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                <title>Sattler, Basilius: Ein Predigt/ Gethan bey der Begrebniß Weiland des ...
                    Herrn Heinrich Julii des Jüngern/ Hertzogen zu Braunschweig und Lüneburg/ so den
                    11. Julii Anno 1606. zu Wolffenbüttel Selig entschlaffen/ und den 21. alda
                    begraben ist / Durch Basilium Satler D. Hoffpredigern daselbst.</title>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name type="org">Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</name>
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                </publisher>
                <date when="2012-09-12">2012</date>
                <distributor>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</distributor>
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                    <p>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (<ref
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                    </p>
                </availability>
            </publicationStmt>
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                <bibl>
                    <title>Ein Predigt/ Gethan bey der Begrebniß Weiland des ... Herrn Heinrich
                        Julii des Jüngern/ Hertzogen zu Braunschweig und Lüneburg/ so den 11. Julii
                        Anno 1606. zu Wolffenbüttel Selig entschlaffen/ und den 21. alda begraben
                        ist / Durch Basilium Satler D. Hoffpredigern daselbst</title>
                    <author>Basilius Sattler</author>
                    <publisher>Söhne</publisher>
                    <pubPlace>Heinrichstadt</pubPlace>
                    <date>1606</date>
                    <idno type="opac">620113278</idno>
                </bibl>
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                    <ref target="http://www.oberhofprediger.de">Obrigkeitskritik und
                        Fürstenberatung: Die Oberhofprediger in Braunschweig-Wolfenbüttel
                        1568-1714</ref>
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                <head>Ein Predigt / Gethan bey der Begrebniß Weiland des Durchleuchttgen
                    Hochgebornen Fürsten vnd Herrn / Herrn Heinrich Julij des Jüngern / Hertzogen zu
                    Braunschweig vnd Lüneburg / so den 11. Julij Anno 1606. zu Wolffenbüttel Selig
                    entschlaffen / vnd den 21. alda begraben ist.<graphic url="http://diglib.hab.de/drucke/231-47-theol-10s/min/00001.jpg"/></head>
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                <head>Durch Basilium Satler D. Hoffpredigern daselbst.</head>
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                <head>Heinrichstadt / Durch Julium Adolphum von Söhne /</head>
            </div>
            <div>
                <head>ANNO M. DC. VI.</head>
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            </div>
            <div>
                <head><hi rend="italics">1. Pet: 4.</hi></head>
                <p>ES ist zeit / das anfahe das Gericht vom Hause GOttes. So aber zu erst an vns /
                    was wils für ein Ende nehmen mit denen die dem Euangelio GOTTES nicht gleuben?
                    Vnd so der Gerechte kaum erhalten wird / wo wil der Gottlose vnd Sünder
                    erscheinen?</p>
            </div>
            <div>
                <head>Außlegung.</head>
                <p>GEliebte im HErrn / Es sagt der König vnd Prophet Dauid im hundert vnd dritten
                    Psalm / Ein Mensch ist in seinem Leben wie Graß / er blühet wie ein Bluem auff
                    dem Feld / wenn der Wind darüber gehet / so ist sie nimmer da / vnd jhre Stet
                    kennet sie nicht mehr.</p>
                <p>Des hat vns GOtt diese zeit ein fürtrefflich mercklich Exempel für die Augen
                    gestellet / in dem er für wenig Tagen / auß diesem Jammerthal abgefordert einen
                    jungen Herrn dieses Fürstlichen Hauses / Weilandt den Durchleuchtigen /
                    Hochgebornen / Fürsten vnd Herrn / <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00004"/>
                    Herrn Heinrich Julium / Hertzogen zu Braunschweig vnd Lüneburg / etc. So wir
                    jtzund zu S. F. G. Ruegestette begleitet haben.</p>
                <p>Vnd sehen wir jtzunder hie für Augen / das solcher Spruch Dauids von der
                    Gebrechligkeit vnd Vnbestendigkeit des Menschlichen Lebens / nicht alleine vber
                    gemeine Leute gehe / sondern auch vber die / die für andern von GOtt hoch
                    begabet sind. Darumb setzet GOtt hinzu Esaia 40. Alles Fleisch ist Hew / vnd
                    alle seine Herrligkeit (damit verstehet er alles was fürtrefflich) ist wie die
                    Blumen auff dem Feld. Das Hew verdorret / die Blume fellet ab.</p>
                <p>Es hat aber Hochgedachter Herr zuuor vnd ehe es mit S. F. G. so weit kommen ist /
                    vnd sie diß Leben geschlossen / einen harten Stand / vnd schwere Kranckheit
                    außgestanden / vnd hat GOtt S. F. G. hart mit genommen / das ist GOttes Werck /
                    welches man nicht verhalten sol. Wie der Engel Raphael zu Tobia sagt am 12. Cap.
                    König vnd Fürsten Raht vnd Heimligkeit sol man verschweigen / Aber GOttes Werck
                    sol man preisen vnd offenbarn.</p>
                <p>Dieweil aber die Menschen gemeiniglich / wenn die Leute also gequelet werden /
                    mit dem besten nicht dazu komen / sondern vnrecht vnd vbel dauon vrtheilen / hab
                    ich dißmal den verlesenen Spruch S. Petri zuerklere<hi rend="ns"/> fürnemen
                    wollen / dieweil vns GOtt selber durch Petrum darin recht berichtet / wie wir
                    solche Exempel recht ansehen / <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00005"/> wes
                    wir vns trösten / vnd wie wirs zu vnser besserung seliglich gebrauchen
                    sollen.</p>
                <p>Solcher Spruch dienet beides den Gottfürchtigen vnd Frommen zu Trost / vnd denn
                    auch den Gottlosen zur Warnung. Darumb wir alle jhn fleissig mercken sollen.</p>
            </div>
            <div>
                <head>Es handelt aber Petrus in dem verlesenen Spruch zweyerley.</head>
                <p>Erstlich berichtet er / wie hart vnser HErr GOTt die seinen in dieser Welt mit
                    nehme.</p>
                <p>Zum Andern macht er daraus die Rechnung / was dermal eins die Gottlosen
                    zugewarten haben.</p>
                <p>GOTT gebe dazu seine Gnade / das es zu vnser Lehr / Trost vnd besserung gereiche
                    / Amen.</p>
                <p><graphic facs="#drucke_231-47-theol-10s_00005"/></p>
                <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00006"/>
            </div>
            <div>
                <head>Der Erste Theil.</head>
                <p>DER H. Apostel Petrus richtet seine gantze Epistel dahin / das die Christen an
                    die er schreibet / im Glauben an Christum gestercket / zu einem Gottseligen
                    Leben vnd Wandel / sonderlich aber zur Gedult im Creutz vermahnet werden.</p>
                <p>Bey solcher Lehre von der Gedult im Creutz erinnert er die Christen / das sie
                    nicht leiden sollen als Vbeltheter / vnd sollen also dem Euangelio keinen
                    Schandflecken anhangen / sondern sie sollen als Christen vnschüldig leiden / vnd
                    ein guten Gewissen haben.</p>
                <p>Da möchte nun als bald einer gedencken / sollen denn die Frommen vnd Vnschüldige
                    auch leiden? dazu sagt Petrus ja. Es ist zeit das anfange das Gerichte vom Hauß
                    Gottes / als wolte ersagen / vnser HErr GOtt ist ein gerechter Richter / der mit
                    der Sünde durchauß nicht durch die Finger siehet / sondern sie hasset vnd
                    straffet / Das beweiset er auch zu erst an seinem Hause / das ist an den
                    Gleubigen / die zwar seine Haußgenossen / vnd liebe Kinder sind / aber nicht
                    destoweiniger müssen sie jhr Gerichte vnd Straff außstehen / nach GOttes
                    gerechtem vnd veterlichem Vrtheil / auff das sie erkennen vnd fülen / das GOtt
                    ein gerechter Richter vnd Sünden feind sey / vnd sie sich also von hertzen zu
                    GOtt bekehren. Sie sind aber nicht destoweiniger vnd bleiben GOttes Haußgesinde
                    vnd liebe Kinder.</p>
            </div>
            <div>
                <head>Hieraus haben wir nu Lehr vnd Trost zu mercken.</head>
                <p>Die Lehreist diese / das nicht alleine die Gottlosen in dieser Welt leiden müssen
                    / wie Dauid im 32. Psalm saget / Der Gottlose hat viel Plage / sondern es müssen
                    für andern auch die Frommen herhalten / vnd viel Creutz vnd Jammer
                    außstehen.</p>
                <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00007"/>
                <p>Das kömpt nun vns zu malen frembd für / das GOtt nicht alleine die Gottlosen mit
                    nimmet / sondern auch mit seinen lieben Kindern also haußhelt. Wir lassen vns
                    bedüncken / ersol alleine bey den Gottlosen bleiben / vnd die straffen / die
                    seinen aber verschonen. Daher stossen sich die Leut daran / wenn sie sehen das
                    es auch den Frommen vbel gehet.</p>
                <p>Assaph sagt Psalm 73. Sols den vmbsonst sein / das mein Hertz vnstre fflich lebet
                    / vnd wasche meine Hende in Vnschuldt?</p>
                <p>Vnd Maleachi 3. sagen sie / es ist vmbsonst das man Gott dienet / vnd was nützets
                    das wir seine Gebot halten?</p>
                <p>Daraus folgen auch bey den Leuten verkerte Vrtheil / von denen die GOtt im leben
                    vnd sterben hart mit nimbe / das man sie wol des wegen verdammet / oder meinet /
                    sie haben solche Straff für andern mit sonderlichen Sünden verdienet.</p>
                <p>Hiobs freunde stehenhart darauff / weil GOtt jhn aso plaget / so müste er auch
                    ein heimblich Stück auff sich haben.</p>
                <p>Da Paulo / nach erlittenem Schiffbruch ein Otter vmb die Hand fehret / vrtheilen
                    die Malteser / dieser Mensch muß ein Mörder sein / den die Rache nicht leben
                    lesset / ob er gleich dem Meer entrunnen ist.</p>
                <p>Vnd bey vns selber folget aus solchen falschen Gedancken vom Creutz / das wir
                    zaghafftig vnd kleinmütig / auch wol Gottloß werden / meinen es sey gleich viel
                    / man sey fromb oder nicht.</p>
                <p>Solchen gefehrlichen Gedancken nun zu begegnen / sollen wir mercken / da werde
                    nicht anderst aus / GOtt habe es also beschlossen / das er nicht alleine die
                    Gottlosen / sondern auch in dieser Welt / doch als ein Vater / die Gottseligen
                    richten wolle / die müssen auch nach seinem heiligen Gericht / beydes jnnerliche
                    schwere Anfechtung / vnd denn auch eusserliche Verfolgung außstehen. Dauon sagt
                    vnter andern Dauid im 34. Psalm / Der Gerecht muß viel leiden. Vnd im 38. Psalm
                    klaget er / Ich bin zu leiden gemacht / da er doch wie sonst die Schrifft redet
                    / ein Man nach dem hertzen GOttes war. <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00008"
                    /> Matth. 16. spricht Christus / Wer da wil mein Jünger sein / der verleugne
                    sich selber / vnd nehme sein Creutz auff / vnd folge mir nach.</p>
                <p>Paulus vnd Barnadas stercken Act. 14. die Seelen der Jünger / vnd sagen jhnen /
                    wir müssen durch viel Trübsalins Reich GOttes gehen. Vnd 2. Tim. 3. spricht
                    Paulus / Alle die da Gottselig leben wollen in Christo / müssen Verfolgung
                    leiden. Solches zeugen die Historien der Heiligen.</p>
                <p>Die Ertz Veter die GOtt so lieb vnd werd gehalten / das er selber mit jhnen
                    geredet / sind nicht allezeit in Rosen gesessen / sondern die aller grösseste
                    Merterer gewesen. Das ist auch begegnet den heiligen Königen / den Propheten /
                    den Aposteln / vnd andern Gleudigen. So gehet es noch heutiges Tages den
                    Frommen. Vnd hat GOtt dessen viel vrsach / dauon zu andern zeiten gesagt wird.
                    Aber vnter andern ist diß die fürnembste dauon Paulus 1. Cor. 11. schreibet /
                    Wenn wir gerichtet werden / so werden wir vom HErrn gezüchtiget / auff das wir
                    nicht mit der Welt verdambt werden.</p>
                <p>Das sol vns nun dazu dienen / das wir vns daran nicht ergern / vnd von wegen
                    vieler Anfechtunge / Creutzes vnd leidens niemand freuentlich verdammen / denn
                    damit verdammen wir alle Kinder GOttes / wie Assaph im 73. Psalm sagt.</p>
                <p>Vnd wir selber sollen deswegen nicht Gottloß werden / oder verzagen / sondern vns
                    mit Gedult in die sache ergeben / vnd gleich ein Sprichwort auß diesem Spruch
                    machen / das Gerichte fange an am Hause GOttes / wie denn Petrus diesen Spruch
                    auß dem Propheten genommen hat Jerem. 25. An dem Hauß das nach meinem Namen
                    genennet ist / fange ich an zu plagen. Vnd Ezech. 9. Fang aber an (zuschlagen /
                    spricht Gott) an meinem Heiligthumb.</p>
                <p>Zum Andern geben vns diese Wort Petri viel faltigen Trost.</p>
                <p>Der Erste ist / wenn wir schon leiden / thue es vns doch keinen schaden / vnd sol
                    es vns keine schwere Gedancken machen / sondern wir sind einen weg als den
                    andern / das Hauß GOttes / Das ist / er helt vns für seine Haußgenossen vnd
                    liebe Kinder.</p>
                <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00009"/>
                <p>Darumb sagt Salom. Proverb. 3. welches auch die Epistel zun Hebr. 12. wiederholet
                    / vnd noch weiter außstreichet. Mein Kind verwirff nicht die Zucht des HErrn /
                    vnd sey nicht vngedültig vber seiner Straff / denn welchen der HErr liebet den
                    straffet er / vnd hat wolgefallen an jhm / wie ein Vater am Sohn.</p>
                <p>Vnd Item. 31. Da GOtt den Ephraim gezüchtiget hat / wie ein geil Kalb / vnd er
                    sich bekeret spricht GOtt / Ist nicht Ephraim mein tewrer Sohn / vnd mein
                    trawtes Kind / darumb bricht mir mein Hertz gegen jhm / das ich mich seiner
                    erbarmen muß.</p>
                <p>Bleibet also GOtt vnser Vater / vnd wir seine Haußgenossen vnd liebe Kinder einen
                    weg als den andern / ob er vns schon hart mit nimpt vnd plaget.</p>
                <p>Zum Andern / haben die Wort auch diesen Trost hinder sich / das / weil wir GOttes
                    Hauß sind / so wil er auch in diesem Leben vber vns halten / wie sonsten ein
                    ehrlicher Man vber seinem Hause / Kinder vnd Gesinde helt / vnd sich jhrer
                    trewlich annimbt / also / das den Paulus erger helt / als einen Heyden der
                    solchs nicht thut. Also wil GOtt die seinen im Creutz vnd leiden nicht vbergeben
                    vnd verlassen / sondern sich jhrer als der seinen hertzlich vnd trewlich annemen
                    vnd für sie sorgen.</p>
                <p>Dauon sagt er im 91. Psalmen / Er begeret mein / so wil ich jhm außhelffen / Er
                    kennet meinen Nahmen / so wil ich jhn schützen / Er rufft mich an / so wil ich
                    jhn erhören / Ich bin bey jhm in der Noht / ich wil jhn herauß reissen /
                    etc.</p>
                <p>Vnd Jesai. 41. Fürchte dich nicht / ich bin mit dir / Weiche nicht / denn ich bin
                    dein GOtt / ich stercke dich / ich belffe dir auch / ich erhalte dich durch die
                    rechte Hand meiner Gerechtigkeit.</p>
                <p>Vnd Jesai 49. Zion spricht / Der HErr hat mein vergessen / der HErr hat mich
                    verlassen / kan auch ein Weib jhres Kindes vergessen / das sie sich nicht
                    erbarme vber den Sohn jhres Leibess vnd ob sie sein vergesse / wil ich doch dein
                    nicht vergessen. Siehe / in die Hende habe ich dich gezeichnet / vnd deine
                    Mawren sind jmmerdar für mir.</p>
                <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00010"/>
                <p>Summa wir sind sein Hauß vnd seine Kinder / er ist vnser Haußherr vnd Vater / er
                    wird vns nicht verlassen / sondern vber vns halten / vnd vns wol versorgen.</p>
                <p>Es folget auch auß den Worten Petri / das er vns auch GOttes Hauß heisset / Zum
                    dritten / der Trost / das insonderheit auch im Tod sich GOtt vnser annehmen wil
                    / vnd vns nicht lassen vntergehen / Denn das hielte GOtt für eine schande / das
                    der Teuffel oder Todt jhm sein Hauß zerstören / oder seine Haußgenossen jhme
                    nehmen / vnd sie verderben solte / vnd er jhnen nicht herauß hülffe.</p>
                <p>Darumb stehet Exod: 3. Das GOtt sich nennet den GOtt Abraham / Isaac / vnd Jacob
                    / Nun ist er wie Christus Matth: 22. es erkleret / Nicht ein GOtt der Todten /
                    sondern der Lebendigen / so leben sie ja für jhm / ob sie schon zum theil
                    fürlengst verrottet / vnd verfaulet find.</p>
                <p>Vnd Rom: 14. sagt Paulus von vns / die wir GOTtes Haußgenossen sind: Vnser keiner
                    lebet jhm selber / vnd keiner stirbet jhm selber / leben wir / so leben wir dem
                    HErrn sterben wir / so sterben wir dem HErrn / Darumb wir leben oder sterben /
                    so sind wir des HErrn / Denn dazu ist auch Christus gestorben / vnd wieder
                    lebendig worden von den Todten / das er vber Todte / vnd Lebendige ein HErr
                    sey.</p>
                <p>Dabey bleibet es noch nicht / sondern zum vierden / nach diesem Leben wil GOtt /
                    denen / die zu seinem Hauß gehören / das ewige Leben geben / vnd da sie alles
                    Leids ergetzen / vnd da erst recht beweisen / das sie sein Eigenthumb vnd sein
                    Hauß sind. Dauon stehet Jesa: 66. Ich wil sie trösten / wie einen seine Mutter
                    tröstet / etc.</p>
                <p>Johan: 10. Ich gebe meinen Schaffen das ewige Leben. Das sehen wir am armen
                    Lazaro / das sich GOtt nicht allein seiner in seinem Todt annimpt / sondern er
                    wird auch getragen in Abrahams Schoß / vnd getröstet.</p>
                <p>Ein schön Fürbild dessen / wie die Gleubigen / die sich hie leiden müssen / jhres
                    Leides im ewigen Leben ergetzet werden / haben wir <pb
                        facs="#drucke_231-47-theol-10s_00011"/> Apoc: 7. Da spricht der Eltesten
                    einer zu Johanni / Wer sind diese mit den weissen Kleidern angethan? vnd woher
                    sind sie kommen? Johannes spricht zu jhm / HERR du weissests / Vnd der Elteste
                    spricht / Diese sinds / die da kommen sind auß grossem Trubsal / vnd haben jhre
                    Kleider gewaschen / vnd haben jhre Kleider hell gemacht im Bluth des Lambs.
                    Darumb sind sie für dem Stuel GOttes / vnd dienen jhm Tag vnd Nacht in seinem
                    Tempel / vnd der auff dem Stuel sitzet / wird vber jhnen wohnen. Sie wird nicht
                    mehr hungern noch dürsten / Es wird auch nicht auff sie fallen die Sonne oder
                    jrgent eine Hitze. Denn das Lamb mitten im Stuel / wird sie weiden vnd führen zu
                    den lebendigen Wasserbrunnen / Vnnd GOtt wird abwischen alle Threnen von jhren
                    Augen. So viel vom ersten Theil.</p>
            </div>
            <div>
                <head>Der Ander Theil.</head>
                <p>WEnn ein Mensch also höret predigen von den Frommen / das es jhnen so vbel gehe
                    in der Welt / so wird er bald auch dencken auff die Gottlosen / wie es denn
                    denen gehe / die sich so vbel halten.</p>
                <p>Wenn er sich nun in der Welt vmbsichet / so befindet er / das / wie es den
                    Frommen vbel gehet / also / gehe es jhnen den Gottlosen wol.</p>
                <p>Das kömpt nun einem wunder seltzam für. Darumb sagen sie Mal: 3. Es ist vmbsonst
                    / das man GOtt dienet / vnd was nützets vns / das wir seine Gebot halten /
                    etc.</p>
                <p>Darumb preisen wir die Verechter / denn die Gottlosen nehmen zu / Sie versuchen
                    GOtt / vnd gehet jhnen alles wol hinauß.</p>
                <p>Da zeiget nun Petrus an / was es mit den Gottlosen für eine gelegenheit habe. Es
                    lasse jhnen ja GOtt eine zeitlang friede / <pb
                        facs="#drucke_231-47-theol-10s_00012"/> vnd thue jhnen noch vber das wol
                    guts / Als Luc: 13. den Gertner den vnfruchtbarn Feigenbaum dünget / aber man
                    sol auffs Ende sehen / da werdees sich anderst außweisen.</p>
                <p>So aber erst an vns? spricht er / was wils für ein ende werden / mit denen / die
                    dem Enangelio GOttes nicht gleuben? Vnd so der Gerechte kaum erhalten wird / wo
                    wil der Gottloß vnd Sünder erscheinen?</p>
                <p>Er wil sagen / es gehet ja ein zeitlang den Gottlosen wol / das einer fast in die
                    Gedancken gerahten solte / GOtt were vngerecht / Aber es hat keine noth / es
                    wird nicht ewig also bleiben / sondern ein mahl anderst werden. Man sehe auff
                    das Ende / denn eben darauß das GOtt die Frommen also plaget / sollen wir vns
                    diese gewisse Rechnung machen / nimpt GOtt die Frommen / die Buß thun / vnd dem
                    Euangelio GOttes gleuben / in diesem Leben so hart mit / das sie schier verzagen
                    / vnd mit nawer noth dauon kom<hi rend="ns"/>en / das sie nicht verdampt werden
                    / so wird es zu letzt gar ein schrecklich ende nehmen / mit denen / die nicht
                    Busse thun / oder in jhren Sünden verzagen.</p>
                <p>Hilff GOtt wie vbel werden solche Leuthe an jenem Tage bestehen für GOttes Augen
                    / die nach GOtt vnd seinem Wort nicht gefragt / vnd in allerley Sünden /
                    Schanden vnd Lastern jhr Leben zugebracht?</p>
                <p>Diesen andern Theil / sollen wir zur Lehr vnd Warnunge gebrauchen.</p>
                <p>Die Lehr ist / das wir vns auch nicht sollen daran ergern / sondern das gewohnen
                    / das es eine zeitlang den Gottlosen wol gehet.</p>
                <p>Dieses ist nun der Vernunfft seltzam / wir meinen gentzlichen / den Gottlosen sol
                    es vbel in dieser Welt / vnd den Frommen wol gehen / vnd können vns vnser lebtag
                    solcher Gedancken nicht wol entschlahen. Darumb werden die Leut goltloß /
                    Eccles: 8. weil nicht bald geschiehet ein Vrtheil vber die bösen Werck / dadurch
                    wird das Hertz der Menschen voll böses zuthun.</p>
                <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00013"/>
                <p>Aber dahin meinets GOtt nicht / sondern hat des viel andere vrsachen. Er spricht
                    Jesai. 55. Meine Gedancken / sind nicht ewre Gedancken / vnd ewre Weg / sind
                    nicht meine Wege. Sondern so viel der Himmel höher ist / denn die Erden / so
                    sind auch meine Wege höher denn ewre Wege / vnd meine Gedancken denn ewre
                    Gedancken.</p>
                <p>Vnd ist nun das GOttes Ratzt vnd wille / das er die Gottlosen nicht also bald sie
                    es verdienen / in dieser Welt straffet / vnd vnter gehen lesset / Sondern nach
                    seiner grossen gůete / siehet er jhnen eine zeitlang zu / vnd lesset es jhnen
                    wol gehen / das sie sich bekehren / Oder da sie es nicht thun / nichts zu jhrer
                    entschůldigung / das sie etwa vbereilet / fürwenden können.</p>
                <p>Dauon stehet Job 21. Die Gottlosen leben vnd werden alt / vnd nehmen zu mit
                    Güttern / Ihr Saame ist sicher vmb sie her / vnd jhre Nachkömlinge sind bey
                    jhnen. Ihr Hauß hat friede für der Furcht / vnd GOttes Ruthen ist nicht vber
                    jhnen. Sein Ochsen lesset man zu / vnd mißrecht jhm nicht / seine Kueh kalbet /
                    vnd ist nicht vnfrucht bar / Ihre junge Kinder gehen auß wie eine Herde / vnd
                    jhre Kinder lecken. Sie jauchzen mit Paucken vnd Harpffen / vnd sind frölich mit
                    Pfeiffen / Sie werden alt bey guten Tagen / vnd erschrecken kaum ein Augenblick
                    für der Hellen / (das ist fůrm Todt) die doch sagen zu GOtt / hebe dich von vns
                    / wir wollen von deinen Wegen nicht wissen / Wer ist der Allmechtige / das wir
                    jhm dienen sollen? Oder was sind wirs gebessert / so wir jhn anruffen?</p>
                <p>Vnd Asaph sagt im 73. Psalmen / Sie sind in keiner Gefahrdes Todtes / sondern
                    stehen fest wie ein Pallast / Sie sind nicht in Vnglück wie andere Leuthe / vnd
                    werden nicht wie andere Menschen geplaget.</p>
                <p>Darüber auch Jeremias am 12. klagt / Warumb gehets den Gottlosen so wol / vnd die
                    Verechter haben alles die fülle?</p>
                <p>Habacuc am 1. Es gehet Gewalt für Recht / es gehet anderst denn Recht / vnd kan
                    keine rechte Sache gewinnen / denn der <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00014"
                    /> Gottloß verfortheilet den Gerechten / darumb gehet verkehret Vrtheil. Daher
                    kömpt auch das gemeine Sprichwort / Je erger Mensch / je besser Glück.</p>
                <p>Diese Lehre sollen wir dazu gebrauchen / das wir vns daran / das es den Gottlosen
                    eine zeitlang wol gehet / nicht ergern / Sondern weil es vns GOtt in seinem Wort
                    zuuor gesagt / vnd er des wichtige vrsache hat / das er an den Gottlosen seine
                    grosse güete beweise / vnd sie zur Busse leite / sollen wir vns zu frieden geben
                    / vnd vns GOttes weise gefallen lassen / das er die Straffe biß zu seiner zeit /
                    vnd ans Ende sparet / des sollen wir fein abwarten.</p>
                <p>Wir sollen aber dieses auch zur Warnunge gebrauchen / das wir vns in der
                    gnadenzeit bekehren zu Gott / von Vnbußfertigkeit / Vnglaube<hi rend="ns"/> /
                    Gottlosem wesen / Sünde / Schande / vnd Lastern abstehen. Denn hie hören wir /
                    das GOtt endlich solche Leute straffen werde / ob wol sie / vnd andere es nicht
                    meinen.</p>
                <p>Da sollen wir vns erinnern / der ernstlichen Drewungen des Worts GOttes / die
                    endtlichen treffen / vnd nicht feilen werden.</p>
                <p>Dauon stehet im 11. Psalmen / Er wird auff die Gottlosen regnen lassen / Fewr vnd
                    Schwefel (wie zu Sodom vnd Gomorra) vnd jhnen ein Vngewitter zu Lohn geben.</p>
                <p>Psalm 37. Wie das Graß werden sie bald abgehawen / Vnd wie das grüne Kraut werden
                    sie verwelcken.</p>
                <p>Psalm 73 Dusetzest sie auffs schlůpfferig / vnd stürtzest zu boden / wie werden
                    sie so plötzlich zu nicht / vnd nehmen ein ende mit schrecken / Wie ein Traum /
                    wenn einer erwachet / so machestu jhr Bild in der Stadt verschmacht.</p>
                <p>Jerem: 12. Dulessest sie gehen wie Schaffe / das sie geschlachtet werden / vnd
                    sparest sie / das sie gewürget werden.</p>
                <p>Malach: 4. Siehe es kömpt ein Tag / der brennen sol wie ein Ofen / da werden alle
                    Verechter vnd Gottlosen Stro sein / vnd der künfftige Tag wird sie anzůnden /
                    vnd jhnen weder Wurtzel noch Zweig lassen.</p>
                <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00015"/>
                <p>Des stellet auch GOtt zu allen zeiten Exempel für / vnd beweiset es mit der that
                    / das es nicht ledige Drew Wort sind.</p>
                <p>So lesset er entlich den Pharao im roten Meer vmbkommen. Also gehets zu letzt
                    Saul. Jerobeam / Baesa / Ahab / werden mit jhrem gantzen Grschlecht vertilget /
                    vnd so rein außgefeget / als wenn mans mit Besem weg gekehret hette.</p>
                <p>Dauid fagt im 37. Psalmen / Ich sahe einen Gottlosen / der war trotzig / vnd
                    breitet sich auch vnd grünet wie ein Lorbeerbaum. Da man fürvber gieng / da war
                    er dahin / Ich fragte nach jhm / da ward er nirgendt funden.</p>
                <p>Haman kam hoch bey Ahasuero / hatte gleich des Königes Hertz in seinen Henden /
                    daher brachte er einen Befehl auß / das man alle Jůden tödten solte. Aber
                    endlich fellet er / vnd gehet schrecklich zu grunde.</p>
                <p>Dauon prediget auch bißweilen den Gottlosen jhr eigen Gewissen / wenn es ein
                    wenig auffwachet / das sie selber gedencken / Gott wird dich entlich straffen /
                    Darüber Saul / Achitophel vnd Judas / vnd viel andere verzweiffeln.</p>
                <p>Insonderheit aber beweiset es hie der Apostel Petrus herrlich vnd gewaltig darauß
                    / das Gott ein gerechter Richter sey / dieweil er auch seiner eigenen
                    Haußgenossen nicht schone / Sondern lasse sie in dieser Welt also quelen vnd
                    plagen / das sie schier gar darauff gehen. Derowegen so sey nichts gewissers /
                    als das er zuseiner zeit die Gottlosen / als ein gerechter Richter / auch finden
                    vnd straffen werde.</p>
                <p>Nicht alleine aber sol vns das zur Warnung dienen / vnd vns zur Buß vermahnen /
                    das GOtt zu seiner zeit / die Gottlosen finden werde / vnd straffen / Sondern es
                    sol auch die schwere der Straff vns erweichen vnd bekehren. Darumb brauchet
                    Petrus auch eine solche Rede / damit er anzeiget / GOtt werde sie nicht ein
                    wenig sondern sehr hart vnd schrecklich straffen / also / das es mit Worten
                    nicht könne außgesprochen werden / Ja wir können mit Gedancken nicht erreichen /
                    wie hart vnd schrecklich er sie entlich mitnehmen / vnd wie <pb
                        facs="#drucke_231-47-theol-10s_00016"/> vdel sie bestehen werden. Was wils
                    für ein Ende sein mit denen die dem Enangelio GOttes nicht gleuben? Wo wil der
                    Gottloß vnd Sünder erscheinen? spricht er: Als wolt er sagen / Man kan es mit
                    Gedancken nicht erreichen / mit Worten nicht außsprechen / wie grawsam sie
                    entlich gestrafft werden / vnd wie vbel sie am Jüngsten tag für GOtt vnd aller
                    Welt bestehen werden.</p>
                <p>Von solcher grawsamen Straffe / stehet im 49. Psalm / Sie liegen in der Helle wie
                    Schaffe / der Todt naget sie. Item Sie fahren jhren Vätern nach / vnd sehen das
                    Liecht nimmermehr. Jesai: 66. Ihr Wurm wird nicht sterben / vnd jhr Fewr wird
                    nicht verleschen / vnd sie werden ein Grewel sein allem Fleisch.</p>
                <p>Daniel am 12. Sie werden aufferstehen zur ewigen schmach vnd schande.</p>
                <p>Augustinus zeuchet dahin / das Apoc: 9. stehet / Die Menschen werden den Todt
                    suchen / vnd nicht finden / Sie werden begehren zu sterben / vnd der Todt wird
                    von jhnen fliehen.</p>
                <p>Vnd Apoc: 21. Den Verzagten aber vnd Vngleubigen / vnd Grewlichen / vnd
                    Todtschlegern / vnd Hurern / vnd Zeuberern / vnd Abgöttischen / vnd allen
                    Lůgenern / der theil wird sein in dem Pfuel / der mit Fewer vnd Schwefel
                    brennet.</p>
                <p>Welch ein Schmach vnd Schande / welch ein Angst vnd Noth ist es / wenn einer von
                    wegen seiner Mißhandlund / Abgötterey / Gotteslesterung / Todtschlag / Zauberey
                    / oder dergleichen / offentlich für Gerichte gestellet wird / Welch ein Pein ist
                    es / wenn ein Mensch gehencket / geköpffet / geradbrechet / verbrennet / oder
                    geuierteilet wird. Aber das ist nichts gegen der Straffe / die entlichen den
                    Vngleubigen / vnd Gottlosen vbergehen wird / Da werden sie für GOtt vnd allen
                    Engeln vnd Menschen / in Schmach vnnd Schande stehen / Vnd dazu wie Paulus 2.
                    Thess: 1. schreibet / Pein leiden / das ewige verderben / vom Angesicht des
                    HErrn / vnd von seiner herrlichen Macht.</p>
                <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00017"/>
                <p>Wir sehen vnd erfahren hie in dieser Welt / wie hardt GOtt die seinen mit nimpt /
                    in welche schwere Anfechtung sie gerahten / vnd für Angst nicht wissen / wo auß
                    oder ein / das sie auch die Hellen Angst fühlen / wie jhre jemmerliche Klagen
                    bezeugen.</p>
                <p>Dauid sagt im 31. Psalmen / Mein ist vergessen im Hertzen / wie eines Todten /
                    Ich bin worden wie ein zerbrochen Gefeß.</p>
                <p>Psalm 42. Deine Fluet rauschen daher / das hie eine Tieffe vnd da eine Tieffe ist
                    / alleine deine Wasserwogen vnd Wellen gehen vber mich.</p>
                <p>Im 77. Psalm klagt Assaph / Meine Seele wil sich nicht trösten lassen. Im 88.
                    singen die Kinder Korah / Ich leide deine Schrecken / das ich schier verzage /
                    dein Grim<hi rend="ns"/> gehet vber mich / dein Schrecken drůck et mich.</p>
                <p>Neben den Geistlichen Anfechtungen / setzet man jhnen auch außwendig hart zu /
                    das sie vergehen möchten / Außwendig Streit / inwendig Furcht / sagt Paulus 2.
                    Cor 7. Als da ist noch Gnade bey / das sind noch eitel Vater Streich. Was das
                    für ein Angst vnd Noth sein / wenn GOtt ohn alle Gnade / seinen vnendlichen Zorn
                    vber die Gottlosen ewig außschůtten wird?</p>
                <p>Der 75. Psalm sagt / Die Gottlosen müssen alle trincken / vnd die Hefen
                    außsauffen.</p>
                <p>Ein solch Exempel / wie hart GOtt die seinen mit nehme in diesem Leben / hat vns
                    GOtt auch für die Augen gestellet / an diesem jungen Herrn / der Menschlicher
                    weise dauon zu reden / vnd gegen vns zu rechnen / gleich in seiner vnschuldt
                    abgefodert. Aber GOtt hat jhn also angegriffen / als vnter viel tausent alten
                    Menschen keinem wiederfehret. Da sagen wir nun billich mit Petro / So das
                    Gericht anfenget an solchen frommen Kindern / was wils für ein Ende werden mit
                    denen die dem Euangelio nicht gleuben? Vnd so der Gerechte kaum erhalten wird /
                    wo wil der Gottloß vnd Sünder erscheinen?</p>
                <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00018"/>
                <p>Hieher schicket sich etlicher massen der Spruch Christi / Luc: 23. da er zu den
                    Weibern sagt / die jhn beklagten / Weinet nicht vber mich / sondern vber euch /
                    vnd ewre Kinder / Denn geschicht das am grünen Holtz / was wil am dürren
                    werden?</p>
                <p>War ists? Dieser Herr ist ein dürrer Baum von Natur / das ist ein armer Sůnder
                    gewesen / Er ist aber / wie wir / in der H. Tauffe Christo dem grůnen fruchtbarn
                    Weinstock einuerleibet / vnd ist also ein grünes fruchtbares Zweig worden / hat
                    auch angefangen schöne Frůchte zu bringen. Hat nun GOtt in diesem Leben / dieses
                    junge fromme Kindt so hart mit genommen / was wil den Leuten wieder fahren / die
                    solche Schande vnd Laster treiben / dauon dieses Herrlein noch nicht gewust hat?
                    Freilich kan kein Mensch mit Worten außreden / was solchen Leuten ewig vbergehen
                    wird.</p>
                <p>Dieses alles nun / sol vns wie gesagt dazu dienen / das wir vns für solcher
                    ewigen Pein vnd Quaal hüten / welchs gesehiehet / wenn wir von Hertzen
                    Bussethun: Denn so wir nicht Busse thun / werden wir alle vmbkommen / Luc:
                    13.</p>
                <p>Wir haben vns leider bißher / einer so wol als der ander / gegen GOtt vbel
                    geschicket / vnd verhalten / wir sind gottloß gewesen / haben GOttes Nahmen zu
                    fluchen vnd schweren mißbraucht / Die verachtung des Göttlichen Worts ist so
                    groß / das sie nicht wol grösser sein könte / Wir sind nachlessig vnd verseumig
                    in vnferm Beruff / warten des so trewlich / auch so fleissig nicht / wie wir
                    verpflichtet / vnd wol billich sein solte / sondern hangen andern Sachen nach /
                    Einer neidet / hasset vnd trucket den andern / Wir fressen / sauffen vnd sind
                    guter dinge / vnd bekümmern vns wenig vmb den schaden Joseph / Vnzucht wird mit
                    der zeit vnuerholen getrieben / man rühmet fast solche Boßheit / wie die zu
                    Sodoma / Die grewliche Schinderey / Seitz vnd Vnrecht / so hie getrieben wird /
                    lesset nicht nach / Das affterreden hat kein ende / Der Pracht vnd Hoffart nimpt
                    vberhandt / vnd wollen doch alle gute Christen sein.</p>
                <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00019"/>
                <p>Das alles müssen wir nun nachlassen / vnd vns bessern / oder GOtt wil solchen
                    seinen grawsamen vnd vnendtlichen Zorn vnd Grim<hi rend="ns"/> zeitlich vnd ewig
                    vber vns außgiessen.</p>
                <p>GOtt hat vns eine zeitlang gnug gewarnet / denn nun fast zehen gantzer Jahr /
                    keine Plage der andern / wie zu Moisis zeiten in Egyptenlandt / reumen können.
                    Da kam Thewrung / darauff folgete die Pestilentz / darnach der Blutgang /
                    darauff ein Krieges wesen nach dem andern / vnd ist noch nicht gar zum ende /
                    vnd in dem stand / darin wir es gern sehen möchten / vnd es billig sein solte /
                    das vnsere liebe Obrigkeit von jhren wiedrigen Vnterthanen / wie sichs gebüret /
                    respectiret vnd geehret würde / Vnd der Gerechte kömpt vmb / vnd (wie für Augen)
                    niemand achtet darauff. Es sind etliche feine Leute / newlicher zeit hie
                    nacheinander gestorben. Nun hat GOtt ein feines junges Herrlein weggenommen /
                    GOte gebe / das es damit ein ende habe / vnd nichts ergers folge. Vnd das sey
                    auch gesagt vom andern Theil.</p>
            </div>
            <div>
                <head>Beschluß.</head>
                <p>WIr haben / wie im Eingang gemeldet / jetzun der einen jungen Herrn auß dem
                    Fürstlichen Hause / mit Christlichen Ceremonien / an diesen Orth deduciret vnd
                    begleitet.</p>
                <p>Diese Person ist von hohen Fürstlichen Stamme / Damit wil GOtt / sonderlich die
                    hohen Personen / auch aller ding / die im Ampt der Obrigkeit sein / erinnern /
                    das sie sterblich sein / so wol als gemeine Leute / vnd müssen denn / wenn sie
                    gestorben / fůr Gericht. Darumb sollen sie sich in jhrem Leben / vnd sonderlich
                    in jhrem Ampt wol fürsehen / GOtt für augen haben / vnd jhr Ampt trewlich vnd
                    fleissig verrichten. Solches wil ich nicht mit meinen <w>Wor <pb
                            facs="#drucke_231-47-theol-10s_00020"/>ten</w> außreden / sondern alle
                    die in dem Ampt sind / hiemit in den 82. Psalmen gewiesen haben / GOtt stehet in
                    der Gemein GOttes / etc. Da der H. Geist selber auß diesem grund die Obrigkeit
                    jhres Ampts ernstlich erinnert / weil sie / wie alle vnd andere Menschen sind /
                    sterblich ist.</p>
                <p>Dieses predigt GOtt mit diesem Todtfall / allen hohen Personen / vnd andern die
                    im Ampt der Obrigkeit sitzen / das mögen sie wol behertzigen.</p>
                <p>Das GOtt aber eben einen jungen Herrn / der noch nicht gar neun Jahr alt / vnd
                    sonsten ein schöner / frischer / vnd gesunder Herr gewesen / auß diesem Leben
                    abgefodert / Damit wil er vns warnen / das wir vns nicht auff vnsere Jugendt /
                    Stercke oder Gesundheit verlassen. Denn der Mensch weiß seine zeit nicht /
                    Sondern wie die Fische (klein vnd grosse durcheinander) gefangen werden / mit
                    dem schedlichen Hammen / vnd wie die Vogel mit dem Strick gefangen werden / Also
                    werden auch die Menschen berůcket zur bösen zeit / wenn sie plötzlich vber sie
                    fellet Eccl. 9.</p>
                <p>Das GOtt S. F. G. etliche Tage Sinn vnd Sprachloß liegen lassen / Damit predigt
                    vns GOtt / wir sollen vnsere Buß nicht auffschieben / vnd meinen / wenn wir erst
                    kranck werden / wollen wir mit GOtt vnser Sache richtig machen / wir wissen
                    nicht / ob vns GOtt so viel zeit lassen / oder bey Verstand vns erhalten wil. Es
                    heisset / heute so jhr seine Stimme höret / so verstocket ewre Hertzen nicht /
                    sonsten schweret GOtt in seinem Zorn / Wir sollen zu seiner Ruge nicht eingehen
                    / Psalm 95. Darumb wachet vnd betet allezeit / denn jhr wisset weder Tag noch
                    Stunde / in welcher des Menschen Sohn kommen wird.</p>
                <p>Das GOtt S. F. G. eben hart angegriffen / Das gilt vns andern / Geschiehet das am
                    grünen Holtz / an einem frommen Kind / was wilam dürren / an vns werden.</p>
                <p>Es ist auch zubesorgen / es werde eine schwere allgemeine Straff verhanden sein /
                    weil GOtt dieses feine Herrlein <w>weggeraf <pb
                            facs="#drucke_231-47-theol-10s_00021"/>fet</w> hat. Wenn die arme Leute
                    jhr Gůetlein / vnd was jhnen lieb ist / zusammen raffen / vnd in die Festungen
                    führen / so ist der Feind verhanden. So hat GOtt in kurtzer zeit auch sonst
                    etliche feine Leuthe durch den Todt abgefodert. GOtt gebe / das es fürm guten
                    sey.</p>
                <p>Was aber diesen jungen Herrn / hochlöblicher Gedechtnis / selber belanget / haben
                    wir grosse vrsache / das wir vns darumb im geringsten nicht gremen / Denn wir
                    wissen / das S. F. G. mit gehöre zum Hause GOttes / nicht zwar daher / das S. F.
                    G. ohne Sůnde gewesen / Denn wir sind alle in Sůnden empfangen vnd geboren / vnd
                    von Natur Kinder des Zorns. Auch gründen wir vnsern Trost nicht darauff / das S.
                    F. G. von gleubigen Eltern geboren / Das hiesse sein Hauß auff einen Sand bawen
                    / Denn was vom Fleisch geboren wird / das ist Fleisch / Sondern das wir S. F. G.
                    vnter die Gleubigen zehlen / rüret von vnserm HErrn JEsu Christo her / der die
                    Versühnung ist für vnsere vnnd der gantzen Welt Sůnde / 1. Joh: 2.</p>
                <p>Diesem seinem lieben Heiland / ist dieses Herrlein bald in der H. Tauffe
                    einuerleibt: Ja den haben S. F. G. als ein schönes Kleidt angezogen / Wie Galat:
                    3. stehet: So viel ewer getaufft sind / die haben Christum angezogen.</p>
                <p>Dabey ist es nicht geblieben / sondern so bald seine F. G. reden können / sind
                    sie vnterwiesen / nicht allein in andern Sachen / sondern auch zu forderst /
                    daran am meisten gelegen / in der Christlichen Lehr / die in vnserm Catechismo
                    begriffen ist / den haben S. F. G. mit der Außlegung gefasset / vnd haben also
                    S. F. G. jhren Heilandt JEsum Christum recht erkandt / vnd an jhn in Kindtlicher
                    einfalt gegleubet. Auch haben S. F. G. viel außerlesene Sprüch vnd Psalmen
                    gelernet / den lieben GOtt teglich fleissig angeruffen. Wie denn auch in dieser
                    Schwacheit / S. F. G. das Gebet / vnangesehen / sie sich nicht recht bedencken
                    können / im Sinn gelegen. Ich hab außgebetet / sprach das liebe Herrlein
                    einsmahls.</p>
                <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00022"/>
                <p>Dazu ist auch ferner das kommen / das wir S. F. G. so wol sonsten / als auch in
                    dieser Schwacheit / durch ein hertzlich Gebet / Christo trewlich vorgetragen /
                    Von welchem Gebet Christus Matth: 18. sagt / Wo jhr zween auff Erden eins werden
                    / warumb es ist / das sie bitten wollen / das sol jhnen wiederfahren von meinem
                    Vater im Himmel.</p>
                <p>Auß diesen gewissen vrsachen / zehlen wir billich diesen Herrn vnter GOttes
                    Haußgenossen / die kommen sind auß grossem Trůbsal / vnd haben jhr Kleidt
                    gewaschen / vnd helle gemacht in dem Blut des Lambs.</p>
                <p>Wir trösten vns bey dieser Leich / der schönen Histori Matth: 18. Da die Apostel
                    sich nicht darůber vertragen können / wer der grösseste sey im Himmelreich / Da
                    rüffet Christus ein solch Kindt zu sich / vnd stollet es mitten vnter sie / vnd
                    spricht / Wo jhr nicht vmbkehret / vnd werdet wie diß Kindt / so werdet jhr
                    nicht ins Himmelreich kommen / Wer sich nu selbst demütiget / wie diß Kindt /
                    der ist der grössest im Himmelreich / Vnd wer ein solch Kindt auffnimpt / der
                    nimpt mich auff / etc. Sehet zu / das jhr dieser geringen einen nicht verachtet.
                    Denn ich sage euch / jhre Engel im Himmel / sehen allezeit das Angesicht meines
                    Vaters im Himmel / Denn des Menschen Sohn ist kommen / selig zu machen / das
                    verlohren ist. Item Es ist für ewrem Vater im Himmel nicht der wille / das
                    jemand von diesen kleinen verlohren werde.</p>
                <p>Hieher ziehen wir auch billich die holdselige Histori von den Kindern / Marci am
                    10. Da sie etliche zu Christo bringen / die Jünger aber dieselbige anfahren /
                    vnnd felschlich meinen / sie sein nicht nütz bey Christo / Da spricht Christus /
                    Lasset die Kindlein zu mir kommen / vnd wehret jhnen nicht / denn solcher ist
                    das Reich GOttes. Vnnd er hertzet sie / vnnd leget die Hende auff sie / vnd
                    segenet sie. So viel helt Christus von den Kindern / so lieb hat er sie.</p>
                <pb facs="#drucke_231-47-theol-10s_00023"/>
                <p>Vnd hat also dieser junge S. Herr nun seinen Lauff vollendet / vnd einen guten
                    Kampff gekempffet. Nun ist jhm beygeleget die Kron der Gerechtigkeit / welche
                    jhm der HERR an jenem Tage / der gerechte Richter geben wird. Nicht alleine aber
                    jhme / sondern auch allen / die seine Erscheinung lieb haben. Das wir vnter
                    denen auch sein mügen / Dazu helffe vns GOTT Vater / Sohn / vnnd heiliger Geist
                    / AMEN..</p>
                <p><graphic facs="#drucke_231-47-theol-10s_00023"/></p>

            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
