Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms "Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung"
Gerardus de Zutphania. Actus beati Francisci et sociorum eius
Papier — 203 Bl. — 21 × 14,5 cm — Northeim, Benediktinerkloster St. Blasius — 15. Jh., Mitte
Wasserzeichen: Ochsenkopf mit Augen und Nasenlöchern, darüber einkonturige Stange, darüber Stern: NL2000-76_E1_9, NL2000-76_E1_13 (beide um 1450), DE8280-Hs.509.640a_74 (1446–1450), DE3210-PO-74878 (1447, vier weitere Typen nicht nachweisbar). Krone ohne Bügel, Mittelzinken einkonturig, Enden blattförmig, oben offen, Reif zweikonturig: DE1310-PO-50245, DE1310-PO-50246 (beide 1447). Lagen: 8 VI (96). VI–1 (107). 4 VI (157)! V (167). 3 VI (203). IV–6 (205). Bleistiftfoliierung modern: 1–205, Zählfehler: Bl. 128 und 129 übersprungen. Auf Bl. 5r–107r zusätzlich zeitgenössische Tintenfoliierung in römischen Zahlen: I–CVII. In den beiden Texten separate Kustoden in arabischen Ziffern auf dem Kopfsteg der ersten Rectoseite der Lagen, und zwar beim ersten Text innen (1–9, Bl. 1–107), beim zweiten Text außen 1–8, Bl. 108–203). Schriftraum: 15–16 × 9–10 cm, einspaltig, 27–30 Zeilen. Jüngere gotische Kursive von einer Hand. Rubriziert, rote Lombarden.
Spätgotischer Holzdeckelband mit ungefärbtem, jetzt gebräuntem Schweinslederbezug; die Deckel sind an den Kanten mit einer breiten Fase versehen. Streicheisenlinien. Einzelstempel Adler heraldisch, einköpfig: s000074. Lilie, Mittelblatt rhombisch, unterer Abschluss nicht lilienförmig: s005854. Rosette, ein Blattkranz, fünfblättrig: s006617, s006645. Sämtlich der Werkstatt "Pelikan 50/51" ( w000255) zugeordnet. Stern, sechsstrahlig: s008831. Der Werkstatt "Pelikan 52" ( w000979) zugeschrieben; beide Werkstätten gehören ins Northeimer Blasiuskloster. Drei Doppelbünde, dazwischen alternierend zwei einfache Zierbünde ohne Heftfunktion. Kapital an Kopf und Schwanz mit ungefärbten Lederstreifen umflochten. Zwei Langriemenschließen, Ösen am Rand fein gezähnt und am oberen Ende gewellt, mit zwei Zierlöchern und einer Öse für die aus geflochtenen Ledertroddeln bestehenden Zugriemen. Auf VD und HD finden sich jeweils fünf aus einer rhombischen, randlich gekerbten Platte getriebene Hohlbuckel. Zu weiteren ähnlichen Einbänden aus dem Benediktinerkloster St. Blasius in Northeim vgl. die Liste bei Cod. Guelf. 695 Helmst. Auf dem VD beschädigtes Signaturschild (Papier, 5 × 2 cm) der Konventsbibliothek Clus mit der braunen Aufschrift: R VI wie bei Cod. Guelf. 389 Helmst., 430 Helmst., 434 Helmst. und 803 Helmst.
- Pergamentfalze. Mainz (?). 14./15. Jh. Pergament. 2 Streifen. 4 × 21 cm. Teile von zwei Doppelbl.; die beiden Pergamentstreifen sind als Heftverstärkung um die erste bzw. letzte Lage gehängt und mit dem VD bzw. HD verklebt. Auf dem VS ist nur ein Notensystem, auf dem HS eine notierte Textzeile erhalten. Textualis von einer Hand. Über jeder Textzeile ein fünfliniges Notensystem mit c-Schlüssel und gotischer Hufnagelnotation. Erhalten ist eine Cadelle. VS, HS Antiphonale (Proprium de sanctis). Enthält den Beginn der Antiphona super Benedictus in festo sancti Albani martyris (21.6.): Angelice plebis comitatur pompa cele[bris] Das aus dem Benediktinerkloster St. Alban vor Mainz überlieferte Sonderoffizium ist gedruckt in: , Albansgulden oder kurze Geschichte des Ritterstiftes zum heil. Alban bey Mainz von dessen ersten Stiftung an als Abtey bis auf seine jetzige Verfassung, mit Nachrichten von desselben Münzrechte, Mainz 1790, 240–250 Nr. XLI, hier 248.
- HS. Norddeutschland. 14./15. Jh. Papier. 1 Bl. 21 × 10 cm. Schriftraum: 15 × 8 cm (beschnitten), einspaltig, 12 Zeilen erhalten. Bastarda von einer Hand.Keinerlei Buchschmuck. HS : Doctrinale. Enthalten sind die Verse 1432–1443 nach folgender Ausgabe: , 91f. Zu weiteren Ausgaben, zur Parallelüberlieferung des Haupttextes und zur Literatur vgl. Cod. Guelf. 625 Helmst., 1r–48r.
Herkunft: Der Codex wurde um 1450 nach Ausweis des charakteristischen Einbandes im Benediktinerkloster St. Blasius in Northeim geschrieben und gehört zu einer Gruppe von Hss. volkssprachlichen Inhalts, vgl. , 199. — Er befand sich zunächst im Besitz des wohlhabenden und einflussreichen Johannes Buxtehude, der zwischen 1446 und 1460 als Donate ins Benediktinerkloster Clus eingetreten war, vgl. , 36 und 73; , 215f., 245, 273 und 301. Der entsprechende Besitzvermerk befindet sich auf dem VS: Dut bok is Johannis Boxstehuden. Ein wohl ebenfalls von ihm stammender Besitzvermerk findet sich auf dem Fragment Cod. Guelf. 404.6 Novi (20), das zu einer nach Northeim gelangten Mainzer Hs. gehörte, vgl. dazu bei Cod. Guelf. 887 Helmst. Ob dies darauf schließen lässt, dass Johannes Buxtehude vor seinem Eintritt in Clus im Northeimer Blasiuskloster gelebt hat oder lediglich über enge Verbindungen dorthin verfügte, kann nicht mehr entschieden werden. Als Schenkung Buxtehudes gelangte der Codex zu einem unbekannten Zeitpunkt, vermutlich vor seinem Umzug ins Kloster Reinhausen, in die Cluser Konventsbibliothek, vgl. den entsprechenden Besitzvermerk auf dem VS: Dut boek horet to der Clues. Über dem Besitzvermerk befindet sich auf einem separat eingeklebten Papierzettel der schwarze, mit roten Punkturen verzierte Majuskelbuchstabe E; ob er als besonderer Kennzeichnung oder Signatur gedient hat, ist unbekannt. — Am 3.2.1624 mit einem Großteil der Buchbestände des Konvents in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt. 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 17r) als De virtutibus et vitiis tractatus, linguâ Saxonicâ. Vita sancti Francisci et sociorum ejus unter den Theologici MSSti in quarto beschrieben; im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 681 aufgeführt.
Nr. 785. — , 73. — , 427–429. — , 187. — , 287. — , 88. — , 197, 203, 220. — Nr. 17141.
Schreibsprache: Mittelniederdeutsch (ostfälisch).
1r–107r : De spiritualibus ascensionibus (mnd.).
(1r–5r) Register. Van vif puncten de de iene de hir inne vort gan willen notdorftich sin … — … Van deme dridden nedderstigende dar eyn ouerste van not inne mot nedderstigen vmme bewaringhe vnde sorchvoldicheyd der iene de ome bevolen sint. Die nachträglich beigegebenen Zahlen beziehen sich auf die von der gleichen Hand nachträglich hinzugefügte Foliierung. (5r–107r) Text. ›Van vif puncten de dar ieneme not sin de hir inne vortgan willen‹. Salich is de man des hulpe de here is he heft dat vpstigen in sinen herte gheschicket in den dal der trene in de stede de he gheschicket hefft [Ps 83,6]. Minsche ek hebbe bekant dat du sterkliken begherest vp to stigende … — … To deme seuende male gheliker wijs also de licham mid sinen laste vnde bordenen den minschen nedder drucket also plecht dat hantwerk vakene beweghelicheyd des … (Text bricht ab). Die Kapitelgliederung entspricht der lat. Fassung; der Schluss von cap. 67 sowie die cap. 68–70 fehlen. Es handelt sich um eine nicht direkt aus dem Lateinischen übersetzte, sondern aus dem Mittelniederländischen ins Mittelniederdeutsche transponierte Fassung von Zerbolts Text. Ausgaben: G1640-40/5–40/155; Gérard Zerbolt de Zutphen, La montée du cœur (= De spiritualibus ascensionibus), éd. critique et trad. par , Turnhout 2006 (Sous la règle de Saint Augustin 11), $–$ (lat. Text); Gerard Zerbolt van Zutphen: Geestelijke opklimmingen. Een gids voor de geestelijke weg uit de vroege Moderne Devotie, vertaald, ingeleid en toegelicht door , Amsterdam 2011 (Bibliotheca Dissidentium Neerlandicorum 8). Literatur: , Gerard Zerbolt van Zutphen, Bd. 1: Leven en geschriften, Nijmegen u. a. 1936, 283 und 313–322 (zur volkssprachigen Überlieferung, ohne Kenntnis dieser Hs.); , 384 (Hs. genannt); Deutsche Philologie im Aufriss, unter Mitarbeit zahlreicher Fachgelehrter hrsg. von , Bd. 2, Berlin2 1960, 961f. (Hs. genannt); , 86 Nr. G-003D4 (diese Hs.); 10, 1537–1541; 4, 303f. Nr. 3. – 107v leer.
108r–205v Actus beati Francisci et sociorum eius (mnd.). Dut sint de namen van sunte Franciscus ghesellen de erste van hem geropen waren totter orden: De erste was Franciscus suluen van gode gheropen de andere broder Bernhart van Asiis gheborn … To deme ersten schulle wy weten dat de hilge man Franciscus in velen punten gheliken was vnsem heren Ihesu Christo … — … Des mote sin ghebenediget de sine creaturen vorsten kan in dusser tyd vnde in ewicheyd Amen. Gehört zur Textfassung A. Es handelt sich vermutlich wie oben um eine nicht direkt aus dem Lateinischen übersetzte, sondern aus dem Mittelniederländischen ins Mittelniederdeutsche transponierte Fassung des weit verbreiteten Textes. Ausgaben: Actus beati Francisci et sociorum eius, hrsg. von , Paris 1902 (Collection d'ẻtudes et de documents sur l'histoire réligieuse et littéraire du Moyen-âge 4), 1–220; Die capittelen vanden ghesellen sancti Francisci, in't licht gegeven door , Antwerpen 1904. Literatur: 3119b; , 457 (Hs. genannt); , 184 (Nr. 40 Hs. genannt); , 466f. (Hs. genannt); , 166 (Hs. genannt); , Middelnederlandse vertalingen van Levens en Legenden van de H. Franciscus van Assisi. Handschriften en drukken, in: Franciscana 31 (1976), 59–73 (66 Hs. genannt); , 623f. (Hs. genannt); 2, 845–847.
Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der mittelalterlichen Helmstedter Handschriften Teil IV.