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            <titleStmt>
                <title>Zur Theorie der <hi rend="italics">historia</hi> in den Paratexten des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl>
                </title>
                <author>
                    <name type="person">
                        <forename>Peter</forename>
                        <surname>Heßelmann</surname>
                    </name>
                </author>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>Elektronische Ausgabe nach TEI P5</edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <idno type="werk-ID">ebooks/ed000072</idno>
                <idno type="ppn">000000000</idno>
                <publisher>
                    <name type="org">Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</name>
                    <address>
                        <street>Lessingplatz 1</street>
                        <name type="city">Wolfenbuettel</name>
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                        <name type="country">Germany</name>
                    </address>
                </publisher>
                <date>2011</date>
                <availability status="restricted">
                    <p> Available at <ref target="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000072/start.htm">
                          (c) Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</ref>
                    </p>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <notesStmt>
                <note type="register">
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            </notesStmt>
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                <p>digital source</p>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <encodingDesc>
            <projectDesc>
                <p>Erstellt im Projekt <ref target="http://www.theatra.de">Welt und Wissen auf der
                        Bühne. Die Theatrum-Literatur der Frühen Neuzeit</ref></p>
            </projectDesc>
        </encodingDesc>
    </teiHeader>
    <text>
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            <div type="section">
                <head>Einleitung </head>
                <p>Auf der Basis der Paratexte des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl>
                    wird die sich dort widerspiegelnde Theorie der <hi rend="italics">historia</hi>
                    als Erzählung wahrer, wirklich geschehener Ereignisse untersucht.<ref
                        type="footnote" target="#fn1">1</ref> Die Materialgrundlage bilden die
                    Titelkupfer, Drucktitelblätter, Dedikationen und Vorworte aller 21
                    deutschsprachigen Bände der seriellen Großchronik, die von 1633 bis 1738
                    erschienen ist.<ref type="footnote" target="#fn2">2</ref> Unter anderem ist zu
                    analysieren, ob sich in der über hundertjährigen Publikationsgeschichte des
                    monumentalen Geschichtskompendiums ein Wandel in der Auffassung von Zeit,
                    Geschichte, Geschichtsschreibung und Erinnerung abzeichnet. Neben dem
                    programmatischen Selbstverständnis und dem theoretischen Anspruch der am
                            <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> beteiligten Herausgeber
                    und Autoren, die ihren Umgang mit Geschichte reflektieren, geraten daher Fragen
                    nach dem zugrunde liegenden Geschichtsbild und der Geschichtsphilosophie in den
                    Blick. Darzustellen sind Leitbegriffe, die insbesondere <hi rend="italics"
                        >historia</hi> und <hi rend="italics">historiographia</hi> als Kunst der
                    Geschichtsschreibung und ihre Tradition näher bestimmen. Es wird sich zeigen,
                    dass Geschichtsschreibung als <quote>Inbegriff der sprachlichen Vermittlung
                        historischer Erkenntnis</quote> (<bibl><ref target="#muhlack_theorie_1982"
                            >Muhlack 1982</ref></bibl>, S. 607) immer wieder Anlass zur Reflexion
                        bot.<ref type="footnote" target="#fn3">3</ref> Innerhalb des skizzierten
                    Arbeitsfeldes werden ebenso Aspekte des brisanten Verhältnisses von
                    Historiographie und Fiktion – von <hi rend="italics">historia</hi> und <hi
                        rend="italics">fabula</hi>, von Faktizität und Literarizität der <hi
                        rend="italics">ars historica</hi> – beleuchtet. </p>
            </div>
            <div type="section">
                <head>Zur Theorie von Zeit (<hi rend="italics">chronos</hi>), Geschichte (<hi
                        rend="italics">historia</hi>) und Geschichtsschreibung (<hi rend="italics"
                        >historiographia</hi>)</head>
                <p>Für die Untersuchung der Vorstellungen von Zeit, Geschichte und
                    Geschichtsschreibung wenden wir uns zunächst den Titelkupfern, dann
                    Drucktitelblättern und schließlich den Widmungen und Vorworten zu. </p>
           
            <div type="section">
                <head>Ausgewählte Titelkupfer</head>
                <p> Von den 21 Bänden des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> wurde
                    allein Band 20 (1734) ohne ein schmückendes Kupfertitelblatt veröffentlicht. Zu
                    interpretieren sind in unserem Untersuchungskontext nur diejenigen Titelkupfer,
                    die in ihren Bild-Text-Programmen im engeren Sinne geschichtstheoretisch
                    relevante Intentionen verfolgen.<ref type="footnote" target="#fn4">4</ref>
                    Daneben gibt es Frontispize, die andere Themen visualisieren und primär andere
                    Ziele haben. So stellt eine Gruppe das epochale Thema Krieg und Frieden samt
                    Türkenkriege ins Zentrum (Bde. 5, 6, 11, 17, 18). Mehrfach abgebildet auf
                    Titelkupfern ist die allegorische Figur der Europa im Kontext von Krieg und
                    Frieden (Bde. 1, 12, 13, 14), mitunter auch die Gefahr, die die Türken für
                    Europa darstellen (Bde. 15, 16). Manche Frontispize zeigen Portraits von
                    Herrschern und sind ausschließlich oder nahezu ausschließlich panegyrisch
                    orientiert (Bde. 8, 19). Einige Male werden Allegorien von Krieg und Frieden und
                    entsprechende Szenen mit der Panegyrik verbunden (Bde. 4, 7, 9, 10). </p>
                    <p><figure>
                            <head>Abb. 1</head>
                            <graphic
                                url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000072/images/hesselmann_1.jpg"/>
                            <figDesc><ref
                                    target="http://diglib.hab.de/periodica/70-a-hist-2f/start.htm?image=00005"
                                    type="wdb">Titelkupfer</ref>, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 1,
                                1635.</figDesc>
                        </figure>Das unsignierte Titelkupfer des zuerst 1635 erschienenen ersten Bandes des
                                <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> (<bibl><ref
                                type="bibliography" target="#abb_1">Abb. 1</ref></bibl>)  stellt die Konzentration des Geschichtswerkes auf die europäischen
                        Staaten dar und führt eine europazentrierte Geschichtsauffassung in einem
                        religiös fundierten Deutungsrahmen vor Augen (dazu <bibl><ref
                                target="#kintzinger_chronos_1995">Kintzinger</ref></bibl>, S. 77;
                                <bibl><ref target="#schmale_jahrhundert_1997">Schmale</ref></bibl>;
                                <bibl><ref target="#dethlefs_schauplatz_2004">Dethlefs</ref></bibl>,
                        S. 151f.). Es ist ersichtlich, dass Europa die anderen Erdteile dominiert
                        und sich ein Bewusstsein europäischer Überlegenheit im allegorischen
                        Bildprogramm manifestiert. Auf eine darüber hinausgehende
                        geschichtstheoretische Programmatik <hi rend="italics">sensu stricto</hi>
                        wird hier verzichtet. </p>
                <p>Die bekrönte Herrscherin Europa sitzt in herausgehobener Stellung auf einem
                    Thron; über dessen Baldachin befindet sich eine Weltkugel, auf deren Mitte
                    Europa zu sehen ist. Durch das der Krone aufgesetzte Kreuz wird die Herrschaft
                    religiös legitimiert. Vor Europa knien auf den Stufen eines Podestes drei in die
                    göttliche Weltordnung eingebundene Erdteile mit ihnen zugeordneten Tieren: links
                    Afrika mit einem Elefanten, rechts Amerika mit einem Papagei und Asien mit einem
                    Kamel. Über der Huldigungsszene erscheint, abgegrenzt durch Thronbaldachin und
                    Wolken, in der himmlischen Sphäre das überkonfessionell strahlende Auge Gottes,
                    das den europäischen Kontinent in der Mitte der Weltkugel illuminiert. Zwei
                    Hände aus Wolken halten eine Rute und einen Ölzweig, die göttliche Strafe und
                    Belohnung andeuten. Beide Attribute korrespondieren mit der Kriegsgöttin Bellona
                    rechts und der mit Ölzweig und Taube ausgestatteten allegorischen Friedensfigur
                    Pax links. Das Titelkupfer stellt das christliche Europa damit in den epochalen
                    Kontext von Krieg als Strafe und Frieden als Segen Gottes. Auf der rechten Seite
                    verweist die mit einer Kugel abgebildete Glücksgöttin Fortuna auf die ständige
                    Wandelbarkeit irdischen Geschehens. Das im Wind aufgeblähte Tuch bzw. Segel der
                    Fortuna spielt auf das Glück des Tüchtigen an, in diesem Bildzusammenhang nicht
                    auf die bedrohliche Macht des sich wandelnden Schicksals (<bibl><ref
                            target="#kintzinger_chronos_1995">Kintzinger</ref></bibl>, S. 77).<ref
                        type="footnote" target="#fn5">5</ref> Auf der linken Seite verkündet die
                    traditionell mit einer Posaune versehene Fama den Ruhm und die Vorherrschaft
                    Europas. Weltgeschichte wird hier auf europäische Geschichte reduziert. </p>
                <p>Berücksichtigt man weitere Titelkupfer, die von der Personifikation der Europa
                    bestimmt werden, so zeigt sich, dass die ‚alte Welt’ zum utopischen Hort von
                    Frieden und Gerechtigkeit stilisiert wird. Dieser Gedanke verbindet sich mit der
                    Vision der deutschen und europäischen Öffentlichkeit, in der man sich über
                    geschichtliche und politische Ereignisse kritisch austauscht (<bibl><ref
                            target="#dethlefs_schauplatz_2004">Dethlefs</ref></bibl>, S. 173). <rs
                        type="person" ref="#merian_matthaeus">Matthaeus Merian</rs> behandelt den
                    Schauplatz Europa als – wie Dethlefs richtig feststellt – <quote>einen auf
                        Einhaltung christlicher und humanistischer Normen verpflichteten Raum, der
                        auf Frieden angelegt sein sollte und in dem er als kritischer Zeitgenosse
                        ‚Öffentlichkeit’ herstellt</quote> (<bibl><ref
                            target="#dethlefs_schauplatz_2004">Dethlefs</ref></bibl>, S. 173).<ref
                        type="footnote" target="#fn6">6</ref> Zwar werden die auf der europäischen
                    Bühne sich ereignenden politischen Geschehnisse – bedingt durch deren Wiedergabe
                    in deutscher Sprache – nahezu ausschließlich von einer national gebundenen
                    Öffentlichkeit rezipiert, doch ist daran zu erinnern, dass Merian 1646 und 1650
                    die ersten vier Bände des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> in
                    lateinischer Sprache herausbrachte und damit den Versuch unternahm,
                    Sprachgrenzen zu überschreiten, Leser auf dem europäischen Buchmarkt zu gewinnen
                    und eine europäische Diskurs-Öffentlichkeit zu erreichen. Das Europa der
                    Nationen erscheint als Schaubühne für die Austragung politischer und
                    kriegerischer Konflikte sowie als supranationaler Kommunikationsraum, in dem man
                    sich – auf der Grundlage einer gemeinsamen christlichen und humanistischen
                    Tradition, in der Nationen übergreifende ethische und politische Werte
                    entwickelt wurden, – insbesondere über Krieg und Frieden diskursiv verständigt
                    mit dem Ziel, einen dauerhaften Frieden zu etablieren. Unverkennbar ist das
                    Bemühen um die Herausbildung des Bewusstseins einer europäischen Identität.
                    Idealiter ging es bei dem Denken in europäischen Dimensionen um den Wunsch nach
                    Frieden und Einheit in der Völkergemeinschaft Europas (<bibl><ref
                            target="#schreurs_vesuvausbruch_2008">Schreurs</ref></bibl>, S.
                    332-337). Nicht zuletzt spielt der Gedanke einer christlichen und kulturellen
                    Solidargemeinschaft eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Islam. </p>
                <p><figure>
                    <head>Abb. 2</head>
                    <graphic
                        url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000072/images/hesselmann_2.jpg"/>
                    <figDesc><ref
                        target="http://diglib.hab.de/periodica/70-b-hist-2f/start.htm?image=00005"
                        type="wdb">Titelkupfer</ref>, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 2,
                        1633.</figDesc>
                </figure>Der zweite Band des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> erschien
                        erstmals 1633, also zwei Jahre vor dem ersten. Die Vorzeichnung des
                        Titelkupfers zu Band 2 (<bibl><ref type="bibliography" target="#abb_2">Abb.
                                2</ref></bibl>) stammt von <rs type="person" ref="#hulsmann_johann">Johann
                            Hulsmann</rs>, der unten rechts signierte (dazu <bibl><ref
                                target="#kintzinger_chronos_1995">Kintzinger</ref></bibl>, S. 74f.;
                                <bibl><ref target="#dethlefs_schauplatz_2004">Dethlefs</ref></bibl>,
                        S. 154). Oben ist auf einem galoppierenden geflügelten Hirsch reitend mit
                        Stundenglas in der Rechten und Sense in der Linken Tempus zu sehen,
                        bezeichnet durch den Schriftzug auf dem Sensenblatt.<ref type="footnote"
                            target="#fn7">7</ref> Links der Personifikation der mit Geschwindigkeit
                        vorübereilenden Zeit befinden sich in den Wolken zwei gekreuzte
                        Fama-Posaunen, rechts erstrahlt im Sonnenzentrum das Auge Gottes – Ursprung
                        allen Lichts und aller Wahrheit – die Szene. </p>
                <p>Auf der mittleren Bildebene erkennt man links auf einem Felsplateau eine
                    Frauenfigur, die in der rechten Hand ein Blatt mit dem erläuternden Schriftzug
                        <quote>Historia</quote> hält. Es wird ergänzt, die Allusion auf <rs
                        type="author" ref="#cicero">Ciceros</rs>
                    <bibl><title>De oratore</title></bibl> komplettierend, durch die Beschriftung
                    eines rechteckigen Steinsockels mit <quote>Magistra Vitae</quote> (<bibl><ref
                            target="#cicero_oratore_1997">Cicero 1997</ref></bibl>, S. S. 228).<ref
                        type="footnote" target="#fn8">8</ref> Die Frauenfigur soll offenbar <hi
                        rend="italics">historia</hi> als <hi rend="italics">magistra vitae</hi>
                    verkörpern. Der zugeschnittene Felssockel, auf dem die Frauenfigur ruht,
                    unterstreicht die Festigkeit und Standhaftigkeit (<bibl><ref
                            target="#henkel_schöne_emblemata_1978">Henkel/Schöne</ref></bibl>, Sp.
                    66-68). Vor der <quote>Magistra</quote> steht ein durch sie unterwiesener Knabe,
                    der das von ihr gehaltene Blatt zu greifen und zu lesen scheint. Zu ihren Füßen
                    liegt ein Hund. Er könnte die Treue, mit der die <hi rend="italics"
                        >historia</hi> zu schreiben ist, bedeuten.<ref type="footnote" target="#fn9"
                        >9</ref>
                </p>
                <p>Auf der rechten Seite vom Werktitel sitzt eine nackte, bekrönte Frauenfigur auf
                    einer Erdkugel, in der linken Hand eine brennende Fackel haltend, das schöne
                    Haupt umgeben von einer leuchtenden Lichtquelle, in die – auf Ciceros
                            <bibl><title>De oratore</title></bibl> abhebend – <quote>Lux
                        Veritatis</quote> eingeschrieben ist (<bibl><ref
                            target="#cicero_oratore_1997">Cicero 1997</ref></bibl>, S. 228). Der
                    Strahlenkranz hat seine Entsprechung in der darüber positionierten Strahlenaura
                    Gottes. Durch diese Korrespondenz dürfte die Allegorie der nackten Wahrheit in
                    einem religiösen Sinnzusammenhang stehen. Sie spendet mit ihrer Fackel, Attribut
                    der Wahrheit, das zum Lesen des auf die zentrale Schrifttafel geschriebenen
                    Werktitels notwendige Licht. Zugleich enthüllt die Wahrheit die mit einem Tuch
                    verhängte Tafel. </p>
                <p>Auf der unteren Bildebene lassen sich vor einer dunklen Erdhöhle qua Nennung
                    ihres Namens drei Gegner der Historiographie identifizieren: links die Lüge bzw.
                    Verstellung (<quote>Mendacium</quote>) mit den ihr zugehörigen Masken, rechts
                    das schlafende Vergessen (<quote>Oblivio</quote>), in der Mitte im Höhlendunkel
                    die Unwissenheit mit Eselsohren (<quote>Inscitia</quote>).
                        <quote>Mendacium</quote> und <quote>Inscitia</quote> sind durch eine Kette
                    gefesselt. Die Gegenbilder der Geschichtsschreibung – <quote>Mendacium</quote>,
                        <quote>Oblivio</quote> und <quote>Inscitia</quote> – werden umgeben von
                    weiteren Figuren, die durch ihre Attribute bzw. Körperhaltung diesen
                    Personifikationen zuzuordnen sind. Die Gestalten der Unwissenheit fallen durch
                    ihre Eselsohren, ihre dümmlich anmutende Physiognomie und den grobschlächtigen
                    Körperbau der Lächerlichkeit anheim. Der Schlaf der <quote>Oblivio</quote> hat
                    eine Parallele zum Schlaf der Verstorbenen und entspricht dem Grab der
                    Vergessenheit, in das die Toten ohne Geschichtsschreibung fallen würden
                            (<bibl><ref target="#kintzinger_chronos_1995">Kintzinger</ref></bibl>,
                    S. 75, Anm. 41). Die Bedeutung der Eule im Hintergrund der Höhle ist wohl nicht
                    klar zu bestimmen. Sie kann positiv unter anderem als Vogel der Weisheit,
                    Klugheit, Erkenntnis und Wissenschaft sowie negativ als Tier der Unkenntnis, der
                    Blindheit und des Unheils konnotiert werden (<bibl><ref
                            target="#henkel_schöne_emblemata_1978">Henkel/Schöne</ref></bibl>, Sp.
                    889-897; <bibl><ref target="#kintzinger_chronos_1995">Kintzinger</ref></bibl>,
                    S. 75).</p>
                <p>Auf dem Titelkupfer geht es um die göttliche Legitimation, die Aufgabe und den
                    Nutzen der Historiographie. Im Kontrast zu <hi rend="italics">oblivio</hi> ist
                    es die <hi rend="italics">historia</hi>, die Personen, Ereignisse, Dinge, Ideen,
                    Weltanschauungen etc. vor der Vergessenheit bewahrt und die der auf diesem
                    Titelkupfer jedoch nicht erwähnten <hi rend="italics">memoria</hi> den Stoff
                    liefert. Geschichtsschreibung soll einerseits von der <hi rend="italics"
                        >veritas</hi> inspiriert sein, andererseits bezeichnet die Vermittlung von
                    Wahrheit das Ziel und die Zweckdienlichkeit der Historiographie.<ref
                        type="footnote" target="#fn10">10</ref> Betont wird in der Tradition eines
                    rhetorisch bestimmten Geschichtskonzepts die Lehrfunktion der <hi rend="italics"
                        >historia</hi>. Als Licht der Wahrheit und Lehrmeisterin des Lebens soll sie
                    im Sinne Ciceros Nutzen für die menschliche Gemeinschaft stiften. </p>
                <p><figure>
                    <head>Abb. 3</head>
                    <graphic
                        url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000072/images/hesselmann_3.jpg"/>
                    <figDesc><ref type="wdb"
                        target="http://diglib.hab.de/periodica/70-c-hist-2f/start.htm?image=00005"
                        >Titelkupfer</ref>, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 3, 1639.</figDesc>
                </figure>Das unsignierte Titelkupfer des 1639 erstmals herausgebrachten dritten Teils
                        des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> (<bibl><ref
                                type="bibliography" target="#abb_3">Abb. 3</ref></bibl>) setzt sich mit der Tätigkeit des Historiographen auseinander, in
                        der das Streben nach Wahrheit, die Wahrheit historischer Erkenntnis, deren
                        unparteiische Vermittlung und die Zügelung seiner Affekte eine wichtige
                        Rolle spielen (dazu <bibl><ref target="#kintzinger_chronos_1995"
                                >Kintzinger</ref></bibl>, S. 78-80; <bibl><ref
                                target="#dethlefs_schauplatz_2004">Dethlefs</ref></bibl>, S.
                        154-156; <bibl><ref target="#scholz_williams_formen_2006">Scholz Williams
                                2006</ref></bibl>, S. 348). Im Frontispiz, auf das in der Vorrede
                        mehrfach Bezug genommen wird, spiegeln sich programmatisch das
                        Selbstverständnis und die Geschichtsauffassung des Herausgebers sowie des
                        Autors <rs type="auothor" ref="#oraeus_heinrich">Heinrich Oraeus</rs> wider.
                        Auch auf diesem Titelkupfer gibt es in der Vertikalen drei Bildebenen. Oben
                        in der Mitte bläst Fama auf einem Festungsturm in eine Posaune, eine weitere
                        Posaune hält sie in der anderen Hand. Fama kann Kriegsruhm verkünden, jedoch
                        auch als Botin Nachrichten und Gerüchte überbringen (<bibl><ref
                                target="#henkel_schöne_emblemata_1978">Henkel/Schöne</ref></bibl>,
                        Sp. 1317, 1536f., 1666f.). Links oben in Wolken erscheint Mars in
                        Kriegsrüstung mit Helm, Schwert und Schild, rechts Bellona ebenfalls in
                        Kriegshabit mit Helm, Lanze und Schild.<ref type="footnote" target="#fn11"
                            >11</ref> Die beiden Allegorien verkörpern zwei Facetten der
                        Kriegsführung, Kampfeswut und Kriegskunst. </p>
                <p>Links des Wehrturms, aus dessen Schießscharten Geschützrohre ragen, schwebt auf
                    der Mittelebene eine nackte, bekrönte Frauenfigur, von einem Lichtkranz umgeben.
                    Durch das Schweben und den Lichtglanz erscheint sie in einem religiösen Bezug.
                    Die Personifikation der <quote>Nuda Veritas</quote>, so die erläuternden Worte
                    zu ihren Füßen, hat in der rechten Hand ein aufgeschlagenes Buch mit der
                    Aufschrift <quote>Historia vitae</quote>, möglicherweise zu ergänzen durch
                        <quote>magistra</quote>. In der linken Hand hält sie ein Zepter, wie die
                    Krone Signum der Herrschaft. Diese <hi rend="italics">Veritas</hi>-Figur
                    repräsentiert den Anspruch der <hi rend="italics">historia</hi>, im Einvernehmen
                    mit Gottes Willen als <hi rend="italics">magistra vitae</hi> zu herrschen und
                    somit in lebenspraktischer Hinsicht nützlich zu sein. Auf der rechten Seite des
                    Geschützturms steht auf der Erde eine bekleidete Frauenfigur, durch Schmuck und
                    modisches Gewand auffällig herausstaffiert. In der Rechten hält sie einen Wedel,
                    in der Linken einen Spiegel. Mit den beiden Accessoires dürfte auf die Eitelkeit
                    der <quote>Licentia</quote> angespielt sein. Zu ihren Füßen ist der
                    Deutungshinweis zu lesen: <quote>Compta affectuum Licentia</quote>. Es handelt
                    sich also um Licentia, Göttin der Zügellosigkeit, Willkür und Leichtfertigkeit,
                    und um die beherrschbare Zügellosigkeit der Affekte. Der Sinnspruch kann auf die
                        <quote>Nuda Veritas</quote> bezogen werden: Die unverhüllte Wahrheit und
                    deren Wiedergabe soll durch die Bändigung der Leidenschaften erreicht werden.
                </p>
                <p>Die Allegorie der Wahrheit findet ihre Bezugsszene auf der unteren Bildebene.
                    Unter der auf einem Podest vor dem Festungsturm stehenden Schrifttafel mit
                    Werktitel und Verlagsangabe ist im Vordergrund ein an einem Schreibtisch sitzend
                    arbeitender Historiograph zu sehen, ausgewiesen durch die auf einem Tuch über
                    ihm erscheinende Bezeichnung <quote>Historiographia</quote>. Gegenstände dieses
                    Bildteils sind die Entstehung eines Geschichtswerkes und die Arbeit des
                    Historikers. Der mit einem Lorbeerkranz geschmückte Geschichtsschreiber hat ein
                    auf der Tischplatte liegendes aufgeschlagenes Buch vor sich. In der rechten Hand
                    hält er eine Schreibfeder, die linke Hand ruht auf einer Buchseite. Auf dem
                    Schreibtisch steht ein Tintenfass, Blätter, versiegelte Bögen, Briefe,
                    Briefumschläge und eine Papierrolle liegen verstreut herum. Von rechts kommend
                    überbringt eine männliche Figur ein neues versiegeltes Schriftstück, wohl ein
                    Bericht oder eine Nachricht, womit auf die Aktualität zu verarbeitender
                    Neuigkeiten abgehoben wird. Der Historiograph hat offenbar gerade eine Seite des
                    Buches beschrieben und blickt nun nachdenklich reflektierend auf das gereichte
                    Dokument des Boten, der gerade hinzutretend, zum Gruß seinen Hut vom Kopf hebt.
                    Die Szene veranschaulicht den Bedarf des Historikers an zugetragenen
                    informativen Quellen und die Erfordernis, sie kritisch-reflektiert im
                    Geschichtswerk zu verarbeiten. Links und rechts vom Geschichtsschreiber sind an
                    den Bildrändern zwei weitere <hi rend="italics">Veritas</hi>-Personifikationen
                    zu sehen. Von links unten nähert sich – aus einer dunklen Höhle ans Licht
                    steigend – eine nackte weibliche Figur dem Historiographen. Ehedem gefesselt,
                    trägt sie noch den Rest einer Schelle am linken Unterschenkel. Ihre Unterarme
                    sind durch eine Kette gebunden. In Kopfhöhe der Frauenfigur, die sich umschauend
                    den Blick vom Historiographen abgewandt hat, ist der Satz <quote>Verum cùm
                        datebris delituit diu Emergit</quote> zu lesen – die lange verborgene
                    Wahrheit gelangt nun endlich ans Tageslicht. Die Höhle ist auch hier, wie auf
                    dem Titelkupfer des zweiten Bandes des <bibl><title>Theatrum
                        Europaeum</title></bibl>, ein Ort der Unwissenheit, des Trugs und der
                    Vergessenheit, an dem die Wahrheit gefangen gehalten wurde. Die Arbeit des
                    Geschichtsschreibers bewirkt die Befreiung und die Parusie der Wahrheit, die
                    jedoch noch nicht vollständig von ihren Ketten erlöst ist. So hält sie dem
                    Geschichtsschreiber ihre restlichen Fesseln entgegen und es ist seine Aufgabe,
                    sie zu befreien (<bibl><ref target="#kintzinger_chronos_1995"
                        >Kintzinger</ref></bibl>, S. 79). Rechts unten sitzt eine nackte
                    Frauenfigur, die den Historiographen anschaut. Zu ihren Füßen findet man die
                    Worte <quote>Simplicis Veritatis Studium</quote>. Sie personifiziert folglich
                    das Bemühen um die einfache Wahrheit. </p>
                <p><figure><head>Abb. 4</head><graphic
                    url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000072/images/hesselmann_4.jpg"/><figDesc><ref target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000241-0001-7">Titelkupfer</ref>, aus: TE, 2. Aufl., Bd. 6, 1663.</figDesc></figure>Der zuerst 1652 erschienene sechste Band des <bibl><title>Theatrum
                            Europaeum</title></bibl> widmet sich vornehmlich den Jahren 1647 bis
                    1651 und hat damit das Ende des Dreißigjährigen Krieges und den Abschluss des
                    Westfälischen Friedens zum wichtigsten Gegenstand. Das unsignierte Frontispiz
                    (<bibl><ref type="bibliography" target="#abb_4">Abb. 4</ref></bibl>) steht
                    im Zeichen der Kriegs- und Friedensthematik, die von geschichtstheoretischen
                    Motiven begleitet wird (dazu <bibl><ref target="#kintzinger_chronos_1995"
                            >Kintzinger</ref></bibl>, S. 86f.; <bibl><ref
                            target="#dethlefs_schauplatz_2004">Dethlefs</ref></bibl>, S. 166). Es
                    zeigt über dem zentrierten Werktitel den ruhenden geflügelten Chronos, Gott der
                    Zeit, mit Stundenglas in der linken Hand. Über ihm thront im Himmel die durch
                    eine Beschriftung identifizierbare Memoria, überstrahlt von der Dignität
                    verleihenden göttlichen Sonne. Links vom Werktitel steht Bellona, rechts Pax.
                    Unterhalb eines Sockels sitzt die Siegesgöttin Victoria inmitten eines
                    Tropaions, eine geflügelte Victoria-Statuette mit Siegeskranz in der erhobenen
                    linken Hand haltend. Über den rechten Oberschenkel hat Victoria eine Standarte
                    mit Reichssymbol gelegt. </p>
                <p>Chronos wendet sich Bellona zu, in deren Richtung er auch in der Linken sein
                    Stundenglas hält. Sein Blick ist allerdings nicht der Kriegsgöttin, sondern Pax
                    zugewandt. Mit Körperhaltung, Gestik und Blick scheint angedeutet, dass die Zeit
                    des Krieges abgelaufen und die Epoche des Friedens angebrochen ist. Durch die
                    Nähe zur göttlichen Sphäre wird diese historische Entwicklung als ein durch
                    Gottes Willen gestalteter Geschichtsverlauf dargestellt. In der Bildhierarchie
                    Chronos übergeordnet erscheint Memoria oben in einem Thronsessel sitzend,
                    eingerahmt von zwei Putten mit Fama-Posaunen, Zeichen des verkündeten Ruhmes.
                    Die Memoria-Personifikation liest, den Oberkörper nach vorne gebeugt, in einem
                    Buch. In der Rechten hält sie eine Schreibfeder für Notizen bereit.</p>
                <p>Im vertikalen Bildaufbau ergibt sich eine fünfstufige Rangfolge. Auf der
                    untersten Stufe befindet sich in der Triumphalikonographie Victoria, darüber der
                    Kurztitel des Werkes, umgeben von Bellona und Pax. Auf der dritten Ebene
                    herrscht Chronos, über ihm Memoria mit den Fama-Putten. Der höchste Rang gebührt
                    allein Gott. Ausgehend unten vom konkreten historischen Gegenstandsbereich
                    gelangt der Blick zu dessen abstrakter begrifflicher Erfassung, dann zur
                    übergreifenden Reflexion und schließlich zum allmächtigen Lenker der
                    Weltgeschichte. Der Erkenntnisweg des Bildbetrachters bzw. Lesers steigt auf von
                    der Rezeption historischer Fakten über die zunehmend abstrahierende Reflexion
                    zum Göttlichen. Memoria meint in diesem Kontext einen reflektierenden Umgang mit
                    Geschichte und korreliert im dualen aristotelischen Erkenntnismodell mit der
                    oberen Stufe. Mit der geschichtstheoretischen Sinndimension wird dem Rezipienten
                    durch die Figur der Memoria vor Augen geführt, dass er durch Lektüre von
                    Geschichtswerken Memoria und schließlich die Erkenntnis Gottes – untrennbar mit
                    der Selbsterkenntnis verknüpft – zu erlangen vermag (<bibl><ref
                            target="#kintzinger_chronos_1995">Kintzinger</ref></bibl>, S. 87). </p>
                <p><figure><head>Abb. 5</head><graphic
                    url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000072/images/hesselmann_5.jpg"/><figDesc><ref target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000256-0001-8">Titelkupfer</ref>, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 21, 1738.</figDesc></figure>Das von <rs type="person" ref="#fehr_peter">Peter Fehr</rs> gestochene
                    Titelkupfer des letzten Bandes des <bibl><title>Theatrum
                        Europaeum</title></bibl> (<bibl><ref type="bibliography" target="#abb_5">Abb. 5</ref></bibl>), 1738 als
                    Jubiläumsband publiziert, der auf die historiographische Darstellung eines
                    Berichtszeitraums von nunmehr hundert Jahren zurückschaut – der erste Band
                    beginnt mit dem Berichtszeitraum 1618 bis 1629, der letzte Band endet mit dem
                    Berichtszeitraum 1716 bis 1718 –, visualisiert nochmals in programmatischer
                    Absicht die Geschichtsdarstellung des Werkes leitende geschichtstheoretische
                    Positionen (dazu <bibl><ref target="#kintzinger_chronos_1995"
                        >Kintzinger</ref></bibl>, S. 90f.). Zu sehen ist auf einem dreidimensional
                    gezeichneten Podest Janus, in der rechten Hand einen Schlüssel, in der linken
                    einen Herrscherstab haltend, Symbole der Wächtergewalt über die Himmelspforte.
                    Das nach rechts gewandte alte und das nach links gewandte junge Gesicht schauen
                    in die Vergangenheit bzw. in die Zukunft. Rechts und links der Janusfigur
                    erscheinen Rauchflammen, die den Aspekt der Vergänglichkeit allen irdischen
                    Geschehens evozieren (<bibl><ref target="#henkel_schöne_emblemata_1978"
                            >Henkel/Schöne</ref></bibl>, Sp. 46). Den Podestsockel schmückt als
                    Schriftzug eine Cicero-Allusion: <quote>Respectans. Prospicit. Fructus Historiae
                        Praeteritorum Memoria et Providentia Futurorum. Cic. Vergangnes Lehrt
                        Zukünfftiges.</quote> (TE, 1. Aufl., Bd. 21, 1738, <ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000256-0001-8"
                        >Titelkupfer</ref>) Damit schließt sich der Kreis der Geschichtschronik,
                    denn die Verbildlichung eines autoritativen Cicero-Zitats befindet sich bereits
                    auf demjenigen Band des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl>, der 1633
                    zuerst auf den Buchmarkt kam. Nicht nur die von Cicero propagierte
                    Geschichtsauffassung und die damit verbundene moraldidaktische Funktion von
                    Geschichtsschreibung, auf die sich Herausgeber und Autor des
                            <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> 1633 beriefen, werden
                    nach wie vor als verbindlich betrachtet. Ebenso obligat ist 1738 der
                    heilsgeschichtliche Bezugsrahmen. Diese auf die Geschichtsauffassung im
                            <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> bezogene Feststellung
                    ändert freilich nichts daran, dass sich etwa ab der zweiten Hälfte des 17.
                    Jahrhunderts à la longue ein zunehmender Trend zur Säkularisierung, verbunden
                    mit dem Rückgang heilshistorischer Geschichtsdeutungen, auch im Geschichtsdenken
                    abzeichnet (zu diesem Trend siehe <bibl><ref
                            target="#klempt_säkularisierung_1960">Klempt</ref></bibl>).</p>
                <p>Auf die heilsgeschichtliche Perspektive und auf die änigmatische Janus-Figur des
                    Titelkupfers hebt die Vorrede an den Leser ab. Bei der Lektüre des Werkes werde
                    – so verspricht es die <hi rend="italics">praefatio</hi> – <quote>[…] das
                        Räthsel des auf dem Titul-Blat/ als Zweck aller Geschichte/ erscheinenden
                        Janus sich auflösen/ und/ wenn man die geschehene Dinge samt deren Folgen
                        reiflich überleget/ eine nicht ungegründete Vermuthung fassen lassen/ was
                        etwa unter GOttes Verfügung oder Zulassung inskünfftige zu hoffen oder zu
                        fürchten sey? der gebe allerseits das Beste in Klugheit derer Gerechten!
                        Amen!</quote> (TE, 1. Aufl., Bd. 21, 1738, <quote>Vorrede</quote><ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000256-0020-4">
                        [unpag.]</ref>).</p>
                <p>Der doppelgesichtige Janus, römischer Gott des Anfangs und des Endes aller Zeit,
                    wird mit dem <quote>Zweck aller Geschichte</quote> in Verbindung gebracht. Das
                    nach vorne und hinten blickende Doppelgesicht kann in der Emblematik nicht nur
                    allegorisch auf Zwiespältigkeit verweisen, sondern auch die zurückblickende und
                    vorausschauende Klugheit bedeuten, die bezeichnenderweise im letzten Satz der
                    Vorrede genannt wird (<bibl><ref target="#henkel_schöne_emblemata_1978"
                            >Henkel/Schöne</ref></bibl>, Sp. 1818-1820). Aus der Schilderung der
                    Vergangenheit ist der Leser in der Lage, Lehren für Zukünftiges abzuleiten. Der
                        <quote>Zweck aller Geschichte</quote> zielt damit auf künftiges kluges
                    Handeln. Der Sinnspruch des Titelkupfers hebt darauf ab, dass die Vergangenheit
                    beschrieben wird, um die Zukunft erfolgreich bewältigen zu können. Der linke
                    Teil des zurückliegenden Podestes bezieht sich durch die Beschriftung auf die
                    Vergangenheit, der rechte Teil auf die Zukunft. Der Sinnspruch auf dem im
                    zentrierten Vordergrund stehenden Podestteil ist auch durch den weißen
                    Hintergrund herausgestellt. Als Frucht der <hi rend="italics">historia</hi> und
                    als ihre Komponenten werden einerseits retrospektiv <hi rend="italics"
                        >memoria</hi>, andererseits prospektiv <hi rend="italics">providentia</hi>
                    angeführt. Historiographie hat zunächst die Funktion, <quote>die geschehene
                        Dinge samt deren Folgen</quote> zu erzählen. Sie verfolgt in lehrhafter
                    Absicht darüber hinaus das hilfreiche Ziel, für die Zukunft darüber zu
                    orientieren, was <quote>zu hoffen oder zu fürchten sey</quote>. Basierend auf
                    einem dem göttlichen Willen und der Providenz vertrauenden Geschichtsbild soll
                    künftiges Handeln vorhersehbar und beherrschbar werden. </p>
                    </div>
                    
                   <div type="section">
                       <head>Drucktitelblätter</head>
                <p>Die plakativen Drucktitelblätter der 21 Bände des <bibl><title>Theatrum
                            Europaeum</title></bibl> stellen in ihrem Obertitel programmatisch die
                    traditionelle Schauplatz-Metaphorik und das europazentrierte Geschichtsbild
                    heraus. Geschichte wird als Theaterstück aufgefasst, als auf der Weltbühne von
                    Gott aufgeführtes Schauspiel.<ref type="footnote" target="#fn12">12</ref> Die
                    dargebotenen Szenen haben <hi rend="italics">exemplum</hi>-Charakter und dienen
                    den auf dem <hi rend="italics">theatrum mundi</hi> agierenden Schauspielern wie
                    den Zuschauern zur Erkenntnis der <hi rend="itlics">providentia dei</hi> sowie
                    zur moralischen <hi rend="italics">doctrina</hi> im Sinne der Tugendinstruktion.
                    Diese Vorstellung einer Schau-Bühne verbindet sich mit einem anderen Begriff von
                        <hi rend="italics">theatrum</hi> als Ort, an dem Gesammeltes in geordneter
                    Weise aufbewahrt und vor Augen gestellt wird. Da sich hier die
                    Theater-Metaphorik auf die Ordnung, Archivierung, Repräsentation und das Deuten
                    von Wissen bezieht, kann auch das Zusammengetragene selbst <hi rend="italics"
                        >theatrum</hi> heißen.<ref type="footnote" target="#fn13">13</ref> Darüber
                    hinaus wird im Buchtitel kein Zweifel daran gelassen, dass die europäische
                    Geschichte im Zentrum der Ausführungen steht (dazu <bibl><ref
                            target="#dethlefs_schauplatz_2004">Dethlefs</ref></bibl>). </p>
                <p>In den Texten der Drucktitelblätter tauchen weitere für das Geschichtsverständnis
                    des Kompendiums wichtige Begriffe immer wieder auf. Das <ref
                        target="http://diglib.hab.de/periodica/70-a-hist-2f?image=00007"
                        >Drucktitelblatt</ref> von Band 1 annonciert die Ausführlichkeit und
                    Wahrhaftigkeit in der Beschreibung: <quote><hi rend="italics">Theatrum
                            Europaeum</hi>, Oder Außführliche/ vnd Warhafftige Beschreibung aller
                        vnd jederdenckwürdiger Geschichten/ so sich hin vnd wider in der Welt/
                        fürnämlich aber in Europa/ vnd Teutschen Landen/ so wol im Religion- als
                        Prophan-Wesen/ vom Jahr Christi 1617. biß auff das Jahr 1629. […] sich
                        begeben vnd zugetragen haben […].</quote> (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635, <ref
                        target="http://diglib.hab.de/periodica/70-a-hist-2f?image=00007"
                        >Drucktitelblatt</ref>) Damit wird die im Obertitel genannte Zentrierung auf
                    Europa relativiert. Erwähnung findet zwar durchaus ein universalhistorischer
                    Anspruch, doch soll insbesondere die europäische und deutsche Geschichte im
                    Vordergrund stehen. Der Hinweis auf die Darstellung <quote>denckwürdiger
                        Geschichten</quote> tangiert die vom Historiographen vorzunehmende <hi
                        rend="italics">electio</hi> des vorgefundenen Stoffes nach dem Kriterium der
                    Wichtigkeit. Nur denkwürdige, also bedeutsame geschichtliche Ereignisse sollen
                    beschrieben werden. Gegenstand sind die <hi rend="italics">res gestae</hi> der
                    Kirchen- und Profangeschichte. </p>
                <p>Das <ref target="http://diglib.hab.de/periodica/70-b-hist-2f?image=00007"
                        >Drucktitelblatt</ref> der <hi rend="italics">editio princeps</hi> des 1633
                    auf den Buchmarkt gelangten zweiten Bandes des Geschichtswerkes verzichtet noch
                    auf den Obertitel <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl>. Es wird also
                    weder auf die Theater-Metapher noch auf die Orientierung auf die europäische
                    Geschichte abgezielt. Der Titeltext ordnet das von Matthaeus Merian
                    herausgebrachte Buch explizit einer Textgattung der Geschichtsschreibung zu, der
                    historischen <quote>Chronick</quote> (TE, 1. Aufl., Bd. 2, 1633, <ref
                        target="http://diglib.hab.de/periodica/70-b-hist-2f?image=00007"
                        >Drucktitelblatt</ref>; zur Gattung der Chronik in Mittelalter und Neuzeit
                            <bibl><ref target="#kaegi_chronica_1954">Kaegi</ref></bibl>). Daneben
                    werden – wie bereits auf dem Drucktitelblatt des ersten Bandes – für die
                    Geschichtsauffassung wichtige Begriffe angeführt: Wahrhaftigkeit und
                    Denkwürdigkeit der geschilderten Ereignisse. Beschrieben werden sollen
                    ‚Geschichten’, die sich zwischen 1629 und 1633 in der ‚Welt’ zugetragen haben,
                    womit freilich sogleich auf die Geschichte des Deutschen Reiches und der am
                    Dreißigjährigen Krieg beteiligten europäischen Staaten rekurriert wird. Fernab
                    von universalhistorischen Ansprüchen scheint sich ‚Welt’ auf ‚Teutschland’ und
                    die europäischen Teilnehmer an den kriegerischen konfessionellen und politischen
                    Auseinandersetzungen zu beziehen. </p>
                <p>Auch der 1639 erstmals veröffentlichte dritte Band des <bibl><title>Theatrum
                            Europaeum</title></bibl> bezeichnet auf dem <ref
                        target="http://diglib.hab.de/periodica/70-c-hist-2f?image=00007"
                        >Drucktitelblatt</ref> die Gattung des Werkes als historische
                        <quote>Chronick</quote> (TE, 1. Aufl., Bd. 3, 1639, <ref
                        target="http://diglib.hab.de/periodica/70-c-hist-2f?image=00007"
                        >Drucktitelblatt</ref>). Der Hinweis auf die Wahrhaftigkeit der Darstellung
                    wird hier nicht mehr – wie im ersten Band – begleitet von der Hervorhebung der
                    Ausführlichkeit, sondern von der Kürze der Beschreibung. <quote>Welt</quote>
                    bedeutet nun keineswegs nur das Deutsche Reich und Europa, da sich der
                    Kriegsschauplatz ausgedehnt hatte. Der dritte Band enthält, die Perspektive
                    ausweitend, eine <quote>[…] kurtze vnd warhaffte Beschreibung aller vornehmen/
                        Denck- vnd Chronickwürdigen Geschichten/ so sich hin vnd wider in der
                        gantzen Welt/ in den beyden Ost- vnd West-Jndien/ sonderlich in Europa, in
                        Franckreich/ Hispanien/ Jtalien/ Groß-Britannien/ Dennemarck/ Schweden/
                        Polen/ Böhmen/ Hungarn/ Siebenbürgen/ Wallachey/ Moldaw/ auch theyls Türck-
                        vnd Barbarey/ etc. In Hoch- vnd Nieder-Teutschland/ allermeist aber im Reich
                        Teutscher Nation […] von Anno 1633. biß 1638. inclusivè in Kirchen/
                        Welt-Regiment vnd Kriegswesen/ allerseits begeben vnd zugetragen</quote>
                        (<ref target="http://diglib.hab.de/periodica/70-c-hist-2f?image=00007"
                        >ebd.</ref>). </p>
                <p>Eine weitere neue Komponente des Drucktitelblatts bezieht sich auf die Tätigkeit
                    und Arbeitsweise sowie auf das Selbstverständnis des Verfassers des dritten
                    Bandes, auf den Historiographen Heinrich Oraeus, der <rs type="person"
                        ref="#abelin_johann_philipp">Johann Philipp Abelin</rs> abgelöst hatte. Es
                    fallen mit Erfahrung, Glaubwürdigkeit, Fleiß, Gewissenhaftigkeit,
                    Unparteilichkeit und Affektlosigkeit Begriffe, die in der Geschichtstheorie der
                    Frühen Neuzeit zu den Kernkategorien gehören. Auf dem Drucktitelblatt heißt es
                    zu den Grundsätzen des mit auswärtigen Korrespondenten zusammenarbeitenden
                    Kompilators: <quote>Theils auß eygener Erfahrung/ allermeistentheils aber auß
                        vberschickten glaubwürdigen Schrifften vnd Documenten mit grossem Fleiß vnd
                        sonderbahrer Trew gantz vnpartheyisch vnd ohne Affecten/ zusammen getragen/
                        vnd beschrieben […]</quote> (<ref
                        target="http://diglib.hab.de/periodica/70-c-hist-2f?image=00007"
                    >ebd.</ref>). </p>
                <p>Die Drucktitelblätter der folgenden Bände 4-21 bringen Wiederholungen und keine
                    neuen oder ergänzenden Aspekte zur Theorie der Geschichte und
                    Geschichtsschreibung – abgesehen von der tendenziellen Ausweitung der
                    Historiographie auf außereuropäische Erdteile. Insgesamt betrachtet weisen die
                    Drucktitelblätter hinsichtlich der Theorie zur <hi rend="italics">historia</hi>
                    eine bemerkenswerte Konstanz in ihrer Entwicklung von den Dreißiger Jahren des
                    17. Jahrhunderts bis 1738 auf. </p>
                <p>Auf den Kupfertitelblättern werden die Titeltexte der Drucktitelblätter in
                    Kurzform wiederholt. Für das geschichtstheoretische Selbstverständnis relevante
                    Begriffe – wie der Obertitel <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl>, die
                    Hinweise auf Wahrhaftigkeit und Denkwürdigkeit der Geschichten, die
                    Konzentration auf Europa und das Deutsche Reich, die Gattungsbezeichnung
                        <quote>historische Chronik</quote>, der Berichtszeitraum – sind anfänglich
                    in die Kupfertitelblätter, die auch die enthaltenen Kupferstiche, Verleger und
                    Erscheinungsort nennen, integriert. Die dort präsentierten textlichen
                    Kerninformationen wurden allerdings nach und nach kürzer, so dass mitunter nur
                    noch der Obertitel des Werkes und der jeweilige Werkteil als Titeltext Erwähnung
                    fanden. Das <ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000250-0001-7"
                        >Kupfertitelblatt von Band 15</ref> (TE, 1. Aufl., Bd. 15, 1707) erschien
                    ohne jeglichen Text. </p>
            </div>
            <div type="section">
                <head>Dedikationen und Vorreden</head>
                <p>In manchen Dedikationen und Vorreden gehen die Verfasser des
                            <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> auch auf <hi
                        rend="italics">historia</hi> und <hi rend="italics">historiographia</hi>
                    ein. In der Widmung des vorwortlosen ersten Bandes (TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635) –
                    gerichtet an den Bürgermeister und den Rat der Reichsstadt Frankfurt a.M. –
                    knüpft Matthaeus Merian an die Tradition der seit Menschengedenken entstandenen
                    Universal- und Partikulargeschichten an, die die Religions- und Profangeschichte
                    zum Gegenstand haben. Anfänglich als Weltgeschichte konzipiert, die ab ovo
                    erzählen sollte, beschränkt sich Merian auf die zeitgenössische europäische
                    Geschichte, für den ersten Band auf den Berichtszeitraum von 1618 bis 1629.
                    Historiographen hätten – so Merians Auffassung – Personen und Ereignisse der
                        <quote>Posterität und den Nachkömmlingen zur Gedächtnuß und sonderbarem
                        Nutzen beschrieben</quote> (TE, 3. Aufl., Bd. 1, 1662, Widmung, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000236-0005-1">S.
                        1</ref>]). Damit steht Merian in der Tradition der antiken bzw.
                    humanistischen Geschichtsphilosophie<ref type="footnote" target="#fn14"
                    >14</ref>. <hi rend="italics">Memoria</hi> und <hi rend="italics">utilitas</hi>
                    als Ziele der Historiographie werden demnach gleich genannt. Weitere Normen, die
                    er für sich und seine Autoren in Anspruch nimmt, sind <quote>Fleiß/ Candore und
                        Auffrichtigkeit</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000236-0006-7">S.
                        2</ref>]). Mit <hi rend="italics">candor</hi> dürfte hier ‚Klarheit’ gemeint
                        sein.<ref type="footnote" target="#fn15">15</ref>
                </p>
                <p>Der zweite Band (TE, 1. Aufl., Bd. 3, 1633) ist <rs type="person"
                        ref="#jungen_johann_maximilian">Johann Maximilian zum Jungen</rs> gewidmet,
                    einem Rat und Schöffen der Reichsstadt Frankfurt a.M. Merian rekurriert in der
                    Dedikation, in der die Welt als öffentliches <quote>Theatrum</quote> begriffen
                    wird, einerseits auf die <bibl><title>Ars Poetica</title></bibl> des <rs
                        type="author" ref="#horaz">Horaz</rs>, indem er daran erinnert, dass die
                    Lektüre des Geschichtswerkes Nutzen und Vergnügen bereiten soll (TE, 3. Aufl.,
                    Bd. 2, 1646, Widmung, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000237-0005-7">S.
                        1</ref>], siehe <bibl><ref target="#horatius_ars_1980" type="bibliography"
                            >Horatius</ref></bibl>, S. 24.). Andererseits beruft sich Merian auf den
                    ebenfalls nicht namentlich genannten Cicero, wenn er feststellt, <quote>daß kein
                        gewisserer testis temporum, vita memoriae, vnd Lux veritatis seye/ quam
                        Historia</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000237-0006-2">S.
                        2</ref>]). Das vollständige Zitat lautet bei Cicero: <quote>Historia vero
                        testis temporum, lux veritatis, vita memoriae, magistra vitae, nuntia
                        vetustatis, qua voce alia nisi oratoris immortalitati commendatur?</quote> –
                        <quote>Und die Geschichte vollends, die vom Gang der Zeiten Zeugnis gibt,
                        das Licht der Wahrheit, die lebendige Erinnerung, Lehrmeisterin des Lebens,
                        Künderin von alten Zeiten, durch welche Stimmen, wenn nicht die des Redners,
                        gelangt sie zur Unsterblichkeit?</quote> (<bibl><ref
                            target="#cicero_oratore_1997" type="bibliography">Cicero
                        1997</ref></bibl>, S. 228f.; zu <hi rend="italics">historia</hi> und <hi
                        rend="italics">historiographia</hi> auch S. 238-247). Die ebenso von Merian
                    unterzeichnete Vorrede nimmt wiederum Bezug auf den Doppelaspekt von Nutzen und
                    Belustigung und erwähnt die intendierten Leser: Gelehrte und den <quote>gemeinen
                        Mann</quote> (TE, 3. Aufl., Bd. 2, 1646 Vorrede, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000237-0008-4">S.
                        2</ref>]). Merian versichert zum einen, <quote>die Erzehlung der Geschichten
                        an sich selbst auff den vesten Grundt der vnlaugbaren blossen Warheit/
                        welche die einige Substantz vnd Seel der Historien ist/ fundirt</quote> zu
                    haben (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000237-0007-8">S.
                        1</ref>]). Zum anderen betont er die Authentizität der seinem Werk
                    beigefügten <quote>LandTafeln</quote>, <quote>Contrafacturen</quote>, Abrisse,
                    Festungs-, Schlachtpläne etc. (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000237-0007-8">S.
                        1</ref>]). Teils habe er die Originale selbst in Augenschein nehmen können,
                    teils habe er die Vorzeichnungen für die Kupferstiche von verlässlichen
                    Ingenieuren erhalten. Es fallen weitere Leitbegriffe, die in den Vorreden der
                    späteren Bände wiederholt werden. Ein rechtschaffener Historiker habe sich der
                        <quote>Partheylichkeit</quote> und des eigenen <quote>Vrtheils</quote> in
                    der moralischen Bewertung, erläuternden Kommentierung und Deutung der
                    dargestellten Ereignisse zu enthalten.<ref type="footnote" target="#fn16"
                        >16</ref> Er solle die Dinge vielmehr so erzählen, <quote>wie sie sich
                        begeben vnnd zugetragen haben/ ohne einige Privat-Affection/ loben oder
                        schelten</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000237-0008-4">S.
                        2</ref>]). Die Konzentration auf das faktische Geschehen und die
                    Ausschaltung von Gefühlen waren – wie in Ciceros <bibl><title>De
                        oratore</title></bibl> vorgegeben – offenbar Garanten für anzustrebende
                    Wahrheit, Objektivität und Neutralität in der Darstellung: <quote>Nam quis
                        nescit primam esse historiae legem, ne quid falsi dicere audeat? Deinde ne
                        quid veri non audeat? Ne quae suspicio gratiae sit in scribendo? Ne quae
                        simultatis?</quote> – <quote>Wer wüßte denn nicht, daß die erste Regel der
                        Geschichtsschreibung gebietet, keine falsche Aussage zu wagen, die zweite,
                        keine wahre nicht zu wagen, damit beim Schreiber weder der Verdacht der
                        Sympathie noch der der Feindschaft aufkommt?</quote> (<bibl><ref
                            target="#cicero_oratore_1997" type="bibliography">Cicero
                        1997</ref></bibl>, S. 244f.)<ref type="footnote" target="#fn17">17</ref>
                    Typisch für die Vorreden des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> ist
                    der Appell an kritische und aktive Leser, dem Herausgeber nicht nur Druckfehler,
                    sondern auch etwaige inhaltliche Mängel und Fehler in der Darstellung
                    schriftlich mitzuteilen. Die Leserschaft wird in den Prozess der
                    Geschichtsschreibung einbezogen, um notwendige Korrekturen in späteren Ausgaben
                    berücksichtigen zu können. Für bereits erschienene Neuausgaben der Bände 1 und 2
                    seines <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> habe Merian schon Inhalte,
                    so wird im Vorwort der dritten Ausgabe von Band 2 versichert, hier und da
                    revidieren, ergänzen und tilgen lassen (TE, 3. Aufl., Bd. 2, 1646 Vorrede,
                    unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000237-0008-4">S.
                        2</ref>]). </p>
                <p>Eine ausführliche, von Matthaeus Merian signierte Widmung und eine längere
                    unsignierte Vorrede, nicht minder gehaltvoll für geschichtstheoretische Belange,
                    begleiten den dritten Band (11639). Ausgangspunkt der Widmung an Landgraf <rs
                        type="person" ref="#hessen_georg">Georg von Hessen</rs> ist die
                    heilsgeschichtliche Perspektive der <hi rend="italics">historia</hi>. Der Nutzen
                    der <hi rend="italics">memoria</hi> als <quote>Gedächtnuß vergangener
                        Dingen</quote> wird aus der Vorstellung abgeleitet, dass daraus die weise,
                    gütige und wunderbare Regierung Gottes erhellt werden könne (TE, 3. Aufl., Bd.
                    3, 1670, Widmung, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0005-2">S.
                        1</ref>]).<ref type="footnote" target="#fn18">18</ref> Diese Lehrfunktion,
                    die die <hi rend="italics">historia</hi> für Zeitgenossen und Nachwelt
                    übernimmt, gilt in gleicher Weise für die letztlich vom Schöpfer gelenkte
                    Profangeschichte. Da der Mensch zum Vergessen neigt, ist es Aufgabe der
                    Historiographie, Vergangenes zu bewahren und damit an durch Gott bewirktes
                    Geschehen in Demut und Dankbarkeit zu erinnern. Denn, so lautet eine Maxime,
                        <quote>Vergessenheit macht Vermessenheit</quote>: <quote>Das thut die
                        History/ da im Gegentheil: Oblivio securitatem parit, Vergessenheit macht
                        sichere liederliche Leut/ und solche undanckbare unerkentliche Leute fallen
                        hernach auffs neu in Gottes Zorn/ und ziehen ihnen selbst nur mehrere Straff
                        und Plagen vom Himmel über den Hals.</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0007-4">S.
                        3</ref>]) Obenan steht als Ziel das Erkennen der göttlichen
                        <quote>Providentz</quote> nach dem Grundsatz <quote>Ludit humanis divina
                        potentia rebus.</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0007-4">S.
                        3</ref>]) Merian, der das <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> der
                    Gattung der historischen Chronik zuordnet, vertraut der moraldidaktischen
                    Lehrfunktion der Geschichte: Aus der <hi rend="italics">historia</hi> und den
                    von ihr dargebotenen <hi rend="italics">exempla</hi> könne man für gegenwärtiges
                    und künftiges kluges, von Vernunft geleitetes Verhalten lernen. Anknüpfungspunkt
                    dürfte Cicero sein, der in <bibl><title>De divinatione</title></bibl> erklärt
                    hatte, die Historie sei <quote>voller Beispiele</quote> (<quote>plena
                        exemplorum</quote>) (<bibl><ref target="#cicero_divinatione_1963"
                            type="bibliography">Cicero 1963</ref></bibl>, S. 184). Das Studium der
                    Vergangenheit lasse erkennen, so Merian, <quote>wo wir oder andere in der Sachen
                        verfehlet/ und entweder zu viel oder zu wenig gethan haben/ damit wir uns
                        klüglich und vernünfftig in die Sache schicken/ und entweder dem guten
                        folgen/ oder das schädliche vermeyden.</quote> (TE, 3. Aufl., Bd. 3, 1670,
                    Widmung, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0007-4">S.
                        3</ref>]) </p>
                <p>Somit diene Historiographie dazu, tugendhaft zu leben und die Laster zu meiden.
                    Die Lektüre der Geschichtsbücher schütze zudem davor, einst begangene
                    Verfehlungen zu wiederholen. Besonders angesprochen sind kirchliche und
                    weltliche Amtsträger, die in <quote>Kirchen/ Cantzleyen und Rahthäusern</quote>
                    kluges Handeln für die Tagespolitik erlernen sollen (unpag [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0007-4">S.
                        3</ref>]). Auch die Einsicht in eine Grunderfahrung menschlichen Daseins,
                    die <hi rend="italics">inconstantia</hi>, sei der Geschichte zu entnehmen und
                    für die Gegenwart fruchtbar zu machen: <quote>Die Histori und Beschreibung
                        vergangener Geschichten stellet uns vor Augen die Unbeständigkeit und
                        Untergang aller Dinge/ wie gar nichts beharrlichs noch beständigs in der
                        gantzen Welt sey</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0007-4">S.
                        3</ref>]). In der Darstellung historischer Ereignisse setzt man auf die
                    Kraft, Evidenz und Wirkung der <hi rend="italics">exempla</hi>. Die Sammlung
                    vergangener Beispiele soll dazu beitragen, Gegenwart und Zukunft angemessen zu
                    bewältigen. Zur kompilatorischen Arbeitsweise der Historiographen bemerkt
                    Merian, dass die verlässliche Wiedergabe der Zeitgeschichte zum Teil auf eigener
                    Erfahrung, zum Großteil aber auf zahlreichen mündlichen sowie schriftlichen
                    Berichten beruhe. </p>
                <p>Der <quote>Vorrede An den unpartheyischen geneigten Leser</quote> zufolge zielt
                    das <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> auf ein ständeübergreifendes
                    Publikum, auf Leser <quote>eines jeden Standes</quote> (TE, 3. Aufl., Bd. 3,
                    1670, Vorrede, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0010-8">S.
                        1</ref>]). Sodann gerät ein Kernproblem anzustrebender unparteiischer
                    Geschichtsschreibung in den Blick. Bei der anfallenden Menge an Stoff sei es
                    unmöglich für den Autor bzw. Kompilator, alles aus eigener Erfahrung und
                    Augenzeugenschaft zu schöpfen. Man sei vielmehr auf die mannigfaltigen
                    Informationen auswärtiger Gewährsleute angewiesen, die in ihrer Disparität
                    jedoch <quote>partheyisch/ und nach den Humoren und eines jeden eygenen Affecten
                        gerichtet</quote> seien (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0010-8">S.
                        1</ref>]). Von Affekten beeinflusst, die schlechte Ratgeber abgeben, könne
                    die wahrheitsgetreue Darstellung leiden. Daraus resultiert ein Dilemma, soll
                    doch der Historiograph als <hi rend="italics">vir bonus</hi> Priester der
                    Wahrheit (<quote>Sacerdos veritatis</quote>) sein und die Dinge lediglich
                    wahrheitsgemäß erzählen (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0010-8">S.
                        1</ref>]). Immerhin gehört der Wahrheitsanspruch zu den wichtigsten
                        <quote>Leges</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0011-4">S.
                        2</ref>]) der Geschichtsschreibung. Man beteuert, sich in dieser
                    historischen Chronik <quote>aller Menschlichen Möglichkeit nach der puren und
                        reinen Warheit zum allerhöchsten beflissen/ und von uns selbst eygenes
                        Willens nichts eingesetzt/ ohne was wir der Warheit ex lectione, relatione ?
                        collatione documentorum am ähnlichsten zu seyn befunden. Dann (Veritas est
                        anima Historiae) die Warheit ist die Seel der History und Beschreibung
                        vergangener Geschichten/ ohne dieselbige ist die History und Beschreibung
                        anderster nichts/ dann ein todtes übelriechendes Aas</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0010-8">S.
                        1</ref>]). </p>
                <p>Es liegt in der Natur der Sache, dass auswärtige Berichte, selbst wenn sie sich
                    auf ein und denselben Sachverhalt beziehen, oft unzuverlässig und
                    widersprüchlich sind und nicht alle der Wahrheit entsprechen können. Sogar
                    Augenzeugen nehmen das gemeinsam Erlebte mitunter durchaus unterschiedlich wahr
                    und stellen es in differenter Weise dar (dazu TE, 3. Aufl., Bd. 4, 1692,
                    Vorrede, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000239-0005-5">S.
                        1</ref>]). Hinzu kommen die der Wahrheit abträgliche Standortgebundenheit
                    und Subjektivität des Augenzeugen (<bibl><ref
                            target="#koselleck_standortbindung_1977" type="bibliography">Koselleck
                            1977</ref></bibl>). Hier habe die obligatorische Quellenkritik des
                    Historiographen anzusetzen. Um sich der Wahrheit am weitesten anzunähern, müsse
                    man fleißig alle Quellen, denen man habhaft werden könne, kritisch studieren,
                    vergleichen und im Sinne einer Plausibilitätsprüfung abwägen, wie sich ein
                    Ereignis am wahrscheinlichsten zugetragen haben mag. Dieses aufwendige Verfahren
                    habe man praktiziert und <quote>wie die Bienlein in Wälden/ Felden und Gärten
                        auff alle Blümlein fliehen/ und ihren süssen lieblichen Honig darauß saugen:
                        Also haben wir uns höchstes Fleisses angelegen seyn lassen/ alle Documenta,
                        so viel wir nur deren immermehr haben können […] daß wir dieselbigen
                        ängstlich unnd mühsamb durchkrochen/ und das jenige was am bekräfftigsten/
                        in unser Alvearium eingebracht</quote> (TE, 3. Aufl., Bd. 3, 1670, Vorrede,
                    unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0011-4">S.
                        2</ref>]). Gerichtet habe man sich nach einem Grundsatz der <quote>Leges
                        Historiae</quote>: <quote>Si videantur historiae discrepare, tentetur
                        conciliatio: si illa locum habere non potest, cogitetur: in rebus obscuris
                        sequi oportet id, quod est minimum.</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0011-4">S.
                        2</ref>]) Allerdings dürfte auch dieses Verfahren an Grenzen gestoßen sein.
                    Wenn der Historiograph trotz kritischer Prüfung nicht sicher war, welcher
                    Bericht die Wahrheit wiedergab, reproduzierte er mindestens zwei oder mehr
                    Quellen, um dem Leser die Beurteilung zu überlassen. Beispielsweise berichtete
                        <rs type="person" ref="#schneider_daniel">Daniel Schneider</rs> von einer
                    Schlacht zwischen schwedischen und polnischen Truppen am 19. Juli 1702. Durch
                    die Mitteilung mehrerer Quellen verfolgte er den Zweck, daß der Leser
                        <quote>sich hernachmahln/ aus Gegeneinanderhaltung dieser Nachrichten/
                        selbsten den wahrscheinlichsten Entwurff dieser Dinge in seinem Gemüthe
                        machen möge</quote> (TE, 1. Aufl., Bd. 16, 1717, <ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000251-1111-9">S.
                        1020</ref>). </p>
                <p>Es wird mit Bedauern eingeräumt, trotz Wahrheitsanspruch möglicherweise nicht
                    immer die wahre, unparteiische und von Affekten freie Darstellung vorlegen zu
                        können.<ref type="footnote" target="#fn19">19</ref> Zu entschuldigen sind
                    diese Verfehlungen mit einer anthropologischen Konstante, sei doch der Mensch
                    nicht perfekt und Irren menschlich. In der Vorrede des vierten Bandes wird in
                    Anbetracht des Dilemmas auf Cicero hingewiesen: <quote>Beruhet demnach auff dem
                        alten Ciceroniano: Quod errare, labi, decipi humanum sit, daß irren/ fallen/
                        und betrogen werden Menschlich sey.</quote> (TE, 3. Aufl., Bd. 4, 1692,
                    Vorrede, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000239-0006-1">S.
                        2</ref>]).<ref type="footnote" target="#fn20">20</ref> Immerhin wird die
                    Leserschaft ermuntert, der Wahrheit dienende Korrekturwünsche mitzuteilen, um
                    künftig in einer überarbeiteten Ausgabe Berücksichtigung zu finden. Man habe
                    sich in der objektiven, vorurteilslosen Darstellung, so wird beteuert,
                    kommentierender Werturteile und Interpretationen enthalten, es zudem
                    unterlassen, das Urteil des Lesers zu beeinflussen und es allein dem kritischen
                    Leser anheimgestellt, von seinem Urteilsvermögen, dem <quote>Judicium</quote>,
                    Gebrauch zu machen (TE, 3. Aufl., Bd. 3, 1670, Vorrede, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0011-4">S.
                        2</ref>]). Im Sinne der Ausgewogenheit sei auch darauf verzichtet worden,
                    Personen <quote>anzügig durchzulassen</quote> oder <quote>mit unmässigem Lob
                        zubeschweren</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0012-0">S.
                        3</ref>]). </p>
                <p>Der Vorspann zum Text des dritten Bandes bekräftigt nochmals den
                    Authentizitätsanspruch, dass alles aus <quote>glaubwürdigen eingeantworteten
                        Documenten, und eigener Erfahrung zusammen getragen</quote> wurde (TE, 3.
                    Aufl., Bd. 3, 1670, <ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0016-3">S.
                        1</ref>). Eine Marginalie informiert plakativ: <quote>Historien Lesung und
                        Wissenschafft ist nöthig und hochnützlich.</quote> (<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0016-3"
                        >ebd.</ref>) An den lehrhaften Nutzen für alle Stände und insbesondere für
                    Herrscher und Amtsträger und die sich bei der Lektüre von Geschichtsbüchern
                    einstellende Klugheit, die in der Lebenspraxis anwendbar ist, erinnernd, führt
                    der Text dazu aus: <quote>Dann fürwar/ Historien fleissig lesen/ und
                        nachsinnlich betrachten/ das macht recht kluge/weise und verständige Leute
                        in allen Ständen und Aemptern/ also daß noch keiner mit Lob und Ruhm irgend
                        einem Dienst oder Ampt vorgewesen/ ohne rechtschaffene Erkäntnuß und
                        Betrachtung der Historien und vorgegangener Geschichten: dahero offenbar/
                        daß fast alle vornehme hohe Monarchen und glorwürdige Regenten/ auch
                        vornehme Amptträger in Göttlichen/ Geistlichen und Weltlichen oder
                        Prophan-Aemptern sich jederzeit der Chronicken/ Historien und alter
                        Geschichten Beschreibungen/ mit sonderlichem Lob und Ruhm bedienet/ und mit
                        tieffsinniger Betrachtung aller Ursachen/ Anlaß/ Anstalt/ Fürgang und
                        Außgang in Thun und Lassen darnach gerichtet/ daß also wol die Historia,
                        Sapientiae Metropolis, ein Hauptstadt der Weißheit mag genennet
                        werden</quote> (<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0016-3"
                        >ebd.</ref>). </p>
                <p>In der von Matthaeus Merian unterzeichneten Widmung und in der von Johann Peter
                    Lotichius stammenden Vorrede des fünften Bandes (1647) kommt in der üblichen
                    Apologie der Historiographie und der Berufung auf die quellenkritische
                    Verfahrensweise eine in den vorherigen Paratexten nicht angesprochene Nuance zur
                    Relation von <hi rend="italics">historia</hi> und <hi rend="italics">fabula</hi>
                    hinzu. Merian plädiert zunächst für die Schilderung der Zeitgeschichte und eine
                    zeitnahe Beschreibung der <hi rend="italics">res gestae</hi>, denn durch einen
                    großen zeitlichen Abstand des Historikers zu den erzählten Ereignissen bestehe
                    das Risiko, dass sich das Fehlerpotential im Hinblick auf die Wahrheit der
                    Darstellung erhöhe, weil etwa mit dem Sterben von Augenzeugen Fakten und
                    Umstände in Vergessenheit geraten könnten. Dagegen seien Zeitzeugen in der Lage,
                    noch aus ihrer frischen Erinnerung den Historiker zu informieren. Zeichne man
                    die Gegebenheiten erst in großer zeitlicher Distanz auf, dann laufe man Gefahr,
                        <quote>an statt Historien vnnd warhaffter Geschichten/ mehrentheils lauter
                        Figmenta vnnd Fabeln</quote> zu produzieren (TE, 1. Aufl., Bd. 5, 1651,
                    Widmung, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000240-0005-5">S.
                        1</ref>]). Die <hi rend="italics">res fictae</hi> waren ein Ärgernis für den
                    allein auf die <hi rend="italics">res factae</hi> bedachten Historiographen
                    (dazu <bibl><ref target="#jauß_gebrauch_1982" type="bibliography"
                        >Jauß</ref></bibl>). Idealerweise erfindet er seinen Stoff nicht, sondern
                    gewinnt ihn durch kritische Prüfung der Quellen, die in der Gegenwart als
                    Zeugnis der Vergangenheit erhalten geblieben sind. Das geschieht nach den
                    Kriterien, die zur Unterscheidung von Fiktion und Realität zur Disposition
                    stehen. Als Ergebnis des Selektionsprozesses erscheint sein Verständnis der
                    Vergangenheit als das wahre und verbindliche. <quote>Mährlein</quote> und
                        <quote>Fabulas</quote> seien – so Merian – das Metier der Poeten, und Homer,
                    in Personalunion Dichter und Geschichtsschreiber, der den Trojanischen Krieg
                    mehrere hundert Jahre nach seiner Austragung aufzeichnete, habe man beschuldigt,
                        <quote>Mendacia</quote> und <quote>Figmenta</quote> hinterlassen zu haben
                    (TE, 1. Aufl., Bd. 5, 1651, Widmung, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000240-0006-1">S.
                        2</ref>]). Damit distanziert sich Merian von der Poesie und der poetischen
                    Darstellung historischer Ereignisse wie sie beispielsweise in Epen und Romanen
                        vorkommen.<ref type="footnote" target="#fn21">21</ref> In seinen
                    Ausführungen dürfte er – wenn auch nicht <hi rend="italics">expressis
                        verbis</hi> – auf die aristotelische Unterscheidung von Poesie und
                    Geschichte rekurrieren. In seiner <bibl><title>Poetik</title></bibl> hatte
                    Aristoteles festgelegt, <quote>daß es nicht Aufgabe des Dichters ist
                        mitzuteilen, was wirklich geschehen ist, sondern vielmehr, was geschehen
                        könnte, d.h. das nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit
                        Mögliche. Denn der Geschichtsschreiber und der Dichter unterscheiden sich
                        nicht dadurch voneinander, daß sich der eine in Versen und der andere in
                        Prosa mitteilt […]; sie unterscheiden sich vielmehr dadurch, daß der eine
                        das wirklich Geschehene mitteilt, der andere, was geschehen könnte</quote>
                            (<bibl><ref target="#aristoteles_poetik_1994">Aristoteles</ref></bibl>,
                    S. 29). </p>
                <p>Lotichius problematisiert in seiner Vorrede zunächst die grundsätzliche Frage, ob
                    man <quote>die eygentliche Warheit vnnd Beschaffenheit aller vnd jeder Dingen
                        Verrichtungen vnnd Stücken so accurat vnnd genaw erreichen vnd treffen
                        würde?</quote> (TE, 1. Aufl., Bd. 5, 1651, Vorrede, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000240-0008-3">S.
                        1</ref>]) Zwar gründe vieles auf Erfahrung und Augenschein, doch seien die
                    überwältigende Flut an Berichten und die durchaus voneinander abweichenden
                    Informationen über ein und dieselben Gegebenheiten dubios. Der Historiker, der
                    nur die Wahrheit <quote>bona fide</quote> wiederzugeben habe, dürfe nichts
                    Fiktives ergänzen. Er habe die eingehenden Berichte <quote>sincera mente</quote>
                    auf deren Glaubwürdigkeit hin zu prüfen, indem er nichts <quote>fingirt/ oder
                        hinzu thut/ welches cum ipsamet historiae anima, idest, veritate, streiten
                        solte.</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000240-0009-1">S.
                        2</ref>]) Das Gebot nichts fingieren zu dürfen wird häufiger thematisiert,
                    so auch von Heinrich Oraeus, der die Geschichte eines Zauberers in Straßburg
                    erzählt und beteuert: <quote>Wir erdichten allhier nichts in odium Patrum,
                        sondern referiren purè wie es an uns kommen</quote> (TE, 3. Aufl., Bd. 3,
                    1670, <ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000238-0049-0">S.
                        34</ref>). </p>
                <p>Auch <rs type="person" ref="#schleder_johann_georg">Johann Georg Schleder</rs>,
                    der für den 1652 erstmals erschienenen sechsten Band verantwortlich war,
                    versichert in der Vorrede seinen Anspruch auf Objektivität und Neutralität,
                    orientiere er sich doch allein am <quote>factum nudè, vnd wie vns das
                        documentum, oder die darüber einkommene Relation solches dictirt/ erzehlet
                        haben […] so/ daß auß eigenem vnserm Gehirn/ darzu nicht das allergeringste
                        gesponnen/ noch auß habender passion ichtwas eingeschoben worden</quote>
                    (TE, 1. Aufl., Bd. 6, 1652, Vorrede, unpag. Zit. nach dem Exemplar der ULB
                    Münster 4° H3 903-6.). Schleder beruft sich auf die Autorität Ciceros und
                    verbürgt sich dafür, <quote>so viel möglich seyn wollen/ alles vnpartheyisch
                        vorgebracht/ vns erinnerende/ was der vortreffliche Redner Cicero, in seinem
                        zweiten Buch de Oratore schreibet/ Historiae supremam legem esse Veritatem,
                        das ist/ Man könne im Histori schreiben ein mehrers nicht thun/ als wenn man
                        mit der Warheit vmbgehet</quote> (ebd.). Vor dem Problem stehend, eine kaum
                    überschaubare Menge an Quellen mit heterogenen und diffusen Nachrichten
                    verarbeiten zu müssen, zeigt er sich in Verlegenheit und hofft auf die Hilfe der
                    zu Korrekturen aufgerufenen Leser: <quote>[…] daß bey einem so greulichen chaos
                        vieler vnterschiedener/ auch hochwichtiger Materien/ die Relationes
                        jederweilen dergestalt variiren/ daß man/ gleich einem/ der den Wolff bey
                        den Ohren hat/ nicht weiß/ was man thun oder lassen soll. Vnterwerffen vns
                        demnach redlicher wolmeynender Leute censur gar gerne/ vnd verbessern
                        hiernechst […] auff anderwärtliche bessere Nachricht/ alles was zu
                        verbessern gesucht wird.</quote> (ebd.). </p>
                <p>Die Zueignungsschrift des zunächst 1663 edierten siebten Bandes akzentuiert neben
                    der üblichen Tugendinstruktion die Handlungsorientierung für den Menschen, die
                    aus der Kenntnis der <hi rend="italics">historia</hi> resultiert. Sie bietet
                    eine ethische Basis für das Zusammenleben in menschlicher Gemeinschaft und kommt
                    nicht zuletzt den Regenten und einer klugen Politik zugute: <quote>So hanget
                        (nechst der Barmhertzigkeit Gottes) die Wolfahrt deß Menschlichen Lebens
                        beynahe an nirgend anderm/ als an den Historien. Diese entzünden die Gemüter
                        zur Tugend; schrecken sie von Sünden und Untugenden ab; geben den
                        Tugendhafften das Leben nach ihrem Tod; tödten und begraben die
                        Untugendhafften in ihrem Leben; ehren die Ehrlichen bey den Nachkommenden;
                        schelten und schänden die Unehrlichen mit einer immerwährenden Schmach […]
                        zeigen/ wie man Gott dienen und förchten/ und sich in Auffrichtigkeit gegen
                        jederman verhalten soll […]. Die Kleinmütigen stärcken sie/ unterrichten die
                        Unwissenden/ und reitzen jederman zu allerhand tapffern und löblichen
                        Thaten</quote> (TE, 2. Aufl., Bd. 7, 1685, Widmung, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000242-0005-6">S.
                        1</ref>]). </p>
                <p>Die Vorrede des siebzehnten Bandes, erstmals 1718 publiziert und von Daniel
                    Schneider verfasst, sieht sich ebenfalls mit den Problemen des Auswählens aus
                    dem riesigen Quellenschatz und der erzählenden Wiedergabe der Quellen
                    konfrontiert. Angesichts der Misere bevorzuge es der Autor, Dokumente im
                    kompletten Wortlaut zu zitieren, <quote>damit der Leser aus denen eigenen Worten
                        vornehmster auff diesem Schau-Platz erscheinender Personen, sich einen desto
                        bessern Begriff von ihren Handlungen und Gemüths-Beschaffenheiten machen
                        möge</quote> (TE, 1. Aufl., Bd. 17, 1718, „Vorbericht“, unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000252-0009-6">S.
                        3</ref>]). Gebe man hingegen nur einen Auszug aus den Quellen, <quote>so kan
                        doch leicht etwas mit einschleichen, was mehr mit der Einsicht und Neigung
                        des Schreibers, als dem Sinne des ursprünglichen Autoris dieses oder jenen
                        Stückes übereinstimmt; und bald was, als nicht sonderlich trifftig, aussen
                        gelassen werden, das andern ein Punct von grosser Wichtigkeit zu seyn
                        scheinet, und in der That ist</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000252-0009-6">S.
                        3</ref>]). </p>
                <p>Damit ist eine grundsätzliche hermeneutische Schwierigkeit angeschnitten, der
                    sich ein Historiker zu stellen hat. Das hermeneutische Problem potenziert sich
                    in anderer Hinsicht, denn die Intention des <bibl><title>Theatrum
                            Europaeum</title></bibl> könne nicht die alleinige Kompilation und
                    Aneinanderreihung von Quellen im Wortlaut sein. Vielmehr müsse im Interesse des
                    Lesers die historische Erzählung hinzukommen, <quote>damit alles umb so viel
                        leichter, verständlicher und angenehmer werde, dieweil es weit
                        vorträglicherer ist, alle Umbstände und Gelegenheiten, wie es vor, bey, mit
                        und nach den in brieffliche Urkunden verfasseten Sachen hergegangen,
                        ordentlich erzehlet finden, als wenn man dergleichen erst selbst aus denen
                        Urkunden zerstreuter zusammen suchen, oder wohl gar vieles, welches in diese
                        nicht gebracht worden, doch aber zu ihres Inhalts Sache gehörig ist,
                        muthmassen, auch etwa gar nicht erfahren soll</quote> (unpag. [<ref
                        target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000252-0009-6">S.
                        3</ref>]). </p>
                <p>Mit dieser Aufgabe dürfte der Historiker überfordert sein, kann er doch nicht
                    umhin, <quote>alle Umbstände und Gelegenheiten</quote> deutend zu erklären und
                    beispielsweise Handlungsabläufe und deren psychologische Motivierung zu
                    interpretieren. </p>
                <p>Bemerkenswert ist Schneiders ausdrückliche Trennung von <hi rend="italics"
                        >historia</hi> und <hi rend="italics">politica</hi>. Das
                            <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> sei von Anfang an ein
                    Geschichtswerk gewesen, das es Politikern stets überlassen habe, aus der
                    Darstellung beurteilende Rückschlüsse auf politische Verhältnisse zu ziehen.
                </p>
                <p>Weitere Widmungen und Vorreden sind im Hinblick auf unser Thema unergiebig oder
                    wiederholen und variieren geschichtstheoretische Leitbegriffe, Überlegungen und
                    Argumentationsketten. Sie bieten in dieser Hinsicht keine neuen Aufschlüsse und
                    müssen daher hier nicht eigens vorgestellt werden (siehe Bde. 4, 8, 9, 11-16,
                    20, 21). </p>
            </div> </div>
            <div type="section">
                <head>Fazit</head>
                <p>Das dem <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> zugrunde liegende
                    eurozentrierte Geschichtsverständnis, das sich um das Bewusstsein einer
                    europäischen Identität im Zeichen des Friedens bemüht, ist unter anderem geprägt
                    vom Utilitarismus als Lehre, die im Nützlichen die Basis des ethischen
                    Verhaltens sieht und Werte und Normen nur akzeptiert, wenn sie dem Individuum
                    und der Gemeinschaft nützen. Die utilitaristische Geschichtsauffassung betont
                    auf der Grundlage eines heilsgeschichtlichen Sinnhorizonts die Exemplarität und
                    lebenspraktische Handlungsorientierung einer moraldidaktischen Historiographie.
                    Nicht nur Gotteserkenntnis, untrennbar mit Selbsterkenntnis verknüpft, ist durch
                    die Lektüre der Geschichtsbücher und Bewahrung der <hi rend="italics"
                        >memoria</hi> als kulturelles Gedächtnis zu erlangen, sondern darüber hinaus
                    Entscheidungskompetenz für tugendhaftes Handeln im Hinblick auf <hi
                        rend="italics">prudentia</hi>. Das gilt gleichermaßen für die
                    individuell-private wie für die öffentlich-politische Sphäre. Die <hi
                        rend="italics">historia pragmatica</hi> verbindet sich mit der
                    Leitvorstellung <hi rend="italics">historia docet</hi>, so dass die
                    teleologische Ausrichtung des Geschichtskonzepts unverkennbar ist.<ref
                        type="footnote" target="#fn22">22</ref> Es ist zudem ein wichtiges Anliegen
                    der Historiographie, das moralisch-rechtliche Urteilsvermögen, das <hi
                        rend="italics">iudicium</hi>, herauszubilden. </p>
                <p>Eine prudentistische Sozialethik und Moralauffassung – in allen Bänden des
                            <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> nach wie vor determiniert
                    durch eine religiöse Fundierung – durchzieht das Werk, das dem Selbstverständnis
                    nach der Gattung ‚historische Chronik’ zuzuordnen ist. Kluges Verhalten zielt
                    auf die ethische und lebenspraktische Maxime der Erlangung von Glückseligkeit im
                    privaten und öffentlichen Lebensbereich. Klugheitslehren zufolge soll die
                    Kardinaltugend der Klugheit als <hi rend="italics">prudentia civilis</hi> nicht
                    nur dem <hi rend="italics">homo politicus</hi> zu einem erfolgreichen
                    weltgewandten und moralisch richtigen Handeln verhelfen. Darin wird die Nähe zu
                    Positionen der prudentistischen Moralphilosophie der Epoche deutlich.<ref
                        type="footnote" target="#fn23">23</ref>
                </p>
                <p>Die durchgängige Fixierung auf einen heilsgeschichtlichen Deutungsrahmen der
                    erzählten Ereignisse und die Rückbindung historischen Geschehens auf den
                    providentiell vorgegebenen Sinn aller Geschichte widerspricht nicht den auch
                    vorkommenden Versuchen, naturwissenschaftliche Erklärungen für Phänomene – etwa
                    bei Naturkatastrophen und dem Auftauchen von Kometen – vorzuschlagen. Mit dem
                    allmählichen Aufkommen der neuen Erfahrungswissenschaften, verbunden mit einer
                    Neubewertung der Empirie, vollzog sich langsam und keineswegs widerspruchsfrei
                    eine Neueinschätzung der Erinnerungskultur, in der die Historiographie nicht
                    zuletzt auch als Archiv empirischer Daten legitimiert wurde. Gleichwohl hat
                    historia in den Paratexten des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl>
                    noch die Funktion einer Theodizee, der Rechtfertigung des Übels und Bösen vor
                    der göttlichen Providenz. </p>
                <p>Verfolgt man die Paratexte von 1633 bis 1738, so wird deutlich, dass Leitbegriffe
                    wie <hi rend="italics">veritas</hi>, <hi rend="italics">historia magistra
                        vitae</hi>, <hi rend="italics">virtus</hi>, <hi rend="italics"
                    >exemplum</hi>, <hi rend="italics">iudicium</hi>, <hi rend="italics"
                        >prudentia</hi>, <hi rend="italics">historia</hi>, <hi rend="italics"
                        >memoria</hi>, Aufrichtigkeit und Unparteilichkeit zwar immer wieder
                    auftauchen, doch zunehmend auf ausführlichere geschichtstheoretische Darlegungen
                    verzichtet wird. Gleichwohl zeigt sich eine bemerkenswerte Konstanz in den
                    Auffassungen zu <hi rend="italics">historia</hi> und <hi rend="italics"
                        >historiographia</hi>, die das <bibl><title>Theatrum
                        Europaeum</title></bibl> prägen. Sie bleiben dem in der Rhetorik wurzelnden
                    Geschichtsverständnis und dem Ciceronianismus noch im ersten Drittel des 18.
                    Jahrhunderts verhaftet (<bibl><ref target="#keßler_modell_1982">Keßler
                            1982</ref></bibl>). Die in den Paratexten des <bibl><title>Theatrum
                            Europaeum</title></bibl> dargelegten, geschichtstheoretischen
                    Überlegungen wurden – von antiken Texten ausgehend – bereits im italienischen
                    Humanismus intensiv diskutiert (<bibl><ref target="#keßler_geschichte_1971a"
                            >Keßler 1971 a</ref></bibl>).<ref type="footnote" target="#fn24"
                        >24</ref> Es sollte in Deutschland noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
                    dauern, ehe sich die Geschichte von der Rhetorik vollständig emanzipieren und
                    als eigenständige universitäre Disziplin etablieren konnte (dazu <bibl><ref
                            target="#keßler_ausbildung_1983">Keßler 1983</ref></bibl>, S. 30f.).
                </p>
                <p>Insbesondere die Studien von Hayden White haben seit den Achtziger Jahren des 20.
                    Jahrhunderts dazu beigetragen, ein neues Verständnis für die Literarizität der
                    Historiographie hervorzurufen, etwa im Hinblick auf deren rhetorisch geformte
                    narrative Struktur bei der Auswahl, Wiedergabe, Verknüpfung und erklärenden
                    Motivierung der <hi rend="italics">res factae</hi>. Neben der ‚Fiktion des
                    Faktischen’ gerieten auch die Relativität der erzählten historischen Wahrheit
                    und die Sinnkonstituierung und -konstruktion durch den Historiographen verstärkt
                    in den Blick (<bibl><ref target="#white_klio_1986">White 1986</ref></bibl>,
                            <bibl><ref target="#white_bedeutung_1990">White 1990</ref></bibl>,
                            <bibl><ref target="#white_metahistory_1994">White 1994</ref></bibl>).
                    Heute wird nicht mehr ernsthaft bestritten, dass Historiker auf Mittel der
                    Fiktion angewiesen sind, sobald die <hi rend="italics">narratio</hi> einsetzt
                    und die verkürzende sprachliche Rekonstruktion einer vergangenen Realität
                    beginnt. Bereits die Auswahl und Ordnung überlieferter Berichte gehen mit einer
                    wertenden Interpretation einher. Die Vorstellung, ein Historiker könne ein
                    objektives und wahres Bild der Vergangenheit quasi subjekt-unabhängig verbal
                    wiedergeben, hat sich längst als Illusion erwiesen. </p>
            </div>
            <div type="bibliography">
                <head >Bibliographische Nachweise und Forschungsliteratur</head>
             <div type="bibliography">
                <head>Quellen</head>
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                    <bibl xml:id="cicero_divinatione_1963">Marcus Tullius Cicero: De divinatione. 
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                    <bibl xml:id="lukian_geschichte_1965">Lukian: Wie man Geschichte schreiben soll. Griechisch und Deutsch.
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                    <bibl xml:id="merian_1633">Matthaeus Merian: Theatrum Europaeum. 21 Bde.,
                        Frankfurt a.M. 1633-1738 (<ref type="wdb"
                            target="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000080/start.htm"
                            >ausführliches Siglenverzeichnis</ref>).
                        <ptr type="opac" cRef="234986174"></ptr></bibl>                    
                </listBibl>
            </div>

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                    </bibl>
                    <bibl xml:id="berns_parteylichkeit_1976">Jörg Jochen Berns: „Parteylichkeit“ und Zeitungswesen. 
                        Zur Rekonstruktion einer medienpolitischen Diskussion an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, in:
                        Wolfgang Fritz Haug (Hg.): Massen - Medien - Politik. Berlin 1976, S. 201-233.<ptr type="gbv" subtype="main_entry" cRef="018562213"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="berns_monarch_1982">Jörg Jochen Berns: Der nackte Monarch und die nackte Wahrheit.
                        Auskünfte der deutschen Zeitungs- und Zeremoniellschriften des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts
                        zum Verhältnis von Hof und Öffentlichkeit, in: Daphnis 11 (1982), S. 315-349.<ptr type="opac" cRef="656765321"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="berns_zeitung_1983">Jörg Jochen Berns: Zeitung und Historia. 
                        Die historiographischen Konzepte der Zeitungstheoretiker des 17. Jahrhunderts, in: 
                        Daphnis 12 (1983), S. 87-110.<ptr type="opac" cRef="646436783"></ptr>                        
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                    <bibl xml:id="berns_nochmals_2008">Jörg Jochen Berns: Nochmals zur „Parteylichkeit“.
                        Entstehungsbedingungen, Kriterien, Geltungsbereich, in: Astrid Blome, Holger Böning (Hg.): 
                        Presse und Geschichte. Leistungen und Perspektiven der historischen Presseforschung. 
                        Bremen 2008, S. 67-75.<ptr type="gbv" subtype="main_entry" cRef="570430615"></ptr>                      
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                    <bibl xml:id="bingel_theatrum_1909">Hermann Bingel: Das Theatrum Europaeum. 
                        Ein Beitrag zur Publizistik des 17. und 18. Jahrhunderts. Diss. München 1909. Lübeck 1909.                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="blanke_historiographiegeschichte_1991">Horst Walter Blanke: 
                        Historiographiegeschichte als Historik. Stuttgart-Bad Cannstatt 1991.<ptr type="opac" cRef="026219921"></ptr>                        
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                    <bibl xml:id="coenen_parteilichkeit_2003">Hans Georg Coenen: Art. „Parteilichkeit“, in: 
                        Gert Ueding (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Bd. 6. Tübingen 2003, Sp. 652-666.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="363712062"></ptr>                        
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                    <bibl xml:id="dethlefs_schauplatz_2004">Gerd Dethlefs: Schauplatz Europa. 
                        Das „Theatrum Europaeum“ des Matthaeus Merian als Medium kritischer Öffentlichkeit, in:
                        Klaus Bußmann, Elke Anna Werner (Hg.): Europa im 17. Jahrhundert. 
                        Ein politischer Mythos und seine Bilder. Stuttgart 2004, S. 149-179.<ptr type="opac" cRef="098737805"></ptr>                        
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                    <bibl xml:id="friedrich_buch_2004">Markus Friedrich: Das Buch als Theater.
                        Überlegungen zu Signifikanz und Dimensionen der „Theatrum“-Metapher als frühneuzeitlichem Buchtitel, in: 
                        Theo Stammen, Wolfgang E. J. Weber (Hg.): Wissenssicherung, Wissensordnung und Wissensverarbeitung. 
                        Das europäische Modell der Enzyklopädien. Berlin 2004, S. 205-232.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="685094049"></ptr>                         
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                    <bibl xml:id="fueter_geschichte_1936">Eduard Fueter: Geschichte der neueren Historiographie.
                        3. Aufl. München 1936.<ptr type="gbv" cRef="139971831"></ptr>                        
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                    <bibl xml:id="fuss_merian_2000">Ulrike Valeria Fuss: Matthaeus Merian der Ältere.
                        Von der lieblichen Landschaft zum Kriegsschauplatz – 
                        Landschaft als Kulisse des 30jährigen Krieges. Frankfurt a.M. [u.a.] 2000.<ptr type="opac" cRef="301563489"></ptr>                      
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="genette_paratexte_1989">Gérard Genette: Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches.
                        Frankfurt a.M. [u.a.] 1989.<ptr type="opac" cRef="026790688"></ptr>                      
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                    <bibl xml:id="grunert_syndikus_erschließen_2010">Frank Grunert, Anette Syndikus (Hg.):
                        Erschließen und Speichern von Wissen in der Frühen Neuzeit. Formen und Funktionen. Köln [u.a.] 2010.                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="harth_geschichtsschreibung_1996">Dietrich Harth: Art. „Geschichtsschreibung“, in:
                        Gert Ueding (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Bd. 3. Tübingen 1996, Sp. 832-870.<ptr type="gbv" subtype="main_entry" cRef="214641244"></ptr>                       
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                    <bibl xml:id="heitmann_verhältnis_1970">Klaus Heitmann: Das Verhältnis von Dichtung und Geschichtsschreibung
                        in älterer Theorie, in: Archiv für Kulturgeschichte 52 (1970), S. 244-279.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="129061549"></ptr>                        
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                    <bibl xml:id="henkel_schöne_emblemata_1978">Arthur Henkel, Albrecht Schöne (Hg.): Emblemata. 
                        Handbuch zur Sinnbildkunst des XVI. und XVII. Jahrhunderts. Sonderausgabe. Stuttgart 1978.<ptr type="opac" cRef="633124567"></ptr>                        
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                    <bibl xml:id="heßelmann_narrheit_2009">Peter Heßelmann: Narrheit und Klugheit in Christian Weises 
                        „Die drey ärgsten Ertz-Narren“, in: Jean Schillinger (Hg.): Der Narr in der deutschen Literatur im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. 
                        Kolloquium in Nancy (13.-14. März 2008). Bern [u.a.] 2009. <ptr type="opac" cRef="642078521"></ptr>                         
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                    <bibl xml:id="jauß_gebrauch_1982">Hans Robert Jauß: Der Gebrauch der Fiktion in Formen der Anschauung und Darstellung der Geschichte, in:
                        Reinhart Koselleck, Heinrich Lutz, Jörn Rüsen (Hg.): Formen der Geschichtsschreibung. München 1982, S. 415-451.  <ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="02395227X"></ptr>                      
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="kaegi_chronica_1954">Werner Kaegi: Chronica Mundi. Grundformen der Geschichtsschreibung 
                        seit dem Mittelalter. Einsiedeln 1954.<ptr type="gbv" cRef="177165537"></ptr>                          
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                    <bibl xml:id="keßler_geschichte_1971a">Eckhard Keßler: Geschichte: Menschliche Praxis oder kritische Wissenschaft?
                        Zur Theorie der humanistischen Geschichtsschreibung, in: ders.: 
                        Theoretiker humanistischer Geschichtsschreibung. Nachdruck exemplarischer Texte aus dem 16. Jahrhundert: 
                        Francesco Robortello, Diongi Atanagi, Francesco Patrizi, Giacomo Aconio, Giovanni Antonio Viperano, 
                        Uberto Foglietta, Alessandro Sardi, Sperone Speroni. Mit einer Einleitung, analytischer Inhaltsübersicht,
                        Bibliographie und Indices. München 1971a, S. 7-47.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="013193082"></ptr>                      
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                    <bibl xml:id="keßler_theoretiker_1971b">Eckhard Keßler: Theoretiker humanistischer Geschichtsschreibung. 
                        Nachdruck exemplarischer Texte aus dem 16. Jahrhundert: Francesco Robortello, Diongi Atanagi, Francesco Patrizi,
                        Giacomo Aconio, Giovanni Antonio Viperano, Uberto Foglietta, Alessandro Sardi, Sperone Speroni.
                        Mit einer Einleitung, analytischer Inhaltsübersicht, Bibliographie und Indices. München 1971b.<ptr type="opac" cRef="013193082"></ptr>  
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                    <bibl xml:id="keßler_historia_1981">Eckhard Keßler: Historia magistra vitae. Zur Rehabilitation eines überwundenen Topos, in:
                        Rolf Schörken (Hg.): Der Gegenwartsbezug der Geschichte. Stuttgart 1981, S. 11-33.<ptr type="gbv" subtype="main_entry" cRef="027294293"></ptr>                       
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                    <bibl xml:id="keßler_modell_1982">Eckhard Keßler: Das rhetorische Modell der Historiographie, in: 
                        Reinhart Koselleck, Heinrich Lutz, Jörn Rüsen (Hg.): Formen der Geschichtsschreibung. München 1982, S. 37-85.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="02395227X"></ptr>                          
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                    <bibl xml:id="keßler_ausbildung_1983">Eckhard Keßler: Die Ausbildung der Theorie der Geschichtsschreibung im Humanismus und
                        in der Renaissance unter dem Einfluß der wiederentdeckten Antike, in: 
                        August Buck, Klaus Heitmann (Hg.): Die Antike-Rezeption in den Wissenschaften während der Renaissance. Weinheim 1983, S. 29-49.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="027386317"></ptr>                       
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                    <bibl xml:id="keßler_ars_1992">Eckhard Keßler: Art. „Ars historica“, in: Gert Ueding (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, 
                        Bd. 1. Tübingen 1992, Sp. 1046-1048.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="032159250"></ptr>                       
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="keuck_historia_1934">Karl Keuck: Historia. Geschichte des Wortes und seiner Bedeutungen in
                        der Antike und in den romanischen Sprachen. Diss. Münster 1934.<ptr type="gbv" cRef="066468264"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="kintzinger_chronos_1995">Marion Kintzinger: Chronos und Historia.
                        Studien zur Titelblattikonographie historiographischer Werke vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Wiesbaden 1995.<ptr type="opac" cRef="181635666"></ptr>                        
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                    <bibl xml:id="kirchner_fortuna_1970">Gottfried Kirchner: Fortuna in Dichtung und Emblematik des Barock. 
                        Tradition und Bedeutungswandel eines Motivs. Stuttgart 1970.<ptr type="opac" cRef="138265038"></ptr>                      
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="kleinschmidt_wirklichkeit_1982">Erich Kleinschmidt: Die Wirklichkeit der Literatur.
                        Fiktionsbewußtsein und das Problem der ästhetischen Realität von Dichtung in der Frühen Neuzeit, in: 
                        Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 56 (1982), S. 174-197.                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="klempt_säkularisierung_1960">Adalbert Klempt: Die Säkularisierung der universalhistorischen Auffassung.
                        Zum Wandel des Geschichtsdenkens im 16. und 17. Jahrhundert. Göttingen [u.a.] 1960.<ptr type="opac" cRef="02125995X"></ptr>                         
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="knape_historie_1984">Joachim Knape: „Historie“ in Mittelalter und früher Neuzeit. 
                        Begriffs- und gattungsgeschichtliche Untersuchungen im interdisziplinären Kontext. Baden-Baden 1984.<ptr type="opac" cRef="027320901"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="knape_historia_1996">Joachim Knape: Art. „Historia“, in: Gert Ueding (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, 
                        Bd. 3. Tübingen 1996, Sp. 1406-1410.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="216868580"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="kocka_nepperdey_theorie_1979">Jürgen Kocka, Thomas Nipperdey (Hg.): Theorie und Erzählung in der Geschichte. München 1979.<ptr type="opac" cRef="023709448"></ptr>                       
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="koselleck_historia_1967">Reinhart Koselleck: Historia Magistra Vitae. Über die Auflösung des Topos im Horizont neuzeitlich bewegter Geschichte, in: 
                        Hermann Braun, Manfred Riedel (Hg.): Natur und Geschichte. Karl Löwith zum 70. Geburtstag. Stuttgart [u.a.] 1967, S. 196-219.<ptr type="gbv" subtype="main_entry" cRef="195212606"></ptr>                      
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                    <bibl xml:id="koselleck_mommsen_rüsen_objektivität_1977">Reinhart Koselleck, Wolfgang Mommsen, Jörn Rüsen (Hg.):
                        Objektivität und Parteilichkeit in der Geschichtswissenschaft. München 1977.<ptr type="opac" cRef="023261935"></ptr>                         
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                    <bibl xml:id="koselleck_standortbindung_1977">Reinhart Koselleck: Standortbindung und Zeitlichkeit. Ein Beitrag zur historiographischen Erschließung 
                        der geschichtlichen Welt, in: Reinhart Koselleck, Wolfgang Mommsen, Jörn Rüsen (Hg.):
                        Objektivität und Parteilichkeit in der Geschichtswissenschaft. München 1977, S. 17-46.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="023261935"></ptr>                       
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="landfester_historia_1972">Rüdiger Landfester: Historia Magistra Vitae. 
                        Untersuchungen zur humanistischen Geschichtstheorie des 14. bis 16. Jahrhunderts. Genf 1972 [Diss. Freiburg i. Br. 1969].<ptr type="opac" cRef="021259984"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="langer_dudás_kämpfe_1988">Herbert Langer, János Dudás: Die Kämpfe in Ungarn 1684 bis 1686
                        und die Rückeroberung Budas im Spiegel des „Theatrum Europaeum“, in: Acta Historica Academiae Scientiarum Hungaricae 34 (1988), S. 17-25.                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="meier_enzyklopädie_2009">Christel Meier: Enzyklopädie und Welttheater. 
                        Zur Intertheatralität von Universalwissen und weltpräsentierender Performanz, in: 
                        Martin Schierbaum (Hg.): Enzyklopädistik 1550-1650. 
                        Typen und Transformationen von Wissensspeichern und Medialisierungen des Wissens. Berlin 2009, S. 3-39.<ptr type="opac" cRef="611938502"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="meierhofer_sammelschrifttum_2010">Christian Meierhofer: Alles neu unter der Sonne.
                        Das Sammelschrifttum der Frühen Neuzeit und die Entstehung der Nachricht. Würzburg 2010.<ptr type="opac" cRef="629395179"></ptr>                       
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="moos_poeta_1976">Peter von Moos: „Poeta“ und „Historicus“ im Mittelalter.
                        Zum Mimesis-Problem am Beispiel einiger Urteile über Lucan, in: 
                        Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 98 (1976), S. 93-130.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="12625821X"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="muhlack_theorie_1982">Ulrich Muhlack: Theorie und Praxis der Geschichtsschreibung, in: 
                        Reinhart Koselleck, Heinrich Lutz, Jörn Rüsen (Hg.): Formen der Geschichtsschreibung. München (1982), S. 607-620.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="02395227X"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="muhlack_geschichtswissenschaft_1991">Ulrich Muhlack: Geschichtswissenschaft im 
                        Humanismus und in der Aufklärung. Die Vorgeschichte des Historismus. München 1991.<ptr type="opac" cRef="02694376X"></ptr>                       
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="neddermeyer_mittelalter_1988">Uwe Neddermeyer: 
                        Das Mittelalter in der deutschen Historiographie vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. 
                        Geschichtsgliederung und Epochenverständnis in der frühen Neuzeit. Köln [u.a.] 1988.<ptr type="opac" cRef="024925667"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="neuber_epochenverständnis_2001">Wolfgang Neuber: Art. „Memoria“, in: Gert Ueding (Hg.): 
                        Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Bd. 5. Tübingen 2001.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="327583509"></ptr>                     
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="patzig_problem_1977">Günther Patzig: Das Problem der Objektivität und der Tatsachenbegriff, in:
                        Reinhart Koselleck, Wolfgang Mommsen, Jörn Rüsen (Hg.): Objektivität und Parteilichkeit in der Geschichtswissenschaft. 
                        München 1977, S. 319-336.<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="023261935"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="pomata_siraisi_historia_2005">Gianna Pomata, Nancy G. Siraisi (Hg.): Historia. 
                        Empiricism and Erudition in Early Modern Europe. Cambridge [u.a.] 2005.<ptr type="opac" cRef="488124255"></ptr>                     
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="scattola_historia_2007">Merio Scattola: „Historia literaria“ als „historia pragmatica“. 
                        Die pragmatische Bedeutung der Geschichtsschreibung im intellektuellen Unternehmen der Gelehrtengeschichte, in: 
                        Frank Grunert, Friedrich Vollhardt (Hg.): Historia literaria. Neuordnungen des Wissens im 17. und 18. Jahrhundert. Berlin 2007, S. 37-63. <ptr type="opac" cRef="601747887"></ptr>                       
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="schmale_jahrhundert_1997">Wolfgang Schmale: Das 17. Jahrhundert und die neuere europäische Geschichte, in: 
                        Historische Zeitschrift 264 (1997), S. 587-611.<ptr type="gbv" cRef="58264867X"></ptr>                       
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="schock_bauer_koller_2008">Flemming Schock, Oswald Bauer, Ariane Koller, metaphorik.de (Hg.):
                        Dimensionen der Theatrum-Metapher in der Frühen Neuzeit. Ordnung und Repräsentation von Wissen.
                        Hannover 2008, zugleich in: <ref target="http://www.metaphorik.de/14/">metaphorik.de 14 (2008)</ref>.<ptr type="opac" cRef="594797950"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="scholz_williams_formen_2006">Gerhild Scholz Williams: Formen der Aufrichtigkeit.
                        Zeitgeschehen in Wort und Bild im „Theatrum Europaeum“ (1618-1718), in: Claudia Benthien, Steffen Martus (Hg.):
                        Die Kunst der Aufrichtigkeit im 17. Jahrhundert. Tübingen 2006, S. 343-373.<ptr type="opac" cRef="581603613"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="scholz_williams_sensationslust_2009">Gerhild Scholz Williams: Sensationslust, Tabu und Scham. 
                        Öffentlichkeit und Berichterstattung im 17. Jahrhundert: Thurneysser, Pierre de Lancre, „Theatrum Europaeum“, in:
                        Anja Hesse, Hans-Joachim Beer, Alexander Schwarz (Hg.): Tabu. Über den gesellschaftlichen Umgang mit Ekel und Scham. Berlin 2009, S. 75-99.<ptr type="opac" cRef="655840052"></ptr>                       
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="schramm_kunstkammer_2003">Helmar Schramm: Kunstkammer - Laboratorium - Bühne 
                        im „Theatrum Europaeum“. Zum Wandel des performativen Raums im 17. Jahrhundert, in: 
                        Helmar Schramm, Ludger Schwarte, Jan Lazardzig (Hg.): Kunstkammer - Laboratorium - Bühne. 
                        Schauplätze des Wissens im 17. Jahrhundert. Berlin [u.a.] 2003, S. 10-34.<ptr type="opac" cRef="672473860"></ptr>                       
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="schreurs_vesuvausbruch_2008">Anna Schreurs: Der Vesuvausbruch von 1631, 
                        ein Spektakel auf der Weltbühne Europa. Anmerkungen zu Joachim von Sandrarts Beitrag zum Theatrum Europaeum 
                        von Matthäus Merian, in: Flemming Schock, Oswald Bauer, Ariane Koller, metaphorik.de (Hg.): 
                        Dimensionen der Theatrum-Metapher in der Frühen Neuzeit. Ordnung und Repräsentation von Wissen.
                        Hannover 2008, zugleich in: <ref target="http://www.metaphorik.de/14/Schreurs.pdf">metaphorik.de 14 (2008)</ref>, S. 305-340.<ptr type="opac" cRef="736635688"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="seifert_cognitio_1976">Arno Seifert: Cognitio historica. Die Geschichte als Namengeberin der frühneuzeitlichen Empirie. Berlin 1976.<ptr type="opac" cRef="021260605"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="völkel_entwicklung_1987">Markus Völkel: „Pyrrhonismus historicus“ und „fides historica“. 
                        Die Entwicklung der deutschen Methodologie unter dem Gesichtspunkt der historischen Skepsis. Frankfurt a.M. [u.a.] 1987.<ptr type="opac" cRef="018061001"></ptr>                         
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="völkel_historiographie_2009">Markus Völkel (Hg.): Historiographie an europäischen Höfen (16.-18. Jahrhundert). 
                        Studien zum Hof als Produktionsort von Geschichtsschreibung und historischer Repräsentation. Berlin 2009.<ptr type="opac" cRef="60898633X"></ptr>                      
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="völkel_geschichtsschreibung_2006">Markus Völkel: Geschichtsschreibung. Eine Einführung in globaler Perspektive. Köln [u.a.] 2006.<ptr type="opac" cRef="489213545"></ptr>                       
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="völkel_blick_2011">Markus Völkel:Im Blick der Geschichte: „historia“ und Historiographie in gelehrten Diskursen der Frühen Neuzeit (1500-1750), in:
                        Herbert Jaumann (Hg.): Diskurse der Gelehrtenkultur in der Frühen Neuzeit. Ein Handbuch. Berlin [u.a.] 2011, S. 859-902.<ptr type="opac" cRef="662297059"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="voßkamp_untersuchungen_1967">Wilhelm Voßkamp: Untersuchungen zur Zeit- und Geschichtsauffassung im 
                        17. Jahrhundert bei Gryphius und Lohenstein. Bonn 1967.<ptr type="opac" cRef="021743320"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="weber_theatrum_2008">Christian Weber: Theatrum Mundi. Zur Konjunktur der Theatrum-Metapher im 16. und 17. Jahrhundert 
                        als Ort der Wissenskompilation und zu ihrer literarischen Umsetzung im „Großen Welttheater“, in:
                        Flemming Schock, Oswald Bauer, Ariane Koller, metaphorik.de (Hg.): Dimensionen der Theatrum-Metapher in der Frühen Neuzeit. 
                        Ordnung und Repräsentation von Wissen. Hannover 2008, zugleich in:
                        <ref target="http://www.metaphorik.de/14/Weber.pdf">metaphorik.de 14 (2008)</ref>, S. 341-368.<ptr type="opac" cRef="736636439"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="wegele_geschichte_1885">Franz Xaver von Wegele: Geschichte der deutschen Historiographie
                        seit dem Auftreten des Humanismus. München [u.a.] 1885.<ptr type="gbv" cRef="302155481"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="white_klio_1986">Hayden White: Auch Klio dichtet oder Die Fiktion des Faktischen. 
                        Studien zur Tropologie des historischen Diskurses. Stuttgart 1986.<ptr type="opac" cRef="02650359X"></ptr>                         
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="white_bedeutung_1990">Hayden White: Die Bedeutung der Form. Erzählstrukturen 
                        in der Geschichtsschreibung. Frankfurt a.M. 1990.<ptr type="gbv" cRef="211340138"></ptr>                     
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="white_metahistory_1994">Hayden White: Metahistory. Die historische Einbildungskraft
                        im 19. Jahrhundert in Europa. Frankfurt a.M. 1994.<ptr type="gbv" cRef="043468071"></ptr>                         
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="wüthrich_buchpublikationenI_1993">Lucas Heinrich Wüthrich: Das druckgraphische Werk von Matthaeus Merian d.Ae., Bd. 3. 
                        Die großen Buchpublikationen I. Die Merianbibel, Gottfrieds Chronik, Theatrum Europaeum, De Brys Reisen,
                        Archontologia Cosmica, Basler Totentanz, Verlagskataloge (ohne die Topographien). Hamburg 1993.<ptr type="opac" cRef="130004812"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="wüthrich_merian_2007">Lucas Heinrich Wüthrich: Matthaeus Merian d.Ä. Eine Biographie. Hamburg 2007.<ptr type="opac" cRef="522167616"></ptr>                        
                    </bibl>
                    <bibl xml:id="ziegler_minerva_1979">Konrat Ziegler: Art. „Minerva“, in: Konrat Ziegler, Walther Sontheimer (Hg.):
                        Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike. Auf der Grundlage von Pauly’s Realencyclopädie 
                        der classischen Altertumswissenschaft. München 1979, Bd. 3, Sp. 1317-1320.<ptr type="opac" cRef="125124392"></ptr>                        
                    </bibl>
                </listBibl>
            </div>
                <div type="bibliography">
                    <head>Abbildungsnachweise</head>
                    <listBibl>
                        <bibl xml:id="abb_1">Abb. 1: <ref target="http://diglib.hab.de/periodica/70-a-hist-2f/start.htm?image=00005" type="wdb">Titelkupfer</ref>, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 1, 1635.</bibl>
                        <bibl xml:id="abb_2">Abb. 2: <ref target="http://diglib.hab.de/periodica/70-b-hist-2f/start.htm?image=00005" type="wdb">Titelkupfer</ref>, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 2, 1633.</bibl>
                        <bibl xml:id="abb_3">Abb. 3: <ref type="wdb" target="http://diglib.hab.de/periodica/70-c-hist-2f/start.htm?image=00005">Titelkupfer</ref>, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 3, 1639.</bibl>
                        <bibl xml:id="abb_4">Abb. 4: <ref target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000241-0001-7">Titelkupfer</ref>, aus: TE, 2. Aufl., Bd. 6, 1663.</bibl>
                        <bibl xml:id="abb_5">Abb. 5: <ref target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000256-0001-8">Titelkupfer</ref>, aus: TE, 1. Aufl., Bd. 21, 1738.</bibl>
                        
                    </listBibl>
                </div>
            </div>
            <div type="footnotes">
                <note xml:id="fn1" n="1">Zur Begrifflichkeit der Paratexte siehe <bibl><ref target="#genette_paratexte_1989" type="bibliography">Genette</ref></bibl>. Aus der umfangreichen Literatur zur Theorie 
                    und Bedeutung der <hi rend="italics">historia</hi> sei hier nur verwiesen auf <bibl><ref target="#keuck_historia_1934" type="bibliography">Keuck</ref></bibl>;
                    <bibl><ref target="#knape_historie_1984" type="bibliography">Knape 1984</ref></bibl>; <bibl><ref target="#knape_historia_1996" type="bibliography">Knape 1996</ref></bibl>, Sp. 1406-1410. 
                    Knape hat unter anderem die Vagheit und extensive Verwendung des Begriffs 
                    <hi rend="italics">historia</hi> in der Frühen Neuzeit herausgearbeitet. 
                    Zur Kategorie der Zeit und zur Auffassung der Geschichte im 17. Jahrhundert <bibl><ref target="#voßkamp_untersuchungen_1967" type="bibliography">Voßkamp</ref></bibl>,
                    S. 9-47; <bibl><ref target="#neddermeyer_mittelalter_1988" type="bibliography">Neddermeyer</ref></bibl>, S. 12-100. 
                    Zum Begriff der <hi rend="italics">historia</hi> in der Frühen Neuzeit auch <bibl><ref target="#seifert_cognitio_1976" type="bibliography">Seifert</ref></bibl>. – 
                    Für Hinweise zum <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> danke ich Hans-Joachim Jakob.</note>
                <note xml:id="fn2" n="2">Die Forschungsliteratur zum <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> ist in Anbetracht der Wichtigkeit des Geschichtskompendiums,
                    seines Umfangs und seiner Erscheinungsdauer relativ übersichtlich. Grundlegend immer noch <bibl><ref target="#bingel_theatrum_1909" type="bibliography">Bingel</ref></bibl>.
                    Neuerdings setzt sich <bibl><ref target="#meierhofer_sammelschrifttum_2010" type="bibliography">Meierhofer</ref></bibl> (S. 89-118) in einem Kapitel seiner Dissertation über die Kompilationsliteratur 
                    und die Genese der Nachrichtenprosa in der Frühen Neuzeit mit dem <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> auseinander.</note>
                <note xml:id="fn3" n="3">Einen komprimierten Überblick zur Geschichtsschreibung bietet <bibl><ref target="#harth_geschichtsschreibung_1996" type="bibliography">Harth</ref></bibl>. 
                    Ergänzend <bibl><ref target="#keßler_ars_1992" type="bibliography">Keßler 1992</ref></bibl>, Sp. 1046-1048.
                    Gesamtdarstellungen bei <bibl><ref target="#wegele_geschichte_1885" type="bibliography">von Wegele</ref></bibl>; <bibl><ref target="#fueter_geschichte_1936" type="bibliography">Fueter</ref></bibl>;
                    <bibl><ref target="#kaegi_chronica_1954" type="bibliography">Kaegi</ref></bibl>; <bibl><ref target="#blanke_historiographiegeschichte_1991" type="bibliography">Blanke</ref></bibl>;
                    <bibl><ref target="#völkel_geschichtsschreibung_2006" type="bibliography">Völkel 2006</ref></bibl>. 
                    Zur Theorie der <hi rend="italics">historia</hi> im gelehrten Schrifttum der Frühen Neuzeit <bibl><ref target="#völkel_blick_2011" type="bibliography">Völkel 2011</ref></bibl>. </note>
                <note xml:id="fn4" n="4"><bibl><ref target="#kintzinger_chronos_1995" type="bibliography">Kintzinger</ref></bibl>, S. 73-92, hat sich in ihrer Studie über Chronos und Historia auch ausführlich 
                    mit der Zeit- und Geschichtssymbolik auf den Titelkupfern des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> befasst.</note>
                <note xml:id="fn5" n="5">Zur Darstellung und Bedeutung der Fortuna in der Emblematik siehe <bibl><ref target="#henkel_schöne_emblemata_1978" type="bibliography">Emblemata</ref></bibl>, Sp. 1796-1806. 
                    Zur Fortuna-Ikonographie sei nur hingewiesen auf <bibl><ref target="#kirchner_fortuna_1970" type="bibliography">Kirchner</ref></bibl>. </note>
                <note xml:id="fn6" n="6">Zu Merian <bibl><ref target="#wüthrich_merian_2007" type="bibliography">Wüthrich 2007</ref></bibl>; zum <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> ebd., S. 324-336.</note>
                <note xml:id="fn7" n="7">Zum Hirsch als Allegorie der vorübereilenden Zeit siehe <bibl><ref target="#henkel_schöne_emblemata_1978" type="bibliography">Emblemata</ref></bibl>, Sp. 474f.</note>
                <note xml:id="fn8" n="8">Zum Topos <bibl><ref target="#koselleck_historia_1967" type="bibliography">Koselleck 1967</ref></bibl>, S. 196-219; <bibl><ref target="#landfester_historia_1972" type="bibliography">Landfester</ref></bibl>;
                    <bibl><ref target="#keßler_historia_1981" type="bibliography">Keßler 1981</ref></bibl>.
                    Zur Darstellung des Topos auf Titelblättern historiographischer Werke der 
                    Frühen Neuzeit <bibl><ref target="#kintzinger_chronos_1995" type="bibliography">Kintzinger</ref></bibl>, S. 117-123.</note>
                <note xml:id="fn9" n="9">  Zum Hund als Allegorie der Treue siehe <bibl><ref target="#henkel_schöne_emblemata_1978" type="bibliography">Emblemata</ref></bibl>, Sp. 556-560.</note>
                <note xml:id="fn10" n="10">Zur Tradition des Wahrheitspostulats und zur Sicherung der Faktentreue historischer Darstellung,
                    in der Regel verbunden mit dem methodischen Prinzip der kritischen Autopsie von Quellen,
                    siehe <bibl><ref target="#landfester_historia_1972" type="bibliography">Landfester</ref></bibl>, S. 94-108.</note>
                <note xml:id="fn11" n="11"><bibl><ref target="#kintzinger_chronos_1995" type="bibliography">Kintzinger</ref></bibl>, S. 78, erkennt in dieser Figur nicht Bellona, sondern Minerva.
                    Ein Vergleich mit anderen Titelkupfern des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl>, auf denen Bellona erscheint, ergibt, 
                    dass es sich im dritten Band wahrscheinlich um Bellona handelt. Die Kriegsgöttin passt hier zudem besser in den ikonographischen Kontext als Minerva, 
                    Göttin der Weisheit, der Klugheit, des Wissens, der Dichter und Lehrer, der Handwerker und des Gewerbes. 
                    Minerva galt freilich auch als Göttin der taktischen Kriegsführung. Dazu <bibl><ref target="#ziegler_minerva_1979" type="bibliography">Ziegler</ref></bibl>; 
                    zu Bellona- und Minerva-Darstellungen in der Emblematik <bibl><ref target="#henkel_schöne_emblemata_1978" type="bibliography">Emblemata</ref></bibl>, Sp. 1732-1740.</note>
                <note xml:id="fn12" n="12">Die Texte der Drucktitelblätter der Erstausgaben werden wiedergegeben von <bibl><ref target="#wüthrich_buchpublikationenI_1993" type="bibliography">Wüthrich 1993</ref></bibl>, S. 121-145.
                    Die Kupfertitelblätter und Drucktitelblätter von Ausgaben des <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> 
                    werden dort im Anhang abgebildet (Nr. 83-135).</note>
                <note xml:id="fn13" n="13">Zur <bibl><title>Theatrum</title></bibl>-Metapher in Buchtiteln der Frühen Neuzeit sei hier nur verwiesen auf <bibl><ref target="#friedrich_buch_2004" type="bibliography">Friedrich</ref></bibl> 
                    sowie auf Beiträge im Sammelband <bibl><title>Dimensionen der Theatrum-Metapher in der Frühen Neuzeit</title></bibl>,
                    insbesondere auf <bibl><ref target="#weber_theatrum_2008" type="bibliography">Weber</ref></bibl>. Wichtig auch zur Vorstellung vom <hi rend="italics">theatrum mundi</hi><bibl><ref target="#barner_barockrhetorik_1970" type="bibliography"> Barner</ref></bibl>, S. 86-131. 
                    Zu den Geschichtstheatern der Frühen Neuzeit <bibl><ref target="#meier_enzyklopädie_2009" type="bibliography">Meier</ref></bibl>. Speziell zum <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl><bibl><ref target="#schramm_kunstkammer_2003" type="bibliography"> Schramm</ref></bibl>.</note>
                <note xml:id="fn14" n="14">Zum Nutzen der Geschichtsschreibung und zur Tradition des Topos siehe <bibl><ref target="#landfester_historia_1972" type="bibliography">Landfester</ref></bibl>, S. 132-136.</note>
                <note xml:id="fn15" n="15">Zum Leitbegriff der Aufrichtigkeit im <bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl> siehe <bibl><ref target="#scholz_williams_formen_2006" type="bibliography">Scholz Williams 2006</ref></bibl>.</note>
                <note xml:id="fn16" n="16">Zur zentralen und häufig diskutierten Kategorie der Parteilichkeit in der Historiographie siehe 
                    <bibl><ref target="#baumgartner_historie_1997" type="bibliography">Baumgartner</ref></bibl>; <bibl><ref target="#coenen_parteilichkeit_2003" type="bibliography">Coenen</ref></bibl>. 
                    Die Forderung nach unparteilicher und wahrheitsgemäßer Berichterstattung spielt auch in der ‚Zeitungsdebatte’ 
                    des 17. und frühen 18. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Dazu <bibl><ref target="#berns_parteylichkeit_1976" type="bibliography">Berns 1976</ref></bibl>,
                    <bibl><ref target="#berns_monarch_1982" type="bibliography">1982</ref></bibl>, <bibl><ref target="#berns_zeitung_1983" type="bibliography">1983</ref></bibl> und 
                    <bibl><ref target="#berns_nochmals_2008" type="bibliography">2008</ref></bibl>.</note>
                <note xml:id="fn17" n="17">Ähnliche Positionen findet man auch bei <rs type="author" ref="#lukian">Lukian von Samosata</rs> 
                    im zweiten Jahrhundert nach Christus (<bibl><ref target="#lukian_geschichte_1965" type="bibliography">Lukian</ref></bibl>, S. 147-149). 
                    Nach Ciceros kurzem theoretischem Entwurf zur Historiographie in <bibl><title>De oratore</title></bibl> wurde laut <bibl><ref target="#keßler_ausbildung_1983" type="bibliography">Keßler</ref></bibl> (1983, S. 31)
                    Geschichte in der Antike nur noch einmal einlässlicher behandelt, nämlich in Lukians Traktat <bibl><title>Wie man Geschichte schreiben soll</title></bibl>. 
                    Zum Geschichtsverständnis Lukians <bibl><ref target="#keßler_modell_1982" type="bibliography">Keßler 1982</ref></bibl>, S. 50-54; zur Problematik der Kategorien Objektivität
                    und Wahrheit in der Historiographie <bibl><ref target="#patzig_problem_1977" type="bibliography">Patzig</ref></bibl>.</note>
                <note xml:id="fn18" n="18">Allgemein zur Bedeutung und Funktion der <hi rend="italics">memoria</hi> siehe den Überblick von <bibl><ref target="#neuber_epochenverständnis_2001" type="bibliography">Neuber</ref></bibl>.</note>
                <note xml:id="fn19" n="19">Die angestrebte affektlose, distanzierte Darstellungsweise sieht <bibl><ref target="#schreurs_vesuvausbruch_2008" type="bibliography">Schreurs</ref></bibl> (S. 334-337) 
                    im Neostoizismus, wie er von <rs type="person" ref="#lipsius">Lipsius</rs> vertreten wurde, verankert.</note>
                <note xml:id="fn20" n="20">Ähnlich dazu die Vorrede des fünften Bandes: TE, 1. Aufl., Bd. 5, 1651, Vorrede, unpag. 
                    <ref target="http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba000240-0008-3">[S. 1]</ref>.</note>
                <note xml:id="fn21" n="21">Zur Relation von <hi rend="italics">poesia</hi> und <hi rend="italics">historia</hi> überblicksartig
                    <bibl><ref target="#heitmann_verhältnis_1970" type="bibliography">Heitmann</ref></bibl>; <bibl><ref target="#moos_poeta_1976" type="bibliography">von Moos</ref></bibl>;
                    <bibl><ref target="#voßkamp_untersuchungen_1967" type="bibliography">Voßkamp</ref></bibl>, S. 48-61.</note>
                <note xml:id="fn22" n="22">Zur Pragmatik der Historiographie in der Frühen Neuzeit siehe <bibl><ref target="#scattola_historia_2007" type="bibliography">Scattola</ref></bibl>.</note>
                <note xml:id="fn23" n="23">Dazu und insbesondere zu Christian Weises Konzept der <hi rend="italics">prudentia</hi> siehe <bibl><ref target="#heßelmann_narrheit_2009" type="bibliography">Heßelmann</ref></bibl>.
                    Zur Bedeutung und Funktion der <hi rend="italics">prudentia</hi> auf Titelblättern historiographischer Werke der Frühen Neuzeit
                    <bibl><ref target="#kintzinger_chronos_1995" type="bibliography">Kintzinger</ref></bibl>, S. 103-117, 126-132, 136-142. Zur Tradition der Vorstellung, der Nutzen der Geschichte bestehe darin,
                    <hi rend="italics">prudentia</hi> zu vermitteln, <bibl><ref target="#keßler_theoretiker_1971b" type="bibliography">Keßler 1971 b</ref></bibl>, S. 38f. Zur Tradition des Zusammenhangs von historischer Erkenntnis, 
                    praktischer Erfahrung und <hi rend="italics">prudentia</hi><bibl><ref target="#landfester_historia_1972" type="bibliography"> Landfester</ref></bibl>, S. 146-151. Zur privaten und politischen Nutzanwendung des 
                    historischen Wissens ebd., S. 154-164.</note>
                <note xml:id="fn24" n="24">Zur <hi rend="italics">historia</hi> in der rhetorischen Tradition siehe <bibl><ref target="#seifert_cognitio_1976" type="bibliography">Seifert</ref></bibl>, S. 12-35.</note>
            </div>
           
        </body>
    </text>

</TEI>

