Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung (Vorläufige Beschreibung)

Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 333 Helmst.

Horatius

Papier — V, 165, VIII Bl. — 28 × 22 cm — Padua — 1450–1460

Lagen: II+1 (ungez.). 16 V (160). IV (165)! II+1 (ungez.). Reklamanten. Vorsatzkonstruktion, identisch mit Cod. Guelf. 319b Helmst.: Vorn und hinten je zwei Bifolia Papier, davon jeweils ein Bl. als Spiegel an den Deckel geklebt, als Schutzbl. vorn und hinten je ein Pergamentbl. eingefügt. Bleistiftfoliierung modern: 1165, vorderes und hinteres Vorsatz ungez., in der letzten Lage drei leere Bl. ungez. Schriftraum: 21 × 10 cm, einspaltig, 24 Zeilen, Blindliniierung, z. T. Liniierung mit braunem Strich. Haupttext: Sehr regelmäßige Gotico-Antiqua von der gleichen Hand wie Cod. Guelf. 331 Helmst.; Glossen und Marginalien in humanistischer Kursive von der gleichen Hand wie in Cod. Guelf. 319b Helmst. Am Beginn der Ars poetica, der Sermones, Epistulae und der Carmina qualitätvolle ornamentale Initialen in Deckfarbenmalerei im typischen Paduaner Stil, Buchstabenkörper in Unzialform, außen in Purpur, nach innen aufgehellt, mit vielfältigen vegetabilen Begleitmotiven vor tiefblauem, mit Weißlinienfiligran verziertem Hintergrund wie in Cod. Guelf. 319b Helmst.: 1r Initiale H über 6 Zeilen auf Blattgoldgrund, der Buchstabenstamm endet links oben in zwei gestielten Dreiblättern mit langgezogener Mittelspitze; von denen das rechte in Rot und Grün als obere Begrenzung des Initialrahmens fungiert. Aus dem unteren Ende des Buchstabenstamms wachsen zwei langgezogene, stark gelappte und geschwungene Halbpalmetten ins Binnenfeld, die untere in Grün und Rot, die obere in Rot und Grün, verbunden mit einer grünen Manschette und besetzt mit einem Goldpollen. Das aus dem linken oberen Ende des Buchstabenstamms hervorwachsende langgezogene Dreiblatt in Grün, Gold, Blau und Rot erstreckt sich als Teil einer gewinkelten Blattrankenbordüre auf Kopf- und Bundsteg; daran sind mit Manschetten auf dem Bundsteg zwei weitere Dreiblätter in Rot, Dunkelgold, Grün und Blau sowie unten in Rot, Blau und Grün befestigt. Die Blattranke wird von blattgoldbelegten eindornigen Goldpollen begleitet; einige Zwischenräume sind zusätzlich mit Blattgold ausgelegt. 11r Initiale Q über 2 Zeilen auf Blattgoldgrund. Der kreisrunde Buchstabenkörper endet unten links in einem Dreiblatt in Purpur, Gold und Grün mit langgezogener Mittelspitze, das als Cauda dient. Diese ist durch weitere langgezogene, mit Manschetten befestigte Dreiblätter in Rot und Blau (unten) bzw. Grün, Purpur und Blau (oben) zu einer gewinkelten Blattrankenbordüre auf Bund- und Kopfsteg verlängert. Die Ranke wird von blattgoldbelegten eindornigen Goldpollen begleitet; einige Zwischenräume sind zusätzlich mit Blattgold ausgelegt. Aus einer am unteren Innenbogen angebrachten grünen Halbpalmette wächst ein dunkelgolden gestieltes rotes Dreiblatt ins Binnenfeld. 55r Initiale P über 2 Zeilen auf Blattgoldgrund. Der Buchstabenstamm endet links oben in einem gestielten Dreiblatt in Grün und Blau mit langgezogener Mittelspitze, an dem ein weiteres Dreiblatt in Rot und Gold befestigt und zu einer kurzen Blattrankenbordüre auf dem Bundsteg verlängert ist. Die Ranke wird von blattgoldbelegten eindornigen Goldpollen begleitet. Aus einer waagerecht am unteren Rahmen angebrachten grünen Halbpalmette wächst ein langgestieltes rotes Dreiblatt ins Binnenfeld. 87r Initiale M über 2 Zeilen auf Blattgoldgrund; der rechte, unzial gebogene Schenkel endet in einem kleinen roten Dreiblatt. Aus dem Ende des linken Schenkels erstreckt sich auf den Bundsteg eine Blattranke, die aus zwei langgestreckten, mit Manschetten verbundenen Dreiblättern in Grün, Blau und Purpur (oben) sowie Purpur, Dunkelgold und Blau (unten) zusammengesetzt und von blattgoldbelegten eindornigen Goldpollen begleitet ist. Aus dem unteren Ende der Haste wächst ein golden gestieltes Dreiblatt in Rot und Grün ins Binnenfeld; der Stiel ist um die Haste gewunden. Die einzelnen Gedichte werden mit abwechselnd roten und blauen Fleuronnéelombarden, meist über 2–3 Zeilen, mit purpurnem Schleierfiligran eingeleitet (vgl. ebenfalls bei Cod. Guelf. 319b Helmst.).

Renaissance-Einband aus der zweiten Hälfte des 16. Jh., Gestaltung identisch mit Cod. Guelf. 319b Helmst. Auf dem VD eine geprägte, mit brauner Tinte gefüllte Inskription in Capitalis quadrataHORATIVS | MANVSCRIPT:.

Herkunft: Zur Entstehung und Geschichte der Hs. vgl. Cod. Guelf. 319b Helmst. — Der Codex gelangte vermutlich als Geschenk des Herzogs Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast an Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg in die Wolfenbütteler Hofbibliothek, wo er 1614 im Gesamtkatalog des Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 23 [19]) unter Nr. 13 der Poëtae Graeci, Latini Gallici etc. als Horatius manuscriptus entsprechend der Inskription auf dem VD aufgeführt. — Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt, 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 29r) als Horatius in bretter, roth aufm Schnitt unter den Miscellanei MSSti in folio nachgewiesen. Auf dem VS die entsprechende Signatur Misc. 8, das zugehörige Signaturfähnchen ist hier vollständig erhalten. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 261 genannt.

R. C. Schmidt, Varietas Lectionis In Horatii Arte Poetica E Codice Helmstadiensi Excerpta…, Helmstadii 1777.Ebert Nr. 434. — Heinemann Nr. 368. — C. Villa, I manoscritti di Orazio, Teil I–III in: Aevum 66 (1992), 95–135; 67 (1993), 55–103, 68 (1994), 117–146, hier Teil II, 102.

1r–165r Q. Horatii Flacci Opera.
(1r–10v) Ars poetica cum glossis. 1r auf dem Kopfsteg die Invokation Iesus Maria Ieronimus.
(11r–55r) Sermonum libri II cum glossis. 16r 1,3,10 (currebat fugiens hostem persepe velud qui, Auslassung durch Zeilensprung) vom Glossator nachgetragen. 20v 1,4,62 zwischen die Verse 59 und 60 vorgezogen; 31v 1,10,40 auf dem Kopfsteg vom Glossator wiederholt; 35v 2,2 nach Vers 53 geteilt.
(55r–86v) Epistularum libri II. Deo gratias. Amen. Jede Epistel ist mit einer Zusammenfassung des Glossators versehen. 56v 1,1,57 und 58 vertauscht; 63r 1,7 nach Vers 45 geteilt; 69r 1,15 nach Vers 25 geteilt.
(87r–150v) Carminum libri IV cum glossis. Jede Ode ist mit einer Zusammenfassung des Glossators zum Inhalt und zum Versmaß versehen. 113r 2,15 und 16 kontrahiert; 133v in 3,24 nach Vers 42 die Verse 19 und 20 wiederholt; 134r 3,25,20 vom Glossator nachgetragen.
(150v–163v) Epodon liber cum glossis. Jede Epode ist mit einer Zusammenfassung des Glossators versehen, die abgrenzende Initiale zu Beginn des Werkes fehlt. 163r Epode 17 nach Vers 52 geteilt.
(163v–165r) Carmen saeculare cum glossis. Et sic est finis. Mit einer Zusammenfassung des Glossators, die abgrenzende Initiale zu Beginn des Werkes fehlt. Der gesamte Text ist glossiert, vielfach, wie auch in den übrigen Codices der Reihe, Korrekturen und Wortergänzungen. Die Scholien deuten zwar auf die Kenntnis der älteren Kommentartradition hin, sind jedoch weitgehend Eigengut des Glossators. Die umfangreiche Wolfenbütteler Parallelüberlieferung von 11 weiteren Hss. bei Villa (s. oben), 101–103. – 165v leer.


Abgekürzt zitierte Literatur

Briquet C. M. Briquet, Les Filigranes. Dictionnaire historique des marques du papier, Bd. 1–4, Leipzig 21923
Ebert F. A. Ebert, Bibliothecae Guelferbytanae Codices Graeci et Latini Classici, Leipzig 1827 (Zur Handschriftenkunde 2)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
WZIS Wasserzeichen-Informationssystem. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (http://www.wasserzeichen-online.de/wzis/index.php)