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Beschreibung von Cod. Guelf. 331 Gud. lat.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)

Fulgentius, Mythologiae et Expositio Virgilianae continentiae

Eichstätt, Dom — 11. Jh., 1. Drittel

Provenienz: 36v Besitzeintrag des Augsbuger Benediktinerklosters St. Ulrich und Afra Sactorum Oudalrici et Affre. Zur weiteren Provenienz vgl. Provenienz zu Cod. Guelf. 335 Gud. lat.

Pergament — 69 Bl. — 13,6 × 11,4 cm

Lagen: Eine Lage Papier vorgeheftet. 5 IV (40). IV+1 (49). 2 IV (65). II (69). Lagenbezeichnung in römischen Ziffern auf Blattmitte unten zu Beginn der Lage. Neuere Tintenfoliierung. Blattmitte unten ältere Blattzählung. Hier das eingefügte Blatt 45 nicht mitgezählt. Schriftraum: 10,0-11,3 × 8,2 cm, einspaltig, 20 Zeilen. Karolingische Minuskel von mehreren Händen. Hand A: 1r-4v, 8r Z. 1-9, 25r Z. 1-9, 28r Z. 5-28v Z. 2, 30r Z. 1-4, 34r Z. 11-16, 68v-69r. Hand B: 5r-7v, 8r Z. 9-34r Z. 10 und Z. 17-20. Hand C: 34v Z. 3- Z. 18, 36v Z. 3-Z. 19, 37r Z. 4-38r. Hand D: 35v Z. 2-Z. 20. Hand E: 38v Z. 7-39r, Z. 10. Hand F: 39v ab Z. 6. Hand G (=A?): 45r. Hand H: 47v ab Z. 11. Hand I: 51r-57v, 58v-59v Z. 16, 60r Z. 4-63r Z. 12, 63v Z. 6-64r Z. 15 (?), 64v Z. 5-65v, 66r Z. 3-66v Z. 8, 69v Z. 1-20 (?). Nach Hoffman: Hand A = Hand A und Hand I = Hand C von Cod. Guelf. 335 Gud. lat. (vgl. Hoffman Handschriftenfunde, 123f.). Weitere, von Hoffmann paläographisch nach Eichstätt in das 1. Drittel des 11. Jh. verortete Handschriften und Fragmente: Hamburg, SUB, Cod. in scrin. 31 Fragm. 11; München, BSB, Clm 19416, 91r-193r; München, BSB, Clm 29880/2 (Zusammenstellung bei Hoffmann Handschriftenfunde, 121-133). Text- und Verstitel in Capitalis Rustica, teils rot hinterlegt. Zu den Textanfängen 1-2zeilige Initialmajuskeln, teils mit rot gefüllten Binnenfeldern.

Kalbledereinband mit Streicheisenrahmung (17. Jh.). In den Ecken und mittig Blüten- und Staudenverzierung. Das Wasserzeichen des Vorblattes verweist auf Nürnberg, 1612 (Wasserzeichensammlung, Piccard, Nr. 25261).

INHALT

1r-49r Claudius Gordianus Fulgentius: Mythologiae (Fulgentius, 3-80, 83-107). 49r-63r Claudius Gordianus Fulgentius: Expositio Virgilianae continentiae. 63r De Virgilio (Schaller/Könsgen 16845). 63v-66v Alcuinus: Disputatio (PL 101, Sp. 975-980; CSLG 2, 164-165; CALMA 1, 149 Nr. 31). 66v-67r Aenigmata Symphosii (CCSL 133A, 614; Aenigmata Symphosii, hrsg. von M. Bergamin, Florenz 2005; Symphosius "The Aenigmata". An introduction, text and commentary, hrsg. von T. J. Leary, London 2014 in beiden Editionen Nr. 1, 13-17, 19, 21). 67v Gebet mit Neumen (Schaller/Könsgen 3897). 67v-68r Aenigmta Aldhelmi (CCSL 133). 68v-69r Kreisdiagramme (zu den vier Kardinaltugenden mit Text aus Macrobius' Commentarii in Somnium Scipionis, Lib. 1,8; vgl. Carmassi Spannungsfelder, 280 Anm. 16, 281). 69v Aenigmata Aldhelmi (CCSL 133, 135 und 363).

AUSSTATTUNG

2 Initialen.

Initialen: Auf 1r zu Beginn des Textes eine Spaltleisteninitiale mit abgerundeten Spangen. Als Cauda (2,7 cm) ein wellig gefaltetes Profilblatt. Vom Initialstamm ausgehend symmetrisch verschlunge Knollenranken mit großen Knospenendungen. Die Knospen mit spitz zulaufendem Mittelblatt. Auf 33r ein Q-Initiale mit einbeschriebenem Mönchsgesicht (0,6 cm).

Farben: Die Initiale in Tintenfarbe gezeichnet; das Binnenfeld dunkelbraun und gelb hinterlegt.

STIL UND EINORDNUNG

Basierend auf den vorhandenen Lagenbezeichnungen gelang P. Carmassi der Nachweis, dass es sich bei der vorliegenden Handschrift 331 Gud. lat. ursprünglich um den 1. Teil eines Codex handelte, dessen 2. Teil in der Wolfenbütteler Handschrift Cod. Guelf. 335 Gud. lat. vorliegt (Carmassi Spannungsfelder, 278f.). Beide Sammelhandschriften beinhalten Texte, die zum Erwerb und der Vertiefung von Kenntnissen im Bereich des triviums (Grammatik, Dialektik und Rhetorik) dienten. Einträge belegen in beiden Handschriften, dass sie ehemals zum Bestand des Augsburger Klosters St. Ulrich und Afra gehörten. Nach Hoffmann zeigen beide Gudiani engste Parallelen zu einem Einzelblatt aus einem verlorenen Eichstätter Kopialbuch, das eine Abschrift der Urkunde des Bischofs Oudalfrid von Eichstätt (916-933) zeigt (München, BSB, Clm 29880/2, Hermann/Ikas Fragmenta latina, 165; Hoffmann Handschriftenfunde, 123f.), was ihn dazu veranlasst, für beide Codices eine Herkunft aus Eichstätt (Domschule?) anzunehmen. Unter Bischof Gundekar II. von Eichstätt (1057-1075) bestanden nachweislich Kontakte zwischen Augsburg und Eichstätt, da Gundekar bei der Weihe beider Kirchen in Augsburg (Dom 1065/St. Ulrich und Afra 1071) zugegen war (A. Wendehorst, Das Bistum Eichstätt. 1: Die Bischofsreihe bis 1535, Berlin 2006 (GermSac N.F. 45), 68). In dieser Zeit dürften die Handschriften nach Augsburg gelangt sein. Zu vergleichender Eichstätter Buchschmuck aus der 1. Hälfte des 11. Jh. liegt nicht vor. Die Gruppe von Eichstätter Handschriften um Cod. Guelf. 268 Gud. lat. datiert bereits in die 2. Hälfte des Jahrhunderts. Anknüpfungspunkte zeigen großzügige Knospenendungen, wie sie auch in den Handschriften München, BSB, Clm 3728, 1r, Augsburg, 2. Hälfte 11. Jh. (Klemm Ill. Hss. 2, Nr. 184, Abb. 370) und München, BSB, Clm 14396, 1r-37v, Diözese Eichstätt (?), Ende 11. /Anfang 12. Jh. (München BSB 4,2,3, 441-444 ) vorkommen

Wolfenbüttel Gud., Nr. 4638. — Horváth, 146. — Krämer, Bd. 1,1.2, 493. — Hoffmann/Pokorny, 138f., 141 — Hoffmann Handschriftenfunde, 123f. — Carmassi Spannungsfelder, 278f.


Abgekürzt zitierte Literatur

Carmassi Spannungsfelder P. Carmassi, Spannungsfelder zwischen Theologie und Bildung, in: Theologie und Bildung im Mittelalter, hrsg. von P. Gemeinhardt und T. Georges, Münster/Westf. 2015 (Archa Verbi, Subsidia, Bd. 13), 277-291
CSLG Clavis scriptorum latinorum medii aevi. Auctores Galliae (735–987), Bd. 1–, hrsg. von M.-H. Jullien, Turnhout 1994– (Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis)
Fulgentius Fabii Planciadis Fulgentii V.C. Opera, hrsg. von R. Helm, Stuttgart 1898 (Neudruck 1970)
Hermann/Ikas Fragmenta latina H. Hermann und W.-V. Ikas, Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Monacensis. T. 4: Codices latinos continens. Ps. 12: Fragmenta latina, Bd. 3: Clm 29550-29990, Wiesbaden 2013
Hoffmann/Pokorny H. Hoffmann, P. Pokorny, Das Dekret des Bischofs Burchard von Worms. Textstufen - Frühe Verbreitung - Vorlagen, München 1991 (Monumenta Germaniae Historica. Hilfsmittel, Bd. 12)
Hoffmann Handschriftenfunde H. Hoffmann, Handschriftenfunde, Hannover 1997
Horváth E. Horváth, Marquard Gudes Gottorper Handschriften, in: Wolfenbütteler Beiträge, Bd. 7 (1987), 125-165
Klemm Ill. Hss. 2 Katalog der illuminierten Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, Bd. 2: Die ottonischen und frühromanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, beschrieben von E. Klemm, Wiesbaden 2004
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz. Ergänzungsband 1)
München BSB 4,2,3 Katalog der lateinischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München, Bd. 4,2,3: Die Handschriften aus St. Emmeram in Regensburg, Teil 3: Clm 14261–14400, beschrieben von F. Helmer unter Mitarbeit von H. Hauke und E. Wunderle, Wiesbaden 2011 (Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Monacensis 4, S. N. 2,3)
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Schaller/Könsgen D. Schaller und E. Könsgen, Initia Carminum Latinorum saeculo undecimo antiquiorum, Göttingen 1977, Supplementbd. fortgeführt von Th. Klein, Göttingen 2005
Wolfenbüttel Gud. Die Gudischen Handschriften, beschrieben von F. Köhler und G. Milchsack, Wolfenbüttel 1913, ND 1966 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel. Die alte Reihe 9)

Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.
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