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        <fileDesc>
            <titleStmt>
                <title><quote>Miraculous Fruits command Silence, and force me to lose my Tongue.</quote> (Elias Ashmole) – <hi rend="italics">Theatra Magica</hi> zwischen Transparenz und Opazität</title>
                <author>
                    <name type="person">
                        <forename>Stefan</forename>
                        <surname>Laube</surname>
                    </name>
                </author>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>Elektronische Ausgabe nach TEI P5</edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <idno type="werk-ID">ebooks/ed000156</idno>
                <idno type="ppn">000000000</idno>
                <publisher>
                    <name type="org">Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</name>
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                        <street>Lessingplatz 1</street>
                        <name type="city">Wolfenbuettel</name>
                        <postCode>D-38299</postCode>
                        <name type="country">Germany</name> 
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                </publisher>
                <date>2011</date>
                <availability status="restricted">
                    <p> Available at <ref target="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/start.htm ">
                            (c) Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</ref>
                    </p>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <notesStmt>
                <note type="register">
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                </note>
            </notesStmt>
            <sourceDesc>
                <p>digital source</p>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <encodingDesc>
            <projectDesc>
                <p>Erstellt im Projekt <ref target="http://www.theatra.de">Welt und Wissen auf der
                        Bühne. Die Theatrum-Literatur der Frühen Neuzeit</ref></p>
            </projectDesc>
        </encodingDesc>
    </teiHeader>
    <text>
        <body xml:lang="de">


            <div type="section">
                <head>Alchemie und Theater</head>
                <p>Wenn die Alchemie in einem heutigen Standardwerk als die Kunst beschrieben wird,
                        <quote>gewisse Materialien zu höherem Sein zu veredeln, und zwar derart,
                        dass mit der Manipulation der Materie auch der um ihr Geheimnis ringende
                        Mensch in einen höheren Seinszustand versetzt wird</quote> (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#schütt_stein_2000">Schütt
                    2000</ref></bibl>, S. 12), sieht man sich beinahe in die Wirkungsforschung von
                    Theaterstücken versetzt, in der ja auch die Wandlungsfähigkeit des Menschen im
                    Zentrum steht – sowohl in seiner Eigenschaft als Schauspieler wie auch als
                    Zuschauer. Während der Alchemist den kleinen Schöpfergott spielt, indem er in
                    seinem Laboratorium ein Theater der Materialien auf die Bühne bringt,
                    experimentiert das herkömmliche Theater im Spannungsfeld von Sein und Schein mit
                    dem Menschen in all seinen Verstrickungen (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#kahn_alchimie_1988">Kahn 1988</ref></bibl>, <bibl><ref
                            type="bibliography" target="#nicholl_chemical_theatre_1980"
                            >Nicholl</ref></bibl>). </p>
                <p>In der Zeit, als im elisabethanischen England die ersten
                    öffentlich-kommerziellen, von professionellen Schauspieltruppen betriebenen
                    Theater entstanden, publizierte Heinrich Khunrath (1560-1605) unter dem Titel
                        <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/438-theol-2f/start.htm" type="wdb"
                                ><bibl><title>Amphitheatrum Sapientiae Aeternae Solius
                            Verae</title></bibl></ref> eine Studie, die zum Klassiker einer
                    heilsgeschichtlich geprägten Alchemie aufsteigen sollte. 1595 in einer
                    Kleinfassung und 1609 postum in der Vollfassung erschienen, entwickelte der Arzt
                    aus Leipzig theatralische Wissenskonzepte, die sich die Architektonik der
                    tatsächlichen Bühnen der Welt zum Vorbild nehmen. Vornehmlich wegen der darin
                    abgedruckten, differenzierten Kupferstiche erlangte Khunraths Abhandlung große
                    Berühmtheit (<bibl><ref type="bibliography" target="#habrich_alchemie_2001"
                            >Habrich</ref></bibl>, S. 49-51; <bibl><ref type="bibliography"
                            target="#töllner_kommentar_1991">Töllner</ref></bibl>, S. 197-222;
                            <bibl><ref type="bibliography" target="#dülmen_alchemie_2004">van
                            Dülmen</ref></bibl>, S. 140f.). Eine <ref type="wdb"
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/438-theol-2f/start.htm?image=00274"
                        >Abbildung</ref> zeigt in frontaler Ansicht einen Zugang zu einer mit
                    Inschriften bedeckten Höhle, durch den Eingeweihte auf ein Licht zuschreiten
                    (Abb. 1). <figure>
                        <head>Abb. 1</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/laube_1.jpg"/>
                        <figDesc>Das Portal zum Amphitheater, in: Heinrich Khunrath: <bibl><title>Amphitheatrum sapientiae aeternae solius verae</title></bibl> (Hanau 1609)</figDesc>
                    </figure>Analogien zur Theaterwelt drängen sich auf: Wie ein Grottentheater in
                    einer Parklandschaft wirkt die Anlage, wie eine Bühnentreppe erscheinen die in
                    die Einfassung eingebauten sieben Stufen, die bis zum Licht überfluteten Ende
                    des Tunnels emporgestiegen werden müssen, will man der ewigen Weisheit
                    teilhaftig werden. </p>
                <p>Nach einer älteren Forschungsansicht entstanden Amphitheater durch die
                    Zusammenlegung zweier halbkreisförmiger Theater. Die damit implizierte
                    Verdoppelung der Bühne spiegelt sich auch in der durchgängig doppelthematischen
                    Struktur von Khunraths Abhandlung, die zwischen christlicher Religion und
                    Alchemie oszilliert, paradigmatisch visualisiert durch den berühmten Kupferstich
                        <ref type="wdb"
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/438-theol-2f/start.htm?image=00290"><hi
                            rend="italics">Oratorium – Laboratorium</hi></ref> (Abb. 2). <figure>
                        <head>Abb. 2</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/laube_2.jpg"/>
                        <figDesc>Oratorium – Laboratorium, Stich von Paulus van der Doort nach einer
                            Vorlage von Hans Vredemann von Vries (1595), in: Heinrich Khunrath:
                                    <bibl><title>Amphitheatrum sapientiae aeternae solius
                                    verae</title></bibl> (Hanau 1609)</figDesc>
                    </figure>Zur Linken kniet ein Mann mit dem Ausdruck tiefer Andacht vor einem
                    Oratorium in Form eines Gebetszeltes, das mit kabbalistischen und geometrischen
                    Symbolen bedeckt ist. Der Laborant scheint mit voller körperlicher und
                    seelischer Hingabe um Gottes Beistand beim Gelingen des <quote>opus
                        magnum</quote>, der Gewinnung des Steins der Weisen, zu flehen. Dem
                    Oratorium gegenüber ist das Laboratorium dargestellt, wo man einen riesigen Ofen
                    mit allen Werkzeugen eines Alchemikers erkennen kann. In der Mitte steht ein
                    Tisch mit Musikinstrumenten. Und das Ganze befindet sich in einem
                    perspektivischen Saal, der dem Stich eine bühnenhafte Ausstrahlung verleiht.
                    Amphitheatralisch wirkt nicht nur die Korrespondenz zwischen Oratorium und
                    Laboratorium. Auch formal kommt das Schema eines Kolloseums zum Vorschein: Das
                    Layout ist durch die Rundform des Stiches auf der aufgeschlagenen Buchseite
                    geprägt. Eingerahmt von Textblöcken, die wie Zuschauerränge wirken, indizieren
                    sie universalen Anspruch.</p>
                <p>Angesichts dieser auffallenden Parallelen zwischen Scheidekunst und Bühnenkunst
                    mag es nicht weiter erstaunen, dass eine Reihe von alchemischen Schriften das
                        <hi rend="italics">Theatrum</hi> im Titel führt. Natürlich sind mit diesem
                    Etikett weder Theater als Spielort noch dramatische Textbücher gemeint, vielmehr
                    wollen die <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Bücher aus der Alchemie ein
                    metaphorisches Forum machen, wo der Leser als Zuschauer, der Alchemiker als
                    Regisseur und die Natur als Schauspieler bzw. Schauplatz fungieren. <hi
                        rend="italics">Theatrum</hi> könnte so als Transparenz-Metapher schlechthin
                    erscheinen, was aber gerade der Wissenssparte der Alchemie nicht gerecht würde,
                    zu deren Selbstverständnis es gehört, im Zeigen das Eigentliche zu
                    verheimlichen. Übertragen auf das herkömmliche Theater bedeutet dies, dass hier
                    der Vorhang oder die hinter den Kulissen verharrende Apparatur eine weitaus
                    tragendere Rolle spielen. </p>

            </div>
            <div type="section">
                <head>Transparenz und Opazität in Naturlehre und Buchkunde</head>
                <p>Magier, Geisterseher und Alchemisten setzten sich in besonderer Weise dem
                    Spannungsfeld von Transparenz und Opazität aus, wie auf dem Rembrandt-Stich <hi
                        rend="italics">Faust</hi> dargestellt ist (Abb. 3): <figure>
                        <head>Abb. 3</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/laube_3.jpg"/>
                        <figDesc>Rembrandt: <bibl><title>Faust</title></bibl> (1652)</figDesc>
                    </figure>Man sieht einen Gelehrten in seiner Stube, der auf eine Lichtquelle
                    starrt, in deren Zentrum ein kosmisches Diagramm zu erkennen ist. Licht, eine
                    zentrale Metapher der Aufklärung – und zwar als dekuvrierendes Licht –,
                    erscheint hier im Modus der Verschlüsselung. Was mag es nur bedeuten, fragt sich
                    der Betrachter. Magische Demonstrationen können nur dann ihre besondere Wirkung
                    entfalten, wenn ihr Kern tabu bleibt. Wie in der Religion die Theologen und
                    Priester, so nahmen sich auch die akribischen Sucher des Steines der Weisen vor,
                    Geheimnis und Offenbarung in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen, mit dem
                    Unterschied, dass letztere keinen Hehl daraus machten, das Geheimnis prinzipiell
                    schon innerweltlich lüften zu wollen. Überzeugt davon, dass die Weltverhältnisse
                    einst vollkommen durchsichtig gewesen seien, wollte der Alchemiker mit Hilfe
                    komplexer Operationen in diesen Urzustand zurück gelangen. Einer selbst
                    erzeugten Substanz, dem meist als rötliches Pulver beschriebenen philosophischen
                    Stein, wurde das Vermögen zugesprochen, die Stoffe, aus der die Welt besteht, zu
                    veredeln. Das Ziel bestand in ubiquitärer Transparenz und Erlösung, während der
                    beschwerliche und komplexe Weg dorthin mit Geheimlehren gepflastert war. Schon
                    der hieroglyphische Code, in dem das legendär überlieferte Urwissen der Alchemie
                    gespeichert war, spiegelte Opazität und Transparenz wider: undurchdringlich
                    waren diese Zeichen für denjenigen, der nicht den Schlüssel besaß, sie zu lesen.
                    Für den ausgebildeten Hermetiker stellten sie hingegen natürliche Zeichen dar,
                    die zur Welt in unmittelbarer Beziehung stehen. Dieses adamitische Wissen – es
                    hieß, dass Adam, der den Geschöpfen Namen gab, sie zu lesen verstand –, das auf
                    hermetischen Überlieferungswegen über die Sintflut und den Untergang der antiken
                    Kulturen hinweg bis in die Neuzeit gerettet worden sei, war Code und Köder
                    zugleich. Dem Geheimnis im Modus der Verschlüsselung standen vieldeutige, den
                    Ehrgeiz anstachelnde praktische Anweisungen gegenüber, mit deren Hilfe der Code
                    geknackt werden sollte. Wenn der Alchemist in seinem Labor arbeitete, sah sich
                    der Adept nicht nur als Entdecker, sondern auch als Erlöser und damit als
                    auserwählter Mitarbeiter, ja Partner Gottes und der Natur. Sobald es dem
                    Alchemisten gelang, den Stein der Weisen zu erzeugen, begegnete er der
                    göttlichen Weisheit, so das Ideal (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#schütt_alchemie_1997">Schütt 1997</ref></bibl>). Die Utopie,
                    die sich im Stein der Weisen verkörperte, wurde als verheißungsvoller Zielpunkt
                    mehrstufiger materieller und seelischer Läuterungsprozesse geschildert, wobei es
                    galt, von den undurchdringlichen Komplexitäten einer Welt befreit zu werden, die
                    stets spirituell und materiell verschränkt erschien. Mit dem <hi rend="italics"
                        >Lapis philosophorum</hi> avancierte der Alchemist zum Erlöser der Materie.
                    Ubiquitäre Transparenz strahlte schon das Alkahest aus, ein hypothetisches
                    Universal-Lösungsmittel, das jede Substanz, einschließlich Gold, aufzulösen
                    vermochte. Viele Alchemisten haben nach diesem Lösungsmittel gesucht. </p>
                <p>Von Transparenz und Opazität spricht schon der Kunsttheoretiker Arthur C.
                            <bibl><ref type="bibliography" target="#danto_transfiguration_1981"
                            >Danto</ref></bibl> in seiner klassischen Studie
                            <bibl><title>Transfiguration of the Commonplace</title></bibl> von 1981.
                    Er bezieht sich dabei auf die zeitgenössische Kunst: Gemälde können sehr
                    unterschiedlich sein, je nachdem ob bei ihnen nun die Opazität überwiegt oder
                    die Transparenz. Es gibt die Möglichkeit, dass Bilder ganz selbstvergessen in
                    der Illusionierung von etwas Dargestelltem aufgehen oder Bilder, die ihr
                    Gemachtsein betonen, was besonders bei der zeitgenössischen Kunst oft der Fall
                    ist. Man kann Dantos Theorie auch auf das Lesen von Büchern übertragen. Bücher
                    sind dann transparent, wenn Bücher in dem aufgehen, von dem sie inhaltlich
                    handeln – opak werden sie hingegen, wenn sie vornehmlich durch das bestimmt
                    sind, was sie stofflich konstituiert. In ein interessantes Sachbuch oder in
                    einen spannenden Roman steigt der Leser sofort ein, so dass man das Medium
                    buchstäblich übersieht, also das materielle Buch, das man stets in der Hand
                    halten muss, um in diese Welt zu gelangen. Ist hingegen ihr Inhalt sperrig, dann
                    verwandeln sich Bücher rasch in ein bloßes Ding, das man nicht ohne Befremden
                    ansieht. Sobald der Nutzer des Buches sich im Modus der verständigen Lektüre
                    befindet, ist alles Materielle am Buch opak, seine dingliche Seite, das Papier,
                    die Bindung, die Faktur des Druckauftrags etc. Je komplexer der Inhalt, desto
                    stärker fallen diese Gesichtspunkte ins Auge. Setzt man sich mit Büchern
                    magischer Geheimlehren auseinander, stößt man oft an die Grenzen seines
                    Verstandes. Bei allem Inhalt, bei allem in den Buchstaben verkörperten Sinn wird
                    gerade in diesem Genre <quote>stets ein Rest von Materie übrig bleiben, der
                        nicht in reinen Inhalt verdampft werden kann</quote> (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#danto_transfiguration_1981"
                        >Danto</ref></bibl>, S. 243). </p>

            </div>
            <div type="section">
                <head>Gedächtnisarchitektur als Magie der Bühne</head>
                <p>Lässt man sich in Wolfenbüttel die 1550 erschienene Abhandlung <ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/qun-139-2-1s/start.htm" type="wdb"
                                ><bibl><title>L‘Idea del Theatro</title></bibl></ref> von Giulio
                    Camillo (1480-1544) aushändigen, so hat man ein ganz unscheinbares Büchlein im
                    Taschenbuchformat vor sich (Abb. 4). <figure>
                        <head>Abb. 4</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/laube_4.jpg"/>
                        <figDesc>Titelseite von Giulio Camillo: <bibl><title>L‘Idea del Theatro</title></bibl> (Florenz 1550)</figDesc>
                    </figure>Kaum ein äußerliches Zeichen verweist auf
                    den <ref type="wdb" target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000188/start.htm"
                        >hochkomplexen Inhalt</ref>, der sich innerhalb der knapp hundert Seiten
                    verbirgt. Auch das <ref type="wdb"
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/qun-139-2-1s/start.htm?image=00003"
                        >Frontispiz</ref> könnte kaum harmloser sein. Man sieht ein Portal als
                    Bühnenbildrahmung. Figuren, die als Orpheus und Persephone gedeutet werden
                    können, schlüpfen in die Rolle von Karyatiden. Auf der Brüstung sitzen zwei
                    Putti, die gerade dabei sind, den Vorhang aufzurollen – sie geben den Blick frei
                    auf die Silhouette von Florenz. Titel und Name des Autors sind auf dem Vorhang
                    aufgedruckt. </p>
                <p>Camillo widmete sich zeit seines Lebens dem Entwurf und dem Bau eines
                    tatsächlichen Theaters, das das Wissen der Welt – in eigentümlicher
                    Verschränkung von Enzyklopädie und Magie – enthalten und vermitteln sollte.
                    Camillo wollte mit dem Theater eine Merkarchitektur für Redner errichten.
                    Schriftliche und vor allem bildliche Gedächtnishilfen sollten ihn in die Lage
                    versetzen, zu jedem möglichen Thema eine möglichst perfekte Rede
                    ciceronianischer Qualität zu halten. Camillo nutzte für seine hermetisierte
                    Gedächtniskunst die Merkmale eines wirklichen Theaters in der klassischen
                    vitruvianischen Version, kehrte aber entsprechend seiner mnemotechnischen
                    Zielsetzung die in einem Theater vorherrschenden Raumfunktionen um, indem bei
                    ihm der Zuschauer auf der Bühne steht, während auf den Zuschauerplätzen
                    Sinnbilder für alle Dinge der Schöpfung aufgestellt sind (Abb. 5). <figure>
                        <head>Abb. 5</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/laube_5.jpg"/>
                        <figDesc>Rekonstruktion des Gedächtnistheaters von Camillo </figDesc>
                    </figure>Frances
                            <bibl><ref type="bibliography" target="#yates_gedächtnis_1991"
                            >Yates</ref></bibl>, die durch ihr 1966 erschienenes Buch
                            <bibl><title>The Art of Memory</title></bibl> Camillos Wissenskonzeption
                    aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat, sieht in Camillos Konstrukt das Universum
                    verkörpert, ausgehend von der überhimmlischen Welt der Sefirot, Engel und
                    letztlich Gottes, über die himmlische Welt mit ihren Planeten bis zur irdischen
                    Welt, die in ihrer schöpferisch-materiellen Ordnung gezeigt wird. </p>
                <p>Camillo hat das große Buch, das er angeblich schreiben wollte und in dem er seine
                    ambitionierten Entwürfe der Nachwelt hätte überliefern können, nie geschrieben.
                    Er starb 1544 in Mailand, ohne einen Text veröffentlicht zu haben, hätte doch
                    die Drucklegung der von ihm entwickelten Gedanken seiner Arkanstrategie
                    widersprochen. Wie Hans Ulrich Gumbrecht hervorhebt, wehrte sich Camillo
                        <quote>gegen den Verlust des Körpers als Medium, den die überwiegend
                        gedruckte Präsenz des Autors zur Folge hatte</quote> (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#gumbrecht_media_1985"
                        >Gumbrecht</ref></bibl>, S. 214f.). Tatsächlich muss Camillo ein
                    performativer Meister des Live-Auftritts gewesen sein (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#keller-dall_heilsplan_2001"
                            >Keller-Dall‘Asta</ref></bibl>, S. 205f.). Nur weil Camillo kurz vor
                    seinem Tod einem Vertrauten einen Text diktiert hat, können wir uns heute ein
                    Bild von diesem Theater machen. Dieses hastig erstellte Diktat machte den Weg
                    frei, seine Gedanken zum Theater auch anderen verfügbar zu machen. Allein im 16.
                    Jahrhundert wurde die Theaterschrift 1550 separat und in den Jahren 1552, 1566,
                    1567, 1568, 1579, 1580 und 1584 im Rahmen der edierten gesammelten Werke
                    Camillos gedruckt. </p>
                <p>Camillo begibt sich mit seinem Gedächtnistheater auf eine Gratwanderung zwischen
                    Schweigegebot und Offenlegung, was auch an dualistischen Formulierungen
                    abzulesen ist wie <quote>con enigmi</quote> versus <quote>far publicamente
                        parole</quote>, <quote>cose invisibili</quote> versus <quote>cose
                        visibili</quote>, <quote>tacere</quote> versus <quote>revelare</quote>,
                        <quote>lingue degli angeli</quote> versus <quote>nostra bassa lingua</quote>
                    etc. (Camillo 1550, <ref type="wdb"
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/qun-139-2-1s/start.htm?image=00010">S.
                        8ff.</ref>) Er ist sich durchaus bewusst, dass er sich mit seiner – zudem
                    auch noch in italienischer Sprache präsentierten – Theateridee in die Tradition
                    von Geheimnisverrätern stellen könnte, und erinnert an Maria Hebraica, die als
                    Schwester des Moses über alchemo-kabbalistische Kenntnisse verfügt und sich der
                    Weitergabe göttlich geoffenbarten Wissens schuldig gemacht haben soll. Ein
                    wahrer Hüter jener heiligen Dinge, die er von Gott gezeigt bekam, sei jedoch
                    Moses gewesen, den man <quote>fedel ministro suo</quote> (ebd., <ref type="wdb"
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/qun-139-2-1s/start.htm?image=00011">S.
                        9</ref>) nennen würde. Nicht zuletzt weil die höchsten, dem Mose zuteil
                    gewordenen Offenbarungen in der Kabbala geheim gehalten würden, spielt diese
                    mystische jüdische Tradition in Camillos <hi rend="italics">Theatrum</hi> eine
                    tragende Rolle. </p>
                <p>Camillo errichtet sein Gedächtnistheater in der geistigen Welt eines Marsilio
                    Ficino (1433-1499) und Pico della Mirandola (1463-1494) und versetzt die
                    klassische Gedächtniskunst damit in die okkulte Tradition. In dieser Welt nimmt
                    der Mensch mit seinem nach dem Bilde Gottes geschaffenen Geist zunächst die
                    Mittelstellung ein, der sich aber durch eigene Einsicht sowie durch magische
                    Praktiken aus Hermetik und Kabbala die Vielschichtigkeit der Welt einverleiben
                    könne. Voraussetzung ist, in eine Position des Überblicks zu gelangen. Die
                    Theaterkonstruktion stellt für Camillo nun ein Medium dar, eine derartige
                    gottgleiche Vogelperspektive einzunehmen: </p>
                <p> </p>
                <p><quote>Questa alta et incomparabile collocatione fa non solamente officio di
                        conservarci le affidate cose, parole, et arte, che a man salva ad ogni
                        nostro bisogno informati prima le potremo trovare; ma ci da anchor la vera
                        sapienza, ne fonti di quella venendo noi in cognition delle cose dalle
                        cagioni, et non da gli effetti. Ilche piu chiaramente esprimeremo con uno
                        esempio. Se noi fossimo in un gran bosco, et havessimo desiderio di ben
                        vederlo tutto, in quello stando, al desiderio nostro non potremmo sodisfare:
                        percioche la vista intorno volgendo, da noi non se ne potrebbe veder, se non
                        una picciola parte, impedendoci le piante circonvicine il veder delle
                        lontane: ma se vicino a quello vi fosse una erta, la qual ci conducesse
                        sopra un’alto colle, del bosco uscendo, dall’erta cominciaremo a veder in
                        gran parte la forma di quello; poi sopra il colle ascesi, tutto intiero il
                        potremmo raffigurare. Il bosco è questo nostro mondo inferiore, la erta sono
                        i Cieli; et il colle il sopraceleste mondo. Et a voler bene intender queste
                        cose inferiori, è necessario di ascendere alle superiori: et di alto in giu
                        guardando, di queste potremo haver piu certa cognitione.</quote>
                        (<quote>Diese hohe und unvergleichliche Anordnung erfüllt nicht nur die
                        Aufgabe, für uns die Dinge, Wörter und Künste zu bewahren, die wir ihm
                        übergeben, so dass, wann immer wir sie brauchen, wir sie auf einmal finden
                        können, sondern sie gibt uns auch die wahre Weisheit, aus deren Quellen wir
                        zur Erkenntnis der Dinge ihrer Ursache, nicht nur ihren Wirkungen nach
                        gelangen. Dies lässt sich vielleicht durch das folgende anschaulicher zum
                        Ausdruck bringen: Wenn wir uns in einem riesigen Wald befinden würden und
                        dessen ganze Ausdehnung sehen wollten, würde uns dies von einer Position
                        innerhalb nicht gelingen, denn unsere Sichtweite wäre durch die uns
                        unmittelbar umgebenden Bäume auf einen kleinen Teil begrenzt, was uns am
                        Blick auf die fernere Ansicht hindern würde. Gäbe es aber in der Nähe dieses
                        Waldes einen Hang, der zu einem hohen Hügel führte, dann könnten wir, wenn
                        wir den Wald verlassen und den Hang hinaufsteigen, einen großen Teil von der
                        Form des Waldes sehen, und vom Gipfel des Hügels aus könnten wir ihn dann
                        ganz sehen. Der Wald ist unsere niedere Welt, der Hang ist der Himmel, der
                        Hügel ist die überhimmlische Welt. Und um die Dinge der unteren Welt zu
                        verstehen, muss man zu den höheren Dingen aufsteigen, von wo man dann, wenn
                        man von oben herabblickt, eine sicherere Erkenntnis der niedrigen Dinge
                        haben kann</quote>, Camillo, <ref type="wdb"
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/qun-139-2-1s/start.htm?image=00013">S.
                        11f.</ref>, Übs. bei <bibl><ref type="bibliography"
                            target="#yates_gedächtnis_1991">Yates</ref></bibl>, S. 133) </p>
                <p> </p>
                <p>Das Theater bietet also eine Ansicht der Welt und der Natur der Dinge, wie sie
                    sich vom Gipfel, von den überhimmlischen Quellen der Weisheit, die sich noch
                    jenseits der Sterne befinden, darbietet. Gerade weil Camillo an die Göttlichkeit
                    des Menschen glaubt, erhebt er den ungeheuren Anspruch, er könne das Universum
                    durch einen Blick von oben, von den ersten Ursachen her, als ob er Gott wäre, in
                    Erinnerung behalten. In dieser Atmosphäre gewinnt die Beziehung zwischen dem
                    Menschen – dem Mikrokosmos – und der Welt – dem Makrokosmos – eine neue
                    Bedeutung: Der Mikrokosmos kann den Makrokosmos durch seine göttliche
                        <quote>mens</quote> nicht nur durchschauen, sondern auch vollständig im
                    Gedächtnis abspeichern. </p>
                <p>Kontrovers wird bis heute die Frage diskutiert, ob die Wissensvermittlung des
                    Camillo‘schen Theaters eher transparent oder opak, das heißt eher enzyklopädisch
                    oder magisch geprägt gewesen ist. Frances Yates ist der Auffassung, dass für
                    Camillo magische Wirkungen wesentlich waren (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#yates_gedächtnis_1991">Yates</ref></bibl>, S. 141f.). Andere
                    Forscher widersprechen dieser Deutung entschieden und betonen die
                    enzyklopädische Ausrichtung, das Weltwissen in übersichtlicher Form zur
                    Darstellung zu bringen – als Ordnungssystem, Bibliothek oder Museum (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#matussek_gedächtnistheater_2000"
                            >Matussek</ref></bibl>; <bibl><ref type="bibliography"
                            target="#bolzoni_sammeln_1994">Bolzoni</ref></bibl>). Dann bleibt es
                    aber ein Rätsel, warum Camillo ein universalwissenschaftliches Ablagesystem im
                    Stil einer Suchmaschine <hi rend="italics">avant la lettre</hi> so stark
                    verschlüsselte. </p>

            </div>
            <div type="section">
                <head>Alchemische <hi rend="italics">Theatra</hi> – ein Projekt von Multiplikatoren
                    des Wissens</head>
                <p>Im Zeigen von Rätsel, Symbol und Allegorie wurde in alchemischen Kreisen ein
                    Wissen publik gemacht und gleichzeitig geheim gehalten. Alchemiker übertrafen
                    sich gegenseitig darin, in der Rede zu schweigen: <quote>Ubicunq aperti locuti
                        sumus ibi nihil diximus. Sed ubi sub aenigmate aliquid posuimus et figuris,
                        ibi veritatem occultavimus.</quote> (<quote>Wo immer wir offen gesprochen
                        haben, haben wir (eigentlich) nichts gesagt. Aber wo wir etwas verschlüsselt
                        haben, dort haben wir die Wahrheit verhüllt</quote>, (Rosarium, S. 70f.,
                    Übs. bei <bibl><ref type="bibliography" target="#telle_rosarium_1992"
                            >Telle</ref></bibl>, Bd. 2, S. 64) heißt es bei Geber Latinus im
                    Rosarium Philosophorum, einem Sammelwerk alchemischer Exzerpte aus dem 14.
                    Jahrhundert. In diesen philosophischen Rosengarten zu gelangen, war nicht so
                    einfach. Eine emblematische Darstellung (Abb. 6) in Michael Maiers
                    <bibl><title>Atalanta Fugiens</title></bibl> (1618)<figure>
                        <head>Abb. 6</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/laube_6.jpg"/>
                        <figDesc>Emblem XXVII, in: Michael Maier: <bibl><title>Atalanta Fugiens</title></bibl> (1617)</figDesc>
                    </figure> zeigt einen
                    amputierten Menschen entsprechend der Devise <quote>Wer in den Philosophischen
                        Rosengarten will gehen ohne den Schlüssel, ist gleich einem Manne, der gehen
                        will ohne Füße.</quote> (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#maier_cabinet_2007">Maier 2007</ref></bibl>, S. 79, Emblema
                    XXVII) </p>
                <p>Seit der Antike stellt die Alchemie das Geheimnis in den Mittelpunkt ihrer
                    geistigen und praktischen Anstrengungen. Zahlreiche Schriften führen Signalworte
                    wie <quote>secreta</quote>, <quote>mysterium</quote>, <quote>aenigma</quote>
                    oder <quote>arcana</quote> im Titel (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#bachmann_alchemie_1999">Bachmann/Hofmann</ref></bibl>, S.
                    9ff.): Die bekannte Handschrift des arabischen Alchemisten Al-Razi (Rhazes)
                    (864-925) aus dem 10. Jahrhundert kursierte unter dem lateinischen Titel
                            <bibl><title>Secretum Secretorum</title></bibl>. Michael Maier
                    (1569-1622) verfasste 1614 die Abhandlung <bibl><title>Arcana
                            Arcanissima</title></bibl>. Die Suche nach dem Stein der Weisen schien
                    nur dann aussichtsreich, wenn man im performativen Rahmen des Zeigens und Redens
                    die Tugend der Verschwiegenheit beherrschte. Bei Leonhard Thurneysser
                    (1531-1596) sitzt die Alchemie als Frau Heimlichkeit in ihrer Stube,
                    Vorhängeschlösser versperren Mund, Wandschrank und Truhe (Abb. 7). <figure>
                        <head>Abb. 7</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/laube_7.jpg"/>
                        <figDesc>Die Verschwiegenheit, in: Leonhard Thurneysser: <bibl><title>Quinta
                                    Essentia</title></bibl> (Münster 1570).</figDesc>
                    </figure>Umgeben ist sie von alten Folianten, aus denen sie ihr Geheimwissen
                    schöpft. In der rechten Hand hält sie vielsagend einen gigantischen Schlüssel.
                    Es dauert nicht mehr lange und die zur Schweigsamkeit gezwungene Personifikation
                    beginnt zu reden: <quote>Ich schrey und ruff mit heller Stimm, O menschlich
                        Geschlecht mein red vernim, Ewre ohrn zu hörn seyen bereit, Ich bin die
                        ewige Heimligkeit.</quote> (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#thurneysser_quinta_essentia_2007">Thurneysser</ref></bibl>, S.
                    26) Auch die Rede gehört in der alchemischen Tradition zum Repertoire
                    verschiedenster Zeigepraktiken, die letztlich alle die Funktion haben abzulenken
                    bzw. das Geheimnis zu bewahren. Die beste Methode war es, die Geheimlehren nur
                    mündlich den vertrauenswürdigsten Schülern weiterzugeben. Aber das reichte
                    nicht. Nach dem Lehrsatz <quote>Du mußt alles selber machen</quote> kann eine
                    Anleitung nicht vollständig vorgesagt bzw. vorgeschrieben werden (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#gebelein_alchemie_1996"
                        >Gebelein</ref></bibl>, S. 85). Alchemie ist zu einem nicht geringen Teil
                    Improvisation, das heißt, sie schießt über die Semantik, wie sie sich in Büchern
                    festgeschrieben hat, hinaus. Alchemische Texte erinnern an Partituren der Frühen
                    Neuzeit, die stets lückenhaft blieben und von Musikanten aus dem Stegreif
                    ergänzt werden mussten. </p>
                <p>Obwohl sich im Sagbaren das Geheimnis nicht erschöpfen kann, entstand im 17.
                    Jahrhundert eine Reihe von voluminösen Kompendien zur Alchemie. Ihre Initiatoren
                    waren meist Verleger, deren Geschäft es war, Wissen verfügbar zu machen, es zu
                    multiplizieren. Lazarus Zetzner, Buchdrucker aus Straßburg, brachte 1602 das
                        <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000058/start.htm" type="wdb"
                                ><bibl><title>Theatrum Chemicum</title></bibl></ref> heraus,
                    zunächst in drei Bänden. Bei jeder Neuauflage erweitert, wurde es Anfang der
                    1660-er Jahre in sechs Bänden vertrieben. Nicht nur zu seiner Zeit, sondern auch
                    in den darauf folgenden Jahrhunderten stellt das <bibl><title>Theatrum
                            Chemicum</title></bibl> das mit Abstand umfassendste Sammelwerk zur
                    Alchemie dar. Allenfalls die 1702 von Jean Jacques Manget (1652-1645)
                    herausgegebene <bibl><title>Bibliotheca Chemica Curiosa</title></bibl> konnte
                    mit ihm konkurrieren. Am Ende befinden sich in der Kompilation <bibl><title>Theatrum Chemicum</title></bibl> 190 alchemische Traktate –
                    von im arabischen Raum zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert entstandenen
                    Schriften bis zu Texten aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Zetzner war Anhänger
                    einer universellen Wissenschaftsauffassung. Ihm verdankt die frühneuzeitliche
                    Wissenswelt eine wichtige Zusammenstellung der philosophischen Werke von
                    Raymondus Lullus (1232-1315), zudem legte er die gesamten Werke von Paracelsus
                    (1493-1541) neu auf, und zwar in der Originalsprache Deutsch. Zetzner, der eine
                    überdurchschnittliche Rezeption garantierte – er verfügte über Filialen in Köln
                    und Frankfurt am Main, zeitweilig auch in Oberursel, Montbéliard und Basel –,
                    hatte auch ein kommerzielles Gespür für alchemisches Gedankengut (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#sturlese_zetzner_1991"
                        >Sturlese</ref></bibl>). Indikator des Erfolgs dieses Werks ist allein die
                    Tatsache, dass der Titel gleichsam als verkaufsfördernde Marke von anderen
                    Verlagen übernommen werden sollte, so von Elias Ashmole (1617-1692) in seinem
                        <ref type="wdb" target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000100/start.htm"
                                ><bibl><title>Theatrum Chemicum Britannicum</title></bibl></ref>
                    (1652) oder Friedrich Roth-Scholz (1687-1736) in seinem <ref
                        target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000060/start.htm" type="wdb"
                                ><bibl><title>Deutschen Theatrum Chemicum</title></bibl></ref>
                    (1728). Auch das <ref
                        target="http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10288834-6l"
                                ><bibl><title>Theatrum Sympatheticum</title></bibl></ref> von 1660
                    wäre zu nennen. </p>
                <p>Die erste dreibändige Ausgabe von Zetzners <hi rend="italics">Theatrum</hi> im
                    Jahre 1602 scheint mäzenatisch von Friedrich I., Herzog von Württemberg
                    (1557-1608), gefördert worden zu sein. Ihm, der in seinem Schloss in Stuttgart
                    ein Laboratorium und eine wichtige Bibliothek einrichtete und dem zahlreiche
                    Alchemiker zuarbeiteten, ist das <bibl><title>Theatrum Chemicum</title></bibl>
                    gewidmet (Zetzner, Bd. 1, Widmung, unpag [<ref
                        target="http://digital.slub-dresden.de/id277991331/5">S. 1</ref>]). Für die
                    um einen Band erweiterte Neuausgabe seiner Anthologie im Jahre 1613 stellte
                    Lazarus Zetzner den Alchemiker Benedictus Figulus (1567-1619) in seinen Dienst,
                    der für Zetzner bereits einzelne Schriften von Paracelsus herausgegeben hatte.
                    Figulus konzipierte drei neue Bände unter dem mystisch anmutenden Titel
                            <bibl><title>Chrysotheatrum Novellum et Benedictum Divitiis Aurei Seculi
                            Praesentis affatim triumphans</title></bibl> (Neues und gesegnetes
                    Theater des Goldes, ausstrahlend von den opulenten Reichtümern des gegenwärtigen
                    goldenen Zeitalters). Die Publikation von 24 Beiträgen war bereits anvisiert,
                    als die Obrigkeit gegen die pansophische Bewegung der Rosenkreuzer vorging, so
                    dass Figulus Straßburg abrupt verlassen musste. Zetzner veröffentlichte die
                    Neuausgabe dennoch. Darin kündigt er ein <bibl><title>Theatrum
                            Chemicum-Medicum</title></bibl>, das die so genannte Iatrochemie
                    beinhaltet hätte, sowie auch einen fünften Band seines <bibl><title>Theatrum
                            Chemicum</title></bibl> an. Zetzner appelliert im Vorwort des vierten
                    Bandes an alchemische Kreise, ihm relevante Texte zukommen zu lassen (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#kahn_alchimie_2007">Kahn 2007</ref></bibl>,
                    S. 119f.). Nach dem Tod Zetzners im Jahr 1616 veröffentlichten seine Erben 1622
                    eine dritte Ausgabe des <bibl><title>Theatrum Chemicum</title></bibl>. Darin
                    wurde ein <ref target="http://digital.slub-dresden.de/id278002757">fünfter
                        Band</ref> hinzugefügt, herausgegeben vom Straßburger Mathematik- und
                    Astronomieprofessor Isaac Habrecht (1589-1633), dem Figulus seine Papiere
                    hinterlassen hatte. 1659 veranlasste der Erbe von Lazarus Zetzner, Eberhard
                    Zetzner, den Druck einer <ref target="http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-8312"
                        >vierten Auflage</ref>, die 1661 um einen <ref
                        target="http://www.e-rara.ch/cgj/content/pageview/2463994">sechsten
                        Band</ref> vermehrt wurde. Dieser Band präsentiert hauptsächlich lateinische
                    Übersetzungen von alchemischen Traktaten, die Johann Jacob Heilmann verfertigte
                    – von Traktaten, die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zunächst auf
                    Deutsch oder Französisch erschienen waren. </p>
                <p>Das <bibl><title>Theatrum Chemicum</title></bibl> reagiert auf das Bedürfnis
                    alchemieinteressierter Kreise, die Gesamtheit glaubwürdiger Autoren auf diesem
                    Gebiet zu versammeln, damit durch kundigen Vergleich die wahre Doktrin
                    herausgefiltert werden könne. Buchdrucker waren es, die die miteinander
                    konkurrierenden hermetisch-arkanen Zugänge zur Natur zwischen zwei Buchdeckel
                    pressten, so dass ein vergleichender Blick möglich war, womit schon gesagt ist,
                    worin sich hier die Bedeutung des Terminus <hi rend="italics">Theatrum</hi> im
                    Titel in erster Linie erschöpft. Nach dem Vorbild von Zetzners Werk übernahm
                    auch Friedrich Roth-Scholtz, der wie Zetzner die Profession eines Buchhändlers
                    ausübte, diese Formel in seinem 1728 erschienenen <ref
                        target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000060/start.htm" type="wdb"
                                ><bibl><title>Deutschen Theatrum Chemicum</title></bibl></ref>.
                    Transparenz signalisiert dieses Werk nicht nur durch die <hi rend="italics"
                        >Theatrum</hi>-Metapher im Titel, sondern auch dadurch, dass die dortigen Traktate der Alchemie oft erstmals auf Deutsch abgedruckt sind, denn die Texte
                    wollten in ihrer Rätselhaftigkeit inzwischen wenn nicht verstanden, so doch in
                    vertrauter Sprache rezipiert werden. </p>
                <p> </p>
                <p>Ein Multiplikator des Wissens war auch Elias Ashmole, der 1652 sein berühmtes
                        <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000100/start.htm" type="wdb"
                                ><bibl><title>Theatrum Chemicum Britannicum</title></bibl></ref>
                    veröffentlichte. Ashmole stieg zu einem bekannten Wissenschaftler, Rechtsanwalt,
                    Alchemisten, Astrologen und leidenschaftlichen Sammler auf. Das noch heute
                    bestehende Ashmolean Museum in Oxford verdankt sich nicht zuletzt seiner
                    Sammelstrategie. Lebhaft interessierte sich Ashmole für wissenschaftliche
                    Entdeckungen und begrüßte neue experimentelle Methoden, gerade auf den
                    kryptischen Feldern von Astrologie und Alchemie. Das <ref
                        target="http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-8310"><bibl><title>Theatrum
                                Chemicum Britannicum</title></bibl></ref> macht Opakes transparent –
                    als Anthologie poetischer Verse zur Alchemie, die zuvor in Form von privat
                    aufbewahrten Manuskripten kaum zugänglich gewesen waren. Es ist bekannt, dass
                    Ashmole von William Backhouse (1593-1662), der in Swallowfield bei Reading ein
                    aus Raritäten und Erfindungen bestehendes Kabinett besaß, in die Geheimnisse der
                    Alchemie eingeweiht wurde. Backhouse trug zu Ashmoles <bibl><title>Theatrum
                            Chemicum Britannicum</title></bibl> unter dem Titel <ref
                        target="http://www.e-rara.ch/cgj/content/pageview/2211261"><bibl><title>The
                                Magistery</title></bibl></ref> ein Poem bei. Er ist wahrscheinlich
                    einer von den zahlreichen <quote>worthy and intimate friends</quote> (Ashmole,
                        <quote>Prolegomena</quote>, unpag. [<ref
                        target="http://www.e-rara.ch/cgj/content/pageview/2208894">S. 10</ref>]),
                    die Ashmole mit Originalmanuskripten und authentischen Abschriften versorgten,
                    damit sie in seinem <bibl><title>Theatrum Chemicum Britannicum</title></bibl>
                    veröffentlicht würden, ohne dass sie dabei namentlich genannt zu werden
                    wünschten. </p>
                <p>Wie das Jahrzehnte zuvor bei Lazarus Zetzner in Straßburg anonym erschienene
                            <bibl><title>Theatrum Chemicum</title></bibl> verknüpft auch Ashmole die
                    Alchemie als Geheimlehre der Natur schlechthin mit der sich aus Überblick und
                    Transparenz speisenden <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Metapher. Auf dem
                    schmalen Grat zwischen Arkanum und Transparenz, Verbergen und Offenlegung
                    wandelnd, gesteht er ein: <quote>I must professe I know enough to hold my
                        Tongue, but not enough to Speake; and the no lesse Reall then Miraculous
                        Fruits I have found in my diligent enquiry into these Arcana, lead me on to
                        such degrees of Admiration, they command Silence, and force me to lose my
                        Tongue.</quote> (Ashmole, <quote>Prolegomena</quote>, unpag. [<ref
                        target="http://www.e-rara.ch/cgj/content/pageview/2208889">S. 5f.</ref>])
                    Wie das <ref target="http://www.e-rara.ch/cgj/content/pageview/2211214"
                        >Titelblatt</ref> zeigt, veröffentlicht Ashmole das <hi rend="italics"
                        >Theatrum</hi> unter seinem Namen mit dem Zusatz <ref
                        target="http://www.e-rara.ch/cgj/content/pageview/2211214">Qui est
                        Mercuriophilus Anglicus</ref>. Er betrachtete sich also als eine
                    Verkörperung der Einflüsse, die dem Planeten Merkur zugeschrieben wurden, und
                    damit als eine Person, die prädestiniert zum Adepten ist. Ashmole blieb
                    realistisch genug, seine Kompetenz dabei nicht zu überschätzen. Er verstand sich
                    eher als ein Sammler alchemischer Abhandlungen und weniger als jemand, der die
                    Alchemie tatsächlich praktizierte und perfekt beherrschte. Wenn er auch die
                    Umwandlung von Metallen zu Gold mit Hilfe des <hi rend="italics">Lapis
                        philosophicum</hi> für eine unbestrittene Tatsache hielt, warnte er zugleich
                    davor, die Transmutation zum Kern alchemistischer Tätigkeit zu erheben. Weitaus
                    bedeutender sei es, durch eine Einwirkung auf die Natur Krankheiten zu
                    überwinden und Kontakt mit der spirituellen Ebene aufzunehmen. </p>
                <p> </p>
                <p>Eine magische Heilung, die damals die Gemüter erhitzte, steht im Mittelpunkt des
                        <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000184/start.htm" type="wdb"
                                ><bibl><title>Theatrum Sympatheticum Auctum</title></bibl></ref>,
                    das 1662, also wenige Jahre nach Ashmoles Publikation, in Nürnberg erschien.
                    Viele waren davon überzeugt, dass das so genannte sympathetische Pulver bzw. die
                    Waffensalbe aus der Ferne heilen könne, indem die Waffe, die die Wunde
                    geschlagen hat, oder bisweilen nur das Tuch, mit dem die Wunde gesäubert wurde,
                    mit einer besonderen Tinktur behandelt wurde. Das Für und Wider der Waffensalbe
                    wurde im besonderen philosophisch-kulturellen Umfeld zu Beginn des 17.
                    Jahrhunderts diskutiert, in einer Zeit, die ebenso gewalttätig wie von
                    religiösen Konflikten geprägt war. Die Waffensalbe – <ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/30-4-med/start.htm?image=00007"
                        type="wdb"><quote>unguentum armarium</quote></ref> – erhielt ihren Namen von
                    ihrem Anwendungsgebiet her – der kriegerischen Auseinandersetzung mit Waffen.
                    Sie war populär in einer Zeit, als Mann gegen Mann kämpfte und Hieb- und
                    Stichwunden an der Tagesordnung waren. Der Gedanke, per Fernwirkung heilen zu
                    können, muss auf die Zeitgenossen eine große Faszination ausgeübt haben. </p>
                <p>Auf mehr als 700 eng bedruckten Seiten vereinigt das Kompendium 26 Traktate zur
                    Waffensalbe, unter anderem mit Texten von <ref
                        target="http://digital.slub-dresden.de/id277332796/84">Kenelm Digby</ref>
                    (1603-1665), <ref target="http://digital.slub-dresden.de/id277332796/579"
                        >Athanasius Kircher</ref> (1602-1680), <ref
                        target="http://digital.slub-dresden.de/id277332796/519">Robert Fludd</ref>
                    (1574-1637) oder auch <ref
                        target="http://digital.slub-dresden.de/id277332796/625">Hermann
                        Conring</ref> (1606-1681). Mit Ausnahme von <ref
                        target="http://digital.slub-dresden.de/id277332796/662">Fracastoro</ref>
                    (1478-1553) stammen alle Autoren aus dem 17. Jahrhundert. Herzstück des
                            <bibl><title>Theatrum Sympatheticum Auctum</title></bibl> sind mehrere
                    Traktate aus einer polemischen Kontroverse, in die der calvinistische Marburger
                    Professor für Physik, Medizin und Mathematik <ref
                        target="http://digital.slub-dresden.de/id277332796/189">Rudolf Goclenius der
                        Jüngere</ref> (1572-1621) und der jesuitische Theologe <ref
                        target="http://digital.slub-dresden.de/id277332796/321">Johannes
                        Roberti</ref> (1569-1651) involviert waren. Fürsprecher der Waffensalbe war
                    Goclenius, der unter Magie eine dämonenfreie, wenngleich eng mit der Astrologie
                    verbundene <quote>magia naturalis</quote> verstand (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#müller-jahncke_waffensalbe_1993"
                            >Müller-Jahncke</ref></bibl>; <bibl><ref type="bibliography"
                            target="#ziller_alchemy_2001">Ziller Camenietzki</ref></bibl>). Die
                    Heilwirkung der Salbe, die er mit einem Magneten verglich, sei letztlich
                    astralen Ursprungs und drücke die Korrelation von weltlichen Dingen und
                    göttlichem Geist aus. Kontrahent von Goclenius war Roberti, der ihm Idolatrie,
                    Nekromantie und Blasphemie vorwarf, da er diabolische Handlungen zu göttlichen
                    Operationen verkläre. </p>
                <p>Man könnte meinen, <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Werke seien zwangsläufig
                    reich illustriert. Dem ist aber nicht so. Im <bibl><title>Theatrum Sympatheticum
                            Auctum</title></bibl> verfügt nur <ref
                        target="http://digital.slub-dresden.de/id277332796/137">eine Seite</ref>
                    über Abbildungen. Zetzners voluminöses Werk von insgesamt mehr als 5.000 Seiten
                    ist sehr sparsam mit Abbildungen versehen, und dann auch nur mit einfachen
                    Holzschnitten. Einen kunstvollen Kupferstich sucht man vergebens. Etwas anders
                    sieht es in Ashmoles Werk aus. Die Signatur <quote>Ro: Vaughan. Sculp</quote>
                    auf den dort abgedruckten Kupferstichen verweisen auf den Künstler, auf Robert
                    Vaughan (1600-1664). Insbesondere der längste Text im Buch, Thomas Nortons <ref
                        target="http://www.e-rara.ch/cgj/content/pageview/2211218"
                                ><bibl><title>Ordinall of Alchimy</title></bibl></ref>, zieren
                    Stiche dieses viel beschäftigten Kupferstechers aus Wales. Sie gelten als die
                    frühesten Reproduktionen von Miniaturen mittelalterlicher Handschriften
                            (<bibl><ref type="bibliography" target="#josten_ashmole_1966"
                            >Josten</ref></bibl>, unpag.). </p>

            </div>
            <div type="section">
                <head>Retrospektive als Legitimationsinstanz</head>
                <p>Gerade in der Alchemie ist Traditionspflege sehr ausgeprägt, gilt es
                    doch, die Methoden und Experimente der Alten präzise nachzuahmen und nicht der
                    Neuerungssucht zu verfallen. Da die Alchemie ihrem Wesen nach nicht Neues
                    entdecken kann, sondern nur die von den ‚alten Meistern‘ gefundenen Wege erneut
                    beschreiten wollte, war das Vertrauen auf die Glaubwürdigkeit mythischer bzw.
                    historischer Autoritäten groß. Auf einem <ref
                        target="http://www.e-rara.ch/cgj/content/pageview/2208942">Kupferstich</ref>
                    von Robert Vaughan im <bibl><title>Theatrum Chemicum Britannicum</title></bibl>
                    (Abb. 8) <figure>
                        <head>Abb. 8</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/laube_8.jpg"/>
                        <figDesc>Robert Vaughan: Kupferstich, in: Elias Ashmole: <bibl><title>Theatrum Chemicum Britannicum</title></bibl> (London 1652), S. 45</figDesc>
                    </figure>sieht man hinter einer Balustrade im Obergeschoss die bedeutendsten
                    Alchemisten der Vergangenheit – Geber, Arnold von Villanova, Rhazes und Hermes
                    Trismegistos –, während sich im Untergeschoss der alchemistische Nachwuchs in
                    Experimenten versucht. Die hier zum Ausdruck kommende Referenz auf ein Goldenes
                    Zeitalter stellt ein Strukturmerkmal alchemischer Praxis dar (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#sheppard_alchemy_1972"
                        >Sheppard</ref></bibl>). Dieser Topos prägt auch das durch Egidius de
                    Sadeler gestaltete <ref
                        target="http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10220387_00005.html"
                        >Titelkupfer</ref> des chemiatrischen Standardwerks Basilica Chymica
                    (Frankfurt 1611) von Oswald Croll (um 1560-1608). Auf sechs Porträtmedaillons
                    sind sechs große Alchemisten abgebildet, aus Ägypten Hermes Trismegistos, aus
                    Arabien Geber, aus Rom Morienus, aus England Roger Bacon, aus Spanien Raymundus
                    Lullus und aus Deutschland Paracelsus. Allesamt rahmen sie rätselhafte
                    Kreisdiagramme ein (Abb. 9). <figure>
                        <head>Abb. 9</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/laube_9.jpg"/>
                        <figDesc>Titelseite von Oswald Croll: <bibl><title>Basilica Chymica</title></bibl> (Frankfurt/Main 1611) </figDesc>
                    </figure></p>
                <p>Grundsätzlich gilt für alchemische Texte der Leitsatz: Je älter desto besser.
                    Autoren alchemischer Schriften berufen sich stets auf alte Autoritäten, denn es
                    galt als unstrittig, dass früher das Wissen größer gewesen sei. Auf diese Weise
                    erhalten die Werke eine eigenartige Ausstrahlung des immer schon Gewussten. Bis
                    in das 18. Jahrhundert war man überzeugt, das Wissen sei vor der Sintflut größer
                    gewesen als danach, denn bei der globalen Überschwemmung ging dieses Wissen, das
                    Adam von Gott direkt eingeflößt worden war, wegen der Sündhaftigkeit der
                    Menschen verloren. Spuren dieses adamitischen Wissens hätten sich aber noch
                    erhalten auf der <hi rend="italics">Tabula Smaragdina</hi>. Die Hermes
                    Trismegistos zugeschriebene, ursprünglich wohl griechische, später in
                    lateinischer Fassung verbreitete Sammlung von wenigen auslegungsbedürftigen
                    Sätzen wurde in hermetischen Kreisen wie eine Bibel verehrt. Hermes Trismegistos
                    soll als Inkarnation des adamitischen Urwissens der Weiseste unter den Ägyptern
                    gewesen sein. ‚Hermes Trismegistos‘ bedeutet ‚dreimal größter Hermes‘: Der erste
                    Hermes habe das Urwissen vor der Sintflut in Hieroglyphen niedergeschrieben;
                    nach der Flut seien diese in die griechische Sprache übersetzt, vom zweiten
                    Hermes in Büchern zusammengestellt und in den Tempeln Ägyptens niedergelegt
                    worden. Moses habe schließlich als dritter Hermes die Geheimlehre an die Kinder
                    Israels weiter gegeben. </p>
                <p>Orientierungspunkt des konsequenten Zurückblickens stellte nicht nur diese
                    mythische Urzeit dar, sondern auch das historische Hochmittelalter, eine Zeit,
                    in der das so lange verschüttete Wissen freigelegt und tradiert werden konnte.
                    Mit den muslimischen Kontakten zu Europa vor allem in Spanien, aber auch in
                    Süditalien und Sizilien, gelangte die abendländische Alchemie, gekleidet im
                    arabischen Gewand, ins lateinische Mittelalter. Die arabischen <hi
                        rend="italics">Alchemica</hi> erzeugten einen lebhaften Widerhall im
                    arabisch besetzten Spanien, wo um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein
                    regelrechter Übersetzungsboom ausbrach. Wenn auch die arabischen Texte meist aus
                    griechischen Handschriften hervorgegangen sind, die man zum großen Teil im
                    byzantinischen Raum im Original hätte zur Kenntnis nehmen können, offenbart sich
                    in der Übertragung alchemischer Texte ein bisher kaum in allen Einzelheiten
                    gewürdigter Wissenstransfer zwischen islamischer und christlicher Welt. </p>
                <p>Das Mittelalter stellte eine Hochzeit der Alchemie dar (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#haage_alchemie_1996">Haage</ref></bibl>).
                    Dementsprechend endet Edmund Oskar von Lippmanns Standardwerk
                            <bibl><title>Entstehung und Ausbreitung der Alchemie</title></bibl> von
                    1919 mit dem 13. Jahrhundert, der <quote>Alchemie nach 1300</quote> im fünften
                    Abschnitt widmete der Autor nur noch wenige Seiten. Dabei ist auch noch im 15.
                    Jahrhundert eine alchemistische Konjunktur zu beobachten. Viel Platz räumt
                    Ashmole in seinem <hi rend="italics">Theatrum</hi> zwei damals lebenden
                    Alchemisten ein, Thomas Norton (1422-1514), der zum privaten Beraterkreis des
                    englischen Königs Edward IV. gehörte, und George Ripley (1415-1490), der als
                    Augustinermönch in englischen Klöstern seine Kunst praktizierte – vielleicht ein
                    Indiz, dass die große Zeit der Alchemie zum Zeitpunkt, als Ashmoles Abhandlung
                    erschien, bereits vorbei war. Ashmole sah in Ripley einen authentischen Adepten.
                    So habe er 1471 alle seine früheren Schriften mit der Begründung vernichtet,
                    erst jetzt zur definitiven Erkenntnis des wahren Steins der Weisen gelangt zu
                    sein (Ashmole, <quote>Annotations and discourses</quote>, <ref
                        target="http://www.e-rara.ch/cgj/content/pageview/2209354">S.
                    455-459</ref>). Sobald des Rätsels Lösung gefunden war, wurden also die Spuren
                    beseitigt. Im <quote>Proheme</quote> (ebd., <ref
                        target="http://www.e-rara.ch/cgj/content/pageview/2208904">S. 6-11</ref>)
                    von Thomas Nortens Ordinall (Ashmole, <ref
                        target="http://www.e-rara.ch/cgj/content/pageview/2208899">S. 1-106</ref>)
                    gibt Ashmole eine Passage wieder, die besagt, dass ein Adept diesen Text
                    mindestens zwanzigmal verständig lesen müsse, um seinen Sinn zu erfassen. Das
                            <bibl><title>Theatrum Chemicum</title></bibl> Ashmoles hat vor allem
                    deswegen den Zusatz <hi rend="italics">Britannicum</hi>, weil der Autor davon
                    ausgeht, dass die Werke englischer Alchemiker in England in Folge der
                    Glaubenskämpfe viel zu wenig bekannt seien. Alchemisches Wissen war im
                    Mittelalter auch in England vor allem durch Klöster verbreitet worden, so dass
                    in der Reformationszeit dortige Quellenfunde oft sogleich als ‚papistisch‘
                    denunziert wurden. </p>
                <p>Die Alchemie war im Mittelalter traditionell eine Sache von Mönchen, auf die man
                    sich im 17. Jahrhundert auch in fiktiven Konstrukten bezog. So lebte Christian
                    Rosenkreutz, dessen Lebensgeschichte von Johann Valentin Andreae in der
                            <bibl><title>Fama Fraternitatis</title></bibl> – anonym in Kassel 1614
                    erstmals veröffentlicht – geschildert wird, angeblich im 15. Jahrhundert
                            (<bibl><ref type="bibliography" target="#dülmen_alchemie_2004">van
                            Dülmen</ref></bibl>, S. 143-149). Johann Thölde (1656-1614) aus
                    Thüringen gab an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert die Schriften eines
                    Benediktinermönches namens Basilius Valentinus heraus, dessen Identität bis
                    heute keiner historischen Person zugeordnet werden konnte, so dass vermutet
                    wird, Thölde selber sei der Autor oder zumindest Kompilator dieser Schriften
                    gewesen, die zu den meistgelesenen alchemischen Texten der Neuzeit zählen
                            (<bibl><ref type="bibliography" target="#priesner_thoelde_1986"
                            >Priesner</ref></bibl>). Den Beginn der 350-seitigen Abhandlung <ref
                        target="http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10252970_00765.html"
                                ><bibl><title>Triumph Wagen des Antimonii</title></bibl></ref> unter
                    dem Pseudonym Basilius Valentinus, welche im <bibl><title>Deutschen Theatrum
                            Chemicum</title></bibl> von Friedrich Roth-Scholz abgedruckt ist, ziert
                    ein Frontispiz mit einem barock ausgeschmückten Triumphwagen, auf dem sich
                    zahlreiche Figuren in bewegter Pose tummeln. Dass Roth-Scholtz durchaus über
                    einen kritischen Zugang zur Alchemie verfügte, zeigt die Tatsache, dass er den
                    Autor Basilius Valentinus für eine Fiktion hält. Vielmehr seien seine Schriften
                    von Johann Thölde unter diesem Namen kompiliert worden (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#roth-scholz_theatrum_chemicum_1728"
                            >Roth-Scholz</ref></bibl>, <ref
                        target="http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10252970_00709.html"
                        >S. 659</ref>). Das 15. Jahrhundert bot sich für derartige fiktive
                    Rückbezüge an. In einer Zeit allgemeiner Verunsicherung und innerer Spannungen,
                    die zugleich im Rückblick zur unmittelbaren Vorgeschichte des reformatorischen
                    Aufbruchs gemacht werden konnte, schien die Alchemie durch eigenes Tun und
                    eigene Leistung einen Weg der Selbstversicherung zu öffnen. </p>

            </div>
            <div type="section">
                <head>Alchemische <hi rend="italics">Theatra</hi> und die Eule der Minerva</head>
                <p>Betrachtet man die Alchemie durch die Brille der <hi rend="italics"
                    >Theatrum</hi>-Literatur, dann drängt sich der Eindruck auf, dass die
                    unbestrittene Blüte alchemischer Literatur im 17. Jahrhundert nicht mehr
                    darstellte als den Anfang vom Ende. In Analogie zur Eule der Minerva, die erst
                    in der Abenddämmerung ihren Flug beginnt, signalisierte die Publikation eines
                        <hi rend="italics">Theatrum</hi>, dass die Zeit für einen resümierenden
                    Wissensüberblick angebrochen ist. Dementsprechend hatte Ashmole mit seinem <hi
                        rend="italics">Theatrum</hi> keineswegs eine praktische Anweisung der
                    alchemischen Kunst im Sinn, vielmehr verstand er darunter ein Format, seine
                    Sammlung alchemischer Abhandlungen interessierten Laien zugänglich zu machen.
                    Gegenüber der alchemistischen Kernfrage, wie man zum Stein der Weisen gelangen
                    könne, nahm Ashmole eine skeptisch-abwartende Haltung ein. </p>
                <p>Das <bibl><title>Theatrum Sympatheticum Auctum</title></bibl> ist ein
                    Paradebeispiel eines <hi rend="italics">Theatrum</hi>, das sich im Rückblick zu
                    einer kontroversen Erscheinung einen Überblick verschaffen will. Seine
                    Publikation ist ein Indiz dafür, dass die Schlacht der Flugschriften weitgehend
                    geschlagen und die Zeit für ein Wissensüberblick reif war. Zugleich musste den
                    Hellsichtigen klar werden, dass die Vorstellung von einer der Waffensalbe bzw.
                    dem sympathetischen Pulver zugesprochenen Fernwirkung an Überzeugungskraft
                    eingebüßt hatte. Jenes Pulver ist zumindest in der zweiten Hälfte des 17.
                    Jahrhunderts nicht mehr Gegenstand polemischer Kontroversen gewesen. Das
                            <bibl><title>Theatrum Sympatheticum Auctum</title></bibl> ergreift nicht
                    Partei, sondern vereinigt befürwortende und ablehnende Traktate. Es will ganz
                    andere Akzente setzen, indem es in der <ref
                        target="http://digital.slub-dresden.de/id277332796/7">Vorrede</ref> einen
                    Einblick in die Forschungsgeschichte der sympathetischen Heilung und in die
                    Polemik gibt, die sich daran ein halbes Jahrhundert zuvor entzündete – so
                    objektiv konnte man sich inzwischen zu dieser Frage stellen. Die Vorstellung
                    einer Substanz, die es vermag, Wunden zu kurieren, indem sie auf etwas Anderes
                    aufgetragen wurde als auf die Wunden selbst, wird auf das erste Buch des
                    Paracelsus zugeschriebenen Werkes <bibl><title>Archidoxis magica</title></bibl>
                    (Basel 1570) zurückgeführt. Diese Vorschrift sei dann fast wörtlich durch Oswald
                    Croll in seinem 1609 erstmals erschienenen Werk <bibl><title>Basilica
                            chymica</title></bibl> übernommen worden. </p>
                <p>Kompendien wie das <bibl><title>Theatrum Sympatheticum Auctum</title></bibl>
                    fügen sich problemlos in eine Zeit ein, in der die Alchemie kaum mehr als eine
                    Mode dargestellt zu haben scheint, ohne die damit einhergehende Überzeugung,
                    wirklich an den <hi rend="italics">Lapis philosophorum</hi> gelangen zu können.
                    Gewiss weiteten sich alchemische Praktiken im 16. und 17. Jahrhundert sozial
                    aus. Im Mittelalter noch vornehmlich eine Sache von Mönchen und Geistlichen, war
                    sie nun auch im ganzen Bürgertum zu Hause, zum Teil sogar in den unteren
                    Schichten, vor allem aber in adeligen Kreisen und an Fürstenhöfen (1572-1632).
                    In Kassel legte der hessische Landgrafen Moritz die heute größte erhaltene
                    Sammlung alchemischer Handschriften und Bücher an und richtete im Jahr 1615 an
                    seiner Landesuniversität in Marburg den ersten Lehrstuhl für Chemie ein
                            (<bibl><ref type="bibliography" target="#moran_alchemical_world_1991"
                            >Moran</ref></bibl>). </p>
                <p>Der Medienwechsel von der Handschrift zum Druck musste die Alchemie in ihrem
                    Selbstverständnis angreifen. Die Anzahl alchemischer Drucke stieg zum Ende des
                    16. Jahrhunderts konstant an und ging erst im frühen 18. Jahrhundert zurück,
                    sowohl in Italien, Spanien, Frankreich, England als auch in Deutschland, wo es
                    den vielleicht größten Markt für alchemisches Schriftgut gab (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#buntz_alchimie_1970">Buntz</ref></bibl>, S.
                    122). Von einer <quote>Hochflut</quote> alchemischer Literatur um 1650 spricht
                    Edmund O. von Lippmann in seinem Standardwerk (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#lippmann_alchemie_1919">Lippmann</ref></bibl>, S. 522). Auch
                    Keith Thomas hat in seiner Studie <bibl><title>Religion and the Decline of
                            Magic</title></bibl> darauf hingewiesen, dass in England in keiner
                    Zeitspanne so viele Bücher über Alchemie erschienen sind, wie zwischen 1650 und
                    1680 (<bibl><ref type="bibliography" target="#thomas_religion_1971"
                        >Thomas</ref></bibl>, S. 270). Zugleich war man im 17. Jahrhundert eifrig
                    dabei, handschriftlich verbreitete Traktate und Drucke zur Alchemie aufzuspüren
                    und zusammenzustellen, so dass größere Sammlungen und sogar Enzyklopädien
                    gedruckt werden konnten. In den Sog des Öffentlichen geraten und damit medial
                    permanent fixiert, sollte es nicht lange dauern, bis die Aura der Alchemie
                    grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Nach der Devise <quote>publish and perish
                        – by publishing</quote> (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#dobbs_alchemy_1990">Dobbs</ref></bibl>, S. 78) war mit der
                    Blüte der Alchemie im Medium Buch zugleich ihr Untergang beschlossen. Denn was
                    wurde veröffentlicht? Gebetsmühlenhaft die Versicherung, dass es ein endgültiges
                    Geheimnis gebe, sowie das Versprechen, es endlich zu enthüllen, wenn auch nur
                    dem begnadeten Leser. Andere behaupteten, die Enthüllung bereits verinnerlicht zu
                    haben, natürlich nur auf eine für Eingeweihte verständliche Weise. Die
                    Druckerpresse als Medium der Transparenz war für derartige Inhalte auf Dauer
                    nicht das adäquate Medium (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#eis_alechemisten_1951">Eis</ref></bibl>, S. 432ff.). Es
                    verwundert nicht, dass zu einer Zeit, als der Buchmarkt eine wahre Flut
                    alchemischen Schriftgutes unter die Leute brachte, prominente Mitglieder des
                    Kasseler Alchemikerkreises damit beschäftigt waren, von diesen, für die
                    Allgemeinheit bestimmten Drucken modifizierte handschriftliche Abschriften
                    anzufertigen. Denn nur auf diese Weise glaubte man, dem Wissen seinen exklusiven
                    Status zurückzugeben (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#meinel_okkulte_wissenschaften_1992">Meinel 1992</ref></bibl>,
                    S. 35f.). </p>
                <p>Auch in der <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur finden sich Indizien, dass
                    die Alchemie in der Frühen Neuzeit nur noch Modeerscheinung, aber nicht mehr
                    ernsthafte Praxis gewesen ist. In der Vorrede zum ersten Band des
                            <bibl><title>Deutschen Theatrum Chemicum</title></bibl> sagt Friedrich
                    Roth-Scholtz unmissverständlich: Die Texte, die gleichsam wie Schauspieler eine
                    Bühne betreten, sollen den Leser als <quote>Kunst-Verständigen, und
                        Natur-Geheimnüß suchenden Liebhaber vergnügen</quote> (Roth-Scholtz, Bd. 1,
                        <ref
                        target="http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10252970_00012.html"
                        >S. 4f.</ref>). Auch im Widmungstext des gut ein Jahrhundert zuvor
                    erschienenen <bibl><title>Theatrum Chemicum</title></bibl> von Zetzner steht das
                    Auslösen von Vergnügen als Movens der Veröffentlichung im Mittelpunkt und nicht
                    die Einweihung in alchemistische Rezepturen: Wie in einem opulenten Theater
                    lägen die Texte dem Vergnügen des gelehrten Betrachters vor Augen:
                        <quote>pulcerrimo quodam in theatro cum voluptate intuendum spectandumque
                        studiosis properent</quote> (Zetzner, Bd. 1, Widmung, unpag. [<ref
                        target="http://digital.slub-dresden.de/id277991331/5">S. 1</ref>]). </p>
                <p>Die Kategorie ‚Vergnügen‘ mag ironische Distanz zur alchemistischen Praxis
                    markieren, so wie sie in Theater und Kunst der damaligen Zeit zum Gefallen des
                    Publikums längst geübt wurde. In Ben Johnsons Gaunerkomödie <bibl><title>The
                            Alchymist</title></bibl>, erstmals 1610 aufgeführt, tritt ein gewisser
                    Herr mit dem bezeichnenden Namen Subtle auf, der einen ehrenwerten Sir dazu
                    bringt, sein ganzes Vermögen dem Großen Werk zu opfern, das sich dann im
                    geeigneten Augenblick per Explosion verflüchtigt (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#nicholl_chemical_theatre_1980">Nicholl</ref></bibl>, S. 7ff.).
                    Pieter Bruegel d. Ä. stellt den Alchemisten 1558 als manisch Besessenen dar, der
                    sich nicht der ruinösen Konsequenzen bewusst ist, die seine Aktivität mit sich
                    bringt. Das gesamte Geld wird er für seine Experimente ausgegeben, während die
                    Familie in Armut darbt (Abb. 10). <figure>
                        <head>Abb. 10</head>
                        <graphic url="http://diglib.hab.de/ebooks/ed000156/images/laube_10.jpg"/>
                        <figDesc>Pieter Bruegel d. Ä.: <bibl><title>Der Alchemist</title></bibl> (1558)</figDesc>
                    </figure></p>

            </div>
            <div type="section">
                <head>Theater der Chemie</head>
                <p>War die Alchemie eine ‚prisca ars‘, eine uralte Kunst, trat die Chemie als eine
                    ‚nova scientia‘ auf, die sich von in Büchern überlieferten Kenntnissen
                    emanzipierte und verstärkt ihr Wissen aus experimentellen Anordnungen schöpfte.
                    In <bibl><title>The Sceptical Chymist</title></bibl> von 1661 machte sich Robert
                    Boyle (1627-1691) experimentelle Methoden des <hi rend="italics">trial and
                        error</hi> zu eigen, das heißt Beobachtungen müssten erst geprüft werden,
                    bevor im zweiten Schritt Theorien aufgestellt werden können. Während es die
                    oberste Maxime in der Alchemie war, das Geheimnis, in dem sich die Totalität
                    verdichtete, zu bewahren, konzentrierte sich die moderne Wissenschaft auf
                    partikulare Rätsel, die qua Experiment gelöst werden konnten. In der zweiten
                    Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde in Forschungsgemeinschaften wie der <hi
                        rend="italics">Académie Royale des Science</hi> in Paris oder der <hi
                            rend="italics">Royal
                    Society</hi> in London offen über chemische Probleme diskutiert. Es galt, sich im
                    Kollektiv des wissenschaftlichen Austausches der Wahrheit anzunähern, der
                    Gelehrtentypus des tiefsinnigen Eigenbrötlers hatte ausgedient (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#schütt_alchemie_1997">Schütt
                        1997</ref></bibl>, S. 157). </p>
                <p>Vehement traten die Vertreter der neuen Wissenschaft für sprachliche Schärfe und
                    Eindeutigkeit in der Terminologie ein. Theorien müssten vollständig mitteilbar,
                    Experimente wiederholbar sein. William Gilbert schreibt im Vorwort seiner
                    bereits 1600 erschienenen Abhandlung über den Magnetismus: <quote>Therefore we
                        sometimes employ words new and unheard-of, not (as alchemists are wont to
                        do) in order to veil things with a pedantic termonology and to make them,
                        dark and obscure, but in order that hidden things which have no name and
                        that have never come into notice, may be plainly and fully
                        published.</quote> (Gilbert, Prefatio, S. XLVIII). In der <hi rend="italics"
                        >Theatrum</hi>-Literatur der (Al)Chemie gibt es durchaus Beispiele, die
                    diese Maximen zu beherzigen versuchen. So schrieb Johann Gerhard Leursen die
                    Studie <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000150/start.htm" type="wdb"
                                ><bibl><title>Chymischen Schauplatzes Vortrab</title></bibl></ref>
                    aus dem Jahr 1681 deswegen, weil es ihm ein Anliegen war, die hochkomplexe
                    Materie der Alchemie <quote>nicht in dunckelen Worten […] sondern hell und klar/
                        dass es auch einfältige Leute verstehen können</quote> (Leursen, Vorrede,
                        <ref target="http://digital.slub-dresden.de/id278826903/9">S. 5</ref>) zu
                    vermitteln. In der <ref target="http://digital.slub-dresden.de/id278826903/7"
                        >Vorrede</ref> reflektiert er über Sinn und Unsinn des Bücherschreibens.
                    Ausgangspunkt für jeden, der zur Feder greifen wolle, habe stets die eigene
                    Erfahrung zu sein. Leursen versteht seine Schrift als <ref
                        target="http://digital.slub-dresden.de/id278826903/5"><hi rend="italics"
                            >Vortrab</hi></ref>, als bündige programmatische Skizze, die Interesse
                    an einer <ref target="http://digital.slub-dresden.de/id278826903/5"><hi
                            rend="italics">ware[n] Chymie</hi></ref> wecken soll, nicht bei allen,
                    sondern bei denjenigen, die einen Sinn dafür entwickelt haben. In gewisser Weise
                    markiert die kleine Schrift Leursens das Ende eines Zeitalters, in dem es noch
                    darum ging, in Auseinandersetzung mit den Materialien der Natur, an den Kern,
                    der den Kosmos zusammenhält, zu gelangen. </p>
                <p>Das 1694 erschienene <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000142/start.htm"
                        type="wdb"><bibl><title>Theatrum Chimicum</title></bibl></ref> des
                    niederländischen Arztes Steven Blankaart, in dem <hi rend="italics"
                        >Theatrum</hi> nicht nur mit <ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-4679-2s/start.htm?image=00001"
                        type="wdb"><hi rend="italics">Schauplatz</hi></ref> übersetzt wird, sondern
                    auch mit einer <ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-4679-2s/start.htm?image=00001"
                        type="wdb"><hi rend="italics">Thür</hi></ref>, die bisher geschlossen war
                    und sich nun öffnet, um die dahinter befindlichen Geheimnisse offenzulegen,
                    gehört bereits in die Reihe frühaufklärerischer Chemiebücher. Jedenfalls spielen
                    hermetische Zugänge, wie die Suche nach dem Stein der Weisen, keine
                    herausgehobene Rolle mehr. Ohne alchemistische Ambitionen vermittelt Blankaart
                    in seinem Buch eine Praxis der Zerlegung, Reinigung und Sublimierung von
                    Substanzen. Das erklärt auch, dass sich der Autor nicht in den Kontext der
                    chemischen <hi rend="italics">Theatrum</hi>-Literatur, die zum großen Teil
                    alchemistische Erkenntnisinteressen verfolgt, einfügt. Dass bei Blankaart
                    Experimente und Messvorgänge im Vordergrund stehen, zeigt schon die Verortung
                    der Abbildungen in demjenigen <ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-4679-2s/start.htm?image=00013"
                        type="wdb">Kapitel</ref>, das Werkzeuge beschreibt. Eine Vielfalt von
                    Apparaturen eröffnet sich dem Leser, ein <ref
                        target="http://diglib.hab.de/drucke/xb-4679-2s/start.htm?image=00025"
                        type="wdb">Potpourri von Gefäßen, Öfen, Kolben, Rohren, Kesseln und
                        Retorten</ref>, die alle die Funktion haben, Stoffe voneinander zu trennen
                    bzw. zu vermischen. Meist sind diese Gegenstände im Bild mit Großbuchstaben
                    markiert, die Erklärung erfolgt unter diesem Zeichen im benachbarten Text.
                    Blankaarts <bibl><title>Theatrum Chimicum</title></bibl> ist ein Handbuch von
                    Rezepten, in dem Hunderte von Ingredienzen aufgelistet und beschrieben werden.
                    Blankaart spricht nicht nur von ‚Chimie‘, sondern auch von ‚Scheide-Kunst‘, gilt
                    es doch die Elemente voneinander zu trennen, zu identifizieren, zu entdecken.
                    Dass man es hier mit einem Ratgeber, einem Leitfaden von ‚Manieren‘ für
                    Tinkturen und Essenzen im Stile eines Kochbuches von heute zu tun hat, merkt man
                    schon daran, dass die meisten Abschnitte imperativisch mit ‚nehmt‘ beginnen. Der
                    Autor stellt sich die Frage, woraus alle Dinge – Metalle, Mineralien, Pflanzen
                    und Tiere – bestehen und regt Interessierte an, seine vorgestellten Rezepturen
                    auszuprobieren. </p>
                <p>Wissenschaftsgeschichtlich befinden wir uns um 1700 in einer Zeit, als sich die
                    Chemie in Abgrenzung von der Alchemie zur eigenen Wissenschaftsdisziplin
                    entwickelt (<bibl><ref type="bibliography"
                            target="#meinel_okkulte_wissenschaften_1992">Meinel 1992</ref></bibl>;
                            <bibl><ref type="bibliography" target="#schütt_alchemie_1997">Schütt
                            1997</ref></bibl>). Zunehmend war der chemischen Forschung die
                    Beobachtung von Phänomenen wichtig, die zu quantifizieren, klassifizieren,
                    überhaupt zu dokumentieren waren, während in die Tiefe dringende alchemistische
                    Verfahren mit dem Verdikt der Unwissenschaftlichkeit versehen und als
                    Steckenpferde geheimer Gesellschaften marginalisiert wurden (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#ebeling_hermetismus_2005"
                        >Ebeling</ref></bibl>, S. 144f.). Die <hi rend="italics">Royal Society</hi> in
                        London gab sich das Motto <quote>nullius in verba</quote>. Mit der
                    neuen Wissenschaftsauffassung hört, wie es bei Michel Foucault heißt, <quote>der
                        Text auf, zu den Zeichen und zu den Formen der Wahrheit zu gehören. Die
                        Sprache ist nicht mehr [...] die Signatur, die seit der Tiefe der Zeit den
                        Dingen auferlegt ist. Die Wahrheit findet ihre Manifestation und ihr
                        Zeichen in der evidenten und deutlichen Wahrnehmung</quote> (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#foucault_ordnung_1988"
                        >Foucault</ref></bibl>, S. 89). Einen direkten ‚Draht‘ zu den Dingen strebte
                    auch der Alchemiker an, dessen Weltverständnis ebenso experimentell wie
                    spekulativ-philologisch war. Erst in jüngerer Zeit hat die Forschung
                    hervorgehoben, dass sich im alchemistischen Zugang ein notwendiges
                    Übergangsstadium konstituierte, worauf sich wenig später die empirisch, induktiv
                    voranschreitende moderne Wissenschaft entfalten konnte (<bibl><ref
                            type="bibliography" target="#meinel_alchemie_1986">Meinel
                        1986</ref></bibl>; <bibl><ref type="bibliography"
                            target="#greyerz_alchemie_1999">Greyerz</ref></bibl>; <bibl><ref
                            type="bibliography" target="#webster_magic_1982">Webster</ref></bibl>). </p>

</div>


            <div type="bibliography">
                <head>Bibliographische Nachweise und Forschungsliteratur</head>
                <div type="bibliography">
                    <head>Quellen</head>
                    <listBibl>
                        <bibl xml:id="anonym_theatrum_sympatheticum_1652">anonym: Theatrum
                            Sympatheticum Auctum, exhibens Varios Authores De Pulvere Sympathetico
                            quidem: Digbaeum, Straussium, Papinium, et Mohyum. De Unguento verò
                            Armario: Goclenium, Robertum, Helmontium, Robertum Fluddum, Beckerum,
                            Borellum, Bartholinum, Servium, Kircherum, Matthaeum, Sennertum,
                            Wechtlerum, Nardium, Freitagium, Conringium, Burlinum, Fracastorium et
                            Weckerum, praemittitur his Sylvesteri Rattray, Aditus ad Symapthiam et
                            Anti-Pathiam. Editio novissima, correctior, auctior. Nürnberg 1662<ptr type="opac" cRef="616766025"></ptr>;
                            Elias Ashmole: Theatrum Chemicum Britannicum. Containing severall
                            poeticall pieces of our famous English philosophers who have written the
                            hermetique mysteries in their owne ancient language/ [...] The First
                            Part. London [1652]<ptr type="gbv" cRef="360528619"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="blankaart_theatrum_chimicum_1694">Steven Blankaart: Theatrum
                            Chimicum Oder Eröffneter Schau-Platz und Thür zu den Heimligkeiten In
                            der Scheide-Kunst. Von Denen berühmtesten Män[n]ern/ die jemals in der
                            Scheide-Kunst sich selbst bemühet und davon geschrieben/ als Schröder,
                            Angelus Sala, Rolfinck, Le Febvre, Crollius, Charras, Beguin und andern
                            itzo noch lebenden auffgethan, nun aber von einem Liebhaber der Kunst
                            ins Gesichte gestellet. Nebenst einer Vermehrung wie die geringen
                            Metallen und gemeinen Steine zu verbessern sind/ Durch Kenelmus Digby
                            Rittern: Mit unterschiedenen Kupffern versehen und aus dem
                            Niederländischen ins Hochteutsche übersetzet. Leipzig 1694<ptr type="opac" cRef="610346857"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="boyle_chymist_1661">Robert Boyle: The Sceptical Chymist: or
                            Chymico-Physical Doubts et Paradoxes, Touching the Spagyrist’s
                            Principles Commonly call’d Hypostatical; As they are wont to be Propos’d
                            and Defended by the Generality of Alchymists. London 1661<ptr type="opac" cRef="151062919"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="croll_basilica_chymica_1611">Oswald Croll: Basilica Chymica
                            continens Philosophicam propriâ laborum experientiâ confirmatam
                            descriptionem et usum Remediorum Chymicorum Selectissimorum é Lumine
                            Gratiae et Naturae Desumptorum [...]. Frankfurt/Main 1611<ptr type="opac" cRef="668426926"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="gilbert_de_magnete_1958">William Gilbert: De magnete [1600].
                            Translated by P. Fleury Mottelay. New York 1958 (Nachdruck der Ausgabe
                            von 1893)<ptr type="gbv" cRef="233003983"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="khunrath_amphitheatrum_1609">Heinrich Khunrath: Amphitheatrum
                            Sapientiae Aeternae, Christiano-Kabalisticum, Devino-Magicum, nec non
                            Physico-Chymicum, Tertriunum, Catholicon. Magdeburg, Hanau 1609 (ED
                                1595)</bibl>
                        <bibl xml:id="leursen_chymischen_Schauplatzes_1681">Johann Gerhard Leursen:
                            Chymischen Schauplatzes Vortrab, das ist, Gründliche Anleitung zu der
                            waren Chymie, Worinnen begriffen Der Animalien, Vegetablien, Mineralien,
                            und Metallen Ursprung und Kräffte, Wachßthumb und Verwandlung. Aus
                            selbst eigner Erfahrung mit unumstößlichen Gründen bewiesen und
                            erkläret. Frankfurt/Main 1681<ptr type="gbv" cRef="091938686"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="maier_arcana_1614">Michael Maier: Arcana Arcanissima Hoc Est
                            Hieroglyphica Aegyptio-Graeca […]. O.O. o.J. [London 1614]<ptr type="opac" cRef="536004595"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="maier_cabinet_2007">Michael Maier: Michael Maiers Chymisch
                            Cabinet. Atalanta fugiens. Deutsch nach der Ausgabe von 1708. Hg. v.
                            Thomas Hofmeier. Basel, Berlin 2007<ptr type="gbv" cRef="54602940X"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="roth-scholz_theatrum_chemicum_1728">Friedrich Roth-Scholz:
                            Deutsches Theatrum Chemicum. Auf welchem der berühmtesten Philosophen
                            und Alchymisten Schrifften/ Die von dem Stein der Weisen/ von
                            Verwandlung der schlechten Metalle in bessere, von Kräutern, von
                            Thieren, von Gesund- und Sauer-Brunnen, von warmen Bädern, von
                            herrlichen Artzneyen und von andern grossen Geheimnüssen der Natur
                            handeln, welche bißhero entweder niemahls gedruckt, oder doch sonsten
                            sehr rar worden sind […]. Nürnberg 1728</bibl>
                        <bibl xml:id="telle_rosarium_1992">Joachim Telle (Hg.): Rosarium
                            Philosophorum. Ein alchemisches Florilegium des Spätmittelalters.
                            Lateinisch/Deutsch. Weinheim 1992 (Faksimile der Erstausgabe,
                            Frankfurt/Main 1550)<ptr type="opac" cRef="032971567"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="thurneysser_quinta_essentia_2007">Leonhard Thurneysser: Quinta
                            Essentia (1574). Ein alchemisches Lehrbuch in Versen. Hg. v. Thomas
                            Hofmeier unter Mitarbeit v. Daniel Arpagaus. Basel, Berlin 2007<ptr type="opac" cRef="567035247"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="zetzner_theatrum_chemicum_1602">Lazaraus Zetzner (Hg.):
                            Theatrum Chemicum, Præcipuos Selectorum Auctorum Tractatus De Chemiæ Et
                            Lapidis Philosophici Antiquitate, veritate, jure, præstantia, et
                            operationibus continens In gratiam veræ Chemiæ et medicinæ Chemicæ
                            studiosorum (ut qui uberrimam unde optimorum remediorum messem facere
                            poterunt) congestum et &amp; in tres partes seu volumina digestum;
                            Singulis Voluminibus, Suo Auctorum Et Librorum Catalogo primis pagellis:
                            rerum vero &amp; verborum indice postremis annexo Ursellis. Straßburg
                            1602<ptr type="gbv" cRef="098967665"></ptr></bibl>

                    </listBibl>
                </div>

                <div type="bibliography">
                    <head>Forschungsliteratur</head>
                    <listBibl>
                        <bibl xml:id="bachmann_alchemie_1999">Manuel Bachmann, Thomas Hofmeier
                            (Hg.): Geheimnisse der Alchemie (Begleitbuch zu einer Ausstellung des
                            Instituts für Geschichte und Hermeneutik der Geheimwissenschaften,
                            Basel). Basel 1999<ptr type="opac" cRef="269786163"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="bolzoni_sammeln_1994">Lina Bolzoni: Das Sammeln und die ars
                            memoriae, in: Andreas Grote (Hg.): Macrocosmo in Microcosmo. Die Welt in
                            der Stube. Zur Geschichte des Sammelns 1450 bis 1800. Opladen 1994, S.
                            129-168<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="148102492"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="arthur_alchemist_1974">Abraham Arthur, Anne Marie Brinkman:
                            Brueghel’s „Alchemist“ and its Influence, on particular on Jan Steen,
                            in: Janus 61 (1974), S. 233-269<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="129549509"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="buntz_alchimie_1970">Herwig Buntz: Die europäische Alchimie
                            vom 13. bis zum 18. Jahrhundert, in: Ders., Emil Ernst Ploss [et al.]
                            (Hg.): Alchimia. Ideologie und Technologie. München 1970, S.
                            119-209<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="183458400"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="danto_transfiguration_1981">Arthur Coleman Danto:
                            Transfiguration of the Commonplace. A philosophy of art. Cambridge,
                            Mass. 1981<ptr type="gbv" cRef="023866357"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="dobbs_alchemy_1990">Betty J.T. Dobbs: From the Secrecy of
                            Alchemy to the Openness of Chemistry, in: Tore Frängsmyr (Hg.):
                            Solomon’s House Revisited. The Organization and Institutionalization of
                            Science. Canton, Mass. 1990, S. 75-94<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="025385216"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="dülmen_alchemie_2004">Richard van Dülmen: Das Buch der Natur –
                            die Alchemie, in: Ders., Sina Rauschenbach (Hg.): Macht des Wissens. Die
                            Entstehung der modernen Wissensgesellschaft. Köln 2004, S.
                            131-150<ptr type="gbv" cRef="609983512"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="ebeling_hermetismus_2005">Florian Ebeling: Das Geheimnis des
                            Hermes Trismegistos. Geschichte des Hermetismus. Mit einem Vorwort v.
                            Jan Assmann. München 2005<ptr type="opac" cRef="484936379"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="eis_alechemisten_1951">Gerhard Eis: Von der Rede und dem
                            Schweigen der Alchemisten, in: Deutsche Vierteljahreszeitschrift für
                            Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 25 (1951), S. 415-435<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="129459445"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="engel_chemie_1984">Michael Engel: Chemie im achtzehnten
                            Jahrhundert. Auf dem Weg zu einer internationalen Wissenschaft. Georg
                            Ernst Stahl (1659-1734) zum 250. Todestag (Ausstellungskatalog). Berlin
                            1984<ptr type="gbv" cRef="351356959"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="foucault_ordnung_1988">Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge:
                            Eine Archäologie der Humanwissenschaften. 7. Aufl. Frankfurt/Main 1988
                            (ED 1966)<ptr type="gbv" cRef="158907027"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="garin_teatro_1953">Eugenio Garin: II „teatro“ di Giulio
                            Camillo e la „retorica“ del Patrizi, in: Archivio di filosofia 3 (1953),
                            S. 33-36</bibl>
                        <bibl xml:id="gebelein_alchemie_1996">Helmut Gebelein: Alchemie. Die Magie des Stofflichen, München 1996<ptr type="opac" cRef="191470864"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="greyerz_alchemie_1999">Kaspar von Greyerz: Alchemie,
                            Hermetismus und Magie. Zur Frage der Kontinuitäten in der
                            wissenschaftlichen Revolution, in: Hartmut Lehmann, Anne-Charlott Trepp
                            (Hg.): Im Zeichen der Krise. Religiosität im Europa des 17.
                            Jahrhunderts. Göttingen 1999, S. 415-432<ptr type="opac" cRef="098563467"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="gumbrecht_media_1985">Hans Ulrich Gumbrecht: The Body versus
                            the Printing Press: Media in the Early Modern Period, Mentalities in the
                            Reign of Castile, and another History of Literary Forms, in: Poetics 14
                            (1985), S. 209-227<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="129289507"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="haage_alchemie_1996">Bernhard Dietrich Haage: Alchemie im
                            Mittelalter. Ideen und Bilder – von Zosimos bis Paracelsus. Zürich,
                            Düsseldorf 1996<ptr type="opac" cRef="191301000"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="habrich_alchemie_2001">Christa Habrich: Alchemie und Chemie in
                            der pietistischen Tradition, in: Hans-Georg Kämper, Udo Sträter (Hg.):
                            Goethe und der Pietismus. Tübingen 2001, S. 45-79<ptr type="gbv" cRef="340159774"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="josten_ashmole_1966">Curt Hermann Josten: Biographical
                            Introduction, in: Ders. (Hg.): Elias Ashmole (1617-1692). His
                            Autobiographical and Historical Notes, his Correspondence, and Other
                            Contemporary Sources Relating to his Life and Work. Oxford 1966, Bd. 1.,
                            v.a. S. 63-99<ptr type="gbv" cRef="22247677X"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="kahn_alchimie_1988">Didier Kahn: Sur la scène française du
                            théâtre chymique: Alchimie, théâtre et théâtralité, in: Chrysopœia 2
                            (1988), S. 6-57<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="188099433"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="kahn_alchimie_2007">Didier Kahn: Alchimie et paracelsisme en
                            France à la fin de la Renaissance (1567-1625). Genf 2007<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="098917102"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="keller-dall_heilsplan_2001">Barbara Keller-Dall‘Asta:
                            Heilsplan und Gedächtnis. Zur Mnemologie des 16. Jahrhunderts in
                            Italien. Heidelberg 2001, S. 185-279<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="312865821"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="lippmann_alchemie_1919">Edmund Oskar von Lippmann: Entstehung
                            und Ausbreitung der Alchemie. Mit einem Anhange: Zur älteren Geschichte
                            der Metalle. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte. Berlin 1919<ptr type="opac" cRef="182626784"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="matussek_gedächtnistheater_2000">Peter Matussek: Computer als
                            Gedächtnistheater, in: Götz-Lothar Darsow (Hg.): Metamorphosen.
                            Gedächtnismedien im Computerzeitalter. Stuttgart, Bad Cannstatt 2000, S.
                            81-100<ptr type="gbv" subtype="main_entry" cRef="303077786"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="meinel_alchemie_1986">Christoph Meinel: Einführung, in: Ders.
                            (Hg.): Die Alchemie in der europäischen Kultur- und
                            Wissenschaftsgeschichte. Wiesbaden 1986, S. 7-12<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="024071536"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="meinel_okkulte_wissenschaften_1992">Christoph Meinel: Okkulte
                            und exakte Wissenschaften, in: August Buck (Hg.): Die okkulten
                            Wissenschaften in der Renaissance. Wiesbaden 1992, S. 21-43<ptr type="gbv" cRef="586178414"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="moran_alchemical_world_1991">Bruce T. Moran: The Alchemical
                            World of the German Court. Occult Philosophy and Chemical Medicine in
                            the Circle of Moritz of Hesen (1572-1632). Stuttgart 1991<ptr type="opac" cRef="025373862"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="müller-jahncke_waffensalbe_1993">Wolf-Dieter Müller-Jahncke:
                            Magische Medizin bei Paracelsus und den Paracelsisten: Die Waffensalbe,
                            in: Peter Dilg, Hartmut Rudolph (Hg.): Desiderate der
                            Paracelsus-Forschung. Stuttgart 1993, S. 43-57<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="132801256"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="nicholl_chemical_theatre_1980">Charles Nicholl: The Chemical
                            Theatre. London 1980<ptr type="opac" cRef="014190265"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="priesner_thoelde_1986">Claus Priesner: Johann Thoelde und des
                            Schriften des Basilius Valentinus, in: Christoph Meinel (Hg.): Die
                            Alchemie in der europäischen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte.
                            Wiesbaden 1986, S. 107-119<ptr type="opac" cRef="617458782"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="schütt_alchemie_1997">Hans-Werner Schütt: Alchemie als
                            Nichtchemie zu Beginn der Neuzeit, in: Berichte zur
                            Wissenschaftsgeschichte 20 (1997), S. 147-158<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="129330124"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="schütt_stein_2000">Hans-Werner Schütt: Auf der Suche nach dem
                            Stein der Weisen. Die Geschichte der Alchemie. München 2000<ptr type="opac" cRef="315901462"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="sheppard_alchemy_1972">Harry J. Sheppard: The Mythological
                            Tradition and Seventeenth-Century Alchemy, in: Allen G. Debus (Hg.):
                            Science, Medicine and Society in the Renaissance. New York 1972, Bd. 1,
                            S. 47-59<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="326691898"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="sturlese_zetzner_1991">Rita Sturlese: Lazar Zetzner,
                            „Bibliopola Argentinensis“. Alchimie und Lullismus in Straßburg an den
                            Anfängen der Moderne, in: Sudhoffs Archiv 75 (1991), S. 140-162<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="129090883"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="thomas_religion_1971">Keith Thomas: Religion and the Decline
                            of Magic. Studies in Popular Belief in Sixteenth- and
                            Seventeenth-Century England. London 1971<ptr type="gbv" cRef="127139826"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="töllner_kommentar_1991">Ralf Töllner: Der unendliche
                            Kommentar. Untersuchungen zu vier ausgewählten Kupferstichen aus
                            Heinrich Khunraths „Amphitheatrum Sapientiae Aeternae Solius Verae“
                            (Hanau 1609). Ammerbek 1991<ptr type="gbv" cRef="119376490"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="webster_magic_1982">Charles Webster: From Paracelsus to
                            Newton. Magic and the Making of Modern Science. Cambridge 1982<ptr type="opac" cRef="024401536"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="yates_gedächtnis_1991">Frances A. Yates: Gedächtnis und
                            Erinnern. Mnemonik von Aristoteles bis Shakespeare. Weinheim 1991 [engl.
                            Orig. 1966], S. 123-162<ptr type="opac" cRef="025453335"></ptr></bibl>
                        <bibl xml:id="ziller_alchemy_2001">Carlos Ziller Camenietzki: Jesuits and
                            Alchemy in the Early Seventeenth Century: Father Johannes Roberti and
                            the Weapon-salve Controversy, in: Ambix 48 (2001), S. 83-101<ptr type="opac" subtype="main_entry" cRef="130007501"></ptr></bibl>

                    </listBibl>
                </div>

                <div type="bibliography">
                    <head>Abbildungsnachweise</head>
                    <listBibl>
                        <bibl xml:id="abb_1">Abb. 1, 2, 7: Manuel Bachmann, Thomas Hofmeister:
                            Geheimnisse der Alchemie (Begleitbuch zu einer Ausstellung des Instituts
                            für Geschichte und Hermeneutik der Geheimwissenschaften, Basel). Basel
                            1999, S. 168, 166, 9.</bibl>

                        <bibl xml:id="abb_2">Abb. 3: Bruno Latour, Peter Weibel (Hg.): Iconoclash.
                            Beyond the Image Wars in Science, Religion, and Art. Karlsruhe.
                            Cambridge, Mass. 2002, S. 197. </bibl>
                        <bibl xml:id="abb_3">Abb. 4: Giulio Camillo: L‘Idea del Theatro (Florenz 1550), <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/qun-139-2-1s/start.htm?image=00003">Titelblatt</ref>. 
                           </bibl>
                        <bibl xml:id="abb_4">Abb. 5: <ref target="http://ianjwpollard.files.wordpress.com/2010/07/camillo1-1.jpg">Rekonstruktion</ref> des Gedächtnistheaters von Camillo. (Link
                            wird noch verdeckt, ‚Überschrift‘ der Seite ergänzt) </bibl>
                        <bibl xml:id="abb_5">Abb. 6: Michael Maiers Chymisch Cabinet. Atalanta
                            fugiens deutsch nach der Ausgabe von 1709. Hg. von Thomas Hofmeier.
                            Basel, Berlin 2007, S. 79.</bibl>

                        <bibl xml:id="abb_6">Abb. 8: Elias Ashmole: Theatrum Chemicum Britannicum.
                            London 1652, <ref target="http://web.mclink.it/MH0077/ArsRegia/ars%20regia%201/images/gb_6.jpg">S. 44</ref>.
                            
                            </bibl>
                        <bibl xml:id="abb_7">Abb. 9: Oswald Croll: Basilica Chymica (Frankfurt/Main 1611), <ref target="http://diglib.hab.de/drucke/alv-ml-306/start.htm?image=00005">Titelblatt</ref>. 
                            </bibl>
                        <bibl xml:id="abb_8">Abb. 10: Prometheus-Archiv, Bildnachweis: Alexander
                            Dückers (Hg.): Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur
                            Sammlung. Berlin 1994, S. 182.</bibl>


                    </listBibl>
                </div>
            </div>
        </body>
    </text>

</TEI>
