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Beschreibung von Cod. Guelf. 466 Helmst.
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil IV: Cod. Guelf. 462 bis 615 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser (in Vorbereitung).
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung
Handschriftentitel: Albertus Stadensis. Annales Lubicenses
Entstehungsort: Lübeck (?)
Entstehungszeit: 14. Jh., 1. Hälfte
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 500
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412333,T
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 180 Bl.
Format: 26,5 × 18,5 cm
Lagenstruktur: 5 IV (40). II–1 (43). 6 IV (91). V (101). 2 IV (117). 2 V (137). 3 IV (161). IV–3 (166). IV (174). III (180). Die ersten fünf Lagen auf dem letzten bzw. ersten Bl. gez., sonst Reklamanten, die letzten drei Lagen ohne Kennzeichnung.
Seiteneinrichtung: 20,5 × 13 cm, zweispaltig, 34 Zeilen. Blind- und Tintenliniierung, Punkturen an den Blatträndern sichtbar.
Hände: Drei Hände,
  • Hand 1: 1ra–42va, unregelmäßig wirkende Textualis;
  • Hand 2: 42va–180vb, sorgfältig geschriebene Bastarda, Majuskeln am Beginn der Spalten häufig als litterae elongatae gestaltet;
  • Hand 3: Marginalien und Nachtrag in einer um 1400 geschriebenen Bastarda.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert, rote Lombarden, Wellenlinien als Zeilenfüller. 1ra–24vb Repräsentanten. Verschiedene Federzeichnungen: 43r Stemma der Karolinger (nicht zu einem vollständigen Stammbaum ausgeführt), 117r Stammbaum der Begründer des Klosters Stade, 120v–121r Liste der römischen Kaiser seit Augustus, seit Karl d. Gr. ergänzt durch die Folge der Erzbischöfe von Bremen seit Ansgar und die Herzöge von Sachsen seit Widukind, jeweils bis in die Gegenwart, darüber das Horoskop für Friedrich von Schwaben, den ältesten Sohn des Kaisers Friedrich I. Barbarossa, 133r–v mathematische Schemata. Namen jeweils umrandet, Verwandtschaftsverhältnisse durch einfache Verbindungsstriche angedeutet.
Spätere Ergänzungen: Zahlreiche marginale Benutzerspuren von einer Hand des späten 14. oder frühen 15. Jh., z. B. 24ra Imperatores ante nativitatem Christi, 32va Rex Wandalorum spoliavit Romam, 42rb Divisio provinciarum in episcopatus, 42va Pipinus intrat Saxoniam, 44vb Karolus cum gente Saxonum duxit bellum continuos per xxx annos, 45va Wilti, 49va De nominibus mensium et ventorum secundum Karolum, 71va, 76va Notazeichen, sowie 77rb, 78rb, 82va, 89rb, 89vb, 91vb, 92rb und 106vb Nota-Vermerke zu slawischen Fürsten, zumeist ähnlich wie 112rb Nota de rege Hermanni filii Godescalci, 112vb Nota de morte regis sclavorum Hermanni oder 154rb Crux contra hereticos.
Einband:
  • Der mittelalterliche Originaleinband ist verloren und wurde vermutlich von Matthias Flacius Illyricus entfernt.
  • Halbledereinband mit dunkelbraunem Kiebitzpapierüberzug (wie bei Cod. Guelf. 462 Helmst.), angefertigt laut Bibliotheksrechnung (BA III, 5 unter Nr. 20) zwischen Januar und Juli 1763 vom Buchbinder Anton Friedrich Wirck in Helmstedt.
Entstehung der Handschrift: Der Codex dürfte im holsteinischen Teil des Erzbistums Bremen enstanden sein (so bereits J. M. Lappenberg, Über die bevorstehende Ausgabe der Chronik des Albert von Stade, in: Archiv der Gesellschaft für Ältere Deutsche Geschichtkunde zur Beförderung einer Gesammtausgabe der Quellenschriften deutscher Geschichten des Mittelalters 6 (1838), 326–356, hier 343). Dafür sprechen auch die zahlreichen marginalen Benutzerspuren, die ein ausgeprägtes Interesse an der Geschichte der Holsten und nordelbischen Slawen dokumentieren. Die von Lappenberg später aufgestellte These (MGH SS 16, 281f.), die Hs. sei in Lübeck geschrieben bzw. dort aufbewahrt worden, ist durchaus plausibel, aber nicht eindeutig beweisbar: Zwar entstanden die ‘Annales Lubicenses’ im Franziskanerkloster Lübeck, doch muß dies nicht zwangsläufig auch für die hier vorliegende Abschrift gelten.
Provenienz der Handschrift: Der Codex gelangte zu einem unbekannten Zeitpunkt in den Besitz von Matthias Flacius Illyricus, von seiner Hand Anstreichungen (52rb–va, 54rb, 142rb, 144va, 153ra, 159ra, 160va, 161vb und 171ra) und Marginalien mit Rötelstift: 23va concilium, 24rb Imperatores, 80rb Wolfredus, 131rb Quomodo Fredericus Rome exceptus sit, 143rb Christianus, 154va Stedingi, 157rb Excommunicatio Frederici, 158vb Bulla pape, 162vb Litere Soldani ad papam, 164ra Doctores contra papam. Der Titelvermerk 1r (Chronica Alberti Abbatis Stadensis cum supplemento) wurde im 17. Jh. in Helmstedt hinzugefügt.
Erwerb der Handschrift: Zusammen mit der übrigen Bibliothek des Matthias Flacius am 20.4.1597 von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg für die Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel erworben. 1614 im Gesamtkatalog der Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 114 [110]) unter Nr. K 27 der Libri historici nachgewiesen: Chronica incerti Autoris in membranis manuscr. in fol. — 1618 in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt; 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 30r) unter den Miscellanei in folio als Chronicon Alberti abbatis Stadensis cum supplemento, in membrana, Ohn bandt entsprechend dem eigens hinzugefügten Titeleintrag beschrieben, auf dem VS die entsprechende Helmstedter Signatur Misc. F. 33. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 51) unter Nr. 46 aufgeführt: Chronicon Alberti Abbatis Stadensis edidit Hæberlin in analect. medii ævi. Continuatio huius chronici inde ab a. MCCLXIIII usque ad a. MCCCXXIII, quam ex hoc codice edidit Andreas Avierus Hafniæ 1720 membranac. sec. XIV fol.
Inhalt:
  1. 1ra–166ra Albertus Stadensis: Annales Stadenses sive Chronica. >In nomine patris et filii et spiritus sancti Amen<. A primo parente hominum usque ad Ninum nollos[sic] actus rerum mundialium historiographi posteris attulerunt … — … cesis ibidem plurimis inter quos erant nobiles aliqui milites multi Predones famosi. (43v) ohne Textverlust freigelassen.
    Ausgaben
    • Chronicon Alberti abbatis Stadensis a condito orbe usque ad auctoris aetatem, id est, annum Iesu Christi M.CC.LVI. deductum et nunc primum evulgatum per R. Reinneccium…, Helmstedt 1587 (VD16 A 1467, editio princeps nach dem verlorenen Bordesholmer Codex, vollständiger Text); ND in VD17 23:236975E, 39:122255F;
    • Annales Stadenses auctore Alberto, hrsg. von J. M. Lappenberg, in: MGH SS 16, 271–379 (kritische Teilausgabe nach dieser Hs.).
    Literatur
    • Potthast Wegweiser 1, 32;
    • Rep. font. 1, 175;
    • 2VL 1, 143–151 (147 Hs. genannt);
    • CALMA 1, 140 Nr. 1;
    • J. M. Lappenberg, Über die bevorstehende Ausgabe der Chronik des Albert von Stade (siehe oben);
    • D. Jasper, Die Papstgeschichte des Pseudo-Liudprand, in: DA 31 (1975), 17–107, 42f. Hs. genannt;
    • Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Vom Tode Heinrichs V. bis zum Ende des Interregnums, Bd. 1, hrsg. von W. Wattenbach und F.-J. Schmale, Darmstadt 1976, 419–427 (423, 426 Hs. genannt);
    • W. und M. Schlosser, Vechta als Romreisestation im Mittelalter. Das Stader Itinerar des Abtes Albert von 1250, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1984, Vechta 1984, 23–30 (pass. Hs. genannt, 24 Abb., 28f. beschrieben);
    • K. Nass, Zur Cronica Saxonum und verwandten Braunschweiger Werken, in: DA 49 (1993), 557–582, (564f., 567, 571, 575 Hs. genannt);
    • Heinrich der Löwe und seine Zeit, 72 (Abb.), 74 Nr. B6 (B. Schneidmüller.);
    • Nass Reichschronik, 128 (Hs genannt);
    • B. Schneidmüller, Friesen – Welfen – Braunschweiger. Träger regionaler Identität im 13. Jahrhundert, in: Identité régionale et conscience nationale en France et en Allemagne du Moyen Âge à l’époque moderne, hrsg. von R. Babel und J.-M. Moeglin, Sigmaringen 1997 (Beihefte der Francia 39), 305–324 (317 Hs. genannt, 322 Abb. 1);
    • G. Maeck, Die Weltchronik des Albert von Stade, ein Zeitzeugnis des Mittelalters. Studien zur Geschichtsschreibung Alberts von Stade, Lehrte 2001 (43 Hs. genannt);
    • C. Heitzmann, Die Sterne lügen nicht. Astrologie und Astronomie im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, Wiesbaden 2008 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 91), 22f. (Abb. der Hs.);
    • C. Dartmann, Die Rezeption der Frühgeschichte des Erzbistums Hamburg-Bremen bei Adam von Bremen, Helmold von Bosau und Albert von Stade. Ein Beitrag zur norddeutschen Geschichtsschreibung des Hochmittelalters, in: Rotenburger Schriften 92 (2012), 289–316 (285–287 Hs. genannt, Abb.);
    • U. Oldag, Kong Abels død 1252, in: Sønderjysk månedsskrift 1 (2015), 26–30 (30 Hs. genannt);
    • V. Honemann, Franziskanische Geschichtsschreibung, in: Geschichte der Sächsischen Franziskaner-Provinz von der Gründung bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Reformation, hrsg. von Dems., Paderborn 2015, 731–844, bes. 755–766 (759 Hs. genannt).
    – 167rb–vb leer.
  2. 167ra–180va Annales Lubicenses. Anno domini Mo cCo lxiii obiit papa Urbanus et vacavit sedes mensibus quinque … — … obiit episcopus Mindensis cui successit Lodowicus filius Othonis ducis Luneburgensis etc.
    Textgeschichte: Die zur Kollation der Erstausgabe von A. Hojer verwendeten Materialien befinden sich heute in Hannover, GWLB, Ms XIII 749 (Bodemann Hannover, 137). Im 18. Jh. wurde offenbar zu Studienzwecken eine Abschrift des Textes nach dieser Hs. angefertigt, heute in Göttingen, SUB, Cod. Ms. histor. 95, 1r–17v (Göttingen 2, 31).
    Ausgaben
    • Continuatio Annalium Alberti Stadensis ab Anno M CCLXIII ad Annum M CCCXXIIII. Ex Membranis edidit… A. Hojer, Kopenhagen 1720 (nach dieser Hs.);
    • Annales Lubicenses a. 1264–1324, hrsg. von J. M. Lappenberg, in: MGH SS 16, 411–429 (kritische Ausgabe nach dieser Hs.).
    Literatur
    • Potthast Wegweiser 1, 75;
    • Rep. font. 1, 299;
    • J. M. Lappenberg, Über den Continuator Alberti Stadensis, in: Archiv der Gesellschaft für Ältere Deutsche Geschichtkunde zur Beförderung einer Gesammtausgabe der Quellenschriften deutscher Geschichten des Mittelalters 6 (1838), 547–553;
    • K. Wriedt, Die Annales Lubicenses und ihre Stellung in der Lübecker Geschichtsschreibung des 14. Jahrhunderts, in: DA 22 (1966), 556–586, 556 u. ö. Hs. genannt;
    • Ders., Geschichtsschreibung in den wendischen Hansestädten, in: Geschichtsschreibung und Geschichtsbewusstsein im späten Mittelalter, hrsg. von H. Patze, Sigmaringen 1987 (Vorträge und Forschungen 31), 401–426, hier 405–407.
  3. 180vb Versus et nota.
    Presule te stante tibi melior non fuit ante.
    Anno domini Mo quadringentesimo Indictione viii.
    Ante Ihesum duo cc minus una milia quinque.
    (Walther I 1298). von derselben Hand wie die nachgetragenen Marginalien.
    Druck
    • Lappenberg, Über den Continuator Alberti Stadensis (siehe oben), 547.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)
  • Normdaten ergänzt bzw. korrigiert. (schassan, 2015-09-04)

Abgekürzt zitierte Literatur

2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
Bodemann Hannover Die Handschriften der Königlichen Öffentlichen Bibliothek zu Hannover, beschrieben und hrsg. von E. Bodemann, Hannover 1867
CALMA C.A.L.M.A. Compendium auctorum latinorum medii aevi, hrsg. von M. Lapidge u. a., Bd. 1–, Firenze 1999–
DA Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters namens der Monumenta Germaniae Historica 1 (1937) –
Göttingen 2 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 2: Universitäts-Bibliothek: Geschichte, Karten, Naturwissenschaften, Theologie, Handschriften aus Lüneburg, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)
Hartmann M. Hartmann, Humanismus und Kirchenkritik. Matthias Flacius Illyricus als Erforscher des Mittelalters, Stuttgart 2001 (Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters 19)
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Heinrich der Löwe und seine Zeit Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125–1235. Katalog der Ausstellung Braunschweig 1995, Bd. 1: Katalog, hrsg. von J. Luckhardt und F. Niehoff, München 1995
MGH SS Monumenta Germaniae Historica Scriptores (in Folio), Bd. 1–, Hannover 1826–
Nass Reichschronik K. Nass, Die Reichschronik des Annalista Saxo und die sächsische Geschichtsschreibung im 12. Jahrhundert, Hannover 1996 (Schriften der Monumenta Germaniae Historica 41)
Potthast Wegweiser Bibliotheca historica medii aevi. Wegweiser durch die Geschichtswerke des europäischen Mittelalters bis 1500, 2 Bd., hrsg. von A. Potthast, Berlin 21896, ND Graz 1957
Rep. font. Repertorium fontium historiae medii aevi, Bd. 1–12, hrsg. vom Istituto Storico Italiano per il Medio Evo, Rom 1962–2007
VD16 Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des XVI. Jahrhunderts, Online-Ressource: http://gateway-bayern.bib-bvb.de/aleph-cgi/bvb_suche?sid=VD16
VD17 Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des XVII. Jahrhunderts, Online-Ressource: http://gso.gbv.de/DB=1.28/LNG=DU/SRT=RLV/IMPLAND=Y/
Walther I H. Walther, Initia carminum ac versuum medii aevi posterioris Latinorum, Göttingen 1959 (Carmina medii aevi posterioris Latina 1)

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