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Beschreibung der Handschrift Kiel, Universitätsbibliothek, Cod. ms. Bord. 1
Die Bordesholmer Handschriften der Universitätsbibliothek Kiel, beschrieben von Kerstin Schnabel. Wolfenbüttel 2020
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung
Handschriftentitel: Catalogi bibliothecae Bordesholmensis
Entstehungsort: Bordesholm Kiel
Entstehungszeit:
  • 1488
  • um 1665
Beschreibstoff: Aus zwei Teilen zusammengesetzt, separat foliiert. Teil a 1r–97v, b (vorgebunden) 1r–6v.
Umfang: 103 Bl.
Format: 32 × 22 cm
Einband: Pappeinband mit braunem Sprenkelpapier überzogen, spätes 18. bis frühes 19. Jh. Buchschnitt rot gefärbt. Restauriert 1993. Mit drei neuen Spiegel- und Vorsatzbl. versehen. Zwei ehemalige Vorsatzbl. erhalten.
Geschichte der Handschrift: Die beiden Kataloge waren unter der Signatur Cod. ms. SH 407 bis 1862 Bestandteil der Sammlung von Handschriften der UB Kiel, die die Herzogtümer Schleswig und Holstein betreffen. Im Zuge der Katalogisierung der Bordesholmer Handschriften durch Henning Ratjen wurden sie in diesen Bestand reintegriert.
Entstehung der Handschrift: Die Vereinigung der Teile muss vor 1850 stattgefunden haben.
Bibliographie
Handschriftenteil: a
Entstehungsort: Augustiner-Chorherrenstift Bordesholm
Entstehungszeit: 1488
Beschreibstoff:
Umfang: 97 Bl.
Seitennummerierung: Moderne Bleistiftfoliierung.
Lagenstruktur: V (10). I (12). V (22). VII (36). V (46). VI+1 (59). VI (71). V+1 (82). VII+1 (97).
Seiteneinrichtung: 23–23,5 × 13 cm. 36 Zeilen.
Hände: Bastarda von der Hand des Bordesholmer Chorherrn Johannes Reborch. Wenige Nachträge von späteren Händen des 15. Jh.
Auszeichnungsschriften / Buchschmuck: Rubriziert. Im alphabetischen Verzeichnis rote Lombarden z.T. mit Knospenornament gefüllt über sechs Zeilen am Beginn einer neuen alphabetischen Reihe von Lemmata. Daneben Lombarden über zwei bis drei Zeilen.
Entstehung der Handschrift: Die beide Chorherren Johannes Meyer (Prior) und Johannes Reborch (Propst) fertigten das Verzeichnis 1488 nach einer Bestandserweiterung in den 1470er und 1480er Jahren an. Im Vorfeld legten sie vielfach Inhaltsverzeichnisse in den Büchern an, die die Grundlage für den systematischen Katalogteil bildeten.
Erwerb der Handschrift: Im Verzeichnis von 1606 (Cod. ms. Bord. 2a) betitelt mit Registrum librorum cathenatorum. Im Verzeichnis von 1665 (Cod. ms. Bord. 1b) Catalogus bibliothecae Bordsholmensis vetus.
Inhalt:
1. 1r–97r Johannes Reborch, Johannes Meyer: Registrum librorum cathenatorum.
  • (1r–86r) Alphabetisches Verzeichnis.
    >Hic reperis tabulam librorum bibliothece
    qua sedem propriam vult quisquis dicere de se.
    Perficiunt hanc ambo Johannes nomen habentes
    Reborch prepositus Meyer prior hic residentes. M quadringenteno bis quatuor octuageno
    lectoris precibus celo potiantur ameno
    <.
    Abbatis Siculi repertorium n vii … — … Zozimas metrice narrans vitam Marie Egyptice g xxv. In alphabetischer Ordnung werden die Titel, dahinter die Signaturen genannt. Die Titel wurden in ihrer Wortfolge umgestellt und erscheinen so mehrfach im Verzeichnis.
  • (86v–97r) Systematisches Verzeichnis.
    >Littera sub serie libros numerusque registrant
    istos hac tabula quibus inveniendo ministrant
    <.
    A i Biblia parva scripta. Circa A i Biblia alia parva et scripta … — … O xl Rosarium super decretum. O xli Rosella. >Et sic est finis<. Aufgeführt werden 529 Signaturen (rot) und die Titel der in den Bänden enthaltenen Werke (schwarz). Sie sind unterteilt in 14 Gruppen, die mit den Buchstaben A bis O bezeichnet sind. In dieser Zählung eingeschlossen sind bereits Nachträge am Ende vieler Signaturengruppen, die bis ca. 1500 vorgenommen wurden. Unter der Signatur Circa k i ist am Rand der Katalog selbst nachgetragen: Registrum librorum cath.
Edition
  • Merzdorf, 12–22 (Auszüge aus dem alphabetischen Verzeichnis), 23–67 (systematisches Verzeichnis).
  • Schnabel, 486–607 (systematisches Verzeichnis).
Literatur, siehe oben, daneben:
  • Th. Gottlieb, Ueber mittelalterliche Bibliotheken, Leipzig 1890, 265f. Nr. 730.
  • K. Löffler, Deutsche Klosterbibliotheken, 2. verm. Auflage Bonn 1922 (Bücherei der Kultur und Geschichte 27), 248.
  • L. Buzas, Deutsche Bibliotheksgeschichte des Mittelalters, Wiesbaden 1975 (Elemente des Buch- und Bibliothekswesens 1), 56.
  • A. Derolez, Les catalogues de bibliothèques, Turnhout 1979 (Typologie des sources du moyen âge occidental 31), 40.
  • Bünz, 67.
  • Kock, 287.
  • Stork Handschriftenbestände, 53.
  • K. Schnabel, Streifzug durch die Bordesholmer Stiftsbibliothek, in: Jahrbuch für das ehemalige Amt Bordesholm 9 (2007), 15–20.
  • S. Ehlers, Klosterbibliotheken. Schatzkammern des Wissens, in: Glauben, Wissen, Leben, 118–123.
Handschriftenteil: b
Entstehungsort: Kiel (?)
Entstehungszeit: um 1665
Beschreibstoff:
  • Papier
  • Wasserzeichen: Allegorische Figur Pro Patria, frei, ohne Beizeichen: nicht nachweisbar. Buchstaben, JH & Zoon: nicht nachweisbar, jedoch von dem bekannten Papiermacher Jan Honig und Sohn.
Umfang: 6 Bl.
Seitennummerierung: Moderne Bleistiftfoliierung.
Lagenstruktur: III (6).
Seiteneinrichtung: 27 × 18–19 cm. 42–44 Zeilen.
Hände: Antiqua von einer Hand mit Nachträgen.
Entstehung der Handschrift: Das Verzeichnis ist eine später um einige bibliographische Angaben ergänzte Abschrift eines Verzeichnisses, das kurz vor der Übergabe der Bücher an die neugegründete Universitätsbibliothek in Kiel entstanden war.
Erwerb der Handschrift: Der Kieler Bibliothekar Heinz Seyboth nahm auf der Versoseite des zweiten Vorsatzes Anmerkungen zum Nachweis der Bücher in diversen Katalogen vor.
Inhalt:
1. 1r–6v Catalogus bibliothecae Bordesholmensis. I. D. Thomae Aquinatis continua in quatuor evangelistas glossa impressa Nürnberge per providum virum Antonium Coberger anno dominicae incarnationis MCCCCLXXV die 8 Aug. … — … CCCXXI. Nicolai de Nusse sermones per totum annum Rothomagi anno 1507. Acced. Aeneae Sylvii epistolae. Nurnberg 1496. Oratio de studio humanarum disciplinarum et laude poetarum extemporalis Jac. Locher Ulm. Die 321 Nummern und der ungezählte Nachtragsband sind in 17 Ordines gegliedert. Bei den Drucken wird der Ort und das Jahr der Herstellung angegeben, Handschriften werden als solche gekennzeichnet. Zahlreiche Ergänzungen in kleinerer Schrift zur Vervollständigung der bibliographischen Angaben, vgl. Cod. ms. Bord. 2c. Diverse Anstreichungen und Markierungen mit Bleistift, Kennzeichnung der Handschriften mit rotem Buntstift, blau für die Drucke, wahrscheinlich von Emil Steffenhagen.
Textgeschichte: Eine Abschrift in Cod. ms. Bord. 2c, mit ausführlichen Schlussschriften, aber im Buchbestand verkürzt in Eutin, Landesbibliothek, Ms. 63.
Edition
Literatur
  • R. Bülck, Geschichte der Kieler Universitätsbibliothek, hrsg. von W. Klüver, Eutin 1960, 4f.
  • Schnabel, 98, 327, 448f., 453, 472.

Abgekürzt zitierte Literatur

Bünz E. Bünz, Zwischen Kanonikerreform und Reformation. Anfänge, Blütezeit und Untergang der Augustiner-Chorherrenstifte Neumünster-Bordesholm und Segeberg (12. bis 16. Jahrhundert), Paring 2002 (Schriftenreihe der Akademie der Augustiner-Chorherren von Windesheim 7).
Dölling/Wischermann R. Dölling, E. M. Wischermann, Kiel, Universitätsbibliothek, in: Handbuch der Historischen Buchbestände, Bd. 1: Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, hrsg. von P. Raabe, Hildesheim 1996, 84–108
Franck Aufgeschlagen M. Franck u. a., Aufgeschlagen. Universitätsbibliothek Kiel öffnet ihre Buchschätze des Bordesholmer Klosters, Ausstellung 20.08.–27.09.2002, Kiel 2002 (Vorauspublikation aus dem Sammelband "Die Bibliothek des Augustinerchorherrenstifts Bordesholm". In Vorbereitung für 2003)
Glauben, Wissen, Leben Glauben, Wissen, Leben. Klöster in Schleswig-Holstein, Ausstellungsbegleitband, Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek, hrsg. von Jens Ahlers u. a., Kiel 2011
Kock T. Kock, Die Buchkultur der Devotio moderna. Handschriftenproduktion, Literaturversorgung und Bibliotheksaufbau im Zeitalter des Medienwechsels, Frankfurt/M. 2002 (Tradition, Reform, Innovation. Studien zur Modernität des Mittelalters 2)
Krämer S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, Bd. 1–3, München 1989–1990 (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Ergänzungsband 1)
Merzdorf J. F. L. Th. Merzdorf, Bibliothekarische Unterhaltungen. Neue Sammlung, Oldenburg 1850
Monasticon Windeshemense Monasticon Windeshemense, Bd. 2: Deutsches Sprachgebiet, hrsg. von W. Kohl, E. Persoons und A. G. Weiler, Brüssel 1977 (Archives et bibliothèques de Belgique, Numéro spécial 16)
Piccard-Online Piccard-Online. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 340 (http://www.piccard-online.de)
Ratjen H. Ratjen, Zur Geschichte der Kieler Universitätsbibliothek. Schriften der Universität zu Kiel 1862–1863, Kiel 1862–1863 (Programm zum Geburtstage Frederiks VII.)
Ratjen Handschriften H. Ratjen, Verzeichniss der Handschriften der Kieler Universitätsbibliothek, welche die Herzogthümer Schleswig und Holstein betreffen, Bd. 1: Die Handschriften zur allgemeinen Geschichte, Kiel 1858
Steffenhagen E. Steffenhagen, Die Klosterbibliothek zu Bordesholm und die Gottorfer Bibliothek. Zwei bibliographische Untersuchungen, in: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holstein-Lauenburgische Geschichte 13 (1883), 66–142
Stork H.-W. Stork, Die Bibliothek des Augustinerchorherrenstifts Neumünster-Bordesholm, in: Zur Erforschung mittelalterlicher Bibliotheken. Chancen – Entwicklungen – Perspektiven, hrsg. von A. Rapp und M. Embach, Frankfurt/M. 2009 (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, Sonderband 97), 396–420
Stork Handschriftenbestände H.-W. Stork, Handschriftenbestände in Schloß Gottorf aus Cismar, Lügum und Bordesholm, in: Auskunft 28,1 (2008), 43–57.
Wischermann E. M. Wischermann, Der Bordesholmer Bestand in der Universitätsbibliothek Kiel, in: Christiana Albertina. Forschungen und Berichte aus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 54 (2002), S. 43–52

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