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Beschreibung von Cod. Guelf. 97 Weiss.
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Handschriftentitel: Lex Salica. Lex Romana Visigothorum
Entstehungsort: Fleury(?)
Entstehungszeit: um 800
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 87 Bl.
Format: 21,5 × 12,5 cm
Seitennummerierung: Tintenfoliierung. Bl. 9 in der Zählung ausgelassen.
Lagenstruktur: 2 IV (17). V (27). IV-1 (34). IV (42). II (48). IV (56). IV-1 (63). 2 IV (7)). III (85). I (87). Lagenbezeichnungen A-L 8v-85v.
Seiteneinrichtung: 19 × 12 cm, einspaltig, 18-24 Zeilen.
Hände: Vorkarolingische Minuskel von einer Hand.
Im Kolophon vermerkt der Schreibername Agambertus (87v). 13v eine 2. Hand mit älterem Charakter (B. Bischoff, in: K. A. Eckhardt, Zur Entstehungsgeschichte der Lex Salica, in: Festschrift zur Feier des 200jährigen Bestehens der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Phil.-hist. Kl., 1951, 1-34., 9, 10).
Schrift: Überschriften zu den Capitula, Zählung in römischen Zahlen und Überschriften in roter Unzialis. 34r in Gelb. Im Text gelegentlich farbig gefüllte Satzmajuskeln. Texte auf 1r und 87v überstrichen mit Galläpfeltinktur.
Überschriften zu den Capitula, Zählung in römischen Zahlen und Überschriften in roter Unzialis. 34r in Gelb. Im Text gelegentlich farbig gefüllte Satzmajuskeln. Texte auf 1r und 87v überstrichen mit Galläpfeltinktur.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    50 Initialen.
  • Initialen:

    Zu den Textanfängen der Capitula insgesamt 50 verzierte und zahlreiche unverzierte 2-6zeilige Initialen (2-4,5). Fisch-Vogel Ornament als Buchstabenersatz. Die Initialstämme gefüllt mit einfachen Schnallen (15r, 25v, 26r, 37r, 38v), Flechtband (1v, 14r, 14v, 15v, 37r, 43v, 58v), Seilband (4r, 50v, 54r - in Schlangenköpfen endend), Stufenband (50v), Achterschlingen (22r, 28v, 32r, 36r, 36v, 55v) und sternförmigen Knoten (5v, 6v, 17r). Der Buchstabe wird durch Tiere - Schlangen (3v, 7r, 14v), Vögel (2v, 4r, 7v, 11v, 37v, 37r, 43v, 57r) und Fische (5r, 7r, 11v, 32r, 33r, 50v, 57v) - ersetzt. Die Vögel mit abgerundet, wellenförmig verlaufender Federstruktur und einer im Bauchbereich eingesetzen, gekernten Blase (Auge?; 2v und 3r). Fische mit angedeuteten Schuppen, gepunktetem Kopf und angesetzten dreieckigen Flossen (50v). Vögel halten häufiger einen Fisch im Schnabel (7v, 11v). Im Besatz Halbpalmetten (22r, 54r). Eine Initiale als Fabelwesen mit Hundekopf (5r). Als freistehendes Ornament die Initiale begeleitend, Kreuze (30r, 68r - mit roter Punktrandung) und ein kleiner Baum mit spitzen Blättern (31v). Als initialstammendung kleine Knospen (1v, 3v, 8r, 11r,12r, 15r, 16v, 30v, 31r, 31v, 47r, 47v, 48r, 57v) oder gerade abschließende Palmetten (2v, 14r, 15v, 16r, 23r, 25v, 29v, 32r, 33r, 54r), die Serifen spiralförmig gerollt. 58v tropfenfömiger, gekernter unterer Abschluss mit umschließendem Reif. Einige Initialen als Federinitalen mit roter Punktrandung (4r, 15r, 30v).
  • Farben:

    Rot/Orange, Braun und Gelb. Zum Teil stark verblichener Farbauftrag.
Einband: Roter Ledereinband (Nigerziegenleder; Neubindung 1963).
Geschichte der Handschrift: Da die Königsliste auf 37r mit Childerich III. (amt. 743-751) endet, ergibt sich für die Handschrift der Terminus post quem 751 als Entstehungsdatum. Bischoff plädiert für eine Eingrenzung des Entstehungszeitraums auf 751-770 und nennt als paläographisch eng verwandte Handschrift das Gundohinusevangeliar,Autun, BM, Ms. 3, Fleury(?), 754 (B. Bischoff, in: Eckhardt Lex salica, 8, 10; L. Nees, The Gundohinus Gospels, Cambridge 1987 [Medieval Academy Books 95]; Autun, 9-13), dessen Enststehung in Fleury bereits von E. H. Zimmermann Miniaturen, 59 vorgeschlagen wurde, jedoch, wie die gesamte Zusammenstellung der Handschriftenguppe aus Fleury (8./9. Jh.), kontrovers dikutiert wird (vgl. CLA VI, XV). Bischoff lokalisierte die Handschrift nach Nord- oder Ostfrankreich (in: Eckhardt Lex salica), Lowe nach Burgund (CLA IX, Nr. 1395). Der in der Schreiberinschrift erwähnte Name Agambertus begegnet wieder in einer Handschrift aus Bern (Bern, Burgerbibliothek, Cod. 118, Fleury(?), Anfang 9. Jahrhundert; Homburger Burgerbibliothek, 42-44) und einer Handschrift heute in Valenciennes (Valenciennes, BM, Ms. 59, Fleury(?), Anfang 9. Jh.). Beide und eine weitere Handschrift der Burgerbibliothek (Bern, Burgerbibliothek, Cod. 280, Fleury(?), Anfang 9. Jh.; Homburger Burgerbibliothek, 42-44) sind nach Homburger Burgerbibliothek, 43 paläographisch verwandt. Im Initialstil ähnlich zu Bern, Burgerbibliothek, Cod. 118 lässt sich der Gruppe mit Paris, BnF, Nouv. acq. lat. 1597 (um 800; CLA V, Nr. 687) ein weiterer Codex hinzuzufügen. Die spätere Datierung der Handschriften ins beginnende 9. Jahrhundert, lässt bezweifeln, ob es sich bei Agambertus um dieselbe Schreiberperönlichkeit handelt (vgl. Eintrag auf 87v). Bern, Burgerbibliothek, Cod. 280 zeigt in den Initialen eine verblüffende Ähnlichkeit zur Weissenburger Handschrift. Charakteristische Merkmale sind die gleich gestalteten Vögel mit identischer Kopfpartie und denselben wellenförmig verzierten Flügeln (vgl. 4r mit Bern, Burgerbibliothek, Cod. 280, 1v). Auch der in 97 Weiss. vorhandene tropfenförmige, gekernte untere Initialabschluss (vgl. 58v) kehrt in den Handschriften wieder (vgl. Bern, Burgerbliothek, Cod. 118, 113v; Homburger Burgerbibliothek, Taf. XV, 36). Weitere mit der Gruppe übereinstimmende Merkmale sind die gerade abschließende Palmette (vgl. 29v), die häufig spiralförmig endenden Serifen, der plastisch angelegte Reif, hier im unteren Initialabschluss (vgl. 58v mit Bern, Burgerbibliothek, Cod. 49, 133v; Homburger Burgerbibliothek, Taf. XV, 35), die Vorliebe für eckig geführte Bänder und Knoten (vgl. 5v; Bern, Burgerbibliothek, Cod. 280, 14v: Homburger Burgerbibliothek, Taf. XV, 34) sowie die beim Fisch vorhandenen dreieckigen, flossenähnlichen Ansätze (vgl. 50v mit Bern, Burgerbibliothek, Cod. 118, 24v; Homburger Burgerbibliothek, Taf. XV, 33. Paris, Nouv. acq. lat. 1597 (Fleury, um 800; CLA V, Nr. 687 und VI, 19), zeigt das in 97 Weiss. im Bauchbereich des Vogels eingesetzte übergroße Auge (4r; vgl. L. Delisle, Bibliothèque Nationale. Catalogue des manuscrits des fonds libri et barrois, Paris 1888, Nr. XX, Taf. V). Zusammen mit Paris, BnF, lat. 4404 und Leiden, UB, Voss. Lat. Q. 119 gehen die in 97 Weiss. enthaltenen Textversionen, Lex Salica und Pactus pro tenore pacis, auf eine gemeinsame Vorlage zurück (Eckhardt Pactus legis Salicae I, 1, 133,132). Die Zugehörigkeit von 97 Weiss. zu der vorgestellten Gruppe und dem Skriptorium von Fleury ist kunsthistorisch evident. Der in 97 Weiss. vorhandene insulare Einfluss (vgl. die rotgepunkteten Initialen, 15r) untermauert die Lokalisierung, da dieser in Fleury nachweislich um die Jahrhundertwende deutlich zum Tragen kommt (vgl. Bern, Burgerbibliothek, Cod. 207, Fleury, um 800; Homburger Burgerbibliothek, 32-39). Da eine ausführliche kunsthistorische Bearbeitung des Skriptoriums noch aussteht, erfolgt die Lokalisierung der Wolfenbütteler Handschrift nach Fleury jedoch unter Vorbehalt.
Provenienz der Handschrift: Papiervorsatzblatt mit Gutachten über die Handschrift von Gerichtsrat Ernst Peter Johann Spangenberg (dat. 16.1.1823). Keine Weißenburger Besitzeinträge. Die Handschrift gelangte 1690 mit den anderen Weißenburger Codices in die Herzog August Bibliothek (s. Vorwort). Wiener Liste 8°5.
Inhalt:
  • 1r Formula securitatis (MGH LL 5, 537-538, Nr. 8).
  • 1v-34r Lex Salica. Klasse A; 65-Titel-Text in 67 Titeln (MGH LL nat. Germ. 4,1, 18-232, 238-241, 246-249, 254, 258-260; Sigle A2; 14).
  • 34r-37r LXXVII-LXL Pactus Childeberti I et Chlotarii I. Ohne c. 1. Pactus Childeberti regis (MGH Capit. 1, Nr. 3, 4 Z. 29 - 7 Z. 19; MGH LL nat. Germ 4, 1 250-252).
  • 37r-37v Lex Salica. Klasse A; Epilog und Königsliste (MGH LL nat. Germ. 4, 1, 253; Sigle A2; Königsliste auch unter MGH SS rer. Merov. 7, 479 und 471).
  • 37v-87r Epitome Guelpherbytana der Lex Romana Visigothorum (G. Hänel, Lex romana Visigothorum, Berlin/Leipzig 1848, 80-82).
  • 87v Schreiberverse. Quisquis nescit scribere - ora pro scriptore se abias deum adiutorem. Kolophon ora pro agamberto se te liberat... (R. Buchner, , Kleine Untersuchungen zu den fränkischen Stammensrechten I, mit einem Beitrag von F. Beyerle, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 9 (1952), 59-102, hier 102).
Bibliographie

Korrekturen, Ergänzungen:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

Autun Catalogue des manuscrits conservés à Autun, Bibliothèque municipale et Société éduenne, hrsg. von C. Maître, Turnhout 2004
Butzmann H. Butzmann, Die mittelalterlichen Handschriften der Gruppen Extravagantes, Novi und Novissimi, Frankfurt/M. 1972 (Kataloge der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Die Neue Reihe 15)
CLA Codices Latini antiquiores. A Palaeographical Guide to Latin Manuscripts prior to the ninth century, hrsg. von E. A. Lowe, Bd. 1–12, Oxford 1934–1971
Eckhardt Lex salica K. A. Eckhardt, Zur Entstehungsgeschichte der Lex Salica, in: Festschrift zur Feier des 200jährigen Bestehens der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Phil.-hist. Kl., 1951, 1-34.
Holter Buchschmuck K. Holter, Der Buchschmuck in Süddeutschland und Oberitalien, in: W. Braunfels/H. Schnitzler (Hg.), Karolingische Kunst, Düsseldorf 1965 (Karl der Große. Lebenswerk und Nachleben, Bd. 3), 76-114
Homburger Burgerbibliothek O. Homburger, Die illustrierten Handschriften der Burgerbibliothek Bern. Die vorkarolingischen und karolingischen Handschriften, Bern 1962
Lesne E. Lesne, Histoire de la proprieté ecclésiatique en France, Lille 1938
MGH LL Monumenta Germaniae Historica Leges (in Folio), Bd. 1–5, Hannover 1835–1889
MGH SS Monumenta Germaniae Historica Scriptores (in Folio), Bd. 1–, Hannover 1826–
Mordek Bibliotheca H. Mordek, Bibliotheca capitularium regum Francorum manuscripta. Überlieferung und Traditionszusammenhang der fränkischen Herrschererlasse, München 1995 (MGH Hilfsmittel 15)
Wolfenbüttel Weiss. Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 3: Die Weissenburger Handschriften, beschrieben von O. von Heinemann, in: Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Abt. 2 Teil 5, Wolfenbüttel 1903, 268–443

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