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Beschreibung von Cod. Guelf. 34 Weiss.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Historia ecclesiastica gentis Anglorum
Entstehungsort: Lorsch
Entstehungszeit: um 800
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 173 Bl.
Format: 30 × 22,5 cm
Seitennummerierung: Neuere Tintenfoliierung
Lagenstruktur: Vorsatzblatt (in der Foliierung nicht mitgezählt, aber im Lagenschema berücksichtigt). IV+1 (8). 7 IV (64). V (74). IV (82). V (92). 9 IV (164). III+1 (171). Lagenbezeichnungen in römischen Ziffern auf dem letzten Blatt der jeweiligen Lage (I-XX). 100v-164v zusätzlich die Zählung I-VIIII u. 165r X (erste Seite der letzten Lage). Zwischen BL. 8 und 9 ein ungezählter Falzstreifen.
Seiteneinrichtung: 24,5 × 17,5 cm, einspaltig, 27 Zeilen.
Hände: Frühe karolingische Minuskel von mehreren Händen (älterer Lorscher Stil, nach Bischoff; 74v/75r deutlicher Schreiberwechsel). Von einer angelsächsischen Vorlage abgeschrieben. 170v Schreibervermerk Deo gratias ago tibi semper et ubique, amen darunter in Kreuzform M / OAR / P (nach Bischoff Lorsch, 31-33, 74, 134 Ora pro m[e]. Nach CLA IX, Nr. 1385 die Schrift ähnlich der Ada-Gruppe mit Verweis auf Metz, BM, Ms. 134 (vernichtet; CLA IX, 788) und Trier, StiB, Hs 22 (CLA IX, 1366). Bischoff Lorsch vergleicht die erste Texthand von Rom, BAV, Pal. lat. 207, 2r und eine Hand in Rom, BAV, Pal. lat. 822.
Schrift: Incipits und Explicits in Unzialis. Anfangszeilen der Texte in vergrößerter Textminuskel, Capitalis, insularer Halbunziale oder Unzialis, zum Teil farbig hinterlegt (rot/gelb). Satzmajuskeln. Rote Kapitelzählung. Zitatenzeichen. Incipits und Anfangszeilen teils farbig hinterlegt (2v, 34r, 45v, 52r, 60r, 94r). Zeitgenössische und spätere Korrekturen interlinear und am Rand; 129v, 130r Tironische Noten; Markierungen am Rand (Kreuze). Federproben (171v Pater Noster - 12. Jahrhundert). 1r und 169r neuzeitliche Inhaltsangaben.
Incipits und Explicits in Unzialis. Anfangszeilen der Texte in vergrößerter Textminuskel, Capitalis, insularer Halbunziale oder Unzialis, zum Teil farbig hinterlegt (rot/gelb). Satzmajuskeln. Rote Kapitelzählung. Zitatenzeichen. Incipits und Anfangszeilen teils farbig hinterlegt (2v, 34r, 45v, 52r, 60r, 94r). Zeitgenössische und spätere Korrekturen interlinear und am Rand; 129v, 130r Tironische Noten; Markierungen am Rand (Kreuze). Federproben (171v Pater Noster - 12. Jahrhundert). 1r und 169r neuzeitliche Inhaltsangaben.
Vergrößerte Textminuskel, Capitalis, insulare Halbunziale, Unzialis.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Zahlreiche kleinere Initialen und Initial- und Satzmajuskeln. Zwei große Zierinitialen. Zeichnungen (Nachträge).
  • Initialen:

    Zu 34r (Beginn Buch 2; 7,0) und 60r (Beginn Buch 3; 12,0) jeweils eine größere Initiale. Zahlreiche 2-7zeilige schlanke Initialen und Initialmajuskeln (2,0-6,0). Die Buchstabenkörper als Federinitialen, zum Teil gefüllt, meistens mit roter Punktrandung, gelegentlich mit gegabelten Serifen (vgl. 12v) oder dreieckigen Endungen. Einige Initialen mit farbig hinterlegten Endbandverflechtungen (34r, 38r, 40r, 45v, 60r, 71v), auf 62r spiralförmig verlaufender Fadenausläufer. Die Binnenfelder einfarbig gefüllt oder mit Binnenfeldmotiven. Hier Blattformen mit gebogten und gebuchteten Rändern und Knospenansätzen (vgl. 36v) sowie doppelt gezogener Randung und fadenförmigen, zum Initialkörper Verbindung erstellenden Stege (vgl. 45v). Auf 40r ein Flechtknoten im Aussparungstypus. Im Besatz gekernte Profilpalmetten (62r und 65v). Selten Füllmotive: Wellenlinie (22v), sowie Kreise und Flechtband im Ausspaarungstypus (34r Flechtband koloriert). Mit dem Schreiberwechsel auf 74v/75r auch deutliche Reduktion des Formenspektrums (75r-170v Wegfall sämtlicher Füll- und Besatzmotive).
  • Zeichnungen (Nachträge):

    98r oberer Blattrand, ein bärtiger Kopf (neuzeitlich); 171v eine Christusbüste im Segensgestus (Corpus 9. Jh. (?), nachträglich ergänzt; 7,5).
  • Farben:

    Gelb, orange und dunkelbraun hinterlegte Binnenfelder und Flechtband. Beide Farben auch als Stammfüllung und für das Ornament verwendet.
Einband: Roter Ledereinband (Nigerziegenleder; Neubindung 1977).
Geschichte der Handschrift: Die Lokalisierung der Beda-Handschrift nach Lorsch gilt als paläographisch gesichert. Sie wurde von Bischoff. der Gruppe des älteren Lorscher Schreibstils zugewiesen. Dieser Gruppe gehören ca. 20 Handschriften an (Zusammenstellung vgl. Bischoff Lorsch, 31-33). Beides, Schreibstil und Buchschmuck waren in der frühen Phase des Skriptoriums, wie in anderen deutsch-insularen Schulen, vgl. Fulda, Würzburg und Mainz, stark angelsächsisch geprägt. Der Stil wurde, den Fähigkeiten der jeweils ausführenden Hand entsprechend, adaptiert und in gering variierendem Buchschmuck umgesetzt. Mit einem Matthäus-Kommentar des Hieronymus (Rom, BAV, Pal. lat. 177) ist eine der frühen angelsächsischen, für das Lorscher Skriptorium ausschlaggebende Impuls-Handschrift erhalten geblieben (vgl. Exner Lorsch, 330, Abb. 1). Schlanke Buchstabenformen und Fadenverflechtungen in den Ausläufen, wie in Wolfenbüttel vorhanden, finden sich in Rom, BAV, Pal. lat. 822, Lorsch, um 800 (Bischoff Lorsch, 32, 35, 81 Anm. 6, 83 Anm. 38, 126, Taf. 6) und Würzburg, UB, M. p. th. q. 18, Lorsch, 4. Viertel 8. Jahrhundert (Weiner, 195, 196, Taf. 79). Partiell fabig hinterlegte Verflechtungen (allerdings mit anderer Farbpalatte) zeigt eine vermutlich in Fulda nach einer Lorscher Vorlage kopierte Iulianus Toletanus-Handschrift (Kassel, ULB, 4° Ms. theol. 6; Bischoff Lorsch, 83 Anm. 34 und Exner Lorsch, Anm. 14). Besonders enge Parallelen, ähnliche Blattformen, gleiche Initialform und gleiche Farbgebung, liegen in einer Iulianus Pomerius Handschrift vor (Rom, BAV, Pal. lat. 238, fol. 3-73, Lorsch, um 800; Bischoff Lorsch, 31, 35, 39, 81 Anm. 4 und 7, 85 Anm. 79, 120, Taf. 5). Äußerst ähnliche, in Wolfenbüttel verwendete spiralförmige Fadenausläufer (vgl. Wolfenbüttel, 62r) finden sich auch in Rom, BAV, Pal. lat. 238, 12r. Die in den genannten Handschriften vorhandenen zoomorphen Motive fehlen in der Wolfenbütteler Handschrift. Die häufig verwendeteten vegetabilen Motive (vgl. Profilpalmette) zeigen eine besondere Verbundenheit der ausführenden Hand mit kontinentalem Formengut (vgl. 62r), welches hier das insulare Erscheinungsbild ergänzt. Die Handschrift dürfte sich aufgrund der Tatsache, dass sie als Vorlage für eine St. Galler Handschrift gedient hat, bereits früh in St. Gallen oder Weißenburg befunden haben. Bereits für die Zeit um 1000 ist ihre Aufbewahrung in Weißenburg belegt (s. Provenienz).
Provenienz der Handschrift: Einträge: Kloster Weißenburg, Besitzvermerk: 1r Signaturenbuchstabe .f. (14. Jh.). Vorblatt recto Codex monasterii sanctorum Petri et Pauli in Wissenburg (15./16. Jh.). 2r Liber monasterii sancti Petri in Wissenburg. Wiener Liste 2° 4. Der Text der Handschrift gilt als Vorlage für die Handschrift St. Gallen, StiB, Cod. 247, St. Gallen um 860 (vgl. C. Dora, in: K. Schmuki, P. Ochsenbein, C. Dora, Cimelia Sangallensis, Hundert Kostbarkeiten aus der Stiftsbibibliothek St. Gallen, St. Gallen 2000 (2. erw. u. erg. Auflage), 82, Nr. 36.) und dürfte sich dementsprechend bereits um 860 in St. Gallen oder in Weißenburg befunden haben (für den Zeitraum der Abschrift, 841-872, ist das doppelte Abtamt Grimalds für beide Klöster belegt, s.o.). Bereits um 1000 wurde das Schema ordinum ecclesiasticorum (92v) in Weißenburg hinzugefügt, ein Weißenburger Besitzvermerk stammt aus dem 15. Jh. (Vorblatt recto).
Inhalt:
  • 1r-170v Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum. 1r-2r Praefatio. 2rv-33v Liber I. 33v-59r Liber II. 59r-92r Liber III. 93r-132r Liber IV. 132rv-170v Liber V (PL 95, Sp. 21A-290C; CALMA 2, 177; B. und R. Colgrave, A. B. Mynors [Hgg.], Bede's Ecclesiastical History of the English People, Oxford 1969 [mit Benutzung dieser Handschrift, Sigle U]; CPL 1375; CPPM III 260; Rep. font II 471). Der Text der Handschrift gehört zur Rezension m und greift, gemeinsam mit Namur, Musée des Arts Anciens du Namurois, fonds de la ville 11 und Würzburg, UB, M. p. th. f. 118 auf einen gemeinsamen Archtypus zurück.
  • 92v Schema ordinum ecclesiasticorum. Schematische Darstellung in Schriftform der vier kirchlichen Ordines (Heremitae, Canonici, Cenobitae und Sanctimoniales) in Bezug auf die vier Kardinaltugenden (Prudentia, Iusticia, Fortitudo und Temperantia). In der Mitte der Spruch Multitudinis credentium erat cor unum et anima una (Act 4,32), etwas später ergänzt durch die Anfangsworte der acht Seligpreisungen (Mt 5,3-10). Capitalis Rustica mit unzialen Elementen (Weißenburg, wohl um 1000; Hoffmann Schreibschulen Südwesten; CLA IX, 1385; Bischoff, in: Mentzel-Reuters Handschriftenarchiv).
Bibliographie
Handschriftenteil: Vorblatt
Entstehungszeit: 10. Jh., 2. Hälfte
Inhalt:
Missalefragment, zugehörig die Schutzblätter in Speyer, LA, F 1 Nr. 85 (Hand A) und das Vorblatt aus 86 Weiss. (vgl. Hoffmann Schreibschulen Südwesten, Bd. 1, 310).

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

Bischoff Frühkarolingische Handschriften B. Bischoff, Frühkarolingische Handschriften und ihre Heimat, in: Scriptorium 22 (1968), 306–314
Bischoff Katalog 3 B. Bischoff, Katalog der festländischen Handschriften des neunten Jahrhunderts (mit Ausnahme der wisigotischen), Teil 3: Padua–Zwickau, aus dem Nachlass hrsg. von B. Ebersperger, Wiesbaden 2014
Bischoff Lorsch B. Bischoff, Die Abtei Lorsch im Spiegel ihrer Handschriften, Lorsch 1989 (2. erw. Auflage) (Geschichtsblätter Kreis Bergstraße, Sonderbd. 10)
Bischoff Panorama B. Bischoff, Panorama der Handschriftenüberlieferung aus der Zeit Karls des Großen, in: Karl der Große. Lebenswerk und Nachleben, hrsg. von Dems., Bd. 2, Düsseldorf 1965, 233–254, hier zitiert nach dem Nachdruck, in: Ders., Mittelalterliche Studien. Ausgewählte Aufsätze zur Schriftkunde und Literaturgeschichte, Bd. 3, Stuttgart 1981, 5–38
Butzmann Weißenburg H. Butzmann, Die Weissenburger Handschriften, Frankfurt/M. 1964 (Kataloge der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Die Neue Reihe 10)
CALMA C.A.L.M.A. Compendium auctorum latinorum medii aevi, hrsg. von M. Lapidge u. a., Bd. 1–, Firenze 1999–
Cames G. Cames, Dix siècles d'enluminure en Alsace, Contades 1989
CLA Codices Latini antiquiores. A Palaeographical Guide to Latin Manuscripts prior to the ninth century, hrsg. von E. A. Lowe, Bd. 1–12, Oxford 1934–1971
CPL Clavis patrum Latinorum, hrsg. von E. Dekkers, Steenbrugge u.a. 31995 (Corpus Christianorum. Series Latina)
CPPM Clavis patristica pseudepigraphorum medii aevi, hrsg. von I. Machielsen, Turnhout 1990– (Corpus Christianorum. Series Latina)
Exner Lorsch M. Exner, Buchmalerei im Kloster Lorsch. Frühmittelalterliche Miniaturen aus dem Skriptorium des Reichsklosters, in: Hessisches Landesmuseum Darmstadt u. Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (Hgg.), Kloster Lorsch. Vom Reichskloster Karls des Großen zum Weltkulturerbe der Menschheit. Ausstellung Museumszentrum Lorsch , 28.5.2011-29.1.2012, Petersberg 2011, 330-356
Häse A. Häse, Mittelalterliche Bücherverzeichnisse aus Kloster Lorsch. Einleitung. Edition und Kommentar, Wiesbaden 2002 (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen 42)
Hoffmann Schreibschulen Südwesten H. Hoffmann, Scheibschulen des 10. und 11. Jahrhunderts im Südwesten des Deutschen Reichs, 2 Bde., Hannover 2004 (MGH Schriften 53)
Kautz Bibliothek und Skriptorium des ehemaligen Klosters Lorsch. Katalog der erhaltenen Handschriften/UB Heidelberg, bearb. von M. Kautz, 2 Bde., Wiesbaden 2016
Kleiber Otfrid von Weißenburg W. Kleiber, Otfrid von Weißenburg. Untersuchungen zur handschriftlichen Überlieferung und Studien zum Aufbau des Evangelienbuches, Bern/München 1971 (Bibliotheca Germanica 14)
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband 1)
Mentzel-Reuters Handschriftenarchiv A. Mentzel-Reuters (Hrsg.), Handschriftenarchiv Bernhard Bischoff (Bibliothek der Monumenta Germaniae Historica, Hs. C 1, C 2) , München 1997 (MGH Hilfsmittel 16)
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Weiner A. Weiner, Die Initialornamentik der deutsch-insularen Schulen im Bereich von Fulda, Würzburg und Mainz (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, Bd. 43), Würzburg 1992
Wolfenbüttel Weiss. Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 3: Die Weissenburger Handschriften, beschrieben von O. von Heinemann, in: Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 2 Teil 5, Wolfenbüttel 1903, 268–443

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