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            <titleStmt>
                <title>Sattler, Basilius: Eine Predigt/ Gethan bey dem Begrebnuß der ... Frawen/
                    Dorothea vom Lah/ des ... Herrn Johannes Bodemeyers/ Fürstlichen
                    Braunschweigischen Cammer Secretarien ehelichen Haußfrauen.</title>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name type="org">Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</name>
                    <ptr type="crossRef" target="http://www.hab.de"/>
                </publisher>
                <date when="2012-10-17">2012</date>
                <distributor>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</distributor>
                <availability status="free">
                    <p>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (<ref
                            target="http://diglib.hab.de/?link=012">copyright information</ref>)
                    </p>
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            </publicationStmt>
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                    <title>Eine Predigt/ Gethan bey dem Begrebnuß der ... Frawen/ Dorothea vom Lah/
                        des ... Herrn Johannes Bodemeyers/ Fürstlichen Braunschweigischen Cammer
                        Secretarien ehelichen Haußfrauen ... .</title>
                    <author>Basilius Sattler</author>
                    <pubPlace>Wolfenbüttel</pubPlace>
                    <publisher>Söhne</publisher>
                    <date>1611</date>
                    <idno type="opac">619508051</idno>
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                    <ref target="http://www.oberhofprediger.de">Obrigkeitskritik und
                        Fürstenberatung: Die Oberhofprediger in Braunschweig-Wolfenbüttel
                        1568-1714</ref>
                </p>
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                <head>Eine Predigt / Gethan bey dem Begrebnuß der Erbarn vnd viel Thugendtsamen
                    Frawen / Dorothea vom Lah / des Ehrnvesten vnnd Wolgelarten / Herrn Johannes
                    Bodemeyers / Fürstlichen Braunschweigischen Cammer Secretarien ehlichen
                    Haußfrawen / den 23. Aprilis / Anno 1611.<graphic
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            </div>
            <div>
                <head>Durch Basilum Satler / D. Hoffprediger zu Wolffenbüttel.</head>
                <p><graphic facs="#drucke_db-752-39s_00001"/></p>
            </div>
            <div>
                <head>Gedruckt zu Wolffenbüttel / durch Julium Adolphum von Söhne.</head>
            </div>
            <div>
                <head><hi rend="italics">ANNO M. DC. XI.</hi></head>
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            <div>
                <head><hi rend="italics">1. Cor. II.</hi></head>
            </div>
            <div>
                <head>WEnn wir aber gerichtet werden / so werden wir von dem HERRN gezüchtiget /
                    auff das wir nicht sampt der Welt verdampt werden.</head>
                <p>GEliebte im HERRN / bey dem Begrebniß dieser Gottsehligen Frawen / erinnern wir
                    vns billig zum Eingang / nicht allein vnserer Gebrechlichkeit / davon David in
                    103. Psalm sagt: Ein Mensch ist in seinem Leben wie Graß / er grünet wie eine
                    Blume auff dem Felde / wenn der Windt darüber wehet / so ist sie nicht mehr da /
                    vnd jhre Stäte kennet sie nicht mehr / sondern auch das Esaias 56. klaget / Der
                    Gerechte kömpt vmb / vnd niemandt nimpts zu Hertzen / vnnd heilige Leute werden
                    auffgeraffet / vnd niemandt achtet darauff / denn der Gerechte wird weggerafft
                    für dem Vnglück. Denn wir sehen ja hie / das wir alle sterblich sind / vnnd weil
                    GOtt ein zeitlang feine Leute aus dem Wege gereumet / das wol ein groß Vnglück
                    verhanden sey / wo wir nicht Buß thun.</p>
                <p>Dieweil aber ein Christlicher löblicher brauch ist / das man bey solchen
                    zusamenkunfften eine Predigt thut / hab ich darzu dieses Sprüchlein nehmen
                    wollen / dieweil es sich auff diese Selige Person / vnd jhren zustandt fein
                    schicket / dieweil sie eine lange zeit gekrancket / vnd grosse Angst vnnd
                    Schmertzen außgestanden / <pb facs="#drucke_db-752-39s_00004"/> vnd also vom
                    HERren wol gezüchtiget ist / da den<hi rend="ns"/> die Leute mit dem besten
                    nicht zukommen / sondern wenn auch Gottselige Leute von GOTT hart mitgenommen
                    werden / davon verkehrete Vrtheil haben: Wie Hiobs Freunde hart drauff stunden /
                    weil er so groß Vnglück hatte / er müste solches für andern mit sonderlichen
                    Sünden verschuldet haben / vnd die Apostel / Joha. 9. Da ein Mensch ist / der
                    blindt geboren ist / meinen / es könne nicht fehlen / er oder seine Eltern
                    müstens mit sonderlichen Sünden verdienet haben. Vnd Acto. 28. Die in der Insel
                    Malta Paulum für einen Mörder halten / weil er einen Schiffbruch erlitten hat /
                    vnd wie er zu Landt kömpt / ein Otter jhm vmb die Handt feret.</p>
                <p>Damit wir nun nicht allein von andern Leuten / die GOtt in dieser Welt hart
                    mitnimpt / recht vrtheilen / sondern auch wen<hi rend="ns"/> vns selber also das
                    Vngluck trifft / recht vns darein schicken / wollen wir diesen Spruch mit
                    einander erwegen vnd betrachten.</p>
                <p>Das wir aber diese Wort Pauli recht vnd gründtlich verstehen / müssen wir erst
                    erwegen / durch was gelegenheit er darauff kommen / vnd was jhm Vrsach darzu
                    gegeben habe.</p>
                <p>Es gingen bey den Corinthern nicht allein viel Irrthumb vnd Sünd im Schwang /
                    sondern war auch bey jhnen ein grosser Mißbrauch des H. Nachtmahls / dardurch
                    ward GOtt vervrsacht / das er ein allgemeine Kranckheit vnter sie schicket /
                    daran etliche Sturben / etliche aber lagen der zeit noch Kranck. Das sie nun
                    solchem Vnglück begegnen / vnd es abwenden / zeiget er jhnen an / wo es herkomme
                    / nemblich daher / das sie nicht allein das heilige Nachtmahl vnwürdiglich
                    empfangen / sondern auch die Stnnde noch nicht Buß gethan hetten / damit sie
                    aber nicht klein mütig werden vnd verzagen / mischet er diesen Trost mit vnter /
                    darin er anzeiget / es habe darumb noch kein noth / es könne noch alles gut mit
                    jhnen werden / Wenn wir aber gerichtet werden / sagt er / so werden wir von dem
                    HErren gezüchtiget / auff das <pb facs="#drucke_db-752-39s_00005"/> wir nicht
                    mit der Welt verdampt werden / als wolt er sagen / wiewol GOtt in dem er vns
                    also heimsuchet / sein gerechtes Gericht wieder die Sünde sehen lesset / so ist
                    er doch nicht darnach auß / das er vns verderbe vnd verdamme / denn wenn er des
                    Sinnes were / dürffte er nicht lange zumachen / sondern könte baldt dazu kommen
                    / sondern er hawet vns gleich als ein Vater seine Kinder mit der Ruten / auff
                    das wir nicht sicher dahin gehen / vnd mit den Vnbußfertigen vnd Gottlosen dem
                    Teuffel zu theil / vnd ewig verdampt werden / sondern Buß thun vnd sehlig
                    werden.</p>
                <p>Dieweil aber dieses Gottes Worte sindt / wie Paulus Rom. 5. spricht: Ich durste
                    nicht etwas reden / wo es nicht Christus durch mich wirckete. Vnd man sagt / wie
                    man sonst / grosser Herrn Brieff wol zweymal lieset / müssen wir dieselbe etwas
                    besser erwegen / damit wir sie auch desto besser vns zu Nutz machen können.</p>
                <p>1. Wollen derwegen erstlich betrachten / warumb Paulus so ein starck Wort brauche
                    / das wir gerichtet werden.</p>
                <p>2. Zum andern / warumb er bey der Straff der Corinther des HERrn gedencke.</p>
                <p>3. Zum dritten / was das Wortzüchtigen auff sich habe.</p>
                <p>4. Zum vierden / wie Gott im straffen dahin sehe / das wir nicht verdammet
                    werden.</p>
                <p>GOtt gebe vns dazu seine Gnade / das wir Pauli Meynung recht einnehmen / vnd
                    sehliglich gebrauchen.</p>
            </div>
            <div>
                <head>Das Erste.</head>
                <p>VOn der Plag vnnd Kranckheit der Corinther / braucht Paulus eben ein starckes
                    Wort / sie werden gerichtet / damit er jhnen ein Nachdencken machen wil / das
                    sie es nichtwol außgerichtet / sondern gesündiget haben / vnd das Gott solches
                    nichtlasse also hingehen / vnd darüber herfahre mit <w>leich<pb
                            facs="#drucke_db-752-39s_00006"/>ter</w> Handt / Sondern er sehe es vnd
                    nehme es auch in acht / setze sich auff den Richtstuel / felle ein Vrtheil vber
                    sie / vnd exequire es / vnd lasse vber sie die Straffe ergehen / dieweil sie
                    zwar Christen sein / aber gleichwol sich vbel halten / darumb müssen sie auch
                    leyden / damit sie sehen vnd erkennen / das sie GOtt erzürnet haben / Den<hi
                        rend="ns"/> Richten ist ein solch Wort / das man sonst braucht von
                    Vbelthetern / die man für Gericht fordert / jhnen ein Vrtheil fellet / vnd die
                    Straff vber sie ergehen lesset.</p>
                <p>Vnd wil vns allen Paulus mit diesem Wort zuerkennen geben / vnd zu Gemüht führen
                    / was wir für arme Leut sein / vnd wie vbel wir stehen / vnd wie Gott gegen die
                    Sünder gesinnet sey / damit wir also vns selber / vnd vnsern lieben Gott recht
                    erkennen.</p>
                <p>Vnd zwar das wir solche Leut nicht sind / wie wir sein solten / berichtet vns
                    dieses Wort deutlich / denn er ruffet vns auß für solche Leut / die es vbel
                    außgerichtet / gesündiget vnd mißgehandelt haben. Denn solche Leut die sich
                    versündiget vnd Vbelthat begangen haben / pfleget man zurichten vnnd
                    zuverurtheilen.</p>
                <p>Das nun dem also sey / bezeuget Gottes Wort an vielen Orten deutlich / als im 14.
                    Psalm / Sie tügen nicht / vnd sind ein Grewel worden in jhrem Wesen. Vnd
                    hernach: Weil denn der Vbeltheter keiner das mercken / etc. So spricht Paul.
                    Rom. 3. Das aller Mundt verstopffet werde / vnd aller Welt GOtt schüldig sey /
                    Wie denn vns dessen auch vnser eigen Gewissen vberzeuget vnd vns angeklaget.</p>
                <p>Daneben bezeuget auch das Wort Richten / wie denn auch etlicher massen in vnser
                    Hertz geschrieben ist / das GOtt die Sünde nicht hingehen lassen / sondern als
                    ein gerechter Richter straffen wolle / Wie dann Deut. 4. stehet: Der HERR dein
                    Gott ist ein verzehrendes Fewer / vnd ein Eyferer / vnd David sagt im 5. Psalm:
                    Du bist nicht ein GOtt dem Gottloß Wesen gefellet / wer böß ist bleibt nicht für
                    dir; Vnd im 7. Gott ist ein <pb facs="#drucke_db-752-39s_00007"/> rechter
                    Richter / vnd ein Gott der täglich drewet / will man sich nicht bekehren / so
                    hat er sein Schwerdt gewetzet / vnd seinen Bogen gespannet vnd zielet / vnd hat
                    darauff geleget tödtliche Geschoß / seine Pfeile hat er zugerichtet zuverderben:
                    Psalm 11. Er wirdt regnen lassen vber die Gottlosen / Blitz / Fewer vnd
                    Schwefel.</p>
                <p>Diese Lehre soll darzu dienen / das wir diesen vnsern grossen Mangel erkennen vnd
                    behertzigen / vnd vns vnter Gottes gewaltige Handt demütigen / So thut Hiob 9.
                    Ich weiß fast wol das es also ist / das ein Mensch nicht rechtfertig bestehen
                    mag für Gott / hat er lust mit jhm zu hadern / so kan er jhm auff Tausent nicht
                    Eins antworten / vnd David sagt im 30. Psalm. So du HErr wilt Sünd zurechen /
                    HErr wer wirdt bestehen? Vnd im 143. Psalm. Gehe nicht ins Gericht mit deinem
                    Knecht / denn für dir wirdt kein lebendiger gerecht: Vnd Daniel 9. HErr du bist
                    gerecht / wir aber müssen vns schemen. Wenn ein Mensch erst so weit kömpt / so
                    stehets wol vmb seine Sachen / so wil jhm Gott auß gnaden vmb Christi willen die
                    Sünd vergeben / wie Johan. 1. Cap. 1. zeuget: So wir vnsere Sünde bekennen / so
                    ist Gott getrewe vnd gerecht / das er vnsere Sünde vergibt vnd reiniget vns von
                    aller Vntugend. Solches bezeuget dz Exempel Davids im 32. Psalm. Ich sprach ich
                    wil dem HErrn meine Vbertretung bekennen / da vergabestu mir die Missethat
                    meiner Sünde / vnd Jerem: 31. da Ephraim auff die Huffte schlecht / Das ist /
                    Reuwe vnd Leydt vber seine Sünde hat / Da lesset sich Gott mit allen Gnaden
                    gegen jhn vernehmen / vnnd spricht: Ist nicht Ephraim mein tewrer Sohn / vnd
                    mein trawtes Kindt / darumb bricht mir mein Hertz gegen jhm / das ich mich
                    seiner erbarmen muß.</p>
                <p>Wir sollen aber wissen das GOttes Gericht zweyerley ist: Eins gehet vber die
                    Gottlosen / Das ander vber die Frommen / Das ist / vber die Bußfertigen vnd
                    Gleubigen.</p>
                <pb facs="#drucke_db-752-39s_00008"/>
                <p>Die Gottlosen vnd Vnbußfertigen straffet GOtt in seinem Zorn / ohn alle
                    Barmhertzigkeit / wie im 11. Psalm stehet: Er wird Regnen lassen vber die
                    GOttlosen / Blitz / Fewr vnnd Schwefel / vud jhnen ein Vngewitter zu lohn geben
                    / vnd im 34. Den Gottlosen wird das Vnglück tödten / vnd im 75. Psalm sagt
                    Assaph: Das die Gottlosen müssen alle auß dem Becher des Leydens trincken / vnd
                    die Häfen außsauffen: Also wird gestraffet die erste Welt / so lesset GOtt
                    regnen Fewr vnd Schwefel vber die zu Sodoma vnd Gomorra / so kömpt Pharao vmb im
                    roten Meer / so werden ohn alle Barmhertzigkeit gestraffet vnd vertilget / Core
                    / Dathan vnd Abiram.</p>
                <p>Dieweil nun der Zorn GOttes ein verzerendes Fewr ist / das niemandt leschen kan /
                    sollen wir vns für Vnbußfertigkeit / vnd einem Gottlosen leben hüten / denn wie
                    zun Hebr. 10. stehet / ist es schrecklich in die Handt des lebendigen GOttes
                    fallen.</p>
                <p>Zum andern / ist / wie Paulus hie lehret / noch ein Gericht / das GOtt vber seine
                    Kinder ergehen lesset / denn er auch in diesem leben vnter denselben Regiment
                    helt / lesset jhnen jhre Sünde nicht hingehen / sondern straffet sie / das sie
                    sehen vnd fühlen / das sie vnrecht gethan / vnnd er an jhren Sünden ein
                    mißfallen habe / darumb sagt David im 34. Psalm / Der Gerechte muß viel leyden /
                    vnnd müssen sie auch auß dem Creutzbecher trincken / ob sie schon mit der Häfen
                    verschonet werden / Psalm 75. Sie müssen erst trincken / wie Jerem. 25. stehet:
                    Siehe an der Stadt die nach meinem Nahmen genennet ist / fahe ich an zu plagen.
                    Vnd nimpt GOtt die seinen eben hart mit / wie Jesa. 26. stehet: Gleich wie eine
                    Schwangere / wen<hi rend="ns"/> sie geberen sol / so ist jhr angst / vnd
                    schreyet für Schmertzen / so ist vns HErr für deinem Angesicht. Wie man siehet
                    an Jacob / Mose / David / Elia / Paulo / vnd andern Heiligen / in was schwere
                    Anfechtung / Angst / Noth vnd Gefahr sie offtmahls gekommen sind.</p>
                <p>Das aber GOtt auch vnter seinen Kindern so scharff <w>Re<pb
                            facs="#drucke_db-752-39s_00009"/>giment</w> helt / das solt vns billig
                    vom Gottlosen Wesen vnd Vnbußfertigkeit abschrecken / das wir gedechten / vnd
                    vns die Rechnung machten / fehret GOtt so streng / vnd fast vnbarmhertzig mit
                    seinen lieben Kindern / vnnd nimbt sie in diesem leben so hart mit / wie wils
                    endtlich an jenem Tage den Gottlosen gehen? Sie werden nicht entfliehen /
                    sondern schreckliche vnaußsprechliche Straffe leyden müssen. Den<hi rend="ns"/>
                    so spricht Gott Jer. 25. zu den Egyptern / wie er das Judische Volck gestraffet
                    hat: Siehe an dem Hause das nach meinem Nahmen genennet ist / fahe ich an zu
                    plagen / vnnd jhr sollet vngestraffet bleiben? Ihr solt nicht vngestrafft
                    bleiben. Vnnd zu den Edomitern spricht er Jerem. 49. Siehe die jenigen / die es
                    nicht verschuldet haben den Kelch zu trincken / die müssen trincken / vnd du
                    soltest vngestraffet bleiben. Vnd 1. Pet. 4. Es ist zeit daß das Gericht anfange
                    vom Hause Gottes / so aber zu erst an vns / was wils für ein Ende werden mit
                    denen / die dem Evangelio nicht gleuben? Vnd so der Gerecht kaum erhalten wirdt
                    / wo wirdt der Gottloß vnd Sünder erscheinen? Sehet an in seinem Leyden den Sohn
                    Gottes / der doch für frembde Sünde leydet / wie hart jhn der Zorn Gottes mit
                    nimpt / das jhm der blutige Schweiß außbricht / das er klaget / Mein GOtt / mein
                    Gott / warumb hastu mich verlassen? Das soll / sagt er selber zu den Weibern die
                    vber jhn weineten / vns ein nachdencken machen / Geschicht das am grünen Holtz /
                    was wil am dürren werden? Auß dem grossen Jammer des frommen Lazari / hette jhm
                    der reiche Mann die gedancken machen sollen / wie es jhm hernach ergehen
                    werde.</p>
                <p>Dieses sollen alle Gottlosen / die Gott vnd sein Wortverachten / jhre Eydt vnd
                    Pflicht hindan setzen / vntrewlich dienen / ander Leut hassen vnd beleydigen /
                    in Fressen vnnd Sauffen / Vnzucht / Geitz vnd Vnrecht ohn schew fortfahren / wol
                    bedencken / vnd wenn sie also sehen / das es den Gottseligen also vbell gehet /
                    vnd Gott sie in dieser Welt also hart mit nimpt / jhnen <pb
                        facs="#drucke_db-752-39s_00010"/> die Rechnung machen / sie werden endtlich
                    dem gestrengen Gericht GOttes nicht entfliehen / sondern Pein leyden / das ewige
                    Verderben / von dem Angesicht des HERRN / vnd seiner herrlichen Macht / 2.
                    Thess. 1.</p>
            </div>
            <div>
                <head>Das Ander.</head>
                <p>DIeweil er der schweren Straff vnd Gerichts gedacht / zeiget er auch mit
                    deutlichen Worten an / von wem doch solche Straffe herrühre? Nemblich vom HERRN
                    / vnd verstehet / den wahren allmechtigen GOTT / vnd wil sagen: Liebe Corinther
                    / jhr sollet euch ja nicht einbilden / als wenn dieses grosses Vnglück
                    schlumpsweise oder vngefehr euch wiederfahren were / Sondern es kumpt von dem
                    Allmechtigen GOtt her / der hats euch zugeschickt.</p>
                <p>Damit denn Paulus auch vns lehret / das alle Straffe in gemein / wie auch was
                    einem jeden insonderheit begegnet / vnd wieder fehret / eigentlich von Gott
                    herrühre / vnd vns zu geschickt werde.</p>
                <p>In diesem Stück versehen sich viel Leut / wenn bißweilen allgemeine Straffe vnd
                    Plagen ein Landt trucken / oder wenn jhnen ein Vnglück wiederfehret / Alß das
                    ein gemein Fieber regieret / das dürre Zeit ist / das geben sie auff GOtt nicht
                    / sondern halten es dafür / das es jhnen vngefehr wiederfahre / waß wil man
                    sagen / sprechen sie das es GOtt vnser Sünden halben verhenget. Es ist allezeit
                    in der Welt zugangen / für etlich hundert / ja tausent Jahren / ehe wir geboren
                    sindt: Etliche geben dem Gestirn die Schuldt / der vnd der Planet regiere /
                    Etliche sehen sonst nur auff die Mettel / vnd nechste Vrsachen / denen messen
                    sie es zu / vnd deneken nicht einmahl auff GOtt das es jhnen davon herkomme.</p>
                <p>Aber dieses alles ist vnrecht / denn das nichts in der gantzen Welt vngefehr /
                    vnd ohn Gottes Wissen vnd Willen geschehe / <pb facs="#drucke_db-752-39s_00011"
                    /> lehret Christus Matth. 10. mit deutlichen Worten: Keuffer man nicht zween
                    Sperlinge vmb einen Pfenning / noch fellet derselben keiner auff die Erden / ohn
                    eweren Vater. Nun aber sindt ewere Haar auff dem Heupt alle gezehlet.</p>
                <p>Waß das Gestirn belangt / das man es darauff gibt / das verbeut vnd strafft GOtt
                    Jes. 47. Last herzu treten die Meister des Himmels Lauff / vnnd die Sternkucker
                    / die nach dem Mondt rechnen / was vber dich kommen werde. Vnd Jerem. 10. Ihr
                    solt nicht lernen der Heyden weise / vnd euch nicht fürchten für den Zeichen des
                    Himmels / wie die Heyden sich fürchten.</p>
                <p>Die Mittel betreffend / oder auch böse Menschen / obwoll dieselbe das jhre thun
                    bey dieser Sach / vnd vns schaden / so geschiehet doch solches ohn GOtt vnd
                    seinen Raht vnd Willen nicht / Sondern sie sindt nur Gottes Ruht / Stab vnd Axt
                    / die er dazu gebrauchet / das er vns straffe / wie Jes. 10. stehet: O wehe
                    Assur / der meine Ruthe / vnd jhr Handt meines Grimmes Stecke ist / Vnd hernach:
                    Mag sich ein Axt rühmen wieder den / so damit hawet? Oder ein Segen trotzen
                    wieder den so sie zeucht.</p>
                <p>Das aber alles Guts vnd Böß / Glück vnd Vnglück von Gott komme / zeuget Hiob 1.
                    Der HERR hats gegeben (das Gut) Der HERR hats genommen (das ist das böse) / Vnd
                    Hanna singet 1. Sam. 2. Der HERR tödtet vnd machet lebendig / er führet in die
                    Hell vnd wieder herauß.</p>
                <p>Vnd insonderheit von allem Vnglück zeuget GOTtes Wort / das es von Gott herkomme
                    / vnd dem Menschen zugeschickt ist. Levit. 26. Ich wil euch heimbsuchen mit
                    Schrecken / Schwulst vnd Fieber / das euch die Angesicht verfallen / vnd der
                    Leib verschmachte. Vnd Deut. 28. Der HERR wirdt dich schlagen mit Schwulst /
                    Fieber / Hitze / Brunst / gifftiger Lufft vnd Geelsucht. Vnd Thren. 3. Da die
                    Jüden im Babylonischen Gefengniß wahren / spricht GOtt: Wer thar sagen das
                            <w>sol<pb facs="#drucke_db-752-39s_00012"/>ches</w> geschehe ohn des
                    HERRN Befehl? Vnd Amos 3. Ist auch ein Vnglück in der Stadt das der HERR nicht
                    thue? Also hat Gott jetzundt das Fieber vnnd die trockene Zeit vns zugeschickt /
                    von dem kompt vns dieses vnd alles Vnglück her / Darumb sagt Paulus / wir werden
                    von dem HErrn gezüchtiget.</p>
                <p>Diese Lehre soll vns dazu dienen / das wir zum Creutz gedültig sein / vnd weil
                    vns GOtt schlegt / wieder denselben vns nicht aufflehnen / denn es wirdt vns
                    schwehr werden / wieder den Stachel lecken / es stehet vns auch zumahl vbel an /
                    Wir sollen vielmehr vns vnter GOttes gewaltige Handt demütigen / vnd dem
                    Priester Elifolgen / der 1. Sam. 3. sagt / als jhm GOttes schwere Straff
                    angekündiget wirdt: Es ist der HERR / er thue was jhm wollgefellet / Vnd dem
                    David 2. Sam. 16. da jhm Simei fluchet / spricht er: Lasst jhn fluchen / denn
                    der HErr hats jhn geheissen / vnd gesagt: Fluche David.</p>
                <p>Zum andern / soll vns diese Lehre dazu dienen / das wir nicht auff die Mittel
                    fallen / als ein Hundt / der den verlesset / der jhn geworffen hat / vnd nach
                    dem Stein lauffet / vnd vns auff Mittel verlassen / Sondern weil Gott der ist
                    der vns schlegt / das wir in wahrer Buß / vnd ein gleubiges Gebet / in die Arm
                    fallen / Denn da Assa in seiner Kranckheit an Füssen sich auff die Artzt
                    verlesset / wirdt er gestraffet das er stirbt an solcher Kranckheit / 2. Paral.
                    16. Vnd Jes. 30. vnnd 31. straffet GOtt das Jüdische Volck / das sie sich auff
                    Egypten verlassen.</p>
                <p>Dagegen da David von seinem Sohn verfolget wirdt / setzet ers auff die Mittel
                    nicht / sondern fellet GOtt in die Arm / vnd betet 2. Sam. 15. HERR mache den
                    Raht Achitophels zur Thorheit / Vnd Psalm 3. HERR du bist der Schilt für mich.
                    Also wendet sich Hißkia in seiner <w>Kranck<pb facs="#drucke_db-752-39s_00013"
                        />heit</w> zum HERrn / der erhöret jhn auch / vnd macht jhn gesundt. Wolt
                    GOtt das wir dieses auch in vnserm betrübten Zustandt in acht nemen / vnd nicht
                    eben an den Mitteln hangeten / sondern vns zu GOtt kehreten der vns schlecht /
                    so würden vnsere Sachen besser stehen als sie noch stehen.</p>
            </div>
            <div>
                <head>Das Dritte.</head>
                <p>DAmit die Corinther nicht zu kleinmütig werden / vnd verzagen / so lesset es
                    Paulus bey dem harten Wort richten nicht bewenden / sondern lindert dasselbe in
                    etwas / vnd sagt / Wir werden von dem HErrn gezüchtiget.</p>
                <p>Es ist aber in seiner Sprach ein solch Wort / das von den Kindern den nahmen hat
                    / vnd heisset die Kinder straffen / vnd züchtigen / vnd wil Paulus so viel
                    sagen: Ob wol GOtt vns nicht vnrecht thut / vnnd mit der That beweiset / das er
                    ein gerechter Richter / vnd der Sünden feindt sey / so ist es doch von jhm dahin
                    nicht gemeinet / das er vns gar auffreiben / vnd verderben wölle / Sondern es
                    hat mit den Gleubigen vnd Christen gar eine andere gelegenheit / als mit den
                    Gottlosen. Die Gottlosen strafft GOtt als ein gestrenger Richter / mit dem
                    vntergang / Aber die Gleubigen züchtiget er als ein Vater / das sie fromme
                    Kinder werden / vnd gedenckt also in der Trübsal der Gnaden.</p>
                <p>Da lehret vns Paulus / wie wir Christen das Creutz vnd Vnglück / so vns von GOtt
                    wirdt zugeschickt ansehen sollen / Nemblich nicht also / als wenn GOtt darnach
                    auß were / als wolte er vns gar verderben / wie wir vns eben starck einbilden /
                    Denn wenn GOtt des Sinnes were / könte er baldt dazu kommen / vnd dörffte nicht
                    lang zumachen / Sondern seine Meynung sey anders / er habe eine väterliche
                    Zuneygung / vnnd <hi rend="italics">Affection</hi> gegen vns / meine es gut /
                    vnd gedencke mitten im Zorn an seine Barmhertzigkeit.</p>
                <p>Denn obwol das Creutz an sich der Sünden Straff ist: <pb
                        facs="#drucke_db-752-39s_00014"/> Jedoch hat es vnser HERR JEsus Christus
                    mit seinem bitter Leyden vnd Sterben so weit gebracht / das nun GOtt nicht hat
                    gefallen am Todt des Sünders / sondern das er sich bekehre vnd lebe. Darumb sagt
                    der 103. Psalm: Wie sich ein Vater vber Kinder erbarmet / so erbarmet sich der
                    HERR vber die so jhn furchten / Vnd Salom. Prov. 3. schreibt davon / welches die
                    Epistel zun Heb. 12. wiederholet: Mein Kindt verwirff nicht die Zucht des HERRN
                    / vnd sey nicht vngedültig vber seiner Straff / denn welchen der HErr liebet /
                    den straffet er / vnd hat wolgefallen an jhm / wie ein Vater am Sohn. Vnd Thren.
                    3. sagt der Prophet / das GOtt nicht von Hertzen die Menschen plage noch
                    betrübe: Vnd Apoc. 3. Welche ich lieb habe / die straffe vnd züchtige ich.</p>
                <p>Solches das es GOtt gut mit vns meine / können wir daher abnehmen / das GOtt den
                    seinen nicht lange zusiehet / sondern baldt mit der Straff hinter jhnen her ist
                    / er sparets nicht in die zukünfftige Welt / Sondern in diesem Leben straffet er
                    sie / das Gericht fenget an vom Hauß GOttes / davon stehet ein schöner Spruch 2.
                    Maccab. 6. Das ist ein grosse Gnade / das GOtt den Sündern stewret / das sie
                    nicht fortfahren / sondern ist baldt hinter jhnen her mit der Straff. Denn vnser
                    HERR GOtt siehet vns so lange nicht zu als den andern Heyden / die er lesset
                    hingehen / biß sie jhr Maß der Sünden erfüllet haben / das er sie darnach
                    straffe / Sondern wehret vns / das wirs nicht zuviel machen / vnd er sich zu
                    letzten an vns rechen müsse.</p>
                <p>Zum andern spüret man auch dabey GOttes Wollmeynung im Creutz / das ers vns nicht
                    zuschwer mache / sondern mitten in der Straff seine Barmhertzigkeit sehen vnd
                    leuchten lesset / vnd es also messiget / das wir nicht drunter vergehen /
                    sondern es extragen können: Davon sagt David im 103. Psalm: Er handelt nicht mit
                    vns nach vnsern Sünden / vnd vergilt vns nicht nach vnser Missethat / Vnd im
                    118. Psal. Der HERR <pb facs="#drucke_db-752-39s_00015"/> züchtiget mich wol /
                    aber er gibt mich dem Todt nicht. Vnd Jes. 27. sagt der Prophet vom Volck GOttes
                    / wirdt er doch nicht geschlagen / wie jhn seine Feinde schlagen / vnd wirdt
                    nicht erwürget / wie jhn seine Feinde erwürgen / sondern mit massen richtestu
                    sie / vnd lessest sie loß wenn du sie betrübet hast: Vnd Jerem. 30. Ich wils mit
                    allen Heyden ein Ende machen / aber mit dir wil ichs nicht ein Ende machen /
                    züchtigen aber wil ich dich mit maß / auff das du dich nicht vnschüldig haltest
                    / Vnd Thren. 3. Die güte des HERRN ists / das wir nicht gar auß sindt / seine
                    Barmhertzigkeit hat noch kein Ende / sondern ist alle Morgen new / vnd deine
                    Trewe ist groß.</p>
                <p>Zum dritten spüret man GOttes väterliches Hertz im Leyden auch dabey / das er
                    nicht jmmer fort fehret mit straffen / sondern er höret wieder auff vnd hilfft
                    vnd erlöset wieder / Wie Hiob 6. sagt: Er verletzet / vnd verbindet / er
                    zuschmeisset / vnd seine Handt heilet / Vnd Hanna 1. Sam. 2. sagt: Der HErr
                    tödtet / vnd machet lebendig / er führet in die Helle / vnd wieder herauß. Vnd
                    im 30. Psalm sagt David: Sein Zorn wehret ein Augenblick: Vnd im 68. Psalm. GOtt
                    leget vns eine Last auff / aber er hilfft vns auch: Vnd abermal im 103. Psalm /
                    Er wirdt nicht jmmerdar hadern / noch ewiglich Zorn halten. Es muß Joseph sich
                    eine lange Zeit leyden / aber entlich kompt GOtt zu Hauß / vnd lesset sein
                    väterliches Hertz darin sehen / das er jhn nicht allein erlöset / sondern auch
                    zum Herrn machet vber gantz Egypten Landt. Der Hiob wirdt wieder gesundt vnd
                    gibt jhm GOtt alle seine Güter zweyfacht wieder.</p>
                <p>Dieses sollen wir zum Trost gebrauchen / das wir im Creutz nicht verzagen / oder
                    kleinmütig werden / als wenn es eytel Zorn vnd Vngnad were / das vns GOtt also
                    mitnimpt / sondern wissen / wenn wir vns nur bekehren / so sey es eytel Gnade /
                    GOtt meine es gut / er wölle vns selber beystehen / vnd entlich erlösen.</p>
                <p>Es soll vns auch eine Vermahnung sein / das wenn vns <pb
                        facs="#drucke_db-752-39s_00016"/> GOtt also züchtiget / wir wie fromme
                    Kinder sagen: Ich will fromb werden / vnd dencken auch darnach daran / das wir
                    also vns zu GOtt bekehren / vnd mit Hißkia Jes. 38. sagen: Ich werde mich
                    schewen all mein lebelang / für solchem Betrübniß meiner Seelen. Denn wo das
                    nicht geschiehet / sondern es gehet wie Jerem. 5. steht / Du schlegest sie /
                    aber sie fühlens nicht / du straffest sie / aber sie bessern sich nicht / Da
                    machets GOtt wie er Levit. 26. drewet siebenmahl erger / vnd wirdt entlich auß
                    einem gnedigen Vater ein gestrenger Richter.</p>
                <p>Es soll vns das Wort Züchtigen auch darzu dienen / das wir nicht vnser gewonheit
                    nach / von anderen Leuten / denen etwa GOtt ein schweres Creutz zuschickt / vnd
                    sie also für andern außmahlet / freventlich vrtheilen / vnd sie verdammen /
                    Sondern gedencken / das GOtt seine Kinder also züchtige / wie wir an Hiob ein
                    lebendig Exempel haben / das jhn Gott so hart mitnimpt / alß wann er der ergste
                    Mensch were / da jhm doch GOtt selber das Zeugniß gibt / er sey schlecht vnd
                    recht / vnd meyde das böse / vnd sey seines gleichen im Lande nicht. Derwegen
                    wir vns solches freventlichen Vrtheils / wenn GOtt also welche außmahlet / vnd
                    mit Creutz für andern beleget / enthalten sollen.</p>
            </div>
            <div>
                <head>Das Vierdte.</head>
                <p>ES lessets Paulus dabey nicht bewenden / das er die Straffe GOttes gar tröstlich
                    eine väterliche Züchtigung genandt / sondern er zeiget auch mit deutlichen
                    Worten an / was Gott darvnter suche / wenn er also die seinen hart angreifft?
                    Nemblich wie ein Vater darumb sein Kindt mit der Ruthen steupt / das es nicht
                    Gottloß werde / vnd entlich dem Scharff-Richter in die Hende gerahten möchte:
                    Also züchtige GOtt auch seine Kinder darumb nicht / das er sie verderbe /
                    sondern das sie dem Verderben entgehen / Denn wo er jhnen zusehe / würde es
                    jhnen entlich eben gehen / wie der Welt / das ist den Gottlosen / <pb
                        facs="#drucke_db-752-39s_00017"/> welche dieweil sie vnbußfertig in Sünden
                    fortfahren / entlich zum ewigen Verdamniß vervrtheilet werden.</p>
                <p>Dieser Spruch soll vns erstlich zur Lehre dienen / das wir wissen / es werde
                    nicht alle zeit im jetzigen stande bleiben / da alles wunderlich durcheinander
                    hergehet. Die Gottlosen leben vnd sindt mechtig / Psal. 38. Sie sind in keiner
                    Gefahr des Todes / sondern stehen fest wie ein Pallast / vnd werden nicht wie
                    andere Menschen geplaget. Psal. 73. Die Gleubigen aber sindt die aller
                    elendesten vnter allen Menschen / 1. Cor. 15. Sie sindt geachtet wie
                    Schlachtschaffe / Psal. 44. Rom. 8. Sondern es werde einmahl anders werden /
                    GOtt werde die Welt richten / das ist die Gottlosen / die sich an Gott vnd sein
                    Wort nicht kehren / ewig straffen vnd verdammen. Die aber GOttes Wort hören /
                    Buß thun / vnd dem Evangelio gleuben / vnd den Glauben mit einem Gottseligen
                    Leben beweisen / ewig selig machen / Davon stehet Jes. 66. Wie der new Himmel
                    vnd newe Erden / so ich mache für mir stehen / Also wirdt auch ewer Same vnd
                    Namen stehen / vnd alles Fleisch wird einen Monden nach dem andern kommen /
                    anzubeten für mir / vnd sie werden hinauß gehen / vnd schawen die Leichnam derer
                    Leut / die an mir mißhandelt haben / denn jhr Wurmb wirdt nicht sterben / vnd
                    jhr Fewer wirdt nimmer verlöschen / vnd sie werden allem Fleisch ein Greuwel
                    sein / Vnd Dan. 12. Viel so vnter der Erden schlaffen liegen / werden auffwachen
                    / etliche zum ewigen Leben / etliche zur ewigen Schmach vnd Schande. Vnd Marc.
                    16. sagt Christus. Wer glaubt vnd getaufft wirdt / der wirdt selig werden / wer
                    aber nicht gleubet / der wirdt verdammet werden. Vnd Joh. 5. Es kompt die zeit /
                    das die in den Gräbern sindt / werden hören die Stimme des Menschen Sohns / vnd
                    werden herfür gehen / die guts gethan haben / zur aufferstehung des Lebens / die
                    aber böses gethan / zur aufferstehung des Gerichtes.</p>
                <p>Zum andern sollen wir diesen Spruch Pauli / Das wir <pb
                        facs="#drucke_db-752-39s_00018"/> nicht mit der Welt verdampt werden / Zum
                    trost in allem Creutz gebrauchen / weil wir hie hören / das vns daß Creutze dazu
                    nütze vnd diene / das wir nicht verdammet werden. Denn obwol alles Creutz vnd
                    Leyden an vnd für sich selbst GOttes vnnd der Sünden Straffe ist / so wendets
                    doch GOtt dahin / das es den seinen zu allem guten dienen vnnd gereichen muß /
                    wie die <hi rend="italics">Medici</hi> von den gifftigen <hi rend="italics"
                        >Viperis</hi> vnd Schlangen den Tyriack / der eine köstliche Artzney wieder
                    das Gifft ist / zubereiten / wie Paulus Rom. 8. sagt: Wir wissen aber das denen
                    die GOtt lieben / muß alles zum besten dienen. Wie auch Jer. Thren. 3. sagt: Es
                    ist gut einem Mann / das er daß Joch trage in seiner Jugendt / etc. Denn durchs
                    Creutz kommen wir zur Buß / zu erkendtniß vnnd Rewe vnd Leyd vber die Sünde /
                    durchs Creutz kommen wir so weit / das wir vns nach dem Artzt Christo vmbsehen
                    vnd Beten: GOtt sey mir Sünder gnedig vmb deines lieben Sohns JEsu Christi
                    willen: Durchs Creutz kommen wir so weit / das wir auffhören zu sündigen: 1.
                    Pet. 4. Durchs Creutz werden wir so weit gebracht / das wir GOtt den HErren
                    suchen / vnnd engstiglich ruffen / Jesai. 26. Durchs Creutz werden wir so weit
                    gebracht / das wir mit gedult GOttes hülff erwarten lernen / Rom. 5. Trübsal
                    bringt gedult / Gedult bringet erfahrung / Erfahrung bringet hoffnung / Hoffnung
                    lesset nicht zu schanden werden: Durch das Creutz werden wir so weit gebracht /
                    das wir mit Paulo sagen: Ich elender Mensch / wer wil mich erlösen von diesem
                    Leib des Todes? Ich begere abzuscheiden vnnd bey Christo zusein / Rom. 7. vnd
                    Phil. 2. Summa durch das Creutz werden wir rechte Christen / das wir auffs Wort
                    mercken / Jesa: 28. vnd Paulus begreiffet alles in diesen kurtzen Worten / das
                    wir nicht mit der Welt verdammet werden. Das Gefengnuß vnnd die Bande machen das
                    Manasses bekehret / vnnd nicht verdammet wird. Darumb sagt David im 18. Psal.
                    Wenn du mich demügest / machestu mich groß / vnd Psalm 119. Es ist mir lieb das
                    du mich gedemütiget hast / auff das ich lernete Rechte.</p>
                <pb facs="#drucke_db-752-39s_00019"/>
                <p>Darumb sollen wir gedültig vns in GOttes Willen im Creutz ergeben / vnd vnsern
                    Mund in den Staub stecken / Thren. 3. Was thut einer diesen Früling vnd sonst
                    wol / wenn er sich für einer Kranckheit besorgt / die jhm am Leben schaden thun
                    möchte / er nimpt einen herben bittern Tranck ein / das er purgiere / vnd der
                    Kranckheit vorkomme / Warumb wolten wir nicht auch den heylsamen Kelch gern von
                    der Handt des HERRN nemen / weil wir wissen das er gesundt ist / vnd dazu dienet
                    / das wir nicht mit der Welt verdammet werden.</p>
                <p>Endlich soll vns dieser Spruch Pauli auch zur Warnung dienen / weil wir hören /
                    was es endlich mit der Welt vnd Gottlosen für ein ende nehme: Nemblich / das sie
                    verdampt werden / das wir vns nicht ergern / das es jhnen ein zeitlang wolgehet
                    / das wir jhnen nachfolgen / vnd auch Gottloß werden wolten / weil wir daneben
                    sehen / das es den Frommen vbel gehet.</p>
                <p>Dieses ist eine gemeine vnd dazu schwere Anfechtung / welche auch die Heiligen
                    gefühlet haben / David im 39. Ps. Assaph im 73. Psalm. Jer. 12. Habac. 1. Das
                    auch die Gottlosen sagen Malach. 3 / Es ist vmbsonst das man GOtt diene / vnd
                    was nutzet vns / das wir sein Gebot halten / vnd hart leben für dem HERRN
                    Zebaoth? Darumb preysen wir die Verächter / denn die Gottlosen nehmen zu / sie
                    versuchen GOtt / vnd gehet jhnen alles wol hinauß / O wie manch Mensch ergert
                    sich daran vnd wirdt darumb Gottloß?</p>
                <p>Aber Paulus setzt hie ein Wort / das heist / Das die Welt verdammet werde / Damit
                    sollen wir diesem Ergerniß begegnen / vnd gedencken vnd sehen auff der Gottlosen
                    Ende / welches ist das ewige Verderben vn<hi rend="ns"/> Verdamniß / Das wird
                    vns zu rück halten / dz wir vns dieser Welt nicht gleich stellen / Rom. 12. Vnd
                    das wir alles was in der Welt ist / es sey Fleischeslust / Augenlust / oder
                    hofffertiges Leben / Wie Johan. 1. C. 2. darin aller Welt Lust vnd Güter
                    begreifft / nicht achten / denn es were so lange als <pb
                        facs="#drucke_db-752-39s_00020"/> es wolle / endlich werden sie gestrafft.
                    Davon sagt der 37. Psal. Wie das Graß werden sie aldt abgehawen / vnd wie das
                    grüne Kraut werden sie baldt verwelcken / vnd Psal. 73. Du setzest sie auff
                    schlipferige vnd stossest sie zu boden / vnd im 92. Psal. Die Gottlosen grünen
                    wie das Graß / vnd die Vbeltheter blühen alle / biß sie vertilget werden jmmer
                    vnd ewiglich / Vnd 2. Thess. 1. Der HERR Jesus wirdt offenbahret werden vom
                    Himmel sampt den Engeln seiner Krafft / vnd mit Fewerflam<hi rend="ns"/>en /
                    Rach zu geben vber die / die nicht gehorsamb sindt dem Evangelio vnsers HERRN
                    Jesu Christi / welche werden Pein leyden das ewige Verderben / von dem Angesicht
                    des HErrn / vnd von seiner herrlichen Macht / wenn er kommen wirdt / das er
                    herrlich erscheine mit seinen Heiligen / vnd wunderlich mit seinen
                    Gleubigen.</p>
                <p>Des haben wir ein Exempel am reichen Mann / dem gehet es in dieser Welt nach
                    seines Hertzen Wunsch / er lebt teglich herrlich vnd in frewden / Aber endlich
                    wirdt er gestrafft / vnd muß mit der Welt ewige vnaußsprechliche Peyn
                    leyden.</p>
                <p>So wirdts mit allen Gottlosen heissen / Wie Christus Luc. 6. sagt: Wehe euch die
                    jhr lachet / denn jhr werdet weinen vnd heulen.</p>
                <p>Darumb sollen wir vns ja an dem Glück der Gottlosen Welt Kinder nicht ergern /
                    vnd jhnen nicht folgen auff / das wir nicht mit jhnen verdampt werden.</p>
            </div>
            <div>
                <head>Beschluß.</head>
                <p>ALso haben wir jtzundt ein Mitgliedt dieser Christlichen Gemeine zur Erden
                    bestattet. Nun kompt es mit der zeit mit den Leich Predigten gar in einen
                    Mißbrauch / da die Leut haben wollen / das man die Todten außführlich rühmen
                    soll: Aber es ist in Warheit ein Mißbrauch des Predigampts / das man also den
                    Leuten schmeichelt.</p>
                <pb facs="#drucke_db-752-39s_00021"/>
                <p>Weil aber gleichwol der heilige Geist selber in GOttes Wort ein gut Zeugniß den
                    frommen Königen gibt: Er thet das dem HErrn wollgefiel / Den Gottlosen gibt er
                    ein böß Zeugniß / Er thet das dem HERRN vbel gefiel / Wollen wir damit gleichwol
                    ein vnterscheidt zwischen Frommen vnnd Gottlosen gehalten werde / vnd dadurch
                    die Lebendige zur Nachfolge vermahnet werden / von jhrer Person vnd Leben gar
                    einen kurtzen Bericht thun.</p>
                <p>Die sehlige Fraw ist nicht von den Sündern außgenommen / vnd abgesondert /
                    sondern / wie wir alle / ein Mensch vnd arme Sünderin gewesen / in Sünden
                    entfangen vnd geboren. Sie ist aber wieder geborn / durch das Wort vnd die H.
                    Sacramenta / vnd also billig mit vnter die gerechnet / davon Petrus 1. C. 1.
                    schreibt / Ihr seyt wiedergeborn nicht auß vergenglichem / sondern auß dem
                    vnvergenglichem Samen / des lebendigen Worts GOttes das da ewig bleibet.</p>
                <p>Solches hat sich an jhr außgewiesen. Denn sie nicht allein sonst für sich /
                    sondern auch wann sie zur Beicht gangen / fürm Predigampt jhre Sünde mit Rewe
                    vnd Leydt bekandt / vnd geklaget / sich aber in wahrem Glauben jhres HERRn vnd
                    Heylandes Jesu Christi getröstet / vnd solchen jhren Glauben / wie kein Mensch
                    hie / der sie gekandt / anders sagen wirdt / hat sie bezeuget mit einem
                    Christlichen vnstrefflichen Leben vnd Wandel / Vnd ist sie eine solche Fraw
                    gewesen / wie Petrus beschreibt 1. C. 3. Die Weiber sollen jhren Mennern
                    vnterthan sein / etc. Welcher Schmuck soll nicht sein / mit Haar flechten /
                    Goldt vmbhengen / Kleider anlegen / Sondern der inwendige Mensch des Hertzen
                    vnverruckt / mit stillem vnd sanfftem Geist. Das ist köstlich für GOtt. Wolte
                    GOtt andere Frawen vnd Jungfrawen alhie nehmen ein Exempel davon / vnnd dechten
                    mehr darauff / als auff newe Tracht vnd Muster / welche diese sehlige Frawe
                    nicht geachtet hat / das stünde besser / als wenn man sich auch in solcher
                    Leichtfertigkeit dieser Welt gleich stellet.</p>
                <pb facs="#drucke_db-752-39s_00022"/>
                <p>Es hat aber GOtt diese sehlige vnd Gottsehlige Frawen / für andern außgemahlet /
                    darmit / das es nicht allein in jhrer Kinderzucht hart mit jhr gehalten /
                    sondern sie auch lange zeit nun 18. Wochen kranck vnd zu Bett gelegen / ja fast
                    ein gantz vmbgehendes Jahr gekranckt hat / da sie denn grosse Schmertzen
                    außgestanden / das sie ja nicht mit der Welt verdammet würde.</p>
                <p>Ob sie nun wol / welches kein wunder / bißweilen mit dem heiligen Hiob / in der
                    langwirigen Kranckheit / etwas vngedültig worden / hat sie doch wieder solche
                    vngedult / wie ich auß jhren Worten vernommen / gekempffet / vnd GOttes
                    Beystandt / Krafft vnd Trost / wenn die Schuer fürüber gewesen / wie sie selbst
                    bekandt / wiederumb gefühlet / als auch Hiob wenn er wieder zu sich kommen /
                    sich erholet / als da er Cap. 19. sagt: Ich weiß das mein Erlöser lebt.</p>
                <p>Als aber die Kranckheit sehr vberhandt genommen / hat sie den nehesten Tag zuvor
                    / er sie verschieden / sich also zu einem sehligen Ende bereitet / vnd
                    geschicket / das sie abermahl jhre Sünde bekandt / vnd angezeiget / sie sindt
                    jhr Leydt / auch darauff jhren Glauben an Christum zu stercken / die H.
                    Absolution vnd das H. Nachtmahl begehret / vnd empfangen / vnd weil dadurch bey
                    jhr das Gedechtniß CHRISTI vnd seines Todes erfrischet vnd ernewert / hat sie
                    sich gar wol zu frieden gegeben / vnd mehr nicht begehret / als das der liebe
                    GOtt je ehe je lieber kommen möcht / wie denn auch geschehen / denn da sie als
                    wir Menschen sindt / sich noch langes quelens in etwas besorg et / ist GOTT
                    baldt folgendes Tages zu Hauß kommen / Alssie nun vermercket / das es nicht lang
                    wehren wolte / vnd sie so eylend keines Predigers mechtig werden können / hat
                    jhr jhrer Kinder Princeptor GOttes Wort vorlesen müssen / vnd als jhr Haußwirdt
                    vnter des dazu kommen / vnd gefraget / wie es werden wolte / hat sie
                    geantwortet: Wie GOtt wil / welches auch jhr letztes Wort gewesen / vnd hat GOtt
                    sie / ehe auß aller Noht <pb facs="#drucke_db-752-39s_00023"/> erlöset als sie
                    selbst gehoffet. Weil sie nun also im Glauben anden HERRN Christum gestorben /
                    ziehen wir billig auff sie / den Spruch Johannis Apoc. 14. Sehlig sindt die
                    Todten / die im HERRN sterben. GOTT lasse jhm auch den Wittwer / vnd die
                    Mutterlose Wäysen in gnaden befohlen sein / vmb seines lieben Sohns vnsers HERRN
                    JESV CHRISTI Willen / AMEN.</p>
                <p><graphic facs="#drucke_db-752-39s_00023"/></p>

            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
