Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Digitalisierung und Erschließung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung
Menso de Beckhusen
Papier — 144 Bl. — 30 × 22 cm — Prag — um 1400
Wasserzeichen: Ochsenkopf mit Augen und einkonturiger Stange mit Stern: DE5025-tl137_83 (Variante von DE4500-PO-67164, 1401), DE5025-tl137_82, DE5025-tl137_61, DE5025-tl137_27, DE5025-tl137_6. Glocke, Glockenkörper ohne Schulter, Glockenmund einkonturig: DE5025-tl137_10, DE5025-tl137_2. Lagen: 12 VI (144). Falzstreifen aus dünnem Pergament in der Mitte der Lagen. Reklamanten, teilweise abgeschnitten. Bleistiftfoliierung 1–144 (20. Jh.). Vorderes Vorsatz aus Pergament an die erste Lage gehängt. Schriftraum: 21–22 × 14–15 cm. 44–48 Zeilen. Zwei Spalten. Von einer Hand in jüngerer gotischer Kursive geschrieben. Von einer zweiten Hand Randbeschriftungen mit Ergänzungen. Zwischen Bl. 11/12 sowie 69/70 jeweils ein Halm aus Stroh als Lesezeichen. Gliederungspunkte am Rand ausgeworfen. Seitenüberschriften unter Angabe des Buches L 1–L 4. Bl. 1ra U-Initiale in Rot über sechs Zeilen. Rote Paragraphenzeichen und Unterstreichungen. Rubriziert bis Bl. 76r.
Spätgotischer Holzdeckeleinband mit ehemals weißem Lederüberzug, nur noch wenige Lederstücke vorhanden. Auf dem VD ein Papierschild mit den Maßen 3,5 × 5 cm, Aufschrift mit braunem Buntstift 26245, durchgestrichen und ersetzt durch 23024 (Bleistift). Auf dem HD oben mittig Abdruck und zwei Löcher von der ehemals vorhandenen Kettenbefestigung. Einst zwei Schließen, Aushübe im Holz von Lagern und Gegenblechen. Geringe Spuren von Eck- und Kantenbeschlägen. Vier Doppelbünde, oben und unten einfache Kapitalbünde. Auf dem Buchrücken im obersten Bundfeld ein Papierschild mit den Maßen 2 × 3 cm, Aufschrift Ms. theol. lat. 137 in schwarzer Tinte (20. Jh.). Restauriert von Anne-Katrin Haase, Hamburg, 1992. Einbandlederreste befestigt, Fehlstellen im Papier ausgebessert, Metallstifte zur Befestigung von Eck- und Kantenbeschlägen entnommen. Restaurierungsbericht mit Fotodokumentation in Kiste 42 der Stadtbibliothek.
Herkunft: Die Handschrift entstand um 1400 in Prag. — Auf dem VS der Eintrag Istum librum dedit michi magister Nico. Beyer ad vitam meam. Nikolaus Beyer war zur selben Zeit am Ende des 14. Jahrhunderts an der Universität in Prag wie der Verfasser des Textes. Er wurde 1375 Baccalarius, 1380 Magister in artibus, 1390 Decan der Artistenfakultät, 1397 Baccalaurius in Theologie. Zuletzt wird er 1399 erwähnt, siehe , Der Magister Nikolaus Magni de Jawor (wie unten), 44. , 380. , Die Präger Universität (wie unten), 278. Wer der Empfänger der Handschrift war, bleibt unbekannt. Unter dem Schenkungseintrag in Textualis Inhaltsangabe Lectura [gestrichen und ersetzt durch] Questiones super sentencias. Danach Abschabung. De interiori libraria. Auf dem Vorsatz Orate pro datore huius lecture. Der Band gehörte wahrscheinlich zur Dombibliothek, im Verzeichnis der Dombibliothek von 1633, 1, 390–411, 403 Nr. 315 Pap. geschr. 4. Lectura super lib. sent. — Im Zuge der Säkularisation 1806 wurde die Handschrift in die Stadtbibliothek Lübeck überführt. Zusammen mit anderen Handschriften der Stadtbibliothek wurde sie 1944 kriegsbedingt in ein Salzbergwerk bei Bernburg/Saale ausgelagert und nach Kriegsende in die UdSSR nach Leningrad transportiert. Für die spätere Verwahrung im Russischen Staatlichen Archiv Alter Akten in Moskau spricht das Papierschild auf dem VD mit den Inventarnummern. Außerdem beiliegend zwei Dokumentenbestellscheine mit diesen Nummern aus dem Jahr 1988. Seit 1990 ist der Band zurück in Lübeck. Altsignaturen 14 nach , 401. Querovaler Stempel der Stadtbibliothek auf Fol. 1r.
, 401. — , 272.
1ra–141rb : Quaestiones super quattuor libros sententiarum Petri Lombardi. Utrum voluntas creata licite frui possit re que non est deus et arguitur quod non quia sic: Solo deo est fruendum igitur etc. Antecedens patet per Augustinum primo de doctrina christiana capitulo 21 … — … per miraculosam revelacionem ad earum maiorem afflictionem et confusionem ut scilicet videant quantum bonum per eorum viciosa demerita perdiderunt. Die Bücher beginnen: (26vb) Lib 2. [U]trum a primo principio agente ex libera voluntate et non ex necessitate … Arguitur primo quod non quia non potens non producere non producit libere … (57ra) Lib. 3. [U]trum plures divine persone possint assumere … et videtur quod non quia vel assumerent eam in unitatem naturalem … (84va) Lib 4. Utrum sacramentum sit diffinibile. Videtur quod non. Sacramentum non dicit unam essenciam igitur non est diffinibile … Insgesamt stark von Thomas de Argentina beeinflusst. Zählung ausschließlich der Distinctionen am Rand. Gegenüber der Vergleichshandschrift Krakau, BJ, Cod. 826, 5ra–266rb (https://jbc.bj.uj.edu.pl/dlibra/publication/378001/edition/360004/content, 6, 295f.) gekürzt, enthalten sind nur die Articuli und Conclusiones. Distinctio 1 findet sich nicht in der Vergleichshandschrift. In Lib. 4 sind zusätzlich folgende Quaestionen enthalten: (101vb) Utrum accidentia panis et vini in eucharistia existentia sint corruptibilia … (103va) Utrum utile seu expediens sit homini frequenter accedere seu sumere istud sacramentum … Der Text geht hier auf Thomas de Argentina zurück. Auch seine Ausführungen sind gekürzt. Zwei Quaestionen fehlen, auf D.49 Q.44 (ungezählt) folgt D.50 [Q.50], hier Textabbruch am Ende. Vgl. die Quästionenübersicht auf der unten angegebenen Internetseite. Außerdem enthalten in Krakau, BJ, Cod. 1752, 1ra–227rb. Ungedruckt. Literatur: , 58. , 371. , The Golden Age of Theology at Prague. Prague Sentences Commentaries from 1375 to 1385, the terminus post quem for Evidence of Wycliffism in Bohemia, in: Acta Universitatis Carolinae. Historia Universitatis Carolinae Pragensis 55 (2015), 19–40, hier 30–32. http://mensodebeckhusen.thesis-project.ro/. , Die Präger Universität im Mittelalter. Gesammelte Aufsätze, Leiden 2007 (Education and society in the Middle Ages and Renaissance 28), 273–275. , Der Magister Nikolaus Magni de Jawor. Ein Beitrag zur Literatur- und Gelehrtengeschichte des 14. und 15. Jahrhunderts, Freiburg 1898, 39. – 141v–144v leer.
Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der mittelalterlichen Handschriften in der Stadtbibliothek Lübeck.