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Beschreibung der Handschrift Lübeck, Stadtbibliothek, Ms. theol. lat. 2° 115
Die mittelalterlichen Handschriften der Stadtbibliothek Lübeck, beschrieben von Kerstin Schnabel (in Bearbeitung)
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Digitalisierung und Erschließung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung

De viduitate. De virginitate

Papier — 191 Bl. — 30 × 22 cm — Kempen — 1464

Wasserzeichen: Buchstabe P, gotische Form mit Beizeichen Blume/Blatt: WZIS DE5025-tl115_1, WZIS DE5025-tl115_3, WZIS DE5025-tl115_5. Lagen: VI–1 (11). 15 VI (191). Bogenzählung a I–q VI. Reklamanten. Falzstreifen in der Mitte der Lagen aus Pergament. Bleistiftfoliierung 1–191 (20. Jh.). Am Ende sechs Bl. ohne Textverlust herausgetrennt. Schriftraum: 21,5 × 14,5 cm. 34–41 Zeilen. Zwei Spalten. Von einer Hand in Bastarda geschrieben. Fleuronné-Initialen auf Fol. 1ra über sechs Textzeilen, 106vb über acht Zeilen, ansonsten nur im ersten Text über vier bis acht Zeilen an den Kapitelanfängen. Zumeist blaue Buchstabenkörper, teilweise mit Schaftaussparungen in Form von Kopfstempeln, Palmetten oder Blüten, selten zweifarbig ineinandergreifend rot und blau. Perlenbesatz und Fadenausläufer in Rot, auch entlang der Textspalten. Binnenraumfüllung mit Palmettenfleuronné in Rot oder Violett, teilweise auf grünem Hintergrund, selten Blattstiele in Gelb. Roten Lombarden über zwei Zeilen. Im zweiten Text bes. V-Initialen in Rot über zwei Zeilen als Anfang der Formen von virgo, Fortführung des Wortes in zweizeiliger Textualis. Rubriziert.

Spätgotischer Holzdeckeleinband mit braunem Lederüberzug, fleckig und zerkratzt, Leder am Buchrücken teilweise fehlend. Streicheisenlinien. Auf dem VD Titel mit schwarzer Tinte direkt auf das Leder geschrieben De viduitate. De virginitate, darunter die Signatur F. Papierschild in der oberen linken Ecke, 3,5 × 5 cm, mit Aufschrift der Inventarnummern aus russischer Zeit 15785 (brauner Buntstift), durchgestrichen und ersetzt durch 22959 (Bleistift). Messingteile der Schließen entfernt, Nagellöcher, Abdrücke und Aushub für ein Fensterlager, hier auch Fehlstellen im Lederbezug. Fünf Doppelbünde, Kapitalbünde erneuert. Auf dem Buchrücken im obersten Feld ein Papierschild, 4,1 × 4,7 cm, Aufschrift Ambrosius de virginitate et viduitate. 1464 chart. Im zweiten Bundfeld ein Papierschild mit den Maßen 2 × 3 cm, Aufschrift Ms. theol. lat. 115 in schwarzer Tinte (20. Jh.).

Herkunft: Die Handschrift wurde gemäß dem Kolophon von den franziskanischen Drittordenschwestern in Kempen im Jahr 1464 geschrieben. Siehe hierzu G. Rehm, Geschichte des Annenklosters im 15. Jahrhundert, in: Campunni-Kempen. Geschichte einer niederrheinischen Stadt, Bd. 2: Aufsätze, Viersen 1993 (Schriftenreihe des Kreises Viersen 39,2), 67–86, hier 81–85. G. Rehm, Kempen. St. Anna, in: Nordrheinisches Klosterbuch. Lexikon der Stifte und Klöster bis 1815, Teil 2: Düsseldorf bis Kleve, hrsg. von M. Groten u. a., Siegburg 2012 (Studien zur Kölner Kirchengeschichte 37,2), 641–645, bes. 643f. (ohne diese Hs.). K. Graf, https://archivalia.hypotheses.org/123768. — Noch vor der Aufhebung des Klosters 1802 wurde die Bibliothek des St. Annenklosters der 1777 gegründeten Kurkölnischen Akademie in Bonn (ab 1786 Universität) einverleibt. Diese Bibliothek wurde 1808 in Hamburg versteigert. Rehm (wie oben), 81. H.-W. Stork, Hamburger Buchauktionen im 18. Jahrhundert, in: Hamburg. Eine Metropolregion zwischen Früher Neuzeit und Aufklärung, hrsg. von J. A. Steiger und S. Richter, Berlin 2012, 263–290, hier 275 sowie Abb. 14 und 15. Der Codex wurde von einen Dr. Pappe gekauft, siehe Catalogi librorum ex Bibliotheca electorali Coloniensi quae Bonnae fuit …, Hamburg 1808, P. 2, Theologia 90 Nr. 12200: S. Ambrosius de virginitate. In fine: Scriptum et consumatum apud sorores 3tii. ord. S. F. in Kempen. Anno domini 1464. Codex chart. cum initialib. pictis. Fol. Ldbd. (Digitalisat). — Der genaue Zeitpunkt und die Erwerbsumstände der Stadtbibliothek sind unbekannt. Vergl. die in Hamburg, SUB, befindliche Hs. Theol. 2177 (Hamburg 3, 255f). Zusammen mit anderen Handschriften der Stadtbibliothek wurde der Band 1944 kriegsbedingt in ein Salzbergwerk bei Bernburg/Saale ausgelagert und nach Kriegsende in die UdSSR nach Leningrad transportiert. Davon zeugt ein runder Stempel (blau) mit kyrillischer Aufschrift der Russischen öffentlichen Bibliothek in Leningrad auf Bl.1r und 33r. Auf dem Fußsteg von Bl. 191v ein rechteckiger Stempel (blau) mit handschriftlicher Ergänzung 1947 г. P. AKT No. ИС-682/8 sowie daneben mit Bleistift 47-5200/8. Für die spätere Verwahrung im Russischen Staatlichen Archiv Alter Akten in Moskau spricht das Papierschild auf dem VD. Seit 1990 ist der Band zurück in Lübeck. Altsignaturen 83 und Sch. B. 632b auf dem VD innen.

Weber Catalogus, 295–297. — Schweitzer Bestände, 272.

1ra–106va De viduitate. (1ra–b) Prologus. Viduam in ecclesia docet apostolus honorandam esse in duplici honore sicut et sacerdotem iubet viduam honorare … — … facta est liber habuit quam offerret hostiam unde et libera beatior est inquit quam iuncta. (1rb–106va) Textus. Vidua in Sarepta Sydoniorum manet. Sarepta interpretatur panis inopia vel tribulatio … — … pedibus commendari me deo postulari precibus cuius regnum et imperium permanet in secula seculorum. Amen. Das zweite Bl. der ersten Lage fehlt, dadurch Textverlust. Ebenfalls überliefert in Lissabon, BN, Cod. Alcobacenses XLII/239, 1r–120v (The Fundo Alcobaça of the Biblioteca Nacional Lisbon, Bd. 2: Manuscripts 151–301, bearbeitet von Th. L. Amos, Collegeville, Minn. 1989 (Descriptive inventories of manuscripts microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library. Portuguese libraries 2), 166, hier Bartholomaeus de Alcobaca, Bischof von Silves (1268–1285), zugeschrieben). Druck: Vidua sareptana exposita sensu literali et mystico in tres libros distributa … anonymi quidem auctoris … Nunc primùm è manuscriptâ bibliotheca antiquissimi monasterii S. Gisleni in Cella, ordinis S. Benedicti … opera ac studio R. P. D. Georgii Galopini ejusdem monasterii religiosi, Douai 1634.

106vb–191vb De virginitate. (106vb–107ra) Prologus. Virtutem eloquii virginitatis non est humane facultatis. E linguis fit omnis eloquencia de virginitate dissertura … — … sed hec sanctorum virorum efficiunt multa non mea. (107ra–191vb) Textus. Me saltem sub ficu illa dominus videre dignetur in fructuosa … — … postulo me commendari precibus virgini virginum virginis filio domino nostro Ihesu Christo qui cum patre et spiritu sancto vivit et gloriatur dominus per omnia secula seculorum. Amen. Explicit liber Ambrosii de virginitate. Dahinter in kleinerer Schrift Dubium est magnum. Scriptum et consummatum apud sorores 3ii ordinis sancti Francisci in Kempen votorum tantum substantialium sub disciplina vivere anno domini Mo CCCCo LXIIIIo. Deo gracias in eternum. Ungedruckt. Bisher nicht nachgewiesen.


Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der mittelalterlichen Handschriften in der Stadtbibliothek Lübeck.
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