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                <title>L'Education perdue [Auszug]</title>
                <author>Charles Antoine Coypel</author>
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                    <resp>Übersetzung </resp>
                    <name>Gotthold Ephraim Lessing</name>
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                    <resp>Digitale Edition </resp>
                    <name>Marcus Baumgarten </name>
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                    <resp>Projektleitung </resp>
                    <name>Dr. Helmut Berthold </name>
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                <respStmt>
                    <resp>Herausgegeben von </resp>
                    <name type="org">Lessing Akademie </name>
                </respStmt>
                <funder>Stiftung Nord/LB - Öffentliche</funder>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>Digitale Edition der Übersetzungen Lessings</edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name type="org">Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel </name>
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                        <street>Lessingplatz 1 </street>
                        <name type="city">Wolfenbüttel </name>
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                        <name type="country">Germany </name>
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                <date when="2013" type="issued">2013</date>
                <date type="digitised"/>
                <distributor>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel </distributor>
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                    <p>Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel ( <ref target="http://diglib.hab.de/?link=012">copyright information </ref>)
                    </p>
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                    <monogr>
                        <title>Sämtliche Schriften</title>
                        <title type="sub">Band 6.</title>
                        <title type="sub">Auf's neue durchgesehene und verm. Aufl., besorgt durch Franz Muncker.
                            3. Aufl.</title>
                        <author>Gotthold Ephraim Lessing</author>
                        <editor>Karl Lachmann</editor>
                        <editor>Franz Muncker</editor>
                        <imprint>
                            <pubPlace>Stuttgart</pubPlace>
                            <publisher>Göschen</publisher>
                            <date when="1890">1890</date>
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                                S. 329f.
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        <lb/><head>1) L'Education perdue; in einem Aufzuge. Von dem Herrn
            <lb/><hi rend="person">Coypel</hi> entworffen, und den 23 Octobr. 1717 zum erstenmale
            <lb/>aufgeführt.</head>
        <p xml:id="coypel_education_ue002">
            <lb/>Ein italiänischer Herr, Namens Lelio, hat aus seiner Ehe nicht
            <lb/>mehr als ein einziges Kind, welches ein Sohn ist, den er bey einer
            <lb/>Müllerin auf dem Lande in die Kost gegeben. Als er nach der Zeit
            <lb/>Wittwer wird, will er diesen seinen Sohn, den er Mario nennen
            <lb/>lassen, wieder zu sich nehmen, und da er eine Kette und das Portrait
            <lb/>seiner Mutter, welches beydes er ihm um den Hals gehangen, als er
            <lb/>ihn in die Kost gethan, nicht bey ihm findet, so fragt er die Müllerin
            <lb/>nach der Ursache, die ihm denn sagt, daß sie das eine wie das andre
            <lb/>verloren habe. Lelio glaubt ihr und nimt den Sohn, den sie ihm
            <lb/>vorgestellt, und er für den seinen hält, mit. Auf seinem Rückwege
            <lb/>findet er ein Kind an dem Ufer des Flusses, von dem Alter seines
            <lb/>Sohnes, und das viel Artigkeit zeiget; er erbarmt sich über dieses
            <pb n="330"/>
            <lb/>Kind nimt es mit und läßt es mit seinem Sohne, unter dem Namen
            <lb/>Lindori, zugleich erziehen. Bey dem Lindori schlägt die Erziehung sehr
            <lb/>wohl an, und seine Aufführung ist ungemein sittsam, da hingegen
            <lb/>Mario ein lüderlicher Wildfang wird. Lindori macht mit der Silvia,
            <lb/>der Tochter des Pantalons, der sie mit dem Mario verheyrathen will,
            <lb/>weil ihn Lelio darum angesprochen, Bekanntschaft. Ehe aber Pantalon
            <lb/>seine Tochter den Mario zu heyrathen zwingen will, erkundiget er sich
            <lb/>vorher bey dem Harlequin, dem Bedienten des Mario, wegen der Auf
            <lb rend="trennstrich"/>führung seines Herren. Harlequin, in einer Kleidung mit Bändern, ein
            <lb/>spanisches Rohr unter dem Arme, und ein Reibeisen und Tabak in den
            <lb/>Händen, spielt einen lächerlichen Petitmaiter, und erklärt dem Pantalon,
            <lb/>daß sein Herr der glücklichste und zugleich der freyeste und lustigste
            <lb/>junge Mensch von der Welt sey, der sich alle Tage neue Ergötzlich
            <lb rend="trennstrich"/>keiten, in der Oper, in der Komödie, vor dem Spieltische, im Wein
            <lb rend="trennstrich"/>hause, bey Frauenzimmern, zu machen wisse. Da Pantalon dieses
            <lb/>hört, sagt er dem Lelio den Handel auf, und will seine Tochter dem
            <lb/>Mario nicht geben. Unterdessen führt dieser den Lindori nebst zwey
            <lb/>Frauenzimmern in die Oper, und wie sie wieder herauskommen, zwingt
            <lb/>Mario den Lindori, den Degen zu ziehen. Mario wird von ihm ent
            <lb rend="trennstrich"/>waffnet, und Lindori schenkt ihm aus Grosmuth und aus Dankbarkeit
            <lb/>das Leben, worauf aber Mario angehalten und in das Gefängniß ge
            <lb rend="trennstrich"/>bracht wird. Unterdessen kömmt der Bruder von der Amme an, und
            <lb/>bringt einen Brief an den Lelio, in welchem sie ihm meldet, daß sie
            <lb/>bey Annäherung ihres Todes ihr Gewissen zwinge, ihm zu entdecken,
            <lb/>wie Mario ihr eigner Sohn sey, und daß der seinige in dem Flusse
            <lb/>bey der Mühle umgekommen, weßwegen sie denn vorgegeben, daß die
            <lb/>Halsschnur und das Portrait verloren gegangen wären. Da Lindori
            <lb/>von der Halsschnur und dem Portrait reden höret, so zeigt er beydes
            <lb/>vor, wird dadurch für den Sohn des Lelio erkannt und heyrathet die
            <lb/>Silvia. Lelio will hierauf den Mario von sich stossen, Lindori aber
            <lb/>bewegt seinen Vater, daß er ihn auf eben demselben Fusse, auf welchem
            <lb/>Lindori vorher gewesen, bey sich behält.
        </p>
        </div>
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