de :: en
Permalink: PURL

Suche

Anzeigen als: OAI :: XML :: Print :: Faksimile in der WDB

Beschreibung von Cod. Guelf. 438 Helmst.
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil III: Cod. Guelf. 371 bis 460 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser (in Vorbereitung).
Handschriftentitel: Bonaventura. Odo Morimundensis
Entstehungsort: Nordostfrankreich
Entstehungszeit: 12. Jh., 2. Hälfte
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 473
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412287,T
Beschreibstoff:
  • Pergament
  • Sorgfältig bearbeitetes Kalbpergament.
Umfang: 177 Bl.
Format: 28 × 18 cm
Seitennummerierung: Tintenfoliierung modern: 1–177.
Lagenstruktur: IV+1 (9). 21 IV (177). Befolgung der Gregory-Regel (Ausnahme: Bl. 1), Kustoden in römischen Zahlen auf dem Fußsteg der letzten Versoseite jeder Lage: IXXII.
Seiteneinrichtung:
  • Nachtrag Bl. 1v2v 23–24 × 13–15 cm, einspaltig, 47–49 Zeilen, Tintenliniierung.
  • 3r177r 19 × 13 cm, einspaltig, 27 Zeilen, Bleiliniierung.
Hände: Carolino-Gothica von zwei Händen,
  • Haupthand (3r177r): regelmäßige, fast kalligraphisch wirkende Carolino-Gothica;
  • Bl. 1v2v Nachtrag einer späteren Hand (13. Jh., 2. Hälfte) in Textualis.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Rubriziert, rote Überschriften und Lombarden, meist über 3 Zeilen.
  • Bl. 3r federgezeichnete rote Spaltleisteninitiale V über 8 Zeilen. Das Binnenfeld ist mit vielfach gewundenem, rot-schwarz konturiertem Rankenwerk gefüllt, das aus dem Buchstabenstamm hervorwächst und in Knollenblätter oder Palmetten ausläuft. Am Beginn der einzelnen Werkteile kleinere rote Silhouetteninitialen, meist über 4–5 Zeilen, mit einfachen, geometrisch gestalteten Konturbegleitstrichen und und blattförmigen Silhouettenornamenten.
Spätere Ergänzungen: Im Haupttext Marginalien und Korrekturen der anlegenden Hand, dazu stellenweise spätere Nota-Vermerke, möglicherweise von der Hand des Vorbesitzers Heinricus de Wizzenburg; ähnliche Marginalien auch in anderen Codices der Heilsbronner Konventsbibliothek, Abb. bei N. Weichselbaumer, Die Pecienhandschriften des Zisterzienserklosters Heilsbronn, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 65 (2010), 1–87, hier 31 mit Abb. 4.
Einband:
  • Der Codex war zunächst offenbar in Holzdeckel mit Buchkette gebunden, Rostspuren der Kettenöse auf dem Kopfsteg der letzten beiden Bl. erkennbar. Zum 1468 erfolgten Neubau der Heilsbronner Bibliothek, worin die Bände angekettet waren, vgl. MBK 3/2, 204f.
  • Jetzt in einen Halbledereinband des 18. Jh. aus der Werkstatt des Buchbinders Anton Friedrich Wirck in Helmstedt gebunden; die starken Pappdeckel sind mit dunkelbraun marmoriertem Kiebitzpapier kaschiert, Rücken und Ecken sind mit blindliniiertem Schafsleder überzogen. Vgl. zu diesen Einbänden Lesser Geschichte, XLVII. Hierzu gehört auch das hintere Vorsatzbl. aus Papier mit dem Fürstenmonogramm (gekröntes Doppel-C zwischen Palmzweigen) des Herzogs Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1713–1780) als Wasserzeichen.
Entstehung der Handschrift: Nach Ausweis der Schriftmerkmale wurde der Codex wie die meisten frühen Überlieferungsträger des enthaltenen Textes in der 2. Hälfte des 12. Jh., etwa zwischen 1160 und 1190, in einem Zisterzienserkloster im nordostfranzösischen oder belgischen Raum geschrieben. Vergleichbar sind vor allem die etwa gleichzeitig entstandenen Codices Paris, BN, MSS lat. 3352B (Manuscrits datés Frankreich 2, 169 mit Taf. CXCV) aus der Zisterze Morimond, und Troyes, BM, Ms. 780 (J.-P- Bouhot, und J.-F. Genest, La Bibliothèque de l’Abbaye de Clairvaux du XIIe au XVIIIe siècle, Bd. 2,1: Manuscrits bibliques, patristiques et théologiques, Paris 1997, 533 Nr. H86, vgl. auch Manuscrits datés Frankreich 5, 459–469 mit Taf. CXCVI–CCII) aus dem Kloster Clairvaux. Der spätere Besitzer, das fränkische Zisterzienserkloster Heilsbronn, kommt hingegen als Entstehungsort der Hs. nicht in Frage; die dort zur gleichen Zeit geschriebenen Codices zeigen abweichende Schriftmerkmale und anderen Buchschmuck, vgl. die Abb. von Erlangen, UB, Ms. 72 bzw. Erlangen, UB, Ms. 186 in: Buchmalerei der Zisterzienser. Kulturelle Schätze aus sechs Jahrhunderten. Katalog zur Ausstellung "Libri Cistercienses" im Ordensmuseum Abtei Kamp, Stuttgart 1998, 80f. Nr. 11 und 86f. Nr. 15.
Provenienz der Handschrift:
  • Wahrscheinlich im späten 13. Jh. oder frühen 14. Jh. von Heinricus de Wizzenburg erworben, Besitzvermerk auf dem Fußsteg von Bl. 177r: Liber fratris Heinrici de Wizzenburg quondam magistri … (letztes Wort durch Anwendung von Reagens nicht mehr entzifferbar). Heinrich übergab den Codex dem Zisterzienserkloster Heilsbronn, wo er zwischen 1297 und 1301 als Mönch urkundlich nachweisbar ist, dazu M. Montag-Erlwein, Heilsbronn von der Gründung 1132 bis 1321. Das Beziehungsgeflecht eines Zisterzienserklosters im Spiegel seiner Quellenüberlieferungen, Berlin, Boston 2011 (Studien zur Germania sacra NF 1), 139 und 543. Entsprechende Besitzvermerke des 14./15. Jh. auf Bl. 1r: Liber sancte Marie in Hailsbrunn und 177r: Liber hic est beate Marie virginis in fonte salutis (beide radiert). Der Codex fehlt noch im ältesten Bibliothekskatalog des Klosters, Abdruck in
  • Vermutlich seit 1552 im Besitz von Matthias Flacius Illyricus; die Inhaltsangabe 1r: Liber de rationibus numerorum prout deserviunt Theologiæ stammt jedoch wie in Cod. Guelf. 376 Helmst. nicht von Flacius, sondern von der Hand eines Mitarbeiters oder Sekretärs der Centuriatoren.
Erwerb der Handschrift: Zusammen mit der übrigen Bibliothek des Matthias Flacius Illyricus am 20.4.1597 von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg für die Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel erworben. Im Gesamtkatalog von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 297 [292]) unter den Papalia Miscellanea als De rationibus numerorum Theologiæ inservientibus in pergamen lateinisch mit der Signatur Y 39 nachgewiesen. 1618 nach Helmstedt überführt, 1644 im Handschriftenkatalog der Universitätsbibliothek (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 3v) unter den Theologici [MSSti] in folio als Liber de rationibus numerorum pro ut deserviunt Theologiæ in membrana ohne bandt beschrieben, 1r die entsprechende Helmstedter Signatur T. 37. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 51) unter Nr. 40 aufgeführt.
Inhalt:
  1. 1r mit Ausnahme des radierten Besitzvermerkes und der frühneuzeitlichen Inhaltsangabe (s. oben) leer.
  2. 1v2v Bonaventura: Officium de passione domini. >Incipiunt hore de passione domini<. Domine labia. Deus in adiutorium. Invit. Christum captum et irrisum flagellum crucifixum … — … ad beatissime visionis tue consolacionem pervenire concede. Qui vivis etc. Auf dem Fußsteg von Bl. 2r rubrizierter Verweis auf den Schluss: Verte folium et invenies completorium. Der Text dieses frühen Überlieferungsträgers weist wie die meisten anderen Abschriften zahlreiche Abweichungen vom kritischen Text auf. Im späten 13. Jh. nachgetragen.
    Edition
    Literatur
  3. 2v176r Odo Morimundensis: Analytica numerorum et rerum in theographiam. >Incipiunt analetica idest resolutoria numerorum et rerum in teographiam<.
    • (2v) Tabula. >Incipiunt capitula<. I Que sit materia operis … — … Series eciam secunde partis sua distributione notatur. >Expliciunt capitula<.
    • (2v176r) Textus. >Incipit prologus in quo materia operis utilitas rei eminentia numerorum et future distinctionis partes aperiuntur. Que sit materia operis<. Velle adiacet michi numerorum et rerum significationes analeticas reverenter in omni theologia disquirere … — … illustrare significationibus et multiplicibus efferre mysteriis. >Explicit<.
    Edition
    • Traités du XIIe siècle sur la symbolique des nombres. Odon de Morimond (1116–1161), Analectica numerorum et rerum in theographyam. Éd. critique princeps par H. Lange, Bd. 1–2, Kopenhagen 1981 und 1989 (Cahiers de l’Institut du moyen-âge grec et latin 40 und 58), 2–182, 1–312 (XXXV, L–LI Hs. genannt, Sigle W).
    Literatur
    • Thorndike/Kibre, 1680.1;
    • E. Hellgardt, Victorinisch-zisterziensische Zahlenallegorese. Bemerkungen zu Theorie und Praxis der mittelalterlichen Zahlendeutung, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 98 (1976), 331–350 (336 mit Anm. 6, 340f. Hs. genannt).
    • Zum Autor vgl. auch L. Grill, Odo Morimundensis (1116–1161). Würdigung seines Lebens und seiner Geistigkeit, in: Collectanea Ordinis Cisterciensium Reformatorum 23 (1961), 314–351;
    • H. Lange, Odon de Morimond (1116–1161), prieur de Morimond, abbé de Beaupré en Lorraine (?–1156), abbé de Morimond (1156–1161). Thèmes et structures de son œuvre, traités sur la symboloque des nombres Sermons, Paris 2015 (Histoire littéraire de la France 44), 32 (Hs. genannt).
  4. 176r177r De proprietatibus Spiritus Sancti. De spiritu spiritualiter loqui oportere testatur apostolus … — … quoad usque induamini virtute ex alto.
    Textgeschichte: Mit identischem Incipit und Explicit bislang nur in München, BSB, Clm 28221, 75r–76v (München BSB 4,7, 191) aus der Zisterze Kaisheim nachgewiesen.
    Ungedruckt. – 177v mit Ausnahme einer fast unleserlichen Notiz: … Florini … leer.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

Bonaventurae opera Doctoris Seraphici S. Bonaventurae S. R. E. Episcopi Cardinalis opera omnia … edita studio et cura P. P. Collegii a S. Bonaventura … , Bd. 1–10, Ad Claras Aquas (Quaracchi) 1898–1901
CALMA C.A.L.M.A. Compendium auctorum latinorum medii aevi, hrsg. von M. Lapidge u. a., Bd. 1–, Firenze 1999–
Distelbrink B. Distelbrink, Bonaventurae scripta: authentica, dubia vel spuria critice recensita, Rom 1975 (Subsidia scientifica Franciscalia 5)
Erlangen 1 Die lateinischen Pergamenthandschriften der Universitätsbibliothek Erlangen, beschrieben von H. Fischer, Erlangen 1928 (Katalog der Handschriften der Universitätsbibliothek Erlangen 1)
Glorieux Répertoire P. Glorieux, Répertoire des maîtres en théologie de Paris au XIIIe siècle, 2 Bde., Paris 1933–1934 (Études de philosophie médiévale 17–18)
Hartmann M. Hartmann, Humanismus und Kirchenkritik. Matthias Flacius Illyricus als Erforscher des Mittelalters, Stuttgart 2001 (Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters 19)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Kat. Illuminierte Hs. HAB 1 Geplant: Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1, 6.-11. Jh., beschrieben von Stefanie Westphal
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband 1)
Lesser Geschichte B. Lesser, Zur Geschichte und Katalogisierung der Helmstedter Handschriften, in: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil I: Cod. Guelf. 1 Helmst. – Cod. Guelf. 276 Helmst., bearb. von H. Härtel, C. Heitzmann, D. Merzbacher und Dems., Wiesbaden 2012, XII–XCII
Manuscrits datés Frankreich Catalogue des manuscrits en écriture latine portant des indications, de date, de lieu ou de copiste, par C. Samaran et R. Marichal, Bd. 1–7, Paris 1959–1985
MBK Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Bd. 1–4/3, München 1918–2009
Mohan G. E. Mohan, Initia operum Franciscalium (XIII–XV s.), St. Bonaventure/NY. 1975–1978 (Franciscan Studies 35, 37, 38)
München BSB 4,7 Katalog der lateinischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München, Bd. 4,7: Clm 28111–28254, beschrieben von H. Hauke, Wiesbaden 1986 (Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Monacensis 4,7)
Thorndike/Kibre L. Thorndike und P. Kibre, A catalogue of incipits of mediaeval scientific writings in latin, revisited and augmented edition, London 21963 (Mediaeval Academy of America publication 29)

  • Weitere Literaturnachweise im OPAC suchen.
  • Weitere Literaturnachweise suchen (ehem. Handschriftendokumentation)

Dieses Dokument steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz (CC BY-SA).

Für die Nutzung weiterer Daten wie Digitalisaten gelten gegebenenfalls andere Lizenzen. Vgl. die Copyright Information der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.