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            <titleStmt>
                <title>Leyser, Polycarp: Rettung Der Ehren, des glaubens und
                    Bekandnüß, des weiland Ehrwirdigen vnd Hochgelarten Herrn, Martini Chemnitii der
                    heiligen Schrifft Doctoris, und Superintendenten, der Stadt Braunschweig, etc.
                    nunmehr aber in Christo Seliglich ruhenden.</title>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name type="org">Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</name>
                    <ptr type="crossRef" target="http://www.hab.de"/>
                </publisher>
                <date when="2012-09-06">2012</date>
                <distributor>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</distributor>
                <availability status="free">
                    <p>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (<ref
                            target="http://diglib.hab.de/?link=012">copyright information</ref>)
                    </p>
                </availability>
            </publicationStmt>
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                <bibl>
                    <title>Propositiones de vera praesentia corporis et sanguinis Jesu Christi, in
                        coena Domini.</title>
                    <author>Polycarp Leyser</author>
                    <publisher>Roß</publisher>
                    <pubPlace>Magdeburg</pubPlace>
                    <date>1592</date>
                    <idno type="opac">661913740</idno>
                </bibl>
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                <p xml:id="obhp">
                    <ref target="http://www.oberhofprediger.de">Obrigkeitskritik und
                        Fürstenberatung: Die Oberhofprediger in Braunschweig-Wolfenbüttel
                        1568-1714</ref>
                </p>
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                <head>Die Lust und Pracht einer Fürstlichen doch geistlichen Vermählung. Bey der
                    Hochansehnlichen Fürstlichen Vermählung / Des Durchläuchtigen Hochgebornen
                    Fürsten und Herren / Herren Manfredi / Hertzogen zu Wirtemberg und Teeck /
                    Grafen zu Mumpelgard / Herren zu Herdenheim / Mit dem Hoch-Gräflichen Fräulein /
                    Fräulein Juliana / Gräfin zu Gldenburg und Delmenhorst. In der Fürstlichen
                    Residentz-Vestung Wolfenbüttel / den 31. Octob. im 1652. Jahre entdecket und
                    gezeiget / Von JOACHIMO Lütkeman / der H. Schrifft Doctore, und daselbst
                    Superintendente Generalissimo.<graphic
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                <head>Wolfenbüttel / Bey Johann und Heinrich Sternen.</head>
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                <head>Dem Durchleuchtigen Hochgebornen Fürsten und Herren / Herren Manfredo /
                    Hertzogen zu Wirtemberg und Teeck / Grafen zu Mumpelgard / Herren zu Heidenheim
                    / Meinem gnädigen Fürsten. Vnd Seiner Fürstl. Gn. hertzgelibten Gemahlin / Der
                    Durchleuchtigen Hochgebornen Fürstin und Franen / Frauen Juliana / Hertzogin zu
                    Wirtenberg / etc. Gebornen Gräfin zu Oldenburg und Delmenhorst / Frauen zu
                    Jevern und Kmphausen. Meiner gnädigen Fürstin zum Gedächtnis / Vnd Allen
                    verliebten Hertzen zum Gefallen / Ubergibt dieses /</head>
                <p>JOACHIMUS Lütkeman / D.</p>
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                <head>Die Lust und Prachteiner Lürstliche<hi rend="ns"/> doch Geistlichen
                    Vermählung.</head>
                <head>Das walt GOTT Vater / Sohn und heiliger Geist / Amen.</head>
                <p>GEliebte in dem HErrn / Essen und Trincken ist Menschen und Thieren / gemein /
                    dennoch ist ein Unterscheid unter der Speiß der Heiligen und Unheiligen / denn
                    so spricht der Apostel Christi: Alle<note place="margin-right">1. Tim. 4,
                        4</note> Creatur Gottes ist gut / und nichts verwerflich / das mit
                    Dancksagung empfangen wird / denn es wird geheiliget durch das Wort Gottes und
                    Gebet. Gott gibt das tägliche Brodt auch allen bösen Menschen / wir aber / die
                    wir Gott lieben / wir empfangen es mit Dancksagung. Den Vnreinen ist alles
                    unrein / unrein ist ihr Geist / unrein ist ihr Fleisch / unrein ist ihre Speise
                    / unrein ist ihr Tranck / den Gläubigen aber ist alle Speise rein / die GOtt
                    geschaffen hat / wenn sie mit Dancksagung empfangen wird / denn sie wird
                    geheiliget durch das Wort und Gebet.</p>
                <p>Eben das mag man auch sagen von dem Ehestande / welcher als eine heilsame Ordnung
                    Gottes durch desselben wunderbare Providentz auch unter den Heyden erhalten ist
                    / und ist dennoch ein Vnterscheid / unter einer Heydnischen / und unter einer
                    Christlichen ehe. Der Vnterscheid aber stehet fürnemlich darin / daß Christen
                    sich im HErrn<note place="margin-right">1. Cor, 7, 39.</note> verehelichen. Ihr
                    Ehe wird geheiliget durch das Wort <pb facs="#drucke_202-55-quod-12s_00004"
                        n="2"/> Gottes und Gebet. Daher denn auch nicht unbillich unter Christen
                    keine Ehe für Christlich rechtmessig und vollkommen gehalten wird / die nicht
                    durchs Wort und Gebet geheiliget ist. Eine Heidnische Ehe mag es seyn / aber
                    keine Chrittliche.</p>
                <p>Wir haben itzt für der Hand eine Fürstliche Vermählung zwo hoher Personen. Euer
                    aller Augen und Gemüte seynd auf eusserliche Lust und Ergetzligkeit gerichtet /
                    da möchte es euch ungereimt düncken / wann ich etwas von geistlicher Lust und
                    Ergetzligkeit solte auf die Bahn bringen. Dennoch / weil es eine Christliche
                    Vermählung seyn sol / kans und mags nicht anders seyn / sie muß durchs Wort
                    Gottes und das Gebet geheiliget werden. Darum / Außerwehlte Christen / gebet
                    GOtt die Ehre / und überlasset der geistlichen Ergetzligkeit ein Räumlein in
                    eurem Hertzen. Denn ich habe mir fürgenommen / in dem Fürbilde dieser itzt
                    verhandenen Fürstlichen Brautleute / eure Augen und Gemüter zu führen auff die
                    wunder-herrliche Pracht einer geistlichen Vermählung. Dazu mir Anlaß gibt das
                    Evangelium / so eben auff den heutigen Tag in der Gemeine GOttes verlesen und
                    erkläret worden. Da <note place="margin-left">Matt. 22, 2.</note>das Himmelreich
                    ist gleich einem Könige / der seinem Sohn Hochzeit macht. Wann Paulus betrachtet
                    das Gesetz der Ehe: Ein Mann wird seinen Vater und seine Mutter verlassen / und
                    seinem Weibe anhangen; gibter davon ein Urtheil: Das Geheimnis <note
                        place="margin-left">Enhes. 5, 31.</note>ist groß / ich sage aber von Christo
                    und der Gemeine. Diß Geheimnis wolte ich euch gerne in die Sinne bringen wann
                    ich könte / ich wolte euch gerne zeigen die Lust und Pracht einer Fürstlichen
                    doch geistlichen Vermählung. Hie müssen aber Hertzen seyn / die in der Liebe
                    leben. Wolte GOtt / ich vermöchte euch zu <pb
                        facs="#drucke_202-55-quod-12s_00005" n="5"/> zeigen / was ich gerne wolte.
                    Im Namen GOttes / wir wollen thun / so viel wir durch seine Gnade vermögen.</p>
                <p>Wer Braut und Bräutigam ist / ist unnötig zu sagen / ihr wissets daß es Christus
                    ist und seine Gemeine. Der Bräutigam ist groß und herrlich genung / die Braut
                    aber fastunwürdig / wie grösser der Bräutigam / wie unwürdiger die Braut. Das
                    ist nun zuvoraus zu verwundern in der geistlichen Vermählung / daß der
                    unendlicher König aller Welt / sich hat verlieben können an so eine nichtige
                    verderbte Creatur / Niemand liebet etwas / er finde denn / was der Liebe wehrt
                    ist / alle Liebhaber können ein Uhrsach ihrer Liebe fürbringen / der eine
                    spricht von seiner Liebsten: Ich liebe sie / darumb daß sie vornehm ist / der
                    ander spricht / Ich liebe sie / darumb daß sie reich ist / der dritte spricht /
                    Ich liebe sie / darumb daß sie schön ist; Etliche sprechen / Ich liebe sie /
                    darumb daß sie from<hi rend="ns"/> ist. Der Sohn Gottes aber findet nichts
                    dergleichen bey der sündlichen Seelen / da ist weder Adel noch Reichtuhm / weder
                    Schönheit noch Frömmigkeit. Man möchte sagen / es wäre eine unsinnige Liebe. Wo
                    hat man jemals gehör et / daß ein mächtiger / ver ständiger Herr sich solte
                    verlieben / in ein geringes / nichtwürdiges / heßliches / unzüchtiges Weibes
                    stück? Vielweniger hat man gehöret / daß er umb einer solchen Person Gegen Liebe
                    sich groß solte bemühen / allermeist wann dieselbige ihn verachtet. Diß ist
                    nimmer geschehen / wird auch nicht geschehen. Was sol man denn sagen von der
                    Liebe Christi? Wie brennet er gegen der abtrünnigen Seele? Wie arbeitet er umb
                    ihr? Wie gehet er ihr nach / und versucht auff allerley Weise sie zu seiner
                    Liebe zu bringen? Ist denn das eine unsinnige Liebe? Das sey ferne / der Sohn
                    Gottes hat in seiner Liebe auch auf Hoheit und Reichtuhm gesehe<hi rend="ns"/> /
                    er hat auch gesehen auff Schönheit und Tugend / nemblich die noch künfftig <pb
                        facs="#drucke_202-55-quod-12s_00006" n="4"/> kommen solte. Hätte man würden
                    zu ihm sagen: HERR / was verliebstu dich an der Menschlichen Seelen / sie ist ja
                    unkeusch und gottloß / würde er geantwortet haben: Ich wil sie keusch und heilig
                    machen; würde man gesagt haben / sie ist heßlich; würde er geantwortet haben:
                    Ich wil sie schön machen; würde er gesagt haben / sie ist arm; würde er
                    geantwortet haben: Ich wil sie reich machen; würde man gesagt haben / sie ist
                    unedel; würde er geantwortet haben: Ich wil sie edel machen. Es hat der Sohn
                    Gottes sich darüber erfrewet / daß er gewüst / das Vnedel edel / das Arm reich /
                    das heßlich schön / das Vnheilige heilig zu machen / darumb hat er auch keiner
                    Arbeit geschonet. Das ists / das die Schrifft andeutet / wann sie spricht: <note
                        place="margin-left">Ephes. 5, 25.</note>Christus hat seine Gemeine geliebet
                    / und hat sich selbst für sie gegeben / auff daß er sie heilige. Er hat so viel
                    Blut vergossen / daß es all genug gewesen zu einem Bade / für die Seele /
                    darinnen sie von ihrem Aussatz gereiniget werde.</p>
                <p>Die Buhler in der Welt / nehmen ihre Liebsten zu gefallen / viel Mühe und Arbeit
                    auff sich, sie putzen sich fein aus / sie bringen der Liebsten eine Music,
                    besuchen sie oft / entweder mit ihrer Gegenwart oder freundlichen Briefen / sie
                    geben ihr auch Gaben; Das alles findet sich bey Christo. Höret Wunder / was der
                    HERR der Herrligkeit / der armen Seelen zu Liebe tuht. Seine Mühe und Arbeit ist
                    bekant. Wie schmück et er sich aber seiner Liebsten zu gefallen? Wie stavirt er
                    sich? Von Herode läst er ihm anziehen ein weisses Kleid / von Pilato läst er ihm
                    anlegen den rothen Purpur Mantel / dieses läst er alles verschammeriren mit den
                    gülden Schnüren seines Blutes / an seinem Leibeist er um<hi rend="ns"/>geben mit
                    den Ketten vieler Striemen / an seinen Händen und Füssen läst er sehen köstliche
                    Händschue und Stiefeln / <pb facs="#drucke_202-55-quod-12s_00007" n="5"/>
                    nemblich die Nägelmahlan Händen und Füssen / auff seinem Hertzen träget er das
                    Kleinod einer tieffen Wunden / und sein Häupt läst er krönen mit einer Dornen
                    Kron / das laß mir seyn ein wolausgestafirten Bräutigam. Solche Kleidung nimpt
                    er an / zwar Ihm zum Schimpf un<hi rend="ns"/> Spott / dir aber liebe Seele /
                    dir zu Preiß und Ehre. Hat er aber auch seiner Braut kein Liedlein gesungen? Ja
                    freylich / die Liebe lehret ihm singen ein Klag Lied: Mein Gott / mein Gott /
                        warum<hi rend="ns"/> hastu mich verlassen? Die Liebe trang ihm zu singen ein
                    Lied voll brünstiges Verlangens; Mich durst / mich durst. Läst er sich aber
                    seiner Liebsten nicht sehen? Besucht er sie nicht? Spricht er ihr nicht
                    freundlich zu? Wo hat man jemals ein freundlichers Gespräch gehöret / als der
                    Sohn Gottes anstellete mit der menschlichen Seelen / durch seine Legaten und
                    durch sein Wort? Was seynd die Diener Christi anders als Brautwerber / durch
                    welche Christus die Seelen umb die Liebe ersuchet? In solchem Ansehen spricht
                    Paulus: Ich habe euch einen<note place="margin-right">2, Cor. 11, 2.</note>
                        Man<hi rend="ns"/> vertrauet / daß ich eine reine Jungfrau Christo
                    zubrächte. Was schencket er aber der Seelen? ER schencket ihr sein Blut / das
                    sie reiniget / und seinen Geist / der sie heiliget.</p>
                <p>Wir haben genung gesehen / wie viel der gewaltiger König um<hi rend="ns"/> eine
                    unwerthe Magd getahn hat / Last uns auch ein wenig anschauen die Herrligkeit /
                    dazu diese unwerthe Magd durch die Fürstliche Liebe erhaben ist. Wenn ein
                    vornehmer Herr ein armes Mägdlein zur Ehe nimpt / wird dasselbige zwar reich
                    durch den Reichtuhmb ihres Bräutigams / und Edel durch desselben Adel; ist sie
                    aber nicht schön / wird sie durch die fürnehme Ehe nim<hi rend="ns"/>er schön
                    werden. Die arme Seele erlanget alles / sie wird eine Königm / nicht allein an
                    Würden / sondern auch an Macht. <pb facs="#drucke_202-55-quod-12s_00008" n="6"/>
                    Alles was da ist / das muß ihr zum besten dienen / und kan ihr nichts schaden.
                    Von einem Griechische<hi rend="ns"/> Helde melden die Historien / daß er seinem
                    Vaterland so lieb gewesen / daß es alles getahn / was er gewolt hat; Dagegen hat
                    der Man<hi rend="ns"/> ihm gefallen lassen alles was seine Frau gewolt / die
                    Frau aber / was das Kind gewolt; Daher ist eine Rede entstanden / daß ein Kind
                    das gantze Land regiere. Das mag man mit Warheit sagen von der gläubigen Seele /
                    was der Vater im Himmel wil / das muß in aller Welt geschehen / was der Sohn wil
                    / das wil der Vater / und was die gläubige Seele wil / das wil der Sohn / wo es
                    ihr nur heilsam und nützlich ist. Wer wolte denn sagen / daß die Seele keine
                    Königin seye / bey des an Macht und Würden? Du möchtest sagen / das seynd Worte
                    / die lassen sich rede; Es seynd nicht blosse Worte / du wirst die Warheit
                    dermahl eins selbst erfabren / denn daß du nun noch von vielen Creaturen
                    beängstiget wirst / das benimpt deiner Königlichen Herrligkeit nichtes / das muß
                    nun so seyn / weil du noch im Streite stehest / es muß dir aber zu deiner
                    Herrligkeit befoderlich seyn / daß offenbar werde / daß du der Königlichen
                    Würden wehrt sey est / Wenn der Streit geändiget / wirstu erfahre<hi rend="ns"/>
                    / wie dir alles hat müssen zum besten dienen. So bistu nun eine Königin / du
                    gläubige Seele / und eine reiche Königin / <note place="margin-left">1. Cor. 3,
                        21.</note>die Schrifft saget: Es ist alles euer / ihr aber seyd Christi.
                    Sihe / dein König und Bräutigam macht dich zum Erben. Wer kan aber den Reichtuhm
                    des Himmels begreiffen? Was wil ich denn sagen von der Pracht und Hobeit unserer
                    Braut? Sie ist nicht nur außwendig außgeschmükt / sie ist schöne inwendig /
                    durch und durch / und ihre Schöne ist eine göttliche Schönheit / wie geschrieben
                    stehet: <note place="margin-left">Ps. 45, 10. 14</note>In deinem Schmuck O König
                    / in deinem Schmuck gehen der Könige Töchter / die Braut <pb
                        facs="#drucke_202-55-quod-12s_00009" n="7"/> stehet zu deiner Rechten in
                    eitel köstlichem Golde. Des Königes Tochter ist gantz herrlich inwendig / sie
                    ist mit gülden Stücken gekleidet / man führet sie in gestückten Kleidern zum
                    Könige. Sie ist erfüllet mit dem Glantz Christi / durch und durch. Sie ist
                    bekleidet mit dem Rock der Unschuld. Sie ist umbgeben mit den Ketten
                    mannigfaltiger Tugend. Auff ihrem Haupt trägt sie die Krone eines reinen
                    Gewissens. Ach wie viel ist an dem Schmuck der Braut zu besehen / wir müssen nur
                    einhalten / denn bey dieser Fürstlichen Vermählung noch mehr zu besehen ist.</p>
                <p>Wenn wir den Zustand der Verliebten gesehen / können wir auch ferner ansehen die
                    Lust und Frewde / so bey dieser Fürstlichen Hochzeit zu finden ist / nur daß wir
                    vor etwas sagen / wie es mit ihrer Verlöbnis zugehe / und wie sie mit einander
                    ehlich verbunden werden. Das Geheimnis<note place="margin-right">Eph. 5,
                        12.</note> ist groß / Ich sage aber von Christo und der Gemeine / worin
                    steckt das Geheimnis? Ein Man<hi rend="ns"/> wird verlassen Vater und Mutter /
                    und seine<hi rend="ns"/> Weibe anhangen / und werden zwey ein Fleisch seyn. Hat
                    nicht der Sohn Gottes müssen verlassen den Schoß seines himlischen Vaters / da
                    er sich an einem Weibe verliebete? Hat er sich nicht müssen eussern seiner
                    Herrligkeit? wer wil sagen / wie es sey zugangen / da Gott von Gott verlassen
                    ist? das Geheimnis ist groß / was hat er damit gesuchet? Er suchet ein Weib. Was
                    ists / daß er seinem Weibe anhanget. Ein Mann hänget sich an ein Weib durch ein
                    Verbündnis / wann der Bräutigam saget: Ich nehme dich auff zu meiner Gemahlin /
                    und verspreche dir hiemit meine Trewe; und die Braut gleichfals; Ich nehme dich
                    auff zu meinen Gemahl / und verspreche dir meine Treue. Also verbindet sich auch
                    Christus mit der Seelen / <pb facs="#drucke_202-55-quod-12s_00010" n="8"/> und
                    spricht: Sihe / ich bin dein; die Seele wiederumb / Ja ich bin dein / und du
                    bist mein. Auff solche Verbündnis folgt eine keusche Liebe. Die heilige Schrifft
                    redet also: <note place="margin-left">???os. 2, 19.</note>Ich wil mich mit dir
                    verloben in Ewigkeit / Ich wil mich mit dir vertrawen in Gerechtigkeit und
                    Gerichte / in Gnade und Barmhertzigkeit. Ja im Glauben wil ich mich mit dir
                    verloben / und du wirst den HErrn erkennen.</p>
                <p>Der Sohn Gottes neiget sich zu der Seelen mit seiner Gnade und Barmhertzigkeit /
                    die Seele richtet sich auf durch den Glauben / und helt sich an der angebotenen
                    Gnade / also hangen Christus und die Seele zusa mmen / im Glauben und in der
                    Liebe / und daß Christus der Seelen also möchte anhangen / hat er sich nicht
                    geweigert / den Schoß seines Vaters zu verlassen. Wen<hi rend="ns"/> Braut und
                    Bräutigam ehlich verbunden seyn / mag sie nichts scheiden als der Todt / es were
                    denn / daß ein Theil ehebrüchig würde. Christum und die Seele scheidet auch der
                    Todt nicht / nichts kan uns scheiden von der Liebe Gottes / die da ist in
                    Christo JEsu / denn unmüglich ist es / daß Christus / als die ewige Warheit /
                    seinen Bund brechen solte / doch kans geschehen / daß die Seele sich verschelcke
                    / und einem andern nachlauffe. Da sihe abermal Wunder / wie groß die Liebe und
                    Treue deines Heylandes ist, ist die Seele ehebrüchig geworden / verlest sie
                    Christus nicht fort / sondern gehet ihr nach / daß er auffs newe ihre Liebe
                    gewinne. Vnd das hat er in sein Gelübde mit eingeschlossen / daß er sie nicht
                    wil verstossen / so offt sie im Glauben sich wird zu ihm kehren.</p>
                <p>Nun treten wir näher / und sehen zu / was für Lust und Freude bey der geistlichen
                    Hochzeit zu finden. Wenn Fürstliche Beylager gehalten werden / laufft jeder man
                    zu / und wolt ein jeder die Lust und Freude gerne ansehen. <pb
                        facs="#drucke_202-55-quod-12s_00011" n="9"/> Wolan / last uns zusehen / es
                    steht uns frey. Ich sage aber wie vormals / wer zusehen wil / muß ein verliebtes
                    Hertze haben. Aber wohin wende ich mich? was sol ich euch zuerst zeigen / was
                    sol ich euch zuletzt zeigen? Auff Fürstlichen Hochzeiten mag nichts er dacht
                    werden / das nicht tausentfeltig köstlicher sey in der geistlichen Hochzeit /
                    welches doch nicht in leiblicher Gestalt gesehen wird / es erscheinet allein im
                    Liecht des Glaubens / und wird gefühlet in der geistlichen Andacht.</p>
                <p>Den hoch zeitlichen Schmuck der Braut haben wir schon in etwas besehen: Wir
                    müssen itzt nur darauff acht haben / was sonsten bey dieser Vermählung
                    vorläufft. Die Braut / für Liebe kranck / wartet auff ihren Hertz liebsten / wie
                    froh wird sie / wenn sie ihn er sihet / wenn sie ihn sihet einher fahren in
                    seinem Schmuck! Da kömpt / da kömpt den meine Seele liebet / ich halt ihn / und
                    wil ihn<note place="margin-right">Cant. 3, 4.</note> nicht lassen. Es ist nicht
                    außzusprechen was die Seele durch die Hertzerguickende Ankunfft ihres Liebhabers
                    empfindet. Das Hertz kans wol fühlen / aber der Mund kans nicht außsprechen.
                    Denn es seynt geheime Sachen / die nur unter dem Liebhaber und der Geliebten
                    bleiben müssen. Der Liebhaber durch scheusst das Hertz durch seinen Anblick mit
                    fewrigen Pfeilen / und bricht hindurch in die verborgenste Kammer des Hertzens /
                    und vertreibt mit seinem Glantz das Dunckel der Trawrigkeit. Da werden die
                    Begierde brünstig / da fliessen Thränen der Liebe. O keuscher Liebes-Kuß / O
                    trewhertziges Umbfahen / O holdseliges Gespräch. Da redet die Weißheit des
                    Vaters / da umfahen sich Treu und Glaube / da küssen sich Holdseligkeit und
                    Demuth. O süsser Kuß für die Braut! O süsser Kuß für den Bräutigam. Wer solte
                    meynen / daß der Seelen Kuß dem Sohn des Hochgelobten Gottes solte so <pb
                        facs="#drucke_202-55-quod-12s_00012" n="10"/>
                    <note place="margin-left">Cant. 4, 11.</note>süß seyn? höret sein eignes
                    Bekentnis: Deine Lippen / meine Braut / seynt wie trieffender Honigseim / Homg
                    und Milch ist unter deiner Zungen. Die Braut ergetzet sich in der Liebe also
                    sehr / daß sie spricht: <note place="margin-left">Cap. 3, 1,</note>Ich habe
                    funden den meine Seele liebet / ich halt ihn / und wil ihn nicht lassen / biß er
                    mich bringe in meiner Mutter Hauß / in meiner Mutter Kam<hi rend="ns"/>er.
                        Den<hi rend="ns"/> trete<hi rend="ns"/> sie hervor / Die Braut füret mit
                    sich drey Jungfrawen / und viele Magdlein: Der Verstand / der Wille und das
                    Gedächtnis / seynt die edlen Jungfrauen / die fünf Sinne und alle
                    Begierligkeiten seynt die Mägdlein / die stehen alle / und warten auff den
                    Dienst des Königes. Den Bräutigam begleiten unzehlich viel Trabante<hi rend="ns"
                    /> / die Schaar der heiligen Engel / die halten Schiltwacht / daß nichts
                    schädliches mag hinzu dringen. Und dieselbe Engle stehen und schawen mit Lust
                    zu. Dann geben sich Braut und Bräutigam die Hände / und verwechseln die Ringe.
                    Der Bräutigam nimt von der Braut an / Armut / Jammer und Sünde; und schencket
                    ihr hingegen die Heiligkeit seines Geistes / mit welchem wir versigelt werden.
                    Unter des höret man eine freudige Music: Halleluja, Halleluja, Heil und Preiß /
                    Ehr und Krafft / sey Gott unserm HERRN / von Ewigkeit zu Ewigkeit. Frewet euch
                    ihr Himmel / und die darinnen wohnen. Den<hi rend="ns"/> setzet man sich zur
                    Tafel / da fänget an erfüllet zu werden / was der HERR zu den Verächtern der
                    himlischen Hochzeit gesagt hat: Sihe / meine Knechte sollen essen / ihr aber
                    solt hungern. Sihe / meine Knechte sollen <note place="margin-left">Esa. 65,
                        13.</note>trincken / ihr aber sollet dursten. Sihe / meine Kechte sollen
                    frölich seyn / ihr aber solt zu schanden werden. Sihe / meine Knechte sollen für
                    gutem Muth jauchtzen / ihr aber solt für Hertzeleidt <pb
                        facs="#drucke_202-55-quod-12s_00013" n="11"/> schreien / und für Jam<hi
                        rend="ns"/>er heule<hi rend="ns"/>. Auff dieser Tafel mangelt nichts / es
                    ist alles bereitet / was zum Wolleben gehöret. Das Fleisch des Lammes / das
                    erwürget ist / ist die Speise des Lebens; das Blut des Lammes / ist der Seelen
                    Hertzerquickender Tranck. Die Seele sitzet bey dem Brun<hi rend="ns"/> des
                    Lebens / und trincket ohn einigen Abbruch des Brunnens. Das macht das Gemüt
                    frölich / und erhebts über sich. Die Seele vergist auch nicht / ihren Liebsten
                    niedliche Bißlein vor zulegen / die übung des Glaubens und der Gedult / das
                    heilige Verlangen / die Hertzens Seufftzer / das ist speise für Christo. Den<hi
                        rend="ns"/> wie vormals seine Speise gewesen / daß er den Willen des Vaters
                    thue / so ist nun seine Speise /<note place="margin-right">Joh. 4, 34.</note>
                    daß wir seinen Wille<hi rend="ns"/>thun. Es muß auch des Tantzes nicht vergessen
                        werde<hi rend="ns"/> / wie man<hi rend="ns"/>igen Freudensprung tuht die
                    Seel in ihrer Liebe? Endlich führet sie ihren Bräutigam zu Bette / und spricht:
                    Sihe mein Freund / du Schöner / du<note place="margin-right">Cant. 1, 16.</note>
                    Lieblicher / sihe / unser Bett grünet. Das Braut-Bett ist das reine Gewissen /
                    darinnen ruhet der Bräutigam mit seiner Braut in Frieden.</p>
                <p>So gehets hie zu / wann wir noch auff Erden seyn. Wer nicht in der Liebe lebet /
                    weis nichts davon. Was wird aber geschehen / wann der Bräutigam seine Braut zu
                    Hause für et / zu dem Sitz des himlische<hi rend="ns"/> Vaters? Johan<hi
                        rend="ns"/>es / der da von in seiner Offenbarung etwas gesehen / berichtet /
                    daß er habe geböret eine Stimme einer grossen Schaar / die sprachen: Halleluja
                    Halleluja / lasset uns freuen und frölich seyn / denn die Hochzeit des Lammes
                        ist<note place="margin-right">Apoc. 19, 4</note> kommen / und sein Weib hat
                    sich bereitet.</p>
                <p>Man möchte mich für närrisch halten / daß bey gegenwertiger prächtigen Versamlung
                    ich so viel mit geistlicher Liebe zu tuhn habe. Ich bekenne es / ich bin zum
                    Narten für der Welt geworden über der Liebe Jesus / und weiß <pb
                        facs="#drucke_202-55-quod-12s_00014" n="12"/> mich über nichts mehr zu
                    ergetzen / als über der Liebe meines HErrn Jesus. Ich wolt daß der Narren viel
                    in der Welt wären. Denn was solte unser Seelen liebers seyn / als daß der Sohn
                    des hochgelobten GOttes zu unser Seelen spricht: Sihe meine Freundin / liebe
                    Braut / du bist mein / me in bistu. Was solte uns besser anstehen / als in
                    dieser geistlichen Liebe uns alleweg ergetzen? Das dienet uns auch dazu / daß
                    wir in schuldiger Pflicht verbleiben. Als <note place="margin-left">1. Sam. 25.
                        v. 41.</note>David zu der klugen Abigail Botschaften sendet / umb sie zu
                    werben / fiel sie in tieffer Demuht zur Erden / und sprach: Sihe / hie ist deine
                    Magd / daß sie diene den Knechten meines Herren / und ihre Füsse wasche. Wann
                    ich höre / wie Chriftus umb meine Seele wirbt / und ihr zuspricht: Du solst
                    meine Braut seyn; Solt ich nicht in tieffster Demuht nieder sincken / und sagen:
                    Sihe / hie ist deine Magd / daß sie diene den Knechten meines HERRN. Ich bin
                    bereit zu tuhn deinen Willen nach alle deine<hi rend="ns"/> Wolgefallen. Aber
                    ich gerahte wieder in die Narrheit / ich kan mich nicht darin ersättigen. Doch
                    aber / daß ihr nicht meynet / daß ich eben so närrisch handle / so habe ich
                    schon vorhin gesaget / daß ein Unterscheid sey zwischen einer Heydnischen und
                    Christlichen Ehe. Die Christliche Ehe wird geheiliget / nicht anders als durchs
                    Wort Gottes / und das Gebet. Die in der geheiligten Eheleben / können sich
                    frewen / daß sie in ihrem Stande ein Fürbilde Christi seyn / und seiner Gemeine;
                    Sie können es sich auch zu nütze machen / wenn das Creutz kompt / und können
                    gedencken: Wen<hi rend="ns"/> ich mein Weib oder meinen Mann mit meinem Blut
                    belffen köndte / ich würde es nicht lassen; Solte denn Christus kein Hertz haben
                    mir zu helffen / da er sich doch erkläret / der Bräutigam meiner Seelen zu seyn?
                    gewißlich / wie getreuer Christus ist / als wir armen Snüder / je begieriger
                    wird Er seyn / uns gutes zu tuhn / und zu helffen.</p>
                <pb facs="#drucke_202-55-quod-12s_00015" n="13"/>
                <p>Gesegnet seyd Ihr / ihr Hochverliebtes Paar / die Ihr uns zu diesen Gedancken
                    Anlaß gegeben habt / Gesegnet seyd Ihr vom HErrn / denn in eurem Schmuck bildet
                    Ihr uns itzt für CHristum und seine geliebte Braut / die gläubige Seele. Wir
                    wünschen Euch Glück vom HErrn. Der HErr vom Him<hi rend="ns"/>el gesegne Euch /
                    und eure Ehe. Gesegnet sey der Anfang / gesegnet sey der Fortgang / gesegnet sey
                    das Ende. GOtt vom Him<hi rend="ns"/>elüberschütte Euch mit vielen Segen an Leib
                    und Seele / Amen.</p>
                <p>ENDE.<graphic facs="#drucke_202-55-quod-12s_00015"/></p>

            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
