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Beschreibung von Cod. Guelf. 1129 Helmst.
geplant: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 5: Cod. Guelf. 931 bis 1160 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser.
Handschriftentitel: Epistola de vita et passione domini nostri Jesu Christi
Entstehungsort: Südostniedersachsen (Augustiner-Chorfrauenstift Heiningen?)
Entstehungszeit: 1464–1470
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Ochsenkopf mit Augen, darüber einkonturige Stange, darüber Blume, darunter Beizeichen – Marke aus Schaft, zwei Kreuzsprossen und Dreieck: Piccard-Online 66409 (1464, ein weiterer Typ nicht nachweisbar).
Umfang: 38 Bl.
Format: 16 × 11,5 cm
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung modern: 1–36, die beiden ersten leeren Bl. ungez.
Lagenstruktur: I (leer, ungez.). 3 VI (36). Lagenmitte jeweils mit Pergamentfalzen verstärkt, um die letzte Lage zusätzlich ein Papierumschlag (max. 2 cm breit) gelegt.
Zustand: In der letzten Lage und auf dem hinteren Umschlag Schwemmränder eines Wasserschadens.
Seiteneinrichtung: 12 × 7,5 cm, einspaltig, 19–23 Zeilen.
Hände: Etwas unregelmäßig wirkende Bastarda mit kursiven Zügen von einer Hand.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, rote Lombarden.
Spätere Ergänzungen: Auf Bl. Ir die von einer Benutzerin eingetragene Invokation Ave Maria.
Einband: Spätgotischer Koperteinband. Der äußere Umschlag besteht aus zwei ineinandergefalteten Pergamentblättern (siehe Fragmente). Die Lagen sind ohne zusätzliche Verstärkungen durch einen weiteren durchgehenden, doppelt gelegten Pergamentfalz geheftet. Dieser ist seinerseits an Kopf und Schwanz ohne weitere Verstärkung an den eigentlichen Umschlag geheftet. Die vom hinteren Umschlag ausgehende Klappe mit dem Wickelverschluss wurde abgeschnitten. Vgl. Lesser/Prinsen, 76. Bindung und Einbandmontage sehr ähnlich wie bei Cod. Guelf. 613 Helmst.
Zusatzmaterial: 4 Fragmente, 1. Äußerer Umschlag: Pergament, Teil eines an den Kanten umgeschlagenen Doppelbl., misst entfaltet noch ca. 29 x 28,5 cm (beschnitten). Schriftraum: ca. 29 x 28 cm, einspaltig, 13 Zeilen.Über jeder Zeile ein Notensystem, Metzer Neumen auf fünf Linien, c-Linie rot, f-Linie gelb.Späte Carolino-Gothica, 13. Jh., 1. Hälfte. Rubriziert, rote und grüne Lombarden, am Beginn der einzelnen Antiphonen größer, mit Konturbegleitstrichen in der Gegenfarbe. Durch Gebrauch und Wassereinfluß Text stark abgerieben, nur noch teilweise erkennbar. Antiphonale officii. Antiphonen zur feria IV–VI paschae (CAO 2717, 5079, 3705, 1408, 3800). 2. In den äußeren Umschlag kopfständig eingelegt: Pergament, Teil eines Doppelbl., misst noch ca. 17,5 x 14,5 cm (beschnitten). Schriftraum: 13 x 13 cm, einspaltig, 20 Zeilen.Carolino-Gothica, 12. Jh., 3. Viertel. Rubriziert, rote Lombarden. Gebetbuch. Das Fragment enthält mehrere zusammengesetzte Gebetstexte, die in dieser Form und für diesen Entstehungszeitraum noch nicht nachgewiesen sind. Beispielsweise beginnt eine oracio im VD mit dem Incipit des Gebets vor der Kommunion (PL 78, 244 u. ö.), wird allerdings abweichend und an eine weibliche Leserin angepasst fortgesetzt: Domine Jesu Christe qui ex voluntate patris cooperante spiritu sancto per mortem tuam mundum vivificasti perditum libera me miseram famulam tuam per passionem et crucem tuam per quinque vulnera tua … Ein ähnliches, wenn auch späteres Beispiel für die Modifikation der eucharistischen Orationen in einem Gebetbuch für einen Frauenkonvent bietet die Hs. Soest, SB, Cod. 15, 21v–89r, bes. 67r (Soest, 110f.). 3. Heftfalz: Pergament, Teil eines Bl., doppelt gefaltet, misst noch ca. 16,5 x 5 cm (beschnitten). Schriftraum: 16 x 5 cm, einspaltig, 19 Zeilen.Carolino-Gothica, um 1200. Rubriziert, rote und grüne Lombarden. Breviarium. Das Fragment enthält Teile der Lesungen und Gebete (Bruylants 2 773) zur octava Epiphaniae sowie zur dominica II und III post Epiphaniam. 4. Als Lesezeichen lose eingelegt ein Papierbl., ca. 13 x 21,5 cm, 15 Zeilen. Jüngere gotische Kursive, 15. Jh., 2. Hälfte. Schreibsprache: Mittelniederdeutsch. Ausgabenliste. Hec sunt exposita. Primo I talentis vor dat witte schepene leder. Item VIII flor. vor bly vnd vor de anderen hude to den belghen … — … Item IIII denarii to harte. Item IIII nyge den to lechten.
Entstehung der Handschrift: Der als privates Meditationsexemplar dienende Codex wurde laut Wasserzeichendatierung (1464) kurz nach der Fertigstellung des Textes durch Johannes Busch angefertigt und für den Gebrauch in einem Frauenkonvent modifiziert. Das frühe Datum der Abschrift deutet auf eine enge Beziehung der Schreiberin bzw. ihres Konvents zu dem Reformator hin. Art und Alter der für den Koperteinband verwendeten Makulatur lassen darauf schließen, dass der Codex vermutlich im Augustiner-Chorfrauenstift Heiningen geschrieben wurde, dem Johannes Busch von 1459 bis 1476 als Propst vorstand.
Erwerb der Handschrift: Seit 1572 in der Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel, 1614 im Gesamtkatalog des Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 309) unter Papalia miscellanea Bb 34 als Epistola devota de internis exercitiis et de vita et passione domini nostri Ihesu Christi, manuscr. aufgeführt. 1618 in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt. 1644 im Katalog der Helmstedter Universitätsbibliothek (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 22r) als Epistola de virtutis exercitiis et de vita Christi unter den Theologici in octavo nachgewiesen; im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 998 genannt.
Inhalt:
1. 1r–36v Epistola de vita et passione domini nostri Jesu Christi interprete Johanne Busch.
  • (1r–36r) Textus. >Incipit epistola devota de internis exerciciis et de vita et de passione domini nostri Ihesu Christi<. Qui perseveraverit usque in finem hic salvus erit [Mt 10,22]. Dilecte et preamande soror in corde domini nostri Ihesu Christi habeas verba prescripta ante cordis tui oculos et persevera … — … cor mundum et occupatum ei preparaveris in quod agere potest. Quod tibi concedat deus Amen. >Explicit epistola devota de internis exerciciis vite et passionis domini nostri Ihesu Christi<.
  • (36r–v) Johannes Busch. >De tempore quando ista exercicia sunt meditanda<. Tria puncta exerciciorum prescriptorum singulis diebus ruminanda … — … formam modumque ista meditandi aperte et copiose habes in libris de spiritualibus ascensionibus scilicet Beatus vir et Homo quidam.
Bei diesem Werk handelt es sich um die von dem Klosterreformer und Chronisten Johannes Busch angefertigte lateinische Übersetzung eines anonymen mittelniederländischen Meditationstextes, vgl. C. C. de Bruin, De dietse oertekst van de anonieme ‘Epistola de vita et passione domini nostri Ihesu Christi et aliis devotis exercitiis’, in: Nederlandsch archief voor kerkgeschiedenis NS 34 (1944/45), 1–23. Es ist das einzige bekannte Exemplar, das explizit für einen Frauenkonvent bestimmt war, da die ursprünglich benutzte Leseranrede frater durch soror ersetzt wurde.
Textgeschichte: Mit identischem Textbestand in Cod. Guelf. 62.16 Aug. 8°, 195r–211r; ohne den Schlussabschnitt von Busch in Cod. Guelf. 1230 Helmst., 125r–136v; 1143 Novi, 1r–14r; teilweise in Cod. Guelf. 1310 Helmst., 73r–86v.
Edition
  • Des Augustinerpropstes Johannes Busch Chronicon Windeshemense und Liber de reformatione monasteriorum, hrsg. von K. Grube, Halle/S. 1886 (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete 19), 226–244;
  • Epistola de vita et passione Domini nostri. Der lateinische Text mit Einleitung und Kommentar hrsg. von M. Hedlund, Leiden 1975 (Kerkhistorische Bijdragen 5), 89–110 (zum Text siehe 5–86).
Literatur
  • E. Persoons, Rezension zu: Epistola de vita et passione Domini. Der lateinische Text mit Einleitung und Kommentar kritisch herausgegeben von Monica Hedlund…, in: Revue belge de philologie et d’histoire 57 (1979), 773f. (Hs. genannt);
  • 2VL 1, 1141 und 10, 538–542;
  • B. Lesser, Johannes Busch: Chronist der Devotio moderna. Werkstruktur, Überlieferung, Rezeption, Frankfurt/M. 2005 (Tradition – Reform – Innovation 10), 182–208 (199, 207f. Hs. genannt).
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
CAO R.-J. Hesbert, Corpus antiphonalium officii, Bd. 1–6, Rom 1963–1979 (Rerum ecclesiasticarum documenta. Series maior 7–12)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Kruse Stiftsbibliotheken B.-J. Kruse, Stiftsbibliotheken und Kirchenschätze. Materielle Kultur in den Chorfrauenstiften Steterburg und Heiningen, Wiesbaden 2016 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 28)
Lesser/Prinsen B. Lesser und F. Prinsen, Gebunden, geheftet, vernäht. Vielfältige Einbände aus Frauenklöstern, in: Rosenkränze und Seelengärten – Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern, hrsg. von B.-J. Kruse, Wiesbaden 2013 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 96), 71–78
Piccard-Online Piccard-Online. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 340 (http://www.piccard-online.de)
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Rosenkränze und Seelengärten Rosenkränze und Seelengärten — Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern, hrsg. von B.-J. Kruse, Wiesbaden 2013 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 96)
Soest Die mittelalterlichen Handschriften der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Soest, beschrieben von B. Michael, Wiesbaden 1990

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