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Beschreibung der Handschrift Lübeck, Stadtbibliothek, Ms. theol. lat. 2° 135
Die mittelalterlichen Handschriften der Stadtbibliothek Lübeck, beschrieben von Kerstin Schnabel (in Bearbeitung)
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Digitalisierung und Erschließung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung

Paulus Burgensis

Papier — 173 Bl. — 29,5 × 21 cm — Basel — 1433–1442

Wasserzeichen: Ochsenkopf mit Augen und Nasenlöchern ohne Beizeichen: WZIS DE5025-tl135_30. Ochsenkopf mit Augen und Nasenlöchern mit einkonturiger Stange und Stern: WZIS DE5025-tl135_02 (Varianten von 1433–1438), WZIS DE5025-tl135_03 (Variante von WZIS DE4620-PO-76268, 1435), WZIS DE5025-tl135_39, WZIS DE5025-tl135_42, WZIS DE5025-tl135_75 (Variante von WZIS DE6300-PO-75984, 1442), WZIS DE5025-tl135_77 (Variante von WZIS DE5580-Clm6502_281a, 1433/1440). Lagen: 14 VI (168). VI–7 (173). Reklamanten. Bogenzählung auf den ersten sechs Bl. unten rechts in der Ecke. Bleistiftfoliierung 1–173 (20. Jh.). Lage 12 mit vertauschtem Doppelblatt, Bl. 2 an Position 3. Bl. 90–95 am oberen Rand mittig beschädigt. Schwemmränder von einem Wasserschaden im mittleren Teil der Hs. am unteren Rand. Zw. Bl. 62 und 63 eingelegt das ehemalige Titelschild aus dem 19. Jh. mit der Aufschrift Dialogus Pauli et Sauli. Chart. Schriftraum: 20 × 14 cm. 40–44 Zeilen. Bl. 106r zu zwei Dritteln leer, mit Zeilenliniierung. Von einer Hand in Bastarda geschrieben. Eine zweite Hand mit gelegentlichen Korrekturen und Verweisen am Rand. Seitenüberschriften mit Angabe des Teils, der Distinktion und des Kapitels. Bl. 1r Lombarde über sieben Zeilen in roter Tinte. Alternierend rote und blaue Lombarden über zwei Zeilen sowie Paragraphenzeichen in diesen Farben. Bis Fol. 36r wird der Name des Sprechers (Saulus, Paulus) am Rand ausgestellt und rot unterstrichen, danach als Überschrift im Text mittig eingerückt.

Pappeinband mit rotem Lederüberzug, vom Original übernommen, stark berieben. Rücken aus weißem Leder, 19. Jh. Streicheisenlinien. Auf dem VD ein Papierschild mit den Maßen 3,5 × 5 cm, Aufschrift mit braunem Buntstift 28572, durchgestrichen und ersetzt durch 22928 (Bleistift). Vier Doppelbünde. Auf dem Seitenschnitt die Aufschrift Dial. Pauli et Sauli. Auf dem Buchrücken im obersten Bundfeld braunes Leder mit Goldprägung, Aufschrift Dialogus Pauli et Sauli Pars I et II. Darunter ein weiteres Schild wie zuvor, Aufschrift Cod. chart. Saec. 16. Restauriert im 19. Jh. Bl. 1 Ränder mit Papier beklebt.

Herkunft: Die Handschrift entstand nach Ausweis der Wasserzeichen ungefährt zwischen 1433 und 1442. Aufgrund einer Wasserzeichenvariante zu der Hs. München, BSB, Clm 6502, Fasz. I–III (HSP HSP-a310c7a6-316a-301b-a4bf-1fd2a569c766), die auch mit Ms. theol. lat. 2° 134 in Verbindung steht, kann Basel als Entstehungsort angenommen werden. — Der Band gehörte zum Buchbestand des Doms, bei Melle Typographische Monumente und Handschriften, 15 Nr. 32. Im Verzeichnis der Dombibliothek von 1633, UBBL 1, 390–411, 401 Nr. 259 Pap. geschr. gros 4. Scrutinium scripturarum. — Im Zuge der Säkularisation 1806 wurde die Handschrift in die Stadtbibliothek Lübeck überführt. Zusammen mit anderen Bänden der Stadtbibliothek wurde sie 1944 kriegsbedingt in ein Salzbergwerk bei Bernburg/Saale ausgelagert und nach Kriegsende in die UdSSR nach Leningrad transportiert. Für die spätere Verwahrung im Russischen Staatlichen Archiv Alter Akten in Moskau spricht das Papierschild auf dem VD mit den Inventarnummern. Seit 1990 ist der Band zurück in Lübeck. Querovaler Stempel der Stadtbibliothek auf Fol. 1r.

Weber Catalogus, 397–399. — Schweitzer Bestände, 272.

1r–173v Paulus Burgensis: Scrutinium scripturarum. (1r–2r) Prologus. Prohemium. Scrutamini scripturas in quibus putatis vitam eternam habere [Io 5,39]. Christus volens Iudeos instruere circa ipsius cognicionem in qua vita eterna consistit … — … quam nobis concedat Christus dei filius etc. (2r) Capitula. Distinctiones nota. Presens autem tractatus dividitur per distinctiones … — … et huius utendi sit in exposicione sacrarum auctoritatum. (2v–173v) Textus. Prima pars. Distinctio prima. Capitulum primum. Saulus ad Paulum. O Paule audivi quod magister tuus dum viveret dicebat magistris nostris … — … illa ergo parva stilla sermonum eius quam ipso distillante scrutando degustavimus a prosequunda. Am Ende unvollständig durch Blattverlust. 106r zu zwei Dritteln leer, Pars secunda beginnt Bl. 106v. Unterbrochener Textfluss durch ein vertauschtes Doppelbatt (siehe Bogenzählung) mit entsprechenden Verweisen unten auf den Bundstegen von Bl. 133v, 134v und 135v, sowie 141v, 142v und 143v. Auch in Stralsund, Stadtarchiv, HS 1054, 1ra–186va (HSP HSP-e4240af6-35be-37f8-a148-be129fd631cd), aus Lübeck, 1449. Druck: GW M29967, M29969, M29971 (vergl.), M29974, M29976. RETM P1120-10/5–30. Literatur: Stegmüller RB 6328. H. Santiago-Otero, Manuscritos de autores medievales hispanos, Madrid 1987 (Medievalia et Humanistica 3), 91–95. BBKL 7, 57–60. Hamesse/Szyller 30053. Y. Yisraeli, From Christian polemic to a Jewish-Converso dialogue. Jewish skepticism and Rabbinic-Christian traditions in the Scrutinium scripturarum, in: Interreligious encounters in polemics between Christians, Jews, and Muslims in Iberia and beyond, hrsg. von M. Garcia-Arenal, G. Wiegers und R. Szpiech, Leiden 2018, 160–196.


Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der mittelalterlichen Handschriften in der Stadtbibliothek Lübeck.
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