Die mittelalterlichen Helmstedter Handschriften der Herzog August Bibliothek. Teil II: Cod. Guelf. 277 bis 370 Helmst. Mit einem Anhang: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, beschrieben von Bertram Lesser (im Erscheinen).
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung (Vorläufige Beschreibung)

Helmstedt, Ehemalige Universitätsbibliothek, Pgt. Frgm. 23

Guillelmus Durantis

Pergament — 1 Doppelbl. — 21 × 42 cm — Südfrankreich — 14. Jh., 1. Hälfte

Der untere Teil eines großformatigen, nicht aus der Lagenmitte stammenden Doppelbl. wurde in zwei Stücke zerschnitten, die für die Verwendung als Umschlag (Bl. 1ra, 1vb und 2ra–vb) bzw. als Einbandhinterklebung (Bl. 1rb–va) gefaltet und beschnitten wurden. Die Tinte ist an der Außenseite des Umschlags bzw. an den ehemals am Rücken befestigten Teilen verblasst. Schriftraum: 16 × 16,5 cm, zweispaltig (Spalte 7,5 cm breit, beschnitten), noch max. 39–41 Zeilen erhalten, Blind- und Tintenliniierung. Sehr regelmäßige, kleine und gerundete Textualis von einer Hand. Rubriziert, rote Lombarden, z. T. mit schlichtem blauem Fleuronnéebesatz aus geschwungenen Fadenranken und Spiralen im Binnenfeld.

Herkunft: Der makulierte Codex, aus dem das Fragment stammt, dürfte aufgrund der Schriftmerkmale und der schlichten Fleuronnéeverzierung zwischen 1300 und 1350 in Südfrankreich geschrieben worden sein. — Da nicht vermerkt ist, für welchen Band das Fragment als Einband verwendet worden ist, kann sein Weg in die Universitätsbibliothek Helmstedt ebensowenig ermittelt werden wie der Zeitpunkt der Ablösung.

1ra–2vb Guilelmus Durantis: Speculum iuris (partim). Das Fragment enthält auf Bl. 1ra–vb Speculum iuris pars IV part. 1: De Libellorum conceptione, § 9,39 (Text setzt ein: … debeat expediri imo nisi probacio sit in promptu [executio] non impeditur …) und §§ 10–12,10 sowie auf Bl. 2ra–vb Speculum iuris pars IV part. 1: De electione, § 1,37–48 (Beginn, … ego P. procurator seu syndicus talis electi vel si capitulum prosequatur quod magis ydoneum est ne electus de ambicione notetur …, Text bricht ab). Druck: Guilelmi episcopi Mimatensis I. V. D. Speculum iuris…, Pars III et IIII, Basileae 1574 (VD16 D 3007), 67–69 und 88–90. Literatur: DDC 5, 1014–1075; Schulte 2, 144–156, bes. 148–152 Nr. 27.2; Lange/Kriechbaum 2, 477–487 Nr. 51, bes. 483–486 Nr. 1; CALMA 5, 15 Nr. 7.


Abgekürzt zitierte Literatur

CALMA C.A.L.M.A. Compendium auctorum latinorum medii aevi, hrsg. von M. Lapidge u. a., Bd. 1–, Firenze 1999–
DDC Dictionnaire de droit canonique, Bd. 1–7, hrsg. von R. Naz, Paris 1935–1965
Lange/Kriechbaum H. Lange und M. Kriechbaum, Römisches Recht im Mittelalter, Bd. 1: Die Glossatoren, München 1997, Bd. 2: Die Kommentatoren, München 2007
Schulte J. F. von Schulte, Die Geschichte der Quellen und Literatur des Canonischen Rechts…, Bd. 1: … von Gratian bis auf Papst Gregor IX. Stuttgart 1875; Bd. 2: … von Papst Gregor IX. bis zum Concil von Trient, Stuttgart 1877
VD16 Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des XVI. Jahrhunderts, Online-Ressource: http://gateway-bayern.bib-bvb.de/aleph-cgi/bvb_suche?sid=VD16