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        <fileDesc>
            <titleStmt>
                <title>Theatrale Inszenierungen auf den Titelbildern der <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur</title>
                <author>
                    <name type="person">
                        <forename>Constanze</forename>
                        <surname>Baum</surname>
                    </name>
                </author>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>Elektronische Ausgabe nach TEI P5</edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <idno type="werk-ID">ebooks/ed000156</idno>
                <idno type="ppn">000000000</idno>
                <publisher>
                    <name type="org">Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</name>
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                        <street>Lessingplatz 1</street>
                        <name type="city">Wolfenbuettel</name>
                        <postCode>D-38299</postCode>
                        <name type="country">Germany</name> 
                    </address>
                </publisher>
                <date>2011</date>
                <availability status="restricted">
                    <p> Available at <ref target="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/start.htm ">
                            (c) Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</ref>
                    </p>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <notesStmt>
                <note type="register">
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                </note>
            </notesStmt>
            <sourceDesc>
                <p>digital source</p>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <encodingDesc>
            <projectDesc>
                <p>Erstellt im Projekt <ref target="http://www.theatra.de">Welt und Wissen auf der
                        Bühne. Die Theatrum-Literatur der Frühen Neuzeit</ref></p>
            </projectDesc>
        </encodingDesc>
    </teiHeader>
    <text>
        <body xml:lang="de">


            <div type="section">
                <head>Asiatischer Auftakt</head>
                <p><quote>Ein Schauplatz ist die weit und breite Welt, auff dem sich viel Persohnen
                        præsentiren […]</quote> (anonym: Neueröffneter Schau-Platz von Asiatischen
                    Nationen, <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/gv-96/start.htm?image=00006"
                        >Frontispiz</ref>), so liest man es als Bildunterschrift auf dem <ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/gv-96/start.htm?image=00006"
                        >Frontispiz</ref> des <ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/gv-96/start.htm" type="wdb"
                                ><bibl><title>Neueröffneten Schau-Platzes von Asiatischen
                                Nationen</title></bibl></ref> (Abb. 1), der 1748 anonym in Erfurt
                    erscheint und damit zu den späten Ausläufern der <hi rend="italics"
                        >Theatrum</hi>-Familie gehört.<figure>
                            <head>Abb. 1</head>
                            <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_1.jpg"/>
                            <figDesc>Anonym: Neueröffneter Schau-Platz von Asiatischen
                                Nationen, Erfurt 1748, <ref
                                    target="http://diglib.hab.de/drucke/gv-96/start.htm?image=00006"
                                    >Frontispiz</ref> und <ref
                                        target="http://diglib.hab.de/drucke/gv-96/start.htm?image=00007"
                                        >Titelblatt</ref> (Montage C.B.).</figDesc>
                        </figure> Die theatrale Präsentationsformel findet sich
                    auch andernorts in ähnlich lautender Formulierung, so in Misanders <ref
                        type="wdb" target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000078/start.htm"
                                ><bibl><title>Theatrum Tragicum</title></bibl></ref> (1695). Dort
                    heißt es: <quote>Ein Schau-Platz ist die Welt/ worauf sich praesentiret/ Was
                        alle Menschen thun/ bald sieht man Fröligkeit/ Bald wechselt diese sich in
                        grosses Hertzeleid/ So daß an Lachens statt man nichts als Thränen
                        spüret.</quote> (Vorrede Bd. 1, unpag. [<ref
                        target="http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10575642_00020.html"
                        >S. Xv</ref>]) Angezeigt wird hiermit eine Theatralität von Welt, die auch
                    das Wissen über diese Welt theatral erfahrbar macht. Mit der Verschränkung von
                    Text und Bild bietet das <ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/gv-96/start.htm?image=00006" type="wdb"
                        >Frontispiz</ref> dabei eine mediale Angebotsebene, den Wissensgehalt des
                    Buches zu transportieren und zugleich zu transformieren. </p>
                <p>Der zweite Teil der eingangs zitierten Bildunterschrift deckt die Einschränkung
                    auf, unter der das <hi rend="italics">Theatrum mundi</hi> hier verhandelt wird.
                    Die <quote>weit und breite Welt</quote> findet ihre Determinierung, wenn es
                    weiter heißt: <quote>[...] die auch zum Theil ein seltsam Leben führen/ Das wird
                        auch hier im kleinern vorgestellt</quote> (anonym: Neueröffneter Schau-Platz
                    von Asiatischen Nationen, <ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/gv-96/start.htm?image=00006" type="wdb"
                        >Frontispiz</ref>). Der Beitext liefert demnach eine Art von
                    epistemologischem Schrumpfungsprozess: die weit und breite Welt wird auf einen
                        <quote>Theil</quote> beschränkt, um am Ende der Sentenz schließlich nur noch
                        <quote>im kleinern</quote> vorgestellt zu werden (siehe die von <bibl><ref
                            target="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/id/ebooks_ed000156_article03/start.htm">
                            Flemming Schock</ref></bibl> vorgestellte
                    Kategorisierung von verdichteter Geographie in diesem Band). Zugleich bietet der
                    Beitext Erklärung wie Kommentar zu der bildlichen Darstellung. Denn durch einen
                    solchen Ikonotext (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#wagner_iconotexts_1995">Wagner</ref></bibl>, S. 11; <bibl><ref
                            type="bibliography" target="#remmert_titelbilder_2005"
                        >Remmert</ref></bibl>, S. 15) – die sichtbare, intermediale Verbindung und
                    gegenseitige Durchdringung von Text und Bild – wird die Deutung der Welt als
                    Schauplatz angezeigt, der in diesem Fall eine Präsentationsplattform für
                    Personen, Sitten und Gebräuche meint. Ganz diesem Anspruch folgend stellt das
                    Kupfer nicht namhafte, herausgestellte Persönlichkeiten oder allegorisches
                    Personal vor, sondern zeigt dem Betrachter ein entgegengeklapptes Wimmelbild mit
                    simultanen Genreszenen. Der Bildraum wird somit auf vielgestaltige Weise
                    bespielt und knüpft in freilich stark reduzierter Qualität an Vorbilder in der
                    Tradition Pieter Breughels d.Ä. (1520-1569) an. Auf dem unsignierten Kupfer
                    werden verschiedene Sitten des asiatischen Kulturraums in Einzelszenen über den
                    Bildgrund versprengt dargestellt. </p>
                <p>Der <ref type="wdb" target="http://diglib.hab.de/drucke/gv-96/start.htm"
                                ><bibl><title>Neueröffnete Schau-Platz von Asiatischen
                                Nationen</title></bibl></ref> ist im Bild demnach ein topographisch
                    wie szenisch verdichteter Handlungsort (siehe grundlegend zu diesem Ansatz
                            <bibl><ref type="bibliography" target="#nagel_drama_2009"
                        >Nagel</ref></bibl>). Er vereint Aspekte der ausgewählten Welt ohne
                    hierarchische Ordnung und Logik als additiv zu verstehende, kleine Szenen im
                    Bildraum. Im Gegensatz zu bildsimultanen Folgen auf Altarretabeln, die sich zu
                    einer Geschichte zusammenfügen, lassen sich die hier dargestellten Szenen von
                    Götzenanbetung, Hirschjagd, Kamelritt und anderen <ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/gv-96/start.htm?image=00007" type="wdb"
                                ><bibl><title>abentheuerliche[n] Lebens-Arte[n]</title></bibl></ref>
                    jedoch nicht in einen chronologischen Verlauf bringen. Durch eine solchermaßen
                    induktive Bestandsaufnahme von Einzelszenen lässt sich das abgesteckte Wissens-
                    und Informationsspektrum des Werks visuell erschließen und Disparates, wie die
                        <quote>bisher am wenigsten bekannt gewesenen Bewohner des grossen
                        Welt-Theiles Asien [...], deren blosse Namen vielen schon fürchterlich
                        vorkommen dürfften</quote> (anonym: Neueröffneter Schau-Platz von
                    Asiatischen Nationen, <quote>Einleitung</quote>, S. 6f.), in einen gemeinsamen
                    Bildraum überführen. Die Präsentation etabliert so einen artifiziellen,
                    theatralen Darstellungsraum. Der <bibl><title>Neueröffnete Schau-Platz von
                            Asiatischen Nationen</title></bibl> bietet damit <hi rend="italics"
                        >eine</hi> Möglichkeit theatraler Inszenierung von Wissensgehalten. </p>

            </div>
            <div type="section">
                <head>Die Titelbilder der <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur</head>
                <p>Die visuellen Präsentationen der <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur auf
                    Titelbildern bilden die Grundlage der folgenden Analyse. Darunter fallen sowohl
                    Frontispize wie illustrierte Titelkupfer. Erstere lassen sich weiter
                    spezifizieren: zum einen finden sich einseitige Kupferstiche, die dem Titel
                    linksseitig beigeordnet sind, zum anderen – jedoch weitaus seltener –
                    zweiseitige Darstellungen, die zum Teil ausklappbar sind (beispielsweise bei
                    Kartenmaterial). Neben diesen eigenständigen, ganzseitigen Gestaltungen zeigen
                    einige <hi rend="italics">Theatra</hi> auch illustrative Umsetzungen des Titels
                    selbst, in dem dieser beispielsweise in eine illusionistische Scheinarchitektur
                    mit flankierenden allegorischen Figuren gesetzt wird, so prominent auf dem <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/qun-139-2-1s/start.htm?image=00003" type="wdb">Titel</ref>
                    von Giulio Camillos frühem <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000188/start.htm" type="wdb"><bibl><title>L’Idea del Teatro</title></bibl></ref> (1550).
                    In solchen Fällen muss von illustrierten Titelkupfern gesprochen werden. Die
                    Autorschaft der Kupferstiche ist in vielen Fällen nicht gesichert, da eine
                    Signierung häufig fehlt und im Text selbst selten explizit auf den Kupferstecher
                    Bezug genommen wird. Die Frage nach der Zusammenarbeit zwischen Autor respektive
                    Kompilator und Stecher respektive Zeichner sowie nach der Rolle von Drucker und
                    Verleger kann deshalb nur in wenigen Einzelfällen hinreichend geklärt werden. Wo
                    eine Signatur gegeben ist, wie im Fall von Georg Andreas Böcklers <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000028/start.htm" type="wdb"><bibl><title>Theatrum
                    Machinarum</title></bibl></ref>, ist der Verfasser des <hi rend="italics">Theatrum</hi> mitunter
                    selbst als Erfinder der Vorlage auszumachen (siehe die Signaturen
                        <quote>GABöckler Inven:</quote> und <quote>VSommer f.</quote> am rechten und
                    linken unteren Bildrand des <ref type="wdb" target="http://diglib.hab.de/drucke/20-2-geom-2f/start.htm?image=00005">Kupfers</ref>). Für die Bewertung des Zusammenspiels von
                    Text und Bild ist dies ein relevanter Sonderfall. </p>
                <p>Ein theatraler oder performativer Gehalt als Mittel der Darstellung – das
                    Vorstellen, Zeigen und Präsentieren auf einer medialen Plattform – ist den
                    illustrierten Werken dieses Korpus, wie Titelbildern überhaupt, grundsätzlich
                    eigen. Er ist in besonderem Maße durch die Positionierung vor dem eigentlichen
                    Haupttext bedingt. Das Bild oder der Ikonotext steht dem eigentlichen Text damit
                    als visuelle Exposition vor. </p>
                <p>Im Fokus sollen hier vor allem jene Titelbilder stehen, die sich in der
                    Gestaltung – im Gegensatz zum <bibl><title>Neu eröffneten Schau-Platz von Asiatischen
                    Nationen</title></bibl> – an frühneuzeitlichen Bühnenräumen als Orten theatraler Inszenierung
                    orientieren. In welchem Maße der konkrete Theaterraum auf den Titelbildern der
                        <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur verhandelt wird, was die
                    Bedingungen für sein Auftauchen sind und wie er im Einzelfall modelliert wird,
                    sind dabei Leitfragen der folgenden Überlegungen, die auf einer systematischen
                    Analyse des <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Korpus beruhen. </p>
                <p>Zunächst muss festgestellt werden, dass Illustrationen als Bildgattung in einer
                    konkreten Abhängigkeit zum Text stehen, der für sie den meist alleinigen
                    Referenzpunkt bildet. Sie sind keine autark funktionierenden Kunstwerke – was
                    ihren Wert jedoch nicht schmälern soll – und stellen somit einen Sonderfall für
                    die bildende Kunst dar. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Text kann
                    aber in den implizierten Ansprüchen auch über diesen hinausweisen und weitere
                    Konnotationen offerieren. Als eine Form des Paratextes vermag das Bild so die
                    Rolle des Kommentars zu übernehmen, der sich auch kritisch zu seinem Gegenstand
                    verhalten kann (siehe auch <bibl><ref type="bibliography"
                            target="#remmert_titelbilder_2005">Remmert</ref></bibl>, S. 15). Dies
                    muss auch und gerade für Titelbilder geltend gemacht werden, die durch ihre
                    herausgehobene Stellung besonders geeignet scheinen, paratextuelle und
                    metareferentielle Funktionen zu besetzen. </p>
                <p>Da die <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur sich durch ihre bewegliche
                    Metaphorik als eine Versammlung und Präsentation von Wissensformationen
                    darstellt, die sich einer stringenten Systematik oder Gattungstopologie
                    entzieht, zeichnen sich die unter diesem Titel firmierenden Texte und die
                    dazugehörigen Kupfer auch durch einen entsprechenden Variantenreichtum aus. Eine
                    eigene Ikonographie, so der erste Befund, entwickelt die <hi rend="italics"
                        >Theatrum</hi>-Literatur nicht. Im Vergleich zu Spiegel, Chronik oder
                    Enzyklopädie fallen eher Gemeinsamkeiten als Unterschiede in den Spielarten der
                    bildkünstlerischen Arrangements auf. Hier wie dort finden sich beispielsweise
                    Einfassungen des Titels in eine illusionistische Architekturrahmung oder die
                    Gestaltung von inhaltlichen Aspekten in Vignetten und Kartuschen, die durch
                    Ornamente zusammengebunden werden. Auch das immer wieder auftauchende
                    allegorische Personal (z.B. Chronos) ist kein Alleinstellungsmerkmal der <hi
                        rend="italics">Theatrum</hi>-Titelbilder. </p>
                <p>In der <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur wird hinsichtlich des
                    Abbildungsmaterials unabhängig vom Titel des Werks auf einen reichhaltigen
                    Fundus zurückgegriffen, den Verleger und Drucker zur Verfügung hatten und der
                    allzu gern eine Mehrfachverwendung fand (siehe dazu meinen Repertoriumsbeitrag
                    zum <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000153/start.htm" type="wdb"><bibl><title>Theatrum Adriaticum</title></bibl></ref> (1685)). </p>
                <p>Auch der Vorhang – omnipräsentes Leitmotiv des Theatralen in der Malerei des 17.
                    Jahrhunderts – ist kein zwingender Bestandteil der <hi rend="italics"
                        >Theatrum</hi>-Titelbilder, wie das Beispiel des <bibl><title>Neueröffneten Schau-Platzes
                    von Asiatischen Nationen</title></bibl> zeigt, auf dem er, wie auf anderen Frontispizen, fehlt.
                    Wenn der Vorhang im Text beiseite gezogen wird, wie dies an einigen Stellen im
                    <ref type="wdb" target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000055/start.htm"><bibl><title>Theatrum Europaeum</title></bibl></ref> der Fall ist, lässt sich andersherum aus der metaphorischen
                    Formel nicht zwingend die Konstituierung eines performativen Raums ableiten
                            (<bibl><ref type="bibliography" target="#schramm_kunstkammer_2003"
                            >Schramm</ref></bibl>, S. 16f., 31; zum Begriff des Vorhangs siehe den
                    Beitrag von <bibl><ref type="bibliography" target="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/id/ebooks_ed000156_article01/start.htm">Ulrich
                            Johannes Schneider</ref></bibl> in diesem Band). Das Aufschlagen des
                    Buches kann das Öffnen des Vorhangs als performativen Akt ersetzen und das
                    Titelbild von der ikonographischen Verpflichtung diesen Vorhang darzustellen
                    entbinden. Es gilt zu prüfen, ob das Titelbild den Inhalt des jeweiligen <hi
                        rend="italics">Theatrum</hi> präsentieren oder darüber hinaus die
                    Theatralität im Verbund mit ihrem Ort, dem Theater, ausstellen will. Zeigt uns
                    das Bild also ‚nur’ den Schauplatz des verhandelten Geschehens oder Wissens oder
                    macht es auch dessen Zurschaustellung durch Elemente der Theaterbühne deutlich? </p>
                <p>Die bereits angesprochene Vogelperspektive des Wimmelbildes im
                            <bibl><title>Neueröffneten Schau-Platz von Asiatischen
                        Nationen</title></bibl> eröffnet zwar eine Art von Bühne, muss jedoch in
                    dieser Hinsicht viel eher als Prospekt – eine gemalte Aus- oder Ansicht –
                    verstanden werden. Im Kontext von Theaterbühnen fand dieser bemalte Prospekt als
                    Abschluss der Bühne Verwendung. Er wurde an der Bühnenhinterwand angebracht, um
                    den Bühnenraum mittels des darauf Dargestellten optisch zu vergrößern.
                    Tatsächlich beschränkte er den vorhandenen Spielraum jedoch ebenso wie der
                    sogenannte Bühnenfall, der schräg ansteigende Boden der Hinterbühne, und setzte
                    dem Spiel in die Raumtiefe Grenzen. Für sich genommen ist der Prospekt jedoch
                    nicht geeignet, das Theater als Ort der Präsentation bewusst zu machen. </p>
                <p>Im folgenden sollen jene Titelbilder verhandelt werden, die die Zurschaustellung
                    selbst auf unterschiedliche Weise mit ins Bild setzen. Bühne meint daher im
                    Folgenden nicht Podest oder Podium, auf dem Figuren und allegorisches Personal
                    arrangiert sind, sondern Anbindung an das spezifische Raumgefüge des
                    Theatergebäudes mit seinen Komponenten: Vorhang, Parkett, Proszenium, Sofitten,
                    Kulissen sowie seinen Akteuren, den Schauspielern und Zuschauern. </p>

            </div>
            <div type="section">
                <head><hi rend="italics">Theatrum</hi> und Theaterbühne</head>
                <p>Trotz der etymologischen Nähe von <hi rend="italics">Theatrum</hi> und Theater
                    ist die Bühne selbst auf den Titelbildern und Frontispizen der <hi
                        rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur insgesamt selten als konkret
                    fassbares Element anzutreffen. Der Befund der Korpusanalyse zeigt: Die
                    titelgebende <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Metaphorik der Texte bedingt keine
                    bindende visuelle Umsetzung, die diesen inhaltlichen Aspekt in besonderer Weise
                    betont. Die Titelbilder unterliegen damit zu Großteilen dem gleichen
                    gedanklichen Metaphorisierungsprozess wie die Texte. Denn theatrale
                    Inszenierungen, die eine konkrete Bühne bildkünstlerisch in Szene setzen, bilden
                    die Minderheit in dem vorhandenen, gesichteten Material und müssen demzufolge
                    als eine besondere und seltene Spielart im reichhaltigen Angebot der
                    Titelillustrationen gewertet werden. Bislang konnte nur ein gutes Dutzend Belege
                    gefunden werden (ca. 7% der mit Titelbildern illustrierten Digitalisate).
                    Gesichtet wurden hierfür die bislang vorliegenden, ca. 270 Digitalisate der
                    insgesamt 828 Titel umfassenden <ref target="http://www.theatra.de/index.php?searchRes=0&amp;cPage=2&amp;sPage=2">Gesamtkorpusliste</ref>. Darunter befanden sich zum
                    Zeitpunkt der Analyse (Dezember 2011) ca. 190 Titelbilder. </p>
                <p>Wie kann ein solcher Befund bewertet werden? Es erscheint angebracht, einige
                    Überlegungen zum Bühnenverständnis der Frühen Neuzeit anzubringen. So hat
                    beispielsweise Albrecht Schöne aufgezeigt, wie sehr der <hi rend="italics"
                        >pictura</hi>-Charakter nicht nur Requisit und dramatische Figur bestimmt,
                    sondern das Schauspiel als Ganzes betrifft (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#schöne_emblematik_1993">Schöne 1993</ref></bibl>, 223f.).
                    Demnach wäre die Schaubühne mit Harsdörffer gesprochen als ein <quote>lebendiges
                        und selbstredendes Gemähl</quote> anzusehen (Harsdörffer, Frauenzimmer
                    Gesprechspiele, Bd. 5, <ref target="http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10431571_00158.html">S. 26</ref>). Die bis dato etablierten Bühnenformen mögen dies
                    bestätigen: Aus der Bildbühne der Spätrenaissance entwickeln sich die
                    Telari-Bühne mit drehbaren, dreiseitigen Prismen (Periaktenbühne) sowie die
                    Kulissen- oder Gassenbühne, die ab 1628 ihren europäischen Siegeszug von Italien
                    aus über ganz Europa antritt. Die Kulissenbühne bringt den Wechsel von fixen
                    Bühnenaufbauten hin zu bemalten und verschiebbaren Kulissenelementen, so dass
                    die gemalte Perspektive <quote>gegenüber der Reliefperspektive erhöhte Bedeutung
                        [gewinnt]</quote> (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#schöne_perspektivbücher_1933">Schöne 1933</ref></bibl>, S. 50).
                    Hinter einem vorgeblendeten, architektonischen Rahmen (Proszenium), der reich
                    verziert und mit allegorischen oder mythologischen Figuren besetzt sein kann,
                    setzt ein meist erhöhter Bühnenraum an, der über eine doppelläufige Treppe im
                    Vordergrund mit dem Zuschauerraum verbunden ist. Am Proszenium ist der
                    Hauptvorhang befestigt. Die dahinter liegende Bühne kann nur zu einem geringen
                    Teil als Spielfläche genutzt werden, denn der hinter dem Podium liegende Teil
                    wird von einem illusionistischen Bühnenbild bestimmt, dessen perspektivische
                    Anlage es nicht erlaubt, dass sich die Schauspieler weit in die Tiefe der Bühne
                    bewegen. </p>
                <p>Die Kulissenbühne erscheint damit als Ort gebauter und gemalter Bilder und
                    Prospekte. Ihr Hauptkennzeichen ist der Illusionismus. Und auch wenn diese Bühne
                    ein Schauplatz zur Propagierung eines Verhaltenskodexes ist – und damit einem
                    mimetischen Konzept verpflichtet erscheint –, repräsentiert sie durch ihre
                    architektonische Fassung zugleich die Scheinhaftigkeit des Daseins. </p>
                <p>Die barocke Kulissenbühne wie die Telaribühne etablieren neben dem vermittelten
                    Illusionismus zudem das Ephemere als immanentes Stilprinzip: Denn ihr Vorzug ist
                    der schnelle Wechsel und Umbau von einer in die andere Szene. So gesehen
                    untersteht das Bühnengeschehen strukturell einem Prinzip von Unbeständigkeit,
                    Flüchtigkeit und Verwandlung. Weitergedacht ließe sich die These aufstellen,
                    dass durch die bildkünstlerische Übernahme der Bühne im <hi rend="italics"
                        >Theatrum</hi> das kompilierte Wissen einer solch ephemeren Form des
                    Theaters unterstellt wird. Die Frage nach der Scheinhaftigkeit allen Daseins
                    würde damit aufgeworfen und stünde dem <quote>Traum vom totalen
                        Überblick</quote> (<bibl><ref type="bibliography" target="#gormanns_2008"
                            >Gormanns</ref></bibl>, S. 35) und einem weltbeherrschenden Einblick in
                    die Ordnung der Dinge diametral gegenüber, wenn man dies als Ziele der <hi
                        rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur in Anschlag bringt. Eine visuelle
                    Destabilisierung des Wissensbestands wäre die Folge. Insofern würde der
                    Wahrheitsanspruch nachgerade unterlaufen. Dies liefert vielleicht eine Erklärung
                    dafür, dass Referenzen auf tatsächliche Bühnenräume so selten auf den
                    Titelbildern der <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur anzutreffen sind.
                    Die Schaubühne, auf der Wissen präsentiert wird, ist demzufolge an ihre
                    Metaphorizität gebunden. Da dennoch konkrete Bühnen auf Titelbildern auftauchen,
                    stellt sich im Folgenden die Frage, wie sie sich in eine solche Argumentation
                    einfügen lassen. </p>

            </div>
            <div type="section">
                <head>Maskeraden</head>
                <p>Zwei Frontispize der <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur nehmen sich der
                    Frage der Scheinhaftigkeit explizit als Thema an und binden es an das Thema von
                    Identität und Maskerade. Sie finden sich zum einen in Vincent Placcius’
                    zweibändigem, in Latein verfassten <ref target="http://books.google.de/books?id=Pgc_AAAAcAAJ"><bibl><title>Theatrum Anonymorum Et
                            Pseudonymorum</title></bibl></ref> (Hamburg 1708) und zum anderen in Peter
                    Dahlmanns <ref target="http://books.google.de/books?id=FeoOAAAAQAAJ"><bibl><title>Schauplatz der masquirten und demasquirten
                            Gelehrten</title></bibl></ref> (Leipzig 1710). Nicht von ungefähr stehen sich
                    diese beiden Werke auch inhaltlich nah. So versteht Dahlmann sein Werk, wie er
                    es in seiner ausführlichen Vorrede ausführt, als Fortsetzung von Placcius’
                            <bibl><title>Theatrum Anonymorum Et Pseudonymorum</title></bibl>
                    (Dahlmann, Vorrede, unpag. [<ref target="http://books.google.de/books?id=FeoOAAAAQAAJ&amp;hl=de&amp;pg=PP22#v=onepage&amp;q&amp;f=false%23v=onepage&amp;q&amp;f=false">S. 6</ref>]). </p>
                <p>Der <ref target="http://books.google.de/books?id=Pgc_AAAAcAAJ&amp;hl=de&amp;hl=de&amp;pg=PP6&amp;img=1&amp;zoom=3&amp;sig=ACfU3U0q3Qs4ayd74ThD3G-P5ibu3to5IQ&amp;w=685">Stich</ref> bei Placcius inszeniert die Maskierung und Demaskierung von Autoren,
                    die unter Pseudonymen oder als Anonymi ihre Schriften veröffentlicht haben
                    deutlich als theatralen Akt (Abb. 2):<figure>
                        <head>Abb. 2</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_2.jpg"/>
                        <figDesc>Vincent Placcius: Theatrum Anonymorum Et
                            Pseudonymorum, Hamburg 1708, <ref
                                target="http://books.google.de/books?id=Pgc_AAAAcAAJ&amp;hl=de&amp;hl=de&amp;pg=PP6&amp;img=1&amp;zoom=3&amp;sig=ACfU3U0q3Qs4ayd74ThD3G-P5ibu3to5IQ&amp;w=685"
                                >Frontispiz</ref>.</figDesc>
                    </figure> In einem nach hinten fluchtenden,
                    tonnengewölbten Raum, der in der räumlichen Anlage den Kulissentheatern der Zeit
                    entspricht und als privater oder öffentlicher Bibliotheksraum gestaltet ist,
                    sind die Personen wie auf einer Theaterbühne platziert. Der mit schwerem Damast
                    verhängte Tisch im Vordergrund weist auf die erhöhte Situation des geschilderten
                    Raumes. Eine Treppenanlage fehlt, am rechten Bildrand ist ein stark
                    beschnittener Pilaster auszumachen, der eine Proszeniumsarchitektur andeutet und
                    einen markanten Schlagschatten auf den Bühnenrand wirft. Im Hintergrund wird der
                    Blick durch den von einer Assistenzfigur weggerafften Vorhang in die Tiefe der
                    Flucht verlängert. Der reich ornamentierte Türbogen fungiert als Schwelle in
                    einen anderen Raum oder eine andere Welt. Deren Illusionscharakter steht außer
                    Frage, lässt sich doch schemenhaft eine tanzende Teufelsfigur erkennen. Ein
                    Bezug zur Szene im Vordergrund ist nicht auszumachen. Vorstellbar ist, dass ein
                    Einblick in die Welt der Fiktion, das Innenleben der im Vordergrund gezeigten
                    Bücherwelten, gegeben wird. </p>
                <p>Wissensraum (Bibliothek) und Bühnenraum werden in diesem Frontispiz in ein
                    kompositionelles Verhältnis gesetzt. In der Durchdringung von Realraum und
                    theatralem Raum liegt die Spannung, die mit dem Inhalt des <ref target="http://books.google.de/books?id=Pgc_AAAAcAAJ"><bibl><title>Theatrum
                            Anonymorum Et Pseudonymorum</title></bibl></ref> korrespondiert. Nicht die
                    Scheinhaftigkeit des Wissens, sondern die Scharade der Wissenden wird hier zur
                    Schau gestellt. Ihre Maskerade markiert Illusion. Das Verfahren der Demaskierung
                    wird so ins Bild gesetzt und zugleich in Analogie zur Schauspielkunst gestellt.
                    Anstelle des Vorhangs oder der Sofitte setzt der Kupferstecher eine
                    Maskengirlande, die von einer Kartusche mit der programmatischen Aufschrift
                        <quote>Suum Cuique</quote> (Jedem das Seine) gehalten wird. </p>
                <p>Als Autorfigur kann die Rückenfigur identifiziert werden, die gerade im Begriff
                    ist, zwei Figuren Masken auf- oder abzusetzen. Nicht zu erkennen ist, ob der
                    zweite, auf der Szene anwesende Gelehrte eine Maske trägt. Das Spiel mit Schein
                    und Sein wird dadurch weiter vorangetrieben. Was sich als Schreibakt der
                    Aufdeckung im Text dieses <hi rend="italics">Theatrum</hi> artikuliert, ist im
                    vorangestellten Titelbild ein simultaner Bühnenakt. Dort wird die Autorfigur
                    theatral gefasst und zum Akteur wie zum Regisseur gleichermaßen. </p>
                <p>Dahlmanns <ref target="http://books.google.de/books?id=FeoOAAAAQAAJ&amp;hl=de&amp;hl=de&amp;pg=PP8&amp;img=1&amp;zoom=3&amp;sig=ACfU3U3F7Ks87BRAO2ajix7YBEII3AHOkA&amp;w=575">Frontispiz</ref> aus dem <ref target="http://books.google.de/books?id=FeoOAAAAQAAJ"><bibl><title>Schauplatz der masquirten und
                    demasquirten Gelehrten</title></bibl></ref> (Abb. 3) betont dagegen das
                    Sammelsurium möglicher Maskierungen und Demaskierungen und ist nicht in einem
                    konkreten Bühnenraum angesiedelt.<figure>
                        <head>Abb. 3</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_3.jpg"/>
                        <figDesc>Peter Dahlmann: Schauplatz der masquirten und
                            demasquirten Gelehrten, Leipzig 1710, <ref
                                target="http://books.google.de/books?id=FeoOAAAAQAAJ&amp;hl=de&amp;hl=de&amp;pg=PP8&amp;img=1&amp;zoom=3&amp;sig=ACfU3U3F7Ks87BRAO2ajix7YBEII3AHOkA&amp;w=575"
                                >Frontispiz</ref>.</figDesc>
                    </figure> Mit der Vielfalt der im Bildraum versammelten
                    Scharaden wird die Möglichkeit offeriert, dass sich hinter jeder Schrift –
                    gelehrt wie galant – nur ein scheinbar nachweisbarer Autor verbirgt. Der
                    Autorbegriff wird hier bildhaft in Verhandlung gestellt, wo es dem Werk doch
                    gerade um eine Eindeutigkeit der Zuschreibung geht (Dahlmann, Vorrede, unpag.
                    [<ref target="http://books.google.de/books?id=FeoOAAAAQAAJ&amp;hl=de&amp;pg=PP17#v=onepage&amp;q&amp;f=false%23v=onepage&amp;q=Entlarvung&amp;f=false">S. 1</ref>]). Der visuelle Paratext liefert in diesem zweiten Fall demnach eine über
                    das Textverfahren der Entlarvung hinausweisende Konnotation. Denn die bildliche
                    Darstellung lässt keine verlässliche Aussage darüber zu, ob die dargestellte
                    Person ihre Maske bereits abgelegt hat oder möglicherweise eine weitere trägt:
                    ein spielerisches Verfahren, dass auch schon im Frontispiz des
                            <bibl><title>Theatrum Anonymorum Et Pseudonymorum</title></bibl>
                    anklingt. Buch und Maske treten bei Dahlmann in ein anders geartetes
                    Korrespondenzverhältnis. Manche Masken liegen direkt auf aufgeschlagenen Büchern
                    und symbolisieren den Verbund mit der verborgenen Identität, die sich
                    widernatürlich auf die Schrift legt. Die Aufdeckung dieser widernatürlichen
                    Scheinhaftigkeit ist der formulierte Anspruch des Werks. Das vermittelte Wissen
                    lässt sich so nahtlos in die illusionistische Bühnenpräsentation einbinden, denn
                    Maskierung und Demaskierung als Chiffren des theatralen Spiels sind auf beiden
                    Titelbildern deutlich in Szene gesetzt. Die Schauspielerei als Kunst der
                    Verstellung bildet hierfür in beiden Fällen die geeignete Grundlage. </p>

            </div>
            <div type="section">
                <head>Publikum und Bühne</head>
                <p>Angesichts seiner paratextuellen Positionierung kann ein Titelbild grundsätzlich
                    ein visuelles Angebot zur Betretbarkeit des Buchs machen. Durch die Darstellung
                    einer Bühne, die der Zeit entsprechend erhöht gegeben wird, wird aber eine
                    bewusste Schwelle oder Grenze gesetzt. Die Distanz zum Dargestellten, die
                    dadurch erreicht wird, bedingt eine reflexive Haltung des Betrachters, dem das
                    Zurschaustellen durch diese Grenze optisch vor Augen gestellt wird. Noch
                    deutlicher wird dies akzentuiert, wenn Publikum mit in das Bild integriert wird
                    und der Betrachter damit nicht nur zum Zuschauer einer Szene, sondern zum
                    Zuschauer von Zuschauern einer Szene wird. Ein Beispiel hierfür findet sich in
                    dem von Aegidius Sadeler 1608 in Prag gedruckten <ref target="http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k5606663w.r=.langEN"><bibl><title>Theatrum
                        Morum</title></bibl></ref>, einer Ausgabe äsopischer Fabeln.<figure>
                            <head>Abb. 4</head>
                            <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_4.jpg"/>
                            <figDesc>Aegidius Sadeler: Theatrum Morum, Prag 1608, <ref
                                target="http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k5606663w/f8">illustriertes
                                Titelkupfer</ref>.</figDesc>
                        </figure> Das signierte
                    illustrierte <ref target="http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k5606663w/f8">Titelkupfer</ref> stammt von Sadeler selbst (Abb. 4) und lässt sich mit
                    einer ganz ähnlichen Darstellung vergleichen (siehe den Repertoriumsbeitrag von
                    <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000138/start.htm">Smith</ref>): dem deutlich früheren <ref target="http://www.let.leidenuniv.nl/Dutch/Renaissance/Facsimiles/HeynsEsbatiment1587/index.htm"><bibl><title>Esbatiment Moral, Des
                        Animavx</title></bibl></ref> (Anvers 1578). Bei letzterem handelt es sich um eine
                    französische Übersetzung derselben äsopischen Fabeln, die von Marcus Gheeraerts
                    dem Älteren (1520-1590) mit einem aufwendigen <ref target="http://www.let.leidenuniv.nl/Dutch/Renaissance/Facsimiles/HeynsEsbatiment1587/source/heyns001.htm">Titelkupfer</ref> versehen wurde und
                    dessen von Tiermedaillons und Sinnsprüchen umgebenes Mittelstück eine
                    Theaterszene darstellt, in der die Tiere als Mimen auftreten (Abb. 5).<figure>
                        <head>Abb. 5</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_5.jpg"/>
                        <figDesc>Marcus Gheeraerts d.Ä.: <ref
                            target="http://www.let.leidenuniv.nl/Dutch/Renaissance/Facsimiles/HeynsEsbatiment1587/source/heyns001.htm"
                            >Titelkupfer</ref>, in: Esbatiment Moral, Des Animavx, Anvers
                            1578.</figDesc>
                    </figure> Beiden
                    Werken ist in der illustrativen Aufarbeitung eigen, dass es sich nicht um
                    Frontispize, sondern um bildkünstlerische Bearbeitungen des Titelblatts handelt,
                    sie können demnach als illustrierte Titelkupfer bezeichnet werden. </p>
                <p>Auf beiden Drucken sind Tiere dargestellt, die von einem menschlichen Publikum
                    betrachtet werden. Die Position von Publikum und Bühne wandelt sich aber in den
                    Fassungen: Im <bibl><title>Esbatiment</title></bibl> erinnert die Raumanlage an Schaustellerbühnen mit
                    einfachem Vorhang auf erhöhtem Holzpodest. Der Löwe sitzt mit mächtiger Mähne,
                    die an eine Allongeperücke der Zeit erinnert, in menschlicher Haltung und Geste
                    auf einem Kissen, umringt von anderen Tieren. Die Zuschauer recken von unten
                    ihre Köpfe zu der dargestellten Szene hinauf. Auf dem Titelkupfer des
                            <bibl><title>Theatrum Morum</title></bibl> kehrt sich die Raumsituation
                    dagegen um: Das Publikum blickt zum Teil recht beiläufig, von einer Balustrade
                    geschützt, auf die Tiere herab, die hier in animalischen Haltungen lagern und
                    keine explizit darstellerischen Fähigkeiten zeigen. Für den Fiktionalitätsgehalt
                    dieser Tierschau spricht allein die Zusammenstellung der Tiere, die
                    natürlicherweise nicht in friedvoller Koexistenz leben, so wie sie hier auf
                    einem Tableau zusammengeführt werden. </p>
                <p>Die Umkehr der Sehgewohnheiten hat ihren konkreten Anlass vielleicht in der
                    Prager Architektur, wie Sylva Dobalová herausgestellt hat (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#dobalova_theatrum_2006"
                        >Dobalová</ref></bibl>, S. 207-220): Ulrico Avortalis legte am Schloss auf
                    dem Hradschin in Prag, dem Druckort des <bibl><title>Theatrum
                        Morum</title></bibl>, im späten 16. Jahrhundert unter Ferdinand I. von
                    Habsburg einen Löwenhof an, ein Gehege für wilde Tiere, die dem König zum
                    Geschenk gemacht worden waren. Diese Tiere konnten von einer höher gelegenen Galerie
                    besehen werden. Das <bibl><title>Theatrum Morum</title></bibl> steht
                    möglicherweise mit diesem Löwenhof in einem Zusammenhang, jedenfalls spiegelt
                    sich die räumliche Anlage des Geheges im Arrangement des Titelkupfers wider. </p>
                <p>Das Bild gibt als paratextueller Kommentar der Aussagerichtung der äsopischen
                    Fabeln aber eine neue Stoßrichtung: Dadurch, dass die Zuschauer auf die Tiere
                    herabblicken, wird die Vorbildlichkeit und Lehrhaftigkeit der Fabel zur
                    Disposition gestellt, auch wenn es unter dem Titel ergänzend heißt: <ref target="http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k5606663w/f8.image"><bibl><title>Artliche
                    gesprach der thier mit wahren historien den menschen zur lehr</title></bibl></ref>. In der Vorrede
                    verweist Sadeler mit Hinweis auf die entsprechende Bibelpassage auf die Didaxe
                    der Texte: <quote>Wie vns dann die Heilige Schrift zu den Creaturen, von ihnen
                        weißheit vnnd vorsichtigkeit zu lernen/ weiset. Als Job am 12. Capittel mit
                        diesen worten frage doch das Vieh/ das wirdt dichs Leren/ vndd die Vögel
                        vnder dem Himmel die werden dirs anzeigen/ oder rede mit der Erden/ die
                        wirdt dichs Leren/ vnnd die Fisch im Meer werden dirs sagen. Wer weiß nicht
                        das solches alles des Herrn Handt gemacht hat.</quote> (anonym [Sadeler],
                    <quote>An den Freundtlichen Leser</quote>, unpag. [<ref target="http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k5606663w/f9.image">S. 1</ref>]) </p>
                <p>Das illustrierte Titelkupfer unterläuft diese Ausdeutung des Textes in seinem
                    Arrangement, in dem die Tiere weniger als Vorbilder fungieren, denn als
                    zoologische Objekte bestaunt und beobachtet werden. Obschon Künstler und
                    Herausgeber identisch sind, stehen Titelbild und Text damit bei Sadeler in einem
                    Widerspruch. Gestützt wird diese Beobachtung durch die auf dem Kupfer mittig
                    gesetzte alttestamentarische Parole: <quote>Gen. I: Vnd Gott sagt: Herrschet
                        vber die fisch im Meer vnd vber die vögel vnder dem Himel vnd vber alle
                        thier die sich auff erde bewegen</quote> (anonym [Sadeler], <ref target="http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k5606663w/f8">Titelseite</ref>). Der
                    Mensch wird damit deutlich als Herrscher über die Tiere exponiert, was im Bild
                    eine räumliche Entsprechung findet. </p>
                <p>Darüber hinaus hat diese Lösung auch ihren kompositorischen Reiz, denn durch die
                    veränderte Ausrichtung von Publikum zu Bühne lassen sich untersichtige
                    Physiognomien wiedergeben, während Gheeraerts auf dem Titelkupfer des <bibl><title>Esbatiment
                    Moral, Des Animavx</title></bibl> nur Rückansichten stechen kann. Der Betrachter des
                            <bibl><title>Theatrum Morum</title></bibl> nimmt Publikum und Bühne
                    simultan von einer dritten, kaum zu definierenden Position des Gegenüber wahr. </p>
                <p>Das Thema von Schein und Sein ist hier im Rahmen der Fiktion gegeben: Tiere, die
                    sich auf eine Bühne stellen und somit zu Protagonisten einer Geschichte werden,
                    gehören in das Reich der Fabel. Der lehrhafte Gehalt unterliegt damit einer
                    textinhärenten Transformation. Der fiktionale Pakt, der für den Betrachter
                    intendiert ist, erlaubt somit den ausgestellten, bühnenwirksamen Illusionismus
                    und das scheinhafte Spiel von Tieren als Mimen. Im Fall des Prager Titelkupfers
                    unterläuft der Ikonotext des Blattes diesen Illusionscharakter bereits, wenn die
                    Fabeltiere als zoologisches Tableau vorgestellt werden und Text und Titelkupfer
                    damit in Widerspruch zueinander stehen, der auch in der Vorrede nicht
                    thematisiert wird. </p>
                <p>In Christoph Zeißelers <ref target="http://digital.bibliothek.uni-halle.de/hd/content/titleinfo/1035970"><bibl><title>Neu-eröffnetem Historischen
                            Schau-Platz</title></bibl></ref> (Leipzig 1695) und der Fortsetzung
                    <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-8901/start.htm" type="wdb"><bibl><title>Des Neu-eröffneten Historischen Schau-Platzes
                            Vorstellung</title></bibl></ref> (Wittenberg 1700), beide innerhalb von fünf
                    Jahren beim selben Verleger, Johann Christian Weidner, an unterschiedlichen
                    Publikationsorten veröffentlicht, findet sich jeweils ein Titelblatt mit
                    rückansichtigem Publikum und einer zeitgenössischen Gassenbühne. Deutlich sind
                    die Theaterräume in beiden Kupfern kompositionell gleich aufgebaut und
                    zentralperspektivisch organisiert. </p>
                <p>Das ebenfalls in Leipzig im gleichen Zeitraum, allerdings bei einem anderen
                    Verleger (Gleditsch) gedruckte <ref type="wdb" target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-2531/start.htm?image=00006">Frontispiz</ref> von Christian Weises
                    <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-2531/start.htm"><bibl><title>Freymüthigem und höfflichem Redner</title></bibl></ref> (1693)
                    weist in Ikonotext und Bühnenanlage deutliche Parallelen zu Zeißelers Blättern
                    auf. Möglicherweise zeichnet der gleiche anonyme Kupferstecher hierfür
                    verantwortlich. Auch stilistisch ließen sich hierfür Argumente finden (Für den
                    Hinweis auf dieses Blatt danke ich Claudia Brinker-von der Heyde.). </p>
                <p>Zeißeler bezieht sich im Text seines <ref target="http://digital.bibliothek.uni-halle.de/hd/content/titleinfo/1035970"><bibl><title>Neu-eröffnetem Historischen
                            Schau-Platz</title></bibl></ref> und dessen Fortsetzung nicht explizit auf die
                    Titelbilder. Auffällig auf diesen ist dagegen, dass das Markensigel des
                    Verlegers deutlich unter dem Kurztitel prangt, das dem Bühnenraum in einer
                    Kartusche vorgesetzt ist (Abb. 6).<figure>
                        <head>Abb. 6</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_6.jpg"/>
                        <figDesc>Christoph Zeißeler: Neu-eröffnetem Historischen
                            Schau-Platz, Leipzig 1695, <ref
                                target="http://digital.bibliothek.uni-halle.de/hd/content/pageview/1035981"
                                >Frontispiz</ref>.</figDesc>
                    </figure> Dies ist vielleicht ein Indiz dafür, dass die Illustrierung der
                    beiden <hi rend="italics">Schau-Plätze</hi> auf den Verleger zurückgeht. Dafür spricht auch, dass in den
                    Vorreden zu beiden Bänden mehrfach von Zeißeler angeführt wird, der Verleger
                    habe ihn zur Publikation gedrängt.<figure>
                        <head>Abb. 7</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_7.jpg"/>
                        <figDesc>Christoph Zeißeler: Des Neu-eröffneten Historischen
                            Schau-Platzes Vorstellung, Wittenberg 1700, <ref
                                target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-8901/start.htm?image=00006"
                                >Frontispiz</ref>.</figDesc>
                    </figure> </p>
                <p>Der Ikonotext des <ref target="http://digital.bibliothek.uni-halle.de/hd/content/pageview/1035981">Frontispiz</ref> besteht aus den Komponenten Text, Vorhang, Publikum
                    und Bühne. Die Bühne selbst ist ganz im Sinne der zeitgenössischen Gassenbühne
                    als langer Gang mit einer illusionistischen Verlängerung gestaltet,
                    eingeschobene seitliche Kulissen dürfen angenommen werden. Linkerhand lugt ein
                    Narr hervor. Der zentralperspektivisch organisierte Bühnenraum weist zwei
                    weitere Figuren auf: einen adeligen Mann mit Allongeperücke, Federhut und Degen
                    in Pose mit ausgestreckten leeren Händen im Vordergrund und ein fast nacktes
                    Kind im Bühnenmittelgrund, das eine Kerze in der Hand hält. Die gemalten
                    Prospekte zu beiden Seiten zeigen schemenhafte Vegetation und angedeutete
                    Grotten. Das Publikum ist in mehreren Reihen im Parkett stehend angeordnet. Eine
                    explizite inhaltliche Anbindung an den Text des <bibl><title>Neu-eröffneten Historischen
                        Schau-Platzes</title></bibl> vermittelt sich nicht. Das <ref type="wdb" target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-8901/start.htm?image=00006">Frontispiz des zweiten Teils</ref> (Abb. 7)
                    zeigt nur leichte Varianzen in der räumlichen Komposition: So fallen die
                    Damenfrisuren deutlich pompöser aus, zudem ist das Publikum nun verschattet.
                    Dieses Frontispiz kennzeichnet jedoch auf gleicher Bühne eine gänzlich
                    veränderte Szene. Der Bühnenraum wird nun von einem Skelett bespielt, welches
                    eine Blumenwiese senst. Auf einem runden Tisch im Mittelgrund, auf dem ein
                    Schädel mit Knochen liegt, sitzt ein schwarzer Rabe. Zwei Beschriftungen deuten
                    den Lauf der Zeit an: <quote>Hodie</quote> (heute) und <quote>Cras</quote>
                    (morgen). Die Präsenz des Todes offenbart sich auch in der Ikonographie der
                    floral bemalten Prospekte, die Rosen, Dornen und Nelken zeigen. </p>
            </div>
            <div type="section">
                <head>Moralia und Bühne</head>
                <p>Zeißeler will mit seinen <hi rend="italics">Theatra</hi> den <quote>rechten
                        Tugendweg</quote> weisen: <quote>Abscheuliche Laster und rühmliche
                        Tugenden</quote> sollen vorgestellt werden (Zeißeler, 1700, Tl. 2,
                    <quote>Vorrede</quote>, unpag. [<ref target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-8901/start.htm?image=00023" type="wdb">S. 1</ref>]). In der Vorrede zum ersten Teil
                    schreibt er, dass der belehrende Charakter seines Werks den Leser jeden Alters
                    erbauen werde, <quote>weil keine Possen und Narren-Fratzen/ sondern wahre
                        Geschichte und Begebenheiten darinnen zubefinden seyn</quote>. Und er fügt
                    hinzu: <quote>und solte ja ein oder die andere Historie vor unwahr gehalten
                        werden/ so giebt sie dennoch ihr Morale und Anweisung zu der Tugend/ oder
                        Ablehnung der Laster.</quote> (Zeißeler, 1695, Tl.1, <quote>Vorrede</quote>,
                    unpag. [<ref target="http://digital.bibliothek.uni-halle.de/hd/content/pageview/1035988">S. 3f.</ref>]). Die Ausrichtung auf einen moralischen Gehalt, der im
                    Zweifelsfall dem Wahrheitsgehalt der Geschichte übergeordnet werden kann, ist
                    damit eindeutig gesetzt. Eine Verbindung dieser zentralen inhaltlichen Aussagen
                    zu dem Frontispiz lässt sich kaum herstellen, im Gegenteil: der Narr, der aus
                    den Kulissen herauslehnt, erscheint wie ein höhnischer Kommentar zur Behauptung
                    Zeißelers, dass Possen und Narren-Fratzen aus seiner Schrift verbannt seien. </p>
                <p>Der theatrale Charakter, welcher der Historie innewohnt, kann aber mit folgender
                    Äußerung in Einklang gebracht werden: <quote>Denn es reden die Historien eben so
                        frey/ und sagen uns unter die Augen/ was ein anderer/ so keck uns ins
                        Angesicht zu sagen/ sich nicht unterstehen darff</quote> (Zeißeler, 1695,
                    Tl. 1, <quote>Vorrede</quote>, unpag. [<ref target="http://digital.bibliothek.uni-halle.de/hd/content/pageview/1035995">S. 10</ref>]). Demnach darf die unverhohlene
                    Wahrheit in der Maske der Historie auf der Bühne als Exempel reüssieren. </p>
                <p>Zeißelers Werke lassen sich unter die Gruppe <hi rend="italics"
                        >moralischer Theatra</hi> subsumieren. Die Welt als Bühne wird einem Publikum
                    vorgeführt, dass sich der Scheinhaftigkeit allen Daseins bewusst werden soll, um
                    mittels reflektierter Erkenntnis zu tugendhaftem Leben zu gelangen. Der einzelne
                    Mensch mit leeren Händen, wie auf dem Frontispiz von 1695 gezeigt, kann
                    diesbezüglich als Sinnbild der allgemeinen Beschränktheit menschlichen Daseins
                    begriffen werden. Zugleich lassen sich die Titelbilder beider Werke aber auch
                    als Abfolge menschlichen Daseins lesen: vom Kind, zum Mann, zum Tod, der hier in
                    einer Doppelrolle, als Personifikation einerseits und als der Tote andererseits,
                    auftritt. Demnach wäre der bespielte Bühnenraum als eine mehrere Bände
                    übergreifende Zeitleiste lesbar, als theatraler Raum mehrerer Vorstellungen des
                    Lebens, wie es auch im Titel von 1700 anklingt. Die Tragödie oder Komödie des
                    Lebens wird auf den Frontispizen nicht gespielt, nur deren allgemeingültige
                    Haupt-Stationen von Kindheit-Alter-Tod ins Bild gesetzt. Die Füllung des
                    Bühnenraums mit Requisiten und Bedeutung bleibt absichtsvoll dem Betrachter
                    überlassen, der die erzählten Historien des Textes als eine Exempelsammlung
                    menschlichen Daseins hierfür heranziehen kann. </p>
                <p>In ähnlicher Weise ist das <ref target="http://books.google.de/books?id=NYQ6AAAAcAAJ&amp;hl=de&amp;hl=de&amp;pg=PP6&amp;img=1&amp;zoom=3&amp;sig=ACfU3U3ow4_WI6lggmNTcsN9XRRRkFDOgQ&amp;w=575">Titelbild</ref> von Jacob Daniel Ernsts 
                    <ref target="http://books.google.de/books?id=NYQ6AAAAcAAJ"><bibl><title>Neuer
                            historischer Schaubühne der menschlichen Thorheit und Göttlichen
                            Gerechtigkeit</title></bibl></ref> (Leipzig 1696) zu verstehen (Abb. 8).<figure>
                                <head>Abb. 8</head>
                                <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_8.jpg"/>
                                <figDesc>Jacob Daniel Ernst: Neue historische Schaubühne der
                                    menschlichen Thorheit und Göttlichen Gerechtigkeit, Leipzig 1696, <ref
                                        target="http://books.google.de/books?id=NYQ6AAAAcAAJ&amp;hl=de&amp;hl=de&amp;pg=PP6&amp;img=1&amp;zoom=3&amp;sig=ACfU3U3ow4_WI6lggmNTcsN9XRRRkFDOgQ&amp;w=575"
                                        >Titelbild</ref>.</figDesc>
                            </figure> Auch
                    hier findet sich die erhöhte Kulissenbühne mit der zentralperspektivischen Gasse
                    und dem Vorhang, in dieser Variante jedoch ohne Publikum. Den Abschluss der
                    Bühne bildet deutlich ein gemalter Prospekt, der weitere Tiefenillusion
                    andeutet. Anstelle der Darsteller schwebt eine Fama über dieser Bühne, die den
                    Titel des <hi rend="italics">Theatrum</hi> auf einer Schriftrolle in ihrer
                    Linken haltend präsentiert. Die Bühne selbst ist leer, denn den auf der
                    gegenüberliegenden Seite im Titel genannten menschlichen Torheiten soll hier
                    kein theatraler Platz eingeräumt werden. Ob die Fanfare, in die die Figur bläst
                    – gewissermaßen als Prolog der Titelseite – den Beginn des Textes oder aber als
                    metareferentielle und vorweggenommene <hi rend="italics">conclusio</hi> den Sieg der göttlichen
                    Gerechtigkeit als Strafgericht über alle Torheit bedeuten soll, bleibt offen.
                    Die leere Bühne des Frontispiz und das textuelle Angebot des Titelblatts stehen
                    in einem antipodischen Verhältnis. Der Betrachter scheint auch hier aufgerufen,
                    die Bühne kraft seiner Imagination mit den im Titel genannten Exempeln zu
                    bespielen, darunter <ref target="http://books.google.de/books?id=NYQ6AAAAcAAJ&amp;fprintsec=frontcover&amp;fhl=de&amp;fsource=gbs_ge_summary_r&amp;fcad=0#v=onepage&amp;fq&amp;f=false"><bibl><title>die gerechte Allmacht Gottes der thörichten Menschen
                    fürgenommene Boßheit/ unreine Liebe/ Hochmuth/ Mordthaten/ Wollüste/ Geitz und
                    Untreue/ Kirchen-Raub und Dieberey/ Jachzorn/ Entheiligung des Sonntags/
                    Verrätherey/ Meineyd/ und dergleichen andere grobe Sünden und Laster [...]</title></bibl></ref>. Im
                    Vorwort heißt es unter Berufung auf Psalm 50, Vers 21, aber ohne explizite
                    Bezugnahme auf das Frontispiz: <quote>Ich will dich straffen, und will dirs
                        unter die Augen stellen.</quote> (Ernst, Vorrede, <ref target="http://books.google.de/books?id=NYQ6AAAAcAAJ&amp;hl=de&amp;pg=PR4#v=onepage&amp;q&amp;f=false">unpag.</ref>) Bestraft wird der
                    Betrachter des Frontispiz hier demnach dadurch, dass er die Bühne, die Vergnügen
                    und Illusionismus bereithält, selbst füllen muss. Er wird durch diese gesetzte
                    Leerstelle somit auf den ernsten und moralischen Gehalt des folgenden Textes
                    aufmerksam gemacht und entsprechend eingestimmt. </p>
                <p>Auch Ivo Hueber lässt auf dem <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/da-238/start.htm?image=00008" type="wdb">Frontispiz</ref> seines <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/da-238/start.htm" type="wdb"><bibl><title>Theatrum Annuum
                            Historico-Morale Heroinarum</title></bibl></ref> (Augsburg 1717) Publikum
                    auftreten (Abb. 9).<figure>
                        <head>Abb. 9</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_9.jpg"/>
                        <figDesc>Ivo Hueber: Theatrum Annuum Historico-Morale
                            Heroinarum, Augsburg 1717, <ref
                                target="http://diglib.hab.de/drucke/da-238/start.htm?image=00008"
                                >Frontispiz</ref>.</figDesc>
                    </figure> Der Augsburger Zeichner und Stecher Gottfried Rogg, der 1726
                    selbst ein dreibändiges, emblematisches <hi rend="italics">Theatrum</hi> (<ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000197/start.htm" type="wdb"><bibl><title>Encyclopaedia,
                            Oder: Schau-Bühne Curieuser Vorstellungen</title></bibl></ref>) vorlegt,
                    liefert die Zeichnung für das Frontispiz. Das Bild ist durchgehend Frauen
                    reserviert, sowohl Publikum als auch Bühnenpersonnage sind ausschließlich
                    weiblich, was mit dem Inhalt des <hi rend="italics">Theatrum</hi> korrespondiert
                    (siehe dazu den Repertoriumsbeitrag von <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000092/start.htm" type="wdb">Roßbach</ref>). Der Bühnenraum, der sich
                    wieder in einer langen Gasse öffnet, artikuliert sich als Verbindung zwischen
                    sakraler Innenraumarchitektur und profanem Gartenraum. Das ikonographische
                    Bildprogramm ist entsprechend uneinheitlich und stellt profane neben sakrale
                    allegorische Gestalten. Die Protagonistin erscheint in ihrer Rüstung und umgeben
                    von zahlreichen allegorischen Attributen selbst wie eine vom Postament
                    gestiegene Figur. Es zeigt sich, dass eine Grenzziehung zwischen den auf
                    Postamenten stehenden Skulpturen, der in der Bühnenmitte drapierten Darstellerin
                    und dem Publikum durch die homogene Gestaltungsweise, die der Kupferstecher
                    gewählt hat, kaum mehr auszumachen ist. Obschon also architektonisch Grenzen und
                    Schwellen aufgebaut werden – der Vorhang, der erhobene Bühnenraum, Postamente,
                    Torbögen – lässt sich die Illusion nicht mehr auf eine bestimmbare
                    Darstellungsebene rückbinden. Die Verwischung dieser Ebenen spiegelt auch der
                    Text wider. In der Widmung ist die Rede von einem <quote>Grossen und Herrlichen
                        Theatro, oder Schau-Bühne/ auf welcher sovil Actores, als vernünftige
                        Innwohner</quote> sind. Schauspieler (<quote>Actores</quote>) wie Zuschauer
                        (<quote>Innwohner</quote>), die sich hier in Kostüm und Gestalt der Erdteile
                    auch als ‚Einwohner’ der Welt zu erkennen geben, gehören demnach derselben
                    Bühnenwelt, einem dezidiert weiblichen <hi rend="italics">Theatrum mundi</hi>, an. Der Tod wird allen
                    Beteiligten die <quote>Comoedi-Kleider ausziehen</quote>, sie <quote>von der
                        Schau-Bühne abführen</quote> (Hueber, Widmung, <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/da-238/start.htm?image=00012" type="wdb">unpag.</ref>) Er tritt hier in der
                    Rolle des Theaterinspizienten auf. Es handelt sich auch bei Huebers
                    <ref type="wdb" target="http://diglib.hab.de/drucke/da-238/start.htm"><bibl><title>Theatrum Annuum Historico-Morale Heroinarum</title></bibl></ref>
                    um eine moralische Schrift. </p>
                <p>Dass die Grenzen zwischen den Darstellungsebenen verschwimmen können, zeigt auch
                    das Titelbild des <ref
                        target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10223195-2"
                                ><bibl><title>Theatrum Affectuum Humanorum Sive Considerationes
                                Morales</title></bibl></ref> (München 1717) von Franz Lang (Abb.
                    10).<figure>
                        <head>Abb. 10</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_10.jpg"/>
                        <figDesc>Franz Lang: Theatrum Affectuum Humanorum Sive
                            Considerationes Morales, München 1717, <ref
                                target="http://reader.digitale-sammlungen.de/object/bsb10223195_00005.svg?zoom=0.50&amp;rotate=0"
                                >Titelbild</ref> (nach Gottfried Rogg).</figDesc>
                    </figure> Das Werk gehört zu einer Reihe von drei <hi rend="italics">Theatra</hi>
                        (<ref
                        target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10270861-1"
                                ><bibl><title>Theatrum Solitudinis Asceticæ</title></bibl></ref>,
                            <bibl><title>Theatrum Affectuum Humanorum</title></bibl> und <ref
                        target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10270863-1"
                                ><bibl><title>Theatrum Doloris et Amoris</title></bibl></ref>), die
                    der auch als Theaterpraktiker agierende Lang in kurzer Folge veröffentlicht
                            (<bibl><title>Dissertatio de Actione Scenica</title></bibl>, posthum
                    1727). In dem mehr ins Sakrale tendierenden, zentralperspektivisch organisierten
                    Raum lassen sich Darsteller und allegorische Statuen nur schwer voneinander
                    trennen, das Verhältnis scheint nachgerade umgekehrt: die Nischenstatuen sind
                    einer Verlebendigungsstrategie unterworfen, die Allegorien von <hi
                        rend="italics">Odium</hi>, <hi rend="italics">Timor</hi>, <hi rend="italics"
                        >Fuga</hi> und <hi rend="italics">Ira</hi> werden dort im großem gestischen
                    Furor gegeben, während die zentral platzierte <hi rend="italics">Virtus in
                        medio</hi> als Darstellerin in göttlich beseelter Pose erstarrt erscheint.
                    Dies korrespondiert nicht nur mit dem Inhalt des <bibl><title>Theatrum
                            Affectuum</title></bibl>, der Darstellung der Palette von menschlichen
                    Affekten. Lang zeichnet seit 1687 für die Münchner Schulbühne verantwortlich.
                    Auf sein Betreiben hin wird nur einige Jahre später, 1698, ein Oratorium erbaut,
                    das auch als Theatersaal dient (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#meid_barock_2009">Meid</ref></bibl>, S. 361). Langs dramatische
                    Betrachtungen (<hi rend="italics">considerationes</hi>), die er in seinen drei
                        <hi rend="italics">Theatra</hi> präsentiert, fußen dabei auf der Verwendung
                    emblematischer Schaubilder (grundlegend hierzu <bibl><ref type="bibliography"
                            target="#bauer_bild_1982">Bauer</ref></bibl>). Gestik und Mimik sind
                    demnach die zentralen Gestaltungsmittel, die Lang für das theatrale Spiel
                    etabliert und die entsprechend auf dem Frontispiz allerorten zur Geltung kommen.
                </p>
            </div>
            <div type="section">
                <head>Wissensprospekte</head>
                <p>Zu diesen <hi rend="italics">moralischen Theatra</hi>, die die Aufdeckung von
                    Scheinhaftigkeit thematisch implizieren und die Bühne auf den Titelbildern als
                    Reflexionsraum inszenieren, worunter im weiteren Sinne auch die Fabeln und
                        Pseudonymen-<hi rend="italics">Theatra</hi> zu rechnen sind, gesellen sich
                    noch einige wenige Werke anderer Ausrichtung, die Bühnenräume auf Titelbildern
                    zeigen, so das <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-6144/start.htm"
                        type="wdb"><bibl><title>Theatrum Novum
                        Politico-Historicum</title></bibl></ref> (Würzburg 1686) und Georg Andreas
                    Böcklers <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/20-2-geom-2f/start.htm"
                        type="wdb"><bibl><title>Theatrum Machinarum</title></bibl></ref> (Nürnberg
                    1661). </p>
                <p>Auf beiden Blättern wird die Vorbühne bespielt, der zurückgezogene Vorhang im
                    Mittelgrund öffnet den Blick auf einen Prospekt, der mehr <hi rend="italics"
                        >pictura</hi> als gebaute Kulisse ist (Abb. 11, 12). <figure>
                            <head>Abb. 11</head>
                            <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_11.jpg"/>
                            <figDesc>Anonym: Theatrum Novum Politico-Historicum,
                                Würzburg 1686, <ref
                                    target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-6144/start.htm?image=00006"
                                    >Frontispiz</ref>. </figDesc>
                        </figure><figure>
                            <head>Abb. 12</head>
                            <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_12.jpg"/>
                            <figDesc>Georg Andreas Böckler: Theatrum Machinarum,
                                Nürnberg 1661, <ref
                                    target="http://diglib.hab.de/drucke/20-2-geom-2f/start.htm?image=00005"
                                    >Titelbild</ref>.</figDesc>
                        </figure>Als begehbarer
                    Bühnenraum sind beide Hintergrundszenen kaum mehr vorstellbar, zumal sie
                    perspektivisch eine starke Abbruchkante zeigen und ein Schauspieler regelrecht
                    in einen Bühnengraben springen müsste, um Teil der dargestellten hinteren Szene
                    zu werden. Die Prospekte haben hier eher den Charakter eines tableauhaften
                    Fensterblicks. Sie geben Einblick in Panoramen einer je monokulturalen Welt, die
                    im Fall des <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-6144/start.htm"
                        type="wdb"><bibl><title>Theatrum Novum
                        Politico-Historicum</title></bibl></ref> nur aus kriegerischen Handlungen,
                    im Fall des <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/20-2-geom-2f/start.htm"
                        type="wdb"><bibl><title>Theatrum Machinarum</title></bibl></ref> nur aus
                    Mühlen besteht. In beiden Szenarien stellt sich ein doppeltes Spiel ein: Die
                    Figuren auf den Frontispizen, im Fall von Böckler lebendig gewordene Statuen,
                    spiegeln den Sinngehalt des dahinter liegenden Prospekts auf einer höheren
                    rhetorischen Ebene. Denn sie verhandeln den gleichen Gehalt in einem anderem <hi
                        rend="italics">decorum</hi>. Das ausschnitthafte Weltgeschehen – in einem
                    Fall eine Mühlen-, im anderen eine Schlachtenlandschaft – kristallisiert sich im
                            <bibl><title>Theatrum Machinarum</title></bibl> in den allegorischen
                    Figuren von Archimedes und Mechanicus (<hi rend="italics">studium</hi> und <hi
                        rend="italics">labor</hi>), im <bibl><title>Theatrum Novum
                            Politico-Historicum</title></bibl> in Personifikationen der beteiligten
                    Kriegsparteien, die sich dialogisch in Stellung bringen. Kann bei den <hi
                        rend="italics">Kriegstheatra</hi> der moralische Gehalt als Strategie
                    verstanden werden, die Schlechtigkeit der Welt vorzuführen, so gestaltet sich
                    eine solche Anbindung bei der Einordnung des Maschinentheaters schwieriger. Dass
                    der Autor die Kunst des Mühlenbaus nicht dem Illusionismus unterstellen will,
                    scheint einsichtig. Eine moralische Implikation, wie bei den vorangegangenen
                    Beispielen, ist thematisch auszuschließen. Warum versieht also Böckler sein
                            <bibl><title>Theatrum Machinarum</title></bibl> mit einem solchen
                    <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/20-2-geom-2f/start.htm?image=00005" type="wdb">Titelbild</ref>, welches von ihm selbst erfunden ist, wie die Bezeichnung links unten
                    besagt? Im Vorwort heißt es: <quote>Derohalben so wir etwas wider die Natur zu
                        wegen bringen wollen/ muß solches durch scharffsinniges Nachdencken/ Kunst/
                        Mühe und sonderbahre Geschicklichkeit geschehen</quote> (Vorrede, unpag.
                        [<ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/20-2-geom-2f/start.htm?image=00011"
                        type="wdb">S. 1</ref>]). Der Mechanicus oder Ingenieur stellt seine
                    Kunstfertigkeit über die Natur und betont damit den spektakulären Gehalt seiner
                    künstlichen wie künstlerischen Maschinenwelt. Die Vorrede ist entsprechend an
                    einen <quote>Kunstliebenden Leser</quote> gerichtet. Vielleicht erscheint es
                    demnach folgerichtig, dass die Kunst des Mühlenbaus hier in ihrer Artifizialität
                    als Teil einer Theaterbühne erfasst wird, als deren Beherrscher Mathematik und
                    Mechanik fungieren. Nur über deren vermittelte Doppelkompetenz ist ein
                    tiefergehender, lebendiger Einblick in die vorgeführte Mühlen-Welt möglich, die
                    andernfalls nur Schaubild bleibt. Freilich ließen sich auch die Mühlen selbst
                    als neue Protagonisten, als Spieler in einem theatralen Raum verstehen. Zugleich
                    wird mit dieser Art der Präsentation ein Werbeeffekt erreicht. Sieht man die
                    dargestellte Mühlenlandschaft zudem als Prospektmalerei und nicht als Teil eines
                    Theaterraums an, so kann das ganze Blatt auch als säkularisierte Version eines
                    Retabels gelesen werden. Der Vorhang wäre dann als Auszeichnung der veritablen
                    Landschaftsikone zu werten und das Mühlenpanorama als eine frühe Form
                    industriellen Fortschrittsglaubens zu verstehen. </p>
                <p>Auf dem <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-6144/start.htm?image=00006" type="wdb">Frontispiz</ref> des <bibl><title>Theatrum Novum Politico-Historicum</title></bibl> vermittelt sich
                    ein ähnlich geartetes Wechselspiel zwischen Proszenium bzw. Vorbühne und
                    Prospekt. Die Repräsentanten der Kriegsparteien posieren auf der erhöhten
                    Vorbühne, auf deren Postament die Titelkartusche prangt. Der obere Bühnenrand
                    ist durch verschiedene Wappen gestaltet. Auf der Stange eines dahinterliegenden
                    Vorhangs, der von zwei Assistenzfiguren aufgehalten wird, sitzt ein Hahn, der
                    einen auf der Vorbühne platzierten Löwen aus sicherer Distanz ankräht,
                    Sinnbilder für die Kriegsparteien Frankreich und Venedig. Drei weitere Personen
                    bespielen diesen Vorraum: ein kaiserlicher Militär in voller Rüstung, ein Tartar
                    oder Türke und, dem Gewand nach zu urteilen, ein Spanier. Hinter dem Vorhang
                    öffnet sich der Blick auf das Panorama eines Schlachtfelds, das hier ähnlich wie
                    bei Böckler als gemalter Prospekt zu verstehen ist. Der Inhalt des
                            <bibl><title>Theatrum Novum Politico-Historicum</title></bibl> besteht
                    aber lediglich aus der Schilderung der kriegerischen Auseinandersetzungen mit
                    Ungarn in der ersten Hälfte des Jahre 1686 und zeigt damit nur einen kleinen
                    Ausschnitt von Weltgeschehen. Die Bedeutung dieses <hi rend="italics"
                        >Theatrums</hi> liegt in der Aktualität der Ereignisse. Was hier als
                    historisches Schlachtengemälde gezeigt wird, ist zum Zeitpunkt der
                    Veröffentlichung noch tagespolitisches Geschehen. Bühnenhandlung und
                    militärisches Vorgehen sind hinsichtlich des verhandelten Zeitraums nahezu
                    deckungsgleich, der Ausgang des Spiels wie der Ausgang der Geschichte ist zum
                    Zeitpunkt der Veröffentlichung noch ungewiss, und der Betrachter des Titelbildes
                    erhascht einen Blick in die laufende Vorstellung. </p>
                <p>Auch Hans Georg Hertels <ref
                        target="http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN590626949"
                                ><bibl><title>New eröffneter Geometrischer Schaw- und
                                Mässe-Platz</title></bibl></ref> (Braunschweig 1675) gehört zu jenen
                    nicht-moralischen Wissenstheatern, deren Titelblätter oder Frontispize eine
                    konkrete Bühne darstellen und auf Aktualität abzielen (Abb. 13).<figure>
                        <head>Abb. 13</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_13.jpg"/>
                        <figDesc>Hans Georg Hertel: New eröffneter Geometrischer
                            Schaw- und Mässe-Platz, Braunschweig 1675, <ref
                                target="http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN590626949//PHYS_0007"
                                >Titelkupfer</ref>.</figDesc>
                    </figure> Allerdings ist
                    dieses <hi rend="italics">Theatrum</hi> in einem völlig anderen Kontext der
                    Wissensvermittlung angesiedelt. In einem der zahlreichen Ehrengedichte, die dem
                    Text beigegeben sind und von dem darin vorgestellten Messinstrument handeln,
                    welches Hertel nach sich selbst benennt, heißt es herausfordernd: <quote>Kom,/
                        setz es auf die Prob</quote> (Hertel, unpag. [<ref
                        target="http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN590626949//PHYS_0022"
                        >S. 22</ref>]). Nichts anderes als die Vermessung der Welt macht sich der
                            <bibl><title>New eröffnete Geometrische Schaw- und
                        Mässe-Platz</title></bibl> zur Aufgabe und liest sich als <ref
                        target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000030/start.htm">Anleitung</ref> oder
                    Gebrauchsanweisung für die Benutzung eines geodätischen Messinstruments. Der
                    Text gleicht in vielen Punkten einer Werbeschrift. Der Aspekt von Aktualität
                    lässt sich also – abgesehen von neuesten Nachrichten des politischen
                    Weltgeschehens, wie im Fall des <bibl><title>Theatrum Novum
                            Politico-Historicum</title></bibl> dargelegt – auch in einem neu
                    entwickelten Produkt der Wissensvermittlung wiederfinden. Der Aufforderung, das
                    Gerät auf die Probe zu stellen, ist der theatrale Präsentationsakt quasi
                    imperativisch eingeschrieben. </p>
                <p>Der Theaterraum, der auf dem Titelbild als große Proszeniumsbühne vorgestellt
                    wird, ist somit als Probe- und Verkaufsbühne zu verstehen. Ein Zusammenhang
                    dieses Kupfers mit dem Opernhaus in Braunschweig, dem Publikationsort von
                    Hertels Schrift, lässt sich nicht herstellen. Die Oper wurde erst ab 1690 für
                    die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, fünfzehn Jahre nach Erscheinen von
                    Hertels <bibl><title>New eröffnetem Geometrischen Schaw- und
                        Mässe-Platz</title></bibl>. Es ist dennoch nicht auszuschließen, dass Hertel
                    bzw. sein Kupferstecher Mertens sich in der hier gewählten Darstellungsform an
                    diesem Bau orientiert haben. Entsprechendes Bildmaterial konnte bislang jedoch
                    nicht ausfindig gemacht werden. Das Querformat dieses <hi rend="italics"
                        >Theatrum</hi> eignet sich für die Präsentation der blattfüllenden
                    Bühnenanlage: Auf einem erhöhten, vermauerten Postament, das über eine zentrale
                    Treppe zu erreichen ist, öffnet sich hinter einem von Säulen gestalteten
                    Proszenium und einem zu beiden Seiten weggerafften Hauptvorhang das Szenenbild.
                    Das Messinstrument wird präsentiert, aber auch vor den Augen des Zuschauers
                    ausprobiert. Wie im anfänglich vorgestellten <bibl><title>Schauplatz von den
                            Asiatischen Nationen</title></bibl> bietet sich der hier von
                    Theaterarchitektur umfangene, theatrale Raum auf diesem <ref
                        target="http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN590626949//PHYS_0007"
                        >Titelkupfer</ref> als Wimmelbild dar. Auf der Bühne verteilt, flankiert von
                    Berg und Wald auf der linken und Palastarchitektur auf der rechten Seite, sieht
                    man acht bis zehn Protagonisten mit dem Hertel bei der Vermessung dargestellt.
                    Vermessen werden Berge, Höhlen, Städte, Gestirne und Gebäude. Der Bühnenraum
                    bietet sich dem Betrachter respektive Zuschauer als eine Art von Weltlandschaft
                    dar. Das Titelbild kann darüber hinaus etwas leisten, was die reale
                    Theatersituation nicht kann: Denn das Vermessen ist ein optisch-mathematisches
                    Verfahren, das Entfernungen über die Erfassung von Winkelmaßen mittels eines
                    Zielfernrohrs berechnet. Um diese Praktik sichtbar werden zu lassen, werden auf
                    dem Bild feine Linien zwischen den dargestellten Landvermessern und ihrem Objekt
                    gezogen, ein Effekt, der nur auf dem Papier, nicht aber auf der Bühne
                    visualisierbar ist. Ohne die Linien stünden die Spieler mit ihren Geräten
                    bezugslos im theatralen Raum (siehe hierzu Hertel, <ref
                        target="http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PPN=PPN590626949&amp;DMDID=DMDLOG_0009&amp;LOGID=LOG_0012&amp;PHYSID=PHYS_0062"
                        >Nr. V</ref>, nach S. 20, wo die Relation nur durch die Buchstaben A und B
                    angezeigt wird und nur durch den Begleittext einsichtig wird). Auch auf anderen
                    Blättern des reich illustrierten <bibl><title>New eröffneten Geometrischen
                            Schaw- und Mässe-Platzes</title></bibl> wird dieses Verfahren der
                    Verdeutlichung des Messvorgangs durch Linienführungen vorgeführt (siehe
                    beispielsweise Hertel, <ref
                        target="http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PPN=PPN590626949&amp;DMDID=DMDLOG_0005&amp;LOGID=LOG_0008&amp;PHYSID=PHYS_0036"
                        >Nr. I</ref>, nach S. 4). Das Papier-<hi rend="italics">Theatrum</hi>
                    liefert in diesem spezifischen Fall ein relevantes <hi rend="italics"
                        >surplus</hi> gegenüber jeder realen Inszenierung. Es schreibt die
                    geometrischen Achsen, die der Berechnung zugrunde liegen, als Linien auf der
                    Bildoberfläche fest. Das Titelbild erscheint als eine Referenz auf die
                    bildlichen Darstellungen im folgenden Text. Es ist so gestaltet, dass der
                    Theaterraum wie die wegklappbare Vorblende vor einer möglicher Abbildung aus dem
                    Text erscheint, und bietet damit eine theatrale Rahmung für das Folgende - die
                    Technik des Aufklappens wird im New eröffneten Geometrischen Schaw- und
                    Mässe-Platz verwendet, siehe Hertel, <ref
                        target="http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PPN=PPN590626949&amp;DMDID=DMDLOG_0014&amp;LOGID=LOG_0017&amp;PHYSID=PHYS_0089"
                        >Nr. X</ref>, nach S. 38 (geschlossener Zustand) und <ref
                        target="http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PPN=PPN590626949&amp;DMDID=DMDLOG_0014&amp;LOGID=LOG_0017&amp;PHYSID=PHYS_0091"
                        >Nr. XI</ref>, nach S. 38 (aufgeklappter Zustand). </p>
            </div>
            <div type="section">
                <head>Intratheatrale Inszenierung </head>
                <p>Als intratheatrales Kabinettstück soll zuletzt Michael Valentinis
                    <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/nh-2f-34/start.htm" type="wdb"><bibl><title>Amphitheatrum Zootomicum</title></bibl></ref> (Frankfurt 1720)
                    vorgestellt werden. Auf dem <ref type="wdb" target="http://diglib.hab.de/drucke/nh-2f-34/start.htm?image=00007">Frontispiz</ref> (Abb. 14) zeigt sich eine mehrfache
                    Verschachtelung theatraler Ebenen.<figure>
                        <head>Abb. 14</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/baum_14.jpg"/>
                        <figDesc>Michael Valentini: Amphitheatrum Zootomicum,
                            Frankfurt 1720, <ref
                                target="http://diglib.hab.de/drucke/nh-2f-34/start.htm?image=00007"
                                >Frontispiz</ref>.</figDesc>
                    </figure> Auf einem von einem Eierstabfries
                    beschlossenen Postament erhebt sich ein komplexer architektonischer Aufbau, der
                    auf mehreren Ebenen – in einer Art Spiel im Spiel – Formen theatraler
                    Inszenierung präsentiert. Zwei puttenartige Knabengestalten, die auf dem unteren
                    Postament stehen, halten die beiden Enden eines weit aufgespannten Vorhangs.
                    Dieses ‚äußere’ Proszenium wird von zwei oben aufsitzenden Vogelskeletten
                    beschlossen, die rechts und links auf zwei Deckplatten positioniert sind. In der
                    Mitte hängt über dem Vorhang das Skelett einer Schildkröte herab. Die Knaben
                    sind eben dabei, den Vorhang aufzuziehen. Im Mittelpunkt der unteren Ebene ist
                    ein Affenskelett auszumachen, welches stehend auf eines von zwei Medaillons mit
                    Vogeldarstellungen weist, die hinter ihm angebracht sind. Das Affenskelett ist
                    dabei in der ausgestellten Haltung eines Rhetors – man erinnere sich an die
                    ausgestellte Pose des Löwen auf dem Titelbild des <bibl><title>Theatrum
                            Morum</title></bibl> –, nicht in animalisch natürlicher Haltung gegeben.
                    Über dieser Szene, die zoologisches Wissen theatral ausstellt, erhebt sich
                    wiederum ein Postament, das einer darüber liegenden Szene als zweites, sozusagen
                    intratheatrales Proszenium dient. Die flankierenden Figuren dieses ‚inneren’
                    Proszeniums stellen hier – in ähnlicher Pose wie Archimedes und Mechanicus auf
                    Böcklers <bibl><title>Theatrum Machinarum</title></bibl> – zwei menschliche Figuren in unterschiedlichen
                    anatomischen Stadien dar, linkerhand den Muskelaufbau, rechterhand den
                    Skelettaufbau des Menschen vorstellend. Eingerahmt von diesen Figuren erkennt
                    man in der Mitte die Darstellung eines anatomischen Theaters mit einer
                    Leichenöffnung. Diese Darstellung ist, wie an den unteren Zierleisten und den
                    Schattenführungen auszumachen, ein aufgestellter, gemalter Prospekt. Das
                    Zurschaustellen wird auf diesem innersten Prospekt zusätzlich dadurch betont,
                    dass im Hintergrund – wiederum erhöht, wie bei der architektonischen Form des
                    anatomischen Theaters üblich – Publikum zu erkennen ist, das der Leichenöffnung
                    beiwohnt, obschon es auf Setzkastenformat zusammengeschrumpft ist. Diese
                    Zuschauer sind für den Betrachter des Titelbildes frontalansichtig gegeben. Er
                    selbst kann sich in das amphitheatralische Kreisrund als Teilnehmer dieses
                    Miniatur-Theaters mit hineindenken. </p>
                <p>Die im Titelbild vorgeführten, ineinandergreifenden Bühnen bilden nicht nur
                    verschiedene Aspekte des verhandelten Themas ab, sondern verweisen in ihrer
                    kompositorischen Anlage auf die strukturelle Anlage des Buchs, auf seine
                    textuelle Ordnung. Der eigentliche Text des <bibl><title>Amphitheatrum
                            Zootomicum</title></bibl> führt die Anatomien verschiedener Tierarten
                    vor, wie dies auf den äußeren Ebenen des Titelbilds abzulesen ist. Vorgebunden
                    ist dieser Abhandlung aber ein <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/nh-2f-34/start.htm?image=00017" type="wdb"><bibl><title>Kurtzer Entwurff der anatomischen
                            Übungen, wie solche das ganze Jahr durch auf dem Theatro Anatomico zu
                            Berlin sollen fortgesetzet werden</title></bibl></ref>. Damit ist erklärt,
                    wieso die Darstellung der menschlichen Leichenöffnung mitten ins Bild eines
                    <bibl><title>Amphitheatrum Zootomicum</title></bibl> rückt. Der <bibl><title>Kurtze Entwurff</title></bibl> wird also im Text wie im
                    Bild in ein äquivalentes Verhältnis zur der zoologischen Darbietung gesetzt.
                    Durch die Technik der Verschachtelung gelingt die künstlerische Umsetzung der
                    unterschiedlichen theatralen Präsentationsformen. Wissensraum (<hi rend="italics">Zootomicum</hi>) und
                    Bühnenraum (<hi rend="italics">Theatrum Anatomicum</hi>) werden so, ähnlich wie auf dem Titelbild von
                    Placcius’ <ref target="http://books.google.de/books?id=Pgc_AAAAcAAJ"><bibl><title>Theatrum Anonymorum Et Pseudonymorum</title></bibl></ref>, in
                    ein kompositionelles Verhältnis gesetzt. </p>
            </div>
            <div type="section">
                <head>Beschluss</head>
                <p>Vornehmlich in der letzten Hälfte des 17. Jahrhunderts – nach der Einführung der
                    Kulissenbühne – werden tiefenräumliche Arrangements und konkrete Bühnen auf den
                    Titelbildern dazu genutzt, den eröffneten Schauraum dem Betrachter zu entrücken,
                    anstatt ihn einzuladen, Teil der Wissenswelt zu werden. Die Titelbilder zeigen
                    damit eine bewusst inszenierte Barriere. Robert Felfe spricht in ähnlichem
                    Zusammenhang von einem <quote>Bildraum zweiter Ordnung</quote> (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#felfe_theatralisierung_2003"
                        >Felfe</ref></bibl>, S. 236). Sie führen dem Rezipienten die
                    Zurschaustellung des Verhandelten bewusst vor Augen und haben als Paratexte eine
                    wichtige Kommentarfunktion für den Text. Entsprechend finden sie nur dort
                    Einsatz, wo dies der inhaltliche Anspruch des <hi rend="italics">Theatrum</hi>
                    auch rechtfertigt, wo sich Wissens- und Bühnenraum miteinander verschränken: in
                    <hi rend="italics">moralischen Theatra</hi>, die eine reflexive Wirkung
                    implizieren, ebenso wie in solchen spezifischen <hi rend="italics">Theatra</hi>,
                    die die Scheinhaftigkeit von Welt oder Identität zum Thema haben oder den
                    Wissensgehalt einer Verkaufsstrategie oder der Aktualitätsfrage nachordnen. Auch
                    wenn der vermittelte Wissensgehalt an Darstellungsgrenzen stößt, kommt die Bühne
                    als architektonische Bauform zum Einsatz auf den Titelbildern. Sie bleibt jedoch
                    für die Gesamtheit theatraler Inszenierungen in der <hi rend="italics"
                        >Theatrum</hi>-Literatur eine marginale Erscheinung. </p>


            </div>
            <div type="bibliography">
                <head>Bibliographische Nachweise und Forschungsliteratur</head>
                <div type="bibliography">
                    <head>Quellen</head>
                    <listBibl>
                        <bibl xml:id="anonym_esbatiment_1578">anonym: Esbatiment moral des animaux.
                            Anvers 1578<ptr type="opac" cRef="642995427"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="anonym_asiatische_nationen_1748">anonym: Neueröffneter
                            Schau-Platz von Asiatischen Nationen. Erfurt 1748<ptr type="opac" cRef="610299395"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="anonym_theatrum_adriaticum_1685">anonym: Theatrum Adriaticum.
                            Augsburg 1685<ptr type="gbv" cRef="53695528X"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="anonym_theatrum_morum_1608">anonym (Aegidius Sadeler):
                            Theatrum Morum. Prag 1608<ptr type="gbv" cRef="537269045"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="anonym_theatrum_novum_1686">anonym: Theatrum Novum
                            Politico-Historicum Würzburg 1686<ptr type="opac" cRef="609247840"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="adami_theatrum_tragicum_1695">Johann Samuel Adami (Ps.
                            Misander): Theatrum Tragicum. Dresden 1695<ptr type="opac" cRef="151677158"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="böckler_theatrum_machinarum_1661">Georg Andreas Böckler:
                            Theatrum Machinarum. Nürnberg 1661<ptr type="opac" cRef="608471798"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="camillo_idea_del_teatro_1550">Giulio Camillo: L’Idea del
                            Teatro, Florenz 1550</bibl>
                        <bibl xml:id="dahlmann_schauplatz_1710">Peter Dahlmann: Schauplatz der
                            masquirten und demasquirten Gelehrten. Leipzig 1710<ptr type="opac" cRef="137935463"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="ernst_schaubühne_1696">Jacob Daniel Ernst: Neuer historischer
                            Schaubühne der menschlichen Thorheit und Göttlichen Gerechtigkeit.
                            Leipzig 1696</bibl>
                        <bibl xml:id="harsdörffer_gesprechspiele_1645">Georg Philipp Harsdörffer:
                            Frauenzimmer Gesprechspiele. Fünfter Theil. Nürnberg 1645<ptr type="opac" cRef="572224907"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="hertel_mässe-platz_1675">Hans Georg Hertel: New eröffneter
                            Geometrischer Schaw- und Mässe-Platz. Braunschweig 1675<ptr type="opac" cRef="151335001"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="hueber_theatrum_1717">Ivo Hueber: Theatrum Annuum
                            Historico-Morale Heroinarum. Augsburg 1717<ptr type="opac" cRef="624961605"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="lang_theatrum_1717">Franz Lang: Theatrum Affectuum Humanorum
                            Sive Considerationes Morales. München 1717</bibl>
                        <bibl xml:id="placcius_theatrum_1708">Vincent Placcius: Theatrum Anonymorum
                            Et Pseudonymorum. 2 Bde. Hamburg 1708><ptr type="gbv" cRef="313538492"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="quicchelberg_theatri_1565">Samuel Quicchelberg: Inscriptiones
                            Vel Titvli Theatri. München 1565<ptr type="gbv" cRef="142973122"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="rogg_encyclopedia_1726">Gottfried Rogg: Encyclopaedia, Oder:
                            Schau-Bühne Curieuser Vorstellungen. 3 Bde. Augsburg 1726<ptr type="opac" cRef="610191616"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="valentini_amphitheatrum_1720">Michael Valentini: Amphitheatrum
                            Zootomicum. Frankfurt 1720<ptr type="opac" cRef="622384120"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="weise_redner_1693">Christian Weise: Freymüthigem und
                            höfflichem Redner. Leipzig 1693<ptr type="opac" cRef="614973740"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="zeißeler_schau-platz_1695">Christoph Zeißeler: Neu-eröffnetem
                            Historischen Schau-Platz. Leipzig 1695<ptr type="opac" cRef="536962189"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="zeißeler_vorstellung_1700">Christoph Zeißeler: Des
                            Neu-eröffneten Historischen Schau-Platzes Vorstellung. Wittenberg
                            1700<ptr type="opac" cRef="625695259"></ptr></bibl>


                    </listBibl>
                </div>

                <div type="bibliography">
                    <head>Forschungsliteratur</head>
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                            Selbstverständnisses, in: Flemming Schock, Oswald Bauer, Ariane Koller,
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                    <bibl xml:id="abb_1">Abb. 1: Anonym: Neueröffneter Schau-Platz von Asiatischen
                        Nationen, Erfurt 1748, <ref
                            target="http://diglib.hab.de/drucke/gv-96/start.htm?image=00006"
                            >Frontispiz</ref> und <ref
                            target="http://diglib.hab.de/drucke/gv-96/start.htm?image=00007"
                            >Titelblatt</ref> (Montage C.B.).</bibl>
                    <bibl xml:id="abb_2">Abb. 2: Vincent Placcius: Theatrum Anonymorum Et
                        Pseudonymorum, Hamburg 1708, <ref
                            target="http://books.google.de/books?id=Pgc_AAAAcAAJ&amp;hl=de&amp;hl=de&amp;pg=PP6&amp;img=1&amp;zoom=3&amp;sig=ACfU3U0q3Qs4ayd74ThD3G-P5ibu3to5IQ&amp;w=685"
                            >Frontispiz</ref>. </bibl>
                    <bibl xml:id="abb_3">Abb. 3: Peter Dahlmann: Schauplatz der masquirten und
                        demasquirten Gelehrten, Leipzig 1710, <ref
                            target="http://books.google.de/books?id=FeoOAAAAQAAJ&amp;hl=de&amp;hl=de&amp;pg=PP8&amp;img=1&amp;zoom=3&amp;sig=ACfU3U3F7Ks87BRAO2ajix7YBEII3AHOkA&amp;w=575"
                            >Frontispiz</ref>.</bibl>
                    <bibl xml:id="abb_4">Abb. 4: Aegidius Sadeler: Theatrum Morum, Prag 1608, <ref
                            target="http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k5606663w/f8">illustriertes
                            Titelkupfer</ref>. </bibl>
                    <bibl xml:id="abb_5">Abb. 5: Marcus Gheeraerts d.Ä.: <ref
                            target="http://www.let.leidenuniv.nl/Dutch/Renaissance/Facsimiles/HeynsEsbatiment1587/source/heyns001.htm"
                            >Titelkupfer</ref>, in: Esbatiment Moral, Des Animavx, Anvers
                        1578.</bibl>
                    <bibl xml:id="abb_6">Abb. 6: Christoph Zeißeler: Neu-eröffnetem Historischen
                        Schau-Platz, Leipzig 1695, <ref
                            target="http://digital.bibliothek.uni-halle.de/hd/content/pageview/1035981"
                            >Frontispiz</ref>. </bibl>
                    <bibl xml:id="abb_7">Abb. 7: Christoph Zeißeler: Des Neu-eröffneten Historischen
                        Schau-Platzes Vorstellung, Wittenberg 1700, <ref
                            target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-8901/start.htm?image=00006"
                            >Frontispiz</ref>.</bibl>
                    <bibl xml:id="abb_8">Abb. 8: Jacob Daniel Ernst: Neue historische Schaubühne der
                        menschlichen Thorheit und Göttlichen Gerechtigkeit, Leipzig 1696, <ref
                            target="http://books.google.de/books?id=NYQ6AAAAcAAJ&amp;hl=de&amp;hl=de&amp;pg=PP6&amp;img=1&amp;zoom=3&amp;sig=ACfU3U3ow4_WI6lggmNTcsN9XRRRkFDOgQ&amp;w=575"
                            >Titelbild</ref>.</bibl>
                    <bibl xml:id="abb_9">Abb. 9: Ivo Hueber: Theatrum Annuum Historico-Morale
                        Heroinarum, Augsburg 1717, <ref
                            target="http://diglib.hab.de/drucke/da-238/start.htm?image=00008"
                            >Frontispiz</ref>. </bibl>
                    <bibl xml:id="abb_10">Abb. 10: Franz Lang: Theatrum Affectuum Humanorum Sive
                        Considerationes Morales, München 1717, <ref
                            target="http://reader.digitale-sammlungen.de/object/bsb10223195_00005.svg?zoom=0.50&amp;rotate=0"
                            >Titelbild</ref> (nach Gottfried Rogg).</bibl>
                    <bibl xml:id="abb_11">Abb. 11: Anonym: Theatrum Novum Politico-Historicum,
                        Würzburg 1686, <ref
                            target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-6144/start.htm?image=00006"
                            >Frontispiz</ref>. </bibl>
                    <bibl xml:id="abb_12">Abb. 12: Georg Andreas Böckler: Theatrum Machinarum,
                        Nürnberg 1661, <ref
                            target="http://diglib.hab.de/drucke/20-2-geom-2f/start.htm?image=00005"
                            >Titelbild</ref>.</bibl>
                    <bibl xml:id="abb_13">Abb. 13: Hans Georg Hertel: New eröffneter Geometrischer
                        Schaw- und Mässe-Platz, Braunschweig 1675, <ref
                            target="http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN590626949//PHYS_0007"
                            >Titelkupfer</ref>.</bibl>
                    <bibl xml:id="abb_14">Abb. 14: Michael Valentini: Amphitheatrum Zootomicum,
                        Frankfurt 1720, <ref
                            target="http://diglib.hab.de/drucke/nh-2f-34/start.htm?image=00007"
                            >Frontispiz</ref>.</bibl>

                </listBibl>
            </div>
            </div>
        </body>
    </text>

</TEI>
