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Beschreibung von Cod. Guelf. 321 Helmst.
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung
Handschriftentitel: Evangeliar
Entstehungsort: Werden, Benediktinerkloster St. Ludgeri
Entstehungszeit: 10. Jh., 1. Viertel
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 356
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412186,T
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 175 Bl.
Format: 28 × 19 cm
Seitennummerierung: Tintenfoliierung modern: 1174, Zählfehler: Bl. 55 übersprungen. Zusätzlich auf dem Kopfsteg von Bl. 8–90 alte Foliierung des 15. oder 16. Jh.: 181, Zählfehler: Nr. 15 übersprungen.
Lagenstruktur: I (2). II+1 (7). III+1 (14). III (20). 3 IV (44). IV+1 (53). 9 IV (126)! IV–2 (132). II+1 (137). 3 IV (161). II+1 (166). IV (174). Meist Befolgung der Gregory-Regel, Blätter mit Initialen nachträglich eingeklebt.
Zustand: Der gesamte Codex weist an den unteren äußeren Ecken der Bl. starke Benutzungsspuren (Anschmutzungen, z. T. sogar, wie bei Bl. 160, Strukturveränderungen des Pergaments) auf. Im Zuge der Neubindung wurde der Buchblock großzügig beschnitten; ein Teil der Marginalien sowie Reklamanten o. ä. sind verloren.
Seiteneinrichtung: 23 × 15 cm, zweispaltig (Spaltenbreite unregelmäßig, meist 5–6 cm, 23 blindliniierte Zeilen; Nachtrag 154ra–156vb ebenso, jedoch 40–42 Zeilen.
Hände: Haupttext in aufrechter, etwas unregelmäßig wirkender karolingischer Minuskel mit einigen auch für das Skriptorium in Corbie typischen Merkmalen der Unzialis, vgl. auch Cod. Guelf. 179 Gud. lat., dazu B. Bischoff, , Die Schriftheimat der Münchner Heliand-Handschrift, in: Ders., Mittelalterliche Studien. Ausgewählte Aufsätze zur Schriftkunde und Literaturgeschichte 3, Stuttgart 1981, 112–119, hier 116f. Von insgesamt vier sehr ähnlichen Händen geschrieben,
  • Hand 1: 1ra–7vb, 8va–52vb, 53va–75vb, 133ra–154ra und 156vb–167va;
  • Hand 2: 76ra–85vb und 86va–132vb;
  • Hand 3: Text auf den hinzugefügten Initialseiten 53r–v und 86r;
  • Hand 4: 167ra–174vb (Capitulare);
  • das Reliquienverzeichnis 166va wurde von einer weiteren Hand nachgetragen.
  • Eine weitere Hand fügte in Bastarda im 15. Jh. zahlreiche Marginalien und den Text auf Bl. 154ra–156vb hinzu.
Musiknotationen: Einige Textpassagen wurden nachträglich mit Neumen bzw. Hufnagelnotation zur Unterstützung des liturgischen Vortrags versehen, vgl. (8va–9ra) Mt 1,2–16: Stammbaum Christi; (80ra–b) Mc 16,1–7: Auferstehung, in marg. im 14. oder 15. Jh. ergänzt durch den typischen Perikopenzusatz In illo tempore; (87rb) Lc 1,26–55: Verkündigung und Heimsuchung Mariae; (110rb–va) Lc 12,35–40 zunächst neumiert, später Neumen radiert und durch sparsame Hufnagelnotation ersetzt; (133ra) Io 1,1–14.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Am Beginn der Prologe und der einzelnen Evangelien Flechtbandinitialen vom Aussparungstypus mit insularen und teilweise frankosächsisch inspirierten Elementen (Fabelwesen, vgl. dazu G. L. Micheli, L'Enluminure du haut moyen âge et les influences irlandaises. Histoire d'une influence, Bruxelles 1939, 156 und Fig. 243) und den für die Ornamentik von Corbie bzw. Werden typischen scheibenförmig gerahmten Intermediärknoten, die am ehesten dem Initialschmuck zweier etwas älterer Hss. vergleichbar sind, nämlich Berlin, SBBPK, Ms. theol. lat. fol. 322, datiert 9. Jh., 2. Hälfte (Berlin 13,2,1, 106f. Nr. 321; Berlin Illuminierte Hss. 4.–12. Jh., 72f. Nr. 65 mit Abb. 190), und Düsseldorf, ULB, Ms. D 1, bes. 67r, datiert 868–872 (Düsseldorf 4, 81–102 und Abb. 1–14). Den typischen Formenschatz der frankosächsischen Kunst weisen zwar auch die etwa gleichzeitig im Kloster Corvey entstandenen Evangeliare London, BL, Egerton 768 und Cod. Guelf. 84.3 Aug. 2° auf; als Vorbilder für die Initialen in diesen Codex scheiden sie jedoch aus. Dennoch sind Corveyer Einflüsse zu erkennen, vgl. dazu jetzt Kuder. Studien (s. oben), 188, 200f. Nr. 31.
  • 3ra Flechtbandinitiale P in unzialer Grundform mit Deckfarbenfüllung und ausgespartem Flechtbandornament über 16 Zeilen mit goldenem Randband. Corona mit einem Horn mit Volute und zwei vogelköpfigen Flechtbandausläufern, Pes nach links umgebogen mit zwei gekrümmten und zwei geraden Cornua, Corona und Pes violett gefüllt. Buchstabenstamm und -bogen mit blau-gelber Füllung um das Flechtband, je ein scheibenförmiger, golden und violett gerahmter Intermediärknoten auf dem Buchstabenstamm und dem Bogen, der in einen Hunde- oder Drachenkopf ausläuft, aus dessen Maul ein blau und violett gefüllter Flechtbandknoten hervorwächst. —
  • 8r Initialseite zu Mt: LIBER GENERATIONIS IHESU CHRISTI filii David filii Abraham mit analog gestalteten Flechtbandinitialen L und I, die sich auf dem unteren scheibenförmigen Intermediärknoten des L kreuzen, dessen Buchstabenstamm ist blau, Corona und Pes sind violett gefüllt; beim I ist die Farbgebung umgekehrt. Den Rahmen der Seite bildet eine umlaufende runde Blattranke mit goldenem Hauptast und wechselnd orangeroten und violetten Seitenranken, die Enden der spiralig gewundenen Äste laufen in palmettenartig fünffach gelappte Blätter und kelchförmige Blüten aus. Der Rahmen repräsentiert bereits eine spätere Stilentwicklung, die in Gestalt und Farbgebung an niedersächsische Motive erinnert und sich auffallend von den frankosächsischen Flechtbandinitialen abhebt. Nach den Initialbuchstaben Schrifthierarchie aus Capitalis quadrata und Unzialis bzw. Capitalis rustica. —
  • 53r Initialseite zu Mc: INItium evangelii Ihesu Christi … meum ante faciem … mit analog gestalteten Flechtbandinitialen I und N; der Buchstabenstamm des I ist blau und gelb gefüllt, die Cornua der violett gefüllten Corona laufen nicht in Voluten, sondern in zwei Hundeköpfe mit roten Bändern im Maul aus; Pes nach links umgebogen, ebenfalls mit Hundekopf, wie der Intermediärknoten blau und violett. Gleiche Farbgebung beim kleineren N in Capitalis quadrata, Coronae blau (links) und violett (rechts), Pedes umgekehrt, in der Mitte der schrägen Haste ein scheibenförmig gerahmter Intermediärknoten mit gelb-grünem Blütenmotiv auf schwarzem Grund. Das zweite I absichtlich nur als Federzeichnung (Schrifthierarchie) ausgeführt. Rest des Textes in einfacher karolingischer Minuskel. Der rechteckige Rahmen ist von einem goldenen Randband umgeben, das oben und unten von zwei scheibenförmigen, golden und blau umrandeten Intermediärknoten unterbrochen wird. Das Flechtbandornament darin ist nicht ausgespart, sondern gelb und rot, ebenso die violett gerahmten Flechtbandornamente unten. Oben springen zwei hundeartige ausgesparte Fabelwesen mit hervorgestreckter Zunge auf violettem Grund auf den Knoten zu. In den vier Ecken des Rahmens lavierend aufgetragene vegetabile Ornamente, wechselnd blau und orangerot bzw. violett und orangerot, die zum Stil des vorigen Rahmens passen. In der Mitte runde Scheiben mit orangerotem Randband und komplizierten geometrisch-vegetabilen Ornamenten. An den Längsseiten jeweils 2 x 2 einander zugewandte, aus wechselnd blauem und violettem Grund ausgesparte hunde- oder drachenartige Fabeltiere. —
  • 86ra Flechtbandinitiale Q zu Lc in unzialer Grundform über 18 Zeilen in analoger Gestaltung wie oben; die violett gefüllte Cornua der Corona als krummschnäbelige Vogelköpfe gestaltet, ebenso die Enden des doppelt brezelförmig eingerollten Buchstabenbogens, der Pes ist nach links umgebogen. Daneben die Buchstaben V und O mit Kürzungsstrich in Capitalis quadrata über 3 Zeilen; die aus einem goldenen Randband gestalteten Buchstabenkörper zeigen im Binnenfeld gelbe, blaue und violette Muster. —
  • 133r halbe Initialseite zu Io: IN PRINCIPIO ERAT VERBUM. Flechtbandinitiale I mit blau und gelb gefülltem Buchstabenstamm und blau-violetter Corona mit zwei spitzen Cornua unten und zwei Cornua mit Voluten oben; Pes nach links umgebogen mit akanthusartigem Blattausläufer, ein scheibenförmiger, golden und violett gerahmter Intermediärknoten auf dem Buchstabenstamm. Daneben ein kleineres unziales N in identischer Gestaltung und Farbgebung, unter dessen Bogen und rechts daneben die Capitalisbuchstaben PRI mit goldener Kontur sowie gelben, blauen und violetten Mustern im Binnenfeld. Die übrigen Buchstaben in goldener Capitalis quadrata auf einem blau (oben) und violett (unten) unterlegten blockartigen Schriftband.
  • Überschriften und Explicits in roter Capitalis rustica bzw. Unzialis, Majuskeln am Beginn der eusebianischen Abschnitte in klarer Capitalis quadrata, z. T. aus dem Schriftspiegel ausgerückt, Satzmajuskeln überwiegend in Capitalis rustica, einige in Unzialis.
Spätere Ergänzungen: In marg. Kanonnummern (rot) und Zählung der eusebianischen Abschnitte. Der gesamte Evangelientext wurde nachträglich durch Positurae interpunktiert. Die Passionsgeschichte Christi ist in drei Evangelien (45rb–50rb: Mt 26,2–27,5; 75vb–79vb: Mc 14,12–15,39; 160va–163vb: Io 18,5–19,30) jeweils mit litterae significativae für den liturgischen Vortrag gekennzeichnet. Im 15. Jh. wurde in Mt, Mc und Lc die Kapitelzählung nachgetragen.
Einband:
  • Der originale Einband, vermutlich ein spätkarolingischer Prachteinband, ist verloren. Ein Beispiel für einen karolingischen Werdener Prachteinband befindet sich an dem Evangeliar Berlin, SBBPK, Ms. theol. lat. qu. 139 (Berlin 13,2,1, 32f. Nr. 259; Berlin Illuminierte Hss. 8.–12. Jh., 104 Nr. 99).
  • Im Zuge der Bibliotheksneuordnung im Helmstedter Ludgerikloster gegen Ende des 16. Jh. neu in einen Holzdeckelband der Renaissance mit Überzug aus dünnem schwarzgefäbtem Leder mit Streicheisenlinien gebunden. Darüber Ecken- und Halbbezug aus ungefärbtem Schweinsleder mit Streicheisenlinien und Rollenstempeln (keiner Werkstatt zuzuordnen). Überzug im Gelenk gebrochen, Teil des Rückenbezugs am Schwanz gelöst, auf Zettel dem Codex beigefügt. Vorn zwei, hinten drei Papierbl. vorgesetzt; ungefähre Datierung der Bindung durch deren Wasserzeichen möglich: Wappenkartusche, darin Herz von Pfeil durchbohrt, begleitet von zwei Sternen, darüber Krone ohne Bügel, daneben die Buchstaben H und B (nicht nachweisbar, aber analog zu Briquet 1504 von 1596). Buchblock beschnitten, zusätzlich Blauschnitt. Auf dem Rückenüberzug Signaturschildchen der Konventsbibliothek St. Ludgeri: A 17. Beim Verlust der ursprünglichen Einbandes auch die letzte Lage mit dem Schluss des Capitulare verloren. Identische Einbände tragen auch Cod. Guelf. 188 Helmst. und 189 Helmst. (datiert 1610 bzw. 1611), außerdem Cod. Guelf. 52.4 Aug. 2° sowie der ebenfalls in die Bibliothek des Ludgerusklosters gehörende Mischband 98.10 QuH.
  • Für den Codex wurde zusätzlich eine gepolsterte Schutzkassette mit einem Überzug aus rotem Nigerziegenleder mit goldener Titel- und Signaturprägung angefertigt.
Entstehung der Handschrift: Datierung und Lokalisierung dieser Hs. sind von mehreren Faktoren abhängig: Sowohl die verwendete karolingische Minuskel mit Elementen der Halbunziale und die Gestaltung der Initialen im frankosächsischen Stil mit insularen Elementen sind älteren Vorbildern aus dem Benediktinerkloster Werden verpflichtet, dessen Skriptorium seinerseits zahlreiche Anregungen aus dem nordostfranzösischen Kloster Corbie empfing; vgl. dazu V. Huth, Die Düsseldorfer Sakramentarhandschrift D1 als Memorialzeugnis. Mit einer Wiedergabe der Namen und Namengruppen, in: Frühmittelalterliche Studien 20 (1986), 213–298 mit Taf. XIV–XXXII, hier 224: "Der Zustrom von Handschriften des 8./9. Jahrhunderts aus Corbie nach Werden war sogar so stark, daß er sich in der Werdener Schriftentwicklung niederschlug." Beispielhaft sind hier die Codices Düsseldorf, ULB, Ms. D 1 (s. oben) bzw. Düsseldorf, ULB, Ms. B 79 (Düsseldorf 1, 267f.) oder Berlin, SBBPK, Ms. theol. lat. fol. 322 (s. oben). Die Werdener Schriftheimat darf daher als verhältnismäßig gesichert angenommen werden. Der unregelmäßige Schriftduktus und die antikisierenden Rankenelemente der Initialenrahmen gehören eher in die Mitte des 10. als ins späte 9. Jh. Ob der Codex allerdings im Kloster Werden selbst oder von im dortigen Skriptorium geschulten Mönchen im Tochterkloster St. Ludgeri bei Helmstedt angefertigt wurde, kann mangels weiterer Vergleichsbeispiele nicht mehr entschieden werden. Es ist jedoch insofern nicht unwahrscheinlich, als sich die festgestellten Corveyer Einflüsse bei einer Entstehung des Codex in Helmstedt gut erklären ließen.
Provenienz der Handschrift: Im Helmstedter Ludgeruskloster befand sich der Codex seit dem 10. Jh. (Reliquienverzeichnis) und wurde ausweislich der Nachträge und Abnutzungsspuren mindestens bis ins 15. Jh. hinein in der Liturgie verwendet. Bei der Neuaufstellung der Konventsbibliothek unter Propst Heinrich Steinhausen (ab 1602, vgl. Germania Benedictina 6, 186) wurde er neu gebunden, signiert und in die übrigen Bestände eingereiht.
Erwerb der Handschrift: Nach der Aufhebung des Ludgerusklosters mit der übrigen Konventsbibliothek per Reskript des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel vom 28.12.1802 (Abschrift: BA III, 43, unpag. Beleg Nr. 3) der Universitätsbibliothek Helmstedt übergeben, vgl. BA III, 43, p. 13 und unpag. Beleg Nr. 4: Bericht des Bibliothekars P. J. Bruns vom 20.6.1803: An Manuscripten hat die Universitäts Bibliothek 18 Stück erhalten, worunter ein Codex Evangelior. latin. membran. sec. XI. das älteste ist. Auf dem VS das bei der Inventarisierung in Helmstedt eingeklebte gedruckte Schenkungs-Exlibris: Ex bibliotheca coenobii S. Ludgeri iuxta Helmstadium, a Serenissimo Duce Carolo Guilielmo Ferdinando Academiae Iuliae Carolinae donata anno MDCCCIII. Im Handschriftenkatalog der Helmstedter Universitätsbibliothek von P. J. Bruns (BA III, 52) unter Nr. 1329 analog beschrieben: Evangelia; adjiciantur capitula evangeliorum sec. XI. in membr.
Inhalt:
  1. 1r–2v leer.
  2. 3ra–166va Biblia sacra (prologis aucta, IV evangelia). Im einzelnen sind enthalten:
    • (3ra–5ra) Prologus II in IV evangelia. Stegmüller RB 596.
    • (5ra–6ra) Prologus in Mt.>Item prologus in Matheo<. Stegmüller RB 593.
    • (6ra–7vb) Prologus IV evangeliorum (I). >Item incipit prolo[gus] in Matheum. Beatissimo pape<. Der letzte Satz von anderer Hand nachgetragen. Stegmüller RB 595.
    • (8r–58v) Mt. (8r) Initialseite (s. oben). (8va–51va) Textus (beginnt mit Mt 1,2). Explicit evangelium secundum Matheum.
    • (51va–52rb) Prologus I in Mc.>Incipit argumentum<. Stegmüller RB 606.
    • (52rb–vb) Prologus II in Mc. Stegmüller RB 607.
    • (53r–80vb) Mc. (53r) Initialseite (s. oben). (53va–80vb) Textus (beginnt mit Mc 1,2). Explicit evangelium secundum Marcum.
    • (80vb–81vb) Prologus in Lc.>Incipit argumentum evangelii secundum Lucam<. >Explicit Argumentum<. Stegmüller RB 620.
    • (81vb–85vb) Capitula Lc.>Incipiunt capitula<. Zacharias viso angelo quia non credidit ommutuit … — … reliquidque laudantes deum in templo. >Expliciunt capitula<.
      Druck
    • (85vb–131va) Lc. >Incipit evangelium secundum Lucam<. (86ra) Initiale (s. oben). (86rb–126r) Textus. Expliciunt[sic] evangelium secundum Lucam. – 126v leer.
    • (131va–132ra) Prologus in Io.>Incpit prologus secundum Iohannem<. Stegmüller RB 624.
    • (132ra–vb) Capitula Io.>Incipiunt capitula<. Phariseorum levitę interrogant Iohannem. Iohannes Ihesum videns agnum dei dicit … — … passio et sepultura et resurrectio eius. >Expliciunt capitula<.
      Druck
    • (133ra–166va) Io. (133ra–b) Initiale (s. oben). (133ra–166va) Textus. Auf Bl. 154ra–156vb wurde der ursprüngliche Text (Ante diem festum paschae [Io 13,1] … det ego do vobis [Io 14,26]) ausradiert; Zeitpunkt und Ursache dafür sind unbekannt. Auf den freien Bl. wurde der Text Ante diem festum paschae [Io 13,1] … me in ipsis sit et ego in ipsis [Io 17,26] von einer Hand des 15. Jh. in Bastarda nachgetragen.
  3. 166va Index reliquiarum diversarum. Reliquiae sanctae Felicitatis matris VII fratrum. De cruce domini. De veste qua texavit[sic] sancta Maria … — … IIII Reliquiae quę non habent breviarium. Reliquiae sanctarum virginum. Die aufgelisteten Reliquien und insbesondere die prominente Stellung der Felicitasreliquien am Beginn zeigen eindeutig, dass das Verzeichnis im späteren 10. oder frühen 11. Jh. in St. Ludgeri in Helmstedt nachgetragen wurde, vgl. die Liste der Patrozinien bei . Im Text fast vollkommen identisch ist das gleichzeitige, wohl ebenfalls aus dem Helmstedter Ludgerikloster stammende Reliquienverzeichnis in der Hs. Berlin, SBBPK, Ms. theol. lat. qu. 139, 145r–v (Berlin 13,2,1, 32f. Nr. 259; Berlin Illuminierte Hss. 8.–12. Jh., 104 Nr. 99 mit. Abb. 320–322), vergl. mit dem Abdruck bei W. Diekamp, Westfälische Handschriften in fremden Bibliotheken und Archiven: IV. Die Königliche Bibliothek zu Berlin V. Das Königliche Geheime Staatsarchiv zu Berlin VI. Die Königliche Bibliothek zu Hannover VII. Das Königliche Staatsarchiv zu Hannover, in: Westfälische Zeitschrift 44 (1886), 48–97, hier 78.
    Edition
    • D. Spieker, Hyr navolgend beschreven helichdom hyr to Werden in dem munster … Ein Arbeitsbericht zu den Reliquienverzeichnissen der Abtei Werden, in: Aus der Nähe betrachtet. Regionale Vernetzungen des Essener Frauenstiftes in Mittelalter und früher Neuzeit. hrsg. von J. Lieven und B. Falk unter Mitarbeit von A. Pawlik, Essen 2017 (Essener Forschungen zum Frauenstift 13), 277–301, hier 285–289 mit Abb. 3, Text 287.
    – 166vb leer.
  4. 167ra–174vb Capitulare evangeliorum.>† Incipiunt[sic] capitulare evangeliorum de anni circulo<. In vigilia natalis domini secundum Mattheum capitulo III Cum esset desponsata mater Ihesu [Mt 1,18] … — … Ebdomada V post pentecosten secundum Lucam capitulo LV Estote ergo misericordes [Lc 6,36](Text bricht ab). Der durch den Verlust einer Lage fragmentierte Text kombiniert Temporale und Sanctorale und gehört zur Capitulare-Fassung Δ, dazu Klauser, 131–172, Text ab 139, hier bis 156 (ohne die Hs., jedoch LXX Nr. 418 genannt). Im einzelnen folgender Textbestand: Nr. 1–10, dann Zusatz In natali sanctę Martinę (wie Typ Λ, 59 Nr. 9, Perikope aber nur Mt 13,45–52), Nr. 11–15, 17, 18, 16, 19, 23, 20, 21, 22, 24, 25, 26 (abweichender Schluss), 27–47, 48 (abweichender Schluss), dann Zusatz Item alia (wie Typ Λ, 63 Nr. 44), Nr. 49–61, dann Zusatz Die XXV mensis Martii (wie Typ Λ, 64 Nr. 57), Nr. 62–120, 121 (abweichender Schluss), 122–154, 164, 155–162, 165–170, 172–174, 171, 175–184, dann wie Typ Σ, Zusatz (vgl. Klauser, 130 Apparat).
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

Ars sacra A. Boeckler, Ars sacra. Kunst des frühen Mittelalters. Ausstellung München, Prinz-Carl-Palais, Juni–Oktober 1950, München 1950
Bauer G. Bauer, Corvey oder Hildesheim? Zur ottonischen Buchmalerei in Norddeutschland, 2 Bde., Phil. Diss., Hamburg 1977
Berlin 13,2,1 V. Rose, Die Handschriften-Verzeichnisse der Königlichen Bibliotheken zu Berlin, Bd. 13: Verzeichniss der lateinischen Handschriften, Bd. 2: Die Handschriften der kurfürstlichen Bibliothek und der kurfürstlichen Lande, 1. Abteilung, Berlin 1901
Berlin Illuminierte Hss. 4.–12. Jh. Die illuminierten lateinischen Handschriften süd-, west- und nordeuropäischer Provenienzen der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz: 4.–12. Jahrhundert, beschrieben von A. Fingernagel, Teil 1: Textband, Teil 2: Abbildungen, Wiesbaden 1999 (Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Kataloge der Handschriftenabteilung, Reihe 3: Illuminierte Handschriften 2)
Berlin Illuminierte Hss. 8.–12. Jh. Die illuminierten lateinischen Handschriften deutscher Provenienz der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin: 8.–12. Jahrhundert, beschrieben von A. Fingernagel, Teil 1: Textband, Teil 2: Abbildungen, Wiesbaden 1991 (Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Kataloge der Handschriftenabteilung, Reihe 3: Illuminierte Handschriften 1)
Briquet C. M. Briquet, Les Filigranes. Dictionnaire historique des marques du papier, Bd. 1–4, Leipzig 21923
Das erste Jahrtausend Das erste Jahrtausend. Kultur und Kunst im werdenden Abendland an Rhein und Ruhr, Textbd. 1, Redaktion von V. H. Elbern, Düsseldorf 1962; Textbd. 2, Redaktion von V. H. Elbern, Düsseldorf 1964; Tafelbd. von V. H. Elbern, Düsseldorf 1962
De Bruyne Sommaires D. de Bruyne, Sommaires, divisions et rubriques de la Bible latine, Bd. 1: Les sommaires, Namur 1914
Düsseldorf 1 Die mittelalterlichen Handschriften der Signaturgruppe B in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, Teil 1: Ms. B 1 bis B 100, beschrieben von E. Overgaauw, J. Ott und G. Karpp, hrsg. von I. Siebert, Wiesbaden 2005 (Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Kataloge der Handschriftenabteilung 1)
Düsseldorf 4 Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Signaturgruppe D in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, Teil 1: Textband, Teil 2: Tafelband, beschrieben von K. Janz-Wenig, M. E. Müller und G. Patt, hrsg. von I. Siebert und A. Liewert, Wiesbaden 2015 (Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Kataloge der Handschriftenabteilung 4)
Elbern Inkunabel V. H. Elbern, Eine Inkunabel der ottonischen Goldschmiedekunst in Niedersachsen. Zur Entstehungszeit der Lipsanotheca mariana im Domschatz zu Hildesheim, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 8 (1969), 61–76
Germania Benedictina Germania Benedictina, hrsg. von der Bayerischen Benediktiner-Akademie München in Verbindung mit dem Abt-Herwegen-Institut Maria Laach, Bd. 1–, St. Ottilien 1994–
Gregory Prolegomena Novum Testamentum Graece ad antiquissimos testes denuo recensuit apparatum criticum omni studio perfectum apposuit commentationem isagogicam praetexuit C. Tischendorf, Bd. 3: Prolegomena scripsit C. R. Gregory, editio octava critica maior, Leipzig und Berlin 1894
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Heitzmann C. Heitzmann, "Ganze Bücher von Geschichten". Bibeln aus Niedersachsen, Wolfenbüttel 2003 (Ausstellungskataloge der Herzog-August-Bibliothek 81)
Hildesia sacra Hildesia sacra. Ausstellung zum 79. Deutschen Katholikentag 1962 im Kestner-Museum Hannover, bearb. von H. Reuther, Osnabrück 1962
Jahrtausend der Mönche Das Jahrtausend der Mönche: Kloster Welt Werden 799–1803. Eine Ausstellung des Ruhrlandmuseums Essen im Museumszentrum Essen und in der Schatzkammer der Propsteikirche Werden, 26. März bis 27. Juni 1999, hrsg. von J. Gerchow, Köln 1999
Kat. Illuminierte Hs. HAB 1 Geplant: Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1, 6.-11. Jh., beschrieben von Stefanie Westphal
Klauser T. Klauser, Das römische Capitulare Evangeliorum. Texte und Untersuchungen zu seiner ältesten Geschichte, Münster in Westfalen 1935 (Liturgiegeschichtliche Quellen und Forschungen 28)
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband 1)
Krumwiede H.-W. Krumwiede, Die mittelalterlichen Kirchen- und Altarpatrozinien Niedersachsens, Bd. 1–2, Erg.-Bd., Göttingen 1960–1988 (Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens 11)
Schönemann C. P. C. Schönemann, Zur Geschichte und Beschreibung der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, in: Serapeum 18 (1857), 65–91, 97–107
Stegmüller RB F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. 1–11, Madrid 1950–1980
Werdendes Abendland V. H. Elbern, Werdendes Abendland an Rhein und Ruhr. Ausstellung in der Villa Hügel, Essen, 18.5.–15.9.1956, 4Essen 1956
Wordsworth/White Novum Testamentum domini nostri Iesu Christi latine secundum editionem sancti Hieronymi, Bd. 1: Quattuor Evangelia, hrsg. von J. Wordsworth und H. J. White, Oxford 1898

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