Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms "Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung"
Theologische Sammelhandschrift
Papier — 195 Bl. — 20 × 14 cm — Südniedersachsen — 14./15. Jh.
Aus drei Teilen zusammengesetzt: I 1ra–92vb, II 93r–127v, III 128ra–195vb. Lagen: VI–1 (11). 4 VI (59). VI–3 (68). 4 VI (116). V+1 (127). VI (139). V (149). VI (161). VI–2 (171). 2 VI (195). Lagenmitte jeweils durch Pergamentfalze verstärkt. Bleistiftfoliierung modern: 1–195.
Gotischer Holzdeckelband, mit ungefärbtem Schweinsleder überzogen. Streicheisenlinien. Einzelstempel Agnus Dei stehend, ohne Kelch, Kreuzstab gerade: s005454. Blüte mit Stiel und Blattstand: s001492. Gegenständiges Vogelpaar am Lebensbaum: s009207. Rosette, ein Blattkranz, siebenblättrig: s007632 . Pelikan mit Jungen: s003418. Sämtlich der bislang nur hier nachgewiesenen und nicht näher lokalisierbaren Werkstatt "Figürlich Pelikan 75" ( w000927) zugeschrieben. Vier Doppelbünde. Zwei Langriemenschließen, bis auf Riemenreste mit Gegenblechen verloren. Auf VD und HD jeweils fünf Schonernägel in Halbkugelform, sämtlich verloren. Auf dem VD Signaturschild der Konventsbibliothek Clus (Papier, 3,5 x 2,5 cm, ähnlich wie auf Cod. Guelf. 560 Helmst., 567 Helmst. und 906 Helmst.) mit der rubrizierten Aufschrift ›C 36‹.
- VS. Südniedersachsen. 14. Jh., 2. Hälfte. Pergament. 1 Doppelbl. 20 × 13,5 cm. Das nicht aus der Lagenmitte stammende Doppelbl. ist für die Verwendung als Spiegel passend beschnitten. Schriftraum: 13,5 × 10 cm (beschnitten), einspaltig, noch 21 tintenliniierte Zeilen erhalten. Bastarda von einer Hand. Rubriziert. VS : Doctrinale cum commento. Enthalten sind die Verse 509–529, 746–748 und 752–769 nach folgender Ausgabe: , 35f. und 51f. Zu weiteren Ausgaben, zur Parallelüberlieferung des Haupttextes und zur Literatur vgl. Cod. Guelf. 625 Helmst., 1r–48r. Der gesamte Text wurde von einer Hand marginal und interlinear glossiert.
- HS. Südniedersachsen. 13. Jh., Mitte. Pergament. 1 Doppelbl. 20,5 × 10,5 cm. Das nicht aus der Lagenmitte stammende Doppelbl. ist für die Verwendug als Spiegel passend beschnitten. Schriftraum: 11,5 × 8,5 cm (beschnitten), einspaltig, noch 15 tintenliniierte Zeilen erhalten. Regelmäßige frühe Textualis von einer Hand. Rubriziert, rote Satzmajuskeln, dazu abwechselnd rote und blaue Lombarden mit schlichtem konturbegleitendem Palmettenfleuronnée in der Gegenfarbe. HS Psalterium feriatum. Das Doppelbl. enthält Ps 129,1–8 sowie den Schluss der Litanei des Totenoffiziums mit dem dreifachen Agnus Dei, dem Pater noster, dem Beginn von Ps 70, der Antiphon 1211 und der Oration 1600.
Herkunft: Die drei Teile des Codex wurden im späten 14. und frühen 15. Jh. vermutlich im südniedersächischen Raum geschrieben. Eine genauere Lokalisierung ist mangels weiterer Angaben nicht möglich, ebenso ist unbekannt, wann und wo die Faszikel in den gegenwärtigen Überlieferungsverbund gebracht wurden. — Der Codex gelangte nach Ausweis des charakteristischen Signaturschildes auf dem VD zu einem unbekannten Zeitpunkt ins Benediktinerkloster Clus. — Er wurde zusammen mit einem Großteil der Konventsbibliothek am 3.2.1624 in die Universitätsbibliothek Helmstedt überführt. 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 19r) in einem Sammeleintrag unter den Varii Sermones Dominicales et de Sanctis Zwanzig exemplaria, worunter 5 auf pergamen vnd 2 ohne band, die ubrigen vf papier geschrieben unter den Theologici MSSti in quarto beschrieben; im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 940 genannt.
Nr. 862. — , 220.
I
Papier — 92 Bl. — 20 × 14 cm — Südniedersachsen — um 1400
Wasserzeichen: Ochsenkopf mit Augen, darüber einkonturige Stange, darüber einkonturiger Stern, Kreis und Stern: DE2730-PO-67914, DE2730-PO-67883 (beide 1403). Ochsenkopf mit Augen, darüber einkonturige Stange, darüber Stern: DE3315-GMLI.E.118._85, DE3315-GMLI.E.118._101 (beide um 1400). Ochsenkopf mit Augen und Maul, darüber einkonturige Stange, darüber einkonturiger Stern: DE3285-PO-78769, DE3285-PO-78694, DE3285-PO-78695 (sämtlich 1403). Buchstabe T, darüber einkonturiges Kreuz: ≈ 9118 (1401). Lagen: VI–1 (11). 4 VI (59). VI–3 (68). 2 VI (92). Fehlerhafte zeitgenössische Tintenfoliierung in Rot und Braun: Bl. 1–7 als Bl. 2–8 gez. (Bl. 1 verloren), Bl. 8–15 als Bl. 5–11 gez. (10 doppelt gez.), Bl. 16–81 als Bl. 21–89 gez. (Bll. 67, 68 und 75 verloren), Bl. 82–92 als Bl. 100–CX gez. Die Bll. 36, 61 und 66 sind lose, die nach der originalen Follierung gez. Bl. 1, 67, 68 und 75 gingen bereits vor der Neufoliierung verloren (Textverlust). Schriftraum: 16,5–17 × 11–11,5 cm, einspaltig, je nach Hand 31–47 Zeilen. Jüngere gotische Kursive in verschiedenen Ausführungsgraden von zwei Händen, Hand 1 (größer, gröber und flüchtiger): 1ra–32va; Hand 2 (klein, regelmäßig und sorgfältig, mit Merkmalen der Bastarda): 32va–92vb. Rubriziert, rote Lombarden.
1ra–119vb Sermones 'Parati' de tempore cum sermonibus aliunde adscitis. ›In prima dominica adventus domini‹. (Text setzt ein) … faciunt optimum convivium in anima Proverbiorum XV: Secura mens quasi convivium [Prv 15,15]. Tali convivio in corde preparato debemus invitare dominum … — … sacramentumque sunt mirabilia si omne presciat et intelligat pericula subsequencia et eis obviare etc. Rogemus Insgesamt 81 Sermones von Dominica prima adventus domini (T1) bis ›In festo corporis domini nostri Ihesu Christi‹ (T41/5), erhalten; zumeist wurden die Epistelpredigten ausgewählt. Nach 4, 523–537, sind mit Initium nachweisbar: 'Paratus' Nr. 1 (Beginn fehlt durch Blattverlust), 2, 4, 5, 7–9, 11, 12, 14, 15, 17, 18, 20, 21, 23, 36, 24, 26, 27, 29, 30, 32, 33, 35, 38, 39, 41, 42, 44–47, 49, 50, 52, 53, 55, 56, 58, 61, 63, 66, 67, 70, 72, 75, 79, 81 (Schluss durch Blattverlust fragmentiert), 92 (Beginn durch Blattverlust fragmentiert), 94–99 (Mittelteil fehlt durch Blattverlust), 100–117, 119, 118, 120, 122, 123. Folgende Predigten nicht bei Schneyer:
(2ra–4ra) Sermo II in dominica I adventus (T1). Preparare in occursum … [Am 4,12]. In verbis propositis hortatur nos propheta ut preparemus nos ad adventum domini nostri Ihesu Christi scilicet in carnem in mentem in mortem … Auch in Cod. Guelf. 163 Helmst., 30ra–31rb; 412 Helmst., 2va–4rb; 644 Helmst., 251ra–252vb. Druck: M29358, a6ra–a7rb.
(92rb–vb) ›In festo corporis domini nostri Ihesu Christi‹ (T41/5). Domine non sum dignus … [Mt 8,8]. Ad reliquias preciosas non debet homo accedere nisi cum reverencia et timore et quantum poterit digne … Bei der Predigt handelt es sich um die nur geringfügig modifizierte "Collatio pro principio" aus dem "Tractatus de officio missae" des Dominikaners Bernardus de Parentis; Druck: M29413, aIIrb–vb. Vgl. zum Text 643; 1, 350 Nr. 2. Zu Parallelüberliferung, Ausgaben und Literatur vgl. bei Cod. Guelf. 644 Helmst., 249ra–272vb.
II
Papier — 35 Bl. — 20 × 14 cm — Südniedersachsen — um 1410
Wasserzeichen: Ochsenkopf mit Augen, darüber einkonturige Stange, darüber Stern: DE4860-Ms418_310 (1410). Ochse, ganze Figur, zweikonturige Hörner, mit Nasenlöchern (nicht nachweisbar). Lagen: 2 VI (116). V+1 (127). Auf Bl. 93–119 zeitgenössische Tintenfoliierung in römischen Zahlen: I–XXVII. Schriftraum: 15,5–16 × 11–12 cm, einspaltig, allein 126ra–127vb zweispaltig (Spalten 5,5–6 cm breit), je nach Hand 27–37 Zeilen. Vier Hände, Hand 1 (regelmäßige ältere gotische Kursive): 93r–119r; Hand 2 (jüngere gotische Kursive): 93r–124v; Hand 3 (jüngere gotische Kursive): 125r; Hand 4 (jüngere gotische Kursive): 126ra–127vb. 93r–119r rubriziert, rote Lombarden, z. T. mit weißen Schaftaussparungen.
93r–119r : Tractatus de veris virtutibus seu 'Paradisus animae'. Sunt quedam vicia que frequenter speciem virtutum assumunt ut cum vere sint vicia credantur esse virtutes … — … et qui una caruerit nullam habet quia omnes unite sunt in gracia etc. ›Explicit‹. Der Umfang der Kapitel entspricht den Ausgaben; die Abfolge ist jedoch z. T. abweichend: Cap. I–XXXII, XXXIX, XXXVII, XXXVIII, XXXVI+XXXIV (Schluss) kontrahiert, XXXV, XXXIII, XXXIV (Beginn), XL, XLI und XLII+Epilog. Auch in Cod. Guelf. 373 Helmst., 47ra–60rb, und im handschriftlichen, separat foliierten Teil des aus dem Zisterzienserinnenkloster Wöltingerode stammenden Mischbandes E 127.4° Helmst., 49r–112v. Drucke: A1950-980/5–135; 37, 447–520; Beati Alberti Magni episcopi Ratisbonensis Paradisus animae sive libellus de virtutibus, edidit… , Regensburg 1864, 1–114 (vergl.), hier 1–86, 104–107, 100–104, 96–100 mit 90–95, 87–90 und 107–114. Literatur: , Primordia novae bibliographiae B. Alberti Magni Ratisbonensis episcopi, ordinis praedicatorum, editio secunda, Paris 1905, 64f. Nr. 248; 1, 72 Nr. 6cq; 5875; , Zur handschriftlichen Überlieferung des ps.-albertischen 'Paradisus animae' und seiner Übersetzungen ins Mittelhochdeutsche, in: 105 (1976), 66–87; 7, 293–298; , Der Traktat "Paradisus animae" des Pseudo-Albertus Magnus im deutschen Spätmittelalter. Überlieferungsgeschichte – Wirkungsgeschichte, Würzburg, Univ. Diss. 1987, 441–466; , Albert's contributions to or influence on vernacular literatures, in: A companion to Albert the Great. Theology, philosophy, and the sciences, ed. by , Leiden, Boston 2013 (Brill's companions to the Christian tradition 38), 725–757, hier 748f.; , 620 (sämtlich ohne Kenntnis dieser Hs.).
119r–121v Sermo in festo annuntiationis BMV (S28). Exurgens Maria abiit in montana [Lc 1,29]. Unde surrexit Maria de loco in quo erat post angelicam visionem post spiritus sancti suavissmam impregnacionem post verbi dei incarnacionem … — … Maria te videre tibi adherere et in tue protectionis munimine permanere etc. In dieser Form bislang nur hier nachgewiesen.
121v–124v Sermo de novo sacerdote. Hodie incipiam te exaltare … [Ios 3,7]. Ista verba dixit dominus ad Josue qui interpretatur salvator. Ipse enim in figura Christi populum a deserto liberat et in terram promissionis induxit et hoc bene convenit huic novo sacerdoti … — … tercio in corporis et sanguinis Christi consecracione ut eciam angeli non possunt etc. In dieser Form bislang nur hier nachgewiesen.
125r De sacerdote nota. Quotcumque ligaveris super terram [Mt 16,19]. Bene hoc utique vobis dictum est in beato Petro … — … legitur de sancto Francisco qui non pertransivit sacerdotem quin oscularetur manus suas. In dieser Form bislang nur hier nachgewiesen. – 125v leer.
126ra–127vb Tabula operum praecedentium. Adventus domini quadruplex 1ab. Adventus domini quadruplex 3ab. Adventus Christi in mentem 25def … — … Christus dicitur stare 59. Christus dedit nobis duo IX. Christi corpus accedere debes. Das erst nach der Zusammenführung der beiden Handschriftenteile hinzugefügte Register schlüsselt sowohl die Sermonessammlung (arabische Seitenzahlen) als auch den "Paradisus animae" (römische Seitenzahlen) auf.
III
Papier — 68 Bl. — 20 × 14 cm — 14. Jh., 4. Viertel
Wasserzeichen: Zwei Kreise übereinander, darüber zwei Sterne: AT3670-320401_177, AT3670-320401_183 (beide um 1380/1395). Ochsenkopf mit Augen, darüber einkonturige Stange, darüber Stern (drei Typen, nicht nachweisbar). Ochse, ganze Figur, zweikonturige Hörner, mit Nasenlöchern (nicht nachweisbar). Lagen: VI (139). V (149). VI (161). VI–2 (171). 2 VI (195). Lagenzählung in arabischen Zahlen auf dem Fußsteg der ersten Rectoseite jeder Lage: 1us–6us. Schriftraum: 16–16,5 × 11–11,5 cm, zweispaltig (Spalten jeweils ca. 5 cm breit), je nach Hand 31–51, meist aber 34–38 Zeilen. Gotische Kursiven in verschiedener Ausprägung von sechs Händen, Hand 1 (jüngere gotische Kursive): 128ra–152ra und 172ra–186ra; Hand 2 (ältere gotische Kursive): 152ra–161vb; Hand 3 (ältere gotische Kursive): 162ra–167va; Hand 4 (jüngere gotische Kursive): 168va–171vb, 186ra–b und 195va–b; Hand 5 (jüngere gotische Kursive): 186va–193vb; Hand 6 (jüngere gotische Kursive): 194ra–195va. Rubriziert, rote Lombarden, einige nur in Umrisszeichnung.
128ra–149va Expositorium decem praeceptorum decalogi. Beatus homo quem tu erudieris domine [Ps 93,12]. Quia precepta dominica dirigunt ad superiora et ideo dicitur beatus homo … — … quod letificat deum et homines quod unum nobis prestare dignetur Ihesus Christus qui cum patre et spiritu sancto vivit et regnat in secula seculorum Amen. ›Expliciunt dicta super decem precepta‹. Ungedruckt. Literatur: , Franz von Mayronis O. F. M. Sein Leben, seine Werke, seine Lehre vom Formalunterschied in Gott, Werl 1936 (Franziskanische Forschungen 3), 62f., 84–86; , 42; 8414; 619 (Hs. genannt). – 149vb leer.
150ra–166ra : Summa de poenitentia a Berengario Fredoli mutata abbreviataque. Quoniam circa confessiones animarum pericula sunt et difficultates emergunt ad honorem sancti Nycolai ac fratrum utilitatem et deo confitencium salutem tractatum brevem de confessione compilamus … — … omne peccatum penitenciam recipit et sanitatem et finem. Item nichil peius quam culpam agnoscere et non flere. Gehört zur gekürzten Berengar-Textgruppe. Gegenüber der unten genannten Ausgabe ist die Kapitelfolge modifiziert, der Text z. T. abweichend: cap. I–V, VI zweigeteilt, VIII, VII, IX, XII, X, XI, XIII–XXI, XXII und XXIII sowie XXIV–XL sind kontrahiert und z. T. erheblich gekürzt, es folgen XLI und XLII. Der Text ohne Prolog und ebenfalls gekürzt in Cod. Guelf. 1042 Helmst., 40r–46r; diese Fassung vollständig auch in Cod. Guelf. 344 Helmst., 22ra–33va. Druck: , Een middeleeuwsch handschrift over de biecht, in: Nederlands archief voor kerkgeschiedenis 15 (1919), 161–219, Text 180–219 (diese Fassung); R. Duellii Miscellaneorum quae ex codicibus manuscriptis collegit liber I, Augsburg 1723, 60–77 (abweichend); Florilegium Casinense, in: Bibliotheca Casinensis seu codicum manuscriptorum qui in tabulario Casinensi asservantur series…, Bd. 4, Monte Cassino 1880, 191–215 (separate Paginierung, abweichend). Literatur: 2, 531f. Nr. 25; , Handschriftliches zur Summa de penitentia des Magister Paulus von Sankt Nikolaus, in: Scholastik 5 (1930), 248–260 (ohne Kenntnis dieser Hs., 249f., 251f. und 259f. zur gekürzten Berengar-Textgruppe); , 24–26; 4919; 3184 und Suppl.; 2, 256 Nr. 4.
166r Versus divitis de vanitate omnium rerum. Dives ait si nobilitas mea magna quid inde | Si michi sit rerum possessio larga quid inde … — … Si doceo socios in qualibet arte quid inde | Tam cito pretereunt hec omnia sed nichil inde. Insgesamt acht Hexameter. Druck (u.a.): , Humanistisches Studienheft eines Nürnberger Scholaren aus Pavia (1460), Berlin 1910, ND in: , Studien zum italienischen und deutschen Humanismus, Bd. 1, hrsg. von , Rom 1975 (Storia e letteratura. Raccolta di studi e testi 129), 83–161, hier 159 (sieben Verse). Literatur (Hs. genannt): 4614.
166r–167v Elegia 'Vado mori'. Vado mori mors certa quidem nil cercius inde | Quanto sub incerto sit mora vade mori … — … Ex hiis ergo potest quivis concludere semper | Ultimus ad mortem post omnia facta recursus. Amen. Insgesamt 34 elegische Distichen entsprechend der sog. Pariser oder Mazarine-Fassung. Druck: , Das 'Vado mori', in: Zeitschrift für deutsche Philologie 42 (1910), 422–428, hier 426–428; , Der mittelalterliche Totentanz. Entstehung – Entwicklung – Bedeutung, Münster u.a. 1954 (Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte 3), 323–325 (abweichend). Literatur: 19965; , 49–55; 6311; , 'Vadomori', in: 124 (1995), 257–264, bes. 258–262; 10, 153–155. – 168r leer.
168va–170rb : Bulla 'Cum humana natura'. [C]lemens episcopus servus servorum dei de consensu fratrum nostrorum cardinalium nobiscum gerencium claves celestis ecclesie universis et singulis pro qualibet vice qua hoc audient vel legent XL annos indulgenciarum concessit largiter. Cum natura humana ad statum magne senectutis minime perveniat … — … infringere predicta vel contra interpretari [!] excommunicacionis sentenciam et eternam maledictionem se noverit incurrisse etc. Amen. ›Explicit summa indulgencia de anno iubileo per dominum papam Clementem‹. Das weder inhaltlich noch formal den kurialen Kanzleigebräuchen entsprechende Falsifikat kursierte bereits um die Mitte des 14. Jh. Unter dem Text von Schreiberhand folgende Notiz: Hec sunt nomina sacerdotum qui dixerunt falsum testimonium super Susannam: Lintex sub prino Lintescus denique cino. Der Merkvers mit den beiden offenbar aus Pflanzenbezeichnungen abgeleiteten Namen ist in den Repertorien nicht nachweisbar. Druck (u.a.): M32796, F2rb–3rb; , Vitae paparum Avenionensium, hoc est Historia pontificum romanorum qui in Gallia sederunt ab anno Christi MCCCV usque ad annum MCCCXCIV, nouvelle édition … par , Bd. 1, Paris 1916, 299–302. Literatur: , Beiträge zur Geschichte des Jubeljahres, in Freiburger Diözesan-Archiv 71 (1951), 52–66, hier 57–60; , Geschichte des Ablasses im Mittelalter. Vom Ursprunge bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts, Bd. 2, Darmstadt 22000, 88–91.
170va–171vb, 186ra–b, 195va–b Elixir ad solem. ›[E]lixir domini Iohannis episcopi ad solem‹. Maurus quidem civis Venetorum rogavit episcopum ut funderet ei pondus lune duorum denariorum Venetorum … — … est ipsum et quartam partem bone lune et fiet sol perfectissimus etc. Die drei offenbar auf zunächst leer gebliebenen Bll. bzw. Seiten nachgetragenen Abschnitte des Textes sind durch Verweise miteinander verbunden. 171vb steht am Schluss des ersten Teils auf dem Fußsteg: Residuum quere in proximo dimidio folio ante stellam clericorum (sc. 186ra–b). Dort steht auf dem Fußsteg: Residuum quere in ultimo folio scilicet coopertorii (195va–b). Dort wird schließlich auf den Textbeginn zurückverwiesen, der mit einer Manicula gekannzeichnet ist: Residuum quere sub hoc signo manus. Ungedruckt, bislang nur noch aus der Hs. Leiden, UB, Voss. chym. O. 4, 170v–172v (, 247), bekannt.
172ra–177rb : Sermo de corrupto ecclesiae statu (partim). Sacerdotes contempserunt legem meam … [Ez 22,16]. Reverendi patres et domini sicut deus omnipotens pro salute gentis humani misit sanctos prophetas videlicet et apostolos … — … sic pro zona sive cingulo datus in captivitate funiculus ut scribitur Ysaye tercio: Quidam ocreas pedibus diligenter … (Text bricht ab). Aus welchem Grund die Abschrift nicht vollständig ausgeführt wurde, ist unbekannt. Ebenfalls unvollständig (Blattverlust am Schluss) in Cod. Guelf. 826 Helmst., 149r–151v. Edition: Historia Literaria Reformationis In Honorem Jubilæi Anno MDCCXVII Constans Quinque Partibus… cum Introductionibus …, Frankfurt/M., Leipzig, Halle/S. 1717, pars III, 3–8, hier bis 7; , 49–70, hier bis 65 Z. 406 (ohne Kenntnis der Wolfenbütteler Textzeugen). Literatur: , 277f.; , Rétorický styl a pražská univerzitní literatura ve středověku = Stilus rhetoricus et litterae universitatis Pragensis medio aevo florentes, Prag 1977 (Knižnice Archivu University Karlovy 1, 86f.; , 179f. Nr. 451 (ohne Kenntnis dieser Hs.); , 71f. und 125f.; , Milíč von Kroměříž und seine Synodalpredigten, in: Partikularsynoden im späten Mittelalter, hrsg. von und , Göttingen 2006 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 219), 363–376, bes. 370f. und 374; 6, 522–527.
177va Receptum mercurii. Aqua mercurii: Sume mercurium ter sublimatum dimidiam libram ana vitella ovorum et conquassa … — … primam abice in parva quantitate. Steht möglicherweise im Zusammenhang mit der folgenden Sammlung.
177va–186ra Recepta ex libro 'Lumen luminum perfecti magisterii' intitulato deprompta. ›In Christo domino nostro Amen. Incipe perficies auxiliante deo‹. Et accipe de quocumque volueris partem unam bene triti et dissolve ipsum in partibus quatuor aque pluvialis clare et distillas per filtrum … — … rubicundus servus duxit candidam uxorem. Hier insgesamt 78 Rezepte aus dem "Lumen luminum de perfecto magisterio", vielfach in geänderter Abfolge, modifiziert und gekürzt. 182va ist eine Schlussformel in den Text eingefügt, ohne dass jedoch ein gesonderter Teil oder Neubeginn erkennbar wäre: Explicit liber ponderis. Druck: Theatrum Chemicum…, hrsg. von , Bd. 3, Straßburg 1659 ( 1:092286D), 76–127, hier ab 87 (vergl.). Zum Text vgl.: , 344.13 und 18.15 (zur Separatüberlieferung dieser Rezeptsammlung). – 186ra–b Elixir ad solem (Teil II, s. oben).
186va–193vb Stella clericorum. [Q]uasi stella matutina in medio nebule [Sir 50,6] id est peccatorum. Proprietates huius stelle matutine possunt referri ad quemlibet doctorem fidei id est sacerdotem … — … duodecimo quia ibi dominus celi et terre presens quod introitus duplicatur. Concordat psalmus: Declina a malo et fac bonum [Ps 36,27]. 186va auf dem Kopfsteg die pentametrische Invokation: Assit principio sancta Maria meo. Amen. (193va–b) besteht das Schlusskapitel aus dem Beginn von cap. 22 der modernen Ausgabe (Legitur de Allexandro rege … deus in ipsis honoretur cuius camerarii sunt et ministri anime), der ergänzt wird durch einen unmittelbar angeschlossenen Auszug aus cap. VI,18 von Hugo Argentinensis: Compendium theologicae veritatis (Beginn: Missa habet plures prerogativas: Primo quia celebratur a ieiuniis …, Druck: 8, 214), wobei der oben zitierte, inhaltlich und syntaktisch ungefüge Schlusssatz aus zwei inhaltlich nicht passenden Sätzen der Vorlage kontrahiert wurde. Das in den meisten Hss. angefügte Schlusskapitel (Dominus transiens de hoc mundo ad patrem … periculosius est sedere peremptorium est iacere) fehlt, Kapitel 22 ist modifiziert. Im Text sehr nahestehend und an der gleichen Stelle in cap. 21 abbrechend ist die Fassung in Cod. Guelf. 615 Helmst., 151r–158r. Ebenfalls ohne Schlusskapitel und mit zweigeteiltem Kapitel 22 auch in Cod. Guelf. 414 Helmst., 113va–118vb; 83.5 Aug. 2°, 67vb–72va; 809 Helmst., 188v–194v; Auszüge in Cod. Guelf. 310 Helmst., 204vb; Cod. Guelf. 711 Helmst., 161v–162v. Weitere gekürzte Fassungen in Cod. Guelf. 203 Helmst., 125va–130vb; 384 Helmst., 200va–206rb; 72.1 Aug. 2°, 38ra–44va; 590 Helmst., 40v–52r (in eine größere Exzerptsammlung integriert). Vollständig in Cod. Guelf. 50.6 Aug. 4°, 122r–132r. Kommentierte Fassungen (alle mit gekürztem Grundtext, meist bis Ende cap. 21), 1. Incipit des Kommentars: Architector philosophie in libro de celo et mundo: Cod. Guelf. 30.1 Aug. 2°, 295r–314v; 76.26 Aug. 2°, 204r–215v (Textverlust durch Wasserschaden); 14.5 Aug. 4°, 83r–108v; 19.26.6 Aug. 4°, 1r–43v; 2. Incipit des Kommentars: Theologica veritas est diadema sapientis: Cod. Guelf. 18.33 Aug. 4°, 213r–256r; 3. Incipit des Kommentars: Iste liber qui intitulatur stella clericorum: Cod. Guelf. 589 Novi, 37r–56v. Drucke: M43869–M43952, vergl. M43894, [aii]r–[cii]r; , 17–50, hier bis 47 (Schluss abweichend). Literatur: Nr. 4435.
194ra–195va : Liber maiorum operum in alchemia.
(194ra) Prologus. [I]n nomine domini hic incipit liber qui dicitur liber maiorum operum qui est in respectu precedencium librorum compilatus a magistro Saphiro secundum diversos modos operandi … — … et propter salutem anime mee volo omnia obscura amicis philosophie revelare.
(194ra–195va) Textus. Primus modus est operandi de basilisco quo modo mittitur? Hoc modo: Accipe duos gallos duorum annorum et pone eos in loco obscuro … — … pone ipsum tritum super lapidem in cellario et subpone vitrum in quo recipias quod distillat ista omnia predicta sunt probata. Amen. Auf den Seiten- bzw. Fußstegen mehrere alchemische Geräte und Gefäße in Umrisszeichnung: 1. (194v) auf dem Fußsteg Sublimationsofen mit Feuerstelle und zwei Abzügen, daneben eine Schüssel und zwei kolbenartige Gefäße; 2. (195r) auf dem Fußsteg Destillierofen mit Feuerstelle und Destillierkolben, daneben ein weiterer Kolben; 3. (195v) auf dem Seitensteg Destilliervorrichtung aus zwei untereinander angeordneten Gefäßen; 4. (195v) auf dem Fußsteg ofenartige alchemische Vorrichtung mit der Aufschrift ferramenta. Ungedruckt. Literatur: , 1123.13; , Alchemy in Cambridge, An Annotated catalogue of alchemical texts and illustrations in Cambridge repositories, in: Nuncius 30 (2015), 245–511, hier 380f. – 195va–b Elixir ad solem (Teil III, s. oben).
Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der mittelalterlichen Helmstedter Handschriften Teil IV.