Otto v. Heinemann: Die Augusteischen Handschriften 5. Cod. Guelf. 34.1 Aug. 4° — 117 Aug. 4° und Anhang: Handschriften in Sammelbänden. Frankfurt/M.: Klostermann, 1966 (Nachdruck d. Ausg. 1903). S. 213214 (Vorläufige Beschreibung)

Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 71.4 Theol. 4°

(Druck)Sepher Thehillim, hoc est Liber laudum sive hymnorum (qui Psalterium David dicitur) versiculis singulis in numerum et ordinem veterem reductis, additisque titulis electiss. translatis et summariis super omnes Psalmos diligenter castigatus. — Colophon: Vuittenburgi in officina Joannis Gronenbergi. Anno M. D. XIII. VIII Idus Iulias. Apud Augustinianos. Durchweg mit Interlinear- und Marginalglossen von Luthers Hand versehen: nur die Bll. 10–13′ sind von der Hand Tilemanns Heshusius, der diesen Theil, sowohl Druck wie Glosse, in seiner Weise ergänzt hat

Pap. — 110 foliierte Bll. nebst drei nichtfoliierten Bll. vorn und sechs ebensolchen Bll. hinten. — 22 × 16 cm — 16. Jahrh. (1513–1517).

An Bildnissen sind dem Bande eingeklebt: a) ein Medaillonbild Luthers in Kupferstich (Rückseite des dritten Vorsatzblattes), b) ein desgl. von Melanchthon, Pendant zu dem vorigen, (zweites hinteres Vorsatzblatt), c) ein Holzschnitt, Luther als Mönch, (Brustbild f. 1), d) eine ungeschickte Federzeichnung, Copie von c) (Rückseite des dritten hinteren Schutzblattes), e) das farbige Brustbild eines unbekannten Theologen, wahrscheinlich des Tilemannus Heshusius (f. 7).

In eine grüngefärbte überschlagende Pergamentdecke geheftet, auf dem äusseren Vorderdeckel mit dem eingestempelten kreisrunden Brustbilde Luthers und der Umschrift: DOC. MAR. LV. IN SILENCIO ET SPE ERIT FORTITVDO VESTRA. (Jes. 30. 15.) Vergl. über den ganzen Band die neueste „Kritische“ Gesammtausgabe von D. M. Luthers Werken, Weimar 1885. III, wo die Handschrift eingehend beschrieben (2–5) und durch Kawerau herausgegeben ist.

Herkunft: Luther schenkte den Band seinem Freunde dem Superintendenten Senior Jacobus Probst zu Bremen, wie aus einer Inscription des letzteren f. 1′ erhellt, und dieser verehrte ihn wiederum seinem Freunde dem Offizier (dux militum) Hans von Hildesheim (Hildeshen) zu Bremen, wie dieser auf der Rückseite des dritten Vorsatzblattes seinerseits bezeugt. Ein Brief des Pastors an der Kirche s. Anscharii in Bremen Eilardus Segebade (f. 2–3′), d. d. 1560. Sept. 18, berichtet dann nochmals ausführlich über das Schicksal des Buches. Wann und auf welche Weise es in die Wolfenbütteler Bibliothek gekommen, ist nicht bekannt. Es wurde im Februar 1743 an den Buchhändler Johann Justinus Gebauer in Halle verliehen, der davon eine Abschrift anfertigen liess, die sich jetzt in der Bibliothek der dortigen Franckischen Stiftungen befindet. Bei dieser Gelegenheit ist, wie sich urkundlich nachweisen lässt, der Band spoliiert worden und zwar durch Ausreissen der Bll. XL und XLI. Das letztere Blatt war schliesslich durch Vermächtniss in den Besitz der Stadt Nordhausen gekommen, von der es im December 1891 zurückertauscht worden ist.