Seraphin ange-
betet wirdt. Welches wann ich offtmals betrachte/ gehe ich
außer mich selbst/ vndt kriege ein großes gefallen an dem
menschlichen geschlechte. Vndt auch sehr billich/ als welches
der Herr Christus mitt einem dreyfächtigen bande in sich vereini-
get hatt: Erstlich/ seiner ewigen erwehlung/ damit er vns zue
seinen gliedern erkohren hatt: zum andern/ vnsers fleisches/ das
mitt jhm in einer Person vereiniget ist: zum dritten durch das
bandt seines Geistes/ der vns vollkömmlich in vndt mitt jhm
vereiniget.

777 Damit nun vnsrer sinn.] Zue beschließung des Lobge-
sanges deutet der Autor an das wie die menschheit im Herren
Christo mit der Gottheit also vereiniget ist/ daß kein mensch/
ohn den Mittler zwischen Gott vndt menschen/ den menschen
Christum/ zue Gott kommen kan; also auch derselbige vns ein
mittel hinterlassen hatt/ mitt jhm vollkömlich vereinigt zue werden:
nemlich die speise seines fleisches/ den tranck seines blutes. Wo-
rinnen das leben der gleubigen/ die mittel des leichnams vndt des
geistes deßelbigen theilhafftig zue werden/ vollkömlich bestehen.
Wie dann auch diß das rechte brodt der Engel ist/ darvon der Pro-
phet David redet/ Psalm 78:25. die rechte malzeit der seelen/ das
ware manna der gnaden/ welches den hunger vertreibt in ewigkeit
weil es ist das brodt von ewigkeit. Das Himmlische brunnenwaßer
welches
[87] den durst stillet/ weil es kömpt auß dem felßen der
wegen dahin kommen wo wir sindt/ vndt worden ist was wir sindt.

[Seite 379]


Christus war/ wie der Apostel wol sagt/ 1. Corinth. 10:4. welches
vnsere seele also nährt/ daß wir in das jenige was wir nemen auff-
genommen/ in das jenige was wir eßen verendert werden. Wann
wir deßen genießen wie wir sollen/ mitt einem festen glauben/
einem reinen gemütte. So das der Herr gleichsam in vns vndt für
vnsern augen gecreutziget wirdt/ durch das gedächtniß seines lei-
dens: vndt wir in jhm/ durch das tödten vnsers lebens.

781 nur nicht durch täglichs brodt.] Das ist/ durch vergäng-
liches brodt/ oder das tägliche brodt/ darumb wir in dem gebete
vnsers Herren täglich bitten. Wiewol S. Augustinus/ über die worte
des Herren bey S. Luca/ auch daß brodt darumb wir bitten/ auff
diß brodt deutet: wie auch Cyprianus in seiner außlegung über das
gebet des Herren/ neben noch andern Vätern; weil sie deßelbten
täglich zue genießen pflegten.

786 Wir lauffen mitt dem geist’ auch inner deine wunden.]
Cyprianus sagt von diesem Sacramente in seinem buche welches er
darvon geschrieben: Wir hangen hierdurch an dem creutze/
wir saugen hierdurch das blut/ ja wir stecken gar hierdurch
in den wunden vnsers Seligmachers.

787 vndt mesten vns.] S. Augustinus/ über die worte des Herren
bey S. Luca: Es ist wenig/ sagt er/ das wir empfangen/ vndt
werden in dem hertzen gemesstet: dann das jenige nähret was
wir glauben; nicht was wir sehen.

[88] 792 o großer Pelican!] Siehe hievon in der außlegung so vnten
folgt/ da alle solche worte vndt art zue reden weitleufftig erklärt
werden.

796 biß das wir truncken sein.] Cyprianus an erst gedachtem
orte: Wie trefflich ist der kelch/ wie heylig ist diese truncken-
heit da durch wir auß vns selber gehen/ vndt gehn zue Gott:
vergeßen das vorige/ strecken vns auß zue dem folgenden.
Vndt kurtz hernach: Diese trunckenheit steckt die sünde nicht
an/ sondern lescht sie.

800 Zertreten Behemoth.] Also nennt der H. Job. 40:10.yt wie
etzliche sagen/ den Elephanten: wie andere/ alle große vndt
schreckliche thiere; zue verstehen zuegeben/ die macht des Her-
ren. Der Autor hatt das wort hier gebraucht für alle gewalt/ son-
derlich des teuffels.

[Seite 380]

800 stehn auff Leviathan.] Also wirdt in selbigem cap. Job. v. 20.
der wallfisch genennt/ oder/ wie etzliche meinen/ alle grosse
fische des meeres. Wie Esai. 27:1. daßelbige wort für den großen
Drachen/ das ist/ den teuffel genommen wirdt. Da Procopius ver-
zeichnet/ daß das wort Levithan ein eigner namen ist/ vndt also
bey den Hebreern gebraucht wirdt; jedennoch aber den teuffel be-
deutet. der nicht allein/ sagt er/ schlange/ drache/ sondern auch
walfisch/ basiliscus vndt Löwe in der Schrifft genennet wirdt. Der
Autor gebraucht sich mitt dem Propheten Job aller beyden worte/
anzuedeuten/ alle gewalt vndt kräfften/ die den menschen er-
schrecken können/ oder die jhm zue mächtig sindt.

801 Erlöser.] Verstehe hierunter den namen Jesus.

801 Gesalbter.] Verstehe den namen Jesus.

[89] 802 Der du wirst ewig sein/ vndt ewig bist gewesen.]
Apocal. 1:4.
yu

803 O Alpha sey gelobt.] Das ist/ der anfang: wie das Alpha
bey den Griechen der erste buchstaben ist vndt bey vns das A. Also
wirdt der Herr genannt Apocal. 1:8. vndt 11.

804 O mega sey gegrüßt.] Das ist/ das ende: weil das Omega/
das ist/ das große O/ der letzte buchstaben in der Griechischen
sprache ist. Als wie auch Christus das ende aller dinge ist. Apocal.
1:8. vndt 11: Ich bin das A vndt O: der erste vndt der letzte.
Vndt Wer solte jhn nicht preisen/ (sagt Gregorius/ als er von
der geburt des Herren redet) der von anfange ist? Wer solte jhn
nicht loben/ der der letzte ist? Wer ferrnere außlegung auff diese
buchstaben haben wil/ in ansehung daß sie auff den Herren Chri-
stum gedeutet werden/ lese Tertullianum in seinem buche
De
Monogamia, Epiphanium in seinem Ancyrato/ der dieselbten auff
die zwo naturen im Herren deutet: vndt Originen
yv über Jo-
hannem. Wir sollen vns an die worte des Heiligen
Johannis halten/ vndt darbey bleyben.

Ende der Geistlichen auß-
legungen.

[Seite 381]

yw

DEr Autor hatt diesen Lobgesang also geschrieben/ daß er zue-
weilen sich etzlicher Poetischen wörterer
yx/ anstadt anderer/ welche
gemeiner sindt/ hatt gebrauchen wollen. Als da er die see Tethys/
das waßer/ Achelous genennt hatt. Welches dann niemandt ta-
deln kan/ als wer die alten Lehrer/ denen er/ als den gelehrtesten
vndt Gottseligsten nachfolgern der Propheten vndt Apostel/ auch
darinnen folgen wollen/ nicht gesehen noch gelesen hatt. Vnter
denen S.Augustinus nicht der geringste/ vndt der keine Poesie ge-
schrieben/ im buche vom verstande der Christen die lehre be-
treffendt/ das wort Tethys ingleichen für die see gebraucht hatt. Ja
was mehr ist/ S. Ambrosius in seinem 3. vom Glauben/ hatt sein
erstes capitel wieder diß volck geschrieben/ Die sagt er wann sie
nichts wißen im glauben zu tadeln/ so tadeln sie etwas in wor-
ten. Vndt erweiset/ daß der H. Apostel Paulus Actor. 17:28. sich gar
hatt dürffen der worte des Poeten Aratus gebrauchen/ da er mitt
denen von Athen redet. Vndt das die Propheten selbst/ nach der al-
ten übersetzung/ Poetische worte gebraucht haben. Zum exempel/

Gigantes, Valles Titanum, vndt beym Esaias vndt Jeremias/
Sirenes, filiae Sirenum, welche worte von den Poeten entlehnt sindt.
hatt gleich der Autor das wort
Cocytus gebraucht/ als er von der
höllen vndt ihrem pfuhl redet: so kan er doch sagen/ daß eben
daßelbte gelesen werde in der Alten übersetzung Job. 21:33. Hatt
er das wort Pytho/ für den teuffel/ daß ist/ die rechte schlange ge-
braucht so wirdt er vnterschiedene örter auß der H. Schrifft an-
ziehen/ wo eben diß geschehen ist. Alß Deuteron. 18:11. 1. Reg.
28:3. vndt 7.
yy Wie auch 2. Reg. offtmals. Esai 8:19. 19:3. 29:4.
Actor. 16:16. In welchen orten diß wort nicht allein für warsäger/
sondern auch für den bösen geist/ von den Dolmetschern genom-
men wirdt. Als wie in dem letzten orte der Griechische text auch
selbst hatt/
πνευ̃μα Πύϑωνος, der Geist Pythons. Worauß ge-

[Seite 382]

nungsam erscheint/ daß der H. Geist die lehre der Heiden ver-
worffen habe/ aber nicht die worte. Diß sey dann allein für
[91]
die jenigen/ die ohn wissenschafft vrtheilen/ vndt meinen nach
jhrem vrtheil; als wie sie auch vrtheilen nach jhrem verstande.

174 Der mitt dem plitze spielt.] Der Autor hatt auß gedruckt
das Griechische wort
τεϱπικέϱαυνος, welches der Poet Homerus ge-
braucht hatt. Das ist der mitt dem plitze spielt/ oder/ sich er-
getzet. Vndt schreibt daßelbige mitt beßerem rechte dem lebendi-
gen vnd einigen Gott zue.

217 Neptunus.] Die namen dieser Götter sindt oben kürtzlich er-
kläret. Der Autor sagt/ das da der Herr Jesus in das fleisch kam der
der rechte vnd ware Gott mitt dem Vater war/ sey alles was er ge-
macht hatte vnter die abgötter außgetheilt gewesen: nicht anders
als eines sein guet getheilet wirdt/ der abgestorben/ oder außer-
halb landes ist/ vnd für tod gehalten wirdt. Dem Jupiter/ welcher
bey jhnen der Gott des Himmels war/ hatten sie den Himmel gege-
ben/ dem Neptunus dem
yz Gott der see die see/ dem Pluto dem Gott der
hellen die hölle. So daß von allem was gemacht war nichts übrig blie-
ben ist für den Schöpffer der alles gemacht hatte. Vndt diesen gantzen
ort hatt der Autor genommen auß seiner Tragoedie/
Infanticidium,
oder der todt der vnschuldigen kinder genannt/ die Herodes vmbge-
bracht;* welche noch nicht ist herauß gegeben.

* Sie ist herauß kommen diese Michaelismesse/ vnter dem titul: Dan.
Heinsii Herodes Infanticida.za

225 Der Obrist’ über sie.] Jupiter: deßen schändliche wollüsten
vndt Hurereyen vom Homerus vnd andern Poeten beschrieben
werden. Worauß die Väter Tertullianus/ Cyprianus/ Arnobius/
Lactantius/ Minutius Felix/ Cyrillus/ Nazianzenus/ Theodoretus
vndt mehr andere/ gegen die Heiden beweisten/ das es kein Gott
sein könne/ der als ein ehebrecher von seinen eigenen dienern be-
schrieben wirdt.

228 Wirdt baldt ein weißer Schwan.] Die Poeten sagen/ Jupiter
habe sich in einen schwan verendert/ als er bey Leda der Helenen
muter gelegen.

228 vndt baldt ein falscher Stier.] Da er sich zue Europa ge-

[Seite 383]

sellete. Siehe Ovid. 2. Metamorph. Moschum in seiner Europa,
Apollodorum in seinem 3. Hyginum, vndt andere.

229 Was alle welt sonst strafft.] Auß der erst erzehlten Tra-
gedie/ da der Autor sagt:

zb Quodcunque lex coercet, aut damnat pudor,
Virtus Deorum est.

Vndt:

Quod quisque peccat, Graia gens caelo dedit,
Colitque in aris. Roma suscepit nefas
Misitque in omnes, velaque errori suo
Pedemque laxat: Qua triumphatas videt
Sol ire gentes, et Quiriti limitem
Unaque terris figit extremum mare,
Arae sequuntur, templaque, et magni Dei
Gentis Latinae, sacra Victoris sui
Unaque habenas barbarus discit puer.
Qua serus Ister claudit errantes viros,
Cultorque Mithrae Tigris, et fluctu minor
Inobsequentes volvit Euphrates aquas,
Pontisque Araxes immemor terram premit,
Ubique Roma est: illa quos fecit Deos,
Indixit orbi.

236 Leßt seine Sonne stehn.] Dann die Persianer hatten die Sonne
zue jhrem Gott/ die sie Mithram nennten.

237 Vndt da Araxes laufft] Ein fluß in Armenien. Der Autor
nennt denselbten hier brückeloß/ wegen seiner geschwindigkeit
vndt vnsinnigkeit die keine brücke vertragen kan. Vndt hatt ge-
sehen auff
zc diß was Virgilius von jhm gesagt hatt:

pontem indignatus Araxes.zd
Araxes der sich grimmig regt/
Vndt keine brücke nicht vertregt.

239 vnartig] Der Autor nennt die Scythen vnartig (oder vn-
freundlich) weil sie von den Griechen
ἄξενοι, daß ist/ vnfreund-
lich/ vndt feinde aller gäste vndt frembdlingen genennt werden.

[Seite 384]

240 Vndt auff den wagen lebt.] Die Poeten vndt andere Auto-
ren schreiben/ daß die Scythen auff wagen leben/ vndt also jhre
eygene häuser fortführen/ wann sie verreisen.
[93] Darumb wer-
den sie auch von den Griechen
ἁμαξόβιοι, daß ist/ völcker so
auff wagen leben/ genennet.

243 Läufft nach Eleusis zue.] Eleusis war eine stadt in dem
gebiete der Athenienser/ da Ceres bey nachte gefeyert wardt; vndt
diese feste oder heilige nächte worden
Sacra Eleusinia genennet;
darvon die Athenienser so viel hielten/ das sie dem Hercules den
zuegang zue denselbigen verweigert haben: vndt worden so heim-
lich vndt mit solchem einhelligen schweigen gefeyret/ das man
von den jenigen welche schweigen/ vndt etwas sehr verbergen/
das sprichwort gebraucht hatt: Die Athenienser halten das fest
des Eleusis. Vndt darumb nennet es vnserer Autor in obgedachter
seiner Tragedien
furorem tacendi daß ist/ ein wahnsinnigkeit
oder/ vnsinnigkeit des schweigens. Vndt diß ist/ die ketzerey
der Eleusis/ darvon Tertullianus in seinem buche gegen die Va-
lentinianer redet/ vndt sagt/ alles was sie schweigen/ ist schande
zue erzehlen. Siehe bey ihm die vrsachen.

243 nimpt fackeln in die handt.] Vorgemeldete nächte der Eleu-
sis worden gefeyert zue ehren der Ceres/ die jhre tochter Prosper-
pina mitt brennenden fackeln gesucht hatt/ nach dem sie vom
Pluto entführt worden: Vndt darumb worden in denselbten auch
fackeln angesteckt/ vndt mit der handt geschüttert. Worvon Sene-
ca in
Hippolyto, Euripides/ Claudianus/ vndt andere.

246 Vndt sucht Osiris sehr.] Dann Osiris war bey den Egyptern
derselbige/ der Bacchus bey den Griechen war: welcher/ als jhn sein
bruder Typhon zerrießen/ allererst
ze von Isis gesucht wardt. Welches
die Egyptier mitt großem getümmel vndt abgötterey nach thaten.

247 Das weitberhümte kalb.] Der Autor versteht Apis. Also
nannten die Egiptier das kalb welches sie anbeteten: Vndt das die
Israeliter nach machten/ Exod. 32:4.

247 an einer seyten bundt.] Weil das kalb welches sie anbeteten
vndt Apis hießen/ eine weiße plaße (wie Plinius bezeuget) an seiner
rechten seiten hatte; fast wie die hörner des Mondens/ wann er an-
fängt zue wachsen.

248 Den wilden Crocodil.] Ein wolbekandtes thier in dem Egyp-

[Seite 385]

tischen waßer Nil; welches die Egyp-[94]tier anbeteten. Der Autor
nennet es wildt/ weil es auch offtmals der jenigen kinder ver-
schlungen/ die es angebetet haben. Siehe vnter andern
Maximum
Tyrium im 38. gespreche.

248 Anubis] Siehe Plutarchum im buche von der Isis.

250 Helt viel auff Aarons rock.] Der Autor versteht die kleidung
Aarons/ darvon geredet wirdt Exod. 28.
zf da der Herr dem Moses be-
fiehlt im 2. vndt 3. verse/ daß er Aaron solche kleider solle machen
laßen/ als jhm zum dienste von nöthen weren. Insonderheit aber/
weil er vom rocke redet/ versteht er den langen rock/ der biß zun
füßen des Aarons gieng/ voller augen/ gleich wie das werck ist/
welches wir Partrysoogen (Rebhünner augen) nennen; da ein
anderer viel kürtzerer darüber gezogen wirdt/ Meghil Ephod ge-
nannt/ daran granaten vndt glöcklein hingen. Siehe S. Hierony-
mum im buche von Aarons kleidung.

282 Tritt Tityrus herbey.] Tityrus vndt Corydon sindt bey den
Poeten/ Theocritus vndt Virgilius/ namen der hirten/ welche der
Autor hier für alle hirten gebraucht/ wie Luc. 2:9. 10. 11. vndt
ferner gesagt wirdt/ daß die Engel die geburt des kindes den hirten
zum aller ersten angekündigt; Vndt das sie nach Bethlehem gegangen
sindt/ vndt das kindt besucht haben.

292 Nicht Daphnis alte pein.] Auch ein namen eines hirten/ von
deßen tode vndt betrawrung man sagt/ daß die aller ersten hirten
lieder gemacht sindt. So daß es beym Theocritus ein sprichwort ist:

τὰ Δάφνιδος ἄλγεα: Die pein oder schmertzen des Daphnis/ da
die hirten bey demselbten von großem betrübniß reden wollen.

292 Melibeus.] Auch ingleichen eines hirten name.

293 Romulus wölffinn.] Von der die Historienschreiber vndt
Poeten sagen/ daß Romulus vndt Remus seyen erzogen vndt ge-
nährt worden. alß dann Livius/ Dionysius/ Plutarchus/ Virgilius/
Ovidius/ Propertius vndt andere bezeugen.

329 Gleich wie der schöne stern.] Der Autor scheint das gleich-
niß 2. Reg. 23:4.
zg im sinne gehabt zue haben/ Gleich wie das liecht
vom morgen des morgendts scheinet ohne wol-
[95]cken/ vndt
gleich wie durch den regen das kraut herfür scheußt auß der
erden. Wiewol es hier anders gebraucht wirdt.

[Seite 386]

348 Plejas.] Plejas ist das siebengestirn.

349 Orion geht durch jhn.] Ein zeichen im himmel bey dem
andern/ Taurus genannt.

350 steht mitt dem bloßen degen.] Weil die Poeten sagen/
Orion stehe mitt einem bloßen gewehr im himmel/ vndt drewe.

351 Der wagen.] Das himmlische zeichen/ im Latein Ursa ma-
jor, von den Griechen ἅμαξα, das ist/ der wagen genannt.

352 Der auß der kalten flut.] Der Autor hatt dem Homerus
gefolgt/ welcher von diesem himmlischen zeichen also sagt:

[griechische Textstelle].zh
Vndt Arctos den man auch den wagen offtmals nennt/
Der so die kalte flut der Tethys nimmer kennt.

352 der Tethys.] Das ist/ der see. Dann die Poeten sagen/ daß
Tethys des Oceans haußfraw sey.

362 Laß jhm den purpurrock.] Der Autor versteht den rock/
den die Keyser vndt Feldtobristen der Römer anzogen/ wann sie
triumphirten:
zi den sie nenneten Togam palmatam; vndt von pur-
pur mitt sternen gestickt war.

363 die Thonaw vndt der Rein.] Das ist/ Germania. Dann auch
der Ister (oder die Thonaw) wie wir wißen/ daselbst entspringet.
Wir wißen auch/ daß der Keyser Augustus durch seinen stieffsohn

Drusum ein wenig für dieser zeit den ersten sieg auß Germanien
erlangt hatt/ welchen nachmals Tiberius vndt Germanicus ver-
mehrt haben. Wiewol mich bedünckt/ daß man dieses bequemer
verstehen möge von der gräntzen des Römischen Reiches; welches
vom Augustus biß auff Trajanum seine vollkommene größe ge-
habt; darvon auch Au-
[96]gustus die gräntzen/ in Ost den Eu-
phrates/ in West den Ocean/ in Nort den Ister vndt Rein erstlich
gesetzt hatt.

366 Biß auff Tarpejus berg.] Einer von den sieben bergen zue
Rom/ sonst
Mons Capitolinus genannt; auff den die Feldtherren
stiegen/ wann sie triumphireten.

[Seite 387]

371 Daß Sina frölich werd’.] Der berhümbte berg in der wüsten
oder wildtniße Pharan in Arabien/ auff dem das gesetze gegeben
wardt/ vndt darauff der Herr mitt Moses redete/ mitt beseitschaf-
fung darvon alles volckes/ der gegenwart seiner majestet wegen.
Exodi 19. vndt 20.

372 Jordanes trost gewinn’.] Ein Fluß in Judaea/ wo die lade
des bundes durchgegangen ist. Josue 4:11. vndt worinnen der
Herr Christus/ die rechte lade des bundes/ ist getaufft worden;
Matth. 3:15.

371 vndt Basan komm’ herbey.] Das landt des Königs Og/ das
zum theil an den halben stam Manaße gefallen war/ vndt der berg
in demselbigen gelegen; deßen die H. Schrifft offtmals erwehnet.
Als Psalm 68. wirdt gesagt/ daß der Berg Basan/ ein berg Gottes
sey/ vndt voll hoher klippen.

372 vndt Sion lustig sey.] Der erkohrene berg Gottes/ inner
dem alten Jerusalem/ darauff der Palast Davids stundt/ vndt sein
grab. als wie die Römischen Keyser auff dem berge/
Mons Pala-
tinus genannt/ wohneten.

374 Vndt seine palmen trug’.] Dann Idumea war voller palmen/
welche auch bey den Römern den sieg bedeuteten/ vnd in der vic-
torie gebraucht worden; als wie auch das wort
palma selber für die
victorie genommen wirdt.

375 die Cesar selber tregt.] Es war bey den Römern gebräuchlich/
daß der Feldtobriste nach dem triumphe auff das Capitolium auff
seinen knien kroch/ vndt daselbst wartete biß jhm die botschafft
gebracht wardt/ daß die gefangenen/ denen es sich gehörte/ vmb-
gebracht weren. So baldt er die bottschafft empfangen hatte/
gieng er vndt legte einen lorberzweig in die schoß des Jupiters/ der
allda gefeyert wardt.

488 Der Amphitrite selbst.] [97] Des Neptunus haußfraw/ des
Oceans vndt der Doris tochter/ die von den Poeten für die see ge-
braucht wirdt; als wie auch hier.

489 du solt die großen plagen So von dem Monden sindt.]
Der Autor versteht die kranckheit/ welche man im Latein
morbum
Lunaticum, das ist/ die Mondensucht/ oder morbum comitialem:
wir aber die fallende sucht nennen. Siehe Matth. 4:24.zj vndt 17:15.

495 Vndt Achelous naß.] Ein name eines alten flußes/ von dem
die Poeten alles waßer also genennet haben: Als Aristophanes/

[Seite 388]


Virgilius/ vndt andere: wie auch der Autor allhier selber thut/ der
hierunter das mirackel versteht/ so geschehen in Cana Galilaea/
Johan. 3.

537 Der vater Atlas.] Ein König in Mauritanien: von dem die
Poeten sagen/ daß er in einen berg verendert sey/ vndt noch auff
seinen schultern den himmel trage.

543 biß an Cocytus pful.] Ein höllischer fluß/ der von dem ge-
häule vndt gethöne/ welches daselbst gemacht wirdt/ den namen
hatt.

545 Der tolle Cerberus.] Der dreyköpffichte hundt; von dem
die Poeten sagen/ daß er die thür der höllen bewahre.

549 Tisiphone.] Weil die Poeten sagen/ es seyen in der höllen
drey Furien/ oder Göttinnen der wahnsinnigkeit/ welche die bösen
plagen. Tisiphone/ Alecto/ Megaera.

551 Phlegethon.] Ein höllischer fluß/ also genannt/ weil er
allzeit brennet. Vom Griechischen worte
φλεγὲϑειν.

553 Gleich als auch Etna scheußt.] Der berhümbte berg in
Sicilien/ so allzeit brennet.

554 Ein’ vngegründte see.] Der hochfliegende Pindarus geht
niergendt so hoch/ als in seiner beschreibung des berges
Aetna,
vndt des Typheus der darunter liegt; im ersten liede seines andern
buches/
Pythionica genannt/ welches andere sonsten falsch
Pythia nennen. Vndt darumb haben die alten (vnter andern Ma-
crobius im 5. buche
Saturnal. im 17. cap.) des Pindari ort mitt des
Virgilii/ so mehrentheils auß jenem genommen/ vergliechen vndt
gegen einan-
[98]der gestellt. Wie auch zue vnserer zeit vom großen
Scaliger geschehen ist. Pindarus sagt vnter andern/ daß auß
den innerlichsten winckeln des berges fewer quelle gespeyet
werden; vndt daß gantze flüße der flammen herauß kommen/
die eine flut von schwartzem rauche herauß giessen. Welche
treffliche hohe worte der Autor außgedruckt/ vndt ihnen nach-
setzen/ ja auch zum theile das jenige hatt verbeßern dürffen was
Pindarus gesagt/ in dem er nicht allein von fließen vndt quellen/
sondern gar von einer gantzen grundtlosen see der flammen redet.

Gleich als auch Etna scheußt auß seinen tieffen klüfften

Ein’ vngegründte see der flammen in die lüfften.zk

[Seite 389]

555 In der Typheus steckt.] Typheus oder Typhon/ ein riese also
genannt/ gebohren von Terra: der/ als er den himmel bestreiten
wollen/ wie die Poeten sagen/ vom Jupiter vnter den berg Ina-
rime; oder/ wie Pindarus/ Strabo/ Ovidius/ vndt der Autor wol-
len/ vnter den berg Etna ist geworffen worden. Worbey sie auch
sagen/ daß/ so offt er sich rhüre/ die gantze insel darvon erbebe.
Welches anders zue verstehen ist. Dann daßelbige wort bedeutet
einen starcken wirbelwindt/ der das schwefel so in dem berge
liegt ansteckt; vndt weil solches nicht ohn großes krachen ge-
schiecht/* sagt der Autor/ das Thypheus einen schrey von sich
gebe.

* Heinsius: en geeft van onder eenen schreeu.

557 Trinacria.] Die insel/ sonst Sicilien genannt/ bey Italien.

729 Gleich als Bellerophon.] Ein Sohn Glaucus/ von dem die
Poeten sagen/ daß er das fliegende pferdt Pegasus gezäumet/ vndt
darmit gen himmel zue fliegen versucht habe/ durch hochmuth vndt
hoffart.

731 Pegasus.] Das fliegende pferdt des Bellerophons/ wie erst
gesagt.

731 vndt gleich als Phaeton.] Der Sohn des Apollo vndt der Cly-
mene/ von welchem die Poeten sprechen/ daß er auff seines Vaters
Apollo wagen zue sitzen versucht habe/ vndt von seinen pferden
sey abgeworffen worden/ daß er auß dem himmel auff die erde
gefallen.

792 o großer Pelican!] [99] Die alten sagen/ der Pelican sey von
solcher art/ daß er jhm selbst die brust auffhacke/ vndt mitt dem
blute so herauß laufft seine jungen speise. Andere sagen/ wie
auch Epiphanius in seinem buche
Physiologus genannt/ daß des
Pelicans junge/ wann sie von der muter zuetode gefretzet
zl worden/
durch das männlein auß gar zue großer liebe wiederumb zum leben
gebracht werden/ als welches seine seite verwunde/ vndt sie mitt
dem blute welches herauß läufft wiederumb erwecke. Eines so
wol als das andere schicket sich trefflich auff den Herren Jesum/
vndt darumb wirdt auch diß gleichniß hundert mal bey den alten
Theologen gefunden: ja in allen alten häusern vndt kirchen/ wo
der Herr an dem creutze hangt/ siehet man einen Pelican bey

[Seite 390]


jhm gemahlt vndt gemacht stehn. Wiewol die jenigen/ welche die
Natur des Pelicans recht kennen/ diß auff keinerley weise können
für warheit-gemeße halten. Der Pelican ist der vogel/ der vom
Plinius
Platea, vom Cicero Plateala, vom Plinius/ Hieronymus/
Eucherius/
Onocrotalus, von vns löffler oder löffelgans genennet
wirdt; hier zue lande wol bekandt vndt gemein: mitt einem breiten
schnabel (darvon er auch den namen hatt) vndt also vnbequem sei-
nen leib zue durchbohren; wiewol er scharff gemahlet wirdt. Vndt
scheinet diß darumb viel eher eine eigenschafft zue sein
eines andern Vogels in Egypten/ den alten beßer
als vns bekandt; von dem die Väter diese
eigenthümber
zm genommen/ vndt so
viel überall schreiben.

Ende.

[Kolophon: siehe Einleitung]


Fußnotenapparat

a am Rand:

[Nur in B, C, E:]

b Über Heinsius s. Nr. 17, Anm.
40, S. 67. Das Zitat stammt aus
dem Vorwort zu dem von Pe-
trus Bertius
edierten Sammel-
werk Illustrium et clarorum vi-
rorum epistolae selectiores, Lei-
den, Elzevir 1617. Die drei
Wörter in Klammern fehlen
dort jedoch.
c am Rand:

[Nur in B und C:]

d Gerbrand Adriansz. Bredero-
(de), 1583–1617, niederländi-
scher Lyriker und Dramatiker.
Das Zitat entstammt der Wid-
mung seines letzten Stückes
De Spaansche Brabander Jero-
limo.
Abweichungen in BC
sind unwichtig.
e am Rand:

[Nur in X und B:]

f am Rand: [A 2a]
g zue] zur B
h vnd die] die aber/ B
i Vrsach B
j gerissen/ B
k warlich nur] nichts als B
l Dafür
m unsers B
n anlesset B
o wol geneiget] hold B
p am Rand:

[Nur in X und A:]

q am Rand: [A3a]
r vnderweilen A
s mehrertheils A
t gebrauch] Brauch A
u vnder
v das er] der Dkf A
w auffmunderte: A Dies Gedicht
druckte Opitz mit andern Emp-
fehlungsgedichten vor dem Fünf-
ten Buch der Sammlung
B wie-
der ab; die Überschrift lautet
dort:
»Lepidissimo suo Opitio,
etc.«
x nutze A Trostgedichte A
y Judlandt A
z gedichte A
aa Heinsius hatte den Lobgesang
dem Herrn Jacob van Dijck
gewidmet; aus den Schriften
des Vorstoßes erhellt nicht,
wer der »Landtsmann« war.
ab tadlen A
ac jemand verdencken = übel
denken von jemand
ad Sterne/ A
ae Keine Auszeichnung des Zitats
in
A. Siehe hierzu S. 381.
af Höllen A
ag dasselbe] dasselbige A
ah 1. Reg. = 1. Sam.; desgl. 2.
Reg. = 2. Sam. nach anderer
Zählung
ai /die ... sind. fehlt A
aj am Rand:

[Es folgt in B, C, E:]

ak Hamilton, der sich so nach der aus Schottland stammenden Familie
seiner Mutter nannte, hieß eigentlich Albrechtsen und war ein Sohn des
Bürgermeisters von Kopenhagen. Seit Januar 1619 war er als Hofmeister
des Junkers Friedrich Buchwald auf Reisen; in Heidelberg hatte er sich
am 14. Dezember 1619 inskribiert und war gleich in ein enges freund-
schaftliches Verhältnis mit Opitz gekommen. (Siehe die Empfehlungs-
gedichte .c und .d in Sammlung A und Opitz’ Erwähnung in Sammlung B,
im lateinischen Gedicht an Tobias Hübner, S. 174, Zeile 13.)
Als sich Opitz im Herbst 1620 entschloß, Heidelberg zu verlassen, über-
nahm er Hamilton-Albrechtsens Schützling Buchwald und reiste mit ihm
in viermonatlicher Fahrt über Leiden nach Dänemark. Hamilton dagegen
ging über die Schweiz nach Frankreich, wo er sich noch 1623 aufhielt.
Siehe Carl Roos, ›Das erste Bekanntwerden der dänischen Kaempe- oder
Folkevise im Ausland‹, Orbis litterarum VI (1948), S. 100–114.
al Überschrift Ad Clarissimum
... cum illum Opitius hoc hymno
... Heidelbergae donaret. CE
am am Rand:

[Nur in Y:]

an am Rand:

[):(1b]

ao Georg Rudolf, 1595–1653, stand
im Ruf großer Frömmigkeit.
1614 (öffentlich erst 1616) war
er zum Calvinismus überge-
treten; allerdings kehrte er
noch vor 1622 zum Luthertum
zurück.
ap Gorthener etc.: Da es sich nicht
um literarische Begriffe oder
sprachliche Probleme handelt,
hat Hrg. nicht glossiert. Siehe
die Auslegungen S. 318 ff.
aq bittet] Aus bietet geändert
ar das Ruder (= Riemen, Ruder-
stange) ist zwar länger als die
Elle, doch ist auch seine Reich-
weite zum Ausloten von Tiefen
beschränkt.
as ansprengen = angreifen
at stimmen = übereinstimmen
au 1. Cor.] Aus Dkf 2. Cor. ver-
bessert
av Hier scheint eine verderbte Zeile
vorzuliegen; der Hinweis auf

Röm. 8: 10 stimmt nicht. Viel-
leicht ist
Röm. 8: 19 gemeint.
aw Apo. = Apocalypsis Johannis
ax vmbschlag = Um-sich-Schla-
gen.
ay Anspielung auf Joachim Fried-
rich, Heinrich den Frommen
u. die heilige Hedwig
az auffnehmen = Gedeihen
ba am Rand:

[In allen Ausgaben außer A:]

bb am Rand: [A4b]
bc N. B. 11 hofft] hoffet C→ Vorhan-
densein oder Fehlen des
e in solchen
und ähnlichen Formen ist Setzer-
willkür und wurde in den Lesarten
zu
Innhalt vnd nutz ... nicht beach-
tet.
bd dieses] dessen C→
be in diesem leben haben/ steht
nach
dürsten/ in Z. 3 (B)C →
bf dursten Y
bg Welcher] Der C→
bh gutte kompt Y
bi eilfften] Unklar als II. Cap.
B→ Hinweis auf Heb. 11:1;
der Hebräerbrief ist dem Apostel
Paulus zugeschrieben worden.
bj einen] ein Y
bk verheis(s)ungen C→
bl hatt/ die] Aus hatt. Die
XABCE nach Y geändert
bm seine Y
bn angenommen Y
bo jhnen] jhm C→
bp Nach Timotheum/ fügt Y ditto-
graphisch
ist geoffenbahret ein.
bq jene] jenige/ B→
br Autorn E
bs eigenthümbern Y
bt alle beyde] beydes Y
bu Gläubigen BCE
bv sein] sind C→
bw Jerusalems/ C→
bx wird ... leichnams/, genau eine
Zeile in
C, fehlt in Y.
by vnd fehlt Y vnterschied(e) B→
bz durch dieselbe fehlt Y
ca Verheissungen E
cb vierdt(e) B→
cc erzehlung oder fehlt Y
cd Begriff CE begreiff Y
ce Willens B→ vollkomlich Y
cf erkentnüß Y Gottes:] Bei
Heinsius liest man
van het
Woort God. Eine Zeile vorher
hieß es van den wille Gods.
Opitz übernahm den Dkf als
Gott:, wobei man zur Not das:
als Abkürzung der Genetiven-
dung lesen kann. Mit
B folgt die
Berichtigung, die Hrg. schon
hier eingesetzt hat.
1. Cor. 2:2]
1. Cor. 1. 2. Dkf CE 1. Cor. 12.
Dkf Y
cg am Rand: [B1a]
ch Überschrift Siehe die Einleitung.
ci Gedichtanfang A 121 B G2b
C I, 53 Y 1 E 290
cj Falls nur ein Teil der Exemplare
die Lesart aufweist, erscheint die
Sigle in runden Klammern.
ck gleichsowol Y
cl gesetzt] gepflantzt YE
cm hülff’/ Y
cn Er]Vnd Y Dingen Dkf (C)
co vnverwacht = unerwartet
(Batavismus)
cp Kam zue dem menschen her/
kam YE
cq Gebohrn auß seiner krafft/ auß
seiner krafft erworben YE
cr Erworben] In XA steht Ver-
worffen in fehlerhafter Anleh-
nung an ndl.
verworven. Opitz
verbesserte handschriftlich im
Geschenkexemplar an Bibran,
Breslau 255 059, und in Samm-
lung A, Exemplar 355 055.
Der
armen menschen fleisch/ gelit-
ten vndt gestorben YE
cs Auß eignem willen nur: er YE
ct am Rand: [B1b]
cu seinen] eignen YE
cv vor] für Y
cw seyn.] sind. C→
cx Dann Y
cy der allem hatt YE
cz Sein wesen YE lauff] Land
Dkf E eh’ B Sonn ABC Sonn-
YE Mondenschein/ YE
da geschaffen sindt zu seyn. C→
db mit dem] vndt der YE völlige
YE
dc Sohn A
dd Der Vater alles (aller E) zwar/
er alles auch in allen/ YE
de ebenbild/] eignes bildt/ Y
df ein] vnd C Gott/ ewig Gott/
als Gott/ doch/ YE
dg Sohn/ ABC
dh Sieh Y
di zuevor/ vndt YE sein] sind C→
dj schiffen] segeln C hoch? wir
wollen segel streichen/ YE
dk Vndt mitt dem ruder gehn/
vndt YE
dl zue] in C→ leid AC→
dm am Rand: [B2a]
dn Vermißen allen port/ vndt YE
do gut. der mensch geht schwach
vndt fellt/ YE (fället und 48
stellet Dkf E)
dp steht.] stellt. YE steht =
trachtet
dq lust] Lufft Dkf E
dr Kriegt AE
ds gutem E feindt vndt gram/ Y
dt ward] wird C→
du jhm] sich C→ jhn] sich C→
dv ward] wird C→ jhn] sich C→
dw jhn] sich C→ in Adam Dkf C
statt ndl. staet = Stand, ordo
dx jhm] jhn BC stett/] stell’/ YE
da] als C→
dy hülff ABY
dz Alß das er vndt sein stamm
nicht YE
ea würd’] würd A wird’ Dkf E
eb zerstören] Die Vorsilbe zu(e)-
von C ab gewöhnlich zer- über-
winden] Die übliche Schreib-
weise wäre
vberwinden. Die
spätere Schreibung bricht schon
jetzt gelegentlich durch; cf.
28.2,
S. 109.
ec sinn gefaßt/ YE
ed siegeln] Segeln Dkf E
ee Artzney ABC Hell A Als höl-
lenschlüßel selbst/ als mittel
für den todt. YE
ef oben ab] wolcken her YE
eg Floß] Ging YE
eh see gantz über berg vndt klufft
YE
ei Auß jhrer gräntze trat/ ver-
menget mit der lufft/ YE
ej auff diesem block] im balcken
fort C→
ek Geschlossen YE ein] das C
el Flut/ gesegelt ohne grundt/ C→
em doch ... verbundt:] jedoch
nicht ohne Bundt: C→
en Abraham thetst] Abram wol-
test C→
eo sachen! YE
ep Mensche(n) Dkf (C) allbereit]
jederzeit YE
eq diesen] solchen YE
er sein/] sind/ C→
es am Rand: [B2b]
et Der selbst mit ringen sich hatt
gegen dir gestellt. YE
eu entzündtet/ Dkf E
ev Der seinem Liebe (Leibe Dkf
E) folgt: seufftzt C→
ew im Liebe Dkf E
ex Tag/ B Wann alle welt sonst
schläfft/ Y vndt wann die
Sonn’ erwacht: YE
ey Zehlt jhre schriette nach (fast
E)/ ist gantz von jhr gefangen/
YE
ez Sein A
fa dein bedrängtes] da dein zar-
tes YE
fb für] in YE
fc Jahr’: (C)Y
fd Verköstet] Ernehret C→
fe In flammen-art durch pusch
(Püsch E) vndt heiden wollen
leiten/ YE
ff erhalten] ernähret YE
fg Denn ... denn Y König B
fh Den (Dann E) Helden sonder-
lich von YE
fi am Rand: [B3a]
fj Estdras Dkf Y wehren] führen/
YE
fk sich ... nehren] vndt wieder
wollen ziehren/ YE
fl wiederumb] ferner auch YE
fm vorgenommen] fürgenommen:
Y
fn Bezeuget] Bezeichnet CE Ge-
zeichnet Y
fo Das ... Israel/] Daß Israels
sein Gott/ YE
fp sein:] sind: C→ vnd ... Welt]
das dieser samen sey YE
fq Schein B Des übel-stiffters
todt/ wir aber würden (wurden
aber E) frey. YE
fr vnderlaß A
fs Seind A Sind ... bereit.] Gehn
sämptlich (samptlich E) auff
dich zue. YE
ft Jüden BCE
fu durch] auff C→
fv gesandt AB
fw vor] für Y
fx am Rand: [B3b]
fy durch ... vnd] oben-ab vom E
den niemandt] /welchen man
YE
fz Im hertzen nur allein vndt
geiste sehen kan. YE
ga Wie offtermals ein Mensch im
Trawme was wird jnnen/ C→
gb Halb wachet vndt halb schläfft/
kan YE nit YE
gc nicht/] kaum/ Y
gd Jüngl in Dkf (B)
ge gewölckes Y
gf wan Dkf E
gg vndergeht/ A vntersinckt/ YE
gh bracht’ ... gruß] hatt er sie
gegrüßt YE
gi leichnam = Körper, Leib
gj die Fraw] das Weib YE Opitz’
Randnote in
Y mit * vor das
Weib: *Heinsius setzt darzue:
ein Weib von vnsrer art.
gk ein’ Dkf (C)E
gl kömpt/ YE
gm so] was YE
gn plitze Y der ruffen kan] hatt
diener an YE
go erschellt = erschallen läßt
gp Errataliste A will zur
gq erzeuget/] gezeuget/ YE
gr anfang/ maß vnd] end’ vndt
außer YE
gs ohne nam] namens-frey YE
sich beschließen = sich für
etwas entscheiden
gt Beschleißt Dkf A kompt A
Beschleußt ... vns/] Kömpt in
den menschen selbst/ YE
gu Vnd ... gebracht.] Getragen
vndt gebohrn YE
gv sie steht in] fühlt in jhr YE
gw vnter] vnder A sein gebiet]
die gewalt YE die Juden]
Judeen C→
gx zum ersten] das erste YE ver-
schrieben:] Batavismus aus
heeft doen beschreven
gy der ... zierdt]/ als wie es sich
gebührt: YE
gz die] der E mussen XAY; aber
müssen BCE
ha von] durch YE
hb manch schönes liedt] geredet
vndt YE
hc vor alle] hier von(vor E) den YE
hd So kommen YE
he Häupt hier Dkf B
hf am Rand: [B4a]
hg gekandt/ vnd E vernichtet:
zu stark für »mispresen«
hh gar vnbedachtsam] bloß auß
dem wesen Y (bloß fehlt Dkf E)
nach den Augen E
hi örtlein war mehr] platz der
war nicht YE dem] Nach CY
aus den XABE geändert
hj Neptunus ... Meer] Neptun
hat in der see C→
hk denn Dkf Y
hl Höll’: AYE
hm wol ... viel] doch mitt allen YE
hn Sie beten wollust an vndt fey-
ren die gebrechen. YE
ho die üppigkeiten] vndt freße-
reyen YE
hp Vnd] Die YE hur’/ Y Mercu-
rius] vnd der Mercur YE
hq Oberst’ A obrist’ YE
hr baldt wird er auch ein] vnd
bald ein falscher C→
hs wieder] gegen Y
ht feyren] ehren Y lehren E
hu am Rand: [B4b]
hv geerbet] Aus geerbet/ XB nach
AC→ geändert
hw da] wo Y da seine] wo seine YE
hx Sturm (C) E prausen/ Y
hy da] wo C→ auff dem] vmb
das C→ Feld AC→
hz niemandt] keinem YE
ia mit seiner] an witz’ (Witz E)
vndt YE
ib jhm ... nacht] eine frembde
Nacht vndt dienst YE
ic gleichfalls auch] toll vndt blind
YE
id auch den] seinen C→
ie muß im gesetze] wil alter
satzung YE
if Doch] Noch E nach] in C
nach ... kömpt/] doch nie-
mandt hatt sein acht/ Y doch
wer hat seiner acht? E
ig Vndt(Man E) sieht nicht den er
(man E) sucht/ sucht nicht auff
den er (man E) wacht. YE
ih wünschen C warten YE nach
jhm/] auff ihn/ YE
ii Von seiner lehr’ vndt jhm ist
jhrer aller sage; YE
ij Stehn allzeit] Sie stehen YE
wachen] wündtschen YE
ik Nach] In YE aber kömpt/]
kommen ist C aber kompt E
alle] thor vndt YE
il ist gleichsam blind/] liegt sin-
nen loß/ YE
im Sie kennet jederman ohn jhn
der sie erschaffen (erschaffen/
E) YE
in Höll AE Hell’ C höll’ Y
io Ist in] Ist ist Dkf C in ... vnd]
frembd’ im seinigen/ ja (vnd
E) YE
ip schämet sich/] steht beschämt/
YE
iq Zu jhrem Printzen her/ sehn
jhn geworffen liegen YE
ir Geworffen] Zue thieren YE
der Sternen heer verbleicht/ C
der sternen große ziehr YE
is der] er B ist gleich.] sich
gleicht. C Kennt jhren herren
doch/ tregt jhre dienste für. YE
it so durch C→
iu ndl. onbepaeld = unbegrenzt
Der vnbegräntzten lufft mitt
schneller regung tantzen/ YE
(stets mit schnellere Dkf E)
iv Tritt ... kopff/] Stellt gleich
sich über jhn/ (hin/ Dkf E) YE
iw zue verkünden/] an zue sagen/
YE
ix fernen Y wo ... finden/] auff
das sie nach jhm fragen/ YE
iy Vnd jhm sein’] Mitt andacht
YE noch eh] eh als YE
iz zue jhrem] bey jhren YE
ja vorkündigen Y
jb den] dem Y
jc ehr Y
jd am Rand: [C1a]
je auch zue grüßen] zue begrü-
ßen/ YE
jf bereit/] zuegleich/ YE
jg Der Weg geht Dkf E gantz ...
erfrewt.] an lust vndt frewden
reich. YE
jh lehret Dkf CE püsche Y
ji Weiß C Vndt einen newen
thon jhm hatt darauff erdacht:
YE
jj der] den Y
jk schön YE
jl wölffinn’/ Y vndt anders was
vom YE
jm pflag ... breit] wohl gewohnt
war sich YE
jn Nein; macht den brautgesang
der Magdt so diese nacht YE
jo Hatt YE
jp in hohen tieffen] verteufft in
hohen YE verteufft = vertieft
jq diß] das BC
jr so da] welche YE
js gläntzend B mächtig’] mäch-
tig A starcke YE
jt am Rand: [C1b]
ju Gemüt’ C gemüt’/ Y kömpt
weiter] erhebt jhn C→
jv Das ... da] Es liegt das Kind E
jw Sie ... anzusehn/] Zue lächeln/
auff zue sehn/ YE bitten Dkf
XY; berichtigt nach ABCE jhr
die] seine C→
jx wirff Dkf E ärmlein B der
kleinen (zarten YE) armen
Bandt. C→
jy holdt/ Y
jz Hertz AE Schoß.] Punkt nach
ABCE eingefügt
ka zue gemüt] in den Sinn C→
kb hoch geliebt/] hefftig liebt/ C→
kc Das] So C→ der ... gewinnt/]
das Hertz’ jhr abgewinnt/ C→
kd Bedenck Dkf E
ke auff die erdt] vnter sich C→
kf Jungfräwliche A
kg töchter jhrer furcht vndt keu-
schen niedrigkeit/ YE
kh in jhrer] auch in der YE lust
vnd frewd.] Frewden zeit. C→
ki ders (C) 331 kühle/ Dkf B
kj Mit jhrer schönen (roten Y)
glut die Morgensonne spielt:
C→
kk am Rand: [C2a]
kl durch die kalte] bey der kalten
Y durch weissen C→
km glantz’ Y
kn Thren Dkf C edle rosen-] züch-
tig-schöne YE (züchtige Dkf
E)
ko dann] hier YE wird’ Dkf XA
kp Mutterhertz. A Ey Liebe/ BC
Laß sehen daß du bist die
Mutter. ey erwecke YE
kq gemüt’/ YE dasselbe] vndt ja
es C→
kr Ob ... jetzund] Im fall er jetzt
schon C→ elend/] Virgel nach
A→ eingefügt
ks Monde YE dem] den BCE
kt seinem E
ku ein(e)s = einmal wann das
er jhm nur YE
kv Thetys fehlerhaft B→ niemals]
nimmer Y
kw vnderthenig A Vndt berge wo
jhr Rom die welt zur magdt
kan machen: YE
kx man nur] jemand C→
ky Gat Dkf E verwerren = ver-
stricken (aus Heinsius)
kz außgestückt: Y ausstücken,
aussticken = mit Stickerei
schmücken
la Die] Mag YE nun gewonnen]
bändig mußen C jetzt muß
dienstbar YE
lb seinen B güldenen Dkf Y
lc Diß] Ein E
ld Es sey nun Sina fro: das Basan
YE komm Y
le sey getrost] trost gewinn’/ C
hole trost/ YE sich erfrew.]
lustig sey. C→
lf in diesem tage] mitt seinen
palmen YE
lg trag/ B(C) Daß es den lor-
beerstrauch in freyheit wieder
setze YE
lh auff pucht/ C Auff welchem
(welchen E) Rom so pucht/
den Cäsar YE
li sie] jhn YE
lj Willkommen/ großes kindt/
YE
lk Verkündigt] Verbotschafft YE
sich] sie Dkf B
ll willekomm’ Dkf XAB Will-
kommen großes kindt/ YE
lm jahr] noch C→
ln du] der Y
lo am Rand: [C2b]
lp 385 O] Ach Y
lq 389 für ... schewen/] der siege kan
verleihen/ YE
lr 391 Schantz/ BCE Meister in dem]
Feldherr vnd jhr C→
ls Feldtherr] Schützer C→ sei-
nes Volcks] seiner schar/ YE
lt einig] alle YE
lu Den B→ Sanherib B zue
trotze/] gesetzt in C→
lv Willkommen/ großes kindt/ YE
an allem ort] in aller Welt C→
lw Von] Durch C→
lx vom YE
ly edle Rose] feldes-rose Y von]
vor A
lz Mond (C)
ma da Milch vnd Honig fliessen C→
mb Da Wald vnd Wiese blüht/ vnd
keinen C→
mc anietzt? Y
md Wind/ B
me am Rand: [C3a]
mf Söhn A
mg mit seinen süssem]/ vndt auch
sein süsser YE
mh Verender E den] dem B(C)
ietzt ... kälte] vndt seinen
Schöpfer YE 428 verkehr’: Y
mi bezeugen] vnd zeugen Y auch]
auß Dkf E
mj vnd fehlt Dkf E lieblich bey
dir] den willkommen YE
mk Biß willkomm/ biß willkom:]
Mitt einer süßen art; YE be-
weist] erweist YE
ml anderst CE
mm groß] nur YE
mn gibt jhre] vor pein die YE
mo am Rand: [C3b]
mp sein erstes weh/ YE
mq gesetz/ Y gleich] schon YE
mr wie] als YE
ms sieht ... zue.] muß das werck
noch sehn. YE
mt Ein solches blutbadt nun muß
sein willkommen YE
mu Sey willkomm] Willkommen
YE (Wil kommen Y Dkf)
mv Die ... werck/] Ohn Arbeit
Hauß vnd Hoff/ E
mw pferd Dkf X verbessert nach A
(Pferdte) und B→
mx halten inn] legen hin YE
my Den streit dadurch sie gehn in
Gottes C→ tieffen B→
mz Willkommen großes kindt/
YE thut] macht C→
na Macht] Vnd C→ Johannes seh
(seh’ YE) ich springen C→
nb wonn’ vnd frewd:] Fröligkeit:
C→
nc eh’ Y
nd In ... herrligkeit] Bey großer
völcker schar YE bey] in C→
ne deinen A stuel’/ Y den ...
zuegerufft.] vnd aller Welt ge-
rufft. C→
nf es ... newen] jetzt auff Thabors
spitz’ es sämptlich C→
ng Auff ... spitz:] Hier ward von
dir gelehrt C→ das] diß YE
nh WIR ...
ni SELBST. Überall im Druck
hervorgehoben, durch Antiqua
in
A, durch größeren Schrift-
grad
(Zitiertype) in B→.
nj grund’ Y vnd gantzer C→
nk dieses halten] diesem folgen
YE
nl Der ... außgelehrt/] Helt das
gesetze gantz Y genug ABC
nm Willkommen hier YE ich ...
Teuffel] den Teuffel seh’ ich C→
nn von dir CE gleichsfals B→
no sein] sind C→
np solt YE
nq Sonn’/ YE
nr führn] ziehn YE
ns solt YE See/] Die Virgel nach
YE eingefügt
nt bezwingen still zue] gantz heis-
sen stille C→
nu auff auff Dkf XB; nach AC→
berichtigt
nv solt YE
nw sein] sind YE
nx eigen] eigneß YE
ny am Rand: [C4a]
nz naß’/ Y nur durch dein] auch
auff ein C→
oa menschenschutz/] Virgel nach
E eingefügt
ob hülff A→ trost’? Y was
hast du] hastu jhn C→
oc Hönig C honig’ Y
od Wannher kömpt] Woher rhürt Y
oe falschheit] saßheit Y saßheit
= (etwa) Aufsässigkeit jhr]
der YE
of erzeuget?] geseuget? YE
og geseuget?] erzeuget? YE
oh Heid’ C in der heidt/] wilder
schlacht/ YE
oi den] vmb Dkf C Gott YE
liebt jederzeit?] hat loß ge-
macht/ YE
oj lande] wilden E
ok vntergang’/ YE gezwungen]
vndt zwang jhn YE
ol verkündiget Dkf (C) Jüden
BCE
om Vor Jahre Dkf E
on alles C→ eigener Dkf (C)
oo hergesandt;] Punkt XA nach
YE in Semikolon verändert;
kein Zeichen BC
op am Rand: [C4b]
oq vnsrer YE hengt ... holtz] am
Holtze hangt C→
or gedruckt/ verlacht/ ver-
schmäht/ Y in spot YE
os von der] in der E
ot Das] Diß YE
ou Vnd ... nun] So jetzt wirdt
YE
ov anzusehen Dkf BCE jhr’s YE
ow Der ... fort gemacht/] Hatt
nebel vmbgehüllt/ YE
ox Vnd ... zugesehn] Hatt/ als
er zuegeschawt YE Häupt
BCE
oy Hat er den] Den klaren YE
oz Des tempels fürhang auch/ so
kostbar war geweben/ YE
pa schönen B Scharlackroth/ B→
krach] knall Y
pb tranges BC Dkf
pc bebete] bebte selbst/ C→
pd Sie seuffzte so sehr tieff/ daß C
Stieß solche seufftzer auß/ daß
YE
pe Dem Pluto ward gefellt sein
C→ Königlicher Stuel. C
schwartzer könig-stuel. YE
pf am Rand: [D1a]
pg empfandt/ Dkf Y
ph von dem bande/] ab vom bandt
(Bande/ E) YE (545 u. 546
sollten weiblich reimen.)
pi von] auß Y
pj Thät E heulet B
pk Thisiphone Dkf E Furcht’ C→
pl abschewliche A die gifftge-
füllten CE gifftgeföllten Y
pm marast YE
pn nebel] asche Y
po auch] der C schleußt Dkf Y
pp Ein’] Die Y vngegründe Dkf E
pq gantze] alles YE vndt seine
felder regt; YE
pr auff durch starcke C→
ps getrungen E
pt Auch lobte (Es lebte E) da die
schar der todten/ vndt stundt
(stunde Dkf E) auff; YE
pu Biß] Nam YE sie ... jhren]
auch baldt hernach den YE
pv hab E Emanuel B→
pw vnserm A→ Fleisch’ hinauff
bist C→ eingefahren;] Semi-
kolon aus Virgel nach
Y ge-
ändert
px Das erdreich (/ E) see/ sampt
auch (auch fehlt Dkf E) zehn
hundert tausendt paren YE
py an/] Virgel nach ABC eingefügt
zue/ YE das] da AYE
pz Dem] Vom C→ dem Sohn] von
dir C→
qa durch alle] in aller C→
qb Zu richten B→ das] doch Dkf C
qc Finsternuß A
qd jhar’ YE
qe gewehret/] erwehret C→
qf dafür B→ ergetzt. Dkf CE
qg gebet’/ Dkf Y
qh Gesetz/ Dkf C
qi gehabt] gesehn YE
qj guten Mann geschrieben] from-
men auffgeschrieben C→
qk Ein C Ein’] Die YE jhm
gunst] die flut YE
ql am Rand: [D1b]
qm Den] Dem Dkf E vorgestellt
...] fürgebildt/ da als er wardt
besprungen/ YE
qn Befochten vndt gedruckt: der
YE
qo offt] viel YE
qp O name süßer art/ für YE
qq nam’/ auch über YE
qr Süß’ Y genug E
qs süß/ (süß’/ YE) vnd was man
irgendt kennt. C→
qt alles süß’ Y darauff] auff das
C→
qu ! süß’ Y
qv Elias CE
qw ohne todt/] vndt auch nicht/
YE müssen BCE
qx Gott bist selbst/ Y schon in
der schoß bey YE
qy mitten in dem] da du warest
YE Tod’. (C)
qz bleib Dkf C bey] in YE
ra In deiner Tauff’ (Tauff/ E) als
Gott vnd als der Sohn geprie-
sen C→
rb Von Gott dem Vatter selbst/
vom Geiste selbst gewiesen:
C→
rc am Rand: [D2a]
rd euch] auch Y
re seyd/ so seyd jhr doch allein.
C→
rf still’ Y
rg Fackeln C
rh brennend BYE Sonn’ YE
ri nacht:] Nach Y aus nacht.
XABC Nacht/ E geändert hel-
lem Liecht’ C→
rj Die grossen] Auch selbst die
C→
rk taw’ Y vmbstrichen/ C→
rl Frewd’/ CE frewd’ Y mit öl]
vndt öhl YE
rm dreytoppeln BCY dreydoppe-
len Dkf E zue] auß C→
rn Das wort/ der schatz/ das
netz’ (Netz E)/ ein wunder YE
ro worffen = von Spreu reinigen
rp bodenlos = unermeßlich groß
rq quell ... schöpfen] brunn
(beum Dkf Y) vndt quell der
lust voll YE gnügen; Dkf Y
rr dem volck] der Schar C→
rs am Rand: [D2b]
rt Friedens Fürst/ YE
ru Beut E
rv in dem] vbern C Des rhates
(Das Rhatos Dkf E) Engel
auch so YE
rw in] mitt YE
rx knechts’ Dkf Y
ry Schaf/ B Schaaf/ C
rz der] die CE Finsternüß E
sa Sonne (Sonn Dkf E) die stets
scheint/ die YE seelen speiß’; Y
sb Der] O YE
sc Sißt Dkf E gemacht/] er-
dacht/ Y
sd hat] auch YE
se Sadrach A (Mögl. Form; Bern-
eggers Änderung?
) Flamm
BC Durch welchen Sidrach
(Sidra Dkf E) frey auß heißer
flamme kam/ YE
sf Vndt der die seinigen vndt jhn
heraußer nam. YE
sg auch vns YE 678 Dein C
sh gemüt’/ entzönde Y
si vnserm AC→ vnsern B
sj künnen Y
sk am Rand: [D3a]
sl henget Y bösem (C)
sm gebet’/ Y
sn tringen E wann] was Dkf E
so wol gerüst/ CE
sp Steiff ... Himmel an/] An
rechte sicherung/ YE
sq märtyrer/ YE
sr gestiegen zue dir ein. Y
ss Erwachsen Y fliehe Dkf E
st An dem C Volck A
su warumb Gott kein behagen
YE
sv andere Dkf B ander’/ C→
weis’/ YE
sw beyseit/ B Das ... beseit/] Er-
sparet er anjetzt C→
sx Wirst sitzen auff dem stul’ YE
sy vnzehlichs YE steht] sehr Y
sich E (beides Lesefehler)
sz noch] war C→
ta Vndt noch in Mutter C→
schied den] sondert’ CY son-
dert E
tb Nicht weil Y
tc mussen Y
td Zank’ Y
te stets ohn endt] vngeendt C→
tf entzundt: Y entzünd: E
tg lieb Y
th sein.] sind. C→
ti zue] zur C kommen nicht zue]
finden keinen YE
tj dem] den B
tk die] den YE
tl zue] für Y Sonn’. YE
tm Wir haben] In vns ist YE
tn Vnd] Wir YE volck’ Y biß]
hin YE 735 baum so X→
to findt Y Stall’ C→
tp am Rand: [D3b]
tq Für seinen] Vnd für den C→
tr Dich] Die Dkf Y suchten]
Nach Heinsius u. C→ aus su-
chen XAB geändert sahen] Aus
haben Dkf XA, nach Errata-
liste
A u. Text in C→ verbessert
ts stern’. Y
tt Auch vns laß eben CE Ach laß
vns eben Y
tu Verkündigst Y dein Gebot/
C→
tv Bekleit A Bekleyd E
tw Die allem Volcke Muth/ Gemüt
(’Y) vnd Augen nam: C→
tx Fürchte Dkf A
ty vnerhörten AY glantz’; Y
tz außerkoren] so erkohren C so
erkohrnes YE dein ... heer/]
vndt erbschafft/ herd’ vndt
Heer/ YE
ua der lufft/] dem windt’ YE mit
dem gantzen] auch mit dei-
nem C→ meer’; Y
ub Als welches auff dein Wort
erhub C→
uc als] wie C thet] ließ C Die
Zeile fehlt
YE und ist durch
Sternchen ausgespart worden.
ud seinem B Verschlang das
gantze heer. YE
ue Reich BC deinem reich vnd]
deiner großen YE
uf am Rand: [D4a]
ug Gott/] Virgel aus Punkt XA
nach B→ geändert Du der du
vormals Gott/ YE
uh sein] sind CE Wirst neben bey
was wir/ vndt Y
ui das wir] was wir YE sein]
sind C→ das du] waß du YE
eh/] vor/ C→
uj in die höh.] hoch empor: C→
uk So daß die menschheit nun von
hinnen auffgenommen YE
ul Da deine] Sitzt wo die YE
vnd] hatt YE
um grossen] hartten YE trang E
un nu Dkf Y
uo gesaubert Y sind/ vnd durch
dein Blut C→
up an ... da] in das Ort wo C→
uq Auff daß nun vnser C Damit
nun vnsrer YE
ur An] Auff Y orth] Platz/ C→
us Setzst] Zeuchst Y
ut so vber C→
uu täglichs C→ genähret; YE
uv Fleisch/ (C)
uw geist’ Y biß] auch C→
ux auch nachmals sollen YE
uy nahrung selbst/ die YE
uz eignes C→
va Ernewret Y
vb von Y
vc vnsrer YE
vd Der Kolophon nur in X
ve am Rand:

[Nur in Y:]

vf Unregelmäßigkeit der Seitenlänge erklärt sich daraus, daß die Ver-
teilung von Text und Erklärungen in Y stark schwankt; einige Seiten
enthalten sogar nur das eine oder das andere. Im folgenden ȟbersprun-
gene« Seiten enthalten nur Text.
vg Die Worte des Textes, gefolgt von der abschließenden eckigen Klam-
mer, nehmen in Y jeweils eine Zeile für sich ein. Ein zu Anfang nur selten
erscheinender Punkt vor] wird gegen Ende immer häufiger. Die Ziffern
sind vom Hrsg. hinzugefügt worden.
vh Aus technischen Gründen bringen wir die Rand noten hinter den Aus-
legungen, zu denen sie gehören. Auch in Y erscheinen die Marginalien in
kleinerem Schriftgrad.
vi Tertullian, De oratione I, 1, ed. G. F. Diercks (Corpus Christianorum I)
1954, S. 257.
vj vor] Aus Vor Groß- oder Kleinschreibung der Anfangsworte der
Zitate wurde nach dem Text in Y vereinheitlicht.
vk Micheas: der Prophet Micha; Verszählung der Vg.
vl van den] van de ist eine zwar mögliche gesprochene Form, hier aber
doch wohl
Dkf und nach Heinsius verbessert.
vm quelle: Plural von der Quell
vn vnd] Vom Hrg. eingefügt; steht auch nicht bei Heinsius.
vo Aus 1:45 geändert.
vp Matth. 28.] Die genaue Stelle ist Vers 18.
vq elenden] Aus Dkf alten den nach Heinsius verbessert
vr in] Wörtlich nach dem Urtext; dem Sinne nach wäre wie zu erwarten.
vs leichzeichen = Zeichen des Todes
vt 25:23.] Aus Dkf 2:5:22. verbessert
vu Rom. 11:20.] So schon Heinsius; 11:23 wäre besser.
vv Exodi 17:5.] Aus Dkf 17:15 nach Heinsius geändert.
vw 1. Sam. 8:22.] Aus Dkf 8:1. Sam. 22.
vx cap. 10:1.] Aus Dkf cap. 10:5. 1.; aus 5. v.(= Vers) 1. verlesen.
vy annemendt = annehmend
vz poetische] Aus poetistische geändert; Heinsius: poëtische
wa Aus Dkf erzeiget nach dem Text verbessert
wb Im Text Ohn end’
wc Vndt] Im Text der
wd sich] Aus Dkf sie verbessert
we Gabalen] Eindeutschung von Gabala; vgl. Nicenen, S. 360 Mitte.
wf die andere zuekunfft: das zweite Kommen, die Wiederkehr
wg 1. Sam. 16:7] Aus 1. Sam. 16. 17 geändert.
wh v. 6] Aus v. 2. geändert.
wi Aus Ruffinus (so auch in der Vorlage) verbessert.
wj Luc. 2:40.] Aus Luc. 2:80 verbessert
wk Ezech. 79:4. kann nicht stimmen, findet sich aber schon so bei Hein-
sius. Vielleicht wurde unsichere Lesung von 10:4. als 79:4 wiederholt.
wl übersetzen] Aus Dkf übersehen geändert
wm Job 39:3] Nach Vg etc. Hiob 38:41.
wn zeuget = zeigt; cf. Ehrenbezeugung.
wo geschoß = Gemäuer (parietem, Vg)
wp 7:38.] Nach Heinsius aus Dkf 9:Ib. berichtigt
wq Matth. 17:2.] Aus Matth. 17:20 geändert
wr eygen = akkurat, eigentlich
ws Psalm. 22:2.] Aus 22:1 geändert
wt Paralipomena = die zwei Bücher der Chronik
wu den] Aus Dkf dem verbessert
wv bey dem tode des Herren nemlich.
ww v. 53.
wx am Rand: [55]
wy Juvencus, Libri evangeliorum IV, 707 ff., ed. J. Huemer (CSEL XXIV)
Wien 1891
wz Valentinianer] Nach H. aus Valentinaner geändert
xa noch eines = nochmals (ndl. noch eens)
xb strasse] Aus Dkf straffe nach ndl. trap geändert
xc Das] Aus Dkf Der nach dem Text des Gedichts verbessert
xd frommen] Aus fromen nach dem Text geändert
xe Genes. 2:24.] Aus Genes. 23:24. geändert
xf Liber de promissionibus et praedictionibus, angeblich von Prosper
Aquitan(ic)us; PL 51
xg Exod. 17] Aus Dkf Exod. 27 geändert
xh Prosper, op. cit., nennt Josua Jesus Nave.
xi Actor. 10:38.] Aus Actor. 10:39. geändert
xj Psalm. 44:8.] Zählung der Vg; bei Luther 45:8
xk Johan. 14:6.] Aus Dkf 14:16. verbessert
xl Heinsius hat wijsheyt; Opitz übersetzte warheit im Text des Gedichts.
xm 2. Cor.] Aus Dkf 1. Cor. verbessert
xn Opitz folgt seiner Vorlage zahlen- und wortgetreu. Die Stellen finden
sich in Brief 55 c. 25 und 54 c. 3 von Cyprianus, Opera omnia, ed. G. v.
Hartel (CSEL 3, 2) Wien 1871.
xo Die Reihenfolge der Auslegungen zu Z. 651 ist die des Urtextes.
xp Marc.] Aus Dkf Matth. geändert
xq Ephes. 20:2.] Aus Dkf Ephes. 3:20 geändert
xr Col.] Aus Dkf (auch bei H.) 1. Cor. geändert
xs Virgel nach dem Urtext eingesetzt.
xt den] Aus Dkf dem geändert; siehe die vierte Zeile darunter.
xu Miletene] Auch Melitene; siehe Pauly-Wissowa.
xv 4.] Aus 3. Der ndl. Einzeldruck 1618 hat 4.; Opitz folgt einem späte-
ren Dkf. Siehe Hilarius, De trinitate, IV, 23, ed. Migne, PL X, Spalte 114.
xw den] Aus dem geändert; H hat de menschen
xx 3:2. 23:20.] Aus Dkf 5:2. 3.20. berichtigt (auch bei H. falsch)
xy Gen.] Aus Dkf den. berichtigt
xz auch fehlt, weil Opitz genau dem Urtext folgt, nicht der eigenen Über-
setzung.
ya Matth. 13:45.] Aus Matth. 15:45 geändert
yb Wieder genau nach dem Urtext unter Vernachlässigung der Übersetzung.
yc übersetzung] Aus Dkf übersehung nach Heinsius’ oversetting geändert;
g. ü. = Vulgata. Von Theodotions Übersetzung ist hauptsächlich Daniel
erhalten, welcher Teil der LXX einverleibt worden ist.
yd Mescac] = Mesach; Opitz übernahm Mesçac der Vorlage; das ç wurde
als
c gedruckt.
ye nechsten/] Virgel vom Hrg. eingefügt
yf gerühiglich] Aus Dkf gerühglich verbessert
yg seinen] Aus Dkf seine verbessert
yh Nach dem Text aus erkenndt. geändert
yi cap.] Dies Wort wurde nach Heinsius eingefügt.
yj des] Aus Dkf der nach 5. Moses 32:9 geändert
yk 1. Reg. 8:53] Aus 1. Reg. 8:33 geändert; auch paßt 1. Reg. 8:36.
yl Zach. = Sacharja
ym herd’ im Gedicht ist zweideutig.
yn cap. im] Hrg. tilgte zwischen diesen Wörtern ein auf Heinsius zurück-
gehendes fehlerhaftes
vnd.
yo Im Gedicht windt’
yp mitt] Im Gedicht und Urtext in
yq Doppelte Auslegung geht auf H. zurück.
yr fleisch] Ein hierauf folgendes dittographisches sindt wurde getilgt.
ys 1. Cor. 6:〈15〉 d. Hrg.
yt Nach anderer Zählung Hiob 40:15 und 25
yu Apocal. 1:4.] Aus Dkf. Apocal. 2:4. geändert
yv Statt der gr. Form steht bei Heinsius Originem.
yw am Rand: [90]
yx wörterer] Hyperkorrekte Form?
yy 1. Reg. ist nach älterer Bezeichnung 1. Sam.; 2. Reg. = 2. Sam.
yz dem] Aus den verbessert
za Diese lateinische Tragödie erschien 1632 bei Elzevir in Leiden
(Willems, Les Elzévier, Nr. 360); sie ist Constantijn Huygens gewidmet und
enthält eine Anzahl lateinischer Gedichte im Anhang.
zb am Rand: [92]
zc auff] Aus Dkf auß geändert
zd Aeneis VIII, 728
ze allererst] Dittographisches Isis vor diesem Wort getilgt
zf Exod. 28.] Aus Exod. 2:8 (schon bei H. fehlerhaft) geändert
zg 2. Reg. 23:4] Aus Reg. 2:4 (so schon bei H.) geändert; bei Luther 2.
Sam. 23:4
zh Heinsius hat hier Ilias XVIII, 487 und 489 kombiniert; statt [griechische Textstelle]
und [griechische Textstelle] steht kanonisch [griechische Textstelle] und [griechische Textstelle]; die erste Zeile findet sich
auch in der Odyssee (V, 275).
zi triumphireten:] Aus Dkf triumphirrten:
zj Matth. 4:24.] Aus Matth. 2:4 geändert; desgl. 17:15 aus 17:38.
zk Opitz übersetzt hier die zwei Zeilen des Heinsius, die er auf E3b des
Buches v. d. Dt. Poeterey auf ndl. zitiert hatte.
zl fretzen: mhd. veretzen = zerfleischen
zm eigenthumb = Eigentümlichkeit
XML: http://diglib.hab.de/edoc/ed000257/Band_I/I_45.xml
XSLT: http://diglib.hab.de/edoc/ed000257/skripte/tei-transcript.xsl