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Beschreibung der Handschrift Lübeck, Stadtbibliothek, Ms. theol. lat. 2° 95
Die mittelalterlichen Handschriften der Stadtbibliothek Lübeck, beschrieben von Kerstin Schnabel (in Bearbeitung)
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Digitalisierung und Erschließung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung

Lectionarium missae. Suffragia ecclesiarum Lubecensis. Evangeliar

Pergament — 135 Bl. — 27 × 18 cm — Lübeck (?) — 15. Jh. / um 1200

Aus zwei Teilen zusammengesetzt, Teil I: 1r–4v und Teil II: 5r–133v.

Moderner Halbledereinband mit Holzdeckeln. Eine Schließe mit Dorn an der Kante des VD, Lederriemen mit Öse, Gegenblech. Drei Doppelbünde. Laut Restaurierungsbericht Holzdeckel-Konservierungseinband nach Szirmai, J. A. Szirmai, Konservierungseinbände, Teil 1: Der Holzdeckeleinband, in: Restauro 105,1 (1999), 44–51 sowie J. A. Szirmai, Einbandforschung und Einbandrestaurierung, in: Bestandserhaltung in Archive und Bibliotheken, hrsg. von H. Weber, Stuttgart 1992 (Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, Serie A, 2), 25–41, hier 39f. Zuvor Halbledereinband mit Pappdeckeln und Lederecken aus dem 18. Jh. Restauriert 2016/17 von Johannes Schrempf, Esslingen. Einband vollständig erneuert. Zwei Papierschilder mit Titel und Signatur auf dem Buchrücken entfernt, ebenso der Vorderspiegel mit der Altsignatur 255 (Bleistift) und das vordere Vorsatz mit einer weiteren Signatur mit rotem Stift. (Die Zahl wird nicht genannt.) Beide Vorsätze neu. Mehrere Blätter vorn und hinten als Platzhalter eingefügt. Restaurierungsbericht in Kiste 41 der Stadtbibliothek.

Herkunft: Das fragmentarische Lektionar mit den Suffragien aus dem 15. Jahrhundert wurde dem Evangeliar zu einem unbekannten Zeitpunkt vorgebunden. Die Schrift des Evangeliars lässt auf eine Entstehung in Norddeutschland um 1200 schließen. — Zu welcher Kirchen- oder Klosterbibliothek die Handschrift gehörte, lässt sich nicht ermitteln. Die Liste der Fürbitten stellt jene aus St. Marien voran, an letzter Stelle wird der Dom aufgeführt. — Zusammen mit anderen Handschriften der Stadtbibliothek wurde der Band 1944 kriegsbedingt in ein Salzbergwerk bei Bernburg/Saale ausgelagert und nach Kriegsende zunächst in die UdSSR nach Leningrad transportiert. Seit 1998 aus Armenien (Bibliothek der Akademie der Wissenschaften in Eriwan) zurück. Eriwan-Nr. 392. Querovaler Stempel der Stadtbibliothek auf dem Fußsteg von Fol. 1r, auf den Kopfsteg die Altsignatur S\S 124 in schwarzer Tinte.

Weber Catalogus, 237–239. — Fligge/Schnoor/Schweitzer, 148f. — Fligge u.a. Armenien, 11, 22 Nr. 2.14.

I

Pergament — 4 Bl. — Lübeck — 15. Jh.

Lagen: I+2 (4). Bleistiftfoliierung 1–4 (20. Jh.). Griffspuren an den unteren und äußeren Blatträndern. Bl. 1r–2v mit Schriftraum: 19–20 × 12 cm. 21 liniierte Zeilen. Eine Spalte. Bl. 3r–4v mit 19 Zeilen. Von zwei Händen in Textualis geschrieben. Hand 1: 1r–2v, Hand 2: 3r–4v. Rote Lombarden über zwei bis vier Zeilen. Rubriken in Rot. Bl. 2v mit roten Akzenten als Lesehilfe.

Herkunft: Aufgrund des inhaltlichen Bezugs zu den Lübecker Kirchen ist die Entstehung in Lübeck anzunehmen.

1r–4v Lectionarium missae (partim). (1r) In rogationibus lectio epistole beati Iacobi apostoli. Confitemini alterutrum peccata vestra [Iac 5,16–20] (1r–v) In vigilia ascensionis lectio actuum apostolorum. Act 4,32–35. (1v–2r) Rogationibus secundum Lucam. Lc 11,5–13. (2r–v) In vigilia ascensionis secundum Iohannem. Io 17,1–11 (… et ego ad te venio).

3r–4r Suffragia ecclesiarum Lubecensis.
(3r) In ecclesia beate Marie virginis. A. Regina celi. [Coll.] Prosit nobis semper quesumus omnipotens pater et precipue inter hec pascalia filii tui sollemnia … — … in celo regina regnanti eidem Ihesu Christo domino nostro. Antiphon CAO 4597. Kollekte CC SL 160F Nr. 4730.
(3r–v) Ad claustrum de sancta Maria Magdalena. R. Accessit. V. Dimissa sunt ei peccata. [Coll.] Largire quesumus omnipotens pater ut sicut beata Maria Magdalena … — … sempiternam beatitudinem. Responsorium CANTUS 6016. Versikel CANTUS 6016a. Kollekte CC SL 160D Nr. 3231. (3r–v) De sancto spiritu. Veni sancte spiritus. V. Emiite spiritum tuum Coll. Deus qui corda fidelium … — … et de eius semper consolacione gaudere. Per … CANTUS g01442b, g01442. Kollekte Bruylants II Nr. 349.
(3v) In ecclesia sancti Iacobi. R. Gaudete iusti in domino. V. Constitues eos principes super omnem terram alleluia. CANTUS 6766, 6329.
(3v) In claustro sancte Katherine virginis. R. Surge virgo … V. Ora pro nobis beata virgo et martir Katherina alleluia. Coll. Deus qui dedisti legem Moysi … — … ad montem qui Christus est pervenire valeamus. R. CANTUS 602290. V. vgl. Basel, UB, A XI 72, 157r. Kollekte CC SL 160A Nr. 1521. Bruylants II Nr. 322.
(4r) Item in ecclesia Iohannis ewangeliste. R. Vox tonitrui tui deus. V. Cibavit eum dominus pane vite et intellectus alleluia. CANTUS 7921, 800593.
(4r) Item in ecclesia sancit Egydii. R. Iustum deduxit dominus. V. Amavit eum dominus et ornavit eum alleluia. Collecta. Pretende nobis domine misericordiam tuam … — … exoret pro nobis. CANTUS 7059, 6232za. Kollekte CC SL 160G Nr. 4590c.
(4r) In maiori ecclesia in reditu. An. Lux perpetua lucebit sanctis tuis. V. Gaudete iusti in domino alleluia. CANTUS 3653, 602537a. Der Text bricht ab. – 4v leer.

II

Pergament — 131 Bl. — Lübeck (?) — um 1200

Lagen: 16 IV (130)! I+1 (133). Bleistiftfoliierung 5–133 (20. Jh.). Zählfehler: zwei Bl. zunächst ungezählt, jetzt 29a und 80a. Teilweise Löcher und genähte Stellen im Pergament. Leicht vermutzte Blattränder. Schriftraum: 20 × 12 cm. 23 Zeilen. Eine Spalte. Von mehreren Händen in Carolino-Gothica geschrieben. Überschriften über die Doppelseite mit Nennung des Evangelisten Secundum … Parallelstellen auf den Seitenstegen. Kapitelzählung einer Hand aus dem 15. Jh. ebenfalls auf den Seitenstegen. Mehrzeilige Initialen in Deckfarben und Gold am Beginn der Evangelien. 5r L-Initiale über zehn Zeilen mit goldenem Buchstabenkörper und Ranken, deren Enden in Palmettenblättern in Rot und Grün auslaufen, auf blauem Grund. Die äußere Feldfüllung in gelb-brauner Farbe mit kleinen weißen Rosetten bzw. Punkten in Deckweiß. 41v I-Initiale über zehn Zeilen mit goldenem geteiltem Buchstabenkörper, der auf beiden Seiten in Palmettenblättern ausläuft, umwunden von einer Ranke mit gelb-braunen und roten Palmetten. In der Mitte des Stammes ein Medaillon mit grünem Kreis, darin der Löwenkopf auf Goldgrund. Feldfüllung in Blau mit gepunkteten Rosetten in Rot und Weiß. 64v Q-Initiale über ungefähr zehn Zeilen mit goldenem teiltem Buchstabenkörper und Palmettenblättern in Rot und Grün. Im Binnenfeld der Stier mit Flügeln in Rot und Gelb auf blauem Gund. Äußere Feldfüllung in gelb-brauner Farbe mit kleinen weißen Punkten. 104r I-Initiale über zehn Zeilen, Schaft im oxidierten Silber mit drei roten Schnallen, oben und unten zu beiden Seiten Palmettenblätter in Grün und Rot. Feldfüllung in Ocker mit gepunkteten Deckweißrosetten. Bis Bl. 82v alternierend rote und blaue Uncialmajuskeln, teilweise konturbegleitende Linien oder Punkte in der Gegenfarbe.

5r–133v Evangelium.
(5r–40v) Evangelium secundum Mattheum. Explicit evangelium secundum Matheum.
(41r–64r) Evangelium secundum Marcum. (41r–v) Prologus. Marcus evangelista dei et Petri in baptismate filius atque in divino sermone discipulus … — … et qui rigat unum sunt qui autem incrementum prestat deus est. Stegmüller RB 607. (41v–64r) Textus. Explicit evangelium secundum Marcum.
(64v–103v) Evangelium secundum Lucam. Explicit evangelium secundum Lucam.
(103v–133v) Evangelium secundum Iohannem. (103v–104r) Ps.-Beda: Prologus. [H]ic est Iohannes evangelista unus ex discipulis dei qui virgo a deo electus est … — … magisterii doctrina servetur. Amen. Stegmüller RB 624. (104r–133v) Textus.


Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der mittelalterlichen Handschriften in der Stadtbibliothek Lübeck.
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