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Beschreibung von Göttingen, Staats- und Universitätsbibliothek, 8° Cod.Ms. theol. 295
Lukas Wolfinger: In Vorbereitung: Katalog der mittelalterlichen volkssprachigen Handschriften der SUB Göttingen, beschrieben von Lukas Wolfinger.
Handschriftentitel: Andachtsbuch
Entstehungsort: Straßburg oder Umfeld (?)
Entstehungszeit: 15. Jh. (Ende?)
Katalognummer: Meyer-Sign. Theol. 295
Beschreibstoff: Pergament;
Umfang: III, 136, II Bl.
Format: 9,5 × 6,5 cm
8
Seitennummerierung: Bleistiftfoliierung (modern): 1-127; drei unbeschriebene Vorsatzbl. sowie eine Reihe weiterer leerer Bl. nach Ende der beiden Haupttexte ungezählt (5 Bl. nach 124v; 5 Bl. nach 126v); in Teil I überdies ma. lageninterne Blattzählung (jeweils 1-6).
Lagenstruktur: Zu den 11 Lagen des Haupttextes (Teil I: 1r-124r) ist ein Ternio (Teil II: 125r-126v plus vier ungezählte Bl.) hinzugebunden; dazu noch jeweils ein Binio als Vorsatz und Nachsatz, deren erstes bzw. letztes Bl. als VS bzw. HS an den Buchdeckel geklebt wurden; Lagenformel: II (VS und Vorsatz; ungezählt). 10 VI (120). V-1 (124!). III (126!). II-1 (127!; Nachsatz und HS); Lagensignaturen auf jeweils erster Seite einer Lage sowie Reklamanten am Ende (12v, 24v, 36v, 48v, 60v, 72v, 84v, 96v, 120v).
Seiteneinrichtung:
  • Teil I: ca. 5,7-6,0 × 3,7-4 cm, 12 Zeilen;
  • Teil II: 6,2-6,4 × 4-4,2 cm, 15-16 Zeilen.
Hände: Gesamter Haupttext (1r-124r) von einem Schreiber/einer Schreiberin; 'Acht Verse St. Bernhards' auf 125r-126v von weiterer Hand; zudem verschiedentlich Einträge vom späteren Besitzer Daniel Sudermann (s. unter Herkunft);
Bastarda (nach Schneider) bzw. Hybrida Formata (nach Lieftinck/Derolez), die in die letzten Jahrzehnte des 15. Jhs. zu datieren sein dürfte, obwohl sie älter wirkt (vgl. Hornung, Daniel Sudermann, S. 258-260 sowie Palmer, Die Münchner Perikopenhandschrift, S. 278); die nachgetragenen 'Acht Verse St. Bernhards' in Cursiva libraria (nach Lieftinck/Derolez).
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck:
    Anders als Teil II, der in anspruchsloser Schrift eingetragen und weder rubriziert noch in anderer Weise besonders gestaltet wurde, ist Teil I sorgfältig geschrieben
  • und rubriziert;
  • zudem auf 1r blau-weiße, mit vegetabiler Binnenmusterung ausgestattete E-Initiale auf Goldgrund (Blattgold); am Seitenrand zudem drei sternförmige Ornamente in brauner bzw. blauer Tinte, in zwei Fällen mit Fleuronnée, der runde Mittelpunkt aus Blattgold.
  • Am unteren Blattrand überdies in blauer, gelber, purpurner und grüner Farbe gemalt zwei Blumen (blaue Blume – wohl Bittersüßer Nachtschatten – und rote Rose mit grünem Stiel; gekreuzt).
Einband: Hellbrauner Ledereinband mit filigraner kleiner Messingschließe; wurde offenkundig in der als 'Palatina' bezeichneten Werkstatt (EBDB w000340) angefertigt, die nach 1475 – unter Übernahme älterer Stempel aus der Erfurter Werkstatt des Conradus de Argentina (EBDB w000851) – wohl in Straßburg tätig war (Rolle: Wellenranke mit Blüten; Einzelstempel: 1: Christuskopf [Vera Icon]; 2: Agnus Dei mit Kelch: EBDB s036601; 3: Blattwerk mit Füllung aus Granatapfel: EBDB s001475; 4: Vierblatt mit Zwischenblättern; 5: kleine fünfblättrige Rosette: EBDB s007670). Auf dem VS mehrere Einträge: A. B. V. M. (am oberen Blattrand; ma. Eintrag) samt unbekanntem Zeichen darunter (Monogramm ?); ebd. verwischter u. deshalb kaum lesbarer (Besitz-?)Eintrag; wohl etwas jünger (am unteren Blattrand): K … (K. Sudermans? vgl. Hornung, Daniel Sudermann, S. 122 samt Abb. 19); moderne Bleistifteinträge: 201÷9002 (?; Inventarnummer?); zudem die moderne Göttinger Signatur Cod. Ms. theol 295; auf dem HS Besitzvermerk Daniel Sudermann sowie moderner Bleistifteintrag mit älterer Göttinger Signatur (Cod. theolog. 218). Am Rücken Schildchen mit Signatur der SUB (Cod. MS. theol. 295).
Entstehung der Handschrift: Die Handschrift dürfte in Straßburghttp://d-nb.info/gnd/4057878-1oder seinem Umfeld entstanden sein und am ehesten aus einem der dortigen Frauenkonvente stammen. Darauf deuten das Profil bzw. Inhalt und Format des Kodex sowie die elsässische Schreibsprache hin (vgl. Göttingen 2, S. 477; Hornung, Daniel Sudermann, S. 258), zudem die Einbandwerkstatt (s. unter Einband) und die weitere Besitzgeschichte.
Provenienz der Handschrift:
  • In der Folge ist der Codex nämlich im Besitz von Daniel Sudermann (1550-1631) nachweisbar, der in Straßburg wohnte, wirkte und hier einen großen Teil seiner Sammlung an ma. Handschriften erwarb – speziell aus Frauenklöstern (vgl. Hornung, Daniel Sudermann, S. 98-122); auch die vorliegende Handschrift mag Sudermann direkt in Straßburg erworben haben; von ihm stammen neben Besitzvermerken auf 1r und auf dem HS mehrere Einträge (so z.B. Ir: all ding probier, das gut behalt, so wirst du gwisz nit irren baldt; außerdem 11v, 12r, 123r, 127v); zudem Textmarkierungen in der für Sudermann charakteristischen Form (vier Punkte, rautenförmig angeordnet; vgl. ebd., S. 66) auf 16r, 16v, 18v, 19r, 50v, 54r, 63v, 64r, 72r, 80r, 83v, 104v, 109r, 109v, 122r, 122v).
  • Aus unbekanntem Besitz und zu unbekanntem Zeitpunkt an die Georgia Augusta gekommen (allerdings vor Ende des Jahres 1837, da noch Jeremias David Reuss den Kodex im alten, handschriftlichen Handschriftenkatalog der SUB Göttingen eintrug); auf 1v Besitzstempel der SUB Göttingen.
Inhalt:
  1. 1r-124r Christi Leiden in einer Vision geschaut. >Die betrachtung des liden Ihesu Cristi.< Ein gůter mensch was eins moles vor mettin an irme gebette noch irme gewonheit als ir andacht was das sie gewonlichen gerne wachte vor mettin als ir gewonheit was. … — … und mit grosser froeude seite sie in wider das er by ir gewesen were vnd wie er mit ir gerett hett. Hie endet sich die betrachtung. Auf 123r eingeklebt ein kleiner Pergamentstreifen mit einem Vermerk Daniel Sudermanns: disz ist die vrsach, dz ich dz Buch vleissig uffhebe. D. S. Zu dem Text u. seiner Überlieferung s. Foidl, Art. Christi Leiden, Sp. 599-600.; 2VL 1, Sp. 1218-1221; Kemper, Die Kreuzigung, S. 147-150.
  2. 125r-126v Acht Verse St. Bernhards. Item zu der legend Sant bernhart liset man, das der böse geist zu im gesprochen hab, das er wisse echt vers in dem psalter, wele vers, so sy ein mensch alle tag andechtiglichen sprech, der selbig mocht nymer me verlorn werden. … — … herre mach mit mir ein zeichen in dem guten, uff das die sehen, die mich gehasset haben und beschemet werden darumb du herre mir geholffen hest vnd mich getrost hest. Zu diesem Text und seiner reichen Überlieferung in deutscher und lateinischer Fassung vgl. etwa Wiederkehr, Das Hermetschwiler Gebetbuch, S. 105; Ochsenbein, Bernhard von Clairvaux, S. 213-218; Park, Johann Arndts Paradiesgärtlein, S. 128-129.
  3. 127v Eintrag von Daniel Sudermann. Alle die natur Christi die wart gedrungen in Göttlicher natur, also dz ein Gott do was, und derselbe Gott was Mensche, vnd derselbe mensch wz Gott. Disz stehet am 17. blat zurucke geschrieben, welches ist der alten Vättern wie auch aller waren Christen bekantnusz, wirt aber heut von den schrifftgelerten widersprochen; sie sagen, man wölle die ware Menscheit Christi damit auszläschen, welches doch nit war ist. Darumb hab ich disz buchlin auffgehaben, weil es 200 oder 300 jar alt. Dieser Eintrag verweist auf die von Sudermann auf 122r-122v markierten Textteile sowie den dazu von ihm auf 123r eingeklebten Vermerk; s. o.
Bibliographie

Abgekürzt zitierte Literatur

2VL Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 12 Bde., hrsg. von K. Ruh u. a., 2., völlig neu bearbeitete Aufl., Berlin, New York 1978–2005, Ergänzungsbde.: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon, 3 Bde., hrsg. von F. J. Worstbrock, Berlin, New York 2005–2015
EBDB Einbanddatenbank (http://www.hist-einband.de/, besonders die Sammlung Wolfenbüttel)
Göttingen 2 Die Handschriften in Göttingen, Bd. 2: Universitäts-Bibliothek: Geschichte, Karten, Naturwissenschaften, Theologie, Handschriften aus Lüneburg, beschrieben von W. Meyer, Berlin 1893 (Verzeichniss der Handschriften im Preussischen Staate, Abt. 1: Hannover, Bd. 1: Die Handschriften in Göttingen, Teil 2)

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