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    <teiHeader>
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            <titleStmt>
                <title>Anonym [W. B. M.]: Schau-Platz der Betrieger</title>
                <author>
                    <forename>Alexander</forename>
                    <surname>Košenina</surname>
                </author>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <idno type="workID">http://diglib.hab.de/edoc/ed000165/start.htm</idno>
                <publisher>
                    <name type="org">Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</name>
                    <address>
                        <street>Lessingplatz 1</street>

                        <name type="city">Wolfenbuettel</name>
                        <postCode>D-38299</postCode>
                        <name type="country">Germany</name>
                    </address>
                </publisher>
                <date when="2010-12-01">2011</date>
                <availability status="restricted">
                    <p> Available at <ref target="http://diglib.hab.de/werke/ed000165/start.htm">
                            (c) Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel</ref>
                    </p>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <bibl>
                    <title>Schau-Platz der Betrieger</title>
                    <author>
                        <forename></forename>
                        <surname>Anonym [W. B. M.]</surname>
                    </author>
                </bibl>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <encodingDesc>
            <projectDesc>
                <p xml:id="theat">
                    <ref target="http://www.theatra.de">Theatrum-Literatur der Frühen
                        Neuzeit</ref>
                </p>
            </projectDesc>
        </encodingDesc> 
    </teiHeader>
    <text>
        <body>
            <div type="bibliography">
                <head>Titel</head>
                <listBibl>
                    <biblStruct type="source">
                        <monogr>
                            <title><ref
                                    target="http://www.gbv.de/vd17-cms/vd17_image_full_view?zuid=20d701d1-2032-4f85-9789-10ceb650143a">
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                                </ref>Schau-Platz der Betrieger: Entworffen in vielen List- und
                                Lustigen Welt-Händeln: Als: In behender Dieberey: Kartenspiel:
                                Liebes-Räncken: Rechts-Sachen: Discursen: Todtschlägen: Rauben:
                                Heurathen: Kaufmanschafften/ und andern unzählichen vielen
                                Begebenheiten. Auffgesetzt/ nicht zur Nachfolge/ sondern Zur
                                Ergetzlichkeit/ Warnung und Lehre/ sich für dergleichen listigen
                                Menschen-Kindern zu hüten/ und ihre Gesellschafft zu meiden/ damit
                                sie nicht in ihre Stricke fallen. Gedruckt zu Listeanu in Verlegung
                                <rs type="person" ref="#wiering_thomas_von">Democriti Lachmunds</rs>. Zu finden in dem güldenen A, B, C, zu Hamburg:
                                Wie auch zu Franckfurth/ bey <rs type="person" ref="#hertel_zacharias">Zacharias Herteln</rs>. Ao. 1687.</title>
                            <imprint>
                                <pubPlace>Frankfurt</pubPlace>
                                <publisher>Zacharias Hertel</publisher>
                                <date when="1687">1687</date>
                            </imprint>
                            <extent>10 unpag. S., 80 pag. S., 16 unpag. S., 568 pag. S., 96 pag. S.
                                Titelblatt (Kupfertafel schwarz/rot), doppelseitiges Frontispiz, 10
                                unpag. S. Vorrede, Die betriegliche Falsetta worin fürgestellet
                                werden Die ungemeine Listig- und Behändigkeiten Einer in diesen
                                Nordischen Quartieren überall bekandten leichtfertigen und
                                durchtriebenen Betriegerin/ und wie dieselbe zu letzt ihren
                                verdienten Lohn zu Hamburg empfangen (80 S.), Register, über die
                                List= und lustige Welt-Händel (10 unpag. S.), Register über den
                                durchtriebenen Gau-Dieb Du Vall (3 unpag. S.), Register über die
                                betriegliche Falsetta worin fürgestellet werden/ derselben ungemeine
                                Listig- und Behändigkeiten (2 unpag. S.), Erinnerung an den
                                Lust-liebenden Leser (1 unpag. S.), List= und lustige Welt-Händel
                                (568 S.) – Der durchtriebene Gaudieb <rs type="person" ref="#duval_claude">Du Val</rs>, Das ist/ Dessen
                                Aufferziehung/ wunderliche Beförderung bey Hoffe/ unerhörte und
                                listige Diebstale/ die er so wol in Franckreich/ als in
                                unterschiedlichen Orten in Engeland verübet/ und endlich sein
                                unglückseliges/ doch wol verdientes Ende. Kürtzlich und wahrhafftig
                                der leichtsinnigen Jugend zur Warnung zusammen getragen durch W. B.
                                M. (96 S.). </extent>
                        </monogr>
                        
                        <idno type="vd17">1:012048F</idno>
                       
                        <note type="copies">
                            <list>
                                <head>Standorte des Erstdrucks</head>

                                <label>British Library London</label>
                                <item>Sign. General Reference Collection; 1076.i.44</item>
                                
                                <label>Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen</label>
                                <item>Sign. Scha 1.1</item>
                                <label>Staatsbibliothek zu Berlin</label>
                                <item>Sign. Fy20171</item>
                                <label>Staats- und Universitätsbibliothek Bremen</label>
                                <item>Sign.  ja 4113-592</item>
                                <label>Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg</label>
                                <item>Sign. Scrin A/75</item>
                                <label>Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena</label>
                                <item>Sign. 8 Bud.Var.251(1-2,5)</item>
                                <label>Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha</label>
                                <item>Sign. 13 - Eu. 8° 05576m (02) f</item>
                                <label>Universitätsbibliothek Osnabrück</label>
                                <item>Sign.  9890-692 5:592</item>
                                <label>Universitätsbibliothek Rostock</label>
                                <item>Sign.  Ad-3344</item>
                                <label>Zentralbibliothek Zürich</label>
                                <item>Sign. MFA 96: 592</item>
                               

                            </list>
                        </note>
                    </biblStruct>
                </listBibl>
            </div>
            <div type="author">
                <head>Verfasser und Verleger</head>
                <p> Der <bibl><title>Schau-Platz der Betrieger</title></bibl> wurde anonym publiziert, die Initialen W.B.M.
                    (dritter Teil, S. 1) konnten nicht aufgelöst werden. Zacharias Hertel eröffnete
                    1634 in Hamburg ein Verlags- und Sortimentsgeschäft, das später sein Sohn
                    übernahm. Der 1781 gegründete Verlag Hoffmann und Campe ging daraus hervor. </p>
            </div>
            <div type="history_of_the_work">
                <head>Publikation</head>
                <div type="principal_editions">
                    <head>Erstdruck</head>
                    <p>Erschienen 1687 in Hamburg und Frankfurt/Main bei Zacharias Hertel.</p>
                </div>
                <div type="other_editions">
                    <head>Weitere Ausgaben</head>

                    <p>Neu-eröffneter Schau-Platz der berüchtigsten Betrieger Spitzbuben/ Mörder/ Kirchen- und Strassen-Räuber dieses Seculi. Samt deren Execution und accuraten Portraiten, Hamburg: Thomas von Wiering 1723.</p>
                    <div type="other_editions">
                        <head>Partieller Neudruck</head>
                        
                    <p>Der durchtriebene Gaudieb Du Val, Das ist Dessen Aufferziehung, wunderliche
                        Beförderung bey Hoffe, unerhörte und listige Diebstale, die er so wol in
                        Franckreich als in unterschiedlichen Orten in Engeland verübet und endlich
                        sein unglücklseliges, doch wol verdientes Ende. Kürtzlich und warhafftig der
                        leichtsinnigen Jugend zur Warnung zusammen getragen durch W.B.M. Gedruckt in
                        diesem Jahr [ca. 1700], o.O.</p></div>
                            <div type="other_editions">
                                <head>Mikroform-Ausgabe</head>
                        
                    <p>New Haven: Research Publications 1973 (= German baroque literature, Harold Jantz collection; no. 3282, reel 592). </p>
                            </div>
                                <div type="digital_editions">
                                    <head>Digitale Ausgaben</head>
                                <p>
                        <hi rend="bold">
                            <hi rend="italics">- Digitale Ausgabe der Ausgabe von 1700</hi>
                        </hi>
                    </p>
                    <p>
                        <ref target="http://books.google.com/books?id=EPQ5AAAAcAAJ">Google ebooks 2009</ref>. Vorlage: Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek München, Sign. Biogr. 325. </p>

                
                
                    <p>
                        <hi rend="bold">
                            <hi rend="italics">- Volltexttranskription des Erstdrucks von 1687</hi>
                        </hi>
                    </p>
                    <bibl><note type="copies"><ref target="http://www.zeno.org/nid/2000444132X">http://www.zeno.org/nid/2000444132X</ref>.
                </note></bibl></div></div>
            </div>

            <div type="contents">
                <head>Inhalt</head>
                <p>Der erste Hauptteil umfasst 17 Geschichten auf 80 S.: <quote>Die betriegliche
                        Falsetta worin fürgestellet werden Die ungemeine Listig- und Behändigkeiten/
                        Einer in diesen Nordischen Quartieren überall bekandten leichtfertigen und
                        durchtriebenen Betriegerin/ und wie dieselbe zu letzt ihren verdienten Lohn
                        zu Hamburg empfangen.</quote>
                </p>
                <p>Im zweiten Teil werden auf 568 S. 256 Verbrechensfälle vorgestellt: <quote>List-
                        und lustige Welthändel.</quote>
                </p>
                <p>Im Anschluss folgen 11 Kapitel auf 96 S.: <quote><ref target="http://books.google.com/books?id=EPQ5AAAAcAAJ&amp;hl=de&amp;pg=PA7#v=onepage&amp;q&amp;f=false">Der durchtrieben Gaudieb DU VAL</ref>,
                    Das ist/ Dessen Aufferziehung/ wunderliche Beförderung bey Hoffe/ unerhörte
                        und listige Diebstale/ die er so wol in Franckreich/ als in
                        unterschiedlichen Orten in Engeland verübet/ und endlich sein
                        unglückseliges/ doch wol verdientes Ende. Kürtzlich und wahrhafftig der
                        leichtsinnigen Jugend zur Warnung zusammen getragen durch W. B. M. Gedruckt
                        in diesem Jahr.</quote>
                </p>
                <p>Das doppelseitige <ref target="http://www.gbv.de/vd17-cms/vd17_image_full_view?zuid=f7fd5071-d7f1-4128-b1bc-02fd49c21909">Frontispiz</ref> zeigt in der linken Bildhälfte sowie im Vordergrund
                    allerlei Diebereien und Betrügereien, im rechten Hintergrund aber zugleich deren
                    gerechte Bestrafung. </p>
                <p>In der Vorrede werden die hierarchischen Strukturen und geheimen Gesetze vieler
                    Gaunerbanden erörtert. Bemerkenswert sind z.B. Regeln zur Aufteilung der Beute,
                    etwa wenn ein Fünftel als Prämie zur Befreiung oder Freikaufung von Kameraden,
                    ein weiteres Fünftel für Ausspäher und ein Zehntel für soziale, gute Werke
                    zurückgehalten werden (Vorrede, unpag. [S. 7]). Frauen finden in aller Regel
                    keine Aufnahme in solche Bünde, Falsette in vorliegendem Buch bildet also eine
                    seltene Ausnahme. </p>
                <p>Ziel des Buches ist – laut Vorrede – eine Kombination aus praktischer Belehrung
                    (<hi rend="italics">prodesse</hi>) und kurzweiliger Unterhaltung (<hi rend="italics">delectare</hi>) bzw.
                    <quote>Erbauung</quote> durch <quote>Exempel</quote>: <quote>In diesem Buch/
                        günstiger Leser/ wird man von allerhand list- und lustigen Hand-Griffen
                        solcher verübten Diebereyen eine gantze Menge finden/ überdem siehet
                        derselbe auch hieselbst abgehandelt mancherley listige Striche/ die sich in
                        vielen andern Begebenheiten eräugnet haben/ also/ daß man hieraus wohl
                        erkennen mag/ welcher Gestalt die Welt itzo im argen/ insonderheit aber im
                        Betrug und List gleichsam ersoffen ist. Man hat diese Geschichte
                        zusammengetragen/ theils dem Leser zur Warnung oder Lehre/ damit er durch
                        Lesung derselben bester massen gewitziget werde/ sich für den Räncken
                        sothaner listiger Dieben u. loser Leuthen zu hüten/ fürnemlich aber bey
                        müßigen Zeiten die ermatteten Sinnen dadurch wieder auffzumuntern/ und sich
                        darin die Zeit zu kürzen [...]</quote> (Vorrede, unpag. [S. 9]). </p>
                <p>Die ersten 17 Geschichten präsentiert ein Ich-Erzähler über die
                        <quote>Ertz-Betriegerin Falsette</quote> (S. 3), die er in Hamburg im
                    Gericht beobachtete. Dort musste sie sich zu 296 Anklagepunkten verhalten und
                    wurde schließlich verurteilt. Falsette sei <quote>eine überaus verschlagene
                        Betriegerin</quote> gewesen, geradezu ein <quote>Wunder-Thier</quote> ihres
                    Metiers (S. 3). Die lockere Folge von Geschichten ist durch einen
                    novellistischen Charakter geprägt (z.B. <quote>Auff ein ander mahl verfügt sich
                        unsere Falsette zu einem Dorff-Priester [...]</quote>, S. 23). Wie später in
                    <rs type="person" ref="#hebel_johann_peter">Johann Peter Hebels</rs> Episoden von den Meisterdieben Zundelfrieder und
                    Zundelheiner geht es – nur weniger pointiert, raffiniert und kunstvoll – um
                    kleine gerissene Gaunereien, die dem Leser ein Schmunzeln ablocken und nicht
                    unmittelbar Anlass zur (moralischen) Verurteilung geben. Schon die Titel legen
                    das häufig nahe: <quote>Hier spielet Falsette einen artigen Possen</quote> (S.
                    36), <quote>Falsette beziehet einen Zöllner sehr listig</quote> (S. 38),
                        <quote>Falsette locket einen Officirer ins Netz</quote> (S. 39). Die
                    vorletzte Geschichte erzählt von der Überführung (<quote>Itzo wird Falsette über
                        ihren Schelmstücken zu Hamburg ertappet</quote>, S. 71), die letzte spielt
                    vor Gericht (<quote>Endlich wird die Falsette für Gericht geschleppet/ und
                        empfänget ihre Straffe</quote>, S. 75). Das Urteil lautete: <quote>daß sie
                            solte am Pranger öffentlich ausgestrichen/ ihr das lincke Ohr abgeschnitten
                        werden/ und sie auf Lebenslang ins Spinnen-Hauß verwiesen bleiben</quote>
                    (S. 77). Den Beschluss bildet ein Bänkellied <quote>Die Falsette am
                        Pranger</quote> (S. 78–80), das in folgende Lehre mündet: </p><p><quote>Du aber/ der du stehst und lachst/ <lb/>                 
                Und wohl zuweilen es nicht besser machst/ <lb/> 
                   Thu nimmermehr desgleichen/ <lb/> 
                Besondern mercke diß<lb/> 
                Kein kluger Schiffer segelt an/ <lb/> 
                            Wo ein gestrandtes Schiff von Klippen zeugen kan.</quote> (S. 80)<lb/> 
                </p>
                <p>Die 256 Fälle des Hauptteils <quote>List- und lustige Welthändel</quote> werden
                    durch eine knappe <quote>Erinnerung an den Lust-liebenden Leser</quote>
                    eingeleitet. Darin versichert der <quote>Verfasser</quote>, er habe die
                    vorliegenden <quote>Geschichten aus sehr vielen Authoribus ausgezogen</quote>
                    und kündigt an, dieses <quote>List- und Lust-Magazin</quote> zur Ostermesse des
                    kommenden Jahres weiter aufzufüllen. Die Überschriften zu den vorgestellten
                    Kriminalexempeln sind stets von ähnlicher Struktur, bestehend aus einem durch
                    ein Adjektiv charakterisierten Täter oder Opfer. Wie im zweiten Fall <quote>Der
                        listige Dieb</quote> (S. 3) fügt sich z.B. das Adjektiv
                        <quote>listig</quote> auch zu <quote>Frau</quote> (S. 9),
                        <quote>Phryne</quote> (S. 13), <quote>Lebens-Rettung</quote> (S. 13),
                        <quote>Fontimama</quote> (S. 17), <quote>Engelsmann</quote> (S. 25),
                        <quote>Auffenthalt</quote> (S. 29), <quote>Kayser</quote> (S. 42),
                        <quote>Teuscher</quote> (S. 47), <quote>Gast</quote> (S. 50),
                        <quote>Rache</quote> (S. 66), <quote>Goldmacher</quote> (S. 99),
                        <quote>Gefangene</quote> (S. 103), <quote>Narr</quote> (S. 109),
                        <quote>Student</quote> (S. 141) usw. Ähnlich wimmelt es von betrogenen
                    Betrügern (S. 5, 69, 391), Advokaten (S. 8), Juden (S. 10), Richtern (S. 15)
                    usw. Die Häufung dieser Beiwörter ist bezeichnend, denn tatsächlich überwiegen
                    Betrugsdelikte, Fälschungen, Trickdiebstähle, Ehebruch etc. deutlich gegenüber
                    Kapitalverbrechen wie Mord (<quote>Die mörderische List</quote>, S. 106;
                        <quote>Der listige Mörder</quote>, S. 211; <quote>Der rechtfertige Mörder
                        Lohn</quote>, S. 215). Die Länge der Texte variiert zwischen einer halben
                    und wenigen Seiten. </p>
                <p>In der Regel werden die Fälle in anekdotisch-episodischem Stil erzählt, ohne
                    juristische Analyse oder moralische Schlussfolgerung, wie sie etwa Harsdörffers <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000174/start.htm"><bibl><title>Der Grosse SchauPlatz Jämerlicher Mordgeschichte</title></bibl></ref> prägen. Ein
                    Beispiel: <quote>Der betroge[ne] Ehebrecher</quote> (S. 154) handelt auf einer
                    knappen Seite von einem Mann, dessen <quote>schändliche Wollust</quote> von
                    Dorfbewohnern durch einen lustigen Einfall bestraft wird: Während er seine
                    heimliche Geliebte (offenbar eine Dirne) besucht, vertauschen Bauern sein Pferd
                    gegen einen gesattelten Ochsen, von dem er bei seiner nächtlichen Rückkehr
                    schmachvoll abgeworfen wird; er <quote>meinte nicht anders/ als habe er auff dem
                        Teuffel geritten</quote> (S. 155). Auffällig ist die Zahl an Delikten, in
                    die Juden verwickelt sind, sei es als Opfer oder Täter (<quote>Der betrogene
                        Jude</quote>, S. 10; <quote>Der listige Jude</quote>, S. 235; <quote>Die
                        Jüdische Weißheit</quote>, S. 416; <quote>Der überlistete Jud</quote>, S.
                    418; <quote>Die betrogene Judenschafft</quote>, S. 531; <quote>Der übel bezahlte
                        Jud</quote>, S. 550). Unter den behandelten Figuren sind alle sozialen
                    Gruppen und Berufe vertreten, beispielsweise Advokaten, Apotheker, Bauern,
                    Bischöfe, Doktoren, Fürsten, Gastwirte, Goldmacher, Grafen, Herzöge, Kanzlisten,
                    Kardinäle, Knechte, Köchinnen, Müller, Musiker, Päpste, Pfarrer, Poeten,
                    Prinzen, Quacksalber, Räuber, Richter, Schneider, Skribenten, Soldaten, Spieler,
                    Studenten, Wechsler, Weinhändler, Zauberer, Zöllner. Die versammelten Fälle
                    wirken insgesamt realistisch und faktisch begründet. Wie schon in <rs type="person" ref="#harsdoerffer_georg_philipp">Harsdörffer</rs>s <ref target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000174/start.htm"><bibl><title>Der Grosse SchauPlatz Jämerlicher Mordgeschichte</title></bibl></ref> (Nr. 75, 105)
                    spielen Gespenster höchstens am Rande eine Rolle: In <quote>Das falsche
                        Gespenst</quote> (S. 34), <quote>Das bezahlte Gespenst</quote> (S. 522) oder
                        <quote>Der vermeinte Teuffel</quote> (S. 35) werden solche übernatürlichen
                    Geister nur arglistig vorgetäuscht. </p>
                <p>Im Unterschied zu den Episoden über Falsette im ersten und den knappen
                    Straffällen im zweiten Teil, präsentiert der kürzere Schlussteil eine
                    Verbrecherbiographie: Claude Duval ist der Sohn eines Müllers aus der Normandie,
                    durch Studien und durch den Dienst für einige hohe Herren, u.a. den Herzog von
                    Buckingham, überwindet er die Schranken seiner provinziellen Herkunft und wird
                    in England als <quote>Edelmann</quote> (S. 9) angesehen. Eine <quote>Liebe oder
                        Närrische Buhlerey</quote> stürzt ihn von diesem <quote>Thron seines Glücks
                        herab</quote> (S. 10), zurück in Frankreich gerät er auf die schiefe Bahn,
                    wird Falschspieler und Dieb. In Paris beraubt er einen Goldschmied und verletzt
                    dabei einen Edelmann, worauf er in die Normandie flieht. Dort schließt er sich
                    einem Gasconier und einem Engländer an, die ihrerseits ihr Leben erzählen. Die
                    drei gehen als Straßenräuber nach England, wo sie allerlei Diebstähle verüben
                    und Du Val schließlich von seinen Spießgesellen selbst ausgeraubt wird. In
                    Richmond rächt er sich an dem Gasconier, den er tödlich verwundet und dafür
                    außerhalb Londons gehenkt wird. </p>
            </div>

            <div type="classification">
                <head>Kontext und Klassifizierung</head>
                
                <p>Der <bibl><title>Schau-Platz der Betrieger</title></bibl> steht am Anfang einer
                    neuen Mode: Anthologien mit Charakteristiken oder kurzen Biographien berühmter
                    Verbrecher finden im frühen 18. Jahrhundert eine starke Leserschaft, die sich
                    für Sensationsgeschichten interessieren. Solche Exempla-<hi rend="italics"
                        >Theatra</hi> sind ebenso verbreitet wie beliebt, der <ref
                        target="http://diglib.hab.de/edoc/ed000155/start.htm"
                                ><bibl><title>Neu-eröffnete kleine Schau-Platz</title></bibl></ref>
                    (1772), der die Hinrichtung berühmter Verräter oder Aufständischer behandelt,
                    ist mit dem Schau=Platz der Betrieger ebenso vergleichbar wie der spätere <ref
                        target="http://www.bsb-muenchen-digital.de/%7Eweb/web1039/bsb10396370/images/index.html?digID=bsb10396370&amp;pimage=9&amp;v=100&amp;nav=0&amp;l=de"
                                ><bibl><title>Schauplatz der ausgearteten
                                    Menschheit</title></bibl></ref> (1799). <rs type="person" ref="#smith_alexander">Alexander Smiths</rs> <bibl><title>A
                            Complete History of the Lives and Robberies of the Most Notorious
                            Highwaymen, Footpads, Shoplifts &amp; Cheats [...]</title></bibl> (1714)
                    ist ein besonders frühes Beispiel für dieses Genre. Smiths Sammlung erreicht
                    fünf Auflagen bis 1719, im Jahr darauf erscheint die deutsche Fassung unter dem
                    Titel <bibl><title>Leben und Thaten der berühmtesten Strassen-Räuber, Mörder und
                            Spitzbuben so in den letzten fünfzig Jahren in dem Königreich England
                            sind hingerichtet worden [...]</title></bibl>. Hier findet sich auch das
                    Verbrecherporträt <quote>Duval, ein berüchtigter Straßenräuber</quote> (Kap.
                    XII). Smith fasst in Buchform zusammen, was zuvor auf Hinrichtungsstätten feil
                    geboten wurde: Geständnisse und letzte Worte in Gestalt von illustrierten
                    Flugschriften (<hi rend="italics">leaflets</hi>) oder Extrablättern (<hi
                        rend="italics">broadsheets</hi>), die von Exekutionsjournalisten für wenig
                    Geld an das Publikum verkauft wurden (<bibl><ref type="bibliography"
                        target="#willems_verbrecher_2002">Willems</ref></bibl>). In <rs type="person" ref="#hogarth_william">William
                    Hogarths</rs> Bildergeschichte <bibl><title>Industry and Idleness</title></bibl>
                    (1747) erkennt man auf der 11. Platte <bibl><title>The Idle Prentice Executed at
                            Tyburn</title></bibl> in der Bildmitte eine solche rasch gedruckte
                    Flugschrift, die mit letzten Worten aufwartet (<quote>The last dying Speech
                        &amp; Confession of—Tho. Idle</quote>), noch <hi rend="italics">bevor</hi>
                    der Delinquent im Hintergrund den Galgen überhaupt erreicht hat. </p>
                <p>Auch der <bibl><title>Schau-Platz der Betrieger</title></bibl> präsentiert
                    möglichst aktuelle Fälle, die dem Leser ebenso aus anderen Quellen oder vom
                    Hörensagen bekannt sein könnten. So erhält die Sensationslust neue Nahrung. Die
                    ersten 17 Verbrechensepisoden über Falsette würde man heute vielleicht als
                    Gerichtsreportagen bezeichnen, sie berichten Einzelfallgeschichten aus
                    zeitgenössischen Rechtsverfahren. <rs type="person" ref="#seeliger_ewald_gerhard">Ewald Gerhard Seeliger</rs> mag in seinem
                    erotischen Abenteuerroman <bibl><title>Vielgeliebte Falsette</title></bibl> (1952) außer dem Namen der
                    barocken Figur auch einzelne ihrer Züge übernommen haben. </p>
                <p>Der umfangreiche Mittelteil beansprucht keine Aktualität, vielmehr handelt es
                    sich um eine Kompilation von Kriminalanekdoten, Schwänken und Fallgeschichten
                    der Vergangenheit. Mit Claude Duval (1643–1670) wird im dritten Teil wiederum
                    ein prominenter Räuber der Zeit porträtiert. Er trat als gut gekleideter
                    Gentleman auf, verzichtete auf Gewalt und wurde zur Legende. Ein Ölgemälde von
                    <rs type="person" ref="#frith_william_powell">William Powell Frith</rs> aus dem Jahre 1860 zeigt ihn als Tänzer am Wegesrand,
                    angeblich soll er bei einem Kutschenüberfall auf einen großen Teil des möglichen
                    Raubgutes verzichtet haben, nachdem die betroffene Dame sich von ihm zu einem
                    Tanz bitten ließ. Sagenhafte Überlieferungen dieser Art bilden auch die
                    Grundlage zur komischen Oper <bibl><title>Claude Duval</title></bibl> von <rs type="person" ref="#solomon_edward">Edward Solomon</rs> und <rs type="person" ref="#pottinger_stephens_henry">Henry Pottinger
                    Stephens</rs> aus dem Jahre 1881. Am 21. Januar 1760 wurde Duval auf der Londoner
                    Hinrichtungsstätte Tyburn gehenkt. Seine Grabinschrift lautet: 
                </p><p><quote>Here lies DuVall: Reder, if male thou art,<lb/>
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                    Du Vall, the ladies’ joy; Du Vall, the ladies’ grief.</quote>
                </p>
                
            </div>
            
            
            <div type="bibliography">
                <head>Bibliographische Nachweise und Forschungsliteratur</head>
                <listBibl>
                    <bibl>VD17 1:012048F<ptr type="vd17" cRef="1:012048F"/></bibl>
                    <bibl xml:id="hallett_riding_hogarth_2006">Mark Hallett, Christine Riding: Hogarth. London 2006</bibl>
                    <bibl xml:id="kosenina_rechtsaufklärung_2008">Alexander Košenina: Rechtsaufklärung und Kriminalliteratur, in: Ulrich Johannes Schneider (Hg.): Kulturen des Wissens im 18. Jahrhundert. Berlin, New York 2008, S. 271-278</bibl>
                    <bibl xml:id="smith_strassen-räuber_1986">Alexander Smith: Leben und Thaten der berühmtesten Strassen-Räuber, Mörder und Spitzbuben so in den letzten fünfzig Jahren in dem Königreich England sind hingerichtet worden. Leipzig, Weimar 1986</bibl>
                    <bibl xml:id="solomon_stephens_duval_1882">Edward Solomon, Henry Pottinger Stephens: Claude Duval, or, Love and Larceny: Romantic Comic Opera in Three Acts. Philadelphia 1882</bibl>
                    <bibl xml:id="willems_verbrecher_2002">Marianne Willems: Der Verbrecher als Mensch. Zur Herkunft anthropologischer Deutungsmuster der Kriminalgeschichte des 18. Jahrhunderts, in: Aufklärung 14 (2002), S. 23-48</bibl>
                </listBibl>
            </div>
           
        </body>
    </text>
</TEI>
