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Beschreibung von Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 2° Cod.Ms. jurid. 390
Lukas Wolfinger: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen volkssprachigen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Lukas Wolfinger.
Handschriftentitel: Schwabenspiegel
Entstehungsort: Schwaben Kirchheim unter Teck (?)
Entstehungszeit: 15. Jh., 2. H. (um 1460?)
Katalognummer: Meyer-Sign. Jurid. 390
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Horn (WZIS DE3270-jurid390_157); Horn (WZIS DE3270-jurid390_159; ähnliche Wasserzeichen in den 1460er-Jahren belegt); Horn (WZIS DE3270-jurid390_13; ähnliche Wasserzeichen in den 1460er-Jahren belegt); Horn (WZIS DE3270-jurid390_12); Ochsenkopf (WZIS DE3270-jurid390_31; ähnliche Wasserzeichen: WZIS DE0480-PO-59787 - 1462, Augsburg; WZIS DE8085-PO-59642 - 1460, Achstetten; WZIS DE4680-PO-59650 - 1460/61, Konstanz); Ochsenkopf (WZIS DE3270-jurid390_74; ähnliche Wasserzeichen: WZIS DE4680-PO-59724 - 1462, Konstanz; WZIS DE8085-PO-59718 - 1462, Mainz).
Umfang: 192 Bl.
Format: 31,5 × 22-22,3 cm
2
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1-190; zudem beim Haupttext bzw. auf 11r-188r ma. Blattzählung in roter Tinte (1-178).
Lagenstruktur: Lagen: VI+1 (102!). 15 VI (190); vorne an die erste Lage angeklebt sind ein altes Vorsatzblatt (als Bl. I gezählt) sowie ein kleines ma. Notizblatt, auf dem Stellenverweise zu einzelnen Themen eingetragen sind; zudem sind die letzten beiden Bl. dieser Lage nicht eigens bzw. nur mit Unternummern gezählt (101-2); daran anschließend einheitlich Sexterniones; am Ende der Lagen durchgehend Reklamanten, die Falze mit schmalen Pergamentstreifen verstärkt;
Seiteneinrichtung: Schriftraum: 20,5 × 13,8-14,1 cm; 24-33 Zeilen in Teil I bzw. 39-42 in Teil II
Hände: ; gesamter Haupttext in Bastarda von einer geübten Hand und relativ groß geschrieben; nur wenige Korrekturen, jedoch an den Seitenrändern zahlreiche spätere Einträge bzw. Ergänzungen von einer weiteren Hand - vielleicht derselben, die auf den zwei ursprünglich leeren Blättern am Ende der letzten Lage drei kurze Texte nachgetragen hat;
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Haupttext gleichmäßig rubriziert, Namen sowie Textzitate und -verweise rot unterstrichen (bei den Nachträgen auf 189r-190v hingegen fehlt die Rubrizierung); zwischen Textabschnitten bisweilen einfache Blatt- und Rankenmotive als Trennelemente;

schlichte Lombarden bzw. Initialen in Rot (2-zeilig), bisweilen mit Ansätzen zu Ranken- und Blattwerk oder cadellenartigen Fortsätzen. Nur zu Beginn des Haupttextes auf 1r sowie am Anfang des Teils zum Lehnrecht größere Initialen mit reicheren Zierelementen: 6-zeilig, mit Fleuronnée bzw. ausgeprägterem Blüten- und Rankenwerk (ornamental gestaltet im Binnenfeld der Initiale) samt eingebundener Darstellung eines Kopfes bzw. Gesichts auf 1r; auf 135v 4-zeilig, Ansätze von Fleuronnée und eine analog zu 1r gestaltete, aber auf dem Rücken bzw. Hinterkopf liegende Gesichts-Darstellung.

Einband: Neuer Papp-Einband mit Stoffbezug; darauf geklebt die Reste des spätma., hellen Ledereinbandes; dieser ursprünglich mit zwei Metallschließen; die Innenseite der Einbanddeckel zur Gänze modern, spätma. Überreste derselben nicht vorhanden; auf dem Rücken aufgeklebt ein modernes rotes Titelschildchen mit der Aufschrift Schwabenspiegel sowie ein Papierschildchen mit moderner Göttinger Signatur; diese mit Bleistift auch im VS eingetragen (2o Cod. jurid. 390); im VS außerdem eingeklebt das Formular der Preuß. Akad. d. Wiss. (Bearbeiterin: Dr. Marie-Luise Dittrich; Mai 1938) sowie die Beschreibung von Wilhelm Meyer und der gedruckte Vermerk Auch als Mikroform vorhanden unter Sign.: mit dem maschinenschriftlichen Eintrag MF 2o Cod. Ms. jurid. 390, 11-188.
Entstehung der Handschrift: Der Schrift nach zu urteilen, dürfte die Handschrift in der 2. H. des 15. Jahrhunderts angefertigt sein, die Wasserzeichen deuten auf eine Entstehung um 1460. Bereits die Schreibsprache (Südalemannisch, nördlicher Bodensee) spricht für eine Herkunft aus dem schwäbischen Raum; zudem besagt das Kolophon, dass der Haupttext von einem sonst nicht nachweisbaren Martinus Rauenspurger Scriptor in Kircheim geschrieben wurde, also wohl einem Berufsschreiber, dessen Name auf die schwäbische Stadt Ravensburg unweit des Bodensees verweist. Mit dem im Kolophon erwähnten Kircheim dürfte Kirchheim unter Teck gemeint sein, da die übrigen bekannten Orte dieses Namens deutlich kleiner bzw. im Mittelalter keine Städte waren und somit als Wirkungsort und Bezugspunkt der Selbstbezeichnung eines Berufsschreibers weniger wahrscheinlich sind.
Provenienz der Handschrift:
  • Zu Kirchheim unter Teck, das als herrschaftlicher Mittelpunkt bzw. Sitz eines württembergischen Amtes fungierte, würde die Handschrift auch von ihrem Inhalt her gut passen, denn mit dem Schwabenspiegel und den wohl etwas später, um 1500, angefügten Texten zu Fragen des Zehents und der Verleihung von Mühlen und Höfen (189ra-190vb) erscheint sie gut geeignet zu einer Verwendung auf mittlerer Verwaltungsebene (siehe dazu auch das Ende des Textes zur Verleihung von Höfen: Fürsten vnd mechtig herschafften bedürffen nit vil sorg noch form gen iren meyern dann in irem gewalt steet recht vnd vnrecht).
  • Im 18. Jh. befand sich die Handschrift im Besitz des Schriftstellers, Juristen und Diplomaten Joseph Albrecht von Ittner (zu ihm siehe bei 2o Cod. Ms. jurid. 93).
  • Von diesem wurde sie 1798 - gemeinsam mit zwei weiteren Handschriften juridischen Inhalts (SUB Göttingen, 2o Cod. Ms. jurid. 214 und SUB Göttingen, 2o Cod. Ms. jurid. 93) - der Bibliothek der Universität Göttingen geschenkt, an der er studiert hatte. Auf 1r ältester kleiner Bibliotheksstempel der Georgia Augusta; zudem in der rechten oberen Ecke der nicht genau einzuordnende Vermerk N. V. (durchgestrichen)/ N. II., der in den beiden anderen Handschriften aus dem Vorbesitz J. A. Ittners Parallelen hat, da sich dort an der gleichen Stelle ähnliche Einträge finden (2o Cod. Ms. jurid. 93: N. IV. [oder N. III.?]; 2o Cod. Ms. jurid. 214: N I). Vermutlich handelt es sich hier um Altsignaturen, unklar ist allerdings, ob sie von J. A. v. Ittner oder einem anderen Vorbesitzer stammen.
Inhalt:
  • Ir-v Vermerke: auf dem Vorsatzblatt am oberen Seitenrand die an der UB Göttingen geschriebenen Einträge: Schwaebisches Land und Lehenrecht und (vid. Man. 1798. S. 91) (Verweis auf den Eintrag im Manuale der Göttinger UB bzw. des Bibliotheks-Archivs); darüber der Eintrag N 5. (oder N S.?); an das Blatt vorne unten angeklebt ein früher wohl loses kleines, ma. Blatt mit inhaltlichen Verweisen bzw. Seitenangaben zu einzelnen Themen.
  • 1ra–188rb Schwabenspiegel (Langform IIa).
    • (1ra-10va) Register zum Schwäbischen Land- und Lehnrecht. Mit Angabe des Inhalts bzw. der Überschriften der Kapitel sowie der Seitenzahlen: I. Die vorrede … — … Clxxvii. Der in siechtum sin leben vff sendet. Der nuwes lehenrecht enpfahet. Explicit etc.
    • (11ra-135r) Schwäbisches Landrecht (in 361 Artikeln). >Herre got himelscher vatter durch din milte gütte geschüfft du den menschen mit dryualter wirdigkait.< Dü erst ist, das er nach dir gebildet ist … — … hät ers aber by ainem ewibe oder by ainer ledigen vnd ist er selbe ain emann so haisset es ain hůren kind vnd kan im der vatter mit nichten kain gůt gestatten im niementz dw e kinde wol mit rechte, Amen. Deo gracias. Hie nach vachet sich an das lechen recht bůch. (135va-188rb) Schwäbisches Lehnrecht (in 155 Artikeln). Wer lechen recht kunnen welle der volge disz bůchs lere. Des ersten süllen wir mercken das die kunge hond gesetzet süben herschilt der behebet der küng den ersten pfaffen fürsten den andern laygen fürsten den dritten frye herre den vierden mittel fryen … — … der ist vor gotte verdampnot an libe vnd an sele. Gott durch alle sine gůtte der geb vns die genäde das wir also mit dem rechten vmbe gen süllen in diszer welte das wir sin da geniessen da sich lib vnd sele schaiden. Amen. Deo gratias. Hye hat disz lechenrecht Bůch ain ende das vns got allen vnsern kummer wende. Martinus Rauenspurger Scriptor in Kircheim Amen.
      Edition (auch nach dieser, mit der Sigle Zg bezeichneten, Handschrift): Eckhardt, Schwabenspiegel Langform Z; zu dieser Fassung des Schwabenspiegels ebd., S. 15-20; zudem Oppitz 1, S. 37; allgemein zum Schwabenspiegel ebd., S. 34-42 sowie D. Buchhester - M. Müller, Art. Schwabenspiegel; 2VL 8, Sp. 896-907.
  • 189r-190v Drei Stücke über die Leihe von Zehenten, Mühlen und Lehen.
    • (189ra) >Von zehenden.< Wer einen zehenden köfft der sol den ordenlichen sameln vffheben vnd einfüren vnd von stunden vsztreschen vnd die gült dauon dem herren antworten dann er bedarff nit … — … Es sij vmb gelt oder vmb getreide so besteet es bij demselben gedinge vnd ziele als die gemachet sind etc.
    • (189ra-189rb) >Von mülin.< Wer mülin zuuerlihen hat der sol mercken von ersten die gewonheit der statt oder lands vnd waz er nicht also haben will mit gedinge fürkommen vnd besunder wan man nüw mülin gebuwen hat vnd die vff erbrecht oder vff jare hin lihen will … — … Ist er glich besser oder erger daz geet einem teil zu dem annderen abe allweg nach vier mann rate der yeder teil zwen dartzu gyt etc.
    • (189va-190vb) >Wie man hofe verlihen sol.< Zum ersten ist zemercken ob der hofe vnvogtbar vnsteurper vngerichtber vnzehentper vnd vndinstper sij vnd ob er allein lige, so lihet man den einem meyer … — … Fürsten vnd mechtig herschafften bedürffen nit vil sorg noch form gen iren meyern dann in irem gewalte steet recht vnd vnrecht.
    Druck: siehe etwa Unger, Des Richtes Stig, S. 107-111.; die drei Texte sind sonst mehrfach als Anhang zur deutschen Bearbeitung des 'Ordo Antequam' überliefert; Lit.: 2VL 11, Sp. 1083-1090 (hier unter Nr. III,b bzw. Sp. 1087-1088) sowie Stintzing, Geschichte, hier S. 219.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
Göttingen 1 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 1: Universitäts-Bibliothek: Philologie, Literärgeschichte, Philosophie, Jurisprudenz, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
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