de :: en
Permalink: PURL

Suche

Anzeigen als: OAI :: XML :: Print

Beschreibung von Cod. Guelf. 349 Helmst.
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung
Handschriftentitel: Ilias latina. Vergilius
Entstehungsort: Nordostfrankreich
Entstehungszeit:
  • 11. Jh.
  • um 1200
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 384
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412206,T
Beschreibstoff:
  • Pergament
  • Aus zwei Teilen zusammengesetzt: I 1r–7v, II 8r–101v. Zwei Bifolia sind palimpsestiert (71r–v / 74r–v und 72r–73v, vgl. unten).
Umfang: 101 Bl.
Format: 28,5 × 10,5 cm
Seitennummerierung: Tintenfoliierung modern: 1101.
Lagenstruktur: III (6). IV+1 (15). 4 IV (47). III+1 (54). III+1 (61). III+1 (68). IV (76). V–1 (85). 2 IV (101). Befolgung der Gregory-Regel, mit Ausnahme der hinzugefügten Bl.
Spätere Ergänzungen: Auf dem VS Inhaltsverzeichnis (19. Jh.) von der Hand des Wolfenbütteler Bibliothekars K. P. C. Schönemann.
Einband: Ganzledereinband des 18. Jh., aus der Werkstatt des Buchbinders Anton Friedrich Wirck in Helmstedt, vgl. bei Cod. Guelf. 308 Helmst.
Entstehung der Handschrift: Nach den paläographischen Merkmalen und dem spärlichen Buchschmuck zu urteilen wurde der Codex um 1200 im nordfranzösischen Raum geschrieben; eine genauere Lokalisierung ist bislang nicht möglich. Für diese Schriftheimat sprechen außerdem die Übereinstimmungen mit der Glossierung in der französischen Hs. Cod. Guelf. 155 Gud. lat. sowie das hochrechteckige Format des Bandes, das auch bei anderen Hss. mit klassischer Dichtung, z. B. Cod. Guelf. 164 Gud. lat., 180 Gud. lat. und 194 Gud. lat. verwendet wurde.
Provenienz der Handschrift: Später gelangte er auf unbekanntem Wege in den Besitz von Matthias Flacius Illyricus, 1r auf dem Fußsteg Signaturnummer der flacianischen Bibliothek: № 180. Die Inhaltsangabe Aeneida Vergilii auf dem gleichen Bl. stammt nicht von Flacius, sondern von der Hand eines Mitarbeiters oder Sekretärs der Centuriatoren wie in Cod. Guelf. 277 Helmst..
Erwerb der Handschrift: Zusammen mit der übrigen Bibliothek des Matthias Flacius Illyricus am 20.4.1597 von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg für die Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel erworben, 1614 im Gesamtkatalog des Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 23 [19]) unter Nr. 2 der Poëtae Graeci, Latini Gallici etc. als Aeneis Virgilii manuscripta in membranis ligt drüber genannt. 1618 aus Wolfenbüttel in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt. 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 29v) als Virgilii Aeneidos libri. In membrana, liegt quer über. Ohne band unter den Miscellanei MSSti in folio nachgewiesen, auf dem VS die entsprechende Helmstedter Signatur Misc. 32. Im Katalog von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 269 verzeichnet.
Bibliographie
Handschriftenteil: I
Handschriftentitel:
Entstehungsort: Nordostfrankreich
Entstehungszeit: um 1200
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 7 Bl.
Format: 28 × 10,5 cm
Zustand: Der gesamte Codex zeigt starke Gebrauchsspuren; zu Beginn fehlt eine Lage unbekannten Umfangs. Bl. 7 beschnitten, mißt nur noch 7,5 x 8,5 cm; es gehörte ursprünglich zur ersten Lage und wurde bei der Neubindung im 18. Jh. an die zweite Lage geheftet.
Seiteneinrichtung: 24,5 × 5,5 cm, einspaltig (mit Majuskelspalte), 64–66 blindliniierte Zeilen, Pukturen an den Blatträndern sichtbar.
Hände: Kleine, noch sehr runde frühe Textualis von zwei Händen,
  • Hand 1: 1r–7r;
  • Hand 2: 7v;
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Keinerlei Buchschmuck, Raum für Initialen ausgespart.
Spätere Ergänzungen: 2v nachgetragene Verse (s. unten) von anderer, aber relativ gleichzeitiger Hand.
Inhalt:
  1. 1r–7r Baebius Italicus: Ilias latina (partim). (Text setzt ein)
    Equius adversis tecum concurrat in armis
    Impiger Atrides spectet Danaumque Frigumque
    … — …
    Ipsa tuas depone liras ades inclita Pallas
    Tuque fave cursu vatis iam Phebe peracto.
    >Explicit iste liber non hic tamen incipit alter<. Die Verse 1–266 fehlen durch Blattverlust. 2v wurden die Verse 521–526 vom Schreiber durch Zeilensprung ausgelassen und von einer anderen Hand neben dem Text quer zur Schreibrichtung nachgetragen.
    Textgeschichte: Auch in Cod. Guelf. 76.3 Extrav., 1r–18v; 301 Extrav., 16v–292r; Fragmente im Einband von Cod. Guelf. 797 Novi.
    Edition
    • Baebii Italici Ilias Latina. Introduzione, edizione critica, traduzione italiana e commento a cura di M. Scaffai, Bologna 1984, 21997 (Edizioni e saggi universitari di filologia classica 28), 83–191 (mit dieser Hs., 42 genannt).
    Literatur
    • Poetae Latini minores, hrsg. von J. C. Wernsdorf, Bd. 4: Carmina heroica de diis et hominibus rebusque illustribus tenens, Altenburgi et Helmstadii 1785, 599 (Hs. genannt);
    • F. Vollmer, Zum Homerus latinus. Kritischer Apparat mit Commentar und Überlieferungsgeschichte, in: Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Philologische und Historische Klasse 1913,3, München 1913, 16 (Hs. genannt);
    • M. Scaffai, Tradizione manoscritta dell’Ilias Latina, in: In verbis verum amare. Miscellanea dell’Istituto di Filologia Latina e Medioevale Università di Bologna, hrsg. von P. Serra Zanetti, Firenze 1980 (Università di Bologna, Pubblicazioni della Facoltà di Magistero, Nuova serie 5), 205–277 (233f. Hs. beschrieben);
    • Reynolds, 191–194 (193 Hs. genannt, Sigle h);
    • A. Cancela Cilleruelo, A Munich fragment of the Ilias latina (Clm 14843), in: Scriptorium 71 (2017), 99–114 (104 Anm. 23 Hs. genannt).
  2. 7v Accessus perbrevis ad Iliadem latinam. Materia huius libri est Troiana historia … — … liber potest dici apocriphus apo valde crifus obscurus. Ungedruckt.
Handschriftenteil: II
Handschriftentitel:
Entstehungsort: Nordostfrankreich
Entstehungszeit: um 1200
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 94 Bl.
Format: 28,5 × 10,5 cm
Zustand: Der Teil zeigt starke Gebrauchsspuren; nach Bl. 76 fehlt ein Quaternio mit entsprechendem Textverlust. Bl. 7 gehörte ursprünglich zur ersten Lage und wurde bei der Neubindung im 18. Jh. an die zweite Lage geheftet.
Seiteneinrichtung: 24 × 6–6,5 cm, einspaltig, 40–60 blindliniierte Zeilen.
Hände: Haupttext in kleiner früher Textualis von zwei Händen,
  • Hand 1: 8r–77r;
  • Hand 2: 77r–101v.
  • Glossen und Nachträge von mindestens fünf Händen.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • 8r einfache rote sekundäre Initiale A in Unzialform über 5 Zeilen, verblasst.
  • 34v Initiale A über 3 Zeilen in Unzialform in Tintenfarbe, mit konturbegleitender geschwungener Fleuronnéeranke;
  • 43r unverzierte Initiale I über 6 Zeilen in Unzialform;
  • 52v unverzierte Initiale S über 3 Zeilen in Unzialform;
  • 61v Initiale T über 3 Zeilen in stark geschwungener Unzialform in Tintenfarbe, mit weißen Schaftaussparungen und konturbegleitendem, fein gestricheltem Palmettenfleuronnée;
  • 76v Initiale A über 5 Zeilen in Unzialform in Tintenfarbe, mit weißen Schaftaussparungen im Welllenschnitt;.
  • 92v Initiale T über 5 Zeilen in Unzialform in Tintenfarbe, mit weißen Schaftaussparungen und konturbegleitendem, fein gestricheltem Palmettenfleuronnée. Sonst Raum für Initialen ausgespart.
  • 92v in marg. die nachträgliche Bleistiftzeichnung einer Rosette mit drei Blattkränzen (15. Jh.).
Inhalt:
  1. 8r–101v Publius Vergilius Maro: Aeneidos libri XII. >Explicit ultimus liber Eneidos Virgilii qui est duodecimus<.
    Textgeschichte: Zum Text vgl. Cod. Guelf. 332 Helmst., 140r–334v.
    Argumenta: 16v zu Buch 2 mit dem Monostichon aus Anthologia latina 1 Nr. 634 und dem Decastichon aus Anthologia latina 1 Nr. 1, ebenso 26r zu Buch 3. 34v zu Buch 4 nur das Decastichon aus Anthologia latina 1 Nr. 1; 42v Monostichon und Decastichon aus Anthologia latina 1 Nr. 1 zu Buch 5, ebenso 52r–v zu Buch 6 und 92r zu Buch 12. Die Argumente zu Buch 2, 4 und 6 stehen jeweils am Ende des vorhergehenden Buches noch vor dessen Explicit. Der erste Buchstabe (Bl. 14r–64r auch der letzte) eines jeden Verses als Majuskel, ebenso die Schlussrubrik und einige Halbverse. Nach Bl. 76v Textlücke (9,12 – 10,92) durch Blattverlust. Der Text ist von mindestens drei Händen reich marginal und interlinear glossiert, ab Buch 4 werden die Glossen jedoch immer seltener. Inhaltlich lassen sie sowohl eine Kenntnis des Kommentarwerkes von Servius als auch anderer Texterklärungen, etwa der anonymen Glossen aus Cod. Guelf. 155 Gud. lat. und 323 Gud. lat., erkennen. (101v) wurden von einem der Glossatoren einige, heute stark abgegriffene und am Seitenende gänzlich abbrechende Scholien zum Beginn der Aeneis nachgetragen (Beginn: 'Arma virumque' id est armatum virum et endiadis quidem figura … ), stark abgegriffen. Text , nicht mehr lesbar. Kürzer, aber im Wortlaut vielfach übereinstimmend mit den Aeneisglossen in Cod. Guelf. 155 Gud. lat., 1ra–vb, und 323 Gud. lat., 39r–v.
  2. 101v Accessus ad Aeneidos libros XII. Virgilius sicud ad laudem Polionis[sic] bucolicas scripsit ita ad laudem Cesaris Eneidem composuit … — … a propositione ergo ita incipiens: Arma virumque cano etc. Die ungedruckte Passage ist Teil eines Accessus zum Gesamtwerk Vergils, der separat in Cod. Guelf. 7 Aug. 2°, 64v, überliefert ist und auch die Aeneisglossen in Cod. Guelf. 155 Gud. lat., 1ra, und 323 Gud. lat., 39r, einleitet.
Handschriftenteil: III
Entstehungsort: Nordfrankreich
Entstehungszeit: 11. Jh.
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 4 Bl.
Format: 28,5 × 11 cm
Zustand: Die beiden Bifolia (71r–v / 74r–v und 72r–73v) sind quer zur ursprünglichen Heftungsrichtung zweitverwendet (die Perforationen der originalen Heftung sind noch erkennbar); die ursprüngliche Blattgröße betrug ca. 23 x 14 cm. Die Palimpsestierung erfolgte äußerst materialschonend, sorgfältig und offenbar unter Benutzung von Reagentien, so dass der untere Text selbst unter UV-Licht kaum mehr lesbar ist.
Seiteneinrichtung: 17 × 9 cm, einspaltig, 23 blindliniierte Textzeilen erkennbar.
Hände:
  • Haupttext in regelmäßiger karolingischer Minuskel von einer Hand (Gesangsteile in kleinerer Schrift abgesetzt);
  • die auf den Fuß- bzw. Kopfstegen nachgetragenen liturgischen Gesangsteile wurden von einer zweiten Hand karolingischer Minuskel hinzugefügt.
Musiknotationen: Über den zum Urspungstext gehörenden Gesangsteilen linnienlose adiastematische Neumennotation, aufgrund des Erhaltungszustandes nicht näher bestimmbar; über den auf den Kopf- oder Fußstegen nachgetragenen Stücken nicht näher spezifizierbare Notation auf Linien.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, dazu abwechselnd rote und grüne Satzmajuskeln in Capitalis quadrata und Unzialis.
Inhalt:
1. 71r–74v Breviarium (Proprium de tempore). Aufgrund der sorgfältigen Palimpsestierung ist der in zahlreiche Abschnitte gegliederte (le[ctio ?] II und le[ctio ?] III sind erkennbar) und mit neumierten Gesangsteilen (72v) abwechselnde Breviertext mit den zur Verfügung stehenden technischen Mitteln nicht genauer identifizierbar. EIn konkretes Zuordnungsindiz bildet 71r auf dem ehemaligen Fußsteg das nachgetragene Invitatorium CAO 1168 in feria II maioris hebdomadae.

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

Anthologia latina 1 Anthologia latina Bd. 1: Carmina in codicibus scripta, Ps. 1, hrsg. von F. Buechler und D. R. Shackleton Bailey, Stuttgart 1982
CAO R.-J. Hesbert, Corpus antiphonalium officii, Bd. 1–6, Rom 1963–1979 (Rerum ecclesiasticarum documenta. Series maior 7–12)
Ebert F. A. Ebert, Bibliothecae Guelferbytanae Codices Graeci et Latini Classici, Leipzig 1827 (Die Bildung des Bibliothekars 2 = Zur Handschriftenkunde 2)
Hartmann M. Hartmann, Humanismus und Kirchenkritik. Matthias Flacius Illyricus als Erforscher des Mittelalters, Stuttgart 2001 (Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters 19)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Heyne Virgilii opera P. Virgilii Maronis Opera…, illustrata a C. G. Heyne, editio altera emendatior et locupletior, Bd. 1–2, Leipzig 1789
Reynolds Texts and transmission. A survey of the Latin classics, ed. by L. D. Reynolds, Oxford 1983
Schneider Vergil B. Schneider, Vergil. Handschriften und Drucke der Herzog August Bibliothek. Katalog der Ausstellung in der Bibliotheca Augusta, 5. Oktober 1982 bis 27. März 1983, Wolfenbüttel 1982 (Ausstellungskataloge der Herzog-August-Bibliothek 37)

  • Weitere Literaturnachweise im OPAC suchen.
  • Weitere Literaturnachweise suchen (ehem. Handschriftendokumentation)

Dieses Dokument steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz (CC BY-SA).

Für die Nutzung weiterer Daten wie Digitalisaten gelten gegebenenfalls andere Lizenzen. Vgl. die Copyright Information der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.