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Beschreibung von Cod. Guelf. A Novi (9)
Die illuminierten Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil 1: 6. bis 12. Jahrhundert, beschrieben von Stefanie Westphal (in Bearbeitung)
Manuscript title: Evangeliar (Fragment)
Place of origin: Chelles
Date of origin: 9. Jh., Anfang
Support: Pergament
Extent: 2 Einzelblatt
Format: 40 × 28 cm
Foliation: Neuere Bleistiftfoliierung
Page layout: 35 × 25 cm, zweispaltig, 43 Zeilen.
Hands: Frühe karolingische Minuskel von einer Hand.
Scripts: Das Incipit in Capitalis und anschließender Unzialis, rubriziert. Versanfänge mit rubrizierten Initialmajuskeln. Zu Beginn des Textes auf 1v ein unverzierter Hohlbuchstabe.
Das Incipit in Capitalis und anschließender Unzialis, rubriziert. Versanfänge mit rubrizierten Initialmajuskeln. Zu Beginn des Textes auf 1v ein unverzierter Hohlbuchstabe.
Display script / Decoration:
    Eine Kanontafel.
  • 1r eine Kanontafel mit vier Bögen (36,5 × 25,7 cm). Die fünf hohen Säulen oben verbunden durch dünne, niedrige Bögen. An den Seiten jeweils eine hakenförmig angedeutete Arkade. Den oberen Abschluss bilden abgerundete dünne Kapitelle, die Basen als einfache rechteckige Stufe. Die Säulenschäfte inklusive Basis gerahmt durch eine breite Randleiste, das Mittelfeld gefüllt mit Seilband, perlenförmiger Kreisreihung und gereihten Kreuzblüten. Die Muster setzten sich bis in die Basen fort.

  • Farben: Helles Orange, Dunkelgrün, Gelb, Blasslila, Dunkelbraun. Sämtliche Muster und Motive in wechselndem Farbspiel.

History of the manuscript: Die beiden Einzelblätter wurden in der Forschung bisher kaum berücksichtigt. Datierung und Loklisierung erfolgten paläographisch durch B. Bischoff (Chelles, 8./9. Jahrhundert - Anfang 9. Jahrhundert; Bischoff Katalog 3, Nr. 7346). Für das Skriptorium des bei Paris gelegenen Nonnenkonvents Chelles ist ein Tätigkeitszeitraum von ca. 740-800/Anfang 9. Jh. belegt (zur Gruppe Ziegler). Für die Jahre 750/760 ergibt sich eine Gruppe von Handschriften um das sogenannte Sakramentar von Gellone (Rom, BAV, Reg. lat. 316; C. Denoël, Le sacramentaire gélasien de Chelles, in: Art de l'enluminure, Bd. 58 [2016], 2-55). Nach E. Zimmermann umfasst diese Gruppe folgende Handschriften: Oxford, BodL, Laud. Misc. 126; Autun, BM, Ms. 20; Montpellier, BM, Ms. 3; Paris, BnF, lat. 12240-12241. Etwas später folgen das Evangeliar Oxford, BodL, Douce 176 und der Psalmenkommentar Köln, Dombibliothek, Cod. 63, 65, 67 (zur Kölner Handschrift: Glaube und Wissen, Kat.Nr. 3; zur Gruppe: Zimmermann Miniaturen, 212-221, Abb. 127-143). B. Bischoff ergänzt diese ausgehend von der Kölner Handschrift um weitere Codices, geschrieben in der Zeit 785-810 (B. Bischoff, Die Kölner Nonnenhandschriften und das Skriptorium von Chelles, in: Karolingische und ottonische Kunst. Werden, Wesen, Wirkung, bearb. von F. Gerke, Wiesbaden 1957 [Forschungen zur Kunstgeschichte und christlichen Archäologie 3], 395-411, hier 399). Die Ornamentik des Wolfenbütteler Evangeliarfragments reiht sich in das Repertoire des Skriptoriums ein. Hierzu gehören das Füllmotiv der vierblättrigen Blüte (vgl. Ziegler, Sp. 47; vgl. Oxford, BodL, Laud. Misc. 126, 96v) und das Perlenmotiv (Ziegler, Sp. 42; vgl. Rom, BAV, Reg. lat. 316, 4r). Ähnlich angelegte Kanonbögen, mit schlanken, hohen Säulenschäften finden sich in Montpellier, BM, Ms. 3 (vgl. Ziegler, Abb. 15, 16). Als besonders charakteristisch gilt die kräftige, motivabhängig wechselnde Farbgebung mit einer von Ziegler als solche bezeichneten "Leitfarbe", bei der es sich in vielen Fällen um Orange/Menning handelt (Ziegler, Sp. 55). Dieses Vorgehen ist auch im Wolfenbütteler Fragment gegeben, wo das in den Randleisten der Säulen auftretende Orange wechselnd mit den anderen Farben auch im Füllornament auftritt. Für eine späte Zeitstellung um 800 oder kurz danach spricht das Fehlen der Farbe Blau, die von Ziegler als charakteristisch für die frühen Chelles-Handschriften beschrieben wird (Ziegler, Sp. 55). Das in dem Wolfenbütteler Fragment so prominent gebrauchte Seilband hingegen nennt Ziegler typisch für die späteren Codices (Ziegler, Sp. 54).
Provenance of the manuscript: Die beiden Blätter wurden 1967 von 14.2 Theol. 2° abgelöst.
Contents:
  • 1r Kanontafel (Canones Eusebiani VI, Mt-Mc).
  • 1v Capitula zu Mt (51 Kapitel).
  • 2rv Matthäus (5,5-6,20).
Bibliography

Revisions:
  • Lizenzangaben korrigiert (schassan, 2020-04-17)

Abgekürzt zitierte Literatur

Bischoff Katalog 3 B. Bischoff, Katalog der festländischen Handschriften des neunten Jahrhunderts (mit Ausnahme der wisigotischen), Teil 3: Padua–Zwickau, aus dem Nachlass hrsg. von B. Ebersperger, Wiesbaden 2014
Butzmann Extravagantes, Novi, Novissimi H. Butzmann, Die mittelalterlichen Handschriften der Gruppen Extravagantes, Novi und Novissimi, Frankfurt/M. 1972 (Kataloge der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Die Neue Reihe 15)
Glaube und Wissen Glaube und Wissen im Mittelalter. Die Kölner Dombibliothek, bearb. von J. M. Plotzek, U. Surmann, Ausstellung Köln, 7. August - 16. September 1998, München 1998
Ziegler U. Ziegler, Das Sacramentarium Gelasianum Bibl. Vat. reg. lat. 316 und die Schule von Chelles, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens, Bd. 16 (1976), 2-142
Zimmermann Miniaturen E. Zimmermann, Vorkarolingische Miniaturen, Text- und Tafelband, Berlin 1916 (Deutscher Verein für Kunstwissenschaft. Denkmäler Deutscher Kunst)

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