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Beschreibung von Cod. Guelf. 877 Helmst.
geplant: Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil V: Cod. Guelf. 616 bis 927 Helmst., beschrieben von Bertram Lesser.
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung
Handschriftentitel: Institutio sanctimonialium Aquisgranensis. Ps.-Eusebius Gallicanus
Entstehungsort: Heiningen, Kanonissenstift
Entstehungszeit: 11. Jh., 4. Viertel
Katalognummer:
  • Heinemann-Nr. 979
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer, 32412387,T
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 28 Bl.
Format: 21 × 13 cm
Seitennummerierung: Tintenfoliierung modern: 1–27.
Lagenstruktur: II+4 (8). I+5 (15). III+2 (23). I (25). 3 (28). Die Zusammensetzung der Lagen aus verschieden kombinierten Doppel- und Einzelblättern ist bemerkenswert.
Zustand: Nach Ausweis der Heftlöcher im Umschlag fehlt die erste Lage mit dem Textbeginn mindestens seit dem späten Mittelalter, außerdem Verlust von mindestens 3 Bl. in der vorletzten Lage. Der unbeschriebene Teil von Bl. 28 wurde entfernt, der Rest mißt nur noch 6,5 x 11,5 cm. Die oberen Ecken sind stark geknickt, in den Falzen Textverlust.
Seiteneinrichtung:
  • 1r25v 17–17,5 × 9 cm, 28 Zeilen, Blindliniierung, Punkturen an den Blatträndern sichtbar;
  • 26r28r 18 × 10 cm, 35 Zeilen, Blindliniierung, Punkturen an den Blatträndern sichtbar.
Hände: Saubere, aber etwas unregelmäßig wirkende Carolina-Gothica von zwei sehr ähnlichen Händen,
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
  • Am Beginn der einzelnen Kapitel Rubriken und rote Lombarden;

  • 8v (Beginn von cap. 7 über die Eigenschaften der Äbtissin) transparente, rot konturierte Spaltleisteninitiale T über 5 Zeilen, rot gefüllt, mit Palmettenausläufern verziert.

Einband: Romanischer Koperteinband aus stark beriebenem und beschädigten Leder (Tierart nicht mehr erkennbar), Verschlußklappe erhalten, Schnüre des Wickelverschlusses fehlen. Lagen an Kopf und Schwanz mit gedrehten Pergamentschnüren direkt durch den Umschlag geheftet. Weitere Falze und Rostspuren von Beschlägen zeigen, dass das Leder zweitverwendet wurde und ursprünglich den Überzug eines Holzdeckelbandes bildete. Auf dem VD Signaturschild der Herzog August Bibliothek aus dem 19. Jh. Zum Einband vgl.
  • Scholla, 182f., 208, 214, 233, 241, 266;
  • Dies., Early western limp bindings. Report on a study, in: Care and conservation of manuscripts 7. Proceedings of the seventh international seminar held at the Royal Library, Copenhagen 18th–19th April 2002, hrsg. von G. Fellows-Jensen und P. Springborg, Kopenhagen 2003, 132–158 (156 Hs. genannt);
  • F. Prinsen, Boeken worden boeken. Hergebruik van materialen in Middeleeuwse handschriften, in: Handboekbinden 3 (2010), 80–87, hier 83–85 mit Abb.;
  • Lesser/Prinsen, 74–76 mit Abb. 3 und 4.
Einen ähnlichen Koperteinband aus zweitverwendetem Überzugsmaterial trägt Cod. Guelf. 951 Helmst.
Zusatzmaterial: Als Lesezeichen lose eingelegt ein abgerissenes Papierbl., ca. 7,5 x 2–2,5 cm, vier Zeilen. Jüngere gotische Kursive. 15. Jh.Schreibsprache: Ostfälisch. Brief. (Fragment). (Text setzt ein) … Moderlike leue tho … wandeß by deme … — … wil ek juck bringhen … nacht vnde … (Text bricht ab).
Entstehung der Handschrift: Der Codex war zweifellos für das Kanonissenstift Heiningen bestimmt, das 1126 in einen Augustiner-Chorfrauenkonvent umgewandelt wurde. Dort befand er sich bis ins späte Mittelalter, vgl. den Besitzvermerk des 15. Jh. auf Bl. 1r: In heninghe. Es spricht nichts dagegen, dass die Hs. auch in Heiningen selbst geschrieben wurde; eine genauere paläographische Lokalisierung ist jedoch nicht möglich.
Erwerb der Handschrift: Seit dem 12.4.1572 mit der übrigen Konventsbibliothek in der Bibliotheca Julia in Wolfenbüttel, 1614 im Gesamtkatalog von Liborius Otho (Cod. Guelf. A Extrav., p. 301 [306]) unter den Papalia miscellanea als Fragmenta S. Anastasii episcopi ad sponsas Christi. Ibidem quales monasteriis puellaribus debeant esse abbatissae. De monialibus plura. Item de porta monasterii custodienda mit der Signatur A.a 10 nachgewiesen; zur Beschreibung wurde die erste vorhandene Rubrik benutzt. Seit 1618 in der Universitätsbibliothek Helmstedt, 1644 in deren Handschriftenkatalog (Cod. Guelf. 27.2 Aug. 2°, 18v) als Fragmentum de regimine monialium, in membrana unter den Theologici in quarto genannt; die Titelaufnahme zitiert die 1r auf dem Fußsteg im 17. Jh. hinzugefügte Inhaltsangabe. Im Handschriftenverzeichnis von 1797 (BA III, 52) unter Nr. 744 ausführlich beschrieben.
Inhalt:
  1. 1r24v Institutio sanctimonialium Aquisgranensis (Fragment). (Text setzt ein) … quam de secula dignitate gaudete. Tenete ergo firmiter manus in aratro et nolite respicere retro … — … Ut hospitale pauperum extra monasterium sit puellarum. Quia sanctarum scripturarum … (Text bricht ab). Durch Blattverlust fehlen Praefatio, Kapitelverzeichnis, Kapitel 1–4 sowie der größte Teil der Kapitel 5 und 28.
    Edition
    • MGH Conc. 2,1, 307–464 Nr. 39, hier 436–455 Nr. 39B.
    Das Exemplar der Aachener Chorfrauenregel ergänzt die schmale Überlieferung (bislang 9 Hss., vgl. G. Schmitz, Aachen 816. Zu Überlieferung und Edition der Kanonikergesetzgebung Ludwigs des Frommen, in: Deutsches Archiv 63 (2007), 497–544, bes. 509–517), um einen weiteren, bislang unbekannten Textzeugen. Dazu T. Schilp, Norm und Wirklichkeit religiöser Frauengemeinschaften im Frühmittelalter. Die Institutio sanctimonialium Aquisgranensis des Jahres 816 und die Problematik der Verfassung von Frauenkommunitäten, Göttingen 1998 (VeröffMPI 137, Studien zur Germania sacra 21), 106: "…so läßt sich dort [sc. in der Herzog August Bibliothek] in den gedruckten Katalogen keine Überlieferung, auch keine spätmittelalterliche, der Institutio sanctimonialium nachweisen." Vgl. zum Text außerdem Rep. font. 3, 633; CSLG 1, 141f.; Mordek Bibliotheca, 1045–1058 (ohne Kenntnis dieser Hs.).
  2. 25r28r Eusebius Gallicanus: Homilia III ad monachos (partim). (Text setzt ein) … aliquis discederet si ullo loco ire posset ubi illum diabolus invenire non posset … — … ascendere mereamur ad promissa domini Jesu Christi qui cum Patre et Spiritu Sancto vivit et regnat deus per omnia secula Amen. Beginn fehlt durch Blattverlust; von der abschließenden Textzeile (Kolophon?) sind nur noch die Oberlängen erkennbar.
    Textgeschichte: Vollständig in Cod. Guelf. 599 Helmst., 50v–54v; 20.14 Aug. 4°, 62v–65v.
    Edition
    • PL 50, 836–841 (Eucherius Lugdunensis); 58, 883–887 (Faustus Reiensis);
    • CC SL 101A, 435–449, hier ab 438 Z. 63.
    28v leer.
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Manuscripta Mediaevalia Objektnummer hinzugefügt (schassan, 2019-08-20)

Abgekürzt zitierte Literatur

CC SL Corpus Christianorum. Series Latina, Bd. 1–, Turnhout 1954–
Cohen-Mushlin A. Cohen-Mushlin, Scriptoria in medieval Saxony: St. Pancras in Hamersleben, Wiesbaden 2004
CPL Clavis patrum Latinorum, hrsg. von E. Dekkers, Steenbrugge u.a. 31995 (Corpus Christianorum. Series Latina)
CPPM Clavis patristica pseudepigraphorum medii aevi, hrsg. von I. Machielsen, Turnhout 1990– (Corpus Christianorum. Series Latina)
CSLG Clavis scriptorum latinorum medii aevi. Auctores Galliae (735–987), Bd. 1–, hrsg. von M.-H. Jullien, Turnhout 1994– (Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis)
Härtel Untersuchungen H. Härtel, Untersuchungen zur Bibliotheksgeschichte in Niedersachsen an der Wende vom 15. und 16. Jahrhundert, in: Wolfenbütteler Notizen zur Buchgeschichte 11 (1986), 1–32
Heinemann O. von Heinemann, Die Helmstedter Handschriften, Bd. 1–3, Wolfenbüttel 1884–1888, Nachdruck Frankfurt/M. 1963–1965 (Kataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Die alte Reihe 1–3)
Kat. Illuminierte Hs. HAB 1 Geplant: Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1, 6.-11. Jh., beschrieben von Stefanie Westphal
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband 1)
Kruse Stiftsbibliotheken B.-J. Kruse, Stiftsbibliotheken und Kirchenschätze. Materielle Kultur in den Chorfrauenstiften Steterburg und Heiningen, Wiesbaden 2016 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 28)
Lesser/Prinsen B. Lesser und F. Prinsen, Gebunden, geheftet, vernäht. Vielfältige Einbände aus Frauenklöstern, in: Rosenkränze und Seelengärten – Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern, hrsg. von B.-J. Kruse, Wiesbaden 2013 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 96), 71–78
MGH Conc. Monumenta Germaniae Historica Concilia, Bd. 1–, Hannover 1893–
Mordek Bibliotheca H. Mordek, Bibliotheca capitularium regum Francorum manuscripta. Überlieferung und Traditionszusammenhang der fränkischen Herrschererlasse, München 1995 (MGH Hilfsmittel 15)
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Rep. font. Repertorium fontium historiae medii aevi, Bd. 1–12, hrsg. vom Istituto Storico Italiano per il Medio Evo, Rom 1962–2007
Rosenkränze und Seelengärten Rosenkränze und Seelengärten — Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern, hrsg. von B.-J. Kruse, Wiesbaden 2013 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 96)
Scholla A. B. H. Scholla, Libri sine asseribus. Zur Einbandtechnik, Form und Inhalt mitteleuropäischer Koperte des 8. bis 14. Jahrhunderts, Leiden 2002

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