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Beschreibung von Cod. Guelf. 684 Helmst.
Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil V: Cod. Guelf. 616 bis 927 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser (in Vorbereitung).
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung

Lübisches Recht

Papier — 64 Bl. — 22 × 16,5 cm — Lübeck (?) — 16. Jh., 1. Viertel

Wasserzeichen: Anker im Kreis, ohne Beizeichen: Piccard VI (Anker) Nr. IV 226 (1525). Krone mit zweikonturigem Bügel mit Perlen, darüber zweikonturiges Kreuz, Bindedraht als Mittelachse (nicht nachgewiesen, ca. 16. Jh., 1. Viertel). Lagen: IV+4 (12). 3 VI (48). V (58). III (63)! Mit Ausnahme der ersten und letzten Lage jeweils Lagensignaturen in arabischen Ziffern. Zeitgenössische Tintenfoliierung in römischen Zahlen, z. T. rubriziert: ILXIII, daneben Bleistiftfoliierung modern: 163, letztes Bl. jeweils ungez. Schriftraum: 15,5–16 × 10,5–11 cm, einspaltig, je nach Hand 23–27 Zeilen. Hand 1 (Kanzleikursive mit Merkmalen der Kurrentschrift): 1r–12r und 60r–63r; Hand 2 (regelmäßige Bastarda mit Schlaufen): 13r–59v. Rubriziert, rote Lombarden mit Silhouettenornamenten und Punktverdickungen von den beiden Schreiberhänden.

Der originale Einband, bei dem es sich nach dem Zustand der ersten und letzten Blätter des Buchblocks um einen Koperteinband gehandelt haben dürfte, ist verloren. Im 19. Jh. neu in einen halbledernen Pappdeckelband mit Sprengpapierüberzug gebunden; bei der Neubindung vorn und hinten je ein Papierbl. (Ir–v und II*r–v) vorgesetzt.

Herkunft: Der Codex wurde nach Ausweis der Wasserzeichen im ersten Viertel des 16. Jh. sehr wahrscheinlich in Lübeck geschrieben. Es handelt sich dabei wie bei zahlreichen weiteren ergänzten Abschriften des Lübischen Rechts nicht um einen Codex für den offiziellen, sondern für den privaten Gebrauch, worauf neben dem Inhalt vor allem das gewählte Format schließen lässt. — Da der Originaleinband fehlt, sind keine zweifelsfreien Angaben über Vorbesitzer möglich. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass der Codex wie einige andere Lübecker Handschriften (vgl. bei Cod. Guelf. 616 Helmst.) zu einem unbekannten Zeitpunkt vor 1556 in den Besitz von Matthias Flacius Illyricus gelangt sein könnte; die charakteristische Hinweise auf ihn als Eigentümer fehlen jedoch. — Zusammen mit der übrigen Bibliothek des Matthias Flacius Illyricus am 20.4.1597 von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg erworben, 1614 im Gesamtkatalog der Wolfenbütteler Hofbibliothek von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 145 [141]) unter den Libri iuridici mit der Signaturnummer I.a 2 entsprechend der Inhaltsangabe als Der Stadt Lübeck statuta manuscripta nachgewiesen. — 1618 aus Wolfenbüttel in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt; 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 26r) als Dat Lubecksche recht unter den Juridici MSSti in quarto beschrieben; im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 422 nachgewiesen.

Heinemann Nr. 747. — Handschriftencensus Nr. 17132.

Schreibsprache: Nordmittelniederdeutsch.

1r–63r Lübisches Recht. In dem namen der hilligen Dreuoldicheit. So begynnet hir dat Lubesche recht. So dat ys witlick dat nen man Radtman wesen mach in der Stadth Lübeck eyn Amptman ofte der eyn leen heft van den herenn … — … van deme vp visscheden gude schal me dem gheuen de dat gevunden heft dat XX del, halet he dat vthe der see, van deme Roue, em bort dat drudden deyl etc. Et sic est finis. Auf dem Fußsteg von Schreiberhand Vermerk: Spero fortune regressum. Es handelt sich hierbei um eine der seit dem 15. Jh. verbreiteten Hss. für den privaten Gebrauch, worin das Lübische Recht mit Artikeln aus dem Hamburgisches Recht und mit Rechtssätzen aus Hanserezessen und dem Wisbyschen Waterrecht vermischt und ergänzt wird. Die Abschrift steht in gewisser Hinsicht zwischen den beiden bei Brokes (s. unten) abgedruckten Codices II und III, wobei der Wortlaut des Textes bei Abweichungen eher dem Codex II, die Anordnung und Abfolge der insgesamt 342 enthaltenen Kapitel (die zeitgenössische marginale Zählung ist fehlerhaft) hingegen weitgehend dem Codex III entspricht. Enthalten sind in dieser Abfolge: Brokes (s. unten), Cod. III cap. 1+2 (kontrahiert), cap. 3, 5, 4, 6–38, Cod. II cap. 345 und cap. 20, Zusatzkapitel, Cod. III cap. 39–51, 58–83, Cod. II cap. 42, Cod. III cap. 84, 85, 52–57, 86–89, 90.1 und 90.2 (geteilt), 91–124, 125.1 und 125.2 (geteilt), 126–158, Cod. II cap. 253, Cod. III cap. 159–163, 165, 166, 167.1 und 167.2 (geteilt), 168–174, 175.1 und 175.2 sowie 176.1 und 176.2 (geteilt), 177–179, 180.1 und 180.2 (geteilt), 344, 181–185, 186.1 und 186.2 (geteilt), 187–195, 196.1 und 196.2 (geteilt), 197–199, Zusatzkapitel, Cod. III cap. 200–210, 211.1 und 211.2 (geteilt), 212–232, 233.1 und 233.2 (geteilt), 234–241, 242.1 und 242.2 sowie 243.1 und 243.2 (geteilt), 244, 344, Cod. II cap. 276 und 277, Cod. III cap. 245 und 246, Cod. II cap. 280 und 281, Cod. III cap. 248, 249, 256–263, 251–255, 264–269, Cod. II cap. 328, Cod. III cap. 270–272, 273.1 und 273.1 (geteilt), 274–278, 336, 279–289, 290.1 und 290.2 (geteilt), 291–302, 303.1 und 303.2 (geteilt), 304–310, Cod. II cap. 145, Cod. III cap. 311, 312.1 und 312.2 (geteilt), 313, Cod. II cap. 150 und Cod. III cap. 314. Druck: H. Brokes, Selectae observationes forenses ex omni iuris parte collectae atque variis praeiudiciis et responsis confirmatae quibus praeter duplicem indicem appendix trium iuris Lubecensis codicum una cum antiquo iure Wisbyensi accessit…, Lubecae et Altonavii 1765, Appendix, 40121, bes. 72112 (Text der Codices II und III). Literatur: Das Alte Lübische Recht, hrsg. von J. F. Hach, Rathe beim Oberappellationsgerichte der vier freien Städte Deutschlands, Lübeck 1839, 9 (Hs. genannt), 127142 (zu den Mischhandschriften, die den Brokes-Codices II und III entsprechen, vgl. bes. 135f.); W. Ebel, Lübisches Recht, Bd. 1, Lübeck 1971, 208–210; F. L. Schäfer, Codices Iuris Lubecensis. A Comparison of Mediaeval Manuscripts, in: Recht und Wirtschaft in Stadt und Land / Law and Economics in Urban and Rural Environment. Neunter Rechtshistorikertag im Ostseeraum 16.–20. Mai 2018 in Talinn, Sagadi und Tartu, Estland / 9th Conference in Legal History in the Baltic Sea Area 16-20 May 2018 in Tallinn, Sagadi and Tartu, Estonia, hrsg. von Dems. und M. Luts-Sootak, Berlin 2020 (Rechtshistorische Reihe 488), 339–370, hier 344 Nr. 6 (Hs. genannt); 2VL 11, Sp. 932–938. (64v–I*r) Nachträge. Von späteren Händen (1568 und 1569) insgesamt vier nachgetragene, nicht genauer identifizierbare Rechtssätze: Tzu wißen das nach Lübeschem recht, so ethwann ein egendomer eines Hußes … Anno etc 69, dem 5. Julii … haffe man up de Koberge … In half suster es neghere nur [?] der vader brodere vnd sustere … Memini dubitatum esse: Cum causa quedam … anno 1568 altera die post Johannis. – I*v leer.


Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der mittelalterlichen Helmstedter Handschriften Teil IV.
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