Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil III: Cod. Guelf. 371 bis 460 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser (in Vorbereitung). (Vorläufige Beschreibung)

Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 405 Helmst.

Oktoechos

Papier — 8 Bl. — 30 × 20,5 cm — Serbien / Montenegro — 16. Jh., 1. Hälfte

Lagen: III+1+1 (8). Bleistiftfoliierung modern: 1–8. Alle Bl. sind einzeln an Kartonfalze geklebt. Schriftraum: 22 × 13 cm, einspaltig, 25 Zeilen. Südslawische (westliche) Kyrillica (Poluustav) von einer Hand, vgl. T. Eckhardt, Azbuka. Versuch einer Einführung in das Studium der slavischen Paläographie, Wien, Köln 1989 (Wiener Archiv für Geschichte des Slawentums und Osteuropas 14), 138f. mit Abb. VIII. Rubriziert, rote Versmajuskeln und Überschriften. Gruppen von jeweils vier in Trapezform angeordneten Punkten als Zeilenfüllung.

Einfacher Umschlag aus starkem, hellbraun marmoriertem Kiebitzpapier wie bei Cod. Guelf. 403 Helmst., der zwischen Januar und August 1798 in der Werkstatt des Buchbinders Anton Friedrich Wirck in Helmstedt angefertigt wurde, vgl. die Bibliotheksrechnung vom 4.8.1798 in BA III, 39, unpag. Beilage Nr. 16b: Ein altes Manuscript mit Franz. Pappe broschiert 1 ggl. 6 d.

Herkunft: Wasserzeichen und paläographische Merkmale zeigen, dass der Codex in der 1. Hälfte des 16. Jh. im südslawischen Raum, vermutlich in Serbien oder Montenegro, geschrieben wurde. — Wann und auf welchem Wege die Hs. in die Universitätsbibliothek Helmstedt gelangte, ist unbekannt; sie wird erstmals 1797 im Handschriftenkatalog von P. J. Bruns (BA III, 52) unter Nr. 1236 als Fragmentum libri liturgici lingua slavonica bombyc. fol. beschrieben.

Pertz Handschriften, 222 Nr. 1236. — Heinemann Nr. 440. — K. Günther, Slawische Handschriften in Deutschland, in: Zeitschrift für Slawistik 5 (1960), H. 3, 317–355, hier 352.A. S. Myln̓ikov, und W. Milde, Handschriftliche Slavica der Herzog August Bibliothek, in: Wolfenbütteler Beiträge 7 (1987), 79–114, hier 82 Nr. 1, 98f. mit Abb. 1. — Katalog der slavischen Handschriften in Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland, bearbeitet von E. Matthes, Wiesbaden 1990, 173 Nr. 216.

Schreibsprache: Serbisch-Kirchenslawisch.

1r–8v Oktoechos (partim). Das aus mehreren, gegenwärtig in der falschen Reihenfolge gehefteten Einzel- und Doppelbl. eines Codex bestehende Fragment enthält Abschnitte der Gesänge im vierten Ton am Sonntag zum Orthros (entspricht der Matutin, 1r–3v und 6r–8v) sowie im dritten Ton am Sonntag zum Orthros bzw. zur Liturgie (5r–v und 4r–v) Druck: GW M27741; die Gesänge der Hs. sind allerdings im einzigen digitalisierten Exemplar nicht nachweisbar, da dieses am Schluss durch Blattverlust fragmentiert ist. Zur Inkunabel, die nur die ersten vier der acht Töne umfasst, im Gegensatz zum normalen Oktoechos aber auch die Gesänge, Canones und Sticheren der gesamten Woche enthält (Paraklitik), vgl. V. Jagić, Der erste Cetinjer Kirchendruck vom Jahre 1494. Eine bibliographisch-lexicalische Studie, 1. Hälfte: Bibliographisch-Kritisches, in: Denkschriften der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse 43,2, Wien 1894, 1–81 (separat paginiert).


Abgekürzt zitierte Literatur

GW Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. 1–, Leipzig 1925–1938, Stuttgart 1978–
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)