Frauenzimmer Gesprechspiele, so bey Ehr- und Tugendliebenden Gesellschaften .̤ beliebet und geübet werden mögenHarsdoerffer, Georg Philippelectronic editionHerzog August Bibliothek Wolfenbüttel2018 Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

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Frauenzimmer Gesprechspiele, so bey Ehr- und Tugendliebenden Gesellschaften .̤ beliebet und geübet werden mögenHarsdoerffer, Georg PhilippEndterNürnberg1644318435721

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GESPRACHSPIELE/ So Bey Teutſchliebenden Geſelſchaften an=und außzufuͤhren/ Vierter Theil: Samt einer Rede von dem Worte SPIEL. Gefertiget Durch einen Mitgenoſſen der hochloͤblichen FRVCHTBRINGENDEN GESELSCHAFT. Nuͤrnberg/ Gedruckt und verlegt bey Wolffgang Endrern. Im Jahre 1644.
Der Hochloͤblichen Fruchtbringenden GESELSCHAFT Hochanſehlichem und Lobwuͤrdigſtem Mitgeliede dem BEFREYENDEN uͤbereiget in Vnterthaͤnigkeit dieſen Vierten Theil der Geſpraͤchſpiele DER SPIELENDE/ Durch folgendes Sinnbild.
Klingreimen. ES ließ der Majen Sohn (als ich im Traum’erſehen)den ſchwanken Bottenſtab entfallen auß der Hand’/uͤm den die Bonen ſich beginnten aufzudrehen/dieweil die Schlangen beid’ im fallen abgewand/und ſich mit blauem Gifft darwider wolten blehen;Doch ſchwebt ſein Fluͤgelhut hoch ob dem gruͤne ̅ Band’und ließ dem Spielgewaͤchs von jhnen nichts geſchehen/Erwachend auß dem Traum’ ich dieſe Deutung fand’:Hier der BEFREYENDE die bunte Bonenfruchtwird mit der Oberhuht’ erfreuen und befreyen.Bey den ſie nidere ſo hohen Schutz geſucht/und ſuͤſſe Sicherheit vor Spott und Kluͤgelſchaum.Wird dieſer Gnadenſchein dem Spielenden gedeyen/ſo iſt ſein groͤſtes Gluͤck der wahrerfolgte Traum!
* I. *DAuf des Spielenden Geſpraͤchſpiele.Er Spielend’ alzeit wol mit ſeiner Leire ſpieltIn ungebundner Red/ darzu mit ſchoͤnen Reimen/Mit Fleiſſe wil er auch nicht gerne Zeit verſaͤumen/Es fleuſſet jhme zu/ was auß dem Brunnen quilt/Der von den Muſen iſt mit Weißheit gantz erfuͤlt/Der Laſter=Vnflat wil er aus dem Wege raͤumen/Der Tugendkoͤrnelein gruͤn in ſich laſſen keumen.Vergnuͤget im Gemuͤt’/ im Hertzen wol geſtilt.An ſeinen Schriften hat ein jederman Gefallen/Weil ſie mit Lieblichkeit in unſer’ Ohren ſchallen.Die Teutſche Mutterſprach’ er kuͤnſtlich mit vermehrt/Erhebt ſie hoch und laͤſt ſich drinnen unterweiſen/Coͤthen de ̅ 24. Tag deß Heu= monats im Jahre 1643.Man unterlaſſe nicht jhn dankbar druͤm zu preiſen/Vnd ſein Geruͤchte werd’ in Teutſcher Welt geehrt! Von der Fruchtbringenden Geſelſchaft.
* II. *Des Geheimens Dreyſtaͤndiges Sinnbild/Auß freundſchuldiger Wolmeinung uͤberſchicket dem Spielenden. Ein ſolches Spiel/ Rach dieſem Ziel/ Vns wolgeſiel.
So die weiche Haͤndlein ruͤhren/ So klarſichtig ferne ruͤhren Das kan Hertz und Sinne ruͤhren/ So den Spielſtab kluͤglich fuͤhren/ Alle Muſen zu uns fuͤhren/ Die Geſelſchaft hoch hinfuͤhren; Suͤſſe Worte laſſen wehn/ Nach der Ewigkeit wol ſehn/ So laͤſt ſich der Spielend ſehn/ Kunſt und Ordnung zierlich ſtehn: Auf den Recht=Kunſtgruͤnden ſtehn: Er/ voll Ruhm/ ſol Ewig ſtehn.
* III. * Zur beweißlichen Ablegung der Schuldigkeit/ ſeinem Liebwerthen Fruchtbringenden MITGESELSCHAFTER/ dem SPILENDEN zufertiget und uͤberreichet aus unverdroſſenem Gemuͤhte:1. Dieſen/ ſelbſt angeſtimmeten Lobgeſang.2. Dieſe/ mit eignen Haͤnden geriſſene Gemaͤlde.3. Als auch beygefuͤgtes/ mein wolgemeintes Reimgedicht.folgender Geſtalt.
1.
Neun Goͤttin ̅ en auf? zu ſehn/ wo die Neun Buchſtabe ̅ ſtehn/ derer
Klang euch außgeſoͤhnt/ euren Tugend=Bergumtoͤhnt.
2.Harffe/ Geig/ Trompetenhal/Orgel/ Pfeiffe/ Trommelſchal:Laute/ Zincke/ Klingelwerk/Suͤſſer Muſen/ ſuͤſſe Staͤrk.
3.Neun Goͤttinnen eilt mit Zier!nemt neun Inſtrumenten hier.Sucht den hochbegabten Mann/der ſo treflichſpielen kan.
U
AVf/ auf/ jhr Teutſchen auf! diß ſchoͤne Buch durchſchauet/an Wort’ und Werkereich/ ein Perle naß hie tauet:durch’s weite Sinngefild’/ aus hoher Muſen Gunſt/der Spielend deſſen gibt den Augenſchein mit Kunſt.Der Spielend’ herꝛlich ſpielt mit ſuͤſſeſtem Gethoͤne/Mit ſuͤſſer Muſen=Stimm/ mit Preiß/ Ehr/ Ruhm und Schoͤne/die Spiel’ es weiſen dar/ auß innerſter VernunftVnd aus Erfahrenheit/ es nimmet ſein’Ankunft.Zu wuͤnſchen wer’ es hoch! daß doch mit gleicher Liebeein jeder auch ſein Spiel als dieſer Spielend triebe:geſtehen muͤſte man/ daß diß der Spieler ſey/der unſer Teutſche Sprach’ auffuͤhret ſchoͤn und frey.Vns der Gekroͤnt’ hat zwar erſt gebahnet die Straſſen;der Spielend’ aber uns noch mehr wird hinterlaſſen.Er zeigt mit Kunſt und Geiſt auf der Geſelſchaft Ziel/Vnd deutet Spiegel klar zum rechten Tugend=Spiel.Holdſeelig’s Frauenvolk! in eurem Schoßwird ruhendiß ſchoͤne Kunſt=Geſpiel/ und euch mit Luſt bemuͤhen:Zu ſchauen durch und durch/ zu lernen Kunſt und Witz/zu bringen euren Sinn zum hoͤchſten Ehren=Sitz.Da/ wo die Seel ewig die Oberherꝛſchaft fuͤhret/die rechte Weißheit ſichnach aller Luſt gezieret/verſtellet rein und keuſch/ ſich troͤpfelt ſaͤnftlich ein/laͤſt jhr’ ergebene recht Spielend=zierlich ſeyn.Der Muſen ſamt=Befehl uns gnaͤdig hat verliehen/die Seiden=zarte Deck/ die Spielweiß wir jetz ziehen/hie zwiſchen Kluͤgel=Neid und dieſem Tugend=Mann;damit der Kluͤgel=Geiſt nicht koͤnn’ jhn ſchauen an.Wann’s Spiel am beſten iſt/ ein Spieler ſol aufhoͤren.Je mehr doch dieſer ſpielt/ ja mehr er unskan lehren:Er ſol und muß geacht/ gelobt ſeyn/ und geehrt/was ſpielet und was liebt/ mit Lob’ jhn hoch verehrt.Nun auf/ jhr Teutſchen auf! dem Spielenden nachſchreitet/der unſer Teutſch erhebt/ erhaͤlt/ erhoͤht/ erweitet:der es ſowol mit uns/ als unſerm VatterlandFruchtbringend wolgemeint/ und bringt’s in rechten Stand.
Endreime.Wie der Omeiſen Volk zur Arbeit ſtets erkohren:So iſt dem Spielenden zu Dienſten auch geborender Vnveroͤroſſene.
Wirckt und brennt der wiederſchein.
* IV. * Sinnbild Seinem hochgeliebten Mitgeſelſchafter DEM SPIELENDEN bey Ausfertigung deß Vierten Theils uͤberſendet/ Von dem SVCHENDEN.
1.FRuchtreich rieſelt ab der Stral/Von des Spiegels blankem Stal:Wird die Sonn durchs Glaͤßlein bracht/Brennend=heiß den Liechtſchein macht.
2.Die Geſelſchaft/ Sonnengleich/So Fruchtbringend/ ſo Fruchtreich/Weit und breit helleuchtend blickt/Gunſt und Liecht zu Nutzen ſchickt.
3.Nuͤrenburg/ dort gegengluͤcktSpiegelgleich/ da kuͤnſtlich bluͤht/Sinnreich wirket/ gluͤcklich brennt/den man Wunder=Spielend nennt.
4. Weißheit/ Kunſte/ Sprachenlehr/ Freude/ Liebe/ Tugend=Ehr/ gibt durch ſuͤſſes Spiel ſo fein Dieſes Spiegels Wiederſchein. uͤberſchiket von Braunſchweig den 22. Auguſimonaks 1643.
* V. * Letterwechſel Auf vorhergehendes Sinnbild. GESPRACHSPIEL. verſetzet SPRACHSPIEGEL.MAgſt du nicht wie du wilſt/ in ferne Laͤnder reiſen/ſo wird dir dieſes Buch all’ jhre Buͤcher weiſen.Warmit der Welſche prangt und der Frantzos ſtoltzirt/iſt Spiel=und Spiegelweis hier an=und aufgefuͤhrt.Dann dieſer Spiegel kan viel fremde Sprachen ſprechen/er iſt ſo rein und zart/ und wird dir nie zerbrechen.Schau/ wie der Wunderſtral durchleuchtet den Verſtand/entzuͤndet Tugendlieb’ und knuͤpft das Freundſchaft Band!
* VI. * An den SPIELENDEN/ Als er das Vierte Theil ſeiner Honigſuͤſſen Geſpraͤch=Spiele herausgabe.Herr/ wenn ich in der Zeit des Fruͤlings pflag zu gehenan meiner Elbe Strand/ wo tauſend Kraͤuter ſtehen/und hoͤrte das Geraͤuſch der kleinen Bienelein/die aus ſo mancher Blum’ jhr Honig brachten ein/So ſprach ich bey mir ſelbſt. Die wunderbaren Kraͤfte/der Pflantzen/ Kraͤuter/ Baͤum’ und vieler Blumen Saͤfte/die werden durch diß Thier/ das ſonſt von kleiner Macht/in den ſo ſuͤſſen Tau des Honigſeims gebracht.Es ſcheinet/ daß jhr Werk dem Spielen ſich vergleichet/wenn eins dem andern nach mit ſanftem Sauſen ſchleichet/jedoch mit Laſt beſchwert zu ſeinem Korb’ hinein/drum glaub’ ich/ daß bey Luſt muß dennoch Arbeit ſeyn.Ihr/ hochberuͤhmter Herr/ jhr ſamlet gleich den Bienenein Honig=ſuͤſſes Werk/ das treflich wol kan dienen/vor Grobheit/ Vnverſtand’ und allem was die Weltin dicker Finſternis der eitlen Thorheit haͤlt.Ihr ſpielet zwar mit Luſt/ und ſchreibet ſolche Sachendie unſre Teutſchen Teutſch/ geſchikt und witzig machen/(denn dahin zielet jhr) jedoch bekenn’ ich frey/daß ein ſo groſſes Werk kein bloſſes Spielen ſey.Wer kan doch ſonder Muͤh’ in denen ſchoͤnen Schrifftender Roͤmer/ die ſonſt nichts als lauter Klugheit ſtifften/erfinden ſolche Kunſt/ ja bringen auf den Planein ſo beliebtes Werk/ als jhr uns habt gethan?Wer kan der Griechen Sprach’ und Buͤcher der Rabbinen/mit ſolchem Nutz’ als jhr/ zum beſten ſich bedienen?wer lieſet doch als jhr/ das was der Welſche Mann/der Spanter und Frantzos’ aufs zierlichſt reden kan?Sol das noch Spielen ſeyn/ ſich Tag und Nacht bemuͤhen/daß man den edlen Saft der Weißheit moͤge ziehenaus Buͤchern voller Kunſt/ ja aus des Himmels Schrift/die alle Treflichkeit der Kuͤnſtler uͤbertrifft?Fuͤrwar/ Herr Spielender/ eur Spielen und eur Singenkan die verlohren Luſt den Menſchen widerbringen/mir iſt es Davids Harff’/ im Fall ein’ bittrer Tagmein Hertz ſo ſehr betruͤbt/ daß es kaum leben mag.O wolte/ wolte GOtt (ſo hoͤr’ ich ſchon von vielen)Ihr moͤchtet tauſend Jahr geſund und froͤlich ſpielenzu Nutz dem Vatterland’/ alsdenn wurd’ ins gemeindas gantze Teutſche Reich euch Herr zu Dienſte ſeyn.Wird doch eur hohes Lob ſchon auf dem guͤlden Wagender laͤngſt=verdienten Ehr’ in Teutſchland umgetragen/ja ſchier in aller Welt. Wer Witz hat und Verſtand/dem’ iſt die groſſe Kunſt des Spielenden bekant.Von Orpheus hat man zwar vor langer Zeit geſungen/daß er die Baͤume/ Thier’ und Felſen offt bezwungen/das ſcheinet viel zu ſeyn: Ihr ſpielet anderſt auf/Ihr werther Spielender: Es komt in vollem LauffErd’/ Himmel/ Waſſer/ Feur/ und was ſonſt mehr geſchaffen/die Menſchen ſonderlich/ die ſtehen gleich vnd gaffenNach eurem Freuden=Spiel: Es huͤpfet allzumal/es tantzet Feld und Wald/ es lachet Berg und Thal.Ihr groſſer Orpheûs/ ihr ſeid maͤchtig durch die Saͤitenfaſt eine neue Welt aus andern zu bereiten/Ich bitt’ euch/ ſpielet fort/ ja ſpielet in der Zeit/biß daß jhr dort vor GOtt ſpielt in der Ewigkeit.
* VII. * Spielen iſt Suchen/ Suchen iſt Spielen. An die beide vortrefliche/ durch wahre Freundſchaft treuverbundene Geiſter und edle Mitgelieder der hoͤchſtloͤdlichen Fruchtbringenden Geſetſchaft/ Den SPIELENDEN und den SVCHENDEN.ISt Suchen nicht ein Spiel? man frage nur ein Kind/Was ſpieleſt du mein Sohn? der ſpricht: Ich ſuch und find’.Herr Spielender der hat durch Suchen uͤberwunden/Herr Suchender der hat ſein Theil durchs Spielen funden/So ſucht der Spielender der Teutſchen Nutz allein/So ſpielt der Suchender der Welt bedient zu ſeyn.

Dem hochberuͤhmten Herrn Spielenden uͤberſendet dieſes aus Wedel an der Elbe den 10. Tag des Auguſtmonden im 1643. Jahre.

Johannes Riſt.

* VIII. * Zeitung aus dem Parnaſſus.REcht wunderſam! was ſich hat neulich begeben:Phoͤbus der loͤblichen Muſen=Regent/als er die himmliſchen Haͤuſer durchrennt’/erſahe die Goͤtter in Traurigkeit ſchweben.Bald rief’ er den ſaͤmtlichen himmliſchen Schaaren/fragte/ wie kluͤglich die lauffende Zeitwere zu fuͤhren mit nuͤtzlicher Freud’/er ſelbeſten wolte die Leyren nicht ſparen;beginnete ſo kuͤnſtlich zu ruͤhren die Seiten/daß jhm der weiſſen neun Schweſteren Chorfolgte/ verhoffend zu rucken jhm vor/und wolten jhrs Meiſters Kunſtproben beſtreiten.In deſſen Saturnus kam trotzig zu prallen/waltzte Dupplonen bald hin und bald her/daß es den Saale durchklingte vielmehr/doch thaͤt er den anderen allen mißfallen.Frau Venus belobte der buhlenden Schertzen/Bacchus und Ceres erhebten den Wein/welcher die Froͤlichkeit floͤſſet mit ein/und jagte das Sorgen und Trauren vom Hertzen.Darzwiſchen trieb Mavors das Fechten und Ringen.Pippen=Tabac den Vulcanus beliebt/welcher den Saal auch mit Rauche durchſtuͤbe.Cupido dann eilte zu dantzen und ſpringen.In dieſem Mercurius kame geflogen/lachte der Goͤtter ſo ſterblicher Freud/die nur verzehrte die ſchaͤtzbare Zeit/wie vielmals die Menſchen ſich finden betrogen.Schoͤne Geſpraͤchſpiel’ und hoͤfliches Schertzen/ſchickliche Reden von Weißheit und Kunſt’artig entzuͤndet zur Tugend die Brunſt/und ziemet recht (ſprach er/ den) Goͤttlichen Hertzen.Bald wolten ſie ſpielend die Stunden verſuͤſſen/fragten einander/ was bringt man herbey?aber Mercurius redete frey/und laſt diß Buͤchlein daraus zu erkieſſen.Die Kurtzweil beliebte den Goͤtteren allen/ſchloſſen einhellig/ daß folgend hinfortſolten darbleiben Spielloͤbliche Wort/und werden gefuͤhret nach Phoͤbus Gefallen.Der Spielend’ hat dieſes ſich billich zu freuen/ſeine Bemuͤhung die kommet hoch an/die den Parnaſſus beluſtigen kan/wo jhme wird ſtetiges ruͤhmen gedeien! Adam Staden.
* IX. * Der Geſpraͤchſpiele GLUÜCKES=TOPF/ an das Tugendliebende Teutſche Frauenzimmer.HErbey Liebreiches Volk’/ erhebet ſchoͤne Gaben/die ſondergroſſes Geld’ aus dieſem Topf zu haben!Nicht hat das Wagnuͤs=Gluͤck eroͤffnet ſolches Spiel/da Geitzestrug vermiſcht der blinden Zettel viel:Da die verzagte Hand das ſpate Reuen zehlet/viel Wichtiges verhofft/ viel Nichtiges erwehlet.Wie/ hebt man hier umſonſt? Nein/ ihr muͤſt wenden aufein wenig Fleiß’ nechſt Muͤh’ und kurtzer Zeit Verlauf.Etwan ein neues Lied/ Gemaͤld’/ und Teutſche Namen/Gedichte/ Sinnekunſt’ (in denen wir nachahmenDer fremden Klugheit=Lob) Fiſch’ einen Blumenſtraus/ein Spiegel/ Karten Haͤnd’ hebt man dar leicht heraus.CLXXXVII CLXXVII. CLXXVIII.Iſt dieſes euch zu ſchwer/ und moͤgt es nicht ertragen/ſo liebet die Gedult/ geuͤbte zu befragen.Das Lernen iſt ſehr leicht/ wann man darzu hat Luſt/und faſſet mit bedacht/ was vor iſt unbewuſt.Ihr werdet (glaubet mir) in den Verſtandes=Spielengenuͤgten Freuden=Nutz in ſteter Vbung fuͤhlen/und endlich ungeſcheutheraus bekennen frey/daß die verlorne Zeit hierbey gewonnen ſey!
* X. * Erklaͤrung Des Sinnbildes an den Leſer.IM Kunſt=und Gluͤckes=Spiel’ heiſt wagen faſt gewonnen/verzagtem Buhlersmuht iſt manche Gunſt zerronnen.dis wahre Wort beglaubt der Spielend’ in der That/der ſolchen Ehrgewinn ihm nie geſchaͤtzet hat/in dem er kuͤhn gewagt die leichten Federkiele/und nie verdientes Lob gewonnen in dem Spiele.Die hohe Gnadenhand den Spielſtab Waagrecht ſenkt/die mit dem Bonenkrantz zur Rechten jhn beſchenkt;Vnd an dem andern End’ hat ſich behaglich fundender Tugend Freundſchaft=Band/ und haͤlt den Kiel gebunden.So unverhoffte Gnad/ nechſt groſſe Goͤnner Gluͤck/ſchaͤtzt er fuͤr nicht verdient/ und ihm gemaͤß Geſchick:Doch hat die Dankbarkeit ihn billich auch bewogen/daß er die Lobgedicht’ in nicht Vergeß gezogen:- . Apollonius l. 6. c. 7.bedenckend daß man ſchreibt/ wie Phoͤbus Tempelzierdſey von den Federn erſt der Voͤgel eingefuͤhrt/die ſuͤſſes Hoͤnigwachs der Immen macht bekleiben/und das verachte Ding’ oft hohe Sachen treiben!Ein gar geringes Pfund auch ſeinen Wucher traͤgt/das ohne Zweiffelſorg in Wechſel wird gelegt:Ein Schalk/ ein loſer Knecht pflegt es in Sand zu ſcharren/und muß der Vntreu=Straf’ in ſteter Furchte harren.Lapis Phi- loſoph.Die gerneſt=goldmachkunſt ſucht noch am erſten Stein */weil jeder Kuͤnſtler wil ein groſſer Meiſter ſeyn/und halten in geheim/ was in viel grauen Jahrenmit mancher Fehler Muͤh’ er hat im Feur’ erfahren;da dann/ der jhme folgt/ faͤngt gleichsfalls unten an/daß dieſe ſeltne Sach nicht hoͤher ſteigen kan.Solt’ jeder ungeſcheut ſelbſt ſeine Fehler weiſen/der juͤnger wuͤrde ſich zu huͤten ſtets befleiſſen/und ſehen/ wo der alt’ hab etwan aufgehoͤrt/damit von Tag’ auf Tag wuͤrd’ jede Kunſt vermehrt.So mus die Landes=Sprach verſtummen und erligen/die bey dem Nachbarmann iſt Wolken an geſtiegen/dieweil an ſeinem Ort ein jeder iſt verzagt/und was er ſetzen kan/ nicht in die Feder wagt.Die niemals kuͤhne Hand mag wol zu ruͤcke bleiben/und was ſie nicht vermag/ ein andren laſſen ſchreiben.Mit vollem Kriegeswuſt umwallt in Teutſchem Landein fremdurchmengte Sprach’ und plaget jeden Stand;Als ob der Teutſchen Mund muͤſt’ oftermals erſtummenohn dieſe Menglings=Art/ und kaumlich koͤnte brummenmit raſſlendem Gemarr. Ich wuͤnſchte/ daß an heut’das Allmanns Bruͤder=Volk/ die tapfern Biederleut’erſtuͤnden aus dem Grab’/ und ſolten uns bezeugen/wie hierdurch Teutſche Treu beginne abzuſteigen!Der Ahnen Heldenmuht/ ihr Klugheit und Verſtandentſchluͤge ſich gewiß der fremden Zungen Thand:das Vbel reiſt um ſich/ ohn alle Maas und Schrankendie fremde Woͤrter=ſucht macht unſer Sprach=recht wanken.Wie? ſol’ ein andre Zung uns leiſten den Verſtand/den niemals hat gefaſt ein ſo zerſtucktes Band?Man hat faſt=feſten Grund geſuchet Des Su= chenden Sprach= kunſt. und gefunden:Es bleibt die Kluͤgelwitz der Warheit unverbunden;jhr ſchwacher Erdengeiſt ſchwingt ſich nicht hoch empor/und jhrer Haͤnde Werk traut nicht ans Liechte vor:Deswegen trachtet ſie ſtets jhren Glimpf zu ſtuͤtzen/wil mit des Nechſten ſchimpf jhr eigne Schande ſchuͤtzen.Iſt gleich nicht dis und das ſo niedlich Seidenrein/mag doch das Gut’ im Buch nicht gar das minſte ſeyn.Des Leſers Kunſtverſtand laͤſt ſich mit dem erfuͤllen/der auch ein mehrers weiß aus dieſem aufzuhuͤllen.Dich aber Duͤnkelmund/ dein Laſt=und Leſter=Grußhalt ich mit Raht und Recht fuͤr leichten Rauch und Ruß/der deut=und zierlich ſchoͤn das Weiſe kan beſchmucken/je ſchwaͤrtzer er ſich weiſt im ſtraͤngen Buchſtabdrucken.Komt dieſer Arbeitſpiel deim Hirne nicht gemaͤß/erhellet doch das Werk durch ſo beſchmuͤtzte Preß!
Der Teutſche ̅ Ehr iſt Tugend= Lehr.
Erinnerung.

DEr wolmeinende Leſer geruhe in dieſem Vierten Theile der Geſpraͤchſpiele zu beobachten/ daß die Anfangs=Buchſta= ben jedes Abſatzes vier oder acht Ecke habe ̅ : dergeſtalt/ daß jene ſchwartz oder gefuͤllet/ den Inhalt des folgenden Spieles; Dieſe weiſe oder lee= re ein Sinnbild vorſtellen/ deſſen bald hernach Meldung beſchihet.

Weil nun ſolcher Sinnbilder Obſchriften dem engen Holtzſchnie= Das Ord= nungs=Regi= ſter.de nicht eingedrungen werden moͤgen/ haben ſolche an den Rand beyge= rucket/ und des Spieles Titel und Zahlen/ zum Anfang des Blates/ bemerket werden muͤſſen. Bey ſolcher Enderung beliebe dem Leſer/ ſich zu erinneren/ daß in dieſem/ wie faſt allen anderen Sachen/ die erſten Gedanken der wandelbaren Jugend/ die folgenden dem reiferen Alter zu vergleichen: Dannenher auch das Format/ wegen der Lieder= Kupfer=und Reimenzierde/ in ſothane ablange Art bequemet worden/ und auch bey eheſter Wiederauflegung deß Erſten und Andern Thei= les gebrauchet werden wird.

Der Verfaſſer dieſes Werkleins iſt bemuͤhet/ die Erfindungen/ wel= che die auslaͤndiſchen Academien beruͤhmen/ nach und nach in die Teut= ſe Sprache zu uͤbertragen/ und wird ſich der verſtaͤndige Leſer/ in Be= trachtung ſolches Zweckes/ nicht befremden laſſen/ wann er hin und wi= der neue ungewohnte/ rauhe und zum Theil ungeſtalte Kunſtwoͤrter begegnet/ welche nach und nach verbeſſeret/ ausgeuͤbet und gemein ge= machet werden koͤnnen. Weilen aber wenig unter beruͤhrten Academien von Geſpraͤchſpielen gehandelet/ hat er mehr zu nuͤtzlichem Leſen/ als zu kurtzweiligen Spielen/ alles doch zu angenemen Geſpraͤchen/ gerich= tet/ und mit eigenen Erfindungen/ nach ſeiner Wenigkeit/ ausgeferti= get; Beharrend in feſtgruͤndiger Meinunge/ daß die Ehre des Teutſchen Namens in Erhoͤhung Aus=und Aufarbeitung unſerer Spra= che beſtehe; und daß ſolches Bauwerk nicht in kurtzer Zeite/ durch er= licher Gurachten/ (wie man unbedachrſam waͤhnen moͤchte/) empor und zu Stand zu bringen: ſondern das hierzu vonnoͤhten aller Fuͤr= ſten/ Herren und Oberen/ aller Gelehrten/ Verſtaͤndigen und Welt= erfahrnen/ aller Teutſchliebenden/ Lehtbegierigen und Kunſtfaͤhi= gen/ beharrliche Sorgfalt/ vertreuliche Samthuͤlffe und muͤheſa= mes Nachſinnen. Dieſe Spracharbeit iſt die ſchuldige Danknemung/ ſo wir unſerem lieben Vatterland mit unſterblichem Nachruhm zu lei= ſten verpflichtet ſind/ damit es der taͤglich eingemiſchten fremden Woͤr= ter=Schande entnommen/ und daß das Teutſche in Teutſchland ver= nemlich und verſtaͤndlich erhalten werde. Solte ſich aber aus Veranlaſ= ſung dieſer Geſpraͤchſpiele ein Wortſtreit erheben/ ſo wolle man derſel= ben Vrheber der Trompeter Freyheit ertheilen/ die bey den Schlach= ten ſich tapfer hoͤren laſſen/ und ohne Nachtheil denen folge ̅ / welcher gerechte Sache das Feld erhaͤlt; in Erwarkung/ daß mit ſo erfreulichem Kriege die verderblich=boͤſe Gewonheit und Vngewißheit ausgetili= get/ und der ſichere Sprachfriede auf uns und unſere Nachkommen ge= bracht werden moͤchte.

Die Muſicſtuͤcke/ ſo dieſem und vorigen Werklein einverleibet/ ſind von dem hochberuͤhmten und Kunſterfahrnen Herꝛn Johan ̅ Gottlieb Staden/ der zu endlicher Volkommenheit dieſer Wiſſenſchaften gebo= ren ſcheinet/ geſetzet worden; und iſt nach Beurtheilung aller derer/ die beygefuͤgtes Waldgedicht angehoͤret/ dergleichen/ (was die Muſic be= triffet/ ohne welche es ein todes Werk iſt/) in Teutſchland noch nicht in Druck kommen/ daß verhoffentlich die geringe Kupferarbeit hierdurch ſattſamlich er= ſetzet zu achten.

Perſonen Welche zu Vbung der Geſpraͤchſpiele als Vnterꝛedener vorgeſtellet werden. Angelica von Keuſchewitz/ eine Adeliche Jungfrau.Reymund Diſcretin/ ein gereiſt und beleſener Student.Julia von Freudenſtein/ eine kluge Matron.Veſpaſian von Luſtgau/ ein alter Hofmann.Caſſandra Schoͤnlebin/ eine Adeliche Jungfrau.Degenwert von Ruhmeck/ ein verſtaͤndiger und gelehrter Soldat. Mehrere nohtwendige Erin ̅ erungen ſuch zu Ende dieſes Werkleins.
CLI.
Der GESPRACHSPIELE Vierter Theil. Angelica/ Reymund/ Julia/ Veſpaſian/ Caſſandra/ Degenwert. Eine Schaͤferin an dem Vfer des Fluſſes jhrer Schaafe huͤtend/ ſinget folgendes Liedlein. Endreim oder Abgeſang. Vmſonſt iſt eu’r Huht und Wacht/ Nem’ ich mich nicht ſelbſt in Acht. CLI.
Muͤtterlein was wolt jhr ſagen? Mich trifft es am meinſten an:
1. weiß ich nicht/ was heiſt ein Man ̅ / deſſen Herꝛſchaft man mus tragen?
CLI. 1. Vmſonſt iſt eu’r Huht un ̅ Wacht/ nem ich mich nicht ſelbſt in Acht.
2.Sagt mir nicht vom Eheverbinden/wie die Liebe Starenblind:Es iſt auch ein kluges Kind/und kan manche Raͤnk’ erfinden.Vmſonſt iſt eu’r Huht und Wacht/nem ich mich nicht ſelbſt in Acht. CLI.
3.Das/ ſo man dem Kind verbietet/darnach luſtet es vielmehr.Es iſt eine ſchlechte Lehrdie/ ders giebet nicht verhuͤtet.Vmſonſt iſt eu’r Huht und Wacht/nem ich mich nicht ſelbſt in Acht.
4.Wahr iſt/ daß das ehlich=Lebenbluͤhet mit Hertzſuͤſſer Freud’/und bey dieſer ſchweren Zeitpfleget ſaure Frucht zu geben.Vmſonſt iſt eu’r Huht und Wacht/nem ich mich nicht ſelbſt in Acht.
5. CLI. Eh die Jahre ſich vermehren/eh der Winter ruckt heran/eh die Lieb’ erkalten kan/ſollen wir den Eheſtand ehren.Vmſonſt iſt eu’r Huht und Wacht/nem ich mich nicht ſelbſt in Acht.
6.Dieſes Lied= lein iſt faſt aus M. Cer- vantes Saa- vedra fuͤnf= ten Lehrꝛei= chen Maͤren (novela ex- emplare) uͤberſetzet.Muͤtterlein ich wolt euch rahten/daß jhr mich berahten ſolt.Laſt mir den/ der mir iſt hold/zu vermeiden Spott und Schaden.Dann bedarf ich keiner Wacht/wann ich habe/ der mich acht! CLI.
Angelica.

Hoͤrt doch/ was jene Schaͤferin fuͤr einen ſchoͤnen Morgenſegen ſin= get!

2. R. Wie ſchaͤndlich wird die edle Reimkunſt mißbraucht: an ſtat eines Gottgefaͤlligen Morgengebets/ laͤſt dieſe Dirne ein uͤppiges Buhlliedlein hoͤren.

3. A. Ich hab nichts unrechts vernommen in dieſer Schaͤferin Geſange. Wer wil jhr verbieten/ daß ſie die Warheit ſaget/ und ſingt. Doch kan ich davon nicht urtheilen/ damit ich nicht das Sprichwort wahr mache: Koͤnnen wir nicht Tappins in 446. Sprichw.alle dichten/ ſo wollen wir doch alle richten. Beſſer iſt es/ man ſchweige/ oder bekenne ſeine Vnwiſſenheit/ als daß man durch ungereimten Vrtheilſpruch ſich laͤcherlich mache. Wer zu richten eilet/ der eilet zu der Reue. Gefaͤllt er aber dem Herrn nicht/ ſo fange er unſer Spatzirꝛeiß mit Geiſtreicheren Gedanken an.

4. R.

CLI. Morgenſe= gen.ERR mein getreuer GOtt/ der du ausmancher Noht/
1. mich gnaͤdiglich ge fuͤh ret! Mein Gluͤck und Vngeluͤck/
CLI.
1. ja gar all’ Augenblick’ hat deine Macht regiret.
2.Kein Sperling iſt ſo ſchlecht/den deine Huht nicht traͤgt:kein Haar uns kan entfallen/wo nicht das Schutzebandes laͤſt aus deiner Hand/die alles haͤlt in allem.
3. CLI. Nun jagt der Sonnen Prachthinweg die finſtre Nacht;Vns hat ohn’ unſer Sorgen/der Iſrael behuͤt/und ſchlaͤft noch ſchlummert nicht/beſchutzt bis an den Morgen.
4.Fuͤr ſolche Gnaden=Stunddankt dir HERR unſer Mund/und bittet deine Guͤte:befihl der Engel Schaar/daß ſie fort uns bewahrund maͤchtiglich behuͤte. CLI.
5.Gleichwie der Sonnenſtralumleuchtet uͤberal/Was auf der Welt ſich findet;So ſtralt dein Gnadenſcheinin unſer Hertz’ hinein/erwaͤrmet und entzuͤndet.
6.Dein jmmer=Guͤtigkeitſich Morgens ſtets erneut/und als eim Strom herflieſſet;der ſamt der Frommen Schaardie boͤſe Rotte garmit Vberfluß genieſſet.
7. CLI. Ach HERR! dein Angeſicht/vor dem beſtehen nicht/die deine Gnad verachten/wend nun zu deinem Knecht/der dein Gebot und Rechtmit Luſte wil betrachten.

5. J. Der Herr hat fuͤr uns alle beten wollen/ und dieſes Geiſtliche jenem Weltlichen entgegen ſetzen/ damit der Vnterſcheid deſto mehr erhelle.

6. V. Gewießlich es iſt zu betrauren/ daß die edle Poeterey ſo veraͤchtlich ge= halten wird. Hoc nec invidia ne- gabit, nos heroicam poeſin, iterum ad argumeutum ſuum, hoc eſt, apicem humanæ ac divinæ ſapientiæ transferre conatos eſſe. In quo Orpheus, Linus, ac Muſæus, tota deniq; illa prima Sapientiæ familia, aut invenit eam aut conſtituit: niſi ꝙ Chriſtiano altius aſcendendum. Heinſ. in dedicat. libell. de Contemptu Mort. Sie iſt eine keuſche Jungefrau/ welche alle Vnreinigkeit haſſet/ und Anfangs ſonderlich zu dem Gottesdienſt gewidmet geweſen/ auch von CLI.denen Voͤlkeren/ welche ſonſten aller andern Wiſſenſchaften und Kuͤnſte unwiſ= Carmen eſt ſtili genꝰ & certa elo- cutionis formula. Verulam. de Augm. Scientialu ̅ l. 2. c. 13. f. 109. Tacit. 2. 88. de morib. Germ. oder von der Teutſchen Sitten.ſend geweſen. Nun wird ſie/ als eine gemeine Metze/ zur Wolluſt und Vppigkeit gezogen. Es laͤſt ſich aber ofternante Poeterey fuͤglich theilen in die Reim=und Dichtkunſt: jene lehret die Reden auf mancherley Arten zierlich binden; dieſe entweder die wahre Geſchichte mit erdichten Vmſtaͤnden ausſchmucken/ oder kuͤnſtlich verborgene Gleichnuͤſſen finden/ oder dieſes beides/ (Geſchichte und Gedichte) auf den Schauplatz Spielweiß vorzuſtellen. Werden alſo insgemein die Reimen mit den Gedichten/ die Gedichte aber nicht allezeit mit den Reimen verknuͤpfet; und iſt dieſer beiden Stuͤcke hoͤchſte Vollkommenheit vonnoͤhten de= nen/ die Poeten ſeyn wollen. Die alten Teutſchen haben jhrer Helden maͤnnli= che Thaten bey jhren Graͤberen geſungen/ dardurch jhre Gedaͤchtnuͤſſe bey den Nachkommen/ in Ermangelung der Schriften/ zu bewaͤhren; von welchen nach und nach auch bey den Chriſten eine gewieſe/ wiewol harte und unannemliche Art der Singreimen geblieben iſt/ die noch heut zu Tage die Meiſterſinger be= halten.

7. C. Ich hab viel von den Meiſterſingern ſagen hoͤren/ aber niemand noch ge=CLI. funden/ der von jhrer Kunſte berichten konnen.

8. D. Sie beobachten allein die Anzahl der Sylben und den Reimen; daß aber ei= ne Sylben lang=die andere kurtzlautend ſey/ das gilt jhnen gleich viel. Ob nun jhre Gedichte ſchlecht ſind/ und das Geſang dem Choral/ oder der Ebreer Muſic nicht ungleich zu hoͤren/ ſo haben ſie doch feine Regel/ und jhre Wiſſenſchaft in ſolcher Verfaſſung/ daß ſie ungezweiffelt ſagen koͤnnen/ was gut oder boͤß iſt. Sie halten fuͤr einen Fehler/ wann zween oder mehr Reimen/ ſie ſeyen gleich ſtumpf (einſylbig) oder klingend (zweyſylbig) in einem Geſetze erfunden werden/ die mit einerley Buchſtaben geſchrieben ſind/ als leben und erleben/ in Handen und verhanden/ u. d. g. und werden von jhnen ruͤhrende Reimen genennet. Oder wann abgeleite Woͤrter nicht ferne von den Stammwoͤrtern geſetzet werden/ als Herr und herrlich/ Ehr und ehrlich: Oder wann zwey gleiche Woͤrter oder Sylben einander folgen/ als/ daß/ das/ ewiglich/ ich/ u. d. g. Oder eine blinde Meinung oder Wort fuͤhren/ das keinen richtigen Verſtand hat: Oder ein halbes CLI.Wort/ und die Stimmer zuſammen ziehen/ als/ wie ſoll wir/ fuͤr ſollen wir/ gborn/ fuͤr geboren u. d. g werden ſchnurrende Reimen genennet: Ferners achten ſie fuͤr einen Fehler/ wann Reimwoͤrter mit ungleichen Stim ̅ ern gebunden werden/ als/ Gluͤck und Strick/ gehoͤrt und gelehrt/ oder wann die Schreibung gleich/ aber die Ausrede in einem lind/ in dem andern hart iſt/ als eine neue Maͤhre/ und eine feine Lehre/ und werden von jhnen genen ̅ et Schil= lerreime ̅ . Die Gebaͤnde Metra. ziehen ſie nach Beliebe ̅ / Wie auch in de ̅ Fran= tzoͤſiſchen/ Ronſard. in der Poe= tereykunſt/ am 418. bl. und haben derſelben uͤber 500. unterſchiedliche Arten/ werden Gebaͤnde benamſt/ weil die Woͤrter dardurch ge= bunden oder gebaͤndiget werden. Iſt alſo daraus zu ſchlieſſen/ daß die Vrheber dieſer Kunſte das Reimweſen wol verſtanden/ und die Teutſche Sprache/ bereit vor ſechshundert und mehr Jahren darinnen geuͤbet worden: nemlich zu Kaͤiſer Ottens des Groſſen/ und des Pabſtes Leonis des VII. Zeiten/ welche die vier ge= kronte Toͤne/ wie es die Meiſter noch an heut zu Tage ſingen/ ſelbſt angehoͤret/ und mit gewieſen Freyheiten begabet haben/ weil es zu ſelbiger Zeit etliche fuͤr eine Ketzerey ausgeſchrien hatten. Iſt alſo vermutlich/ daß die uralten Heydniſchen Helden Geſaͤnger/ mit Einfuͤhrung des Chriſtenthumes von Kaͤiſer Carl demCLI. Groſſen ab=und hingegen dieſe in die Kirchen eingefuͤhret: weil wir Teutſche a= ber ſo ungluͤcklich/ daß wir von den aͤlteſten und ruͤhmlichſten Geſchichten unſerer geehrten Ahnen nichts aufgeſchrieben finden/ auſſer was Cæſar und Tacitus (welche fremde und jhre Feinde geweſen/) hinterlaſſen/ iſt hiervon keine umſtaͤn= dige Gewießheit beyzubringen.

Poeſis eſt vel Hiſtori- ca, vel Pa- rabolica, vel Drama- tica.

9. A. Es ſollen auch die Poeten unter den Heyden/ entweder natuͤrliche/ Welt= kluge oder ſittliche Tugendlehren verborgen haben/ welcher Kuͤndigung gleich= ſam der Widerhall und Gegenſtimme iſt Chriſtlicher Gottesfurchte; und niemals mit muͤſſiger Sylbenſteltzerey Pantagr. cap. 2. Bl. 38. (wie heut zu Tage uͤblich) bemuͤhet geweſen ſeyn.

Reymund.

ICh will beſagtem zu Folge die Geſchicht/ oder vielmehr das Ge=De Poeten Pan. dicht von der Poeten Schaͤfer=oder Waldgott Pan erzehlen/ als/ CLII.welches ſich zu dieſer Weidreichen Auen zu dem rechten Gebrauch der Poeterey nicht uͤbel ſchicken wird. Etliche wollen/ Pan ſey von Mercurio erzeugt wor= den/ etliche/ er ſey von der Penelope/ die mit vielen Buhlern zu ſchaffen ſolle ge= habt haben/ geboren; etliche/ ſeine Schweſtern die Parcen ſeyen in den Hoͤlen/ und er Pan ſey unter dem freyen Himmel auferzogen worden. Seine Geſtalt wird alſo beſchrieben: Er hat auf dem Haubt groſſe Hoͤrner/ einen rauhen und zottichten Leib/ einen langen Geisbart/ ober der Guͤrtel wie ein Man ̅ / unter derſelben wie ein Bock geſtaltet: in der linken Hand traͤgt er ein Pfeiffen= Werklein von ſieben Roͤhren/ in der Rechten einen langen/ unten geraten/ oben krummen Stab/ iſt umkleidet mit einer Haut von einem Parterthier. Er iſt der Jaͤger/ Hirten und Bauerleut Gott; ein Herr der Berge/ und nach dem Mercurio der Goͤtter Botſchafter. Vnter ſeinem Gehorſam ſind die Nymfen/ welche ſtetig jhren Reyendantz um jhn herfuͤhren. Die Satyri und Sileni ſind ſeine Trabanten/ unter jhnen ſind jene jung/ dieſe aber aͤlter. Seine Thaten ſind folgende. Er pflegt vielmals Furcht und Schrecken unter die Leute zu bringen/ welche ins gemein ungegruͤndet/ und aus falſchem GeſchreyCLII. Terrores Panici. entſtehen/ daher es auch Paniſche Furcht genennet wird. Cupido iſt von jhm ausgefordert worden zu einem Ringkampf/ Lucta. welcher jhn auch uͤberwunden. Cererem/ oder die Goͤttin der Erden hat er ungefehr auf der Jagt gefunden/ als ſie wegen der Entfuͤhrung Proſerpinaͤ ſich fuͤr Trauren verborgen/ und von den anderen Goͤtteren vergebens geſuchet worden. Er hat ſich unterfangen mit Apolline uͤm das Meiſterſtuck aufzuſpielen/ und iſt jhm auch von Myda vorgezogen worden/ welcher deswegen Eſelohren bekommen. Den Widerhall oder Echo hat er geliebt. Jambe ſeine alte Dienerin/ hat ſeine Gaͤſte mit lu= ſtigen Erzehlungen unterhalten/ und iſt von vielen fuͤr ſeine Tochter geachtet worden. Die Deutung dieſer Fabel iſt folgender Maſſen bewand. Pan iſt die= ſer gantze Weltbau/ welcher entſtanden entweder von Mercurio/ das iſt dem Goͤttlichen Wort/ oder wie etliche aus jhrer Vernunft geſchloſſen/ aus den klei= nen Staͤublein/ welche als die erſte Materie oder Gezeug mit vielerley Form ver= miſchet geweſen.

CLII.

2. J. Durch die Parcen werden die Schickungen Gottes verſtanden/ ſo allezeit in verborgen ſind/ die Welt aber iſt nechſt denſelben geoffenbaret.

3. D. Durch des Pans Hoͤrner iſt vieleicht bedeutet werden/ daß die Vm ſchrenkung und Abmeſſung dieſer Welt in den Driangeln beſtehe/ oder weil in ſol cher Form das Feuer und alle Erdgewaͤchs herfuͤrkom ̅ en. Durch den rauzottich= ten Leib werden die Stralen verſtanden/ welche von jedem Dinge zu ſehen kom ̅ en.

4. C. Der lange Bart Pans mag vieleicht/ die viel Stralen/ ſo ſich von der Sonnen/ als der Welt Angeſicht/ herablaſſen/ zu verſtehen geben.

5. R. Nachdenklich iſt/ daß er halb eines Menſchen/ halb eines Bocks Ge= ſtalt hat/ zu bedeuten die himmliſchen und jrdiſchen Dinge/ in welchen die Welt beſtehet. Es iſt auch nicht ohne Vrſach die Geſtalt des Bocks oder Geis erkuͤſet worden/ dieweil dieſes Thiers Natur iſt auf hohe Felſen und Berge zu ſteigen/ und zu kletteren/ wie die Erdendaͤmpf/ das Feuer/ Gewoͤlk und dergleichen.

6. A. Durch das Pfeiffenwerk mit ſieben Roͤhren iſt angedeutet der ſie= ben Planeten Wirkung/ Kraft und Tugenden/ welcher Zuſammenſtimmunge das Wachsthum der Erden beyzumeſſen.

7. V. Durch den untengeraten und oben krummen Stab iſt gebildet/ wieCLII. die Regierung dieſer Welt fuͤr unſeren Augen auf der Erden ſchlecht/ und gerat/ von oben herab aber/ gantz einen anderen Bug gewinne: daß auch in der Natur/ wie in allen Regimenten/ viel durch den krummen Wege zu erhalten/ welches durch den gerahten nicht auszuwuͤrken.

8. J. Durch die geſprecklichte Haut des Parterthiers iſt zu verſtehen die ſchoͤne Menge der Sterne am Himmel/ und die mancherley Arten der Blumen und Kraͤuter auf der Erden.

9. D. Er iſt der Jaͤgergott/ weil alles in dieſer Welt nichts anders als eine Jagt iſt: alle Wiſſenſchaften jagen mit emſiger Hoffnung nach Luſt/ oder nach Nutzen. Er iſt der Hirten und Bauersleutgott/ weil durch ſie die Welt er= nehret wird. Ein Herr der Berge/ dieweil auf denſelben die Welt fuͤrgewieſen wird. Daß er auch der nechſte nach dem Mercurio ſeye/ iſt dahin zu verſtehen/ daß die Welt nechſt dem Wort Gottes unſer beſter Prediger/ wie dann der Geiſt= liche Poet und Profet ſingt: Die Himmel erzehlen die Ehre Gottes/ undPſal. 19/ 2. ſeiner Haͤnde Werke weiſen das Geſtirne.

CLII.

10. C. Die Nymfen ſind die ſchoͤnen Geiſter und verſtaͤndige Leute/ welche in Erkundigung des natuͤrlichen Weltweſens und in deſſelben wunderlicher Zuſam= menſtimmung jhr groͤſtes Belieben tragen. Weil aber aller und jeder Sachen Jugend und Alter/ Zu=und Abnemen befindlich/ welches dem/ ſo es betrachtet/ faſt laͤcherlich ſcheinet/ als ſind die jungen Satyri und die alten Sileni dem Pan zu Gefehrden gegeben worden.

11. R. Die Natur hat allen lebendigen Geſchoͤpfen eine Furcht oder eine aͤng= ſtige Sorgſamkeit ſich zu erhalten/ eingepflantzet/ daß ſie ſich ins gemein befah= ren/ da nichts zu befahren iſt; wie ſonderlich/ bey ſchweren und zaghaften Noht= Vulgi opi- niones Diis applicare profanum eſt. Epictet. Enchir. c. 6.zeiten/ unter den gemeinen Poͤvel zu erſehen/ welches uͤbelgefaſten Wahn von zukuͤnftigem Vngluͤcke ſchwerlich fahren laͤſt/ und nicht unterſcheidet der Men= ſchen Furcht/ von Gottes Willen.

12. A. Wenn man duꝛch Cupidinem die liebe Einigkeit verſtehet/ ſo iſt un= ſchwer zu ermeſſen/ welchergeſtalt Pan/ oder die Welt durch ſelben uͤberwunden worden.

13. V. Cererem hat Pan gefunden/ als ſie andere/ und groͤſſere Goͤtter verge=CLII. bens geſucht/ deutet/ daß die Erfahrung/ welche aus natuͤrlicher Wirkung der Welt entſtehet/ von geringen Leuten am beſten und leichtſten erkundiget wird.

14. J. Der Muſic iſt zweyerley: Goͤttlicher Weißheit/ und Menſchlicher Vernunfte; Dieſe hat Pan; jene Apollo. Der Eſelohrichte Poͤvel haͤlt es mit dem/ das er verſtehet/ und ſeinem Gehoͤre gemaͤß iſt.

15. D. Pan liebet den Echo/ weil nichts iſt das jhm aͤhnlicher/ als die Wi= derholung ſeiner Stimme/ und iſt dieſes die beſte Wiſſenſchaft/ welche der Welt natuͤrliche Rede getreulichſt erforſchet/ widerholet und vernemlich hoͤren laͤſt.

16. C. Durch die Jambe/ ſo fuͤr des Pans Tochter gehalten worden/ wer= den bedeutet die/ ſo von natuͤrlichen Wiſſenſchaften groſſes Geſchwaͤtz machen koͤnnen/ im Werke aber gantz unfruchtbar ſind/ ſie beluſtigen bisweilen mit jhrer Vngeſchicklichkeit; ſind auch zu Zeiten darmit verdruͤſſlich.

CLIII. Perſeus.
Degenwert.

GLeichergeſtalt hat die Fabel vom Perſeo ſchoͤne Kriegslehren in ſich/ und lautet alſo. Perſeus/ als er gegen Aufgang der Sonnen woynte/ iſt von der Goͤttin Pallade gegen der Sonnen Nidergang geſchicket worden/ Meduſam/ ein dem Land ſchaͤdliches abſcheuliches Meerwunder/ (deſ= ſen Anſchauen die Menſchen in Steine verwandelte) zu beſtreiten. Zu ſolcher Verrichtung haben jhn drey Goͤtter unterſchiedlich verehret: Mercurius hat ihn beſchenkt mit den Fluͤgelen/ welche er an der Verſen gefuͤhret; Pluto mit der Sturmhauben/ und Pallas mit einem ſchoͤnen Spiegel. Als er nun beſagter Maſſen ausgeruͤſtet/ iſt er nicht den geraten Weg zu gezogen/ ſondern zuvor bey den Graͤis (die von jhrer Geburt an graue Haar hatten/ als die al= ten Weiber/) eingekehret/ die jhm geliehen jhr einiges Aug/ und eintzigen Zahn/ welche ſie alle/ nacheinander bey den Leuten/ und auf der Gaſſen gebrauch= ten/ zu Haus aber beſeits legten. Dann iſt er eilend und unverdroſſen gegen die Meduſam gezogen/ und hat ſelbe ſchlaffend angetroffen; da er dann Beden=CLIII. ken getragen/ ſie anzugreiffen/ bis er den Spiegel jhr gegen dem Angeſichte ge= richtet/ und auf ſolche Weiſe auſſer der Gefahr were/ daß ſie auferwachend nicht auch jhn in einen Stein verwandelte. Bald er nun dieſem Abendtheuer den Kopf abgehauen/ iſt von dem auf die Erden gefallenen Blute Pegaſus entſprungen. Das Haubt Meduſæ hat Perſeus in der Palladis Schild gehefftet/ welches ſol= che Krafft/ daß alle ſo es anſchauen/ darvor erſtarren und erſchrecken. Die Leh= re dieſer Fabel handelt von des Krieges Bewantnuͤſſen/ der von der Pallade/ das iſt/ der Goͤttin des Verſtands herkommen ſol.

2. J. Eine andere Art hat es Reichthum zu erwerben/ eine andere Land und Leut/ jenes muß in des Feindes abgelegnen Gebieten/ dieſe gemeiniglich in dem Vatterlande erhalten werden;

3. V. Die billichſte und angenemſte Vrſache Kriege zu fuͤhren/ iſt die Ausrot= tung und Zerſtoͤrung der Tyranneyen/ und Wuͤderige/ durch welcher Anſchauen das Volk gleichſam Kraftloß und ohne Empfindlichkelt aus Furchte erſtarret.

CLIII.

4. A. Man mus ſeine Kraͤften und vermoͤgen zuvor pruͤfen/ damit man nicht das Werk mit groſſer Hofnung angehe/ und mit Schanden wider anlaſſen muͤſſe.

5. R. Dieſes betriffet die Vorbereitung und Kriegsverfaſſung/ zu welches wirklicher Vollfuͤhrung dieſe drey vonnoͤhten ſeyn: Geſchwindigkeit/ Verſchwie= genheit und Fuͤrſichtigkeit. Das erſte iſt durch die Fluͤgel Mercurii/ das andere durch die Sturmhauben Plutonis/ die auch unſichtbar machen koͤnnen/ das dritte durch der Palladis Spiegel verſtanden.

6. C. Durch die Graͤas werden ſonders Zweifel die Kundſchafter verſtanden/ welcheſtetig in Sorgen ſtehen/ und deswegen billich fuͤr alte begraute Muͤtterlein zu achten: von dieſen entlehnet er das Aug/ die Aufſicht/ und den Zahn/ alles verhaſſt zu machen/ und beiſſiger Weiſe in boͤſen Verdacht zu bringen.

7. D. Die Weiſe Meduſam anzugreifen lehret/ daß man ſicher/ und behut= ſam verfahren ſol.

8. J. Hier mus der Spiegel Palladis/ das iſt die Erkantniß/ veruͤbter Vnthaten fuͤrgeſchutzet werden; aus des Feindes Zagheit einen neuen Muht zuCLIV. faſſen.

9. V. Von erlangtem Siege wird Pegaſus oder das Fluͤgelſchnelle Geruͤcht erzeuget.

10. A. Das Bildniß Meduſaͤ/ oder die zu Grund gerichte Tyranney macht den Waffen ein Anſehen/ und erſchreckt alle/ die ſolches Sinnbild B. Pittoni Impreſa 41. mit der Ob= ſchrifte: reru ̅ Sapientia cuſtos. auf jhrer Feinde Schilde betrachten.

Reymund.

UNter anderen vielen Sachen/ welche faſt von allen Mahlern/ Bild=Bacchus. hauern/ Formgieſern/ in Tafelen/ Poſſamenten und auf Brunnen gemahlet werden/ und faſt taͤglich zu Geſichte kommen/ iſt der Bacchus der al= ler gemeinſte. Scheinet derowegen wolſtaͤndig ſeine Geſchichte (welche ich jetzt erzehlen will) wiſſen und verſtehen. Semele hatte Jovem gebetten/ er ſolte jhr CLIV.beywohnen: und ſie erkennen wie Junonem ſeine Gemahlin: als er nun jhren Begehren willfahrt/ iſt ſie von ſeinen Stralen verbrunnen/ und die Frucht jhres Leibs/ in Jovis Bein/ biß zur Zeit der Geburte/ enthalten worden; deswegen Jupiter ſich die Zeit uͤber des hinkens nicht entfchitten koͤnnvn. Nachdem aber dieſer Sohn Jovis und Semele an das Tagesliech gelangt/ und Dionyſii oder Bacchi Namen angenommen/ iſt er von Proſerpina ernehret und auferzogen worden/ und hat man mit zuwachſenden Jahren nicht wol unterſcheiden moͤgen/ ob er maͤnnliches oder weibliches Geſchlechtes ſey: iſt auch ein zeitlang geſtor= ben geweſen/ und widerum lebendig worden. Er hat erfunden/ wie man den Wein bauen ſol; iſt dardurch beruͤhmt/ und zu einer groſſen Herrſchaft gelanget/ daß er viel Voͤlker und gantz Indien bezwungen hat. Vor ſeinem Siegwagen hat er Tiegerthier geſpannet/ und ſind alle heßliche Waldgeiſter uͤm jhn her ge= wallet: Auch haben ſich die Muſen bey ſeiner Hofſtat aufgehalten. Er hatte zum Weibe die von Theſeo verlaſſene Ariadne. Ihm wurde zugeeignet das Efeu/ oder Wintergruͤn: hatte auch Macht die Leute raſend zu machen/ u. d. g. Dieſes kurtzerzehlte Gedicht haͤlt eine ſchoͤne Sittenlehre verborgen. BacchusCLIV. iſt die Begierde/ welche erzeuget wird von einer wahren oder ſcheinbarlichen Guͤte: Dieſes iſt das eiferige Kebsweib/ jene das rechte Eheweib des Ge= muͤtes/ durch Jovem zu verſtehen. Nachdem aber das falſche Anſehen gleich= ſam verbrennet/ wird die Begierd verborgener Weiſe gehegt/ daß faſt alles Thun und Laſſen darvon gekraͤnket und hinkend wird.

2. A. Nachdem aber mit Verlauf der Zeit die Begierde erſtaͤrket/ und an das Liecht geboren kommet/ mus ſie noch in dem Finſtern ernehret und verborgen/ von Proſerpina auferzogen werden.

3. V. Die Begierde hat maͤnnliche Grimmigkeit/ und weibliche Zagheit. Ligt bisweilen als todt darnider und wird dann bald wieder reg und lebendig.

4. J. Die Erfindung des Weinſtockes wird der Begierde zugemeſſen/ weil der Wein Zorn/ Lieb/ Ehrgeitz und dergleichen erreget und heget.

5. D. Die Begierde bringt Lande und Leute unter ſich/ und laͤſt ſich mit dem erlangten niemals erſaͤttigen. Die wilden Tiegerthier ziehen an dem Wagen CLIV.der Begierden/ nachdem ſelbe niche mehr zu Fuß gehen/ ſondern nach uͤberwun= dener Vernunft Siegprachten/ und grauſam ſich erzeigen.

6. C. Die abſcheulichen Waldgeiſter/ ſo ſamt den naͤrriſchen Weibern Bac= chides genant/ uͤm jhn her laufen mit ſchreien und jauchtzen/ bemerken die unge= berdige Verfahrungen/ ſo groſſe Begierlichkeit verurſachet/ und dem/ der ſelbe betrachtet/ faſt laͤcherlich vorkommen.

7. R. Die Muſen finden ſich bey den Begierden; ſolche bey groſſen Herren zu entſchuldigen und zu bemaͤndelen/ bey mitlern Standesperſonen zu verlachen/ und zu erinneren: dardurch gewieslich jhre Ehre merklich geſchwaͤchet wird/ in dem ſie ſolten uns zur Tugend leiten/ und aus Armut gezwungen werden/ um ei= nen Hofbecher mit Wein einen Poetiſchen Fechtſprung zu thun.

8. A. Die Begierden erſtrecken ſich meiſtentheils nach dem/ was mehrverſtaͤn= dige von ſich geſchaffet/ wie die Ariadne von Theſeo verlaſſen worden.

9. V. Daß Efeu dem Baccho beygemeſſen wird/ iſt nicht ohne Geheimnus: Efeu grunet im Winter/ daher es auch Wintergruͤn heiſt/ und kreucht an den Mauren und Baͤumen hinauf: Die Begierde ſtrebet nach den verbottenen/ undCLIV. umwindet/ oder ſchwingt ſich um der Menſchen Gedanken und Verrichtungen; ja in alle muͤſſige Winkelein ſchlingen ſie gleichſam jhre Zaͤſerlein ein; dahero nicht zu verwunderen/ wann die Leute durch uͤberherꝛſchende Begierden in Raſerey ge= rahten.

10. J. Ich zweiffele/ ob die Alten/ welche ſolche Sachen Anfangs ſchriftlich hinterlaſſen/ auf alles ſo genau abgeſehen haben/ und ob wir jhren Erfindungen nicht andere Meinungen andichten/ als nicht ſie ſelbſten gethan haben.

11. D. Ob zwar bey jhnen alles ſo deutlich ausgedruckt nicht zu finden; ſo ſind doch die Deutungen ſchicklich/ und geben zu feinen Lehrgedanken Anlaß. Verulam. de Sapien- tia Veteru ̅ .

12. C. Wie man aber ſolchen Gedichten nach der Teutſchen Reimkunſt nach= ahmen kan/ moͤchte ich gerne vernemen: in Erachtung/ daß ich niemals derglei= chen geſehen oder geleſen/ und daher glauben will/ es ſey faſt unſere Sprache nicht faͤhig/ ein Wald=Trauer= oder Freuden=Gedicht/ wie des Pans/ Perſei und Bacchi jetzt erzehlte Geſchichte ausweiſen/ in gebundener Rede vor= zuſtellen.

CLIV.

13. R. Es ſolte eine ſchlechte Ehre/ mit Wiederholung des vorbekanten/ einzule= gen ſeyn; und wuͤrde ſcheinen/ als ob dergleichen Erfindungen heut zu Tage un= moͤglich fallen wolten. Zu Beweiſung aber/ daß nicht an unſerer Sprache/ ſon dern an unſerem Fleiſſe der Mangel erſcheinet; will ich ein Geiſtliches Waldge= dicht/ welches ich unlangſten zuſammen geſchrieben/ an ſtat einer Geſpraͤchun= terhaltung herſingen: Dienſtlich bittend/ die loͤbliche Geſelſchaft wolle jhr belie= ben laſſen/ ſolches angefangenes unzeitiges Werklein/ mit jhrem reif=verſtaͤndi= gen beyrahten zu vollenden.

14. V. Es iſt wol zugelaſſen von den Alten eingefallenen Gebaͤuen die Stelne ☞ Den er= ſten Buch= ſtabe ̅ in fol= gende ̅ Spie= le.zu Auffuͤhrung neuer Haͤuſer zu gebrauchen; Stehet aber doch viel zierlicher und muͤhſamer alles von neuem/ aus einem ſchoͤnen Bruch/ herholen: wann ſonder= lich die Arbeit der Muͤhe lohnet/ und nechſt dem Beluſten auch der Nutz darbey zu erhalten kommet.

15. R. Auſſer allem Zweifel iſt die Behandelung der Freudenſpiele bey der Ju= gend eine feine/ wolfruchtende Vbung: durch welche jhr Gedaͤchtniß geſtaͤrket/ die Auſſprache und Maͤſſigung der Stimme erlernet; die Hoͤflichkeit in den Ge=CLIV. berden angewehnet; die Kuͤnheit frey und ungeſcheuet zu reden erhalten/ und der Verſtand geuͤbet wird: Maſſen der Zuhoͤrenden Gemuͤter in Volkreichen Zu= ſammenkunften viel Kraͤfteiferiger beweget und erreget werden. Dieſer find nun wie vorgedacht dreyerley Arten: handlende entweder von traurigen/ froͤlichen oder Mittelgeſchichten/ als Schaͤfereyen und dergleichen. Von den beiden er= ſten leſen wir unterſchiedliche in unſerer Sprache; von den letzten aber werden noch zur Zeite wenig gefunden/ welche doch fuͤr die aller annemlichſten und be= weglichſten Schauſpiele/ in dem Land der Muſic und Freudenſpiele/ (wie Bal=L’Italie eſt le pais de la Muſicque & de la Co- medie. ſac Welſchland nennet) geachtet werden.

16. D. Mich bedunket/ daß die aus dem Welſchen gedolmetſchte Schaͤferge= dichte jhr Anmutigkeit gantz verlihren/ und wie die zarten Pflantzen/ ſo vom feiſten in ein duͤrres Erdreich geſetzet werden/ nicht recht anſchlagen; wie der ver= teutſchte Aminta der getreue Schaͤfer und andere deſſen Beyſpiele weiſen koͤnnen/Il Paſtor fi- do. und ſcheinet/ daß Poetiſche Sachen nicht ſollen in ungebundener Rede uͤbertragen CLV.werden/ maſſen eine groſſe Vnterſcheide zwiſchen dieſer und jener Zierarten und Behandlungen.

17. V. Weil wir Teutſche nicht ſo zaͤrtlich/ wie jene/ iſt unſere Sprache ge= ſchickter tapfere Helden=Thaten herauszuſtreichen/ als weithergeſuchte Liebs= ſchwenke auszukuͤnſtelen.

Reymund.

ICh wil mich doch erkuͤhne ̅ darzuthun/ wie auch ſolche Schaͤfereyen unſerer Zungen nicht unmoͤglich falle ̅ / welche dahero Waldgedichte genen ̅ et werden/ weil ſie als in Waͤlderen verhandelt/ dargeſtellet/ und deswegen der Schauplatz mit allerhand Gemaͤlden koſtbarlich veraͤndert/ und ausgezieret werden mus. Etliche nennen dieſe Art Strafſpiele/ Satyrica. wann nemlich allerhand Wald=und Berggeiſter eingefuͤhret Spielweis allerley Laſter beſtrafen. Weil aber dieſe meine geringe Arbeit nicht von thoͤrichten Liebesfantzen handelt/ als habe ich es uͤberſchrieben:

Ein Heiſtliches Waldgedicht. CLV.

Vnd vermeine darinnen vorzuſtellen/ wie der boͤſe Feind den frommen Seelen/Der Inhalt folgenden Waldge= dichtes. aufvielerley Wege nachtrachtet/ und wie ſelbe hinwiderumb von dem Gewiſſen und dem Verſtande/ durch Gottes Wort/ vom ewigen Vnheil abgehalten wer= den.

2. J. Der Vortrag iſt zu loben. Wie heiſt aber ferner der Titel ſolches Geiſt= lichen Waldgedichtes.

3. R. Wie ſonſten andere Schriften von der vornemſten Perſon den Namen haben/ als Argenis/ Eromena/ Ariane/ Dianea/ u. d. g. ſo habe ich auch dieſes Werklein genennet:

Seelewig.

verſtehend die ewige Seele/ gleichwie man ſagt Hettwig/ Ludwig/ Brunſchwig oder Brynſwig/ dieſe Endung wil D Luther vom Weichen herleiten/ und ſchreibet CLV.Hettwig oder Hattwig ſey ſo viel als der Ort/ da der Vatter hinweichet. Ludwig eine Freyſtatt/ da die Leute hinweichen: Brynſwig/ da Brynno oder Brenne hin= weichet. in den ei= genen Na= men am 10. Blat. Dann wie wir in anderen Sachen uns bemuͤhen/ unſere Sprache zu bereichen/ oder vielmehr/ in Darzehlung jhres Reichthums/ die fremden Muͤn= tzen (als dieſes Landes unbekant/) ausſchieſſen; ſo moͤgen wir auch die uns ge= meine Deutungloſe Woͤrter ſonderen/ und unſere einheimiſche Verſtandmaͤchti= ge Namen wieder herfuͤrbringen. Ph. Cæſiꝰ in der Vor= rede des 2. Theils He- licons. In der gantzen H. Schrift iſt kein Namen/ welcher nicht einen nachdruͤcklichen Verſtand/ und ſeine Vrſach hat: wuͤrde al= ſo den Ebreeren ſo uͤbel als uns angeſtanden ſeyn/ jhre Kinder von unbekanten Sachen zu benamſen.

4. A. Wie heiſen aber die anderen Perſonen?

5. R. Der Verſtand iſt vorgeſtellet unter dem Namen

Hertzigild.

6. C. Nach dem Namen Machtild/ Hermangild/ u. d. g. vieleicht zu verſtehen/ daß das Hertz/ aus welches Schatzes wir gutes und boͤſes hervorbringen/CLV. am meinſten gelten ſol.

7. R. Drittens iſt die Sinnlichkeit oder die Sinne bedeutet unter dem Namen

Sinnigunda.

8. D. Gleichwie man ſagt Adelgund/ Kinnigunda/ u. d. g. und lautet gleich= ſam der Sinne Kundigung; geſtalt allhier die euſſerliche Sinne verſtanden wer= den.

9. R. Dieſe drey Nymfen haben zu einer Zuchtmeiſterin das Gewiſſen be= namſt

Gwiſſulda.

10. J. Verſtehend die Huld oder Gunſt des Gewiſſens. Dieſer Zuchtmei= ſterin Gebote ſetzen wir aus den Augen und ſtreiten mit Schwert und Brand fuͤr die Religion/ als ob ſolche ohne Gottesfurcht beſtehen koͤnte. Was Blindheit? CLV.Man wil des Hoͤchſten Ehre mit des Krieges Schand=und Laſterleben befoͤrderen! des Ears contie- poids de L’ ame f. 10.

11. R. Ferners iſt der Kunſtkuͤtzel fuͤrwitziger Wiſſenſchaften eingefuͤhret unter der Perſon eines Hirten/ tragend den Namen

Kuͤnſteling.

12. V. Als dem vermeinte Kunſt gelingen ſol.

13. R. Der andere Hirt heiſt

Reichimuht.

14. A. Das Gut macht Muht/ ſagt man/ der wird vieleicht den Reichthum mit groſſem Muht ruͤhmen.

15. R. Der dritte Hirt oder Schaͤfer iſt genennet

Ehrelob.

16. C. Weil die Ehre und Wuͤrde niemals der Lobſprecher ermangelen.

CLV.

17. R. Dieſe drey Hirten ſind angeſtellet von dem Satyro oder Waldgeiſt/ genennet

Truͤgewalt/

die Seelewig betruͤglicher Weiſe zu Fall zu bringen.

18. D. Weil der boͤſe Feind/ dieſen Namen gemaͤß/ gewaltig iſt zu betruͤgen/ durch falſche Wiſſenſchaften/ Reichthum und Ehre/ als ein Fuͤrſt dieſer Welt/ und ein Luͤgner von Anbeginn. Dieſe Endung Walt gleichet dem Nennwort Wald/ von welchem herkommet Sebald/ als See den Wald/ oder See bald/ der zu fruͤer Jahrszeit ſehet: Wilibald/ der viel Gewalt hat: Walburg/ der GewaltLuther. in nominibus propriis. uͤber die Burg hat. Dieſe und dergleichen Namen ſind viel ſchicklicher zu den Teutſchen Gedichten/ als Phylis, die (wie es ein Vnberichter verſtanden/) viel iſt Stelle/ die gerneſtielt/ Clorinde, die klare Rinden hat: Celadon, ein Geſell vom Thon/ u. d. g.

CLV.

19. R. Folget dann zu Ende einer jeden Handlung

ein Chor { der Hirten. der Nymfen. der Engel.

Dieſe Perſonen alle ſingen/ und laͤſt ſich hinter dem Fuͤrhang darzu hoͤren ein Seitenſpiel/ (die Stimme ſo viel lieblicher zu machen/) allermaſſen bey den Ita= liaͤnern dergleichen nichtungewohnet iſt.

20. A. Solchergeſtalt moͤcht dieſes Waltgedicht wol ein Singſpiel heiſſen.

21. D. Oder auch ein Spielgeſang.

22. A. Iſt dann nicht gleich ſo viel Spielgeſang und Geſangſpiel?

23. D. Nein/ dann das letzte Wort die Grund=Deutung fuͤhret/ das Vor= wort bemerket die Vnterſchied. Iſt nun das Spiel von einem Geſange/ oder be= ſtehet im ſingen/ mag es ſolcher Form nach ein Spielgeſang benamſet werden: beſtehet aber das Geſange in dem Spiel/ ſo muß es ein Singſpiel heiſſen.

24. C. Nach dieſer Meinung werden viel von unſeren Geſpraͤchſpielen gruͤnd=CLVI. licher Spielgeſpraͤche heiſſen koͤnnen/ weil vielmals mehr auf des Geſpraͤches Nutzen/ als des Spieles Beluſten/ abgeſehen wird.

Reymund.

ES ſol auch ein Geſpraͤchſpiel werden/ wann Jungfrau Angelica ge= ruhen wolte aus jedem Aufzug/ die ich nach der Ordnung ſingen und auf der Lauten werde hoͤren laſſen/ etwas zu merken; Herr Veſpaſian ein darzu ſchickliches Sinnbild erfinden; Frau Julia die Lehre daraus zu ſagen; Herr Degenwert von der Reimkunſt etwas erwaͤhnen/ und Jungfrau Caſſan= dra jhr Vrtheil von der Muſic faͤllen/ oder/ was ſonſt jedem beyzutragen belieben wird/ einzuſchalten.

2. J. Wir wollen alles/ ſo viel moͤglich/ beobachten.

CLVI.
3. R. Die Vorrednerin iſtCLVI. Die Muſic oder Singkunſt. Nach einem kurtzen Vorſpiel alſo ſingend: MEin hoher Adelſtand laͤſt mich nicht gar verligen/ Ich muß/ ich muß hervor und weiſen/ was ich kan! Mag ich die Frevelwitz des Poͤvels nicht vergnuͤgen: So wird mein’ Ehre doch gelangen Himmel an.

4. A. Aus dieſem erſten Reimſchluß merke ich/ daß des Poͤbel vermeſſenes Gut= dunken/ und fauler unnuͤtzer Wahn zierlich Frevelwitz Des Su= chenden Einleitung/ Bl. 14. genennet worden. Nun ſinge der Herr fort.

CLVI. 5. R. Es hat vor dieſer Welt der Engel=Chor erſchallet: Darnach in Gottes Volk ward ich mit ſeinem Wort/ Daß der Poſaunen Ruf nur durch die Lufte wallet/ und ohne Schwertes ſtreich obſieget manchem Ort.

6. V. Hierinnen hat der Herr abgeſehen auf die Wort Jobs 38/ 7. Iſ. 6/ 3. Wo wareſt du/ damich die Morgenſterne mite in ander lobeten/ und ſauchtzeten alle Kinder Gottes? Zu erweiſen der Muſic von alters Adeliches Herkom= ☞ Die Spielrede.men/ und daß forters mit Gottes Worte unter der Leviten Amt die Saͤnger jeder= zeit die ſonderſten geweſen; daß auch von der Poſaunen Schall die Mauren zu Jericho Joſ. 2. eingefallen/ wie aus der H. Schrift bekant iſt.

7. R. Der Harfen Wunderklang dem boͤſen Geiſte wehret/ und ware Troſtes voll in Faͤhrlich keit und Noht; 1. Sam. 16/ 16. Dem Abenopfer gleich/ dardurch man hat geehret mit ſuͤſſem Lobgeruch den ewig groſſen Gott.

8. J. Dieſer Reimſchluß ſihet auf die Geſchicht Davids/ welcher dem boͤſenCLVI. Geiſt mit der Harfen Klang gewehret/ und Gott mit ſchoͤnen Pſalmen gelobet.

9. R. Noch hat ſich nach der Zeit die Mißvernunft gefunden/ und von des Tempels Thuͤr mich zogen mit Gewalt. Ich wurd der Knechtin gleich mit Vppigkeit gebunden/ daß nach und nach mit mir die Gottes=Lieb’ erkalt.

10. D. Hier zielet der Herr auf den groſſen Mißbrauch der Muſic/ welche mehr in Wirtshaͤuſern/ bey Daͤntzen und Gaſtereyen/ als in der Kirchen/ gehoͤrt wird/ ja mehr Weltlich als Geiſtlich ſcheinen wil.

11. R. Obwol mein Kunſtgeſchmuck wurd eine Zeit bereichet/ ſo gar daß ich mit Ziel und Grentzen wurd’ umſchrenkt. Doch hoͤrt man leichtlich jetzt/ wie ferne darvon weichet der/ ſo nach ſeinem Kopf mit Grillwerk mich behengt.

12. C. Das muß zu verſtehen ſeyn von Verbeſſerung der Kunſtreglen der CLVI.Muſic/ welche heut zu Tage von gar wenig Meiſtern beobachtet werden; wie die neuen Geſang=und Liederbuͤcher uͤberfluͤſſig bezeugen.

13. R. Das ſchwere Feſſelband’ iſt mir jetzt abgefallen. Dein Freiheit leitet mich zu Gottes Lob und Lehr’/ Vnd zu des Nechſten Lieb’. Ich laſſe hier erſchallen Ein Geiſtliches Gedicht ohn eitlen Ruhm und Ehr. CLI. 6.

14. A. Der Herr ſinget hier/ was vor erwaͤhnet worden/ daß die Weltliche Freudenſpiele in Geiſtliche Gedichte ſollen verwechſelt werden: und weil er in der Muſic Name beklaget die Dienſtbarkeit/ in welche ſie gerahten iſt/ ſo fuͤhret er ſie hier an/ als ob ſie wieder auf freyen Fuß geſtellet/ etwas erbauliches zu Gottes Ehren und des Nechſten Nutzen hoͤren laſſen werde.

15. R. Hoͤrt nun/ ſo euch beliebt/ wie ſchoͤn mit mir vermaͤhlet Die edle Reimenkunſt/ die ſo verliebt in mich/ Daß ſie mein Selbſtwortheiſt/ von meinem Geiſt beſeelet Mein Spiel/ mein Hertz/ mein Lieb’/ ja mein ſelbſt ander Ich.

16. D. Dieſer letzte Reimſatz wendet ſich zu den Zuhoͤreren/ und drucket ausCLVI. die genaue Verwandſchaft der Muſic und der Poeterey.

17. R. Wann dieſe Vorrede ein ſchoͤnes Weibsbild ſingen wuͤrde/ die zugleich darein auf der Lauten ſpielen koͤnte/ wuͤrde die Erfindung ſo viel angenemer zu ſehen kommen.

18. C. Wil man wenig Noten haben/ ſo kan es/ als ein Lied/ von vier Reimzei= len zu den anderen geſungen werden/ oder durch und durch Erzehlungsweiß inin genere recitativo. die Muſic geſetzet werden.

19. D. Die Reimen ſind jambiſch mit 13. und 12. Sylben geſchrenket.

20. J. Die Lehre iſt/ daß man die Muſic zu Geiſtlichen Sachen gebrauchen ſolle.

21. V. Das Sinnbild aus dieſer Vorrede ſind zween Engel/ derer der eine ſingt/ der ander auf der Harfen ſchlaͤgt/ mit der Vmſchrift:

Mein ſelbſt ander ich.

und zu ſolchen Gedanken haben mich veranlaſt die vier letzten Reimen.

CLVI.

22. A. Die Muſica wird billich in Geſtalt eines Weibsbildes/ welche/ (zu Be= deutung der edlen Poeteꝛey) mit einem Lorbeerkrantz gekroͤnet ſeyn kan/ eingefuͤh= ret; weil ſelbe iſt eine Ernaͤhr=und Pflegerin aller in richtiger Ebenmaſſe proporti- one. beſte= henden Kuͤnſten/ wie ich dann berichtet worden/ daß unter dieſen Namen/ von welchen die Muſen den jhren erhalten/ Lamp. Alard. de veterum Muſica. f. 188. alle andere Wiſſenſchaften koͤnnen ver= ſtanden werden.

23. D. Ihre Kleidung ſol erbar ſeyn; jhr Leibrock mit langen Streifen/ wie Das Kupfer= blat.die Linien in den Geſangbuͤcheren/ und an dem Saume deſſelben etliche Noten geſehen werden.

24. C. Damit aber der Zuſeher Verlangen vermehret werde/ kan der Schau= platz noch verhaͤngt bleiben/ und erſt beſchriebene Perſon vor den Fuͤrhang her= austretten/ und ſelber nach verrichtem Geſange erſt gaͤntzlich aufgezogen wer= den.

25. R. Es dienet der Singkunſte oder Muſic nicht zu geringem Lob/ wider der= ſelben unwiſſende Veraͤchtere/ daß in der gar kurtzen Erzehlung von der erſten Menſchen Thun jhr Erfinder nicht iſt verſchwiegen/ und Jubal genennet wor=CLVI. Gen. 4, 21. à radic. produxit ſonum. Exod. 19. den/ von welchem wir Teutſche das Wort jubiliren behalten.

26. J. Es hat die Muſic ſolche Lieblichkeit/ daß faſt ſcheinet/ als ob vermittelſt derſelben allein die ewige Freude in dieſem Jam ̅ erthale ausgebildet wuͤrde. Bald ſich dieſe Kunſt hoͤren laͤſſet/ macht ſie ſchweigen alles/ was ſonſten in den Men= ſchen auch ſtillſchweigend reden kan: ſie machet alle Sorgen aus dem Hertzen entweichen/ linderet die Schmertzen/ beſaͤnfftiget den Zorn und beluftiget mit unſtraͤfflicher Wolluſt jhre Zuhoͤrer.

27. V. Ob zwar die Seele ein Geiſt iſt/ welcher durch leibliche Dinge nicht mag erreget werde ̅ / ſo laſſen doch alle derſelben Kraͤffte/ der Verſtand/ der Wille/ die Gedaͤchtnuͤß/ die Bildung Imagina- tio. ſich durch das Gehoͤr uͤber meiſteren und bewegen.

28. A. Die Muſic iſt hier auf Erden der Echo oder Wiederhall der himmli= ſchen Freuden: Dann wer kan nicht ohne erſtaunen betrachten ein ſo Sinnrei= ches Holtz/ ſo kuͤnſtlich klingende Seiden/ einen ſingenden Faden/ und eine leere Hoͤlen des Wiederhalls.

CLVI.

29. D. Der Muſic Mittelpunct iſt in dem Himmel/ zu welchem alle jhre Ton ſtralen (wann alſo zu reden verlaubet iſt/) durch die Lufte eilen: Sie iſt die Koͤ= nigin edler Kuͤnſte; eine Herrſcherin unſerer Sinne/ die alle Kraͤften den Ohren zueilen machet.

30. C. Doch ſolten die Voͤgelein uns das Lob dieſer Kunſte ab erhalten/ wann nicht die verſtaͤndige und artlich gemeſſene Stimm des Menſchen darbey were.

31. R. Es iſt auch nicht das geringſte Lob der Muſic/ daß die Sinnreichſte unter allen Kuͤnſten/ die edle und faſt Goͤttliche Poeterey/ jhr nachgeſetzet und untergeben wird/ darinnen die Hoheit der hurtigen Geiſter herfuͤrleuchtet; darin= nen die ſchoͤnſten Gedanken an jhre Ehrenſtelle erhaben/ und gleich denen Edel= geſteinen in das wehrte Golde gefaſſet werden.

32. J. Iſt aber nichts zu Nachtheil der Muſic aufzubringen?

33. V. Nichts anders/ als der zufaͤllige Mißbrauch. Man ſol den Verſtand vielmehr bemuͤhen/ das Gemuͤht als das Gehoͤr zu beluſtigen: der nichtige Klang/ und das in der Lufte verrauſchende Getoͤne/ kan niemals wirk=und weſentliche Benuͤgung beybringen. Dem Frauenzimmer iſt ſicherer/ daß ſie das Trauer=CLVI. liedlein der Turteltauben/ als das Freudengeſang der Nachtigallen hoͤren laſſen.

33. C. Dieſes iſt zu verſtehen von denen Syrenen/ deren Lieblichkeit zu endlichen Schmertzen locket; die eine faſt Goͤttliche Stimme haben/ aber ein Teuffliſches Leben fuͤhren.

34. D. Wir ſuchen hier eine Froͤlichkeit/ welche nirgend reinlicher zu finden iſt/ als bey der himmliſchen Muſic: Es ſol uns aber genuͤgen/ wann unſer Thun mit unſerem Gewiſſen uͤbereinſtimmet/ und wir unſere Hoffnung nicht gar zu hoch ſpannen.

35. A. Seyn wir hier Fremdlinge in dieſer Welt/ ſo ſollen wir billich das Freuden= lied in eine Klage verwandelen/ wie dort die Kinder Iſrael auſſer jhrem Lande/ die Geiſtlichen Pſalmen zu ſingen verwegeret. Doch iſt dieſes in weit anderem Verſtande geredt/ und beliebe dem Herrn nach dieſem Ein=oder Vm= gang/ im angefangenen Waldgedichte fortzu= fahren.

CLVII.
Reymund. CLVII.
Die erſte Handlung Der erſte Aufzug. Kuͤnſteling
Beſihet ſein Angeſicht im Fluß ſingend. JErflieſſender Spiegel und ſilberne Fluht/ lege nun deine ſtoltzwallende Wellen/ Den erſten Grund in de ̅ Kupferblate. welche die Winde mit beben erſchwellen/ Vnd wandere machlich mit minderem Muht. CLVII. Noch harret noch ſtarret die haſtige Struht/ weiſend meins Angeſichts niedliche Hellen. Laſſet die Stroͤme ſich haͤuffen und ſchwellen/ Mein Bilde hier dannoch im Lauffen beruht! Bey hieſigem Lande/ in kießlichem Strande/ beſtehets und geht: doch koͤnnen die Stralen mit nichten bemahlen die Menſchliche Red’.

2. C. Dieſe und dergleichen Sonnet oder Klingreimen moͤgen auf mancherley Art geſetzet werden/ hier iſt eine gleiche/ doch ſchickliche Menſur.

3. D. Man heiſt es dactyliſche oder klingende Springreimen/ und iſt eine ſonde= re Art/ welche mit ſechsſylbigen Reimzeilen endet.

4. J. Daß der Kuͤnſteling ſein Bildniß in dem Fluß betrachtet/ lehret/ wie derCLVII. Sapientis vita eſt co- gitare. Wiſſenſchaften groͤſtes Belieben in jhnen ſelbſten iſt. Der Gelehrten Leben iſt Gedenken/ ins gemein haben ſie das hoͤchſte Wolgefallen an jhren Schriften/ und werden vielmals ſolche Narciſſi/ die andere neben jhnen verachten/ ſich herfuͤr= bruͤſten/ und vermeine ̅ jhres gleichen ſey ſchwerlich anzutreffen. Dieſe Schwach= heit der Gelehrten hat der Apoſtel Paulus bemerket mit dieſen Worten:

1. Cor. 8/ 1. Viel wiſſen blaͤſet auf.

5. V. Die Frau weiſt mir unwiſſend/ daß ich zu einem Sinnbild erkieſen ſolle ein Faß mit neuem ungeſundem Wein/ welches das Boͤſe von ſich gieret; bene= bens einer Flaſchen mit altem gerechtem Wein. Jener bedeutet die eitele ver= meinte Wiſſenſchaft der jungen ſchwuͤlſtigen Leute/ ſo ſich beſagter maſſen auf= zublehen pfleget; Dieſe die reine und lautere Erfahrung der Alten/ welche ſich lange Zeit unbewegt bey guten Kraften befindet/ mit dem Beywort:

Beſtehend entgeht. CLVII.

6. A. Der Fluß wird ein zerflieſſender Spiegel genennet/ weil das Gegenbild in deſſelben Lauff beruhet.

R. Der erſten Handlung Zweiter Aufzug. Truͤgewalt/ Kuͤnſteling. ☞ Den an= dere ̅ Grund in dem Kup ferblate.

7. Truͤg.

Kuͤnſteling ich muß dir klagen/ wie ich lange Zeit in mir habe die Begierd getragen Seelwig zu berucken hier. Wirſt du mir behuͤlfflich ſeyn/ So ſtell’ ich mich dankbar ein.

8. A. Er ſagt hier nicht daß er Seelewig hold ſey/ ſondern er lobet ſie/ wie einCLVII. CLIX. Ehebrecher einer ehelichen Frauen aufwartet/ ſie zu Falle zu bringen/ welches durch das Woͤrtlein berucken verſtanden worden.

9. R. Hierauf antwortet Kuͤnſteling:

Wie>? ſoll jemand dein begehren der inwohnet dieſes Land/ ſchimfen/ und dich nicht gewaͤren? Biſt du dann jhr nicht bekant? Was ich darbey leiſten kan/ biet ich frey und willig an.

10. V. Hierbey iſt vieleicht abgeſehen worden/ daß der boͤſe Feind jederzeit mit Vorwand der Wiſſenſchaft zu betruͤgen geſucht/ und in dem man das Erkant= nuß Gutes und Boͤſes lernen wil/ wird man gemeiniglich in dem Ergſten unter= richtet.

CLVII.

11. R. Truͤgewalt antwortet hierauf:

Ach ſie pflegt nicht zu verweilen/ wann ich an bequemen Ort/ Sie gedenke zu ereilen/ jhr zu ſagen Liebes=Wort/ Wirſt du mir behuͤlflich ſeyn/ ſo ſtell’ ich mich dankbar ein.

12. J. Das iſt die beſte Sicherheit der Jungfrauen/ die Gelegenheit zu ſuͤndi= gen meiden: Nach dem gemeinen Sprichwort; Wer nicht zum Waſſer komt/ der erſaͤuft nicht.

13. R. Kuͤnſtel.

Kanſt du ſie dann nicht bezwingen etwa in der Einſamkeit? Oder ſie mit Liſt’ umringen/ wann ſie ſich haͤlt bey der Weid’? Ich will leiſten was ich kan/ CLVII. wie geziemt eim Freundes=Mann.

14. D. Dieſes iſt der Hofſchmeichler nechſter Raht; was ſich nicht will laſſen buͤgen/ das muß man brechen. Als ob es mit gutem oder mit boͤſen groſſen Her= ren nach Wunſch gehen muͤſte.

15. R. Truͤgew.

Die Gwiſſulda ſie begleitet von der zarten Jugend an/ und die Nymfen ſo verleitet/ daß ſie fliehet meine Bahn. Wirſt du mir behuͤlfflich ſeyn/ So ſtell’ ich mich dankbar ein.

16. C. Das Gewiſſen in dem Menſchen/ iſt ein Bildniß der erſten Vollkom= menheit/ und laͤſt ſich auch bey wolerzogenen Kinderen/ durch Bereuung jhrer Mißhandlungen erſehen.

CLVII.

17. R. Kuͤnſtel.

Sinnigunda wolt ich meinen (wann Gwiſſulda ligt zu Ruh’) Solte ſelbſten in den Heinen reden oft das Beſte zu. Was ich darbey leiſten kan Biet ich frey und willig an.

18. A. Die Sinne ſind der Seelen gefaͤhrlichſte Wegweiſere/ als welche ins gemein der rechten Tugend=Bahne verfehlen.

19. R. Truͤgew.

Moͤchſt du ſie mit Liebe zaͤhmen/ durch dein viel und manche Kunſt/ wolt ich dein Geſtalt annehmen/ und mir rauben jhre Gunſt. Wilt du mir behuͤlfflich ſeyn/ CLVII. Stell’ ich mich bald dankbar ein.

20. V. Wann es der boͤſe Feind dahin bringet/ daß der Menſch von Gott ab/ und ſein Vertrauen auf ſelbſtmoͤgende Kunſte ſetzet/ ſo hat er bald gewonnen.

21. R. Kuͤnſtel.

Kuͤnigunda ſol uns dienen/ Ihr beliebt der Hirten Freud/ Wann die Felder ſich begruͤnen ſucht ſie Luſt und Froͤlichkeit. Was du mir beſihleſt an/ will ich leiſten als ich kan.

22. J. Die Sinne ſind die Werkzeuge des Verſtandes/ werden dieſes Orts fuͤr den Willen des Menſchen genommen/ weil ſelben vielmals der Vernunft Vrtheil weichen muß.

CLVII.

23. R. Truͤgew.

Wilt du mir dann uͤberlaſſen/ was du in der Sach’ erhaͤltſt? Dann mich alle Nymfen haſſen/ und du jeder wolgefaͤllſt. Wirſt du mir behuͤlfflich ſeyn/ So ſtell’ ich mich dankbar ein.

24. D. Wer bey Fuͤrſten und Herren wil wol ankommen/ der muß zu jhren Beluſten Raht und That leiſten. Was man erlangen wil/ muß man durch an= geneme Botſchafter/ und unter verdecktem Schein werden/ und auswirken.

25. R. Kuͤnſteling.

Truͤgewalt du ſolſt erfahren das/ was ich erjagen werd’/ in dem Fallſtrick’ oder Garen/ ſol dir alles ſeyn verehrt. Ich will leiſten was ich kan/ CLVII. als ein Freund=und Biedermann.

26. C. Durch den Fallſtrick verſtehet er ſich allein/ durch das Garen die Samt= huͤlf: iſt alſo der Verſtand/ er wolle jhm uͤberlaſſen/ was er allein/ oder mit an= deren werde erhalten koͤnnen. Biedermann oder Bederman ̅ iſt wie ein Scheids= mann/ deſſen Redlichkeit bederſeits vertrauet wird: oder es wird auch Bieder= mann geſagt/ vom Bederben/ oder Nutzen/ Bederbmann/ ein Mann der mit Eh= ren bederbet oder genutzet werden kan.

27. R. Darauf ſchlieſſet Truͤgew.

Dieſes hat mir auch verſprochen Ehrelob und Reichimut: Alſo wird bald ſeyn gerochen Seelwigs Stoltz und Vbermuht. Hilf mir zu dem Haͤndelein/ ich will dir bald dankbar ſeyn. CLVII.

28. A. Fuͤrſten und Herren/ welche von Jugend auf nichts als Gehorſam er= fahren/ und in ſolcher Hoheit auferzogen worden/ halten den fuͤr ſtoltz/ der jhnen nicht unterworffen ſeyn wil.

29. V. Kein ſchicklicheres Sinnbild kan ich zu dieſem Aufzug finden als einen Schaͤfer/ welcher einen Spiegel fuͤr das Angeſicht haͤlt/ weil boͤſe Buben ſich ein= ander gleich geſtalten/ und allezeit eines Sinnes ſind. Die Vberſchrift iſt dieſe:

Als ein Freund und Biedermann.

30. J. Die Lehre iſt/ daß der boͤſe Feind nicht nur herumgehet wie ein bruͤl= lender Loͤwe/ uns zu verſchlingen/ ſondern auch zu erſchleichen/ deswegen er heiſt die alte liſtige Schlange/ welche ſich in einen Engel des Liechtes verſtellen kan.

31. D. Dieſe Reimen ſind trochaiſch/ ſieben=und achtſylbig: in welchen Truͤ= gewalt den Endreimen biß zum letzten Satz gleich wiederholet; Kuͤnſteling et= was weniges veraͤndert.

32. C. Die Muſic iſt ein Wechſel=Lied/ gemeiner Art.

33. R. Der erſten HandlungCLVII. Dritter Aufzug. Ehrelob und Reichimuht betrachten zu Abendszeit jhren Schatten. Ehrel. DEr Schatten groͤſſert ſich/ und reiſet die Geſtalt. ☞ Den dꝛitte ̅ Gꝛund in dem Kup= ferblate. Reich. Es iſt der Sonnenwerk ſo tunk elſchwartz gemahlt. Ehrel. Die Sonne bildet mich durch jhre heiſe Stralen/ Reich. Ja/ jetzt beginnt die Luft die Finſterniß zu mahlen. Ehrel. Schau/ wie doch unvermerkt der leichte Schatten ſtreift! Reich. Vnd weiſet wie der Tag zum untergehen ſchweift. CLVII. Ehrel. Das iſt das wahre Mahl der hellen Sonnen Gnade. Reich. Es iſt der Nachte Bild/ der Finſternuͤſſen Pfade. Ehrel. Hoh’ Ehr dem Schatten gleicht/ der uns uns ſelbſten weiſt. Reich. Der Reichthum iſt die Sonn’ aus der der Schatten fleuſt. Ehrel. Der Sonnen ſchnelle Pferd’ jetzt in das Meer ſich ſenken/ Laß uns was Truͤgewalt verſprochen auch gedenken. Reich. Die braunlicht’ Abendzeit/ weiſſt daß es heut zu ſpat/ Es wird der nechſte Tag uns bringen Raht und That.

34. C. Dieſe beide Hirten ſollen ſtattlich bekleidet ſeyn; Ehrelob in gruͤnen Da= maſt/ weil die Hoffnung (durch dieſe Farbe bedeutet) mehr Ehr und Lob zu erlange ̅ ſtetig gruͤnet/ und der Ehrgeitz anfaͤngt/ wo er ſolte aufhoͤren: Reichimuht aber mag einen Purpurfarb Atlaſſen Rock anhaben.

35. A. Der Schatten wird tunkelſchartz genennet/ der mit leichten Streifen/ wie ein Mahler mit geringer Hand dahin ſtreichet. Wann man bedenket/ wie gar mit genauer Maſe er jedes Bilde verzeichnet/ ſo findet ſich/ daß alles natuͤrlich ausgeredet.

36. V. Daraus iſt das Sinnbild leicht zu finden/ nemlich ein Kind/ welchesCLVII. ſich in ſeinem Schatten ſihet/ mit der Beyſchrifte:

Das wahre Mahl.

oder Merkmahl/ das uns gleichſam fuͤr die Augen mahlet/ die Nicht=und Fluͤch= tigkeit der Ehre und des Reichthums/ ſo ins gemein zugleich ſteigen und ſinken.

37. J. Die Lehre dieſes Sinnbildes kan dieſe ſeyn:

Was wir geweſen ſind/ noch ſeyn/ und ſollen werden/ das zeigt die Nichtigkeit des Schattens auf der Erden.

38. D. Dieſe jambiſche Reimzeilen ſind erſtlich einzelich gewechſelt/ und doppelt geſchloſſen.

39. C. Die Muſic ſol ſich nicht allezeit nach dem Gehoͤr richten/ ſondern nach den Grundrichtigen Kunſtregelen: dann alles was der Kunſt gemaͤß iſt/ wird von dem Ohr fuͤr richtig gepruͤfet; aber nicht alles was dem Ohr angenem/ iſt auch fuͤr Kunſtrichtig zu halten.

CLVIII.
1. Reymund. CLVIII.
Der erſten Handlung Vierter Aufzug. Seelewig und Sinnigunda/ Die Nymfen gehen Abends an dem Vfer des Meers ſpatzieren.
Seelewig. DIe guldene Sonne ſchwebt ober dem Meer’/ ihr ſilberner Monde beginnet das Heer/ der leuchten den Sterne herfuͤro zu fuͤhren. CLVIII.

2. C. Iſt eine Beſchreibung des Abends. Was antwort die andere Nymſe?

3. R. Sinnigunda: O ſchoͤne Gefertin wir wollen ſpatziren an deme ſaltz=ſandigem Vfer daher/ da gehet und ſtehet das ebene Meer. mare ſtra- tum.

4. D. Das Meer lauft von ſechs/ zu ſechs Stunden ab und zu/ daher es hier recht gehend und ſtehend genennet wird.Verulam. de Ventis.

5. R. Seelewig: Schaue die ſchneckichten Muͤſchelein hier/ jhr rundlich ſo bunte gewundene Zier/ mit welcher Neptunus ſich pfleget zu guͤrten.

6. J. Die Muſchel welche ſich an dem Vfer des Meers finden/ ſind Poetiſcher Weiſe beſchrieben/ als ob deſſelben vermeinter Gott ſolche gebrauchte fuͤr Span=CLVIII. gen zu Bezierung ſeiner Guͤrtel.

7. R. Sinnigunda: Erlerne wie vielmals auch unter den Hirten/ und unter den Schaͤfern im nidrigen Stand’ auch wohne Beluſten und hoher Verſtand.

8. V. Sinnigund weiß jhrer Geſpielin Reden zu fuͤrhabendem heimlichen Be= trug artlich zu ziehen/ und wil ſagen: daß/ wie der geringſchaͤtzigen Muſchel Zier= den zu verwunderen; alſo auch daß das ſchlechte Schaͤfervoͤlklein Belieben brin= gen koͤnne.

9. R. Seelewig: Ich ſchaue von fernen den ſpitzigen Maſt/ des Segel durch Senkung des Ankeres raſt. die Wogen der Wellen verglichen erligen. CLVIII.

10. A. Sie betrachtet ein zu Ankerliegendes Schiff im ſtillen Meer/ das ſie ungefehr von ferne ſehen.

11. R. Sinnigunda: Ach liebe Gefertin wie ſol uns genuͤgen das ſtetige Hoffen/ ſo man nicht erfaͤhrt; Als were das Gluͤcke Verzagten beſchert.

12. C. Sie wil ſagen: Gleichwie das Schiff nichts wird erwerben/ wann es den Anker nicht aufhebt/ und den Winden vertrauet; alſo wird das Gluͤck mit leerer Hoffnung erwarten/ der nicht kuͤhnlich darnach trachtet/ und euſſerſten Vermoͤgens darum bemuͤhet iſt.

13. R. Seelewig: Was Wunder! die Sonne beflammet das Meer/ und roͤhtet gleichbruͤnſtig das Waſſer ſo ſehr/ ſie blendet mit Stralen die ruhigen Wellen.

14. D. Das Waſſer/ von der Abend=Sonnen beleuchtet/ ſcheint gantz roht undCLVIII. bruͤnſtig.

15. R. Sinnigunda: Faſt ſolcher Geſtalte beginnets zu hellen/ wann uns die ſuͤßbruͤnſtige Liebe behitzt und hertzlich ſo ſchmertzliches Flammenfeur blitzt.

16. J. Hier iſt der Sonnen Hitz mit der Liebe verglichen/ nach Anlaß gegen= waͤrtiger Fuͤgnuͤſſe/ zielet wie das vorhergehende Seelewig zu jhrem Willen zu reitzen. Die Lehre kan ſeyn/ daß man auch die herrlichſten Gaben und Geſchoͤp= fe Gottes/ als die Schiffarten/ und den lieben Sonnenſchein zu boͤſem Fuͤrhaben mißdeuten kan.

17. V. Das Sinnbild iſt ein zu Anker liegendes Schiff/ mit dem Wort:

Wie ſol es genuͤgen? CLVIII.

18. A. Das Wort erfahren hat hier zweyerley Verſtand: einmal durch Schif= farten erlangen/ das andermal durch Erfahrung wirklich genieſen.

19. C. Die Muſic iſt nach Art der dactyliſchen Lieder gerichtet/ weil es eine Er= getzlichkeit antrifft/ mit 6/4. gleicher Menſur.

20. D. Die Reunen ſind alſo geſchloſſen/ daß der dritte mit dem erſten ſtim= met. Es ſchickt ſich dieſe Art wol zu Liederen.

21. R. Der erſten Handlung Fuͤnfter Aufzug. Hertzigild/ Gwiſſulda/ Sinnigunda/ Seelewig. Hertzig. LAſſet uns auch mit ſpatziren. CLVIII. Sinnig. Wann euch unſer Reißgefaͤllt. Gwiſſul. Leichtlich koͤnt jhr euch verfuͤhren/ bald jhr ſeyd zuſamm geſellt. Hertzig. Flieht von dieſem Meergeſtaten/ da des lucken Sandes viel/ Sinnig. folg nicht dieſer Alten rahten/ iſt das Meer doch Windeſtill. Gwiſſul. Es naͤht ſich die Zeit zu ſchlaffen mit dem ſtillen Schattenſchein. Sinnig. Wer mit dieſer hat zu ſchaffen/ bilde keine Luſt’ jhm ein. CLVIII. Seelew. Schaut wie jener Anker hafftet zwiſchen einer Felſen Grufft! Sinnig. Vnſre Hoffnung wird bekrafftet ferne von der Erden Klufft. Gwiſſul. Man muß von dem Vfer ſtoſſen und den Anker heben auf. Sol man durch die Windsgenoſſen halten rechten Hoffnungslauf. Sinnig. Liebe laſſe dieſe ſtehen: mach dich von der Zucht jetzt frey. Sie wenden ſich. Gwiſſul. Wegert jhr mit uns zu gehen? Bald begegnet jhr die Reu!

22. A. Die Meinung dieſes Aufzuges verſtehe ich dahin/ daß den Sinnen ſoCLVIII. wenig als der Windſtille des Meeres zu trauen.

23. V. Das Sinnbild/ welches hierbey zu erwaͤhnen/ iſt ein Anker der zwiſchen Felſen hafftet/ mit der Obſchrift:

Man muß von der Erden ſtoſſen.

Es iſt aber alhier der Nymfen Geſpraͤch nicht von dem beſegelten Schiffe/ deſſen Maſt ſie zuvor von fernen geſehen/ ſondern von einem kleineren/ welches ſie naͤ= her bey dem Vfer beobachtet.

24. J. Die Lehre flieſſet aus erſtgedachtem Sinnbilde/ daß nemlich wir Men= ſchen uns gar leichtlich bereden/ es komme unſer Standhafftigkeit von der Er= den/ oder hoffen mit uͤbermaͤſſigem Vetrauen auf das Irdiſche; da hingegen al= hier nichts zu gewinnen/ wann wir nicht vom Lande ſtoſſen/ und uns den himm= liſchen Schikungen gaͤntzlich vertrauen.

25. D. Die Reimart iſt gemein; habe aber darbey beobachtet/ daß ſpatzieren CLVIII.auf verfuͤhren/ viel auf ſtill/ frey auf Reu/ und dergleichen ruͤhrende Reimen gebrauchet worden/ welche man noch zur Zeit muß zulaſſen/ damit die Gedichte nicht zu eng geſchloſſen/ und zu ſtreng verbunden kommen: Solte aber unſere Sprache aus jhr ſelbſten und dem Niederlaͤndiſchen/ darinnen noch etliche Stammwoͤrter verborgen ligen/ mit mehr Worten bereichert werden/ auch die Reimkunſt zur vollſtaͤndigen Grundrichtigkeit gelangen/ wuͤrde dann dieſe Frey= heit/ durch gewieſe Geſetze bemaͤſſigen oder nach und nach gar aufheben muͤſſen.

26. C. Die Muſic bedunkt mich wolgeſetzt.

Der erſten Handlung Sechſter Aufzug. Truͤgewalt allein.
I. CLVIII. SOlt mich das nicht recht betruͤben/ daß mein Herrlichkeit und Pracht wird verlachet und veracht? Ich will Liſt und Macht veruͤben! Rauſchende Baumen/ du dickes Gefuͤld/ Sage wo Seelewig bey dir verhuͤllt!
II. Solt ſich meim Gewalt entziehen die/ ſo wohnt in meinem Reich/ und mich achten ſo fuͤr feig/ daß ich ſelbſt ſie laß entfliehen. Rauſchende Waͤlder und finſters Gefuͤld/ Saget wo Seelewig liget verhuͤllt! CLVIII.
III. Was ſich findet in dem Walde/ ſol auch billich Weltlich ſeyn; wie dann mir obligt allein daß als Herr ich darob halte. Aeſtichte Stauden und ſchattigs Gefuͤld/ Saget wo Seelewig ruhet verhuͤllt!

27. A. Die Welt wird einem finſterem Walde verglichen/ in welchem der boͤſe Feind/ als ein Fuͤrſt derſelben/ ſein Werk haben wil/ in den Kindern des Vn= CLV.glaubens/ daher auch Truͤgewalt den Namen hat.

28. V. Das Sinnbild iſt ein Brennſpiegel mit der Vmſchrifte:

Veruͤbend Liſt’ und Macht.

Zu verſtehen/ daß der Satan trachtet/ durch Verhengniß Gottes/ den Menſchen zu Schaden/ und ſie in das ewige Feuer zu bringen.

29. J. Solches thut er liſtig/ wie durch die Art der Brennſpiegel von fernenCLVIII. angezuͤndet wird/ und maͤchtig mit ſtrengen Feuerſtralen: deswegen man ſich fuͤr dieſem Tauſendkuͤnſtler wol zu huͤten hat. Es ſchickt ſich aber dieſes Sinnbild wol zu der Gefaͤhrlichkeit des Meeres/ (von welches zuvor Meldung geſchehen/) weil Archimedes erſtlich dieſe Brennſpiegel erfunden/ und des Feindes Schiff= heer darmit angezuͤndet haben ſol.

30. D. Die vier trochaiſchen Reimzeilen werde ̅ mit zweyen dactyliſche ̅ geſchloſſen.

31. C. Dieſe Muſic iſt nach Art der Lieder geſetzt/ und in den dreyen Geſetzen gleich wiederholet.

32. R. Chor der Hirten.1. ES iſt ein groſſer Luſt/ mit kluger Hinterliſt/ dem Poͤvel unbewuſt/ ſeyn ſtetig ausgeruͤſt. CLVIII. Es wenden und blenden die truͤglichen Tuͤck’/ oft fuͤgen und biegen ſie Gluͤckes Geſchick.
2. Es hat ein groſſen Laſt und aufgeſeiltes Leid/ den ringsuͤm haͤlt gefaſſt ſein Einfalt je derzeit. Ihn wenden und blenden die truͤglichen Tuͤck’/ oft fuͤgen und biegen ſie Gluͤckes Geſchick.
3. Einfalt iſt faſt verlacht bey dieſer klugen Welt; da wirkt der vorbedacht in tunkelem Gezelt. Es wenden und blenden die truͤgliche Tuͤck’/ CLVIII. oft fuͤgen und biegen ſie Gluͤck es Geſchick.

33. A. Die Wort=Gleichheit Parano- maſia. in den Reimen iſt ſehr wolſtaͤndig/ als hier/ wenden und blenden/ fuͤgen und biegen/ Tuͤck’ und Geſchick. Daß alſo in zweyen Zeilen ſechs Reimwort gehaͤuffet werden.

34. V. Das Sinnbild zu dieſem Aufzug kan ſeyn ein Zelt mit der Schrift:

In tunkelem Gezelt.

35. J. Weil wir verborgener Weiſe von dem boͤſen Feinde beſtritten/ und un= erwartet uͤberfallen werden.

36. D. Wie in den vorigen trochaiſchen Reimzeilen der erſte und der vierte/ in= zwiſchen der andere und der dritte zuſammen getroffen/ als ſind dieſe jambiſche anderſt geſchrenket/ und gleichsfals dactyliſch geſchloſſen.

37. C. Hie iſt ein Chor der Muſic hinter dem Fuͤrhang: Sie ſingen den Endrei= men anfangs zugleich/ dann fuͤhret einer das Geſang biß wieder zu den Endrei= men/ bey welchen die Stimmen allezeit zuſammen fallen.

CLIX.
1. Reymund. CLIX.
Der zweyten Handlunge Erſter Aufzug. Sinnigunda und Seelewig.

Sinnigunda.

MEine Gefertin wir wollen beſchauen die liebliche Bluͤmelein/ welche die Nacht waren geſchloſſen/ in unſeren Auen/ denen anjetzo das perlene Thauen jhr zartliche Schoͤne hat wieder gebracht. iſt abgeſe= hen aus dem Ronſard. 2. B. am 286. Blat. ſus debout! allons voir l’ herbette peileuſe, &c. CLIX.

2. A. Es iſt eine groſſe Zierde in unſerer Sprache/ die Schicklichkeit der Bey= woͤrter und Verdopplungen ſich zu bedienen wiſſen; als hier die liebliche Bluͤ= melein/ das perlene Tauen/ die zartliche Schoͤne/ u. d. g.

3. R. Seelewig: Die Erd’ entgeiſtert ſich und fuͤhret durch die Luft den Weyrauch und Myrꝛhen: Ein jedes Kraͤutelein/ entnommen ſeiner Duͤrren mit Rauchwerk ertufft.

4. V. Dieſe Blumen von der Morgen=Sonnen beſcheinet/ koͤnnen ein Sinn= bilde ſeyn Goͤttlicher Gnaden/ mit der Schrifte:

Sie waren geſchloſſen in unſeren Auen.

Daß/ obgleich der Menſch ſein Gewiſſen und Verſtand aus der Acht laͤſt/ und folget den ſinnlichen Beginnen/ daß jhn doch der allguͤtige Gott/ der ſeine Sonne laͤſt aufgehen uͤber Fromme und Boͤſe/ mit ſeinem Vaͤtterlichen Obſchutz er=CLIX. haͤlt/ ob jhn vieleicht die Langmuht wiederumb zur Buſſe leiten moͤchte.

5. R. Sinnigunda: Dieſen befaͤrbten zu ſondrem Gefallen/ die munderen Voͤgelein ſchweben alhier/ laſſen die Zuͤnglein und Stimmelein ſchallen/ luſtig die heiteren Wolken durchwallen/ und preiſen der Bluͤmelein ruchbare Zier.

6. J. Die Voͤgelein unter dem Himmel ſollen uns zur Ehre Gottes aufmun= terea: nebenſt erin ̅ eren/ daß alles dem Menſchen zu Nutze/ er aber zur Ehre Got= tes erſchaffen ſey.

CLIX. 7. R. Seelewig: Es iſt der Sonnen Kraft/ ſo dieſe Schoͤne wirkt mit kraͤfftigen Stralen: Die koͤſt=und kuͤnſtlich alls beſchmeltzen und bemahlen in dieſem Bezirk.

8. D. Weil zuvor vom Taugeredet worden/ ſchickt ſich hier fein das Gleich= niß von den Goldſchmieden genommen/ welche die Gefaͤſſe mit bunten Farben (wie die Sonne Felder und Wieſen) einſchmeltzen. Sonſten ſind dieſer Reimen zweyerley Arten: Die erſten gantz dactyliſch/ daß der erſte/ dritte und vierte ſich zweyſylbig fuͤgen; der andere und fuͤnffte einſylbig: Die zweyte Art iſt jambiſch und dactyliſch/ ſo geſchrenkt/ daß der erſte mit dem vierten/ und der zweyte mit dem dritten/ reimet; haben auſſer den Geſaͤngeren keinen Gebrauch.

9. C. Nach den Verſen iſt die Muſic gerichtet/ in dem das Geſang der Sin= nigundaͤ ſpringt und froͤlich/ der Seelewig Lied mehr gemaͤſſiget iſt.

10. R. Der zweyten HandlungeCLIX. Zweyter Aufzug. Ehrelob/ Kuͤnſteling/ Reichimuht/ ſingen zugleich/ zu den Nymfen nahend.
I. MIt Rubinen und Safiren iſt beſetzet dieſes Land/ das mit manchem Diamant pflegt der Silbertau zu zieren. Dieſer edlen Blumen Schrein glaͤntzet von der Sonnenſchein. CLIX.
II. Laſt uns in dem matten Schatten ſingen in der Morgen=Stund; und mit Hertzerfreutem Mund’ alle Voͤgel uͤm uns laden. Jeder lobe ſeine Lieb’ aus befreitem Hertzenstrieb’.
III. Laſt uns ſaͤmtlich nun bekennen/ daß hierbey die ſchoͤnſte Blum/ aller Waͤld=und Felder=Ruhm/ ſey die Seelewig zu nennen. Lobet ſie mit gleichem Schall/ uͤber andrer Blumen Zahl.
IV. CLIX. Wann die helle Sonne taget/ wann der Vogel lieblich ſingt/ wann jhr Lied die Luft durchklingt/ und der Blumenruch behaget/ So gedenk du Seelewig/ alles woll beluſten dich!

11. A. Wie die Edelgeſteine unter der Erden verborgen ligen/ ſo laſſen ſich der= gleichen auch ob der Erden ſehen: Den Rubinen gleichen die Negelein; den blauen und weiſen Safiren/ die blauen und weiſen Lilien; welche morgens mit dem Silbertau/ als mit Diamanten umſetzet/ zu betrachten.

12. V. Das Sinnbild iſt eine Fackel/ durch einen Feuerſpiegel angezuͤndet/ mit der Schrifte;

----- von der Sonnen Schein.

Dergleichen Spiegel halt ich fuͤr der Kunſt hoͤchſtes Meiſterſtuck/ welche doch CLIX.oftmals anderen zu Schaden mißbraucht werden/ nicht anderſt als die taͤglichen Wolthaten Gottes/ ſo wir durch den lieben Sonnenſchein empfahen/ von uns zur Eitelkeit verwendet werden.

13. J. Weil ſehr ſchwer iſt ſich ſelbſten zu erkennen/ ſol uns alles Lob verdaͤchtig ſeyn: geſtalt ſelbes von Freunden oder von Feinden herkommet: Die Freunde re= den vielmals aus blinder Liebe gegen uns; die Feinde entweder aus offentlichem Neide/ oder aus betruͤglicher Schmeicheley/ wie dieſes Orts beſchihet.

14. D. Dieſe Reimen ſind gemein/ aber von den vorigen Liederen in dem un= ter ſchieden/ daß ſich die Endreimen nicht wiederholen/ ſondern allezeit aͤnderen.

15. C. Es kan ſich dieſer Ton auf viel Oden oder Satzreimen ſchicken/ es iſt aber wol bedacht/ daß zur Enderung dieſe drey Schaͤfer zugleich ſingend einge= fuͤhret werden.

16. R. Bißher haben die Schaͤfer das Morgenlob eines lieblichen Tages ge= funge ̅ ; Maſſen in den Wald=und Schaͤfergedichten uͤblich/ Waͤlder/ Auen/ Felder/ des Lentzen Blumen/ des Som ̅ ers Ernde/ des Herbſtes Weinleſe/ und anderes der= gleichen angenemes Landweſen mit den erſinnlichſten Worten auszumahlen.

17. D. Der Herr ſagt recht/ dann die Poeterey nichts anders/ als ein natuͤrli=CLIX. ches Gemaͤld iſt/ welches mit Kunſtſchicklichen Wortfarben ausgeſtrichen wird; Die Mahlerey aber ein ſtummes Gedicht/ und zu vorgedachter Dichtkunſt gehoͤ= rig.

18. V. Beide dieſe Stuck werden durch die Hertzbewegende Muſic oder Sing= kunſt kraͤfftiglich verbunden. Hierbey iſt auch zu erin ̅ eren/ daß die Jugend in Er= findung der Gemaͤlde/ Sinnbilder und Schilderweſen nicht weniger zu uͤben und zu unterrichten/ als im reden/ reimen/ ſingen und ſchreiben: und obwol nicht ei= nes jeden Thun iſt/ in Aufreiſung und Verzeichnung ſeiner Erfindungen bemuͤ= het zu ſeyn; ſo kan doch ſolcher Mangel durch die Beſchreibung etlichermaſſen er= ſtattet werden/ wie nutzlich aber ſolche Gemaͤlduͤbung in der Poeterey ſeye/ iſt un= ſchwer zu ermeſſen.

19. D. Weil ein jede unter beſagten dreyen Kuͤnſten/ das gantze Leben eines Men= ſchen erfordert/ iſt nicht zu verwunderen/ daß wenig/ ja faſt niemand zu finden/ der in allen dreyen zugleich etwas vortreffliches leiſten koͤnte. Nun fahre der Herr weiter fort.

CLX.
1. Reymund. CLX.
Der zweyten Handlunge Stelenge= fahr. Dritter Aufzug. Sinnigund/ Seelewig/ Kuͤnſteling/ Ehrelob/ Reichmuht/ Gwiſſulda und Hertzigild hinter den Baumen verborgen. Sinnig. Hoͤrſt du was die Schaͤfer ſingen? Seelew. Haben ſie was fuͤrzubringen? Sinnig. Dein Ruhm und Lob ligt jhnen ob. CLX.

2. A. Die Sinnt werden hier angefuͤhrt/ als der Seele Kuplerin/ oder Vnter= haͤndlerin betruͤglicher Liebe.

3. R. Kuͤnſtel.

Schoͤneſte Nymfen jhr Krone der Haͤinen liebet unſer Hirtenfreud/ fliehet/ fliehet Einſamkeit! Welches entfernet von Trauren und Weinen. Sie ſetzen ſich.

Sinnigund.

Luſtig wir die Zeit verliehren/ wann uns dieſe Huͤrten fuͤhren/ dein Ruhm und Lob ligt jhnen ob!

Kuͤnſtel. uͤberreicht ď Seelewig ein Vergroͤſ= ſerungs=o= der Fern= glaß ſin= gend:

CLX. Schau den gebranden Don/ den ſonſt der Wind zerſtaubt/ iſt durch die ſtrenge Glud ſo meiſterlich betaubt/ daß er ſich hat vereint/ und willig koͤnnen flieſen als leicht zerſchmeltzend Wachs/ ja den Kryſtall zu gieſen/ Die Kunſt ſich unternimt. Das brechliche Metall (berundet meiſterlich/) bringt zu den Mittelfall’. Der Augen ſtrengen Stral/ daß alles was wir ſehen/ ſo viel vernemlicher und groͤſſer komt zu naͤhen. Durch dieſes Wunderglaß beſchau nur was du wilt/ ſo findeſt du bereit was dein Geſichte fuͤllt.

4. V. Das Sinnbild zu dieſem Aufzug iſt beſchrieben/ nemlich es iſt ein Fernglaß/ mit dem Beyworte:

------ was dein Geſichte fuͤllt. CLX.

Der Wahn iſt dieſes betruͤgliche Glaß/ vermittelſt welches wir nahend achten was fern iſt/ oder (wann man auf dem anderen Ende durch das Fernglaß ſihet/) entfernet was uns vor den Augen ſtehet. Dieſer Kuͤnſteling haͤtte mit keinem anderen Geſchenke die falſchvermeinte Wiſſen ſchaften beſſer ausbilden koͤnnen. Wir ziehen oder ſchieben die ineinander geſtoſſene Rohre beſagten Glaſes/ wie wir wollen/ ſo wird das Beſchaute oder Betrachte allezeit unſerem Geſicht/ aber nicht allerſeits der Warheit gemaͤß kommen.

5. R. Sinnig.

Hier kanſt du deinen Muht durch dieſes Eiß’ Laglaee. er weiten/ das durch beliebten Luſt vom Trauren kan ableiten.

6. J. Es ſol ein fremdes Sprichwort Ojos que no veen co. raçon que no ll ora. ſagen: Was das Aug nicht ſihet/ be= weint das Hertz nicht. Die Augen fuͤhren und verfuͤhren die Jugend leichtlich/ wie darvon zur anderen Zeite iſt ausfuͤhrlich geredet worden.

7. R. Ehrelob.

CLX. Wilt du bey dieſem Fluß vertreiben deine Zeit/ So nim von meiner Hand/ was ich dir zubereit: Ein ſcharfen Angel hier/ dir Seelwig zum Geſchenke/ mit dieſer ſchwanken Ruht/ eim Anbiß und Geſenke. So du nur emſiglich auf hohe Felſen ſteigſt und von den Klippen ab dich zu dem Waſſer neigſt/ So wirſt du ſicherlich nach Wunſch’ und deim Verlangen/ oft Fuͤrſtliche Gericht’ an dieſem Angel hangen. Doch muß dein’ Vngedult nicht bringen boͤſen Raht/ daß du nicht leicht verlaͤſt dir ſo beliebte Pfad.

8. V. Dieſes Geſchenk iſt gleichfals ein Sinnbild/ nemlich die Angelruhte/ mit dem Wort:

emſiglich. CLX.

Weil groſſer Fleiß und Gedult/ ſo wol zu dem Angelen/ als zu Erlangung groſ= ſer Ehren/ erfordert wird/ das Gefaͤng aber vielmals der Muͤhe nicht wehrt iſt.

9. R. Sinnig.

Mein ſag/ was dunket dich von dieſen freyen Hirten? die Muͤhe heiſet Luſt in hohen Ehrbegierden.

10. J. Hier iſt vorbeſagtes Sinnbild ausgelegt. Es iſt zuvor der Klippen ge= dacht worden/ weil nach Ehren ſtreben nichts anderes iſt/ als durch die Gefahr/ nach mehrerer Gefahr ſtreben.

11. R. Reichimuht.

Ob keine Gabe gleich ich dieſer Nymfen wehrt/ kan finden in dem Meer’/ und auf der weiten Erd’/ Je dannoch wil ich jhr zu Fuſſen niederlegen den Koͤcher/ Bogen/ Pfeil: auf daß ſie in Gehoͤgen durch Waͤlder/ Berg’ und Thal/ durch finſtere Gefuͤld’ CLX. auf rechter Fuhr und Spur kan fellen manches Wild. Moͤcht dieſe Fuͤrſtenfreud dir Seelewig behagen/ So wirſt du nechſt dem Luſt/ viel reichen Nutz erjagen.

12. V. Dieſer Jagzeug kan in einem Sinnbild beſagte Wort haben:

----- durch finſtere Gefuͤld.oder auch: zu jagen manches Wild.

13. D. Der Herr Reymund hat wollen ſagen:

Ob ich gleich keine Gab/ die dieſer — — —

weil es heiſt die Gabe/ und nicht die Gab/ hat deswegen die Wort verſetzt/

Ob keine Gabe gleich — — —

dann in der Teutſchen Poeterey/ wie auch in der Ebreiſchen/ faſt das meinſte an dem e gelegen iſt.

CLX.

14. R. Sinnig.

CLX. Der Koͤcher iſt beſetzt mit edlem Onychſtein/ ☞ CLXI. 8. es pfeifft der ſchoͤne Pfeil/ es iſt hier nichts gemein.

15. C. Die Muſic iſt kuͤnſtlicher geſetzet/ als ich ſagen kan: Kuͤnſteling ſinget mit ſanfter Stimme/ Ehrelob mit hohen und praͤchtigen/ Reichimuht mit gieri= gem und eilendem Ton. Es iſt aber ſonderlich bedacht/ daß die Ehrbegierd mit dem Angelen/ welches an einem gewieſen Orte geſchehen muß/ verglichen wor= den: Hingegen aber der Geltgeitz mit dem Jagwerk vereinbahret/ weil dem Gelt zu aller Gegend nachgeſtellet werden mag.

16. R. Seelew.

Ich kuſſe die Geſchenk’ und werde mich befleiſſen/ hingegen Lieb’ und Gunſt ein jedem zu erweiſen.

17. A. Seelewig laͤſt jhr dieſes Weltweſen gefallen/ haͤngt das Hertz daran/Gehen ab. Kuͤnſteling fuͤhret Sinni= gund/ die an= deꝛen Schaͤfer Seelewig. und betrachtet nicht/ daß das Vertrauen gegen Gott/ dardurch gemindert/ wo nicht aufgehoben wird.

CLX.
18. R. Der zweyten Handlunge Vierter Aufzug. Gwiſſulda und Hertzigild kommen hinter den Baumen hervor. Gwiſſul. HErtzigild du haſt vernommen Seelewig Gefaͤhrlichkeit. Hertzig. Wir ſind ſchuldig jederzeit/ Zu befoͤrdern jhren Frommen. Gwiſſul. Ich ermahne ſie mit weinen/ daß ſie Sinnigunda weid’. Hertzig. Ach/ ſie dankt mit Haß und Neid/ daß wir ihren Nutzen meinen. Gwiſſul. Auf nun/ laß uns nach jhr eilen/ CLX. eh ſie ſonſt zu Schanden wird/ Hertzig. Lieblich wird ſie ſein verfuͤhrt wann wir kurtze Zeit verweilen. Gehen ab.

19. A. Das Gewiſſen iſt eine ſorgfaͤltige Zuchtmeiſterin/ welche durch den Verſtand ermahnet/ das boͤſe zu unterlaſſen.

20. V. Das Sinnbild ſol deswegen ſeyn die Sonne und der Mond/ deren die= ſer von jener erleuchtet und abweſend vertunkelt wird. Die Obſchrift kan heiſen:

----- zu befoͤrderen -----

21. J. Obwol dieſes Sinnbild etwas tunkel iſt; ſo mag es doch leichtlich erfor= ſchet werden/ wann man weiß/ daß darunter verſtanden wird/ wie in Gefaͤhrlich= keiten/ der Geringſte Verzug groſſes Nachtheil bringen kan.

22. D. Das Wort Gefaͤhrlichkeit hat vier Sylben/ dergleichen jhrer viel zu En= de des Reimens nicht dulten wollen.

23. C. In der Muſic ſo hier traurig=und mitleidigen Ton fuͤhret/ klingt es wol/ und wird von vielen noch zur Zeit gebrauchet.

CLX.
24. R. Der zweyten Handlunge Fuͤnffter Aufzug. Sinnigunda. Seelewig hat jhre von den Hirten entfangene Geſchenke uͤm ſich hangen. Sin. HAben dich unſere Hirten beſchenkt/ wie du begierig haſt uͤm dich gehaͤngt: So will ich erkuͤnte nicht ferners bedenken/ dir dieſes mein Kraͤntzelein jetzo zu ſchenken. Sihe weiſroͤhtlichte Bluͤmelein hier blaſſen vor Schame fuͤr Seelewigs Zier. So niedlich das Kraͤntzelein ſcheinet gewunden/ doch bleibet dir Sinnigund ſtaͤrker verbunden. Seelew. Liebſte Geſpielin/ der bittere Tod CLX. loͤſet nicht unſerer Liebe Gebot.

25. A. Das Wort niedlich iſt von den Schmieden oder Schloſſeren herge= nommen/ welche jhre Arbeit wiſſen artlich zuſammen zu nieden. Hier iſt es zu den Kraͤntzbinden Gleichnißweis gebraucht.

26. V. Es ſey dann das Sinnbild ein Krantz/ deſſen mancherley ſchoͤne und baldwelkende Bluͤmlein die Vergaͤnglichkeit der Sinnbeluſtigung bilden: mit dem Beyworte:

----- unſerer Liebe Gebot.

27. J. Dieſes Sinnbild gleichet dem Spruch Jobs: Job. 14/ 2. Des Menſchen Leben iſt gleich wie eine Blume.

28. D. Die dactyliſche oder Datelverſe Scala He- liconis Ph. Cæſii. ſind alle gleich/ und ſchlaͤget in dem an= dern Reimſchluß eine Sylben zu Anfang und Ende uͤber.

29. C. Die Muſic iſt zu dieſer Reimart anmuhtig gebracht.

CLXI.
1. Reymund. CLXI.
Der zweyten Handlunge Sechſter Aufzug. Gwiſſulda/ Hertzigild/ Seelewig/ Sinnigund/ bey zweyen verdorꝛten ineinander gewundenen Baumen. G. NIcht das/ was nur beliebt/ und unſrem Munde ſchmeckt/ Wird von dem klugen Artzt dem Kranken dargereckt. Verweiß’ jhr Hertzigild das ſchnoͤde Sinnbeginnen/ vieleicht kan dein Gelimf ſie maͤchtiglich gewinnen. CLXI. Klingꝛeime ̅ . Hertzig. Ihr Schweſtern hoͤret mich/ und merkt was ich will ſagen! Die Baume ſo hier ſtehn gantz ausgeroſtet alt/ ſind mit der Aeſtefug’ einander ſo verſchallt/ als ob ſie Bluͤh’ und Fruͤcht’ auf gleiche Buͤrd’ ertragen. Wann ſie der ſchweiffe Luft durchwandert mit behagen/ kuͤſſt’ ihrer Blaͤtter Meng’ einander manigfalt/ bald eine Wolke ſie mit Regennaͤß bemahlt’/ iſt jhrer Zehren Truͤpf von Aſt auf Aſt geſchlagen. So ſtreng vereinte Lieb’ hat bald der Baumen Brand entzuͤndet alſo ſehr/ daß ſie ſind abgeſtorben/ und nun des Haͤkers Axt wird trennen jhre Band’. Erwartet gleichen Fall/ wann jhr nicht laſſet ab von Liebgeſchloſſnem Band’; jhr ſeit ſo bald verdorben dort in dem Hoͤllenfeur’/ hier in dem Todengrab’.

2. A. Die Meinung dieſes Sonnets verſtehe ich dahin: daß/ gleichwie zweenCLXI. mit Aeſten ineinander geflochtene Baumen/ ſo in gleicher Gegenlieb einander verbunden ſcheinen/ leichtlich den Brand bekommen/ und ausroſten: ſolcherge= ſtalt wird Seel und Sinn ſich einander unfehlbarlich verderben und zu Grund richten. Es iſt aber nachſinnig geredet/ der Aeſtefug iſt ineinander verſchaltet/ (durcheinander geſchrenkt; dann ſchalten iſt einſchieben/ daher kommet Schalt= Jahr/ von etlichen Tagen dieſelben eingeſchaltet/ oder eingeſchoben werden/) die Blaͤtter kuſſen einander/ (verſtehe/ wann es wol hergehet/) jhre Zehren (in Vn= fall und Widerwertigkeit) triefen von Aſt auf Aſt: zu bedeuten/ daß die ſtreng= vereinte Lieb/ welche der Baumenbrand/ von denen einander beruͤhrenden Aeſten entſtehend/ erſtlich der Fruͤchte beraubt/ und endlich verurſachet/ daß ſie in das Feuer geworffen werden: dann es heiſt/ ein jeder Baum der nicht gute FruͤchteMatt. 3/ 10. c. 7/ 19. Luc. 3/ 9. bringet/ wird abgehauen.

3. V. Dieſes Sinnbild hat die Jungfer bereit ausgemahlet; ermangelt die Obſchrift:

Von Liebgeſchloſſnem Band’ ----- CLXI.

4. J. Hieraus flieſet die Lehre; daß man der Sinnlichkeit nicht ſol alzuviel nachhaͤngen.

5. D. In erzehlten Klingreimen faſſet die letzte Reimzeil die Deutung ſolcher= geſtalt/ daß die Seele

dort in der Hoͤllen Feuer’; hier in dem Todengrab

der Leibe/ wegen der anhangenden verderblichen und Suͤndreitzenden Sinnen/ zu fruͤezeitig buͤſſen werde.

6. C. Die Rede der Gwiſſulda iſt in ſchlechtern Ton geſetzet/ der Hertzigi Sonnet aber laut viel nachdrucklicher.

7. R. Gwiſſulda faͤhret fort Seelewig zu ermahnen.

Wann du nun Seelewig dich wilſt der Fahr entbinden/ und in deins Lebenslauf die wahre Ruhe finden/ So reiß von deinem Haubt der Sinnigunda Krantz/ und jhrem Kuppelwerk verſtopf dein’ Ohren gantz. Wend ab dein Angeſicht von Kuͤnſtelings betruͤgen/ CLXI. dann er durch ſein Geſchenk geſucht dich zu beluͤgen. Enthalte deine Hand vom Bogen und vom Pfeil/ im Fall du wilt entgehn dem angeſtrengten Seil’. Hier wirf die Angelruht zu Hertzigilda Fuͤſſen/ wilt du nicht jhren Fang mit ſpater Reue buͤſſen. Nun laß auch Sinnigund mit jhrem Geckenthand Kuͤnſteling ſihet von ferne zu. entweichen/ wann ſie nicht wil ſpuͤren dieſe Hand voll eiferiger Straf — — — Seelew. — — — — es faͤllet ſchwer zu laſſen/ was man von langer Zeit geliebet ohne maſſen. CLXI.
Sinnigund entlauft/ Gwiſſulda und Hertzigild gehen jhr nach.

8. A. Hier iſt noch deutlicher zu verſtehen/ was durch der Hirten Geſchenke bedeutet worden: nemlich/ daß das Aug von angenemen Betrug/ das Ohr von uͤppigen Sachen/ die Hand von gefaͤhrlichen Werkſchafften abzuwenden; welche Vermahnungen bey Seelewig noch wenig fruchten wollen.

9. V. Von dieſer Geſchenke Sinnbild iſt bereit zuvor Meldung beſchehen.

10. R. Seelewig wil unter den Baumen ſchlaffen/ wird aber bald von ei= nem Wetter erſchrecket.

Duͤſtere Wolken/ umſauſende Winde/ brummende Donner/ Feuerſtralender Blitz/ waͤſſrichte Schloſſen/ und Hagels Geſpitz/ Schonet nun ſchonet daß nichtes entzuͤnde. Reche nicht meine ſo haͤuffige Suͤnde/ bloͤtzlich erſchreckliches Himmelsgeſchuͤtz! CLXI. Berget mich Huͤgel und felſichte Ritz’. Alle Wort ſind mir zu weng/ alle Felſen ſind zu nieder. Ach/ die Welt iſt mir zu eng/ daß ich ſolcher Straff’ entgeh’/ Hoͤrt der Echo ſchallet wider meim Weh/ ach weh/ ach weh/ ach weh’!

11. J. Die Lehre iſt leichtlich zu faſſen: daß wann wir Menſchen nicht wol= len guten Erinnerungen ſtatt geben/ daß wir dann von den ernſtlichen Drohun= gen erſchrecket/ und wegen Widerſtrebung des Gewiſſens geaͤngſtiget werden.

12. D. Dieſes Sonnet iſt dactyliſch/ oder gantz Teutſch zu reden/ dieſes ſind klingende Springreimen. Sonnet. Etliche nennen es Klingedicht/ iſt aber/ meines wenigen CLXI.Erachtens/ beſſer Klingreimen; weil Gedichte die Materi/ Reimen die Form betrifft; in dieſes Benamſung aber auf das letzte allein geſehen wird/ wie man ſonſten hat/ Vierreimen/ quadrain. Sechsreimen/ ſexain. huitain. Achtreimen/ oder Vierverſe/ Sechsverſe. Durch einen Reimen werden zwo Zeile verſtanden/ durch den Ver= ſe nur eine. Es werden aber durch ſolche Klingreimen allezeit 14. Reimzeilen verſtanden/ welche auf mancherley Arten koͤnnen verfaſſet werden/ und (wie Anfangs gehoͤret worden) in unterſchiedlichen Gebaͤnden beſtehen; doch derge= ſtalt/ daß vier und vier Reimwort ſich aufeinander binden/ welches in den ande= ren ſo genau nicht beobachtet wird/ wann die Reimung unter Ein Ex= empel fol= get bey Er= klaͤrung des Sinnbildes d’ Geſpraͤch= ſpiele in wi= deꝛaufgeleg= tem erſten Theile. 14. Schluͤſſen beſtehet. In der letzten Reimzeile iſt der Wiederhall artlich vorgewieſen.

13. C. Nach ſolcher Art muß auch die Muſic gerichtet ſeyn/ und weil ſich die kurtzen Verſe viel beſſer zu ſingen ſchicken als die langen/ moͤgen die Klingreimen/ nach erſtgehoͤrter Art geendet werden.

14. R. Der Nymfen Chor. CLXI.
1. WAs kan unſern Sinn betruͤben? Lieben. Was mag unſre Ruh’ verſtoͤren? Ehren. Was pflegt die Begierd zu reitzen? Geitzen. Das heiſt mit den Eulen beitzen/ lauffen nach der Eitelkeit und erlauffen eilend Leid/ wann wir lieben/ ehren/ geitzen.

15. A. Das Wort Chor kan mit einem K geſchrieben werden/ wann wir es von unſerem Teutſchen Wort erkoren/ auserkoren/ Koͤr und Abtrag thun/ u. d. g wollen herfuͤhren.

CLXI.

16. V. Das Sinnbild will ich zu Ende dieſes Geſanges vermelden/ inzwiſchen aber bemerken/ daß durch das ehren/ nicht allein verſtanden wird/ der ſo in groſſen Ehren mit viel Vnruhe ſitzet/ ſondern auch der/ welcher hoͤhere Standsperſo= nen auf allerley moͤglichſte Fleiß ehret/ uͤm zu hoͤheren Ehren zu gelangen.

17. R. 2. Was bringt groſſen Herren Rahten? Schaden. Was gibt wiſſen uns zu Lohn? ein Hohn. Was mag unſer Hertz genuͤgen? Luͤgen. Alſo pfleget zu betriegen/ wann di’ edel’ Eitelkeit hinterlaͤſt an ſtatt der Freud’/ eitel Schaden/ Hohn und Luͤgen.

18. J. Hierbey iſt ſonders Zweiffel auf die drey Hirten abgeſehen/ welche von ☞ CLVII, 10.Truͤgewalt/ Seelewig zu Falle zu bringen angeſtellet worden/ und dieſes die vor= nemſten Eitelkeiten ſind/ deren Fallſtricke die Menſchen pflegen zu berucken.

19. D. Die Art dieſer Reimen iſt auf einen zweyſylbigen Wiedrehall gerichtet/CLXI. welches Schluß in der letzten Reimzeile zugleich wiederholet wird: es verbleibt a= ber in der fuͤnften und ſechſten Zeile zum Entwort Eitelkeit/ Freud und Leid/ durch und durch.

20. R. 3. Sag/ was iſt hoher Fuͤrſten Gunſt? ein Dunſt. Was iſt der Sauff=und Freſſerluſt? ein Wuſt. und der ſo ſtoltzen Krieger Macht? ein Pracht. Alſo wird im End verlacht/ So die fluͤchtig’ Eitelkeit hinterlaͤſt nur Eitel Leid/ blauen Dunſt/ ein Wuſt/ und Pracht.

21. C. Die Muſic iſt hinter dem Fuͤrhang ſolcher geſtalt anzuſtellen/ daß die Oberſtimmen fragen eine allein als ein Echo antwortet/ dann zuſammen fallen.

CLXI.

22. R. Dieſe Reimart habe ich aus eines Spaniers Gedicht abgeſehen/ und bedunket mich/ daß ſie zum Geſang gar ſchicklich ſeye. Ob ich aber mich beſag= ter Spaniſchen Erfindung bedienet/ iſt zu erſehen aus erſtgeſungenem/ und der= ſelben Reimen Abſchrifte: weilen ſie noch nicht/ in Druck/ meines geringen Wiſ= ſens zu finden/ mag es der Herren einer leſen/ hier iſt es.

Ilanto.
23. D. 1. Quien menoſcabia mis bienes? des denes y quien aumenta mis duelos? Los zelos. y quien prueva mi paciencia? Auſencia. De eſſe modo en mi dolencia ning uno remedio ſe alcanca, Pùes que matan la eſperanca Desdenes zeios y auſencia.
2. CLXI. Quien mi cauſa eſte dolor? El Amor. y quien mi gloria repugna? Fortuna. y quien conſiente mi duelo? El Cielo. De eſſe modo yo rezelo. Morir de ſte mal eſtranno, Puès ſe aunan en mi danno, Amor fortuna, y el Cielo.
3. Quien mejor aràmi ſuerte? la muerte y el bien de amor quien lo alcanca? Mudænea y ſus malos quien los cura? Locura. De eſſe modo no es cordura Querer eurar la paßion, quando los remediot ſon Muerte, mudanca, y locura. CLXI.

24. D. Vnter viel tauſend Verſen iſt dieſe Art nicht zu finden; doch erinnere ich mich/ daß ich noch dergleichen geleſen. Die Nachfolg iſt ſo vielmehr zu lo= ben/ ſo viel ruͤhmlicher iſt der Welt Eitelkeit verachte ̅ / als ſelbe erheben und befoͤr= deren: Dann obwol die Poeten viemals in jhren Liebsgedanken fuͤr unſtraͤfflich geachtet/ und die Tugendbegierde verſtanden haben wollen/ ſo reichen doch jhre Werke der blinden Jugend zu groſſem Ergerniß/ und reitzen auch die reine Vn= ſchuld zu unziemlichem Nachſinnen/ in Ermanglung der Gelegenheit boͤſes zu volbringen. Ein uͤppiſches Gedicht/ ein Bild/ welches der Bekleidung und Er= barkeit entnommen iſt/ ein kuͤtzliches Schandwort/ u. d. g. beſtreiten/ und uͤ= bermoͤgen die Keuſchheit mit angenemen und gleichſam guldenen Waffen/ ſolche Seribenten ſchaden ſo viel/ als wann ſie die oͤffentlichen Brunnen vergiffteten/ ſo manche Todſchlaͤge begehende/ ſo viel jhrer dardurch unver= ſchulder Weiſe ſterben und verderben. Dergleichen Liebsbuͤcher werden nicht 2. Moſ. 8/ 3.uͤbel den Egyptiſchen Froͤſchen verglichen/ von welchen geſchrieben ſtehet/ daß ſie in dem Hauß/ in der Kammer/ auf dem Lager und Bette heruͤm kriechen/ mit jhrem Vnflate alles beſchmeiſſen/ ja auch unſere Ruhe/ durch ſchaͤndliche Traͤu=CLXI. me verunruhen. Man ſuchet in beſagten Schrifften ſchoͤne Wort/ und findet in derſelben Folge abſcheuliche Werke; man forſchet nach Wolredenheit/ und erlernet Vbelthun. Gewißlich/ es kan keine wahre Freude und beſtaͤndiges Be= luſten ohne die Tugend und ein gutes Gewiſſen ſeyn: in dieſem iſt die hoͤchſte Lieb= lichkeit/ und das volkommlichſte Genuͤgen allein zu befinden.

25. J. Ach/ daß dieſe Lehre in aller Jungfrauen und Juͤnglinge Hertzen mit guldenen Buchſtaben geſchrieben were! Es beliebe dem Herrn nach dieſem Ab= wege wiederuͤm zu dem angefangenen Waldgedichte zu ſchreiten.

26. V. Das Sinnbild zu dieſem Chor ſoll ſeyn ein groſſer Rauch von einem kleinen Feuer/ mit der Obſchrifte:

Herrn Hunſt. CLXII.
1. Reymund. CLXII.
Der dritten Handlunge Erſter Aufzug. Truͤgewalt/ Kuͤnſteling/ Reichimuht/ Chrelob. Truͤgew. ISt ſie ſo bald wendig worden? Kuͤnſtel. Ich hab alles ſelbſt gehoͤrt. Vnd geſehen bey der Hecken: Glaubet jhr nicht meinen Worten? Ehrel. Hat ſie ſich dann nicht gewehrt? Kuͤnſtel. Ihre Staͤrk wolt nichts erklecken. CLXII. Truͤgew. Harret ſie wir ds bald vergeſſen. Reichim. Wann ſie Sinnigund nicht haͤlt. Ehrel. Iſt ſie dann darbey geſtanden? Kuͤnſtel. Sie durfft ſich keins Worts vermeſſen. Ach ſie wurde bald verſchellt/ Daß ſie nam die Flucht mit Schanden. Truͤgew. Laſt uns unſer Heil verſuchen. Ehrel. Alle Hoffnung iſt nicht aus. Kuͤnſtel. Man muß neue Fallen bauen. Truͤgew. Folget mir zu jener Buchen. Reichim. Sol noch etwas werden d’raus. Truͤgew. Folgt ich will es euch vertrauen.

2. A. Weil dieſes gemeine Reden/ als iſt die Poetiſche Zierde beyſeits geſtzet worden/ und auf ein bloſſes Reimgeſpraͤch gerichtet. Es wird aber der AnſchlagCLXII. Truͤgewalts mit Fleiß verſchwiegen/ der Zuhoͤrer mehrer Verlangen zu erwe= cken.

3. V. Das Sinnbild geben dieſe Wort an die Hand

Man mus neue Fallen bauen.

Weilen aber vormals eine Mausfallen zu dergleichen Deutung gebraucht wor= den/ wollen wir dieſes Orts leere Fiſchreuſen vorſchlagen/ mit dem Worte:

Alle Hoffnung iſt nicht aus.

4. J. Zu verſtehen/ daß wann gleich nicht etliche Fiſche eine Reuſſen verbey ge= hen/ daß ſie ſich doch leichtlich in der anderen oder dritten fangen. Der Boͤſe als ein Tauſendkuͤnſtler ſtellet den Frommen auf allerley Weiſe nach.

5. D. Dieſe Reimen ſind der ungebundenen Rede gar gleich. Der erſte ſchlieſ= ſet mit dem vierten: der zweyte mit dem fuͤnfften/ der dritte mit dem ſechſten.

6. C. Darnach iſt auch die Muſic gerichtet.

CLXII.
7. R. Der dritten Handlunge Zweyter Aufzug. Seelewig ſitzt an den Fluß und ſingt.
I. SChnelleilende Wellen/ hellauffender Fluß harre nun in dieſer Auen; harre laß dich jetzt betauen mein’ haͤuffige Zehren voll Hertzens Verdruß/ will ich dir nun anvertrauen.
II. CLXII. Dann langeſt du nachmals ans prauſende Meer/ frag ob auch in ſeiner Tiefen ſolche Bitterkeit zu priefen/ Vnd ob es nicht weiche der Troͤpfelein Heer/ die von meinen Augen triefen.

8. A. Seelewig iſt von den Ermahnungen der Gwiſſulda und Hertzigild be= ſtuͤrtzet/ auch von dem Donnerwetter erſchrocken/ ſetzt ſich deßwegen aus groſſer Angſt an den Fluß: betruͤbend ſelben mit jhren Zehren/ wil mit Klagen die Wel= len zu rucke halten/ und vergleichet jhre unvergleichliche Hertzenswehe mit des Meers bitterem Saltzwaſſer.

9. V. Das Sinnbild ſol ſeyn eine fruchtbare Regenwolken mit dem Beywort:

Die von den Augen triefen.

10. J. Weil der Reuzehren Fruͤchte niemand gereuen.

CLXII.

11. R. Seelewig faͤhret fort zu fingen:

III. Die ruhtgen Naͤchte beruhen mich nicht/ dann ich keinen Schlaf erwerbe/ und in Jammer=aͤngſten ſterbe: Der froͤlichen Sonne hellſcheinendes Liecht trauret/ daß ich ſo verderbe.
IV. Nun weile nicht ferners betruͤbeter Fluß: meine Klag dein’ Eil verwehret/ und von deinem Laufe kehret. So rauſche/ ſo laufe mit ſtaͤrkerem Guß/ weil mein Zehren dich vermehret!

12. D. Dieſe Zuſaͤmmenſetzung der dactyliſchen und trochaiſchen Reimen ha=CLXII. ben auſſer den Liederen ſchlechte Art/ und iſt vieleicht aus dem abgeſehen/ was Saint Amant f. 127. uͤber den Tod ſeiner Sylvie geſchrieben hat. Es iſt aber ſolche Nachfolg dem Herrn nicht zu verſprechen/ dann man liſet deswegen andere Buͤ= cher/ daß man aus ſelben etwas erlernen und zu Nutz bringen wil.

13. C. Es iſt ſonderlich in der Muſic und Reimen beobachtet/ daß in den letz= ten Saͤtzen die Vnruhe und Eil mit den dactyliſchen Reimen bemerket wer= den.

14. R. Der dritten Handlunge Dritter Aufzug. Seelewig ſitzet an dem Fluſſe/ Sinnigunda ſinget in herbey= gehen dieſe Klingreimen uͤber das Geſang einer Nach= tigale.CLXII. Hoͤr doch wie kuͤnſtlich bunt!DIe ſchwanke Nachtigall/ ſo Fluͤgelſchnell ſich ſchwingt/ uͤmfuͤhrend Wolken an/ jhr langverlangtes Klagen/ Vnd gleich eim Todenlied’ jhr Ach und Wehmuht ſingt; bald ſchlurffend Kehlen ein jhr Seufftzen/ Angſt und Wie der Trompeten Schall mit Pracht und Macht erklingt/ (Zagen: ſo pfleget jhr Getoͤn mit gleichem Ruf zu ſchlagen: Bald wie das Waͤſſerlein den ſchroffen Kies durch dringt/ ſo ſauſſelt jhr Geſang/ voll Freuden und Behagen! Hoͤr doch wie kuͤnſtlich bunt jhr Meiſterſtimm ſich wind/ faſt jedes Tons Gebaͤnd in jhrem Ton ſich find/ wann ſie die Luft durchſtreicht mit einem leichten Fluͤgel! Erlerne daß das Gluͤck uns weinen machen kan/ und bald in einem Blick uns lachet wieder an/ Wann wir dem Vnholdmuht nicht hangen lange Zuͤgel.

15. A. Wer der Nachtigall Geſang recht betrachtet/ wird dieſe GleichniſſenCLXII. nicht ungereimt befinden. Es iſt aber die Nachtigall genennt ſchwank/ weil ſie ſich (wie folget) mit einem leichten Fluͤgel ſchwinget: ſie ſchlaͤgt mit gleichem Ruf/ es ſauſſelt jhr Getoͤn/ in welchem alle Gebaͤnde oder Reimarten begriffen/ u. d g.

16. V. Solchergeſtalt ſchickt ſich die Nachtigall in ein Sinnbild/ als welcher Geſang bald traurig bald froͤlich erklinget/ mit dem Wort:

Hoͤr doch wie kuͤnſtlich bunt.

17. J. Die Lehre iſt/ daß man das wankelbare Weltweſen recht erkennen ſol.

18. D. Dieſes hat vieleicht der Herr aus dem Lateiniſchen Poeten abgeſehen/ welcher von der Nachtigall faſt dergleichen ſingt:

— — lenta trahens veluti ſuſpiria fleret,Sarbievi e- picithari- ſma f. 234.ſorberet fractas garrula mox lacrymas:Deinde ſepulchrales ſingultit Præfica leſſos, &c. CLXII.

hier laut es:

Vnd gleich eim Tod enlied ihr Ach/ und Wehmuht ſingt/ bald ſchlurffend Kehlen ein ihr Seufftzen/ Angſt und Klagen.

Dieſes aber iſt noch beſſer ausgedruckt:

— — ſuſurrantum ſonitus imitatur aquarum,Mox velut æratâ prævocat arma tubâ.

Hier iſts mit guten Vrſachen verſetzet/

Wie der Trompeten Schall mit Pracht und Macht erklingt/ ſo pfleget jhr Getoͤn mit gleichem Ruf zu ſchlagen. Bald wie das Waͤſſerlein den ſchroffen Kies’ durchdringt/ ſo ſauſſelt jhr Geſang — — — —

19. C. Dieſes alles erhebet die Muſic noch viel kuͤnſtlicher/ in dem das To= denlied den Ton fuͤhret: Wann mein Stuͤndlein verhanden iſt/ und der Trom= peten Schall ſo wol als das Liſpelen des Waſſers auf das Erſinnlichſte mit einge= bracht worden.

20. R. Hier auf faͤhret Sinnigund fort mit froͤlichen Verßlein Seelewig auf=CLXII. zumunteren.

Sinnigund. Seelewig haſſe das Klagen und Zagen/ unſerer Muͤtterlein ſorgliches Plagen/ Es mindert und hindert den froͤlichen Muht: verachte die fluͤchtig’ und nichtige Huht/ welche ſie ſchnurriſch und murriſch gegronet/ biſſig’ und hitziges Kuͤfens gewohnet.
Seelewig. Wann dein erfreulichs Wort moͤcht lindren meine Schmertzen und alles Trauren Weh’ abwenden von dem Hertzen/ CLXII. ſo wolt’ ich ohn verzug ergreiffen deinen Raht/ und gleichſam gantz erneut mich freuen in der That.
Sinnigund. Frage die Baumen/ befrage die Waͤlder/ frage die blumichten Auen und Felder/ ob dunicht ſchoͤner ſeiſt/ wenn du viel lachſt/ oder mit Weinen nur ſeufftzeſt und achſt! Frage nur/ frage die Tochter der Luffte/ droͤnend und toͤnend in naͤheſter Kluffte!

21. A. Dieſer Klingreimen ſondere Zierde beſtehet in der Wortgleichung/ Parano- maſia. als da iſt Klagen und Zagen/ hindert und mindert/ fluͤchtig und nichtig/ ſchnur= riſch und murriſch/ u. d. g

22. V. Weil dieſes kein neuer Aufzug/ ſondern des vorigen Inhaltes Fortſe= tzung; als iſt kein ab ſonderliches Sinnbildes von thun.

23. J. Die Lehre iſt/ daß ein freundliches Wort das Trauren zu legen vermag/CLXII. wie das Waſſer das Feuer leſchet.

24. D. In den Reimen iſt wieder wol beobachtet/ daß die Datelverſe zur froͤli= chen Aufmunterung/ die jambiſchen zur traurigen Entſchuldigung gebrauchet werden.

25. C. Diefes alles beſeelet gleicher geſtalt das froͤliche und traurende Geſang.

26. R. Der dritten Handlunge Vierter Aufzug. Seelewig/ Truͤgewalt verſtellet in den Wiederhall. Sinnigund. CLXII. Seelew. Echo. E H E WEr kan dann troͤſten mich? Truͤgew. Echo. ich. Seelew. Wer hoͤret was ich klag? Truͤgew. Ech. ſag. Sinnig. Sihe dort aus jenem Ort Gibt der Echo Gegenwort. Seelew. Ach/ die Freud’ iſt dahin? Truͤgew. Ech. hin? Seelew. Wer macht ſie mir bewuſt? Truͤgew. Ech. Luſt. Sinnig. Luſt und Kurtzweil dir behag’/ als dann mindert deine Plag. Seelew. Was ziert uns in der Welt? CLXII. Truͤgew. Ech. Geld. Seelew. Solt ich noch wuͤnſchen mehr? Truͤgew. Ech. Ehr. Sinnig. Wann ein Schaͤfer dich verehrt/ Dann iſt auch dein Gut vermehrt. Seelew. Was bringet mir dann Gunſt? Truͤgew. Ech. Kunſt. Was maͤſſigt groſſes Leid? Truͤgew. Ech. Freud. Sinnig. Wem ſoll ſie dann folgen hier? Truͤgew. Ech. dir. Seelew. Raͤhteſt du uns aber guts? Truͤgew. Ech. Nutz. CLXII. Seelew. Was fuͤr Kurtzweil ſchicket ſich? Sinnig. Jene Schaͤfer ſuchen dich.

27. A. Der boͤſe Feind ſindet ſich um die Traurigen/ und obwol ſeine Stim= me uns angenehm ſcheinet/ und unſeren Sinnen gemaͤß; ſo fuͤhret und leitet ſie doch auf den vorigen Suͤndenwege.

28. V. Das Sinnbild iſt ein altes Schloß/ zu welchem einer ſchreiet/ Ehe/ CLXVI.und der Gegenſchall der Stimme eben dieſes Wort wieder ſchicket ehE Anzu= deuten/ daß die ſicherſte Geſelſchaft und vollkommlichſte Freundſchaft ſey der Eheſt and. Wolte man aber noch was beyſchreiben/ koͤnten es dieſe Wort ſeyn:

Vermindert Sorg und Klag.

29. D. Ich weiß mich ſonſten keines hieher ſchicklichen Wortes in unſerer Sprache zu erinneren/ welches man hinter ſich und fuͤrſich leſen kan. Sprach= kunſt. am 205. Bl.

30. J. Die Lehre iſt dieſe/ daß/ ob uns gleich das Gewiſſen/ vermittelſt des Verſtandes/ von den eitelen Weledingen wendig machet/ wir uns doch leichtlich von dem boͤſen Feinde und unſeren Sinnen wieder auf das Eiß fuͤhren laſſen/ die guten Vermahnungen aus den Augen ſetzen/ und in dem alten Trabe ſortzuge=CLXII. hen pflegen.

31. D. Der Wiederhall iſt einſylbig/ und vieleicht natuͤrlicher/ als vorgeſetz= ter: Geſtalt der Echo alle Sylben eines jeden Worts wiederholet/ deren die letz= te die allervernehmlichſte iſt.

32. C. Dieſes iſt durch die Muſic beſſer zu verſtehen/ wann noch eine andere Stimme/ in gleichem Ton die letzere Sylben wiederholet: und iſt wol zu verant= worten/ daß Truͤgewalt/ der ſonſten tief ſinget/ hier als ein Tauſendkuͤnſtler in hoher Stimme antwortet.

33. R. Der dritten Handlunge Fuͤnfſter Aufzug. Kuͤnſteling/ Reichimuht/ Eherelob/ Seelewig/ Sinnigund. CLXII. Kuͤnſteling redet gegen die Schaͤfer im herausgehen.Ich trette ſoͤrne her.Hoͤrt was uns Truͤgewalt befohlen in den Sachen/ das ſetz’ ich in das Werk’/ ich kans am beſten machen/ und leiſten was er wil. Nun trett’ ich forne her/ jhr beide folget mir/ iſt ſein und mein begehr.

34. A. Weil der entſchloſſene und abgetroſchene Betrug Beredſamkeit erfor= dert/ iſt Kuͤnſteling billich darzu gebrauchet worden/ wilcher dieſes Orts den Mißbrauch der Kuͤnſte und der Wiſſenſchaften bedeutet.

Sinnigund. Mit dieſer Schaͤferzunft laß uns die Zeit verkuͤrtzen/ und in die weite Luft die Sorgen=Plage ſtuͤrtzen.
Kuͤnſteling. Ihr Nymfen laſſet euch belieben mit der Kuͤhl’ in dieſer Morgenſtund ein freyes Schaͤfers Spiel.

35. V. Das Sinnbild dieſes Aufzugs ſol ſeyn der blinde Cupido/ welcher ſichCLXII. laͤſt von einem Hund leiten und fuͤhren/ zu verſtehen/ daß wir blinder Weiſe oft= mals unſeren viehiſchen Luſtbeginnen folgen/ mit der Schrift:

Ich trette forne her.
36. R. Sinnigund. Wir beide ſpielen mit/ doch aber daß fuͤr allen uns zieme ſolcher Luſt/ ſonſt mags uns nicht gefallen.

37. J. Die Lehre iſt daß man ſich auch mit dem Schein der Erbarkeit und der Keuſchheit in groſſe Gefahr fuͤhren laͤſſet.

38. R. Kuͤnſteling. Wir wiſſen die Gebuͤhr. Das Spiel das ich bedacht heiſt man die blinde Lieb’/ uns Hirten oft behagt/ Man zehlt anfangs heruͤm und pfleget zu verbinden den/ ſo die Zahle trifft: dann muß daſſelbe finden CLXII. ein anders an die ſtaͤtt/ zu ſeyn die blinde Lieb’ und alſo nach und nach erfolgt des Spieles trieb.

39. D. Nun erhellet/ wiewol ſich hier zu des Herrn Veſpaſians Sinnbild ſchi= cket. Dieſes Spiel heiſt man ſonſten/ der blinden Maus/ oder der blinden Kuhe; iſt aber hier nachſinnig die blinde Liebe genennet/ weil wir blinde Menſchen in dieſer Welt mit unerſaͤttlichen Begierden fuͤr ſchoͤn lieben/ das in der Warheit Rom. 8/ 18.nicht werth iſt der Herrlichkeit/ die an uns ſol offenbar werden.

40. R. Sinnigund.Verſuchen ſchadet nicht — — — —
Seelewig. — — — — — beginn dann an zu zehlen/
Kuͤnſteling. Es ſol das ſiebende den erſten Blindfang wehlen. Nun fang ich von mir an: zwey/ drey/ vier/ fuͤnf/ ſechs/ ſieben/ Es laß jhr Seelewig erſtmals zu fangen lieben.
Sinnigund. CLXII. verbindet Seelewig die Augen. Hier iſt das zarte Band/ das dein Geſicht verblend/ biß du durch ſolchen Lauf ein anders haſt errennt.

41. C. Der Perſonen ſind fuͤnf; weil nun Kuͤnſteling befoͤrchtet/ er moͤchte von Gwiſſulda und Hertzigild verſtoͤret werden/ als fanget er von ſich an zu zeh= len/ da es dann nicht fehlen kan: in der Vmzehlung wird er der ſechſte/ und See= lewig die ſiebende.

42. V. Wir weren elende Menſchen/ wann wir nicht ſo wol Mittel haͤtten das Vnſichtbare/ als das Sichtbare zu erkundigen. Das Ohr iſt uns erthei= let uͤm zu hoͤren/ das Aug zu ſehen/ der Mund zu priefen: Wie ſolte aber unſer Verſtand nur faͤhig ſeyn das zu faſſen/ was durch die euſſerlichen Sinne erforſchet werden mag? Wer in dieſem Wahn ſtehet/ hat die Kraͤffte emſiger Betrachtung noch nicht erlernet.

CLXIII.
1. Reymund. CLXIII.
Der dritten Handlunge Sechſter Aufzug.

Truͤgewalt hinter einer Hecken verborgen/ Gwiſſulda ſitzt unter ei= nem anderen Baumen/ und ligt Hertzigild in jhrer Schoß. In dem nun Seelewig vermeinet/ ſie lauffe den Hirten nach/ laͤſt ſich Truͤgewalt gerne von ihr fangen: In dem laufft Hertzigild und Gwiſſulda herzu/ reiſſen der Seelewig das Band vom Geſicht/ uud verjagen Truͤgewalt und die Hirten.

CLXIII. Bmſtrale men Be= ginnn Salix Sym- bolum Pœ- nitent. Pier. l. 10. ex Pſal. 137. Die Hirten entlauffen mit Truͤge= walt.
Gwiſſulda. BEſchau was du verblend und faſt erblind erlauffeſt! Du Truͤg=und Luͤgengeiſt entweich aus ihrem Arm/ Der du fuͤr falſche Freud das wahre Leid verkauffeſt/ entweich mit deiner Rott/ mit deinem ſchmeichel Schwarm.
Hertzigild. Vnd weil du Sinnigund die Seelewig verblendet/ Sinnigund faͤllt auf die Erden. ſo fall lebendig=tod zu ihren Fuͤſſen hier/ entnommen aller Kraft die nun in Spott verwendet. Du aber Seelewig folg uns nun fuͤr und fuͤr.
Gwiſſulda. CLXIII. Dank/ lob und ſinge Gott/ daß er dich nicht verlaſſen in ſolcher Faͤhrlichkeit! dein hat ſo oft begehrt/ der dieſe wilde Welt beherrſchet ohne maſſen/ und dich durch Lieb’ und Lob verſuchet und gefaͤhrt.
Hertzigild. Wie nun das eitle Thun aus deinen Augen weichet/ ſo ſcheint in deim Gemuͤht das ewig Seelenwort/ das Gotes Gnadenhand zu dir vom Himmel neiget/ Erheb nun ſeine Guͤt mit loben fort und fort! CLXIII.
Seelewig. CLXIII. fuͤllet auf jh= re Knie. I. ACh ſtarker Wunder Gott/ der du durch manche Noht mich gnaͤdiglich gefuͤhret! Es iſt kein Vngeluͤck/ kein Aug=und Hertzensblick/ da ich mich recht regieret. II. Der guldnen Sonnen Liecht Gefluͤgel mir gebricht mich Himmelan zu ſchwingen; dann nunmehr mich betruͤbt/ was ich zuvor veruͤbt/ in jrr=jrdiſchen Dingen. CLXIII. III. Dein immer Guͤtigkeit/ die Morgen ſtets erneut/ umſtrale mein Beginnen! Ach Herr ich nehm mich mir und gib mich gaͤntzlich dir/ Ach laß mich dir gewinnen. IV. Es ſol zu aller Stund’/ in meinem Hertz und Mund’/ hinfort dein Lob erſchallen/ biß ich zu rechter Zeit/ durch die Vergaͤnglichkeit/ werd in dein Reich hin wallen.

2. A. Die Seele wird allhier als ein bußfertige Suͤnderin eingefuͤhret/ welchet Verſtand theils aus dem Goͤttlichen Wort/ theils aus Antrieb den innerlichenCLXIII. Regungen des Gewiſſens/ von dem Weltlichen ab=und zu dem Goͤttlichen ange= fuͤhret worden.

3. V. Deswegen ſetze ich zum Sinnbilde einen Pyramidem oder Flammſeu= len/ uͤber welcher die liebe Sonne ſchwebet/ mit dem Beyworte:

umſtrale mein Beginnen.

Dieſer Deutung/ daß wann unſere Hertzen mit bruͤnſtigem Gebet uͤberſich ſtei= gen/ wie die Flamm/ deren Geſtalt die Seule bildet/ daß alsdann die Schat= ten irdiſcher Vergaͤnglichkeit/ (deren Anfangs von Ehrelob und Reichimuht Meldung beſchehen/) nirgend befindlich/ ſonderen die Sonne der Gerechtigkeit/ uͤber einer ſolchen Seele/ mit bruͤnſtigen Gnaden ſchwebe und ſelbe erleuchte.

4. J. Die Lehre iſt/ daß gleichwie der Fiſch im Waſſer/ der Vogel im Lufte/ die Thiere auf der Erden ruhen/ alſo finde die Seele einig und allein ihre wahre Ruhe in Gott dem Allmaͤchtigen: wann nemlich ein Menſch das Zeitliche verachtet/ CLXIII.die Sinne der Welt gleichſam abgeſtorben/ und durch Anfuͤhrung des Goͤttlichen Wortes/ nach der himmliſchen Wiſſenſchaft/ nach dem Reichthum der Auſſerwehlten/ und nach der Ehre der Engliſchen Heerſchaaren euſſerſten Vermoͤgens ringet und trachtet:

5. D. Die Vermahnunge Gwiſſulda und Hertzigild ſind jambiſche geſchrenk= te Reimen/ das Gebet aber Seelewig iſt eine Ode/ in gleichsfalls ſechs und ſie= benſylbigen Jambis beſtehend. Man moͤchte aber hier erinneren/ daß in den jambiſchen Reimen die dactyliſchen Woͤrter/ Sinnigund/ Seelewig/ Faͤhrlich= keit u. d. g. nicht zu gebrauchen: weilen aber die Lateiner zweierley Jambos haben/ reine und unreine/ kan es noch der Zeit gedultet werden.

6. C. Weil hier nichts froͤliches/ ſondern eine innere Hertzens=Bewegung vorgeſtellet wird/ ſo iſt die Muſic auch ſehr beweglich darzu erkieſet worden.

7. R. Chor der Engel. CLXIII. NVn jauchtzet ihr Heilige/ toͤnet und ſinget! Die himm= liſche Guͤte. Nun lobet den Hoͤchſten Dankopfer’ ihm bringet/ welcher die buͤſenden Seelen erloͤſt und hertziglich troͤſt. So ferne der Morgen vom Abend entſtehet/ Sein’himmliſche Guͤte die Frommen umfaͤhet: von reuhigen Zehren er ſchenket uns ein der Engelein Wein. Mit heillgem Hertzen/ und heiligem Willen/ viel werden die Engliſchen Schaaren erfuͤllen: Ihr Heiligen jauchtzet/ weil ewige Freud den Frommen gedeyt! CLXIII. Bernhard. ſup. Cantic.

8. A. Dieweil die H. Altvaͤtter die Zehren der bußfehrigen Suͤnder der En= gelwein benennet/ iſt allhier darauf abgeſehen: ſonderlich aber auf die Wort un= ſeres Seligmachers/ wann er ſagt/ daß groſſe Freude ſeyn wird bey den Enge= len uͤber einen Suͤnder der Buſſe thut.

9. V. Meines Bedunkens iſt nichts fuͤglichers/ zu dieſes Chores Sinnbild als der Regenbogen/ das wahre Zeichen Goͤttlicher Barmhertzigkeit; ſo nach ausgeſtandener Hitze und Regen/ auf den Abend unſerer Jahre pfleget zu er= ſcheinen/ mit dem Worte:

Sein’ himmliſche Guͤte die Frommen umfaͤhet.

10. J. Nach ſolcher Engelsfreude ſollen alle fromme Chriſten ein ſehnliches Verlangen tragen/ als welche alle Weltfreud weit weit uͤbertrifft. Das Ewige hat kein Aug jemals erſehen/ kein Ohr vernemen/ und kein Menſchen=Sinn ſatt= B. Herbert de Veritat. Quæ in in- finito diſtantiæ, quæ tranſcendentiæ? cujus momentum ex eo æſtimabis, quod nullo impleatur aut depleatur numero: Ideoq; nec abjectione augetur neq; ſub ductione minuitur: ſed modo abit in ſuam naturam, modo redit in infinitum. f. 240.ſam durchdenken moͤgen: Deſſen Anfang ohne Ende/ deſſen Ende ohne Anfang/ deſſen Zahl ohne Zahl/ deſſen Zeit ohne Zeit nicht vermehret noch vermindert/ nicht verlaͤngert noch gekuͤrtzet/ nicht verzoͤgert noch unterbrochen werden kan

CLXIV.

11. D. Die Reimen ſind dactyliſch auf die Safiſche Art/ mit einem fuͤnfſylbi= gen Reimzeilein geſchloſſen.

12. C. Die Muſic zu dieſem Chor gleichet einem Reyendantz: kan aber auch wie ein Echo geſetzet werden/ und die letzten fuͤnf Sylben zur Gegenſtimme ha= ben.

Reymund.

IN dieſem Waldgedichte hat die Singkunſt den Anfang gemachet/ nun ſol die Mahlerey ſchlieſſen. Die Italiaͤner fuͤhren vielmals zu Vorredneren auf den Schauplatz Fluͤſſe/ Staͤtte/ Berge/ den Frie= den/ die Zeit/ das Gluͤck/ Menſchliche Schwachheit la Donna Conſtante Iapeta l’ o- pera Thea- tral. del Montever- de./ u. d. g. Wird alſo auch die Vorſtellung der Mahlkunſt von den Zuhoͤreren nicht uͤbel angeſehen werden/ wann ſie alſo ſinget:

CLXIV.
Iſt die Liebestreu nunmehr gantz erkaltet? CLXIV. Wil das Kunſtgeſang ohne mich aufprachten/ und das Reimgedicht meiner nicht mehr achten? Iſt das Schweſterband unter uns veraltet?

2. A. Daß die Mahlerey mit der Reim=und Singkunſte verſchweſtert ſeye/ wird niemand abredig ſeyn der ſelber wiſſend iſt. Sie beſtehen alle drey in eben= maͤſſiger Bildungskraͤffte/ und ſonderlichen Erfindungen/ die dem Verſtand durch das Gehoͤre und das Geſichte vorgeſtellet werden: Dahin zielen die Wort/ Liebestreue/ Schweſterband/ Kunſtgeſang/ Reimgedicht. Weil aber die Hand= lungen der aufgefuͤhrten Perſonen gleichſam ein lebendiges Gemaͤhld/ wil ſich die Mahlkunſt hier beklagen/ als ob jhre Schweſteren dieſes Ortes ihrer vergeſſen haͤtten.

3. R. Nun endert ſie die Meinung/ ferners ſingend:

CLXIV. Nein/ der Eiferneid meinen Sinn beruket/ Wie das Bluͤmelein mein Gewant beſchoͤnet/ und der bunte Krantz meine Haare kroͤnet; So hat Mahlerwerk dieſen Platz umſchmucket.

4. V. Es wird die Mahlerey gebildet/ wie ſie aufziehen ſolte/ wann dieſes Wald= gedicht wirklich vorgeſtellet wuͤrde: nemlich in geblumter fliegender Bekleidung/ mit einem Blumenkrantz auf dem Haubte/ weil von den Blumen die zaͤrteſten Farben bereitet werden/ in der linken Hand tragend die Pinſel und Polleten/ in der rechten einen Maasſtab/ auf dergleichen die Mahler ins gemein/ wegen meh= rer Gewißheit/ die Hand zu ſteuren pflegen. Weil aber vorbeſagte drey verbun= dene Kuͤnſte in richtiger Ebenmaaſſe proporti- one. hafften/ kan das Sinnbild ſeyn ein Cir= kel mit dreyen Spitzen/ auf einem Papyr ſtehend/ wie man ſonſten zu dem Feld= meſſen gebrauchet/ mit der Obſchrift:

umſchmucket dieſen Platz.

5. R.

Oede Stattgebaͤu/ brochne Marmolzimmer/ CLXIV. Venus/ Hercules/ Menſchen=Goͤtter Seulen/ halb verfallene Grufften/ Neſt der Eulen/ alte moͤſige Siegesboͤgen Druͤmmer.

6. J. Hier wird beſchrieben/ was auf dem Schauplatz gemahlet zu erſehen.

☞ Das Kupfer.

7. R.

Was die haſtige Zeiten koͤnnen faͤllen/ mag ſo meiſterlich meine Hand erretten/ durch den Maaſſeſtab/ Pinſel und Polleten/ und behaglich ſchoͤn hier vor Augen ſtellen.

8 C. Wie die Reimkunſt die Beſchaffenheit langſt vergangener Haͤndel handhabt/ alſo ſtellet die Mahlkunſt vor Augen die unterſchiedliche Geſtalten/ der verfallenen Gebaͤue/ Seulen/ Bilder/ u. d. g.

CLXIV.

9. R.

Welches Kunſtgewerb kan mit uns ſich gleichen/ Berge/ felſichte Huͤgel/ Thaͤler/ Waͤlder/ Fluͤſſe/ Meeresfurt’/ Vfer’/ Auen/ Felder/ In dem Augenblick’ unſrem Aufzug weichen.

10. D. Es iſt in dieſen Worten auf die Auszierung des Schauplatzes geſehen/ welche bey Auftrettung der Mahlerey verwechſelt worden/ wie erſtgedacht.

11. R. Nun folgt der Schluß an die Zuhoͤrer:

Hat das liebliche Sing=und Reimgebaͤnde meiner Schweſteren Kunſtprob/ euch gefallen/ ſo laß Seelewig Lobgeſchrey erſchallen/ ſagt uns gute Nacht/ ſchlaget in die Haͤnde!

Wie nemlich bey den Alten Valete & plaudite. und noch zu Tag bey den Welſchen Freudenſpie= len gebraͤuchlich iſt/ daß die Zuhoͤrer jhr Wolgefallen mit lauter Stimme und Handklappen bezeugen. Es muß aber hier bey noch von den Reim= und Singarten dieſes Gedichtes erinneret werden/ daß dieſe letzere Reimen eilfſylbig/ undCLXIV. dem Gebaͤnde nach dem Lateiniſchen/ dem Wortlaut nach dem Teutſchen Reim= weiſe nachahmen. Ich ſtehe in dem Wahn/ man koͤnne ſolchergeſtalt den Griechi= ſchen/ Lateiniſchen und aller anderen Sprachen Reimmaaſſe oder Versarten im Teutfchen nachkommen; jedoch einer fuͤglicher als in der anderen.

12. D. Ja wan ̅ wir ſicherlich wiſſen koͤnten/ welche Sylben lang oder kurtz iſt.

13. R. Dieſe Gewieſheit iſt bald zu verhoffen/ Von dem Suchende ̅ . die Stammwoͤrter auf a i u endende ſind ins gemein lang/ die anderen auf e und o ſind zum theil auch kurtz/ auſſer etlichen einſylbigen Vornen ̅ woͤrtlein: wan ̅ aber eine Vorſylben præfixu ̅ . oder auch eine Nachſylben ſuffixum. beygeſetzet/ daß das Wort zweyſylbig wird/ ſo bleibt der Stam ̅ lang/ die angehangte Sylbenkurtz; als zum Beyſpiele: Lieb/ ama. iſt das Stamm= wort/ beliebt iſt kurtzlang oder jambiſch: lieben/ langkurtz oder trochaiſch. Iſt alſo die Teutſche Mundart richtig/ daß alle zweyſylbige Woͤrter eine Sylben er= hoͤhen/ und die andere ſinken laſſen. Wie hiervon ausfuͤhrlich zu handelen zu CLXIV.lang ſeyn wuͤrde. Bey der Muſic iſt zu merken/ daß bey jedem Aufzug eine An. oder Gleichſtimmung Sympho- nia. zu hoͤren/ als den Nymfen moͤgen Geigen/ Lauten und Floͤten/ den Schaͤferen Schalmeyen/ Zwerchpfeiffen/ Flageolet/ dem Truͤge= walt ein groſſes Horn zugeeignet werden. Es iſt aber durch ſolche Symfoni= en die Muſic dergeſtalt fortzuſetzen/ daß auch in waͤrender Verwechſelung des Schauplatzes/ wann die Fuͤrhaͤnge vorgezogen/ ſtetig etwas zu hoͤren iſt. Zu dieſem Waldgedichte werden ferners erfordert ſieben Perſonen/ die zu ſolcher Be= muͤhung ſelbſteigene Beliebnng tragen/ deren ein jeder ſeine Stimme vernemlich ſinge/ alle Woͤrter auswendig lerne/ derſelben Verſtand ihnen wol einbilde/ mit ſonderer Hertzensbewegung/ bald ſanftmuͤhtig/ bald froͤlich/ nach Bege= benheit/ die Stimme ſinken laſſe und wiederuͤm erhebe/ wie ſie dann ſo genau nicht an die Menſur oder das Tohnmaaß gebunden; und ſolches alles/ ſo wenig als die zierliche und anmuhtige Geberden/ fuͤr zuſchreiben. Sie ſollen aber alſo ausgekleidet ſeyn.

Seelewig in gantz weiſen Taffet/ die Reinigkeit zu bemerken/ in welcher ſie hier eingefuͤhret wird/ jedoch daß ſie mehr Neigung zum Boͤſen als Guten traͤget.

14. J. Hertzigild/ welche den Verſtand bedeutet/ kan in Spaniſch Leibfar=CLXIV. ben Atlaß bekleidet ſeyn/ die hohe Wuͤrdigkeit deſſelben zu bemerken.

15. V. Sinnigunda Kleidung mag man von allerley Farben auf das buntſte geblumet angeben/ darunter die wandelbare Nichtigkeit der Sinnen verſtehend.

16. A. Gwiſſulda kan in Veielbraunen Sammet aufziehen/ weil ſie alhier als eine erbare Matron eingefuͤhret wird

17. R. Kuͤnſteling wie ein Jaͤger ausgeruͤſtet.

18. C. Ehrelob ſol wie ein Vogler oder Fiſcher ausgeruͤſtet ſey/ weil er den An= gel uͤbergibt/ und der Ehrgeitz mit ſo betruͤglicher Arbeit ſich wol vergleichen laͤſt.

19. D. So iſt dann Reichimuht allein ein Schaͤfer/ der eine ſo wucherende und Gewin ̅ ſuͤchtige Nahrung hat: obgleich die anderen beide dieſes Ortes auch fuͤr Schaͤfer koͤnnen gehalten werden.

20. J. Weil dem muͤſſigen Schaͤfervoͤlklein ins gemein dergleichen Liebshaͤn= delein zugeſchrieben werden; wiewol ſo liebliches Geſang/ und ſo hoͤfliche Reden bey den rechten Schaͤferen ſchwerlich anzutreffen.

CLXIV.

21. V. Es ſolte auch ein ſchlechter Luſt ſeyn ihren groben Poſſen zuzuhoͤren. In ſolchen Schauſpielen wird von den Schaͤferen entlehnet/ was bey dem Feld= leben am aunemlichſten iſt/ und unter ihren Namen oft tapfere Helden eingefuͤh= ret/ an welchen nichts Baͤuriſches als ſolcher Schaͤfertitel zu befinden.Les Eclo- gue du Ron fard.

22. A. Wie ſolten ſie aber bekleidet ſeyn?

23. R. Nicht viel ſchlechter als die Nymfen: Kuͤnſteling gruͤn/ Ehrelob purpurfarb/ Reichimuht grau/ es ſey nun Taffet oder ein anderer ſeidener Zeuge. Wann Truͤgewalt mit einem paar Hoͤrneren/ und ſo gemachten Bo= ckesfuͤſſen auftretten koͤnte/ ſamt einem groſſen Jagthorn/ wuͤrde es ſich ſo viel beſſer ſchicken. Ferners wird zu wirklicher Vorſtellung dieſes Waldgedichtes erfordert ein oftverwechſlender Schauplatze/ der zum wenigſten mit allen Hand= lungen (inzwiſchen der Chor ſich ohne Erweiſung der Perſonen hoͤren laͤſſet/ und die Fuͤrhaͤnge zugezogen werden) veraͤnderet. Sein Grund kan ſeyn eine runde Scheiben/ in vier gleiche Theile abgeſonderet/ und perſpectiviſch oder nach der Sehkunſte ausgemahlet/ deren der erſte das Meer/ Fluͤſſe/ Felſen vorweiſet/ der andere Theil Berge/ Felder/ Auen/ der dritte Hoͤlen/ Wiſen/ Rangen/ u. d. g.CLXIV. der vierte allerley Bau=und Mahlwerke begreiffet. Dieſe Scheiben muß ſich umdrehen laſſen/ daß man faſt in einem Augenblicke einen anderen Theil herbrin= gen kan. Sonſten wird auch vonnoͤhten ſeyn ein Fernglaß/ ein Angel/ ein Koͤ= cher mit Pfeilen/ ein Bogen/ u. d. g. Welchergeſtalt Flamminio Scala bey ſei= nen Freudenſpielen/ die er dem Großhertzogen zu Florentz zugeſchrieben/ jedes Zugehoͤr gleichesfalles nachſetzet. Dieſes mag zu einer Anfangsprob der Muſicaliſchen Freudenſpiele genug ſeyn/ und kan man dergleichen von allen Chriſtlichen Tugenden nach und nach erſinnen und auf den Schauplatz brin= gen; der ungezweiffelten Hoffnung/ daß die Gemuͤhter dardurch maͤchtig= lich beweget und zur Gottesfurcht aufgemundert wer= den ſollen.

Anmerkung. Die Muſic iſt zu Ende dieſes Werkleins angefuͤget. CLXV. Sub Æni- gmate.
Veſpaſian.

BEkant iſt/ daß vor Zeiten etliche Mahler uͤm das Meiſterſtucke ge= kuͤnſtelet: deren der erſte genant Zevxis/ etliche Weintrauben ſo na= tuͤrlich auf den Schauplatz geliefferet/ daß die Voͤgel ſich darbey ge= ſunden/ und darvon genieſen wollen; Der andere/ Parrhaſius benamſt/ mahlete einen Fuͤrhang/ ſo weſentlich/ daß ſein Gegner ſelbſten die Hand gezucket/ das/ hinter demſelben vermeinte Gemaͤlde zu eroͤffnen. Solche Begebenheit ſchickt ſich nicht unfuͤglich auf die gemeine Mahlerey/ und die Klugmuͤhtige Erfindung der Sinnbilder. Were die Natur neidſuͤchtig wie die Menſchen/ ſo haͤtte ſie trie= CLXXII.fende Vrſachen mit der Kunſt zu eiferen/ als welche ihre Werke mit verwunder= licher Nachfolge faſt zu ſchimfen beginnet/ und ſo gar die Spottvoͤgel derſelben truͤglich bethoͤret und zu Schanden machet: Aber nein/ die Natur und Chur die= ſer Kunſt ſcheinen miteinander vermaͤhlet: ſie bezeugen gleichwirkende Liebe/ in dem ſie ſo ſchoͤne Nachkoͤmmlinge erzeigen. Aber wie? Iſt dieſe Gemaͤhlin (die Mahlerey/) der Natur in aller Fuͤrtrefflichkeit gleich? Nein/ dann ob ſich auchCLXV. alles in hoͤchſter Volkomm enheit kraͤfftiglichſt vermoͤchte/ ſo wuͤrde ſie doch ihre Werke nicht beſeelen koͤnnen Dieſen Mangel zu erſetzen/ und ſo gar die Rede anzufuͤgen/ wollen wir gleichſam die unter einem Fuͤrhang verdeckte Sinnbil= der wieder herbeybringen. Das Geſicht/ und Gehoͤr/ ſind die edelen WerkzeugeEmblema deducit in- tellectuale ad ſenſibi- le: ſenſibile autem ſem- per fortius percutit memoria ̅ , atq; faciliꝰ imprimitur Verul. de aug. ſcient. l. 5. c. 5. f. 270 ☞ XVIII. unſeren Verſtand zu unterrichten/ und ſo viel maͤchtiger/ in dem ſie die Einbil= dung zugleich (deren Kraͤffte alle Sinne weit uͤbertrifft/) bemuͤhſigen/ und dar= durch dem Verſtande und Vrtheil untergeben. Dieſe meine Gedanken will ich durch ein Gleichniß ausfuͤndig machen: Die Sinnbildkunſt iſt wie ein Siegel= graber/ der das Bild oder Wapen und den Namen unſerer Einbildung fertiget; Der Verſtand iſt das zarte Wachs/ in welches das Gedaͤchtniß ſolches Siegel eindrucket. Beſagtes zu leiſten haben die klugen Itakiaͤner eine abſonderliche Sinnbildkunſt aufgeſetzet und mit gemeſſenen Satzungenbefeſtiget/ von welchen vormals Meldung geſchehen. Weilen es aber dazumal nur entwurfsweis be= handelt worden/ wollen wir jetzo ausfuͤhrlichen Bericht erſtatten/ wann ſolches anderſt der Geſelſchaft gefaͤllig iſt.

CLXV.

2. J. Des Herrn Vorrede von den Sinnbilderen verſtehe ich dahin/ daß das Abſehen in Verfaſſung ſolcher Kunſte ſey/ mit dem Gemaͤld das Geſicht/ mit deſſelben Obſchrift das Gehoͤr/ mit beiden aber die Ein=und Vorbildung/ (von denen in den Gedanken ſchwebenden Bildern alſo genennet/) den Verſtand und das Gedaͤchtnuͤs maͤchtiglich zu beherrſchen.

3. R. Ich habe die Zeit meines Lebens dieſe Kunſt ruͤhmen und loben hoͤren/ und mich beredet/ es ſey eine treffliche Schicklichkeit bey einem wolſtaͤndigen Sinnbild; es pflichten mir auch in dieſer Meinung viel Gelehrte bey/ welche in ih= ren Schriften ſich bemuͤhen/ ihre ſchoͤne Erfindungen vorzuweiſen.Primi ſæ- culi Societ. Iesu Imag.

4. A. Der gleichen hat H. Veſpaſian auch geleiſtet/ bey vorgeendem Wald= gedichte.

5. D. Weil aber die Kuͤnſtler der Sachen noch nicht verglichen/ iſt der Muͤ= he wol werth/ abſonderlich von jedem zu reden.

6. C. So iſt es noch keine Kunſt/ weil man wegen deroſelben Grundfeſte noch ſtrittig iſt/ ſondern ſol mit der Zeit erſt in richtige Verfaſſung geſetzet werden.

7. V. Es iſt eine Kunſt/ obgleich von ſelber unterſchiedliche Meinungen fal=CLXV. len: ja wenn auch darvon niemals kein Wort geſchrieben zu finden/ ſo were es doch unter die noch zur Zeit nicht hervorgebrachte Kuͤnſte zu rechnen: Gleicher= geſtalt aller natuͤrlichen Sachen natuͤrliche Vrſachen zu finden/ ob uns gleich ſelbe nicht bekant und wiſſend ſeyn. Daß aber unterſchiedliche Meinungen fal= len/ dienet ſonderlich zu Ausarbeitung und Nachgruͤndung ſolcher Kunſte; de= ren Geſetze nicht dahin angeſehen/ daß dardurch jemands beliebte Gedanken ſol= ten verbunden oder verwerfflich werden; ſondern zu behuͤlfflicher Nachricht de= rer/ welche in Erfindung der Sinnbilder dienliche Anweiſung vonnoͤhten haben.

8. J. Moͤgen dann alle und jede Sachen in Sinnbildern verfaſſet werden?

9. R. Alles/ was ſichtbarlich iſt/ unterfangt die Mahlerey vorzuſtellen; was aber unſichbarlich iſt/ kan mit der Sinnbildkunſt/ vermittelſt der Vmſchrift/ verſtanden werden.

10. A. Ja/ wann man ſagt/ zu was Ende dieſes und jenes erfunden worden/ ſo wird es zu verſtehen leicht ſeyn.

CLXV.

11. D. Wann man aber dergleichen Dolmetſcher nicht hat/ ſo kan ein jeder ihm ſelbſt eine Auslegung/ nach Bedunken/ dichten. Es iſt nicht zu laugnen daß ein Sinnbild leicht/ das andere ſchwer; eines gut und eingriffich/ das andere ſchlecht und einfaͤltig; eines auf eine gewieſe Sache/ das andere auf viel unter= ſchiedliche Haͤndele zu deuten. Die beſten aber ſind meines Bedunkens/ welche in dem Mittelſtande nicht allzuhoch/ nicht allzu nieder kommen; die wol verſtan= den werden koͤnnen/ aber nicht gleich einem jeden eroͤffnet darliegen; die einen † Petra San- cta in Sym. l. 2.Stachel in den Gedanken laſſen/ und (wie die Scythen in der Flucht zu ruckſchie= ſend vielmals uͤberwunden/) ihren kraͤfftigen Nachdruk/ nur denen/ ſo ihnen nachſinnen und nachſetzen/ erweiſen.

12. C. Warinnen beſtehen dann die Sinnbilder?

13. V. Meine Meinung iſt/ wie zu anderer Zeiten gedacht worden/ daß ein Sinnbild (nach dem nun ins gemein wol angenommenen Wort/) beſtehen ſol in einem oder mehr Bildern/ und etlich wenig Worten: dieſes ſol die Seele oder der lebende Geiſt/ jenes der Leib ſeyn.

14. J. Gleichwie der Menſch zwey weſentliche Theil hat/ die Seele und denCLXV. Leib/ deren eines ohne das andere in dieſer Sterblichkeit nicht beſtehen kan.

15. R. Dieſes iſt die Meinung Ruſcelli eines vortrefftichen Mitgliedes derl. 1. dell’ Im- preſe. p. 13. Introneten zu Siena. Ob es nun wol ein feines Anſehen hat/ ſo wird doch ſol= ches von Bargagli, aus beſagter Geſelſchaft/ widerſtritten/ und behaubtet/ daß die Schrift/ oder das Obwort in dem Sinnbilde/ nicht ſeye die Seele/ ſondern derſelben Wirkung und Sprache. Dann/ ſagt er/ gleichwie die Rede des Meu= ſchen nicht kan ſeine Seele genennet werden/ und die Schrift von der Rede nur beyfaͤlliger Weisacciden- taliter. unterſchieden wird: Alſo kan ich auch nicht ſagen/ daß bey= oder obgeſetzte Woͤrter das Bild beſeelen: Vielmehr iſt zu bejahen/ daß das Gleichniß/ aus dem ſolche Wort entſprieſen/ die wahre Seele des Sinnbildes ſey/ ohne welches es nicht beſtehen kan: Daher dann die Meiſter dieſer Kunſt/ Kaͤi= ſer Carls des Fuͤnften Gemaͤlde mit der zweyen Seulen Herculis/ fuͤr kein gutesS. Petra Sancta l. 2. de Symbo- lis Heroi- cis. Sinnbild wollen gelten laſſen; weil es in keiner Gleichnuͤſſe beſtehet.

16. A. Was iſt aber der Ausſchlag in dieſem Streite.

CLXV. nel Dialo- gho dell’ Impr. l. 1. Bl. 73.

17. D. Guazzo* wil beide Meinungen vergleichen/ und ſchreibet/ daß man die Rede/ als den trefflichſten Werkzeug und die Bemerkung der vernuͤnfftigen See= len/ halten koͤnne. Doch wil Capaccio, daß die Figur des Sin ̅ bildes nicht der Lei= be/ noch die Obſchrift deſſelben die Seele zu nennen/ ſondern es ſey eine Bildung unſerer Gedanken/ welche erſtlich eine Vergleichung/ nachmals die Rede/ oder die Schrift als ihre Zuͤchte gebere/ die beide doch nichts anders als finſtere Schat= ten entwerffen was wir im Sinne haben: Ohne Verbluͤmung aber darvon zu re= den/ ſo ſey das Bild die Materie/ die Schrift die Form/ oder jenes der Gezeug/ welchen das Beywort geſtalte; Die Verfaſſung dieſer beiden ſey das Gleich= niß/ dahin die gantze Erfindung ziele.

18. V. Es iſt wol darvon geredet/ und will ich es noch deutlicher mit vorer= wehntem Sinnbilde verſtehen machen: Es ſind in demſelben zween Engel/ de= ren der eine ſinget/ der andere auf der Lauten ſpielet: Dieſer gleichet der Materi/ welche nicht koͤnte verſtanden werden/ wann nicht der andere mit deutlichen Worten beyſtimmete/ und ſolcher Stimme Forme gebe oder geſtaltete.

CLXV.

MDaher dann auch in dieſem Verſtand bleiben kan die Beyſchrift:

Ein ſelbſt ander ich.

19. D. Es kan eben dieſes Sinnbild die Deutung tragen zweyer guter Freun= de/ oder zweyer Ehegatten/ als welche haben ſollen einen Mund und Muht/ ein Hertz und Sinn.

20. R. Wil man aber ein Geiſtliches Sinnbild daraus haben/ kan es auch den Fruchtloſen Glauben bedeuten/ welcher ohne die Werke/ als deſſelben natuͤrliche Stimme/ nicht zu vernemen iſt.

21. J. Nun verſtehe ich beſſer/ daß der Herr geſagt hat/ die Sinnbilder be= ſtehen in einem oder mehr Bilderen/ und wenig Worten/ darinnen beider Sinn Meinung und Verſtand verfaſſet/ welche dann mehrXVIII. weiſen/ als gemahlet oder geſchrieben iſt/ in dem ſelbe zu fernerem Nachdenken fuͤglich Anlaß geben.

CLXV.

22. A. Das verſtehe ich nicht/ waruͤm ſie mehr weiſen ſollen als gemahlet o= der geſchrieben iſt.

CLXV. 11.

23. V. In dem nemlich die Gleichheit des Bildes mit dem Verglichenen/ in unterſchiedlichen Stucken beſtehet/ deren das vornemſte bedeutet/ die anderen darunter verſtanden werden.

24. R. Dieſes kan erſtbeſagtes Sinnbild vernemlicher ausdrucken. Leichtlich iſt zu er ſehen/ daß das Singen und Lautenſchlagen auf die Vereinigung der Reim= und Muſickunſt abſihet; Es kan aber auch ferner betrachtet werden/ daß ſolche Zuſammenſtimmung zweier Engel/ bemerke himmliſche/ reine/ keuſche und heili= ge Geiſter/ welcher Gluͤckſeligkeit in dem Lobgeſang Goͤttlicher Majeſtaͤt be= ruhet.

25. D. Hieraus kommet dann gleichsfals zu betrachten/ wann man dieſes Sinnbild von dem Eheſtand oder Freundſchaften verſtehen wil/ wie ſelbe ſollen beſchaffen ſeyn/ daß ſie den ewigen Freudenſtande in dieſer Sterblichkeit etlicher maſſen gleichen moͤgen.

26. J. Vnd ſolcherley Gedanken koͤnnen von allen bißhero erzehlten Sinnbil=CLXV. deren veranlaſſet werden.

27. R. Dieſe Sinnbildkunſt hat mir jederzeit fuͤr vielen anderen beliebt/ nicht allein weilen die Erheber und Vhrheber der Geſpraͤchſpiele ſich eiferig darunter bemuͤhet; ſondern auch/ weil der ſelben Gebrauch faſt vielfaͤltig iſt; als in Aufzuͤ= gen/ Turnieren/ Muͤnſtbregen Stammbuͤchern/ Tugendlehren/ Lobgedichten/ Schertzſchriften/ Liebshaͤndelein/ Gluͤck wuͤnſchungen/ Traurſachen/ und vielen dergleichen Begebenheiten.

28. V. Hierbey erinneren die verſtaͤndigen Meiſter dieſer Kunſt/ daß man in Erfindung der Sinnbilder/ welche ſonderlich Fuͤrſten und Herren zu Lob gema= chet werden/ beobachten ſolle/ daß ſelbe nicht widriges Anſehen/ und verachtliche Deutungen bey dem gemeinen Mann gewinnen koͤnnen: Dann ob zwar nichts ſo gut/ das nicht boͤßlich koͤnne ausgelegt werden/ ſo ſoll man doch die Gelegen= heit darzu/ ſo viel moͤglich/ vermeiden.

29. A. Der Sinnbilder Lobſpruch iſt/ wie Herr Reymund ſagen wird.

CLXV.

30. R. Welches iſt die Kunſt/ ſo die unbegreiffliche Gedanken des faſt Goͤttlichen Verſtandes des Menſchen belangen kan? Welches iſt die Wunder= volle Klugheit/ die das Vnſichtbare entwerffen/ das Vnbekante vorſtellen/ das Vnausſprechliche verabfaſſenkan? Welches iſt die hochweißliche Wirkung/ ſo die unver gleichliche Gedaͤchtniß/ das mehr als irdiſche Gemuͤht/ und die hoͤchſt= fahrende Vernunft des Menſchen beherrſchen/ verpflichten/ und ausfuͤndig machen mag? Die Sinnbildkunſt iſt es. Die Rede iſt (oder ſolte ſeyn) des Hertzens getreue Dolmetſcherin/ und die edelſte Gabe/ durch welche wir von den dumen Viehe unterſchieden werden: Wie wird aber ſolche Rede erzeuget? Durch die maͤchtige Bildung unſerer Gedanken Kein Wort kan aus unſerem Mun= de hervorbrechen/ welches nicht in dem Sinn zuvor gebildet worden were/ und muͤſſe in den leichten Luft dahin wallen/ wann es nicht durch die Schrift ange= halten/ und gleichſam Handfeſt gemachet wuͤrde. Kurtz zu ſagen: Die Sinn= bildkunſt iſt eine nachdenkliche Ausdruckung ſonderlicher Gedanken/ vermittelſt einer ſchicklichen Gleichniß/ welche von natuͤrlichen oder kuͤnſtlichen Dingen anund mit wenig nach ſinnlichen Worten ausgefuͤhret iſt. Das erſte Sinnbild iſtCLXV. von dem Allmoͤgenden Schoͤpfer in dem Paradis erhaben worden/ in dem er den Baumen des Erkantniß Gutes und Boͤſes/ mit dieſem Beywoͤrtlein: Du ſolt nicht davon eſſen/ geſetzet: nachmals den Engel mit dem Feuerflammenden Schwerte/ ſeinen Zorn/ und dann den Regenbogen/ ſeine Genade auszubilden verordnet hat. Ich wil geſchweigen/ was zu leſen von Moſe Stabe/ von der Ruhten Aarons/ von Joſue Lantzen/ Gideons Felle/ von der Feur=und Wolken= ſeulen/ von den Leuchteren/ den Cherubinen und allem Gerete des Tempels/ wie auch den Opferern ſelbſten/ und derſelben nachſinnlichen Deutungen/ welches alles zu erzehlen viel zu lang ſeyn wuͤrde.

31. D. Wir wollen des Herren Veſpaſians juͤngſtgegebene Geſetze wieder aufſuchen/ durchgehen/ und von jedem abſonderlich reden Von einer Sache nach der Laͤnge ausfuͤhrlich handelen ermangelt ſelten des Verdruſſes/ unter= ſchiedlich und oͤftermals darvon reden/ bringet Beluſten/ und das faſtvergeſſene in ſichere Wiedergedaͤchtniß.

CLXVI.
Veſpaſian.

DAs erſte habe ich/ meines erinnerens/ in ſolchen Worten verabfaſſet:

1. Jedes Sinnbild ſoll beſtehen in Figuren und etlichen beygeſchriebenen Worten.

2. J. Hierdurch ſind ſolche Sinnbilder von anderen Gemaͤhlden und Schrif= ten abgeſondert/ als welche entweder nur in Gemaͤhlden allein beſtehen/ oder in Schriften als gemahlet beſchrieben/ oder gemahlet und umſtaͤndig beſchrieben werden.

3. R. Sie werden auch unterſchieden von den Bilderſchriften/ welche entwe= der ohne oder mit wenig Buchſtaben etwas zu verſtehen geben.

† Athanaſ. Kircheri Coptus,

4. A. In der gleichen Bildereyen ſollen die Egyptier der Natur Geheimniſſe und allerhand Lehren verfaſſet haben.

5. R. Derſelben Auslegung hat muͤſſen von den Lehrweiſen oder Prieſteren nach und nach erlernet werden/ und ſind dieſes Orts nicht gehoͤrig. Ich verſtehe aber durch die Bilderſchrift/ wann ein Bild oder Figur einen ſolchen Na=CLXVI. men hat/ der unvermeldet an ſtat der Schriftdienen kan/ als da iſt/ eine Wol= len ohne Werk uͤberſchicken/ zu verſtehen gebend/ man habe das Wollen oder Willen/ ſey aber ferne von dem Werke/ oder man koͤnne ſolchen Willen im Werke nicht leiſten.

6. D. Hieher gehoͤrt/ daß einer eine reiche Witfrau zu freyen gemeint/ und als er ungeſehr mit jhr ſpatzieret/ und ein Kraut/ Mannstreu genant/ angetrof= fen/ er darvon abgebrochen/ und der Meinung uͤbereiget/ daß er ihr verſpreche Mannestreu/ oder eheliche Liebe: Darauf ſie ungefehr weit darvon das Kraut Frauenmuͤntz erſehen/ und auf daſſelbe deutend/ zu verſtehen geben/ Manns= treu ſey fern von Frauenmuͤntz; und daß die Heiraten/ welche aus Liebe zum Gelde geſtifftet werden/ nicht wol geluͤcken: iſt leichtlich zu erachten/ ob er das Ohrband an ſeinem Degen angeſchauet. Die Italiaͤner/ Spanier und Fran= tzoſen haben dieſer Sachen viel erfunden/ welche ſich nicht laſſen in unſere Spra= che bringen/ weil ſie in zweydeutigen Worten beruhen. Als einer hat wollen zu CLXVI.verſtehen geben/ es gehe ihm uͤbel/ und hat bey einem Aufzug in ſeinen Schild mahlen laſſen/ ſauren Camfer/ welcher auf Spaniſch heiſt Malva, mal va. Ein anderer hat ſeine Liebe gegen eine Jungfrau/ Anna benamſt/ bezeugen wollen mit dem Gemaͤhl eines Ankers/ welcher auf Italiaͤniſch heiſt an cor a, zu ver= ſtehen/ die Anna habe ſein Hertz. Die artlichſte Bilderſchrift aber/ welche ich je= mals geleſen/ iſt dieſe; Eine Jungfrau wurde von ihrem Buhlen verlaſſen/ und uͤberſchicket ihm deswegen einen falſchen Diamant/ in deſſen Einfaſſung geſchrie= ben ware perche m’ abandonni, di amante falſo? Zu Teutſch; Warum verlaͤſt du mich/ ſag/ du falſcher Buhler? Daraufhat er an ſtat der Antwort ihr zuge= ſchickt em zerbrochenes Perlein auf zweyen ineinander geſchloſſene ̅ Haͤnden; aus= druckend: per la, wegen rotta fede, gebrochener Treu/ ſo durch die ineinander geſchloſſene Haͤnde bedeutet war Die Frag iſt geweſen eine Bildſchrift/ die Ant= wort ein Schriftbild: weil in jenem die Schrift das Bild oder die Figur erklaͤret/ in dieſem das Bild eine Schrift in ſich haͤlt.

7. J. Od dieſes nun ſich nicht begeben haͤtte/ ſo iſt doch die Erfindung lobens wehrt. Dergleichen habe ich auch gehoͤrt/ (ob es ein Gedicht oder Geſchicht ſey/CLXVI. laß ich dahin geſtellet ſeyn. Ein alte Frau ſchickte ihrem entrunnenen Mann ei= ne Scheiden von einem Degen/ auf welcher geſchrieben

Thut weh’.

Er wolte ihr hingegen zu erkennen geben/ daß ſie ihm zu alt/ und uͤberſendet ihr ein Kraut Alteehe genant/ mit der Beyſchrift:

Daher komt es.

Alſo daß es ſich faſt reimet/ daß Scheiden thut wehe/ komt von der alten Ehe.

8. V. Dieſe Wortarten moͤgen mit geringer Muͤhe in groſſer Anzahl zu Hauf= fen gebracht werden: muͤſſen aber meinſtentheils ihren Dolmetſcher bey ſich ha= ben/ oder werden ſonſten von vielen fuͤr Raͤhtſelbilder gehalten.

9. A. Dergleichen auch das Wuͤrffelſchloß iſt/ welches durch behutſames dre= hen nur der/ ſo es verſtehet/ oͤffenen kan.

CLXVII. Spiegel. Geſpiel. ☞ Dn Anfang Me liſa am 350. Blat der Geſpraͤch= ſpiele.
Reymund.

DAher ſchickt ſich auch/ wann die Buchſtaben/ deſſen Dings ſo wir betrachten/ verſetzet werden/ und aus denſelben ein ſolches Wort komt/ welches zu Erfindung des Bildes Anlaß giebet.

2. A. Durch ein Exempel werden wir es beſſer verſtehen.

3. R. Wir wollen in dieſer Sache/ darvon wir reden/ ein Beyſpiel finden. Das Wort

Sinnbild/

mit verwechſelden Buchſtaben/ ſchlieſſet

Blindnis.

Wann ich nun betrachte alles was blind/ oder tunkel in der Natur/ und der Kun= ſte zu finden/ beſinne ich/ daß eine finſtere Kammer/ in welcher durch ein eintziges Loͤchlein die Stralen einlauffen/ eine ſolche Blindniß heiſſen kan/ in dem dasCLXVII. finſtere Anſtat des Bildes/ der Strale an ſtat der Schrift ein feines Sinnbild ver=Sinnbild. Blindniß. faſſet.

DAmit man aber wiſſe/ daß ſolche Erfindung von den verſetzten Buch= ſtaben entſtanden/ halte ich fuͤr ſchicklich/ daß man das Wort un= tenher/ die Auskunft deſſelben obenher beyſchreibe.

4. D. Die Erfindung des Letterwechſels iſt bey den Ebreeren im Gebrauch ge= weſen/ und nicht der geringſte Theil ihrer Cabala. Es ſchaͤrfet ſolcher das Vr= theil/ veranlaſt zu ſchoͤnen Gedanken/ vermehret allerhand Erfindungen/ brin= get ſondere Lieblichkeit und Nachdruck in den Reimen/ und flieſſen oftmals feine Erinnerungen aus ſo verſetzten Buchſtaben; ja ſie dienen zu Loben und Schaͤn= den/ wie aus vielen Exempelen deren/ die davon geſchrieben haben/ I. Sauber- ti reſponſio pro Ana- grammato- graphiæ ſtudio. ☞ CXLVI. zu erſe= hen iſt.

5. C. Mich bedunket/ daß dergleichen zu Werke zu richten ſehr ſchwer ſey/ und CLXVII.ſelten geluͤcke/ oder ja daß dieſe Kunſt mit groſſem Zwange zu Mark gebracht werden muͤſſe.

6. R. Schwer moͤchte es wol ſeyn dem/ der hierinnen niemals einigen Verſuch gethan/ und des Vortheils unwiſſend iſt. Daß es aber keine Kunſt ſondern nur ein Fleiß/ iſt andermal erwaͤhnet worden.

7. A. Es iſt ſolcher Fleiß ſehr langweilig und verdruͤſſlich.

8. R Deswegen iſt auch ein viel naͤhrer Wege zu dem Letterwechſel zu gelan= gen/ erfunden worden.

9. J. Warum gebrauchet ſich der Herr des unbekanten Wortes Letterwech= ſels?

10. R. Weil es ein gutes Teutſches/ wiewol noch der Zeit nicht gar gemeines Gorop. Be- can. Her- mathen. f. 36. 37. 147.Wort iſt. let oder lit iſt mit der Vorſylben Gelied/ daher Augenlieder/ glit= ter/ zergeliederen/ u. d. g. Das lit kommet/ nach Becani Meinung/ vom Lein oder Flachs/ das Lein aber von Leid oder Leiden/ weil der Flachs viel muͤſſe leiden/ bis er ein ſchoͤnes weiſes Tuch wird/ und ſolches bedeuten (wie er vermeinet) die weiſen Chorhem ̅ eter/ die Geiſtlichen zu erinneren/ daß ſie durch viel Truͤbſalen inCLXVII. das Reich Gottes muͤſſen eingehen. Damit wir uns aber hierbey nicht auf hal= ten/ (dann eben viel iſt/ ich ſage Buchſtabwechſel oder Letterwechſel/) ſo iſt ſol= cher am fuͤglichſten zu erhalten/ wann man die Buchſtaben in den vorhabenden Namen auf kleine abſonderliche Papyrlein/ oder (weil ſolche leichtlich verbla= ſen werden/ und nicht wol zu verrucken) auf ſo viel Quadraten verzeichnet/ die Stimmer von den Mitſtimmeren ſonderet/ dann ſo lang alle Buchſtaben hin und her ordenet/ bis endlich andere Woͤrter herauskommen. Dann ob man wol ſonſten im Sprichwort zu ſagen pflegt/ es ſey mit genoͤhtigten Hunden uͤbel jagen: ſo finden ſich oftermals aus wolverſetzten Buchſtaben ſo artige Wort/ welche ſich auf die Perſon/ Ort/ Zeit und derſelben Beſchaffenheiten eigentlich ſchicken.

☞ Zu En= de in dem Lateiniſchen Anhang viel Exem= pel.

11. J. Ein Exempelkan uns dieſes beſſer verſtehen machen.

12. R. Ein ſolches habe ich unlangſten auf die Krankheit eines hocherleuch= ten Lehrers des Goͤttlichen Wortes gemachet.

CLXVII.
Johann Saubert.
Als Jonas kam zu Land durch Gottes Wunderthat/ CLXVII. Klingrei= men. und mit des Herren Wort gantz Ninive bekehret/ (das groſſe Ninive verblieb dann unzerſtoͤret durch wahre Threnenbuß/) den Tod er ihm erbat’. Hier findet Jonas ſich/ der uns gepredigt hat/ mit eiferigem Wort: der uns das Boͤſe wehret/ wann er mit Sanft und Weh’ als ſeinem Stabe lehret. Ach/ daß ſo viel nur nicht mißfolgten ſeinem Raht! des Jonas Huͤttenbau kan gleichen ſeim Gewiſſen ſein uͤbermatter Leib’ von Krankheitsqual zerbiſſen/ des Kuͤrbis Waſſerbauch/ des Schatten ſonſt erfreut. Nun er verlangt den Tod/ nicht aus vergalltem Hertzen/ (wie der Profet gethan/) vielmehr das End der Schmertzen. Auf Jonas Abendruh’ erfolgt die Seligkeit! CLXVII.

Hierbey aber ſolte vieleicht nicht auſſer dem Wege ſeyn/ folgende Anmerkungen zu beobachten:

I. Die Teutſchen Namen ſollen mit Teutſchen Endungen den Letterwechſel ſchlieſſen: Wie auch die Lateiniſchen Namen ihre Endungen behalten muͤſſen/ als daß ich nicht darf ſetzen Johann fuͤr Johannes/ Georg fuͤr Georgius.

II. Wird erfordert/ daß in dem Wechſelſchluß alle Buchſtaben mit eingebracht werden/ keiner veraͤndert/ ſo gar daß auch das u und v/ das j und i (wann es moͤglich) nicht verwechſelet werde; doch hat das h/ weil es vielmehr ein Hauch= laut/ als ein volſtimmiger Buchſtab/ die Befreyung/ daß es mag eingerucket oder uͤbergangen werden.

III. Der Wechſelſchluß ſol eine gantze/ oder zum wenigſten eine halbe Meinung geben/ welche das Sinnbild voͤllig erſtatten kan/ auch der Namen nicht zu viel Buchſtaben haben/ daß der Letterwechſel zu einem Sinnbild eine halbe Zeile uͤber= treffe. Sonſten iſt bey Verleiſtung dieſer Anmerkungen keine Ehre einzulegen/ und kan nicht anderſt als eine unartige Stimpeley heiſſen.

13. V. Der Herr hat hier eine quellende Springaderen eroͤffnet/ welche zu vie=CLXVIII. len Nachgruͤnden dienen wird. Man neme einen eigenen Namen/ ſuche durch Verſetzung der Buchſtaben die Auskunft den Wechſelſchluß/ oder was heraus kommet/ gebrauche dieſelbe an ſtat der Schrift/ und dero Inhalt zum Gemaͤhlde.

Veſpaſian.

II. DEr Figuren ſollen auf das meinſte drey ſeyn/ auf das wenigſte eine.

2. J. Von denen Sinnbilderen/ welche faſt keine Figur haben/ iſt bereit geſagt worden; Die Vrſachen aber dieſes Geſetzes ſind noch zu erwaͤh= nen.

3. R. Was man mit einer Figur genugſam kan ausbilden/ darzu ſol man nicht mehr gebrauchen: damit aber die Anzahl der Figuren beſtimmet werde/ ſind auf das meinſte drey derſelben zugelaſſen/ jedoch daß ſie alle zu einem Zweck zie= len/ ☞ Beſi= he die drey Spitzen im eꝛſten Buch= ſtaben die= ſes Spiels und zu einer Gleichniß abgeſehen ſey.

CLXVIII.

4. C. Solchergeſtalt iſt das vorgedachte Sinnbild von der Muſic und Reim= kunſte falſch; weil in denſelben die zween Engel das Geſangbuch/ und die Laute zu ſehen.

5. V. Die Figuren ſind nicht alſo zu rechnen: Die Engel weren an= und fuͤr= ſich ohne gewieſe Deutung/ wann ſie nicht ſingend oder ſpielend gebildet worden/ welches zu verſtehen das Singbuch und die Laute vonnoͤhten iſt/ ſind aber fuͤr keine abſonderlich Figuren zu halten.

6. D. Ein Sinnbild ſol Grundſachlich nur auf ein gewieſes Gleichniß abzielen/ zu welches Verſtand drey Haubtfiguren genug ſeyn: daß aber ſelbe auch Neben= deutungen haben/ iſt ungefehr/ und zu der betrachtenden Gutachten geſtellet.

7. J. Wann man die Meinung/ oder den Sinn des Bildes durch nachdenkli= che Figuren zu verſtehen gibt/ ſo iſt vieleiche dieſe Regul ſo eben nicht bedenklich.

8. V. Es ſollen nicht mehr als drey bedeutende Figuren/ unterſchiedliches Ge= ſchlechtes/ in einem wolgeſtalten Sin ̅ bild ſeyn. Capaccio l. 1. c. 20. Von anderer Erfindunge ̅ wol= len wir zu urtheilen uns nicht erkuͤnen/ ſondern zu mehrerem Verſtande das Exempel des Oberſinnbildes der Geſpraͤchſpiele hiehero wiederholen/ welches iſt ei=CLXVIII. ne Sonnenuhr von Blumwerke/ mit der Schrift:

Es nutzet und behagt.

Hier iſt das Blumenfeld/ die umgeſetzte Zahlen deſſelben/ der Zeigerreben/ nur fuͤr eine Figur zu halten; die Sonnen fuͤr die andere der Schatten fuͤr die dritte. Daß aber der Zeiger ein Reben/ und der Schatten auf die ſiebende Zahl triffet/ ſind Nebendeutungen.

LII.

9. C. Ob nun dieſe Dinge nicht eines Geſchlechtes ſind/ ſo gehoͤren ſie doch zu einem Haubtwerke. Bargagli f. 120.

10. R. Hieraus iſt zu ſchlieſſen/ daß von keinem Sinnbilde kan geurtheilet werden/ man habe dann der Figuren Eigenſchaften alle und jede erlernet/ und be= trachtet.

11. A. Weil dann ſolche abſonderliche Gedanken nicht allezeit zu errahten/ und durch Beyſetzung weniger Wort nicht verſtaͤndlich/ als iſt es billich/ daß die CLXVIII.voͤllige Auslegung des Sinnbildes entweder in gebundener oder ungebundener Rede nachgeſetzet werde/ wie bishero auch faſt von allen der ſelben Scribenten zu leſen.

12. V. III. Die Figuren ſollen in ihrer deutenden Geſtalte ſcheinlich und ſichtig ausgemahlet werden.

13. C. Was wird dann durch das Wort ſcheinlich verſtanden/ daß ſolches ſonderlich bey den Sinnbilderen zu beobachten.

14. V. Dieſe Erinnerung iſt nicht zu verwerffen: Dann weil ins gemein zu den Sinnbildern Landſchafften/ Gaͤrten/ Gebaͤue/ u. d. g. in die ferne gebracht werden/ ſo muß des Sinnbildes Figur auf dem forderſten Grunde ſtehen/ damit es ſcheinlich/ im erſten Anblick zu Geſicht komme/ und mit den anderen ungefeh= ren Gemaͤhlden nicht verſetzet werde.

15. C. Es beliebe dem Herrn ſolches mit einem Beyſpiel ausfindig zu machen.

16. R. Weil ihrer viel aus Vnwiſſenheit dieſer Regel manche Fehler began= gen zu haben ſcheinen/ als mahle ich eine Hand/ welche einen Stein in das Waſſer wirft/ dardurch faſt unzehliche Rundungen entſtehen/ mit dem Obwort:CLXVIII. Von geringer Vrſach. Wolte nun der Mahler etliche auf dem Meer ſchwe= bende Schiffe/ einen Meerhafen oder dergleichen darzu ſchickliche Sachen darbey mahlen/ wuͤrde man nicht wiſſen/ welches die Figur des Sinnbildes were/ und dardurch die Deutung unlauter und zweiffelich machen.

17. C. Was heiſt aber die deutende Geſtalt?

18. D. Ich verſtehe es alſo/ daß die Geſtalt der Figur/ welche am fuͤglichſten die Meinung des Erfinders deutet/ ſolle erkieſſet und ausgebildet werden. Als/ die alten Schwaben und Burgundier haben in ihren Fahnen eine Katz gefuͤhret Paradin. f. 65. mit der Schrift:

DIe Freyheit oder den Tod.

Wann nun dieſe Katz ſpringend oder lauſchend ſolte gemahlet ſeyn/ wuͤrde es das Anſehen gehabt haben/ als ob ſie anderen nach hergebrachter Freyheit geſtel= let haͤtten: were ſie aber ſitzend oder ſchlaffend gebildet/ haͤtte man Traͤgheit oder Fahrlaͤſſigkeit daraus abnemen moͤgen.

CLXVIII.

19. J. Nun erhellet wie wol ſolches alles ausgedacht worden/ und ob ich zwar Sinnbilder zu erfinden mir nicht laſſe angelegen ſeyn; ſo iſt mir doch lieb darvon zu hoͤren und zu lernen.

20. V. IV. Die Figuren ſollen nicht gantz unbekant und ungeſtaltet ſeyn/ und keine Menſchliche Bildungen haben.

21. A. Nemlich nicht unbekant fuͤr ſich ſelbſten/ oder von unbekanter Wir= kung.

22. R. Dergleichen ſind die Indianiſche Thiere und Erdgewaͤchſe/ welche in den Sinnbilderen nicht zugelaſſen werden/ man unter ſchreibe dann ihren Na= men/ und bedeute ausfuͤhrlich ihre Wirkung/ oder es ſeyn deſſelben Fruͤchte ins gemein bekant/ wie Zucker/ Gewuͤrtze/ Corallen und dergleichen/ die allhier nicht gemeinet ſeyn.

23. C. Ohne ſolche Beyſchrift ſind faſt alle Kraͤuter in dem Gemaͤhlde ſchwer zu erkennen/ ſo wol auch als die Baumen/ und das Gefluͤgelwerk/ welches nicht in Sinnbilderen zu fuͤhren/ als in Ermanglung anderer Figuren/ uͤm ſeine Ge= danken zu verſtehen zu geben.

24. D. Vnter dieſe Zahle der faſt unbekanten/ oder ja ins gemein verborgenenCLXVIII. Sachen gehoͤren auch die kuͤnſtlichen Geretſchaften/ von ſelbſtbewegenden Ge= werden/ Winden und Wellen/ wie auch alles deſſen deutende Wirkung aus dem Gemaͤhlde nicht erkant werden kan/ als das Qweckſilbers fluͤchtige Natur die an= ziehende Staͤrke der Magnetfelſen/ die Tugend des Bezoars oder Paradißhol= tzes/ u. d. g.

25. J. In Summa was nicht ohne die Schrift kan erkennet werden/ oder ſondere Farben erfordert/ ſcheinet zu vermeiden

26. V. Durch ungeſtalte Figuren werden verſtanden dieſe/ welche von Na= tur ungeſtalt/ als Mißgeburten die Plemii/ von welchen Plinius ſchreibet/ daß ihre Augen/ Naſen und Mund auf der Bruſt ſtehen: Wiewol von denen/ wel= che die gantze Welt durchſchiffet haben/ noch der Zeit keine ſolche Leute angetrof= fen worden/ und gebraucht ſich ſolches Sinnbildes Anna Roͤmers/ zu bedeutenen der Sin= nepoppen derde ̅ Spock dat XXXIV. am 157. Bl. einen aufrichtigen Mann/ der redet was er im Hertzen hat. Es ſind auch hier= durch ausgeſchaffet die mißgeſtelte oder abentheurliche Zuſammenſetzungen/ welche der Natur nicht gema ̅ ß kommen/ als ein halber Adler/ und ein halber CLXVIII.Strauß/ die Immen an dem Pfluge Bargagl. f. 120. dell’ Impreſe. und der Pfau auf dem Regenbegen/ ein fluͤgender Schnecke/ ein gefluͤgelte Schildkrot: Empreſas Politicas del Diego Saavedra. f, 135. 540. 267. welche zwar guter Deutun= gen nicht ermanglen/ aber nach den Regelen nicht richtig ſind: Dann wie unge= ſtalte Woͤrter die Rede/ alſo ſchaͤnden ungeheure Figuren die Sinnbilder.

27. A. Ferners iſt die Frag von den Menſchlichen Bilderen/ ob ſelbe in dieſer Kunſte zulaͤſſig oder nicht?

28. D. Welche ſie mit Nein beantworten/ geben dieſe Vrſachen; Weil die Bilder die Menſchen betreffen/ alle Menſchen aber eines Geſchlechts ſind/ als koͤnne unter ihnen eine Gleichniß ohne Zuthun einiges Gemaͤhlds angeſtellet wer den/ Welche Gleichheit vielmehr ein Exempel als ein Sinnbild zu nennen kom= me: Als wann man einen Helden zu unſerer Zeite/ mit dem groſſen Alexan= der/ oder einen Gelehrten mit Ariſtotele vergleichen wolte/ ſo were es nichts an= ders als den Redneren oder Poeten eingegriffen/ denen zuſtehet der gleichen mit praͤchtigen Worten nach der Laͤnge auszufuͤhren; oder es wird ſolche Geſchichte den Namen eines Gemaͤhldes/ und nicht eines Sinnbildes erhalten. Zum an= deren/ weil in der Natur und Kunſte ſo vielerley zu finden/ daß man der Menſchlichen Figuren wol miſſen kan. Anſehlicher iſt eines Loͤwens/ als eines AffensCLXVIII. Geſtalt/ obgleich dieſe den Menſchen aͤhnlich iſt. Drittens/ weil das Sinnbild eine ſichbarliche Ausdruckung des Menſchen Gedanken ſeyn ſoll/ moͤgen ſolche/ vermittelſt eines anderen ſtum ̅ en Menſchenbildes/ nicht verſtanden werden. Ich will durch eine Prob mich beſſer verſtehen machen; Man mahle einen Diener/ der ſeinem Herrn durch eine aus dem Mund gehende Beyſchrift dieſe Wort zuruft: Herr/ thut nicht wie ein Kind! und er antwortete gleicherweis: Ich will es thun. Le Catho- licon d’ Eſ- pagne. f. 16. Die Artigkeit der Erfindung beſtehet in dem zweiffelhafften Ver= ſtand der Antworte; Es iſt aber mehr ein ungeſtaltes Gemaͤhld als ein wolgefa= ſtes Sinnbild. Die Poetiſche Figuren laſſen ſich oftermals mahlen/ die ſich zu Sinnbilderen gar nicht ſchicken/ und iſt dieſer Vnterſcheid zu halten/ damit eines nicht fuͤr das andere dargegeben werde. Wann ich den Zuſtand des Teutſchen Reichs vorſtellen wolte/ unter der Perſon einer Mutter/ welche ihr liebes Kind in dem Meere erſauffen ſihet/ ſo koͤnte ich ſolche Erfindung auf keinerley Weis fuͤr ein gutes Sinnbild/ aber vieleicht fuͤr ein feines Gemaͤhld dargeben/ und folgende Klingreimen beyſchreiben;

CLXVIII.
Wie? gellet mir das Ohr? was jaͤmmerliche Klagen! CLXVIII. Was hertzbetruͤbte Stimm/ was Angſt und Marterwort! Wie mag doch jenes Weib an dieſem Meeresport (als ich von ferne ſeh’) erbaͤrmlich ſich zerplagen! Sie kan vor Seelenweh ſich ſelbeſt nicht vertragen: ihr frey zerwirtes Haar rauft ſie von ihrem Ort’/ ihr langgewundne Hand’ſchwingt ſie gen Himmel fort/ Sie kniet an den Strand und wuͤtet in verzagen. Sag/ meine Koͤnigin/ was urſacht deine Schmertzen? Eroͤffne meiner Bitt die Qual in deinem Hertzen? Ach Gott! Ach treuer Gott! das teure Liebes Pfand! ihr einig Hertzen Kind wil in dem Meer’ ertrinken/ ihn ſiht ihr Mutter Aug/ ach/ ach! zu Grunde ſinken. Die Teutſche ſind das Kind/ die Mutter iſt ihr Land. CLXVIII.

29. J. Iſt aber dieſe Meinung guͤldig/ ſo werden auch die Engel/ welche in Geſtalt der Juͤnglinge ausgebildet/ nicht ſtat finden koͤnnen.

30. R. Daß unter den Gemaͤhlen/ und Sinnbilderen ein groſſe Vnterſchied ſey/ wird niemand abredig ſeyn; Hieraus folget aber noch nicht/ daß keine Menſch= llche Figuren in den Sinnbilderen zu gebrauchen. Waruͤm ſolte doch das edelſte unter allen Weltgeſchoͤpfen hiervon ausgeſchloſſen ſeyn? Warum ſolten unſere freye Gedanken hierdurch eingezwenget werden/ daß ſie gleichſam pflichtig/ das Geringere dem Schaͤtzbaren vorzuziehen? Vnter den Arten einerley Geſchlech= te iſt die groͤſte Gleichheit befindlich/ und moͤgen die unſichtbaren Gedanken/ durch die ſichtbare Geſtalt/ Werke und Stellungen des Bildes meiſterlich verſtanden werden; gleichwie zu unterſcheiden des Menſchen Gemuͤht/ von ſeinem Thun und Laſſen/ durch welches ſolches gehandhabet wird. Wann die Kuͤnſtler bey ſolchen Bildereyen erforderen/ man ſolle keine Menſchliche Figuren gebrauchen; hat es den Verſtand/ daß man die Gedichte und Geſchichte/ welche ohne ſothane Figuren nicht koͤnnen vorgewieſen werden/ an ihrem Orte fuͤr Beyſpiele beruhen aſſen ſol. Sind alſo die Menſchlichen Figuren in den Sinnbilderen zu verſtatte ̅ /CLXVIII. . Wan ̅ des Erfinders Gedanken dardurch am fuͤglichſten geſtaltet werden koͤn ̅ en/ als dieſes Orts mit den Engeln: Maſſen ein Geſangbuch und eine Laute den wol= deutenden Nachdruck/ (das Singen und Spielen zugleich zu verſtehen/) nicht gehabt haͤtten/ auf welcher Thun/ und nicht auf die Perſonen/ das Abſehen ſon= derlich gerichtet iſt.

II. Wann die Menſchliche Figur erkantlich/ und das Gleichniß nicht eine Per= ſon/ ſondern etwan eine andere Sache betrifft/ ſo ſonſten zu Geſichte nicht kom ̅ en kan: als/ daß ein blinder Cupido von einem Hund gefuͤhret wird/ kan uͤber obge= dachte Deutung/ daß wir Menſchen uns von viehiſchen Begierden/ als Blinde leiten laſſen/ auch zu verſtehen geben/ daß man ſich einem getreuen Freunde ver= trauen ſollen/ und denſelben mit blinden Gehorſam folgen.

☞ Den Buchſtaben in folgende ̅ Geſpraͤch= ſpiele.

III. Werden die Menſchliche Figuren zugelaſſen in Geiſtlichen Gemaͤhlden/ welche mit den Sinnbilderen eine genaue Verwandtſchaft tragen.

31. A. Der Herr erzehle etliche ſolche Geiſtliche Gemaͤhlde.

CLXIX.
Reymund. CLXIX.

HVgo Herman ̅ in ſeinem Buͤchlein/ genant das Gottſelige Verlan=Pia Deſide- ria. gen/ fuͤhret ein die Gnad Gottes in der Geſtalt eines Engels; den Menſchen in Geſtalt eines jungen Maidleins/ und ſtellet unter vie= len Spruͤchen der H. Schrift/ die Wort aus dem 16. Pſalm/v. 11. Du thuſt mir kund den Weg zum Leben/ alſo fuͤr: Daß der Engel das Maͤgdlein in ei= mne Gehwagen/ darinnen die Kinder lauffen lernen/ locket und wincket: die Wort des 55. Pſalms/ O haͤtte ich Fluͤgel wie Tauben/ daß ich floͤge undv. 7. etwa bliebe/ bedeutet er durch eine Jungfrau die mit Fluͤgelen ſich gen Himmel ſchwinget. Den Spruch Pauli zum Roͤmeren am 7. Ich elender Menſchv. 24. wer wird mich erloͤſen von dem Leibe dieſes Todes/ bildet er durch beſag= tes Maidlein in einer Todenkrippen ſteckend.

2. J. Herr Reymund wird uns auch hierinnen eine Prob leiſten/ und die Spruͤ= che/ welche wir ihm ſagen werden/ ſo viel moͤglich iſt/ alſobalden ausbilden.

CLXIX.

3. R. Ob ich wol hierinnen nicht ſonderlich geuͤbet bin/ ſo will ich doch verhof= fentlich erweiſen/ daß ſolche Erfindungen viel leichter ſind/ als ſie ſcheinen.

1. Cor. 13.

4. J. Von der Liebe des Nechſten ſchreibet der Apoſtel: Wann ich mit Menſchen/ und mit Engelzungen redete (oder es allen himmliſchen und irdiſchen Geſchoͤpfen in der Wolredenheit gleich und bevor thaͤte/) und haͤtte die Liebe nicht/ ſo were ich ein doͤnend Ertz/ oder eine klingen= de Schelle.

5. R.

Animus fi deſit inuti- le murmur Ars quoq; ſumma da- bit.

DEs Menſchen Hertz iſt gleich einem ſchoͤnen Orgelwerke/ welches faſt Engliſchen hocherhabenen Tugenden und Wiſſenſchaften faͤ= hig iſt; doch ohne Nutzen/ wann nicht der Geiſt der Liebe in ſolches Orgelwerk blaͤſet/ und gleichſam die Kunſt beſeelet. Weil aber von dem doͤnenden Ertze ge= meldet wird/ koͤnte auch das Gemaͤhld ein Engel ſeyn/ deme eine verloſchene Am= pel oder Lampen aus den Haͤnden gefallen/ abſehend auf die klugen Jungfrauen Matth. 25.in der Gleichniſſe unſeres Seligmachers/ deren Glaube und Liebe aus Fahrlaͤſ= ſigkeit erloſchen.

6. V. Vnd wann ich weiſſagen koͤnte/ und wuͤſte alle Geheimniß/CLXIX. und alle Erkaͤntnis/ und haͤtte die Liebe nicht/ ſo were ich nichts.

7. R.

WIe viel Ringlein oder Zero ohne vorhergehende Zahle nichts gelten;Pretium o- mne refert in unum. alſo iſt auch die Weiſſagung/ die Kundigung der Geheimniſſen/ Er= kantniß der Wiſſenſchaften/ ob ſolches alles gleich in trefflichſter Volkom ̅ enheit (durch die runde Figur bedeutet/) ſeyn wuͤrde/ fuͤr nichtig und unrichtig zu halten ohne Liebe/ daher es auch hier billich heiſet: Eins iſt euch vonnoͤhten.

8. A. Vnd wann ich alle meine Haabe den Armen gebe/ und lieſſeLuc. 10/ 42. meinen Leib brennen/ und haͤtte die Liebe nicht/ ſo we= re mirs nicht nutze.

9. R.

NIcht das/ was der Bauersmann in der Scheiren hat/ ſondern das/Fruſtrâ, ꝓ- miſſus Cœ- lo ſi deficit Ignis. was er bey der Son ̅ en Stralen dem fruchbaren Acker anvertrau= et/ das nutzet er.

CLXIX.

10. C. Die Liebe iſt langmuͤtig.

11. R.

DErgeſtalt/ daß ſie auch das boͤſe mit gutem zu vergelten pfleget/ wie der edele Weinſtock/ fuͤr die Wunden/ die der Hecker ſeinen Reben zufuͤget/ mit koͤſtlichen Fruͤchten belohnet.

12. D. Die Liebe iſt freundlich.

13. R.

Suo ſe totu ̅ promit A- mori.

MAn betrachte das Sonnenliecht/ ob es nicht Guten und Boͤſen gleich freundlich iſt/ ob es nicht allen Geſchoͤpfen Wuͤrdige und Vnwuͤr= dige mit lieblichen Stralen beleuchtet.

14. J. Die Liebe eifert nicht.

15. R.

Decus non invitet ho- ſti.

OBwol dieſes auszubilden bedenklich; ſo halte ich doch darvor/ man ſolte keine ziemlichere Figur hierzu finden koͤnnen/ als eben die Son= ne/ welche auch die duͤſteren Wolke ̅ / ſo von der tufftigen Erden durch die Hitze erhaben/ und ſich ihrem Glantze entgegenzihen wollen/ beſcheinet/ erhel=CLXIX. let und durchleuchtet.

16. V. Die Liebe treibet nicht Muhtwillen/ oder thut nicht unrecht/ oder frevelt nicht.

17. R.

MAn betrachte die Sonne/ welche ein anderes Liecht/ vermittelſt ei=viis agit o- mnia rectis. nes Fewerſpiegels/ entzuͤndet/ ſo wird ſich befinden/ daß ſolches al= les mit rechten ſtrengen und geraden Stralen beſchiehet? Die irdiſche Liebe gehet mit vielerley Hinterliſt/ Truge und Verſchlagenheit uͤm; Die wahre Liebe wirket hingegen offentlich und am Tage ungeſcheuet/ nach der Richtſchnur der War= heit und Gerechtigkeit.

18. A. Sie blehet ſich nicht.

19. R.

ZV Vorſtellung dieſer Woͤrter moͤchte man mahlen einen neuenTumet im- purus ſin- cerus in æ- quo eſt. und alte ̅ Wein; jener gieret von Vnreinigkeit; dieſer ruhet in ſeiner CLXIX.lauteren Guͤte: In ſolchem Stucke iſt alles ſchwuͤlſtige Weſen verdaͤchtig/ die Demut hingegen angenem und wehrt.

20. C. Sie ſtellet ſich nicht ungeberdig.

21. R.

Genus non reſpicit.

IN dem die Liebe Vrſach hat zu zoͤrnen/ und ſich uͤber andere zu er= heben/ ſo nimmet ſie doch Magnet oder Eiſenſteins Art an ſich/ wel= cher/ ob er wol mit dem hohen Nordſterne in ſteter Gegenliebe begriffen iſt/ ſtel= let er ſich doch nicht ungeberdig gegen das allerniederigſte und geringſte Metall/ das Eiſen.

22. D. Sie ſuchet nicht das ihre.

23. R.

accipit, ut meliora re- ponat.

NIcht anderſt als wie eine Muͤhle alles wieder gibt was man aufge= ſchuͤttet/ ohne eignen Nutzen und Nachtheil.

24. J. Sie laͤſſet ſich nicht erbitteren.

25. R.

CLXIX.

OB man gleich eine Seiten auf der Lauten hart anſpannet/ ſo wirdTentanti reſpondet amicè. ſie doch allezeit ein liebliches Getoͤne von ſich hoͤren laſſen.

26. V. Sie trachtet oder denket nicht Schaden zu thun.

27. R.

BEy der irdiſchen Weltliebe waltet ſtetig der Argwohn und das Miß=Non habet umbras re- ctus Amor. trauen; bey der wahren Chriſtlichen Liebe iſt dergleichen nicht zu be= fahren; ſie iſt wie die Sonne am hellen Mittage/ die etliche Voͤlker ohne Schattensſtreife beſcheinet.

28. A. Sie freuet ſich nicht der Vngerechtigkeit/ ſie freu= et ſich aber der Warheit.

29. R.

UNd wan ̅ es recht zugehet. Gleicherweis die falſchen Griffe aufIuſtis læta- tur, iniquis officiis af- flicta dolet. der Lauten dem Gehoͤr verdruͤßlich/ die Kunſtmaͤſſige angenem ſind.

CLXIX.

30. C. Sie vertraͤgt alles.

31. R.

hilari fert omnia vul- tu.

WIe ein Knab die brennenden Son ̅ enſtralen durch ein kleines Loͤchlein in den Papyr ohne Verletzung der Augen vertragen kan.

32. D. Sie glaubet alles.

33. R.

Amanti vi- va Fides ſemper, nu- merisq́; fi- delibus a- pta eſt.

UNter anderen Wunderwerken in der Muſic iſt vieleicht nicht das ringſte/ wann unter zwo gleichgeſtimmeten Lauten/ die eine beruͤh= ret wird/ daß die andere dardurch gleichsfals ſich hoͤren laͤſſet.

34. J. Sie hoffet alles/ ſie dultet alles.

35. R.

Tot plausꝰ numerat ſi- bi quot i- ctus.

DAs Eiſen kan allerley Form/ vermittelſt des harten Hammersſchla= ges/ an ſich nehmen. Dieſe und dergleichen Spruͤche dienen mit ſol= chen Gemaͤhlden zu beſſeren Angedenken/ als wann ſelbe bloß in Worten beruhen; Sie moͤgen auch auf unterſchiedene Arten gebildet/ und mit kurtzen Reimlein ausgeleget werden/ als zum Exempel der Schluß dieſes Capi=CLXIX. tels: Nun aber bleibet Glaub/ Hoffnung/ Liebe/ dieſe drey; aber die Liebe iſt das Groͤſte unter ihnen. Hier habe ich frey/ entweder einen Anker mit einem brennenden Stricke zu mahlen die Hoffnung/ nechſt dem Glauben (der zu Latein fides und auch eine Saͤiten heiſſet) und der brennenden Liebe zu bemerken/ mit dieſen Verslein:

GLaub/ Hoffnung und Liebe Manſurum cœlo trans- ſcribit A- more ̅ Spes ſociâ con- tenta Fide. verbindet/ begruͤndet/ entzuͤndet/ mit bruͤnſtigem Triebe/ die Hertzen umwindet/ und zeitlich und ewigen Freudenlohn findet!

ODer ich mahle den Anker/ gleich einem Geſchoſſe aufgerichtet/ mit einem brennenden Boltze/ in erſtbeſagtem Verſtande. Wann man nun dieſen Figuren eine halbe Reimzeil/ wie gebraͤuchlich/ beyſchreiben wil/ koͤnnen CLXIX.vieleicht dieſe Erfindungen/ welche ich auf das allerkuͤrtzeſte erzehlet/ fuͤr ge= merkſame Gemaͤhlde/ oder auch fuͤr Sinnbilder gelten.

36. C. Iſt alſo auſſer Zweiffel/ daß Menſchliche Figuren von dieſer Kunſte nicht ausgeſchloſſen ſind. Was iſt aber von den anderen Geliedmaſſen des Leibes zu urtheilen? haben ſelbe auch ſtat?

37. D. Guazzo nel Dia- logo dell’ Impreſe. haͤlt fuͤr abentheurlich/ daß man eine Hand ohne Leibe mah= le; es iſt aber von allen bishero ſeine Meinung verworffen worden/ dieweil ge= achtet wird/ als ſtuͤnde die Perſon (welche ſonſten muͤſſig und ohne Deutung we= re/) auſſer der Einfaſſung des Sinnbildes.

38. V. Dieſes moͤchte aber hierbey zu beobachten ſeyn/ daß in Geiſtlichen Sinn= bilderen die Hand aus einer Wolken/ in Weltlichen Sachen unter einem Fuͤr= hang oder ſonſten frey fuͤrgewieſen werden koͤnte.

39. R. Wann man die Hand von der Sinnbilder Kunſte ausſchlieſſen wol= te/ wuͤrden unterſchiedene Figuren mißſtellet werden/ zu geſchweigen/ daß ſolche fuͤr ſich ſelbſten feine Deutungen hat.

Degenwert. CLXX.

DIe Hand mag/ meines bedunkens/ ſo wenig als das Hertz/ von denOhne Be= trug. Sinnbilderen abgeſonderet werden/ von welchen unterſchiedliche gantze Buͤcher zu befinden/ als da iſt die Hertzſchul/ Haffteni Schola cor- dis. Hertzenſcher= tze/ die Hertzengemaͤhlde/ Crameri Emblema- ta. und viel andere. Es hat auch eine Sinnbildart das Opfer/ ſo die Intronati zu Siena angeſtellet/ in welchem ein jeder etwas/ das er von ſeiner Liebſten erhalten/ oͤffentlich/ mit darzu ſchicklichen Reimen aufge= opferet hat: als/ der Verlangte uͤbergabe ein Fatzolet/ das von ſeinen ZehrenIl. Sacrifi- cio de gl’ Intronati. Il Deſiato. Il Stoidito. Il. Sodo. L’impor- tuno. L. affumi- cato. benetzet ware: (weil ſich nun ſolches nicht ausmahlen laͤſſet/ iſt es/ mit Verſtan= de/ zu keinem Sinnbilde gebrauchet worden) Der Beſtuͤrtzte uͤbereiget einen Ring/ der Feſte einen Haarbuſch/ der Beſchwerliche Verdruͤſſliche oder Vnbequeme einen Spiegel/ der Beraucherte ſeiner Liebſten Handſchuhe/ der Vndankbare eine Schlaguhr/ und viel andere Geſchenke. Dieſe und der= gleichen Erfindungen geziemen Heydniſchen und nicht Chriſtlichen Poeten; CLXXX. I. Drexel. Nicet. l. 1. c. 8. f. 24.und iſt denkwuͤrdig/ daß Gambara, Bembus, Petrarcha, Taſſus, Ronſard und andere auf dem Todbette beweinet/ daß ſie etliche ſchandbare Gedichte aus der Fe= der flieſſen laſſen/ und dardurch viel geaͤrgert.

2. R. Es iſt auch in den Spaniſchen Geſelſchaften im Gebrauche/ daß die Lop. de Ve- ga. Arcad. 278. & ſig.Jungfrauen den jungen Freyeren aufgeben etliche Reimen auf erſtbemeldte o= der andere ſolche Sachen/ wo nicht alsbalden/ jedoch auf nechſte Zuſam ̅ enkunfte vorzuweiſen

3. D. Dieſem kommet faſt nahe das Spiel von den Bildniſſen/ in welchem geſetzet wird/ als ob aller anweſenden/ oder auch bisweilen abweſenden Perſonen Bildniſſe auf Muͤntze oder Denkpfenninge zu pregen weren/ und eines von den anderen befraget wird/ was auf die andere Seiten ſeines Bildes zu mahlen/ oder zu ſchreiben ſein moͤchte. Giuochi Seneſi. f. 206. de Ro- veſci.

4. C Bey folcher Fuͤgniſſe habe ich geſehen/ daß auf eines Bildnispfenninge/ der viel mit der Federen zu nutzen vermeinet/ iſt angegeben worden ein Igel/ der ſeinen Zuͤchten oder Jungen wilde Fruͤchte an den Stachelen zutraͤget. Bargagli dell’Impre- ſe. f. 204.

5. R. Auf einer Jungfrau Bildniß iſt zu mahlen fuͤr geſchlagen worden dieCLXX. Schoͤnheit und Tugend/ welche ſich umfahend einander kuͤſſen.

6. A. Zu eines unruhigen Kopfes vermeintes ſtudiren habe ich hoͤren angeben eine Hand/ welche mit einer Feder an die Wand ſchreiben wollen/ ſo faſt unmoͤg= lich iſt/ dann die Dinten ſolchergeſtalt nicht flieſſen kan; zu verſtehen/ daß zum ſtudieren die Ruhe/ und das Stillſitzen erfordert werde.

7. V. Hier ſchicket ſich zu erzehlen/ daß ich auf dergleichen Bilderpfenninge einer Jungfrauen und ihres vermeinten Freyers/ auf der anderen Seiten geſehen ei= nen Fadenhaſpel: Weil aber ſolche Figur nicht wol ohne Beyſetzung der Schrift CLXX. yo el pie, y os la cima.zu faſſen/ (man wolte es dann fuͤr eine gemahlte Raͤhtſel gelten laſſen/) iſt der Rand mit dieſen Worten umſchrieben geweſen:

Ich bin das Geſtell/ ſie iſt der Haſpel.

8. J. Es laͤſt ſich auch manche Erfindung beſſer ſagen/ als mahlen: dann die blinde Liebe/ (wie jener auf eine Zeit angegeben/) gefuͤhret von der Ver= nunft/ die Vnbarmhertzigkeit/ in Geſtalt der Andacht/ die Ehre bezau= mend die Wolluſte/ u. d. g. ſind leicht zu ſagen/ ſchwer auf das Papyr zu bringe ̅ .

CLXXI. Der Sinn= bilder Ob= ſchrift.
Veſpaſian.

V. DIe Schrift ſol in wenig Worten beſtehen/ und aus be= kanten Scribenten genommen/ oder von dem Erfinder ſelbſten nach verſtaͤndiger Ermaͤſſigung erſonnen ſeyn.

2. A. Wie viel/ oder wenig dieſer Wort ſeyn ſollen/ iſt nicht wol vorzuſchrei= ben; die rechte Anzahl derſelben iſt/ wann darinnen der Verſtand oder Meinung angedeutet wird.

3. R. Jovius wil/ daß die Obſchrift der Sinnbilder in fremden SprachenCLXXI. Giovio dell’ Impr. geſetzet werden ſolle/ wird aber von allen Meiſteren Capac- cio. Petra Sancta. Bar- gagli. mit gruͤndlichen Vrſachen wiederleget. Ein jedes Volk ſchreibt in ſeiner Sprache; Der Ebreer/ ebreiſch/ der Griech/ griechiſch/ der Lateiner/ lateiniſch/ und ſo fortan: Waruͤm ſolten dann wir Teutſche auch nicht billich uns bemuͤhen Teutſch zu ſchreiben? Heinſius und Grotius ſind Weltberuͤhmte/ gelehrte Maͤnner/ Zach. Lond. Vor= rede ſeiner Gedichte. haben aber ſich mit auslaͤndi= ſchem Lobe nicht wollen erſaͤttigen laſſen/ ſondern ihr Vatterlande mit einheimi= ſchen Schriften reichlich geehret. Von unſerer Sprache koͤnte man ſagen/ was ein Florentiſcher Academicus Lionardo Salviati O- rat. 3. f. 27. von der ſeinen/ in einer ſonderen Rede/ behaub= ten wollen/ daß ſie der Griechiſchen und Lateiniſchen/ ja allen anderen weit vor= zuziehen/ weil nemlich wenig dieſelbe verſtehen/ in Teutſchland ſind/ gegen de= nen zu rechnen/ die das Teutſche zur Mutterſprache haben: Aber hiervon iſt an anderen Orten zu melden. Hier ſage ich allein/ daß wir den fremden Obſchrif= ten der Sinnbilder in Teutſch nacharten ſollen/ deren Zierde vielmals in der CLXXI.Wortgleichung beſtehet; als wann jener gute Haußvatter zu ei= nem Sinnbild erkieſet einen Schnecken/ mit dem Worte:

KLein und mein.

Zu bedeuten/ daß er in ſeiner kleinen Behauſung ſich vor Schulden huͤte. Ein anderer wolte die Fruͤchte der Gedulte ausbilden/ und lieſe mahlen den Safran/ der in denen Wegen und Orten/ da er oftmals be= tretten wird/ am beſten waͤchſet/ mit der Beyſchrifte:

GEdrucket aber nicht unterdrucket. Iuncꝰ cum epigraphe flectimur non frangi- mur ùndis.

In dieſem Verſtande hat jener auch die Weyerpinſen gefuͤhret mit der Deutung:

BEbogen aber nicht gebrochen.

Die zweydeutige Woͤrter haben auch oftermals eine gute Art: machen ſie eineCLXXI. halbe Reimzeil/ ſo haͤlt man es fuͤr kuͤnſtlicher.

4. C. Weil aber der Reimen nicht in einer/ ſonderen in zweyen Zeilen beſte= het/ ſo wird ein halber Verſe nicht wol erkantlich ſeyn.

5. D. Iſt der Vers nach der Kunſtmaas richtig/ ſo wird er leichtlich auch ohne den Reimſchluß erkennet. Zuweilen findet man auch kurtze Reimlein bey=☞ CXXX. 28. geſchrieben/ welche den Verſtand des Sinndildes etlicher maſſen andeuten. Zum Exempel ſol ſeyn/ was auf des Pantagruels Titelblate zu erſehen/ nemlich eine rechte Hand/ welche eine ̅ Krebs/ und eine linke/ die einen Aal haͤlt/ mit dem Wort:

Zu luck entkriechts: Si laxes, e- repit: Si premas, erumpit. Ein Druck entziechts.

Der Sinnreiche Dolmetſcher/ Fiſcher genant/ hat die Figur von ſeinem Na= men abgeſehen/ und das zu verſtehen geben wollen: Wann man in ſeinem Buch CLXXI.alles fuͤr Grillwerk und Narrenpoſſen halte/ oder allem und jedem gar zu genaue Deutungen andichte/ geſchehe der Sache an jenem zu wenig/ in dieſem zu viel. Dieſem Sinnbilde ſetzet er noch bey: im Fiſchen gilts miſchen. Erſtbe= ſagtes vernemlicher zu bemerken. Wann wir viel gute Poeten haͤtten/ als wie in dem Lateiniſchen befindlich/ ſolte wolſtaͤndiger ſeyn/ aus denſelben allezeit die Ob= ſchrift herzuſuchen: weil aber unſer Sprache gar fuͤr kurtzer Zeit zu der edlen Poeterey kommen/ und der Gekroͤnte die Muſen erſtlich Kunſtrichtig Teutſch ſingen gelehret/ mag/ meines wenige ̅ Erachtens/ jedes eine ſchickliche Vberſchrift zu ſeinen Sinnbild machen/ oder von anderen auf vorweſende Erfindung zie= hen/ wie Herr Veſpaſian aus Herrn Reymunds Waldgedichte gethan.

6. J. Gantze lange Reimen unter oder ober die Gemaͤhld ſchreiben/ iſt niemand verwehret/ aber nachd er Sinnbilder Art ſolle die Auslegung von der Beyſchrift unterſchieden ſeyn.

7. V. Hierbey iſt mit ſondern Ruhm zu gedenken der dreyſtaͤndigen Sinn= bilder/ die der Geheime unlangſten an das Liecht gebracht; in welchen die Obſchriften jedesmal aufeinander gebunden/ daß ſie faſt ſchwerer ſcheinen/ als dieCLXXI. eintzeliche Erfindungen/ deren man ſich ſonſten ins gemein gebrauchet.

8. A. Jedoch wird der Herr Reymund nicht unterlaſſen/ in dieſen wie auch an= deren die loͤbliche Nachahmung zu leiſten.

9. R. Auf die Erheber und Handhaber der hochloͤblichen Fruchtbringenden Geſelſchaft/ habe ich ein ſolches dreyſtaͤndiges Sinnbild ausgedacht. Ich mah= le I. allerley Garten und Feld Geretſchaft/ dere ̅ man ſich bedienet die Fruͤchte aus der Erden zu bringen/ uͤm einen Compaſten liegende/ als da iſt die Sichel/ das Grabſcheid/ der Rechen/ das Heplein mit ungefehr dieſer Ob=oder Vnterſchrifte:

Was Tugend Fruͤcht’ erhaͤlt/

10. A. Wie ſchicket ſich aber der Campaß hierzu?

11. R. Er bedeut/ daß der Fruchtbringende Feldbau/ mit gemeſſener Zeit und Ziel/ nach dem lieben Sonnenſchein zu richten: wie der Compaß vermittelſt des Magnet es die Stunden austheilet.

CLXXI.

II. Mahle ich eben dieſe Feldgeretſchaften an einen Magnet= oder EiſenſteinCLXXI. hangend/ mit folgender Schrifte:

und ſich ſo hoch geſellt/

III. Mahle ich einen Meer=Compaß/ welcher ſich nach dem Mitternacht=oder Leitſtern richtet/ mit ſchlieſſender Obſchrift:

dem Himmel wol gefaͤllt.

Die Meinung iſt/ daß dieſe Geſelſchaft/ in dem ſie von den Chriſtruͤhmlichen/ Hochfuͤrſtlichem Hauß Anhalt mit gnaͤdigbeliebter Verfaſſung geſtifftet/ viel=Fruchtbringende Mitgenoſſen) gleichſam durch eine Anhaltiſche oder an= haltende Magnettugend/ zu ſich gezogen/ und mit Hindanſetzung dero hohen Angelegenheiten ſich mit geringeren Teutſchliebenden Perſonen vereinigt und vergeſelſchaft haben; uͤber welcher ſamtlicher Arbeit GOtt der Hoͤchſte ein ſon= deres Wolgefallen traͤgt/ weil ſelbe zu ſeiner Ehre gerichtet/ und ſein Wort/ durch CLXXI.die Teutſche Sprache/ noch ferners ausgebreitet wird: Dieſes dreyſtaͤndig Sinn= bild kan auch dieſe Beyſchrift haben:

Was Fruͤchte bringet/ und hieran dringet/ nach Tugend ringet. Ars Magne- tica Atha- naſ. Kirche- ri.

12. Der Magnet dienet in den Feldmeſſen/ Schiffarten/ Sonnenuhren/ Artz= neyen/ u. d. g. daß alſo der hochloͤblichen Fruchtbringenden Geſelſchaft Gemaͤhl= wort/ alles zu Nutzen/ zur Figur eines Sinnbildes haben kan/ eine Magnet= ketten/ deren Gelieder durch beſagte Anhaltende Tugend aneinander hangen. Der Meinung/ daß nunmehr ungezweiffelt der Teutſchen Sprache Tugend= Vermoͤgen nach und nach ergruͤndet und durchforſchet werde/ weilen auch die natuͤrliche Vrſachen des Magnetes/ welche bishero unbewuſt geweſen/ und an das Liecht herfuͤrkommen: In dem nemlich aus der Erfahrung erhellet/ daßCLXXI. der ſtarkziehend Magnet aus den tieffſten/ und der Erden Mittelpuncte naͤheſten Gruͤnden erhaben wird; daß die Erden mit hohen Gebuͤrgen (aus welchen al= len man das noͤhtigſte Metall das Eiſen und den Magnet graͤbet/) von Mittag gegen Mitternacht zu gleichſam umguͤrdet/ wie ſie anderſeits die Sonne von Morgen gegen Abend mit ihrem Laufe umwindet; daraus zu ſchlieſſen/ der Ma= gnet wende ſich nicht nach dem Nord=oder Leit=Sterne/ (wie man ins gemein waͤhnet) ſondern nach den Mitternaͤchtiſchen Erden/ wie die jenigen beobachtet/ ſo die gantze Welt uͤmſchiffet haben; daß daher auch eine eiſerne Na= tel in dem Waſſer enthalten/ die von dem Magnet niemals beruͤhret worden/ ſich gegen Norden wendet. In dieſer Be= trachtung habe ich beſagter Figur folgende Klingreimen bey= geſchrieben.

CLXXI.
Nun der Kunſtverſtand alle Nutzbarkeit findet CLXXI. die der Eiſenhold/- , id eſt, Ami- cus ferri. oder Wunderſtein fuͤhret: Wie Magnetiſche Kraͤften werden geſpuͤret Von dem Mittelpunct/ der den Erdenkreiß gruͤndet; Wie der Bergegurd dieſes Weltgebeu bindet/ der von Suden an gegen Norden zu ruͤhret; Wie ſich Eiſenwerk aller Orten gebuͤret/ und nach ſolcher Spur der Magnete ſich windet. Sol dann unſere Sprache niemand ergruͤnden? Von Anhaltiſcher Tugend loͤblichem Stammen/ Die Fruchtbringenden ihre Wurtzelkraft finden! unſre herrliche Teutſche Zunge beſchutzen/ und mit Fuͤrſtlichen Gnaden halten zuſammen/ bringt vielfaͤltige Fruͤcht’ uns allen zu Nutzen. CLXXI.

13. R. Man koͤnte auch zwey=und vierſtaͤndige Sinnbilder aufbringen/ und von Erkieſung derſelben/ das uͤbel=und wolſtaͤndige (als dieſes Orts die Wort= art iſt) abmerken/ und gleichsfals in gewieſe Regelen verfaſſen: Dann nichts in Gebrauch gelangen ſolle/ ohne vorhergehende abſonderliche umſtaͤndige Be= trachtung.

14. C. Jedoch daß ſolche Betrachtung zur Nachricht dienen/ und keines Wegs mit Geſetzeszwang die freyen Geiſter belegen ſolle.

15. D. Wie Herr Reymund/ von der hochloͤblichen Fruchtbringenden Geſelſchaft hochanſehlichen Herren Vrheberen/ ein dreyſtaͤndiges Sin ̅ bild erfunde ̅ ; alſo wil ich von deroſelben verſta ̅ ndigen Spracharbeit dergleichen anmelden. Ich mahle I. einen wilden Birnbaum/ mit dem Worte:

Viel bringet die Natur.

II. Einen Aſt von einem ſolchen wilden Baumen/ der mit einem Korbe/ ſo mit Erden ausgefuͤllet eingeſchlagen/ und zwiſchen der geritzten Rinden FaͤſerleinCLXXI. Wurtzel gewinnet/ das Wort iſt:

Viel Vnterweiſungs Fuhr.

III. Daß eben dieſem begleibten/ und von dem Staͤmmer abgeſaͤgtem und in die Erden geſenkeiem Aſte etliche Pelsreiſerlein aufgeſetzet zu erſehen mit dieſen Schlußworten:

Mehr ſtete Fleiſſes Spuhr!

Zu verſtehen/ daß unſer angeborne Sprache ohne Vnterweiſung und Fleiß ſo wenig zu erhalten/ als geſchlachte Fruͤchte/ von einem wilden Birnbaum zu er= warten.

16. A. Dieſes nun mus Reimweis beygeſchrieben werden.

17. D. Vngefehr ſolcher Geſtalt.

CLXXI.
SChau wie wunderſam die Natur ſich weiſet! CLXXI. Elſſylbige Klingrei= men. Wie ſie Wurtzel aus manchem Stamm forttreibet/ welcher ungepflegt ſonſten wild verbleibet/ und das Bauervolk in den Waͤldern ſpeiſet: Wann die Gartenkunſt Aeſte ritzt und reiſet/ und dem Erdenkorb’ artig einverleibet/ deren Faͤſerlein zarter Saft bekleibet/ wird geſchlachtere Frucht darvon gepreiſet. Oft des Fleiſſes Spuhr auch zu impfen pfleget/ wann ein ſtarken Aſt man herunter ſaͤget/ daß die Reiſerlein beſſre Nahrung ziehen. So die Teutſche Sprach’ unbemerkt verwildert/ die geſamter Fleiß reiflich=zart gemildert/ wann Fruchtbringende ſich hier bey bemuͤhen. CLXXI. Non ſolum armis.

18. V.

VI. DIe Schrift ſol niemals in der anderen Perſon/ ſondern allezeit in der erſten oder dritten reden; (es ſey dan ̅ / daß die Figur redend vorgeſtellet werde) ſonderlich aber vermeiden/ daß dardurch die gemeinte Gleichniſſen nicht an gewoͤhnliche ̅ Fuͤgwoͤrtlein hange: alſo/ dergeſtalt/ nicht anderſt/ u. d. g. welche jedesmals darunter verſtanden werden.

VII. Die Vberſchrift des Sinnbildes ſol eine halbe Reimzeil (we= gen genauer Verwandtſchaft der Poeterey und Mahlkunſt/) und in der Sprache/ in welcher es dienen ſol/ verfaſſet ſeyn/ wie gedacht.

VIII. Die Figuren und Schriften ſollen dergeſtalt miteinander ver= bunden ſeyn/ daß keines ohn das andere koͤnne verſtanden werden.

19. A Dieſes iſt alles leicht zu faſſen/ aber das fraget ſich: was von den Sinn= bilderen/ welche zweyerley Schrift haben/ zu halten ſey?

20. R. Wann das Sinnbild nur einer Schrift vonnoͤhten hat/ ſo wird es fuͤr kuͤnſtlicher gehalten/ dann die Erfindungen/ deren Gemaͤhlde/ ſo ohne ZuthunCLXXI. ſchriftlicher Erklaͤrung nicht koͤnnen verſtanden werden/ nicht fuͤr ſchicklich zu achten.

21. C. Welcherley Sinnbilder erheiſchen doppelte Vber=oder Beyſchriften?

22. D. Dieſe/ ſo von unkaͤntlichen Kraͤuteren/ Baͤumen/ Thieren/ Buͤcheren hergenommen werden/ und ohne abſonderliches Zuthun ihres Namen nicht zu unterſcheiden ſind. Saavedra hat ein ſolches Exempel. Er mahlet zwey Buͤ= cher/ an deren einem geſchrieben Euclides, an dem anderen Homerus: auf dieſen Buͤcheren ligt eine Koͤnigliche Krone/ und in derſelben Mittelpunct☞ Den Anfangs Buchſtaben dieſes Spiels. Imperato- riam Maje- ſtatem non ſolùm ar- mis decoratam, ſed etiam legibus oportet eſſe armatam. In Proœm. Inſtit. ein Federbuſch/ wie man ſonſten auf den Helm zu fuͤhre ̅ pfleget/ darzu ſchreibend:

Nicht nur mit den Waffen.

Er wil zu verſtehen geben/ was dort Juſtinianus der Kaͤiſer ſagt; daß die Kaͤiſer= liche Hoheit nicht nur mit den Waffen gezieret/ ſondern auch mit guten Geſetzen CLXXI.gleichſam gewaffnet ſeyn ſolle. Dieſer Welterfahrne Spanier hat darvor gehal= ten/ daß ein Fuͤrſt aus dem Euclide den Grund noͤhtiger Wiſſenſchaften/ aus dem Homero die ihm anſtaͤndige Regier=Kuͤnſte erlernen koͤnne.

23. J. Nun wir gehoͤret haben/ wie die rechten Sinnbilder beſchaffen ſeyn ſol= len/ ſo wolle der Herr auch widerholen/ von welcherley Sachen ſelbe ſollen her= genommen ſeyn.

24. V. Wann das Sinnbild eine Tugendlehre begreift/ ſo ſollen deſſelben Fi= guren von natuͤrlichen oder kuͤnſtlichen Dingen erkieſet werden: Iſt es aber da= hin nicht gemeinet/ ſondern bedeutet einen gewieſen Fuͤrſatz/ oder ſol zur Zierd ei= nes Aufzugs dienen; ſo mag es auch von Geſchichten/ oder Gedichten her= geholet werden/ welche doch nicht zu gebrauchen/ als in Ermang= lung beſagter natuͤrlicher und kuͤnſtlicher Werke/ ſeine Gedanken auszudrucken/ wie vormals ge= dacht worden.

Julia. CLXXII.

WEil von natuͤrlichen und kuͤnſtlichen Sachen zu reden kommet/ wil ich an meinem Orte dieſe Schaltfrage aufgeben: Ob mehr zu verwunderen die Werke der Natur/ oder der Kuͤnſte?

2. D. Durch die Natur wird alhier verſtanden die ſelbſtwirkende Kraft/ wel= che von dem hoͤchſtmaͤchtigſten Gott allen Dingen eingeſchaffen worden.

3. C. Durch die Kunſt wird gemeinet alles das/ was wir Menſchen/ durch emſiges Nachſinnen/ und Vnterſuchung erfahren und erforſchet haben.

4. R. Verwunderen kommet her von der Vnwiſſenheit/ und beſtuͤrtzet oftAdmiratio eſt progeni- es Ignoran- tiæ. Gell. in N. A. l. 5. c. 1. den gemeinen Mann/ daß er uͤbernatuͤrlichen Vrſachen zuſchreibet/ was von Handhabung der Kuͤnſte entſtehet.

5. A. Nun man wegen des Wortverſtandes richtig/ wird der Schluß leicht zu finden ſeyn.

6. R. Es iſt nicht die Frag: Ob die Natur oder der Kuͤnſte Werke hoͤher zu CLXXII.achten? Ob dieſe jene uͤbertreffen? welche nutzbarer/ u. d. g. ſondern welche in ge= nauern Betrachtungen wunderſamer befunden werden?

7. J. Die Abbildung iſt niemals dem gleich/ von welchem es erſehen worden. Es wirke gleich die Kunſt ſo natuͤrlich als es im ̅ er ſeyn mag; ſo muß es im Ende doch ein Gemaͤhl/ oder ein Bild/ und kein Menſch genennet werden; und ſolcher= geſtalt iſt die Kunſt eine Affin/ welche alles nach=aber niemals gleich thut.

8. D. Ich will erweiſen/ daß die Kunſt nicht nur der Natur gleich/ ſondern in vielen Stucken zuvorkommet: Giacinto Belpiero nel diſcor- ſo. 16. f. 240. Was ſol der Menſch ohne Zucht und Vnter= richt in Kuͤnſten und Wiſſenſchaften? er iſt dem dumen Viehe aͤhnlich/ und ſei= ner Vernunft/ vermittelſt welcher Gebrauche/ er ein recht Engliſches Leben fuͤh= ren kan/ nicht von Natur maͤchtig/ ſondern durch Vnterweiſung. Die Thiere wiſſen von natuͤrlichen Regungen/ ſo bald ſie geboren werden/ was ihnen vonnoͤh= ten zu ihrem Vnterhalt/ was ihnen ſchaͤdlich/ und genuͤget ſich ein jedes in ſeiner Art: Wir Menſchen ſind unerſaͤttlich/ wollen jederman regieren und fuͤhren/ und koͤnnen uns ſelbſten/ in ſo erkuͤhnten Ohnmaͤchten/ ſonder verſtaͤndige Belernung noch rahten noch helffen Wir mißbrauchen unſerer natuͤrlichen Ver=CLXXII. nunft/ und machen uns veraͤchtlicher als die Thiere/ welche in ihrem Geſchlech= te mehr geachtet werden/ als ein Menſch/ der ſeiner Sinne beraubet iſt/ oder ja derſelben zu ewigen Verderben ſeiner Seele gebrauchet.

9. C. Daß aber der Menſch guten Raht/ und ſo beſagte Kuͤnſtgemaͤſſe Be= lernung annemen kan/ iſt der Natur zuzuſchreiben.

10. R. Der Acker und der Samen were mir wenig ja zu nicht nutze/ wann ich nicht wuͤſte denſelben zu pfluͤgen/ und der Saat faͤhig zu machen/ welches der Kunſt beyzumeſſen.

11. A. Es ſcheinet/ daß der Kunſt ſo hohes Lob nicht ohne frevelen Vndanke zuzutheilen. Sich verwunderen kommet nicht her von der Kunſte/ die alles un= ter ſuchet/ eroͤffnet und gemein machet/ ſondern von der Natur/ welcher Kraͤfte in Verborgen ligen.

12. V. Deswegen entdecket jene ſo wunderſam/ was dieſe unſerer Vnwiſ= ſenheit verdecket hat.

CLXXII.

13. J. Solchergeſtalt muß ſich die Weißheit von ihren Kinderen rechtfern= gen/ und die gutthaͤtige Mutter die Natur von der Kunſte fuͤr unvollkommen ſchelten laſſen.

14. D. Die Warheit fuͤhret keine Scheltwort. Man betrachte die ſieben Wun= derwerke der Welt/ und ſehe/ ob ſolche von der Natur oder Chur erhaben worde ̅ ?

15. C. Woher hat man aber die Stein/ die Metalle/ und alles das/ woraus ſie gemachet geweſen/ entnommen?

16. R. Von der Natur: aber ſolches alles were ohne Verwunderung geblie= ben/ wann es die Kunſt nicht haͤtte ausgearbeitet/ und zu Werke gebracht. Das Feuer/ welches die Kunſt angezuͤndet/ der Klang/ welchen der Luft in den groſſen Orgelpfeiffen hoͤren laͤſſet/ die ſchoͤnen Waſſerwerke/ die mit Fleiß und Erfah= rung gebaute Gartenfruͤchte auf der Erden/ und dann die Schroll=und ſchlackige Metalle unter der Erden werden durch die kuͤnſtliche Hand/ und nicht durch die Natur zu verwunderen vorgewieſen.

17. A. Wie iſt dann endlich dieſe Frag zu verabſchieden?

18. V. Die natur hat jedem Menſchen eine Stimme ertheilet/ er kan aber die=CLXXII. ſelbe/ ohne Kunſtmaͤſſige Vnterricht in der Ton=oder Singkundigung/ nicht wolklingend gebrauchen: wir koͤnnen gehen/ aber deswegen nicht zierlich dantzen: die Natur hat dem Menſchen das edle Thier/ das Pferd untergeben/ die Kunſt aber hat es gezaumet/ abgerichtet/ und ihm deſſelben Zuͤgel (ſonder welche es faſt ohne Nutzen ſeyn ſolte) wolbedaͤchtlich uͤbereiget. Schlieſſe demnach/ daß durch die Kuͤnſte der Natur Eigenſchaften eroͤffnet/ unterſuchet/ durchforſchet wer= den/ und in Betrachtung ſo hoher Wolthaten/ der wunderbare Gott zu loben und zu preiſen ſey/ welcher fuͤr den Menſchen nicht nur ſo mancherley erſchaffen hat/ ſondern demſelben auch den Verſtand ertheilet/ ſolches alles ſich kluͤglich zu gebrauchen.

19. J. Damit wir nun/ nach dieſem Abtrit/ wieder zu den Sinnbilderen gelan= gen/ beliebe dem Herrn angefangenes Geſpraͤch fortzuſetzen.

20. V. Hier iſt zu gedenken/ daß in der Sinnbildkunſte der natuͤrlichen Erfin= dungen zweyerley Arten/ und entweder von himmliſchen oder Elementari= ſchen Dingen angefuͤhret werden.

CLXXII.

21. J. Warzu dienet dieſe Abtheilung?

22. D. Darzu/ daß man mit Vnterſcheid jene him ̅ liſche Figuren zu Geiſt= lichen Sachen/ zu Ehren Fuͤrſten und Herren oder ſonſten hohen Tugenden ge= brauche: geringere minderen Standsperſonen zueigene.

23. C. Durch ein Beyſpiel werden wir dieſe vernuͤnfftige Erinnerung beſſer abmerken.

24. R. Das Beyſpiel ſol ſeyn eine Sonne/ welcher Bildung in dem Gegen= ſchein einer Wolken zu erſehen/ mit dem Obworte:

Quia reſpexit. Malach. 4.

Zielend auf die Gebenedeite unter den Weiberen/ welche die Sonne der Gerech= tigkeit angeſehen/ und die Gnade des Hoͤchſten uͤberſchattet hat.

25. A. Die Figur und Deutung iſt Schriftmaͤſſig/ und lobens wehrt. Von dem Mond/ von den Sternen und himmliſchen Zeichen haben wir vormals Sin ̅ = bilder herfuͤhren hoͤren.

26. D. Vnter den Elementariſchen Figuren Templu ̅ Naturæ Hi- ſtoricum Kornman- ni. dienet auch zu dieſer KunſteCLXXII. das Feuer/ Salamandra/ brennende Berge/ kuͤnſtliche Feuerwerke/ Geſchuͤtze/ u. d. g.

27. C. Aus der Lufte kommet auch das vielerley Gefluͤgel zu den Sinnbildern geflogen/ das Federſpiel/ Vogelwildpret/ Vogelfangen/ allerley Muſicaliſche blaſende Inſtrumenten/ u. d. g.

28. R. Nicht weniger Figuren flieſſen her aus dem Waſſer/ welches an ſich ſelbſten auf manche weiſe dienet/ und mit ſeinen Schuppenheer zu ſonderlichen feinen Gedanken veranlaſſen kan.

29. V. Solcher geſtalt iſt auch die Erden fruchtbar/ und leihet dieſer Kunſte Thiere/ V. Aldro- vandi Or- nitholog. Nierimber- gl hiſt. ani- mal. pereg. N. Cauſini Polyhiſtor. Symbolic. Baumen/ Blumen/ Kraͤuter/ Geſteine/ deren Erkantniß aus der Na= turkuͤndigung nicht weniger Nutzen als Beluſten bringet.

30. J. Nun folget von den kuͤnſtlichen Figuren der Sinnbilder zu reden.

31. R. Allerley Kuͤnſte Handwerker/ und deren Gezeuge ſo ein feines Anſe= hen haben/ koͤnnen zu Sinnbilderen dienen/ und ſo viel fuͤglicher/ wann ſie mit CLXXII.

der Natur vergeſelſchaft ſind. So aber ſolche Kunſtwerke in Linien/ Circulen/CLXXII. Characteren/ Zahlen/ und anderen weißkuͤnſtlichen Beweißthumen Demon- ſtrationibꝰ Mathema- ticis. beſtehen/ ſo ſind ſolche nicht ſchicklich/ obgleich ſonſten die Deutung ſehr nachdencklich und darinnen wol verfaſſet were/ wie bereit auch vorgedacht worden: als wann man bedeuten wolte/ daß alle die gute Zeit/ ſo man in Muͤſſiggang und Vppigkeit ver= bringet/ der Tugend/ ſtudiren und guten Sitten abgehe/ und abgekuͤrtzet werde/ durch den 11. Satz des Euclidis/ in welchem Augenſcheinlich dargethan wird/ daß in den Kreutzlinien ein Winkel/ ſo viel kleiner/ ſo viel der andere groͤſſer iſt. Oder wann aus der Sehkunſte erwieſen wuͤrde/ wie alle Sonnenſtralen/ auf gewieſe weiſe/ den Monden erleuchten/ zu verſtehen die gutthaͤtige Eigenſchaft der Chriſtlichen Liebe.

32. D. Wie nun dieſe Erfindungen gar zu ſchwer ſind und ohne die Wiſſenſchaft/ in welche ſie einlauffen/ nicht erkundiget werden moͤgen: ſo finden ſich im Ge= genſatze auch gar zu leichte Sinnbilder/ deren Figur oder Schrift allein ver= ſtanden werden kan: als zween Hunde an einem Bein nagende/ zu bedeuten der CLXXII.bulenden Eiferſucht: Zwo Tauben/ zu bemerken die einige und friedſame Ehe: Ein Hertz mit einem Pfeile durchſchoſſen/ u. d. g. Mit welchen noch ſchlechtere Ehre/ als mit den vorigen/ einzulegen/ und bedunket mich verantwortlicher eine tiefſinnige Meinung verborgen fuͤhre ̅ / als gar zu gemeine Sachen hervorbringen.

33. V. Hieraus iſt leichtlich abzunehmen/ daß man von keinem Sinnbilde urthei= len kan/ man habe dann zuvor der Figuren Natur und Eigenſchaften gruͤndlich erlernet/ welche vielmals verborgen iſt/ und nicht ausgemahlet werden kan/ da= her dann des Sinnbildes Verſtand ſchwer und tunkel wird.

34. R. Anderstheils iſt auch oftermals die Obſchrift unlauter/ wann in der= ſelben ein Wort verſchwiegen wird und darunter verſtanden werden muß. Verbum reticentiæ apud P. Sanctam in Symb. he- roic. l. 3. Bargagli Impreſ. 375. Zum Exempel ſol ſeyn die vorweſende Meinung/ daß nemlich auch ein ſchweres Werk/ mit der Zeit/ durch Fleiß und Vbung zu erheben ſey: Solches zu bedeuten mahle ich einen geringen und ſchwachen Aſt mit groſſen Citronataͤpfelen und dem Obworte:

GEmaͤchlich.

verſtehend/ koͤnnen die kleine Reiſerlein ſchwere Fruͤchte tragen. Solche faſtCLXXII. tunkle Sinnbilder haben einen tiefſinnigen Nachdruk/ geſtalt der Gedanken Kraͤf= te die euſſerliche Sinne weit uͤbertreffen/ und in dem Gedaͤchtniß mit mehrer Beluſtigung hafften/ wie hiervon urtheilet der hocherfahrne Spanier Diego Saavedra. Lo que eſtà oculto pareze ſi- empre ma- yor, ꝓq; ſon mayo- res los efe- ctos de la Imaginaci- on, que el de los ſen- tidos. f. 73.

35 J. Wann aber die Sache/ von welcher man handelt/ ein Bild fuͤr ſich ſelbſt hat/ ſo kan man mit Fug bey ſelber Figur verbleiben/ und die Sinndeutung darvon herfuͤhren/ wie zuvor in unterſchiedlichen Exempeln gemeldet worden.

36. A. Ich habe beobachtet/ daß die Sinnbilder/ welche zuſammen gehoͤren/ auf Becher/ Loͤffel/ u. d. g. von einerley Geſchlechte Figuren hergenom ̅ en werden.

Angelica.

ES ſind auch in den Sinnepoppen Anna Roͤmers unterſchiedliche Sprichwoͤrter ausgebildet/ als/ ſie mahlet ein par Dantzſchuhe und ſchreibet bey:

daer hoort meer tom Dans. es gehoͤrt mehr zum Dantz. CLXXIII.

2. V. Dieſes mag man gemahlde Sprichwoͤrter fuͤglicher nennen als ge= ſchickte/ Kunſtmaͤſſige Sinnbilder/ welche auch ohne Gemaͤhlde zu verſtehen/ und vielmals faſt laͤcherlich kommen/ als wann Cats/ n ſeinem Spiegel von der alten und neuen Zeit/ mahlet einen Narren der uͤber Eyren ſitzet/ und ſchreibt darzu:

Es wird nichts drauß.

3. J. Oder wann man mahlte etliche Narren die ihre Kappen beſchaueten/ mit dieſem Obwort:

Eim jeden gefaͤllt die ſeine.

4. R. So mißſchicklich wuͤrde auch ſeyn/ wann ich ein Hund wolte mahlen der eine Bratwurſt freſe/ und ſchriebe darzu:

Er hats gewiß geſtolen.

abſehend auf das Sprichtwort: Die Hund eſſen keine Bratwuͤrſt/ ſie habens dann geſtolen: Wir wollen etliche erzehlen die beſagter maſſen auszu=CLXXIII. mahlen ſeyn moͤchten.

5. C. Was Waſſer geweſen iſt/ das wird Waſſer.

6. D. Fuͤchs mit Fuͤchſen fangen.

7. J. Diſteln ſind des Eſels Salatkraͤuter.

8. V. Einander den Pallen zuſchlagen.

9. A. Das Ey wil kluger ſeyn als die Henne.

10. R. Die toden Hunde beiſen nicht.

11. C. Die Ruht macht die Kinder gut.

12. D. Ein jeder Vogelliebt ſein Neſt.

CLXXIII.

13. J. Ein Eſel heiſt den anderen einen Sacktrager.

14. V. Man ſol dem geſchenkten Pferd nicht in das Maul ſehen.

15. A. Der Bettelſack iſt Bodenloß.

16. R. Die Narren haben das beſte Leben.

17. C. Irret der Hirt/ ſo irren die Schaafe.

18. D. Die Katz gehetuͤm den heiſſen Brey.

19. J. Die groͤſte Suͤnde zu Rom iſt kein Gelt ha= ben.

20. V. Die Katz wil nicht in das Waſſer/ aber die Fi=CLXXIII. ſche haͤtte ſie gerne.

21. A. Wann dem Eſel zu wol iſt/ ſo geht er auf das Eiſe.

22. R. In den Rohren ſitzen/ oder

einen Knoden an der Pinſen ſuchen.

23. C. Solchergeſtalt koͤnte man ein gantzes Buch von gemahlden Sprich= woͤrteren zuſammenbringen/ weilen derſelben viel/ unter welchen die artlichſten ſind/ die halb geſchrieben/ und halb gemahlet werden.

24. R. Der Teutſchen/ wie auch aller anderer Voͤlker Weißheit beſtehet in☞ Vorrede der Zugab II. Theils ď Geſpꝛaͤch= ſpiele. den Sprichwoͤrteren/ und iſt ein Luſt denſelben nachzuſinnen/ und zu forſchen wie tiefſinnig oftermals etwas ausgeredet/ welches wir heut zu Tage faſt taͤglich CLXXIII.in dem Munde fuͤhren/ die Deutung wiſſen/ aber nach dem rechten Wortver= ſtand noch die Vrſachen und Ankunfften nicht beobachten: als man ſagt: alles zu Boͤltzen drehen: Wie genau und eben ein guter Boltz muß gedrehet werden/ daß er nicht zu ſchwer/ nicht zu leicht/ ſein richtiges Gewicht/ Laͤnge/ Rundung und Gefuͤder habe/ verſtehet niemand als die ſich deren gebruuchen.

25. V. Man ſagt: Viel Schwaͤger/ viel Spieſe/ komt her von der alten Teutſchen Gebrauche/ ſo wegen der vielen Waͤlder ins gemein Jaͤger und Waid= leute geweſen/ welche zur Hochzeit jedesmals ihre Spieſe mitgenommen/ die Braut zu beſchuͤtzen: wie ſolches noch an dem Reinſtrom gewohnlich/ und auch die/ ſo ſonſten keine Degen tragen/ ſolche bey hochzeitlichen Begengniſſen anguͤr= den. Wo dann nun die Freundſchaft in groſſer Anzahl erſchienen/ haben ſich auch die Spieſe/ ſo man bey der Mahlzeit zuſammengeleinet/ gehaͤuffet/ daher man dann geſagt: Viel Schwaͤger/ viel Spieſe.

26. D. Dieſes gehoͤret zu dem Geſpraͤchſpiel von den Sprichwoͤrteren. Wann man aber zur Kurtzweil dergleichen mahlen wolte/ moͤchte man die Sprichwoͤrter aus fremden Sprachen ſammelen/ und in der unſeren ausbilden/ als wannCLXXIII. f. 92. Saavedra mahlet zwey Stuck Purpur/ und ſchreibet ob dieſelben:

Schau den Purpur neben Purpur. Purpura juxta pur- puram.

Solches ziehet er dahin/ daß ein Koͤnig ſeinen Purpurrock gegen ſeiner hoch= ruͤhmlichen Vorfahren Thaten halten ſol/ aus welcher Geſchichtbeſchreibung ſein wahres oder falſchgefaͤrbtes Lob erhellen werde. Il Politi- co Privato del Virg. Malvezzi. f. 21.

27. R. Ob zwar dieſe Erfindung ſehr ſchoͤn/ ſo moͤchte doch ein Genauſichti= ger erinneren/ daß ſie ohne die Farben nicht zierlich zu mahlen kommet/ welches ſonſten in den Sinnbilderen erfordert wird: doch erſetzt den Mangel die deutliche Schrift.

28. V. Von den Erfindungen der Sinnbilder werden ausgeſetzet die Gedich= te und Geſchichte/ weil ſolche viel zu ſchwach die Tugendlehr/ dahin die Sinn= bilder ins gemein zielen ſollen/ auszuwuͤrken.

29. D. Wie aber/ wann die Geſchichte oder Gedichte ſo gemein/ daß man ſelbe CLXXIII.ohne ſolche umſtaͤndliche Ausfuͤhrung verſtehen kan? Als da iſt das Trojaniſche Pferd; deswegen man die Mauren zerriſſen/ weil es ſo groß/ daß man es ſonſten nicht haͤtte koͤnnen in die Stat bringen/ mit der Schrifte:

Specie reli- gionis. Saa- ved. f. 167. MIt Vorwand der Religion.

30. C. Wem dieſe Begebenheit nicht bewuſt/ der hat Vrſach darnach zu fra= gen/ und ſolche Geſchichte zu erlernen: wie man auch ſonſten allen Sinnbilde= ren ihre Deutung anfuͤget.

31. R. Es mag belieben wem es will; den Geſetzen/ welche die Meiſter der Sinnbildkunſt gegeben/ lauft es zu wider/ und koͤnte faſt leichter ohne Gemaͤhld fuͤr ein Exempel eingefuͤhret werden. Noch ſchwerer aber iſt es/ wann die Ge= ſchichte unbekant: als/ man lieſt daß ein Hund auf ſeines Herꝛn Grabe Hungers geſtorben: Solches wolte ein Diener/ zu Bezeugung ſeinerCLXXIII. Treue/ in einem Sinnbilde fuͤhren/ mit der Beyſchrift:

UNd noch viel mehr. y aun mas. I. C. Capac- cio. l. 2. f. 47.

verſtehend/ daß wann es moͤglich/ durch ſo ſchmertzlichen Hungerstod/ ſeinem Herrn zu dienen/ er darzu willig und erbietig ſey.

32. V. Damit wir uns aber nicht gar zu lang in dieſer Kunſt aufhalten/ iſt ſchließlichen zu gedenken/ daß auch die Einfaſſung der Sinnbilder nicht laß oder muͤſſig ſeyn/ ſondern ſich ſo viel thunlich darzu ſchicken ſol. Herr Camerarius/Emblemat. l. 1. in Præ- loquio. welcher etlich hundert ſchoͤne Sinnbilder gefertiget/ wil/ daß ſelbe allezeit mit ei= ner Rundung umſchloſſen ſeyn ſollen/ weil ſolches die vollkomlichſte/ raumlich= ſte und zierlichſte Figur ſey. Andere gebrauchen ſich ablanger Rundungen/ oder/ wie man ins gemein redet/ der Ovalen; Etliche der ſechs=oder achteckichten Ein= faſſungen; Etliche allerley Schnorkel=Seul=oder Blumwerke. Es iſt aber hierbey CLXXIII. ☞ LXVII. 4. LXXXV. 2. LXXV. 2. LXVIII. 1.nichts gewieſes fuͤr zuſchreiben/ und ſtehe ich in dem Wahn/ daß die beſten Ein= faſſungen ſind/ wann ſie das Sinnbild zugleich ausdrucken und verſtehen helf= fen. Iſt ſolches auf einer Muͤntz/ Schau=oder Gnadenpfenning/ in einem Fuß= geſtell einer Seulen/ auf Schilden/ Buͤchslein oder Schaͤchtelein/ u. d. g. ſo be= darf es keiner anderen Zierde: Iſt es aber frey/ ſo kan es/ wie gedacht/ eine mit= deutende nachſinnige Einfaſſung haben.

Reymund. CLXXIV.

ICh will bey dieſer Gelegenheit erzehlen/ wie mir ein einiges Wort zu einem zweyſtaͤndigen Sinnbilde Anlaß gegeben/ welches vieleicht in - - - - .einer Tafel zu gebrauchen ſeyn koͤnte. Man ſagt in gemein: Es ſey ein jeder ſeines Gluͤcks ſelbſt eigener Werkmeiſter Dieſes kan zweyer= ley Verſtand haben: Nemlich/ daß der Gottloſe ihm eine Huͤtten baue wie eine Spinne/ aus dem Laſtergift ſeiner Suͤnden und in ſeinen Weben verderbe: Senec. ep. 98. Salluſt. Orat. 1. de republ. ordin. Iob. 27, 18. oder daß ein kluger Mann ſeine Sicherheit in rechtmaͤſſiger Gemuͤts Benuͤgung fin=CLXXIV. de/ und ihm ſolchergeſtalt ſein Gluͤck gleichſam mit eigenen Haͤnden aufbauen koͤnne. Zu ſolchem Gluͤcksbau wolle ein jedes in der Geſelſchaft ihm belieben laſ= ſen etliche Werkſteine guter Erinnerung beyzutragen.

2. J. Der Herr lege den Grund.

3. R. Der Grund dieſes Baues beruhet in ſicherer Erkantniß/ daß eines je= den Menſchen Gluͤck haffte in Vergenuͤgung ſein ſelbſten/ welche auf dreyerley weiſe zu erhalten: Erſtlich/ daß er alle/ mit denen er in dieſem Leben umgehen muß/ zum anderen/ daß er ſich ſelbſten erkenne/ zum dritten/ daß er alles ſein Thun und Laſſen mit reiffer Betrachtung angehe/ und ſolchergeſtalt widerwerti= ge Begebenheiten kluͤglich vermeide. Ich mahle einen Triangel oder Bleywaag mit welchem man alles auf das genauſte abwaͤgen kan/ benebens einem Bleyſen= kel an einer Schnur/ dardurch man erfahren mag/ ob auch das/ was man nicht ſihet/ recht oder ſchlimm iſt/ mit der Schrift:

Wer ſich und andre recht erkennt/ CLXXIV.

In das andere Sinnbilde mahle ich eine Maͤſſe ſchnur mit einem Roͤtelfaß/ ver=CLXXIV. mittelſt welches man das Bauholtz abſchnuͤret/ bezeichnet/ und dann mit dem Beule oder der Axte (ſo darneben zu erſehen) behauet/ und das Zimmer abbin= det/ mit folgender Reimzeil:

richt alles zu benuͤgtem End.

Dieſes zweyſtaͤndige Sinnbild iſt zwar einfaͤltig und ſchlecht/ ſol aber zu gutem Geſpraͤche Gelegenheit geben.

4. J. Weil ſchwerer iſt ſich ſelbſt/ als andere zu erkennen/ (maſſen man ſich ſel= ten in den Spiegel/ andere oft=und vielmals anſchauet/) wolle der Herr von den leichtſten einen Anfang machen.

5. R. An dieſer Wiſſenſchaft iſt viel gelegen/ und ſolten wir billich euſſerſten Vermoͤgens hierinnen uns bemuͤhen: nicht anderſt als ein Werkmeiſter/ der zu ſeinem Baue nohtwendige materialien/ Steine und Hoͤltzer/ zuvor mit der Bley= waag abwiget/ zurichtet/ behauet und abſihet/ an welches Ort ein jegliches ſchicklich/ CLXXIV.und alsdann erſt zu Werke bringet: Solchergeſtalt ſollen wir uns befleiſ= ſen/ alle Beſchaffenheit deren/ welche uns in unſerem Leben foͤrderlich oder hin= derlich ſeyn koͤnnen/ auf das allergenaueſte zu erkennen.

6. A. Iſt aber muͤglich/ in den betruͤgliche Menſchen=Hertzen das Tiefver= borgene zu durchſehen?

Sprichw. 20/ 5. exhauſit. Hæ ſunt propoſitio- nes Mino- res in ſyllo- giſmo acti- vo.

7. R. Salomon der weiſeſte unter allen Koͤnigen ſagt hiervon alſo: Der Raht im Hertzen eines Mannes iſt wie tieffe Waſſer/ aber ein ver= ſtaͤndiger kans merken was er meinet/ nach der Grundſprache heiſt es/ kan es erſchoͤpfen.

8. C. Solte alſo in gewieſe Vnterrichtung koͤnnen verfaſſet werden/ wie ein jeder Menſch abſonderlich zu erforſchen und zu erkennen ſey?

9. R. Von jedes Standsperſonen wollen wir nicht ſagen: weil dieſe Sache alle zu weitlaͤufftig/ und an anderen Orten davon zu finden/ Characte- res Politici I. H. Bœcleri ad Vell. Paterc. ſondern nur ins gemein erzehlen/ was jener vnvergleichliche Engelaͤndiſche Cantzler Verulam. de Augment. Scient. 818. L’ artiſan de la fortune. hiervon aufgezeichnet hinterlaſſen.

Es ſind ſechſerley weiſe andere zu erkennen:

CLXXIV.

I. Aus dem Angeſicht und den Geberden.

10. D. Hiervon ſind zwo abſonderliche Kuͤnſte/ Porta & Bonifacio. ☞ XVIII. von den Italia= neren/ verfaſſet; aus dem Angeſicht des Menſchen vernuͤnfftig zu ur= theilen/ (wie bereit vormals Anregung beſchehen/) und dann die Deut= kunſt: welche beide Wiſſenſchaften derſelben Erfahrne niemals truͤ= gen.

11. R. II. Aus den Worten/ welche ob ſie wol vielmals falſch ſind/ doch aus Betruͤbniſſen oder unerwarten Faͤllen/ ſo zu dieſem Ende vielmals erdichtet werden/ zu erken ̅ en ſind/ daher der Spanier Sprich= wort komt: Sag eine Luͤgen/ ſo hoͤrſt du die Warheit.

Dized mentiras y ſacaras la verdad.

Ob nun III. die Werke fuͤr wahre Kennzeichen des Menſchlichen Ge= muͤhtes zu halten/ ſo iſt doch auch vielmals groſſer Falſch darunter verhuͤllet: Solche zu erkennen muß man derſelben Wichtigkeit/ End= und Nebenurſachen/ ſamt anderen Vmſtaͤnden/ reiflich betrachten.

CLXXIV.

IV. Sind einfaͤltige Leute aus ihren angeerbten natuͤrlichen Neigun= gen; die Verſchlagene aus ihrem Fuͤrhaben und Begierden auszufor= ſchen.

Wie auch V. die Betrachtung/ warzu ein jeder von Jugendauf erzogen und angewaͤhnet worden/ fuͤr ein treffliches Kennzeichen zu erachten.

VI. Lernen wir auch die Leute erkennen aus anderer Berichte/ ſo nicht ſo wol von fremden/ (gegen welche man allezeit ſich verbirget/) als von den Haußgenoſſen erſtattet wird.

Zum Gebrauch nun dieſer abgetheilten richtigen Bleywaage dienet/ daß man mit vielen verſtaͤndigen Leuten umgehe; daß man mit groſ= ſer Klugheit die Reden in Acht habe; (dann derſelben Freyheit zu mehreren Vertrauen/ und unbedachtſamer Beſchuldigung einer Grobheit/ gedeyen kan:) daß das gegenwaͤrtige Geſcheffte alſo be= trachtet komme/ damit auch allezeit etwas zu Behuff kuͤnfftiger Faͤl= le erlernet und abgemerket werde.

12. J. Vnd dieſer Bericht andere zu erkennen ſol dienen zu beſagtem Gluͤcks=CLXXIV. bau/ damit man wiſſe wo/ wann und wie man ſich der Freunde zu gebrauchen/ und vor den Feinden zu huͤten habe.

13. R. Die andere Figur des Sinnbilds iſt der Bleyſenkel an einer langen Schnur abhangend; deſſen man in dem Bauwerk ſich gebrauchet zu erforſchen/ die Hoͤhe eines Hauſes/ die Tiefen eines Brun ̅ ens/ oder dergleichen Ort da man ſonſten nicht hinlangen kan; dienet benebens zu erkundigen/ wie Waagrecht und gerad ein jedes Werk ſeye.

14. A. Was verſtehet aber hierdurch der Herr?

15. R. Die Kunſt ſich ſelbſten zu erkennen: Dann weil ein Mann ſein leib=Jacob. 1/ 23. 24. lich Angeſicht in dem Spiegel beſch auet/ und nach dem er es beſch au= et hat/ gehet er von ſtund an davon/ und vergiſſet wie er geſtalt war/ iſt unſchwer zu erachten/ wie leicht wir unſerer ſelbſten vergeſſen/ und aus den Augen ſetzen was wir ſind und vermoͤgen.

Solches nun zu leiſten iſt I. zu betrachten: ob und wie unſere Neigungen CLXXIV.mit unſerer Zeiten Beſchaffenheiten uͤbereinkommen? Nach Be= findung dieſes wird jeder wiſſen ſich dem gemeinen Weſen einzumi= ſchen/ und zu entziehen.

II. Ob ihm die weiſe/ ſein Leben zuzubringen/ welche er mit groͤſtem Bedacht und verſtaͤndigen Einrahten von Jugend auf abgeſehen/ Genus vitæ maximè a- ptum & in- genio ſuo congruum ſumat. ſeinen natuͤrlichen Neigungen anſtaͤndig?

III. Wie weit er ihm getraue zu kommen/ unter den jenigen/ welche mit ihm jn gleichem Stande dahin zu gelangen bemuͤhet ſind.

IV. Daß er ihm anſtaͤndige Freunde erkieſe/ welcher Raht und Huͤlff er ſich zu gebrauchen gedenket/ und von welchen Vermahnungen er ſich ſelbſten erkennen lerne.

V. Sol er anderer Exempel nicht zu wenig noch zu viel nachahmen/ und jederzeit gedenken/ es weiter zu bringen und lieber anderen vor= kommen/ als nachfolgen wollen.

VI. Iſt ſehr viel daran gelegen/ daß man das/ was man ihm zu leiſten getrauet/ nicht zu ruck halte/ noch zur Vnzeit damit hervorpralle;CLXXIV. dann man hierinnen leichtlich zu Schaden handelen kan. Das Ge= muͤht ſoll allen Begebenheiten gemaͤß erfunden werden; in dem das annahende Vngluͤck mit Verſtand (ſo viel thunlich) gemindert/ das Gegenwaͤrtige mit Gedult ertragen/ das Kuͤnfftige mit behutſamerQuod ſi Deus nos perditos volet, ſolu- tio erit; ni- hil omiſiſſe Pietatis & Virtutis ad eluctanda ̅ ruinam. Vorſorge gewendet werden mag: ſich in den allerelendeſten Fuͤgniſ= ſen erinnerend/ daß keine Gottſelige Tugend unterlaſſen worden/ ſol= ches Vnheil zu vermeiden/ und ſein Sprichwort ſeyn laſſen: Der Menſch denkt es/ Gott lenkt es.

16. C. Dieſes aber heiſt noch nicht gebauet/ ſondern nur den Vorraht zur Hand ſchaffen.

17. R. Wie aus einer vollen Kuchen leichtlich eine Mahlzeit kan zubereitet werden; alſo iſt auch von allerley Baugeretſchaft leichtlich ein Hauß aufzurich= ten. Wer einen Thurn bauen wil/ der ſitzet zuvor und uͤberſchlaͤgt die Vnkoſten/Luc. 14/ 28. ob ers habe hinaus zu fuͤhren.

CLXXIV.

18. D. Was iſt dann die Deutung des zweiten Sinnbildes?

19. R Das Roͤtelfaß ſamt der Schnur und dem Beulen bedeutet/ wie man ſich der vorermelden Anmerkungen gebrauchen ſol. Der Werkmeiſter muß den richtigen Maasſtab ſeines Verſtands ſtetigs bey ſich tragen/ und nach Abſe= ſehung/ wie und wo jedes dienſtlich/ folgende Erinnerungen beobachten:

I. Sol er in ſeinem Gluͤcksbau der Natur nachahmen/ welche nichts ohne gruͤndliche Endurſache richtet und verrichtet. Nachmals iſt hierbey ordentlich zu verfahren/ und zu betrachten/ daß/ wann das Maas nicht ſo eben genommen ſeyn ſolte/ und ſich eines oder das an= dere/ warzu wir unſere Arbeit angewendet/ nicht ſchicken wolte/ wie es alsdann zu lenken und zu wenden/ daß die Muͤhe nicht vergebens ſey. Nicht anderſt als wie man die Geſanden/ ſo in entlegene Ort ab= geſchicket werden/ umſtaͤndig befehlicht/ wie ſie ſich auf alle Begeb= niſſen verhalten ſollen. l’ Ambaſ- ſad. de Mar- ſaler.

II. Iſt auch durch die Roͤtelſchnur und das Beile ausgebildet/ wie Stein und Holtz zum Bauwerke zu bereiten/ daß ſich nicht nach dem CLXXIV. Miſter/ ſondern der Meiſter nach denſelben richten muß: Gleicher= geſtalt wir uns die Gelegenheit unſeres Gluͤckes ſelbſten bequemen und bereiten ſollen.

III. Muß ſich der Werkmeiſter nicht laſſen hinderen/ wan ̅ ihm gleich unterſchiedliche Aeſte/ harte Knoͤde ̅ / jare/ oder andere Beſchwerniſſen in Zubereitung der Geretſchaft zu handen ſtoſſen; ſich erinnerend/ daß er ihms muͤſſe laſſen ſauer werden/ und nicht mehr zu leiſten ſchuldig ſey/ als den moͤglichſten Fleiß ſeiner Kraͤfften.

IV. Daß er nicht in vergeß ſetze das gemeine Sprichwort: Wer wil bauen an die Straſſen/ der muß die Leute reden laſſen. Wann er ſeine Be= quemlichkeit und Vergnuͤgung findet/ hat er nicht viel zu fragen/ was der Mißverſtand darvon urtheile: oder nach der Frantz oſen Sprich= wort zu reden: Man ſol ſein Gluͤck nicht meſſen nach fremder Elen.

Menſurer ſa fortune à L’ aune d’ autruy.

V. Sol dieſer Bau auf die Waͤhr= und Daurung gefuͤhret werden/ CLXXIV.und zu feſten Grundſteinen haben/ die Liebe GOttes und des Nech= ſten/ in welchen Stucken die wahre Gluͤckſeligkeit beruhet.

VI. Weil dieſes/ wie auch alle andere Menſchenwerke/ in ihrer Ge= brechlichkeit beſtehen/ als wolle der Werkmeiſter ſich nicht bereden/ als ob dieſer Gluͤcksbau/ welchen er nach der Bleywaage ſeines Gut= dunkens hat aufgefuͤhrt/ ohne Wandel ſeyn ſolte. Vielmehr wird er erfahren muͤſſen/ daß man in der Baukunſt niemals auslernet/ und wie wir Menſchen uns nicht leichtlich mit unſerem Zuſtande genuͤgen laſ= ſen; ja vielmals lieber Vngluͤck haben/ als erwarten wollen/ wird er ihm ſelbſten die begangenen Fehler und Maͤngel anmerken.

Symetria.

20. J. Die Ebenmaͤſſigkeit dieſes Baues wird man zuvor auf dem Papyr vor= reiſſen muͤſſen.

21. V. Ja freylich/ mit Zuziehung Kunſtverſtaͤndiger Rahtgeber.

22. A. Wie niemand leichtlich in eines anderen Hauß vergenuͤget lebet/ alſo kan man auch vielmals die Gluͤckſeligkeit in ſich finden/ welche man umſonſt auſſer ſich ſuchet/ und iſt gewißlich die Geſundheit fuͤr den Eckſtein dieſes BauwerkesCLXXIV. zu halten.

23. R. Auch dieſelbe ſtehet faſt in unſeren Maͤchten/ nach dem Sprichwort: Der Mund iſt des Menſchen Henker und Artzt. Vm lang und geſund zu leben/ hat hochermelter Cantzler in Engeland gerahten/ man ſolte einem jeden Kinde/ nach ſeiner Beſchaffenheit/ bald von den zarten Jahren an/ gewieſe Reg= len vorſchreiben/ wie ſelbes ſich in Speiß/ Trank/ Schlaffen/ Wachen/ Vbun= gen/ u. d g. verhalten ſolle.

24. C. Herr Degenwert hat zuvor von einer neuen Kunſt Meldung gethan/ welche/ wie ich mich erinnere/ in Deutungen der Geberden beſtehen muß. Ihm beliebe uns hierinnen mit mehreren zu berichten.

Degenwert.

ISt unter allen Kuͤnſten eine/ die nicht/ oder wenig bekant iſt/ ſoCLXXV. Die Deut= kunſt. halte ich darfuͤr/ es ſey die ſo genante Deutkunſt. Dann die vierer= ley Arten/ derer wir Menſchen zu Ausdruckung oder Verſtaͤndniß CLXXV.unſerer Gedanken gebrauchen ſind 1. die Rede/ 2. die Schrift/ 3. die Bilder/ und 4. die Geberden. Von jenen dreyen haben ihrer viel geredet/ geſchrieben und gemahlet/ von dieſen (meines geringen wiſſens) niemand/ auſſer eines Aca- demici zu Verona. Giov. Bo- nifacio A- tademico Filarmoni- co dell’ ar- te de’ cen- ni. Es iſt aber die ſo benamſte Deutkunſt eine ſtumme Be= redſamkeit/ Taſſo C. 4. ſt. 85. cio che la lin- gua eſpri- mer ben non puote, Muta elo- quenza ne’ ſuoi geſti eſpreſſe. eine ſtillſchweigende Sprache und eine natuͤrliche Vnterrichtung ſich zu verſtehen machen. Wie nun unter der Menſchen Verſtand oder Geiſt eine gruͤndliche Vnterſcheidung zu finden/ daß etliche mit Erfindungen/ etliche mit Abtheilungen/ etliche mit Ausfuͤhrungen/ etliche mit Beurtheilunge ̅ fuͤrgegebener Sachen begabet ſind; alſo laſſen ſich etliche durch die Rede/ andere durch Schrif= ten/ andere durch Bildereyen oder bewegliche Geberden uͤbermoͤgen und beherr= ſchen.

2. C. Dieſes iſt eine neue mir/ und vieleicht vielen eine gantz unbekante Kunſt.

3. D. Die Sache an ſich ſelbſten iſt alt/ derſelben Kunſtrichtige Verfaſſung neu: dann der Menſch wird ſtumm und taub geboren; Erſtlich hoͤrt er/ dann ſi= het/ und letzlich redet er: So bald er aber ſeiner Gliedmaſſen in etwas maͤchtig wird/ ſo bald iſt eine gewieſe Deutung in allen ſeinen Geberden/ wie dann un=CLXXV. ſchwer zu erſehen/ daß ein Kind/ welches noch ſeines Verſtandes/ noch der Rede faͤhig iſt/ ſein Begehren nichts deſto minder durch die Regung der Haͤnde und Bewegung des Haubts verſtehen machet. Iſt alſo die Lehrmeiſterin dieſer Kunſt die Natur ſelbſten/ welche auch das unvernuͤnfftige Vieh verſtaͤndigt/ wie ſie ihr Verlangen und Begierden entdecken ſollen. Es iſt eine hohe Wundergabe Gottes mit vielen Zungen zu reden; jedoch ſcheinet als ob nicht minder zu preiſen ſey die Deutkunſt/ welcher Wuͤrkung allen Voͤlkeren von der Natur ſelbſten eingepflan= tzet/ da hingegen/ eine gewieſe Sprache reden/ muß nach jeder Landsart durch Vnter weiſung erlernet werden: Dann wann eine Sprache dem Menſchen an= geboren were/ wuͤrden wir alle ins gemein uns derſelbigen gebrauchen/ und alle Voͤlker einander wol verſtehen/ wir auch nicht benoͤhtiget ſeyn/ unſere faͤhigſte Jahre in Erlernung der Sprachen zuzubringen/ ſondern alsbalden die Wiſſen= ſchafften ſelbſten faſſen und erhalten koͤnnen.

4. R. Flieſet nun dieſe Kunſt von der Natur her/ und iſt allen Menſchen an= geboren/ ſo bedarf es keiner Kunſtverfaſſung/ oder abſonderlichen Reglen.

CLXXV. ☞ CLXXI.

5. D. Mein Herr weiß/ daß die Kunſt vollzieht/ was die Natur anfaͤnget/ wie zuvor erwaͤhnet worden.

6. A. Weil das Ende der Anfang aller Sachen ſeyn ſol/ ſo geruhe der Herr Quod pri- mum eſt in intentione, ultimu ̅ eſt in executi- one.uns zu verſtaͤndigen/ was dann ſolche Deutkunſt abſonderlich fuͤr Nutzen habe.

7. D. Ich will nicht gedenken/ daß etliche Voͤlker gegen Aufgang der Son= nen/ Plin. l. 6. c. 30. Quibꝰ- da ̅ pro ſer- mone nuꝰ, motusque membroru ̅ eſt. wie auch zum theil die Indianer/ ſich des Deutens im kauffen und ver= kauffen an ſtat der Sprache gebrauchen/ ſondern wiederholen/ was zuvor Herr Reymund erwaͤhnet/ daß man aus den Geberden vielmals abnehmen kan/ was man ſonſten mit Worten und Werken zu verbergen ſich bemuͤhet/ nach des wei= ſen Haußlehrers Spruch: Sirach. 19, 27. Ein Vernuͤnfftiger merket den Mann an ſei= nen Geberden. Vnd der Koͤnig Salomo ſagt: Prov. 20, 11. Man kenne einen Kna= ben an ſeinem Weſen/ ob er fromm und redlich werden wil. Ein Exem= pel leſen wir bey dem Evangeliſten Luca/ 7, 37. von der Suͤnderin/ welche in des Quintil l. 11. cap. 33. Vultu plurima intelligimus, & eſt ſæpè pro omnibus veibis.Phariſeers Hauß ihrer Miſſethat Vergebung durch Deutgeberden erhalten/ ohne Zuthun eines Wortes: Sie trat hinten zu ſeinen Fuͤſſen/ weil ſie außCLXXV. Scham/ wegen ihres Verbrechens/ unſerem Seligmacher nicht unter Augen kommen wollen: Sie weinete/ aus hertzlicher Reue und Bußfertigkeit/ und fienge an ſeine Fuͤſſe zu netzen mit Threnen/ zu Beglaubung ihrer Gewiſ=☞ Den An= fangsbuch= ſtabe ̅ dieſes Spiels. ſensangſte: und mit den Haaren thres Haubtes zu truͤcknen: bezeugend/ daß ihrer Suͤnden mehr weren als Haare auf ihrem Haubte: Pſal. 40/ 13. Sie kuͤſſete ſeine Fuͤſſe ihren Glauben und Liebe zu beweiſen: und ſalbete ſie mit Salben/ ihre Wolthaͤtigkeit im Werke zu bewaͤren; wie ſolches auch nachmals in folgender Geſchichterzehlung ausfuͤhrlich von dem Munde der Warheit geruͤhmet wird: in dem ſie ſehen laſſen die Geberden der Demut/ der Liebe/ der Gottesfurcht/ der Ehrerbietung und Wolthaͤtigkeit. Deswegen der Phariſeer hoͤren mus die Ver= weißwort; Ich bin kommen in dein Hauſe/ du haſt mir nicht Waſſer gegeben zu meinen Fuͤſſen/ du haſt mir keinen Kuß gegebe ̅ / du haſt mein Haubt nicht mit Oele geſalbet. Aus dieſer Erzehlung erhellet/ daß ein Vn= terſchied bey allen Voͤlkeren unter der Ehre und dem Lobe: Jenes beſtehet in Ge= berden/ dieſes in Worten.

CLXXV.

8. V. Es kan aus allen Wiſſenſchaften etwas unter dieſe Deutkunſt gezogen werden. Von der Sprachlehre iſt bekant/ daß die Buchſtaben nichts anders Becan. Mercenne aux Veri- tes des Sci- ences. f. 70.ſind/ als Bedeutungen der Toͤne oder Laute/ aus welchen die Sylben entſtehen/ und ſind ſolche Zuͤge (wie etliche wollen/) von der Natur ſelbſten erfunden/ als daß das Orund gezogen wird/ ſol die Vrſach ſeyn/ weil wir den Mund in die Rundung formen/ wann wir ſolchen Buchſtaben ausſprechen/ daß das ſ lang/ und das s krumm/ ſol von dem ziſchen der Schlangen abgeſehen ſeyn. Derglei= chen iſt auch von anderen Buchſtaben in einem beſonderen Geſpraͤchſpiele zu ge= denken/ welches wir dahin verſparen wollen/ damit nicht alles untereinander ge= menget werde. Von der Vernunfftkunſt iſt eine gantze Streitrede Diſputa- tio. Pantag. l. 3. f. 83. zu leſen/ bey dem Pantagruel/ in welcher Nazdecabre und Panurge mit Zeichen und Ge= berden einander widerlegen/ und berichten. Von der Wolredkunſt iſt wiſ= ſend/ daß ihre Meiſterſtuͤcklein in den ziemlichen Geberden in Actio- ne. beſtehe ̅ / welche auch die Beredſamkeit des Leibes genennet/ die von innerlichen Bewegungen herkom= men/ und der Zuhoͤrer Hertzens=Regungen lenken und wenden. Die Poeterey iſt im Werke nichts anders als ein Wortgemaͤhl/ welches alle Vmſtaͤnde undCLXXV. Geberden auf das artlichſte ausdrucket/ und gleichſam gegenwaͤrtig vor Augen ſtellet: und ſcheinet daß die gebundene Rede/ wann ſelbe ſoll oͤffentlich angehoͤ= ret und vernommen werden/ der Geberden mehr vonnoͤhten habe/ als die unge= bundene/ weil jene/ wegen der Reimgeſetze/ mehr gezwungen iſt/ als dieſe. Von der Singkunſt iſt bekant/ daß durch den Tact oder Maasſchlag/ das Geſang ge= meſſen wir/ wie das Gewant durch die Elen. Von der Zahl=oder Rechenkunſt hat Pythagora geſagt/ Gott/ der die Sterne zehlet und alle mit Namen nennet/ ſey eine unaußſprechliche Zahl: bevor aber die Zahl/ mahl (oder Characteres nume- rales) er funden worden/ haben die Alten an den Fingeren gezehlt/ deren AnzahlPlin. l. 7. c. 40. Sprichw. 30/ 26. Vegetius l. 4. c. 245. Piccart. ob- ſerv. Dec. XI. cap. V. die volkommene Zahl macht/ und mit ſchwartz und weiſen Steinlein der Son= nenlauff nachgerechnet. In der Naturkuͤndigung iſt ſich zu verwunderen/ wie uns Menſchen faſt das meinſte die unvernuͤnfftigen Thiere/ durch ihr Thun und Laſſen/ bedeutet und unterrichtet haben. Von dem Krebs haben wir die Galeren zu bauen erlernet/ von der Schwein Wuͤhlen das Ackeren/ von den Kaninigen das Vntergraben/ u. d. g.

CLXXV.

9. R. Wann man dieſe Deutkunſt ſo weit erſtrecken wil/ ſo ſolten aus allen Wiſſenſchaften etliche Stuͤcke darunter moͤgen gezogen werden. In der Sitten= lehre werden die Tugenden von den feinen euſſerliche ̅ Anſehen vielmals abgenom= Spꝛichwoͤr= ter Sal. 31/ 13.men; wie im Gegentheil die Vntugenden aus groben unhoͤflichen Geberden zu mutmaſſen. In der Haushaltung iſt ein gutes anzeigen/ wann die Weiber mit Wollen und Flachs umgehen/ und arbeitet gerne mit ihren Haͤnden/ die da mer= ket/ wie ihr Handel Frommen bringet/ die auch ihrem Mann an den Augen an= ſihet was er befihlet. In der Regierlehre kan unter die Deutkunſt gerechnet wer= den/ wann dorten der Koͤnig Ahasverus/ der Eſther ſeine Gnade durch Neigung des Scepters angedeutet; Wann der Tuͤrkiſche Kaͤiſer einer von ſeinen Kebs= weiberen das Fatzolet uͤbereiget. Wann der Richter den Stab bricht: und wie man groſſe Herren von andere ̅ hochangelegenen Beſcheffigunge ̅ / mit vielen Wor= ten/ und umſtaͤndigen Erzehlungen nicht ſol abmuͤſſigen; alſo pflegen auch ſelbe mit wenig Worten oder kurtzen Deutungen ihren Willen zu erklaͤren. Derglei= chen koͤnte auch von dem Geſchichtſchreiben/ dem Kriegsweſen/ dem Feldbau/ den Schiffarten/ und von allerley Handarbeiten aufgebracht werden/ welches dieſesCLXXV. Ortes auszufuͤhren zu viel Zeit erforderen wuͤrde.

10. J. Wie kan aber ſolche Kunſt in ein Geſpraͤchſpiele gebracht werden?

11. D. Auf manche Art. Wann man nemlich etliche Buchſtaben/ etliche Syl= ben/ etliche Wort/ u. d. g. zu vermeiden bedingen wolte. Weilen aber ſothane Beyſpiele vormals angefuͤhret/ wil ich das Haubt des Menſchen folgender Geſtalt austheilen/ daß Herr Veſpaſian ſol haben das Haubt/ den Sitz des Verſtandes. Frau Julia das Angeſicht/ die Abbildung des Gemuͤhts. Herr Rey= mund den Mund/ den Dolmetſcher unſerer Gedanken/ weil er mit Recht des Reyens Mund/ oder der Vorſinger dieſer Geſpraͤchſpiele heiſt. Jungfer An= gelica die Augen/ die Spiegel des Hertzens Jungfer Caſſandra die Stirn/ Wan= gen und Naſen/ die Zierde des Angeſichts. Ich das Haar und den Bart/ die Ehre des Haubtes. Nun ſol jedes von dem ihm ertheilten Stucke ei= ne Bewegung ſagen/ und eine andere fragen.

CLXXVI.
Veſpaſian.

DAs Haubt hochtragen bedeutet Stoltz und Vbermuht/ nach den Pſal. 83/ 2.Worten Davids: Deine Feinde toben/ und die dich haſſen/ richten den Kopf auf. Was bedeutet ein froͤliches Angeſicht?

Sprichw. 16/ 15.

2. J. Salomon ſagt: Wann des Koͤnigs Angeſicht freundlich iſt/ das iſt Leben/ und ſeine Gnade iſt wie ein Abendregen. Was bedeutet es/ wan ̅ man die Augen unter ſich ſchlaͤgt/ und auf die Erden ſihet?

Job. 22/29. Pſal. 130/ 1.

3. A. Die ſich demuͤtigen/ die erhoͤret Gott/ und wer ſeine Augen ni= derſchlaͤgt/ der wird geneſen. Was bedeutet die Haare und den Bart abge= ſchoren haben?

4. D. Es iſt ein Anzeigen einer groſſen Schmach; wie aus der Geſchichte/ ſo ſich mit Davids Geſanden begeben/ abzunemen. Es bedeutet auch groſſes Trau= Herodot. l. ult. Perſas ſcribit ob Maſiſtii cædem ſe ipſos ac jumenta totondiſſe apud Plutarch. Alex. M. defuncto Hephæſtione Equos & mulos in ſignum luctus tondere juſſit. Curt.ren; daher die Heyden in groſſer Betruͤbniß nicht allein ſich/ ſondern auch ihr Viehe beſchoren/ und hin und wider bey den Profeten das Kahlmachen ge= drauet wird. Was bedeutet unreine Lippen haben?

5. R. Sich mit dem Mund gegen Gott verſuͤndigen/ nach des Profeten Wort:CLXXVI. Ich bin unreiner Lippen/ und wohne unter einem Volk von unreinenEſa. 6/ 5. 4. Koͤn. 16. Job. 40. Perſ. Sat. 4. --- barbatu ̅ crede Magi- ſtrum. Horat. l. 2. Sat. 3. --- Sapien- te ̅ paſcere barbam. Lippen. Was iſt aber das geredet: Einen Ring in die Naſen legen?

6. C. Es iſt ſo viel als den wilden Stoltz demuͤtigen/ unter ſich/ und zu der Ge= buͤr bringen.

7. D. Auf eine andere Art kan man aufgeben/ daß jedes in der Geſelſchaft ei= nen Geberden ſeines Gliedmaſſens ſelbſten deuten ſolle: als/ Einen langen Bart ziehen/ macht ein Mannliches Anſehen/ bisweilen iſt es auch einer ſonderen Weißheit anzeigen.

8. A. Die Augen mit der Hand bedecken/ bedeutet Schamhafftigkeit/ daß wir etwas nicht ſehen noch hoͤren wollen/ wie dann der Sitz der Schamhafftigkeit in den Augen iſt/ und abzumerken bey denen/ welche die Vnwarheit nicht wol mit† Petrarch. nell Triu ̅ f. della Caſti- tà: Sonet. 30. & Cant. 19. erhabenen/ ſondern ins gemein mit niedergeſchlagenen Augen erzehlen.

9. R. Es hat die Wunderſame Natur das Gute mit dem Boͤſen/ ſo genau ver= geſelſchaftet/ daß ſchwerlich eines von dem anderen geſondert und unterſchieden CLXXVI.werden mag. Des Menſchen Mund iſt das edelſte Stucke ſeine tiefverborgene Gedanken zu eroͤffnen; wie oft aber unartet er ſich ſelbe zu bergen/ und den ſauren Neid mit ſuͤſſen Worten zu durchfaͤlſchen: Daher dann erſcheinet/ daß die natuͤr= liche Deutungen der Geberden ſich ſo leichtlich nicht verhuͤllen laſſen/ und den Er= fahrenen ſolcher Kunſte die inneren Hertzens=Gedanken unfehlbarlich zu erken= nen geben. Gleichwie die Menſchen ſich nicht wollen begnuͤgen laſſen mit dem Glauben/ welchen ihnen der Schoͤpffer der Natur ertheilet hat/ und dannenhe= Rom. 1.ro in kraͤfftige Irrthume gefallen: alſo wollen wir uns auch nicht zu frieden gebe ̅ / unſerer angearten Geberden Deutungen zu behalten/ ſondern ſuchen durch bitte= re Honigwort uns ſelbſten zu betruͤgen. Mir ligt ob zu erwaͤhnen/ wie mit dem Hic Homo tuam here- ditatem in- hiat, quaſi eſuriens lu pus. Plaut. in ſtich.Munde/ ohne Zuthun der Wort/ ein Begehren auszudrucken und zu verſtehen zu geben. Dem Mund gegen etwas eroͤffnen/ deutet Verlangen/ Begierd/ Verwun= derung Die Zaͤhne aufeinanderbeiſen/ zeiget de ̅ Zorn und die hitzig vergallte Rach= gierde. Ich will geſchweigen iederman bekante Deutungen/ des ſeufftzens/ aͤch= tzens/ huſtens/ biſen/ murmlen/ knirſchen mit den Zaͤhnen/ heulen/ bruͤllen/ wei= nen/ lachen/ und anderer ohne ausdruckliche Wort uͤblicher Geberden/ nicht gedenken/ ſondern nur von der ſuͤßlieblichſten Regunge des Mundes MeldungCLXXVI. thun. Was wir Teutſche kuͤſſen heiſſen/ hat bey den Lateinern drey Namen/ Baſi- um, die Liebe zwiſchen den Elteren und Kinderen; Oſculum, die Liebe vertrauter Hertzenfreund; Suavium, die Liebe zweyer Buhlen zu unterſcheiden. Von dem erſten iſt zu verſtehen was dorten Eliſa ſagt: Laß mich meinen Vatter und1. Koͤnig. 19/ 19. meine Mutter kuͤſſen/ ſo will ich dir nach folgen. Von dem andern iſt zu verſtehen/ was David wuͤnſchet/ daß Friede und Gerechtigkeit ſich kuͤſſenPſal. 25/ 12. moͤchten. Von dem dritten ſagt dort der Braͤutigam/ im Hohenlied Salomo= nis: Er kuͤſſe mich mit dem Kuſſe ſeines Mundes. Vber dieſes hat der KußHohelied. 1/ 1. Ovid. vocat oſcula ſo- roria & co- lumbina. Pſalm. 2/ 11. 1. Moſ. 41/ 40 1. Sam. 10/1. Oſe. 13/ 2. 1. Reg. 19/ 18. die Deutung einer ſonderlichen Ehrerbietung/ gegen dem hoͤchſten Gott/ und dan ̅ demſelben nechſt nachgeſetzte hohe Obrigkeit. Auf welche Gewonheit zielen die Wort des Pſalmiſten: Kuͤſſet den Sohn/ daß er nicht zuͤrne/ und ihr um= koͤm ̅ et auf dem Wege. Vnd an einem andern Ort: Ich will laſſen uͤber= bleiben 7000. deren Munde den Baal nicht gekuͤſſet haben. Weil aber ſolcher Kuß vielmals bey groſſen Herren nicht iſt willkomm geweſen/ haben die Schmeichelkuͤnſtlichen Hofleute eingefuͤhret/ erſtlich das Hand/ die Knie/ dann CLXXVI. 1. Moſ. 27/ 26. 1. Moſ. 29/ 13. Oculos cu ̅ oſculamur, animum ipſum vi- demur at- tingere. Plin. l. 11. Petrarch. Son. 202.auch das Fußkuͤſſen/ wie bey dem Roͤmiſchen Hof noch gewohnlich iſt. Die Stir= ne oder Wangen kuͤſſen die Eltern ihren Kinderen/ wie aus der Geſchichte Iſaacs abzuneme ̅ . Die Augen kuͤſſen zu Zeiten die Verliebte/ weil ſie durch ſelbe das Hertz ſelbſten zu beruͤhre ̅ ſich bedunken laſſen/ und das Allerkoͤſtlichſte und hoͤchſtwehr= te dem Augapfel verglichen wird. Dergleichen Vrſach hat auch der Verliebten Mundkuß/ in dem nemlich der Mund/ als die Thuͤre des Lebens/ dergeſtalt verei= niget/ als ob beider Lebenskraͤfften dardurch unaufloͤßlich verbunden wuͤrden: Deswegen haben die Poeten dem Mercurio einen Stab mit zweyen Schlangen zugeeignet/ welche einander kuͤſſen/ zu bedeuten die Freundſchaft/ ſo dieſer Bot= ſchafter der Goͤtter zwiſchen den Feindſeligen ſtifften ſolle. Plutarchus erzehlet/ daß Traſibulus des Piſiſtrati Tochter auf der Straſſen gekuͤſſet/ in Beyweſen ihrer Mutter/ welche es ſo uͤbel aufgenommen/ daß ſie ihren Mann/ zu ernſtli= cher Abſtraffung ſolcher Frevelthat/ inſtaͤndig angemahnet: weil aber Piſiſtra= tus ſolcher That keiner Feindſchaft wuͤrdig geachtet/ hat er ihr geantwortet: Wann wir dieſe wollen beleidigen/ die uns lieben/ was ſollen wir dan ̅ denen thun/ die uns haſſen? Das Handkuͤſſen ſol daher entſtanden ſeyn/CLXXVI. weil die Heyden die Sonnen haben auf ihre Haͤnde ſcheinen laſſen/ und dieſelben hemach gekuͤſſet/ ihre Liebe und Ehrerbietung zu erweiſen/ Alex. ab Alex. Ge- nial. dier. l. 4. daher Hiob ſagt: Har ſich mein Hertz heimlich bereden laſſen/ daß meinem Mund mei= ne Hand kuͤſſe/ welches iſt eine Miſſethat fuͤr die Richter/ (oder eineHiob. 31/ 27. ſchreckliche Suͤnde/ welche mit dem Tod ſolte geſtrafft werden) dann damitEſth. 6/ 12. haͤtte ich Gott verlaͤugnet von oben/ damit wil er ſagen/ were ich Abgoͤttiſch worden/ von dem Gott Himmels und der Erden abgefallen.

10. V. Das Haubt verhuͤllen bedeutet Traurigkeit und Vnmuht/ wie aus des Hammons Geſchichte klaͤrlich abzunemen. Solchergeſtalt kan Teutſchland mit verhuͤlltem Haubte und Angeſicht ſich ſelbſt ermorden wollend/ vor= geſtellet/ und dieſer Meinung klagend eingefuͤhret werden.

CLXXVI.
Vorſatz. CLXXVI. Wo iſt nun der Roſenkrantz/ Pindariſche Klagode. welcher an der Nymfen Dantz mich gezieret und erfreuet? Ich bin meines Schmucksberaubt und mein Haarentbloͤſtes Haubt iſt mit Aſchen uͤberſtreuet. Meines Volkes Jauchtzenpracht iſt in Heulenweh verkehret; Ihre Staͤrke/ Krafft und Macht iſt bis auf das Mark verzehret. CLXXVI.
Gegenſatz. Ach/ es iſt des Herren Hand uͤber mir in Grimm entbrand! Ob ich mein Geſicht verhuͤlle/ mag doch mein bethrenter Schleir des entflammten Zornsfeur nicht erleſchen/ das ich fuͤhle. Nun mir fuͤr dem Elend grauſſt/ will ich mit dem Moͤrdereiſen durch mein ſelbeſt eigne Fauſt mich der Lebensqwal entreiſen.
Abgeſang oder Nachſatz. CLXXVI. Sol dieſe Jammerthat mein laſſe Hand vermoͤgen und allen Hoffnungs=Troſt mit in das Grabe legen? Nein/ die Marterplagen muß ich laͤnger tragen/ und leben von dem Blut in ſteter Krieges Glut; bis ich zernichtet werd’ und durch und durch verwild/ wie mich hat Tacitus in ſeinem Buchgebild.

Aber genug von dieſem/ nach Anleitung der Verhuͤllung des Haubtes/ damit wir nicht von angefangenem Geſpraͤche abgefuͤhret werden.

11. A. Nicht weniger ſolte von den Augen zu ſagen ſeyn; dann/ nach meinem CLXXVI.geringen Erachten/ iſt nichts/ (des Menſchen Rede ausgenom ̅ en) dardurch wir unſeren Willen beſſer zu verſtehen koͤnnen geben/ als durch die Augen; In ihren Kryſtall - . ſind alle Neigunge ̅ unſeres Hertzens und die verborgene Gedanke ̅ aus= gebildet zu erſehe ̅ . Ph. Cœſ. Fruͤlingsluſt. am 76. Blat. Luc. 11/ 34. Pſal. 121/ 1. Matth. 14. Marc. 6. Luc. 9. Luc. 18/ 13. Job. 22/ 29. Das Aug iſt des Leibes Liecht. Wan ̅ dein Aug einfaͤl= tig iſt/ ſo wird dein gantzer Leib liecht ſeyn: Wan ̅ aber dein Aug ein Schalk iſt/ ſo wird dein gantzer Leib finſter ſeyn: Daß alſo aus der Au= gen Liecht des Menſchlichen Gemuͤhts Klarheit oder Finſterniß abzumerken. Ich hebe meine Augen auf/ zu den Bergen/ ſagt David/ von welchen mir Huͤlffe kommet/ zu bemerken/ daß er ſein Vertrauen auf den him ̅ liſchen Gnadentroſt gruͤnde: Der Zoͤllner hingegen/ bey dem Evangeliſten Luca/ wolte/ aus hertzlicher Betruͤbniß uͤber begangene Suͤnde/ ſeine Augen nicht aufhe= ben/ gen Himmel; Deſſen Schoͤpfer erhoͤhet den/ der ſeine Augen nider= Pſal. 130. Pſal. 119/ 37.ſchlaͤgt/ oder deſſen Augen nicht ſtoltz ſind. Die Augen von etwas wen= den/ bedeutet Mißgunſt und Abneigung: Daher David bittet: HErr wende meine Augen/ daß ſie nicht ſehen nach unnuͤtzer Lehre. Hingegen etwas unbeweglich anſchauen/ bedeutet Verwunderung/ Nachdenken/ Aufmerken/CLXXVI. Job. 15/ 26. auch bisweilen Halsſtarrigkeit. Dieſe Sprache der Augen laͤſt ſich faſt mit Wor= ten nicht ausreden/ und werden wenig Hertzenregungen ſeyn/ welche nicht in den Augen erhellen/ und zu verſtehen koͤnnen gegeben werden. Mein Antlitz iſt ge= ſchwollen von ſtetem weinen/ und meine Augenlieder ſind vertunkelt/Job. 16/ 16. ſagt Job. Sophira/ des Pharaons Weib/ wurf ihre Augen auf Joſef Vnd der1. Moſ. 39/ 7. Sprichw. 6/ 13. weiſe Mann ſagt: Winken mit den Augen/ deuten mit den Fuͤſſen/ zei= gen mit den Fingern/ bedeute Truͤgerey. Wir ſagen/ zu ruck oder hinter= ſich ſehen/ von dem Vergangenen; fuͤr ſich ſehen/ wann wir das Zukuͤnfftige be= trachten.

12. C. Die Stirn des Menſchen iſt der offene Schauplatz ſeiner verborge= nen Gedanken. Wer ſich wegen eines begangenen Fehlworts ſchaͤmet/ haͤlt dieIuvenal. Sat. 3. Re- jectum ſe- mel attrita de fronte pudore ̅ &c. Cicero in Bruto: Nulla perturbatio animi, nulla corporis, frons non percuſſa &c. Hand fuͤr die Stirn: Die Stirn runtzelen und uͤber ſichziehen bedeutet Zorn/ wie hingegen eine freye Stirn ein freyes und froͤliches Gemuͤht bemerken machet. Die Hand an die Stirn ſchlagen bedeutet Schmertzen und Betruͤbniß.

CLXXVI.

13. D. Der Bart weiſet den Mann/ ſagt man im Sprichtwort/ und brin= get ein ſonderliches Anſehen/ daher auch Aarons Bart in der H. Schrift gedacht wird/ wie ingleichen auch die Haare des Haubts nicht die geringſte Zierd deſſel= ben ſind. Hierbey erinnere ich mich/ daß Kaͤiſer Auguſtus/ als er ſeine Tochter Sueton. in Auguſt.ſehen ihr ſelbſten die grauen Haare ausrauffen/ gefragt: ob ſie lieber wolle kahl oder grau ſeyn? als ſie ihm aber geantwortet/ es were zwar keines zu wuͤnſchen/ doch wann ſie wehlen muͤſte/ ſo wolte ſie lieber mit grauen Silberhaaren/ als oh= ne Haare zu ſeyn/ erkieſen. Darauf der Kaͤiſer geſagt: Warumb macheſt du dich dann vor der Zeit kahl? Vnter anderer Leibszierde/ welche das Frauenzimmer wuͤnſchet/ iſt die hoͤheſte/ goldgelb=krauſe Haare zu beiden Seiten der Roſen= Wangen abhangend tragen/ welche ſie oft mit nicht minderen muͤheſamen Kuͤn= ſten/ als der Bergmann das Gold aus der Erden/ zuwegenbringen. Damit aber ſolcher Haarſchmuck auch in der finſtern vernemlich ſey/ pflegen ſie ſelbe mit wolriechenden Pulverwerk zu beſtreuen/ daß da ſcheinet als ob die ſonſt bald ver= gaͤngliche Blumenzeit/ durch das gantze Jahr/ auf ihrem Haubte anzutreffen ſey. Dieſes bedeutet/ daß die Schoͤnen ihre Schoͤnheit noch viel ſchoͤner/ uud ihreCLXXVI. Holdſeligkeit lieblicher und Hertzerfreulicher/ die Heßlichen ihre Geſtalt etwas koſtbarer/ oft auch mit zuwachſendem Alter/ laͤcherlich machen; in dem man mehr Vrſach hat den angenemen Geruch/ als ihnen ſelbſtendas Lob zu ſprechen. Das Alter kan ſie bald mit falſchen Haaren einſchleiren/ daß die zuvor lieber ei=Senec. quæ malunt rempubl. quàm cri- nes turba- ri. in Ep. Ovid. ep. 3. Lachrymas ſine fine dedi, rupi- que capil- los. ne Vnordnung und Verwirrung im Roͤmiſchen Reiche/ als in ihren Haaren geſehen haͤtten/ ihnen fuͤr Schmertzen die Haare ausrauffen. Man moͤchte alſo von jeden ein beſonderes Spiel aufgeben/ welches mit mehreren Nachdenken zu anderer Zeit geſchehen kan: Maſſen viel noch von den Augbraunen/ von den Ohren/ von der Zungen/ von den Zaͤhnen/ von dem Kihn/ von der Naſen zu ſa= gen were. Gleichergeſtalt folgte die Schuldern/ die Arme/ die Bruſt/ Knie= ſcheiben/ der gantze Leib und deſſelben Bekleidung zu betrachten/ weil aber in die= ſer Kunſt das meinſte durch die Haͤnde verhandelt wird/ als wolle jedem belieben/ etliche ſolche Geberden ſehen zu laſſen.

CLXXVII.
Caſſandra. Die Hand.

UNd der Herr laſſe ihm gefallen ſolche auszulegen.

2. A. Da recht. Dieſes beſchiht/ weil der Herr zuvor ſo viel bey den Haaren herbeygezogen hat.

3. D. Die Jungfrauen wollen mir nur die Haͤnde in dieſem Begehren bieten/ Malvezzi in Romulo.als welche jederzeit die Deutung der Huͤlffe/ Muͤhe und Arbeit gehabt haben/ und annoch pflegt der gemeine Mann ſeinen Fuͤrſten aus den Haͤnden zu beurtheilen/ ſo wol im Nehmen als Geben.

Pſal. 112. Pſal. 27. Auguſtin. tom. 4. l. de cura pro mortuis. c. 5.

4. V. Ich hebe meine beide Haͤnde gegen den Himmel.

5. D. Das bedeutet/ von Gott etwas bitten/ oder ihm wegen empfangener Wolthaten danken. Fuͤrwahr die euſſerlichen Geberden helffen der innerlichen Andacht auf verborgene un ̅ wunderſame weiſe/ dz faſt eines ohn das andere nicht ſeyn kan/ und ein kaltſinniger Beter von jedem leichtlich zu erkennen iſt. Es be= deuten auch die aufgehabene Haͤnde zu Zeit Verwunderung/ und iſt zu merken/ daß der Frommen Koͤnige Bildniſſen in Franckreich mit zuſammengeſchloſſenenCLXXVII. und in die Hoͤhe gehabnen Haͤnden zu ſehe ̅ / zu Bedeutung/ daß ihnen Gott Weiß= heit und Verſtand wol zu regieren verliehen hat/ die anderen aber/ welche dem Reiche uͤbel vorgeſtanden ſind/ in anderen Stellungen gemacht. *

Chaſſan. in Catal. Glor. Mund.

6. J. Ich lege meine Hand auf meine Bruſt.

7. D. Bey den Tuͤrken bedeut ſolches eine Ehrerbietung/ weil ſie die Buͤnte nicht von dem Haubt zu thun pflegen/ ſondern nur den Kopf zu neigen/ mit erſt= beſagter Beruͤhrung der Bruſt. Wir pflegen auch ſolchergeſtalt unſere Hertzens= treue zu beglauben.

8. R. Ich biete dem Herrn die Hand.

9. D. Hier iſt es ein Anzeigen ſeiner Hoͤflichkeit; ſonſten aber bedeutet es/ daßHorat. ep. 4. --dabit victas fer- reus ille manus. Plin. l. 22. c. 4. quos jungit amor, jungit & ipſa manus. Alciat. man von den anderen uͤberwunden iſt. Vor Zeiten iſt auch der Gebrauch geweſen/ daß der Vberwundene ein wenig Graß unterſich ausgeriſſen und es ſeinem Vberwinder dargereichet hat. Die Haͤnde aber ineinander ſchlieſſen/ iſt jeder= zeit fuͤr das Merkzeichen der Treu und Freundſchaft gehalten worden.

CLXXVII.

10. A. Ich ſtrecke meine rechte Hand aus.

11. D. Die rechte Hand bedeutet Schutz/ Staͤrke/ Gerechtigkeit und alles Gu= Pſal 117. Eccleſ. 0. confer Sprichw. 4.tes/ wie hingegen die linke Hand alles Boͤſes andeutet. Die Rechte des HErrens iſt mein Schutz. Die Rechte des HErrens iſt erhoͤhet/ die Rechte des HErrens hat Ehr eingelegt. Salomon ſagt: Das Hertz eines Weiſen iſt in ſeiner rechten/ und das Hertz des Narrens in ſeiner linken Hand.

12. C. Was ſoll aber die offene/ oder die geſchloſſene Hand?

5. Moſ. 15/ 7. 8.

13. D. Jenes bedeutet die Freygebigkeit/ dieſes die Kargheit. Du ſolſt die Hand gegen deinem armen Bruder nicht verſchlieſſen oder zuhalten/ ſondern ſolt ſie ihm aufthun/ und ihm leihen/ nach dem er mangelt. Da= Pſal. 144.her auch dort ſteht/ daß Gott der HErr aufthue ſeine milde Hand. Zu Zeiten bedeutet auch die offene Hand Freyheit/ wie aus des Kaͤiſers Auguſti Schaupfen ̅ ing zu ſehen/ darauf gebildet geweſen eine Figur/ haltend in der rech= ten Hande einen Hut/ und die linke offen/ mit der Beyſchrift: Libertas Augu- ſta. Man ſagt auch ſonſten/ es iſt in die dritte und vierte Hand kommen/ welche Art zu reden/ von den Schiffleuten entlehnet zu ſeyn/ ſcheinet/ als denen nichtCLXXVII. ungebraͤuchlich iſt/ wann ſie mit den Schiffen nicht an das Land nahen koͤnnen/ die Waaren einander zuzuwerffen.

14. V. Ich waſche meine Haͤnde.

15. D. Von dem Handwaſchen iſt in dem Alten Teſtament befohlen/ daß2. Moſ. 40/ 31. 32. Pſal. 17/ 25. und 72. der= gleichen. wann ein Todſchlager/ nach veruͤbtem Todſchlag/ entflohen were/ ſo ſolten die Elteſten in der nechſten Statt darbey ihre Haͤnde waſchen/ und ſagen; unſere Haͤnde ſind unſchuldig an dieſem Blut; Daher auch zu ziehen/ was Job ſagt: Der Vnſchuldige wird errettet werden uͤm ſeiner Haͤnde Reinigkeit willen.

16. J. Ich ſchlage die Haͤnde zuſammen.

17. D. Zu Erzeigung der Freude und Froͤlichkeit/ nach den Worten Davids: Frolocket mit Haͤnden alle Voͤlker/ und jauchtzet Gott mit froͤlichemPſal. 47/ 1. Schalle.

18. R. Ich lege meine Haͤnde auff das Haubt.

☞ CLIIX. 12.CLXXVII. Jer. 2/ 37. 2. Sam. 13/ 19.

19. D. Dieſe Geberden bezeugen groſſen Jammer und Hertzenleid/ wie abzu= nehmen aus den Drohworten Jeremiæ: Du muſt deine Haͤnde uͤber dem Haubt zuſammenſchlagen/ dann der HErr wird deine Hoffnung feh= len laſſen.

20. A. Ich ſchwinge die Hand hin und her wie ein Seeman.

21. D. Es bedeut ſparſam mit einem Dinge umgehen/ daher jener Poet Pindarus - - . die Lehre gibt/ man ſol mit der Hand und nicht mit dem Sack ſaͤen.

22. C. Ich verberge die Haͤnde.

23. D. Zu bedeuten/ daß die Jungfer keine Geſchenke nehmen wil/ wie die ge= rechten Richter thun ſollen. Es koͤnte auch von den Fingern und den Deutun= gen ihrer Bewegniſſen viel geſagt werden/ weil ich aber ſehe/ daß Herr Reymund mit der Hand winket/ Apoſtelge= ſchicht 21/ 40. verſtehe ich/ daß ich von dieſer Deutkunſt bis zu anderer Zeit ſchweigen ſol.

24. R. Bevor wir die Hand von dieſem Spiele abziehen wollen/ wir ſie an die Zahlbuchſtaben legen. Es hat die fuͤr ſichtige Natur dem Menſchen die FingerCLXXVII. Quintil. l. 1. inſtitut. O- iat. Cicer. ad Attic. l. 5. ep. ult. nicht allein ertheilet/ damit zuzugreiffen/ ſondern abſonderlich auch an denſelben zu erzehlen/ daher wir Teutſche auch von einem Einfaͤltigen ſagen/ er weiß nicht wie viel er Finger hat/ man kan es an den Fingeren abzehlen/ u. d. g. er kan nicht viere zehlen.

Wan ̅ man nun an den vier Fingeren zehlet/ Pasquier aux recher- ches. f. 615. iſt unſchwer zu erſehe ̅ / war= uͤm das V. fuͤnf bedeutet/ folget dann bis auf neun VIIII.
CLXXVII. und ſchlieſſen beyde Haͤn= de das gebraͤuchliche X. oder zehen/ werden dann die anderen ineinan= der gekreutzte Finger erhaben/ wei= ſen ſelbe bis auf viertzig/ XXXX. die zween kleinſten aber deuten fuͤnf= zig L.
Solchergeſtalte iſt leicht abzuſehen/ waruͤm das C. hundert/ und das D. fuͤnf= hundert bedeu= tet. welches D. auch in alten Schrif= ten etwas veraͤndert gefunden wird/ und herkommet von den

zweyen gegeneinander gebogenen Haͤnden/ die tauſend bemerken/ von welchendie= ſes D. die Helffte iſt.

25. D. Hingegen moͤchte man einwenden/ daß die Roͤmer wie die Ebreer undCLXXVII. Griechen mit den Buchſtaben gezehlet/ und das M. mille tauſend/ das C. cen- tum fuͤr hundert/ (von denen wir das Wort Centner noch haben/) gelten laſ= ſen.

26. R. Dieſer Meinung ſind die alten unberichten Moͤnichen geweſen/ wel= che dieſes/ wie auch viel andere Dinge des Ac- cords bi- garrures chap. 21. verſtuͤmpelt haben. Solte es daher kom= men/ ſo muͤſte das D. 10. das Q. 50. und 500. bedeuten/ fuͤr welches doch das X. L. und D. gebrauchet wird. Ich wolte vielmehr waͤhnen/ daß die Roͤmer ihren Buchſtaben C. und M. mit ſo gebogener Hande/ und durch dieſes Zeichen die be= ſagte Zahlen zu verſtehen gegeben haben. Es iſt mir auch nicht unwiſſend/ daß ſie noch eine andere Art an den Fingeren zu zehlen gehabt: Cœl. Rhodig. in Lect. An- tiq. l. 22. c. 23. Dieſes aber ſol uns dienen zur Entſchuldigung/ wann die Roͤmiſchen Buchſtaben in unſeren Teut= ſchen Zahlreimen gefunden werden; weil nemlich die Natur/ welche an keine ge= wieſe Sprache gebunden iſt uns ſelbſten an den Fingeren zehlen lehret. Ferne= re Ausuͤbung der Deutkunſt beruhe zu anderer Gelegenheit.

CLXXVIII.
Veſpaſian.

VOn dem Worte Deu ſollen die Teutſchen Voͤlker ihren Namen fuͤh= ren/ und iſt die Frag/ ob Deutſch oder Teutſch recht geſchrieben werde? Dieſes zu behaubten/ finden ſich allerſeits feine Vrſachen/ CXLVIII.deren die erſte iſt/ daß bey vielen Scribenten zu leſen/ wie die Alten aus innerli= chem Antrieb einen Gott geehret/ den ſie Deut oder Duͤd genennet/ welchem Wort die Haubtendung iſch beygeſetzt/ wie man von dem Mann maͤnniſch/ von dem Weib weibiſch/ vom Deut deutiſch/ oder Teutſch heiſſe.

2. J. Weil den Menſchen die Furcht Gottes eingepflantzet/ und/ als ein Fuͤnk= lein der erſten Vollkommenheit/ in der verderbten Natur verblieben/ iſt glaub= lich/ daß durch ſolchen Namen die verſtaͤndige Großvaͤtter ihren Nachkommen ein immerwerendes Angedenken des Hoͤchſten Schutzherrens ſtifften wollen. Daher auch nachmals der fuͤnfte Teutſche Koͤnig Teuto Sebaſt. Frank im Anfang des Teutſchen Zeitbuches. genennet worden/ wie bey uns heut zu Tag die Namen Gottlieb/ Gottſchalk/ Gottart/ Gottfried nicht ungewoͤhnlich ſind.

3. R. Hierbey waltet aber die Frage: ob Deut oder Teut zu ſchreiben ſey. DieCLXXVIII. Cic. l. 3. de Nat. Deor. Plato in Phœdro. Lactant. l. 1. c. 6. Lateiner alle und jede ſchreiben Teut/ Teuto, oder Theut. Herr Doctor Luther in Nomi- nibus pro- priis. f. 6. vide omnis Th. Reine- ſiu ̅ de Deo Endovelli- co. Schottel. in der 3. Lob= rede. Cæſ. in der Spꝛach= uͤbung. (ſeel. Angedenkens/) ſchreibt Deut/ und wil es von den Ebreiſchen dod/ (wel= ches Wort einen lieben Freund heiſt/ und unſeren Taufdoden den Namen gege= ben) herziehen. Es iſt aber den Teutſchen nichts neues/ daß ſie das T der Lateiner in ein D wandelen/ als in Tu, du/ Tonitru, Donner/ Tria, drey/ u. d. g.

4. A. Es mag ein jeder ſchreiben wie er wil/ wann er nur Vrſachen darvon ge= ben kan.

5. D. So wir durch und durch fuͤr der Lateiner T ein D gebraucheten/ ſo were dieſe Frage beantwortet/ weil es aber nur bisweilen geſchiht/ ſo kan daraus kein Regel gemachet werden: als Dalmatia, Dalmatien/ Tabula, Tafel/ Tonus, Ton/ Tapetum, Tepicht. Darnach ſo komt ſolches Wort nicht von dem E= breiſchen her/ noch der Deutung/ noch nach erweißlichem Gebrauch nach/ dann ja gedacht worden/ daß Dod einen Freund/ aber nicht Gott heiſſe: weilen auch be= wuſt/ daß in den aͤlteſten Schriften viel mit Griechiſchen BuchſtabenWaſerus in Mithri- date. zu finden/ iſt vermutlich das 𝈒 und ϑ oder θ verwechſelt worden.

CLXXVIII.

6. C. Kan man ſich wegen des erſten Wortes in der Teutſchen Sprache nicht vergleichen/ wie wil man ſich dann in anderen Stucken derſelben ſich vereinigen?

7. V. Die andere Vrſach/ waruͤm man dickbeſagtes Wort mit einem Dſchrei= 1. Chron, 1/ 6.ben ſol/ iſt/ dieweil ſie von Aſcenes/ des Noe Nefen/ der Teutſchen Vatter/ mit Zuthun des Geſchlechtworts die Aſcanier d’ Aſcener/ Daſcer/ Duaſce ̅ / Deutſche ̅ / genen ̅ et worden/ und hin und wieder in der Ebreer Schriften , Aſce= nazim heiſen.

8. J Weil es kein Glaubens=Articul/ mag ein jeder ſeine Meinung behalten/ und behaubten ſo gut er kan.

9. R. Es iſt unlaugbar/ daß viel Voͤlker von ihren Heerfuͤhreren die Namen bekommen/ und wir Teutſche bey den Ebreeren Aſcanier heiſſen/ daß aber das Wort Teutſch auch dieſe Ankunft haben ſol/ kan ich mich in meiner Einfalt nicht bereden.

10. A. Mit dem Ebreiſchen wollen uns die Herren zu frieden laſſen.

11. D. Aſcenas/ oder Aſcanier/ hat nur zween Buchſtaben/ welche ſich mit dem Wort Teutſch gleichen/ als das e und das ſ/ zu geſchweigen/ daß eine gan=CLXXVIII. tze Sylbe mit der anderen eintreffen ſolte.

12. C. In dergleichen Sachen gilt es rahtens/ und weiß im Ende faſt keiner/ wer es errahten hat.

13. V. Gedachter Aſcenas oder Aſcenes ſol ſeinen Sitz an dem Rheine ge= gen Coͤln genommen/ denſelben Flecken den Namen Deutſch gegeben haben/ undMünſter. l. 3. Coſmo- graph. c. 6. weil er aus dem Vogelflug das Zukuͤnfftige zuvor verkuͤndet/ der Deuter oder vermeinten Goͤtter Dolmetſcher ſeyn benamſet worden.

14. J. Wann dieſem alſo/ ſo iſt bekant/ daß man deuten mit einem d und nicht mit einem t ſchreibet.

15. R. Daß dieſes von des Aſcanes Nachkommen/ welche von Teut oder Teu= to Manni Sohn und ſeinen Nefen die Teutſchen geheiſſen/ geſchehen ſey/ iſt wol glaublich/ daß aber er Aſcenes vielmehr im Anhaltiſchen Fuͤrſtenthum ſich nider= gelaſſen/ beweiſet nicht allein die Grafſchaft Aſcanien/ ſondern auch Aſchersle= ben/ Mannsfeld/ oder das Feld Manni/ der Fluß Aſcen/ Aſchenburg/ Aſberg/ CLXXVIII.Aſchenberg oder das Gebuͤrge/ ſo durch Schleſien bis auf Polen und Cracau ſich erſtrecket/ (und mag vieleicht dieſer der Aſcanierweg in Teutſchland geweſen ſeyn.)

16. A. Alſo vermeint der Herr/ ſie haben ſich von Teut genennet/ bevor ſie in dieſen Landen einen gewieſen Anſitz auserleſen haben.

ab & fun- gor officio Sacerdotis, unde fortè Coͤthen no- men obti- nuit.

17. D. Dieſer Aſcenes/ ein Sohn Gomers/ oder Cimmers/ heiſt zu Teutſch ein Verwahrer des Feuers/ (daher auch unſer Wort Aſchen entſprungen/) hat den Namen in der That gefuͤhret/ daß das tapfere/ unverzagte/ feurig=und bruͤn= ſtige Heldengemuͤht auch bey ſeinen Nachkommen erhellet/ die ſtarke groſſe Leu= te geweſen/ und Anhalt/ welches als eine Freyſtatt lautet/ und dann Bernburg ſamt anderen Orten erbauet.

18. C. Man ſagt aber nach gemeiner Auſprache Deutſch und nicht Teutſch.

19. V. Die unrichtige Mundarten koͤnnen keine gewieſe Regelen in der Schreibung machen; an vielen Orten ſpricht man das T ſcharf aus/ und iſt auch alſo geſchrieben zu finden in den Reichs Abſchieden/ in den Cammergerichts=und Policey=und peinlichen Halsgerichts = Ordnungen/ offentlichen Kaͤiſerlichen Ausſchreiben/ und anderen Reichshandlungen in gemein/ daß ich/ an meinemCLXXVIII. ringſchaͤtzigen Orte/ darfuͤr halte/ man ſol ſich ohne erhebliche Vrſachen/ von der ins gemein beliebten Gewonheit/ nicht abſonderen: wann ſelbe ſonderlich kan mit guten Vrſachen/ wie dieſes Ortes/ behaubtet werden. Es iſt auch hier= bey zu gedenken/ was Becan Herma- then. l. 6. f. 127. hiervon ſchreibet/ daß nemlich die alten Egypter den Gott Mercurium Thoot/ den Hut/ das hoche oder das Haubt genennet/ wel= chem die Traͤume zugeſchrieben werde ̅ : der auch mit dem Fluͤghut gemahlet wird/ Philo- ſtrad. und daß die Wegſeulen bey den Cimbern mit einem Haubte geſtaltet/ deſſen Hut= ſtulp ſpitzig aufgebogen zu ſehen geweſen/ die hohen und feuerflammende Gedan= ken zu bemerken/ daher Theutates bey den Galliern und Teutſchen ſo viel als☞ Den Anfangs= Buchſtabe ̅ . Mercurius heiſſet; Vnd die alten Teutſchen ihre lange Haare/ uͤber dem Haub= te zuſammen gebunden/ wie in den alten Bildniſſen Cluver. Germ. An- tiq. l. 1. c. 16. p. 131. zu erſehen. Sonſten wil beſagter Scribent Saxon. l. 4. f. 622. hierinnen/ wie in allen anderen Sachen/ etwas beſonderes haben/ und bejahen/ Theutſch/ ſolle mit th geſchrieben werden/ gleich als Theut= ſen/ die aͤlteſten Soͤhne/ in welchem Wahn ihm wenig beypflichten. Kan alſo beide CLXXIX.Meinung behaubtet/ und Teutſch/ nach der Alten Schrift/ Deutſch nach der gemeinen Ausſprache geſchrieben werden.

Reymund. Die He= roldskunſt.

NAchdem wir vor dieſem der Wapen und der Heroldskunſt gedacht/ erinnere ich mich hierbey/ wie wir derſelben Deutungen heut zu Tag faſt verlohren/ oder ſo gar in Vergeß ſinken laſſen/ daß in we= nig Buͤchern gruͤndliche Anzeig darvon zu befinden. Es iſt aber auſſer Zweifel/ daß vor Alters keinem kein Wapen ertheilet worden/ er habe es dann mit einer ſonderlichen That/ und wolgeleiſten Dienſten ruͤhmlich erworben; daher dann leichtlich der Schluß zu machen/ daß nach Veranlaſſung ſolcher Dienſte das Wapen viſiret und ausgemahlet worden ſey.

2. V. Heut zu Tage werden die Wapen durch das Sonnen=Metall erhalten/ welches an ſtat aller anderer Tugenddienſte herfuͤrleuchtet.

3. D. Das iſt der guldenen Zeite zuzuſchreiben/ in welcher die BeutelfuͤlleCLXXIX. das fuͤnffte Element iſt. Aber wiederuͤm auf die Wapen zu kommen/ ſo ſind aus vorbeſagter Vrſache/ daß jeder durch ritterliche Kriegsdienſte zu einem Adeli= chen Wapen gelanget/ die unterſchiedliche Veraͤnderungen der Loͤwen/ der Ad= ler und Einfaſſungen entſtanden; weil ihm ein jeder fuͤr eine hohe Ehre gehalten dergleichen Koͤnigliche Thiere/ oder etwas von denſelben mit ſteter Ruhmge= daͤchtniß zu fuͤhren. Vor Zeiten hat man bey Ertheilung der Wapen in Acht genommen/ daß das Gefluͤgel (unter welchen der Adler Koͤnig iſt) fuͤr ruͤhmli= cher/ als die vierfuͤſige Thiere gehalten worden; weil ſelbe mit dem hoͤheſten Ele= menten/ dem Feuer und Luft/ die anderen mit der Erden und dem Waſſer ge= naue Verwandſchaft haben. Beruͤhrte Thiere hat der Herold dem Weltlichen Stand/ ſonderlich aber tapferen Kriegshelden zugeeignet; den Gelehrten Pfaͤle/☞ CXXIX. Hermelin/ Balken/ u. d. g. dem Geiſtlichen Stande aber die viel und mancher= ley Kreutze ertheilet/ wie ſolcher Vnterſchied aus alten Geſchichten und Adeli= hen Geſchlechtbuͤcheren ſattſam zu bewaͤhren iſt.

CLXXIX. ??? ??? ??? ??? ???
??? ??? ??? ??? ???

4. R. Dieſe Veraͤnderungen ſind faſt unzaͤhlig/ und iſt theils der VnterſchiedCLXXIX. an den Farben der Schilde/ theils an den Figuren und ihren Stellungen. Einer fuͤhrt einen ſteigenden Goldloͤwen mit einer rohten Zungen in einem blauen Schilde. Der ander fuͤhrt einen ſchwartzen ſpringen den Loͤwen in einem guldenen Schilde. Einer fuͤhrt zween lauffende weiſe Loͤwen in einem rohten Schilde. Jener zween fortſchreitende und zuruckſehende Loͤ= wen. In eines Wapen ligt er/ oder ſchlaͤfft/ oder iſt gekroͤnt/ oder zwirge= ſchwaͤntzt/ oder zergliedert/ oder ſtreitet mit einem anderen Loͤwen/ drey halbe rohte Loͤwlein in einem Silber=Schilde/ und ſo fortan.

5. V. Dergleichen Veraͤnderungen befinden ſich auch bey den Adlern/ welche aber leichter zu bemerken/ als die viel unter ſchiedliche Kreutze/ die in den Viſirun= gen dienen. Nachdem Conſtantin der Groſſe den Krieg wider Maxentzen/ den Wuͤterig zu Rom/ gefuͤhret/ und ihn im Schlafe ein Kreutz/ mit der Engelsſtim= me/ er ſchienen/ er werde in ſolchem Zeichen uͤberwinden/ hat er ſolchesEuſeb. l. 9. Kirchenge= ſchicht. c. 9. Kreutz in ſeinen Fahnen mahlen laſſen/ fuͤr dem Heer gefuͤhret/ und nachmals den CLXXIX.Sieg erhalten: daher folgends alle Chriſtliche Ritter das Kreutz und (weil der Wapen Abſehen und Endurſache iſt die Vnterſcheid deren/ die ſelbe fuͤhren/ zu bemerken/) ſelbes auf vielerley weiſe geaͤndert/ zu ihren Schildzeichen tragen wollen. Hierbey kommet zu gedenken/ daß der ſtreitbare Held Gideon/ mit drey= hundert Manneren/ die Feinde erlegt/ und ein Fuͤrbild geweſen unſeres Seelig= machers/ der durch das Kreutz (ſo in Griechiſcher Sprache ein T iſt und 300. bedeutet) den hoͤlliſchen Seelenfeind uͤberwunden und erleget hat: Wie auch Cauſ. en la Cour ſaint. tom. 2. f. 89.dergleichen Gedanken/ von dem Siege Abrahams/ Clemens von Alexandria hinterlaſſen. Es haben die Egypter und Araber die Figur des Kreutzes/ viel hundert Jahre vor Chriſti Geburt/ hoch gehalten/ und ihren Bilderen an die Bruſt gemacht; vorgebend/ daß ſolches Zeichen ſonderliche Krafft und Tugend habe. Petro Me- xia en la ſilva de va- ria Leçion. c. 2. f. 13.

6. D. Daher ſchicket ſich ein zuvor vergeſſenes Stuck der Deutkunſt; nem= lich mit der Hand das Zeichen des H. Kreutzes machen/ welches bedeutet/ daß wir Chriſten ſeyn/ und uns erinneren deſſen/ der fuͤr uns am Kreutze gelitten hat; Geſtalt bey den Altvaͤtteren zu leſen/ daß ſie durch ſolches Zeichen die boͤſenCLXXIX. Gretſer. de Cruee. Gedanken vergeſſen/ mit demſelben alles Thun angefangen/ und durch ſolches euſſerliche Mahl/ den innerlichen Hertzensglauben erweiſend/ vielmals Kran= ke geſund gemacht haben/ deutende dahin den Spruch Eſaiæ: Der HERREſa. 5. wird unter den Voͤlkeren ein Zeichen erhoͤhen. Zu merken iſt/ daß die Roͤ= mer bey ihren Kriegsheeren unterſchiedliche Thiere auf langen Stangen den Soldaten vortragen laſſen; theils den Feinden Furcht und Schrecken einzuja= gen/ theils die Soldaten zur Tapferkeit aufzumunteren: jenes zu verurſachen/ haben ſie der uͤberwundenen Feinde Haͤubter und Haͤnde beſagter maſſen aufge= ſtecket; Dieſes auszuwirken/ haben ſie ihrer Goͤtter/ ihrer verſtorbenen Kaͤiſer und Hertzogen oder Feldherren Bildniſſen vortragen laſſen. Als aber nachmal Kaͤi=Euſeb. l. 4. de vita Conſtant. ſer Conſtantin die Chriſtliche Religion angenommen/ hat er dieſes alles abge= ſchaffet/ und an ſolcher Bilder ſtat das Kreutz zu gebrauchen verordnet/ daher auch noch die Kreutzfahnen in den Kirchen verblieben.

6. V. Damit wir aber wieder zu den Kreutzen in den Wapen gelangen/ iſt un= ter den gebraͤuchlichſten

CLXXIX. Croix Floren cee. Recroize’e Potence’e Patte’e de Macles.
Compone’e Frette’e Alize’e de Bezans dhermines
Das Lilienkreutz. CLXXIX. Das Wiederkreutz. Das Kruckenkreutz. Das ausgerunde flache Kreutz. Das Mackelkreutz. Das abgekuͤrtzte Kreutz. Die vier Kreutzſtaͤbe. Das ſchwebende Kreutz. Das Pallenkreutz. Das Hermelinkreutz. CLXXIX. Lozangee Vairee ondee. Fichee Greslee
Eschiqvee Bovrdonne’e arboree. Ancre’e Chargeé
Das Rautenkreutz. CLXXIX. Das Eiſenhuͤtleinkreutz. Das Wellenkreutz. Das Nagelſpitzkreutz. Das geſchuppte Creutz. Das Schachkreutz. Das Kugelſtabkreutz. Das geſtuͤmmelte Aeſtkreutz. ragee. Das Ankerkreutz. Das doppelkreutz. CLXXIX.

8. D. Dieſes alles laͤſt ſich noch wol ausſagen/ es finden ſich aber etliche Wa= pen/ welche ſich faſt mit nichts wollen vergleichen laſſen/ und ſelbe ſind am aller= ſchwerſten zu viſiren. Die Einfaſſungen/ Vmſchweife/ oder wie es etliche neu= nen/ der Rand La bor- dure. wird bisweilen beſetzet Chargé. mit Loͤwen/ Adleren/ Kleeblaͤtlein/ Her= melinen/ Lilien/ Roͤslein/ Steinlein/ Tropfen/ Pfeilerlein: welche Zier ad zu Zeiten drangs/ zu Zeiten ſchwebend gefuͤhret wird/ (das iſt/ daß ſolche den Rand beruͤhret oder nicht beruͤhret/) maſſen dann auch in den Wapen noch viel andere wunderliche Sachen anzutreffen/ deren anders Ortes zu gedenken/ damit die Feinde und Schaͤnder unſerer Sprache erſehen moͤgen/ daß ſolche vollkom= men/ und alles und jedes in allen Kuͤnſten und Wiſſenſchaf= ten wol vernemlich auszureden vermag.

Veſpaſian. CLXXX.

REcht ſchicket ſich hieher/ daß jener Spanier in ſeinen SinnbilderenDecus in armis. mahlet einen Helm mit einem Igel/ an ſtat deß Federbuſches/ weil die Natur dieſes ſonſt fromme Thier gewapnet/ daß es ſich ſelbſt vertheidigen/ und ſeine Feinde verletzen kan; zu verſtehen gebend/ daß der Waf= fen ſchoͤnſte Zierde beſtehe in ſelber rechtmaͤſſigem Gebrauche.

2. D. Der Helm hinc He- aulme, Ital. Elmo, & Hiſpan. yelmo. Martin. in Lex. p. 998. Paſchal. l. 10. c. 14. oder Hellem ſol von den Helen/ weil er das Haubt verhaͤlt und bedecket/ ſeinen Namen haben.

3. R. In den Wapen werden entweder offene oder zugethane und ver= ſchloſſene Helme gefuͤhret; jenes deutet/ daß der Feldherr/ mit ſeinen Ober= ſten und Befehlhabern/ ſtetwachſame Aufſicht auf den Feind haben ſol/ als wel= chen deswegen die Helme beiderſeits und unterwerts geoͤffnet ſind/ daß ſie uͤmſe= hen und befehlen koͤnnen: Den anderen aber liget ob/ dieſen Fuͤhreren und Her= tzogen mit faſt blindem Gehorſam zu folgen/ dann ſelbe durch kleine runde Loͤch= lein des Helms fuͤr ſich nicht mehr ſehen koͤnnen/ als ſie vonnoͤhten haben.

CLXXX.

4. V. Dieſes ſolten ſonderlich die Mahler in Acht nemen/ welchen es gleich viel iſt/ einem jeden Wapen einen offenen Helm beyzuſetzen/ ja ſelben von Gold/ mit Kleinodien/ guͤldenen Kronen/ und vielen reifen auszieren/ deren Deutung/ noch der es mahlet/ noch der es mahlen laͤſt/ verſtehet. Kaͤiſer und Koͤnige fuͤh= ren allein guldene Helm/ und das Viſier mit eilf Reifen. Chur=Fuͤrſten und Hertzogen/ welche unmittelbar regieren/ ſilberne mit neun Reifen; Die anderen Hertzogen/ Maggrafen/ Grafen und Freyen ſollen eiſerne polirte Helm fuͤhren/ mit ſieben Reifen; Die Edlen aber ſollen ſich der eiſeren Helm mit ſechs Reifen bedienen. Hœpping. de jure Inſi- gnium.

5. R. Es wird auch dieſe Vnterſchied beobachtet/ daß der erſte des Geſchlechts/ welcher den Adelichen oder offenen Helm erlangt/ ſelben der Seiten/ oder dem Durchſchnied nach En porfil. mahlen laͤſt. Moreau des armoi- ries de France ch. 5. p. 178.

6. D. Wie nun der Schild durch ein gewieſes Gemaͤhld von anderen geſondert iſt/ alſo wird auch deſſelben Helm mit ſeinen Zeichen unterſchieden. Die alten Teutſchen haben ihr Haͤubter bedecket mit Loͤwen/ Woͤlf und Beerenhaͤuten/ (in denen ſie auch geſchlaffen/ und daher annoch die faulen Beerenhaͤuter ihren Na=CLXXX. men haben/ Cluver. l. 1. Germ. Ant. c. 16. p. 120.) dardurch den Feinden Schrecken und Furcht einzujagen. Nach= dem aber nachmals die Helm aufkommen/ haben ſie zum theil ſolcher Thiere Haͤubter gebildet/ behalten. Die gebraͤuchliche Zierd der Feder/ an welchen man von ferne zu erkennen geweſen/ ermangelt auch nicht ſeiner Deutung/ weil der Sieg eilend/ und gleichſam fliegend/ ſol erhalten werden/ wie Alexander der Groſ= ſe faſt die Welt durch beharrliche Emſigkeit uͤberwunden hat. Der Helm bedeutet ſicheren Schutz und Staͤrke/ und daher kan verſtanden werden was Eſaias von dem Meſſia ſagt/ er werde aufſetzen den Helm des Heils. Cornel. à Lap. in Eſa. c. 59. v. 17. p. 491.

6. V. Wie nun die alten Teutſchen ihre Waffen und Wapen/ in dem Schild/ Helm und deſſelben Zierd beſtehende/ ſehr geliebet/ und auſſer dem Gebrauch be= decket haben; iſt daher entſtanden die noch heut zu Tage bewuſte Gewonheit/ ei= ne Helmdeck/ (und zwar/ der Zierd wegen/ von gleichen Farben mit den Wa= pen/) beyzumahlen: iſt auch glaublich/ daß die Schildloͤhre oder Riemen/ ſamtGoldaſt. rer. Alem. p. 196. den Helmbrunloͤhrn/ oder Zindelbinden/ Vrſachen ſind/ daß erſtbeſagte Decke/ CLXXX.von den unverſtaͤndigen Mahleren/ ausgefraͤntzt/ zerſchnitten/ und Bandweis verſchlungen/ geſtaltet worden. Mit den Kleinodien auf dem Helm hat es auch dieſe Meinung/ daß die unterſchiedliche Linien dardurch unterſchieden werden/ jedoch daß der Schild unveraͤndert bleibe: wie dann bey begebener Geſchlecht= theilung/ ins gemein die Namen der angefallenen Herrſchaften/ zu mehrerer Vnterſchied/ beygerucket werden. Bernh. Hertzog. l. 6. Chron. Alſat. p. 260.

7. D. Es gilt auch nicht gleich/ daß man die Schild und Helm zu halten/ bey= ſetze was man will. Der Koͤnig in Franckreich hat allein Engel bey ſeines Koͤ= nigreiches Wapen/ weil die Engel ſolches vom Himmel ſollen gebracht haben. Das Engelaͤndiſche Wapen haͤlt ein gekroͤnter Leopart/ und ein Einhorn zur an= Varennes, au roy d’ Armes. f. 605.deren Seiten/ mit einer guͤldenen Ketten umb den Halß. Das Wapen Coſſe halten zween Greifen/ der Hertzogen von Bethune zween wilde Maͤnner/ u. d. g. Ferners iſt zu merken/ daß allein der Koͤnige Wapen unter einem Thronzelt Le pavil- lon auec ſon chape- au. mit Fuͤrhaͤngen zu beiden Seiten gehangen werden: Andere Fuͤrſtliche Wapen ſol= len das Zelt ohne Thron haben.

8. J. Aus dieſem Geſpraͤche hab ich ſo viel gelernet/ daß faſt nichts ſo unbe=CLXXX. kant als die Wapen/ von welchen ſonders Zweiffel noch viel ein mehrers zu ſa= gen were: Weil aber ſcheinet/ als ob die Herren dieſer Jungfrauen Gedult zuzuhoͤ= ren mißbrauchen wollen/ beliebe denſelben/ von denen Worten/ welche in red=und ſchreiben die bedeutlichſten ſind/ ein Spiel aufzugeben.

Angelica.

ICh halte/ daß ſolches die Bey=oder Eignungswoͤrter am kraͤfftig=CLXXXI. Man kan ſie auch nen ̅ en Anſatzwoͤr= ter. Beſihe den erſten Buch= ſtaben. ſten leiſten koͤnnen/ und were wol zu wuͤnſchen/ daß ein gelehrter Mann alle ſolche Epitheta, die ſich aus dem Griechiſchen und Latei niſchen fuͤglich in unſere Sprache bringen laſſen/ in ein abſonderliches Buch ſamlete: Maſſen ſie eines theils nohtwendig/ und gleichſam die Zuͤgel heiſſen koͤn= nen/ vermittelſt welcher unſere Wort ſicher geleitet werden; anders theils zier= lich und praͤchtig ſind/ und ſich mit dem Geſchmeide oder Spangen unſerer Rede CLXXXI.vergleichen. Inzwiſchen mag ein jeder ſolche Beywoͤrter nach verſtaͤndiger Er= maͤſſung ſelbs erdenken und gebrauchen; als zum Exempel/ in dieſem Geſpraͤche/ Die Wape ̅ .von den Wapen zu verbleiben/ ſage ich/ die Wapen ſind der Ahnen Helden= ſchmuck.

2. D. Das theur=erworbne Lob.

3. C. Der Tugend Ehrenmahl.

4. R. Der Pracht der Tapferkeit.

5. J. Der ſchoͤn erhabne Schild.

☞ den Kupfertitel dieſes Vier= ten Theils.

6. V. Der Ahnen Heldenlohn.

7. D. Dieſes Spiel fortzuſetzen/ wil ich von dem/ was mir zu Geſicht kommet/ ſagen: Schauet der Schaafe linde - , mollis dicitur a- pud Heſi- od. Wollen=Herd.

8. A. Das frommgedultige Thierlein.

9. V. Das nehret und bekleidet/ mit dem Fleiſch und der Wollen.

10. J. Vnd machet Arme reich/ in dem die Schaafe ſich leichtlich vermeh= ren/ auch leichtlich dahin ſterben.

11. R. Daszarte Tenella Ovis apud Pont. Der Hund. Wollenthier.

CLXXXI.

12. C. Das in den Auen bleckt. Bey den Schaafen iſt ihr Hund oder Ruͤd/ welcher ſtetig iſt wagſam.

13. R. Getreu.

14. J. Arbeitſam.

15. V. Stark und geſchwind.

16. A. Vnverzagt.

17. D. Wolffgierig und fuͤhret die Herd des Morgens und folget derſelben des Abends.

18. R. Der mit dieſem Fluß umgebene Garten kan heiſſen Blumenbunt.

Der Gar= ten.

19. J. Dieſer Jahrszeit neubegruͤnet.

20. V. Er iſt Baumenreich/ welche zur Fruchtzeit nicht undankbar ſeyn werden.

21. A. Das Safftgruͤndige Erdreich iſt frech und geil.

22. D. So/ daß ſeine ſchwartze Feiſte recht Samgierig ſcheinet.

CLXXXI.

23. C. Er iſt

von lieblichem Geruch geſchmucket und beſchminkt. Der Fluß.

24. J. Der Fluß/ welcher den Garten auf dieſer Seiten an ſtat der Mau= ren dienet/ kan genennet werden das ſchoͤne oder naſſe Quellenkind.

25. R. Welches bringt der Erden Fruchtbarkeit.

26. A. Der ſchlanke Waſſerfluß.

27. D. Die ſtete Waſſerfolg.

28. C. Der Erden Aderfeuchte.

29. V. Der Silberhelle Fluß. Weil wir von dem Fluß geredt/ ſo wollen wir Das Schiff.des Schiffes auch nicht vergeſſen/ welches iſt ein ſchwankes Waſſerhauß.

30. J. Der leichte Wellenlaſt.

31. R. Das Fingerdicke Bret/ das von dem Tode ſcheidet.

32. A. Der Wind und Wellen=Spiel.

33. D. Die wankelbare Ruh.

34. C. Die Reisfuhr ohne Muͤhe.

Caſſandra. CLXXXII.

ICh hab von den Fiſchen/ deren Element der Fluß oder Deuch iſt/Von den Fi= ſchen. ein ſolches Spiel ſehen aufgeben.

Herr Veſpaſian habe den Barben.

Frau Julia den Salm.

Herr Reymund die Neunaugen.

Jungfer Augelica die Grundel.

Herr Degenwert die Hechte. Dieſe und dergleichen Fiſche zu fangen wird folgender Werkzeug gebrauchet:

1. Der Angel. 2. Die Netze. 3. Die Saͤgen. 4. Der Schuß. 5. Die Reuſſen. 6. Der Hamme. CLXXXII.

Wann ich nun einen Fiſch benenne/ ſo muß hingegen das vorhergehende und her= nachfolgende von beſagtem Fiſchgeruͤſte in Gegenantwort geſagt werden/ als zur Probe: Die Hechte faͤngt man mit dem Netze.

2. D. Auch mit dem Angel und mit der Saͤgen.

3. C. Die Salm faͤngt man mit dem Hammen.

4. J. Oft mit den Reuſſen/ bisweilen auch an dem Angel.

5. C. Es iſt ein feines Eſſenuͤm die Neunaugen/ welche zwar nicht/ wie etli= che andere Fiſche/ koͤnnen durch den Schuß bekommen werden.

6. R. Bey Tag ſind ſie nicht wol zu fangen in der Reuſſen/ aber bey Nacht mit der Saͤgen.

7. C. Wil man nun das Spiel verkehren/ ſo benamſt man eines von vorbeſag= tem Werkzeuge/ und einen Fiſch/ daß dann der/ welcher ſolchen hat/ ſeiner beyden Nachbaren Fiſche benennen muß.

Julia. CLXXXIII.

DEm Geſpraͤchſpiel von den Fiſchen ſol folgen das Spiel vom Schif=Propriis vi- ribus. fe/ welches ſolchergeſtalt angeordnet wird: es habe

Herr Veſpaſian das ſtille Meer/ und zu ſelbiges Deutung die beyde Haͤnde flach ausgeſtreckt.

Jungfer Caſſandra das ungeſtuͤmme Meer/ zu deſſen Deutung die Be= wegung der Haͤnde wie die Wellen.

Herr Degenwert den aufgeblaſenen Segel: Zur Deutung aufgeblaſene Backen.

Jungfer Angelica guten Wind: Zur Deutung das Lachen.

Herr Reymund das Ruderen/ zur Deutung/ beyde Arme in einem Cirkel herumbdrehend.

Ich wil nemen boͤſen Wind/ zur Deutung das Weinen. Dieſes Spiel wird nun auf zweyerley Art gefuͤhret; Erſtlich/ daß ich einen Zuſtand des Schiffes ſage/ und der/ oder die/ welchem ſolcher zugetheilet worden/ deſſelben Deutung CLXXXIII.mit den Geberden wuͤrklich erweiſe/ oder im Gegenſatz eines anderen Geberden veruͤbe/ und deſſelben Deutung ſagen mache: als/ ich breite die beyden Haͤn= de flach aus.

2. V. Das Schiff ſchwebt in der Meerſtille: doch haben wir Vn= geſtuͤmme zu befahren.

3. C. Ich bewege die Haͤnde wie die Wellen. Wo bleibt der gute Wind?

4. A. Ich wil lieber lachen/ als ein Pfand geben/ u. d. g.

5. J. Die andere Art dieſes Spiel zu fuͤhren iſt/ wann deſſelben Vrheber ei= ne Geſchicht von Schiffarten erzehlet/ und die ausgetheilte Namen fuͤglich mit einbringet; bey welchen die Zuhoͤrer jedesmahls angenommene Vmſtaͤnde mit den Geberden zu erweiſen ſchuldig ſind.

Reymund. CLXXXIV. Der Spie= gel.

DIe Sinnbilder/ Deutkunſt/ Wort=und wuͤrkliche Mahlerey haben uns bis anhero vielerley zu betrachten/ an die Hand gegeben. Aber einen weit kuͤnſtlicheren Mahler hat Jungfrau Angelica an der Seiten/ den ſie auch alle Morgen mit groſſer Liebe empfaͤhet/ und zu ihrem ſtetenCLXXXIV. Geferten erwehlet hat.

2. A. Ich kan des Herrn tunkle Wort nicht verſtehen.

3. R. Ich rede von dem ſchoͤnen Spiegel/ welchen die Jungfrau an der Guͤr= tel traͤgt/ deſſen wunderſame Gemaͤhld alle und jede Bewegniſſen des Leibes bil= det/ da hingegen der allermeiſterlichſte Pinſel nicht mehr als eine Stellung zu leiſten vermag. Narciſſus hat ſeine Bildung im kalten Kryſtallbrunnen erſe= hen/ und iſt dardurch gegen ſich ſelbſten in Liebe entbrant: Viel unter den Jung= frauen erſehen ihre Bildniſſen in Lieberhitzten Hertzen/ mit kaltſinniger Gegen= gunſt. Aber gleichwie Apelles allein den groſſen Koͤnig Alexandrum mahlen duͤrffen/ alſo ſtehet nur in den Haͤnden dieſer Koͤniginnen ſich ſelbſten/ vermit= telſt ſo gebraͤuchlichen Kunſtglaſes/ auſſer ſich zu entwerffen.

4. A. Der Herr laſſe das ge fahren/ und mache aus dem Spiegel ein Spiel.

5. R. Hier fragt ſich nun: Ob die Spiegelbildung dem Gegenbild in aller Vollkommenheit gleiche; oder ob jenes dieſes uͤbertreffe? Der allguͤtige CLXXXIV.Gott hat in allen Geſchoͤpfen ſeine Macht angebildet/ die aus ſelber Wun= derwuͤrkungen zu erſehen iſt: Ja/ in unſeren Augen ſind gleichſam kleine Son= nenliechter/ welche aus ihrer Feuchte/ als durch truͤbe Wolken/ herfuͤrleuchten/ daß man ſagen moͤchte/ es iſt alles in dem Aug/ oder das Aug in allen Dingen. Ich will nicht erwaͤhnen/ wie der Menſch ein Ebenbild des groſſen Weltbaues ſey/ wie ſein Angeſicht ein Spiegel des Hertzens/ ſeine Rede ein Spiegel der Ge= danken/ die Geſtalt ſeines Leibes ein Spiegel ſeines Verſtandes heiſen kan: Dann obwol auch die Thiere ſich in hellen Waſſeren beſpiegelen/ ſo geſchich doch ſolches ohne Verſtand; Der Menſch aber erkennet ſich ſelbſt/ und nimt da= her Vrſach ſich zu wunderen/ in dem er Augenſcheinlich betrachtet/ daß er auch an ſich hat/ was er nicht weiß.

6. V. Die Eigenſchaften des Spiegels ſind gewißlich hocherleuchte Stuͤcke/ welche faſt mit erſtaunen zu betrachten kommen. Vermittelſt des Spiegels faͤl= let durch den Gegenſchein das Geſtirne auf die Erden/ und das Weltaug die Sonne/ welches alles ſihet/ wil nur in dem Spiegel geſehen werden. Daher auch teliche die Spiegel der Kunſtzauberwerk genennet/ dieweil ſie ſich ſo gar Wun=CLXXXIV. dervoll erweiſen: Ihre Wirkung iſt Geiſtſchnell/ und beſchiht in einem Augen= blick: Das Ferne iſt ihnen nahe/ ſie belangen und erlangen alles/ ohne Beweg= niß: ſie ſind faͤhig aller Sachen/ da andere Dinge nur gar wenig faſſen moͤgen: ſie weiſen die Gewißheit/ welche ohne ſie verborgen oder unbekant iſt/ und iſt ihnen als Zeugen die nicht von hoͤren ſagen/ ſondern von dem/ was ſie ſelbſt geſehen/ un= gezweiffelt glaubenz zuſtellen; daher dann auch die/ welche das Kuͤnfftige ver= kuͤndiget/ die Seher genennet worden/ weil an der Warheit ihrer Wort ſo wenig zu zweiffelen/ als derer/ ſo alles im Traum/ oder Geſichte geſehen haben.

7. J. So moͤchte man wol von dem Spiegel ſagen/ was man ſonſten von dem Menſchen ruͤhmet/ daß er nemlich eine kleine Welt ſey/ welche die groͤſſere in ſich begreiffe.

8. D. Aber doch kan das Aug nichts zierlicheres erſehen/ als ſich ſelbſten: und beweiſet der Spiegel/ unter vielen anderen Stucken/ auch in dem ſeine Macht/ daß er alles umwendet; was zur Rechten iſt/ weiſet er zur Linken/ das CLXXXIV.zur Linken/ zur Rechten/ ja was wir fuͤr ungezweiffelt gewiß achten/ wiederleget er mit ſeinem Silbergrunde: als daß eine Perſon nicht moͤge an vielen Oerteren ſeyn/ welche doch an ſeinem Orte verbleibet/ und zugleich in dem Spiegel nahe und ferne iſt.

9. C. Vnter des Spiegels Lob moͤchte man auch zehlen/ daß er ein getreuer Raht= geb der Schoͤnheit ſey/ und ſo getreu/ daß er als ein boͤſer Hofmann die Warheit den Vngeſtalten und meines gleichen oͤffentlich an Tag leget.

10. R. Die Gratien oder Huldgoͤttinen beluſten ſich/ durch ſo beliebtes Mit= tel zu betrachten/ damit ſie ſelbſten ſich bereden koͤnnen/ wie ſchoͤne Vrſachen man habe/ ſie zu lieben. Ihre Haare ſcheinen mit einer nachlaͤſſigen Kunſte ausge= kraͤuſſet/ und ſchertzen zu beyden Seiten mit dem ſanftumwebenden Winde: Die weiſe Stirne und Wangen ſind/ nicht mit Spaniſchleibfarb/ ſondern mit na= tuͤrlicher und geſunder Feiſte untermahlet; Die lieblichen Augen weiſen/ daß ſie nicht ohne Ebrerbietung wollen geliebt ſeyn: Die zarte Geruchſtelle oder Naſen neiget ſich gegen den beſeelten Corallenmunde/ welcher ſcheinet/ als ob er unaufhoͤrlich ſolte bemuͤhet ſeyn/ die Schaͤtze ſeiner gleichſam von Helfenbein eingefa=CLXXXVI. ſten Schatzkaſtens zu entdecken: Von der Zungen wil ich ſtillſchweigen/ weil ich niemals Lobgenuͤgig darvon werde reden koͤnnen; und iſt bekant/ daß dieſe ſchoͤne Gefangene die Hertzvertraute Dolmetſcherin des Verſtandes iſt/ welche uns auch vorſtellen kan/ was man ſonſten zu durchſehen nicht vermag. Ich will nicht beruͤhren das wolberunde Kihne/ den ſchneeweiſen Halß/ noch den Alabaſterbu= ſen/ von welches Schoͤne nur ein kleines Muſter zu ſehen kommet. Nun in dem Spiegel hat die Jungfrau erlernet ſich ſelbſten zu erkennen/ und ſo oft in denſel= ben geſehen/ uͤm ihr wiederum ein Anſehen zu machen: Er iſt ſtumm/ und un= terrichtet/ wie man mit guter Arte reden ſol: Er iſt ohne Seel und Geiſt/ und kan doch das Geſichte mit Schoͤnheit beſeelen: Er iſt unbekleidet/ und lehret doch wie man ſich zierlich kleiden ſol. Er iſt der natuͤrlichſte Bildhauer/ und iſt doch nichts/ als ein fluͤchtiges Gemaͤhld/ eine flache Bildung/ un ̅ ein brechliches Glas. Wir wollen aber unſere Gedanken wieder zu rucke fuͤhren/ dieweil der Spiegel uns zu lieb/ und wir nicht wegen des Spiegels geſchaffen ſind; geſtalt die Abbil= dung allezeit geringer iſt/ als das ſelbſtaͤndige Bild.

CLXXXIV.

11. J. Nun wird er wiederuͤm zu der Haubtfrag gelangen.

12. R. Es waltet der Zweiffel; ob die Augen der Jungfrauen die Bildung in des Spiegels Grund bemahlen/ oder ob der Spiegel eine ſo helleuchtende Tafel ſey/ welche der Jungfrauen Augen ausbilde?

13. J. Ich glaube/ daß dieſes jenes/ und jenes dieſes ſehen mache.

14. D. Zu Behuf der erſten Meinung kan man anfuͤhren/ daß die Augen ſelbſt= lebendige Spiegele ſind/ und daß der Spiegel zugleich zwo Sonnen vorweiſen kan: darzu kommet/ daß der Spiegel/ als ein gantz unentpfindlich todes Ding/ nicht vermag das entpfind=und lebendige zu begeiſteren. Es ruhet aber im Ende die Frage darauf: Ob die Sehung geſchehe/ in dem die Stralen aus dem Auge/ oder in das Auge ſchieſen?

15. C. Die Stralen hab ich jeder zeit mit den Feuersflammen vergleichen hoͤ= ren/ deren Mittelpunet in dem Aug/ und ihre Grundbreite Baſis. auf dem geſehenen Dinge hafftet. Man reibe die Augen in der Finſteren/ ſo wird man ſehen/ daß gleichſam etliche Fuͤnklein herausglentzen/ oder man ſehe einen im Zorn ergrim ̅ ten Mann/ dem die Augen als feurig gleichſam in dem Haubte brinnend auf=CLXXXIV. flammen: und ſol nicht der Baſiliſc ſeine Anſchauer mit toͤdlichem Gifft an= ſtralen/ wie man ins gemein glaubet. Rollenha= gen in den warhaften Luͤgen.

16. R. Vnter anderen dienet auch beſagte Meinung zu behaubten/ daß das kleine Aug die Geſtalt eines groſſen Berges nicht wuͤrde ſehen koͤnnen/ wann die Sehſtralen von dem Berge/ und nicht von dem Auge entſtuͤnden; maſſen wir auch/ wann wir in die Weite ſehen wollen/ das eine Aug zu thun/ die Stralen deſto ſtaͤrker zuſammen zu halten.

17. J. Nun iſt die Frag meines Erachtens/ gruͤndlich beantwortet.

18. V. Man mus den anderen Theil auch hoͤren/ welcher mit dem Glantz der Warheit das beſagte leichtlich wird hintertreiben koͤnnen. Iſt der Spiegel ſtum ̅ / ſo kan er ſich doch durch ſeine Deutkunſt verſtehen machen: iſt er ohne Seele fuͤr ſich/ ſo wird er doch durch die Sehſtralen der Jungfraͤulichen Augen begeiſtert: iſt er unbekleidet/ ſo bedeckt er ſich mit den Hertzregungen/ welche in des anſchauen= den Geſichte erhellen. Das Aug iſt durchſcheinlich/ nicht anderſt als ein helles CLXXXIV.Waſſer/ welches den Sand oder die Erden hat/ an ſtat des Bleies und Queckſil= bers unter dem Spiegelglaß; anderer geſtalt wuͤrden die Stralen durchſchieſen und keine Gegenbildung geſtalten moͤgen. Daß dieſem alſo/ iſt unter anderen auch erweißlich/ daß/ wann man einen in das Aug ſchlaͤgt oder ſtoͤſt/ das Waſſer herausflieſet Bey ſo wahrbewanten Sachen iſt leichtlich zu ſchlieſſen/ wie das Sehen/ oder die Sehung durch Entfahung der Stralen/ geſchehen muͤſſe/ und bewant ſey/ wie auch alle andere euſſerliche Sinne/ geſtalt das Hoͤren beruhet in Entfahung des Tons; das Riechen/ in Entfahung des Geruches; das Schme= cken/ in Entfahung der Speiſe; das Anruͤhren/ in Entfahung dieſes oder jenes Dinges. Wie ſolte dann das Sehen eine geringere Bewantnis haben/ weil es unter allen Sinnen der edelſte iſt.

19. J. Es iſt vernemlich darvon geredet/ wie iſt aber die widerige Meinung zu beantworten?

20. V. Wann etwas aus dem Aug herausſtralet/ frage ich/ was daſſelbe ſey? iſt es ein gar reinliches Feuer/ wie gedacht worden/ ſo wird es doch in ſeiner Ge= ſchwindigkeit durch den Lufft verhindert/ zertheilet und unterkommen werden/ in dem der Stralen unzehlich viel zugleich wirken muͤſſen.

21. D. Das Aug iſt wie die Sonne/ deren Stralen den Luft zu allen SeitenCLXXXIV. durchleuchtet.

22. V. In dem Auge iſt nicht genug Liechtes/ wie in der Sonnen. Eine kleine Kertze kan keinen groſſen Saal beleuchten. Ferner ſage ich: wann die Stra= len aus den Augen die Sehung verurſachen/ ſo beſchihet ſolches/ in dem ſie von dannen auſſchieſen/ oder in dem ſie wieder zu ruck kehren: iſt es in jenem/ ſo iſt wunderlich zu hoͤren/ daß ich das behalten ſolte/ was ich von mir ſchiebe; geſchi= het es in dieſem/ ſo beſtehet das Sehen in Entfahung der Stralen.

23. C. Was wil aber der Herr auf meinen Einwurf antworten.

24. V. Daß denen/ ſo die Augen im Finſtern reiben/ keine wuͤrkliche Funken her= ausſpringen/ ſondern daß die ſtarke Bewegung einen hellen Schein/ gegen dem Tunkelen zu achten/ ſehen machet. Des Zornigen Augen = Kryſtall wird durch das aufwallende Gebluͤte erhitzet/ deswegen ſie gleichſam durchfeuret ſcheinen. Von dem Baſiliſe zihen wir den Gifft vielmehr von ſeinen Augen an uns/ als daß er uns mit demſelben anſtralen ſolte. Es iſt auch die Groͤſſe des Berges dem CLXXXIV.kleinen Auge nicht unſichtbar/ dieweil nicht ſeine Vngeheure/ ſondern ſeine eben= maͤſſige Geſtalt (welche gleichſam in dem Sehen von der Selbſtaͤndigkeit geſon= dert iſt/) zu dem Aug gelanget. Daß man auch das eine Aug zuhaͤlt/ in die Fer= ne zu ſehen/ iſt die Vrſach/ damit die innerliche Sehſtralen durch der Sonnen Liecht nicht koͤnnen vertunkelt werden.

25. J. Das iſt eine lange Rede von einer Sache/ welche nur einen Augenblick waͤhret.

26. V. Wir reden von dem Sehen/ wie die Blinden von der Farbe. Es iſt ei= ne magere Kurtzweil/ ſeinen Schatten in einem Glaſe/ oder auf der Erden be= trachten. Aber dieweil die Eitelkeit nicht nur aus Gold und Silber/ ſondern auch aus dem Glaſſe ein Goͤtzenbild machet/ wollen wir ſolches aus unſerem Hertzen und aͤrgerlichen Augen reiſen. Beſſer iſt die Jungfrauen gleichen der Diane/ wel= che ſich nicht wollen ſehen laſſen/ als den ſelbſtliebenden Narciſſen. Die ihnen all= zugroſſes Anſehen machen wollen/ ſind vielmals bey Gott uͤbel angeſehen/ und ſolten lieber wuͤnſchen/ daß auch des Tages Liecht ihre Zucht mit einer finſteren Wolken verſicherte/ als daß alle Oerter/ wo ſie ſich aufhalten/ voll Spiegel we=CLXXXIV. ren. Sie beſpiegelten ihr Thun/ und verleiſten ihr Gewiſſen; Sie bemuͤhen ſich vielmehr die innerliche unſterbliche Seelen Schoͤnheit/ als die euſſerlich ver= gaͤngliche Leibesſchnoͤde zu erlangen. Ich geſtehe gerne/ daß der Menſch allein ſeine Geſtalt in dem Spiegel erkennet/ aber nicht ſeine Schwachheit/ und dieſer Mangel kommet nicht von ſeinem Verſtand/ ſondern von ſeinem verderbten Willen her: Damit aber die Eitelkeit der Jungfrauen ſcheinlicher zu Geſichte komme/ ſo wollen wir die Nichtigkeit ihres Mahler Spiegels genauer beſchaue ̅ . Der Wunderſchoͤnſte Gott hat geſchehen laſſen/ daß der Menſchen Verſtand ei= ne Erden erfunden/ welcher Glantz faſt himmliſch iſt. Er hat die Perlen erfin= den laſſen/ und die Ochſen erſchaffen/ iſt aber deswegen mit nichten Vrſach des Stoltzes/ des Prachts und der Abgoͤtterey/ welche vermittelſt ſolcher Geſchoͤpfe in Schwang kommen. Ja dieſe durchleuchte Erden (der Spiegel ſage ich) wird ein Zeug ſeyn/ wider die/ welche bey ſelber des Himmels vergeſſen. Wir betrach= ten unſere Geſtalt/ und laſſen auſſer der Achte/ daß wir zum Ebenbild Gottes erſchaffen CLXXXIV.werden. Iſt auch ein ſtinkender Miſt hoch zu achten/ weil ihn die Son= ne beſcheinet? iſt auch etwas gebraͤchlich = vergaͤnglich=und geſchwinder verrau= ſchendes als die Bildung in dem Spiegelglaß? Ich ſage das Menſchenbild/ wel= ches alle Tage un ̅ Stunde dem Tod zueilet Das Liecht iſt viel ſchoͤner und freyer/ als wann es in ein enges Glaſe eingefangen wird/ und wann die Augen nichts anders als Todenfenſter ſind/ welche den Verluſt zuwachſender Jahre am eh= Bodin. l. 4. theat. nat. p. 452.ſten fuͤhlen/ iſt leichtlich zu erachten/ wie hoch der Spiegel/ welcher ohne ſie un= nuͤtzlich iſt/ zu ſchaͤtzen komme! Wir belieben unſeren Schatten/ bevor unſere Lei= ber Todenſchatten werden/ und wollen doch nicht erſehen/ daß wir Staub und Aſchen ſind. Iſt der Spiegel ein treuer Freund/ der mit uns lachet und weinet/ mit unſerem Angeſicht ſich lendet und wendet/ zoͤrnet und freundlich iſt: ſo wird er auch vielen zum Hofmeiſter der Laſter/ und die hohe Schul aller Vppigkeit/ die ſchoͤnſten Spiegel ſind die Tugendthaten/ welche in Geiſtlichen und Weltlichen Geſchichten E. von der Weyhe de Specul. n. 107. anzutreffen ſind/ in denſelben ſollen wir uns beſpiegelen/ unſere Vngeſtalte erkennen/ und mit unſterblichem Ruhm nach der wahren Schoͤnheit ſtreben. Hier moͤchte man in Anſehung unſerer Wahnſucht das SprichwortCLXXXV. B. Weißh. am 7. einwenden: Was ſol dem Blinden der Spiegel?

Degenwert.

OBwol Herr Reymund ein nachdenkliches Spiel von der Junfer An=Der Blu= menbuſch. gelica Spiegel aufgegeben; ſo will ich doch/ nach meiner Wenigkeit/ nicht unterlaſſen von der Jungfer Caſſandra Blumenſtrauſſe der= gleichen zu fragen: Ob ſelber ihren Buſen/ oder ihn der Buſen ziere?

2. C. Von den Blumen hat der Herr Macht zu reden.

3. R. Es iſt keine ſo eingriffliche Frage als es ſcheinet.

4. D. Mancher wuͤnſchet/ wie Narciſſus oder Ajax/ in eine Blume verwan= delt zu werden/ uͤm an ein ſo ſchoͤnes Ort zu gelangen: weil er aber ſolches nicht zu erwarten hat/ uͤberſendet er ſeiner Liebſten einen Blumenbuſch/ und in denſel= ben ſein Hertz; der Hoffnung/ er werde das ihre durch ſo angeneme Beſchenkung CLXXXV.gewinnen/ oder zum wenigſten ſie durch dieſen Anwalt mit ſtetiglieben Geruch der beharrlichen Liebesneigung erinneren.

5. J. Oder daß der Geruch ihr das Hirn von boͤſen Gedanken reinige.

6. D. Dieſe Bluͤmlein ſind aus der Erden erwachſen: noch ſolte man mei= nen/ ſie weren von dem Himmel gefallen/ oder ja die Sterne der ſo buntferti= gen Erden. Betrachten wir die trefflichen Farben/ ſo werden wir darbey des Geruches vergeſſen; achten wir den Geruch/ ſo haben wir nicht ſatſame Au= gen dieſes wunderſchoͤne Farbweſen zu durchſehen. Es iſt eine natuͤr= liche Bildung aller Schoͤnheiten/ die ſich in den Fuͤgungen der Elementen befinden. Es iſt ein Regenbogen/ in welchem alle Farben ſelbſtaͤndig aufbli= cken. Ein jedes Bluͤmlein iſt unvergleichlich/ und ſie ſetzen doch alle ihre Zierde ohne Vermiſchung durch einen Seidenfaden/ (dann das Gold iſt dieſes Orts viel zu ritzend/) zuſammen. Das ſuͤſſe Hoͤnig der Immen iſt nichts anders als ein wuͤrklicher Geſchmack dieſes umwallenden lieblichen Geruches. Wer nun dieſen Blumenbuſch fuͤr ein gemeines Erdengewaͤchs und nicht fuͤr ein Meiſterwerk der Natur halten wolte/ der wird ſich ſehr betriegen: ſie iſt bemuͤhet ihrenCLXXXV. reichſten Schmuck/ ſo wol auf dem Erdenkreiſe auszulegen/ als in derſelben Grundklufften zu verbergen. Ach/ dieſe Blumen erfreuen ſich unter den Fuͤſen abgeſchnitten zu werden/ in ſo zarte Haͤnde zu gelangen/ und gleichſam zwiſchen dieſen weiſen Schneepallen zu verwelken: ihre Wuͤrtzelein ſind verborgen/ daß man vermeinen ſolte/ ſie weren vieleicht nicht von der Erden/ ſondern aus der Wolken entſproſſen. Es iſt aber der allerkoͤſtlichſte Wolſtand dieſes Blumenbu= ſches/ daß er an ſo feſtem Orte zu ſtehen kommet; welchen er noch viel herrlicher/ anſehlicher/ und wehrter machet. Der bedeute Ort wird gleichſam von ſo artig= vermiſchten Farben untermahlet/ und macht ſie der weiſe Atlaß viel hoͤher ſchei= nen als nicht die nidere Pechſchwartze Erden: wiewol ſie auch an dieſem Ort auf einem Theile der Erden ſind.

7. J. Sie ſind ſchoͤn auch ohne dieſe Ehrenſtelle/ und werden ihrer zuwachſen= den Blaͤtter Schutze beraubt/ ihrer zarten Wurtzelfeuchte entnommen/ damit ſie deſto geſchwinder verderben muͤſſen.

CLXXXV.

8. A. So viel ungluͤckliche Blumen/ ſo viel und mehr ungluͤckliche Weibs= perſonen koͤnten gefunden werden.

9. R. Man ſol aber lebloſe Dinge dem lebendigen Gottes Bilde nicht vorzie= hen. Wann die Blumen bey der Jungfrauen Buſen eingeſtecket werden/ entſa= hen ſie vielmehr Zierde von ihnen/ als ſie nicht mit ſich bringen. Sie werden zu ſo hohen Ehren aus dem Staub erhaben; Sie werden fuͤr allen Vnziefer/ und Geſchmeiſſe verwahret/ und verliehren ihre allerſchoͤnſte Farben/ in Gegenhal= tung ſo uͤberſchoͤnen Weiſe. Die Blumen ſind die Zierde der ſchnoͤden Erden/ werden aber von ſo faſt himmliſcher Schoͤne gezieret. Gleichwie die Kron der= wegen geachtet wird/ weil ſelbe der Kaͤiſer oder Koͤnig gebrauchet; ſo ſol auch dem Buſche zu ſonderen Ehrenpreis dienen/ daß ſelber ſo Tugendreichen Her= tzen nahet; und zwar nicht aus noht/ als ob ſie ſolchen Wolſtand von euſſerli= cher ungefehrer Beſchmuckung/ und nicht vielmehr von innerlichen Gemuͤhts= gaben/ ſolten herſuchen: ſondern weil ſie belieben tragen/ die in der Vergaͤnglich= keit beſtehende Bluͤmlein/ aus den verſperten Gaͤrten/ in oͤffentlichen Zuſammen= kuͤnften fuͤrzuweiſen.

10. C. Die Herren ſuchen alle Blumen der Wolredenheit herfuͤr/ um die na=CLXXXV. tuͤrlichen ſo viel praͤchtiger auszuloben.

11. V. Im Ende beſtehet die gantze Sach auf dem Lob der Blumen und der Jungfrauen. Man ſchenket oft der Jungfrauen eine oder mehr Blumen/ uͤm ihr zu rauben den Jungfrauen Krantz/ der ſchoͤner iſt als alle Blumen. Das Bluͤmlein kan von des Menſchen Leibe wenig Behuf haben/ weil auch ſelber/ wie eine Blum/ dahinfallen muß. Schicket alſo die Erden/ die unſer aller Mutter iſt/ ihren Toͤchteren dergleichen Geſchenke/ ſelbe dardurch erinnerend/ daß ſie dahin kommen werden/ wo die Gabe herkommen iſt. Iſt aber ſolches Blumen= werk etwan von eines Buhlen Hand eingelanget worden/ ſo heiſſet es hier auch recht/ die Geſchenke blenden die Weiſen/ und hat der/ ſo einen gerechten Rich= ter/ und eine gute Sache hat ſein Vertrauen nicht auf ſo zweiffelhaffte Neben= mittelein zu ſtellen: ſie verehren auch oftmals Blumen/ dieweil ſie nichts gerin= geres zu verſchenken haben. Dieſer ſchenket einen Blumenbuſch nicht ſeine Lieb= ſten Bruͤſte auszuzieren/ ſondern ihr Hertz darmit zu verwunden. Aus ſeiner Liebe CLXXXV.darf er keinen Goͤtzen machen/ ihm einen Opferaltar aufrichten/ dann er ſelbe auch ohne das hoͤher haͤlt/ als er ſolte. Was die Natur (welche ihre Gaben nicht wil mißbrauchet wiſſen/) auf der Erden ausgeſtreuet/ mag nicht himmliſch ge= nennet werden: ein anders iſt das Geſtirne/ ein anders ſeine Wirkung Die Li= lien ſind beſſer bekleidet als der allerweiſte Koͤnig Salomon/ vieleicht/ weil er nicht in Gott wolgefaͤlliger Vnſchulde beharret/ und durch die Abgoͤttiſchen Weiber ſein Hertz mit allerley Vnreinigkeit beflecket hat. Der Wind/ der Regen/ die allzuheiſſen Sonnenſtralen koͤnnen bald das Ende mit den Blumen machen; ja wenn ſich auch dieſer keines begeben ſolte/ wuͤrden ſie doch von ſich ſelbſten ab= fallen und vertrocknen. So ſchoͤn ſie ſind/ ſo viel ſchoͤner und mehr beſtaͤndiger kan ſie der Mahler bilden. Ihren Geruch ferners belangend/ iſt ſolcher in ſeiner Lieblichkeit vergaͤnglich. Die Kraft der Blumen beruhet in denſelben und ver= ſchwindet in dem Gebrauche. Nicht alle Blumen ruͤchen wol/ und die wolruͤchen= den ſind die unanſehlichſten; daß alſo etliche des Geſichtes/ andere des Geruches wegen geachtet werden. Die Tulippe iſt ohne Nutzen/ die Kaͤiſers Krone hat einen abſcheulichen Geſtank/ die Roſe zerflattert/ in dem ſie ihre Blaͤttlein ausbrei=CLXXXV. tet: In Summa/ die Blumen ſind ſchoͤn/ uͤm zu verwelken Der himmliſche Braͤutigam vergleichet ſich einer Blumen auf dem Feld/ welcher man nicht mit Fleiß in dem Garten gewartet und gepflogen/ zu bezeugen/ daß Erwie oft das allerniedlichſte Kraͤutlein und Bluͤmlein das unwehrtſte iſt.

12. J. Viel fleiſſigen ſich mehr ihre Blumenfelder/ als ihren Verſtand/ zu er= bauen/ dieſelben/ mit ſchoͤneren Gewaͤchſen/ als ihr Leben mit loͤblichen Tugen= den auszuzieren: Ihre Hand/ welche ſolche Bluͤmlein herfuͤrbringet/ iſt ein ver= dorrter Aſt/ der niemals gute Fruͤchte traͤgt. Man lachet deſſen/ der behaubten wollen/ der Menſch ſey geboren die Sonnen anzuſchauen; Wie ſol man aberapud Laërt. Anaxago- ras. gegen die jenigen verfahren/ welche all ihre Aufſicht auf die Blumenfelder wen= den? Sie ſchauen nicht gen Himmel/ als zu beobachten/ ob er ihre Blumen freundlich anblicke. Sie wollen niemand zu Gebot ſtehen/ als ſolcher ſelbſter= wehlter Thorheit.

13. D. Der kurtze Wolſtand der Blumen beweiſet uns die Vergaͤnglichkeit CLXXXV.der praͤchtigſten Weltzierde/ damit wir unſer Hertz mit ſolcher Eitelkeit nicht all= zugenau verbinden ſollen. Iſt aber dardurch der Betrachtung ſolcher Schoͤn= heiten nichts benommen/ und emfahen wir/ gleichſam mit Verwunderung/ den Geruch des Paradiſes in dieſem Jammerthal.

14. C. Jedoch iſt jeder zeit mehr auf die Frucht/ als auf die Blumen gehalten worden. Man ſchreibt/ daß auf eine Zeit die Frantzoſen im Heerzuge die Pin= ſen und Waſſerrohr fuͤr Piquen angeſehen; das Gegenſpiel widerfaͤhrt den Blu= menknechten/ welche fuͤr liebe Freund halten/ die keine Empfindlichkeit haben.

15. R. Durch beſagtes Gedicht oder Geſchicht wird bedeutet/ daß/ wie im Kriege alles ſchaden kan/ auch alles zu fuͤrchten und zu beobachten ſey.

16. A. Bey den Blumen befindet ſich/ wie bey allen anderen Sachen/ der Mit= kommende Mißbrauch: Selbe loben und lieben iſt/ meines wenigen Erach= tens/ nicht zu ſchelten: ſich aber uͤber derſelben Schoͤnheiten erheben hoͤren/ und ſich weiſer achten als die Lilien/ lebhafter als die Roſen/ lieblicher als die Vielen/ u. d. g. kan eine Gelegenheit ſeyn/ die ſonſten muͤſſige Zeit mit erfreulichen Vnterhalt hinzubringen. Nnn wolle der Herr die Anfangs aufgegebene Frag ent=CLXXXV. ſcheiden/ und ausſprechen/ welcher unter beiden Meinungen den Obſieg Rech= tens gebuͤhre.

17. V. Ich wil behaubten/ deß der Blumenbuſch der Jungfrauen Bu= ſen nicht zieret/ noch auch von ſelben gezieret werde. Eine Eitelkeit iſt mit der anderen verknuͤpfet/ und eine Vergaͤnglichkeit wird durch die andere erwie= ſen. Der Menſch vom Weib geboren gehet auf wie eine Blume/Job. 14/ 2. und faͤllet ab. Die ſo hoch ausgeruͤhmte Farben ſind nichts anders als Verblendungen der Augen/ welche das Sonnenliecht bemahlet/ und bald wider entfaͤrbet. Die Hitze und Feuchte haͤlt es empor/ und machet es austrock= nen nach kurtzer Zeit/ und zur Erden fallen. Solten die Jungfrauen ihre Zierd von der Erden entlehnen? Solte ihr Lob in ſo unbeſtaͤndigem Stucke beruhen? oder wie ſolten ſie das jenige mit ihrer Gegenwart ſchmucken/ das ſie nicht ge= pflantzt/ begoſſen/ gewartet/ ſondern uͤm Geld/ (deſſen vielmals die Allerlaſter= hafftigſten am meinſten haben/) oder in andere Wege mit Begierde erhalten/ und CLXXXV.bald mit Verdruß wider von ſich werffen. Die eingebilde Ehre beſtehet in einem bunten Staub/ ſo durch die Entladung excre- ments. eines unflaͤtigen Wurms/ ich wil ſage ̅ / durch den Seidenfaden zuſam ̅ mengehalten wird. Vielmals werden auch die zur Schlachtbank gefuͤhrte unſchuldige Schaafe mit Blumen gezieret/ welche ihres annahenden Todfalles Merkzeichen ſind. Ach/ wir kroͤnen uns mit Roſen/ da unſers Seligmachers Haubt mit Dorneren gekroͤnet worden.

18. J. So kan man von geringen Sachen hohe Gedanken faſſen/ welche von jungen Leuten vielmehr zu erwuͤnſchen als zu verhoffen ſind.

Veſpaſian. CLXXXVI. Das Kar= tenſpiel.

WEil wir uns aber der Eitelkeiten ſo ſchwerlich entbrechen koͤnnen/ ja uns ſelbe auf keine Weiſe aus den Haͤnden winden laſſen/ ſol man billich bedacht ſeyn/ feine Lehren/ auch aus nichtigen Sachen zu er= ſinnen. Als vom gewinnſuͤchtigen Kartenſpiel iſt bewuſt/ daß daraus Zorn/ Betrug/ Feindſchaft/ Fluchen/ ein unordenliches Leben/ Verluſt der Zeit undCLXXXVI. Horat. l. 1. ep 19. Lu- dus enim genuit tre- pidum cer- tamen & i- ram: Ira truces ani- mos & fu- nebre bel- lum. Ovid. 3. de Arte. Nu- daq́ per lu- ſus pectora noſtra pa- tent. andere Vngelegenheiten erfolgen: Jedoch haben ſich etliche Sinndichter gefun= den/ welche ſonderliche vortreffliche Lehren nach Veranlaſſung derſelben erfun= den.

2. A. Des Menſchen Leben iſt faſt nichts anders als ein Kartenſpiel/ in wel= chem der oftmals verliehret/ der zu gewinnen hoffet: da der Arme reich/ und der Reiche arm wird: Ein Spiel darinnen das Gluͤck viel/ die Kunſt etwas/ der Fleiß und Aufmerkung wenig oder nichts vermag.

3. D. Die Karten heiſt mit verſetzten Buchſtaben eine Ken ̅ art; Maſſen nicht allein der/ welcher mit der Karten ſpielet/ ſich und ſeine Neigungen eroͤffnet; ſondern weil auch ſonſten vielerley aus der Karten zu erkennen und abzumerken.

4. C. Wann man das Kartenſpiel betrachtet/ finden ſich in ſelbem Koͤnige/ Oberraͤhte/ Knechte/ u d. g. welchen allen auch das kleinſte Blaͤtlein obſiegen kan: Zu bemerken/ daß wen viel fuͤrchten muͤſſen/ der habe auch den allerring= ſten zu befuͤrchten.

CLXXXVI.

5. R. Ich wolte gerne ſagen/ daß die vier Farben in der Karten die vier Jahrs= zeiten bedeuten/ als das Gruͤne den Fruͤling/ das rohtbrennende Hertz den Sommer/ (alſo genant/ weil er der Sonnen Herr iſt) die Aichel den frucht= baren Herbſt/ die Schellen die Maſquenfreude ſo im Winter gebraͤuchlich/ beſagte kalte Schneezeit (alſo genant/ weil der Wind in ſelber Herr iſt) be= merke.

6. C. Die erſten Buchſtaben von dieſen vier Farben/ S Schellen/ A Ai= chel/ R Rohte/ oder Hertz/ und G Gruͤne/ thun zuſammen Sarg/ weil die Karten oftmals des Beutels Sarg und Grabſtette iſt.

7. V. Wer gewinnen wil/ muß die meinſten Augen haben/ ſo wol das Spiel/ als alles Fuͤrhaben mit Fuͤrſichtigkeit zu fuͤhren.

8. J. Die Buhler haben zu lernen/ daß wer etwas gewinnen wil/ muͤſſe Geld daran ſetzen/ und ſich begebenen Verluſt nicht abſchrecken laſſen.

9. R. Das Soldatenſpiel iſt nicht gantz/ wenn Hertz oder Gruͤne (die Hoffnung) mangelet: oft muͤſſen ſie mit ſchlechter Koſt/ durch die Aichel bedeutet/ verlieb nehmen/ und pflegen doch ein groſſes Geſchell von ihrer Gluͤck=CLXXXVI. ſeligkeit zu machen.

10. C. Die Fuͤrſten ſollen aus dem Kartenſpiel erlernen/ daß ob ſie gleich groſ= ſe Bilder ſind/ jedoch bald mit anderen geringen muͤſſen vermiſchet werden.

11. D. Wann man es alſo betrachten wil/ ſo moͤchte man ſagen/ daß des Men= ſchen Hertz ſtetig zu kaͤmfen habe mit der Thorheit/ durch die Schellen bemer= ket; mit der Bauchſorg/ durch die Aichel verſtanden/ weil dieſe der Menſchen erſte Speiſe geweſen/ Plin. l. 16. und dann mit der Hoffnung/ welche ſtetig auch in dem groͤſten Elende gruͤn iſt.

12. A. Aber die Trapellierkarten haben andere Figuren.

13. V. In denſelben ſind die vier hoͤheſten Tugenden gebildet: durch die Pfen=Bezzarrie Academi- que. f. 15. ninge die Gerechtigkeit/ durch die Becher die Maͤſſigkeit/ durch die Staͤbe die Weißheit und der Verſtand/ durch die Spaden oder Saibel die Staͤrke.

14. J. Oder daß der Reichthum/ die Nahrung/ die Scepter und Waffen nichts anderes/ als ein wandelbares Gluͤcksſpiel ſind.

CLXXXVI.

15. R. Die Regimentsperſonen/ haben daraus abzuſehen/ wie ſie in Krieg= und Friedenszeit zu verfahren: nemlich/ daß ſie der Waffen (Spaden) von= noͤhten haben/ ſich zu ſchutzen/ und der Gerechtigkeit durch die geraden Staͤbe/ (welche auch den Roͤmiſchen Rahtherren dieſer Meinung vorgetragen worden) bedeutet damit ihre Vntergebene bey ihrem Haab/ Gut und Geld (Pfen ̅ ingen) erhalten werden/ und ihres Weinſtockes (in den Becheren) mit Ruhe genie= ſen koͤnnen.

16. C. Von den Farben und Zahlen iſt zu anderer Zeit gedacht worden.

17. D. Aus erſtbetrachten Karten iſt auch eine Warnung zu ziehen/ daß man ſich fuͤr hohen Geitzſpielen huͤten ſolle/ wann nemlich die Pfenning gedeutet wer= den auf den Verluſt/ welcher ein oder das andermal zu gewarten; Die Becher/ daß dardurch der Verſtand/ gleichwie durch zu viel Wein trinken verlohren wer= de; Die Spaden und Staͤbe das Schlagen und Rauffen/ das aus derglei= chen Geldſpielen nicht ungewoͤhnlich erfolget.

18. A. Mag man dergleichen auch von den Welſchen Karten aufbringen?

19. V. Ja/ noch faſt fuͤglicher/ und erinnere ich mich deſſen/ das in der Belaͤ=CLXXXVI. gerung Verua in Welſchland ſich begebe ̅ / wie nemlich die Soldaten in den Wach= haͤuſeren mit der Karten geſpielet/ und auf Spaniſcher Seiten einer das Spa= den/ oder Piquenzehen an einen Stein gebunden und zuvor darauf geſchrieben mit dieſen/ con eſſas. verſtehend/ wollen ſie der Frantzoſen Meiſtere werden: ſo bald er nun ſolches zu dem Feinde geſchlaudert/ iſt darauf gleichsfals ein Kartenblat/ nemlich das Hertztaus erfolget/ mitbringend die Antwortſchrift: vielmehr mitantes con eſſo. dieſem.

Julia.

DErgleichen laͤſt ſich auch von den Welſchen Karten auſſinnen/ aus=C. LXXXVII. Die Edelge= ſteine. gen m ̅ en/ daß an ſtat der Aichel die Stein ſind/ welche zu etwas an= deren Gedanken Anlaß geben koͤn ̅ en/ und wil ich von den Edelgeſteinen ein ſolches Spiel anfuͤhren/ Herr Veſpaſtan ſey des Spieles Koͤnig.

C LXXXVII.

2. V. Dieſe Ehre wil der Frauen gebuͤhren/ ſie geruhe den Spielſtab zu behal= ten/ und das angemeldte fortzuſetzen.

Ringinier G. 22.

3. J. So nehme dann der Herr hingegen den Diamant mit dem Beywort:

bleibet beſtaͤndig/ und den Carniol: beſaͤnftiget den Zorn/ die Corallen: ſtaͤrken das Hertz. Jungfer Angelica habe das Perle: iſt weiß und rein. den Smaragd: ſtaͤrket die Augen. den Sardonier: machet Gluͤckſelig. Herr Reymund habe die Granaten: bringet Freude. den Jachzinken: widerſtehet dem Giffte. den Kalcedonier: ſtaͤrket das Haubt. Jungfer Caſſand. habe den Carfunkel: leuchtet im Finſtern. den Safier: widerſtehet der Hofart. den Rubin: ſchadet keinem Gift. Herr Degenwert habe den Amatiſten: hilfft fuͤr Trunkenheit. C. LXXXVII. den Ballaſch: widerſtehet dem Feure. der Tuͤrkes: hilfft im Schrecken.

Geſetzet nun/ ich habe eine Kron auf dem Haubt/ und benenne derſelben Edelge= ſteine; ſo mus des benamſten erſt ertheilte Wirkung ſo bald erwaͤhnet und bene= bens mit wenigen angemeldet werden/ wie ſolche eine Tugenddeutung haben kan; Zur Probe: Meine Krone glaͤntzet von den ſchoͤnen Granaten und Perlen.

4. R. Die Koͤnigin ſol ſich billich in dieſem hocherhabenen Stande erfreuen.

5. A. Wegen ihrer Weißheit und reinen Verſtandes.

6. J. Doch ſcheinet als ob der Tuͤrkes mit dem Diamant und Rubin fuͤr nichts zu achten komme.

7. D. Ein Koͤnigliches Gemuͤht ſol ſich nicht leichtlich ſchrecken laſſen.

8. V. Sondern in aller Bebegenheit beſtaͤndig verbleiben.

9. C. Sonſten kan der Luͤgengift leichtlich Schaden bringen/ u. d. g.

C LXXXVIII.
Reymund.

NVn wir in dieſer Spatzierreiß unterſchiedliche Geſpraͤchſpiele auf= gebracht/ wollen wir auch von der Sache ſelbſten reden/ und beden= ken des Spatzierluſtes Eigenſchaft ins gemein/ dann deſſelben Wuͤrk=und Endurſachen abſonderlich.

2. A. So mache der Herr den Anfang.

3. R. Die Indianer haben auf eine Zeit/ zween Spanier ſehen auf=und abſpa= tzieren/ und darvor gehalten/ ſie weren beide naͤrriſch worden/ daß ſie ohne Vrſa= che an einem Orte hin und wider giengen/ und doch noch dar noch dorten etwas ſchafften. Die Barbaren/ welche der Verſtanduͤbungen nicht faͤhig ſind/ ha= ben auch barbariſch von der Vbung des Leibes geurthelt. Spatzierengehen iſt das ſicherſte und erfreulichſte Beluſten/ und faſt allen anderen vorzuziehen. Das Spiel gewinnt uns das Geld und die Zeit ab: das Lauffen macht uns am Ziel muͤd und laß: das Springen laſt uns in manche Verrenk=und Verzuckung fallen: Aber das Spatzieren hat dieſe Eigenſchaft/ daß es das Mittel haͤlt/ undC LXXXVIII. Peripathe- tici. Pythago- ræi. Platonici. nicht zu viel/ noch zu wenige Bewegung mit ſich bringet. Welche unter den Ver= nunftlehreren von den hin=und widerſpatzieren den Namen bekommen/ ſind die allervortrefflichſten geweſen/ und denen anderen/ ſo alle Wiſſenſchaft durch der Fiſche Sprache/ das Stillſchweigen zu ergruͤnden vermeinet/ oder ihre Vnteꝛwei= ſung in einem gewieſen Schulort vorgetragen/ weit vorzuziehen. Wann man ſitzet/ neigt man ſich zu der Erden: wann man ſtehet und gehet/ nahet man gleich= ſam zu dem Himmel. Die Bewegung erwaͤrmet den Leib/ erwecket die zarten Geiſterlein/ vetreibet die groben aufſteigende Daͤmpfe und entbindet den Ver= ſtand von aller Sorgenlaſt/ durch die anmuhtige Beſchauung des weiten Fel= des: da dann der muntere Luft/ und die Schoͤnheit der Natur keine ungeſtalte Gedanken eingeben kan.

4. J. Daher komt es vieleicht/ daß alle Poeten an den luſtigen Fluͤſſen/ und in den gruͤnen Auen ihre Gedichte verabfaſſet/ vorgebend: Die Muſen woh= nen auf dem Berg Parnaſſo/ zu bedeuten/ daß die hochlieblichſten Gedanken/ unter C LXXXVIII.den freyen Luft geſchoͤpfet/ und durch auf=und abſteigen der Hoͤhen/ oder hin= und wider gehen/ erhalten werden und abſonderlich beſtehe in erfreulichem Nutz= geſpraͤche.

5. V. Vnſer Verſtand iſt niemals mehr ſein/ als wann er von allen Sorgen befreyet/ und ſich ohne Zwang ſelbſten uͤben kan. Selben (ſagt Plato) ſol man nicht bemuͤhſigen/ es werde dann zugleich auch der Leib mit beſchaͤfftiget; und im Gegenſatz ſol man den Leib auch ohne den Verſtand nicht laſſen ausſpatzieren. Gleichwie der Mahler oder Kunſtſtecher die Augen von der reinen Arbeit zu Zei= ten abwendet/ und in Anſchauung der gruͤnen Farbe ausruhen laͤſt: alſo ſollen auch die Augen des Verſtandes/ von ſcharfen Nachdenken im Spatzieren raſten/ und in den Blumenreichen Auen neue Kraͤften erweiden. Nachdem die Tugend viel gethan hat/ (ſagt jener) ſo feiret ſie/ iſt aber doch nicht muͤſſig.

6. C. Die Felder/ welche man auf ein Jahrlang ruhen laͤſſet/ werden nach= mals mit ſo viel mehrerem Nutzen gebauet.

7. D. Dieſes iſt auch in der Naturverfaſſung gegruͤndet/ welche den Tag mit der Nachte/ die Arbeit mit der Ruhe/ das Regenwetter mit dem SonnenſcheinC LXXXVIII. umwechſelen wollen; und ſchicket ſich hieher was jener Koͤnig in Egypten geſagt/ als er ſich auf eine Zeit mit kindiſchen Spielen beluſtiget/ und deswegen von ſei= nen Raͤhten ermahnet wurde/ daß die den Bogen fuͤhren/ ſelben nicht ſpannen als wann ſie ſchieſſen wollen.

8. A. Das bezeuget auch die Erfahrung/ in dem faſt alle/ welche zu emſig und ohn Vnterlaß dem ſtudieren und der Kopfarbeit obligen/ zu letzt bloͤd/ oftmals gar aberwitzig werden; wie wir deſſen an der vortrefflichſten Jungfrauen in Nieder= land ein trauriges Beyſpiel haben.

9. R. Iſt alſo die Eigenſchaft des Spatzierengehens die freye Beluſtigung des Verſtandes/ und ſittſame Beuͤbung des Leibes. Weil nun dergleichen Er= getzlichkeit ſo nohtwendig iſt/ kommet zu betrachten/ daß ſelbe der Tugend gemaͤß ſey/ dann es anderer geſtalt nicht nohtwendig heiſſen kan.

10. J. Wer wolte weinen/ wann man/ vermittelſt des ſchoͤnen Wetters/ alles ſihet lachen? wer wolte trauren/ wann ſich die gantze Welt erfreuet?

C LXXXVIII.

11. V. Hat man aber ja viel Betruͤbniß im Hertzen/ ſo mag man nirgend beſ= ſer dieſelbe herausſchuͤtten als in die heiteren Lufte/ da Berge und Thaͤler unge= zweiffelte Verſchwiegenheit leiſten/ und da der Wiederhall die mitleidliche Ge= genwort ſo bald in den Wind ſchlaͤgt. Dar darf man ungeſcheut herausſagen/ was man ſonſten vor der gantzen Welte wil verborgen halten. Der Leib des Menſchen lebet uͤm zu ſterben/ beſtehend in den vier widerigen Elementen/ wel= cher Wirkung die Bewegung erwecket/ und die Ruhe beſaͤnftiget. Solche V= bung iſt eine Vrſach der Geſundheit/ wie die Geſundheit eine Vrſach der Vbung iſt: in dem nemlich die natuͤrliche Waͤrme aufwallet/ die boͤſen feuchten Daͤmpfe zertheilet/ der Hunger und Luſt zur Speiſe ergangen/ und die Deuung befoͤrdert wird: daß alſo Socrates/ als er befragt worden/ wo er hingienge/ recht geant= Plutarch.wortet: Ich ſuche den Luſt zum Eſſen. Vnd Dionyſius/ als er von einem Lacedemoniſchen Knechte/ etliche belobte Geruͤchte nicht gut finden wollen/ hoͤren muͤſſen: Er ſol vor der Mahlzeit ſo viel Leibsuͤbungen gebrauchen als die Lacedemonier/ ſo werde er dann ſolche Eſſen auch wolge= ſchmack befinden/ wie ſie.

12. C. Iſt nun das Spatzierengehen ſo dienlich zu der Geſundheit/ ſo mag esC LXXXVIII. auch die Schoͤnheit/ welche darinnen beſtehet/ merklich foͤrderen: und weil die Weibsperſonen ſchwaͤcher ſind/ als die Maͤnner/ haben ſie ſolcher Artzney deſto mehr vonnoͤhten.

13. D. Dieſer Artzney Verleiſtung mag es zuzuſchreiben ſeyn/ daß mancher reiche Mann in der Statt auf ſeinem Bette ſchmertzlich ſeufftzet und klaget/ da der arme Bauer hinter dem Pflug froͤlich ſinget und jauchtzet.

14. A. Vieleicht hat dieſer zu wenig/ und jener zu viel beſchwerliche Ruhtage.

15. R. Das Geſpraͤch iſt die huldreichſte Gewerbſchaft des Menſchlichen Le= bens/ und den gefaͤhrlichſten Betruͤgniſſen unterworffen. Dan ̅ der Verſtand iſt ſo viel leichter zu verletzen/ als der Leib/ ſo viel eines zarteren Weſens er iſt/ und die Anzahl der Boͤſen aller Orten ſtaͤrker iſt/ als der Frommen/ deren Beginnen wir unvermerkter Weiß an=und in uns nehmen: vielmals auch ſchadet eines Vp= pigkeit mehr/ als nicht zehen frommer Tugend Nutzen.

16. J. Wann man ſich von dem Boͤſen jederzeit ſonderen ſolte/ ſo wuͤrde man C LXXXVIII. 1. Joh. 6/ 19.muͤſſen aus der Welte/ welche im Argen ligt/ gehen/ und doch in der Einſamkeit wider ſich ſelbſten genug zu ſtreiten finden.

17. V. Es iſt eine Art des Vnterrichtes anderer Tugenden oftmals anſchauen und betrachten. Wir ſollen uns nicht ſtetig allein/ noch allezeit in Geſelſchaft finden/ ſondern in dieſem/ wie auch allen anderen/ die guldene Mittelſtraß zu tref= fen wiſſen. Sind wir aber bey anderen/ ſo ſollen wir entweder durch ſie gebeſſert werden/ oder ſie durch uns. Jener ſagt nicht unrecht/ wann du allein biſt/ und mit dir ſelbſten redeſt/ ſo huͤte dich/ daß du keinen Schalk anſprecheſt.

18. C. Der Ort kan niemand boͤß oder fromm machen/ man kan auch in der Einſamkeit ſuͤndigen/ und in Geſelſchaften fromm ſeyn.

19. D. Daß die Einſamkeit wider des Menſchen Natur ſey/ erhellet daraus/ daß ihm die Rede gegeben/ welcher er nicht vonnoͤhten hat ſich ſelbſten zu verſte= hen/ ſondern ſeine Gedanken anderen zu entdecken.

20. A. Es gibt auch wol Einſiedler in den Staͤtten/ ich wil ſagen einſame Ge= muͤhter in den Geſelſchaften/ und boͤſe Geſellen in den Einoͤden.

21. R. Ferner die Vmſtaͤnde des Spatzierluſtes zu betrachten/ will ich nicht ſa=C LXXXVIII. gen von der Zeit/ die doch zu Erfreuung unſerer Sinne viel vermag/ weil wir ſol= Bequemlichkeit jedesmals wehlen/ und bey einfallendem Regenwetter andere Kurtzweil anzuſtellen wiſſen: ſondernden Ort durchgehen/ an welchem man zu ſpatzieren pfleget. Selber iſt mit den alten Fabelgaͤrten der Heſperiden Alcinois/ Adonis und andern gedichten Luſtorten nicht zu vergleichen/ ein jeder Ort iſt ſchoͤn und unvergleichlich/ wo ſich die Jungfrauen befinden.

22. J. Welche aber der natuͤrliche Kunſtbau/ durch des Gaͤrtners Handfleiß/☞ den Kupfertitel welcher alhier nach der Laͤnge beſchrieben wird. L’ Alée. beblumet/ pflegen ſolche lebendige Fruͤchte ſo viel oͤfter einzuladen.

23. V. Ein umgruͤnter Huͤttengang/ welcher mit ſeinem angenemen Schat= ten die beſchwerlichen Sonnenſtralen unterbricht/ beluſtiget alle die dardurch ſpatzieren.

24. C. Iſt nun nicht ferne darvon ein Labyrinth oder Irrgarten/ mag manLabyrin- the. ſich daſelbſt verſpatzieren/ und auch in den Irrwegen Belieben ſuchen.

C LXXXVIII. Les Parter- res.

25. D. Das vielgezierte Blumwerk iſt nicht auf den hohen Seulen/ ſondern auf der niederen Erden zu ſehen/ ja in ſtillem Nachdenken anzuhoͤren/ wie alle kraͤfftige Kraͤutlein/ und edle Hertzbluͤmlein/ ſich uͤber die ſtoltze Schoͤnheit der Tu= lippen/ bey der Flora beſchweren; erweiſende/ wie ſie von unzehlichen Jahren her groſſen Nutzen in der Welte geſchaffet/ und nun gegen beſagter Geſelſchafte= rin verachtet/ vernichtet/ vertretten/ ſelbe aber um faſt unglaubliche Geldſumma erkauffet/ fleiſſig gewartet/ und wegen kurtzverbleichender Schoͤne uͤber alle und jede erhaben werde.

Les Fontai- nes.

26. A. In dieſen Kryſtallenen Waſſerbrunnen iſt zu erſehen die langgeſuch= te ewige/ oder ſtetigwaͤhrende Bewegung.

27. R. In dieſem Fluſſe ſchwimmen die Schwanen/ Fiſche und Enden. Ihr Element iſt ſo helleuchtend/ daß ſcheinet als ob die Baumen ſich von dem Erde= reich ausgewurtzelet und in dieſen anreinenden Fluſſe verſetzet haͤtten.

28. J. Ob man nun vermeinet an dieſem Orte allein zu ſeyn/ ſo hoͤret man doch auf jenen Fruchtbaumen die Voͤgelein uͤberkuͤnſtlich ſingen/ und des Wiederhalles einſame Gegenſtimme lieblich uͤben; welcher allen denen/ die ihn anC LXXXVIII. ſprechen/ unverzoͤgerte Antwort wiederfahren laͤſt.

29. V. In jenem Thiergarten ſind etliche ſchnelle Stuck Wilde/ die gleichſam ihren Namen verlohren/ in dem ſie die hierumſpatzierende zu ſich nahen laſſen.

30. C. Fuͤrwahr es ſcheinet/ als ob die Natur den Muſterplatz ihres Reich= thums allhier angeſtellet/ in dem ſie in dem Waſſer/ auf der Erden und in der Lufte verſammelt/ was dem Menſchen zu ergetzen geſchaffen worden.

31. D. Vnd ſolche Dinge alle bemuͤhen ſich/ bey der Geſelſchaft wol angeſe= hen zu ſeyn. Jedoch iſt das freye Geſpraͤch dieſer Jungfrauen allen anderen weit vorzuziehen. Die Vnſchuld/ mit welcher man allhier umgehet/ ſetzet uns auſſer Zweiffel/ wo das irdiſche Paradis anzutreffen ſey.

32. A. Die Warheit zu bekennen/ ſo glaube ich/ daß ſo belobter Luſt nicht oh= ne merkliche Gefahr ſeyn koͤnne: Dann was iſt es doch/ das uns ergetzen und zu= gleich nicht verletzen kan? Spatzieren iſt an ſich ſelbſten ein Muͤſſiggang/ wel= ches ſich auch die zur Ruhe bedienen/ die zuvor faſt ihres Lebens niemals gearbeitet C LXXXVIII.haben. Ich weiß mich auch nicht zu erinneren/ daß ich gehoͤret haͤtte/ man were von den fleiſſigen Spatzierengehen verſtaͤndiger worden. Man ſuchet oft nicht die Einſamkeit/ die Suͤnden zu beweinen/ ſondern Gelegenheit/ ſelbeunge= ſcheuet zu begehen. Die Decke/ welche uͤm der Engel willen ob unſeren Haͤubtern ſchweben ſol/ bedeutet nichts anderes/ als daß wir uns zu Hauß unter dem Ob= dach halten/ oder ja alſo auſſer ſelben verhalten ſollen/ daß wir niemals vergeſſen/ daß hier auf der Erden der Himmel uns aller Orten mit ſteter Aufſichte bedecke.

33. R. Die Jungfrau empfahe den Spielſtab.

Angelica. CLXXXIX. Der Dantz.

MAn hat bishero von luſtigen Sachen gehandelt: weil nun das Dan= tzen vielen die liebſte Kurtzweil iſt/ moͤchte ich hoͤren/ was darvon zu halten ſey.

2. D. Der Himmel iſt das ſchoͤnſte Geſchoͤpf/ der haͤlt ſeinen Reyen/ die Sonnen gehet herein wie ein Held/ und gehet in der anderen Welte auf/ wann in die=CLXXXIX ſer alle Thiere niedergehen: Der Luft iſt in ſteter Bewegung/ und wird durch die hin=und herwallende Winde er gereiniget: das Feuer ſpringet gleichſam mit ſei= nen Flammen in die Hoͤhe: Das Meer dantzet ohne Vnterlaß bald hinter=bald vorſich/ bald hoch bald nieder/ nachdem die Winde aufſpielen: daß die ſtetwaͤh= rende Bewegniß (welche die Vernunftlehrer in dem Democratiſchen Brun= nen geſuchet/) allein in dem Meere zu finden ſcheinet: von den ſchwim ̅ enden In= ſulen wil ich nicht ſagen/ noch von den Erdbeben/ und deren Meinung/ welche wollen/ die Erd lauffe unaufhoͤrlich in ihrem Vmkreiſe/ und der Him ̅ el ſtehe/ ſon= dern aus erſterzehltem ſchlieſſen/ daß alles in dieſer Welt in beharrlicher Vnru= he gleichſam daher dantze.

3. C. Waruͤm ſolte dann dem vernuͤnfftigen Menſchen ſolches zu verargen ſeyn?

4. R. Der Menſch allein kan ſich mit Verſtande bewegen/ und Geſchicklichkeit in ſeinen Geberden erweiſen. Dieſe wolſtaͤndige Bemuͤhung wird durch die edle CLXXXIX.Muſickunſt regieret/ und beluſtiget der Zuſeher geſchaͤfftige Augen und Ohren. Die Zierde hoͤflicher Geberden machet ſich auf manche Weiſe verwunderen: und iſt keine Arbeit/ durch welche die innerliche Hertzensfreude/ mit ſo angenehmer Vnruhe/ erſcheine/ als in dem Dantzen. Iſt das Jagen ein Fuͤrſtenluſt/ ſo iſt das Dantzen die Jagt derer/ die nicht Fuͤrſten ſind. Ich weiß keine ſo ſuͤſſe Wert zu finden/ durch welche ich ſo ſuͤſſe Beliebung ausreden koͤnne. Es iſt eine ſchlech= te Muͤhe einem Dantz zu ſehen/ aber ein faſt ſchwere Sach/ ſelben eigentlich aus= zubilden: Die Rede hat nicht Geiſts genug/ mit ſo lebendigen Farben alle Vm= ſtaͤnde herauszuſtreichen. Den ſchoͤnen Ort/ an welchem der Dantz angeſtel= let wird/ zieren die viel hellherumleuchtende Liechter und Fackel. Nicht die er= dichte/ ſondern die wahren lebendigen Nymfen begehen ihr Freudenfeſt. Sind die Amazonen wieder auferſtanden/ die mit ſo tapferen Geberden hereintretten? Nein/ es ſind die Sibyllen/ ſo die Roͤmiſche Geſchichteherausloben/ welche von wunderlichen Regungen ſo getrieben werden. Ihre Kleider ſchwingen ſich mit ihnen/ und ſcheinet/ daß wann die Tugend ſelbſten/ in ſichtbarlicher Geſtalte/ ſich wolte lieben machen/ ſie ſolte nicht anderſt als dieſe ſchoͤne Jungfrauen aufzie=CLXXXIX. hen koͤnnen. Dieſen leiſten angeneme Geſelſchaft ſo viel verſtaͤndige Rittersleu= te. Der Kriegsgott Mars iſt niemals ſanftmuͤtiger/ als wann er von der Liebe bezwungen wird. Sie haben gleichſam Fluͤgel an den Fuͤſſen/ wie Mercurius/ ſo leicht und ring ſpringen ſie daher/ und iſt doch nichts leichtfertiges an ihnen zu bemerken. Wer ſolte da Verdruß haben/ wo man gleichſam ein himmliſches Saitenſpiel hoͤret/ bey welchem ſich faſt mehr als irdiſche Geſchoͤpfe erfreuen.

5. J. Wo mag doch Dantzen ſeinen Vrſprung her haben?

6. R. Weil mich die Frau fragt/ ſo wil ich antworten/ ob mich wol die Ord= nung nicht betrifft. Das Dantzen iſt faſt ſo alt als die Welt/ abgeſehen von der Planeten Wechſeldantz. Alle Voͤlker haben ihre Freude nicht beſſer bezeugen koͤnnen/ als mit Hupfen und Springen. Dergleichen hat Plato zugelaſſen; Ly=l. 2. de Rep. curgus bey den Lacedaͤmoniern und Ariſtonikus bey den Anthenienſeren ange= ordnet Ich wil geſchweigen von den Salien/ welche bey den Opferen gedantzet/ und von den Iſraeliten Kaͤlberdantz/ durch welchen ſie ihre Froͤlichkeit bezeugen CLXXXIX. 2. Sam. 6/ 16.wollen; allein muß ich gedenken/ daß David vor der Laden des Bundes her Gott zu Ehren gedantzet/ und deswegen von Michal verlachet worden. Aus welchen allen zu ſchlieſſen/ daß das Dantzen an=und vorſich nichts boͤſes/ und durch zu= faͤllige Vrſachen ungleiche Betrachtung haben kan.

7. J. Hieruͤber wollen wir auch Herrn Veſpaſian hoͤren.

8. V. Zu verwunderen iſt/ daß die Gelegenheit zu ſuͤndigen/ ſo einen beredten Schutzſprecher gefunden. Ich bin kein Feind zulaͤſſiger Beluſtigung/ und auch kein Freund unverantwortlicher Leichtfertigkeiten Wann Gott alle unſere Tritt in Acht hat/ ſo ſollen wir billich fuͤr ſichtig wandlen/ als am Tage. Alle Geſchoͤpfe bewegen ſich nach ihrer Ordnung/ die Menſchen aber oftmals nach ihrer Thor= heit/ welche auch uͤm Geld/ mit groſſer Muͤhe/ muß erlernet werden. Ich verſiche aber nicht einen erbaren Freudendantz/ der don keinem Verſtaͤndigen wird uͤbel geſprochen werden/ ſondern ſolchen/ da die muͤſſige Vppigkeit/ zu Reitzung al= lerhand Wolluſt/ den Reyen fuͤhret. Fuͤrwahr die Indianer ſolten ſich hieruͤber mehr verwunderen/ als uͤber das Spatzierengehen/ wann ſie ſehen ſolten/ daß ſich ſo viel Maͤn ̅ er und Weiber in gantz muͤſſigem hin=und herſpringe ̅ und lauffen ver=CLXXXIX. ☞ C LXXXVIII, 3. geblich bemuͤhe ̅ . Die ſchoͤne ̅ Angeſichter/ welche zuvor ſo zierlich fuͤrgemahlet wor= den/ koͤnnen nicht leuchten/ oder ſich ſehen machen ohne andere Liechter: ſie ſolten gedenken/ daß dieſe Goͤttin ̅ en zu dem Grab und vieleicht in die Hoͤlle dantzen. Von der Muſic kan man ſagen/ daß eine Thorheit der anderen folget. In dem einer mit der Hand die klingenden Saiten beruͤhret/ ſchreibt er des anderen Fuͤſſen gewieſe Geſetze fuͤr/ wie er ſeine Mutter die Erden betretten ſol. Dieſes ſind keine Ama= zonen/ welche nur die Spiele und Kurtzweil lieben: jene wolten tapferer als die Maͤnner ſeyn; dieſe ſind muͤſſiger/ als den Weiberen wol anſtehet. Solte man ſie fuͤr Sibyllen und Profetinen halten/ in dem ſie naͤrriſche Vngeberden an ſich nehmen?

9. A. Der Herr bedenke aber was Salomon ſaget: Dantzen hat ſeine Zeit.

10. V. Vnd die Jungfrau erinnere ſich was bald darauf folget: Dieſes iſt auch eitel. Die mit aufgerichtem Halſe dahergehen/ und vor Zaͤrtlichkeit ih= ren Fuß nicht auf die Erden ſetzen wollen/ werden ſich nachmals unter einem CLXXXIX. Ioh. c. 9, 7.ſchweren Joch bis zu der Erden beugen muͤſſen. Die ſpringenden Heuſchrecken ſind in der Offenbarung gleich den geilen Roſſen/ die zum Kriege bereitet ſind. Die Kronen auf ihren Haͤubtern bemerken den Laſterſieg/ welchen ſie zu erhalten lauffen: ihr Antlitz iſt freundlich/ und gleich den Worten geſchminket/ ihr Haar= zierd iſt vielmals von denen entlehnet/ welche in groſſen Marterſchanden erwor= get/ oder mit denſelben die Welt verlaſſen haben. Wie koͤnnen ſie mit einigem Ver= trauen ihre Angeſicht zu Gott aufheben/ welches er alſo ausgeſchmucket gewiſ= lich nicht erkennen wird. Dieſes Vngeziefers Macht iſt zu beleidigen die Men= ſchen/ und ihr Koͤnig iſt ein Engel aus dem Abgrunde. Ein ſo angenehmer Springſchneck iſt geweſt Herodias/ ſo Johannis Haubt erdantzet. Von Sempronia und Pharſalia iſt bekant/ wie ſie zu ihrem Verderben gedantzet. Je= ne Koͤnigin hat von einem Spaniſchen Geſandten/ welchem ſie zu Ehren gedan= tzet/ hoͤren muͤſſen/ das Haubt der Kirchen dantze ſehr wol. In ſolchen Dantzgeſelſchaften darf die Liebe ſich offentlich ſehen laſſen/ und nicht wie ſonſten einzeliche ̅ Perſonen/ ſondern beyn der gantzen Genosſchaft ſeinen Brand einſtecken. Das Geſicht und Gehoͤr kan uns zugleich betruͤglich in Gefahr ſetzen/ undCLXXXIX. ſo viel mehr/ weil uns ſolche nicht mißfallen mag. Haben etliche hochgelobte Per= ſonen gedantzet/ wie die Geſchichte beglauben/ ſo ſollen wir zuvor ihren Tugenden nachahmen/ und alsdann auch ihrer Ergetzlichkeit beſcheidenlich gebrauchen. Alle Voͤgel haben Fluͤgel/ koͤnnen aber nicht alle dem Adler folgen/ und ſich uͤber die Wolken ſchwingen. Viel huͤten ſich im Dantzen/ daß ſie auch keinen Tritt verfehlen/ ſcheuen ſich aber nicht in den Geboten Gottes alle Stunde vorſetz= lich zu ſtrauchlen/ und koͤnnen der gleichen Daͤntze die Dolmetſchere der Vnzucht genennet werden. Ich/ fuͤr meine Perſon/ halte das Dantzen und das Fieber ha= ben/ fuͤr faſt gleiche Vbel.

11. C. Jedoch wird der Herr hierunter nicht verſtehen/ welche in Ehrengebuͤr= niß mit den Froͤlichen ſich froͤlich erweiſen; ſondern das Dantzen/ welches die Waldgeiſter/ und Bacchusgeſindlein mit thoͤrichte ̅ Geberden zu veruͤben pfleget.

12. V. Die Freude/ ſo aus dergleichen Eitelkeiten entſtehet/ iſt eine falſche Freude/ der die wahre Reue auf dem Fuß nachfolget.

CXC.
Degenwert.

WIr haben von dem Spatziergehen und dem Dantzen bishero gere= det: weil nun jenes im Fruͤling/ dieſes zur Herbſt=und Winterszei= ten gebraͤuchlich; hab ich Anlaß zu fragen: Ob der Fruͤling vor dem Diſcors. A- cad. del Tomaſ. Ca- raffa. f. 171.Herbſt/ oder der Herbſt vor dem Fruͤling zu erwuͤnſchen ſeyn moͤchte?

2. A. Der Herbſt von den herben Winden alſo benamſt/ komt als ein rechter naſſer Bruder mit ſeinem verdruͤßlichen Regenwetter aufgezogen/ umkleidet mit falben Blaͤtteren/ gekroͤnet mit den krummen Reben/ ſeine faſt moſtige Haͤnde fuͤh= ren das gebogene Heplein/ und weiſen die reifen Erſtlinge des Weinſtockes.

3. R. Der freche Lentzen hingegen eilet mit lachendem Munde herbeyzuſprin= gen/ ſeinen grasgruͤnen Ehrenrock anzuziehen; ſein Haubt mit dem bunten Blu= menkrantze zu ſchmucken; tragend in ſeiner Hande die wolruͤchenden Violen/ die liebliche Mertzenbluͤmlein/ die ſilberweiſe Narciſſen/ u. d. g.

4. J. Den Herbſt mag man wol den ſchweren Saufwanſt nennen/ der raubt der Auenzierd/ lange Naͤchte gibt/ und dem kalten Winter die Herberge be=CXC. multo gra- vidus vino Autumnus. Colum. l. 4. Ver hor- rentem Ze- phyris la- xaverat an- num. ſtellt.

5. D. Da hingegen der Fruͤling heiſſet die ſchoͤnſte Zeit des Jahres/ da alles er neuet ſich im Felde freuet/ und der muntere Zefyrus die raue Kaͤlte verſchoͤllet.

6. A. Der Herbſt muß man doch fuͤr aller Fruͤchte Großvatter/ und faſt des gantzen Jahres Speismeiſter halten.

7. D. So iſt der Fruͤling die Mutter der heilſamen Bluͤmlein/ Kraͤutere und Erdengewaͤchſe/ die Saͤug=und Pflegammen/ welche das Jahr mit ihrem gruͤnen Rockedecket und erwaͤrmet/ die Schatzmeiſterin der Erden/ die Bottſchaffterin der Liebe/ welche die verdruͤſſliche lange Naͤchte mit lieblich=erſtreckten Tagen ab= kuͤrtzet. Die Fruͤlingszeit iſt wie eine Kunſtgeſchickte Mahlerin/ welche die zar= ten Winde an ſtat der Pinſel fuͤhret/ die Morgenroͤhte an ſtat der Farben/ und die Auen und Felder fuͤr die ausgeſpanten Tuͤcher hat/ und gleichſam den Him ̅ el ſelbſten auf der Erden ausbildet/ oder ja denſelbe ̅ durch ſo mancher Blumen Ge= ruch verehret/ da hingegen der Herbſt die blaſſen Fieber und allerhand Kranck= heiten bringet.

CXC.

8. C. Prachtet nun der Herbſt mit ſeinen Gaben/ ſo muß er doch geſtehen/ daß ſelbe von dem Fruͤling erzeuget/ von ihm aber an das Liechte hervorgetragen wer= den.

Salian. in Annal. Eccl. tom. 1. in princ.

9. R. Jedoch iſt aus allen Vmſtaͤnden zu ſchlieſſen/ daß die Welt nicht im Fruͤ= ling/ ſondern im Herbſte erſchaffen worden/ als in welchem ſo bald alle Fruͤchte/ dem Menſchen zu beſten/ in ihrer Vollkommenheit zu finden geweſen.

10. A. An ſolchen verbotenen Fruͤchten hat er Gelegenheit zu ſuͤndigen gehabt/ nach faſt aller Menſchen Art/ ſo die guten Tage/ wie man im Sprichwort ſa= get/ nicht vertragen koͤnnen. Beſſer und ſicherer iſt der unfruchtbare Fruͤling/ als die uͤberfluͤſſige Herbſtzeit.

11. Dieſem kan auch beygeſetzet werden/ daß der Fall unſerer erſten Elteren/ welcher im Herbſte geſchehen/ zu mutmaſſen/ in dem Fruͤling fuͤr das gantze menſchliche Geſchlechte gebuͤſſet worden: maſſen wir zu deſſen ſchuldigen Eh= rendaͤchtnuß die Karwochen/ und Oſterfeſte feierlich zu begehen/ annoch im Ge= brauche haben.

12. C. Weil mir nichts beyfallen wil/ als bitte ich den Herren/ er wolle fuͤr michCXCI. ein Frag/ oder Geſpraͤchſpiel aufgeben.

Degenwert.

UNter den Venetianiſchen Academicis hat Herr Dandolo, mit deſ=Le Bizzarie Academi- che de Fran- ceſco Lo- redan. f. 183. ſen vielfaltiger Wiſſenſchaft und hohen Verſtaͤndniß wenig zu ver= gleichen/ umſitzende Geſelſchaftere gefraget: Ob Weinen oder das Singen einer ſchoͤnen Jungfrauen mehr zur Liebe bewegen koͤnte? Fuͤr das Wei= nen hat er ungefehr dieſe Rede abgeleget.

Der Heyden blinde Abgoͤtterey ſcheinet in nichts mehrers zu entſchuldigen/ als in dem/ daß ſie der lieben Sonne/ wegen taͤglich erwieſenen hohen Wolthaten/ Goͤtt= liche Ehre angethan/ und fuͤr den allerſchoͤnſten Gott gehalten. Dieſer Apollo/ wie ſie ihn Gedichtweis benamſt/ ſolle ſich in eine Jungfrau verliebet haben/ und ob er von der gantzen Welt angebeten worden/ ſo habe er doch von ſelber nicht erbitten CXCI.koͤnnen. Damit ſie nun ſeiner ſtetigen Nachfolge entfliehen moͤchte/ habe ſie ſich in einen Baumſtock verwandelt/ zu bedeuten/ daß ihm nun alle Hoffnun= ge abgehauen/ und daß die Weibsbilder oftmals faͤlſchlich der Vnbeſtaͤndigkeit beſchuldiget werden. Bey dieſem Verlauf meldet der Poet/ daß Apollo damals zu weinen beginnet/ welcher ſonſten allezeit zu ſingen gewohnet: dardurch bewei= ſend/ wie die ſtummen Zehren in der Liebe mehr vermoͤgen/ als das wolklingende Geſang. Aus dieſem Gedichte entſtehet die Frage: Ob das ſonſten unbewegli= che Hertz durch die heiſſen Zehren eines Liebhabers leichter zu erweichen/ als durch deſſelben bruͤnſtige Klage und Schmertzengeſange. Ob nun wol ſchei= net/ daß dieſer Streit von gedachtem Gott der Poeten/ der auch das unentſindli= che die Zehren entfinden machen/ entſchieden ſey; ſo will ich doch die Gegenmei= nung auszufuͤhren nicht unterlaſſen; nicht zweifflend/ ich werde bey dieſem an= ſehlichen Vmſeſſe den Verſtand des Hirten Paridis/ und die Gerechtigkeit des Richters Ariſtidis antreffen/ und einen gewinnlichen Ausſpruch anhoͤren.

Die Zehren werden von den Augen erzeuget/ da auch die freundlichen Liebesblicke entſpringen/ und haben beide ihre Beredſamkeit/ (alſo zu ſprechen/) in einerCXCI. Schule erlernet. Das Geſang wird eines ſo viel niederigen Standes/ in dem Munde geboren/ und ins gemein mit innerſter Falſchheit vermiſchet. Die Natur hat die Zehren verordnet zum Schutze des Hertzens/ und ſie deswegen in das Haubt den Thron Menſchlicher Gliedmaſſen geſetzet. Die Augen ſind Wun= derwercke der Schoͤnheit; die Zehren Wunderwerke der Augen: und wer ſolte ſich nicht verwundern/ daß daher die Feurſtralen ſchieſſen/ auch ſo reines Waſ= ſer quellen ſolte? Vieleicht hat deswegen Democritus die Zeit ſeines Lebens ge= weinet/ weil er die Warheit/ in Verachtung des eitelen Weltweſens/ geliebet hat. Der die Zehren Perlen genennet/ hat ihre Wuͤrde nicht genugſam außgeredet: ſelbe erwachſen durch die Sonne/ aber ferne von derſelben hohen Liechte; dieſe kommen von und aus den Sonnencirclen ſelbſten: jene werden in Gold und Sil= ber gefaſſet/ dieſe in dem Angeſicht den Roſenwangen obgeſetzet.

Von jenem hat Cleopatra eines zerſchmoltzen/ und dardurch ihres Antonii Huld erlanget; dieſe koͤnnen viel leichter alle andere Vberwindere uͤberwinden. CXCI.Die Liebe iſt ein Feldherr/ welcher ſich der Liſte bedienet/ bald erkaufft er die Trat uͤm baares Geld bald bauet er Brucken auf unbeſtaͤndige Hoffnunge; bald wil er durch die Muſiclaiteren die verlangte Feſtungen erſteigen. Werden aber alle dieſe Anſchlaͤge zu Waſſer/ oder in das Weinen verwandelt/ ſo muß ſich die Be= ſatzung bald ergeben. Dieſe Waſſerkunſt kan die aufflammende Liebe erhitzen/ wie der Schmid das ſpiſſige Eiſen durch den Spritzwedel erweichet/ und hat er vieleicht ſolches Stuͤcklein ſeinem hinkenden Vatter Vulcan abgeſehen. Nichts iſt kraͤfftiger allen Erdgewaͤchſen aufzuhelffen/ als die Feuchte und die Hitze: gleichergeſtalt waͤchſet auch die Huld durch die Hertzenszehren der brennenden Aeuglein. Man moͤchte waͤhnen/ das Feuer und Waſſer gantz wideriges We= ſens weren/ aber es iſt unter die Kunſtfeure zu rechnen/ welcher Kugele auch mitten in der Flute brennen. Etliche wollen die Zehren fuͤr das allergeringſte Gebluͤte des Hertzens halten; und iſt gewiß/ daß wie der blutige Rock/ des toden Kaͤiſers Julii/ der Roͤmer Gemuͤhter zur Liebe gegen ihren verſtorbenen Herren erregen koͤnnen; daß die lebendigen Zehren dergleichen Tugend Kraft nicht ermangelen. Die Schoͤnheit kan gleichſowol ein Tyrann oder Wuͤterich genennetCXCI. werden/ der zu Gewaltthaten von der Natur angereitzet wird/ da hingegen in dem Geſang nur die ſchwache Kunſt zu herrſchen vermeinet. Die Liebe iſt jeder=† des Pe= trarchaͤ Siegprach= ten Anhang. zeit ein Kind/ welchem das Weinen nicht uͤbel anſtehet/ entbloͤſt von allem Be= truge/ und kan zwar das Singen hoͤren/ aber ſelbes nicht nachthun. In dem Singen muß man ſich des Stilhaltens/ Seufftzens und Klagtoͤne gebrauchen/ welches in der Warheit von dem Weinen entlehnte Stuͤcke ſind. Pythagoras hat behaubten wollen/ die himmliſchen Bewegungen geben ein liebliches Getoͤn oder Geſang von ſich/ von welchem er ſeiner Einbildung nach auch ſelbſt gehoͤret: In ſolchen Betrachtungen hat er ſich ohne Warheitsgrund vertiefet: Aber das iſt gewis/ daß der Himmel vielmals weinet/ und durch ſo triefende Regenwolken uns zur Liebe gegen Gott vermoͤgen wil. Sind die Zehren ein Schweiß der Au= gen/ ſo iſt ſolcher ſeines Lohnes werth/ welcher nur mit Gegenlieb bezahlet wer= den kan: und ich achte/ daß Myrrhen und Weirauch deswegen zu den Opferen erkieſet worden/ weil es Zehren ſind der edelſten Baumen. Das Geſang wird CXCI.mit dem ſchwachen Namen der Lieblichkeit beſchrieben/ die Zehren aber ſind die ſtaͤrkſten Waffen des Frauenvolkes/ die uͤbermoͤgen was ſonſten unuͤberwind= lich ſcheinet/ in dem ſelbe/ ihrer Eigenſchaft nach/ uͤber die Wangen dem Hertze zueilen: und ich will glauben/ daß die Augen der Liebe deswegen vorbunden ge= mahlet worden/ damit man ſeine Zehren/ welchen niemand widerſtehen koͤnte/ nicht ſehen ſol/ wie dann auch deswegen die Natur die ſchwachen Kinderlein mit den ſtarken Zehrenguͤſſen verſehen/ uͤm jederman gegen ſie zur Liebe und Wolthaͤ= tigkeit zu bewegen. Dieſem nach iſt das Weinen eine Sprach des Gemuͤhtes/ deſ= ſen Kunſtlehre die Natur ſelbſten allen und jeden eingeſchrieben hat: Die Bot= ſchafter und Anwaͤlte des Hertzens/ welche die Warheit ausrichten/ und an ſtat der Verhoͤr/ bey der Porten des Hertzens (ich wil ſagen den Augen/) nur uͤm et= liche Blicke anhalten/ und ſtillſchweigend bereden. Wer verreiſet von ſeinem lie= ben Vatterland/ Freunden und Bekanten ohne Weinen? Wer hinterlaͤſt nicht mit oder in denſelben gleichſam ſeinen Geiſt ſelbſten? Wer verlichret das Belieb= te ohne Threnen? Ja das Weinen kan die vormals abgeſtorbene Liebsneigung wiederuͤm erwecken. Da hingegen das Geſang in den leichten Luft zergehet/ undCXCI. gleich dem Vogler die Freyheit in das Netze locket.

2. A. Wann man nur einen Theil hoͤret/ ſo iſt leichtlich die Sach zu erhalten.

3. R. Auf erſterzehlte Vrſachen hat Herr Loredan/ ein von Stand und Ver=Franceſc. Loredano nelle biz- zarie Aca- demichc f. 192. ſtand beruͤhmter Edelmann/ ungefehr dieſer Geſtalt geantwortet:

Jener Philoſophus, als er ſolte antworten einem/ der mit viel ſchoͤnen Worten behaubten wollen/ es ſey keine wahre Bewegung zu finden/ iſt ſtillſchwelgend auf= geſtanden und an dem Ort auf=und abgetretten; dardurch anzudeuten/ es ſey al= les Vernuͤnftelen uͤberfluͤſſig/ wo die euſſerlichen Sinne Schiedrichtere ſeyn koͤnnen: Gleichergeſtalt ſolte ein kurtzes Geſang/ mit dem holden Muſicklang vergeſelſchaftet dieſe lang=zierliche Rede hintertreiben und widerlegen/ wann nicht ſolche Wolredenheit viel mehr ſich/ als den feſten Grunde der aufgegebenen Frage erweiſen/ und uns in ſo angenemer Betrachtunge haͤtte uͤben wollen. Man be= denke nun das Weinen und das Geſang an ſich ſelbſten/ nach dero wahren Tu= gendwirkung/ und anderer Hochhaltung dann in dieſen Stucken hafftet Herrn CXCI.Gegners angefuͤhrter Beweis. Geſtanden/ die Zehren werden in den Augen er= zeuget/ da die freundlichen Liebesblicke entſpringen/ ſo fliehen ſie doch vielmehr von ſolchem Ankunftsort/ und verfinſteren/ ja verdunklen vielmals die Augen/ ſchwaͤchen und beraube ̅ die zarten Sehſtralen Sind nun ſolche Liechter gleich den hellen Fenſteren/ ſo iſt der Mund die Thuͤr: von jenen ſtuͤrtzen die Zehren mit Vn= bedacht/ von dieſen gehet das Geſang mit holdſeligen Bewegungen herfuͤr. Das Aug weiß wol/ daß es Schildwacht des Haubtes iſt/ und des Mundes Befehl zu erwarten hat: Das Geſang aber iſt eine beſeelte Stimme/ welche den erhabenen Verſtand herfuͤrbringet zwiſchen Perlen und Korallen/ zwiſche ̅ Lachen und Kuͤſ= ſen/ und allein maͤchtig/ auch in den blinden Gegenliebe zu erwecken. Man ſon= dere die Zehren von ihrem Vrſprung/ und erfahre dann ihr. Vermoͤgen; man ſondere das Geſang von der Schoͤnheit/ und erfahre was ſolches auf unſichtba= re Weiſe zu leiſten vermoͤge. Geſtehet die Liebe in ſonderer Erregung der Lebens= geiſterlein/ ſo iſt ſolche nicht von den kalten Zehrenquellen/ ſondern von der hitzig= ergeiſterten. Stimme zu erwarten/ ſo viel naͤher dem Lufft das Feuer/ als das Waſſer iſt/ und die Zuſammenſtimmung der kuͤnſtlichen Muſic ſich mit den in=CXCI. nerlichen als euſſerlichen Eigungen vereinet. Des Menſchen erſte Stimme iſt ein trauriges Klaggeſang/ durch welches die Zehren aus den zarte ̅ Aeuglein nach= mals herfuͤrdrucken/ und ohne Zuthun der Wort nichts zu verſtehen geben koͤn= nen/ als ihren traurigen Zuſtand/ welcher zu Liebesfreuden ein gantz wideriges Mittel iſt. Der Rauch/ der Wind/ der Sand/ und dergleichen/ kan zu weinen Vrſach geben/ und nicht die Liebe: Daher dann dem Freyerweſen die drey Huld= goͤttinne oder Grazien/ das Singen/ Lachen und Spielen/ und nicht das Weinen zugeordnet worden. Es iſt ein Brunſt/ welche durch den Athem des Geſanges aufgeblaſen/ durch das Zehrenwaſſer ausgeleſchet wird. Ich wil der vernuͤnff= tigen Menſchen geſchweigen/ und nur dieſes zu bedenken heimgeben/ daß alle un= vernuͤnfftige Thiere das Geſang lieben. Von den Elefanten/ Delfinen und Bie= nen iſt bekant/ daß ihnen die Natur ſolches Belieben eingeſchaffen/ und ſo gar in den Hoͤlen/ Berg=und Felskluͤfften eine Gegenſtimme und Gegenliebe verbor= gen. Das Geſang kan oftmals durch kuͤnſtliche Verfaſſung traurige Zehren zu CXCI.wegen bringen/ die ungeſtalten Zehren aber niemals ſingen machen/ es ſey dann zwiſchen den Kinderen und derſelben Warterinnen Damit aber ja ſolche Traur= zeichen nicht gar armſelig ſcheinen/ pflegt man ſelbe Perlen zu benamſen: ach ein elender Schatz/ der auch die allergeringſte Zeit uͤber nicht mag erhalten wer= den/ und an ſtat der allergebraͤuchlichſten Weiberwaffen ſich in der Zerfluͤſſung anblicken laͤſſet. Die Muſic machet behertzt/ und uͤberwindet gleichſam die Liebe ſelbſten/ zu der Zeit/ wann der triefende Winter verfloſſen/ und ſich der Voͤge= lein Klinggedichte hoͤren laſſen. Die Liebe hat zween Wege zu dem Hertzen zu gelangen: durch das Gehoͤr/ vermittelſt des Geſanges/ und durch das Geſichte/ wann ſolches nicht von dem Weinen vertunkelt iſt/ das dan ̅ Erbarmniß und Mit= leiden/ an ſtat der Zuneigung/ auswirken mag. Aber wer ſolte nicht lieber ein Jungfrau wehlen wollen/ die durch das liebliche Geſang erfreuet/ als eine/ die durch heiſſe Zehren betruͤbet? Die ſo vielbenante Threnen bilden die Vndank= barkeit/ in dem ſie betruͤben die Augen/ von und in welchen ſie erzeuget werden; deswegen auch Apollo die ungluͤckliche Nymfen erſtlich mit dem Geſang/ nach ihrer Verwandelung mit Weinen verhret: ihren Vndank/ und ſeine Vngluͤck=CXCI. ſeligkeit zu bezeugen. War zu dienet aber dieſes Dichtwerk/ wann die Warheit ſelbſten bewaͤhret/ daß die ſeeligen Engel ihre Freude mit Lobſingen/ die boͤſen Geiſter aber ihre Schmertzen mit Weinen und Heulen beweiſen.

4. J. Was iſt nun der Auſpruch?

5. V. Selber wird den Zuhoͤreren ſolcher Streitfrage uͤberlaſſen/ welche auch nach der Ordnung ihre Meinungen eroͤffnen/ und nach den meinſten Stimmen ſchluͤſſen moͤgen. Zu wuͤnſchen were aber/ daß die Italianiſchen Academien vielmehr in dergleichen nuͤtzlichen/ als luſtigen Fragen bemuͤhet weren. Die H. Vnbekanten oder Incogniti zu Venetig haben zu ihrem Haubt erkohren Se= baſtian Quirin Ertzbiſchoffen des Ortes/ und meines Wiſſens nichts herfuͤrge= geben/ als zween Theile ihrer Maͤhrgedichte/Novell. Bizzarie Academi- che. und Herrn Loredans Academiſche Einfaͤlle. Ihr Abſehen iſt die Sprach und Wolredenheit in ſolchen Fragen auß= zuuͤben/ welche in keine abſonderliche Wiſſenſchaften auch nicht in Geiſtliche oder Weltliche Haͤndele einlauffen; ſolten aber/ meines Erachtens zugleich mehr auf CXCI.der Sitten=als Liebeslehre gerichtet ſeyn: weil es aber meinſtentheils junge vom Adel/ welche ihr Belieben in der gleichen erfreulichen Vnterhalt ſuchen/ kan man ſich ſolcher mit Beſcheidenheit gebrauchen/ und das Gute von dem Nichti= gen auſſerleſen. Wann bey uns in Teutſchland dergleichen Zuſammenkunften in allen Hofhaltungen und Staͤtten/ zu Ausuͤbung der Sprachen und des Ver= ſtandes/ ſolten angeſtellet werden/ iſt nicht zu zweiffelen/ daß wir es allen anderen weit bevor zu thun vermoͤchten; dieweil wir von den Italianeren/ Frantzoſen und Spanieren zu lernen pflegen/ ſie aber unſere Sprache und Wiſſenſchaften (welchen wir von Jugend auf mit mehr beharrlicher Emſigkeit/ als kein Volk/ ob= ligen) verachten: und iſt gewiß/ daß der viel liſet/ allezeit vorweſendem Geſpraͤ= che mehrere Gedanken beyſetzen kan/ als der alles aus ſeinem Hirn ſpinnen muß: dergleichen Erlernung iſt bewand/ wie jener bey Koͤnig Alfonſo geklaget/ er ha= be einen Glaubiger/ dem er die Schuld/ auf Begehren/ bezahlet; als er aber ſelbe zum anderen/ dritten und vierten mal mit allem Ernſt geheiſchet/ habe er ihm ſol= che ſo lang bezahlet/ als er es im Vermoͤgen gehabt; weil ihm mehr nichts uͤberig/ ſo wolle er Koͤnigl. Majeſt. in Vnterthaͤnigkeit angeflehet haben/ ihn vonCXCI. ſolchem Beſchwerniß zu retten/ und iſt der Schluß nach umſtaͤndiger Vnter= rede gefallen/ daß ſolcher Schuldner der Hunger ſey/ welchen er ſo oft/ und viel= mal die Schuld abgetragen/ und nunmehr wegen ſeiner Armut nicht zu befrie= digen habe: Solchergeſtalt/ ſage ich/ iſt es mit der Begierd zu lernen beſchaffen/ die gantz unerſaͤttlich taͤglich mehr und mehr heiſchet und fordert.

6. C. Es iſt eine feine Art geweſen ehrlich zu bettlen.

Theſor. de Recreat. f. 26. & 27.

7. D. Die Wiſſenſchaft zu bettelen darf ſich niemands ſchaͤmen/ es ſollen aber die Reichſten oft am wenigſten geben koͤnnen.

Julia.

WEil von dem Geitz zu reden kommet/ und mir ein Spiel anzufangenCXCII. Mediu ̅ te- nuere bea- ti. oblieget/ will ich fragen: Ob ſelber oder die Verſchwendung ein geringeres Laſter ſey?

CXCII. ☞ den er= ſten Buch= ſtaben. Atrevidos ſon los da- divos, que entran en el apoſento del ſegreta- rio, aun que eſta dormi- endo. Sprichw. 13/ 21.

2. R. Wer das Mittel zu halten weiß/ im Gebrauch des Reichthums/ und ſich die Goldſtralen nicht zu viel noch zu wenig verblenden laͤſſet/ der iſt in dieſem Le= ben fuͤr gluͤckſelig zu achten. Die Geſchenke ſind ſo kuͤhn/ daß ſie in des Richters Kammer gehen doͤrffen/ wann er noch zu Bette lieget. Durch den verderblichen Geitz/ welcher niemals veraltet/ werden die Weiſen bethoͤret: wie im Gegenſpiele des Reichthums weniger wird/ wann mans vergeudet/ daß die ſolches thun/ end= lich darben muͤſſen. Doch ſcheinet beſſer ſeyn/ bey dem Geitz zu leben haben/ als durch Verſchwendung Mangel leiden.

3. A. Ich verſtehe die Frag dahin; daß/ weil beide Laſter von der wahren Tu= gendſtelle abweichen/ zu betrachten aufgegeben worden/ welches noch das naͤhe= ſte/ oder das weiteſte zu achten ſey?

4. J. Dieſes iſt die Meinung.

5. A. Die Verſchwender ſtuͤrtzen ſich in fuͤrſetzliches Verderben/ in dem ſie ſich nach und nach auf den Bettelſtab ſtuͤtzen/ ihnen ſelbſt das Vngluͤck am Halß jauchtzen/ und mit ſpater Reue betrauren/ daß ſie in dem Saufmeer an Ehr und Gut Schiffbruͤchig worden. Wie nun alle Tugenden gleichſam an einer KettenCXCII. zuſammengeſchloſſen/ alſo iſt auch vielmals mit dem Laſter der Verſchwendung der Geitz vergeſelſchaftet/ dergeſtalt/ daß mancher ſparet und geitzet/ wo er nichtPleriq; pro- digi, etiam unde non oportet ac- cipiunt, at- que in hoc ſunt illibe- rales. Ari- ſtoteles 4. Moral. c. 1. ſoll: Hingegen verthut und umbringet/ wo er ſolte zu rucke halten.

6. D. Dem Geitzigen wird ſein Gut zu Handen gelaſſen/ dem Verſchwender aber ein Verwalter beſtellet: Beides iſt ſchaͤndlich und ſchaͤdlich/ wann derglei= chen Leute/ ſo ihrem eigenen Hauſe nicht wol vorſtehen koͤnnen/ eine gantze Ge meine regieren ſollen: dieſe koͤnnen anderen wolthun und wollen nicht; jene wol= ten nd koͤnnen nicht. So lang das alte Geld in junger Leute Haͤnden waͤret/ iſt das Laſter der Verſchwendung nicht ohne Freunde; da hingegen der Schindgeitz des Alters jederman zum Feinde hat: jene enden mit der Armut/ dieſe mit dem Tode.

7. C. Der Geitz iſt der Magnet/ welcher alle und jede Laſter an ſich ziehet; Ei= ne unheilſame Krankheit/ der faſt der Tod ſelbſten nichts anhaben kan: die Verſchwendung hingegen/ iſt nichts anders/ als eine uͤbermachte Freygebigkeit/ CXCII.eine nachtheilige Gutthaͤtigkeit/ die anderen nutzet mit ihrem ſelbſt eigenen Scha= den; findet aber oftmals Dankbarkeit in begebenen Elendſtand.

nec ſibi ꝗ- dem utilis Avaritia. Prodigus Avaro me- lior eſt, ꝗa ipſe multis, illiberalis nemini prodeſt. Ariſt. Eth. l. 4. c. 1.

8. V. Der Geitz nutzet niemand/ auch ihm ſelbſten nicht; er gedenket vielmehr jederman zu ſchaden: Hingegen iſt die dumme Vergeudung mit den zuwachſen= den Jahren/ und reifendem Verſtande/ bisweilen auch durch Mangel leicht zu aͤnderen.

9. J. Jener hat fuͤr ein Wunder gehalten/ daß ein Junger geitzig/ und ein Al= ter freygebig ſey. Es iſt aber/ wie in allen Sachen/ das Ende zu betrachten; und hat unſer HErr Gott nicht allein uns eine unſterbliche Seele zur Verantwor= tung anvertrauet/ ſondern auch einen geſunden Leibe/ und zeitliche Guͤter; In al= len dreyen Stucken kan man ſich groͤblich verſuͤndigen/ und iſt unter den Laſteren keines zu wehlen/ weil ſie alle boͤß und verderblich ſind. Befindete ſich aber jemand zu einem oder anderen geneiget/ ſo ſol er lieber trachten auf die andere Seiten zu wanken/ als denſelben nachzuhangen/ damit er mit der Zeit in der Tugend Mit= telſtelle beharren koͤnne: als dieſes Orts ſol der Geitzige ſich bemuͤhen freygebig/ und der Verſchwender karg zu ſeyn.

Veſpaſian. CXCIII.

SOl man den Purpur neben dem Purpur betrachten/ ſo werdenDieſer Buchſtab iſt an dem 251. Blat vergeſſen/ und deswe ge ̅ hier bey= gebracht worden. auch die Tugenden/ ohne wahre Vergleichung/ ſchwer zu erkennen ſeyn: als/ den Geitz nennet man Sparſamkeit/ das Verſchwenden Freygebigkeit/ das Schwelgen Leutſeligkeit. Ich will aber von den Tugenden die= ſe Frage aufgeben: Ob die Keuſchheit oder die Maͤſſigkeit fuͤr eine hoͤ= here Tugend zu achten?

2. C. Weil die Vnkeuſchheit eine groͤſſere Suͤnde iſt/ als die Trunkenheit/ iſt unſchwer zu ſchlieſſen/ daß die Keuſchheit der Maͤſſigkeit vorzuziehen ſey.

3. D. Die Tugend iſt keine Tugend/ wann ſelbe nicht freywillig geuͤbet wird. Nun ſind viel/ welche aus Armut maͤſſig/ und aus Mangel der Gelegenheit uͤ= bels zuthun keuſch ſind. Die Maͤſſigkeit hat unter ſich die Keuſchheit/ weil un= maͤſſiges Leben zur Vnkeuſchheit reitzet und fuͤhret.

4. A. Natuͤrlich iſt den Leib mit gebuͤrlicher Speis und Trank zu unterhalten/ ohne welches wir nicht leben moͤgen/ doch alſo/ daß er nicht geil werde.

CXCIII.

5. R. Die Maͤſſigkeit geziemet jederman/ ſowol als die Keuſchheit/ durch jens werden wir erhalten/ durch dieſe wol erhalten. Doch ſaͤttiget ſich unſer Gemuͤht von der Liebe; unſer Leib von der Speiſe. Wenig eſſen iſt in unſerem Vermoͤgen/ wenig lieben iſt nicht in unſerer Willkuͤhr.

6. J. Die Keuſchheit wird durch das Gebet erlanget/ und ziemet ſowol dem Ehe=als ledigem Stande; ja ſcheinet in dieſem eine groͤſſere Tugend/ als in jenem/ weil viel ſchwerer iſt ſich in zulaͤſſigen/ als in verbottenen Sachen zu maͤſſigen. Es iſt aber die reine Keuſchheit ſo viel hoͤher/ als die Maͤſſigkeit zu achten/ ſo viel ſchwerer iſt ſeine Gemuͤhtsregungen/ als die Beluſtigungen des Mundes zu be= zwingen.

7. V. Dieſe beide Tugenden kommen mit annahendem Alter/ welchem faſt fuͤr alles/ was ſonſten andere erfreuet/ eckelt. Die Frage belangend/ ver= gleiche ich mich mit erwaͤhntem Gutachten; daß die Keuſchheit eine hoͤhere Tugend/ als die Maͤſſigkeit zu ſchaͤtzen.

Caſſandra. CXCIV.

KEine dergleichen Frage hat mir beſſer gefallen als dieſe: Ob dieDie Maſ= quen. Manzzini furori del- la gioven- tù. f. 115. heßlichen oder ſchoͤnen Jungfrauen ſich der Maſquen billicher be= dienen? Weil ich mich unter die erſten zehle/ moͤchte ch wiſſen/ ob ich mit Fug derſelben gebrauche/ oder nicht.

2. D. Ich achte fuͤr eine ſonderliche hohe Gabe Gottes ungeſtalt von Leib ſeyn/ und ſich der Schoͤnheit des Verſtandes befleiſſigen/ welche keiner Maſquen von= noͤhten hat.

3. A Vielmehr iſt die groͤſte Kunſt zu ſchaͤtzen/ ſeinen Verſtand nur an gehoͤri= gen Orten ſehen laſſen/ und oftmals unter dem Stillſchweigen/ als einer ſiche= ren Maſquen/ erweiſen.

4. R. Nicht zu zweiffelen iſt/ es habe die Zaͤrtlichkeit der Jungfrauen dieſe Art das Angeſicht zu bedecken erfunden/ uͤm vor dem Staub/ Winde/ Rauch und anderem Vngemach ſich zu verwahren: weilen aber auch dieſe/ welche nicht mehr CXCIV.Schoͤnheit haben/ als ſo viel ihnen vonnoͤhten iſt/ uͤm nicht ungeſtalt zu ſeyn/ gleiche Beſchwerniſſen zu befahren/ wird jeder heimgegeben nach ihrem Belieben ſich der Maſquen zu bedienen. Die Schoͤnen bedecken das Angeſicht/ damit ſie nicht heſſlich werden ſollen; Die Heſſlichen/ damit man ſie ſol fuͤr ſchoͤn halten.

5. V. Man ſage was man wolle von den Maſquen/ ſo haben ſelbe doch ihre Ankunft von der Faßnacht=Kurtzweil/ den Maſqueraten/ und in ſolcher Be= trachtung geziemet es noch den Schoͤnen/ noch Vngeſtalten/ ſondern denen die auſſer der Zeit ſolches Feſte halten.

6. J. Jedoch muß man hierinnen dem Gebrauche etwas zu gut haben/ ob derſelbe gleich nicht ſo gar loͤblich iſt; gleichermaſſen man auch etliche Reden be= halten muß/ damit man nicht an ſtat verhofften Lobes/ Schand und Spott er= werbe.

7. D. Solches hat erfahren jener Waͤchter/ der nicht ſchreyen wollen: die Glock hat drey geſchlagen/ weil die Glocke fuͤr ſich nicht ſchlaͤget/ ſondern ausgeruffen: der Gluͤpfel hat drey geſchlagen/ wegen welches hohen Verſtandes er von jederman nach Gebuͤr ausgelachet worden. Doch hat es mit denCXCV. Maſquen eine andere Bewantniß.

Angelica.

NAch Veranlaſſung dieſer Erzehlung ſchicket ſich zu forſchen/ in wel=Vnartige Reden. chen Redarten wir von den natuͤrlichen Wortverſtand abweichen/ und ſcheinet ſolche Betrachtung noͤhtiger als in ſo muͤſſigen Fragen die Zeit verliehren. Vnſere Sprache iſt ja kein Gebrumm/ kein eiteler Klang/ kein raſſlendes Gemarr/ welches nur einerley Stimme von ſich hoͤren laͤſſet/ ſon= dern hat ſeine gehoͤrige Verfaſſung/ ſeine wolſtaͤndige Lieblichkeit/ ſeine Kunſt= lautende Fertigung. Ein anders iſt reden/ ein anders recht reden; ein anders iſt ſingen/ ein anders wolſingen; ein anders iſt auf der Trompeten/ ein anders auf der Maultrommel ſpielen. Wie ungereimt klingt es doch wann man ſagt: ſchrecklich luſtig/ greulich ſchoͤn/ grauſam fro/ u. d. g. iſt es nicht wider allen richtigen Verſtand geredet?

CXCV.

2. V. So ſagen auch ihrer viel/ die heilige Weynachten/ nicht bedenkende/ daß das Wort Wey und Weyen fuͤr ſich heilig heiſſe/ daher ſagt man/ Wey= waſſer/ Weyprieſter/ Wittib/ (gleichſam als ein Weitweib oder heilige Frau) Kirchwey/ entweyen/ u. d. g. iſt alſo die heilige Weynachten geſagt/ die heilige heilige Nacht/ welches ſich nicht ſchicket/ man wolte dann die Wiederho= lung ſolches Wortes zu des Feſtes Hoheit deuten.

Schereus Sprach= ſchul. Blat 230.

3. J. So ſchreibt man auch nach der Larven/ und wider die Natur/ er iſt hie erzogen und geboren: man hat ihn aus=und eingehen laſſen/ da doch kei= ner kan erzogen werden/ er ſey dann zuvor geboren/ oder aus einem Hauſe gehen/ darein er nicht zuvor kommen iſt.

4. D. Hieher gehoͤret auch daß man ins gemein ſagt: einer oder acht/ eins oder zehn/ da es heiſſen ſolte/ einer oder zwey/ ſieben oder acht/ neun oder zehen/ u. d. g.

5. C. Es iſt auch eine gebraͤuchliche Rede/ daß die Kraͤmer ihre Waaren verſchlieſſen: und das Verkauffen den Verſchluß nennen/ da ſie doch vielmehr das verſchloſſen haben/ was ſie nicht verhandelen koͤnnen: So ſagt manCXCV. auch/ der ſey verſperret worden welcher uͤber Nacht auſſer der Statt iſt/ da doch die in der Statt mit Grund verſperret genennet werden ſolten.

6. R. Was iſt gemeiner als einander alle gluͤckſelige Wolfahrt anwuͤn= ſchen/ als wann eine Wolfahrt ſeyn koͤnte welche ungluͤckſelig moͤchte genennet werden: beſſer lautet es/ alle Gluͤckſeligkeit und Wolfahrt So iſt auch gefehlt/ wann ich ſage: guͤnſtig geehrter Herr/ es ſol heiſſen/ guͤnſtiger geehrter Herr/ dann ich ehre keinen guͤnſtig.

Reymund.

OHne beſondere und erhebliche Vrſach ſol man uͤbliche Gewonhei=CXCVI. Maͤnner od’ Weiber. ten nicht aͤnderen/ damit nicht das unzeitige Huͤlffmittel Vbel aͤr= ger machen: jedoch iſt man auch nicht ſchuldig/ alle wider den Ver= ſtand lauffende Sprachfehler zu erdulten/ noch derſelben boͤßliche Gewonheiten CXCVI.fuͤr gute Geſetze zu halten/ ſondern vielmehr ſelbe nach und nach auszuſchaffen und zu unterbrechen: Ich wil an ſtat eines Geſpraͤchſpieles fragen: Ob beſſer were (im Fall Gottes ausdruckliches Gebot nicht verhanden/) daß ein Mann viel Weiber/ oder ein Weib viel Maͤnner haͤtte?Les Con- ferences des beaux eſprits à Pa- ris.

2. A. An dieſer Frag iſt dem Roͤmiſchen Reiche viel gelegen.

3. V. Wir gedenken auch nicht von ſolchen Reichsſachen zu reden/ ſondern ſu= chen die Gelegenheit zu Geſpraͤchen/ den Verſtand zu ſchaͤrffen/ und von ande= ren/ ſo die Frage betrifft/ als da ſind die Tuͤrken und Tarteren/ beſſer zu urtheilen.

4. J. Viel haben den Eheſtand fuͤr ein nohtwendiges Vngeluͤck gehalten/ bey welchem man das Paradis ſuchet/ und die Hoͤlle findet: Andere wollen man ſol die Weiber lieben/ wie die Kranken der Artzney hold ſind; nemlich uͤm ein groͤſ= ſeres Vbel zu vermeiden.

5. A. Etliche Mißtraͤuling unterſtehen ſich zu behaubten/ daß auch der Weiber Tugenden voll Gefahre weren. Es iſt eine groſſe Marter/ ſeine Reiß mit ei= nem feindſeligen Geferten verrichten/ wil geſchweigen/ ſein Leben mit einem wiederigen Ehegatten zubringen: ja derſelben ſo viel haben/ daß der Eifer/ Neid/CXCVI. ☞ den er= ſten Buch= ſtaben. Zank und Mord nicht verbleiben koͤnte.

5. C. Ach man ſihet leider gar vielmals die Ehe Nabals mit Abigail/ und daß wunderliche Maͤn ̅ er mit ſchoͤnen Weiberen eiferen/ oder den Vngeſtalten gram werden/ ſolchen Vnfall darf man faſt niemand klagen oder ſagen/ weil ſelber An= fangs in der verbundenen Willkuͤr beſtanden; und ſchwebet die Frage: Ob man heirahten ſol oder nicht? in beharrlichem Zweiffel. Vnſer Verſtand/ Sorg= falt und Fuͤrſichtigkeit iſt viel zu ſchwach hierinnen den rechten Ausſchlag zu tref= fen. Iſt alles beiderſeits nach Wunſch auserſehen/ ſo vermag doch niemand auf das kuͤnftige ſichere Gewerſchaft leiſten Das Beſte kan das Aergſte werde ̅ / die jetzt geſund und ſtark ſind/ haben ſchwere und gefaͤhrliche Kranckheiten zu befahren; welche heut auf dem rechten Wege ſind/ koͤnnen ſich morgen oder uͤbermorgen leichtlich verirren: Wann aber auch ſolche Veraͤnderung von den Ehegatten ſelbſten nicht entſtehe ̅ ſolte/ ſo bringt doch die Zeit und das Alter keine kleine Ver= aͤnderung in den Gemuͤhteren der Menſchen. Die Schoͤnheit/ Tugend und hoher CXCVI.Stand ſind ſo wenig bey den Weibsperſonen zugleich anzutreffen/ als die Geſundheit/ Reichthum und Verſtand bey den Maͤnneren. Jener erleuchte A= poſtel gibt einen ſolchen Abſchied: Wer heirahtet der thut wol/ welcher aber nicht heirahtet der thut beſſer.1. Cor. 7, 38.

6. D. Die erſte Gehuͤlffin des Menſchen hat ihm und allen Nachkoͤmmlingen in das endliche Verderben geholffen. Job hatte alles auſſer ſeiner Frauen ver= lohren/ und muſte mehr Vbels von ihr/ als vom Teuffel ſelbſten/ leiden. Es finden ſich aller Orten mehr/ die des Tobiaͤ/ als des Abrahams Ehefrauen/ glei= chen. Welche unter den Weiberen anderen vorkommen wollen/ ſind in dem ledi= gen Stande verblieben/ als die Amazonen/ Sibyllen/ Muſen/ Veſtalen/ und viel andere/ weil der Eheſtand uns verhindert an einem ruhigen Leben/ und laͤſſet uns nicht ohne Vorſorge/ wegen der Hinterlaſſenen ſterben. Ein jeder muß in dieſer Frage ſich ſelbſten priefen/ ob er ſo viel Tugend habe/ daß er die Laſter eines Weibes erdulten koͤnne.

7. V. Von der Trefflichkeit einer Sache zu reden/ muß man derſelben Anfang und End zu reifer Betrachtung ziehen. Von dem Stiffter des Eheſtandes iſtCXCVI. geſchloſſen worden/ es ſey nicht gut daß der Menſch allein bleibe. Es ſeye nun ſolches Gebots/ oder nach etlicher Meinung/ Rahtsweis ausgeſprochen/ ſo bleibet doch wahr/ daß die Einſamkeit fuͤr boͤß oder nicht gut zu halten. Die Endurſach aber iſt die Fortſetzung des Menſchlichen Geſchlechtes/ die Vn= ſterblichkeit/ welche die ſterblichen Menſchen in ihren Nachkommen erſehen; der Troſt unſerer Schwachheit/ und der Gluͤckſeligſte Ehrenſtand; ohne welchen das Feuer der Vnkeuſchheit in den Weltkinderen mit einer neuen Suͤndflute ausge= leſchet werden moͤchte. Ferners iſt gewiß/ daß die Tugend allein den Eheſtand gluͤckſelig machen kan/ welche dieſes Band mit gleicher Gegenliebe knuͤpfet und verbindet. Das zufaͤllige Vngeluͤck kan hier keine Gewißheit machen/ ſolten wir deswegen uns des Lebens berauben/ weil wir den Krankheiten unterworffen ſind? Ach nein: ſondern weil die Freundſchaft die herrlichſte Gabe iſt/ welche wir Men= ſchen von dem getreuen Gott empfahen/ koͤnnen wir unter allen keine mehr vol= kommene und ſuͤſſere finden/ als in dem oftgedachten Stande der Ehe. L’ Hon- neſte Ma- riage de Greneille.

CXCVI. L’ Honne- ſte femme 2. part. p. 261.

8. R. Jener hat meines Erachtens recht geſagt/ es ſol Venus in dem Ehe= ſtande zur Geſpielin haben die Muſen/ den Mercurium und die Gratien/ oder Goͤttinnen der Hulde; Die Muſen zu Tugendreichen Beluſtungen; Den Mercurium zu friedſamen Berahtſchlagungen in dem Haushalten; Die Gratien zu ſuͤßfreundlichſter Gefaͤlligkeit/ welche gleichſam die Seele und der Geiſt in der Ehe Freundſchaft heiſſen kan/ und ohne welche auch die Tu= gend ſelbſt unangenem iſt. Man achtet einen Spiegel nicht/ wann er gleich mit dem ſchoͤnſten Ebenholtz eingefaſſet/ und mit Edelgeſteinen verſetzet iſt: alſo iſt auch ein Weib ohne ſo holdreiche Gefaͤlligkeit mit allem Reichthum/ und andere ̅ Gaben/ nicht zu lieben/ wann ſie ſich ihrem Eheherrn nicht nach zu bequemen weiß. Was iſt gefolgiger als ein Spiegel? rede ich gegen ihm/ ſo beweget mein Bild die Lefftzen; bin ich blaß/ ſo aͤndert er die Farbe; erroͤhte ich/ ſo thut er auch desgleichen: Ja/ wann man auch ſolches Glaß/ aus Vnachtſamkeit/ in viel Stuͤcklein brechen wuͤrde/ ſolte doch ein jedes das Gegenbild beſtaͤndig vorzeigen. Hierbey mus ich erzehlen/ was ſich zu meiner Zeit zu Orleans begeben: Ein jun= ger Edelmann begehrete an ſeine Hochzeiterin/ in Beyweſen beiderſeits Befreunden/ ſie ſolte nieder knie ̅ / und ihm mit Ehren zu gedenken/) die Schuhe ausziehen.CXCVI. Wie unerwart dieſes Begehren der zu Bette gehenden Braute vorkommen/ iſt unſchwer zu erachten: doch hat ſie ſich faſt ohne Bedacht/ dem Erheiſchen zu Fol= ge/ auf die Erden niedergelaſſen.

9. C. Ich haͤtte mich zu ſolchem Dienſte nicht verſtanden/ und dieſe Arbeit den Laqueyen uͤbergeben.

10. R. Iſt aber ſo bald von ihrem Liebſten erhaben/ umfangen/ und wegen ge= leiſter Probe ihres Gehorſams gekuͤſſet worden/ benebens verſprechen/ daß viel= mehr er die Zeit ſeines Lebens ihr Diener ſeyn und bleiben wolle. Nun gelangen wir wieder auf meine Frage/ in welcher ich an meinem wenigen Orte darvor hal= te/ daß thunlicher ſeyn ſolte/ ein Weib habe viel Maͤnner/ als daß ein Mann viel Weiber nehme; Dieweil ein Weib etliche Maͤnner/ ein Mann aber nicht wol et= liche Weiber bemuͤhſigen kan.

11. D. Manchem iſt eine Frau zu viel/ wie ſolte er dann mit mehreren aus= kommen? Hingegen dienet zu der Weiber Ehre von vielen bedienet und geliebet zu werden.

CXCVI.

12. V. Die Kinder zu ziehen und zu ernehren/ wuͤrde vielen Vaͤtteren leich= ter als einem allein fallen.

13. J. Dieſe Vrſachen ſind alle von keiner Erheblichkeit. Die Liebe/ welche ſich theilet/ iſt nicht wahre Liebe/ darauf der Eheſtand gegruͤndet iſt/ zu nennen.

14. R. So moͤchte man auch von den Weiberen ſagen: laͤſt ſich aber in dieſer Frage nicht wol anfuͤhren.

15. J. Verantwortlicher ſcheinet/ ein Mann habe viel Weiber/ wie in dem Alten Teſtament/ welches Gott ſelbſten zu Vermehrung des Menſchlichen Ge= ſchlechtes geſchehen laſſen.

16. A. Die Liebe gegen die Kinder wuͤrde ſonders Zweiffel groͤſſer und bruͤnſti= ger ſeyn als nach vorgedachter Meinung.

17. C. Weil heut zu Tage viel mehr Weiber als Maͤnner in der Welt/ wuͤrde die Austheilung ſchicklicher kommen/ wann jeder etlich Weiber/ ſo viel er nemlich zu ernehren getrauet/ nehmen ſolte/ als nicht im Gegenſpiele.

18. V. Dieſe Frage iſt aufgehoben durch den Spruch des Allmaͤchtigen Gottes: Sie werden zwey in einem Fleiſche ſeyn/ welches nach erſtbeſagten bei=CXCVII. 1. Moſ. 2/ 24. 1. Cor. 6/ 16. ☞ Meliſ. II. II. 11/ 12/ 13. den Meinungen nicht geſchehen koͤnte. Das erſte Weib iſt von dem Mann ge= nommen/ als er in einem tiefen Schlaffe gelegen/ zu bedeuten/ daß ſie werde ſeine Ruhe ſeyn/ welche Ruhe bey Tugendſame ̅ Weiberen ungezweiffelt anzutreffen.Ludov. Viv. de Of- fic. Mariti. f. 63. Buͤcher odeꝛ Buͤchſen.

Degenwert.

LEichter iſt dieſe Frage zu verabſchieden: Ob die Erfindung der Druckerey mehr genutzet/ als die Stucke und das Buͤch= ſenwerk Schaden gebracht?

2. V. Wir wollen eines nach dem anderen uͤmſtaͤndlich betrachten/ ſo wird alsdann die Antwort leicht fallen. Man kan nicht ausſagen den Dank/ wel= chen wir Joh. Fauſten/ und Joh. Guttenberg/ I. Saubert. de Biblio- theca Nori- ca. f. 110. als Erfinderen der Drucke= reyen/ mit ſtetigem Nachruhm zu leiſten ſchuldig ſind. Sie haben nach und nach dieſe Handkunſt erſinnet/ obgleich dergleichen etwas zuvor in China uͤblich CXCVII.geweſen. Garzan. Theat. c. 128. Mendoza l. 3. c. 16. de regno Chi- næ. Die Buͤcher waren vor Zeiten nur in der Koͤnige und Fuͤrſten Haͤuſer anzutreffen; jetzund kan auch der Geringſte uͤm ein ſchlechtes Geld dar= zu kommen/ und ein Mann kan in einem Tage/ in allen Sprachen ohne Fehler/ und ſondere Bemuͤhung ſo viel zu Papyr bringen/ das zuvor hundert Schreiber mit emſiger Aufſicht zu leiſten niemalsvermoͤget. Solte ſolche Kunſt gleich An= fangs der Welte bewuſt geweſen ſeyn/ wie wuͤrden ſich doch die Buͤcher bis zu die= ſer Zeit gehaͤuffet haben; ſolte aber es noch ferners verborgen geblieben ſeyn/ wie manche Schriften haͤtten niemals an das Liecht kommen koͤnnen. Sind gleich etliche unnuͤtze Werklein mit eingeſchlichen/ ſo iſt es doch fuͤr nichts zu achte ̅ / gegen den unausſprechlichen Nutzen der guten Buͤcher. Daß ein unerfahner Geſell/ vermittelſt der Druckpreß/ auf das zierlichſte und gewieſte ſchreibet/ wann er auch mehr Wein/ als Verſtand in den Kopf hat/ oder daß ein Weib in einem Zug mehr in fremde Sprachen uͤberſetzt/ als der Allergelehrtſte/ iſt ſo ein gemei= nes und alltaͤgliches Wunderwerk/ daß wir es heut zu Tage faſt veraͤchtlich hal= ten. Man betrachtet viel ander Sachen fuͤr ſeltzame Wunderdinge/ ſo dieſem Werk mit nichten zu vergleichen.

3. J. Ich habe viel von den Druckereyen gehoͤret/ und etliche Buͤchlein durchle=CXCVII. ſen/ wie man aber damit verfaͤhret/ und uͤmgehet iſt mir nicht wiſſend. Man reiſet oft in fremde Laͤnder wunderliche Dinge zu erkundigen/ und laͤſſet das unſe= re/ aus angewehnter Fahrlaͤſſigkeit unerforſchet. Ich habe ſolcher Meinung ſa= gen hoͤren; Die zwo groͤſten Vrſachen unſerer Vnwiſſenheit weren/ daß wir erſt= lich unſern Kinderen/ mit zuwachſendem Verſtande/ nicht allerley Handarbeit zuweiſen und ihr Vrtheil darvon zu forſchen pflegen: Zum anderen/ daß wir unſere Juͤnglinge auſſer Land ſchicken/ und ihnen nicht einmale ſagen/ was die End=und Nebenurſachen ihrer Reiſen ſeyn ſolle.

4. V. Dieſes gantze Kunſtwerk beſtehet in den Buchſtabgieſſen/ Setzen und Drucken. Der Gieſſer gebrauchet an ſtat des Holtzes/ von welchen man vor Al= ters die Buchſtaben geſchnitzet/ Zien/ Bley/ Kupfer/ Meſſing/ Stal/ Eiſen und das Antimoninm oder Spiesglaß/ das die Metall vereiniget/ miſchet und ſchmel= tzet es in einem Gefaͤſſe zuſammen/ und gieſſet es nachmals mit einem Loͤffel in die Materen oder Moͤdel/ welcher mancherley Arten ſind/ als:

CXCVII. Literæ Em- blematicæ.
REGAL Brobe Canon Fractur. Kleine Canon Fractur. Pabſt Text/ oder Teuerdank. Kleine Canon Antiqua.
Text Fractur/ oder Bibelſchrift. CXCVII. Parangon Schwabacher Parangon Antiqua. Tertia Fractur. Tertia Schwabacher. Parangon Curſiv. Grobe Mittel Fractur. Tertia Antiqua. Grobe Mittel Schwaba= cher oder Poſtillſchrift. Mittel Antiqua. Mittel Fractur. Mittel Curſiv. Mittel Schwabacher. Cicero Fractur. Cicero Antiqua. Cicero Schwabacher. Cicero Curſiv. Corpus, oder Garmuth Fractur. Corpus oder Garmuth Antiqua.
CXCVII. Corpus oder Garmuth Schwabacher. Corpus oder Garmuth Curſiv. Petit oder Jungfer Fractuͤrlein. Petit oder Jungfer Antiqua. Non-pareil Fractuͤrlein. Petít oder Jungfer Curſiv. Non-pareil Schwabacher. Non-pareil Antiqua.

Dieſe alle ſind auf ſonderen Kegelen/ dardurch ſie gleich geſetzet werden/ und hat jeder ſeine ſondere Zugehoͤr/ als da ſind Beyſtrichlein/ Strichpuͤnctlein; Dop= pelpuncte: Punct. Mittelſtrichlein=Hinterſtrich oder Haͤcklein’ Frag= zeichen? Verwunderungs Zeichen! Einſchluß () Zahlen/ Quadraten/ Sternlein * kleine und groſſe Spatia/ u. d. g. daß alſo zu jeder Schrift 95 abſon= derliche Materen und abſonderliche Buchſtaben erfordert werden.

5. A. Wann nun die Buchſtaben gegoſſen ſind/ wie gebrauchet man ſelbe?

6. R. Ein jede Art Buchſtaben hat ſeinen beſonderen Kaſten/ jeder Buchſta= ben abſonderlich ſein gewieſes Faͤchlein. Der Setzer nimt den Winkelhacken in die Hand/ ſtecket das Exemplar auf den Tenackel/ welches das Diviſorium haͤlt/ und ſetzet die Buchſtaben mit ſolcher Geſchwindigkeit/ daß er bald ein Wort/ ei= ne Zeil/ ein Blat/ eine Form oder halben Bogen unter die Preſſe fertiget.

7. C. Muß man es dann nicht zuvor durchſehen/ ob der Setzer nicht einenCXCVII. Buchſtaben fuͤr den anderen erwiſchet?

8. D. So bald die Form zuſammengeſchraubet/ machet man einen Abdruck/☞ die Er= klaͤrung des Sinnbildes an den Leſer/ auf dem Bo= gen C zu Ende. dergeſtalt/ daß alle Buchſtaben mit den Ballen/ welche zuvor mit der Druck= farb aufgetragen oder uͤberſchwaͤrtzet und beruͤhret werden. Dieſer Bogen wird durchleſen/ die Fehler bezeichnet/ ſelbe geaͤndert/ und alsdann von den zuvor an= gefeuchtem Papyr/ erſtlich der Schoͤn dann der Widerdruck gefertiget.

9. V. Hierbey iſt nun zu betrachten/ daß die hohe Wolthaten der Druckerey= en mit Worten nicht auszuſprechen ſind/ durch ſie werden allerhand Kuͤnſte und Wiſſenſchaften erhalten/ gemehret/ und auf unſere Nachkommen gebracht.

10. R. Nechſt dieſem wird auch durch oftbeſagtes Druckweſen/ das Wort Gottes fortgepflantzet/ die H. Schrift in allen Zungen und Sprachen eroͤffnet/ und ſolcher theuer=wehrter Schatz wolmeinend ausgebreitet und gemein gema= chet.

11. D. Dieſes haͤtte durch viel abſchreiben niemals ſo fuͤglich geſchehen koͤnnen/ CXCVII.in dem/ wie vorberuͤhret/ ſolche Schreiber ſehr koſtbar/ die Schriften viel= mals verfaͤlſchet/ und auch uͤm das Gelde nicht zu bekommen geweſen.

12. J. Iſt nun ſolcher Erfindung Nutzen ſo groß und gereichet zu der Teut= ſchen unſterblichen Ehrenruhm/ Was verurſachen dann die Stucke/ und das Buͤchſenwerk fuͤr Schaden/ und Nachtheil?

13. V. Es hat vor Zeiten der Teutſchen Roͤmiſcher Scribent gezweiffelet; Ob der Goͤtter (wie er vermeinte) Genade oder Vngenade zuzuſchreiben/ daß ſie keine Gold=oder Silberbergwerke haben: vielmehr hat man zu zweiffelen Vr= ſach/ ob nicht die Erfindung des Geſchuͤtzes billicher dem Goͤttlichen Zorn/ als 1378.ſeiner Begnaͤdigunge beyzumeſſen. Kein guter Engel hat es dem erſten Vrhe= ber in Sinn gegeben/ und iſt ſo wenig von den Chineſeren/ als das Buchdrucken in Teutſchland kommen/ weil bewuſt/ daß zur ſelben Zeit die neue Welt und China noch nicht bekant geweſen. Pancirol. Beſold. de invent. Bombard. Was ſolte doch Plinius hiervon geſagt ha= ben/ der den verflucht/ welcher zum erſtenmal den Poltz befedert/ D. Luther gebraucht dieſes Wort deſſelben moͤr= deriſchen Gewalt ſo viel ſchneller zu beſtaͤrken?

in der Vermahnung zu Aufrichtung der Schulen/ ſich mit fremdem Lobe befederen.

14. A. Iſt des Menſchen Leben nicht kurtz genug/ daß man faſt aus der Hoͤl=CXCVII. len Mittel erſuchen muß ſelbes zu unterbrechen?

15. R. Spieſſe/ Degen/ Dolgen/ Saibel/ Stillet iſt nichts als Kinderwerk ge= gen dieſen Mordwaffen zu achten. Der Hagel/ Blitz/ Donner/ Stral und alle grauſamſte Wetter/ welche der Zorneifer Goͤttlicher Majeſtaͤt auf die Erden ge= ſchuͤttet/ haben ſo viel Menſchen nicht hingerichtet/ als die Piſtolet/ Tercerol/ Muſqueten/ Carabiner/ Feldſtuͤcke/ Schlaͤnglein/ Falkoneten/ Moͤrſner/ Pe= darten/ grobe Stuͤcke/ Orgelpfeiffen/ Hagelgeſchoß/ u. d. g. dardurch man die Staͤtte/ Flecken und Doͤrffer in die Aſchen/ die Menſchen tauſendweis lebendig in die Graͤber/ ja die Seelen in ihrer Vnbußfertigkeit vorſetzlich und mit gutem Bedacht in das ewige Hoͤllenfeure ſtuͤrtzet.

16. C. Bey dieſem allen laͤſſet man es noch nicht verbleiben/ ſondern man ge= brauchet ſich vergiffter Kugel/ Granaten/ welche mit vielen Raquetlein ausge= fuͤllet/ groſſe Kgelen/ die Ketten Steine/ oder kleine Kugelen von ſich werffen: und weil man ſich der boͤſen Geiſter ſelbſten nicht ſichtbarlich gebrauchen kan/ ſo bedienet man ſich ihres Elements des Feures/ auf unzaͤhliche Weiſe.

CXCVII.

17. D. Der arme unſchuldige Soldat/ nachdem er viel Jahre in Hunger und Kum ̅ er/ oftermals mit Waſſer und Brod/ (welches man auch denen die auf den tod gefangen liegen/ nicht verſagen kan) verliebnehmen muͤſſen/ wird durch einen ungefehren Schuß dahingerafft/ und verkauffet ſein Leib und Seele uͤm die thoͤ= richte Hoffnung groſſen Reichthum zu erwerben. Ihm iſt die Vrſach des Krie= ges gantz unbewuſt/ die Gefahr beſtaͤndig vor Augen/ ſein Beruf Gott vergeſſen/ und taͤglich allerley Suͤnde/ Schande und Laſteren zu veruͤben.

18. J. Mit was Gewiſſen kan der in den Tod gehen/ der die Armen beraubet/ die Vnſchuldigen ermordet/ ſeine Nebenbruͤder und Mitchriſten verbrennet/ und gegen die Frommen ſich als ein lebendiger/ eingefleiſchter Teuffel erweiſet?

19. R. Die Erfindung dieſer verderblichen Kunſte kommet allem Augenſchein nach/ von der Chimia her/ welche der Metallen und Mineralien Eigenſchaft auf das ſubtilſte unterſuchet und erforſchet Wann man alſo den trefflichen Nu= tzen der Buͤcher/ gegen den erſchrecklichen und unausſprechlichen Schaden des Geſchuͤtzes halten wil/ wird ſich befinden/ daß viel tauſend Menſchen mehr durch dieſe uͤm das Leben gebracht/ als durch jene erhalten worden. Dann ob zwar auchCXCVII. das Geſchuͤtze zum Schutze wider allerhand Gewalthaten zu gebrauchen/ ſo iſt doch leider/ Gott erbarme es/ der Mißbrauch weit groͤſſer als der Gebrauch ſelb= ſten.

Veſpaſian.

CAnonen/ grobe Stucke/ Degen und Spieſe ſind zu Kriegszeiten un=CXCVIII. Die Gaſte= rey. ſere oͤffentliche Feinde; Zu Friedenszeiten die groſſen Hofbecher/ Glaͤſer und Kannen/ welche bey den Gaſtmahlen von den Kriege= ren inder Fuͤllerey gebrauchet werden. Zu Behuf aber der Geſpraͤchſpiele ins gemein wollen wir etliche Erfindungsqwellen oͤffnen/ aus welchen von allen Sa= chen uͤberfluͤſſige Geſpraͤche zu erſchoͤpfen. Die erſte ſol ſeyn die vormals er= waͤhnte.

Wortart. I.CXCVIII.

Hierunter gehoͤret alles was von der Ankunfte/ Ableitung und Verdopplung eines jeden Wortes zu ſagen iſt/ als/ Gaſt iſt das Stammwort/ heiſt den der bey einem die Einkehr nimmet/ und als ein Fremder oder Freund bewirtet wird.

2. C. Daher kommet Gaſterey/ Gaſtgeb/ Gaſtiren oder zu Gaſtbitten.

3. D. Wie auch Gaſtfrey/ Gaſtung/ Gaſtbar oder Gaſtpar/ Vngaſt= bar/ Nimmerwirt.

4. A. Jenes iſt ſo viel als Gaſtfrey ſeyn/ oft Gaſtbote oder Gaſtgebote er= gehen laſſen/ und wird der Ort/ da ſolches beſchihet/ genennet der Gaſthof.

5. R. Gaſtrich ſumitur pro guloſo & obſcœ- no. Ariogaſtus. Sigaſtes. Segeſtes. Arbogaſtꝰ. wird geſagt als Gaſtriechend/ deſſen man nach dreyen Tagen genug hat Einen Schmarotzer kan man nennen Gerngaſt. Erbgaſt iſt der Zukoͤmmling/ der ein unverhoffter Gaſt bey dem Erbe iſt.

6. J. Man ſagt auch das Gaſtrecht/ die Gaſt=oder Ehrengabe/ Gaſtli= ches Geſpraͤch/ u. d. g.

7. V. Hierbey moͤchte man allerhand Sprichwoͤrter von den Gaͤſten und Ga= ſtungen herbeybringen. Die andere Quelle ſol ſeyn

Die Wirkurſach. CXCVIII. II.

Darbey zu betrachten/ wer die Gaſtungen zu halten pfleget.

8. C. Gott der Allerguͤtigſte Haußvatter haͤlt alle Menſchen in dieſem Leben zu Gaſt/ und ſpeiſet jeden wie er wil und zu Zeiten verdienet hat.

9. D. Kaͤiſere/ Koͤnige/ Fuͤrſten haben praͤchtige Mahlzeiten gehalten/ welche zu erzehlen lang=hinderlich ſeyn moͤchte.

10. A. Auch geringere Leute haben ſich zu Zeiten/ mit ihren Freunden und Ver= wandten ergetzet/ wie von den Ertzvaͤtteren bekant iſt.

11. R. Die Juden ſind alle Feſt=und Sabbathtage zuſammen kommen das Brod zu eſſen/ und ſich mit freundlichen Geſpraͤchen zu unterhalten.

12. J. Die Vaͤtter haben ihren Kinderen und fremden Gaſtmahle angeſtellet/ wie auch der Erſtgeborne ſeinen Bruͤderen und Geſipten.

13. V. Die dritte Qwelle mag ſeyn

Die Endurſache. III. CXCVIII.

Nemlich es ſind Gaſtereyen gehalten worden/ zu Beweiſung des Prachtes.

14. C. Freundſchaft und Bindniſſen zu ſtifften und zu bekraͤfftigen.

15. D. Auch wol von Anſtellung des Krieges zu handlen/ wie wir von den al= ten Teutſchen leſen.

16. A. Von den Hochzeitlichen Gaſtungen iſt bekant.

17. R. Wie auch von Toden=Mahlzeiten/ welche jaͤhrlich zu Angedenken ihrer Stiffter gehalten worden.

18. J. Von den Geburtstaͤgen und derſelben Begaͤngniſſen were gleichsfalls viel zu ſagen. Hieher gehoͤret meines Erachtens von Gebrauch und Mißbrauch der Gaſtungen zu reden/ wann alles nach der Laͤnge ſolte verhandelt werden.

19. V. Folget zu bedenken die vierte Qwelle/ nemlich.

IV. die Vmſtaͤnde.

vorweſender Sachen/ als die Zeit/

20. C. den Ort.

21. D. Die Perſonen oder Gaͤſte.

CXCVIII.

22. A. Derſelben Zahl und Geſelſchaften.

23. R. Ihr Thun und Laſſen/ Vnterſcheid.

24. J. Die Speis und das Trank ſo aufgetragen wird.

25. V. Dann kommet zu bedenken

die Gleichheit/ V.

Mit welchen Stucken eines ſich mit dem anderen vereinbaret/ und dann

der Gegenſatz. VI.

da von der Einſamkeit/ vom Hunger und Durſt/ vom Trauren/ von GenieſſungDieſer Er= findungs qwellen ſol= le ̅ in folgen= dem Theile volſtaͤndig ausgefuͤh= ret werden. ungewohnter Speiſen/ u. d. g. zu reden ſeyn ſolte. Hier darf man der beſagte Ordnungsfolge nicht ſo eben nachſetzen/ ſondern es ſind dieſe Titel oder Erfin= dungsquellen zu dem Ende beygebracht/ damit man ſich eines oder des anderen leichtlich erinneren/ und von allen und jeden zu reden wiſſe. Zum Exempel be= denke ich daß Eva in dem Stande der Vnſchuld von dem Baume des Lebens ge= noſſen; und daß wir Sterbliche taͤglich eſſen uns des Todes zu erwehren. Die CXCVIII. II. III. VI.natuͤrliche Waͤrme verzehret die Grundfeuchte unſerer Leiber/ daß wir vonnoͤhte ̅ haben ſolchen Abgang durch die Speiſen wiederuͤm zu erſetzen. Dieweil aber das Eſſen eine faſt Viehiſche Sache iſt/ und auch die allerſchoͤnſte/ wann ſie die Ba= cken mit Speiſen angefuͤllet hat/ ungeſtalt ſcheinet/ Les plai- ſirs des Da- mes dans le Banquet. hat die Natur dem Eſſen und Trinken eine Beluſtung und Begierde eingeſchaffen: Geſtalt unwiderſprechlich wir in Beſpeiſung unſeres Leibes/ und Fortpflantzung unſeres Geſchlechtes den Thieren/ im Reden dem Menſchen/ in den Gedanken den Englen zu verglei= chen ſind.

III. VI.

26. C. Durch Hunger und Durſt bezwinget man die Feinde/ durch Eſſen und Trinken die lieben Freunde.

IV.

27. D. Wo die Liebe Hofmeiſter iſt/ da loͤſen die Kraͤmer Gelt. Die Liebe ſage ich/ die entbloͤſſet gemahlet wird/ zu bezeugen/ ſie ſey dem Geitze feind: Sie hat Fluͤgel alle Elementa eiligſt zu durchſuchen/ damit man Vrſach habe ein groͤſſe= res Feuer in der Kuchen zu machen/ u. d. g.

28. A. Der Bauch iſt der Teutſchen abſcheulichſter Goͤtz. Viel eſſen nicht uͤm zu leben/ ſondern leben uͤm zu eſſen/ und ſich von dem Raube aller Elementen zu erſaͤttigen. Man bedarf ein kleines Feld einen Ochſen zu ernehren; Viel Ele=CXCVIII. fanten koͤnnen in einer Wildniß leben: aber die Menſchen wollen noch von dem Meere/ noch von der Erden ihren Luſthunger erſaͤttigen.

29. R. Wahr iſt es/ es erheiſchet nicht die Noht/ ſondern unſere boͤſe SittenIV. ſo uͤbermaͤſſigen Vnterhalt. Der Hunger iſt ein ungeſtuͤmmer Glaubiger/ laͤſt ſich aber mit geringer Koſte auch abſpeiſen; da hingegen unſer angewehntes Begin= nen unerſaͤttlich iſt. Die alten Teutſchen haben des Tages nur einmal zu eſſen pflegen: Die Mitternaͤchtiſchen Voͤlker/ die kaͤlter und gefreſſiger ſind als wir/ haben die Gewonheit zweymal zu eſſen in Teutſchland gebracht.

Ludovic. Viv. IV.

30. J. Da man Saltz und Honig fuͤr Pfeffer und Zucker gebrauchet/ ſtande es in Teutſchland ſehr wol: Nun wir aber das Gewuͤrtz/ fremde Krankheiten und fremde Laſter einkommen laſſen/ muß man ſich auch fremder Artzneyen gebrau= chen: wie wol ſcheinet/ daß die in unſerem Lande befindliche Gewaͤchſe unſeren Lei= besbewandtniſſen viel anſtaͤndiger als auslaͤndiſche.

31. V. Die Chriſten haben bey den Indianeren die Religion gepflantzet/ hinge= gen aber durch ihre Kaufſchaften die Gottesfurcht und Tugend ausgewurtzelt.I. CXCVIII.Wann man den Armen ſo viel vorleihen ſolte/ als man oftermals bey einer Ga= ſtung verpraſſet/ ſo wuͤrde man ſonders Zweiffel die euſſerſte Vnmoͤglichkeit ein= wenden/ was aber zum Wolleben erfordert wird/ das mangelt niemals.

32. C. Deswegen haben auch die Teutſchen einen ſchlechten Nachruhm/ daß ſie ihre Freundſchaft durch Trinken ſtifften/ wie die Soldaten durch die Gefahr/ die Gelehrten durch Buͤcher und Briefe/ die Kaufleute durch den Gewinn.

33. D. Jedoch iſt denkruͤhmlich/ daß die hoͤchſten Reiche dieſer Welt allezeit bey denen beſtanden/ welche das Trinken ſonderlich beliebet. Die Chaldeer/ Perſer/ Eſther. 3, 15.Griechen/ Roͤmer/ als der nach und nach folgenden Haubtreiche Regenten/ ſind alle vortreffliche Zechbruͤder geweſen: Von Cores/ Alexander dem Groſſen iſt nicht zu zweiffelen/ von den Roͤmeren aber lieſet man/ daß ſie ſich und ihre Thie= Plin. l. 14. c. 22.re zu uͤbermaͤſſigen Trinken benoͤhtiget. Daß nicht zu verwunderen kommet/ wan ̅ wir Teutſchen/ nach wolhergebrachter Gewonheit/ uns das Roͤmiſche Reiche nicht abtrinken laſſen wollen.

34. V. Wolte man nun von jedem Gerichte abſonderlich reden/ wuͤrde die Zeit und nicht das Geſpraͤch ermanglen; als/ ein Ey iſt ein gemeines Ding/ und wird doch auf vielerley Weiſe zugerichtet/ und in den Schalen geſotten/ auf dreyerleyCXCVIII. U. Aldro- vand. l. 14. Ornithol. c. 1. Art eroͤffnet: Die Juden machen das Ey bey der Spitzen auf/ und ſo etwan ein Troͤpflein Blutes (daraus des Vogels Hertz geformet wird/) darinnen iſt/ ge= nieſſen ſie ſolches nicht etia ̅ Ova Paſchalia Stengelii. & M Majer. de volucri arborea. c. 9 VII. Die Welſchen eroͤffnen das Ey oben/ und wir Teutſche auf der Flaͤchen oder Seiten. Daher faͤllet mir bey daß ich zuvor den Titel von

der Form

oder Beſtaltung eines Dinges zu ſagen vergeſſen/ welches doch eine wichtige Be= trachtung iſt/ und noch etlicher Affter=oder Vntertheilung Subdivi- ſio. (wie auch alle vor= beſagte Erfindungsqwellen) vonnoͤhten hat.

Julia.

ISt dann ſo viel an der Form gelegen?

CXCIX. Der Ge= ſpraͤchſpiele Form.

2. R. Freilich/ dann in der Form das Weſen eines jeden Dinges hafftet/ forma dat eſſe rei. von welcher es auch vielmals den Namen erhaͤlt; und iſt denkwuͤrdig/ daß jener Frantzos ſchreibet/ er habe geſehen/ und mit den Bren ̅ neſtelen die Prob CXCIX.ſelbſt gethan/ wie die Aeſchen von Kraͤuteren und Blumen in den Diſtillirkolben die vorige Geſtalten wieder an ſich nehmen/ und daß aus ſolchem Kunſtucke die Auferſtehung des Fleiſches/ auch aus natuͤrlichen Sachen zu ſchlieſſen. Gaffarel in den uner= hoͤrten Sel tzamkeiten am 101. Bl. Guercet. c. 23. contra Anonym. & Ang. Sa- la in Exegeſ. Chimiat. f. 396. Verulam. de Aug. Scient. f. 168. ☞ CXXII ☞ CXIX. ☞ C LXVIII.

3. V. Ich wil ein leichteres Gleichniß geben/ und erweiſen/ daß viel an der Ge= ſtalt gelegen: Ein rundes Holtz kan leichtlich von einem Berge abwaltzen/ wann es aber eckicht behauet iſt/ wird es an der Haͤnge bald erliegen. Es iſt ein anderes ſchoͤn/ ein anderes ungeſtalt ſeyn.

4. D. Ja/ nicht nur alles was mit den Augen geſehen wird/ hat ſeine beſondere Geflalt und Form; ſondern man kan auch in dem Sinne bilden das ſonſt un= ſichtbare/ welcherley von den weſentlichen Dingen abgeſonderte Betrachtungen Platonis Ideen geweſen/ als die Geſtalt der Kaͤlte/ des Liechtes/ der Hitze/ der Stimme des Menſchen/ u. d. g.

5. V. Von den Form der Geſpraͤchſpiele zu gedenken/ moͤgen ſelbe in ge= bundener und ungebundener Arte verfaſſet werden. Gebundene ſind/ in wel= chen gewieſe Buchſtaben/ Anfangs oder zu Ende der erheiſchten Antwort/ * oder in den Erzehlungen auszulaſſen bedinget werden. *

6. C. Aus den Buchſtaben werden die Sylben zuſammengeſetzt/ daher wirCXCIX. ☞ CXLII. CXLVI. ☞ CXL. ☞ LXXX II. ☞ C XLIX. 5. ☞ LXXX IX. XCI. ☞ XCIV. von den Vor=und Nachſylben Species ſub diviſæ. juͤngſthin Spiele angefuͤhret.

7. D. Aus den Sylben entſpringen die Woͤrter; und koͤnnen ſelber Verdop= pelungen Species ſubdiviſæ. in den Geſpraͤchſpielen betrachtet/ oder etliche bedinget Species ſubdiviſæ. oder zu verhuͤten Species ſubdiviſæ. aufgegeben werden.

8. A. Oder auch wann man verbunden iſt von einer gewieſen Sache etwas fuͤrzubringen/ als von den Bonen/ Species ſubdiviſæ. von einer gewieſen Zahle/ von den Bienen. Species ſubdiviſæ. u. d. g.

9. R. Oder daß ſolcher Aufgabe Materi oder Geſchlecht erſtlich unterſu= chet/ nachmals deſſelben Arten afftertheilet Species ſubdiviſæ. werden: welchermaſſen von den Sternen gedacht worden/ von den Planeten/ ihrer Wirkung/ ihrer Geiſtlichen Deutunge/ von den Himmelslinien/ Erfindung der Sterne Lauf/ u. d. g. Bey dieſen und dergleichen Fragen iſt ſonderlich der Seneſer Vermahnung zu beob= achten/ daß der Erheber des Spieles ſich nicht nach ſeiner Perſon/ ſondern nach ber Geſelſchaft richten ſolle/ und einen ſolchen Vortag thun/ welchem alle etwas CXCIX.beybringen/ und den meiſten derſelben angenehm ſeyn moͤge. Jener Stu= dent/ welcher von des Affen affabilitet An Simia poſſit dici affabilis. ein Geſpraͤchſpiel anfangen wollen/ wurde billich darmit von der Geſelſchaft zu rucke gewieſen: wie auch in einer ande= rer Zuſam ̅ enkunft ein Rittmeiſter nicht wenig Gelaͤchter verurſachet hatte/ als er an ſtat ſeines Spieles aufgabe/ Es ſolte ein jeder/ oder jede ein veruͤbte ritterli= che That erzehlen/ darauf eine Jungfrau geantwortet/ ihre ritterliche That were/ daß ſie ein kleines ſchwartzes geſchwind=und den Weibsperſonen ſehr beſchwerli= ches Thierlein getoͤdet; Eine andere ſagte/ daß ſie ihren Geſchmack und Geruch uͤberwunden/ und eine Artzney/ die ihr ſehr zuwider geweſen/ genommen; Die dritte erzehlete/ wie ein Pferd unter ihr gefallen/ und daß ſie fuͤr eine Rittersthat halte/ daß ſie wieder aufgeſtanden/ u. d. g. Es iſt zu anderer Zeit Meldung be= ſchehen/ daß zu den Geſpraͤchſpielen zum wenigſten drey/ zum meinſten neun Vnterredere ſeyn ſollen: Nach dieſer Anzahl kan der Anfaͤnger ſolcher Spiele ſich auch richten/ und nichts auf die Bahn bringen/ darvon nur wenig zu ſagen iſt/ und in dem Ja und Nein beruhet; ſondern vielmehr Gelegenheit geben zu weitlaͤufftigem Geſpraͤche/ ob ſolches gleicht zu Zeiten keinem Spiele gleichen ſol=CXCIX. te; wann nur der beliebte Nutzen/ in Ausuͤbung des Verſtandes/ der Sprache und anſtaͤndiger Gedanken daraus zu erwarten.

10. A. Wie kan man aber die Spiele aneinander hangen? Oft geſchicht es/ daß einem nichts beyfallen wil/ wann man ſich gleich zuvor auf mancherley be= dacht hat.

Reymund. CC. Das Buch= ſtabſpiel.

UNnter allen Arten/ die Geſpraͤchſpiele nach und nach auf=und anzu= fuͤhren/ bedunket mich die fuͤglichſte ſeyn/ welche aus vorhergehen= den Reden genommen wird; da dann leichtlich etwas zu erſinnen/ oder zu fragen/ was man zuvor nicht genugſam verſtanden hat/ (dann eine fei= ne Frage aufgeben/ hat ſo viel Ruhms als ſelbe mit Verſtand beantworten) oder aus einem Worte ein neues Spiel zu finden/ wie ich mich erinnere/ daß einer CC.alſo geſchloſſen; keine Jungfrau kan mit Recht ſchoͤn genennet werden/ welche nicht das wahre Lob erhaͤlt der Keuſchheit: und der andere die Buchſtaben in dem Worte Keuſchheit den anweſenden ordentlich ausgetheilet/ und der geſtalt uͤmgefraget/ daß jedem obgelegen/ etwas von der Keuſchheit nach dem Abc zu ☞ XXII. XIII.erzehlen. Es iſt ihm aber ſeine Beyſitzerin untergefahren/ und hat ihme auferle= get/ er ſolte ſagen/ wie drey Dinge von einem Buchſtaben beginnende ſich zuſam= men ſchicken?

K

2. J. Als vom K anzuheben: Eine Kuhe/ ein Kees und eine Katz.

3. R. Von der Kuͤhe Milche wird der Kees gemacht/ welchen die Katz friſt.

e

4. V. Der Herr ſage/ wie ſich zuſammen ſchicket: Ein Eſel/ Eiſen und Eiß.

5. R. Dieſes iſt leicht/ nach dem Sprichwort/ wann dem Eſel zu wol iſt/ ſo gehet er auf das Eiſenkalte Eiß/ und bricht ein Bein.

u

6. C. Eine Vhr/ ein Vnterthan/ der Vndank.

7. R Ein undankbarer Vnterthan iſt gleich einer Vhre/ welche nicht lang richtig gehet/ ohne Gewichte.

8. D Die Schoͤnheit/ einen Schirm/ und die Schalkheit.

9. R. Die Schoͤnheit iſt ein Schirm/ hinter welchem ſich die SchalkheitCC. ſ zu verbergen pfleget.

10. A. Citronien/ Caſſandra und Carfunkel.

11. R. Wie Citronien unter den Fruͤchten/ und der Carfunkel unter denc Edelgeſteine ̅ / alſo erhaͤlt Jungfer Caſſandra den Preiß unter den Jungfrauen.

12. J. Nun folgen zwey H. Ein Hauß/ ein Haan/ und ein Hund.

13. R. In dem Hauß iſt der Haan/ vor demſelben der Hund.

h

14. V. Ein Hirſch/ ein Haſelhun/ und der Hunger.

15. R. Fuͤr den Hunger hilfft dieſes und jenes.

h

16. C. Ein Elefant/ ein Edelmann/ und die Ehrſucht.

17. R. Die Ehrſucht iſt faſt die groͤſte unter allen Laſteren/ wie der Ele=e fant unter allen Thieren; ſtehet einem Edelmann uͤbel an.

18. D. Eine Infel/ Immen und Indien.

19. R. Der Immenkorb gleichet faſt nach der Form einer Infel/ doch muͤſ=i ſen die Immen in Indien weit groͤſſeren Raum haben/

20. A. Ein Teppicht/ einen Tnrren/ und eine Thuͤr.

t CC.

21. R Der Teppicht/ in welchem ein Turre ̅ gewuͤrket iſt/ haͤnget vor der Thuͤr.

22. D. Vnter den ungebundenen Spielen finden ſich alle andere/ welche von nichts gewieſes handlen/ als da ſind: Lachen des Vngelachten/ fragen das Vnbefragte/ betrachten das Vnbetrachte/ wer was weiß der ſage es/ und viel dergleichen. Es iſt aber ſonderlich aus ſothanen Arten der Geſpraͤch= ſpiele zu erſehen/ wie leicht es ſey/ dergleichen an=und aufzufuͤhren. Was man koͤnnen wil/ das muß man lernen und uͤben: es iſt alles zu erhalten/ durch Luſt und Muͤhe!

N. I.
Beglorwuͤrdigung der Geſpraͤchſpiele. ES iſt ja leider wahr/ daß Kunſt und Wiſſenſchafft (drauf doch der Menſche ̅ Heil und Laͤnder Wolfahrt drauff alle Weisheit ruht/ drauf ſich auch Tugend gruͤndet.) (hafft/ Jetzt gar verachtet ſteht: So daß man wenig findet die dieſer edlen Gab’/ aus Eifer/ jagen nach/ als ihrem Eigenthum; Nein: dieſe wehrte Sach’ und unermeſſnes Gut iſt ihnen gantz zu wieder/ der Geiſt der haſſet ſie/ des Leibes faule Glieder empfinden Eckel dran/ und ſcheuen ſich fuͤr ihr. Wie? wunderſt du dich drob? die Vrſach iſt ja hier: Dieweil der Lehrer Zunft (ſo unſrer Jugend pflegen/) vermeinen/ daß ſie gantz nicht koͤnnen/ als mit Schlaͤgen/ mit ſteter Rutenzucht/ mit Schelten und Geſchrey/ die ſuͤſſe Wiſſenſchafft der Jugend bringen bey. Daher geſchihet diß; daß meiſtlich alle Kinder viel lieber muͤſſig gehn/ ja huͤten Schwein und Rinder/ Seynd dienſtbar/ lauffen eh’ dem grimmen Kriege nach/ erdulten Hunger/ Durſt/ Froſt/ Hitz’ und Vngemach; Nur daß ſie dieſer Plag’ und ſteten Marterwehen einſt muͤgen kommen ab; Seynd froͤlich zu entgehen des ſcharffen Meiſters Hand: veraͤndern alle Gunſt (da ſie der Muſen Schaar und deren freyen Kunſt mit waren zugethan) im Groll/ Verdruß und Haſſen. Der Spielend’ aber weiß viel beſſer diß zu faſſen; Er bringet alles/ das man wiſſen ſoll und kan/ mit Luſtund Lieblichkeit/ durch Spielen auf die Bahn. Hier hoͤrt man kein Geſchrey/ kein Schelten/ Zoͤrnen/ Weinen/ noch ſo verdruͤßlichs was: Nein/ nein/ wer hier erſcheinen bey dieſen Spielen wird/ der findet lautre Luſt/ auch Wonn’ und Froͤlichkeit. Allhier wird jede Bruſt gelehrt und unterricht/ durch Lieb’ in ſuͤſſen Spielen:In Spielen; die dahin gantz unvermerket zielen/wie doch/ durch Spielen/ uns das werde beygebracht/ ſo ſonſten in gemein/ bey Morgen/ Tag und Nacht/ durch Muͤh’ und groſſen Fleiß/ gar ſauer wird erlernet. Komt/ komt deswegen her! Ihr Lehrer/ und entfernet Euch mit der Jugend nicht von dieſer ſchoͤnen Art: Schaut wie ſo Freudenreich/ wie doch ſo ſuß und zart durch Spiel der Spielend’ euch ſchier alle Weißheit zeiget.Steht einem ſein Gemuͤht zur Gottesfurcht geneiget/hier find er ſie im Spiel. Die Rechte haben hier ihr Vbung eben wol. Allhier wird mit Manier auch von Artzney geſpielt. Krieg/ Friede/ Tod und Leben/ Kunſt/ Tugend/ Warheit/ Gluͤck/ Natur und Weißheit ſchweben bey dieſen Spielen ruͤmb. Der hohe Koͤnigs Stand/ Fuͤrſt/ Adel/ Bauersmann/ das trachtbar’ Ackerland/ Druck=Mahl=und Kupferwerk/ ſcharf ſchnitzen/ Bilder hauen/ Schach=Damen=Ritterſpiel/ Muſicke/ Schloͤſſer bauen/ Lieb’/ Ehe/ Lachen/ Troſt/ Gold/ Eitelkeit der Welt/ Wein/ Dantzen/ Springen/ Luſt/ wird alles dargeſtellt in dieſem Spiel=Geſpraͤch’: Hier ſpielt man von Soldaten/ von Sprachen/ von Wolthun/ wol reden und wol rahten/ von Keuſchheit/ Redligkeit/ Furcht/ Hoffnung/ Reichthum/ Zahl/ von Roſſen/ Schiffen/ Wind/ von Armut/ von der Wahl/ und von dem Element. Der Sternen ſchoͤne Gaͤnge ſicht man ingleichen auch bey dieſem Spiel=Gepraͤnge:Die Engel kommen ſelbſt auf dieſen Spiele=Plan;Der Jaͤger/ durch dis Spiel/ auch viel erlernen kan. Die Laͤnder/ die man ſonſt durch Waffen nicht kan zwingen/ die weiß der Spielend’ her in diß ſein Spiel zu bringen. Der Hofmann lernet hier/ hier lernet der Poet/ und zwar bey Spielen nur/ was ihnen wol anſteht. In Summa nichtes iſt im Himmel/ auf der Erden/ im Meer und in der Luft/ ſo nicht ſoll koͤnnen werden vom Spielenden durch Spiel/ mit Froͤlichkeit gelehrt/ und nuͤtzlich fuͤrgebracht. Daruͤmbleibt unverfaͤhrt Herr Spielender/ mein Freund; Euch muß nicht irre machen des Momiſchlimme Schaar; laſt ſie hin immeꝛ lachen nach ihres Abgotts Art. Spielt ihr nur freudig fort/es geht ja ewer Spiel ſchon ruͤm von Ort zu Ort.Alſo daß ewer Nam’ und Spiele werden bleibenſo lang/ als unſre Welt wird ſpielen/ reden/ ſchreiben/ ja biß wir alle ſehn/ in jener ſchoͤnen Zeit/ Wie fuͤr dem HERREN ſpielt der HERR der Herrligkeit.Sprichw. 8/ 30. 31.

Der Vielgekoͤrnte.

II. BEruͤhmter Edler Herr/ wolſpielend mit Verſtande/Hochwehrter Foͤrderer der Sprach’ und Vaterlande/Was ſoll fuͤr eure Muͤh’ und ſchoͤnes Buͤchelein/wol immermehr der Dank und Gegengabe ſeyn?Wir laſens durch mit Luſt/ wir ſahn an manchem Orteder Fraun von Freudenſtein bedachtſam=weiſe Worte:Vnd die Schoͤnliebin gab klugreiche Red’ herfuͤr/wie wuſte Keuſchewitz mit Keuſchheit/ Witz und Zier.Wer iſt der/ fragte man/ der die Geſelſchaft fuͤhret/Bey dem ſo wahre Gunſt das Frauenzimmer ſpuͤret?Der ſich macht ſo beliebt mit gar bequemer Kunſt.Wir ſchenken ihm (nicht Geld) ein Ehrenwunſch und Gunſt:Es ſey ſein Lebenslauf auf Freudenſtein gebauet/die kluge Kenſchewitz bleib ewig ihm vertrauet/Schoͤnliebin/ trag’ ihm zu den guͤldnen Band bereit/Luſt/ Freude/ Liebe/ Ruhm/ verzuͤckre ſeine Zeit. Braunſchweig den 6. Hor= nung 1644. Dem Wol=Edlen Herrn/ genant Dem Spielenden/

ſendet dieſes aus Ehrenguͤnſtiger Gewogenheit

Clara Maria Domwaldin.

III. DEine Spiele voller Luſt/Ohne Zankſucht und Verluſtmich in mir ſo gar ergetzen:daß ich/ ſonder Kluͤgel=ſcheu/wolt all meine Zeit dabeymit zuſpielen bahr aufſetzen.Weißleich heiſſet das geſpielt/wer ſo/ wie der Spielend ziehlt:Ob er auch an Zeit verliehret;doch/ verliehrend er gewint/(als der Suchend ſucht und findt)was Frucht bringet/ freuet/ zieret. Geſchrieben in Benfeld/ den 1. Chriſtmonats 1643. ſchreibts ſeinem hochgeehrten Freun= de zu Bezeugung Alt=Teutſcher beſtaͤn= diger Treue

Hans Michel Moſchroſch von Wilſtaͤdt.

IV. NVn hat das Spiel ein End/ ſo Teutſchland lang verwirret/ſo vor und mit dem Krieg ſpielt’ uͤm die Teutſche Sprach/daß aus derſelben wurd ein ſolche Wunder=Sach/in der ſich niemand mehr/ als Teutſche ſelbſt/ verirret.Die edle Teutſche Sprach/ die zu den erſten Zeiten/da viel aus einer Sprach ſind worden/ hat alleinerhalten/ daß ſie moͤcht’ ein Helden=Sprache ſeyn/die reiche Teutſche Sprach/ mit ihren Zierligkeiten:Die reine Teutſche Sprach/ mit ihren ſatten Worten/ward dergeſtalt vermiſcht/ verwelſcht/ vermumt/ verſtellt/mit fremder Art und Farb/ das in der gantzen Weltkein ſolches Muſter war/ wie in den Teutſchen Orten.Man redete nicht mehr von Sachen und Geſchichten/nur von affairen gieng es diſcurirlich her/kein Schrift wurd mehr verfaſt/ kein Brief verſchicket mehr/Incaminirt, ſpedirt, darnach muſt man ſich richten:Darnach muſt unſer Sprach ſich faconiren laſſen/O pfui dich der facon! Habt ihr ſie mit gebracht/ihr wolgereiſte Leut/ die ihr an nichts gedachtin euren Reiſen/ als/ was eitel iſt/ zu faſſen?Koͤnt ihr die Welſche Sprach/ ſo laſſet ſie Welſch bleiben:Laſt Spaniſch/ Spaniſch ſeyn/ das Teutſch hab Teutſche Wort:Warumb behelfft ihr euch des Stimplens immer fort/aus vielen eine Sprach/ Stuͤck=und Flickweiß zu ſchreiben?Wann ein gemeiner Mann ſein unvergreifflichs Denkennach Hof erſtrecken darff/ ſo frag ich/ ob ſich wolzu groſſer Herren Ehr verwelſcht=Teutſch reimen ſoll?Dann nach des Herren Sprach die Knechte muͤſſen lenken.Wer aber ſelbſt vo Gott mit hoͤchſter Macht geehret/wie ſoll der fremde Sprach mehr lieben als ſein Reich?Wie bald bedeutet es nichts gutes/ wann zugleichdie Zung und das Gemuͤht/ nur fremdes Ding begehret?Man frag die Roͤmer drum/ wie ſie ihr Reich gefuͤhret;Gantz Roͤmiſch muſt es ſeyn; zu vorderſt Hertz und Sinn/dann aber auch der Mund/ man ſchrieb dort und da hinnichts als was Roͤmiſch war/ nichts fremdes wurd geſpuͤret.So ſoll es billich ſeyn. Gott Lob/ daß nunmehr ſcheinet/Es hab das Welſche Spiel mit Teutſcher Sprach ein End/das Teutſch wird wideruͤm fuͤr Hof=gemeß erkent/Teutſch wird noch bluͤhen mehr und ſchneller als man meinet.Das iſt ein Frucht/ die uns Eur groſſer Fleiſſe bringet/Ihr Edle Teutſche Frucht/ die Ihr mit Foͤrderung/mit Gunſt und Kunſt bißher in reiner Teutſcher Zung/was nutzet und behagt/ erfindet und erringet.Vnd Ihr/ Herr Harsdorff/ ſeit uͤm ſo viel mehr zu preiſen/weil Ihr durch Spielen zeigt/ wie ſehr das Spiel verderbt/und ſchier verderbet war/ was Ihr im Spiel erwerbt/das wird der Teutſch Gewinn/ von Teutſchem Spielen heiſſen.Nun ſpielet immer fort/ die Weißheit ſelber liebetdie Spielenden/ und ſpielt mit ihren Kinderleinein manches nutzlichs Spiel. O moͤchte Friede ſeyn/nach langem Kriege=Spiel/ ſo unſer Spiel betruͤbet!Wir wolten immerzu auf einen Spielplatz zielen/da kein Gefahr im Spiel/ da kein Verluſt im Satz/da man gewinnen wied den unerſchoͤpfften Schatz! Da iſt das Spiel/ Gewinn; Gewinn/ ein ewigs Spielen. Straßburg den 12. Seinem ſehrwehrtem Freunde Jenner 1644. uͤber ſchickte dieſes

Joh. Heinrich Boͤckler.

V. DIr bleibt das Tugendvolk zu ſtetem Lob verbunden/weil du die ſchoͤnen Spiel’ in dem Geſpraͤche funden:Dann ob wir folgen nach ſo klug verfaſter Lehr’/und leiſten was du zeigſt/ iſt doch des Anfangs Ehr’in deinem Buch beſteifft. Dein Ruhm bleibt unbetruͤbet/P. Iovius l. 4. Elog. de Chriſt Co- lumbo.ob die Seneſer Zunft dergleichen Spiel geliebetvor langſtverwichner Zeit. War vormals nicht bekantdas neue Weſtenreich/ der Magellaner Strand/der Oſten Silberfluß? Rio de la Plata. Iſt dieſer nicht zu preiſender den verwellten Weg hat wieder koͤnnen weiſen/und mit dem leichten Schiff ſo gar der Sonnen Pfadgefolget/ und die Welt erſtmals umſegelt hat?Benzol. 1. . 5.Wer mochte/ vor Columb/ von kuͤhnen Boots=Geſellendas kumpfe Hennen Ey auf ſeine Spitze ſtellen?Nun iſt die Sache leicht. Ein jeder haͤlt die Fahrt/und juͤngſt beſchifften Weg/ den jener offenbart.Die neue Wunder=Welt hat unſre ſehr bereichet:(wann anderſt groſſes ſich mit kleinem Dinge gleichet)Man bringt Peruer Gold von dar in unſer Land;den Indig/ Ebenholtz/ den theureſten Demant/den Zucker/ das Gewuͤrtz/ die Perle und Corallen/und was von fremdem Land’ uns pfleget zu gefallen.Wie jene ſeltne Koſt die ſtoltze Luſte reitzet/und mit dem Vberfluß niemals erſaͤttigt geitzet:So weiſſeſt du uns hier/ wie Tugend zu erlangen/die nach dem rechten Wehrt ſolt nechſt dem Golde prangen.Der Indig iſt Gemaͤhl/ das Ebenholtz die Sprach’und gibet dein Verſtand dem Demant nichtes nach;Das ſchetzbare Gewuͤrtz ſind hier die Schertz und Reimen/die ſamt dem Zuckerrohr mit ſuͤſſen Fruͤchten keumen/den Spielſtab ich vermein’: Es findet ſich auch hierder roͤhtliche Corall/ der runden Perle Zier/Ich ſage Sinnekuͤnſt’/ uͤm unſre Wort zu ſchmucken/und manche Wiſſenſchaft uns Teutſchen einzudrucken.der Weg iſt ausgebahnt in dieſer Spiele Satz/ein jeder findet hier/ was gleichet einem Schatz’.Er darff dem Sturmerwind ſein Leben nicht vertrauen/des Meeres Silberſchaum/ die Wellenberge ſchauen/und warten daß das Holtz ſo kaumlich Finger=dickzerſcheudre Felſen an/ in einem Augenblick’.Ach nein/ hier darff man nicht ihm ſtetig laſſen grauſen.Man hoͤret nirgend uͤm ſtreng=ſchnelle Winde prauſen.doch treibt der Muſicſchall die Sinne faſt zu Strand:Der kluge Spielregent heiſcht das beſchulde Pfand/ſonſt biſt du nicht gefaͤhrt. In ſolchem Spielgeſchwaͤtze/erhaͤlt man ſonder Muͤh’ oft unerwarte Schaͤtze.Wie ſonſt der Wuchergeitz den Laſtertitel hat;Coͤllen den 25. Jenner 1644.So heiſſet dieſer Spiel’ ihr Tugend Nimmer ſatt! bey geſetzt zu dienſtlichem Angedenken durch Adrian von Meitgerſtein.
VI.
Des Spielenden Denkzettel An den Ehrduͤrfftigen und Nichtsachtbaren H. Kluͤgelmund von Duͤnkelwitz. WAs mommelſt du Mome/ was brummſt du hier?Hinkende Verſe.Was murreſt du wider diß Spielebeginnen?Wie mancherley Fehler=Art kanſt du beſinnen?Wie hoͤniſch und haͤſſig bringſt du ſie fuͤr?Dein’ ecklende Naſen/ dein ſichtiges Augbemerken dich Haaſenim ſchuͤchteren/ dornigten Gauchen=Strauch.2. Verlacheſt/ verachteſt du unſre Sprach’?Hoͤr/ ſchaͤndeſt du nicht dein’ eigene Zunge?vertauſche mit fremden die Leber und Lunge/und warte daß jemand viel fragt darnach.Das Teutſche wird bleiben/ ob dir es nicht liebet;doch ſol es bekleibenwann keiner deins gleichen es niemals uͤbt.3. Behalte des Kluͤgelrechts alten Brauch’Ich denke dir dieſes Orts niemals zu wehren.Wen ſolte des Eſels Anſchreyen verſehren?Man kennet den Richter/ mich Gegner auch/den boͤſen Mißfallen das nennet man Lob/ich laſſe dich prallendeim Vrtheil ſiegt anderer Meinung ob.4. Ein jeder der richtet nach ſeinem Sinn’/iſt etwan ein Buchſtab im Drucken verſehen;iſt etwan die Meinung des Wortes zu drehen/ſo wuͤrfſt du das Buͤchlein mit Eckel hin.Du urtheilſt von Sachen hoch uͤber den Leiſt/es machet uns lachendie Schuſterwitz welche ſich Doctor heiſt.5. Du achteſt die Spiele fuͤr Feder ſchwer.Du haſt ſie vor laͤngſten an Schuhen verriſſen.Wol mache das Deine den Leuten zu wiſſen/komm haſtig/ bring beſſere Sachen her/hoͤr/ kanſt du viel ſagen/ ohn Hohn und Spott;wir wollen dich fragen:Sag/ bringet dein’ Arbeit der hinkend Bott?
Zugabe/ beſtehend in einer Rede von dem Worte SPIEL: Verfaſſet Durch den Spielenden.
Alcaiſche Ode beſchreibend Die kuͤnſtlichen und unkuͤnſtlichen Muſic= Inſtrumenten in vorgeſetztem Kupfertitel. EIn jeder ſteckt ihm ſelbeſt erwehltes Ziel:Der liebet etwan kuͤnſtliche Muſicſpiel’/erluſtigt ſich mit Orglen und Trompeten/ſchlurffenden Zinken und groſſen Floͤten.Poſaunen/ Geigen/ Lauten und anders mehr/beliebet vielen neben der Muſic=Lehr.Ein minderer Geiſt liebt auszuſchweiffen/Bauren und Burgeren aufzupfeiffen.Die Citter/ Leyer/ das ſchallende Jaͤger Hifftim Feld und in den Doͤrfferen Freude ſtifft/ Schalmayen/ Triangel/ Maultrommel liebet der Poͤvel im Zechgemommel.Ein jeder lobt das Seine ſo viel er wil;Vnkunſt’ und Kuͤnſte/ Saiten und Sinne=Spiel’:ich denk’ ihr keinen zu befeden/ hoͤret mich/ hoͤret von Spielen reden!
HIL heiſt in Engliſcher Sprache ein Berg/ und hat der Erfinder hiermit auf ſeinen Namen gezielet.
Zuſchrift an der Hochloͤblichen Fruchtbringenden Geſelſchaft vielmoͤgende Mitgliedere/ den GEHEIMEN und VNVERDROSSENEN/ abgeſehen aus uͤberſchicktem Kupferblaͤtlein hierbey. DIß Sinn=und Kunſt=Gemaͤhl begreifft geheime Sachen/ſo unverdroſſner Fleiß verhuͤllet in dem Bild’/und wer den Grundverſtand zu forſchen iſt gewillt/der ſolt’ hierob uͤmſonſt mit Argus Augen wachen.Das unverdroſſne Liecht der Welt laͤſt nichts verborgen:es lockt der Immenvolk aus ihrem Honig=Hauß;es kreucht hier ohne Muͤh der Qmeishaufen aus;es eilt der Ackermann den Feldbau zu verſorgen.Der Faulwanſt lerne hier ſich in die Zeiten ſchicken/Gleichwie der ſchnelle Fluß eilt in das wilde Meer/ſo triefet Stund auf Stund/ und Tag auf Tag daher:die ſchoͤnen Lentzen=Jahr in ihrer Fluchte blicken.Es zeittelt in Geheim das Bienlein in der Beuten;den tiefen Omeißſchacht verbergt der hele Sand;der Ackermann bedeckt die Saat im faiſten Land’/der unverdroſſne Fleiß befrucht auf allen Seiten.Durch dicken Wolkendamm kan ſich der Adler ſchwingen/ſein unverdroſſne Staͤrk’ hin an die Sonne wagt/ja ſeinem ſtrengen Aug’ der guldne Stral behagt;Er iſt dem Loͤwen gleich in den Gemuͤhts Beginnen.Der Friede fruchte nur mit hertzlichem Erfreuen/das muͤhſam ſuͤſſe Werk/ die Kunſt und Wiſſenskrafftwird werden mit der Sprach’ uns Teutſchen beygeſchafft.Was noch verborgen ruht wird oͤffentlich gedeyen.Das beten in Geheim O R A. und dann den Acker pfluͤgen A R O.mit unverdroſſnem Muht erzwingt verlangte Frucht:So/ daß der Muſen Schaar die ſichre Wohnung ſuchtbey eurem Tugendlob mit hoͤhen Liebsbenuͤgen.Dahero ſcheint ihr Berg als ob er oͤde blieben:ihr Gunſt und Freundlichkeit bey dem Geheimen wohnt/und ihrem Saitenſpiel der Vnverdroſſne lohnt/daruͤm wird ihnen auch die Spielred’ heimgeſchrieben.

Durch den Spielenden.

Des Spielenden Spielrede.

DEr kluge Fabeldichter Eſopus hat/ unter anderen Kunſtgedanken/ der Menſchen unerſaͤttliche Begierden ſolchergeſtalt ausgebildet: Ein Hund/ ſchreibt er/ truge ein Stuck Fleiſch in ſeinem Rachen/ und als er uͤber ein flieſſend Waſſer lieff/ erſahe er in demſelben/ nebenſt ſei= nem Bilde/ des Fleiſches Schatten/ waͤhnend/ es were ein anderes und groͤſſeres Stuck; ward deswegen begierig ſolches auch zu erhaſchen; in dem er aber darnach ſchnappte/ entfuͤhrte ihm der Fluß das/ ſo er zuvor hatte.

2. Ob nun die Erfindung des Dichters eigentlich auf den unerſaͤttlichen Geitz abſihet/ in dem ſelber gleich dem neidiſchen Hunde/ die Vbermaas ſeiner Speiſe aufzuhalten und zu verwahren gedenket; ſich aber inzwiſchen durch den Schat= ten der Gewinnſuͤchtigen Hoffnung/ oftmals in unwiederbringlichen Schaden verleiten laͤſſet: So iſt doch dieſe Erzehlung auch zu der Fremgierigkeit des ver= derblichen Sprachweſens nicht undeutlich und ungereimet.

3. Wir Teutſche fuͤhren in unſerem Munde/ eine Krafft=Verſtand=und Wort= reiche Zunge; in dem wir aber uns darmit nicht erſaͤttigen laſſen/ und die nichti= gen Schattenwoͤrter auslaͤndiſcher Sprachen mit zu erhalten gedenken/ ſtuͤrtzen wir uns und unſere Nachkommen in unuͤberwindlichen Verluſt der endlichenIgnorantia invincibi- lis. Vnwiſſenheit.

4. Mit was Muͤhe und Arbeit werden wir von den zarten Jahren an zu Erler= nung des Lateiniſchen/ des Griechiſchen/ und bisweilen auch des Ebreiſchen ange= ſtrenget? Mit was koſtbarem Vngemach/ mit was Leib=und vielmals auch See= lengefahr erwanderen wir der Welſchen/ Frantzoͤſiſchen/ Spaniſchen und En= gelaͤndiſchen Rede=und Schriftenkundigung? unſere angeborne Mutterſprache/ mit welcher man in Geiſtlichem als auch Weltlichem Stande die Lebensmittel gewinnen muß/ wird verleiſtet; ſie bleibet ohne Vnter=und Nachrichtung erlie= gen/ und weil wir uns in dem Alter zu lernen ſcheuen/ was wir in der Jugend verabſaumet haben/ verachtet/ vernichtet und verlachet.

5. Hingegen fallen wir auf ſchwuͤlſtige fremde Pralwort/ flicken ſelbe unſerer Teutſchen Mundart hin und wieder ein: ja die Sache iſt ſo weit kommen/ daß nicht nur anderer Sprachen Verſtaͤndige ſich fremder Kunſtwoͤrter wolbedaͤch= tig bedienen/ ſondernder ungewanderte Poͤvel bruͤſtet ſich mit vielen Lappwoͤrt= lein hervor/ und vermeinet ſeine Rede ſey nicht anſehlicher/ als mit dem das er nicht verſtehet/ ausgeſchmucket.

6. Doch iſt dieſes Vnheil nicht nur unter geringen Leuten/ mit des Krieges Jammerjoch verbunden/ und den Haubtuͤbelen des zu Grundſinkenden Teutſch= landes beyzurechnen: Sondern es wird durch offentliche Ausſchreiben/ und un= teutſche Handlungen des Teutſchen Reiches beſtaͤttiget/ daß die Gelehrten dar= uͤber in Zwiſt und Zank/ die Vngelehrten in ſtetsblinden Gehorſam geſetzet wer= den.

7. Es hat die Natur ſelbſten jedes Landes Bezirk mit hohen Gebuͤrgen befeſti= get/ mit der Voͤlker Sitten unterſchieden/ durch die mancherley Sprachen ab= geſondert: Wir Teutſche uͤberfahren dieſe Markſteine/ wir unterbrechen das Wolſtaͤndige/ und zerruͤtten die im Sprichwort beruͤhmte Teutſche Treue/ in dem wir/ durch einen neuen Babelbau/ uns groß zu machen bemuͤhet ſind.

8. Allen anderen Voͤlkeren iſt der Ehren=Schutz ihrer Landſprache gleichſam angeboren.

9. Ich will nicht ſagen wie die Griechen und Roͤmer ihr Sprachrecht mit Ruhmwuͤrdigen Eifer jederzeit gehandhabt/ und wie ſich Chriſtliche Koͤnige/ Fuͤrſten und Herren bemuͤhet das Wort Gottes in ihrem Lande/ und ihrer Spra= che euſſerſten Vermoͤgens zu befoͤrderen/ und auf die Nachkommen zu pflantzen/ unter welchen der theure Norden=Held wegen der Schwediſchen/ der CardinalSchuppius de Opinio- ne. f. 43. Richelieu wegen der Frantzoͤſiſchen/ die Hertzogen von Florentz wegen der Wel= ſchen Sprache/ ewigen Namenspreiß haben werden: ſondern allein gedenken/ daß auch die Barbaren/ die alle Wiſſenſchaften haſſen/ und alle Tugend gemaͤſſe Sitten fahren laſſen/ die Tuͤrken ſage ich/ die Perſier und Reuſſen/ uͤber ihrer Sprache ſo beharrlich eiferen/ daß alle Werbungen ihrer hin und wieder abge= ſchickten Bottſchafter niemals in fremden Sprachen abgeleget/ oder die Geſan= de in anderen als der ihren angehoͤret werden.

10. Vorberuͤhrter Chriſtloͤblichen Sprachliebe haben mit unſterblichen Tu= gendlob nachgeahmet die Hochfuͤrſtliche ̅ Stiffter und Vrheber der ſtetsberuͤhm= ten Fruchtbringenden Geſelſchaft: welcher Anſtellung abgeſehen worden/ von den wolbenamten Academien in Welſchland/ die meinſten theils zur Heg= Pfleg=und Ausuͤbung ihrer Sprachen gewidmet und angeordnet ſind.

11. In erſtbeſagten Academien oder Genoſſſchaften aber iſt gewohnlich/ daß ein jeder ſeinen Geſelſchaft=Namen/ Bargagli & Camillo Camili nell’ Impreſe. welcher ihm von erſtlich geleiſten Probſtuͤ= cke zuertheilet worden/ mit einer Schrift/ Rede oder Gedichte bewaͤhret und aus= fuͤndig machet.

12. Solchem zu wolgemeinter Nachfolge erkuͤhnet ſich der Spielende/ als der juͤngſte und geringſte unter zuvor hochgedachten Fruchtbringenden Geſelſchaftern/ eine kurtze Rede von dem Worte Spiel in unſerer wichtigen Teutſchen Helden=Sprache abzufaſſen.

13. Die Vrſache ſolches Beginnens iſt nicht das eitele Vertrauen auf ver= meinte Geſchicklichkeit/ nicht ſein ſelbſt ertraumte Wolredenheit/ noch weniger die ſtoltze Ehrbegierd ſeinen Namen mit unverſchulden Ruhmthand hierdurch anzufuͤgen und auszubilden.

14. Nein/ ſein Gewiſſen uͤberzeuget ihn ſeiner Vnwiſſenheit/ ſeine unfertige Lippen uͤberfuͤhren ihn der verdrieſſlichen Ausrede/ und alle ſeine Beſchaffenheit leitet ihn zu der Grundfeſte der wahren Demut.

15. Dieſer Nam des Spielenden wird ins gemein fuͤr veraͤchtlich/ nachthei= lig und ſchimpflich gehalten/ als welcher Freyarten/ Spitz=und Loderbuben bas gezieme.

16. Ruͤhret ſolcher ſchlechtſinnige Wahn vom Vnverſtande her/ ſo hat man billiches Mitleiden: beſchihet es aus Vnwiſſenheit/ ſo ſol ſolche durch willigen Bericht erſetzet werden: wallet aber dieſe unzeitige Beurtheilung aus einem boͤſen Gemuͤhte/ ſo hat man nicht Vrſach/ ſich dardurch von Gutem abſchrecken zu Sprichw. 25/ 26. Jeſ. 32/ 4.laſſen. Ein fauler dunket ſich weiſer dann ſieben die Sitten lehren.

17. Ich Vnvorſichtiger begehre Klugheit zu lernen/ daß meine ſtam ̅ = lende Zunge fertig und reinlich rede.

18. Wird alſo folgende Ehrrettung verhoffentlich nach Genuͤge erweiſen des Wortes Spiel Vrſprung/ Gebrauch und Fuͤglichkeit: des Spielenden Ge= maͤhl und Beywort/ und wie gar eigentlich ſolches alles von dem hoͤchſtgeehrten Nehrenden den Geſpraͤchſpielen zugedeutet worden.

19. Bevor die Nachkommen Noaͤ den Thurn zu Babel/ nach der Bleywaage ihres Ehrſuͤchtigen Duͤnkels/ aufzufuͤhren angefangen hatten/ iſt unverneinlich/ 1. Moſ. 11/ 1.daß alle Welt einerley Zungen und Sprachen gehabt/ nemlich die Ebrei= ſche/ welche nach dem Wortverſtande lautet/ als abgeſonderet/ abgetrette ̅ / weil I. Gorop. Becan. l. 5. Idoſc. f. 534.Eber mit ſeinem gantzen Hauſe mit beſagtem Namenbaue nicht zu ſchaffen ge= habt. Etliche wollen Japet habe dazumal mit den ſeinen den angefallenen Welt= theil bezogen/ und ſey niemals wiederuͤm in das Land Sinear zu rucke kommen/ und alſo auch ſeine Sprache unverwirret auf die Nachkommen fortgepflantzet/ welche noch unſer Teutſches ſeye/ das durch die forthinnagende Zeit mit vielfaͤl= tigen Enderungen verſtimmelt worden.

20. So viel iſt gewiß/ daß Aſcenes des Go= mers Sohn und Japets Enkel. der Teutſchen Stammvatter/ das Fuͤr= ſtenthum Anhalt zu ſeinem Anſitze erkieſet/ und deſſelbe ̅ Chriſtloͤblichen Fuͤr=† de hoc nomine Gorop. Be- can. l. 5. In- doſcythico p. 459. ☞ C LXXVIII. ſten das Schutzrecht unſerer edlen Sprache gleichſam erblich hinter= laſſen: Geſtalt dann eben in beruͤhrten Ankunfts=Gebiete der Teutſchen Voͤl= ker/ hochernante Fuͤrſten den Fruchtbringenden Sprachgarten angepflan= tzet/ auch noch fort und fort deſſelben Wachsthum pflegen/ daruͤber halten und handhaben.

21. Aber warzu dienet ſolches alles von ferne her zu holen?

22. Zu gruͤndlichem Beweiſthum daß von unſerem Stammwoͤrteren auch wahr/ was dorten von den eiſeren Fuͤſſen des Nebucadnezars Traumbildes ge= leſen wird/ daß die Pflantze oder Wurtzel der Grundbuchſtaben darinnen ge=Dan. 2, 24 blieben/ und annoch auszuſuchen.

23. Solcher Meinung zu Steur erhellet/ das in dem Woͤrtlein Spiel/ dieſe drey Buchſtaben S. P. L. verbleiben/ und mit Zuthun der ordentlichen Puͤnctlein lautet ſpaal; nach Chaldaͤiſcher Mundart Speel/ auf Teutſch/ er hat ſich gedemuͤtiget/ oder von hoͤheren Geſchaͤfften zu geringeren Sachen und der Kurtzweil erniederiget.

24. Dieſes Wort Spiel gleichet der Griechen , welches ſo viel heiſt/ als freund=und erfreuliche Geſpraͤche haben/ bey denen ein jeder ſeine Meinung vertreulich eroͤffnet.

25. Ich uͤbergehe hier/ von der Spanier jugar, der Italianer giocare, und der Frantzoſen jouer zu reden: beobachte allein daß dieſes letzte mit unſerem Teutſchen Wort Schul/ eine Aehnlichkeit weiſet/ welche bey den Lateineren lu- dus literarius, bey den Griechen , von der Ebreer Schalah/ er iſt muͤſſig oder ſicher geweſen/ benamet ſcheinen; weil das Spielen der ſonſt muͤ= ſigen Leute Kurtzweil zu ſeyn pfleget.

26. Auſſer allem Zweiffel hat Adam allen Thieren und Geſchoͤpfen aus ihren1. Moſ. 2/ 23. Euſeb. de præparat. Evang. c. 4. Gell. l. 10. c. 4. Arten und wirklichen Eigenſchaften woldeutende Namen ertheilet: und ſolcher= geſtalt iſt das Wort Spiel in der Natur befindlich/ und zu hoͤren von Berg=ab= flieſſenden Waſſerbaͤchen/ welche zwiſchen den bunten Kieß daher liſpelen/ und ein angenemes Getoͤn unſeren ſonſt muͤſſigen Ohren gleichſam einſpielen: daher vieleicht entſtanden/ daß alle Sachen/ ſo ohne Muͤhe und Arbeit/ aus ſon= derem Belieben herflieſſen/ Spiele und Spielen genennet worden/ daher auch das ſpuͤhlen/ ausfloͤſſen/ durchliſpelen oder oft durchſeyen den Namen haben mag.

27. Die Goͤttliche Weißheit ſpricht durch Salomon: Ich bin geweſen da der HERR dem Meer das Ziel ſetzete/ und den Waſſeren/ daß ſie nicht uͤbergehen ſeinen Befehl/ da ware ich bey ihm und hatte meinen Luſt taͤglich/ und ſpielete fuͤr ihm allezeit: anzuzeigen/ daß GOtt derMatth. 3/ 17 Jeſ. 42/ 1. Vatter von Ewigkeit her ein hertzliches Wolgefallen an ſeinem Eingebornen Sohne gehabt/ wie ein Vatter/ wann ſein liebes Kind fuͤr ihm ſpielet/ deſſelben Freude und Luſt auf Erden iſt.

Weißheit 8/ 9/ 20/

28. Die Weißheit wird eine Geſpielin genennet/ derer/ die eine feine Seele bekommen: eine Troͤſterin in Sorgen und Traurigkeit/ durch welche ein Juͤngling Herrlichkeit bey dem Volk und Ehre bey den Al= v. 16. v. 18. Sprichw. 15/ 21/ 28ten hat. Es iſt kein Verdruß mit ihr umzugehen/ ſondern Luſt und Freude. Es kommet Klugheit durch ihre Geſelſchaft und Geſpraͤ= che/ und ein guter Ruhm durch ihre Gemeinſchaft und Rede. Hin= gegen iſt dem Thoren die Thorheit eine Freude/ und ſein Mund ſchaͤu= met Boͤſes.

Ludit in humanis divina po- tentia rebꝰ.

29. Durchwanderen wir die wunderreiche Verfaſſung dieſer gantzen Welte/ ſo werden uns hin und wieder der Natur gemaͤſſe Luſtſpiele entgegen kommen.

30. Das Gewuͤlk unter den blauen Sternhauß ſpielet mit den ſchnellbeben= den Winden/ und weiſet allerhand lauffaͤrtige Bildungen vermittelſt der nach und nach aufwallenden Erdendaͤmpfe. Der fruchtbare Regen und erqwickende Martial. --per undasTaue ſpielet mit den ruchreichen Feld=und Garten=Bluͤmlein. Die umwaltzen= de Meerwellen ſpielen/ vermittelſt der Segelſchnellen Vorwinde/ mit den ungeheuren Laſtſchiffen. Was Belieben traͤget doch die Natur ihren Spielluſt intutè luditis otium cari- næ. Job. 40/ 15. dem Geſaͤme/ den Kraͤuteren/ Wurtzelen/ Blumen/ Steinen/ Ertze/ Gummien/ u. d. g. unſerem erſtaunen vorzuſtellen. Die Berge tragen ihre Kraͤuter und alle Thiere ſpielen daſelbſt. In der Luft ſpielen die Voͤgelein: in dem Waſ= ſer erweiſen die Delfinen/ ſamt dem boͤblendem Schupenheere mit ſpringen und ſchnaltzen ihr froͤliches Waſſerſpiel. Sprach= kunſt. Blat 394. Job. 5/ 7.

31. Das letzte Meiſterwerk dieſer Spielenden Natur iſt der Menſch: Er iſt zwar zu der Arbeit geboren/ wie der Vogel zum fliegen; jedoch ſolchergeſtalt/ daß er die Sorgenſtille Nacht wiederuͤm ausruhen/ am Tage wieder an ſeine Ar= beit gehen; von dem Laſte ſeines Berufes zu weilen abſetzen/ den beſchaͤfftigten Geiſt beluſtigen und die laſſe Hand ausraſten laſſen ſolle.

32. Daher finden wir in den Geſchichten/ daß zu allen Zeiten/ bey allen Voͤlke= ren/ bey allen Alteren und allen Geſchlechten unterſchiedliche Spiele geuͤbetI. Meurſ. in Præfat. de Ludis Gręc. Zach. 8/ 5. worden.

33. Die Knaͤblein und Maͤgdlein ſpielen auf ihrer Gaſſen: ihnen ſolten mit den zarten Jahren ſo bald die Kuͤnſte und Wiſſenſchaften anmuhtig einge= Sprach= kunſt. Blat. 14.ſpielet/ ihre Faͤhigkeit und natuͤrliche Neigungen/ welche in dem Spielen her= fuͤrblicken/ erlernet/ und dahero ihr gantzer Lebenslauf wolbedaͤchtig angeordnet werden.

34. Der Menſch iſt Geiſt und Leib. Iſt mit dieſem und jenem bemuͤſiget; kan aber noch mit einem/ noch mit dem anderen ohne benoͤhtigte Schaltruhe be= ſtehen.

35. Den Leib belangend: ſihet man die Jungfrauen dantzen an den Reyen; 1. Koͤn. 18/ 7.Die Juͤnglinge ſich uͤben in Springen und Ringen. Eltere fahren/ reuten und ſpatzieren in den Auen/ neue Kraͤften zu erweiden. Ja der verſtaͤndigen Alten Tu= gend ruhet und raſtet/ iſt aber niemals muͤſſig.

36. Von ſolchen Spieluͤbungen iſt dieſes Ortes nicht ausfuͤhrlich zu handlen.

Drexel. Rhetor. Cœl. 1. l. c. 7. f. 155.

37. Was iſt aber das gantze Menſchliche Leben anders/ als ein Traur=und Freuden=Spiel?

38. Ein Freudenſpiel/ wann man Gottlobet und ihm dichtet ein feines Lied auf der Harfen und den Saitenſpielen. Solchergeſtalt ſpielte De=Pſal. 49/ 5. bora dem HERREN. Vnd der Mann nach des HERREN Wunſche verordnete viertauſend Lobſaͤnger mit mancherley Saiten= Spielen/ mit Cymblen/ Pſalter und Harfen/ und hat gantz Iſrael1. Chꝛon. 24/ 5. 2. Chꝛon. 23/ 18. 1. Chron. 14/ 8. Pſal. 77/ 7. Pſal. 57/ 9. Pſal. 33/ 3. 2. Koͤnig. 3/ 15. Pſal. 45/ 15. Efeſ. 5/ 19. Pſal. 42/ 5. Pſal. 55/ 15. fuͤr Gott geſpielet aus gantzer Macht mit Liederen/ Poſaunen und Baucken. Dieſer Koͤnigliche Profet David gedachte des Nachtes an ſein Saitenſpiele/ an die Harfen ſeine Ehre: Er machte es gut auf Saitenſpielen mit Schalle/ und ſteurete dardurch dem boͤſen Geiſte/ welcher uͤber Saul gerahten war.

39. Das Saitenſpiel erwecket die Profeceyung und kan mit Fug genennet werden das Engelwerk/ welches der Menſchen Hand und Mund volbringet: daher auch alle Fromme der Chriſtlichen Braute Geſpielen genennet wer= den/ welche dem HERREN ſingen und ſpielen in ihren Hertzen: und bey uns ſammelt das Kirchſpiel noch heut zu Tage alle die ſo ſich freuen in das Hauſe des HERREN zu gehen allezeit.

Sir. 40/ 30. 2. Moſ. 32/ 6. Richt. 16/ 25.

40. Was von Anfang geſchaffen iſt/ das iſt den Frommen gut/ aber den Gottloſen ſchaͤdlich. Das Volk Iſrael ſatzte ſich nach dem Kaͤlberopfer zu eſſen und zu trinken/ und ſtunden auf zu ſpielen. Samſon ſolte ſpielen fuͤr ſeinen Feinden. Die Hure Tyro nimmet die Harfe/ machet es gut auf Saitenſpielen/ und ſinget getroſt/ auf daß ihrer wieder gedacht werde. Dieſer Mißbrauch aber kan dem rechten Gebrauch kein billiches Vorurtheil machen.

Sir. 32/ 16.

41. Der fromme Haußlehrer ſagt: Stehe auf von dem Gaſtmahle/ ge= he eilend heim und ſpiele daſelbſt: thu was du wilt/ doch daß du nicht Salazar in Proverb. Salom. f. 704. CIV. und CV.uͤbel thueſt. Dieſe Wort ſind nicht/ wie etliche wollen/ von Ehelicher Beywoh= nung/ ſondern von zulaͤſſigen Geſpraͤchen und Kurtzweilen zu verſtehen/ deren Exempel wir von des Samſons Hochzeit=Raͤhtſel und Darii Aufgabe/ von dem Staͤrkeſten in der Welte/ andermals behandelt haben.

42. Aus langbeſagtem wird verhoffentlich die Eigenſchaft und ſchickliche Gebrauch des Wortes Spiel/ ſattſam erſcheinen/ und deſſelben unbedachtſamen Veraͤchteren unter die Augen leuchten. Iſt etwan anderen das edle Ritter= ſpiel/ das Koͤnigliche Schachſpiel/ das Fuͤrſtliche Federſpiel/ das Geld= ſuͤchtige Karten=und Wuͤrffelſpiel (deſſen Erfindung Plato dem Theuth zu=in Phœdro ſchreibet/ das Blitz=und Donnergleichende Kartaunenſpiel/ das lieblich klin= gende Saitenſpiel/ oder ſonſten beliebte Kurtzweil nicht zu verargen/ ſo werden auch des Spielenden Geſpraͤchſpiele bey Tugend=und Sprachliebenden Ge= ſelſchaften nicht uͤbel angeſehen ſeyn.

43. Der Weiſe hoͤret zu und beſſert ſich/ daß er verneme die SpruͤcheSprichw. 1/ 5/ 6. Pſal. 33/ 7. Ariſt. 2. de part. c. 17. Sprichw. 9/ 6. Sprichw. 18/ 20. und ihre Deutungen/ die Lehre der Weiſen und ihre Beyſpiele/ durch welche die Tiefe der Gedanken in das Verborgene geleget wer= den.

44. Des Menſchen ſeyn und wolſeyn ruͤhret von ſeiner Zunge: ſelbe liefert dem Speisſchlunde die Leibes Vnterhaltung/ ſie fuͤhret auf den Wege des Verſtandes/ und ſaͤttiget uns von den Fruͤchten unſerer Lippen.

Sprichw. 15/ 2. Sprichw. 18/ 21.

45. Des Weiſen Zunge machet die Lehre lieblich/ des Narren Mund ſpeyet eitel Thorheit. Tod und Leben ſtehet in der Zungen Gewalt.

46. Ich ſage von dem Geſpraͤche/ durch welche die Menſchen zur Freundſchaft eingeladen/ in Bruͤderlichem Vertrauen erhalten/ in Trauren getroͤſtet/ in Freu= den ermahnet/ und zu allem Guten angefuͤhret werden.

47. Vnter anderen iſt auch die Vbertrefflichkeit der Rede zu erweiſen/ daß Japel und Gomer oder Cimer ihren in die Ferne ausgeſtreuten Nachkommen/ und zwar den Elteſten in jedem Geſchlechte anbefohlen ihre Kinder zu ſegnen/ gleichwie ſie von ihren Vaͤtteren/ und ſelbe vom hoͤchſten Gott auch geſegnet worden. Weil nun ſolches denen Erſtgebornen obgelegen/ welche zugleich der anderen Fuͤrſten und Prieſtere geweſen/ ſind ſie daher die Sager und Sagen Gorop. Be- can. in Sa- xonic. l. 6. f. 597.und ihre Kinder der Sagen Soͤhn/ nachmals durch verſtimmelte Ausrede die Sachſen benamet worden. Welches Hochfuͤrſtliche Hauß Sachſen annoch zu Erhaltung des reinen Wort Gottes feſtiglich beſtehet.

48. Weil aber dieſes Orts nicht iſt/ der Rede oder des Geſpraͤches unlaugbaren Lobſpruch ausfuͤndig zu machen/ als benuͤget uns hier zu erwaͤhnen/ wie ſo beſag=☞ CVIII, 2. te Geſpraͤchſpiele dahin angeſehe ̅ / daß ſie Gelehrten und Vngelehrten/ Hoch= und Geringſinnigen/ Alten und Jungen/ Man ̅ =und Weibsperſonen anſtaͤndiges Belieben leiſten moͤchten. Hierdurch kan der Verſtand (der ohne Wiſſen= ſchaft ein Vnverſtand zu nennen iſt) geuͤbet/ das Vrtheil ausgeſchaͤrfet/ die Ge= muͤhter erforſchet/ die faͤhige Jugend aufgemunteret/ erziemende Tugenden er= halten/ wolſtaͤndige Sitten angewaͤhnet/ und die Teutſche Sprache wieder Hof= gemaͤß und in ihrem adelichen Ruhmſtande erhaben werden.

49. Wie in anderen vorerzehlten Spielen die muͤſſige Zeit oftmals ſamt dem Gelde verlohren/ und ein fluͤchtiges Beluſten nechſt beharrlichem Nachreuen ge= ſuchet wird; ſo ſol im Gegenbetracht hierbey ehebeſagter Nutzen unzweiffelich zu gewinnen ſeyn.

50. Scheinet aber ob zu weilen zu freche Gedanken mit eingeſchlichen weren/ ſo wird ſich doch befinden/ daß hin=und herbeſchriebene Eitelkeiten erſtlich mit na= tuͤrlichen Farben ausgemahlet/ und alsdann mit gruͤndlichen Vrſachen wieder= uͤm haben durchſtrichen werden muͤſſen.

51. Ob nun/ aus der geringen Anweiſung der Geſpraͤchſpiele/ erſterwaͤhnte ſtetserfreuliche Fruchtung zu verlangen/ aber nicht zu erlangen; ſonderen viel= mehr durch die oͤfftere Beuͤbung/ und ſelbſtverſtaͤndige Verbeſſerung auszu= Sprichw. 31/ 31.ſpielen kommet: ſo hat doch die hochloͤbliche Geſelſchaft/ welche geruͤhmet wird von den Fruͤchten ihrer Haͤnde/ hochgnaͤdiges Belieben getragen/ den Verfaſſer vielernanten Spiele/ zu Fortſetzung ſeiner Arbeit/ mit dem Sittich= gruͤnen Geſelſchaftbande zu verbinden/ ihm den Name des Spielenden zu er= Im Jahre 1642.theilen/ und mit dem Gemaͤhle der kleinen bunten Boͤhnlein/ ſamt dem Ob= worte/ auf manche Art/ aus gnaͤdiger Gewogenheit zu beſchenken. Folgends auch die Erklaͤrung ſolches alles in dieſen Reimzeilen anzufuͤgen.

52. Die bunte Boͤhnelein von Farben mancher Art/ergetzen in ſich auch mit Wolluſt gleichſam ſpielen/der Name Spieſend druͤm mir nun gegeben ward/weil im Gemuͤhte man Ergetzlichkeit kan fuͤhlen/wann im Geſpraͤche wir gantz tugendlich gebahrt/zu theilen mit was man begriffen hat in vielenund fremden Laͤnderen wol: das nutzt dem Vatterland.und bringet Fruͤchte vor Spielweis’ in jedem Stand.

53. So hochbeſagte Begnaͤdigung wil der Spielende hier nicht als einen ver= dienten Lobſpruch ſeine Haſſere zu beſaͤnftigen/ vorſchuͤtzen; Nein/ ſondern da= hin verſtehen/ daß er ſich ſolcher Andeutung gemaͤß/ und/ in Erkaͤntniß ſeiner Vnwuͤrdigkeit/ ſolcher Beſchenkung faͤhig machen ſolle

54. Wir wollen dieſe Kunſtfinnige Erfindung umſtaͤndig bedenken.

55. Die Bone wird von dem Ebreiſchen Pol benamt/ und heiſſet zu Latein Faba, wird ſonſten Faſel (Phaſolus) genennet/ weil ſie gerne Faſelt/ das iſt/ leichtlich Wurtzelfaͤſerlein gewinnet/ welche den Erdenſaft anſichziehen und das Gewaͤchs bekleiben machen.

56. Bald dieſe Frucht gepfropfet oder geſaͤt wird/ ſproſſet aus derſelben Fle= cken oder Mackel ein Keumleinherfuͤr/ welches in kurtzer Zeit einen Stengel auftreibet/ der den beygeſetzten Stab uͤmwindet/ zu allen Seiten Aeſtlein/ an den= ſelben Blaͤter/ roht=gelb=gruͤn=blau=und weisſpielende Bluͤmlein gewinnet/ und nachdem ſolche Bluͤhe abfaͤllet/ zeitiget die bunte Frucht in einer gruͤnen Huͤl= ſen. Man ſaͤet ſie allenthalben/ auch aus der Vrſachen/ daß ſie die Aecker feiſt und fruchtbar machen; dann ſo ſie bluͤhen und voll Safftes ſind/ werden ſie un= tergeackert/ daß ſie unter der Erden verdorren/ und von dem Saffte das Feld geil und wachsbar werde.

57. Die Geſpraͤchſpiel ſollen faſelen durch ihre zaſechte und ungeſtalte Wur= Car. Cluſ. rer. Pano- nic. l. 4. c. 27.tzel: ſie ſollen durch die Fehler aufſproſſen/ und durch den Spielſtabe emborge= fuͤhret werden: ſie ſollen auf manche Art (wie man auch der Bonen zwoͤlffer= ley Arten zehlet) grunen/ bluͤhen/ und durch ſo anſtaͤndige Bemuͤhung den ins gemein ausgeduͤrrten Acker unſerer Sprache/ allerhand Kunſtfruͤchten faͤ= hig machen.

58. Ob nun zu erwuͤnſchen/ daß oftbeſagte Spiele von einem gelehrteren und mehrverſtaͤndigen Mitgeliede zu Papyr gebracht worden weren; (wie dann auſ= ſer Zweiffel bey loͤblichen Zuſammenkunfften ſolche viel beſſer muͤndlich auszu= uͤben/ als beſchreiben/) ſo kan doch alhier das alte Sprichwort gelten: der Hunger machet auch rohe Bonen eſſen. Allermaſſen dem Koͤnig David mit ſei= nem hungerigen und muͤden Voͤlklein zu Machanaim benebens Weitzen/ Ger=2. Sam. 17/ 27/ 28. A Fabis abſtincto † Eraſ. A- dag. Le Bizzar. del Lore- dan. f. 41. daꝛvon mag das Sprich= wort her= kommen/ ei= nen Regu= les=Muht haben. Cronia l. 4. f. 393. 1. Moſ. 8/ 5. ſten und Honig/ auch Bonen von Barſelai aufgetragen worden.

59. Waruͤm Pythagoras der Bonen ſich zu enthalten gebotten/ ſind unter= ſchiedene Meinungen bey den Venetianiſchen Academicis angefuͤhret zu leſen Etliche wollen/ es ſey geſchehen/ weil dieſe Frucht in dem Leibe Blehungen mache/ daher ſchwere Traͤume erfolgen/ und tiefſinniges Nachdenken verhinderet wird: Etliche/ weil ſie gleiche Bezeichnung mit den Nieren habe und zur Geilheit reitze: Etliche/ weil vor Zeiten/ vermittelſt den Bonen/ die Koͤnige/ Oberen und Raht= herren des Volkes gewehlet wurden/ daher auch noch gewohnlich/ daß man am Oberſttage einen Bonen Koͤnig durch Austheilung eines zu ſolchem Ende ge= bachnen Kuchens wehlet/ welche Wuͤrde der auf ſich traͤget/ ſo das Geſpraͤchſpie= le regieret und fuͤhret.

60. Becan wil dieſe faſt aller Orten gewohnliche Jahrfeſte aus der Archen Noaͤh bewaͤhren; ſchreibend/ daß ernanter Patriarch die erſten Saturnalia gehal= ten/ den erſten Tag des zehenden Monats den Kaſte ̅ eroͤffnet habe/ und das Liecht wieder angeſchauet/ daher zu Angedaͤchtniß ſolcher Freude alle ſeine Nachkom= men zu ſelber Zeit Gaſtereyen anzuſtellen und einander mit Liechteren zu beſchen= ken hergebracht: und ſey ob ſolcher Vrſache das Liechtmeß Feſt bey den Chriſten/ die Saturnalia bey den Heyden im Gebrauch gekommen.

☞ CX, 12. 13. 14.

61. Daß aber bey ſolchen Saturnalien dergleichen Geſpraͤchſpiele/ und ergetz= liche Fragen uͤblich geweſen/ iſt zu anderen Zeiten ausfuͤhrlich dargethan worde ̅ . Macrob. & Lipſ. libb. Satur nal. Stukius in Antiquit. Conviv. Jeſa. 23/ 16. Jeſa. 32/ 17. Jeſa. 32/ 14. Jeſa. 33/ 12. 2. Koͤn. 19/ 30.

62. Ob nun wol unſere Feſte Faſten werden/ und Teutſchland ein Land der Truͤbſal un ̅ Angſte iſt; ein Land das die Frucht der Gerechtigkeit den Frieden verlohren/ da die Palaͤſte verlaſſen/ die Staͤtte einſam ſind/ die Thuͤrne ewige Hoͤlen werden/ und uͤber uns kommen Voͤlker von tiefer Sprache/ die man nicht vernemen kan/ und vor undeutlicher Zunge/ die man nicht verſtehen kan; ſo iſt doch zu hoffen/ daß der zornige Gott ſein Wort in unſer Sprach fort und fort werde unterſich wurtzlen und o= berſich Fruͤchte tragen laſſen. Zu welchem Zweck ein jeder an ſeinem Orte abſehen und euſſerſten Vermoͤgens zielen ſolle/ dahin auch des Spielenden ge= ringe doch treugemeinte Arbeit gerichtet iſt.

63. Wir ſind pflichtig unſer Vaterland/ mit Zuſetzung Gutes und Blutes zu ſchutzen/ unſere liebe Elteren mit moͤglichſten Gehorſam zu ehren und unſere Mutterſprache (als in welcher beider Ruhm gruͤndlich beſtehet/ und auf die Nachkommen gebracht wird) zu erhalten. Man zehle alle die fremder Sprachen kundig ſind/ ſie werden gegen denen ſo nur Teutſch allein reden koͤnnen/ eine gar geringe Zahle ſchlieſſen/ und bey allen Kuͤnſten ihre Sprache nicht miſſen koͤn ̅ en.

64. Was aber folgends von vielernanter unſerer Sprache vollkuͤnſtiger Hoch= bringung und Ausſchmuͤckung/ auch bey Vnterdruckung alles Wolſtandes/ zu verhoffen/ iſt abzuſehen aus de ̅ Schriften des NEHRENDEN/ VNVER= ENDERLICHEN/ VIELGEKORNTEN/ NVTZBAREN/ FESTEN/ GEKRONTEN/ GENOSSENEN/ ORDNEN= DEN/ SVCHENDEN und anderer Fruchtbringende ̅ Geſelſchafter mehr.

65. Dieſesmal endet der Spielende ſeine Rede (benebens Befehlung ſeiner Wenigkeit zu der hochloͤblichen Geſelſchaft beharrlichen Gnadenſchutze) mit der Muſen Friedensgeluͤbde/ in folgenden Klingreimen:

ES droͤnen und toͤnen des Krieges Trompeten; es raſſelt und praſſelt der Harniſch und Pferd; es blinkert und fuͤnkert das raſende Schwert/ die Faunen erſtaunen und ploͤtzlich entbloͤden: Die Satyri ſchweigen und weichen den Noͤhten/ ſie harren und ſtarren in ſolcher Gefehrt’: Ein jeder nun wider des Friedens begehrt/ doch hoͤret man ſagen von ſchlagen und toͤden. Die Muſen des Ruheſtands Stiffter geloben/ bald ſchiedliche friedliche Schickung erhoben/ mit voͤlliger Freud’ ſein Namen und Stammen kunſtpraͤchtig zu ziehren/ die Reimen und Lieder viel hoher zu fuͤhren
Schaͤfer Geſpraͤch. Gottart vnd Troſtlieb. A Gottart.
1.Lle Huͤgel/ Berge/ Waͤlder/ Thaͤler/ Auen/ Wiſen/ Feldertrauren in dem Blumenlentzen/Daß in unſrem Teutſchenland’ alle Laſter/ Mord und Brandmit dem blanken Schwerte glentzen.Ach! die ſuͤſſe Friedens Frucht wird verlanget fehlgeſucht. Troſtlieb.
2.Ob der Menſchen Jammerſuͤnden muß ſich Gottes Strafe finden;Weil die bitterboͤſen Zeitenſolten durch die ſtete Noht/ und ſo vieler Chriſten Tod/uns zu wahrer Buſe leiten/und doch niemand beſſert ſich/ ſiht das Land ſo jaͤmmerlich.
Schaͤfer Geſpraͤch. Gottart.
3.Wann der Abent einherſchattet/ und die Schafe ſind er mattet/eilen ſie nach jhren Staͤllen/folgend meinem alten Bock/ mit dem langgehaͤrten Rockalle Laͤmlein nacher ſchellen:Aber der Soldaten Streit ohne Raſt im Blut erneut. Troſtlieb.
4.Beſſer iſt auf allen Weide ̅ n Angſt und Furcht mit Mangel leidenals in hohen Ehren walten.Vnſers groſſen Gottes Guͤt’ hat uns biß anher behuͤtund wird ferners ob uns halte/der die ſeinen nie verlaͤſt/ hilfft uns wann wir ſind gepreſt.
Schaͤfer Geſpraͤch. Gottart.
5.Das iſt eben zu beklagen/ daß die ſchweren Krieges Plagenauff dem armen Manne liegen.Der ſtets iſt dem Frieden hold/ muß ob der Soldaten Soldjmmer ſich in Kummer ſchmiegen:Da der Hofmann in der Statt alle Huͤll’ und Fuͤlle hat. Troſtlieb.
6.Du vermeineſt ſo zu ſagen: Vnſchuld muͤß die Buͤrde tragen/Wann zu Hof die groſſen HerrenWolgemuht und ſicher ſind. Auch bey jhnen ſich befindNeides Druͤſe/ Hertzensſchweren:Mancher ſcheinet voller Freud’/ hat doch ſchwere Sorg’ und Leid.
Schaͤfer Gſpraͤch. Gottart.
7.Wie man muß zu Hof gebahren/ denk ich gar nicht zu erfahren/Aber wann die ſtrengen Waffenſtetig ſtuͤrmen fort vnd fort/ ſo frag’ ich an meinem Ort’/ob/ und wie uns Ruh zu ſchaffen?Dann das nimmerlaſſe Schwert auch der Hoffnung uns entleert. Troſtlieb.
8.Schau/ das ſchwere Waſſerflieſſen und ſein ſilberhellesgieſenwo die Gruͤnd und Thaͤler offen!Schau/ der trockne Bergeſtein ſtuͤrtzt die qwelle Felſen ein!Wer ſolt darvon Feuchte hoffen?Rom. 4. 18.Alſo traut ein Frommer Chriſt/ da auch nichts zu hoffen iſt!
Das Geiſtliche Waldgedicht/ oder Freudenſpiel/ genant SEELEWIG/ Geſangsweis auf Italianiſche Art geſetzet.
Die Stimmen der Perſonen. 3. Diſcant oder Oberſtim ̅ e.{ SEELEWIG. }Nymfen und Schaͤferinne. Sinnigunda. Hertzigild. 2. Alt oder hohe Stimme.{ Gwiſſulda eine Matron. Kuͤnſteling }Schaͤfer. 2. Tenor oder mittel Stim= me.{ Ehrelob Reichimuht

1. Baß oder Grundſtimme. Truͤgewalt/ der Satyrus oder Waltgeiſt.

Inſtrument { 3. Geigen. 3. Floͤten. 3. Schalmeyen. 1. grobes Horn.

Den Grund dieſer Muſic fuͤhret eine Theorba durch und durch.

An=oder Gleichſtimmung (Symphonia) mit Geigen hinter dem Fuͤrhang.
Die Muſic oder die Singkunſt.

1. Mein ho her Adel Stand/ laͤſt mich nicht gar verligen. Ich muß/ ich muß herfuͤr und weiſen was ich kan.

2. Es hat vor dieſer Welt der En gel Chor erſchallet: Darnach bey Gottes Volk ward ich in ſeinem Wort/

3. Der Harffen Wunderklang dem boͤ ſen Gei ſie wehret/ ward Troſt un ̅ dankens voll in Faͤhrlichkeit un ̅ Noht/

4. Noch hat ſich nach der Zeit die Mißvernunft gefunden/ mich von deß Tempels Thuͤr entzihend mit Gewalt.

5. Dann ob mein Kunſtgeſchmuk wurd eine Zeit bereichet/ ſo gar daß ich mit Ziel und Gre ̅ tzen wurd umſchre ̅ kt

6. Die ſchweren Feſſel=Band ſind mir jetzt abgefallen. Mein Freiheit leitet mich zu Gottes Lob und Ehr/

7. Hoͤrt nun ſo euch beliebt/ wie ſchoͤn mit mir vermaͤhlet/ die freye Reimen kunſt/ die ſo verliebt in mich/

Ein Diſcant oder Tenor fuͤhret die Vorrede.

Mag ich die Frevel witz deß Poͤvels nicht genuͤgen: So wird mein Ehre doch ge lan gn Him mel an.

als der Poſaunen Ruf nur durch die Lufft gewallet/ vnd ohne Schwertesſtreich obſiget man chem Ort.

dem Abend opfer gleich/ dadurch man hat geehret/ mit ſuͤſſem Lob ge ruch/ den ewig groſſen Gott.

Ich ward der Knechtin gleich mit uͤppigkeit gebunde ̅ / daß nach und nach mit mir die Gottes Lieb’ er kalt.

doch hoͤrt man zu der Zeit wie ferne davon weichet/ der/ ſo nach ſeinem Kopf mit Grillwerk mich beſchenkt.

und zu deß Nechſten Lieb’: Ich laſſe hier erſchallen/ ein Geiſtliches Ge dicht ohn eitlen Ruhm und Ehr.

dz ſie mein Selbſt=Wort heiſt/ von meine ̅ Geiſt beſeelet/ mein Spiel/ mein Hertz/ mein Schatz/ ja mein ſelbſt Ander (Ich

Die I. Handlung. Der I. Auffzug. Kuͤnſte

1. Zerflieſender Spiegel und ſilberne Fluht/ lege nun deine ſtoltz wallende Wellen/

2. Noch harret noch ſtarret die haſtige Struht/ weiſend mein Angeſicht unter der Helle ̅ .

bey hieſigem Lande/ am kießlichen Strande beſtehets/ und geht/

Ein Alt.

welche die Winde mit beben erhellen/ und wandre gemachlich mit mindere ̅ Muht.

Ob nun viel Stroͤme ſich haͤuffen und ſchwellen/ mein Bildniß hier dau ̅ och lauffen beruht!

doch moͤgen die Stralen mit nichten bemahlen die Menſchliche Red:

Die I. Handlung. Der II. Aufzug. Ein Baß und Alt. Truͤgewald
Truͤgewald.

Truͤgewald. 1. Kuͤnſteling ich muß dir klagen/ daß ich lange Zeit in mir/ habe die

Truͤgewald. 2. h ſie pflegt nicht zu verweilen/ wann ich offt an einem Ort ſie geden=

Truͤgewald. 3. Die Gwiſſul da ſie bekleidet/ von der zarten Jugend an und die Nym=

Truͤgewald. 4. Moͤchſtu ſie mit Liebe zaͤhmen/ durch dein viel und manche Kunſt: wolt ich dein

Truͤgewald. 5. Wilt mir aber uͤberlaſſen/ was du in der Sach erhaͤlſt: weil mich al=

Truͤgewald. 6. Dieſes hat mir auch verſproche ̅ / Ehre Lob und Reichemuht/ alſo wird

und Kuͤnſteling.

Begterd getragen/ Seelewig zu truͤgen hier/ wirſtu mir behuͤlfflich ſeyn/

ke zu ereilen/ jhr zu ſagen nur ein Wort wirſtu mir behuͤlfflich ſeyn/

fen ſo verleitet/ daß ſie fliehet meine Bahn/ wirſtu mir behuͤlfflich ſeyn/

Geſtalt annemen/ und dann kuͤhlen meine Brunſt/ wirſtu mir behuͤlfflich ſeyn/

le Nymſen haſſen/ und du jeden wolgefaͤlſt/ wirſtu mir behuͤlfflich ſeyn/

an jhr gerochen/ durch den Fall der Vbermuht. hilffſt mir zu den Haͤndelein.

Die I. Handlung. Der II. Auffzug.
Kuͤnſteling.

1. So ſtell’ ich mich dankbar ein. Kuͤnſt: Solte wol auch dein Begehren/

2. ſo ſtell’ ich mich dankbar ein. Kuͤnſt: Kanſt du ſie dann nicht bezwingen/

3. ſo ſtell’ ich mich dankbar ein. Kuͤnſt: Sinnigunda als ich waͤhne/

4. ſo ſtell’ ich mich dankbar ein. Kuͤnſt: Sinnigunda ſoll uns dienen/

5. ſtell’ ich mich bald dankbar ein. Kuͤnſt: Truͤgewald du ſolt erfahren/

6. werd ich allzeit dankbar ſeyn.

(Gehen darauff ab.)

jemand in dem gantzen Land/ wegeren und nicht gewehren/ deme

etwan in der Einſamkeit/ oder ſie mit Liſt umringen/ reden

(wann Gwiſſulda liegt zu Ruh/) ſoll zu Hauß in jhrer Haine/ reden

ſie beliebt der Hirten Freud/ wann die Felder ſich vergruͤnen/ ſucht ſie

das/ was ich erjagen werd/ in’ dem Fallſtrick’ oder Garn/ ſol dir

1. deine Macht bekand? Meine Dienſt’ und was ich kan/ biet’ ich hier

2. ſich haͤlt bey der Weid? Ich wil leiſten was ich kan/ wie geziemt

3. offt das Beſte zu. Was ich darbey leiſten kan/ Biet’ ich freund=

4. Luſt und Froͤlichkeit. Was du mir befihleſt an/ Will iſt lei

5 alles ſein verehrt. Ich will leiſten was ich kan/ Als ein Freund

mitwillig an.

ein Freundes Mann.

und willig an.

ſten wie ichs kan.

und Bietermann.

Die I. Handlung. Der III. Auffzug. fuͤhren 2. Schalmeyen. Symphonia.
Die I. Handlung. Der III. Auffzug. Ehrelob und

E. 1. Der Schatten groͤſſert ſich/ umreiſend mein Geſtalt. R. Es iſt der Son=

E. 2. Die Sonne bildet mich durch jhre heiſſe Stralen. R. Dann ſo beginnt

E. 3. Schau wie weit uuvermerkt/ der lange Schatten ſtreifet. R. Vnd weiſet wie

E. 4. Das iſt das wahre Mahl/ der hellen Sonnen Gnade. R. Es iſt das Nach

E. 5. Mein’ Ehr dem Schatten gleicht/ der mit uns ſelbſten weiſt. R. Der Reichthum iſt

E. 6. Der Sonnen ſchnelle Pferd’/ jetzt in das Meer ſich ſenken. } R. Die braunlich A laſt uns was Truͤgewald verſprochen auch gedenken. E. 7. Was wir geweſen ſind/ noch ſeyn und ſollen werden. } R. Es wird der nech (Gehen ab.) Das zeigt die Nichtigkeit deß Schattens auff der Erden.
Reichemuht.
nenwerk/ ſo dunkel ſchwartz gemahlt. Symphonia mit Geigen. die Lufft mit Finſterniß zu pralen. der Tag zum untergehen ſchweifft. te Bild der Finſterniſſen Pfad. die Sonn’/ auß der der Schatten fleuſt.
bendzeit weiſt daß es heut zu ſpat. }
ſte Tag uns bringen guten Raht.
Die I. Handlung. Der IV. Auffzug. Seelewig und
Seel: 1. Die guͤldene Sonne ſchwebt ober dem Meer/ } der leichtenden der ſilberne Monde beginnet das Heer/ Seel: 2. Beſchaue die ſchneckichten Muſchel alhier. } mit welcher Ney Ihr rundlich gebundne gewundene Zier/ Seel: 3. Betrachte dort ferne jen ſpitzigen Maſt } die Wogen der deß Segel durch Senkung deß Ankeres Raſt/ Seel: 4. Was Wunder! die Son ̅ e beflam ̅ et das Meer/ } Sie ſtreiget und Sie roͤhtet ſo bruͤnſtig das Waſſer ſo ſehr/
Sinnigunda. 2. Diſcant.

Sterne herfuͤro zu fuͤhren. Sinnig: Mein

tunus ſich pfleget zu guͤrten! Sinnig: Er=

Wellen verglichen er ligen. Sinnig: Sih

neiget die ruhig en Wellen. Sinnig: Vnd

Sinnigunda.

1. Schoͤne Gefertin wir wollen ſpatziern/ an deme ſo ſandichen

2. lerne wie vielmals auch unter den Hirten/ und unter den Schaͤfern in

3. liebe Gefertin wie ſoll uns vergnuͤgen/ das ſtetige Hoffen das

4. ſolcher Geſtalte begienets zu hellen/ wann uns die ſuͤßbruͤnſtige

Vfer daher/ da gehet und ſtehet das ebene Meer.

nidrigen Stand/ ſich finde beluſten und hoher Verſtand.

man nicht erfaͤhrt; Als were das Gluͤck den Verzagten beſchert.

Liebe herblitzt/ und uns mit ſchmertzlieblichen Flammen erhitzt.

Die I. Handlung. Der V. Auffzug. Hertzigild. Gwiſſ: Sinnig: und Hertzigild.

Laſſet uns auch mit ſpatziren/ wann euch unſre Weis gefaͤlt/

Gwiſſulda.

leichtlich koͤnt

Sinnigunda.

Seelewig.

Seelewig. 3. Diſcant und 1. Alt.

flieht von dieſem

jhr euch verfuͤhren bald jhr euch zuſammen geſellt.

Hertzigild.

Meer geſtatten da des Schroffen Sandes viel.

Gwiſſulda.

Sinnigunda.

Folg nicht dieſer

Seelewig.

Es naͤhret die Zeit zu ſchlaffen/

Alten Rahten/ Iſt das Meer doch Winde ſtill.

Hertzigild.

mit dem dunkeln Schatten Schein/

Gwiſſulda.

Sinnigunda.

Wer mit diſem hat zu ſchaffen/ bilde

Seelewig.

keine Luſt jhm ein.

Schaut wie jener Anker hafftet/ zwiſchen einer Felſen

Hertzigild.

Gwiſſulda.

Sinnigunda. man

unſer Hoffnung wird bekrafftet/ von der freyen Er den klufft!

Seelewig.

Grufft.

muß von der Erden ſtoſſen/ und den An ker heben auf/ Sol man durch die

Hertzigild.

Gwiſſulda.

Winds genoſſen halten rechten Hoffnungs Lauff.

Sinnigunda.

Liebe laſſe dieſe ſtehen/ mach

Seelewig.

wegert jhr mit uns zu gehen/ ſo begegnet euch die Reu. Trom oď grob Horn.

dich von der Zuchte frey.

Die I. Handlung. Der IV. Aufzug. Truͤgewald

1. Sol das mich nicht recht betruͤben/ daß mein Herꝛlichkeit und Pracht/ wird verlachet

2. Sol ſich mein Gewalt entzihen/ die/ ſo wohnt in meinem Reich/ und mich achten

3. Was ſich ſind in dieſem Walde/ Sol auch billich weltlich ſeyn/ wie dann mir ob

allein.
und veracht/ Ich wil Liſt mit Macht veruͤben/ { Rauſchender Walde/ ſo tuͤfftig verhuͤlt/} Birge nicht Seelewig in dem Gefuͤld’. ſo fuͤr feig? daß ich ſelbſt ſie laß entflihen/ { Bauſche ̅ de ſtrauche/ mit ſchatte ̅ umhuͤlt} Berget nicht Seelewig in dem Gefuͤld’. liegt allein/ daß als Herr ich darob halte. { Strauſſichte Thaͤler mit Hecken verhuͤlt/} Berget nicht Seelewig in dem Gefuͤld’.
Zu Anfang der II. Handlung. Chor der Hirten hinter dem Fuͤrhang. Kuͤnſt:

1. Es iſt ein groſer Luſt/ mit kluger Hinterliſt/ dem Poͤvel unbewuſt/ ſein ſtetig

2. Es hat ein groſſen Laſt/ und angefeſſelts Leid/ der ſo rings umgefaſt/ Mit Einfalt

3. Einfalt iſt faſt verlacht/ bey dieſer klugen Welt/ die wankt durch Vorbedacht in dunke=

Ehre: und Reich: a. 3.
außgeruͤſt. { Es wendet und blendet manch truͤglicher Duͤck:/:} Er bieget nnd fuͤget deß Gluͤckes Ge ſchick. jederzeit. { Ihn wendet und blendet manch truͤglicher Duͤck:/:} Er bieget und fuͤget deß Gluͤckes Ge ſchick. lem Gezelt. { Es wendet und blendet manch truͤglicher Duͤck:/:} Er bieget und fuͤget deß Gluͤckes Ge ſchick.
Die II. Hand Symphonia mit 3.

Die 1. Floͤten. à 3.

Die 2. Floͤten.

lung.
Floͤten.
Die II. Handlung. Der I. Auffzug. 2. Perſonen. Sinnig:

Sinn: Meine Gefertin wir wollen beſchauen/ die lieblichen Bluͤme

1. { waren geſchloſſen in unſe ren Auen/ } jhr zartliche Schoͤne denen anjetzo das Perlene Tauen/ 3 { Dieſen beferbten zu ſondrem Gefallen/ die munteren Voͤge 3. { laſſen die Zuͤnglein und Stimmelein ſchallen/ } und preiſen der Bluͤme luſtig die heiteren Wolken durch wallen/

NB. Der Baß muß ſich in dem Wiederholen nach der Oberſtimme richten.

und Seelew: 2. Diſcant.
lein welche die Nacht/ } 2. Seel: Die Erd’ entgeiſtert ſich und theilet durch die hat wieder gebracht. lein ſchweben alhier/ } 4. Seel: Es iſt der Sonnen Krafft/ die dieſes alles lein ruchbare Zier.

1. Lufft den Weyrauch und Myrrhen: Ein jede Blum’ und Kraut entnommen

2. wirkt mit kraͤfftigen Stralen: Die koͤſt= und kuͤnſtlich alls beſchmeltzen

langſam. Symphonia mit 3. Schalmeyen. ſeinen duͤrren mit Rauchwerk ertufft. und bemahlen in dieſem Bezirk.
Die I. Handlung. Der II. Auffzug. Ehre: Kuͤnſt: Reich:

Kuͤnſt:

Ehre:

Reich:

1. Mit Rubinen und Saffiren iſt beſetzet dieſes Land/ das mit manchem Diamant pflegt der

2. Laſt uns bey de ̅ matten ſchatten/ ſingen in ď Morgenſtund/ ſinge ̅ mit erfreude ̅ Mund/ un ̅ die

3. Laſt uns williglich beken ̅ en/ daß hierbey die ſchoͤnſte Blum’ aller Welt un ̅ Felder Ruhm ſey die

4. Wan ̅ die helle Sonne taget/ wan ̅ der Vogel lieblich ſingt/ wan ̅ uns heitrer Luft umringt/ un ̅ ď

ſingen von ferne mit dreyen Stimmen. 1. Alt und 2. Tenor.

helle Tau zu zieren/ dieſer edle Blumen Schrein/ glaͤntzet von der Sonnenſchein.

Voͤgel umb uns laden. Jeder lobe ſeine Lieb/ auß befreytem Hertzens trieb’.

Seelewig zu nennen. Lobet ſie mit gleichen Schall/ uͤber andre Bluͤmlein all’.

Blumen Ruh behaget/ So gedenke Seelewig alles woll beluſten dich.

Die II. Handlung. Der III. Auffzug. von 7. Perſonen. Sinig: Seel:

Sinn:

Sinn: Hoͤrſtu was die Schaͤfer ſingen? Seel: Haben ſie was an

Kuͤnſt:

Schoͤneſte Nymfen jhr Krone der Heinen/ flihet/ flihet Ein

Sampt 3. Schaͤffern Hertzig: hinter dem Baum verborgen und Gwiſſ:

zu bringen? Sinn: Dein Ruhm und Lob ligt jhnen ob!

ſamkeit/ Liebet:/: unſre Hirtenfreud welche befreyet von Trauren und Weinen.

Die I. Handlung. Der III. Auffzug.

Sinn: Wann uns dieſe Hirten leiten/ werden unſre Hertzen weiden/

Kuͤnſt: Schau/ den gebranden Thon/ den ſonſt der Wind zerſtaͤubt/ iſt durch die ſcharf

dein Ruhm und Lob/ ligt jhnen ob! Sie ſetzen ſich/ Kuͤnſt: uͤberreicht Seel: ein Fernglaß und ſinget:

fe Glud ſo meiſterlich betaͤubt/ daß er ſich hat vereint.

Die II. Handlung. Der III. Auffzug.

Kuͤnſt: und weichlich koͤnnen flieſen/ als wie das zarte Wachs/ ja

Kuͤnſt: che Metall/ (Berundet meiſterlich) bringt auff den Mittelfall/ der

den Cryſtall zu gieſen. 2. Die Kunſt ſich unternimt. Das brechli

Augen Stralen Glantz/ daß alles was wir ſehen/ So viel vernemlicher

Die III. Handlung. Der III. Auffzug.

Kuͤnſt:

und groͤſſer komt zur naͤhen/ durch dieſes Wunder Glas be

Sinn: Hier kanſtu deinen Muht durch dieſes Eiß erweiten/ das dich von

ſchaue was du wilt; ſo findſtu (glaube mir/) was dein Verlangen ſtillt.

Traurigkeit/ zu Freuden kan beleiten Ehre: Wiltu bey dieſem Fluß

Ehre:

vertreiben deine Zeit/ ſo nim von meiner Hand’/ alls was ich dir bereit

ein Ambiß und Geſenke. Wann du nur emſiglich auff hohe Felſen

an deinem Angel hangen/ doch muß dem Vngedult/ der Hoffnung geben

{Ein ſcharffen Angel hier/ dir Seelewig geſchenkt/ mit einer ſchwanken Ruht/ {So wirſtu ſicherlich/ nach Wunſch und deim Verlangen/ viel Fuͤrſtlich Gericht’

ſteigſt und von den Klippen ab dich zu dem Waſſer neigſt.

ſtet/ das du nicht bald verlaͤſt/ dir ſo be liebten Pfad.

Sinn: Geſpiel was dunket dich/ von dieſem freyen Hirten?

Reich: Ob keine Gabe gleich die dieſer Nymfen werth/ zu finden

* durch Waͤlder/ Berg/ uud Thal// durch finſtere Gefuͤld’/ auf rechter

heiſt nicht die Muͤhe Luſt in hohen Eehebegierden? Reich:

in dem Meer’/ und auff der weiten Erd’/ jedennoch will ich jhr zu

Fuhr und Spuhr zu fellen manches Wild. Wird dieſer Herren Luſt der

Reich:

Fuͤſſen niderlegen hier/ Koͤcher/ Pfeile/ ſampt den Bogen in ge

Seelewig behagen: So wird ſie nechſt dem Luſt viel reichen Nutz er

Sinn: Sele:

die Pfeile koͤſtlich Holtz/ es iſt hier nichts gemein. Seele:

Sing:

hagen } * Sin: Der Bogen iſt von Gold/ der Koͤcher edler Stein/ jagen.

*

Ich kuͤſſe die Geſchenk und werde mich befleiſen hingegen

Lieb’ und Gunſt euch ſaͤmtlich zu beweiſen. (gehen ab.)

Die II. Handlung. 2. Perſonen. Gwiſſ: und

Gwiſſ: Hertzigild du haſt vernommen Seelewig Gefaͤhrlichkeit.

G: 2. Ich ermahne ſie mit Weinen/ daß ſie Sinnigunda meid/

G: 3. Auf nun laß uns nacher eilen eh ſie ſonſt zu Schanden wird.

Der IV. Auffzug.

Hertz: 1. Diſc. und 1. Alt.

Hertz: Wir ſind ſchuldig jederzeit/ zu befoͤrdern jhren Frommen.

H: Ob wirs gut gleich mit jhr meinen/ ſo dankt ſie mit Haß und Neid.

H: Leichtlich wird ſie ſeyn verfuͤhrt/ wann wir kurtze Zeit verweilen.

Die II. Handlung. Der V. Aufzug.

Sin: 1. Haben dich unſere Hirten beſchenkt/ wie du begieriglich an dich ge

2. Sihe weißroͤhtliche Bluͤmelein hier/ blaſſen vor Schamme fuͤr Seele

Sin: 1. jetzo zu ſchenken. } Seel: Liebſte Geſpilin der 2. ſtaͤrker verbunden.
Sinnig: und Seel: 2. Diſcant.

haͤngt/ So will ich erkuͤnde nicht ferners bedenken/ dir diſes mein Kraͤntzelein

wigs Zier: So niedlich das Kraͤntzelein ſcheinet gewunden/ doch bleibet dir Sinigund

liebe Gebot loͤſet alleine der bittere Tod.

Die II. Handlung. Der VI. Auffzug. von 4. Perſonen. Gwiſſ: Hertz:

Gwiſſ: Nicht das/ was nur beliebt/ und unſrem Munde ſchmeckt/ wird

gilt das ſchnoͤde Sinn beginnen. vileicht kan dein Gelimf ſie

Seel: Sin: 3. Diſcant 1. Alt.

von dem klugen Artzt dem Kranken fuͤrgeleget. Verweiß jhr Hertzi=

Sonnet.

maͤchtiglich gewinnen. Hertz: Ihr Schweſtern hoͤret mich/

Die II. Handlung. Der VI. Auffzug. Gwiſſ:

und merkt was ich werd ſagen! die Baumen ſo hier ſtehen gantz auß

Frucht mit gleicher Buͤrd getragen wann ſie der ſchweiffe Luft durchwandert

geroſt und alt/ ſind mit der aͤſte Fug einander ſo verſchallt/ als ob ſie bluͤh’ und

mit behagen kuͤſt jhrer Blaͤtter Meng einander manigfalt: Wann eine

Hertz:

Wolke ſie mit Regennaͤſſe mahlt/ Iſt ihrer Zehrentruͤpff’ auf Aſt von

beider theils daß ſie ſind abgeſtorben/ und nun deß Haͤckers Axt wird trennen jhre

Aſt geſchlagen. So ſtreng vereinte Lieb’ hat bald der Baumen Brand entzuͤndet

Band’/ erwartet gleichen Fall/ wann ihr nicht laſſet ab von Lieb geſchloſnem Band’.

Hertz:

ihr ſeit ſobald verdorben/ dort in dem Hoͤllen Feur/ hier in

binden/ und in deins Lebens Lauff die wahre Ruhe finden/ So reiß von

Gwiſſ:

dem toden Grab Gwiſſ: Wann du dich Seelewig wilſt der Gefahr ent=

deinem Haupt der Sinnigunda Krantz/ und jhrer Kupplerey verſtop dein’ Ohren gantz.

Gwiſſ:

Wend ab dein Angeſicht von Kuͤnſtelings betruͤgen/ dann er durch ſein
und den Pfeil; im Fall du wilt entgehn dem angeſtrengten Seil’.
Geſchenk nur ſuchet zu beluͤgen/ Enthalt ſtets deine Hand vom Bogen
dein Angelruten wirff zu Hertzi gil de Fuͤſſen/ wilt du nicht
Gwiſſulda.
jhrem Fang mit ſpater Reue buͤſſen/ laß auch die Sinigund
diſe Hand vol Eiffer Zorn Straf. Seele: es fellet
mit jhrem Narrenthand entweichen wann ſie nicht wil ſpuͤren
ſchwer zu laſſen was man von langer Zeit geliebet ohne Maſſen.
Seel: duͤſtere Wolken/ :/: ſtark brauſende Winde
Hagels Geſchuͤtz/ ſchone mein ſchone/ ſchone daß nichtes entzuͤnde. Raͤche
nummende Donner :/: Feurſtralender Blitz waſſrichte Schloſſen und
nicht meine ſo haͤuffige Suͤnde. Maͤchtig und ſchroͤckliches Him ̅ els Geſchuͤtz! berget mich Huͤgel un ̅
Seel:
felſichte Ritz/ daß mich bedrohete Strafe nicht finde! Alle Wort ſind
mir zu Eng/ daß ich ſolcher Straf entgeh’ hoͤrt! der Echo ſchallet
mir zu weng/ Alle Felſen ſind zu nider/ Ach! Ach! Ach! Die Welt iſt
wieder meinem Weh/ Ach Ach Weh Ach Weh!
Chor der Nymfen. à 4. Echo.
Seel: Was kan unſren Sinn betruͤben?
Sin: Was mag unſre Ruh
Hertz:
Echo. lieben/
Echo.
verſtoͤren?
Was pflegt unſer Hertz zu reitzen?
ehren geitzen.
Echo. Chor der Nymfen.
Das heiſt mit den Eulen beitzen/ lauffen nach der Eitelkeit/ und
das heiſt mit den Eulen beitzen/ lauffen nach der Eitelkeit/ und
das heiſt mit den Eulen beitzen/ lauffen nach der Eitelkeit/ und
das heiſt mit den Eulen beitzen/ lauffen nach der Eitelkeit/ und
das heiſt mit den Eulen beitzen/ lauffen nach der Eitelkeit/ und
ereilen eitel Leid/ wann wir lieben/ ehren/ geitzen/
ereilen eitel Leid/ wann wir lieben/ ehren/ geitzen.
ereilen eitel Leid/ wann wir lieben/ ehren/ geitzen.
ereilen eitel Leid/ wann wir lieben/ ehren/ geitzen.
ereilen eitel Leid/ wann wir lieben/ ehren/ geitzen.

2.Was bringt groſſer Herren Rahten? Schaden.Was giebt Wiſſen uns zu Lohn? den Hohn.Was mag unſer Hertz genuͤgen? Luͤgen.Alſo pfleget zu betruͤgenwann uns eitel Eitelkeit/hinterlaͤſt an ſtat der Frewd’eitel Schaden/ Hohn und Luͤgen.
3.Was iſt hohe Fuͤrſten Gunſt? ein Dunſt.Was iſt der Sauf=und Freſſer Luſt? ein Wuſt.Vnd der ſo ſtoltzen Krieger Macht? ein Pracht.Alſo wird im End verlacht/ſo die fluͤchtig Eitelkeithinterlaͤſſet eitel LeidEin blauen Dunſt/ ein Wuſt/ ein Pracht!
Symphonia zu der dritten Handlung/ vor den Erſten Auffzug. mit drey Pomparten oder Fagoten.

Die III. Handlung. Der I. Auffzug. von 4. Perſonen.

Kuͤnſt: Ich ſag’ es ich habs gehoͤrt/ und geſehen
Reich:
Ehre:
Truͤg: Iſt ſie ſo bald wendig worden?
Truͤgew: Kuͤnſt: Reich: Ehre:
durch die Hecken Glaubet ihr nicht meinen Worten.
hat ſie ſich dann
Die III. Handlung. Der I. Aufzug.
Kuͤnſt: Ihre Krafft wolt nicht rrklecken.
Reich:
Ehre: nichts gewehrt.
Truͤg: Glaubet ſie
wann ſie Sinigund behaͤlt.
Iſt ſie dann dar
wirds bald vergeſſen.
Die III. Handlung. Der I. Auffzug.
Kuͤnſt: Sie durft ſich keins Worts vermeſſen.
Reich: Ach ſie wur
Ehre: bey geſtanden?
Truͤg:
de ſo verſchellt? daß ſie nahm die Flucht mit Schanden!
laſt uns unſer
Die III. Handlung. Der I. Auffzug.
Kuͤnſt:
Reich: Man muß neue Fallen
Ehre: Alle Hoffnung iſt nicht auß.
Truͤg: Heil verſuchen!
Sol noch etwas werden drauß
bauen.
folget mir zu jener Buchen. Folget ich wils euch vertrauen.
Die III. Hondlung. Der II. Auffzug. Seelewig allein.

Seel: 1. Schnell eilende Wellen/ hellauffender Fluß/ Harre nun in dieſer Auen/

2. Dann langeſt du nachmals ans prauſende Meer/ frag ob auch in ſeiner Tiefen/

3. Die ruhige Nachte beſaͤnfftigt mich nicht/ weil ich keinen Luſt erwerbe/

4. Nun weile nicht ferners betruͤbeter Fluß/ kan mein Klag dein Eil verwehren/

1. druß/ will ich die ietzt anvertrauen.

2. Heer/ die von meinen Augen triefen.

3. Liecht ſchauend zu daß ich verderbe.

4. Guß meine Zehren dich vermehren.

Laß mich lang Betruͤbte tauen/ Mein’ haͤuffige Zehren/ meins Hertzens ver

ſolche Bitterkeit zu pruͤfen/ und ob es nicht weiche der Troͤpfelein

ſondern faſt in Kummer ſterbe/ die froͤliche Sonne verſagt mir ihr

und von deinem Lauff dich kehren; So rauſche/ ſo lauffe mit ſtaͤrkerem

Sin: Die III. Handlung. Der III. Auffzug.

Sin: Die ſchwanke Nachtigal ſo fluͤ gelſchnell
eim Toden lied ihr Ach und Weh muht ſingt bald ſchlur
Sinig: und Seelewig.
ſich ſchwingt/ umfuͤhret Wolken an ihr lang verlangtes Klagen/ und gleich
fend Kehlen ein ihr Sehnen Angſt und Zagen. wie der Trompeten Schall
Die IV. Handlung. Der IV. Auffzug. Sin:
wie der Trompeten Schall mit Pracht und Macht erklingt; ſo pfleget
lein den Schroffen Kies durchdringt! ſo ſauſſelt :/: ihr Geſang
ihr Gethoͤn mit ſtarkem Ruf zu ſchlagen: Bald wie das Waͤſſer
vol Freuden und behagen! Hoͤr doch :/: wie kuͤnſt lich bunt ihr Stim=
Sin: Die III. Handlung. Der III. Auffzug.
melein ſich wind faſt jedes Toͤns
ſie die Lufft durch ſchneid mit einem leichten Fluͤgel! Erlerne
:/= :/: gebaͤnd in ihrem Thon ſich find/ wan ̅
wie das Gluͤck uns weinen machen kan/ und bald in einem
Sin: Die III. Handlung. Der III. Auffzug.
blick uns lachet wieder an; So wir dem Vnholdmuht nicht
unſerer Muͤtterlein ſorgliches Plagen/ das mindert und hindert den
hangen lange Zuͤgel. Seelewig haſſe das Klagen und Zagen
froͤlichen Muht/ verachte die fluͤchtig= und nichtige Zucht/ welche
Sin: Die III. Handlung. Der III. Auffzug.
ſie ſchnurriſch und murriſch gegroͤnet/ Alte ſind Kuͤfens und Knei=
Seel:
meine Schmertzen und alles Trauren Weh abwenden von dem
Seelew:
fens gewohnet. Seel: Wann dem erfreulichs Wort moͤcht lindern
Hertzen/ ſo wolt ich ohn Verzug ergreiffen deinen Raht/ und gleichſam gantzer
Die III. Handlung. Der III. Auffzug. Seel: Sin:
neut mich freuen in der That. Sin: Frage die Baumen/ befra
Sin:
ſchoͤner ſeiſt wann du viel lachſt/ oder mit Weinen nur ſeufftzeſt und achſt
ge die Waͤlder/ frage die blumichten Auen und Felder/ obe du
frage nur/ frage die Tochter der Luffte/ :/:
Die III. Handlung. Der IV. Aufzug. von 3. Perſonen. Seel: Truͤg: Seele:
Sele: Wer kan dann troͤſten mich? Wer hoͤret was ich klag?
Sin:
Truͤg: in Widerhall verſtellt. ich ſag Der Echo ſtill.
in dem Widerhall verſtelt und Sinn:
Mein Freud iſt nun dahin!
Sthe dort auß jenem Ort gibt der Echo gegen Wort!
hin?
Die III. Handlung. Der IV. Auffzug.
Seel: Was diliget Verluſt?
Sin: Luſt und Kurtzweil dir behag/ ſo vergiſſeſt
Echo Luſt.
was ziert mich in der Welt? was foll ich wuͤnſchen mehr?
du der Klag.
Gelt Ehr.
Die IV. Handlung. Der IV. Auffzug.
Seel: was
Sin: wann ein Schaͤfer dich verehrt/ wird dein Gut und Muht gemehrt.
bringt mir groſſe Gunſt? Was maͤſſigt groſſes Leid?
wem ſol ſie dann
Kunſt Freud.
Die III. Handlung. Der IV. Auffzug.
Seel: Raͤhteſt du uns aber guts? was fuͤr
Sin: folgen hier?
Echo’ dir. thuts.
kurtzweil ſchicket ſich?
Jene Schaͤfer ſuchen dich
Der II. Auffzug. Die III. Handlung. Kuͤnſt: Sin: Seel:
Kuͤnſt: Hoͤrt/ was uns Truͤgewald befohlen in den Sachen/ das ſetz’ ich in das Werk/ ich kans am
Kuͤnſt: Sin:
folget mir/ iſt ſein und mein Begehr. Sin: Mit dieſer Schaͤfer Zunfft laß
die 3. ſingen/ die andern gehen aber mit.
beſten machen/ und leiſten was er wil. Drumb trett ich forne her/ Ihr beyde
uns die Zeite kuͤrtzen/ und in die weite Lufft das Kummer Sorgen ſtuͤrtzen. Kuͤnſt:
Die III. Handlung. Der V. Aufzug. Kuͤnſt: Sin:
Kuͤnſt: Ihr Nymfen laſſet euch belieben in der Kuͤhl’; In dieſer
Sin: Wir beide ſpielen mit/ doch aber daß vor allen uns
Morgen Stund’ ein freyes Schaͤfer Spiel. Sin:
zieme ſolcher Luſt/ ſonſt mags uns nicht gefallen. Kuͤnſt:
Kuͤnſt: Die III. Handlung. Der V. Auffzug.
Kuͤnſt: Wir wiſſen die Gebuͤhr. Das Spiel welchs uns behagt heiſt
Kuͤnſt:
Kuͤnſt: rumb/ und pfleget zu verbinden/ den ſo die Zahle trifft/ der
man die blinde Lieb’: iſt alſo auß gedacht/ Man zehlt anfangs he=
muß umlauffend finden ein anders an die Stet zu ſeyn die blinde Lieb=
Kuͤn: Die III. Handlung. Der V. Auffzug.
und alſo nach und nach erfolgt deß Spieles Trieb. Sin:
Kuͤnſt: Es ſol das Siebende den erſten Blindfang wehlen. Hoͤrt ich beginn von
verſuchen ſchadet nicht. Seel: Wer faͤngt dann an zu zehlen
mir an/ Zwey/ Drey/ Vier/ Fuͤnff/ Sechs/ Sieben/ Es laſſ ihr Seele
Kuͤnſtl: Die III. Handlung. Der V. Auffzug.
wig erſtmals zu fangen lieben.
Sin:
Biß du durch ſchnellen Lauf ein andern haſt errennt.
Sinn: das iſt das zarte Band/ das dein Ge ſicht verblend.

Die III. Handlung. Der VI. Auffzug. Gwiſſ: Hertz:

Gwiſſ: Beſchau was du verblend’/ und faſt erblind erlauffeſt!

Der du fuͤr dunkel Luſt das wahre Leid verkauffeſt/

Hertz: Vnd weil du Sinigund die Seelewig verblendet/ ſo fall leben

beraubet aller Staͤrk die bald in Hohn verwendet/ du aber Seel

Seel:

du Trig= und Luͤgengeiſt/ entweich auß jhrem Arm.

entweich mit deiner Rott ſamt deinem Schmeichel Schwarm.

dig tod zu ihren Fuͤſſen hier.}

ewig folg uns nun fuͤr und fuͤr.

Die III. Handlung. Der VI. Auffzug. Gwiſſ:

Gwiſſ: Dank/ Lob/ und ſinge Gott/ daß er dich nicht verlaſſen

der die ſen Wald und Welt beherꝛſchet ohne Maſſen

Hertz: Nachdem das eitle Thun auß deinen Augen weichet/

das Gottes Gnaden Hand zu dir vvm Himmel neiget/

In ſolcher Faͤhrlichkeit/ vielmals hat dein begehrt.}

und dich durch Lieb’ und Luſt verſuchet und gefaͤhrt.

beleuchte die Vernunft das Ewig Seelen Wort. } Seel: drumb lobe ſeine Guͤt vonietztan fort und fort.

Seelewig.

Seel: 1. Ach wunder ſtarker Gott/ der du durch manche Nacht/ mich gnaͤdiglich gefuͤhret.

2. Ach daß ich Fluͤgel haͤtt der guͤldnen Morgenroͤht/ mich Him ̅ el an zu ſchwingen!

3. Dein immer Guͤtigkeit/ die Morgen ſtaͤts erneut/ umſtrale mein Beginnen/

4. Es ſol zu aller Stund dein Lob in meinem Mund in dieſem Thal erſchallen/

Es iſt kein Vngeluͤck kein Aug=und Hertzenblick da ich mich wol regiret.

Dann mich nun alls betruͤbt/ was ich zuver veruͤbt in irr irdiſchen Dingen.

Ach HErr ich nehm mich mir/ und gib mich gaͤntzlich dir/ Ach laß mich dir gewinnen.

biß ich zu ſeiner Zeit werd in der Ewigkeit den Himmels Berg auf wallen!

Symphonia mit 3.
Violen.
Chor der

1. Nun jauchtzet ihr Heiligen toͤnet und ſinget! nun lobet den Hoͤchſten/

2. So ferne der Morgen vom Abend entſtehet/ Sein himmliſche Guͤte

3. Mit heiligem Hertzen und heiligem Willen Viel werden die Engli

Engel.

Dankopfer ihm bringet welcher bußthrenende Seelen erloͤſt und hertzlichen troͤſt.

die Frommen umfaͤhet/ Reuhiche Zehren uns ſchenket er ein/ der Engelein Wein.

ſchen Schaaren erfuͤllen/ Seelige jauchtzet/ daß ewige Freud den Frommen gedeyt.

Der Mahlkunſt Beſchluß Geſang

1. Iſt die Liebes Trew nunmehr gantz erkaltet? wil das Kunſtgeſang ohne mich

2. Nein/ der Eiferneid meinen Sinn berucket. Wie das Bluͤmelein mein Gewant

3. Oede Stattgebaͤu/ brochne marmol Zimmer/ Venus Hercules Menſchen=Goͤt

4. Was die haſtige Zeiten koͤnnen fellen/ mag ſo meiſterlich meine Hand

5. Welches Kunſtgewerb kan mit uns ſich gleichen? Berge felſichte Huͤgel Thaͤ

6. Hat das liebliche Sing und Reimgebaͤude/ meiner Schweſteren Kunſtprob euch

an die Zuhoͤrer.

auf prachten? und das Reimgedicht meiner nicht mehr achten/ iſt das Schweſter be ſchoͤnet/ und der bunte Krantz meine Haare kroͤnet/ ſo hat Mahler ter Seulen/ halb verfallene Grufften/ Neſt der Eulen/ alte moͤſi erretten/ durch den Maſſeſtab Pinſel und Poletten und behage ler/ Waͤlder/ Fluͤſſe/ Meeresfurt’ Vfer/ Auen/ Felder/ in dem Augen= gefallen/ ſo laſt Seelewig Lobgeſchrey umſchallen; ſagt uns gute

1. Band unter uns veralten.

2. Werk dieſen Platz umſchmucket.

3 ge Siegesbogen Druͤmmer.

4. lich ſchoͤn vor Augen ſtellen.

5. blick’ unſrem Auffzug weichen.

6. Nacht ſchlaget in die Haͤnde.

Entwurf Deß Fuͤnfften Theils der Geſpraͤchſpiele.

* Die Erfindungs Qwellen.

* Die Lehrart.

* Das beſte Sprichwort.

* Das Haußhalten.

* Das beſte Buch.

* Die uͤbertrefflichſte Tugend.

* Das ſchaͤndlichſte Laſter.

* Die Erbauung deß Gemuͤhtes.

* Der Tugenden Hoffarben/

* Das Schoͤnſte/ } zu deß Menſchen Leben. * Das Nuͤtzlichſte/ * Das Noͤhtigſte/

* Der Gluͤckstopf.

* Das Groſſe und Kleine.

* Alt und neu Teutſchland.

* Die Verwegenheit und Zagheit.

* Ob deß Mundes/ oder der Buͤcher Stimme beweglicher ſey?

* Ob die Lehrgeſetze oder die Exempel mehr fruchten?

* Ob die Rechtsgelehrten/ oder die Ertzte nohtwendiger im Regimen?

* Ob beſſer ſey lieben oder geliebet werden?

* Ob ins gemein die Maͤnner oder Weiber getreuer zu ſeyn pflegen?

* Ob zu Erlangung der Geſchickligkeit dienlicher ſey/ die Armuht oder der Reichthumb?

* Das gluͤckſeligſte Thier.

* Wie die Bildung/ Gedaͤchtniß/ und Vrheilskraͤffte/ mit der Mahl=Sing= vnd Dichtkunſt zu vergleichen. Der Palaſt der Wiſſenſchaffren nach den 7 Tagen der Erſchaffung außgebauet:

* Das Liechr ☉ Fortſetzung der Seh=vnd Spiegelkuͤnſte.

* Das Waſſer } Fortſetzung der Sinnbildkuͤnſte. * Die Erden * Die Sterne * Die Thiere * Der Menſch * Die Ruhe

* Der Merallen Auffzuͤg/ in welchem die 7 Toͤne der Muſic Kunſtgruͤndig vorgeſtellet werden.

* Der Deutkuͤnſte } Fortſetzung. * Der Magnetkuͤnſte * Der Heroldskuͤnſte * Der Dichtkuͤnſte * Der Reimkuͤnſte

* Die Poetiſchen Entzuckungen.

* Die Zahlreimen.

* Die Zahlſchriften.

* Die Wortgrifflein.

* Die verſtimmelte Woͤrter.

* Der Hauptſprache Kampffſpiel.

* Magdeburg und Troja.

* F. II. R. K. Lebenslauff in einem Poetiſchen Gedichte beſchrieben.

* G. A. K. 3. S. Tharen durch Sinnbilder vorgeſteller.

* Das Sieb der Warheit.

* Die guldene und eiſerne Waffen.

* Die Roſen.

* Von der Lieb und der Furchte Gottes.

* Alles miteinander und noch viel mehr auß dem Quevedo uͤberſetzet. Die Zugabe wird benebens denen im Dritten Theile vermeldten Spielreimen/ ſeyn ein Trauer Spiel auß dem Italieniſchen uͤberſetzet.

I. Ordnungsregiſter Des Vierten Theils der Geſpraͤchſpiele. Spiele. CL I. Die Poeterey. II. Pan. III. Perſeus. IV. Bacchus. V. Teutſche Namen. VI. Die Muſic. } in einem Wald= gedichte vorge= ſtellet. VII. Duͤnkelwitz. VIII. Sinnetrug. IX. Das Morgenlob. X. Die Seelengefahr. XI. Die Ermahnung. XII. Die kurtze Reue. XIII. Die Bekehrung. XIV. Die Mahlkunſt. XV. Die Sinnbildkunſt. XVI. Bilderſchriften. XVII. Letterwechſel. XVIII. Der Sinnbilder Figuren. XIX. Geiſtliche Gemaͤlde. XX. Bildereyen.
CL XXI. Der Sinnbilder Obſchrift. XXII. Natur oder Chur. XXIII. Gemahlde Sprichwoͤrter. XXIV. Der Gluͤckesbau. XXV. Die Deutkunſt. XXVI. Das Haubt XXVII. Die Hand und Zahlbuchſtabe ̅ . XXVIII. Teut oder Deut. XXIX. Die Heroldskunſt. XXX. Der Helm. XXXI. Die Beywoͤrter. XXXII. Die Fiſche. XXXIII. Das Schiff. XXXIV. Der Spiegel. XXXV. Der Blumenſtrauß. XXXVI. Das Kartenſpiel. XXXVII. Die Edelgeſteine. XXXVIII. Der Spatzierluſt. XXXIX. Der Dantz. XL. Fruͤling oder Herbſt. XLI. Weinen oder Singen. XLII. Alles oder nichts. XLIII. Keuſch oder maͤſſig. XLIV. Die Maſquen. XLV. Vnartige Reden. XLVI. Maͤnner oder Weiber. XLVII. Buͤcher oder Buͤchſen. XLVIII. Die Gaſterey. XLIX. Die Form der Geſpraͤch= ſpiele.
CC. Das Buchſtabſpiel.
II. Inhaltsregiſter. Anmerkungen.

Das ☞ bedeutet/ wo zuvor in den Geſpraͤchſpielen dergleichen ge= handelt worden.

Das † weiſet in die Scribenten/ die darvon geſchrieben.

Das * bemerket die angezogene Buͤcher.

udg. iſt geſetzet an ſtatt des etc. als die Anfangs=Buchſtaben von den Worten und dergleichen.

Die Roͤmiſche Zahl zeiget auf das Spiel/ die gemeine den Abſatz §.

Meliſ. bemerket die Zugab des Dritten Theils/ und die beygeſetzte erſte Zahl die Handlung/ die andere den Aufzug/ die dritte den §.

SR. Sind die erſten Buchſtaben dieſer Zugabe/ nachgeſetzte Zahlen weiſen den Abſatz.

A.

Abbildungen/ CLXXII. 7.

Abentheurliche Zuſam ̅ enſetzungen der Figuren in den Sinnbildere ̅ / CLXVIII. 25.

Abgoͤtterey der Heyden/ CXCI. 1.

Abigails Ehe mit Nabal/ CXCVI. 5.

Academien in Italien/ CXCI. 1. SR. 10. 11.

Ackerbau/ CLXXII. 10.

Adams Schlaf/ CXCVI. 18.

Affengeſicht/ CLXVIII. 27. ihre affabilitaͤt, CXCIX. 9.

Aicheltaus mit einer Obſchrift/ CLXXXVI. 9.

Alcaiſche ̅ Ode am 452 Blat.

Alles oder nichts/ CXCII.

Anna/ CLXVI. 5.

Ancora, CLXVI. 5. der Anker in einem Sinnbilde/ CLVIII. 17. 18.

Angelruten in einem Sinnbild/ CLX. 8. 15.

Arbeiten und maͤſſig ſeyn/ CLXXXVIII. 5.

Archimedes Brennſpiegel/ CLVIII. 24.

Aſcenes was es fuͤr ein Wort/ CLXXVIII 17. hat das Schutzrecht der Teutſche ̅ Sprache dem Hochfuͤrſtlichen Hauſe Anhalt erblich hinterlaſſen/ SR. 10.

Auferſtehung der Toden aus der Natur erwieſen/ CC. 2.

Augen Geberden/ CLXXXVI. 3. 8. 11. wie die Stralen in den Augen die Se= hungen wirken/ CLXX. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. ruhen auf dem gruͤnen/ CLXXX. 5.

Auskunft der Letterwechſel/ CLXVII. 11.

B.

Bacchus Fabel/ CLIV. Bacchides/ CLIV. 6.

Bart und ſeine Deutung/ CLXXVI. 4. 12.

Bauch iſt der Teutſchen Goͤtz/ CXCVIII. 28.

Bauen an die Straſſen/ CLXXIV. 19.

Baukunſt iſt nicht auszulernen/ CLXXIV. 19.

Baumen in einander verwachſen/ CLXI. 1. Baum des Lebens iſt ein Sinnbild/ CLXVI. 29.

Begierden/ CLIV. wie ſie erzeuget/ 1. erzogen/ 2. erſterben und wieder lebendig werden/ 3. reitzen zur Vngebuͤhr/ 4. werden maͤchtig/ 5. unbaͤndig/ 6. fin= den Lobſpraͤcher/ 7. ringen nach dem verbottenen/ 9. Viehiſche Begierden/ CLXII. 35.

die Bekehrung/ CLXIII.

Beſchreibung des Auges/ CXC. 3. der Blumfelder/ CLXXVIII. 25. CLIX. 2. 3. eines Brunnens/ CLXXVIII. 26. des Dantzes und Dantzſaales/ CXCIX. 4. 8. der Ehefreude/ CXCVI. 8. des Fluſſes/ CLXXXVIII. 26. der Druckerey/ CXCVII. 4. 6. 8. des Geitzes/ CXCII. 7. eines Luſtgartens/ CLXXXVIII. 21. des Geſanges/ CXCI. 3. Haare die ausgeſchmuͤnket/ CLXXVI. 13. des Herbſtes/ CXC. 2. eines Irrgartens/ CLXXXVIII. 24. der kuͤnſtlichen und unkuͤnſtlichen Muſic/ zu Anfang der Zugabe. Des Len= tzens/ CLXXX. 3. der Schoͤnheit/ CXCVI. 8. des Soldatenlebens/ CXCVII. 17. 18. des Spiegels/ CLXXXIII. 10. eines Ziergartens/ CLXXXVIII. 29. Teutſchlandes Elend/ CLXXVI. 8. SR. 62.

Beſtaͤndigkeit/ CLXXI. 3.

Bettelen auf eine Sinnreiche Art/ CXCI. 5.

Bewegung des Leibes/ CXCVIII. 24.

Beywoͤrter/ CLXXX. ſollen aus allen Sprachen in einem ſonderen Werke ge= teutſchet werden/ 1. 2. des Hundes/ 13. 14. 15. 16. 17. 18. des Fluſſes/ 25. 26. 27. 28. 29. 30. der Schaafe/ 7. 8. 9. 10. 11. 12. des Schiffes/ 30. 31. 32. 33. 34. 35. der Wapen/ 2. 3. 4. 5. 6.

Bilderſchrift/ CLXVI.

Bildereyen/ CLXX.

Bleywaag in einem Sinnbilde/ CLXXIV. 5.

Blinde fuͤhren die Hunde/ CLXII. 35. der blinden Lieb ſpielen/ CLXII. 38. blinde Woͤrter fuͤhren/ CLI. 8.

Blumen/ CLIX. werden gelobt/ 2. 3. 10. 11. verachtet/ CLXXXIV. vom 1. bis auf den 10. §. CLXXXVIII. 25. CLXXXV. 11. 12. 13. der Blumen Gebrauch/ CLXXV. 16.

Blutstroͤpflein in dem Ey/ CXCVIII. 34.

Botſchafter der Tuͤrken/ SR. 16.

Bone was es fuͤr ein Wort/ SR. 16. werden von Pythagora verbotten/ und aus was Vrſachen/ 59. der Bonen Koͤnig Namen/ 59.

Brunſchwig was es fuͤr ein Wort/ CLV. 3. Boͤſe Weiber/ CXCVI. 6.

Buͤcher drucken/ Buchſtaben gieſſen/ † Druckerey.

Buͤchſen oder Buͤcher/ CXCVII. der Buͤchſen Schaden/ 13. 14. 15.

Buchſtabſpiel/ CC.

Buß/ CLXIII. Bußgeberden/ CLXX. 7.

C.

C. ob es ſo viel als 100. und waruͤm/ CLXXVII. 24.

Camera obſcura, CLXVII. 3.

Canon, CXCVIII. 1.

Chor/ ob es mit einem K zu ſchreiben/ CLXI. 14. Chorhemter Vrſachen/ CLXVII. 10.

Circul und Characteres in der Sinnbildkunſt/ CLXXII. 32. der Circul iſt die raumlichſte Figur/ daſelbſt.

Citronoͤpfel in einem Sinnbilde/ CLXXII. 32.

Cleopatraͤ Perle/ CXC. 1.

D.

D. waruͤm es 500. zehlet/ CLXXVII. 24.

Dactyliſche Liedlein/ CLVIII. 14 wie ſie in die Muſic zu ſetzen/ CLVII. 71. wer= den vermiſchet mit anderen Reimen/ hin und wieder in Seelewig Matth. Dandolo, CXCI. 1.

Dantzen/ CLXXXVIII. wird gelobt und aus der Natur erwieſen von 2. bis 10. wird verlachet von dar bis zu Ende des Spiels.

Democritus, CXCI. 1.

Deut/ CLXXVIII. ob Teutſch oder Deutſch zu ſchreiben daſelbſt nach der Laͤnge ausgefuͤhret.

Deutkunſt/ CLXXV. beſchrieben/ 1. iſt in der Natur gegruͤndet/ 3. dienet in der Sprachkunſt/ zu der Vernunftlehre/ zur Poeterey/ zur Singkunſte/ u d. g. 8 in der Sittenlehre/ Haußweſen und Regierkunſt. 9.

Diamant zu einer Bilderſchrift/ CLXVI. 5.

Dichtkunſt/ CLI. 5. ihre Abtheilung/ 9. † Reimen.

Diſtinctiones, CXCVII. 8.

Dolmetſchen ſol aus gebundener Rede nicht in ungebundener beſchehe ̅ / CLIV. 16.

Donner mit den Geſchuͤtzen verglichen/ CXCVII. 14.

Dreyſtaͤndige Sinnbilder/ CLXXI. 3.

Druckerey wird beſchrieben/ CXCVII. von 1. bis 9. iſt zu verwunderen/ 9. 10.

Duͤnkelwitz/ CLVII.

E.

Echo/ CLXII. 26.

Ehe/ CLXII. CXCVI. 28. Eheſtandes Sinnbild/ CLXV. 24. iſt zu lieben wie die Artzney/ CXCVI. 4. iſt oft ungluͤcklich/ 56. ſein Stiffter/ 7. wird belobt/ 8.

Ehrgeitz/ CLVII. 33.

Ehren und Loben iſt zu unterſcheiden/ CLXXV. 7.

Efeu Bacchi und ſeine Deutung/ CLIV. 9.

Eitelkeit der Welte/ CLXI. 18.

Eiferſucht/ CXC. 4. 5.

Einfaſſung der Sinnbilder/ CLXXIII. 32.

Einſamkeit/ CXCVI. 7. CLXXXVIII. 17.

Elementa dienen zu den Sinnbilden/ CLXXIII. 32.

Epitheta, CLXXX.

Erfindung der Sinnbilder/ CLXXII. 20. † Sinnbilder.

Erkaͤntniß der Menſchen iſt auf ſechſerley Weiſe zu erhalten/ CLXXIV. 9. bis 15. Erkaͤntniß ſein ſelbſt/ von 15. bis zu Ende.

die Ermahnung/ CLXI.

Erzehlung vom Kartenſpiele/ CLXXXVI. 19. vom Spatzirengehe ̅ / CLXXXVIII. 3. vom muͤſſig ſeyn/ CLXXXVIII. 7. von der Einſamkeit/ CLXXXVIII. 17. von den Leibsuͤbungen/ CLXXXVIII. 11. vom Hunger/ CXCI. 5. von laͤ= cherlichen Aufgaben/ CXCVIII. von einem Hochzeiter/ CXCVI. 8. von ei= nem Waͤchter/ CXCIV. letzter §.

Eſopus Fabelwerk/ SR. 1.

Eſſen des Tages zweymal/ CXCVIII. 29.

Ey wird auf manche Weiſe eroͤffnet/ CXCVIII. 34.

Ewig was es ſey/ CLXIV. 10.

F.

Fabel ſind zu wiſſen den Poeten/ Mahleren/ Stein=und Bildhaueren/ CLIV. 1. ihrer Vmſtaͤnde genaue Deutungen/ 10. 11. 14. vom Hunde und dem Schatten/ SR. 1.

Faſel/ † Bone.

Fernglaß/ CLX. 4.

Feur in den Sinnbilderen/ CLXXII. 26.

Figuren der Sinnbilder/ CLXVIII. † Sinnbilder.

Finger/ CLXXVII. 24.

Fiſche/ CLXXXI. Fiſchreuſe/ CLXII. 3. 4.

Fluͤſſes Beywoͤrter/ CLXXX. von 24. bis 30.

Form der Geſpraͤchſpiele/ CXCVIII.

Frauenmuͤntze/ CLXVI. 5.

Freudenſpiele Nutzen/ CLIV. 15. Abtheilung 15. Dolmetſchung. 16.

Freundſchaften werden auf manche Art geſtifftet/ CXCVIII. 32. in einem Sinn= bilde/ CLXII. 19.

Fremgierigkeit in dem Sprachweſen/ SR. 3.

Freyheit in einem Sinnbilde/ CLXVIII. 18.

der Fruchtbringenden Geſelſchaft Vrheber/ SR. 20. CLXXI. 9. ihr Na= men in einem Sinnbilde/ CLXXI. 9. ihre Spracharbeit/ CLXXI. 10. 14. ihr Ruhm/ SR. 51.

Fruͤchte des Glaubens/ † Glauben.

Fruͤlings Lob/ CXC. 3. 5. 7.

Fuͤchſe mit Fuͤchſen fangen/ CLXXIII. 6. der Fuchsbau/ CLXXIII. 24.

Fuͤrſten werden aus den Haͤnden erkant/ CLXXVII. 3.

G.

Gartens Beywoͤrter/ CLXXX. von 18. bis 24.

Gaſt/ CXCVIII. Gaſtbar/ 3. Gaſterey/ Gaſtiren/ Gaſtgeb/ 2. Gaſtfrey/ Ga= ſtung/ Gaſpar/ 4. Gaſtrich/ Gerngaſt/ Erbgaſt/ 5. Gaſtrecht/ Gaſtgab/ Gaſtlich/ 6.

Gebaͤnd metrum, CLI. 8.

Gebet/ CLXIII. 1. 3.

Geberden der Liebe/ Wolthaͤtigkeit/ Reue/ CLXXV. 7. † Deutkunſt.

Geburtstag/ CXCVIII. 13.

Gedanken uͤbertreffen die euſſerliche Sinne/ † Sinnbild/ ſind Engliſch/ CXC. 25. erzeugen erſtlich das Bild/ nach mals die Rede oder Schrift/ CLXV. 17. 29.

Gegenſatz/ CXCVIII. 25.

Geiſtliche Gemaͤhlde/ CLXVIII.

Geitz wird betrachtet/ CXCII. 2. 4 SR. 2.

Geliedmaſſen des Menſchen/ ob und wie ſie in der Siu ̅ bildkunſte dienen/ CLXIX. 37. 38.

Gemaͤhlde ſind von den Sinnbilderen zu unterſcheiden/ CLXVIII. 27.

Geringes kan groſſes verurſachen/ CLXVIII. 16.

Geſang/ † Muſic und Reimen=Geſaͤnger mit den Zehren verglichen/ CXC 3.

Geſchenke nehmen/ CLXXVII. 23.

Geſchuͤtze/ CXCVII. von 9. bis zu Ende.

Geſchichte der Vorfahren leſen/ CLXXIII. 26.

Geſpraͤchſpiele ſollen der Geſelſchaft gemaͤß ſeyn/ CXCIX. 9. unartige/ CXCIX. 9. wie ſie aneinander zu hangen/ CC. 1. ihr Endurſache/ SR. 48. ſind durch den Gebrauch auszuuͤben/ SR. 51. werde ̅ entſchuldiget/ SR. 50.

Geſpraͤches Lob/ CLXXXVII. 16. SR. 45. 46.

Gewonheiten ſind nicht auf einmal zu verbeſſeren/ CXCVI. 1.

Gezelt in einem Sinnbilde/ CLVIII. 31.

gild was es fuͤr eine Endung/ CLV. 6.

Glaubensfruͤchte in einem Sinnbilde/ CLXV. 20.

Glaͤſer die vergroͤſſeren/ CLX. 3.

Gleichheit/ CXCVIII. 25. Gleichniſſe ob ſie der Sinnbilder Seele zu nennen/ † Sinnbild.

Gluͤckſelige Wolfahrt anwuͤnſchen/ CXCV. 25.

Gluͤckesbau/ CLXXIV.

Goldſchmids=Arbeit mit den Blumen verglichen/ CLIX. 8.

Grentze der Laͤnder/ SR. 7.

gund was es fuͤr eine Endung/ CLV. 8.

H.

Haare auf dem Haubte/ CLXXVI. waruͤm ſie die alten Teutſchen aufgebun= den/ CLXXVII. 18.

Haͤnde in den Sinn bilderen/ CLXIX. 37. 38. Handſchlagen/ CLXIV. 11. CLXXVII. die Hand bieten/ 3. 9. lehren die Fuͤrſten erkennen/ 3. Haͤnde aufheben/ 5. auf die Bruſt legen/ 7. ineinander ſchlieſſen/ 9. die Linke und Rechte ausſtrecken/ 11. die geſchloſſne Hand/ 13. die Haͤnde waſchen/ 15. hin und her ſchwingen/ 21. zuſam ̅ enſchlagen/ 17. verbergen/ 23. mit den Haͤn= den winken/ 23. zehlen/ 24.

Haͤubter der Jungfrauen waruͤm ſie bedecket werden/ CLXXXVIII. 32.

Heiraten/ † Eheſtand.

Heydniſche Gedichte/ CLI. 9.

Helm/ CLXXIX. ſeine Abtheilung/ 3. 4. Ziere/ 1. Helm des Heils/ 5. Helmde= cken Vrſprung/ 6.

Heroldskunſt/ CLXXVIII.

Hertz Taus mit einer Obſchrift/ CLXXXVI. 19. Hertz des Menſchen in einem Sinnbilde/ CLXX. 1.

Hettwig/ CLV. 3.

Hoffnung/ CLVIII. 12. in einem Sinnbilde/ CLXIX. 9.

Hund dient zu vielen Sprichwoͤrteren/ CLXXIII. 4. 10. 23. ſeine Beywoͤrtlein/ CLXXX. von 13. bis 18. ein Hund iſt auf ſeines Herren Grabe Hungers geſtorben/ CLXXIII. 31.

Hunger/ CXCI. 5. CXCV. 18.

J.

Ideæ Platonicæ, CXCVIII. 4.

Igel auf dem Helm/ CLXXIX. 1.

Indianer urtheilen vom Spatzierengehen/ CLXXXVIII. 3. ihre Bekehrung/ CXCVIII. 31.

Jonas Abendruhe/ CLXVII. 12.

Italia iſt das Land der Muſic und Freudenſpiele/ CLIV. 15.

K.

Kahl ſeyn/ CLXXVI 4. 13.

Kartenſpiele/ CLXXXVI. bringet groſſen Schaden; vergleichet des Men= ſchen Leben/ 2. 11. iſt eine Kennart/ 3. dienet zu vielen Lehren/ 4. gleichen den vier Jahrs Zeiten/ 5. ſind des Beutels Sarg/ 6. haben Augen/ 7. un= terrichten die Buhler/ 8. die Soldaten/ 9. die Fuͤrſten/ 10.

Katz in einem Sin ̅ bilde/ CLXVIII. 17. Sprichwoͤrter von der Katzen/ CLXXIII. 20.

Keuſchheit/ CC. 1.

Klingreimen und Klinggedichte welches beſſer/ CLXI. 12.

Knaben ſind in der Kindheit zu erkennen/ CLXXV. 7.

Koͤnige ſollen jhrer Vorfahren Thaten wiſſen/ CLXXIII. 26.

Kreutzes Figur CLXXVIII. 6. ſeine Deutung/ 4.

Kraͤuter behalten ihre Geſtalt in der Aſchen/ CXCVIII. 2.

Krieg fuͤhren/ CLIII. was darzu vonnoͤhten/ 5. 6. 7. darbey iſt alles zu beob= achten/ CLXXXV 15.

Kunſte verfaſſen/ CLXV. 6. 7. wie es zu verſtehen/ CLXXII. 3. ihre Figuren in den Sinnbilderen/ CLXXII. 31.

Kundſchafter/ CLIII. 6.

Kurtze Reue/ CLXII.

Kuͤſſen/ CLXXVI. der Elteren/ Freunde/ Verliebten/ die Obrigkeit/ die Haͤn= de/ den Rock/ 9. 10.

L.

L. waruͤm es 50. bedeute/ CLXXVII. 24.

Leben des Menſchen/ CLXXXVI. 2. wird durch das Geſchuͤtz verkuͤrtzet/ CXCVII. 14. 15. iſt ein Spiel/ SR. 37. 28.

Leibes Vbung/ CLXXXVIII. 5.

Leo der VII. Pabſt befreyet die Meiſterſinger/ CLI. 8.

Letter ob es Teutſch/ CLXVII. 10. Letterwechſel/ CLXVII. Letterzwang/ 5. iſt bey den Ebreeren uͤblich/ 4. ihre Geſetze/ 10. dienen zu den Sinnbilderen/ 11.

Liebe mit der Sonnen Stralen verglichen/ CLVIII. 14. Chriſtlicher Liebe Eigen= ſchaften nach der Laͤnge außgebildet/ CLXVIII. 4. 5. 6. 7. 8. 9.

Liechtmeß/ SR. 60.

Ling was es fuͤr eine Endung/ CLV. 12.

Loben iſt von ehren zu unterſcheiden/ CLXXV. 7.

Gio: Franceſco Loredano wird gelobt/ CXCI. 1.

Loͤwen in den Wapen/ CLXXVIII. 4.

Ludwig was es fuͤr ein Wort/ CLV. 3.

Luft in den Sinnbilderen/ CLXXII. 27.

Luͤgen dienet die Warheit zu forſchen/ CLXXIV. 9. der Luͤgenden Geberden/ CLXXIV. 8.

M.

M waruͤm es 1000. bemerke/ CLXXVII. 24.

Magnets Wunder/ CLXXI. 10.

Mahlkunſt/ CLXIV. ihr Aufzug/ 4. iſt mit der Poeterey verſchweſtert/ 2 ihr Vermoͤgen und Lob/ 5. 6. 7. 9. der Mahler Meiſterſtuck/ 1. 2.

Malva, CLXVI. 5.

Mannsfeld/ CLXXVIII. 17.

Mannstreu/ CLXVI. 5.

Maria Wundergeburt in einem Sinnbilde/ CLXXII. 24.

Meduſa, CLXIII. 7. 10.

Meermuſchel/ CLVIII. 1. 4. 5.

Meiſterſinger und ihrer Kunſt Verfaſſung/ CLI. 8.

Menſch iſt zur Ehre Gottes erſchaffen/ CLVIII. 6.

Menſchliche Figuren in den Sinnbilderen/ CLXVIII. 27. 28. 29.

Mercurius, † deut/ ſeine Fluͤgel/ CL. 5.

Metrum das Gebaͤnde. CLI. 8.

Mißbrauch der Schiffarten/ CLVIII. 16.

Monarchey iſt jederzeit bey den Saufferen geweſen/ CXCVIII. 33.

Morgenlob/ CLIX.

der Mund iſt der Artzt und der Henker/ CLXXIV. 23. mit unreinen Lippen/ CLXXII. 5.

Muſen befinden ſich bey Baccho, CLIV. 8.

Muſica CLVI. ihre Ankunft/ 3. 4. 24. ihr Aufzug/ 21. 22. Alterthum/ 5. 6. Beſchaffenheit heunte zu Tag/ 10. 11. Endurſach/ 12. 13. 19. 27. 28. iſt mit der Poeterey verbunden/ 14. 15. 20. ihr Lob/ 25. 26. ihre Wunderwir= kung/ 6. 7. ihr Mißbrauch/ 8. 9. 32. † auch Geſang.

N.

die Nachtigal wird ſingend beſchrieben/ CLXII. 14.

Natur oder Chur/ CLXXII was durch das Woͤrtlein Natur verſtanden wird/ CLXXII. 2. wird daſelbſt nach der Laͤnge betracht.

Narrenkappen/ CLXXIII. 2. 3. Narrenleben/ 16.

Niedlich und nieden/ CLX. 25.

O.

O waruͤm es eine runde Figur hat/ CLXXV. 8.

Obſchrift der Sinnbilder/ † Sinnbild.

Ode zu Teutſch/ CL X. 15.

Opfer der Intronaten, CLXIX. 1.

Oſculum, CLXXVI. 9.

Pan/ CLII. ſein Amt/ 9. ſein Bart/ 4. ſeine Bekleidung/ 8. ſeine Bocksfuͤſſe/ 5. ſeine Forſchung/ 15. ſeine Furcht/ 11. ſeine Geburt/ 2. ſeine Geferten/ 10. Jambe, 15. ſeine Hoͤrner/ 3. ſeine Liebe/ 15. ſein Muſicſtreit mit Apolli= ne/ 14. ſein Ringkampf/ 12. ſeine Schwegelpfeiffe/ 6. ſein Stab/ 7.

Palladis Spiegel/ CLIII. 8.

Palmreimen/ † dactyliſch.

Parrhaſius, CLXV. 1.

Paranomaſia, CLVIII. 28. CLXII. 21.

Parnaſſus, CLXXXVIII. 4.

Pegaſus Fluͤgel/ CLIII. 9.

Perle mit den Zehren verglichen/ CXC. 1.

Perſeus/ CLII. ſeine Fabel bildet den Krieg/ der in fremden Laͤnderen zu fuͤhren/ 2. der Feldherren Tugenden/ 5. des Krieges Vrſachen/ 3. erfordert lange Vorbereitungen und Geſchwindigkeit// 4.

Phylis, CLV. 18.

Pferd von der Kunſt gezaumet/ CLXXII. 18.

Pinſen werden fuͤr Soldaten angeſehen/ CLXXXIV. 14. CLXXI. 3.

Poeterey/ CLI. wird mißbraucht/ 1. 2. iſt mit der Muſic vergeſelſchaftet/ CLVI. 14. 15. wird von dem Lateiniſchen abgeſehen/ CLXII. 13. der Poeterey Ab= theilung/ CLI. 6. wird an den Fluͤſſen getrieben/ CLXXXVIII. 4.

zu Poͤltzen drehen/ CLXXIII. 24.

Proportio zu Teutſch/ CLXIV. 4.

Proſerpina erzihet Bacchum, CLIV. 2.

Purpur in einem Sinnbilde/ CLXXIII. 26.

Pyramis oder Flammſeulen/ CLXIII. 3.

Pyrnbaum in einem Sinnbilde/ CLXXI. 14.

Q.

Quadrain zu Teutſch/ CLXI. 12.

Seb. Quirino Stiffter der unbekanten Academie/ CXCI. 5.

R.

Rauch in einem Sinnbilde/ CLXI. 23.

Regenbegen und ſeine Deutung/ CLXIII. 9.

Reichthum mit dem Schatten verglichen/ CLXVII. 33. 36.

Reimkunſt/ CLI. 6. 8 hat etliche zur Zeit erdu te Maͤngel/ CLVIII. 19.

Reiſen was darbey in Acht zu nehmen/ CXCVII. 3.

Reymund als Reyen Mund/ CLXXV. 11.

Reticentiæ verbum in arte Emblematica, CLXXII. 34.

Richten und urtheilen/ CLI. 3.

das Roͤmiſche Reich mit Trinken erhalten/ CXCVIII. 33.

Ruhe der Augen und des Gemuͤhts/ CLXXXVIII. 6.

S.

ſ. s. woher ſolche Figur entſtanden/ CLXXV. 8.

Sachſen und ihres Namens Vrſprung/ SR. 47.

Safran in einem Sinnbilde/ CLXXI. 3.

Satyrica, CLV. 1.

Saturnalia wo ſie herkommen/ SR. 60.

Sauffen/ CXC. 32. 33.

Schaafe/ CLXXX. 7. 8. 9. 10. 11. 12. Schaͤfereyen dolmetſchen † Dolmet= ſchen.

Schalten was es fuͤr ein Wort/ CLXI. 2. Schaltruh/ SR. 34.

Schatten und ſeine Deutung/ CLVII. 33.

Schiffſpiel/ CLXXXII. CLXXX. des Schiffes Beywoͤrter von 30. bis 40. das zu Anker ligt/ CLVIII. 13.

Schildloͤhr/ CLXXIX. 6.

Schillerreimen/ CLI. 6.

Schlangen Mercurii, CLXXVI. 9.

Schnecken in einem Sinnbilde/ CLXXII. 3.

Schoͤnheit wird beſchrieben/ CLXXXIII. 10. wird durch das Spatziren be= foͤrdert/ CLXXXVIII. 11.

Schriften in der Druckerey/ CXCVIII. 7. der Sinnbilder/ CLXXI.

Schul à , SR. 25.

Schulden meiden/ CLXXI. 3.

Schwaͤger und Spieß/ CLXXIII. 25.

SEELEWIG/ CLV. 3.

Seelengefahr/ CLX.

Seulen Herculis Caroli V. CLXXV. 15.

Sexain zu Teutſch/ CLXIV. 13.

Singen/ † Muſic.

Sinnetrug/ CLVIII.

Sinne Vnbeſtaͤndigkeit/ CLVIII. 16. verfuͤhren/ CLXI. 3.

Sinnbildkunſt/ CLXV. Eigenſchaften/ 20. Figuren und ihre Nebendeutung/ 8. CLXXII. von 20. bis 30. 35. ihr Gebrauch/ 26. ihr Lobſpruch/ 28. des Sinnbildes Seele/ CLXV. 14. Obſchrift/ CLXXI.

Soldaten Leben/ CXCVII. 17. 18.

Sommer was es fuͤr ein Wort/ CLXXXVI. 5.

Sonnen anbeten/ CXCI. 1.

Spatziren/ CLXXXVIII. wird mit anderen Vbungen verglichen/ 3/ gelobt bis auf 32. geſchaͤndet von daran bis zu Ende/ wird verneinet/ CXC. 3.

Spiegel/ CLXXXIII. wird beſchrieben/ 1. 3. CXCVI. 8. ſeine Bildung/ 10. Eigenſchaften/ 6. 8. 10. iſt voll Eitelkeit/ 25. ſeine Stralen/ 9. iſt der Schoͤn= heit Rahtgeb/ 9. die Welt iſt voller Spiegel/ 5.

Spiel der Karten/ CLXXXVI. der Kinder/ CLXXXVIII. 7. des Wortes An= kunfft/ SR. 23. 24. 26. Gebrauch/ 27. Spiel der Natur/ 30.

Sprache von Babel/ SR. 19. Sprachen ausarbetten/ CLXXI. 3. ſind den Menſchen nicht angeboren/ CLXXV. 3. Teutſche Sprache † Teutſch.

Spruͤche der H. Schrift wie ſie zu mahlen/ CLXVIII.

Sprichwoͤrter/ CLXXIII. mahlen und uͤberſetzen/ 25. 26. 27.

Stillſchweigen iſt eine Maſque/ CXCIV. 3.

Stirn veraͤnderen/ CLXX.

Subdiviſiones, CXCIX. 9.

Sylben werden in ſtumpfe und klingende getheilet/ CLI. 8. welche lang oder kurtz/ CLXIV. 13.

Sylvie Tod/ CLXII. 12.

Symphonia, CLXIV. 13.

T.

Tact zu Teutſch/ CLXXII. 8.

Teut oder Deut/ CLXXVII. Teutſche Sprache/ SR. 3. wie ſie verderbet wird/ 5. 6. 19. iſt zu Babel nicht verwirret worden/ 19. hat ſeine Wurtzel in dem Ebreiſchen/ SR. 22. iſt noch nicht zaͤrtlich/ CLIV. 17. iſt allen anderen Sprachen vorzuziehen/ CLXXI. 3. Teutſche Namen/ CLV. 3. Teut= ſche manglen der Scribenten/ CLI. 8. das Teutſche Reich ausgebildet/ CLXVIII. 27. die Teutſche zechen vor der Kriegshandlung/ CXCVIII. 33.

Theſeus ſchaffet Ariadne von ſich/ CLIV. 8.

Tiegerthier Bacchi/ CLIV. 5. ihre Haͤute bekleiden Pan/ CLII. 5.

Thiere und ihre Klugheit/ CLXXII. 6. ihre Haͤubter auf dem Helm/ CLXXIX. 5.

Trapellierkarten Deutung/ CLXXXVI. 13.

Trinken bleibt bey den Haubtreichen/ CXCVIII. 23.

Tugend iſt die ſchoͤnſte Blum/ CLXXXIV. 12. laͤſt ſich in Geſtalt der Jung= frauen ſehen/ CLXXXIX. 4. Tugendregel/ CLXXXII. 9. feyret iſt aber nicht muͤſſig/ CLXXXVIII. 5.

Tuͤrken lieben ihre Sprache/ SR. 16.

Tyranney/ CLIII. 10.

V.

V. ob es 5 zehle/ CLXXVII. 24.

Vbung des Leibes/ CLXXXVIII. 11.

Vertrauen auf das Irdiſche/ CLVIII. 18.

Verſtand des Menſchen/ CLXXII. 8. Vnterſchiede der Verſtandgaben/ CLXXV. 1.

Verſchwender werden betrachtet/ CXCII. 2. 4. 5.

Verſchluß der Waaren/ CXCV. 5.

Vld was es fuͤr eine Endung/ CLV. 10.

Vnartige Reden/ CXCV.

Vndank durch das Weinen gebildet/ CXCI. 3.

Vorredner der Freudenſpiele/ CLXIV. 1.

W.

der Wafen Gebrauch/ CLXXIX. 11.

Wahn iſt truͤglich/ CLX. 4.

Walt was es fuͤr eine Endung/ CLV. 18.

Waſſer dienet in der Sinnbildkunſte/ CLXXII. 8.

Waldgedichte/ CLIV. 13. CV. 1.

Weg des Lebens/ CLXVIII. 1.

Weiden bemerken die Reue/ CLXIII. 1.

Weinen oder Singen/ CLXX. CXCI.

Wapen/ CLXVIII. ihre Loͤwen/ 4. Kreutze/ 5. Beywoͤrter der Wapen/ CLXXXIX. 1. 2. 3.

Weißheit iſt die ſchoͤnſte Geſpielin/ SR 28.

Weinſtock von Baccho erfunden/ CLIV. 4.

Wetter wird beſchrieben/ CLXI. 10.

Weyen mit ſeiner Deutung/ CXCV. 2.

wig was es fuͤr eine Endung/ CLV. 3.

Wirkurſach/ CXCVIII. 7.

Winkelmaaß in einem Sinnbilde/ CLXXIV. 3.

Wollen ohne Werke CLXVI. 4.

Wort/ Wortgleichheit/ CLXXI. 3. CLVIII. 28. Wortart/ CLXVI. 7. CLXX. 12. CXCVIII. . Woͤrter die man kan hinterſich leſen/ CLXII. 29. Wortforſchung beſtehet zu weilen im rahten/ CLXXVII. 11.

VII. Wunderwerk. CLXXII. 14. 15. 16.

Wunder der Natur/ CLXXII.

Wuͤrffelſchluß/ CLXVI. 8.

X.

X. waruͤm es 10. bemerke/ CLXXVII. 24.

Z.

Zahlbuchſtaben/ CLXXVII. 24. Zahlirrthum/ CXCV. 4.

Zehren Kraft/ CXCI. der Bußfertigen ſind der Engel Wein/ CLXIII. 8. ſind mit dem Geſang zu vergleichen/ CXC. 12.

Zeitliche Guͤter † Geitz.

Zeuxis, CLXV. 1.

Zindelbinden/ CLXXIX. 6.

Zunge des Menſchen/ CLXXX. 10. hat zweyerley Gebrauch/ SR. 44.

Zuhoͤrer werde ̅ in der Verſamlung eiferiger beweget/ als abſonderlich/ CLIV. 15.

Zweyſtaͤndige Sinnbilder/ CLXXI. 12.

Zweydeutige Woͤrter in den Sinnbilderen/ CLXXI. 3.

III. Regiſter Der Scribenten aus welchen meinſtentheils die Ge= ſpraͤchſpiele verfaſſet werden.
A.

Diego DE AGRADA: Novelas Morales. Madrid. 1620.

Anton. AGOSTINI: Metaglie. Rom. 1592.

Lamprid. ALARDI: de Veterum Muſica liber ſingularis. Schleuſing. 1636

Andr. ALCIATI JC. Emblemata. Lugdini 1592.

Antipathia Amoris divini & humani. Antuerp. 1629.

Armorial ſommaire, dans le quel eſt compris tout ce que depend de la ſcience du Blaſon. Paris. 1638.

Luc. ASSARNO: Raguagli di Cipro. Bologna 1642.

Auguſt. Augſpurger: Reiſende Clio. Dreßden 1642.

B.

Jacob. BALDE, de Vanitate Mundi. Monach. 1638. Batrachomyomachia. Ingolſtadii 1637. Templum Honoris apertum FERDINANDI III. In- golſtad. 1637. Epodon libb. Monachi. 1642. Sylvarum libb. Monach. 1643.

BANDELLO: Novelle. Vener. 1554.

Scipio BARGAGLI: Academico Intronato L’ orazione delle Lodi dell’ Aca- dcmie. Venet. 1594.

Coſimo BARTOLI, Academico Fiorentino Diſcorſi Hiſtorici. Genoua 1582.

Dionyſ. Labeus BATILIUS: Emblemata Francofurti ad Mœn. 1598.

Giacinto BELPIER: Raccoltore de vari diſcorſi Academici Cremon. 1638.

ER, BENZO Hiſtor. Novi Orbis. 1578.

Gioſep. BETUSSI: Dialogo d’ Amore, Venet. 1544.

Theodor. BEZA: Emblemata. Genev. 1599.

Bernhard. BIBIENA: Cardinal di S. Maria Calandra Comed. Venet. 1554.

Lorenz. BIFFI: Lode de la Guerra. Cremon. 1638.

Bizzarie Academiche † LOREDANO.

Jacob. BOSSARDUS: Emblemata Ftancoſurti 1593.

Raffael BORGHNI: La Donna Coſtante. Venet. 1606.

Jacob. BORNITIUS: de rerum ſufficientia. Francof. 1625.

BRUNO NOLANO, Academico di nulla Academia, detto il Faſtidito. Candelajo Comedia, Parigi 1582.

C.

Phil. CÆSIUS: Scala Heliconis Teutonici. Amſtelod. 1643. Fruͤlingsluſt. Hamburg 1642.

Georg. CALIXTUS: Evangeliſtarum Concordia. Halberſtad. 1624.

Joachim. CAMERARIUS: Emblemata Centuriæ IV. Norimberg. 1597.

Camillo CAMILLI: Impreſe Illuſtri. Venet. 1586. Autore digrandbrio.

Jul. Cæſ. CAPACCIO: Secretario. Venet. 1599.

Tomaſ. CARAFFA: Diſcorſi Academici. Cremona. 1638.

Guido CASONI: diſcorſi interni. Crem. 1638.

Pierre CHARON: La Sageſſe. Rouen 1623.

Vincent. DU CREST: Complainte & advis que fait Luiziandro contre Amour. Rouen. 1605.

Luigi CONTARENI: Il Giardino. Vicenza. 1597.

Daniel Czepko: Triumfbogen. Breßlau 1641.

D.

DONI: Academico Pellegrino: Mondi Celeſti, terreſtri & infernali. Vener. 1583.

Jer. DREXELIUS: Rhetorica Cœleſtis Monach. 1636. Nicetas. Colon. 1631. Phaëton. Colon. 1631.

E.

DES EARS: Les contrepoids de L’ame Genev. 1625.

ESTIVAL: Les Alarmes d’ Amour. Lyon. 1605.

F.

FEDELE Academico Affidato diſcorſo dell’ Amore di non veduto oggetto, Cremon. 1638.

Franceſ. FIGUEROA: Obras. Lisbon. 1625.

Cap. FLEGETONE: Comico inflamado. Cyſelia. Paris. 1609.

G.

Hieron. GARIMBERTO: Concetti per ſcriver & ragionar familiarmente. Venet. 1525.

Pompon. GAURICIUS: de ſculptura. Urſellis 1603.

des GEHEIMEN dreyſtaͤndige Sinnbilder/ Braunſchweig 1643.

Feder. GIORGI: Il modo di cognoſcere i buoni Falconi, Aſtori e Spervieri. Venet. 1573.

Guilielm. GRATEROLUS: Opuſcula, de Memoria, prædictione morum, de temporum mutatione, &c. Baſil. 1554.

Panico GRANACCI Academico Cruſcano: Il Laſca, nel quale ſi moſtra, che non importa che la Storia ſia vera-Fiorenz. 1484.

Chatounieres DE GRENAILLE: Les Plaiſirs des Dames. Paris 1643. La gentileſſe de ce liuret a tresbien ſervy en cet oeuvre.

Luigi GROTO Cieco d’ Hadria: La Alteria Comed. Venet. 1612. La Cali- ſto, favola paſtorale. Venet. 1612. La Adriana Tragedia. Venet. 1626. Il Theſoro Comed. Venet. 1622.

H.

Bendict. HÆFEENIUS: Schola Cordis. Antuerp. 1629.

Dan. HEINSIUS: de contemptu Mortis lib. IV. Lugdun. Batav. 1621.

Guilielmi HESIUS: Emblemata Sacra Antuerp. 1636. Egregia quampluri- ma ex ſolertiſſimo hoc Autore mutuavimꝰ quæ, ut & alia, propter mar- ginis anguſtiam adnotari non potuerunt. Nos interim ingenuè fa- temur, per quos profecimus.

Hieron. HORNSCHUCHIUS: . Lipſ. 1608.

Volph. HUNGERUS: Notæ in Tabb. vocum Gallicanarum Caroli Bovil- li. Argent. 1583.

I.

Ben. JANSON: Catiline his conſpiracy. Londen. 1635.

De gl’ INTRONATI: Il Sacrificio celebrato ne i giuochi d’ un Carnevale in Siena. Venet. 1554.

Bernhard Jobin: Neu Jaͤgerbuch. Straßburg. 1590.

ISYCHIUS in Leviticum libb. VII. Baſil. 1527.

Franciſc. JUNIUS de Pictura veterum, Amſtelod. 1637.

Hiſtorie d’ Hypolite & d’Iſabelle. Rouen 1603.

K.

Frantz Keſſler: Holtzſparkunſt/ Frankfurt 1618.

Athanaſ. KIRCHNERUS: Prodromus Coptus, ſive Ægyptiacus. Rom. 1630. de Arte Magnetica. Colon. 1643.

Henr. KORNMANNUS: Templum Naturæ hiſtoricum. Darmſtad. 1611.

L.

Gio: Franceſ. LOREDANO: Aeademico incognito e Nobile Venetto Biz- zarie Academiche. Venet. 1638. Scherzi geniali. Bologn. 1641. Auto- re di grand talento.

Franc. LOUBAYSSIN DE LAMARCA: Engannos deſte ſiglo. Paris 1615.

Piet. de LUXAN: Coloquios Matrimoniales. Barcelona 1564.

M.

Nicolai MACCHIAVELLI: Mandragola Comed. Venet. 1554.

Giov. MASSARENGO: Academico innominato: Tre ſorelle. Comed. Prag. 1609.

Noe MAVRER: Jag=und Forſtrecht Marburg 1617.

Rabbi MOSES MAIMON Doctor perplexorum, latinè redditus à Johanne Buxdorfio F. Baſil. 1629.

Bartol. MEDUNA: Lo Scolare. Venet. 1588.

Anton. MINTURNO: arte Poetica. Venet. 1564.

Aſcanio MORI: Novelle Mantoua. 1585.

MENASSE BEN ISRAEL: Conciliator. Amſtelod. 1633.

N.

Maeſtro NICODEMO: Lezione della pietra al Migliajo ſuprail Capitolo della Salſiccia del Laſca, al Arciconſolo della Cruſca. Fiorenz. 1559.

O.

Mart. OPITIUS: Incerti Poëtæ Teutonici Rythmus ante D. circiter annos conſcriptus Dantiſci. 1639.

OTTFRIDI Evangelienbuch in Altfraͤnkiſchen Reimen. Baſel. 1571.

P.

Eſtienne PASQUIER: Les Recherches de la France, Paris 1607.

Pantagruel † Rabelais.

Les Penſees du ſolitaire. Paris 1629.

Juan PEREZ de Montalvan. Para Todos, Exemplos Morales, humanos & divinos repartidos en los ſiete dias de la ſemana. En Hueſca 1633. Au- torm uy Principal.

Gior. GUINIO PARISIO: La Sorella Comed. Venet. 1607.

Aleſſand. PICCOLOMINI: Aleſſandro, & L Amor coſtante. Comedie. Ve- net. 1554.

Battiſt. PITTONI: Impreſe. Venet. 1566.

Gaſpar Gil POLO: La Diana enamorada Büſſeles. 1613.

Jean Baptiſtæ DU PONT: L’Enfrd’ Amour. Lyon. 1604.

Jacob. PRIMEROSIUS de Vulgi Erroribus in Medicina. Amſtelod. 1639.

Q.

Franciſ. DE QUEVEDO VILLEJAS: Juguetes de la ninnez, la Caldera de Perro gotero, la culta Latiniparla, & el Libro de todas las coſas, y otras muchas mas, el cuento de cuento. Sevilla. 1634.

Franceſ. DE QUINTANA: Hiſtor. de Hipolito y Aminta. Sevilla. 1631.

R.

Ortacio RABASCO: Il Convito Academico L’ Incitato & Gelato, detto L’ Aßi- curato. Fiorenz. 1615.

François RABELAIS: Oeuvres. Lyon. 1599.

Eugen. RAIMONDO: La Caccie dellefiere. Breſcia. 1621.

Thoma REINES US: de Deo Entovellico. Altenburg. 1637.

Academici RICOVRATI di Padoua: Diſcorſo intorno all’ antro delle Nimfe Najadi d’Homero. Impreſa del Pellegrino. Patona. 1601.

Joh. RISTEN: Himmliſche Triumflieder. Luͤneburg 1642.

Madam. DE RIVERY: Diſcours. Paris 1623.

Monſ. DE RIVERY: Le Cabinet des ſaines affections. Paris 1623.

Gab. ROLENHAGIUS: Nucleus Emblematum. Colon. 1619.

S.

D. Diego SAAVEDRA FAJARDO: Empreſas Politicas. Monaco 1640.

Autor illuſtre y degrand valor.

SADI: Guilſtan oder Koͤniglicher Roſengarten. Tuͤbing. 1636.

Il Sacrificio de gl’ INTRONATI. Venet. 1554.

SAINT-AMANT. Oeuvres. Paris 1629.

Angel SALA: Ternarius Ternariorum. Erf. 1630.

Lionhardo SALVIATI: Academico Fiorentino. Orarione. Fiorenz. 1575.

Matth. Caſimir. SARBIEVIUS. Lyric. libb. Antuerp. 1634.

Joh. SAUBERTUS: reſponſio pro Anagrammatographiæ ſtudio. Altorf. 1613. Hiſtoria Bibliothecæ Noricæ. Norimberg 1643.

Flaminio SCALA: Theatro Comico, Boſchareſcho e Tragico. Venet. 1611.

Wilhelm. SCHICKARDUS: ſive jus Regium è tenebris Rab- binicis erutum. Argent. 1625. Examen com- mentationum Rabbinicarum Tub. 1624.

Juſt. Heorg. SCHOTTELIUS: Sprachkunſt. Braunſchweig 1641. Einlei= tung der Teutſchen Sprache. Luͤbeck 1643.

Nicol. SECCHI: L’intereſſe, Comed. Venet. 1587.

The Sophiſter a Comedy, Londen 1639.

Andres DE SOTO: La verdedera Soledad. Brüſſel. 1611.

Sprachkunſt. Hall bey Melchior Oelſchlaͤgelen 1630. (Lauing. 1638.

Georg. STENGELIUS: Ova Paſchalia Sacro Emblemate inſcripta & deſcripta.

Gabriel SYMEON: Symbola Heroica Antuerp. 1600.

T.

Eberh. TAPPIUS: Cent. VII. Germanicorum Adagiorum cum Latinis & Græcis collatorum. Argent. 1539.

Joh. Georg. Triegler: Sphæra Leipzig 1642.

Andreas TSCHERNING: Teutſche Gedichte. Breßlau 1642.

Jacob. TYPOTII, Symbola Divina & humana ex Muſæo Octavian: DE STRADA. Prag. 1601.

U.

Franciſco UBEDA: La Picara Juſtina. En el qual debaxo de gracioſos di- ſcurſos ſe encierran provechoſos aviſos. En Medina de Campo. 1605.

Bonifacio VANNOZZI: Avertimenti Politici Morali & Chriſtiani. Bolo- gna 1909.

Verachtung der Welt Coͤthen 1641.

W.

Gasbar. WASERI Mithridates Geſneri. Tiguri 1610.

Eberh. von der WEYHE: diſcuſ. de Speculi origine uſu & abuſu. Hag. Schaumburg. 1612.

Z.

Jacob. ZEVECOTIUS: Obſervata Politica. Amſtelod. 1637.

Jul. Guilielm. ZINCGREFIUS: Emblemata Ethico-Politica. Francof. 1619.

Ludovic. ZUCCOLO, Academico Filopono di Faenza: Diſcorſi dell’ Honore, della reputatione, della Gloria, del buon concetto. Venet. 1624.

Marc. ZUERUS: Emblemata Politica. Amſtelod. 1635.

MANTISSA, EX HIBENS, EMBLEMATA, PHALEUCO CARMINE EXPICTA, HIC OB OPERIS PRÆCEDENTIS CON- FORMITATEM, ADIECTA.
DEDICATIO quâ Ex Typo Emblematico JUSTUS GEOR GIUS SCHOTELIUS hoc anagrammate inſignitur: HEIC ERGO SISTO LUSUS GUSTUI.LVbens accipe ſub manu Phaleucos.& Emblemata nata ceu ſub orePSITTACI rudis: ille verba pictaconatur docili ore; ſic CamœnaSCHOTELI tibi noſtra clamat.Hæc conſortia nectit ars decora:Circi indagine penna circulatur,tentatur tenuique penieillo(alt ernante pede) umbra cæca punctis.Volens accipe quos dicat Phaleucospenna audacula, picta Pſittaci inſtar! G. P. H.
Lectori Æquo & iniquo Salvere!

APud Te, mi lector, inſtituti mei rationes liberè exponam, ſive judicii tui ſtatera ad dexteram & æquiorem, ſive ad ſini- ſtram, & ſequiorem partem deflectat, nihil intereſt: modò ſententia juſto obfirmata pondere conſiſtat. Nihil mihi commodius obve- nire poterit, quàm civilis & amuſſitati judicii caſtigator: nihil vilius, quàm impudens & imprudens Cenſor, qui ignorantiam ſuam Veritatis normam & modum conſtituit.

Cùm Romani Juvenes, ſunt verba Scaligeri, ſub Moderatorum cuſto-lib. 1. Poët. c. 39. dia haberentur: datum eſt eis, ut per Luſum & Jocum liceret animu ̅ recreare. Poſtea, natu grandiores admiſſi, etiam utriusque ſexus: manſit verò nomen à priorum ætate, ut Juveniles Ludi dicerentur. Cùm, ante aliquot annos, in hunc locum inciderem, meditari aggreſſus ſum, quo modo infirmiores juvenum animi, & circa degeneres nugas ineptientes, ad honeſtiorem lubentiam, morum probitatem, externarum artium cognitionem, &, ut verbo dicam, ad ardua Virtutum adyta, quaſi per delicioſa vireta deduci, vel inſcitiæ rubore pertrahi poſſint. Poſt perperam dilectæ ætatis oſcula, ita ferè opinione, aut u- ſu introductum eſt, ut artes, non niſi effugio egeſtatis, parentur: Eruditio in ſpeciem adornatur ipſaque ſcientiarum ſublimitas, docentium moribus, ad Scholas detruſa, procul Aulâ, vileſcit.

Cùm autem inde à teneris ſincera vernaculæ noſtræ puritas, (quæ regun- S. R. 7.dorum finium lege diſceptat, & intra ſpacia ſua, quibus ſe ipſam natura rerum alligavit, conſtricta eſſe deberet,) mihi cordi fuerit, nihil ſum veritus cruda ſtudia in forum propellere & ignorantiam meam primùm proſtituere. De- lincavi agitur, rudi Minerva, Loquiludia, vel ut græci vocabuli felicitate expri- mam, , ſicq́; plurima

Ovid. in Triſt. ------- læta & juvenilia luſi.

Haud pauci gratiâ novitatis, aut ſtudii peregrinitate, pellecti, Autores mihi extitere, ut inſtarem viâ, graviora ſubnecterem & Adoleſcentiam ad laudabi- lem ſapiendi lubidinem prolixius concitarem: id quod extra vanitatem, tenuitatis meæ immemor, lubens volensq; molior. Nihil hic laude dignum, meum eſt, Italica, Gallica, Hiſpanica paſſim legis, niſi fortè ipſum conatum benignius interpretari, & in magis voluiſſe magnum reputare volueris. Incu- dem & cotem cogita: exacuunt, nec acies illis ulla eſt. Quid infelicius rupibus? aurum, gemmasq; tegunt, non producunt, & nobiliſſimorum metallorum matres ſaxa ſunt, intrinſecus auro fœta, extrinſecus ſterilitate ſqualentia.

In quarta hâc parte Theoriam artis Emblematicæ potiſſimum exhibui:CLXVII 10. 11. 12. Practicam hâc Mantiſsâ deſignare & Picturas aliquas, ob intimam utriusque ſympathiam, phaleuco carmine expeditas, abecedario ordine, demto titulorum ambitu, ſubnectere placuit.

Notabis autem, mi Lector, Lemmata Emblematum juxta Figuram ini- tialis Literæ cujusvis, adſcripta, & maximâ ex parte Anagrammatica eſſe.

Inamœnas has ingenii amœnitates, in Amicorum gratiam adornatas, apud ſeveriorem Judicem non excuſabo, ſed ſi languida rerum & verborum conſortia, ſi quid erroris, aut caloris in his & aliis meis; provoco ad huma- nam conditioem, cujus hoc proprium, ſicut nusquam labi divinæ.

Non illi modo conferentur præmia, qui propoſiti ſcopi Centrum ac- curatè ferit, ſed etiam inter aberrantes

PROXIMIORI!

Carmen Gratulatorium Ad Colloquia Dramatica. MAjeſtas patriæ qualis-ſit-quanta Loquelæ,Quales & quantæ divitiæque ſient,(Sic eſt) perpaucis not um fuit hactenus, indeInter-tot fœdis illa-polata modis;Ipſamet ut ſeſe jam vix adgnoſcat, amarèHincque ſuam doleat, lugeat atque vicem.Frugiferûm Illuſtris Sociorum dedecus iſtudTeutoniæ Cœtus non tulit ulterius.Suppetias ſed ferre parat, partitque laboresOcyus inter ſe ſedulus atque operas.Ferret opus: numeris ſacram excolit iſte Poëſin,Econtra innumeros ille vel ille polit.Scribendi hic aptè methodum promtatque loquendi:Quærit amœna iſte, ſeria at ille ſibi;Unius cujusque prout captusque volupqueCommuni tamen ut ſerviat omne bono.Harsdörffere, tibi ſed tutemet omnia-ſingla,Conatu audaci (ſic patriæ ardor agit)Exornanda modis ſumis, quiscunque poteſtur,Sive opus eſt numeris, ſive opus innumeris:Seu ſacra res poſcit, ſeu poſcit forte profana,Seria ſive placent, ſive jocoſa placent.Hinc tot jam numeras, oculis animisque beändis,Doctrinæ, ingenii nobilioris opes.Omnibus aucta modis, artem prodentia ubiqueMultiplicem, multis quid? puta Colloquia.Quîs decus ingenuum, dignatio, priſca fidesqueAtque ori atque oræ Teutonicæ redeat.Frugiferum ô Socium CollegI Frugiferentis,Frugifer ut mage vix-vix alius clueat!Ita eſſe veriſſimè & ex animo atteſtatur Joh-Georgius Styrtzel.
I
EMBLEMA in emaculatiſſimam editionem Herodiani. JOAN-HENRICUS BOECLERUS. Epigraphe anagramma: CIVIS BENE-CLARUS HONORE.UT Respublica ſtrenuos Honores,æternum fidei decus probatæ,larga & præmia nuncupat merenti:Sic Præſes Charitum & Novem ſororum,& Respublica litterata PindiLargitur tibi Myrrheam Coronam,quia Myr- rhæ fructus cadavera incorrupta conſervat. Plin. l. 12. 15.(quam feras quaſi Civicam Coronam,)quod labore ſervas;Hunc Civem minuiſſet invida ætasinjectâ niſi dexterâ levaſſes.Sic CIVIS BENE-CLARUS hoc HONORE es.Macte hoc munere ſis perennitatis!Non BOECLERE tuas adulor aures,blanditus nihilum, logisve pictisemendico tui favoris auram:Mecum ſentiet eruditus Orbis,atque ævo celebrabit in futuro Te Civem bene-clarum honore Phœbi mactum munere ſic perennitatis!
II
EMBLEMA ad eundem Vellejum Paterculum accurantem. EPULCHRO PULCHERRIMUS IPSE!CUbans ſub ſpatioſiore fagoluſtro lumine Veris apparatum:Ut repullulat herba agri tenella,Ut dulces Zephyri libidinantur,& floret Ceresatque captat aurasflagrantes genialis arvi amore.Vah, mihi innocua hæc placet voluptas!& mentem hæc mihi ſurripit voluptas!Capit mox oculos amœna Flora,rapit mox oculos amœna florum,adductrix Hiacynthus, imminensqueSol ejus foliis laborioſus,Cujus tunc Aries jubar tenebat.Heus. Emblemata quis reſolvet iſta?quaque ænigmata quis reſolvet arte:Vellejus mihi floſculus venuſtus,Bœclerus mihi Sollaborioſus:Regum nomina ritè monſtrat alterdeſcripta in foliis decore Veris,Autor cum violis roſisque natus:Inter numina mentium refulgetalter ingenii nitentis auſis.Is Phœnix velut eruditionis;Hic Phœbus velut elegantiarum,ingens gloria temporum meorum.Nunc Emblemata fas reſolvere iſta,nunc ænigmata ſic licet reſolvas: Vellejus Hyacint hus eminens ſtat Bœcleriradiis corruſcus iſtis, Flos pulcherrimus à micante Sole.
III. EMBLEMA AdD. CHRISTOPHORUM LUDOVICUM DIETHERRUM. De bonorum imitatione Orantem.Echo eſt ex concamera- ta rape, pro- fluenta ripę reſpon- ſans.—— VOCIS IMAGOET FRONTIS ——QUæ vox garrula ſic recantat? Euge!juſſa ut prævenit ipſa, & æmulaturFracta ſyllaba? ſic reponit ECHO.At quale hoc Speculum? unda mobilis ſtat.Vidin? fluctuat ipſa imago noſtra,docto tanquam animata penicillo.Vocem ſicve referre perſonantem Eloq. Pro- feſſoris Alt- dorfini, V. C. Fas eſt, ingeniique amœnitates,Suada quas Tibi ſuggerit RUPERTI;Suada dulciſonans, canora Syren,Suada blandula, delicata, grata,formoſiſſima imago Gratiarum.Et dum ſic imitaris eruditum,ECHO eſt gloria, quæ reſultat auſis!
IV.
PICTURA. Ad Icarum Academicum D. JOHAN-MICHAELIS DILHERRI &c.HAud eſt fabula Dædali volatus:nec eſt fabula & Icari ruina:quin freta Icaria en! arena monſtrat;queis ſic Noricaberga cincta nudat.Audin, Icare, quisquis es, modo audi!Mentiris tibi robur ingen I altum,quando audes temerare Solis axem,Vano remigio, ito volatu:ſubnaſcens calamus liqueſeit alis:mox in vortice fervidi Lycei,vel in gurgite turbidi Lyæi,(nam & merum eſt mare ſæviens procellis,è cujus Venus eſt oborta ſpuma,)pars vitæ melior ruit ſuperbo.pars vitæ melior perit ſupino.Qui mergis tua, teque, ſpes tuásque;Conſiſte, Icare, quisquis es, modo audi;Venit Dædalus Eruditionis,ipſe Dædalus Elegantiarum:qui gnarus juvenum cavere caſus,& doctus juvenum juvare Muſas:Heic urget monita omnibus ſerena:ceu vox blandula providi Parentis,ceu vox provida blanduli Magiſtriprofert ſollicitâ probanda curâ.Sic freta Icaria hæc arena neſcit,Queis nunc Noricaberga cincta floret,Eſto Fabula Dædali querela!Eſto fabula & Icari ruina!
V.
PICTURA Muſæ ad Dn. CHRISTOPHORI FÜRERI Junioris Tumulum lugentes.HEus concurrite lachrymis Camœnæ,Veſtroque exequias parate alumno:Quippe unum in tumulum feruntur unàdilecta omnia quæ fuêre nobis.Nunc, nunc exuviis in Æde Honoris,grato murmure dedicate carmen HEIC EST CHRISTOPHORUS SITUS FüRERUS, CUI JURE ILLACRUMATUR OMNIS ÆTAS, ÆTATE IN MEDIA ATTIGISSE FINEM.
VI.
EMBLEMA Nuptialibus tædis Dn. Georgii Sigismundi Füreri & Mariæ Magdal. Tucheræ illuſtratum.EN Victoria grata parta verbis,en Victoria blanda & ore parta!Vox ſub rupe cava Deæque formâ,quâ ſe Norica caſtra in alta tollunt,Uni grata juvenculo, uni amata;quicquid quæritat ille, reddit iſta,Tanquam vincere uterque amore vellet,Tanquam vellet uterque amore vinci,Sic dicta anticipat vel æmulatur.Concordes animâ loquuntur unà,Amantes anima reguntur una,Ama quàm potes & voles amabo!amA quam cupis & libens amabis.AMA bis, ter & amplius magisque;His Echo vocibus reciprocatur,unum ſemper AMA atque AMA refundens.Vah, victoria quando parta verbo!Vah, victoria grata & ore parta!Victam res faciat beatiorem!Victorem faciat beatiorem!
VII.
EMBLEMA, Ad Tractatum Poſthumum Dn. THEODORI HOEPINGI, &c. De Jure Sigillorum.—— HINC MELLA FLUUNTEUNOMIÆ ——Cves mellifici ſub horto amœnognari purpurei decora verisdona carpere, bombilante motu,Quis vos huic tumulo labor coërcet?Quæ vos æra vocant Hymetto in alto!Dum Leſſum modò tinniunt Camœnæ,& flent Caſtalides novem Sorores.Certè ſi capio, cohors tenellaconfers plurima dulcia atque grata:HOEPINGI ingenio ut ſuave acumen,ſic opes geris Atticasque cerasObſignare volens perenne Nomen.Dulce eſt ſic Apibus mori ſecundis!
VIII.
EMBLEMATIC A INSIGNIA Sponſorum: Dn. Johannis Theodorici LôffelholtzI & Claræ Grundherriæ &c. Eſaiæ 11. v. 7. LEO & OVIS ſimul morabuntur. NEXUS CONCORDIA AMANTUM!OMen nobile! prædicanda fata!Graſſantur mala dura, dira monſtra,Horrendus populatur arva Mavors,Quæ ſqualent miſeræ cruore plebis:Bellonæ prece ſupplicatque Florapro ſæcli ingeminans quiete fruſtra.At verò Augurium futuro in ævoaddicit melior DEI voluntas,ad ſepta una Leonem Ovemque inire;ſic nunc mollit Amor ferocientemfemellam patientibus flagellis,crudam è virgineo choro puellam.Hæc concordia firma pollicetur.Hoc ſæclo anchora ſacra fluctuanti,centum gaudia mille gaudiorum.Omen nobile! prædicanda fata!
IX.
PICTURA ſomnio effigiata Ad Dn. Carolum Kötzlerum, &c. de ſcopulis Ariſtocratiæ perorantem.ERgò nocte ſilente imago reru ̅ fallit compoſitum ſopore blando:Luſtro lumine (ſic enim videtur)ceu præſens Philomela per viretaAlæ remigio ſecaret auras.Ludor? hæc ſub eunte meſſe Muſapſallit nunc Alalaza voce acuta, &ſuſurros imitatur æmulantisVndæ; nunc Eleleu fremit cruentum,Velut buccina clangit inter arma;flet ſuſpiria lenta nunc reſorbet,& mox Præfica plangit ad ſepulchraLeſſus agglomerans, jocoſa miſcens.O fallax nimis, ô levis voluptasSomni! ſic mihi terminanda luce.O verè facilis, brevis voluptas!Nunc ergò vigilo: ante ſomniavi?At hæc ſingula vera monſtrat eſſeKöTZLERVS Philomela ceu canora:Is cantat, modò ſi fluunt ſecunda,quæ diſcrimina terreant, quietacum eſt reſpublica pluribus ſub Argis;Is canit modo triſtium tubarumfatales ſonitus, pericla Martis,cum clangunt Aquilæ pares ad arma;Is canit modo vulgus obſtinatum,Pyrrhæ ut progenies (amica ſaxisè quorum calluit ſatu,) videtur probæ dilapidare mentis uſum, cum reſpublica murmure & ſuſurro aut contage malâ tumultuatur, ceupeſte & vitio & repleta morbis. Statur caſibus, atque cuncta turbant Fata: Spes ſuper eſt laborioſa ſemper, quæ Pietate nixa, tandem inter tot ſcopulos, tot inter undas cum non enatat, anchoram prehendit. Sic Prudentia prævidet futura, Sic Prudentia tollit obfutura, ſic Prudentia vitat affutura, Ceu ſtantes ſcopulos mari in pelasgo. O felix nimis & ſtatæ voluptas Mentis! nec modo terminanda puncto, Grata, vera, perennis eſt voluptas! Hæc ajo vigil: ante ſomniavi.
X.
STRENA EMBLEMATICA. CORNELIUS MARCI, per anagramma, LUMEN SACRI CHORI.CEu funalia pinguibus coruſcantflamms vel r adiis micant apertis:ſic Lumen rutilum Sacri Chorique esCORNELI, ob ſtudium DEO placendi;vel flammantia ſcita dum reſultant,vel ſtellantia ſcripta dum refulgent,& mores faciles, nec ore verba,quàm cordis magis è pio receſſum.Inter frigora nunc ſeveriora& ſuſpiria ptimulis Kalendis,hinc fluant mihi nuncupanda vota:Sis LVMEN placidum SACRI CHORI, ſisFax perennifluá beatitate!
XI.
EMBLEMA Ad Hymnos Triumphales quos cecinit JOHANNES RISTIUS, per anagramma, AN HIS NOSTIVIRES?TU, qui Teutonicam inficetiarumplenam & ruris ais, parumque cultosCives: AN nec in HIS habere VIRESſi NOSTI, mihi RISTII Camœnam,Muſam flexanimam atque gratioſamauſcultes! rapit ora, corda, mentem.Scin’ quàm Dædala lingua noſtra doctis,quàm ſit terſaque? vah! melos ſüavemolitur modo cœlicos triumphos.Ego conticeo: quin Angelorum Cohors flammea conſonat canendi!
XII.
EMBLEMA In Orationem de Bibliotheca Norica: JOHANES SAUBERTUS, per anagramma, NE, THESAURUS NOBIS!SEcedant levium greges Dromonum,queis ſolus labor eſt, gulam fovere;quos convivia, quos vacationes,quos nummique tenet dira cupido,aut convicia & æmulationes,Carbones pretium ante res putantes!SAUBERTUS, Sophiæ ille Myſtagogusipſa dulciſonæ medulla Suadæ,NÆ, NOBIS reſerat diu repoſtumTHESAURUM, Ambroſiam atque dulce Nectarvincentem, teretesque margaritas,quas nulla Cleopatra aceto ſolvat:Nam ſic aurea dicta, facta, ſcriptaDivinâ quaſi virgulâ recludit,Orco, Mercurii inſtar, evocatqueOrbi Mercurius datus diſerto.Adeſte ingenio, mei Sodales,quos pulcher Genius potens amore,& Muſæ ſacer illigavit ardor!Heîc ſolus labor eſt fovere mentemnobisq; eruere æviterna rerum,THES AURUM minimèque tranſeuntem!
XIII.
EMBLEMA, JOHANNES VOGELIUS, per anagramma, INGENIA SOLUS VEHO. Aquila loquitur:[vel INVE- HO SO- LVS I- GNEA.]EGo inter volucres ſagacioresreſplendens Aquila alitum ſupremusin veho ignea ſolus aſtra, & ungueſuſpendo ſo bolem meo tenellum,ad Phœbiradios, Iovisque ſedem,Abſitgloria vana, Fama falſa.Ergo & ingenia arte ſolus aufersad ſublimia, publicamque lucem?Scita eſt progenies probata Phœbo.Sic inter volucres ſagacioresClarus æthera pervolas Vogeli!
XV.
Famæ diſcrimina & Concluſio operis. TAndem non faciunt beatioremVitam Emblemata vana vanitatis,& ſpectacula turbido in theatro:Fortunata pericla ditiorumTorquet navigium mare atque ſorbet.revellunt, feriuntque ſæva montesſummos Fulmina, deprimunt cacumen.Heus, cur ſit mihi pœnitere tanti?Totus eſt animus meum Theatrum,mentis ardua nec nocens voluptas,& Emblemata docta penicillo,(dulcis progenies quietis almæ,mi ſint deliciæ, meumquue litus.Videntem tetricas procul procellas,ſecurè pretioſa arena ſiſtat,ſacris plauſibus; ut memor futurinorîm ſpernere (vah!) inane nomen. NOCET TINNULA FAMA!