Transkription

Theatrum Novum Politico-Historicum
|| [ID00001]
|| [ID00002]
|| [ID00003]
|| [ID00004]
|| [ID00005]
|| [ID00006]
|| [ID00007]
THEATRUM NOVUM POLITICO-HISTORICUM, Das ist: Eine gründliche und aus führliche Erzehlüng Alles dessen / Was sich in dem 1686. Jahr auff diesem kugelrunden Welt-Gebäu an allen Orten und Enden zu Wasser und Land denck- und schreibwürdiges zugetragen und begeben hat. Worinnen / nebst einer gantz genauen Entwerffung deß Königreichs Ungarn / viel curiose und nutz bare Materien von politischen Staats-Gründen und klugen Sittenlehren / allerhand nachdenckliche Begebenheiten von erfreulichen Glücks- und entsetzlichen Unglücks-Fällen / verschiedene remarquable Fügnussen von heroischen Lob- und schandbaren Greuel-Thaten zu finden seynd. Alles aus überschickten glaubwürdigen Advisen und briefflichen Urkundten heraus gezogen / und mit nutzlichen Marginalien verschen. Würtzburg / In Verlegung Quirini Heyls / Hof- und Academischen Buchhändlers.
|| [ID00008]
|| [ID00009]
Vorrede. Historien verzeichnen / Geschichten verfassen / Großg. geneigter Leser / ist so alt als neu: so löblich als angenehm: so rühm- als nützlich; Zu dessen Beweißthum dienet unsere eigene Vernunfft / die ohne Antrieb zur Beobachtung der geschehenen und ohne Nachforschung der künfftigen Dingen ein lauter dummes und Idiotisches Wesen bliebe / ohne die geringste Hoffnung / uns dermaleins zur anständigen Perfection zu verhelffen; das Liecht hierzu praesentiren die Studia, welche vermittels Subtilisirung deß Verstands den Menschen capabel machen mit der Zeit grosse Ding zu vollbringen. Ich überreiche hiemit dem günstigen Leser ein schwaches Wercklein von einem stumpffen Federkiel entworffen / damit vorstellend und entdeckend alle Denckwürdigkeiten / so in den ersten 6. Monaten deß 1686. Jahrs in der Welt hin und wieder sich ereignet und begeben haben: Ich lebe hierbey der tröstlichen Zuversicht / daß obgleich dieses Wercklein / wie gedacht / an sich selbst schlecht und gering ist / es doch seine gewisse Liebhaber gewinnen werde; und solches umb so viel destomehr / weilens von allerhand [ID00010] theils Sachen von nicht geringer importanz tractiret und handlet; man wird das heut zu Tag im Krieg begriffene Königreich Ungarn hierinnen recht ausführlich beschrieben finden: man wird lesen von vielen tapffern Kriegs-A???tionen / heroischen Unternehmungen / kühngefasten Resolutionen / wohl-vollführten Anschlägen / rühmlichst zu werck gerichten entreprisen, sinnreichen Stratagematen / nachdencklichen Kriegslisten / künstlich ersonnenen Feuerwercken / wichtigen Belagerungen und geschwinden Eroberungen / die so???l in Ungarn als dem Königreich Podolien / Morea / Dalmatien und anderer Orten mehr von den Christen gegen die Türcken werckstellig gemacht worden seynd. Man wird ergründen die heimliche maximen, das eigentliche interesse und die politische Staats-Gründe hoher Potentaten; wobey unschwehr zu ersehen / daß die Cron Franckreich aus solcher Fundamental-Regul bewogen worden / die so genante Hugenotten aus dero Königreich zu extirpiren und auszurotten / deme zu gleichem End der Herßog von Savoyen in Ruinirung der Lucerner Thal-Leut gefolget ist. Man wird rencontriren gantze Städte / so im Rauch auffgegangen / gantze Landschafften / so durch Vngewitter verdorben / viele Schiffe / so durch Sturmwind zu Grund gegangen Man wird zu vernehmen haben von Vnholden / so viel Vnsternangerichtet / von Gespensten / so die Leut tribuliret / von dem leidigen [ID00011] Sathan selbst / der ein und andern Bößwicht in der Lufft weggeführet hat. Man wird antreffen wunderbare Zeichen / so am Firmament erschienen / seltzame Gesichte / so den Traumenden im Schlaff vorgekommen seynd. Endlich wird man erstaunen ob den abscheulichen und grausamen Greuel- Schand- und Mordthaten / so hin und wieder verübet und vollbracht worden seynd. Im übrigen werde ich bey künfftiger Continuation dieses meines Theatri Politico-Historici das gantze Ottomannische Reich (so weit es der jetzige Sultan in possession hat) vor die Hand nehmen / und davon dem geneigten Leser ausführlichen Bericht erstatten. ???omit denselben immittels zu Gottes treuem Schutz / sich aber zu dessen Gunst und Gewogenheit empfihlet der AUTOR.
|| [1]

THEATRI NOVI POLITICO - HISTORICI
[arrow up]

Erster Theil / In welchem zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige Begebenheiten / so sich im Monat Januario deß 1686 sten Jahrs in der gantzen Welt zu Wasser und Land ereignet haben.

Das erste Capitel
[arrow up]

Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien sowol als in Boheim / Mähren / Schlesien / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und begeben hat. O???bwoln beynahe männiglich im Wahn gestanden / es werde der blutdürstige Menschen-feind / und (Eingang in die Käpserl. Geschichten.) tollkühne eisenbeisserische Kriegs-Gott Mars (nach dem er in diesem Seculo schon so viel Millionen Unglücks in dem herrlichen Europa gestifftet) dermaleins sich zur Ruhe begeben / und sein scharpffschneidendes Mord-schwerdt in die Scheiden stecken; so muß man nichts desto weniger mit nicht geringem Hertzenleyd erfahren und warnehmen / wie daß / als [2] selbiger vor einigen wenig Jahren die Gegend von Occident abandonitt, er damit nichts anders als sedem belli mutirt, und in Orient trànsferirt hat. (Mars kebret von Occident gegen Orient) Mit was vor einem schröcklichen comitat aber von mehr als höll- oder teuffelischen furien begleitet er von Ungarn gegen Teutschland gekehret / und was vor schröcklichen Jammer er daselbsten angerichtet / ist hell am Tag; die viele tausend in die ewige Sclaverey geführte Christen-Menschen können die warhaffteste Zeugnuß geben / wie grausam die henckermässige Tartarn und (Hauset erbärmlich in Oesterreich.) Türcken in dem Leyd- und Freuden-Jahr 1683. in dem schönen Oesterreich verfahren seynd / die grosse Hauffen Gebein der Erschlagenen / und der Brandstätt so vieler eingeäscherten namhafften Plätzen und Oerter seynd und bleiben entsetzliche Merck- und Denckmahlen von diesen Höllengästen vor die Nachkömmlingschafft; Genug ist / und zu sonderm Trost soll uns (Wird durch die Hülff Gottes daraus vertrieden.) im̅ittelst dienen / daß der allmächtige GOtt eben noch in vorbemeldtem Jahr seiner in tausend Aengsten geschwebter Christenheit zu Hülff kommen / selbiger Hertz und Muth eingegeben / vermög dessen dieses Sathans - Geschmeiß verjagt / verfolgt / und so zerstreuet worden / daß es noch biß dato (darvor GOtt unendlicher Danck gesagt sey) nicht wieder zum Stand kommen (Der Käpser nimmet an Macht immer zu / und erobert viel namhaffte Plätz.) können. Weilen nun der Allerhöchste Jhro Käyserl. Majest Waffen bißhero so gesegnet / und vermittels Eroberung so vieler namhafften Plätz den Käyserl. Lorbeerbaum dergestalten bezweiget / daß er schon hundertfältige Frucht herfür zubringen beginnet: als ist man an diesem Hof auch eyferigst dahin bedacht / wie selbiger nicht allein vest gesetzet / und künfftighin in seinem bißherigen Wachsthum und Grüne erhalten / sondern auch sich vermehren / und immer blühen möge; zu dem Ende das Wasser zur nöthigen Befeuchtigung / ich will sagen / das Geld zu behöriger Fortsetzung des Kriegs mit nichten gespahrt wird / wie dann gleich mit Anfang dieses Monats aus dem Käyserl. Hof-Kriegs-Zahl-Amt 3. mit contanten beladene Wägen nacher Ungarn abgeführt worden / damit die dasige Soldatesca zu erquicken / und zu neuen Entreprisen zu encouragiren, so seynd auch zu Erkauffung Bomben / Carcassen / und grossen Granaten / wie nicht weniger zu Bestellung des nöthigen Proviants und Munition aus den geistlichen Contributions-Geldern 300000 fl. von denen Päbstlichen Herrn Com̅issarien dem Herrn General Kriegs-Commissario assignitt worden / also daß in Krafft der Käyserl. Resolution man vest dahin collimirt, so bald nur die Cavallerie im Feld wird stehen können / mit den Armeen / deren 3. seyn werden / in Campagne zu rucken. (Der Türck.) Der vom Vezier von Ofen ratione pacis an Käyserl. Hof abgeschickte (Aga gebet) Aga ist mit dieser Antwort an besagten Vezier wieder zurück remittirt [3] worden / daß Jhro Käyserl. Majest. in keine Friedens-Tractaten mit der Ottomanischen Pforten sich einlassen könne / bevor dieselbe mit den andern (unverrichter Sachen wieder nach Ofen.) Christlichen hohen Allji???rten sich unterreden / und ratione dandae satisfactionis etwas gewisses beylegen und sich erklären werde: sonsten seye man disseits nicht dargegen / den ex parte gemeldter Pforten gesuchten Frieden (im Fall dieselbe ein gewisse Satisfaction über die schwere Kriegs-Unkosten und zugefügten Schaden geben werde) zu amplectiren. Entzwischen seynd 10000. Mann Ungarn in dem Fürstenthum Siebenbürgen biß auff Clausenburg einquartirt worden / und wird von dar berichtet / daß die Lebens mittel daselbsten sehr eng zusammen gehen. Sonsten haben Jhro Käyserl. Majest anbefohlen / daß alle künfftige geheime Türckische affairen durch dero Ober-Dollmetscher Meinintsky alleinig (Ein Frantzös. Abgesaudter komt zu Wien an.) expedirt werden / und durch seine Händ gehen sollen; So ist auch der lang erwartete Frantzösische Extraordinari Envoye Graf von Vaugoyon, so am Käyserl. Hof verbleiben soll / bereits ankommen / welcher sich aber noch incognito auffhält / von dessen Einzug und Anbringen man vielleicht mit nächstem mehrere materi zu schreiben haben wird. So finden sich auch die anhero ???itirte Nieder-Oesterreichische Landstände und Adel zu der angestellten jährlichen Landtags-Proposition schon häuffig ein. Mithin wurde den 6. bey Hof Jhro Majest. der regierenden Käyserin Gebuhrtstag in höchster Galla mit einer stattlichen Comödi und schöner (Die Türcken werden bey und in Arrath von den unsrigen geschlagen.) Music celebrirt, auff welchen Tag ein Obrist-Leutenant vom Mercyschen Regiment aus Ober-Ungarn arrivirt, welcher 15. grosse und kleine Türckische Fahnen nebst 2. Paucken / so in einer rencontre bey und in Arrath von denen unsrigen denen Türcken abgenommen worden / mitgebracht / wovon im andern Capitel von Ungarischen Geschichten ein ausführlicher Bericht erstattet werden soll. Es wurde unterdessen über die künfftige Kriegs-Operationes (Grosser Kriegsrath gebalten.) eyserig consultirt, und giengen der führnehmsten Kriegs-Erfahrnen räthliche Gutachten dahin / daß man gleich mit Eingang der künfftigen Campagne die Vestung Erla und zugleich Stulweissenburg anfallen solte / damit sodann die Belägerung von der Haupt- und Königlichen Residentz-Stadt Ofen desto sicherer eingerichtet / und zwar durch Eroberung Erla das Ober-Ungarn bedecket / und durch Gewinnung Stulweissenburg disseits Oesterreich in Sicherheit gesetzet werden möchte; Andere aber raisoniren, daß wann man durch Zwang der nach der neuen invention von besagtem Spannischen Feuerwercker verfertigten Bomben und Carcassen diesen importanten Platz zuerst zur Ubergab brächte / müsten sodann alle andere [4] Oerther von selbsten fallen / was nun von beyden beliebet wird / sieht künfftig zu hören. Nebst denen Kriegs-deliberationen ist man auch continuo bemühet / (Die geistliche Contributions-gelder werden flarck eingetrieben.) grosse Geldsummen auffzubringen / umb die benötigte Spesen zu bevorstehenden sehr kostbahren Krieg an die hand zu schaffen / wie dann auch mit Einforderung der geistlichen Contributionen durch die Päbstl. Hrn. Commissarien / mit einem sehr nachtrücklichen sorgtragenden Eiffer wird fortgefahren / und werden alle eingehende Gelter zu Beförderung der Kriegssachen gleich angelegt / auch zu fortsetzung der erforderlichen nothwendigkeiten continuirt / umb zu künfftiger Campagne ein merckliche summa in reserva zu behalten. Den 7. dito ergieng Käyserl. Ordre / den bekandten Syrmai (so deß (Deß Teckell gebeimer Rath Syrmai wird stärcker verwacht.) Teckeli geheimer Rath / und vornehmster negotiant an der Ottomannischen Pforten gewesen / aber vor ohngefehr 3. Monat den Käys. Perdon angenommen / und Gnad gesuchet / so ihme auch auff gewisse weiß versprochen / jedoch vermittels einer stäts bestellten Wacht auff seine actiones ein genaue Obsicht gehalten worden) etwas stärcker zu bewachen; die ursach dessen war ohnbekant. (Käps. Maj. fällen 80. wilde schwein auff der Jagd.) Den 8. dito fuhren beyde regierende Käyserl. Majest. mit dem Churpfältzischen Erbprintzen nach Orth auff eine Schwein-Jagt / und fälleten über 80. stück / dieweil dieses Wilds im Land eine grosse Menge war / und viel schaden that. Den 9. dito wurde bey Hoff in der Käyserl. Ritterstub / denen Landständen und Adel durch den Hoff-Cantzler Baron von Strattmann mit einer schönen Oration die Landstags-Proposition in gegenwart Ihro Käys. Majest. vorgetragen / und begehrten höchstgedachte Ihro Käyserl. Majest. von diesem Ertz-Hertzogthumb Oesterrich / was vor einem Jahr gegeben worden. (Es wird alles zu einem f???übzeitigen Feldzug veranftaltet.) Indessen wird an vielen Orthen an praeparirung allerley Feuerwerck gearbeitet / und ist zu dem Ende der Spannische Constabler wieder in Mähren abgeschickt worden / umb etliche 1000. neue Bomben und Granaten zu giessen / auch fähret man fort eine grosse quantität Victualien und fourage zu kauffen / darmit alle Ungarische Magazins bestens zu versehen / deßgleichen ist man in Außzahlung der Recrutengelter sehr beschäfftiget / und sollen alle Regimenter bey anfang Aprilis völlig complet stehen. (Herr Gene???al Merey be???hrt 2000.) Der jüngst von Hrn. General Mercy angelangte Obrist-Leutenant Marquis Bassonpierre, soll unter andern im Namen seines Principalen 2000. Mann Tragoner und Fußvolck zum Succurs praetendiren / so dann in [5] Conjunction deren Ungarn einen Versuch auf Chiula zu tentiren willens seyn / mit Hoffnung gemeldtes Ort in etlichen Tagen zur Ubergab zu vermögen / weiln nicht allein die Garnison daselbsten wegen erlittener Niderlag zu Arrath (Mann Succurs.) sehr geschwächt / sondern solche auch einen grossen Schrecken unter denen Türcken causirt habe / zu welchem Dessein alles in Bereitschafft stehe und nur den Käyserl. Consens erwarte. Es gieng immittels bey Hoff der gemeine Ruff / daß sowohl mit Chur-Sachsen (Mit Chur-Sachsen und Brandenb. ist auf 15000. mann capitulirt.) als Brandenburg die Capitulation wegen Ubernehmung 15000. Mann Auxiliar-Völcker geschlossen / so in dem Monat Majo in denen Käyserl. Erb-Landen erwartet würden. Deßgleichen fetzet man das gute Vertrauen auff den Fürsten in Siebenbürgen / mit dessen 3. Abgesandten / welche den 11. dito mit einem Gefolg von 20. Personen dah er arrivirt seynd / etwas fruchtbahr- und nutzliches abzuhandlen und zu schliessen / von dero ihnen auffgetragenen Commission man zwar noch nichts gewisses (Eine Siebenbürgische Gesandschaft zu Wien augelangt.) berichten kan; Es wil aber doch allerdings gewiß scheinen / daß sie eine Alliantz mit Ihro Käyserl. Majest. auffrichten werden / und da es dann den Zweck erreichen solte / würde man dieserseits ben???thiget seyn / eine merckliche Armee in Ungarn bey künfftiger Campagne zu halten / und allem vermuthen nach die Vestung Großwardein anzufallen. Wie sonsten Herr General Feldmarschall Caprara aus Ungarn berichtet / so erwartet er nur ein beständig frostiges Wetter umb die noch eintzig überbliebene Teckelische oder Ragotzische Haupt-Vestung Montgatich zu bombardiren / und selbige bißhero geführte Bloquada in eine formal-Belägerung (General Caprara wil mongatsch delägern.) zu transferiren / worauff Ihro Käyserl. Majest. sehr starck tringen / umb diese Vestung noch vor angehender Campagne in seiner devotion zu haben / weiln zu förchten stehet / daß der Teckeli gegen den Frühling mit einer Armee in Ober-Ungarn kommen möchte / umb den Orth zu entsetzen. Man machet grosse Magazin / so in Ober-Ungarn / als an der Donau / und in Croatien / an welchem letzten Orth das Proviant gar considerabel seyn wird / weil man gesinnet ist / allda eine grosse Armee auffzurichten / umb die Essecker Brücken nicht allein zu ruiniren / sondern auch den Ort zu mainteniren. Man versichert / daß der Churfürst aus Bäyren in Gesellschafft (Der Chur fürft aus Bäpern wird mit Graff Ernst von Stare???berg die Armee in Croaten commanderen.) deß Grafen Ernst von Starenberg die Armee allda wird commandiren / an statt deß Generals von Leßlie / weiln dessen grosses Alter und podagrämische incommoditäten verhindern / daß er sich weiter in Ihr. Majest. Diensten nicht kan brauchen lassen. Die Campagne wird mit Belägerung Erlau angefangen werden / welche Vestung man mit aller Gewalt bombardiren und belägern wil / und darauff die Vestung Stulweissenburg atta [6] quiren / und wann man darauff die Türcken zur Battallie wird bringen können / oder die Brück von Esseck emportirt haben / so wird man alsdann die Haupistatt Ofen recht angreiffen / und dieselbe suchen zu emportiren / so durch das Feuer / als miniren Der Spannische Ingeoiur wil vor allen Vestungen eine particular-Batterie auffrichten lassen / worauff er 12. stück und 12. Mörsel von seiner invention vor sich gebrauchen wil. (Recruten-Gelder belauffen sich diß Jahr auf 500000. fl.) Die Recruten-Gelter belauffen sich diß Jahr nur auff 500000. flan statt sie vor einem Jahr sich auff 1800000. erstrecket / welches eine grosst avantage vor uns ist / wie auch / daß in Ober-Ungarn und Siebenbürgen jetzund 32. Käyserl Regimenter stehen / welche meistentheils vor einem Jahr in den Käyserl. Erblanden einlogirt gewesen: so zweiffelt man nicht / daß diese Länder dieses Jahr deßwegen ein mehrers zu der Kriegs-Cassa werden contribuiren können / ohne das jenige / was der Pabst schon gegeben / und noch ferner verspricht / so daß man mit weniger Difficultät und mehr avantage den Krieg wild prosequiren können. Allhier höret und sihet man fast nichts anders als Berathschlagungen zu dem frühzeitigen Feldzug / und weiln der Donaustrohm Gott lob noch offen / so seyn continuirlich Zufuhren von allerley Proviant und Munition zu sehen / damit nur alles in Bereitschafft seye / und an nichts ermang???e. Den 12. haben Jhr. Durchl. der Churprintz zu Pfaltz in der Käyserl. Ante-Camera von Jh. Käyserl. Majest. das güldne Vliß empfangen. Die von dem Sirmay an die Teckelin durch heimliche Practiquen abgeschickte / und dann intercipirte Schreiben enthalten so viel in sich / daß er sowohl jetzt ermelde Teckelin / als die in der Vestung Mongatsch subsistirende Haupt-Rebellen zu einer beständigen Gegenwähr und Defension anfrischel / mit dieser beygefügten Erinnerung / daß durch Gewinnung der Zeit ein grosser Vottheil herfürbrechen / und der jetzige rerum status eine uhrplötzliche Veränderung eröffnen möchte: diese nun von solch vermessenem Menschen verübte / und aus seinem original-Schreiben klar erhellte Treulosigkeit ist von Jh. Käyserl. Majest-sehr empfindlich auffgenommen / und derentwillen der delinquent biß auff weitern Käyserl. Befelch und disposition nacher (Der bekante Sirmay wird nacher Glatz auffs Schloß gefänglich geführt.) Glatz / pro interim auff daselbstiges Schloß in die Gesängnus gesetzt worden / wie es ferner mit ihm ablauffen wird / gibt die Zeit. Der Petrozzi hält sich noch in Siebenbürgen auff / und weiln seine meiste Güter sub rigote fisci erligen / als ermanglet derselbe nicht / durch seinen allhier anwesenden Abgeordneten die restitution alles fleisses sollicitiren zu lassen. Jhr Exell. Hr. General Mar von Starenberg / welchen seine Chursfl. Durchl. zu
|| [7]
Pfaltz zu commandirung deren Trouppen begehrt / sollicitiren anbey dero Käyserl. Regiment / so zu Philipsburg in Guarnison ligt / zu behalten. Den 16. dito hat zwar aller gemachten Anstalt nach der Churprintz zu Pfaltz von hier abreisen sollen / nachdeme aber dero Gemahlin in eine Unpäßlichkeit gefallen / ist solche wiederum in etwas differirt worden / und (Die Siebenbürg. Gesanden begehren limitirung der einquartirten Völcker.) dörffte dem Verlaut nach / noch wol 3. Wochen außgestellet bleiben. Die Siebenbürgische Gesandschafft hat ihre Commission dem Käys. Kriegs-Präsidenten Marggraff von Baaden praeliminariter eröffnet / so dahin gehet / wie dann bereits vorlängst berichtet / daß die an denen eussersten Gräntzen von Ober-Ungarn gelegene / und zu Siebenbürgen gehörige 4. Gespannschafften / von der Käyserl. Einquartirung befreyet werden / und ihren Principalen kein so nachtheiliger Eingrieff in seiner Jurisdiction geschehen / oder doch wenigstens eine so grosse Last mercklich moderirt werden möchte: wie nun aber dieses von seiten deß Käyserl. Hofes vor eine ohnumbgängliche Nothdurfft gehalten / also wird über das / was bereits geschehen / man suchen / sich noch weiter capax zu machen / mit Vorstellung / daß dieses nicht eben vor einigen Eingrieff in denen ihren Principalen competirenden praerogationen anzunehmen; besagte Gesandschafft bestehet sonst in 4. Principal-Personen oder subjectis, als einer von dem Fürsten selbften / der andere von den Zäcklern / der dritte von den Teutschen und Sachsen / der vierdte von den Ungarn. Den 17. dito haben Jh. Käys. Majest. in dero Hoffkirchen bey denen P. P. Augustinern ein schön Castrum Doloris auffrichten lassen / so von allerhand Kriegs-Figuren / Schildfahnen / Lorbeerkräntzen und Ehren-Gedichten gezieret war / und vergangenen Dienstag ein Seel- und Bett-Ampt vor die Soldaten / welche verwichene Campagne gegen dem Erbfeind geblieben / angestellt / und selbst in höchster Person dem H. Gottesdienst beygewohnet. Eodem dato ist von Berlin ein Currier angelangt / so die Specification (Specification der Braudenburgischen Auxiliar-Volcker.) selbiger Auxiliar-Völcker überbracht / und bestehet der General-Stab in 50. Persohnen / die Artillerie in 170. die Infanterie 5113. die Cavallerie 1220. die Dragoner 712. Summa in allem 7465. Mann / welche Herr General von Schöningen / Gouverneur zu Berlin commandiren wird. Ingleichem werden auch über diß noch etliche Feuerwercker / Stück / Mörsel und Munition mitgeschickt / der Marsch dieser Völcker wird zu anfang deß Aprils / damit sie bey der ersten Attaque seyn mögen / vorgenommen werden / die Subsistentz (welche Jh. Churfl. Durchl. auff eigene Spesen / gegen Erlegung 150000 Reichsthl. herbey zu schaffen sich obligirt) ist à primo [8] May biß ultimo Octobris verglichen / und wird dero Churfürstl. Durchl. General-Commissarius ehistens hieher kommen / damit er alle Anstalten dar zu proepariren möge. (Der Donaustrohm wird gesäudert.) Dieser Zeit war der Donaustrohm zu Wien so klein / daß man nichts auff dem Wasser zu dieser Stadt bringen können / dahero man 2000. Personen vom Land genommen / daß sie den Arm etwas vertieffern und ausraumen / damit das Wosser wieder wie vorhero seinen Lauff haben möchte. Jh. Durchl. Ertz-Hertzogin Mariana vermählte Chur-Princessin zu Pfaltz ist mit einer frühzeitigen Leibsfrucht / so ein Printz gewesen / beunglücket worden / dahero bey Hoff die Galla, welche wegen Jh. Durchl. der Churfürstin in Bayern Gebuhrtstag hätte sollen celebrirt werden / und gleich dazumalen (Deß Extraordinari Frantzös. Enbvoye erste / und des Siebenbürgische̅ Abgeordneten zweyte Audientz bey Jb Käyserl. Majest.) eingefallen / differirt worden. Der Frantzös. Extraordinari-Envoye hat nunmehro seine erste Audientz bey Jh. Käyserl. Maj. gehabt / dessen Vorbringen war noch dato in lauter Complimenten und Gratulirungen; Deßgleichen seynd die Siebenbürgischen Gesandten zum andernmal zur Käyserl Audientz kommen / und haben bey höchstgedacht Jh. Käys. Maj. die ihnen auffgetragene Commission eröffnet / praetendiren, daß die in denen 4. Siebenbürgischen Gespanschafften einquartirte Käyserl. Militz revocirt, damit die Einwohner in etwas sublevirt werden möchten / versichern hingegen anderwärtige Satisfaction zu leisten / mit Versprechen / wo möglich den Moldau- und Wallachischen Fürsten auff Käyserl. Seiten zu bringen / und solle auch ehestens Herr Graf Schaffgotsch von Breßlau mit Käyserl. Commission zu erst-bemeldten beeden Fürsten abgeordnet werden. Obgleich sonst Jh. Käyserl. Majest. allerdings versichert leben / daß einige Chur- und Fürsten deß Reichs merckliche Hülff auff die nächst-eingehende Campagne in (Jb. Käpserl. Wajest. geben Patenta 4000. Fußganger werben zu lassen.) Ungarn weder den gemeinen Erbfeind Christlichen Namens abschicken werden / so seynd dieselbe / dessen alles unangesehen / entschlossen / noch 4000. Fußgänger zu Verstärckung Jhrer Haupt-Armee / und darumb soviel sicherer Bewerckstelligung Jhres habenden Absehens der künfftigen Kriegs-Operationen, ausser der schon stehenden Regimentern und Recrouten / eheft zu werben / welche dann bey Eingang der Campagne complet seyn / und auch bey dem General-Rendevous gestellt werden sollen. Indessen werden die Magazinhäuser an verschiedenen Orten auffgerichtet / damit an den Kriegs-Opertionibus man nichts gehindert werden möchte. Man hat endlich durch die geheime Correspondentz von Ofen diese Nachricht erhalten / daß die bey Arrath von den Türcken erlittene Niederlag / einer so ansehnlichen Soldatesca / Proviant und Munition eine so grosse Forcht und Gemüths-Bestürtzung in selbiger Gegend / ja so gar zu Griechisch-Weissenburg er [9] wecket / daß sie nicht allein bey 40. Pallancken und veste Schlösser urplötzlich verlassen / sondern auch von Temeswar / Gyula / und Griechischweissenburg weiter in die Türckey ihre beste Sachen zu salviren angefangen / und (Die Türcken verlassen 40. Pallancken und veste Schlösser.) bey erhaltener Nachricht / daß die Ungarn bey selbiger Action grosse Tapfferkeit erwiesen / hätten sie den Teckeli in eine schärpffere Gefängnuß auff dem Castell zu Griechischweissenburg geworffen. Die Chur-Sächsische Tractaten wegen der Türckenhülffe werden in kurtzem auch zu einem würcklichen (4. biß 5000. Mann werden umb die Bezahlung von denen Reichs-Fürsten übernommen.) Schluß gebracht werden / und werden über dieses 4. biß 5000. Mann von andern Reichs-Fürsten gegen baarer Bezahlung übernommen werden / umb auff all Fäll das jenige / was von der Armee abgehet / jedesmal gleich wieder ersetzen zu können. Seine Durchl der Ertz-Hertzog delectiren sich offtermalen mit unterschiedlichen Cavalliern in dem Käyserl. Lustgarten / unter dem Pratter mit (Der Churfürß in Bayern lässet 2. grosse Magazinbänser nächst der Donau zu Wien und zu Preßburg auffrichten.) jungen wilden Schwein- und Hasen-hetzen. Ih. Churfürstl. Durchl. in Bayern haben dahier bey der Donau ein groß Magazinhauß auffgerichtet / und viel 1000. Faß Meel und Habern darein gelegt / und wollen noch eins darzu verfertigen lassen / ingleichem wird auch zu Preßburg vor hochgedacht Ih. Churfl. Durchl. ein stattlich Magazinhauß proeparirt. Sonsten hat man dieser Tagen ein kostbar Forniment von Pferd-Gezeng wie auch Säbel und Pusican / welche An. 1682. der Groß-Sultan dem Teckeli / als dieser jenem das Juramentum Fidelitatis geschworen / und das Königreich Ungarn in Türckischen Gewalt zu lieffern versprochen / durch den Vezier zu Ofen überreichen lassen / und jüngst bey Eroberung Regetz überkom̅en worden / allhier bey Hof offentlich gezeiget. Den 26. dito waren Ih. Käyserl Majest. sam̅t beeden Han̅overischen Pringtzen und andern Cavalliern zu Laxenburg auff einer Vögel- und Reiherpaitz / haben sich aber zu Nachts wieder dahier eingefunden. Mit denen Siebenbürgischen Gesandten werden geheime Commissionen abgehandelt / darzu einige Commissarien von der Ungarischen Cantzeley denominirt seynd. Vorgestern ist Herr General von Scherpffenberg nebst Herrn Baron de Asly (Segetin wird von den unfrigeneingenommen / alles darinn niedergemacht / und eingeäschert.) aus Ober-Ungarn auff der Post arrivirt, der letztere berichtet / daß die unsrige die Stadt Segetin überstiegen / alles was sie darinn gefunden / niedergemacht / und ausgeplündert / es hat sich aber dasige Türckische Guarnison in das Schloß reterirt / und darinn dergestalt defendirt, daß man solches zu erobern gezweiffelt / dahero man die Stadt in Brand gesteckt / und verlassen müssen / und mit etlichen Pferden / Cameelen / Proviant und Victualien sich wieder zuruck nach Zollnock begeben. So ist auch der Petnehast zu Caschau beym Herrn Feld-Marschall Caprara ankommen / welchem ein [10] güldene Ketten und Gnaden-Pfenning / weilen er sich zu Arrath so tapffer gehalten / im Namen Ihro Käyserl. Majestät verehrt worden / berichtet eben dieses / und daß der Herr General Heußler gar nicht blessirt seye. Man ist bey hiesigem Hof beschäfftigt / dem Herrn Feld-Marschal Caprara eine ansehnliche Summa Gelds zu übermachen / dessen Militz damit zu contentiren / und erwartet man nun bey eingefallener Kälte stündlich die Formal-Attaque Mongatsch vorzunehmen. (Petnehast wird von Ih. Käpserl. Majest. herrlich beschencket.) Zu Bezeugung der von dem Petnehast / seither derselbe von dem Teckeli abgefallen / und in den Gehorsam seines natürlichen Herrns und Landfürsten getretten / erwiesenen ersprießlichen Kriegsdiensten / haben Ih. Käys. Majest. eine kostbare Diamantene Rosen / sam̅t einem Reyerbuschen von 2000. Rhlr. werth / demselben verehren lassen: Nicht weniger auch der hiesige Päbstliche Nuntins Cardinal Bonvisius mit einer ansehnlichen güldenen Ketten vor 200. Ducaten werth in Ansehung dieser von ihme bißher praestirten hoch-preißlichen Kriegsdiensten denselben beschencket / mit angefügter-Versicherung / daß alle andere nachgehende von ihme zum besten der Christenheit leistende Diensten durch stattliche Verehrungen und Promissiones erkennet werden solten: Es wird nun allerdings confirmirt, daß deß Teckeli Hofmeister / welcher seinem Herrn in die Gefängnuß auch freywillig folgen wollen / zu Großwaradein mit verschiedenen / von ihme Teckeli an seine vorige Kriegs-Befelchshaber gegebenen Schreiben von Griechifchweissenburg ankommen / und von dem daselbstigen Bassa wohl tractirt / und alle Assistentz auff Befehl der Ottomanischen Porta versprochen worden: (Deß Teckeli Hofmeister laboriret die abgefallene Ungarn wieder zu sich zu locken.) Ermeldter Hofmeister seye darobl die vorige Teckelische Adhaerenten zu persuaditen, und in den Glauben zu setzen / daß der Teckeli wol ehist mit einer ansehnlichen Türckischen und Tartarischen Kriegsmacht / die Vestung Mongatsch von der jetzigen Blocquirung befreyen / und das ihme von der Ottomanischen Porta verliehene Fürstenthum Siebenbürgen antretten werde; Der Groß-Vezier wäre gantz rasend erkräncket / weilen sowol die Werbungen so schlecht von statten gehen / als auch weilen immerfort die consternationes und Auffruhr deß Volcks allenthalben anmachsen. Mit den Siebenbürgischen Abgesandten stehet man in Tractaten / und hoffet man / (Die Päbftl. Pro Commissarii haben 100000. fl. Recronten-Gelder geschossen.) die Sach zu einer Alliantz mit ihnen zu richten; Die Päbstlichen Hrn. Hrn. Commissarii haben mehrmalen 100000. Gulden zu Beschleunigung der Recrouten heraus gegeben / und weilen für nothwendig befunden worden / einen Abgesandten nach dem Moscowittischen Hof abzufertigen / als haben Ihro Käyserl. Majest. den Herrn Grafen von Nostitz / als jetzigen an dem Königlichen Schwedischen Hof subsistirenden Käyserlichen Envoye hier zu [11] resolvirt, und seynd bereits nothwendige requisita zu dieser Legation an denselben abgeschickt worden / mit diesem austrücklichen Befelch / alsobalden seine Reiß dorthin zu nehmen. Es will auch gäntzlich scheinen / daß unerachtet (Herr Graf Nostitz gebet als Abgesandter in Moscau.) der hiebevor von den Krauffleuten und andern darwider eingekommenen allerunterthänigsten Bitt und remonstrationen, die längst schon sub praelo geweste Polieey-Ordnung / vermög deren all excedirender Pracht eingestellt / nächster Tagen allhier publicirt werden soll. (Graf Berka gebet an unterschiedliche Italiänische Höf.) Der Graf von Berka hat Ordre bekommen / sich von Mantua an verschiedene andere Italiänische Höf zu begeben / und dahin zu sehen / damit die gesuchte freywillige Türcken-hülff ehistens mit Nachbruck erfolgen möge: und wird ein gleichmässiges von verschiedenen Reichs-Fürsten erwartet. Wegen deß Durchmarsches der Chur-Brandenburgischen Auxiliar-Trouppen wird in den Käyserlichen Erblanden Anstalt gemacht / und alles nach Möglichkeit so eingerichtet / daß es ohne sondere Beschwerde deß Landmanns geschehen möge. Der Churfürst in Bayern läst für seine Trouppen / so selbiger künfftig stellen / und wiederumb selbst commandiren wird / von allerhand Nothwendigkeiten eine grosse Quantität zusammen führen / und wird darfür gehalten / daß selbige in Sclavonien oder Croaten (Die abgefallene Vngarn werden von Käys. Mastrefflich begnadiget.) werden employrt werden: Der Käyserliche Hof suchet die zur Devotion getrettene Ungarn durch allerhand Gnaden-Bezeugungen mit güldenen Ketten und andern kostbaren Praesenten, auch Austheilung etlicher Monat-Sold unter die Gemeinen dergestalten zu verbinden / damit sie in der Treue beständig verharren mögen: und wird ihr valor, so sie in jüngster action bey Arrath bezeiget / sonderbar gerühmet. Man erwartet mit Verlangen / ob die beede Czaren in Moscau durch die Cron Polen zu der ligue wider die Ottomannische Porta werden zu disponiren seyn / und hofft man wenigstens dieses bey ihnen zu erhalten / daß die Moscowittisch Cossacken sich mit dem Mosilovv conjungiren möchten: welchen falls man gnugsam bastant seyn wird / denen Türckischen Waffen eine grosse Diversion zu machen.
|| [12]

Das ander Capitel
[arrow up]

Tractiret von Ungarisch-Siebenbürgisch-Croatisch-Türckisch-Moldauisch- und Wallachischen Geschichten. (Beschreibung vom Königreich Vngarn.) EHe und bevor wir mit Beschreibung der Ungarischen Geschichten fortfahren / wird vielleicht dem günstigen Leser nicht zuwider seyn / selbigem ein weitläuffigen Entwurff von besagtem Königreich vor Augen zu stellen / und das umb soviel desto mehrers / weilen es heutiges Tages in einen so blutigen Krieg / wie jedermann bekandt / begriffen und verwickelt ist / stehet also zu wissen / daß das Königreich Ungarn vorzeiten gewaltig groß gewesen / als dessen Gräntzen von dem schwartzen Meer biß auff Oesterreich / und von dem Königreich Polen an biß an das Adriatische oder Venetianische Meer sich erstrecket / und etliche herrliche Königreich unter sich gehabt hat / aber nach der Zeit hat es durch einheimische Krieg gewaltig abgenommen / also daß es seine Gräntzen umb ein merckliches einziehen müssen; und gräntzet heut zu tag gegen Mittag an Croatien und den Saustrohm / gegen Morgen an Siebenbürgen / gegen Mitternacht an das Carpatische Gebürg Polen und Mähren / gegen Abend aber an Oesterreich und Steyermarck. Durch die 2. grosse Ströhm Donau und Theise wird es in Ober- und Nieder-Ungarn getheilet / deren jenes sich nach Mitternacht gegen der Theiß ziehet / dieses aber an und unterhalb der Donau gegen Suden ligt / jenes gehört meistens den Christen annoch zu / und dieses stehet noch grössern Theils unter Türckischer Bottmässigkeit / so doch ob GOtt will / bey so schlechtem Zustand deß Türckischen Reichs vielleicht bald wieder in der Christen Hände verfallen möchte. Die gantze Länge dieses Königreichs von dem Ursprung der Theisse biß zum Ausgang der Muer wird auff sechzig Teutsche Meilen geschätzet / und an der situation deß Lands kan man sehen / daß die Breite fast eben so groß ist; Umb das Land desto besser zu guberniren, hat man es vor langer Zeit in 74. Graff- oder Gespanschafften (die mit Namen heissen: 1. Posoniensis. 2. Mosonienis. (Die Namen der 74. Gespanschafften.) 3. Jaurinensis. 4. Soproniensis. 5. Castri ferrei. 6. Varasdiensis. 7. Krisniensis. 8. Zagrabiensis. 9. Szaladiensis. 10. Posgainus. 11. Verociensis. 12. Valkoviensis. 13. Sirmiensis. 14. Simegiensis. 15. Boroviensis. 16. Komaromiensis. 17. Strigoniensis. 18. Nitrensis. 19. Barsiensis. 20. Trinziniensis. 21. Turotziensis. 22. Liptoviensis. 23. Scepusiensis. 24. Sarosiensis. 25. Gomoriensis. 26. Aubauyvariensis. 27. Tornensis. 28. Novigradensis. [13] 29. Pilisiensis. 30. Pestiensis. 31. Albaeregalis. 32. Baciensis. 33. Bodrogiensis. 34. Tolnensis. 35. Beregiensis. 36. Vgociensis. 37. Vespriniensis. 38. Zolnensis. 39. Arvensis. 40. Vngensis. 41. Zemliensis. 42. Kis Hevesiensis. 43. Nagy Hevesiensis. 44. Hontensis. 45. Zatmariensis. 46. Szabolciensis. 47. Kulso Szolnokiensis. 48. Torontalensis. 49. Czanadiensis. 50. Temesiensis. 51 Bereniensis. 52. Bekesiensis. 53. Zereniensis. 54. Solthiensis. 55. Czongraviensis. 56. Haronensis. 57. Maczoviensis. 58. Orbaciensis. 59. Krassoviensis. 60. Koviniensis. 61. Zebernekiensis. 62. Aradiensis. 63. Szarandiensis. 64. Baboriensis. 65. Kozep Szolnosiensis. 66. Karasnensis. 67. Maramorossensis. 68. Kolos. 69. Dobocensis. 70. Belsoszolnok. 71. Albensis. 72. Tordensis. 73. Kikellensis. 74. Huniadensis) eingetheilet / und hat man den jenigen / so über ein solche Graff- oder Spannschafft gesetzt worden / auff Ungarisch / Ispan genennet / dahero das Wort Gespannschafft entstanden / diese Comites oder Gespann seynd dreyerley / nehmlich Comites perpetui, stäts währende gebohrne Graffen / so dem König allein unterworffen. 2. Comites liberi, freye Graffen / als da seynd die Vrsini, Frangepani, Crupani. 3. Comites Parochiales, die so einer jeglichen Provintz vorstehen / und von dem König auff einrathen der Prälaten und Baronen in einer jeden Provintz oder Gespannschaff aus ihnen erwählt werden / die als Richter alle Monath den Adel ihres Gebiets zusammen beruffen / und in der ersten Instantz erkennen / damit nicht alles nach Hoff gebracht werde / sie haben unter ihnen Vice-Comites und Urtheilsprecher / welche von den Obergespahnen aus den fürnehmsten Adel ihrer Gespannschafft erwehlet werden. Was aber der Türck von Ungarn in seine Klauen bekommen / das gubernirt er durch seine Baslen und Agen, also daß man bey ihm von dem alten Gubernament nichts zu sagen weiß. Sonsten nennen die Ungarn ihre vornehmste Obrigkeiten: Vadrespanos, Banos, Vaivodas, und Capitaneos, und ist der General-Richter deß Königreichs oder Judex curiae Regiae nach dem Palatino, so den König vertritt / der nechste: der sonderlich auch in acht zu nehmen hat / daß nach den Ungarischen Gesetzen / (die Stephanus Verberius ein gelehrter Jurist aus Befelch deß Königs Vladislai zusammen geschrieden / und solches Büchlein Decretum Tripartitum genant) gehandelt / und geurtheilet werde. (Die fürnehmste Städt in Vngern.) In Ober-Ungarn hat man verschiedene Freye- und Bergstädte / welche allein 13. Gespannschafften außmachen. Ofen oder Buda ist weyland der Königen in Ungarn Residentz und Hauptstadt gewesen / nachdem selbige aber dem Türckischen Bluthund zur Beute worden / erkennen anjetzo die Christen Preßburg für das Haupt dieses Königreichs / [14] ohnerachtet sie fast an den Gräntzen gegen Oesterreich lieget. Es ist eine von den besten Städten im Reich / und was ihr an Vestigkeit abgehet / das ersetzet das Schloß / welches auff einer Höhe liget / und sehr starck ist / daß man ihm auch allein die Königliche Ungarische Crone anvertrauet hat. Gleichwie aber Preßburg die Hauptstadt in gantz Ungarn / also ist Caschau dasselbe allein in Ober-Ungarn. Diese Stadt ist wohl befestiget / lieget gegen dem Gebürg / und hat das schönste Zeug-Hauß im gantzen Land. Zu Agria oder Erla und Temesvvar wohnen 2. Türckische Bassa. Ofen bestehet aus 2. Städten / davon die eine an den Norder- oder lincken Ufer der Donau / Pest genant wird. Hier wohnet ein Vezier Bassa / der eine von den fürnehmsten Chargen in gantz Türckey nechst dem Groß-Vezier bedienet / obgleich seine Intraten denen andern Bassen bey weitem nicht gleichen. Die Besatzung dieses Orts bestehet gemeiniglich aus 8. biß 9000. Mann / der allerbesten Gräntz-Türcken. Wer hieher kombt / muß sich verwundern über die herrliche warme Bäder und über eine Brunnquell / die oben auff sied heisses Wasser und auff dem Grund eine gute menge schmackhaffter Fisch hat. Canischa ist vest / und lieget auff den Gräntzen gegen Steyermarck / hier wohnet auch ein Vassa. Anno 1664. ward es von denen Käysbelägert und hart geängstiget / weil sie aber zimblich schwach / auch ihr Succurs zimblich lang außbliebe / und immittelst der Groß-Vezier mit einer grossen Mannschafft anlangete / ward die Belagerung in eine Retirade verwandelt. Fünffkirchen ist eine grosse Stadt / und wil man sie der Circumferentz nach mit Wien vergleichen. Nicht weit davon lieget das sehr veste Schloß und Städtlein Siget / welches Anno 1566. von den Türcken nach einer unbeschreiblich tapffern Resistentz deß Grafen von Zrini, der in einem desperaten Außfall / als schon alles verlohren / sein Leben ließ / erobert worden / doch hat auch der Groß-Sultan Solymann kurtz vorher davor im Lager sein Leben endigen müssen. Esseck ist bekant wegen der über ein Meil langen grossen Brücken / so daselbst mit erschröcklichem Kosten und Mühe von den Türcken über die Drab und die daran ligende Moräste erbauet / von Graff Niclas Zrini aber / und dem Grafen von Hohenlohe im anfang deß Jahrs 1664. über die Helffte abgebrandt / doch von den Türcken nach der hand wieder auffgebauet / und an der Seiten gegen Ungarn mit einer starcken Schantzen belegt worden / allermassen die Brücke der bequemste Paß ist / worüber die Türcken nach gehaltenen Rendevous zu Bellgrado ihren Marsch in Nieder-Ungarn nehmen können. (General Leßle ver.) Den 14. Augusti 1685. hat General Feld-Marschall Leßlie abermahln 1100. Schritt von besagter Brücken abbrennen lassen / woran die Türcken [15] noch biß dato wieder auffbauen. Raab und Comorra seynd 2. starcke Vestungen der Christen / und eine rechte Vormauer wider die Türcken / von dannen die Hussaren außgehen gegen die Türcken zu streiffen / und was der (brennet 1100 Schritt von der Essecker Brücken.) Vezier zu Ofen im Türckischen / das hat der Commendant und Stadthalter zu Raab über die Christliche Soldatesea in gantz Ungarn / soweit es den Römischen Käyser vor seinen Herrn erkennet / zu sagen. Diese 2. Gouverneurs schlichten alle Strittigkeiten / so wegen der streiffenden Partheyen emstehen / und hat ein jeder die Ober-Inspection über seines Principalen übrige Vestungen. Comorra lieget auff dem äussersten Winckel der Insul Schütt / so von der Donau umbflossen wird / daher der / so sie belagern wil / mit einer Armee von 3. grossen theilen kommen / und sie an so viel Orthen angreiffen muß. Hier und zu Gran werden siets etliche bewährte und wolbemannte Schiff gegen die Türcken gehalten / dargegen diese auch eine gewisse Anzahl zu Ofen und anderwerts auffzubringen wissen. Es seynd sonsten noch viel nahmhaffte Plätz in Ungarn / die ich aber dieses Orths mit einzuführen vor unnöthig achte / doch kan ich unberichtet nicht lassen / daß man in dem Christlichen Ungarn etliche Städt hat / die man Königliche (Königliche Frey-Städt.) freye Städt nennet / als da seynd Caschau / Leutschau / Bartfeld / Eperies / und Kitz- oder klein Zeben. Andere werden nur schlecht hin Freystätt genant / und seynd Preßburg / Oedenburg / Thirnau / Trentschin / Neustatt / Zagrabia / Kleinwardein / Kopranitz / Käsemarck / und etliche andere geringere. (7. Freye Berg-Städt.) Die Nahmen aber der 7. freyen Bergstädten seynd Cremnitz / Schemnitz / Neusol / Bogantz / Königsberg / Tillen und Libetten / und alle diese Städt haben auff den Ungarischen Landtägen ihren Sitz und Stimme / die aber / so hierunter nicht begrieffen / seynd davon außgeschlossen / nehmlich also / daß sie keinen Sitz und Stimme auff den Landtägen haben. Gleichwie nun Nieder-Ungarn zimblich eben ist / als hat man in Ober-Ungarn desto mehr Berg / die doch meistentheils zimblich fruchtbahr seynd. (Das Carpatisch Gebürg gehet über das Gewölck.) Aus denen Bergen ist der fürnehmste der Carpathus oder das Sarmatische Gebürg / so die Ungarn von den Reussen / Pohlen / Mähren / Schlesten / und dann theil Oesterreich / so über der Donau gegen Mähren gelegen / absondert / welches Gebürg am grausamsten und höchst über das Gewölck gehet in der Graffschafft Zips bey der Stadt Käßmarck / von welcher es auch das Käßmarcker Gebürg / wie nicht weniger das Schneegebürg / weil es fast stäts mit Schnee bedecket / und von den Windischen Leuthen Fatrii oder Tarczal gleichsam gläntzende und beschorne Berg genennet / die mit ihrer Rauhe und Gehe das Welsche-Schweitzer- und Tyrollisch-Gebürg weit übertreffen; man findet vielmahln Drachen darauff oder in sein Höhlen / [16] und kommen dahin sehr wenig Leuth ausser Reisende / so aus Curiofität bißweilen hinauff steigen / die niedere Jöcher dieses Gebürgs aber seynd wandel- und gangbahrer / und mit Bäumen besetzet: haben auch ihre unterschidliche Nahmen / als der Scheuerberg / der Vatter / die Mutter / der Gärtner / der Auershorn / der Ochsenberg / der Purtzelgrund / die Hölle / der Münch / (Wilde Pferd.) der Würtzgarten / die Jabluncke. Man findet in diesem Gebürg wilde Pferd / welche von denen herkommen / so zu zeiten Königs Belae IV. als die Tartarn Ungarn in 3. Jahr lang verwüsteten / Herrenloß und endlich in dem sie frey umbgeloffen wild worden seynd. Es gibt auch viel Bähren daselbst. Dicke Wälder gibt es gnug in Ungarn / und darin Wildpret die Menge / an Wiesen und herrlicher Weyde hat das Land auch keinen Mangel / wie dann das Graß eine halbe Mannslänge hat / und theils Orthen gar über die Wägen gehet / daher dann soviel Ochsen [es wollen einige von 100000. (Bed 100000. Ochsen werden jährlich nacher Teutsch- und Welschland gesübret.) sagen] jährlich nacher Teutschland / Italien und andere Oerther verführet werden / besagte Ochsen seynd Tag und Nacht auff der Weyde / dahero sie so Wetterfarb außsehen. Ferner seynd allda Büffel / mit welchen die Ungarn in Verpflügung ihrer Felder guten Nutzen schaffen / insonderheit / da der Grund hart und sandich ist / allda sie sonsten wohl 5. Joch Ochsen gebrauchen müssen / nicht weniger gibt es daselbsten stattliche Pferd / welche zwar nicht schön vom Leib / aber doch sehr schneil und dauerhafft seynd; weiters ist das Reich gleichsamb angefüllet mit Hasel-Hünern / Capaunen / Calicuten / Parteysen oder Feld-Hünern / Fasahnen / Schafen und dergleichen. Uber dieses seynd die Ströhm so voll Fisch / daß (Die Theiß ist der fisch. reichste Fluß in Europa.) kaum zu glauben / wie man dann sagt / daß die Theisse vor den fischreichsten Fluß in Europa / wo nicht in der gantzen Welt gehalten werde / so daß man in Ungarn ein gemeines Sprichwort hat / daß dieser Strohm bestehe in 2. Theilen / Wasser und einen Fisch: der Fluß Bodrak, so in die gemeldte Theisse seinen Einfluß hat / ist nicht weit von Tockay von Fischen so angefüllet / daß das Wasser bey Sommerszeiten / wann der Strohm nidrig ist / nach den Fischen riechet; besagter Fluß ist 13. Klaffter breit und 9. und eine halbe Klafftet tieff / und weiln er eine Figur oder Gestalt formiret / wie ein Lateinisches V. als kan man mit Netzen und Garnen nicht wohl darinnen fischen / welche sonderbahre Fruchtbarkeit dieses Flusses / so es jemand wolte zuschreiben den Saltz-Tincturen / sowohl seines eigenen Wassers / als auch die von andern Flüssen darzu kommen / als welche unten im Grund an viel natürliche Saltzgäng lecken / und also auff solche Weiß einigen Anfang ihrer Fruchtbarkeit mit sich nehmen / so ist es eine Sache / welche verdienet und würdig ist / angemercket [17] zu werden / dann eben also ist es auch mit dem Nilfluß bewannt. Der Donau-Strohm ist nicht weniger mit mancherley guten Fischen reichlich versehen / als Forellen / Biersing / grossen und delicaten Karpffen / welche alle andere in der Güte übertreffen / It. Koppan / Weißfisch und Grundeln mit 6. Bärten / 2. kurtzen und 4. langen / Scheiden oder Wels / und über alle andere wird in diesem Wasser zu unterschiedlichen Zeiten eine (In der Donau werden Hausen gefangen 20. Schuh lang.) grosse Mänge Hausen gefangen / darvon einige zwanzig Schuch lang seynd und vor ein gutes Essen gehalten werden / sie haben einige Gleichnuß mit dem Stör. Man findet auch in den Seen / Sümpffen / und stehenden Wässern eine grosse Mänge Schild-Krotten / die man häuffig / ja Wägenweiß anders wohin verfüßret / so eine delicate Speiß und an Geschmack den jungen Hünlein nicht ohngleich kombt: und gleichwie die Flüß voll Fisch seyn / also seynd sie zu Winters-Zeiten mit Geflügel (Pelicanen oder Löffela-Gänß.) bedecket / worvon man von allerley Gattung ausser Schwanen die Mänge sihet; man findet auch Pelicanen / oder Löffel-Gänß nicht weit von Bellgrad / welche eine Gestalt und Grösse als ein Storch haben / schön weiß / roth und lang vom Schnabel / ohne Zung / mit langen Füssen. Der Boden in Ungarn ist sehr fruchtbahr / also daß man die Aecker (Vogarn ist einem irdischen Paradeiß gleich.) nicht düngen darff / und wachsen dannoch die Kornfrüchte überflüssig / wie auch Aepffel / Birn / Kirschen / Quitten / Nüß / Kästen / Melonen / Pfersich und dergleichen: und obwohln dieses Edle Land und fast irrdische Paradeiß von allen was man nur wündschen mag / überflüssig versehen ist / so excellirt doch solches am allermeisten in einer übertrefflichen Weiß in denen 2. vornehmbsten Nahrungs-Mitteln deß menschlichen Lebens / nemblich an Brod und Wein. Ihr Brod übertrifft alles andere sehr weit in Europa / solches / wann es gebacken wird / wohl geknetet / und mit einer lang anhaltenden Arbeit außgewürcket wird / damit es auff solche Weiß leicht / gesund und wohlgeschmack bereitet werde; Sie haben Wein-Trauben / die aus dermassen delicat / und groß seyn / und seynd sonderlich die bey Virovichiz bey Waitzen von übertrefflicher Güte: Ingleichen (Der Wein ist so bitzig als der Spannische.) seynd ihre Wein von einer köstlichen und Edlen Art / die dem Spannischen an Hitze und Krafft gleichen / welchen doch der Tockayer Wein allen vorgehet. Die Sirmianischen Wein-Gärten seyn von Früchten sehr reich und sehr lustig gelegen gegen den Mittags-Theilen deß Ungerlands / in welch Provintz oder Gespannschafft man sagt / daß der Käyser Prolus seibst Wein-Gärten gepflantzet habe in der Gegend deß Bergs Almus oder Arpadaro; Gleichwie nun der Ungarische Land [18] grund aus seiner eignen Art nicht unfruchtbahr ist / also haben desselben Inwohner auch gute Wissenschafft und Practic von guter Haußhaltung / sowol in den Aecker-als Wiesen-Feldern / sonderlich in Ober-Ungarn / dann zu Winterszeiten brennen selbige die noch überbliebene aus der Erden heraus stehende Stoppeln deß Grases / und der Kräuter völlig ab / welches nachgehends gantz frisch und in vollem Uberfluß wieder heraus zu wachsen beginnet. Sie gebrauchen keine Scheuren oder Städel umb ihr Getraid darein zu verwahren / sondern sie haben an statt derselben viel tieffe und grosse Höhlen unter der Erden / dahinein sie solches ohn Gefahr legen / und seynd solche Hölen wohl verwahret sowohl vor den Räubern als auch vor jähen Uberfall und Anlauff der Feind / ob sie gleich mannigmahl (Zwischen Tockay- und Wardein ist kein Holtz 1. Meilen wegs zu finden.) solche zu nächst an den Land-Strassen haben. Holtz ist zur Gnüge in Ungarn ausser zwischen Tokay und Wardein / da eine Ebne von 14. Meilen lang und kein Gehöltz zu sehen ist; die Lufft im gantzen Land ist gar gesund / ausser an wenig Orthen / aber im Sommer auff der Ebne hitziger und auff den Bergen kühler. Ich hab oben gemeldet von der grossen Menge Fisch / daß alle Ungarische Ströhm voll seyn / nun wil dessen gröste Flüß / Seen und Eylande etwas genauer beschreiben / dann es ist kein Land in gantzem Europa / welches mit so vortrefflichen und bequemen Wasserflüssen durchflossen wird / als dieses; gegen Auffgang wird selbiges begossen von dem Edlen und fruchtbahren Fluß der Theisse / welcher seinen Ursprung nimbt in der Landschafft Maromorus an dem Fluß deß hohen Capatischen Gebürgs / 4. Meil von seiner Quelle wird selbiger schon Schiffrelch / und nachdeme er zu sich empfangen hat die Marissa und viel andere Flüß / stürtzet er sich zwischen (Beschreibung der für.???chmsten Flüß.) Wardein / Sr. Peter und Bellgrad mit vollem Lauff in die Donau. Dieser Theiß-Fluß führet ein grosse Menge deß natürlichen Stein-Saltzes / welches aus den häuffigen Saltz-Minen in Ungarn und Siebenbürgen entspringet / von welchen ein grosser Theil nach Preßburg / aber nicht höher verführt wird / damit dem Oesterreichischen Saltz / welches der Käyser umb 11000. fl. verpachtet / kein Eintrag geschehe / darvon auch kein kleine Quantität die Donau herab kombt / und nachgehends längst dem Fluß Morava nach Servia und in die benachbahrte Länder gebracht wird. Diese Saltzwerck seynd nichts anders / als sehr tieffe Brunnen / aus welchen es vermittels der Haspel-Wercke und Ketten mit Eymern außgeschöpffet (Herrliche Saltzwerck.) wird / da es dann hernach durch einige Rinnen nach der Saltz-Pfannen zulauffet / in welcher man es zu einem Saltz kochet; auch nehmen sie wol die fette Saltz-Erden / und bringen solche an das Orth / allwo [19] gnugsames süsses Wasser ist / mit welcher sie dasselbige saltzig machen / welches alsdann auch bequem ist / umb das Saltz daraus zu kochen. An der Seite gegen Untergang laufft der Fluß Araebo oder Raeb, welcher in Steyermarckt entspringet / und in die Donau bey Raab (Jaurinum) kommet: dieser Fluß ist merckwürdig / dieweil er die Wasser Lauffnitz / Picka / Chunetz / und andere in sich empfänget. Gegen der Mittags-Seiten ist dieses Orths anzumercken der Trab-Fluß oder Dravus, welcher in dem Saltzburgischen Gebiet entspringet / das noch ein Theil von dem alten Norico ist; und nachdem er einen langen Weg hin / durch Kärnten und Ungarn gelauffen ist / so fället er bey Erdud (Teutoburgium der Alten) in die Donau / indem er von seinem Ursprung an / ohngefehr bey 80. Meilwegs hat hindersich geleget; dieser Fluß / wann er in Ungarn kombt / so vereinigt er sich mit dem Fluß Muer. Ferner ist an der Mittagsseite der Edle Fluß Savus, nehmend seinen Ursprung in Kärnten / laufft Belgrad vorbey in die Donau und verfolget seinen Lauff ohngefähr 60. Meilen lang / mehr seynd an diesen Gräntzen gegen Mitternacht Wasserflüß / die von den Carpatischen Bergen herkommen / welche das Königreich Ungarn und Pohlen voneinander scheiden / darunter sonderlich der Fluß Gran / der bey der Stadt Gran in die Donau fliesset / wie nicht weniger der Fluß die Wag genant / der oberhalb Gomorra sich in die Donau stürtzet / welcher Donaustrohm ohnfern Ulm in Schwabenland seinen Anfang nimbt / bey Ingollstadt / Regenspurg / Straubingen / Passau / Lintz / Wien / Preßburg / Gran / Ofen / und Bellgrad vorbey passirt / von welchem letzten Orth / umb von seinen Lauff nichts mehrers zu sprechen / stürtzet er sich durch 5. Außläuffe oder Münden in die Euxinisch- oder schwartze See / nachdem er die Ufer in Servien / Bulgarien / Wallachey und Moldau bespielet / und in seinem langen Lauff mehr als 60. merckwürdige Flüß in sich geschlungen und einen (Donau-Strohm ist tieffer als der Nilus.) Lauff genau gerechnet von mehr als 300. Meilen vollendet hat; er ist tieffer als der Nilus, mercklich ist / daß er umb den Mittag nicht so schnell fliest als sonsten / er verliehrt viel Wasser zwischen Regenspurg und Ungarn / dann er hat 3. Oerter / da sich dasselbe unter die Erde mitten in Strohm sencket / der erste heisset der Strudel / der andere der Wirbel / und der dritte der Saurüssel. An Eylanden befinden sich in der Donau nebst der Insul Schütt zwischen Vicegrad und Waitzen das schöne und grosse St. Andreas Eyland / noch ist eins / unterhalb Ofen / welches sich auff 40. Meilwegs (Berschiedene Eyland.) in der Länge und Breite erstrecket: ferner ist noch ein ander Eyland gegen Mosatch über / noch ein anders bey der Gegend deß Eingangs bey dem Drab-Fluß / noch ist eins / welches vor einigen Jahren ist auffge [20] worffen worden bey Bellgrad / welches sich durch den Schleim und Koth / den die Sau und die Donau mit sich herab führen / hat festgesetzet / allwo man vor 40. Jahren keine Gestalt einiges Eylands gefunden hat / allein es stehet der Zeit nun dicht mit Bäumen besetzet; wie vortheilhafftig oder nachtheilig dieses an Bellgrado mag seyn / werden die künfftige Zeiten außweisen. Die berühmste Seen in Ungarn seynd Balaton, oder die Platt-See / welcher zwischen Vesprin und den Drab-Fluß ligt / und sich sehr weit und breit in die Ferne außstrecket / und stehen auch unterschiedliche starcke Schantzen und Vestungen darauff; die Neufidler See ist ein sehr lustbahre See / 7. Teutsche Meilwegs lang und 3. breit. (Die Berg haben viel Edelgestein auch Silber ???d Gold.) Es haben auch die Bergwerck im Reich einen grossen Uberfluß an schönen rothen und weissen Marmor / so findet man dafelbsten Christall / Rubinen / Jaspis / Diamanten / Türckis / sonderlich Opalen / benebens Zinober / Spießglaß / und nicht wenig gute Kräuter zur Artzney / von den vielen berühmten warmen Bädern / gesund-sauer- und andern hochseltzamen Brunnen wil dieses Orts nichts gedencken / das Edle Metall aber [so das Ungerland am considerabelsten machet] kan ohnberührt nicht lassen / dann nebst dem Kupffer / Eisen und Silber [dessen man da mehr als in einigem andern Land in Europa findet] ist auch Gold anzutreffen / so dem Arabischen an der Güte mit nichtem weichet. Es trägt sich wol auch zu / daß hier das Gold selbsten aus der Erden steiget / und die Menschen suchet; welches man Aurum vegetabile nennet; dannenhero erzehlet D. Martin Heinrich von Franckenstein ein berühmter Medicus in Eperies an einem gewissen Orth. (Wachsendes Gold.) Es habe ein Edelman in Ungarn / Walpataky genannt / einen Weingärtner gehabt / welcher einsmahls im Garten nach gethaner Arbeit sich niedergesetzt und geruhet. Darauff erblicket er etwas gelbes / so aus der Erden herfür ragete / als er nun hinzu gangen / solches zu besehen / mercket er / daß es tieff in der Erden eingewurtzelt / schlägt demnach mit einem Karst daran / aber es bleibet ohnbewäglich / doch bricht er endlich mit grosser Mühe einen zimblichen Zahn davon / welchen er einem Goldschmiede zeiget / und von demselben die erfreuliche Zeitung erhält / daß es das reineste und feineste Gold seye: Dannenhero mercket er den Orth mit Fleiß / und hohlet zu verschiedenen mahlen einen Zahn von diesem Gold-Stock / dann an statt deß abgerissenen kam allemahl in wenig Tagen wieder ein neuer Zahn herfür. Diese Beute hohlet er so offt und lange / biß er dieses Edlen Weinbergs halben mit seinem Edelman / ja gar mit der hohen Landes-Obrigkeit in einen Streit gerieth. Ein anderer [21] Ungarischer Bauer pflüget vermittels seines eisernen Schaares ein lange Goldwurtzel aus der Erden / welche etliche Elen lang war / deren er sich / als er kurtz darauff ein Fuder Holtz nach Eperies führete / zu Bevestigung (Goldwurtzel.) seiner Ochsen an Joch bedienen wolte; wie er aber damit beschäfftigt ist / siehet ein Goldschmidt / vor dessen Hauß der Bauer stillgehalten / diesen Gold-drath / forschete demnach / wo er solchen bekommen: der Bauer gibt ihm den Bescheid / daß er ihn neulicher Tagen unter dem pflügen aus der Erden gezogen / wo er ihm anstünde / wolte er ihn umb einen geringen Preiß abstehen / womit jener wol zufrieden / und den Bauren ersuchet / ihm dergleichen Stricke mehr zu verhandeln / der Bauer suchte zwar hierauff ferner nach / aber allemal vergeblich. Noch mehr muß man sich verwundern über die jenige Trauben / so man dem Siebenbürgischen Fürsten Sigismund (Güldene Kern in elnem Trauben.) Ragozi Anno 1651. auff dem Schloß Batak nicht weit von der Ungarischen Vestung Tockay verehret / deren inwendige Kernen oder Steinlein durch und durch voll Gold gewesen. Anno 1670. fand Zemere Lasko Viconte von Zemblin in seinem Weingarten eine Traube / deren Kerne oder Stein allesam̅t gülden waren. Ein Bauer hat umb selbige Zeit einen langen güldenen Strang im Sande einer Brunnquellen gefunden. So hat auch Franciscus Redai, erwählter Fürst von Siebenbürgen dem Herrn Paterson, Stadt-Medico zu Eperies vor einigen Jahren ein Stück gediegen Gold verehret / welches als es in dem Bergwerck gefunden worden / so weich und fett als Butter gewesen / da man es aber in die freye Lufft gebracht / ist es hart worden / wie ander Metall. Die Gräfin Zemerin in Ungarn träget gewöhnlich einen güldenen Drath / der wie ein Ring geflochten / oder gebogen / und aus einer Rube erwachsen / am Finger. Ja man findet anderstwo seltzame Abbildungen der Natur von gewachsenem Gold / worüber sich ein Mensch (Ein gewachsenes güldenes Creutz.) nicht gnugsam verwundern kan: Als zu Dreßden in der Kunstkammer zeiget man ein von Natur gewachsenes güldenes Creutz; und bey dem Herrn de Noyers zu Dantzig zeiget man ein stück gediegen Silber etliche Pfund schwehr / so ihm vom König in Spanien verehrt worden / dasselbe Stück ist in verschiedene Bäumlein / Pflantzen und Gewächse von der künstlichen (Ein silbernes Männlein.) Natur gebildet. Zu Schneeberg in dem Bergwerck hat man in S Georgens-Gruben ein silbernes Männlein / welches ein Kind auff dem Nacken getragen gefunden; aber wer solte alle dergleichen Wunder-Metallstück allhier anführen. Was die Einwohner dieses Landes belanget / muß man selbige bloß darumb hoch schätzen / weil sie jetzo fast die eintzige und stärckeste Vormauer der Christenheit wider den Erbfeind ausmachen. Und weil [22] sie mit demselben fast unauffhörlich in Scharmützeln begriffen / seynd sie in den Waffen sehr geübt / und vor tapffere Leut zu achten / als die bey so gestalten (Die Vngarsseynd in den Waffen wol geübt.) Sachen mehr auff das Gewehr als auff die Wissenschafften und Bücher sich legen. Dannoch gibt es auch verständige gelehrte Leute unter ihnen / die es auff den Teutschen und Mittelländischen Academien sehr hoch bringen / und ist wol merckwürdig das Privilegium, so ihnen und den Siebenbürgern An. 1628. von Churfürst Johan̅ Wilhelm zu Brandeburg auff der hohen Schul zu Franckfurt an der Oder ertheilet worden / daß man ihnen die Bachanten-Hörner nicht solle abstossen / als welche ihnen von den Türcken ohne dem gnugsam deponirt werden. Eben dieser Freyheit sollen sie auch zu Heydelberg geniessen. Es ist ein Gesetz unter dieser Nation / daß wann ein Ungarischer Herr ohne Manns-Erben verstirbt / die Güter dem König heimfallen / und sie pflegen umb die Freundschafft desto besser fortzupflantzen / ihre Kinder in der Wiegen miteinander zu vermählen; Ihre (Die Lateinische Sprach ist sehr gemein unter ohnen.) Sprach hat mit keiner Europ???eischen Haupt-Sprach Gemeinschafft / doch ist die Lateinische Sprach auch sehr gemein unter ihnen / sowol Hohen als Niedrigen / also daß sie auch die Soldat???n / Kutscher / Schiffer und andere geringe Personen mittels derselben gegen eine andere Nation gar wol expliciren können. Doch verstehen sie auch fast durchgehends die Sclavonische / Teutsche und Türckische Sprach. Die Ungarn dienen besser zu Roß als zu Fuß / ihr Gewehr ist eine Lantze / so sie Kopie nennen / ein Säbel / Pa???lasch / Barte oder Hacke / ein Rohr / Streithammer und eine Peitsche. (Vngarische Kleydung.) Ihre Kleidung ist überaus bequem / und bestehet in einem Rock / der doch nicht lang / sie füttern denselben / wie die Polen mit Beltzwerck. Die Edelleuth und Stands-Personen haben köstliche Kleider von stattlichem Zeug / meist rothe Farbe. Die Frauen und Jungfrauen tragen kurtze Mäntelein mit köstlichem Beltzwerck gefüttert. Der Bauern Kleydung ist ein blauer / rother oder grüner Unterrock von Carsey / der Oberrock aber von grobem Filtztuch / wird Gerberneck genant / diese vorbeschriebene Kleidung ist absonderlich denen zu Pferd sehr bequem / daß sich auch die Croaten / Sclavonier / und andere Nationen / ja selbst die Türcken / so nahe an den Gräntzen wohnen / derselben meist bedienen. Im übrigen haben die Ungarn (Frische Farben ??? beliedt.) grosses Belieben an frischen Farben / und tragen gerne roth / blau / gelb / grün / und purpur / selten siehet man jemand im schwartzen Habit / wie dann auch allerdings die Priester purpurfärbige lange Kleider tragen. Die Regiments-Form dieses Reichs betreffend / haben die Inwohner (nachdem sie bey Regierung deß H. Stephani und dessen Nachfolgern ihren groben heydnischen Aberglauben verlassen) auch zugleich mit der neuen [23] Christlichen Religion ein politisches und sinnreiches Leben zu führen / und ihr damaliges Regiment in ein gantze neue Form zu giessen begonnen / so (Das Regiment ist zweyerley / geist- und weltlich.) daß selbiges noch biß heutigs Tags zweyerley / nemlich geist- und weltlich ist. In dem weltlichen Regiment ist der König das höchste Haupt / welcher das Reich durch zweyerley Räth regieret. Der erste und fürnehmste wird wieder in drey Ständ oder Obrigkeiten eingetheilet. In dem ersten Stand befindet sich oben an der Königliche Stadthalter / den die Ungarn einen Palatinum nennen / und durch freye Wahl zu solcher hohen Würde (Grosser Gewalt deß Palatini.) erkiesen wird / dieser hat bey Erwählung eines Königs (wann nemlich die abgelebte Könige keine männliche Erben hinterlassen) die erste Stimm / und ist deß Königl Erbens in seiner zarten Jugend ordentlicher Vormund: Er kündiget / wann kein König vorhanden / oder derselbe unmündig ist / die Landtäg an / stillet die Uneinigkeiten / vergleichet den Zwyspalt zwischen dem König und dem Reich / als ein Unterhändler / höret die Gesandschafften und Klagen an / bringet sie dem König vor / bestellet die Gerichte / und verrichtet nebst den Räthen die Königl. Geschäfften. Dem Palatino folget in (Judex Curiae.) der Ordnung der Judex Curiae oder Hofrichter / als der fürnehmste aus den ordentlichen Richtern deß Königreichs. Hierauff folgen die Cantzlar / deren zween / nemlich der Ertz-Bischoff von Gran / als Reichs-Eantzlar / welcher Macht und Gewalt hat / den erwählten König zu crönen / und die Privilegien mit dem grossen Insigel zu bekräfftigen: und der andere / als Hof-Cantzlar / den der König nach seinem Gefallen erkieset / daß er die Königl. und andere Abschied / und die ergangene Decreta mit seiner Unterschrifft (Magister Curiae.) bekräfftige. Alsdann folget der Magister Curiae oder Großmeister / und die Magistri Tavernicorum Regalium, solche seynd die Oberauffseher über die Gold- und Saltzgruben / und alle Oerter / so der Königl. Cammer gewidmet seynd. Zu dem zweyten Stand oder Gericht gehören fürnemlich (Vice-Palatinus.) 3. Personen / 1. der Vice-Palatinus oder Stadthalter deß rechten Palatini. 2. Der Judex personalis praesentiae, als in den Gerichten an statt deß Königs sitzender Oberrichter. 3. Der Vice-Judex Curiae. Die übrige und geringere übergehe ich / weil es zu weitläuffig / selbige allesam̅t einzuführen. Fürs dritte kommen in Betrachtung die jenige / so auff deß Königs Person warten; als der Schatzmeister / der Oberste Cämmerer / Marschalck / Stallmeister / Stäbler / Mundschencken / Trucksessen und dergleichen. Und dieses seynd die 3. Ständ deß ersten und grösten Raths / welche gemeiniglich ihre Protonotarios, Magistros, Vice-Comites und Urtheilsprecher haben / die nicht so sehr einen Rath oder Magistrat formiren, als nur die Dienst und Aembter der Richter verwalten. Deß andern und geringern Raths hat ein [24] jeder Ort sein besonders / nemlich sein eigen Gericht: massen jede Provintz ihre particulier-Gericht / oder (wie es die Ungarn nennen) comitatus oder Gespanschafften hat / welche droben schon angeführet / allwo auch ihre Anzahl benennet worden. (Das geistliche Regiment.) Anlangend das geistliche Regiment / beruhete dessen Verwaltung weyland auff 2. Ertz-Bischoffen / als dem zu Gran / weicher zugleich Nuntius Apostolicus und der fürnehmste im Reich war / unter dessen Auffsicht stehen die Bischöff zu Erla (der jetzo zu Jasla wohnet) Waitzen / Neutra / Naab / Fünffkirchen und Vesprin / davon theils Städt jetzo in Türckischem Gewalt seynd. Der andere Ertz-Bischoff residirt zu Conlozza / unter dem die Siebenbürgischen Bischöff zu Weissenburg (Alba Julia) Chonad / Wardein / wie auch der Zagradienser / Sirmienser und andere stehen. Nachdem aber solchen Oertern guten theils gleichsam die Seele eines Christlichen Negiments ausgefahren / und sie / als erstorbene Gliedmassen / in Mahometischer Dienstbarkeit und Unglauben verscharret ligen / so ist des Ertz-Bischöfflichen Thum-Caritels Residentz nacher Tirna verlegt worden. Der (Ertz-Bischof von Gran ist Reichs-Cantzler.) Ertz-Bischoff von Gran aber residiret heut zu tag zu Preßburg / nicht allein als Ertz-Bischoff von Gran / sondern auch als Reichs-Cantzlar / Primas Hungariae, Legatus natus Caesareae Majestatis, und dabey ein (gemachter) Fürst deß Reichs. Auff diesen Stand folget der Adel deß Reichs / und die Königl. und freye Bürger. (Ungarn ein Erb-Reich worden.) Vorzeiten war Ungarn ein Wahl-Reich / aber jetzo dörffen die Ständ nicht zur Wahl schreiten / es sey dann von deß Königs Kindern keines vorhanden / dahero es nun zu einem Erb-Reich gediegen ist. Bey der Königlichen Crönung ist zu mercken / daß dem König die Fahnen deß Reichs / und der andern weyland Ungarn einverleibten Königreichen / als Dalmatien / Croatien / Selavonien / Servien / Boßnien und Bulgarien fürgetragen wrrden. Die Ungarische Königl. Cron wird in sonderbaren Ehren gehalten / und geben die Ungarn selber für / sie seye von einem Engel aus dem Himmel dem ersten Christlichen König Stephano gebracht worden / da man doch wol weiß / daß sie vielmehr von dem damaligen Pabst Benedicto VIII. diesem König zugeschickt worden. Sie verwahren diese Cron (Die Cron wird wohl verwahrt / und in hoben Ebren gebalten.) gar sorgfältig / und bilden ihnen ein / daß mit dieser Crone auch ihr Land verlohren gehe / wofern dieselbe in frembde Gewalt käme / wie dann ihr auch umb deßwillen von dem Sultan sehr nachgestellet wird. Weyland hat man sie in dem Schloß Vicegrad verwahret / jetzo aber ligt sie auff dem Schloß zu Preßburg in einem von den 4. starcken Thürnen / und haben 7. Vngarische Herrn jeder einen besondern Schlüssel dazu / also daß keiner ohne den [25] andern hinein gehen darff. Sonst hat diese Cron vorbedeuteter massen auch noch 2. absonderliche Cron-Verwahrer. An ihr selber ist die Cron auff ein besondere Art gemacht / gantz nidrig / und darauff stehet ein Creutz mit vielerley Laubwerck rund umbher. Man mag es vor eine besondere Ehr schätzen / diese Cron zu Preßburg zu sehen. Zu Wien in der Käyserl. Kunstkammer soll man davon sehen ein Modell / welches auch eine gantz güldene Crone ist / besetzt mit mannigfaltigen edlen Steinen / gar eigentlich gemacht nach der Ungarischen Crone / und vielleicht an Edelgesteinen reicher als das Original. (Vngarische Waven.) Vorzeiten führte Ungarn in seinem Wapen ein ungezaumtes Roß / wie auch grosse ausgebreitete Adlersflügel / bald hernach einen Löwen mit einem Schwerdt / bald eine Rabe / das rechte Wapen aber machen vier quer-fliessende Ströhme / wordurch die Donau / Drab / Sau und Theiß bedeutet werden. Attila führte umbs Jahr 400. einen gekrönten Adler zum Wapen / darinn ihm seine Successores gefolget / biß zum Anfang deß neunten Seculi, nachmals ist dieser Adler in ein zweyfaches rothes Creutz verändert / so aber vom Pabst zu Zeiten Stephani Sancti mit einer Crone vermehret worden. Diese Könige schreiben sich König von Ungarn / Dalmatien / Croatien / Sclavonien / Servien / Bulgarien / und Boßnien; wiewol sich die letztere König von den drey letzten Landschafften nunmehro gar selten schreiben. (Grosse Ein-???künfften der Ertzgruben und Zöllen.) Die König von Ungarn erheben aus den Ertzgruben ihr meiste Intraden / welche man jährlich auff 160000. Ducaten rechnen kan / andern theils fallen solche auch aus den Zöllen / welche sich jährlich auff 33000. Ducaten berechnen lassen / der extraordinari Gefällen / Tributs / Steuren / Anlagen / sc. nicht zugedencken. Der Groß-Türck aber empfängt seinen Carras, nemlich von jedem Kopff seiner Unterthanen in Ungarn zwey Rheinische Gulden / doch seynd weder die Christliche noch Türckische Ungarische Intraden erklecklich zu Abtilgung der Kosten / die zum Schutz deß Landes verwendet werden müssen: dahero von beyden Theilen aus andern (Vngarische Kriegsmacht bestehet meistens in Dussaren und Heyducken.) Gefällen ein mercklicher Zuschuß geschehen muß. Anreichend die Kriegsmacht / so können die Ungarn ihrem König gar leicht eine Reuterey von achttausend Köpffen auff die Beine stellen / ohne die rechte Hussaren und Heyducken / deren Anzahl sich wohl auff dreyssigtausend Mann rechnen lässet / worvon diese zu Fuß / jene aber zu Pferd dienen / sie wohnen in den Gräntz-Vestungen / und werden zum theil vom Römischen Käyser besoldet / die jenigen aber / so sich freye Gräntz-Hussaren nennen lassen / machen sich durch Beuten bey dem Erbfeind selber bezahlt / [26] und wollen nicht obligirt seyn / wider einen andern Feind zu gehen / welches auch die Besoldete thun. Wann sie zu Hauß seynd / nähren sie sich mehrentheils durch den Ackerbau / ihr Gewehr ist aber sam̅t dem gesattelten Pferd stets parat. Sobald Allarm geschossen wird / rüstet sich ein jeder / und (Sevnd wobl montirt / und baben gute Pferd.) ziehet dem Feind unter Augen / seynd wol montirt / und haben schnelle Pferd / die meinsten auch eines an der Hand / so gleichfalls gesattelt / sich dessen / im fall das erste ermüdet / zu bedienen / bekommen sie aber Gefangene / setzen und binden sie selbige drauff. Sie streiffen auff 50. und mehr Meilen in das Türckische Gebiet / weil es daselbst viel Wüsteneyen gibt. Sie gehen gemeiniglich in der Nacht aus / damit sie von den gehuldigten Bauern nicht verkundschafftet werden / als welche denen Türcken sowol als denen Christen in den Gräntz-Vestungen bey Straff deß Spiessens von allen Räubern und Partheygängern Kundschafft bringen müssen / am Tag ha ten sie sich in den Wäldern auff / und füttern ihre Pferde: deß Nachts ziehen sie weiter fort / so lange / biß sie reisende Türcken oder Rätzen (welches e???e gewisse Art Griechischer Christen ist / aber unter den Türcken wohnen / und mit ihnen zu Feld gehen) antreffen. Kom̅t ihnen aber eine starcke Türckische Parthey auff den Halß / und sie befinden sich ihnen bastant / gibt es eine scharpffe Rencontre. Die Hungarn / als die weit in Feindes Land / fechten vor Kopff und Kragen / und die Türcken wollen solche Bestrickte auch nicht gerne wieder aus dem Netz lassen. Die Uberwinder (Hauen den Erschlagenen die Köpff ab / und stecken sie auff die Pallisaden.) hauen den Erschlagenen die Köpffe ab / und stecken sie in ihren Vestungen auff die Pallisaden / oder auff sonderlich darzu bereitete hohe Bäume / die voller Pflöcke / und bey allen Gräntz-Vestungen häuffig gesehen werden. Gleichergestalt verfahren die Türcken mit der Christen Köpffen. Zu Leventz ward vor weniger Zeit eines fürnehmen Türcken Kopff von den Hussaren nebst andern guten Beuten eingebracht / und bey dem innern Thor nahe bey dem Schillerhauß auff eine Pallisade gestecket / als solches deß erschlagenen Türcken Frau erfahren / sandte sie einen gefangenen Christen dahin / und bothe fünffhundert Ducaten für den Kopff / als dessen die Ungarn sich weigerten / sandte sie ihnen hundert Reichsthaler / daß (Ein Dächlein über ein Türckenkopff gemacht.) man ein Dächlein über den Kopff machen möchte / welches geschahe / aber wenig Tag hernach ward der Kopff gestohlen / und der Frauen gegen eine gute Verehrung überbracht. Ein Frembdling muß sich über die Geschwindigkeit der Türcken und Ungarn in dem Säbel verwundern / dann in einem Streich / den sie von der Lincken zur Rechten führen / hauen sie einem den Kopff wie eine Rübe hinweg. Die Heyducken gehen zu Fuß ebenmässig auff Parthey aus / und bringen offt die beste Beuten ein / dann sie wis [27] sen sich besser in Hecken und Gesträuch zu verstecken; sie nehmen soviel zu essen mit / als sie gut dünckt / dann in Fein des Land bekommen sie nichts / dörffen (Gewebr der Hussaren und He???cken.) sich auch nicht sehen lassen. Ihr Gewehr ist ein gezogenes Rohr / das eine Kugel wie eine Erbse schiesset / sam̅t einem Säbel oder Pallasch. Die Hussaren aber führen Pistolen und Carbiner mit Teutschen Schössern / fornen sehr weit / und hinten enger / daß sie viel Kugeln auff einmal hinein laden können; die Pistolen seynd lang / theils gezogen / und haben eine Anläge / daß sie gewiß darmit schiessen. Nebst dem Säbel führen sie am Sattel einen Pallasch / an der rechten Seiten unter dem Bein einen Pantzerstecher 3. Elen lang / so eine dreyeckigte / theils auch eines Daumens breite Klinge hat / womit sie einen Mann / wann er schon verpantzert / durchstechen: etliche führen auch Copien von dünnem Tannenholtz / so forn eine lange (Serub leicht gekl???det / und bleiden be??? einer Tracht) stähline Spitzen / und beym Handgriff einen dicken Knopff hat; seynd sonsten leicht gekleidet / sauber / und bleiben bey einer Tracht / gemeiniglich führen sie auff der lincken Schulter eine Wolffshaut mit Klauen und Zähnen. Die Händ seynd mit eisernen Handtatschen biß an den Elenbogen verwahret: Etliche haben auch Pantzerhembde an / und auff dem Kopff eine Pantzerhaube. Sie führen meistentheils geraubte Türckische Fahnen / ihre Spiel seynd Schallmeyen und Dulcianen / die Heyducken aber haben Trommeln. Ein jeder Ungarischer Soldat zu Roß und Fuß hat einen starcken Riemen oder Strick an der Seiten / womit sie die Gefangenen binden / etliche tragen daran auch einen Stahl / womit sie ihre Säbel schärpffen. (Die Gefangene werden offentlich verkaufft.) Wann sie von den Partheygängern nebst andern Beuten eingebracht werden / wird alles auch die Menschen auff offentlichem Marck durch einen Ausruffer verkaufft / wer das meiste bietet / bekom̅ts. Der nun einen gefangenen Türcken kaufft / lässet demselben alsobald in dicke eiserne Schellen / da 3. ineinander hangen / und biß 15. und mehr Pfund wägen / schmieden: hernach forschet er bey andern Türcken / was sein Gekauffter zu Hauß im Vermögen habe / wann er solches erfahren / examinirt er seinen Gefangenen / der zwar solches nit gestehet / auch so lang laugnet / biß ihm der Brügel vorgelegt wird / manche lassen sich auch wol halb todt schlagen / ehe sie etwas von (Gebr ü??? gebalten.) ihrem Reichthum bekennen: nichts destoweniger wird der Gefangene auff den Rucken geworffen / und mit beyden Füssen an eine Stange gebunden / welche von 2. andern gefangenen Türcken gehalten wird / alsdann kommen 2. Temnizer oder Gefangen-warter / oder auch wol der Kauffherr selber mit / und schlagen mit Arms-dicken Prügeln 2. oder 300. Schläge gantz langsam und aus allen Kräfften auff die Fußsohlen / daß ihm bißweilen die Schuhe sam̅t den Nägeln von den Füssen springen / biß endlich der Türck all sein Ver [28] mögen entdecket / und offt mehr / als er hat / zu geben versprechen muß. Was der Gefangene nicht hat / muß er zu Hauß erbettlen oder borgen: und wann die Rantzion accordirt / müssen sich etliche gefangene Türcken vergleichen / (Müssen sich ???reutzioniren.) und einen unter ihnen erwählen / den sie in Türckey schicken / derselbe muß das Lößgeld sowol vor sich als seine Mitgefangene lieffern / die andern müssen so lang Bürge seyn / und werden wol verwahret / damit wann der ander ausbleibt / sie zugleich vor ihn mitbezahlen. Solcher gestalt müssen sie bißweilen biß an die äusserste Gräntzen ihres Landes reisen / und wie gesagt / wenn sie selber die Mittel nit haben / ihr Lößgeld erbettteln / also daß sie Jahr und Tag ausbleiben / dannoch kommen sie zu gesetztem termin wieder / und bringen Geld oder nicht. Werden nun die Türcken von den Ungarn scharpff gehalten / so gehet es (Die Tentschen bleiben Zeit ihres Tebens Sclaven??? in Türckey.) diesen in Türckey kein Haar besser. Zwar die Teutschen / so sie gefangen werden / seynd von den Schlägen etwas befreyet / weil die Türcken wissen / daß ihr Vatterland weit entlegen / und demnach nicht leicht mögen ranzionirt werden / müssen aber Zeit ihres Lebens Sclavische Arbeit thun. Das auswechseln geschicht unter ihnen jetzo gar selten / welches sonsten bey offentlichen Kriegen üblich ist. Wann etwa ein gefangener Türck oder Ungar davon zu kommen trachtet / und ausreisset / von den Nachsetzern aber wieder ertappet wird / tractiren sie ihn deßwegen nicht übler als zuvor / weil sie es vor erlanbt halten / daß ein Gefangener seine Freyheit suche / wie er immer mag / aber man verwahret ihn hernach besser. Hier muß ich auch berühren / wie mit den Abtrünnigen / (Präbecken seynd verlaugnete Christen.) so zu den Türcken übergehen / und den Glauben verlaugnen / und ins gemein Proebecken genan̅t werden / umbgegangen wird. Diese liederliche Leut sind den Türcken sehr angenehm / müssen sich aber alsobalden beschneiden / und die Haar abnehmen lassen / auch der Christen Glauben und Gemeinschafft verschwören / und starck angeloben / derselben ärgste Feinde Zeit ihres Lebens zu seyn. Hierauff werden ihnen an Händen und Füssen die Nägel beschnitten / gebadet und gewaschen / auch auff Türckisch gekleidet / wiewol die Türcken und Ungarn in der Nachbarschafft fast gleich gekleydet / ausser daß die Ungarn einen kahlgeschornen Kopff / und fornen an der Seiten einen langen Schopff / die Türcken aber solchen Schopff an der lincken Seiten herab hangen haben. Es ist mancher Teutsche durch diese Gelegenheit der Kleidung betrogen worden / der gemeynet / er sehe Ungarn zu ihm reiten / und ist als dan̅ von den Türcken übereylet worden. Wan̅ nun / wie gesagt / die Proebecken auf Türckisch ausstaffirt seyn / müssen sie auch mit auff den Raub gehen / und die Probe thun; diese pflegen alsdan̅ die ärgfte Schelmen zu seyn / weil sie alle Gelegenheit wol wissen / und gantz desperat fechten / in Betuachtung??? / da sie solten [29] gefangen werden / würde es ihnen gar übel ergehen. Jedoch haben sie diese Freyheit / daß sie nebst den Türckischen Trouppen ihr Heyl allein versuchen mögen / ihnen werden auch die besten Pferd gegeben / damit sie im Fall der Noth am stärckesten fliehen können. Sie haben auff ihren Rücken und fornen an den Sätteln über den Beinen grosse Flügel von Adlern und andern grossen Vögeln angehefftet / womit sie ihres Gegners Pferd scheu machen / wie dann auch nit leicht ein Pferd auff sie angehen wil / sonderlich wann sie starck reiten / und der Wind wähet / als dann rauschen diese Flügel hefftig / sie können auch mit ihren Anblick und Geräusch unter den Pferden einen solchen Rumor machen / daß sich eine wohlgeschlossene Squadrone wider ihren Willen öffnen muß. Wann man aber Christlicher Seiten solche lose (Werden lebendig gespiest.) Buben gefangen bekombt / werden sie lebendig gespisset / und das thun die Ungarn selber / als die solches vor ein löb- und Christliches Werck halten; vors erste nehmen sie den Gefangenen / werffen ihn auf den Bauch nider / schneiden hinden in den Hosen / am Gesäß ein Loch / setzen ihm hernach einen Pfal so dick als ein Bein / der fornen zugespitzt / an den Hindern / binden ihm darauff an jedes Bein einen Strick / einer tritt ihm auf den Rucken / die andern ergreiffen die Stricke und ruffen: wer ein rechter Christ seyn wil / der helffe anziehen; und also wird er an den Spieß gezogen / dessen Spitze ihm bey den Schultern oder Kien: bißweilen auch durch den Hals zum Mund heraus gehet. So sie etwa nit recht ziehen / also daß der Spieß bey den Rippen heraus fähret / ziehen sie den Menschen wieder zurück / und darauff von neuem wieder an. Hernach wird der Spieß in die Erd gegraben / also daß der Mensch mit dem Haupt übersich und gegen der Sonnen Aufgang sihet: sie leben bißweilen 24. Stunden und drüber / es sey dann / daß ihm das Hertz getroffen worden / oder da ihnen der Spieß durch den Hals fähret / alsdan nahet sich der Tod eher und offtmahl zur Stunde. (Religion in Ungarn.) Was die Religion oder Glaubens. Bekantnuß betrifft / seynd in Ober-Ungarn mehr Protestanten / und in den Nider-Ungarn mehr Römisch-Catholische / es werden wohl auch in diesem Land nebst den Türcken / Wiedertauffer / Arrianer, Trinitarii, und andere Secten gefunden. So viel seye von Beschaffenheit deß Königreichs Ungarn gesagt. Nun wollen wir erzehlen / was daselbst und in den Angräntzenden Landen schrifftwürdiges im Monath Januario deß 1686sten Jahrs passirt ist. Nachdem der Allmächtige GOtt im vergangenen 1685. Jahr die Käys. Waffen so beglückseliget / daß sie nach Eroberung Neuheusel / gantz Ober-Ungarn in dero Gewalt gebracht ausser der eintzigen Vestung Mongatsch / als ist dem General Feldmarschall Caprara Käys. Ordre ertheilet worden / mit dessen unterhabenden Corpo vor besagte Vestung zu rucken / [30] und selbige den gantzen Winter durch so eingesperret zu halten / darmit nichts ein- oder auskommen möchte / worauff die nöthige Anstalt hierzu gemacht / anbey auch ein Schreiben vom Herrn General durch einen Tambour an deß (Mongatsch wird bloquirt.) Teckeli Gemahlin in die Vestung spedirt worden / dieses Inhalts: daß weiln ihr Mann der Teckeli bey den Türcken hart gefangen gehalten werde / sie auch keinen Succurs zu hoffen hätte / wäre sein treuer Rath / den (Caprara schreibt an die Teckelin.) Käyserl. schon zum öfftern angebottenen perdon dermahleins zu amplectiren / und nur die extrema nit zuerwarten / widrigen fals wolte er General vor GOtt und vor der Welt wider die böse Consequentien / so die tardanza ihrer Resolution nach sich ziehen möchte / protestirt haben. Welches Schreiben nachdem es die Teckelin abgelesen / hat sie nachfolgender Weiß geantwortet / so von Wort zu Wort also lautet: (Antwort der Teckelin auf das Caprarische Schreiben.) Ich hab Ew. Excellentz Brieff empfangen. Das Unglück / welches / wie Ew. Excell. meldet / dem Printzen meinem Mann begegnet / kan mit keiner Warheit / als ein Urtheil Göttlicher Rach angezogen werden. Niemand hat meinen Herrn und Mann der Untreu überwiesen / und die Dinge / welche wir glücklich ansehen / erlangen zum öfftern das meiste Unglück. Ich weiß nicht / welcher Ew. Excell. gesagt mag haben / daß er nach Constantinopel ins Gefängnus geführt sey / dann ich weiß / daß es gar anderst damit beschaffen / und daß er lebet / und sehr höflich tractirt / und auch in kurtzem wieder hier seyn werde. Was mich anlanget / so bin ich meinem Mann mit Christlicher Treu verbunden / die ich nicht brechen mag noch wil. GOtt und die Zeit werden die Unschuld / die ihm nun nach der Menschen Urtheil zur Missethat gerechnet wird / an denTag bringen. Das Glück der Waffen Sr. Allerhöchsten Käys. Majest. ist jederman bekant / und fallen mir nebst meinen Waysen sehr schmertzlich / ob ich schon die geringste Ursach und Anlaß darzu nicht gegeben habe / also daß ich wegen meines elenden Zustands mehr zu beklagen bin / als daß ich die Gewalt der Waffen solte verdienet haben / worunter die Schlösser Macorits / Agets / Potack und andere Oerther bereits sich haben biegen müssen. Die einigste Stadt / welche mir und meinen Waysen mit dem allerhöchsten Recht zugehöret / die soll mir nun / wie Ew. Excell. schreibet / durch die Krafft der Waffen genommen werden / umb solche vor den minderjährigen Printzen zu bewahren / welcher unter der Vormundschafft seiner Mutter noch zu Führung der Waffen unbequem / sich allein mit seiner Unschuld und Gerechtigkeit verthädiget. Lasset GOTT / die Welt / und die Christenheit urtheilen / ob nach Eroberung der Stadt Caschau / meiner Waysen Schlösser durch die sieghaffte Waffen Sr. Käyserl. Majest. haben eingenommen werden kön [31] nen. Ew. Excell. weiß gar wohl / daß was von uns gethan wird / durch Antrieb einer natürlichen Beschirmung geschicht. Doch wil derselbe vielleicht auch sagen von der Beraubung der Elenden und unerhörten Unterdruckung / welche der Capitain Molvar und andere in selbiger Gegend verüben / und die gantz Unchristlich seynd. Wann ich nicht fast alle Tag und Stunden angefochten würde / würde ich die Ruhe für die Unruhe gerne erwählen / ich würde lieber in Frieden und von meinen Gütern leben / als aller Ding beraubet / über mein und der meinen Elend winseln und klagen. Es sey ferne von mir / daß ich mich Sr. Käyserlerlichen Majest. widerspenstig erzeigen solle / dann solches meinem Geschlecht nicht anständig seyn würde. Ich lasse mir bloß angelegen seyn / meinem Herrn und Mann verpflichtet und beständig zu bleiben / und bey dieser Verbündnuß verharre ich festiglich. Daß Ew. Excell. meldet / daß die Ottomannische Pforte nach den Frieden bey dem Durchl. Hauß anhalte / das lasse ich dahin gestellt seyn / es wird aber mein Herr und Mann gute Sorg vor Befestigung deß Friedens vor meine und der meinigen Erhaltung tragen. Und das ist das jenige / welches mich festiglich vertrauen machet / daß der Römische Käyser nach seiner angebohrnen Güte die Waffen gegen mir und meinen Waysen nicht ergreiffen werde / dann ich als Mutter und natürliche Vormünderin bin aus allerzartester Zuneigung auff ihren Wohlstand und Vortheil bedacht. Ich erschrecke vor der last der Waffen nicht / dann die Gütigkeit deß Allerdurchl. Käysers / und der Heldenmuth Ew. Excell. lassen nicht zu / daß ich deroselben Gewalt zu erwarten habe. Ich / sage ich / die ich meine Beschirmung auff die Gnade zu Sr. Käyserl. Majest. und meiner Unschuld allein setze. Es ist wahr / daß viel von den besten Häuptern meinen Herrn und Mann verlassen / und also ihren Eyd und Pflicht schändlich vergessen haben / und andere offentliche Untreu / solten nach dem Vorbild menschlicher Unbeständigkeit / die dem Glück folget / und die Unglückseeligen verlässet / wieder kommen. Ich lobe das Edle Gemüth Ew. Excell. zum höchsten / weil sie schreibet / daß sie sich dermassen moderat bezeugen wolle / daß die Christenheit nicht Ursach zum mißfallen solle haben können. Sie wird warlich den Sieg und die Glori eines so grossen Monarchen nicht vermehren / so sie mich und meine Waysen mit Schmertzen beladet und drücket / wird auch ihren eigenen Ruhm nicht vergrössern / wann sie sich nach Eroberung von Potack durch das Glück ihrer Waffen (welcher Orth mir aus einer sonderlichen Gunst anbefohlen war) die Treue / die ich GOTT und meinem Mann schuldig bin / nicht breche. Ferner soll GOTT und die Welt von meiner Unschuld urtheilen / darbey ich die [32] gantze Zeit meines Lebens verharren werde. Ew. Excell. unterdessen alles wohlerwünschte Wohlergehen und Glückseeligkeit anwünschend. Geben in Mongatsch. sc. Bey diesem Verlauff seynd immer Teutsche aus der bloquirten Vestung (Grosser Holtzmangel in der Vestung Mongatsch.) Mongatsch zu den Käyserlichen übergangen / die außgesagt / daß darin an allen Nothwendigkeiten / absonderlich aber an Holtz grosser Mangel / und seye ihr meister Vorrath hiervon im Graben befindlich / worauff die unsrigen bey Nachtszeit selbiges angezündet / und ruinirt haben. Immittels hat Gen. Caprara die Teckelin wegen ihrer Halsstarrigkeit im gantzen Lager vor eine Rebellin mit offenen Trommelschlag declariren lassen / worauff diese mit ihren requisitis sich zur Außstehung einer Belägerung fertig gemacht / und weiln die unsrige im̅er näher avancirt / und endlichen gar in die Vorstadt sich einlogirt haben / als hat es öffters kleine Scharmützel abgeben / worbey beyderseits einige geblieben; bald zu anfang dieses Monats ist ein Schreiben von (Schreiben deß Königs in Pohlen an die Teckelin.) König in Pohlen an die Teckelin lautend im Käys. Lager angelangt / welches wegen gebührenden Respects so fort ohneröffnet durch eben den Pohlnischen Expressen derselben zugeschickt worden / so der Uberlauffer bericht nach auch von ihrem Ehegemahl ein Schreiben empfangen haben soll / worinnen enthalten / daß er Teckeli von den Türcken wieder auff freyen Fuß gestellet worden / (Wie auch deß Teckeli selbsten an seine Gemahlin.) dahero sie adhortirt sich keines wegs Ih. Käys. Maj. zu submittiren / sondern so lang möglich zu defendiren / mit Vertröstung sobald das Wetter zulasse / mit einer nahmhaften Türck. Macht sich der Orthen einzufinden / und sie von der blocquada liberiren wolte. Die Mongatsch. Guarnison / als welche in dem Kern von Ungarischen Rebellen oder Teckel. Adhaerenten bestanden / erzeigte sich auff vernehmen dieses sehr muthig / und thate vielfältige Außfäll / die aber jedesmahl mit Verlust einiger Mannschafft repousirt worden. Mithin war der so genante Petrozi ein dem Schein nach vom Teckely abgefallener vornehmer Ungar noch immer in Siebenbürgen / und vermeinte (10000. Wann Käys. Völcker in Siebenbürgen einquartirt.) den Käys. Perdon mit Zurückgebung seiner confiscirten Güter zu erhalten. In besagtem Fürstenthumb wurden indessen 10000. Mann Käys. Völcker einquartirt / welche ihre Quartier biß auff Clausenburg extendiret / so die dasige Landständ den gantzen Winter hindurch erhalten müssen; Sonsten liegt ein Städtlein Namens Arrath ohnweit Lippa an dem considerablen (Käys. erhalten ein berrliche Victori wider die Türcken bey Arrath.) Fluß Maros [welcher Schiffreich ist und in die Theisse laufft] allwo die Käys. dieser Zeit ein sehr nahmhaffte Victori wider die Türcken erhalten haben / dann nach deme die Hn. Generaln Mercy und Heußler gewisse Kundschafft eingenommen / daß aus Siebenbürgen viel Proviant gegen Temeswar und Lippa von denTürcken abgesührt werden solte / waren dieselbe in 2000. [33] Pferd etlichen Commis-Tragonern nebst 300. Hussaren unter den Petnehasischen Commando von Zollnock unversehens aufgebrochen / und gegen gemeltes Arrath gerucket / und vie sie dahin kom̅en / ist ihnen durch Kundschafft bedeutet worden / daß über 1000. Türcken meistens von deß Groß-Sultans Janitscharen mit einer grossen Anzahl Munition und Proviantwagen sich hinein retirirt hätten / worauff die Unsrige eilends dahin gerucket / den Orth rings umbschlossen / und so dann den Feind ermahnen lassen sich zu ergeben / dahingegen demselben der freye Abzug versprochen wurde / sintemahln aber die Janitscharen sich absolute nicht submittiren / sondern es für ein Unehr gehalten / und schimpfflich zu seyn achteten / den Christen ohne Gegenwähr sich zu ergeben / und also dem Tod sich lieber sacrificiren wolten / derohalben von beeden Generaln resolvirt wurde / ten Orth mit Gewalt anzufallen / wie dann gleich darauff auff einer Seiten die Ringmauer durch etliche Feldstück zu boden gelegt / und also den Weg zum Sturm eröffnet und so dann mit einem solchen Ernst und courage so wohl von den Teutschen / als Ungarischen Militz mit einträchtiger Hertzhafftigkeit gefochten wurde / daß nach einem hart und blutigen Gefecht die Türcken übermeistert / (Das Städtlein wird erobert und viel Türcken erschlagen.) 900. deren erschlagen / 200. aber gefangen und nach beschehener Plünderung die gantze Stadt sambt der über den Fluß Maros stehenden Brücken / und alles das / was nicht hat können nachgebracht werden / in die Aschen gelegt worden / die grosse Beut / so die Unserige hierhey gemacht / kan nicht gnugsam beschrieben werden / dann weiln Arrath ein fürnehme Handelstadt / (Wird folgends abgebrant.) und viel reiche Inwohner geheget / muste die Beut desto considerabler seyn / wie dann unsere Soldaten bey manchen uber 100000. Reichsthaler nur an paarem Geld erbeutet haben / und wird versichert / daß jeder (Vnd darinnen gute Beut gemacht.) gemeiner Soldat / so dey dieser Action gewesen / auffs wenigst zwey hundert Ducaten nur an Geld und Kleinodien / bekommen habe / zu geschweigen daß viele Proviant und Munition / die grosse Menge Victualien / die viele hundert stück groß und klein Viehe / die stattliche Pferd / köstliche Kleider / treffliche Gewähr / und eine grosse Summa von allerhand Türckischen Wahren / wie nicht weniger 14. stück Geschützes / 11. Standarten / 3. Janitscharen Fahnen / und 3. paar Heerbaucken / welches alles nebst den fürnehmsten Einwohnern von Arrath und vielen gefangenen Türcken die unsrige glücklich in Zollnock eingebracht haben. Auf Türck. Seiten ist der Bassa von Sophia, und fast alle commandirende hohe Officirer geblieben / und ist diese (60. Türcken eschappicen glücklich.) Victori so vollkommen gewesen / daß nicht mehr als 60. Türcken von dieser Bataglia entkommen / welche nach Lippa und Temeswar geflogen / allda sie ein solche Forcht erwecket / daß der in Temeswar commandirende [34] Bassa seine Vorstadt abgebrandt / worauff dasige Inwohn er / und die zu Lippa / Gyula / Segetin / Großwardein / und anderer Orthen mehr ihre beste Sachen weiters nach der Türckey geflüchtet / ja es haben die Türcken so (Machen grosse Forcht in den angräntzenden Plätzen.) gar wohl 40. mit Mannschafft besetzte Palancka aus Forcht verlassen / und die Besatzung nach den vesten Plätzen gezogen; unserseits seynd bey dieser Rencontre (die sicherlich überaus hitzig gewesen / indem sowohl die Türcken als die unserige rechtschaffen vor Ehr und Leben gefochten haben / mit der einmüthigen vesten Resolution entweder zu siegen oder zu erligen / das (Der Verluft an Christlicher Seiten.) ist ehrlich zu sterben / welcher Wuntsch auch an den Türcken wahr gemacht worden) von der Ungarischen Militz 200. und von den Teutschen 100. Mann auff den Beth der Ehren geblieben. Nach diesem Verlauff hat Herr General Wachtmeister Wallis mit (General Wallis recognoscirt Groß. Wardein.) 3000. zu Fuß / und 1500. Pferden einen Streiff biß an die Vorstadt von Großwardein gethan / und selbigen Orth recognoscirt / worauff die darinnige Besatzung von 6000. Mann zum öfftern außgefallen / und verschiedene Rencontres mit denen Käyserlichen gehalten / die aber immer repousirt worden / also daß die Unserigen den Orth wohl observiren können / worauff sie auch alle dortherumb gelegene Dörffer und Flecken verbrant / und rumirt haben / und mit einiger Beuth wieder zurück gekehrt seyn. (Grosse Hungersnoth in Groatien.) Entzwischen hat man außm Land von Croatien sichere Nachricht erhalten / daß daselbst und in den angräntzenden Türckischen Landschafften die Hungers-Noth unbeschreiblich groß sey / so seyen auch alle Ströhme in diesem Monath sehr hoch angeloffen / so dem Land grossen Schaden zugefügt (Graff von Herberstein wird General-Capitain überdl. Melthesische Galeen.) hätten / der Hr. General Graff von Herberstein sey gleich zu anfang dieses Jahrs von Carlstadt auffgebrochen / und nacher Segna verteist umb auff das allda stehende und auff ihn wartende Venetianische Schiff einzusitzen / und nacher Malta abzuseglen / umb allda als General-Capitain die Mallthesische wider den allgemeinen Erbfeind destinirte Christliche Galleen zu commandiren; In währender dessen Abwesenheit Herrn Johann Mattiasen Graff von Strasoldo das Commando und General-Capitainschafft von Carllstadt von Jhr. Käyserl. Majest. anvertrauet worden; von dar eine Parthey von 150. Mann unterm Commando Hrn. Frantz Hrainlowitsch einen Streiff in das Türckische Gebiet gethan / viele Türcken nidergesäbelt / und den 6. dieses mit 5. Gefangenen / 260. stück / groß und klein Viehe / und 7. Pferden glücklich zu Carllstadt wieder angelangt seynd. (Die Griechen langen zu Carlistadt an.) Allwo den 10. Brieff von Werovvitiza ankommen / welche melden / daß 3. Griechen von Griechisch-Weissenburg den 2. diß alldorten übergangen / ankommen / so außsagen / daß der Ertz-Rebell Teckeli alldorten seye / [35] und verlange ein Türck zu werden / begehrte auch von den Türcken 11000. Mann / als 6000. zu Pferd / und 5000. zu Fuß / und versichert damit / denen Käyserl. in Ober-Ungarn einen grossen Abbruch zu thun / auch vermelden (Jhre Außsag.) gedachte Griechen / daß sie dieses Volck schwärlich auffbringen werden können / weiln sie ohne dem aller Orthen sich genug zu wehren haben / es sollen in 30000. Christen in Bellgrad seyn / so Tag und Nacht bäten / daß einmahl unsere Armee hinunterrucken thäte / so wolten sie dann alle die Türcken / so sich in 10000. Mann darinnen erstrecken / nidersäblen (dieses versprechen die auch in Bossega) sie sagen ferner / daß grosse Forcht unter den Türcken seye und daß die Wallachen alle durchgiengen. (Teckelt wird zu Bellgard gefangen gehalten.) Daß sonsten der Teckeli nach geendigter unglückseel. Türckis. Campagne vom Bassa zu Groß-Wardein arrestiret und auff expresse ordre von der Ottomannis. Pforten unter starcker Convoy nach Bellgrad in schärffere Verwahrung gelieffert worden / wird seines Orths schon bekannt seyn; nun hat der Käyserl. General Caraffa einen Brieff von ihme an seine Gemahlin lautend intercipirt dieses Inhalts: P. P. Durch Göttliche Vorsehung seynd die Sachen schon soweit (General Caraffa intercipirt ein Schreiben an seine Gemahlin.) beschleuniget / daß wir den neuen Sezenar Abrahamon Bassa von Ofen stündlich erwarten können / und sobald er kombt / kan ich auch gleich auffbrechen / gewisser Ursachen halber habe den Paul Ubrizen voran nach Groß-Wardein abgefertiget / so inzwischen bedacht seyn wird / die Kundschafften wegen Mongatsch zu vertheile~ / und die benöthigte Sachen in Gang zu bringen. Dahero ich doch mein liebes Weib meines Lebens / gesundheit und daß aus Disposition deß Türckischen Käysers für mich ein zimbliches Geld / Pferd / Zelte / wie auch andere dergleichen Nothdurfften seynd beordert worden / berichten wollen / welche meine Diener heut oder morgen zu handen nehmen werden / zumahln die Lista hiervon bereits heraus gegeben worden ist. In Ansehung meiner und meiner fernern negotien werdet ihr die Frucht meines hierseyns mit Freuden befinden und erfahren; GOTT verleyhe / daß wir einander in einer glückseeligen Stunde sehen mögen. Gegeben zu Griechisch-Weissenburg. sc. Dein Ehemann von treuem Hertzen. Emmericus Teckely. P. S. Meiner Schwester / wie auch der Juliana, dem Frantz / sambt andern Freunden der gesambten Compagnien wünsche auch viel gutes. [36] Nebst diesem hat erwehnter Herr General noch ein anders Schreiben von dito an einen Haupt-Rebellen lautend aufgefangen / worinnen nebst andern auch dieses angezogen / daß er Teckely vom Groß-Sultan zum Fürsten (Vnd noch eines an einen Haupt-Rebellen lautend.) in Siebenbürgen denominirt sey / und derentwillen wohl ehistens die würckliche Possession zu nehmen / heraus kommen / und durch Hülff der Türcken dasselbe antretten werde. Daß nun dieses seinen Zweck erreichen solte / wird Käys. seits nicht geglaubet / obwohln seithero sichere Nachricht eingelauffen / daß gleich bey angetrettener Regierung deß neuen Groß-Veziers gemelter (Teckeli wird seines Arrests erlasen / komt nach Groß-Wardein / nud läst Circular-schretden außfertigen.) Teckely seines Arrests erlassen worden / der sich so dann doch nicht ohne Türckische Convoy nach Groß-Wardein verfüget / allwo er sub dato den 28. Januarii an alle Ungarische Grafen / Freyherren / und Edelleuth Circular-Schreiben außgehen lassen folgeden Abtrucks. Demnach wir Emmerich Teckely von Gottes Gnaden / und aus grosser und sonderbahrer Clementz deß Türck. Kaysers Fürst in Ungarn / und Siebenbürgen wieder anhero kommen seynd / so haben wir solches allen unsern Vasallen / Grafen / Freyherrn und Edelleuten auff gut befinden unsers geheimen Rats zu wissen thun und zugleich allen Gouverneurn der Städte / Provintzen und Dorffschaften / so unter unsere Bottmässigk. gehören / befehlen wollen / aus jeder Stadt oder Flecken 2. Abgeordnete unverzüglich zu schicken / und anzuhören / was wir ihnen zum besten und Erhaltung deß Ungerlands befehlen werde̅ / bey Vermeidung unsrer und unaußbleiblicher straf ihres Ungehorsams. Bald nach diesen hat nicht allein der Teckely sein zweytes Schreiben / sondern auch den Bassa Wardein seiner Einbildung nach zu bessern Nachtruck folgende Universalien in den Ober-Ungarischen Gespannschafften publiciren lassen / als: Nachdem durch Gottes Barmhertzigkeit / und deß Großmächtigsten Käysers sonderbahre Käys. Gnade ich mit meinen Trouppen bey (Zweites Schreiben deß Teckeli an die Gespannschafften.) Wardein angekom̅en bin / als hab ich fort an den Orthen / und sonsten durchgehends überall / wo man von mir hören wird / kund thun wollen / daß eines jeden Orts Richter mit Beysitzern sich zu mir verfügen / und Befehl empfangen sollen / wie sie sich zu verhalten / und was sie zugewarten haben werden / falls aber sie meinen Befehl werden aus der acht schlagen / soll es ihnen an den Hals gehen / die jenigen aber / so mir weder von den Teuschen / Erabaten oder Ungarn keine Kundschaft anbringen werden / sollen ohne alles Erbarmen gespisset werden / dafern auch ein oder ander Orth darüber möchte zerstöret werden / können die Einwohner solches ihrer Vermessenheit zuschreiben / gegenwärtigen aber diesen mein Befelch sollm an aller Orthen publiciren / und wann solches an das letzte Dorff wird gelangen / soll selbiges bey Lebensstraf sich zu mir verfügen: wer aber solches Mandat wird hinterhalten / oder gar [37] verliehren / sollen die jenige es mit 500. Gulden zu verbüssen gehalten seyn. Gegeben zu Wardein den 31. Januarii 1686. Emmericus Teckely, Princeps. Publieirtes Manifest von dem Bassa von Wardein an dieselben Landrichter. (Item deß Bassa von Groß-Wardein.) Deß Großmächtigsten Käysers Ober-Commendant der Besatzung in Wardein thun kundt den Surpuckirsischen / Kymarscentischen sc. sc. durch dieses mein besiegeltes Schreiben / daß nachdeme der Fürst Emmericus Teckely mit etlichen Türckischen Trouppen allhier angelangt / als befehle ich derhalben gantz ernstlich / daß sie sich mit Proviant und Lebensmitteln vor dieselben Trouppen gefast halten / und solches bey Tag und Nacht zur Hand schaffen mögen / werder ihr dieses nicht thun / sollet ihr der verdienten Straff gewärtig seyn / und sollen diese meine Schreiben überall publisirt werden / bey Straff 100. fl. Gegeben zu Wardein den 31. Junuarii An. 1686. Ob und was diese Teckelische und Türckische Universalien bey denen Ungarischen Landständen gefruchtet / ob sie selbige respectirt / und was ferner hierauff erfolget / wird in nächft-folgendem Monat mit mehrern Umbständen zu vernehmen seyn. (Türckische Geschichten.) Nun von den Türckischen Geschichten sowol was an selbigem Hof / als in dem Türckischen Ungarn passirt / auch Meldung zu thun / kom̅t mir gleich anfangs vor eine Copey aus einem intercipirten Schreiben von Constatinopel / so in geheim an einen vornehmen Türckischen Bassa abgegangen seyn soll / worinnen ausführlich und umbständiglich erzehlet wird / was für wunderliche Gesicht und Geschichte in Constantinopel und der Ends umbligenden Orten sich zugetragen und gesehen worden seyn / auch wie diese be durch die beruffene Astrologen und Zeichendeuter dem Groß-Sultan ausgeleget / und was sich mehrers darbey wunderliches begeben / aus einer zu Ancona Italiänischen gedruckten Relation in die Teutsche Sprach übersetzt folgenden Tenors: Daß verwichener Zeit ich dem Herrn nicht geschrieben / ist nicht aus Nachlässigkeit / sondern dahero geschehen / weilen hiesiger Orten nichts passiret. Nun aber / nachdeme verwichener Tagen allhier zu Constantinopel und durchs gantze Land umbher viel Zeichen in der Lufft sich ereignet / auch dem [38] Groß-Türcken deß Nachts im Schlaff etliche Gesicht vorkommen / hab ich nicht unterlassen wollen / solches zu bedeuten / welches zwar allhier für dem gemeinen Mann gar in geheim gehalten wird / bitte auch darneben / daß (Copia eines intercipirten Scheeidens aus Constantinopel an einen sürnehmen Bassa abgegangen.) solches von mir nicht auskommen möchte / worauff mir mein Leben stehen solte. Gebe demnach zuverstehen / daß den 10. Novembr. abgewichenen Jahrs ein erschröcklicher Wind entstanden / welcher biß den 18. dito continuirt / durch dessen Ungestümmigkeit die Bäume häuffig aus der Erden gerissen / die Dächer von den Häusern geworffen / auch sehr viel schöne Bäu ruinirt / über dieses seynd vom Himmel nebst grossem Blitz und Donnerschlägen viel grosse Pfeil einer nach dem andern in deß Groß-Türcken Pallast gefallen / dardurch ein sehr grosse Anzahl von seinen Bedienten erschlagen / so seynd auch zu mehrer Verwunderung und Schrecken 2. gantz feurige Sterne gesehen worden / welche grosse zweyfache spitzige Schwäntze wie Pfeil gehabt / so gantz flammend gewesen / daß man gemeynet / der gantze Himmel seye entzündet / deren der eine fast ein gantze Nacht just oberhalb deß Groß-Türcken Pallast gesehen worden / der andere aber 3. Stunden vor Tag über der Sophienkirch erschienen / und 2. gantze Stund geleuchtet hat. Hernach ist dem Groß-Türcken den 12. dito in der Nacht 3. Stund vor Tag im Schlaff vorgekommen / als ob er von einer grossen Anzahl Löwen wäre angefallen worden / unter welchen der gröste ihn mit gröster Grimmigkeit in der Brust angegriffen / worauff er krafftloß und geängstiget / aus grosser Forcht laut geschryen / und darüber aus dem Schlaff erwacht / als solches seine Bedienten / so im nächsten Zimmer gewesen / gehört / haben dieselbe alsobald noch ein grössers Geschrey gemacht / in Meynung / es wäre dem Käyser einige Gewalt widerfahren / lauffen in Eyl dem Schlaffzimmer zu / begehren inständig zu wissen / was die Ursach dieses Geschreyes möchte gewesen seyn. Nachdem nun der Groß-Türck seiner Geheimsten einem dieses Gesicht oder Geschichte offenbahret / hat derselbe befohlen / es solten die Janitscharen / also auch die andern alle / ein jedweder an sein Ort sich wieder verfügen / sintemalen ihm nichts widriges widerfahren. Darauff er abermal eingeschlaffen / und ist ihme gegen den Tag dieses andere Gesicht vorkommen / nemlich daß er eine grosse Menge Centauros gesehen / welche unter sich selbsten einen blutigen Streit gehabt / nachmals wäre vom Niedergang eine grosse Anzahl Greiffen / die ein grosser Adler geführet / ankommen / welche mit grosser Ungestümmigkeit die Centauros angefallen / also daß dieselben alsobald die Flucht nehmen müssen / theils dieser Centauri aber reterirten sich umb ihr Leben zu salviren in eine Grube / und hatte der ander Theil mit grossem Schaden derer / so sich in die Gruben begeben / mit obge [39] dachten Greiffen sich verglichen / der Groß-Türck als er dieses gesehen / hat aus Mitleyden mit einem blossen und flammenden Schwerd denen Centauris zuhülff kommen wollen / und indem er das Schwerd gegen den Greiffen gezucket / habe der Adler / so die Greiffen geführet / ihme dem Groß-Türcken das Schwerd aus der Hand genommen / und hinweg geführet: Als nun der Groß-Türck abermal darauff erwachete / hat er dieser Gesichte / wie nicht weniger der Cometsternen Bedeutung wissen wollen / derowegen durch gantz Türckey Ordre ergehen lassen / daß alle Astrologi und Wahrsager bey höchster Straff der Ungnad innerhalb 10. Tagen sich nach Constantinopel verfügen sollen / wohin sich dann auch viel vornehme Leut erhoben / denen der Groß-Türck alle diese Gesichte erzehlet / mit diesem ernstlichen Befehl / daß sie niemanden / es bedeute auch was es wolle / solten etwas darvon sagen / und daß sie ihme solche Bedeutung ohne allen Respect innerhalb 3. Tagen solten auslegen / nicht weniger hat er ihnen befohlen / der Cometsternen Bedeutung ihm zugleich zu eröffnen. Wie nun diese Astrologi und Wahrsager alles verstanden / haben sie sich beurlaubet / und sich säm̅tlich in ein Zimmer begeben. Nach diesem nach forschen aber / was aus diesen Zeichen erfolgen würde / zugleich und ein jeder vor sich alles wol betrachtet / haben sie endlich mit der Auslegung übereingestimmet / darauff der älteste und verständigste mit Namen Mosia also zu reden angefangen: (Auslegung der Wahrsager über deß Groß-Sultans gehalten Traum.) Großmächtigster und unüberwindlichster Käyser und Herr. Nachdem Euer Majest. uns aus keiner andern Authorität / als ohne einigen Respect zu reden geben hat / die warhaffte Bedeutung dieser beeden Cometsternen / so auch die erzehlten Gesichter / so E. Majestät vorkommen / anzuzeigen / als haben wir mit allem Fleiß betrachtet / und die Zusammenfügung der Planeten ausgerechnet / dabey auch Ih. Majest. Nativität / die uns hierinnen nicht geringen Bericht geben / luminiret. Wissen derohalben E. Majest. Großmächtigster Käyser / wollen aber nicht darüber erschrecken / weil die böse Influenz deß Gestirns durch die Gedult E. Majest. kan moderitt werden / welches wir mit der Menge der Zähren und unaussprechlichem Hertzenwehe bedeuten müssen / daß die himmlische Zeichen nach aller Astrologen, sonderlich deß Ptolomaei Meynung derselben Geringerung ihres Standes / und eine Rebellion unter ders Unterthanen anzeigen und drohen. Belangende aber die nächtliche im Schlaff vorgekommene Gesichter / werden durch die Löwen die Christen verstanden / welche sich miteinander vereinigen / und gleich wie unbändige Löwen einträchtig sich dero Majestät widersetzen / und in kurtzer Zeit einen guten Theil Euerer Majest. Reichs abnehmen werden; Der Löw / so E. Majest. Großmächtigster Käyser bey [40] der Brust ergriffen / bedeutet den grossen Christen-Käyser / welcher unserm eigentlichen befinden nach der jenige ist / welcher E. Maj. dero Stand benehmen wird. Die Ceotauri, so miteinander gestritten / zeigen an die Unterthanen E. Maj. deß Großmächtigsten Käysers / welche selbsten in Uneinigkeit / und in eine Rebellion gerathen werden. Die Greiffen bedeuten eine grosse Armada der Christen / welche E. Maj. Kriegsmacht unterdrucken und überwältigen werden: Durch den Adler / welcher E. Maj. das Schwerd aus der Hand genommen / wird verstanden der Christliche Käyser / und weilen es E. Maj. haben wollen / daß wir es veroselben sagen und offenbahren / es ist derselbige / der E. Maj. von dero Käyserl. Thron herunter stürtzen wird. Die bren̅ende Cometsternen und dero doppelte Schweiffe bedeuten auch die Macht desselbigen Christl. Käysers / und dieses gibt uns desto mehrern und sicherern Glauben / weil diese Cometen über E. Majest. Pallast und über der vornehmsten Moschea oder Tempel erschienen: Allergnädigster Käyser / wir haben zwar dieses mit weynenden Augen anzudeuten / daß alle unsere Voreltern / und wir auch jetzo noch darfür halten / daß dieses das letztere Reich der Türcken sey / und gleichwie die Türckische Regierung ungefehr An. 1300. unter Alberto dem Ersten / als ersten Oesterreichischen Käyser angefangen / also werde allem ansehen nach dieselbe sich wieder unter einem Käyser vom Hauß Oesterreich endigen / und das darumb ohn allen Zweifel / dieweil vom Käyser Julio Caesare bißhero die Romaner niemalen einen großmächtigern und mit Kriegen glückseligern Käyser als den jetzigen / gehabt haben. Das Allergroßmächtigster Käyser ist alles / was wir sowol aus den nächtlichen Gesichtern / als erschienenen Cometen haben erkennen können / welches wir E. Majest. begehrter massen haben bedeuten wollen. Worauff (Die Astrologi werden ins Gefängnuß geworffen.) der Groß-Sultan / als er diese Auslegung sehr wol observirt / solche hat abtretten lassen / und befohlen / selbige in die ärgste Gefängnuß zu werffen / hat sich auch über solche Ausred sehr alterirt, und in vielen Tagen keine Audientz geben wollen. Wann dieses alles sich so zugetragen / gleich wie es hier beschrieben / ists fürwar sehr nachdencklich / und mag dem Türckischen Reich wol grosse Veränderung ankünden / und ob zwar dieses Wunder schon im November nechst-abgewichenen Jahrs sich ereignet haben soll / und deßwegen in die Beschreibung unsers vorhabenden Januarii nicht gehöret / so habe es doch nichts desto weniger wegen der vielen ominösen Umbständen diesen Schrifften mit einverleiben wollen.
|| [41]
Wir kehren zu unserer Ungarisch-Türckischen Geschichten Beschreibung / und sagen daß die Türcken vermög sicherer Brieff von dar diesen gantzen Monat durch selbige Hauptstadt Ofen sehr fortifieirt / nechst an dem Donaustrohm (Ofen wird starck fortitzcirt.) eine starcke Mauer erbauet / und eine grosse äusserliche Schantz auffgeworffen / worzu die meisten Materialien von den zu Pest abgebranten Häusern applicirt worden seynd. In besagtem Ofen continuirt eine grosse Theuerung / und wird ein Metzen Getrayd zu 7. Rhlr. verkaufft / ingleichem continuirt die grosse Theurung in Constantinopel / von dar Brieffe (Ibrahim Bassa wird strangulirt.) melden / daß der Ibrahim Bassa / so bey Eroberung Esseck in verwichenem Jahr die Flucht genommen / zu Griechisch-Weissenburg strangulirt / der Saylan Bassa aber / obwolen die Janitscharen / daß er Neuhäusel nicht succurrirt / seinen Kopff begehret / seye doch wegen seines Wolverhaltens / so er in jüngster defension der Stadt Ofen erwiesen / an dem Leben vom Groß-Sultan (Vezier zu Ofen wird Straskier oder Türckischer Feldberr in Ungarn.) perdonirt / aber aller seiner Chargen entsetzet worden / welchem dan̅ der jetzige Vezier zu Ofen im Seraskier-ambt succediret, dem Achmet Bassa aber / welcher bey jüngstem Einfall bey Esseck sich ins Schloß reterirt / und selbiges erhalten / die Ober-Commendantenstell zu Ofen conferirt worden. Der Groß-Vezier lige auff den Todt / und habe aus dem Käyserl. Schatz ½ Million an Kleinodien erhoben umb wegen grossen Geldmangels die Officiers (Auffruhr in Anatolia.) und Soldaten damit zu befriedigen / so seye auch in Anatolia ein gefährliche Auffruhr und Schwürigkeit unter dem Pöbel wegen deß hingerichten Kara Mustapha Bassa / vormals gewesenen Groß-Veziers / entstanden / und ein gewisser dessen Bluts-verwandter einen Anhang von 3. biß 4000. Mann an sich gezogen / und unweit Constantinopel mit sengen und bren̅en einen grossen Schaden gethan / auch täglich der Zulauff sich vermehre; was sich weiter im Türck. Reich absonderlich in der Stadt Constantinopel diesen Monat hindurch namhafftes zugetragen / wird der günstige Leser aus nachfolgenden 4. Extract-Schreiben zu vernehmen haben. Constantinopel vom 16. Januarii An. 1686. (Extract-Schreibens aus Constantinopel.) Den 10. dieses arrivirte allhier der Frantzös. Ambassadeur mit 2. Kriegs- und einem Kauffarthey-Schiff / unter dem Donner deß Geschützes trat er ans Land / mit einer Canon / welche scharpff geladen war / wurde ein Jud in seiner Wohnung getödet: Besagter Ambassadeur hat denen Frantzös. Kauffleuten und andern der Reformirten Religion angedeutet / daß selbige in 4. Monats-zeit sich zu dem Röm. Catholischen Glauben begeben solten / im verwägerendem Fall er beordert / sie gefesselt nach Franckreich zu schicken; bergleichen Befehl auch zu Smirna besagter Ambassadeur an die da wohnhaffte Reformirte hinterlassen.
|| [42]
Ein anders vom 20. dito. Den 27. Novembr. 1685. arrivirte Solymann Bassa zu Adrianopel von den Moldauischen Frontieren / allda er eine grosse Vietorie wider die Polen erhalten / und unterredete sich alsbald mit dem Groß-Vezier / der ihn mit neuen Kleydern beschenckte / und alsofort zur Audientz bey dem Groß-Sultan brachte / in Begleitung der Janitscharen und Spahis Agen / von welchem er mit aller aestim und grosser Ehre empfangen / und sehr vergnügt wider nach seinem Logement sich begad / allda er offentlichen Rath hielt / zu contentement der Gemeine / und ist von allen Bassen / wie auch von dem Groß-Sultan selber mit Proesenten verehrt worden / der Groß-Vezier verehrte ihm 2. schöne montirte Pferd: der Engl. Ambassadeur sandte auch seine Geschencke nach Adrianopel / darauff ist gedachter Solymann Bassa den 18. (Solymann Bassa wird Groß-Vezier.) Dec. zum Primo Vezier gemacht worden / als er gleich die Militz zu bezahlen in dem Divan im Werck begriffen war. Der Capigi Bassa ward durch den Groß-Sultan mit Ordre an den Groß-Vezier gesandt / das Käyserl. Insigel auszuhändigen / welchem er auch gehorsamlich nachlebete. Unterdessen ward Solymann Bassa wieder vor den Groß-Sultan gefordert / und als er dahin kommen / von demselbigen abermal sehr wol empfangen / und zum Groß-Vezier ausgeruffen und erkläret / ihm auch alsobald das grosse Käys. Siegel eingehändiget / darauff er dem alten Groß-Vezier ansagen ließ / den Hof zu räumen / so auch ungesäumt geschabe / also daß / da der neue Vezier deß folgenden Tags durch eine Thür in den Hof kam / gieng der alte zur andern Thür heraus nach seinem Haus. Darauff ließ der neue Groß-Vezier viel Grosse mit neuen Kleydern beschencken / den Reichs-Cantzler ab- und einen von seinen Creaturen wieder an desselben Stelle einsetzen. Nun erwartet man den alten Groß-Vezier in dieser Stadt / allda als ein gesessener Burger zu leben. Diese Veränderung gibt der Gemeine grosses Vergnügen / in Hoffnung / daß Se. Hoheit ihnen in kurtzem den Frieden wieder zuwegë bringen werde / und das umb soviel mehr / weil derselbe den Venetian. Dollmetscher vor etlichen Tagen vor sich fordern / und den Internuntium von Polen / der biß daher noch gefangen gesessen / auff freyen Fuß stellen lassen / dahero man vermuthet / daß einige Vorträg zum Frieden dörfften auffgesetzt / und ihren Principalen davon Nachricht geben werden. Den 3. dieses ist deß Hn. Coliers Bruder und der Secretarius Hochepied mit dem Ober-Dollmetscher nach Adrianopel verreiset / welche etliche köstliche Proesenten vor den neuen primo-Vezier bey sich haben / welcher dieses Jahr sehr früh wird zu Feld gehen. Was den Teckely betrifft / ist derselbe zwar durch den Bostangi Bassa von Adrianopel zu Bellgrad arrestirt worden / aber sobald Soly [43] mann Bassa davon Nachricht erhalten / hat er in dem Rath erkläret / daß solches ein grosser Fehler sey / und daß es sich gebühre / gedachtem Teckely mit einer grossen Macht beyzustehen / und ihn wider den Teutschen Käyser zu animiren; darauff alsobald Ordre ergangen / den Teckeli und seinen Agenten frey zu lassen / und sie / wohin sie wolten / zu dimittiren, also daß derselbige gar gewiß gegen bevorstehendem Frühling mit einer grossen Türck. Macht wieder zu Feld gehen wird. Hierauff hat der Groß-Sultan seinen Capugliat Chiajasi nach Bellgrad abgeschickt / den Seraskier Sayram Ibrahim Bassa / welcher das Jahr zuvor Ofen so trefflich defendirt / abzuholen / meistentheils umb der Ursach willen / weil die Militz wegen schlechten Tractaments und Bezahlung / und folgends der schlechten Campagne deß vergangenen Jahrs (Grosse Beränderung mit denen Türckischen Kriegs-Officirs.) über ihn geklaget. Dieser Capugliar Chiajasi kam den 8. Dec. mit dem Haupt gedachten Seraskiers nach Adrianopel / mit Bericht / daß ermeldter Seraskier deß Tags vorher den Oßman Bassa Ogby / der auff deß Groß-Sultans Ordre General in Ofen war / umbbringen lassen / daß also ein Aga dahin abgeschickt / allda einen neuen Bassa einzusetzen / dahero der Abdi Bassa zum General oder Seraskier wider den Röm. Käyser gemacht / kurtz hernach aber wieder abgesetzt / und einer Namens Missir Ogly / der vergangenes Jahr mit 10. Schiffen in der See gewesen / an seine Stell erwählet worden. Der Bostangi Bassa ist gleicher gestalt ab- und wieder eingesetzt / solches wird auch von dem Camaicam Bassa gesagt. Der neue Frantzös. Ambassadeur ist vor 3. Wochen in den Dardanellen / und nun allhier anköm̅en. Der Hr. Coliers wird in kurtzem nach Adrianopel gehen / und dem neuen Primo-Vezier complimentiren / und folgends Audientz bey dem Groß-Sultan haben. Noch ein anders vom 23. dito. Unsere Galleren / so noch im Stand seynd zu agiren / werden nicht über 5. seyn / die andern seynd zu Rhodus sehr devalisirt, und hat man viel alte Galleren anhero geschleppet / den Leuten einzubilden / daß sie von den Christen erobert seynd. Der Frantzös. Minister Mons. Gerardin lässet Praeparatoria machen / dem Hof biß nach Adrianopel / nich aber biß nach Griechisch-Weissenburg zu folgen / seine Gemahlin aber bleibt hier / und haben viel Türckische und Griechische Damen ihr die Visite gegeben / die sie auch wieder abgeleget / und auch das Serrail besucht hat / da sie überaus wohl empfangen worden / und wird wegen ihrer Schönheit und hohen Verstands willen von allen Grossen sehr viel auff sie gehalten. Wieder ein anders vom 26. dito. Der abgesetzte Groß-Vezier ist in dieser Stadt arrivirt / und hat seine Wohnung in seinem Hauß auff dem Canal von der schwartzen See bey [44] Scutaret genommen. Der Königl. Polnische Internuntius wird zu Adrianopel noch gefänglich gehalten / und bekom̅t zu seiner Verpflegung nicht mehr als täglich 200. Aspers. Unsere Flotte ist in einem miserablen Stand / (Misser Ogly wird zum Capitain Bassa ernennet.) und Misser Ogly zum Capitain Bassa oder General darauff ernennet. Der grosse Herr ergetzet sich fast täglich mit der Jagd zwischen dieser Stadt und Adrianopel. Man sagt / daß der neue Groß-Vezier den Mustapha Bassa Cuproli / so zu Chio ist / zu sich entbotten / umb denselben mit einem considerablen Am̅t zu versehen / er hat auch bereits den Spahis den ruckständigen Sold bezahlt / und wird im Anfang des Monats April nach Belgrad marchiren / woselbst Hadger Zade / so nach Comorrn abgeschickt gewesen / umb an dem Käys. Hof einige Friedens-Propositiones zu thun / wieder angelangt ist. Wer mehr von Türck. Geschichten zu lesen verlanget / der wolle nur im 7. und 8. Capitel dieses Monats bey den Polnisch- und Venetianischen Kriegs-affairen nachblättern / so wird er von dergleichen Materi noch mehr zu lesen haben; Jetzt schreiten wir zum

Dritten Capitel /
[arrow up]

Welches in sich haltet / was im gantzen Röm. Reich diesen Monat hindurch passirt ist. DEr Röm. Käyser Maximilianus II. hat das Teutsche Reich im Jahr (Geschichten deß Teutschen Reichs.) 1572. in zehen Craiß / als den Oesterreichisch-Burgundisch-Nieder- oder Chur-Rheinisch-Bayerisch-Ober-Sächsisch-Fränckisch-Schwäbisch-Ober-Rheinisch. Westphälisch- und Nieder-Sächsischen eingetheilet / welcher Eintheilung ich mich auch bey vorhabender dieser meiner Geschichten Beschreibung bedienen / einen Craiß nach dem andern fürstellen / und was in jedem denckwürdiges passirt / seiner Ordnung nach abhandeln will. Von dem Oesterreichischen Craiß (so die Ertz-Hertzog von Oesterreich (1. Oesterreichische Craiß.) proesentiren) ist gleich anfangs im ersten Capitel / unter dem Titul der Käyferl. Geschichten alle Nothdurfft vorgetragen worden. Vom Burgundischen Craiß / der die 17. Niederländische Provincien in (2. Burgundische Craiß.) sich begreiffet / und den der König in Spanien nebst dem Ertz-Bischoff von Bifantz proesentiren / wird im 9. Cap. unter dem Titul der Niederländischen Geschichten zu vernehmen seyn. Machen wir also den Anfang von unserer Historischen Beschreibung (3. Der Nieder-Rheinische Craiß.) beym dritten als Nieder- oder Chur-Rheinischen Craiß / welcher die 3. geistliche Churfürsten / von Maintz / Trier / Cöln / und den Chur-Pfaltzgrafen [45] von Heydelberg sambt vielen Grafen / und Herren in sich begreifft / bey welchem gleich anfangs uns die Churpfältzische Successions-Sach unter handen komt / und behauptete der Frantzös. Abgesandte Abbe Morel noch immer am (Churpfältzis. Successions-Sach.) Churpfältzis. Hof seine eingewendte Contradiction wider deß Chur-Pfaltzgraffen ergriffene Possession von denen Fürstenthümbern Summern und Lautern / wie auch der Graffschaft Sponheim und andern feudal- und allodial-Gütern / mit beharlichem einwenden daß alles der Madame de Orleans, als deß jüngst verstorbenen Churfürsten einigen Schwester von rechtswegen zukomme / über dieses wolte sich der Pfaltzgraff von Veldentz wegen der Chur auch nicht weisen lassen / vorgebende / daß besagte Chur von der Veldentzischen auf die Heydelb. und nachdeme diese in dem letzten verstorbenen Churfürsten Carolo erloschen / darmit wieder auf die Veldentzische Lini gefallen sey / jeder Theil wolte sein Recht in casu quo docire̅ / was nun diese Sach vor eine̅ Außschlag gewinnen werde / stehet künfftig zu vernehmen; Indessen haben Sontags den 20. dito die Römisch-Catholische zu Oppenheimb in der Franciscaner Kirch doch ohne Präjuditz der Protestirenden wieder Possession genommen (Catholische nehmen Possession zu Oppenheim in der Franciscaner Kirch.) / so aus Befelch Ihro Churfl. Durchl. von der Pfaltz geschehen / auf dero fernere Ordre auch den 20. durch die hierzu verordnete Geheime und Hoffräth / Freyherrn von Degenfeld und Reichenbach die jenige Mannheimer aus Franckreich bürtige Bürger / welche bezüchtiget werden wollen / ob hätten sie dem Aller-Chriftl. König nach dem Leben getrachtet / deßwegen sie auch eine geraume Zeit her in gar engem Arrest gehalten / und alle ihre (Einige arrestirte von Mannheim werden scharff examinirt.) Brieffschafften versigillirt gewesen / auffs schärffste examiniren / und alle ihre Missiven und Schrifften auffs genauste durchgehen lassen / ob nun sich etwas gegen sie befunden / muß die Zeit lehren / man hält aber indessen diese arme Leuthe allerdings vor unschuldig / sonsten bereits andere scharpffe Verordnung dieses abscheulichen Beginnens halber gegen sie würde ergangen seyn. Bey diesem Verlauff wurden die unterm Frantzösischen Schutz seyende Grünnstatter von Herrn Grafen von Leiningen ihrer Kirchen wegen (Den Grünstätern wird ihre Kirch disputirt.) mehrmahlen angefochten / indeme gemeldter Herr Graf ungeacht die Catholische bereits eine Kirch und Capell allda haben / mit Zuziehung viel und allerley Volcks denen Evangelischen allda ankündigen lassen / daß er Königliche Ordre habe / daß künfftighin alle Sonn- und Feyertäg gleich Morgens die Catholische / und nach 9. Uhr die Evangelische in der Stadt-Kirch ihren Gottes-Dienst verrichten sollen / welche Ord???e die Burgerschafft zu sehen begehrte / mit vermelden / daß Mons. de la Goupplier ihnen versprochen / daß sie diese Kirch allein besitzen solten / dagegen denen Catholischen / die vor dem Flecken liegende [46] Peters-Kirch eingeraumt werden; weil sich diese aber nachgehends beschwäret / daß ihnen solche zu klein / hat ihnen Mons. de la Goupplier geantwortet / sie solten sie grösser bauen / worzu sich auch die Evangelische erbotten / ihnen darzu 100. Reichsthl. zu steuren. So hat aber gedachter Hr. Graff nicht allein die Ordre zu zeigen geweiger??? vorwendent / daß er es nicht schuldig wäre / sondern auch so gleich befohlen / daß alle zum Altar gehörige Zierrathen aus der Capell nach der Kirch gebracht werden sollen; es hat sich aber die Burgerschafft gleich Sontags Morgens war der 6. Januarii in die Kirch begeben / und ihren Gottesdienst fast biß zum End fortgeführet / als gemelter Herr Graff mit bey sich habenden Dienern und andern Anhang vor die Kirchthür kommen / so aber inwendig verrigelt / und zum öfftern angeklopffet / endlichen aber / als man nicht auffmachen wollen / mit Gewalt hinein zu brechen gesuchet / es hatten sich aber die Inwendige mit Steinen / Bauholtz / S???ühl und Bäncken dermassen verbauet gehabt / daß die ausserhalb stürmende wieder abziehen müssen. Hierüber nun hat besagter Herr Graff sich beklagt / worauff alsobald der Gouverneur zu Landsberg mit einer Compagnie zu Fuß dahin marschirt / und denen Bürgern einquartirt: als aber die Sach besser untersucht worden / hat sich solche Sach gantz anders befunden / weßhalben auch besagter Gouverneur von Landsberg sich mit den seinigen gleich wieder zurück begeben / und zu der Burgerschafft gesagt / sie solten ihre Kirch behalten / er sehe wohl / daß ihr Herr nur suche sie zu vertreiben. Soviel vom Niderrheinischen Craiß. (4. Der Bäyrische Craiß.) Der Bäyrische Craiß ist der Ordnung nach der 4. und seynd dessen Directores der Ertz-Bischoff zu Saltzburg und der Hertzog in Bäyrn und gehören hierzu die Bischöff zu Passau, Freysingen / und Regenspurg / die Hertzogen in Bäyern / die Ober-Pfaltzgrafen / sambt vielen Grafen und Herren und die Reich-Stadt Regenspurg. In diesem Craiß nun ist diß (Churfürst in Bäyrn rüstet sich starck aus zu künfftiger Campagne.) Monath hindurch wenig notabels passiret / ausser daß von München geschrieben worden / daß Ihr. Churfürstl. Durchl. von Bäyern alles zur künfftigen Campagne außrüsten lassen / umb viel stärcker als vergangenes Jahr in eigener Person zu Feld zu gehen / und mit dero Völcker à parte gegen die Türcken zu agiren / es seye sonsten durch gantz Bäyerland ein ohngemeine Freud / weiln die Churfürstin sich gesegneten Leibs befinde. Und dieses vom Bäyrischen Craiß. (5. Der Ober-Sächsische Craiß.) Der fünffte Craiß ist der Ordnung nach / der Ober-Sächsische / dessen Director ist der Churfürst zu Sachsen / es gehören zu selbigen der Churfürst zu Brandenburg / die Bistümber Meissen / Merseburg / Naumburg / Camin / die Hertzogen aus Sachsen / Altenburg / Weymar und Gotha / [47] das Hertzogthumb Pommern / die Fürsten von Anhalt / sambt verschiedenen Graff- und Herrschafften; In diesem Craiß werden wir vom Chur-Brandenburgischen das meiste zu schreiben haben / zu dem Ende von selbigen Geschichten eine vollkommene Relation (wie die Advisen nach und nach aus Berlin eingekommen) abstatten wollen. Berlin vom I. II. Januarii. (Branbenburgische Relation.) Es kommen noch immer mehr und mehr vertriebene Frantzösische Flüchtlinge aus Holland allhier an / und ist die Vestung Spandau derselben gantz voll / in Brandeburg / Rathenau / Stendel / Perleberg / und an der Elb gelegenen Städten werden noch mehr erwartet / wird also die Marck mit mehr dann 2000. Familien beleget werden. Man redet noch allhier von einer genauen Verbündnuß mit denen Nordischen Cronen / Chur-Sachsen / denen Häussern Lüneburg und Hessen. Nebst den Frantzösis. Proceduren nimmet man allhier auch die Bischöffliche Saltzburg Verfolgung in Observantz / wie dann nicht allein von dannen geschrieben / sondern mit lebendigen Zeugen confirmirt wird / daß ohngeachtet alles einwendens die Evangelischen aus dem Land getrieben / auch einige 1000. Kinder weggenommen / und sie zur Catholischen Religion gezwungen worden. Es haben zwar die Evangelischen Stände unlängst wider gedachten Bischoff derentwegen ein Memorial zu Regenspurg übergeben / solches dörffte aber seinen Effect nicht erreichen / jedoch hoffet man / daß durch die Authorität Ihr. Käys. Majest. solches redressirt werden dörffte. Nach dem Neuen Jahr werden alle Generals-Persohnen allhier erwartet / umb einen General-Kriegs-Rath zu versamblen / alsdann ein mehrers wird zu berichten seyn / und wird gegen solcher Zeit alles zusammen gebracht werden / was zu einen Feldzug vor nöthig erachtet wird / und dörffte dem Vorgeben nach (Vor die vertriebene Frantzosen wird von Hauß zu Hauß gesamlet.) ein früher Marsch vorgenommen werden. Dieser Tagen ist vor die allhier sich befindende vertriebene Frantzosen von Hauß zu Hauß gesamlet worden; und sagt man / daß Ihro Churfürstl. Durchl 2000. Reichsthaler / die Churfürstin 1500 Reichsthaler / und ein jeder Printz 1200. Reichsthaler / die andere deß Hofs / wie auch von der Milice und sonsten Bürger nach advenant darzu contribuiren / daß es eine Summa von 100000. Reichsthalern bringen dörffte / wann alles einkomt / was man noch zu gewarten hat. Aus Pohlen ist ein Project anhero gesandt / auf was vor eine Manier man solcher Seiten gegen den Erbfeind agiren wolle / welches zwischen selbigen König und der Republic von Venedig auffgerichtet worden / und soll deme [48] zu folg Se. Maj. 40000. Cossacken zu Pferd in pension halten / welche durch den ältisten Printzen commandirt werden sollen / wozu stossen sollen 20000. Littauer mit Feuer-Röhren versehen / weil sie sehr gute Schützen seynd / bey (Project zwischen Pohlen und Venedig deß künfftigen Feldzugs halben.) welcher Armee eine Artillerie von 24. Stücken / darunter 2. halbe / 4. vierthel Cartaunen / und dann auch 4. Haubitzen / nebst 2. Böllern auffgerichtet werden sollen / wozu die Venetianer 20000. Mann Teutsche und Italiäner hergeben / welche man durch einen bekanten Teutschen General commandiren lassen wil / selbiger soll an dem schwartzen Meer agiren / die Tartarn von dannen treiben / und dann an denen Flüssen Dniester / Bog und Dnieper / welche in das schwartze Meer fliessen / Vestungen bauen / dardurch die Türcken auff das künfftige an solchen Seiten zu attaquiren / zu welchem Ende die Republic Venedig nach solchen glücklichen Verrichtungen Schiffe zu bauen / und dahin zu senden / sich erbotten / welche nebst den Cossacken / an selbigem schwartzen Meer dem Türck. Käyser biß vor Constantinopel diversiones machen / und solche Residentz incommodiren können; damit nun Se. Maj. desto besser angefrischet werden mögen / so wil der Pabst / wie auch die Republic Venedig jährlich eine gewisse Sum̅a Geldes dem zulegen / auch alles dem Printzen erblich lassen / was derselbe mit solcher Macht gewinnen wird / ingleichen auch der König vor sich behalten Moldau und Wallachey / und damit man die Cossacken sämtlich auf der Christl. Seiten behalten möge / so soll ihnen in Friedens-als Kriegszeiten eine gewisse Sum̅a Geldes jährlich richtig bezahlt werden. Man sagt / daß der Hr. Gen. Leut. Spaen / so nach den Haag in Holland verreiset ist / einige geheime Instructiones mit sich hat / und daß künfftigen Frühling wol eine Armee in Clevischen Land formiret werden dörffte. Jh. Päbstl. Heiligk. haben sich erbotten / denen Littauern / aus der Apostol. Kammer jährlich ein grosses zu geben / es sey in Friedens- oder Kriegszeiten / jedoch daß ein Unterscheid zwischen beyden sey: über dem / so wil der H. Vatter dem König in Pohln alle geistliche Gelder / welche sonsten aus Pohln nach Rom geschickt werden / zum Krieg wider den (Auff bem Teutschen Boden solle immerdar eine starcke Armee gehalten werden.) Türcken verehren. Es soll auch / wie von sicherer Hand habe / im Vorschlag seyn / eine starcke Armee auf den Teutschen Boden continuirlich zu halten / welche sowol bey Friedens-als Kriegszeiten allen feindlichen Einfällen entgegen gehen / und das Röm. Reich von allen Trangsalen befreyen solle / worzu die Schwäbische / Fränckische / und Rheinische Craise / nebst Hessen und andern Fürsten / eine Armee zwischen dem Rhein und der Donau von 30000. Mann halten / und in selbigen Ländern einlogiren sollen. Zweytens solte auch der Ober- und Nider-Sächsische / wie auch Westphäl. und Thüring. Craiß auff selbiger Seiten ebenfals obgedachte Sum̅a halten und verpflegen / und solten [49] beyde Armeen dergestalten verleget werden / daß sie sich in Zeit der Noth mit gutem Fug conjungiren / und also in einer Armee agiren kön̅en. Andere Brieff von 3. 13. dito auß Berlin melden ferner / daß weiln nun die Fvertäg glücklichen vollbracht / als wild man nun allgemach dem vernehmen nach mit wichtigen Estaats-Affairen dem Neuen Jahr den anfang machen. Und weiln sich Ihr. Churfl. Durchl. der Printz in Potzdam befinden / auch die Herren geheime Räth dahin beruffen worden / dörffte unter andern von einer Alliantz mit den beyden Nordischen Cronen / Chursachsen / denen Häusern Lüneburg / Hessen und andern etwas ans Licht kom̅en; weiln das Hallische Saltz sehr (Mehrert Frantzösische Flüchtling zu Berlin augelangt.) gut / so hoffet man die Handlung damit mehr und mehr fortzusetzen. Es kommen noch immer viel Flüchtlinge an / welche auf den Churfl. und dero Herren Hofbedienten Lusthäusern / so lang einlogirt werden / biß der darüber verordnete Secretarius eine repartitlon gemacht / wohin sie sich begeben sollen / dann alle Handwercker aufgeschrieben / und solcher gestalt vertheilt werden / damit an einem Ort von jeder Art Handwercker nicht zu viel kommen / die jenige / so kein Handthierung gelernet / werden unter der Militz vertheilet / es haben sich aber auch einige Spitzbuben vor Geflüchtete angegeben / welche man nach genauer Erkantnuß nach den Vestungen / umb allda zu arbeiten / gesandt. Se. Churfl. Durchl. seynd den 2. 12. dito durch 10. à 12. Frantzös. Edelleuthe begrüsset wol den / darunter auch der Hr. Marquis de Ostance gewesen / und glaubt man / sie werden alle nach Proportion und ihren meriten einige Employ und charge bekom̅en. Sonsten ist nunmehro fest gestellet / daß (8000. Mann Chur-Braudenburgische Völcker werden Ihro Käps Maj. trider die Türcken zu hülff gesant.) 8000. Mann zu Roß und Fuß com̅andirte Völcker / samt einer schönen Artillerie im Monat Febr. nach Ungarn marchiren sollen / und weil die zu obigen 8000. annoch gehörige 6000. Mann im Lande bleiben / und also nicht die gantze Armee von 14000. Mann / wie solche zu liefern wohl abgehandelt worden / fort marchiret / so gehet Hr. Gen. Leut. Schöneck nun mit / umb selbige als Chef zu com̅and. und bleibt hingegen der Hertzog von Hollstein vor dißmal zurück / es gehen aber die besten Feuerwercker und Bombardirer mit dahin / umb denen Unglaubigen einen Vorschmack der Höllen zu zeigen. Ist zwar nur eine kleine Armee / aber ein Kern von Volck: noch andere Brief von 11. bringen / daß ehester Tagen von dar ein Churfl. Minster nach den Käys. Hoff abgeschickt werden soll / unter andern anzuzeige̅ / daß die 8000. Man̅ in Monat Martio ihren march antretten / und beschleunigë sollen / und wird anbey vernehmen / auf was für manier dieselben ihren march einrichten / und wie sie verpflegt werdë sollen. Und weiln auch die differentzien / so zeithero mit der Cron Schweden sehr weitläuftig außgesehen / nun zum guten Ende scheinen gebracht zu werden / als wird dahin auch ehistens eine Ambassade abgefertiget werden / [50] umb alles in gute Richtigkeit zu bringen. Hierbey eine Lista von den Trouppen / so wider den Erbfeind gesandt werden. Specification der Chur-Brandenburgischen Trouppen / so gegen den Erbfeind nacher Ungarn marchiren / und von Sr. Churfl. Durchl. würcklich sollen unterhalten werden. (Lifta der Mannschaft.) 1. Der Generalstab bestehet in 70. Persohnen. 2. Die Artillerie / 221. Personen. 3. 42. Compagnien zu Fuß in 9. Regimentern / vertheilet mit dem Regiment-Stäben / und werden geliefert starck 6215. Persohnen. 4. 18. Compag. zu Pferd / jede von 100. Köpffen / und 3. Regiments-Stäbt 1922. Persohnen. 5. 8. Compag. Dragoner / jede von 125. Köpff mit dem Regiments-Stäben starck 1070. Persohnen. 6. Eine ansehnliche Artillerie / insonderheit grosse Feuermörsel. Summa 9498. Mann. (Brieff aus Botzdam.) Noch andere Brieff vom 17. 27. aus Potzdam melden / am 13. 23. gegen Abend ist der Fürst zu Anhalt von Dessau wieder hier angelangt / wie lang er aber verbleiben möchte / weiß man nicht: So ist ingleichem der Königliche Schwed. General-Feldmarschall Graff von Königsmarckt nebst seiner Gemahlin mit einer grossen Suite anhero kommen / welcher aber gestern Nachmittag wieder von hier abgereiset / und seinen Weg auff Leipzig genommen. Seine Chur-Printzl. Durchl. seynd auch hier gewesen: gleichfalls hat sich der Churfürstl. Gen. Feldmarschall Freyherr von Dörffling / so am Montag hieher kommen / wieder auff seine Güter begeben. Sonsten befinden sich jetzo viel hohe Officiers allhier / umb Ordre wegen deß künfftigen Marsches nacher Ungarn einzuholen. Der Käys. und Königl. Frantzös. Gesandte seynd ebenmässig allhier gewesen. Im übrigen hat sich das feuchte Wetter dieser Orthen in einen harten Frost verwandelt. Brieff von (Brieff aus Berlin.) Berlin von 22. sagen / weil man sihet / daß unter den Frantzosen / so als Flüchtling in hiesiges Land kommen / sich auch einige in Dähnischen Diensten gewesene / aber nunmehro abgedanckte Soldaten befinden / haben Ihro Churfürstliche Durchl. befohlen / solchen keinen Unterhalt zu geben / sondern unter die Militz zu stecken / und weil man auch vermercket / daß viel Catholische / und andere Müssiggänger unterm Namen der vertriebenen Reformirten anhero kommen / so haben Ihr. Durchl. dero Ministern in Holland / Franckfurt am Mayn / Hamburg und andern Plätzen anbefohlen / niemand / als welche Weib und Kinder haben / oder Handwer [51] cker können / mit Paßporten zu versehen. Inzwischen sollen keine Flüchtling mehr in diese Stadt / aber wohl in andere Plätz häußlich niedergelassen werden / weil täglich viel Supplicationen durch unsere Einwohner überlieffert werden / worinn sie sich über dieselbe beschwären. Man sagt / daß ehestens eine Gesandschafft nach Schweden gehen soll / umb alle übrige Differentzien abzuhandeln / indessen versichern viel / daß bereits alles so gut als verglichen seye / und vermuthlich Stettin unserm Churfürsten eingeraumbt werden dörffte / davon doch die Gewißheit zuerwarten stehet. (Chur-Sächsische Geschichten.) Aus der Chur-Sächsischen Residentz-Stadt Dreßden vom 12. Jan. hat man / daß weiln bey dem grossen Brand in Alt-Dreßden die arme Leuth nicht wieder auffbauen können / als haben die grossen Herren / als Baronen und Edelleuthe beschlossen / jeder ein Stock-Häuser regal zu bauen / und jeden Stock à parte mit Brandmauern auffzuführen / nach Verfertigung derselben sollen solche den armen Leuthen so lang vermietet werden / biß daß sie soviel abgetragen / als das Capital und Zinsen sich erstrecket / als dann die arme Leuth zu ihrem Eigenthumb kommen können / welches auff folgende Weiß geschehen soll: Als wann nemblich ein Hauß 1000. Reichsthl. kostet / belaufft sich das Interesse auff 60. Reichsthl. wann sie nun das Jahr 100. Rthl. mieten geben / so gehen schon 40. Rthl. am Capital ab / und so ferner / wird also auff solche Weiß alle Jahr etwas von den Capital und Zinsen weniger / durch solche Erfindung bekommen die grossen Herrn ihr Capital und Interesse, die armen Leuthe ihre Häuser / und Se. Churfürstl. Durchlwieder ein wohl tegulirte auffgebauete Stadt. Aus der Graffschafft Stollberg ist den 6. dito nachfolgends einkommen; (Zwey Eheleut werden im 94. Jahr ihres Alters zum andernmahl copulirt.) Jüngsthin seynd 2. wohlbetagte Eheleuthe / namentlich Martin Grönland / und Catharina Schönmäyerin / so beyde Anno 1592. in dieser Graffschafft in dem Dorff Buchholtz am Hartz gebohren / und 70. Jahr miteinander im Ehestand gelebet / auch eine Tochter / so jetzo 66. Jahr alt / und einen Sohn von nunmehro 63. Jahren / gezeuget / von welchen 4. Kindes kinder / und von diesen wieder 7. Kindes-Kindes-Kinder gebohren worden / in der Kirchen zu Buchholtz bey offentlichen Kirchgang zum andernmahl eingesegnet worden. Ih. Hochgräfl. Gn. von Stollberg haben dieses alte Paar nebst unterschidlichë von ihren Kindern und Kindeskindern sc. selbigen Tags tractiren / und ihnen gleichsam eine neue Hochzeit-Gastung anrichten lassen / worbey sie sich dann recht lustig erzeiget / und obgleich diese beyde das 94. Jahr ihres Alters erreichet / seynd sie doch wohl zu Fuß / können auch eine gute Mahlzeit zu sich nehmen / und nach Gottes willen vielleicht noch etliche Jahre leben. Vom Ober-Sächsischen Craiß gelangen wir zum
|| [52]
Fränckischen / welches ist der sechste Reichs-Craiß / dessen Directores feynd der Bischoff von Bamberg / und der Marggraf von Brandend. Culmbach / der auch Craiß-Oberster ist / und gehören über daß darzu / die Bischöffe von (???. Der Fränck. Craiß.) Würtzburg / und Eichstätt / der Hochmeister Teutschen Ordens / die Marggrafen von Brandenb. Culmbach / und Onoltzbach / samt vielen Grafen und den Reichsstädten Nürnberg / Rottenburg / Windsheim / Schweinfurt / und Weissenburg / von welchem Craiß zu berichten vorfället / daß selbiger in verwichenem (Fränckischer Craißtag zu Rürnberg gehalten.) Monat December einen Craißtag zu Nürnberg außgeschrieben / und gehalten / so mit anfang dieses Monats sein Endschafft erreichet / auf welchem nachfolgende puncta debattirt und geschlossen worden. 1. Daß man / nach deme zur gemeinen Reichs-defension und securität im Vorschlag gebrachtem (Was daselbft abgehandelt worden.) quanto der 60000. Mann / wovon diesem Craiß 4321. zufielen / sich jederzeit parat halten / und solche in 2. Regim. zu Fuß und 1. Regim. zu Pferd reduciren wolle. 2. Daß denen hohen Generals-Personen und Craiß-Kriegs-Räthen biß zu Außgang deß verflossenen Jahrs ihre Verpflegung zwar gegeben / nachgehends aber wegen allzugrosser Kriegsspesen dimittiret werden sollen. 3. Daß die in den Käys. Erblanden subsistirende Fränckische Trouppen in Zeiten recrutiret und mit der monatl. gage versehen werden solten. 4. Daß die zu dieser Craiß-Verfassung gemachte credita bezahlet / und zu dem Ende der jenige / so sein contingent innerhalb 4. Wochen nicht erleget / ohne Ansehung der Person exequirt werden solle. 5. Daß die in den Käys. Erblanden stehendt Tragoner Ihr. Käys. Maj. gantz übergeben werden / mit dem Anhang / daß dieser Craiß über obig bewilligtes contingent weiter nit beschwäret werden solle 6. Daß man bedacht seyn solle / die Association und vormals gemachte Bündnussen mit Ihro Käys. Maj. Schweden / Holland und andern Ständen zu erhalten. 7. Daß die Inquisition und Verhör der Rechnung deß Commissarii Lembecks befördert werden solle. 8. Wegen deß Müntzwesens / weiln man einen allgemeinen ordentlichen Müntz-probation-Tag verhoffte / so solte es bey dem bereits den 23. Julii zu Nürnberg proclamirt- und beruffenen stück / biß dahin verbleiben. 9. Wegen der zwischen Hn. Grafen von Dörnbach und Freyherrn von Schönberg vorgewesenen Praecedentz-sach / war geschlossen / daß dem von Schönberg der Vorzug im sitzen und votiren gebühre. Letztens und 10. Ihro Hochfürstl. Gn. von Würtzburg zu vermögen / daß selbige den Rest zu ders Hn. Antecessoris cassa lifern möge. In gemeld. Nürnberg sowol als zu Würtzburg / Bamberg / Mergentheim / und dem gantzen Fränck. Craiß ist vor das löbl. Käys. Thüng. Regiment zu Fuß zu dieser Zeit mit offenem Trommelschlag geworben worden. So viel vom Fränckischen Craiß. (7. Der Schwäbische Craiß.) Deß Reichs stebender Craiß ist der Schwäbische / dessen Directores seynd der Bischoff zu Costnitz / und der Hertzog von Würtenberg: worzu noch [53] gehören der Bischoff zu Augspurg / viele Proelaten / die Marggrafen von Baaden / die Fürsten von Hohenzollern / viel Grafen und Herren / und die Reichsstätt Augspurg / Ulm / sambt noch 72. andern / von welchem Craiß dißmalen nichts sonders schrifftwürdiges eingegangen / fahren wir also fort und reden vom (8. Der Ober-Rheinische Craiß.) Ober-Rheinischen / welcher ist der achte Reichs-Craiß / dessen Directores seynd der Bischoff von Worms / und der Pfaltzgraf von Sümmern / die andere Mitglieder seynb die Bischöff von Bisantz / Worms / Speyer / Straßburg und Basel / der Johanniter Ordensmeister / samt vielen Proelaten / die Pfaltzgrafen zu Sümmern / Zweybruck / Buschweiler / Lautereck und Birckenfeld / die Landgrafen zu Hessen / samt vielen Grafen und Städten darunter Straßburg / Speyee / Franckfurt. Ob nun zwar dieser Craiß guten theils in Frantzös. devotion ist / und also theils von dieser Materi ins nachfolgende Capitel (so von denen Frantzös. Geschichten handeln wird) gehörig wäre / so habe doch umd Unordnung zuverhüten / das / was in diesem Craiß gelegen / auch selbigem einverleiben wollen / mache also den Eingang mit Brieffen aus dem Elsas vom 1. Jan. worinn nachfolgendes gemeidet wird: Die Güter etlicher Bürger der Stadt Straßburg / welche vom Magistrat Erlaubnuß hatten / umb nach dem Reich geschickt zu werden / aber auff Königl. Ordre wieder arrestirt waren / seynd nun auff remonstration deß Magistrats / daß solches gegen ihre Privilegia und Capitulation seye / deß Arrests wieder (In der Graffschafft Sarwerder wird den Lutherischen das exercitium Religionis verbotten.) erlassen worden Alle Lutherische Pfarrherren in der Graffchafft Sarwerder seynd biß auff einen zu Saarbrücken und einen zu Dommeringen bannisirt und gefangen gesetzt / und ist daselbst allen Lutherischen das exercitium Religionis verbotten worden. Indessen haben die Reformirten zu Straßburg Erlaubnuß bekommen / einen Proedicanten / der aber nicht ein Wort Frantzösisch verstehen soll / zu halten / hingegen aber ist die Reformirte Kirch zu Holtzheim / anderhalb Meil Wegs von hier rassirt worden. Weiters ist von dem Souverainen Rath in diesem Elsas ein neuer Befelch heraus kommen / vermög dessen alle Beambte / Ambt- oder Gerichtsschreiber / Procuratores, biß auff die Bauern-Schultheissen sich zur Römisch-Catholischen Religion bequemen / oder ihre Dienst bey 2000. Livres Straff quittiren sollen (In dem Elsas werden lanter Catholische Veambte eingesetzt.) / deme zu folg der Elsassische Intendant nebst dem neuen Frantzösischen Vicario Generali Abbe de Rabaton und zwey Jesuitern in das Ober-Elsas gegangen / und sagt man / daß gedachter Intendant en passant verschiedene Beambte ab- und an deren Stelle neue / so der Catholischen Religion zugethan / einsetzen werde. Die der Reformirten Religion noch zugethane Officiers und Soldaten von der Guarnison zu Straßburg haben noch biß auff heute Zeit / sich Catholisch zu erklären / oder [54] cassirt zu seyn / deren bißhero täglich in zim̅licher Anzahl theils abschwören / und theils gar sich ins Reich jenseits Rheins salviren / denen letztern man aber mit starcken Partheyen biß auf den Reichs-boden nachgesetzet; auch werden verschiedene andere Personen auffgehoben / und gefänglich nach Straßburg (Zu Reichenweyher wird der Chor den Catholischen eingeraumet.) geliefert. Ferner hat der Intendant zu Reichenweyher und in andern darzu gehörigen Dorffschafften / welche dem Hertzog von Würtenberg / Mümpelgartischer Linie bißhero annoch gelassen worden / den Chor in selbiger Kirchen abgenommen / und den Römisch-Catholischen eingeraumet / worgegen die Würtenbergischen zwar starck / aber vergeblich sich gesetzet / und auff gewisse deutliche Verträg sich beruffen haben. Entzwischen seynd viele Reformirte in diesem Land / so schon durchgegangen gewesen / und von Mons. de la Breteche wieder ertappet worden / weilen sie ihre Religion abgeschworen / vom König nicht allein perdonirt / sondern auch in alle ihre Güter wieder eingesetzet worden. Unerachtet sonsten wol einige viel von vorne???men Desseinen reden wollen / so wird doch nicht gezweifelt / daß der Aller-Christlichste König / so lang keine merckliche Veränderung geschicht / den (Zu Schlettstatt und Hünningen werden neue Aussen werck gemacht.) Frieden zu unterhalten suchen werde. Zu Schlettstatt werden 6. neue Casarmes an den Wällen bey der Ill gemacht / welches auch zu Hünningen geschicht. Wegen der Praetension deß Bischoffts von Basel an selbige Dohmkirchen wird nicht viel Schwürigkeit mehr gemacht / weil man sagt / daß der Frantzös. Abgesandte Mons. de Tambonneau solche in einer Conferentz zu Baden zu accom̅odiren suchen soll. Die Evangelischen seynd dieser Orten sehr betrübt / und förchten / die Trübsals-wellen der Verfolgung möchten über sie auch ergehen / wann die Protestanten überall ausgerottet (Vor den Reformirten werden im Elsas alle Päß genau verwahrt.) seynd / vor welchen die Päß aller Orten im gantzen Elsas gar genau geschlossen seyn / so die Commercien nicht wenig hindert. Man sagt / daß der Proesident von Metz / so die Religion bereits changirt / unter Convoy einiger Officier vom Commendanten zu Homburg nach Franckfurt abgereist / um seine Töchter allda abzuholen / ob aber diese Officier besagten Herrn Proesidenten so genau bewahren werden können / daß er ihnen nicht échappirt, wird man hiernechst zu vernehmen haben / doch zweifelt man nicht an seiner Wiederkunfft / weilen er die Religion bereits abgeschworen haben soll. Bey sothanem übeln Zustand der Reformirten / und weilen sie in gantz Franckreich auffs eusserst verfolget werden / haben nicht allein die Schweitzer und Holländer / sondern auch Chur-Brandenburg und Hessen-Cassel die Vertriebene auff- und angenommen / ihnen herrliche Privilegia, stattliche Frey- und Gerechtigkeiten in allerseits dero Herrschafften verliehen / auch viel Gelder zu besserer ihrer Unterhaltung für selbige gesam̅let / [55] wie mir dann hiervon ein Hessen-Casselisches Manifest zuhanden kommen / welches von Wort zu Wort also lautet: Demnach der wahren Evangelischen Reformirten Religion in dem (Hessen-Casselische. Manifest wegen der Reformirten.) Königreich Franckreich zugethanen Glaubens-Genossen wegen der grossen Versolgung und schwählen Betrangnussen / die leyder! je mehr und mehr überhand nehmen / viele Geschlechter und Familien unumbgänglich genöthiget worden / ihres besten zu gedencken / und mit gäntzlicher Hinterlassung deß ihrigen aus selbigem Königreich hinweg- und in andere Lande zu begeben / gestalt dann auch dero ein grosse Anzahl dieses Orts sich weniger nicht bereits eingefunden / als denen noch mehrere folgen werden. Als haben Ih Hochfürstl. Durchl. unser gnädigster Fürst und Herr / zu Bezeugung dero gegen sothane der reinen Lehr und Bekantnuß halben verfolgte und vertriebene Religions-Verwandte tragenden hohen Christ-Fürstlichen Mitleydens / mittelst gnädigst allerhand ertheilten herrlichen Privilegien, Freyheiten und Gerechtigkeiten / umb dardurch ihre Unterhaltung desto besser zu erlangen / nicht allein in Gnaden auffgenommen / sondern sie auch in ihrem betrübten dürfftigen Zustand destomehr auffzurichten / und ihnen denselben zu erleichtern / nicht nur vor sich in dero hiesigen Fürstl. Residentz / nebst dero hohen Fürstl. Angehörigen / in gnädigster und reicher Zusteurung sehr mild und gütigst erwiesen / ein solches auch von allen corporibus Geist- und Weltlichen / und gemeiner Burgerschafft / jedwedes Stands und Vermögen nach ebenmässig reichlichen geschehen / sondern auch vermittelst ergangenen Ausschreibens vom Land noch täglich ein ansehnliches einkom̅t und erfolgt / daß sie dahero sich einer considerablen Geld-Summa von vielen tausenden zu erfreuen und zu geniessen haben. Nach dem Ober-Rheinischen folgt (9. Der Westphälische Creiß.) Der Westphälische Creiß in der Ordnung der Neundte / dessen Directores seynd der Bischoff zu Münster und der Hertzog von Güllich (Braunschweig) diesem seynd über das verwandt die Bischöff von Baderborn / Lüttig / Münster / Osnabrück / Minden / Verden / Utrecht / und Cammerach / die Hertzogthümer Güllich / Eleve / und Berg / die Fürsten in Ost-Frießland / sam̅t vielen Proelaten / Grafen und Reichsstätten / als Cöln / Aachen. Von diesem Craiß ist wenig remarquables zu berichten / (Stadt Cölnische Geschichten.) so diesen Monat vorgegangen wäre / ausser daß die einheimische Troublen der Reichsstatt Cöln allgemach angefangen zu verschwinden / wie man dan̅ mit Brieffen vom 3. dito von dar hat / daß der neuangesetzte Magistrat immer fortfahre / selbiger Stadt Sachen in einen bessern Stand zu setzen / und die seithero einigen Jahren vergebene Bedienungen zu ändern / und solche [56] an andere zu conferiren, so seyn auch den 2. einige Commissarli, so von den Zünfften vormals angesetzt gewesen / von den Rathsbotten citirt worden / umb ihre Rechnung zu thun / wo die Gelder von den verkaufften Mobilien geblieben seyen / und weilen sich einige nicht getrauet / solche abzulegen / haben sie sich invisibel gemacht. Den 10. ist der Obrist Kiebering / als ehmaliger Commendant in Cöln / wieder in seine gehabte Charge eingesetzet / so ist auch der berühmte Advocat Schrillß als Syndicus vorgestellet worden: (570. Puncten dem Güllich vorgehalten.) Jetzt arbeitet der Fiscus daselbsten über die dem so genan̅ten Güllich / als Haupt von denen Unruhestifftern / vorgehaltene fünffhundert und etliche sibentzig Puncten / umb ihme das Urtheil zu versertigen / und ob schon 1000. Gulden dem jenigen / so den Authorem entdecken werde (welcher den 20. (2. Paßquillen verbrant.) Nachts in dieser Stadt zwey überaus schändliche Paßquillen angeschlagen) versprochen worden / so hat man doch selbigen nicht in Erfahrung bringen können; die Paßquillen seynd immittels auff Ordre deß Magistrats durch den Hencker verbran̅t worden. Den 26. und 27. seynd von den Münsterischen Völckern 4. Compagnien zu Fuß mehrentheils in Kräncken und Blessirten bestehend durch die Chur-Trierische Aembter Limburg und Montabauer und die übrigen durch das Nassauische marchiret. Zu Düsseldorff (Zu Düsseldorff wird zu Fuß geworben.) und andern Orten in den Güllich- und Bergischen Landen wird starck zu Fuß geworben / auch in dem ersten Ort ein neue Kirch vor die Reformirte gebauet / so schon meistentheils fertig ist. Beym vorigen Craiß habe erwehnet / wie daß von dem Landgrafen von Hessen-Cassel die protestirende Exulanten aus Franckreich sehr wol an- und auffgenommen werden / und was selbige für schöne Privilegia erhalten haben: Nun muß ich ferner berichten / (Die vertriebene Reformirte werden vom Bischoff zu Osnabrügg auffgenommen.) daß Herr Ernst Augustus Bischoff von Osnabrügg angeregten Exulanten nicht minder stattliche Freyheiten in dero Gebieth und Herrschafften ertheilet / wie er dann unter dero eigenen Hand und Siegel durch offentlichen Druck publiciren lassen / wie daß Ih. Fürstl. Durchl. in Erfahrung kommen / daß verschiedene Protestanten aus Franckreich wegen der Religion ihr Vatterland verlassen müssen / und sich in der Nachbarschafft dero Landen unterhielten / weßhalben höchstbesagte Ih. Durchl. resolvirt / zu Fortsetzung der Manufacturen denen jenigen / so sich in dero Herrschafften niederlassen wollen / folgende Privilegia zu ertheilen: (Der ertheilet ihnen stattliche Privilegia) 1. Daß alle Reformirte / von was Nation und Handthierung sie auch seyn mögen / keinen zoll oder Aufflage von allem / was sie in Ih. Fürstl. Durchl. Fürstenthum und Landschafft bringen werden / bezahlen sollen / und soll in ihrem freyen Willen stehen / sich an solche Ort in demselben niederzulassen / wo es einem jeglichen selbst wird beliebig seyn. 2. Daß sie mit [57] ihren Weibern / Kindern / gantzen Familien / Gütern / sc. in Ih. Fürstl. Durchl. special-Protection und Beschirmung sollen auffgenommen werden / dermassen / daß die niemand an Leib und Gut kräncken oder molestiren soll. 3. Sollen sie ins gesambt nicht allein ihre Gewissens-Freyheit geniessen / sondern auch ihren Gottesdienst privatim in ihren Häusern / ohne einigen Eintrag oder Verstöhrung exerciren. 4. So balb an einigem Ort sich ungefehr 100. Personen werden niedergelassen haben / wollen Ih. Fürstl. Durchl. vor dieselbe auff eigenen Kosten einen Prediger unterhalten / und sollen sie selbst dessen Bestallung vergrössern mögen. 5. Wollen Ih. Fürstl. Durchl. zu Auffrichtung der Schulen / zu Unterrichtung der Jugend alle behülffliche Hand bieten. 6. Sollen sie von allen ordinari- und extraordinari-Last und Beschwehrungen / sie mögen auch Namen haben wie sie wollen / vor ihre Person / Gefolg und Güter den Acciß oder Licent allein ausgenommen / befreyet seyn. 7. Dafern sie auch einige Ih. Fürstl. Durchl. zinßbare Güter oder Häuser dingen oder mieten würden / sollen sie davon zehenjährige Freyheit geniessen. 8. Was die jenige belangt / welche selbsten Wohn- und Werckhäuser auffrichten wollen / die sollen davon fünff und zwantzigjährige Freyheit und exemption von allen vorgemeldten Aufflagen geniessen. 9. Ihr. Fürstl. Durchl. wollen ihnen auch aller Orten das Burgerrecht ohne entgelt schencken / wann sie nur Ihro den Huldigungs-Eyd als Landsherrn / und an jedem Ort der Stadt Obrigkeit den Eyd der Treu leisten. 10. Sollen sie nicht genöthiget seyn sich in einige Zünfften zu begeben / oder Geld darzu zu zahlen / auch nicht an eine gewisse Zahl Lehrjungen gebunden seyn / sondern es soll ein jeglicher so viel mögen in seinem Dienst halten / als er ihnen wird Arbeit geben können; Dafern aber jemand sich freywillig in solche Zünfften begeben wolte / sollen demselben die darzu behörige Leges so erträglich gemacht werden / daß sie Ursach haben sollen sich deßhalben zu bedancken. 11. Was die Fortsetzung ihrer Nahrung betrifft / und ihre Manufacturen / darzu wollen Ihre Fürstliche Durchleucht. alles / was sie zu thun vermögen / contribuiren. 12. Ihre Durchl. wollen auch besagte Protestanten in Streit-Sachen eben als dero eigene Unterthanen durch unpartheyische Richter rechtfertigen lassen. Und 13. solches auch ferner daß / wann sie einige aus ihnen darzu qualificiren wollen / solcher dieselbe als Schiedsmann urtheilen soll / jedoch daß der beschwehrte Theil an den ordinari Richter soll appelliren dörffen. 14. Auch soll ein jeglicher über die Güter / welche er in Ihro Durchleucht. Landen gebracht / oder darinnen wird erworben baben / frey disponiten mögen / sowohl per donationem inter vivos, [58] als mortis causa &c. 15. So auch jemand vor Verfliessung ermeldter Freyheits-Jahren sich wieder anders wohin begeben wollte / so soll ihm dasselbige freystehen / solches ohne Verhinderung zu thun / und in solchem Fall mit demselben / als mit Ih. Durchl. eigenen Unterthanen gehandelt werden / sc. (Die Stadt Iserlohn wird meistentheils abgedrant.) Zum Beschluß muß ich diesem Craiß noch beyfügen / was aus Münster geschrieben worden / von der Stadt Iserlohn / darinnen sehr gosse Handlung getrieben wird / daß sich selbige kaum von ihrem Brand / so sie im Jahr 1677. erlitten / erholen können / da sie wieder mit Anfang dieses Jahrs in eine grosse Feuersbrunst gerathen / wordurch der gröste Theil verbrannt / und viele Kauffmanns-Güter verlohren gangen / man weiß zwar nicht / wie es aus kommen / doch ist dieses seltzam / daß ein gewisser alter Mann / welcher den Brand kaum gespühret / aus Schrecken tod zur Erden gefallen ist / zumalen dieses das viertemal gewesen / daß er in Zeit von siebentzig Jahren erlebet / dergleichen Unglück an gemeldter Stadt zu sehen. (10. Nieder-Sächsische Craiß.) Vom neundten tretten wir in den zehenden und letzten Reichs-Craiß / welcher da ist der Nieder-Sächsische / dessen Directores seynd der Administrator von Magdeburg und die Hertzogen zu Lüneburg / hat unter sich die Ertz- und Bißthümer Magdeburg / Bern / Halberstadt / Hildesheim / Guerin / und Ratzenburg / die Hertzogen zu Holstein / Mechelnburg und Sachsen-Lauenburg / die Reichsstadt Lübeck / Mühlhausen / Goßlar / Nordhaufen und Bremen. (Von einem Nordsturm leyden die Hamburger und Bremer grossen Schaden.) Was der im verflossenen Monat urplötzlich entstandene Nordsturm in den Hamburg- und Bremischen Ländern vor Schaden gethan / wie er die Teich und Dämme durchgerissen / und das gantze Land überschwemmet / und unter Wasser gesetzet / davon haben alle Zeitung rapport gethan / also daß ferner / was hiervon zu repliciren, vor unnöthig achte / das glücklichste und darfür GOtt sonderbar zu dancken ist / daß die Rauhe deß Winters die Insassen angezogener Länder nicht übereylet / daß sie bey abgelauffenem Wasser die eingerissene Teich und Dämme wieder repariren / und das Wasser schwöllen können / ehe es zu Eiß worden ist / woran auch die gute Leut Tag und Nacht gearbeitet / biß sie es wieder ein wenig nur zur Noth in Stand gebracht haben. Sonsten hat man aus Hamburg vom 20. Jan. (Hamburgische Geschichten.) folgendes: Das neue vorhabende Werck der Calender-Reformation / welches durch den hochberühmten D. Wasmuth nunmehr herfür kom̅t / und billich nach der Majestätischen Verlegerin unsterblichen hohen Nachruhm intitulirt, Tabulae Christinae, bestehet in einem grossen Opere, mit sehr herr [59] lichem Beweißthum / unter 100. Tabellen / woraus jedweder Vernünfftiger guten Unterricht / den Grund der Warheit und einen festen Fuß erhalten wird / welches grosse Werck auff 5000. Exemplaria 15000. Rhlr. erfordert / (D. Wasmuth bringt sein Calenders-Reformationswerck zum Endt.) ehe es dem Druck kan einverleibet werden / womit man auch anfangen will / wann bemeldte Summa gezahlet wird. Wann dann nun sowol im vorigen als jetzigen Seculo von vielen ein grosser Fleiß daran gewendet worden / umb eine Universal-Richtigkeit der gantzen Welt zu demonstriren, so hat dannoch biß dato keiner sich unternommen / solches hohe Werck aus zufinden / als bloß hochgemeldter Herr Doctor und Professor Wasmuth zum Kiel in Holstein / worbey dann zu erinnern / daß diese schwäre Arbeit wunderbarlich durch drey Personen zur perfection und ans Tagesliecht befördert wird / als durch den Authorem, Promotorem, und Majestätische Verlegerin / wann man dieser Personen Namen nach der Römischen Zahl aussetzet / und calculiret / so befindet sich eben wunderlich dieselbe Zahl oder das Jahr / in welchem das längst-erwünschte Werck der Welt kund wird / nemlich in diesem 1686. Jahr / zur Probe deß Jahrs / setzet folgende Namen: Weiters hat man aus Hamburg / daß daselbst fast wochentlich leyder: grosse Unglücksfälle geschehen / wie dann in diesem Monat / das nur zu wissen ist / 2. Personen ertruncken / und 2. ermordet seyn / wovon die erste eine Magd / welche ausgieng sich die Haar auffbinden zu lassen / ersoff / in folgender Nacht aber dem Taxadeur über die verdorbene Wahren aus der See von seinen Mägden die Gurgel abgeschnitten wurde. Deßgleichen hat man von Husum aus dem Holsteinischen / daß der böse Geist einen wohlhabenden (Der Teufel fübrt einen Mann leibbafftig in der Lufft ???weg.) Burger / weil dessen siebenjähriges pactum zu End gewesen / leibhafftig gehohlet habe / daß die gantze Gasse davon geschüttert / dessen Sohn ein Priester / habe zwar fleissig mit dem Vatter gesungen / und gebettet / es habe sich aber der Teuffel daran nicht kehren wollen / ohne Zweifel weil die Buß zu spath gewesen. Man hat auch von einer prodigiosen Histori Bericht erhalten / so sich in Halberstatt am ersten Sonntag im Advent begeben (Eine nachdenckliche) hat / und sehr nachdencklich ist / indeme in unserer Lieben Frauen [60] kirch daselbsten nach verrichten praeparatorien zur Communion / als der Prediger Herr Hempel nun den Anfang zur administration gemacht / zuerst das (Begebenheit zu Halberflatt.) eine Liecht auff dem Altar verloschen / das andere aber darauff in 3. Stück gefallen / und den Leuchter von 20. und mehr Pfund mit dem gesegneten Wein über und über geworffen / mit höchster Bestürtzung aller Umbstehenden / quo omine? ist GOtt bekandt. Obgleich diese Begebenheit im jüngstverstrichenen Monat December sich zugetragen / und deßwegen in diesen unsern Monat Januarium nicht gehöret / so habe doch / weil es so ominos, hieher zu setzen / keinen Umbgang nehmen / und darmit denen Römischen Reichs-Geschichten / mit seinen zehen Craisen Urlaub geben wollen / fortsetzend

Das vierte Capitel /
[arrow up]

So da meldet von Königl. Frantzöstsch-Spanisch- und Portugesischen Zufällen. (Franß???sische Geschichten.) BIllich gedencken wir deß Reformations-Wesens in Franckreich zu Anfang dieses Capitels / weilen ein geraume Zeit hero fast alle Nouvellen von dieser Materi angefüllet gewesen / wir wollen uns aber hier (umb dem Leser keinen Verdruß zu erwecken) der Kürtze bedienen / und den Anfang und Fortgang von Ausrottung der Reformirten mit wenig Zeilen / und gleichsam nur summariter erzehlen / mit deme es sich also verhält: Nachdeme der jetzige Aller-Christlichste König Ludovicus der XIV. (Erze???lung deß Reformationswesens in Franckreich / und was den König dewogen die Resormirte anszu???tten.) bald nach angetrettener Regierung vermittels Antreibung seines hohen Geistes immer in seinen Gedancken dahin gezihlet / wie er seine Reichs-Gräntzen erweitern / und durch guten und glücklichen Success seiner Waffen dermaleinst die fünffte Monarchi auffrichten / und ihme dardurch bey der Posterität einen unsterblichen Namen erwerben möge / anbey aber wohl behertziget / daß die Hugenotten in seinem Königrech / so lang sie daselbften gedultet würden / ihme wol sein Vorhaben hemmen / gleich sie seinem Großvatter Henrico dem IV. und seinem Herrn Vatter Ludovico dem XIII. wolchemals gethan haben (dero Anschläg sie in Erregung einheimischer Un???uhe hintertrieben / und dardurch zu besserm ihrem Aufnehmen die Edict von Nantes und Nismes in den Jahren 1598. und 1628. von besagten beeden Königen mit Gewalt erpresset haben). Hierzu kame noch ferner bey diesem weit [61] ausschenden König in Consideration, daß die meiste dessen Nachbauern Reformirten Religion / und also eines Glaubens mit seinen Unterthanen den so genanten Hugenotten seyn / und weiln die Praesumption einer Religions-Anfechtung in den zarten Gemüthern der Glaubens-Genossenen gleich Wurtzel fasset / als könte gar leicht wieder geschehen / was seinen Antecessorn wiederfahren / daß nemblichen / wann er vermeinte außländische Feind zu bekriegen / sie ihme den Krieg in sein eigen Land spielen dörfften / welche deß Königs Meynung in der Warheit auch nicht fehl geschlagen / dann als er im Jahr 1672. mit denen Holländern angebunden / kamen nicht allein deß Duc de Rohans, als Haupt-Hugenottens heimliche Desseinen wider den König an Tag / sondern auch es empörten sich im Jahr 1675. Bourdeaux, Nantes, Rennes, und Limogen / wider selbigen / und obzwar dieses dem Schein nach wegen allzuschwären Aufflagen geschahe / so wurde es doch in Franckreich so bloß hin nicht angenommen / sondern man glaubte vielmehr / daß zu dieser Revolte deß Königs damahlige Feind / die Innwohner bemeldter Städte angereitzet hätten / indeme die Stadt Bourdeaux seither dem Jahr 1653. immer sich empöret / und Neuerung gesucht hat. Wie nun der Fried mit Holland / Spannien und dem Römischen Reich in denen Jahren 1678. und 79. geschlossen / und der König sich von außländischen Feinden liberirt befunden / hat er seine Meynung wegen Außtilgung mehrgemeldten Hugenotten [nachdeme er währenden Kriegs immer dissimulirt / und hintern Busch gehalten] etwas deutlicher an Tag geben / und zugleich nachforschen lassen / wieviel sich beyläuffig von dieser Religion in seinem Reich befinden möchten / nachdem nun Mons. Louvois behöriger massen inquiriret / und dem König wieder rapportiret / daß wohl auff 1800000. Seelen von dieser Religion in dem (Sie werden auff achzeben mahl bundert tansend geschätzet.) Königreich seyen / auch zugleich mit vielen Umbständen demonstrirt / was vor mercklicher Verlust und Volckmangel daraus erwachsen würde / wann man diese Leuth vertreiben wolte; dann der meiste Theil / sonderlich die nicht mit vielen unbeweglichen Gütern in dem Königreich angesessen / entschlossen seyen aus dem Land zu weichen / wordurch nicht nur das Volck / sondern auch die Commercien abnehmen würden: Indem solcher Gestalt die Frantzösischen Manufactureyen sich in andere Länder zögen und künfftig Franckreich in seinen Manufacturen schlechten Abzug zu hoffen hätte: Dannenhero die Königliche Intraden / an Zoll / Acciß / und andern Imposten ein merckliches zurück bleiben [62] werden / ungerechnet / was an paarem Geld / Kleinodien / und andern kostbahren Mobilien durch so viel tausend entweichende Einwohner aus dem Königreich geführet werde. Worauff der König zur Antwort gegeben / er wünschete / daß nicht einer mehr vorhanden seyn möchte / wornach sich auch (Be??? hundert tausend weichen aus dem Königreich.) nach und nach bey die 100000. Seelen / nacher Engelland / Holland / Schweitz und Teutschland retirirt haben / wie dieses der König vermercket / und den Verlust an den Einkünfften allgemach empfunden / ist er anders Sinns worden / und an alle Seehäfen und Frontiren seines Reichs ordre ertheilet / keinen Reformirten mehr durchzulassen / ja auff allen Landstrassen seine flüchtige Unterthanen anzuhalten; der Anfang von Unterdruckung offterwähnter Hugenotten ware schon vor einigen Jahren mit Einziehung verschiedener Kirchen / so in dem Edict zu Nantes nicht benennet waren / beschehen / dann weiln besagtes edict (worauff die fundamental-Freyheit ihres offentlichen Exercitii Religionis beruhete) nur generaliter dahin gieng / daß / an welchem Orth der offentliche Gottesdienst der so genanten reformirten Religion Anno 1596. und 1597. üblich gewesen / er ins künfftig gedultet werden soll / wurden vom König gewisse Commissarii ernennet / selbiges (Das Edict zu Nantes wird genan untersuchet.) Eedict etwas genauer zu untersuchen / als sie nun befunden / daß selbiges nicht klar gnug war / und darauff von denen Reformisten begehrten / sie sollen erweisen / daß sie an diesem oder jenem Orth zur Zeit der Außfertigung (Sehr unklar befunden.) gemeldten Edicts schon ihre Predigen gehabt / war es ein unmöglicher Handel / dann erstlich nachfragen war so viel / als unmöglich / dann es waren keine Leuth mehr da / so selbige Zeit gelebt haben / schrifftliche Beweistumer waren entweder die Rodul der Getaufften und Verehelichten oder Consistorial- oder Synodal-Handlungen / was nun die Rodul der Getaufften und Verehelichten betrifft / wurden sie von den Königl. Commissarien nicht angenommen / mit Vorgeben / man könne allenthalben tauffen und Ehen zusammen geben / und sey das kein Zeugnuß eines offentlichen Gottesdiensts: die in Schrifften verfaste Endschlüß ihrer Consistorial- oder Synodal-Handlungen wurden ingleichem verworffen / die Parlaments und Raths-Erkantnuß betreffend / ihr Recht in Kirchensachen für partheyisch gehalten / als sie nun endlich / da sie ihnen nicht anders zu helffen gewust / die Verjährung bey den Königl. Commissarien vorgeschützet / mit dem Anhang / daß wer 30. Jahr etwas in Possession habe / könne und möge es Vermög deß Praescriptions als aller Völcker Recht behalten / sie die Reformirten aber hätten ihre Kirchen schon besessen zweymahl 30. Jahr / wäre also billich / daß ihnen selbige noch längerge lassen würden / das golte ihnen abermahl vor keinen Beweißthumb / und kam Königliche Ordre eine Kirch nach der andern ni [63] derzukeissen / andere aber den Catholischen einzuraumen / alle protestirende Beambte / Officirer / Advocaten / Procuratores, in Summa alle in deß Königs und Königreichs Diensten seyende Persohnen reformirter Religion wurden zu changirung der Religion angehalten / oder widrigen fals cassirt / (Daran??? viel Kirchen geschlossen und denen Reformirten abgenommen worden.) die neugebohrne Kinder durch Catholische Priester getaufft / und sonsten alles angewendet / was man zur Bekehrung dieser Leuth und zu Außrottung dieser Religion ersprießlich zu seyn erachtet / worbey der König sehr grossen Eiffer verspühren lassen / also daß so gar der Ertz-Bischoff zu Pariß deßwegen bewogen worden sich in einer stattlichen Oration gegen denselben zu bedancken / und zugleich wegen dessen hoher Vorsorg zu gratuliren / die Se. Majest. anwendeten die Hugenotten außzutilgen / unter andern mit grossen Nachruhm das Exempel Königs Francisci I. anführend: welcher einsmahls gewüntschet / daß er gern einen Arm von seinem Leib abschneiden lassen / oder verliehren wolte / wann er dardurch alle seine Unterthanen könte wieder zur Römisch-Catholischen Religion bringen / worauff der jetzige (Grosser Eiffer deß Königs.) König geantwortet / ich wolte nicht allein einen Arm sondern mein gantzes Leben verliehren / wann das wäre / worbey man zugleich angemercket / daß ihme die Thränen in die Augen gestiegen seyn; als man nun in dem Reformations-Wesen immer fortgefahren / schon sehr viel bekehret / denen hartnäckichen aber die Soldaten über den Hals geschicket / wurde endlich umb (Reformirte werden starck verfolgt.) der Sachen auf einmahl abzukommen / in verlittenem Jahr den 22. Octob. das Haupt-Edict von Nantes (worauff theils Reformirte noch immer ihre Hoffnung gesetzet) auff einmahl cassirt / annullirt / auffgehoben / und widerruffen (Vnd endlich das Edict zu Rantes gantz cassiet und auffgehoben.) / und weiln selbiges wohl zu lesen ist / als habs in seiner Form / wie es publicirt worden / hieher setzen wollen / welches also lautet. Nachdeme König Henricus der Grosse / unser Groß-Herr-Vatter glorwürdigsten Andenckens zu verhindern bedacht gewesen / daß der Friede / welchen er nach so grossen Schäden / so er durch die Langwürigkeit der innerlichen Burgerl. und außwärtigen frembden Kriege erlitten / seinen Unterthanen erworben / durch Veranlassung der von der vermeinten Reformirten Religion nicht verunruhiget werden möchte / wie sich unter der Regierung der Königen seiner Vorfahren begeben hatte / hat er durch sein im Monat Aprill 1598. zu Nantes publicirtes Edict eine Verordnung auffgerichtet / welche man gegen die von ged. Religion zu beobachten hätte / nemblich an welchen Orthen sie ihr Exercitium haben möchten / auch extraord. Richter gesetzet / welche ihnen die Justitz administriren solten / ja endlichen sogar (Königliche Declarstion darüber.) alles durch absonderliche Articul angeordnet / was er zu Erhaltung guter Ruhe im Königreich und Verminderung aller Widrigkeiten / welche [64] unter denen von der ein und der andern Religion sich enthalten nöthig erachtet / umb dardurch so viel mehr in dem Stand zu seyn / sich dahin wie er zu thun resolvirt hatte / bearbeiten zu können / die jenige / die sich so schlechter dings von der Kirch abgesondert hatten / derselben wiederumb zu reuniren und zu vereinbahren. Und nachdeme gedachten Königs unsers Groß-Herrn Vatters Intention, wegen seines so plötzlichen Todfalls / nicht hat effectuirt werden können / auch die Execution besagten Edicts unter währenden Minderjährigkeit deß Seel. Königs unsers Hochgeehrten Herrn und Vatters glorwürd. Gedächtnuß durch neue Attentaten der jenigen von ersagter vermeinten Reformirten Religion selbsten unterbrochen worden / indem sothane neue Attentaten Anlaß gegeben / ihnen verschiedene Vortheil / welche ihnen durch gedachtes Edict verwilliget waren / hinwiederumb zu entziehen. So hat doch dessen ohngeachtet Weyland unser ersagter Herr und Vatter seiner gewöhnlichen Clementz sich gebrauchet / und ihnen im Monat Julio 1629. zu Nismes noch ein neu Edict verwilliget / vermittels dessen / nach dem nun ein neuer Ruhestand auffgerichtet worden / hat jetzt selig gedachter König von eben demselbigen Geist und Eifer vor die Religion / welchen der König unser gedachter Groß-Vatter gehabt / angetrieben / bey sich resolvirt / sich solchen Ruhestandts zu bedienen / umd sein gottseel. Vorhaben werckstellig zu machen / nach dem mahlen aber wenig Jahr hernach die Krieg mit den Außländischen darzwischen kommen / also daß seithero 1635. biß auff den in Anno 1684. mit denen Europäischen Fürsten geschlossenen Stillstand das Königreich wenig Zeit in Ruhe gestanden / so ist unmöglich gewesen / zu Vortheil der Religion ein mehrers vorzunehmen / als die Zahl deren / von den vermeinten Reformirten eingehabten Religions-Exercitien zu verringern / und zwar durch Verbietung der jenigen / welches zu Nachtheil deß Edicts auffgerichtet zu seyn sich befunden / und durch Unterdruckung der von beeder Religion bestellten Justitz-Cammern / deren Auffrichtung allein nur ad interim und biß auff weitere Erkäntnuß auffgerichtet waren. Dieweil dann nun GOTT endlich verliehen / daß unsere Unterthanen einer völligen Ruhe geniessen / und wir auch selbsten mit keiner Sorge beladen seynd / sie gegen unsere Feind zu beschützen / daß wir uns diesen Stillstand haben können zu nutz machen / welchen wir auch deßwegen befördert haben / umb uns gäntzlich zu legen / den Mitteln nachzusinnen vorgedachter Könige / als unsers Groß- und Herrn Vatters gehabtes Dessein ins Werck zu richten / wie wir doch bey Eintritt unserer Regirung darauff bedacht gewesen / so befinden wir nun [65] mit einer rechtmässigen Erkäntnuß / welche wir GOTT schuldig seynd / daß unsere gehabte Sorgfältigkeit zu einem guten End außgeschlagen / angesehen der beste und gröste Theil unserer gedachten vermeinten Reformirten Religion beygethaner Unterthanen / sich zu der Catholischen Religion bekennet / und weiln dergestalt die Execution ersagten Edicts von Nantes und allen dessen / so zu Vortheil der gedachten vermeinten Religion verordnet gewesen / unbrauchbahr worden ist; Haben wir davor gehalten / daß wir nichts bessers thun könten / umb die Gedächtnuß der Unruhen / Verwirrung und Unheils / so das Wachsthumb diesers falschen Religion in unserm Königreich verursachet / ersagtes Edict und andere mehr Edicten und Erklärungen / welche demselben vorgangen / oder hernach gefolget / gäntzlich zu vernichten / oder erwehntes Edict von Nantes und die particulier Articul, welche demselben zu folge seynd verwilliget worden / auch alles das / so biß dahero zu faveur ermeldter Religion geschehen / gantz und gar auffzuheben. Fügen demnach zu wissen / daß wir sowohl aus ermeldem / als andern uns hierzu bewegenden Ursachen / gutem wissen und aus Königlicher Macht und Gewalt durch gegenwärtiges beständig und unwiderruffliches Edict abgethan und widerruffen haben / thun auch ab und widerruffen deß Königs unsers Groß-Herrn Vatters zu Nantes im Aprill 1598. ergangenes Edict mit seinem gantzen Innhalt / beneben denen den 2. May darauff gefolgten und beschlossenen besondern Articul / so dann denen darüber außgefertigte Patenten / und dann weiter / daß zu Nismes im Julio 1629. derhalben publicirtes Edict. Wir erklären dieselben vor null / und als wann sie niemahln gegeben wären / sambt allen andern / denen von erwehnter vermeinten Reformirten Religion sowohl durch diese als andere Edicten / Erklärungen und Arresten / gegebenen Freyheiten / von was Natur sie auch seyn mögen / welche ebenmässig geachtet seyn sollen / als wären sie niemahln ertheilt worden. Wollen demnach hierauff / und ist unser Intention und Meynung / daß alle in unserm Königreich / Land / Herrschafft und Gebieten / soviel unserer Bottmässigkeit seynd befindliche / und denen so genanter Reformirten zustehende Kirchen unverzüglich sollen niedergerissen und demolirt werden. Und verbieten unsern ermeldten vermeinten Reformirter Religion zugethanen Unterthanen / sich nicht mehr an einigem Ort oder privat-Häusern zu Verrichtung einiges Exercitii, unter was Vorwand es auch seyn möchte / zu versam̅len / weniger die Real-Ubungen oder deß Ambts / wann auch schon durch unsern Senat solches verstattet / und gut geheissen worden wäre. Wir verbieten ingleichem allen Herren / von was [66] Condition sie auch seyn / kein Relig. Exercitium in ihren Häusern noch Lehen-Gütern / von was Qualität auch besagte Lehen seyn möchten / zu treiben / alles bey Straff der Confiscation ihrer Leiber und Güter / gegen alle unsere Unterthanen / welche dieses Religions Exercitium zu gebrauchen / sich unterfangen würden. Befehlen darauff allen Pfarrern von erwehnter so genanter Reformirten Religion / welche sich nicht bekehren / und die Römis. Apostol. Catholische Religion annehmen wollen / innerhalb 14. Tagen nach Publication dieses unsers Edicts sich aus unserm Königreich und Landen unserer Bottmässigkeit zu begeben / und nach solcher Zeit sich nicht mehr darin betretten zu lassen / weniger aber in ersagter Frist der 14. Tagen / einige Predig / Vermahnung oder anderes Ambts-Geschäfft bey Straff der Galleren zu verrichten. Wir wollen auch / daß die jenige Pfarrer / so sich bekehren werden ihr Lebtag / wie auch nach ihrem Tod / ihre Witwen / so lang sie im Witwenstand verbleiben / der Schatzungs- und Einquartirungs-Freyheilen / so sie währenden ihres Pfarr-Ambts genossen / ferner geniessen sollen; wollen auch noch darüber daß ged. Pfarrer / so lang sie leben/eines Unterhalts / welcher sich ein Drittheil weiter als ihre gehabte Pfarrbestallunge erstrecken / auch ihre Weiber / nach ihren Tod / so lang sie Wittwen seynd / der Helfft solchen Tractaments sich zu erfreuen haben sollen. Auch dafern einer oder der ander von gemeldten Pfarren ein Advocat zu werden verlangte / oder den gradum eines Doctoris der Rechten annehmen wolte / wollen und befehlen wir / daß sie an denen 3. Jahren / welche von uns zu diesem Studio in unsern Verordnungen vorgeschrieben seynd / verschonet werden sollen / und nachdem sie sich dem ord. Examen unterworffen / und durch dieselbige tüchtig befunden worden / sollen sie zu Doctorn angenommen werden / und nur die Helfft der jenigen Gebühren / welche man gewohnet bey jeder Universität darvor anzunehmen / bezahlen. Wir verbieten auch alle Particular-Schulen zu Unterweisung der Kinder in gedachter vermeinten Religion / und insgemein alles das jenige / was einer dieser Religion zu favor ertheilten Concession ähnlich seyn möchte. Die Kinder betreffend / welche denen / so der so genanten Reform. Religion zugethan seynd / gebohren werden / wollen wir daß selbige hinführo durch die Catholische Geistliche in jeder Pfarrkirch / getauffet werden sollen / befehlen auch allen Vättern und Müttern / selbige zu dem End in die Kirchen zu schicken / bey 500. Livres auch grösserer Stroff / wer dargegen handelt: und sollen folglichen die Kinder in der Römisch. Apostol. Catholischen Religion aufferzogen werden / weßwegen wir dann allen und jeden Orths Richtern hiermit außtrücklich befehlen / darüber steiff und fest zu halten. Und [67] damit wir unsere Clementz gegen unsere Unterthanen von ersagter vermeinten Reformirten Religion welche aus unserm Königreich / Land und Herrschafften unserer Bottmässigkeit / vor Publication dieses unsers gegenwärtigen Edicts sich auff eine Seit gemacht haben möchten / spühren lassen. So wollen und befehlen wir / dafern sie innerhalb 4. Monats Zeit à dato dieser Publication sich wieder zurück begeben / ihnen erlaubt seyn solle / wieder in die Possession iher Güter einzutretten / und selbige also zu gegeniessen / wie sie hätten können / wann sie allzeit darein ve???blieben wären: Im Gegentheil aber sollen deren Güter / welche in gemeldter Zeit von 4. Monaten sich in unserm Königreich / Land und Herrschafften unserer Bottmässigkeit / welche sie verlassen haben / nicht wieder einfinden werden / nach Innhalt unserer den 20. Augusti jüngsthin ertheilter Declaration, confiscirt seyn und bleiben. Verbieten demnechst hiemit nochmahln und außtrücklich allen unsern Unterthanen von gedachter vermeinten Reformirten Religion daß weder sie / noch ihre Weib und Kinder aus unserm Königreich / Land und Herrschafften unserer Bottmässigkeit weichen / noch ihre Güter und Effecten wegschaffen mögen / denen Männern bey Straff der Galleren / und denen Weibern bey Confiscation ihrer Leib und Güter. Wir wollen und befehlen auch / daß unsere von der gegen die Römisch. Catholische Religion wider abfallende gegebene Verordnungen nach ihrer Form und Inhalt exequirt werden. Im übrigen sollen die von der vermeinten Reform. Religion / so die Römisch. Catholische Religion noch nicht angenommen / in Erwartung / daß es GOTT gefalle / sie wie die andern zuerleuchten / in denen Städten und Orthen unsers Königreichs und Landen unsere Bottmässigkeit verbleiben / ihre Commercien ferner treiben / und ihre Güter geniessen / ohne daß sie unterm Vorwand ersagter so ernanter Reformirten Religion davon mögen beunruhiget oder verhindert werden / jedoch auff gemeldte Maß und Weise / daß sie das geringste Exercitium oder Versamblung / unterm Schein deß Gebetts oder Gottes diensts der ersagten vermeintlichen Reformirten Religion / wie dasselbe auch Nahmen haben möge / bey obgedachter Straff der hierauff unsern lieben getreuen Parlaments-Räthen / Rechen-Cammern-Steuer-Gerichten / Ambtleuthen / Schöpffen / Schultheissen auch übrigen unsern Richtern / Befehlhabern / und deren Unter-Beambten / so dieses angehen wird / daß sie dieses unser Edict auff ihrem Rathhäusern / und in ihren Gericht-Zwang verlesen / publiciren / und ad acta bringen lassen / darüber von Puncten zu Puncten halten / selbige beob [68] achten / und observiren / und weder selbst dargegen handlen / noch gestatten / daß auff einigerley Weiß von andern dargegen gehandlet werde / dann dieses ist unser Will und Meynung. Und damit dieses alles fest und beständig verbleibe / so haben wir unser Secret Infigel an diesen Brieff drucken lassen. So gegeben zu Fontaineblau im Monat Octobr. 1685. und unserer Regierung im 43. Jahr. Als bey diesem Verlauff die noch ohnbekehrte nunmehr innen worden / daß das Edict zu Nantes als die Haupt-Stütze ihrer Religion zu boden geworffen / und bey noch längerer Verharrung ihres Ungehorsams sie in die Königliche Ungnad verfallen / und also der Dragoner Discretion übergeben werden möchten / haben sie sich kurtzumb resolvirt / und eine Stadt nach der andern sich zur Catholischen Religion bekennet / wormit es so weit gekommen / daß biß dato im Königreich Franckreich wenig eingebohrne Reformirte mehr / so sich offentlich zu dieser Religion bekennen / zu finden seyn werden / obzwar nicht zu zweifflen ist / daß noch viel im Hertzen daselbst Reformirt seyn mögen / ob sie gleich mit dem Mund den Catholischen Glauben profitirt haben; bey sothaner der Sachen Beschaffenheit / als Jhro Päbstl. Heyligkeit von dem Hertzog de Estrees Frantzösischen Ambassadeur benachrichtiget worden / was massen der Aller-Christlichste König nicht allein die Edicten von Nantes und Nismes widerruffen / sondern auch die Reformirte meistentheils zum Catholischen Glauben gebracht / hat Sie sich darüber sehr erfreuet und Jhre grosse Vergnügung über ein so herrliches Werck desto mehr zu contestiren / hat selbige folgendes Handbriefflein an Se. Majest. abgehen lassen. Unserm in Christo geliebten Sohn / dem Aller-Christlichsten König in Franckreich. Geliebter Sohn in Christo! unter andern Gezeugnussen / wormit Euer angebohrne Majestätische Gottesfurcht überhäufft gezieret / leuchtet auch herfür der besondere / und einem solchen König wohl anständiger Religions-Eifer / womit ihr insonderheit begabt seyt; dann ihr habet gantz und gar die Ketzer / und welche solche Parthey defendirt / abgeschafft / und sehr weise Decreta zu Fortpflantzung der wahren Religion excradirt; Kurtz ihr habt alles wohl gerathen / wie uns unser auch geliebter Sohn der Edle Hertzog de Estrees Ew. Ambassadeur an unsern Stul hinterbracht. Nun erachte meines Ambts zu seyn / durch eine herrliche Gezeugnuß euer innerliche angebohrne Gottesforcht weit und breit zu recommendiren / welche Ihr bißher dermassen an Tag geleget / daß man darüber sich zu erfreuen und Glück zu wüntschen Ursach habe. [69] Es wird die Catholische Kirch euer so grosses Werck der Gottesforcht gegen dieselbe allezeit im frischen Andencken haben / und euern grossen Namen mit unsterblichem Lob ausbreiten. Die Gütigkeit Gottes wird solchen heylsamen Rath (glaubet nur gewiß) vergelten / und seyt versichert / daß wir zu dem höchsten GOtt allstäts unser Gebet vor euch ausschütten werden. Das übrige werdet ihr von unserm hochwürdigen Nuntio, dem Fe???nensischen Ertz-Bischoff zu vernehmen haben / indem derselbe E. Maj. den Apostolischen Segen geben wird. Datum Romae d. 13. Nov. 1685. Pontificatus Maximi Anno Decimo. (Denë Evangelischen werden grosse Freyheiten versprochen / so den Catholischen Glauben annehmen.) Bey so gutem Fortgang deß Religions-wercks war der König weiter bedacht / nicht allein die Reformirte / sondern auch die in seiner devotion sich befin dende Evangelische mit der Catholischen Kirchen wieder zu wereinbahren; zu dem Ende grosse Privilegia und Freyheiten den jenigen zugesagt worden / so in einer gewissen Zeit ihren Glauben abandoniren, und sich zu dem Catholischen bekennen würden / wovon mir nachgesetztes zu handen kommen. Frantzösische Ordonnantz / worinnen hauptsächlich denen ???der Grafschafft Mümpelgart / und den Land- und Herrschafften Charelot. Hericourt, Blamont und Clermont wohnenden Evangelischen / so zur Catholischen Religion tretten wollen / ein sicherer Einzug / Auffenthalt / und Befreyung von allen Anlagen und Einquartirungen auff 10. Jahr in der freyen Grasschafft Burgund angewiesen wird. (Ein Frantzös-Ordonnantz deßwegen in Druck gegeben.) Im Namen und auff Befehl Er. Maj. deß Königs von Franckreich soll hiermit Claudius de la Fond, Ritter und Herr zu Beurriere, Forte, Gilbert und Limezii, Königlicher geheimbder und Supplications-auch obrister Justitz-Policey-Cammer- und Kriege-Rath in der freyen Grafschafft Burgund offentlich anfügen / wie daß höchst-erwehnte Se. König. Majest. nachdeme sie durch verschiedentlich heraus gegebene Declarationes ihre der Reformirten Rellgion zugethane Unterthanen / welche von dieser Religion sich ab und zu der Cathol. Apostol. Röm. wiederkehren / die Befreyung und exemption von allen Königl. Auff- und Anlagen / wie nicht weniger Einquartirung der Soldaten auff 3. gantzer Jahr / von dem Tag ihrer Bekehrung anzurechnen / vergünstiget / und zugesagt: und dieses [70] zwar auff unterthänigstes seit kurtzer Zeit her Sr. Majest. beschehenes referiren / daß nemlichen ein mächtige Anzahl von erwehnten Reformirten Religions-Verwandten (so nach dem Beyspiel und Vorgang unzehlicher Personen / welche dieses Jahr diese Secte verschworen / und davon sich abgesondert haben) dermalen erkenneten / daß ihre Vorfahren gar zu leichtsinnig von der wahren Kirchen abzusondern / sich hätten bereden lassen / und dannenhero entschlossen von Hertzen gern wiederzukehre??? wann Jh. Majestät nur einen bequemen / sichern und ruhigen Ort zu ihrem Auffenthalt ihnen gnädigst anzuweisen geruhen möchten: Endlichen durch eiferige Begierde wieder zu ruffen / und der Kirchen einzuverleiben / alle die / so sich dißhero davon entfernet gehabt (welches dann Zeit-währenden Friedens Ihrer Majest. meiste Verrichtung gewesen) auch bewogen worden / uns gemessen anzubefehlen / Ih. Maj. intention hierunter kundt zu machen; zu dessen unterthänigster Folge dann wir am 15. Novemb. letzthin eine Ordonnantz heraus gegeben / krafft welcher wir denen ausländischen Religions-Verwandten vergünstiget / sich in der freyen Grafschafft Burgund häußlich niederzulassen / und versichert / daß falls sie zwey Monat nach ihrer Einrichtung sich bekehren würden / sie von allen Königl. Auff- und Anlagen / auch Einquartierungen / wie nicht weniger allem dem / was bey den Gemeinden zu entrichten / 10. gantzer Jahr sollen befreyt und exempt seyn. Zumalen aber offt höchst-erwehnie Jh. Königl. Majest. von dieser Gnade insonderheit allen in dem Bezirck der Grafschafft Mümpelgart / und der Länder und Herrschafften Chatelot, Hericourt, Blamont und Clermont sich befindlichen der Reformirten Religion oder auch der Augspurgischen Confession zugethanen Inwohnern / so sich zu der Apostolischen Catholischen Römischen Religion entweder schon bekehret / oder aber noch dazu sich bekehren würden / communication zu thun gemessen anbefohlen; Als können wir nach Anweisung und in krasst solcher Sr. Königl. Majest. Ordre / auch erwehnter unserer Ordonnance vom 5. Novemb. letzthin / worinnen ermeldtes Privilegium der Befreyung oder Exemption, welches wir obgemeldten neubekehrten Leuten / durch unsere am letzten May 1685. ausgelassene erstere Ordonnance, gegeben / auff 3. Jahr lang würcklich erweitert / nicht umbhin / hiemit zu verordnen / daß alle und jede / so in erwehntem Bezirck der Grafschafft Mümpelgart / und der Länder und Herrschafften Charelot, Hericourt, Blamont und Clermont, wohnhaffl / entweder der Reformirten Religion / oder aber der Augspurgischen Confession zugethane sich befindende Manns- und Weibsbilder / sie seyn gleich allschon wiedergekehret / oder wollen sich noch ins künfftig zu der Apostolisch-Catholisch-Römischen Religion bekennen / wann [71] sie nur würcklich und von Hertzen sich bekehren / und bey dem wahren Catholischen Glauben (welches uns dann am besten durch die Pfarrer oder Priester / so ihnen die Heil. Sacramenten reichen / wird kundt können gemacht werden) sich eiferig bezeigen / und beständig beharren / sollen 10. gantzer Jahr (so von dem Tag ihrer Bekehrung an zu rechnen) von allen Königlischen Auff- und Anlagen auch Einquartierungen befreyet und exempt seyn. Einfolglich inhibirn und verbieten wir auch hiermit ernstlich allen Ober-Burgermeistern / verständig und ehrlichen Leuten / auch geschwornen Burgern der Orten / wo sie sich auffhalten / sie mit einigen obvermeldler Königl. Auff- und Anlagen / auch Einquartirungen bey willkührlicher Straff und Erstattung alles Schadens erwehnter Neubekehrten / nicht zu belegen. Damit aber gleichwol die zur Apostolisch. Catholisch-Römischen Religion Bekehrte / mehrermeldter Befreyung und Exemption desto füglicher sich mögen zu erfreuen / auch die berührten Obrigkeiten Wissenschafft von ihrem Bekehren haben / so sollen sie (Bekehrte) gehalten seyn / denen Obrigkeiten die Verfassung ihres Widerruffs abschrifftlich zu verfertigen; wie dann / und damit niemand einige Unwissenheit wird vorzuschützen haben / gegenwärtige Ordonnantz in denen Mümpelgart-Charelot-Hericourt-Blamont- und Clermontischen Regierungen offentlich soll abgelesen / und unverweilt publicirt / auch aller Orts / wo es die Noch erfordert / soll angeschlagen werden. Geben zu Bisantzi. Dergleichen Ordonnantzen seynd an mehrern Orten deß Königreichs publicirt worden / nichts desto weniger haben sich viele gefunden / so lieber ihr Vatterland quittiren / und ihre Güter dahinten lassen wollen / als die einmal von Kindheit an bekandte / und gleichfalls mit der Muttermilch eingesogene Religion zu changiren / weilen aber alle Päß in Franckreich aufls beste vesetzet worden / ware sehr schwehr durchzukommen / doch gleichwol seynd einige échappirt, die meiste aber an den Pässen gefänglich angenommen worden / wie dann von Pariß Nachricht einkommen / daß in dem (Fortsetzung deß Reformationswesens in Frauckreich.) Delphinat viele Dames sich in Mannskleyder gestecket / und sam̅t einigen Manns???personen eine Parthey von 80. Köpffen ausgemacht / folgends an einem Paß sich durch die Königl. Dragoner geschlagen / und den Officier mit einer Pistol todt geschossen / sie seynd aber hernachmals doch in dem Lothringischen erhaschet / und gefänglich nach Grenoble gebracht worden / allda ihnen das Parlament den Proceß formiren will / hat aber erst gen Hoff geschickt / zu vernehmen / was sie für ein Recht sprechen sollen / weil dergleichen Vorfälle in keinen Rechten / so lang die Welt gestanden / beschrieben ist. Zu Nantes hat man einige Reformirte Weibs-personen we???en ihrer [72] Hartnäckigkeit in die Klöster verschlossen / und glaubt man nun / daß in wenig Tagen nicht ein einige mehr sich daselbst wird Reformirt nennen dörffen. Man fügt darzu / daß die neulich Bekehrte allda einen Prediger haben / welcher ihnen das Wort Gottes auff eine solche Weiß auslegt / die mit ihrem vorigen Gottesdienst sehr genau überein kom̅t / indem er ihnen nicht von Anruffung der Heiligen / dem Fegfeuer / oder der wesentlichen Gegenwart im H. Sacrament / noch von den andern vornehmsten Puncten / welche die Protestanten in der Römischen Kirch verwerffen / prediget; dieser Geistliche heist Pater Pollet, ein im gantzen Reich berühmter Mann / welcher auff diese Manier unter den neulich Bekehrten grosse Reputation überkommen (Viel??? fürnehme Herren nehmen die Catholische Religion an / andere salviren sich.) wird. Der Herr de Immecourt, Maistre de Camp von der Cavallerie ist mit 9. seiner Söhnen / welche alle in Diensten seynd / anhero kommen / und wird gesagt / daß er in proesentz Sr. Königl. Majest. die Religion abschwören wolte. Bey jüngster rencontre, da sich einige flüchtige Reformirte durchgeschlagen / seynd unterschiedliche todt blieben / und ein Rathsherr von Metz nebst 6. andern gefangen worden / welche dem Bericht nach als Deserteurs sollen gestraffet werden / die übrigen alle haben sich salvirt / man hat aber einen Bagage Wagen von ihnen und darauff 12000. Gulden contant bekommen / welche dem Bericht nach halb unter die neulich Bekehrte / und halb unter die Unterrichter sollen ausgetheilet werden. Sonsten hat man nunmehro die Ursach / warumb man unlängst die zwey Gefangene aus der Pfaltz anhero gebracht / entdeckt / daß nemlich der Kauffmann (Der arrestirte Kauffmann von Mannheim wird vor unschuldig gebalten.) gegen das Leben deß Königs conspirirt haben solle / welches gleichwol unwahr befunden / dann es seynd diese calumnien durch den andern seinen Mitgefangenen / so ein verwegener Schelm ist / welcher auch schon vormals einen andern Reformirten reichen Kauffmann von Armstatt / so sich ein geraume Zeit daselbsten auffgehalten / dergleichen Laster beschuldiget / umb sich an selbigem zu rächen / aus Ursach / daß derselbe ihn (welcher sich damals vor einen Reformirten vornehmen Frantzös. Herrn ausgegeben) seine Tochter nicht hat wollen heyrathen lassen / fälschlich ausgesprengt worden. (Erzehlung deß Verlanffs von dieser angedichten Verrätherey) Dieser leichtfertige Vogel begab sich darauff / umb sein Vorhaben desto besser auszuführen / zu dem Frantzös. Ambassadeur am Churfürstl. Hof zu Pfaltz / und machte ihm bekandt / daß dieser Kauffmann von Mannheim gegen die Person deß Königs conspirirt hätte / da er dann so viel particularitäten vorzubringen gewust / daß besagter Herr Ambassadeur nöthig zu seyn urtheilte / dem König hiervon Nachricht zu geben / worauff man alsobald einen Wechselbrieff von 1500. Rthlr. übermachte / umb besagten Kauffman̅ zu arrestiren; So bald dieser Verräther das Geld empfangen / gieng er zu [73] oben-gedachtem Kauffman̅ / zeigte ihm solches / und bate und bewog ihn mit auff einen sichern Jahrmarckt zu gehen / und die Wahren / so er willens wäre einzuhandeln / ihme helffen einzukauffen / weil er sich nicht recht darauff verstünde / worauff man also diese beyde mit einander unterwegs arrestirt / und gefänglich anhero gebracht hat / man zweiselt aber nicht / daß besagter Kauffmann / welcher vollkommen unschuldig befunden wird / ehistens absolvirt / und hingegen der ander als sein Verräther wegen solcher falschen Beschuldigung (Achzig der fürnehmsten Bürger in Pariß werden Catholisch.) zum Tod wird condemnirt werden. So bald 80. von den vornehmsten Burgern und Banquirs dieser Stadt in einer unterschriebenen Acte versprochen hatten / von der Reformirten Religion abzufallen / hat Mons. de Saignelay alsobald solche Zeitung dem König überbracht / welcher darüber sich sehr vergnügt zu seyn bezeuget / und also zu ihm gesprochen: (Duc de la Force und Marschall de Scho???berg wollen nicht abschwören.) Mons. de Saignelay, ihr seyd ein guter Mifsionarius. Mit dem Duc de ??? Force und Mons. le Marschall de Schomberg aber gieng es sehr schwehr daher / selbige zu Abschwörung ihrer Religion zu bewegen / und weilen diese Leut sich umb das Königreich Franckreich in vielen Begebenheiten sehr meritirt gemacht hatten / wolte der König wegen ihrer treuaeleisten Dienst sie nicht gleich anfangs par force zu amplectirung der Catholischen Religion anhalten / wie er sahe / daß selbige steiff auff ihren einmal bekannten Glauben beharreten / wurde er etwas ungedultig / citirte selbige / und redete sie folgender massen an: (Deß König??? Rede an dieselbe.) Ihr Herren / wie ich siehe / so bezeiget ihr euch viel halstarriger als andere / euch nach meinem Willen zu bequemen / welcher dieser ist / daß ich gäntzlich und schlechter dings haben will / daß ihr unverzüglich und ohn einigen Auffschub zu der Catholischen Religion tretten sollet / alldieweilen unter allen nur ein einiger wahrer Glaube ist / und wisset ihr / datz ich hinfüro / es mag auch gehen wie es immer will / nur ein einige Religion in meinem Königreich gedulten wolle. Dannenhero und deme zu folge / sollet ihr euch entschliessen / euch hierzu zu bequemen / und euch durch so viel Proelaten und Theologen / welche gantz tüchtig und geschickt seynd / euch euern irrigen Wahn zu benchmen / unterrichten zu lassen / und mir nicht Anlaß zu geben / das jenige wider mein Vorhaben vorzunehmen / was ich zweisels-frey nicht gern thun werde / euren gantz eigensinnigen Kopff / wie ich solchen nicht anderst nennen kan / zu brechen. Ihre Antwort: Sire, Was können oder sollen wir dargegen sagen / wir seynd in E. Majest. Händen / und das alles / was nur immer von der Welt gesche [74] hen kan / betrifft / so werden wir uns nimmermehr von dem Gehorsam und Pflicht / so wir E. Maj. schuldig seynd / entziehen. Es wollen aber E. Maj. allergnädigst bedencken / daß die Gewissens- und Religions-Sachen (Jhre Antwort.) GOtt allein zugehören / worüber man ihme Red und Antwort geben soll / und sich also kein Mensch derselben anmassen soll / also daß E. Maj. nicht begehren wird / daß wir wider unser Gewissen / und solcher gestalt auch zugleich wider unsere Ehre handlen. Denn es geschicht gewißlich auß keiner Eigensinnigkeit / noch irgend aus einem menschlichen oder weltlichen Absehen / daß wir E. Maj. Willen und Besehl nicht erfüllen können / sondern einig und allein aus dieser Ursach / daß wir annoch biß auff diese Stunde / ungeachtet alles dessen / was man uns gesagt / und zu Gemüth führen wollen / nichts desto weniger dessen in unserm Gewissen nicht also überzeuget seyn / als von welchem wir GOtt allein / vor deme wir / wegen unsers hohen und abgelebten Alters bald zu erscheinen haben / werden Rechenschafft geben / und seinen Zorn höher achten müssen / als alles das / was in der gantzen Welt zu fürchten seyn mag. Dannenhero ersuchen Ew. Majest. wir in tieffster Demuth und sußfälligst / die geruhen allergnädigst / uns die noch wenige übrige Tage / so wir noch zu leben haben / bey der Freyheit unsers Gewissens und unserer Religion zu lassen / und uns an demselben keinen Gewalt anthun / sondern uns einen Weg wie den andern für dero allerdemüthigste und getreueste Diener zu halten / bey allem deme / was für das Heiligste und Höchste gehalten werden mag / betheurend / daß wann wir in unserm Gewissen eines andern beredet befinden werden / wir mit Freuden die Warheit und Gelegenheit / E. Maj. Verlangen ein Gnügen zu thun / annehmen wollen. Es ist aber der Glaub / wie die bescheidene Herren Geistliche Ew. Majest. selber sagen werden / ein für allemal ein Gnadengeschenck Gottes / von welchem man die Erleuchtung erwarten muß. Man kan zwar nicht eigentlich wissen / was für eine Antwort der König ihnen darauff mag gegeben haben / allein sie seynd mit einem sehr bewegten und verwirrten Gesicht aus dieser Audientz gegangen. Dann vielleicht hat der König zu ihnen gesagt / ob sie sich dann klüger / als so viel heilige Altvätter / und alle unsere Vor-Eltern vor zweyhundert Jahren / und so viel fromme und gelehrte Geistliche und Theologi deß Königreichs / wie auch weyland der Marschall von Turenne gewesen / zu seyn bedüncken liesen / welcher doch anderst nicht / als nach einem sanfftmüthigen und sittsamen Unterricht endlich der Warheit und Vernunfft statt und Platz gegeben. Scheine also / daß sie bloß umb deßwillen ihnen bey den Ihrigen [75] einen Ruhm zu erwerben / und sich in grosses Anschen zu bringen / so widerspenstig erzeigten. (Pariß vom 2 Jannuar.) Was ferner im Königreich Franckreich diesen Monat hindurch passirt / werden folgende Briest von Pariß erklären / welche bringen / daß ein Reformirter Prediger Rosemund genant / welcher von dem Römischen zu dem Reformirten Glauben sich vor diesem gewendet / und nun seine Religion nicht wieder ändern wollen / ist wie man sagt / gehenckt worden. Der König hat mit dem Marschall de Schomberg zum andernmal Unterredung gepflogen / was solches würcken werde / muß die Zeit lehren. Der König hat die Einkommen von den confiscirten Gütern noch niemand gegeben / sondern will dasselbige ad pias causas verwenden. Man sagt / daß noch diesen Monat ein Confiscation-Edict wider die halstarrigen Reformirten heraus kommen werde. Dem Provost-Leutenant zu Lyon wird allhier der Proceß gemacht / weil er den Reformirten zu entfliehen behülfflich gewesen. Von Rom wird ein Bulle erwartet / zu Auffrichtung einer gewissen Anzahl Jungfrauen / welche Canonicae oder Dohmfrauen genennet werden / und das Bildnuß deß H. Ludovici auff ihrer Brust tragen sollen. Seit jüngstem haben noch einige Reformirte ihre Religion verlassen / und sagt man / daß alle / die auffs eusserste beständig bleiben / gefangen gesetzt / und nicht wieder loß gelassen werden sollen / als mit der Bedingung / daß sie nur grobe Kleider / die Röcke an der einen Seiten grün / und an der andern Seiten gelb / und gelbe Hüt / und die Frauens-personen auch dergleichen Zeug tragen / die Jungfrauen nicht heyrathen / oder Erbtheil besitzen mögen / davon doch noch mehr Gewißheit abzuwarten stehet. Daß der Marschall de Schomberg auch wancken solle / streuen die jenigen aus / die es (Mons Fremont ist ??? gebrauchte Finte gelungen / und ist glücklich échappite.) gerne sehen / aber es ist noch wenig apparenz darzu. Mons. Fremont ist glücklich entkom̅en / er hatte sich als ein Officier gekleydet / und einig Volck so wie die Leibquarde gekleydet zu sich genommen / und als er an das Ther kommen / fragte er / ob einig Volck vorbey gangen / und als die Wacht mit Ja antwortete / und daß sie gute Paßporte bey sich gehabt / hat er gesagt / daß die Paßporten falsch gewesen / und er sie zu verfolgen Ordre habe / darauff ihm und andern das Thor geöffnet / und ihm also der Weg zu seiner Retirade gebahnet worden. Der König hat dem Cardinal de Bouillon den Winter in den Insuln von Hieres zuzubringen vergön̅et. Man sagt viel von einer Reise deß Königs gegen bevorstehenden Frühling nach dem Elsas. (Hn. Misson werden 100. Dragoner zur Guarnison ins Hauß gelegt.) Die Herren de Touchimber???g sitzen noch in der Bastille / werden mit Wasser und Brod gespeiset / und wird niemand zu ihnen gelassen. Der Herr Misson Rathsherr im Parlament zu Pariß hat eine Guarnison von 100. [76] Dragonern in seinem Hauß / welche dasselbe umbreissen sollen / dafern er nicht seine Religion changiren will. Die Prediger von Orange seynd unter einer starcken Wacht nach Valencin gebracht / woselbst sie sehr genau / daß niemand zu ihnen kommen darff / bewahrt werden. Die Dragoner seynd auch wieder nach dem Fürstenthum Orange marschirt / umb die Einwohner in die Meß zu zwingen / weil man aber weiß / daß der König von diesen üblen proceduren keine rechte Wissenschafft hat / so glaubt man / daß einige frembde Potentaten bey dem König intercediren werden / damit die gefangene Prediger loß gelassen / und die Dragoner auch mit ihren gewöhnlichen excessen in selbigem Fürstenthum einhalten mögen. Aus Poictu wird geschrieben (Verfolgung der Reformirten in Poictu wie auch in Rouan.) / daß die Dragoner daselbst noch sehr grausam verfahren / indem sie einen ehrlichen alten Edelmann / seinen Glauben abzuschwören / verpflichten wollen / weil aber ihre gewöhnliche Mittel fruchtloß gewesen / haben sie diesen Edelmann in ein Begräbnuß-Gewölb geschlossen / und nach einiger Zeit aus diesem gefährlichen Ort wieder heraus genom̅en / weil er aber gleichwol noch beständig blieben / haben sie ihn endlich / jedoch in solchem Stand verlassen / daß man an seiner Auffkunfft zweifelt. In Rouan seynd noch 13. Reformirte Familien / einer davon / so am letzten changirt hat / ist durch 80. Dragoner darzu gezwungen worden / nachdem er die Plage von 22. bereits eine geraume Zeit ausgestanden / auch man ihme seine Frau in das Kloster hinweg genom̅en hatte / so man nachgehends wieder zu ihme gelassen / 9. von seinen Kindern aber seynd vorhero bereits hinweg geflüchtet gewesen / und weiß man nicht / wo solche mögen hinkommen seyn. Man sagt noch im̅er / daß der Pabst eine Statue vor unsern König wolle auffrichten lassen / weil derselbe (Vnd zu Bordeaux.) die Ketzer aus seinem Reich vertilget habe. Von Bordeaux wird geschrieben / daß unterschiebliche vornehme und bekandte Familien vor kurtzem sich wieder von dannen reterirt / ungeachtet sie die eusserliche Abschwörung schon vorlängst gethan / und finden sich einige darunter / welche alles / auch wol für 100000. fl. ohne die ligende feste Güter hinterlassen haben / die Ursach dessen soll seyn / daß man nicht auffhöret dieselbe zu travalliren, und in die (Zu Rochel will ein 80. jähriger Mann auff seinem Tod. bett nicht auff Catholisch communicren???.) Meß und zur Procession zu zwingen. Man sagt allhier viel von einem 80. jährigen Man̅ zu Rochel / welchem man auff seinem Todbett die Hostie nicht hat einzwingen können / und als selbiger gestorben / seye sein Leichnam nackend auff einer Horde hinaus geschleifft / und als ein Aas weggeworffen / solcher aber nachgehends endlich noch von seinen Freunden begraben worden. Sonsten hat man in dieser Stadt anbefohlen / daß alle umbschwebende Personen durch das gantze Land / bey unausbleiblicher Straff der Galleren / vor der General-Procession ein jeglicher sich nach seiner eigenen [77] Provintz begeben solte. Die Außrüstung nach der Mittelländischen See ist contramandirt / und spargirt man / als ob die Differentzien / wegen deß Segelstreichens zwischen denen Cronen Franckreich und Engelland verglichen (Anßrüstung der See-Flotta.) und beygelegt seyn solten. Aus Proventze wird geschrieben / daß die Königliche Galleren beynahe alle außgerüstet wären / und daß die 6. Kriegs-Schiffe ehistens von dannen zu Segel gehen solten / ohne daß man noch weiß / wohin deren Lauff gerichtet seyn mag; man präpariret deren noch 20. andere in verschiedenen See - Häfen dieses Königreichs / welche nach den Ocean destiniret seynd. Verschiene Woche hat man einen Schweitzer die Zunge außgerissen / in dessen Gegenwart ins Feuer geworffen / und ihm hernach arquebusirt / weiln er / wegen der Verfolgung / wie man (Eine Declaration publici???rt.) sagt all zu kühn geredet haben solle. Dieser Tagen ist eine Declaration folgenden Innhalts publicirt worden / daß hinführo an den Orthen / wo Reformirte sterben / die zwey nechsten Freund oder Nachbahrn bey Straff einer willkührlichen Geldbusse dem Richter jedes Orths davon (Rennes und Senlis zwey Bißthüm er werden Römisch - Catholisch.) Nachricht zu geben / gehalten seyn sollen. Alle Reformirte in dem Bischoffsthumb Rennes haben ihre Religion verändert / weßhalben das Te Deum laudamns gesungen worden. Die vornehmsten Reformirten in dem Bischoffthumb Senlis haben ihren Glauben verlassen. Der König ist Vorhabens / eine gäntzliche Reformation in der Justitz und Gerichts-Processen zu machen / und dieselbigen zu verkürtzen. St???. Majest. hat das Jährliche Recht denen Herren von Chatelet remittirt / in Ansehung der Dienste / so sie in Bekehrung der Reformirten erwiesen / und dem Commissario la Mare, welcher sich vor andern in dieser Gelegenheit trefflich gebrauchen lassen / eine jährliche Pension von 1000. Pfund zugeleget. Ein Edelman Nahmens Beineaux ist wegen der Religion in die Bastille gesetzt. Mons. Dettervall Rath in dem Hoff hat in St. Eustachii Kirchen seine (Aus Pariß vom s. ???) Religion verlassen / und nach der Römischen Weise mit grosser Magnificentz communicirt. Madame la Marquise d' Allegre hat einen Sohn zur Welt gebohren / so einmahl ein gar reicher Erb werden kan. In der Christnacht haben sich 10. à 12. Gefangene aus dem Fort Eveque mit der Flucht salvirt / worunder ein Königlicher Secretarius und ein Pfacht-Mann von denen 5. grossen Pfachtern gewesen; sie haben ein Loch durch die Mauer gemacht und seynd auff eines Procureurs Stiegen kommen (Pohlnischer Ambassabeur wird bey seiner ???breiß herrlich beschencket.) / und haben die Thüre / so auff die Gassen gienge / zerbrochen. Der Pohlnische Ambassadeur ist von hier abgereist / umb nacher Pohlen zu kehren; welchen hiesiger Hoff sehr herrlich mit Geschencken regaliret / und grosse Ehr erwiesen hat. Man sagt / daß Se. Aller-Christlichste Maj. zu dero [78] Ambassadeur in Pohlen / den Marquis de Bethune ernennet habe. Ein Englisch Schiff mit Brandewein beladen / so von Bourdeaux mit einigen protestirenden Familien abgeschiffet / solle ins Feuer gerathen / und mehr nicht / als ein einiger Bootsknecht mit dem Leben davon kommen seyn. Deß Churprintzens zu Sachsen Hochfürstl. Durchl. seynd in hiesiger Stadt angelangt. Die Marquisin von Courcelle ist vor 2. Tagen gestorben. (Eine doppelte Heyrath zwischen Portugall und Reuburg ist im Vorschlag.) Brieff von Lisabonna melden / ob hätten die Spannier einen doppelten Heyrath zwischen den König von Portugall / und einer Churpfältzischen Princessin / und zwischen der Infantin von Portugall / und Printzen von Pfaltz-Neuburg in Vorschlag gebracht; deme man zufügt / daß das Hertzogthumb von Bragance und 100000. Rthl. so die Spannier versprechen / jährlich zu bezahlen / zum Heyrathsgut solte gegeben werden / und wann der König ohne Kinder würde sterben / der Printz von Neuburg / der die Infantin heyrathen solle / Successor von der Cron solte werden / alsdann die Spannier von der Pension / die 100000. Rthl. zu bezahlen / ex???mirt bleiben sollen / was daran / lehret die Zeit. Man hat der Madame Gantina gewesener Aufwärterin der Königin in Spannien / so vor kurtzer Zeit anhero kommen / ein eigen Zimmer eingeraumbt / umb darinnen die übrige Zeit ihres Lebens zuzubringen / weiln sie doch wegen außgestandener Tortur in Spannien die gerade Glieder nicht wieder überkommen wird / massen sie weder (Den Protestirenden und ueubekehrten werden ihre Bibeln abgefordert und verbrant.) gehen / noch eine Hand an den Mund bringen kan. Es wird von vielen Orthen geschrieben / daß sowohl die noch übrige Protestanten / als jüngst bekehrte gezwungen werden / ihre Bibeln und andere Bücher / so von der Religion handlen / denen ordentlichen Priestern oder andern / die dazu committirt werden / zu überliefern / damit solche mögen verbrandt werden. Sonsten ist jüngst hier vor etwas seltzames anhero berichtet worden / daß vor wenig Zeit sich ein grosser Adler zu Straßburg auff dem Münster habe sehen (Holländis. Ambassadeur begehret Paß. porten vor die Unnaturalisirte Holländer.) lassen / welches aber allhier wenig geachtet wird. Der Holländische Ambassadeur hat abermahln Instantzen gethan und angehalten / Paßporten vor die Unnaturalisirte Holländer / so sich in diesem Reich befinden / zu bekommen / solle aber zur Antwort erhalten haben / daß Se. Königl. Majest. geneigt wäre / die mit denen General - Staaten gemachte Tractaten zu observiren und zu beobachten; Aber wegen denen entstandenen Religions-Unruhen / hätte man noch nicht können beschliessen / Paßporten an die Familien / welche sich allhier nidergelassen / und gesetzt haben / zu geben; daß auch Se. Majest. Sorge tragen werde / damit ins künfftige man keine Ursach zu klagen haben solte / sonderlich wegen der Commercien / und daß auff die Principal - Sach noch 2. à 3. Monaten müsten abgewartet werden.
|| [79]
Ihro Majest. sollen sehr vor übel auffnehmen das Schreiben deß Holländischen Consul zu Nantes Mons. de Bye an die General-Staaten: Indeme man sagt / daß Se. Majest. wegen deß üblen Tractaments ihme angethan / Information hätte nehmen lassen / und so gar arg nit befunden hätte. Auff den 15. à 16. dieses soll der Holländische Ambassadeur Herr von Starenberg wegen seiner eigenen Geschäfften eine Reiß nach den Haag (Pariß von s. dito.) thun wollen. Man sagt / daß der hier angelangte Chur-Printz von Sachsen / die Fasten über in dieser Stadt verbleiben werde. Die Dragoner / welche vor kurtzer Zeit allhier arrivirt / umb die Reformi???te zum Abfall zu zwingen (Die Dragoner werden den Protestanten zu Pariß einfouriert.) / bleiben bey denselben theils noch einlogirt / viel aber haben sich wieder zurück begeben müssen / weiln sie solchen falls wegen so geschwinder Bekehrung ihren Muth nicht haben kühlen können. Von Lyon wird geschrieben / daß die Reformirte daselbst mit grosser Gewalt zu Abschwörung ihrer Religion noch immer angestrenget werden. Von Monpellier hat man / daß in der Nähe selbiger Stadt ungefehr 20. Reformirte / so ihren Gottesdienst im dunckeln und verborgen verrichtet / ertappet / solcher Ort aber alsobald rasirt worden / ohne daß man noch wissen möge / zu welcher Straff sie verurtheilet werden mögen / wie auch die jenige / deren 29. an der Zahl / und nahe (Viel Reformirte suchen sich zu salviren werden aber erhaschet und theils übel ???elohnet.) bey Piemont gefangen / und ebenfalls dahin gebracht worden / deßgleichen hat man noch 31. Persohnen / so über Rochelle nach Savoyen geflüchtet / zu Chambury arrestirt / nebst 13. von Grenoble / weil Se. Majest von selbigem Hertzog Erlaubnuß hat / alle deren Flüchtlinge auff Savoyschem Boden arrestiren zu dörffen. Von Montuban wird geschrieben / daß die Reformirte mit denen daselbst einlogirten Dragonern Handgemein worden / und beyderseits einige auff dem Platz geblieben. Auff den 22. passato ist ein Edelman Mons. du Lis genant / bey Trieves wohnhafft / enthauptet / nechst bey demselben eine Frau / und noch 2. andere Persohnen auffgehenckt / und noch 14. andere auff die Galleren bannisiret / aus Ursachen / weil ihrer 36. in der Zahl / so Manns-als Weibs-Volck unter Mons. du Lis als ihrem Haupt sich zusammen rotirt / umb wegen der Verfolgung sich zu salviren / und sich zu Vigille, nahe bey Grenoble, sowohl gegen die Dragoner als Bauern / so ihnen die passage disputirt / zur Wehr gestellet / in solcher Action aber übermeistert / und also gefangen worden. Sonsten ist denen Reformirten Doctorn bey Straff 3000. fl. verbotten worden / nicht mehr zu practiciren / und haben die Engelländer nicht mehr Freyheit wegen ihrer Naturalisirten / als die Holländer noch zur Zeit wegen der Paßporten zu (Pariß von II. dito.) gewarten. Auff den H. Drey König Abend hat der König dem gantzen Hoff eine herrliche Mahlzeit zu Marli gegeben / woselbst 24. Tafeln gedeckt [80] waren / und kehrte der Hoff erst 3. Stund nach Mitternacht wieder nach Versailles. Das Castell deß Grafens von Montgomery in Normandien / sambt den Waldungen / so darzu gehören / ist gäntzlich ruinirt / weil er bey der Reformirten Religion standhafftig verbleibet. Alle Malltheser Ritter / so sich hier zu Land auffgehalten / machen sich fertig / künfftiges Früh-Jahr mit den Maltheser Galleren nach der Venetianischen Flotta zu gehen. Zu (Zu Rochelle 3. Schiff mit Castor-Hüten angelangt.) Rochelle seynd 3. Schiff mit Castor-Hüten beladen ankommen / auff Rechnung vor die neue Compagnie / sie haben mehr als eine Million derselben eingeladen / welche mehr als 5. Millionen an Geld werth seyn. Der Käys. Resident hat etwas schrifftliches wegen Holtzhauung durch die Unserige gegen Freyburg remonstriret / hat aber zur Antwort bekommen / daß dessen vor beyde Partheyen genug wäre. Die Strittigkeiten zwischen den Unsrigen von Andaye und den Spanniern von Fontarabien wegen der Fischerey seynd auffs neu beygelegt / und der Strohm oder Fluß gemein gelassen worden. Deß Königs Reiß bleibt fest gestellt / und dörfften / wie man glaubt / wohl 6. Monaten damit zugebracht werden; Monsieur solle Se. Majest. vergesellschafften / aber Monseigneur le Dauphin dörffte bey dessen Frau Gemahlin / so schwanger ist / verbleiben. Von Turin wird geschrieben daß (Der Fürst von Masseran beurathet deß Hertzogs von Savoyen natürliche Schwester.) der Hertzog von Savoyen seine natürliche Schwester an den Herrn Ferrari, Fürsten von Masseran außgeheurath habe / umb das Fürstenthumb an seinen Staat zu befestigen; aber daß der Pabst / weiln solches unter die Kirchen-Güter gehöret / sich dargegen opponirt / wie ingleichen auch das Hauß von Fhiesque; unterm Vorwand / daß es bey männlichen descendenten allzeit bey ihnen gewesen ist / biß daß ein Printz von Hauß Ferrari eine Dame aus ihrem Geschlecht / zur Zeit ihres Unglücks / so ihro im Jahr 1547. zugestossen / solches Fürstenthumb usurpirt / und an sich gezogen habe. Brieff von Genua melden / daß die Herren Saoli und Catania an Mons. d'Oppevile, unsern Envoye eine nähere Resolution von dem Rath auff die neue Instantien / die er ordre hatte / umb wegen der Restitution der Mobilien deß Mons. (Der Gennesische Rath gibt dem Frantzös. Envoye eine näbere Resolution wegen praedendirender Modilien seines Antecessoris.) de St. Olon, seinem Praedecessore, zu thun bekant gemacht: dieses Inhalts / daß man krafft deß sechsten Articuls / deß zu Versailles gemachten Tractats / nichts mehr von dem jenigen / so Zeitwährender Einwerffung der Bomben geraubet worden / wieder fordern könne / als sie durch genaue und scharffe Untersuchung befunden / und daß wann Mons. de St. Olon seine kostbahre Kutsche und einige andere Gütter / so zerbrochen seyn / in dem Stand / darinnen sie sich jetzo befinden / wieder zu haben beliebte / er solche jederzeit / aber nicht mehrers / bekommen solte.
|| [81]
Der Königliche Engelländische Extraordinari Envoye Sr. Trumbalt hat im Nahmen seines Principalen / wegen deß Fürstenthumbs von Oranien an Se. Aller-Christl. Majest. folgendes Memoriale übergeben. Sire. Der unterschriebene extraordinari Envoye deß Königs von Groß-Vritannien / nachdeme er Sr. Majest. die Antwort hinterbracht / welche Ewrer Aller-Christl. Majest. beliebet hat / ihme geben zu lassen / durch Mons. le (Englisches M morial wegen deß Fürstenthumbs Oranien.) Marquis de Croissy, wegen der Invasion und Anfall / so in die Stadt und Fürstenthumb von Oranien durch Ew. Majest. Völcker beschehen. Als hat er seithero von neuem Befehl empfangen / seine Instantien zu erneuern / und Sr. Christl. Maj. sehr demütig vorzustellen / daß der König von Groß-Britannien nicht anders als mit höchstem Mißfallen / die Unordnung und übeles Tractament und Verfahren / so mitten im Frieden beschehen / und an denen Unterthanen deß Hrn. Printzen von Oranien / (seithero besagte Völcker Ew. Maj. in die Stadt und Fürstenthumb Oranien gekommen) ver???bet worden seynd / hat vernehmen können. Es ist kund und offenbahr / daß sowohl gedachter Hr. Printz von Oranien / als seine Praedecessores und Vorfahren / allzeit ermeldtes Fürstenthumb mit dessen Rechten / Praerogativen / und Immunitäten der Souverenität und Ober-Herrschafft possedirt und besessen haben: welches erscheinet durch die Tractaten und durch die Schreiben von redintegration, welche die König Ewre Vorfahren gegeben / damahls als es beschehen / daß durch die Unordnung deß Kriegs / besagte Hn. Printzen / in der Possession von gedachtem Fürstenthumb seynd beunruhiget worden / welches incontestable und nicht zu bestreiten ist. Und selbsten Ew. Majest. bey dem Nimwegischen Frieden besagten Printzen restabilirt / und wieder in Possession besagten Fürstenthumbs / und in alle seine alte Rechten / Freyheiten Gebrauch und Praerogativen / und ihn in selbigem Stand und Art / wie er vorhin genossen / ehe er durch den Krieg depossedirt / eingesetzt haben / gleichwie es durch einen absonderlichen Articul besagten Tractats bekräfftiget worden; der König sein Herr beklagt sich / daß solchem offentlich zuwider gehandlet / und weiln Se. Maj. von Groß-Britan. denen verdrißlichen Nachfolgungen vorkommen wollen / und vorhabens seynd / alles was möglich ist / herbey zu [82] tragen / den Frieden in der Christenheit zu erhalten / als haben selbige besagtem Envoye außtrücklich anbefohlen / Ew. Majest. zu bitten / den Hn. Printzen von Oranien wieder in Possession erwehnten Fürstenthumbs / und in alle souveraine und Obrigkeitliche Rechten / deren er beraubt worden / einzusetzen und anzubefehlen / daß die erpreste Geldsummen / so von denen Einwohnern der Stadt und deß Fürstenthumbs erhoben worden / wieder erstattet / und alle andere Sachen in seinen vollkommenen Stand / wieder gesetzt mögen werden / gleichwie sie nach dem Articul besagten Nimweg. Tractats seyn sollen. Und weiln auch der König sein Herr / als worzu er verbunden / allzeit seine Sorgen zu maintenir- und Erhaltung deß gemeldten Tractats anwenden wil / als davon er guarant ist; Also versichert er sich / daß Ew. Maj. seine gute Meynung secondiren / und auff die Instantien / welche er befohlen / daß gedachter Envoye in seinem Nahmen wegen dieser Sache thun sollen / eine favorable und günstige Antwort ertheilen / und in diesem auch einiges ansehen eines Printzens / welcher ihme so nahe ist / haben werden. Besagter Envoye hofft und erwartet von Ew. Maj. eine vergnügliche Antwort / vor den König seinen Herrn / und zweifelt nicht / daß nachdeme sie so grosse Dinge zu gegenwärtigen Frieden gethan haben / sie auch alles was solchen (Pariß vom 19. dito.) beunruhigen könnte / weg thun und cessiren machen werden; was der Aller-Christlichste König hierauff geantwortet haben mag wird hiernechst zu vernehmen seyn; Entzwischen ist ferner den 12. zu Pariß eine Kön. Declar. (Verschiedene Edicta der Religion wegen publt???rt.) publicirt worden / wordurch gebotten wird / daß die Reformirter Religion / wie auch die neue Römisch-Catholischen kein anderes Gesind als allein Catholisches / in Diensten haben sollen / bey Straff 1000. Livres, das Ge???ind aber so dagegen handelt / werden die Manns-Persohnen auff die Galeren / und die Frauens mit Ruthen außgehauen / und eine Lilien auffgebrand zu werden condemniret. Der Marschall de Schomberg, welcher krafft der De laration vom 9. Julii 1685. alle Römisch-Catholische Bedienten abgeschaffet / ist nun durch obige obligirt worden / auch alle die von seiner Religion zu beurlauben. Gemelden 12. dito wurd auch ein Königl. (Alle Kinder von 5. biß 16. Jahren werden den Reformirten Eltern genommen und auff dieser Kosten Cathol. überantw???rtet.) Edict publicirt / Inhalts: daß 8. Tag nach Publicirung desselben / alle die Kinder / deren von der Reformirten Religion / von 5. biß 16. Jahren alt / von ihren Eltern genommen / und zu ihren Cathol Verwandten oder bey andere Persohnen / so die Richter ernennen werden / auff der Eltern Kosten / und ansehen ihrer Güter gethan werden sollen / oder daferne sie nicht im Stand seynd / die Kosten bezahlen zu können / damit sie aufferzogen / und unterwiesen werden / solle man felbige in die gemeine Spithäler thun Besagtem Abend umb 10. Uhren haben 2. Commislaires 5. Kinder dem Hn. Muisson Par [83] laments Rath gehörig aus denen Bettern weggeholet / wormit sie biß zu Mitternacht zugebracht / weiln die Kinder ihrer Mutter umb den Hals fielen / schryen / und bitterlich weyneten. Sie führten die Kinder zu ihrer Großmutter / welche schon vor etlichen Jahren der Reformirten Religion abgeschworen hat. Den andern als Sontag Abends umb 10. Uhren hernach haben sie auch die Mutter aus ihrem Bett weggenommen und in ein gemein Stifft gethan; unterdessen seynd die Dragoner noch immer in ihrem Hauß auff dem Feld / und dafern Mons. Muisson seiner Relig. nicht abschwöret / dörffte er chister Tagen in die Bastill geführt werden. Die Gräfin von Roye hat vom König Erlaubnuß erhalten / zu ihrem Gemahl dem Hrn. Grafen von Roye mit dero 2. ältisten Töchtern in Dennemarck zu verreisen / aber die 3. kleinesten nebst 2. Söhnen seynd ihr genommen / und zu ihrem Schwager den Hertzog von Duras gethan worden. Den 15. diß hat der Herr Bischoff von Straßburg dem König auffgewartet. Den 17. dito ist der Holländische Ambassadeur von hier per posta nach dem Haag gereist. Durch eine andere Declaration von dem 12. dieses Monats / seynd die kostbahre (Ohne Erlaubnus deß Königs darff niemand an weitentlegent Orth wallfahrten.) Andachten und Wahlfahrten nacher St. Jacob / in Galicien / zu uns. lieb. Frawen zu Loretto und an andere Oerther verbotten zu thun / es seye dann durch eine expresse Erlaubnuß vom König unterschrieben / von einem Staats-Secretario, und auff Approbation deß Bißthums Bischosfen / bey Straffe gegen die Männer / ewig auff die Galleren / und gegen die Weiber nach Befindung der Sachen. Man sagt / daß der König dem Hn. Printzen von Turenne erlaubet hat / künfftige Campagne / unter der Republic Venedig Armee zu dienen. Mons. de la Berisine ist vom König zum Ertzbischoff von Aix in Provence ernennet / und ist anhero gekommen / umb (Antwort auf das Englis. Memorial.) den Eyd abzulegen. Der Engell. Envoye hat auff sein Memorial die Restitution deß Fürstenthumbs Oranien betreffend / zur Antwort bekommen / daß man von keinem souvrain, als dem König in Franckreich wüste / und daß man den Printzen von Oranien nit kennete / aber man habe wohl reden hören / von einem Printzen von Nassau. Was das visitiren deß Pacquet-Boots anbelangte / darüber solte St. Aller-Christl. Maj. Ambassadeur in Engelland Mons. de Barilion negotiiren. Wiewohl viel vermeinet haben / daß einig Dessein vor der Hand seyn möchte / weiln alle Officirer Ordre hätten / umb auff den 20. Febr. in ihren Guarnisonen zu erscheinen / so glaubt man gleichwohl / daß solches zu einen andern Vorhaben geschehen / nemblich umb das Volck parat zu halten / und unsern All???irten im Fall der Noth damit zu assistiren. Der Conscientz-Hoff / wobey der Cantzler Präsident / ist vollkommen auffgericht / und soll dieses die eigentliche Recht-Banck seyn [84] vor die abgefallene Reformirte. Der Hr. Fassin hat mit seiner gantzen familia, so in 18. Kindern bestanden / die Reform. Religion abgeschworen. Als der König dieser Tagen in die Messe gangen / und ihm der Hertzog de la Force begegnete / sagten Se. Maj. zu ihm: Röm. oder Rebell. Verwichenen Sonnabend arrivirte der Hr. Bischoff von Straßburg mit einer schönen Suite in allhiesiger Stadt / und wird derselbe eine geraume Zeit allhier verbleiden / in (Bischoff von Straßburg hoffet auff einen Cardinalshut.) Hoffnung durch Authorität deß Königs einen Cardinalshut zu überkommen. Von Mompellier wird geschrieben / daß der Marq. de la Tiousse einen Edelman enthaupten lassen / weil er beschuldiget worden / einige Aufruhr unter den neubekehrten zu erweckë / un̅ ungebührliche Wort gegen den Kön. geredt zu haben / dessen Tochter / so an der letzten Ursach gleichfals schuldig erkant / hat die Execution an ihrem Vatter mit anfehen müssen / worauff selbige in ein Closter gesteckt worden / worinn sie so lang verbleiben soll / biß sie ihre Religion (Abermabl 2. Declarationes zu Pariß publicirt.) wird abgeschworen haben. Den 15. wurden abermals 2. Declarationes publicirt / und registrirt / die erste war folgenden Inhalts / daß die neulich Bekehrte Erlaubnuß haben sollen / umb wiederumb in den Besitz ihrer Güter / welche feither 6. Monaten verpacht / oder versetzt seynd / zu tretten / wie auch in die jenige / so sie selbst vor einen geringen Preiß vor ihrer Bekehrung / als sie willens gewesen aus dem Reich zu ziehen / verkaufft gehabt / jedoch daß sie das außgezahlte Geld wieder geben sollen. Die andere Declaration aber betraff die Bischöffe in ihren Angelegenheiten. Der König hat den zu Nismes 2. Millionen gelihen / den Handel / welcher durch Veränderung der Religion abgenommen / wieder in guten Stand zu setzen. Der Seestaat auff dieses Jahr ist meist vollzogen / und solle derselbige grösser seyn als vorm Jahr / hingegen aber seynd alle Besoldung der Officirer vermindert; weiln sonsten auff Ansuchung der Clerisey / der Aller-Christlichste König den 16. dieses einen General Bett- und Danektag über die Erlösung (so Gott gethan hat an soviel tausend Seelen / welche von der Kirchen abgewandt waren / und durch den Segen deß HErrn / und löbl. Eyfer (Den 26. dito wurden in gantz Franckreich Processiones gehalten.) Sr. Königl. Majeft. wieder zur Kirchen kommen) durch das gantze Königreich publiciren lassen / als seynd auff solchen Tag überall Processiones gehalten worden. Zu Pariß hat man diesen Tag so solenniter gefeyert / daß auch der Reichthumb und die Kostbarkeiten / so man auff den Gassen sehen lassen / unaußsprechlich seynd / und waren alle Häuser durch die gantze Stadt mit Tapeten behangen / die Klöster mit Emblematibus oder Sinn-Bildern bekleidet / die Gassen mit grünen Kräutern und Blumen beweyhet. Unter währender Procession wurden continuirlich aus Stücken und Muß???ueten Salven geschossen / zu Bezeugung der Freude solcher Procession. Der [85] March war sehr vortrefflich / die vonunser lieben Frauenkirche marchirten voran / mit den köstlichsten und bewärtesten Reliquien, jeder Geistlicher hatte eine brennende Wachskertze in der Hand / denen einige Bekehrte von der Reformirten (Adsonderlich zu Pariß.) Religion / so sich zu dem Römischen Gottesdienst verschworen / folgeten. Die Reformirte oder neue Catholische marchirten alle mit brennenden (Beschreibung seldiger Procession.) Flambeauen in der Hand / mit Soldaten / Dragoners und Aechers von der Stadt umbgeben / welche anders nichts thäten / als daß sie immer schossen / die Freude zu bezeugen. Solcher gestalt wurden diese neue Catholische umb die Stadt geführet mit blossen Häuptern / welches einigen nicht wenig mühsam war. Man trug viel Zeichen oder Estandarten vor diesen neuen Religieusen her / welche Vorbilder vieler Devisen oder Sinnbilder / so die Bekehrung betraff / welches zu lang ist alles zu expliciiren. Hierauff folgeten noch viel Geistliche / bekleydet mit aller ihrer Heiligkeit / so sie beybringen kunten; darauff folgeten die guten oder alten Catholischen / Männlichen und Frauen-Geschlechts nach gewöhnlicher Manier. Deß Abends wurden einige Feuerwercke proesentirt / zur Freude der Bekehrung der neuen Catholischen. (Pariß vom 28. dito.) Man sagt / daß in wenig Tagen die 2. Söhn deß Mons. le Dau phins sollen getaufft werden / da dann der König und Madame dem Hertzog von Burgund / und Mons. und Madamoiselle von Orleans dem Hertzog (Deß verstorbenen Cantzlers von S. Gervais Gemahlin verbrennet zur Gedächtnuß idzes Manns alle 24. Stund vor 40. Rblr. Wachskertzen bey drey Monat lang.) von Anjou den Tauffnamen geben sollen. Heut wird der Bischoff von Meaux zu. S. Gervais wegen deß verstorbenen Cantzlers die Leichpredig thun / dessen Gemahlin hat daselbst seither Allerheiligen continuirlich ein Capell gehalten / und darinn täglich an Wachsliechter / so Tag und Nacht gebrant / 40. Rhlr. consumirt. Der Hertzog von Villeroy ist nach Lyon verreist / umb daselbst im Gouvernement an statt dessen verstorbenen Herrn Vatters Possession zu nehmen. Vor etlichen Tagen belustigte sich der König / und ließ 30. von den vornehmsten Herren und Dames spielen / und erbote sich den Verlust zu bezahlen / welche Kurtzweil den König 100000. Rhlr. kostete. Es seynd noch immer Protestanten / welche ihre Güter verlassen / und ihr Leben lieber wagen / als ihrer Religion abschwören wollen / unter welcher Zahl sich auch der Herr Marquis de Bordage, seine Frau und Kinder / wie ingleichem Madame de la Moussaye und der Marquis de Fonnay ihr Vetter / befinden / so ihre Güter verlassey / welche ihnen über hunderttausend Livres Einkommens oder Renthen eingetragen haben. Der Marquis de la Roche Giffard, und seine Frau / haben Erlaubnuß erhalten / aus dem Königreich zu verkeisen: worauff der Marquis de Tiange Possession von allen denen Gütern deß Hauses von Vielle. ville nimmt. Durch Ordre von Hof ist Madame de la Force nacher Thou [86] louse in ein Kloster geführt worden. Die Ausrüstungen werden sowohl zu Wasser als zu Lande wacker fortgesetzt / und alles zu deß Königs Reise nach dem Elsas und andern Gräntzen dieses Reichs veranstaltet. Der Savoysche (In Franckreich werden die Kriegsrüstungen zu Wasser und Land starck fortgesetzt.) Extraordinari-Envoye Herr Marquis de la Piete hat den 22. dieses seine Abschieds-Audientz / und den 24. dito der Päbstliche Nuntius eine absonderliche Audientz bey dem König gehabt. Man sagt / daß der Marq. du Bordige, nebst seiner Frauen / seinen Kindern / Madame la Moussaye und der Marq. De Fontenay, welche / umb ihrer Religion nicht abzuschwören / aus diesem Königreich entfliehen wollen / zu Aussonne, so an der Franche Comte gelegen / in gefängliche Verhafft genommen worden seyn. Dieses von Frantzösischen Händeln. (Spanische Geschichten.) Anlangend die Spannische Geschichten / melden Brieff vom 1. Jan. aus Madrit / daß Ih. Königl. Majest. das General-Gouvernement deß Mayländischen Staats dem Herrn Grafen von Fuensalida conferirt habe. Die Strittigkeiten / welche zwischen dieser Cron und Franckreich / wegen denen Fischern beeder Nation auff dem Fluß bey S. Sebastian / so beyde Königreich scheydet / entstanden / werden hoffentlich / weilen die Urheber solcher Unordnung scharpff gestraffet / in der Güte und zu beyderseits Cronen Vergnügen abgethan worden seyn. Don Antonio Agourto ist endlich absolut zum General-Gouverneur über die Span̅ische Niederlanden erkläret. Das Frantzös. Schiff / so die unserigen von Corogne genommen / solle ehisten (Der König läst 12. Kriegsichiff equippiren.) Tags wieder relaxirt und frey gelassen werden. Allhier ist man beschäfftiget 12. Kriegs-Schiffe auszurüsten. Besiehe weiter von Spanischen Geschichten das 8. und 9. Capitel. Vom Portugesischen Hof ist dißmal nichts (König in Portugat ist unpäßlich.) veränderliches einkommen / ausser daß selbiger König sich etwas unpäßlich befinde.

Das fünffte Capitel /
[arrow up]

Begreiffet die Königl. Engell-Schott- und Irrländische Novellen. (Eingang in die Engelländische Geschichten.) ISt ein Reich unter der Sonnen zu finden / so in diesem Seculo mehrern einheimischen Unruhen unterworffen gewesen / so ist es warlich das Königreich Engelland; Man durchblättere nur selbige Geschichts-Bücher von 50. Jahren her / so wird man so viel und so mancherley Unruhen / nachtrückliche Empörungen / mächtige Revolten / so viel [87] gewaltsame widerrechtliche Proceduren / grausame Hinrichtungen / erschröckliche Mord / Greuel und Lasterthaten darin̅en finden / daß einem in Durchlesung / so zu sagen / die Haar gen Berg stehen möchten / hat dann die Sonne einen Christlichen König jemals beschienen / so unglückseliger gewesen / als Carolus 1. Stuartus König in Engel-Schott- und Irrland / dieser ist warhafftig eine Vorbildung deß wandelbahren Glücks und Unglücks / ein Schaubühne weltlicher Unbeständigkeit / ein Sinnbild deß jrrdischen Wesens / dieser ist / der nach vorhero ausgestandenen tausenderley Beschwehrlichkeiten (Carolus I. Stuartus wird enthauptet.) endlich im Jahr 1649. von seinen eigenen Unterthanen gleich dem grösten Ubelthäter offentlich und schimpfflicher Weiß mit einem Beil vom Leben zum Todt hingerichtet worden: ein verfluchte That! (dergleichen unter Christen-menschen nie erhöret worden). Hernachmalen wurde das Königl. Regiment gantz umbgestossen / die Regierung in einen gantz andern Modell gegossen / und das Königreich Engelland unterm Namen der Protection deß Olivier Cramwelß etliche Jahr verwaltet / biß endlich nach dessen Todt im Jahr 1660. Carolus der II. deß hingerichten Königs Sohn den vacanten Königlichen Thron wieder bestiegen hat / der auch selbigen zwar glücklich / doch nicht ohne Anfechtung biß in das Jahr 1685. besessen / in welchem Jahr er die Schuld der Natur bezahlet / den Leib der Erden / die Seele GOtt / und seinen Königlichen Thron seinem Herrn Bruder als nechsten Erben nachgelassen / und eingeraumet hat / und dieses ist der heut (Jacobus II. heut zu Tag regierender König in Engelland ist ein friedfertiger Herr.) zu Tag glücklich regierende König Jacobus der II. welcher kaum von seinem Erbtheil possession genommen / da der Duc de Montmouth, als seines abgelebten Herrn Bruders unehelicher Sohn / in Schottland mit gewaffneter Hand ankame / und ihme die Cron disputirlich machen wolte / der König als ein ruhiger und friedfertiger Herr wolte selbigen von seinem bösen Beginnen abmahnen / und auff bessern Weg leiten / aber vergebens / Duc de Montmouth wolte sich mit Gewalt deß Königl. Sitzes bemächtigen / zu dem Ende macht er ihme einen Anhang von allerley auffrührischem Gesind / tractirt die Königlich Gefinnete feindselig / läst wider die jetzige Königl. Majest. und das Parlament ein schmähliche und sehr calumniose Schrifft ausgehen / ja endlich gar von seinem Anhang sich zum König über (Bekomt Häntel mit dem Duc de Montmouth.) Engel-Schott- und Irrland proclamiren: Das ware in der Warheit wieder ein neblichte Wolcke vor das Königreich Engelland / kaum hatte es sich aus den vorigen Troublen erholet / da schiene das Feuer der Unruhe wieder an zu klimmen / es hatte sich kaum aus den Fallstricken heraus gewickelt / da wurden ihm neue gelegt; der König als er sahe / daß bey diesen seinen auffrührischen Unterthanen die Güte nichts verfangen wollen / muste nun [88] mehr die Schärpffe gebrauchen / (und ist nachdencklich / was dieser König bey seiner Crönung auff eine Müntz hat prägen lassen / nemlich einen schlaffenden Löwen mit diesem Symbolo: Es wecke mich auf / Wer Lust hat.) der Löw wurd auffgewecket / Duc de Albermarle versam̅lete ein Corpo von etlich tausend Mann / gieng auff Königl. Befelch damit dem Duc de Montmouth (Vberwindet glücklich seine Feind.) entgegen / lieffert ihme eine Schlacht / schlug ihn aus dem Feld / und bekam ihn endlichen gefangen / sam̅t den meisten Redleinsführern von dieser Auffruhr / er ward nach Londen gebracht / und daselbsten zur wohlverdienten Straff seines Verbrechens enthauptet / auch wurden seine complices verschiedentlich abgestraffet / theils perdonirt / und damit diese Auffruhr (Ist Röm. Catholisch.) gestillet. Es ist sonsten der jetzige König Röm. Catholisch / und dultet neben der so genanten Reform. Religion aus einem besondern politischen Staatsgriff (Vielerley Religionen in Engelland.) auch die Preßbyterianer / Independenten / Anabaptisten / Antonominianer / Antiscripturianer / Levellerer / Quacker / und andere. Ich werde zu einer andern Zeit von diesen und andern Religionen in Engelland etwas ausführlicher reden / anjetzo aber zu der merckwürdigsten Geschichten Verlauff dieses Monats schreiten / und dem großgünstigen Leser hiervon rapport thun / wovon gleich anfangs mit Brieffen von Londen berichtet worden / daß Mons. Bateman, gewesener Chirurgus deß Mylord Schafsburei in der Session zu Oldbaly für Recht gestellet / und durch die Juris am hohen Verrath schuldig erkant / in welcher examination er sehr unpäßlich worden sey / und also gar wenig zu seiner defension vordringen können. Es melden andere (Londen vom 2. Januar.) Brieff von daß vom 2. dito / daß von Jamaica daselbsten Nachricht eingekommen sey / daß die Frantzös. Armadeurs, welche Sr. De Gramont commandirt / Campeche eingenommen haben. Die Venetian. Ambassad. haben den 2. dieses ihren offentlichen Einzug zu Londen in einer Königl. (Einzug der Venetianischen Ambassadeurs.) Kutschen gehalten / vorhero giengen 12. Pages / 2. Trompeter / 2. Bereiter / und 50. Laqueyen: sie hatten 4. Kutschen mit der Repulic Venedig Wappen / denen 50. andere / jede mit 6. Pferden bespannet / nachfolgeten / sie werden 3. Tag nach einander von Ihro Königl. Majest. zehrfrey gehalten werden. Die Rebellen in West-Engelland sollen auff dem platten Land nichts thun als rauben und plündern / so ihnen aber durch die hingeschickte. (Auffrubr in Weft-Engelland.) Reuterey bald verwehret werden dörffte. Von den 200. Personen / welche vor einigen Tagen im Westen das Gewehr wieder ergriffen hatten / ist wenig mehr zu vernehmen / ausser daß / nachdeme sie die ordinari Scharpffrichter an einigen Orten ermordet / auff Annäherung deß Königs Trouppen ohne einigen Widerstand sich wieder in ihre Höhlen reterirt haben / ungefehr 8. derselben seynd umb Mittagszeit auff einen Marcktag nach Ilchester [89] kommen / woselbst sie alles / was ihnen angestanden / mit sich hinweg genommen. Man sagt / daß sich die Princessin von Dennemarck gesegneten Leibs befinde. Vor etlichen Tagen ist der Chirurgus Bateman umbgeschleifft / gehangen und geviertheilet zu werden / condemnirt worden / welches Urtheil auch nechstkünfftigen Freytag vor seiner eigenen Haußthür an ihm soll exequirt werden. Der Hertzog von Albermarle ist in dieser Stadt ankommen / und hat dem König auffgewartet / so ihn gnädig angesehen (Londen vom 4. dito.) hat. Von Pleymuth hat man / daß ein Schiff mit 80. Tonnen zu grund gegangen ist. Den 2. ist auch Herr Graf von Clarendon abgereist / umb seine Vice-Royschafft in Irrland anzutretten / welchem eine grosse Menge Personen von Qualitäten biß nach S. Alban 20. Meilen von hier begleitet haben / allwo sie selbiger Stadthalter herrlich gastirt hat. Den 4. ist der Sr. Batteman zu Tiburne hingerichtet worden. Dahier wird ein Extraordinari Envoye vom Groß-Hertzogen zu Florentz erwartet. 14. à 15. Parlaments-Glieder / (14. à 15. Parlaments-Glieder werden ihrer Charges enesetzet.) welche der Meynung deß Hofs entgegen gewesen / seynd ihrer Charges entsetzet worden. Den 18. haben die Venetianische Ambassadeurs bey Ihr. Königlichen Majest. Audientz gehabt / und wie man vernimmt / soll ihr Anbringen in Ablegung der Condolenz wegen deß verstorbenen Königs / Glückwünschung ihrer jetzigen Majest. zu angetrettener Regierung / so dann auch darinn bestehen / umb Erlaubnuß zu Werbung einiger Völcker und Lehnung etlicher Schiff zu suchen / solche gegen die Türcken (Den Venetianischen Ambassadeurs wird grosse Ebr angethan.) zu gebrauchen; diesen Herren wird vor ihre Person grosse Ehr angethan / und kommen täglich viel Edelleut und Officirer zu ihnen / so ihre Dienst proesentiren / so auch sehr höflich empfangen / und ihnen alle addresse bey der Republic versprochen werden. Diese Herren Ambassadeurs seynd bey der Audientz mit solcher Ehren-Bezeugung empfangen worden / als man denen Ambassadeurs von gekrönten Häuptern zu erweisen pfleget. Sonsten hat man dieser Tagen einige Schiffs-Zimmerleut ausgesandt / umb zu sehen / in was vor einem Stand deß Königs Kriegs-Schiffe seyen / welche wider zuruck kommen / und berichtet / daß künfftigen Monat 40. Schiffe equippiret werden könten / und in dem Monat May / so es Ihro Königliche Majest. würde vonnöthen haben / noch einmal soviel. Die Hertzogin von Nordfolck ist gestorben / Mons. Russel / deme ein gifftiges Pulver ins Angesicht gestreuet worden / befindet sich in einem elenden Zustand. Man hat deliberirt in einer offentlichen Raths-Session, ob das Parlament solte sitzen oder nicht / welchem Rath Se. Majest. auch beygewohnet hat. Die Ambassade / so der Lord Castelmaine nach Italien thun solle / ist verschoben. Der König hat resolvirt, [90] 2. Regimenter Reuterey abzudancken / und in den Platz 4. Regimenter zu Fuß werben zu lassen. Den 9. Nachts ist deß Chirurgi Batemans Haupt auff Altgate / ein Viertheil seines Leibs auff Moorgate / und die andern 3. Theil an andere Plätze dieser S. adt gesteckt worden. Sonsten seynd dieses Jahr über allhier 1189. Man̅s- und 1133. Weibspersonen und also nur 20. Menschen mehr als vor einem Jahr gestorben / hingegen 7484. Söhne und (Vortrag wegen Gewissens-Freyheit im gantzen Königreich Engelland.) 7246. Töchter zur H. Tauff bracht worden. Der König hat den Bischoff dieser Stadt aus seinem geheimen Rath gesetzt / und sagt man / daß eine General-Gewissens-Freyheit in dem Königl. Rath abgehandelt seye / wie und welcher gestalt aber / ist noch unbewust / und geben einige vor / daß Ih. Maj. die Obstacula oder Hindernüssen finden / oder aus dem Weg raumen würden / welche der verstorbene König Carl eingesetzt / andere / daß Sr. Maj. als Haupt von der Kirchen in geistlichen und Kirchen-Sachen freye disposition und Gewalt habe / weil man aber nichts gewisses beschliesten kön̅en / so ist befohlen worden / daß die Richter darüber gehöret / und selbige ihre Meynung hierinnen offenbayren sollen. Mons. Craeg, gewesener Diener deß Hertzogen von Montmouth / welcher bey der Rebellion in Westen ab- und zugereist / hat sich freywillig in die Hände der Justiz ergeben / mit Versprechen / (Londen vom 12. dito.) / daß er alle Rebellen / so noch in- und ausserhalb deß Reichs seyen / anzeigen wolte / welches einen grossen Schrecken unter den Menschen macht. (König unterschreibt die Ordre wegen allgemeiner Collecta der Frantzös. Flüchtling.) Se. Königl. Majest. haben die Ordre / umb eine allgemeine Collecta durch dieses Königreich zu thun / und darmit denen Frantzösischen Flüchtlingen beyzuspringen / unterschrieben. Der König will auch einige Völcker in diese Stadt einlegen. Der Lord Trumbal hat Se. Majest. wissen lassen / daß er nichts in favor der Englischen Protestirenden bey dem König von Franckreich auswürcken kan / weilen derselbe proetendirt / daß die meiste naturalisirt / und also seine Unterthanen seyn. Se. Majest. haben weiter befohlen / daß hinfüro alle Jahr eine solenne Sermon auff den 9. Februar. als den Sterbtag dero Herrn Vatters / und eine andere auff den 16. dito / als den Tag / da Ih. Majest. die Crone überkommen / gehalten werden soll. Der Mons. Bontepos, Thesaurier von der Admiralität in Franckreich ist allhier ankommen / dessen Verrichtung noch unbewust. Der Graf von Düncaster ältester Sohn deß gewesenen Hertzogs von Montmouth ligt gefährlich kranck darnieder. Das Urtheil deß bekandten Hertzogs von Montmouth / Sr. James Datrimple von Stairß und Flercher wegen Beschuldigung deß hohen Verraths hat zwar zu Edenburg den 18. passato publicirt werden sollen / ist aber wegen Abwesenheit etlicher Zeugen biß auff den 14. Januar. aus gestellet worden. Mons. Gambden hat sich [91] gedacht zu salviren, wann er sich schuldig erkennen würde / umb also Gnad von dem König zu erlangen / gleichwohl aber hat man ihn wegen hohen Verraths / umb gehangen und geviertheilt zu werden / verurtheilet / und (Ms. Hambden ist verurtheilt gebangen und geviertheilt zu werden.) wie man sagt / so sollen Ih. Majest. die Ordre zu seiner execution diesen Morgen verzeichnet haben. Das Parlament ist biß in den Monat May protogirt worden. Capitain Bruce und der Brandenburgische Capitain / welche man nach der Niederlag der Montmouthischen Parthey gefangen bekommen / haben Perdon erlangt / und sollen als Zeugen gegen andere (Die Statue deß jetzigen Königs und weyland Henrici VIII. wird zu Londen auff der Beurß auffgestellt.) Personen gebraucht werden. Die Statue deß jetzigen Königs ist den 16. und die von König Heinrich dem VIII. den 18. auff der Beurß ausfgestellt worden. Sonsten hat auch der König dem Lord Major und Alderman / als selbige Sr. Maj. wegen deß neuen Jahrs complimentirt / angezeigt / daß sie willens seyen / einig Volck in diese Stadt zu legen / und zweifelten Sr. Maj. nicht / daß sie solches verwilligen würden. Mons. Williams gewesener Secretarius deß Hertzogs von Montmouth ist zwar auff freyen Fuß gestellt / aber noch nicht vollkommen / wie man vermeynt gehabt / perdonirt worden. Man sagt von einem Perdon vor ungefehr 200. Personen / so in jüngster Rebellion begriffen gewesen / dafern sie sich innerhalb einer gewissen Zeit angeben werden. Man hat auch ordinirt sowol gegen die Römische als andere Glaubens-Genossen nicht nach der Schärpffe des Gesetzes zu handlen / scheinet also / daß man in beyden Religionen conniviten werde. (Hertzog von Grafton besichtiget die Schiff / so im Vor-Jahr equippirt werden sollen.) Diesen Morgen ist der Hertzog von Grafton in Begleitung verschiedener Personen die Rivier hinab gefahren / umb die Schiffe / so im Vor-Jahr equippirt werden sollen / zu besichtigen: Man hält davor / daß der König ehistens nach Schottland gehen werde / umb sich daselbst crönen zu lassen; sonsten werden umb diese Stadt die Quartier vor 20000. Mann Sr. Maj. deß Königs Militz assignirt. Ih. Königl. Majest. haben den Venetianischen (Londen vom 22. dito.) Ambassadeurs zu wissen thun lassen / daß Se. Majest. umb die Handlung dero Unterthanen in Levant nicht zu troubliren und zu zerstöhren / der Republic von Venedig kein Volck noch Kriegs-Schiff zu Fertsetzung deß Türckenkriegs geben könte. Unsere Ost-Indianische Compagnie läst 7. Compagnien zu Fuß jede von 120. Mann werben. Der Bischoff von Durham hat den Eyd / als Rathsher in dem Königl. geheimbden Rath / (Eis Proclamation zu protogi???ung deß Parlaments in Londen publicirt.) abgelegt / und possession genommen. Den 19. dito ist die Proclamation zu prorogirung deß Parlaments vom 20. Febr. biß 20. May nechstkünfftig publicirt worden. Die Holländ. Commissarien haben mit unserer Compagnie die Banthamische Sache nicht können veraccordiren / weßhalben der Termin weiters prolongirt worden ist. Man hat Zeitung / daß die Leich [92] der Gräfin von Staffort / als sie nach den Norden dieses Königreichs gebracht worden / umb begraben zu werden / unterwegs an einem Ort / da das Wasser aufgelauffen gewesen / die Kutsch / wo die Leich auffgestanden / umbgefallen / und der Kutscher nebst den Pferden ertruncken. Ih. Maj. haben 30. Commissarii, worunter viel Bischöffe seynd / ernennet / so die Allmosen unter die Frantzös. arme Protestanten austheilen sollen. Den 23. haben die Venetianische Ambassadeurs bey Ihro Majest. ihre Abschieds-Audientz (Auf den Engelländischen Küsten geben viel Schiff zu grund.) gehabt. Auff hiesigen Küsten seynd viel Schiffe zu Grund gegangen / und sollen über 400. todte Menschen am See-Ufer gefunden worden seyn. Der Herr Skelton, so aus Holland dahier angelangt / hat den 24. dem König von seiner Verrichtung rapport gethan / und ist sehr gnädig empfangen worden. Ihr. Königl. Majest. haben Ordre gegeben / einige Kriegs-Schiffe auszurüsten / umb in der Mittelländischen See auff die Algierische Rauber (Der Lord de la Mere wird vor unschuldig erkant / und von seiner Anklag ledig gesprochen.) zu kreutzen. Den 24. dito ist der Lord de la Meere in dem grossen Saal von Westmünster in unbekanter Gegenwart deß Königs und einer grossen Menge Volcks für Recht gestellet / und obwolen 13. Zeugen / darunter der Lord Howard von Eskrick und der Lord Gray sc. gewesen / ihn grosser Dinge beschuldigen wollen / so hat er sich doch solcher gestalt defendirt, daß er alsobald loßgesprochen / und auff freyen Fuß gestellt worden / wie er dann auch solche Freysprechung auff seinen gebogenen Knyen angehöret / bate darauff vor den König und die Königin / und wurde darauff frey gelassen; worauff er sich gleich andern Tags nach seiner Loßsprechung zu allen Lords / so seine Richter gewesen / erhoben / und sich gegen dieselbe bedancket / worauff er die Ehr gehabt / Sr. Maj. Händ zu küssen / welche ihn sehr höflich empfiengen. Mons. Saxon, so der vornehmste Zeug gewesen / gegen diesen Lord / soll der sage nach wegen solcher Meineydigkeit vor erst in der Pillory stehen / darnach gegeisselt / und darauff wegen angestiffter Rebellion auffgehenckt werden) worzu ihm bereits der 2. Febr. determinirt worden / und weilen auch dieser Thomas Saxon der einige Zeug gegen Sr. Robert Cotton und Mons. Offeley gewesen / so wird man gegen selbige im Recht ebenfalls nicht ferner procediren können. Den 25. war der König auff der Jagd / und die Königin / Princessin von Dennemarck nebst anderm Frauenzimmer bey Mons. Devet, einem hiesigen Kauffmann zu Gast / welcher dieselbe (Rela???on deß Lord Trumbalts wegen deß Fürstenthums Oranien.) mit einer herrlichen Music und kostbaren Mahlzeit tractirte. Nachdem der König von Franckreich auff das Memorial / so der Lord Trumbalt wegen restitution deß Fürstenthums Oranien eingegeben / geantwortet / daß er keine Souverenität in seinem Königreich erkennete / und daß über [93] solches zwischen Sr. Hoheit dem Printzen von Oranien / und dem Hertzog von Longueville dieserthalben sich ein Zwiespalt ereignet hätte / welche aber beyzulegen / Se Majest. Ordre geben würden; hierauff haben Ihre Britannische (Replic deß Konigs in Engeland.) Majest. gemeldem Lord Trumbald expresse Ordre zugesandt / daß sie mit dieser Antwort keines wegs zufrieden seyen / sondern es solte derselbe dieser Sachen wegen dem König noch ein näher Memorial überreichen.

Das sechste Capittel
[arrow up]

Sagt von Schwedisch- und Dähnischen Fügnussen. (Eingang in die Schwed- und Dähnische Geschichten.) DIe König von Schweden und Dennemarck seynd in denen Gewissens-Sachen gantz einträchtig / und stehen bey ereigneten Religions-Krieg vor einen Mann / aber in ihren Staats Angelegenheiten seynd sie gar weit voneinander unterschieden / dann jeder suchet sein particular-Interefle und sein Reich zu erweitern / und ist so zu sagen ohnmöglich und etwas übermenschliches / wann 2. aneinander gräntzende Potentaten nicht gegeneinander der Beherrschung wegen Jalousie hegen solten / gedenckende mit Alexandro Magno und Cajo Julio Caesare, wann das Recht zu brechen sey / man solches der Beherrschung halben thun müste / dann der Himmel keinen Richter-Stuhl auff dieser Erden gesetzt hat / dahin die Regenten gezogen werden könten / so daß ein Regent solches nirgends zu suchen hat / als in seinem eigenen Hertzen / und wann die Noth es erfordert / er durch seine Waffen nehmen mag / was er wil / darumben zwackt immer einer dem andern was weg; in dem vor etlich und dreyssig Jahren entstandenen Krieg zwischen Dennemarck und Schweden / hat dieser jenen gewaltig berupffet / die gantze Provintz Schonen / einen Theil vom Königreich Norwegen / und andere schöne Länder mehr jenem entzogen; Im letztern Frantzösischen Krieg geschahe das Widerspiel / Dennemarck ware Meister im Feld / und hatte dem König von Schweden viel nahmhaffte Plätz entzogen / und in würckliche Possession genommen / aber in regard wegen deß Königs in Franckreich / muste jener diesem nach laut deß gemachten Frieden-Schlusses wieder alles restituiren / und weiln Schweden observirt / das Dennemarck von erlangter Souverenität wegen im vorigen Krieg nicht grosse Progressen gethan / hat es sich [94] nunmehro auch Souverain gemacht / anbey die Frantzösische Partey abandonnirt / und die Käyserliche amplectirt. Dennemarck aber die Frantzösische ergrieffen / woraus erhellet / daß dieser 2. Potentaten ihre Messures umb ein merckliches geändert / indeme ein jedweder / die ihme vorher contrar-gewesene Partey zu künfftigen Beystand erkohren hat / so ihnen zwar auch nicht zu verdencken ist / dann Schweden obs gleich bey letztem Krieg von Franckreich viele Subsidien-Gelder genossen / auch alle verlohrne Plätz wieder restituirt bekommen / so ware doch hierbey nichts als der bittere Schaden / und weiln Franckreich hierdurch diese Cron gleichfals in einen Labyrinth alles Unsterns gestürtzet / und es grosse Mühe gekostet / sich wieder darvon heraus zu winden / hat selbige hernach die Frantzösis. Parthey verlassen; Dennemarck hergegen in Ansehung es soviel theuer erworbene Plätz ohne Schwertstreich wieder hingeben müssen / ohne daß man ihm die versprochene Hülff geleistet / hat sich dermahln zu der Frantzösis. Parthey geschlegen / aber genug hiervon / (Dähnische Geschichten.) jetzt haben wir zu erzehlen / was in diesem Monath an beeden Königl. Höffen und dero Reichen neues passiret / und vorgegangen ist / wir geben Dennemarck die Praecedentz / weiln wir in vorhabendem Capitel von diesem mehr als von Schweden zu melden haben. Deme zu folge (Coppenhagen vom 1. Jan.) Die Brieff von Coppenhagen vom 1. dito referiren / daß der König von Dennemarck Ordre ertheilet habe / daß sich die Landreutherey bey Ringstätt einfinden / und daselbst gemustert / so soll auch die Leibguarde zu Pferd allda durchgesehen werden / was die Bedeutung ist / lehret die Zeit / 2. à 3. Lalandische Schuten mit Korn beladen / und nach Coppenhagen wollende seynd in dem jüngsten Sturm mit Volck und alles in der See geblieben / (Grosser Schad in der See gescheben.) man befürchtet viel mehr Schaden aus der See zu hören; Die Holländer haben nun ihre Reise in der Ost-See gethan / sie haben abermahln eine üble Fahrt vor sich in den Kattengatt / zumahln bey so langen dunckeln Nächten und erschrecklichen Sturm / Schnee und Regen / daß man billich erschrecken mag. Es wird ehistens publicirt werden / daß niemand als militar-Persohnen Degen zu tragen erlaubt seyn soll / daß kein Bürger dergleichen mehr tragen soll. Ihr. Königl. Majest. seynd nebst andern von dero höchsten (Ein Unter-Officierer word seiner Dieberey wegen auffgehenckt.) Bedienten umbgeben / im Reithause nach dem Ringe geritten / wobey sich die Trompetten und Heerpaucken tapffer hören lassen. Ein Unter-Officier ist seiner Dieberey wegen auffgehenckt worden / er hat sich eines sonderlichen Schlüssels bedienet / damit er allezeit in die Krähmläden bey Nachtzeit gehen können / und da er sichs am wenigsten versehen / wird er in solcher bösen That am ersten ergrieffen / dessen Cörper dem hochberühmten Doct. Bartolino zu anatomiren hernach überlassen worden. Man ist allhier [95] im Werck begriffen / mit dem Holländischen Staat wegen der rückständigen Subsidien eine liquidation zu machen; Ihro Hoch-mögende aber wolten durch ihren hier sich befindenden Envoye es dahin richten / daß ihrer Herrn Principalen und particulier-Folderungen von solchen Subsidien decurtirt werden sollen / welches auch dürffte angenommen werden / und also beyderseits Praetensiones gegen einander liquidiret und auffgehoben werden. Es werden nun die Praeparatoria zu dem nechstkunfftigen Caroussel je mehr und mehr fortgesetzet / und wird solches aus dermassen sehr herrlich seyn. Aus Norwegen hat man von den Silberbergn ercken einen solchen guten Bericht / daß selbiges auff 6. mahl höher als vorhin wird getrieben werden. (Seiden-Wabren zu Coppenhagen auff dem Marck verbrand.) Es seynd offentlich auffm Marckt einige verbottene Seiden-Wahren von allerhand Coleur / mehr dann 1000. Reichsthl. werth verbrand worden / dem solches zugehöret hat / ist ein Kauffmann in Callenburg / und soll er über diß noch 900. Reichsthl. zur Straffe bezahlen / wiewohl derselbe 1500. Reichsth. hätte geben sollen / da nicht seine Königl. Majest. ihn aus angebohrner Königl. Güte so weit noch perdoniret hätten. Der Zöllner und Visitirer seynd ihrer Dienste darüber entsetzt worden. Den erhangenen Sergeanten haben die jungen Herren Güldenlöw vor 100. Reichsthl. an sich erkauffen lassen / sie fahren täglich dahin / und sehen die Anatomie an / weßwegen niemand als die Hrn. Professores eingelassen werden. Ih. Hohe Excellhaben einen herrlichen Ball in dero Behausung gehalten / wobey Ihre Königliche Majest. und ders gantze Hoffstatt gegenwärtig woren / welches in aller Vergnügung vollbracht ward. Vor einigen Tagen kam dahier der (Ein Chur-Brandenb. Envoye daselbsten angelangt.) Hr. Overberck / Churfl. Brandenburg. extraordinari Envoye an / was dessen anbringen eigendlich seyn werde / ist noch nicht bekant / man glaubt aber / daß es eine genaue Verbündnuß zwischen selbigem Hoff / und Sr. Maj. unserm König bedeute. Dieses von Dänischen Händeln. (Schwedische Geschichten.) Die Schwedische Geschichten betreffende bringen Stockholmer Brieff / daß der Käys. Abgesandte Herr Graf von Nostitz am Königl. Schwedischen Hoff daselbsten angelangt seye / und daß ehistens eine Ambassade von dar nach Moscau abgeschickt werden dörffte / umb selbige Czaaren von der Türckis. Inclination ab- und zur Christlichen Alliantz zu überreden; Es referiren auch Brieff von Malmö aus der Provintz Schonen / vom 3. diß / daß man zwar daselbsten vor den König in Schweden / als ihrem gnädigsten (In der Provintz Schonen werden viele neue Fortressen angelangt.) Herrn nicht gar offentlich armire / doch auch nicht gar still sitze / zumahln alle Fortificationes außgebessert / und in einen perfecten Stand gebracht werden / absonderlich die an dem Meerbusen gelegene Oerther / allermassen man auch zu Gottenburg einen grossen Thurn / wovon man alle [96] umbligende Berge beschissen kan / anlegen und auffbauen lässet / daß man sich also dieser Berge halben / von welchen selbige Stadt zimblich incommodirt werden können / nichts widriges mehr zu befahren; dieser Thurn ist aus einem blossen harten Felsen außgehauen / und also verfertiget worden / er ist von einer sonderlichen Höhe / daß er sich denen Schiffleuthen 6. biß 7. Meilen zeiget / und von oben her sowohl versehen / daß er weder vor Bomben noch andern Feuerwercken sich im geringsten nichts zu fürchten. Eben dergleichen Beschaffenheit soll es auch mit allen unsern Vestungen haben / welche nicht allein auffs stärckste be???stiget / sondern auch mit einer dergleichen reichlichen Mannschafft und gnugsamer Mund- und Kriegs-Munition angefüllt / daß solche eine zimbliche Armee ins Feld stellen können. Man glaubt / daß der Graff Gabriel Ochsenstirn / welcher jüngst von seiner Ambassade am Käyserlichen Hoff zurück kommen / das praesidium zu Wißmar erhalten / auch Legatus im Reich seyn wird. Man kan noch nicht für gewiß sagen / ob Graff Ochsenstirn / so zu Wien ist / permission erhalten werde / mit Graff Königsmarck nach Venedig zu gehen. Schreiben von Stockholm vom 3. dito berichten / alle drey Majestäten / als nemblich (Der König / die regirende und verwittibte Königin begleiten den Seel. Truchseß Peter Braben zur Erden.) der König / die regirende / und verwittibte Königin haben den Seel. Truchses Peter Brahen zur Erdigung begleitet; weiln es sich noch schlecht zur Schlittenfahrt anläst / als werden Ihr. Majest. den 11. dito erst nach Königsöhr / hernach aber den andern Provincien zur Munsterung dero Land-Regimenter auffbrechen. Nunmehro ist der Italiäner Don Francisco Maria Levanti nebst denen zugeordneten Commissarien nach den Bergwercken abgereiset / umb allda eine Probe seiner promi???tirten grossen Menage abzulegen / weiln er nemblich mit halben Spesen das Kupffer und Silber viel feiner und schöner lieffern wil / wie er dann solches so gar vor gewiß hält / daß er keine andere Bezahlung begehre / als 100000. Reichsthaler aus dem Uberfluß / und wil die Kunst noch darzu unsrer Nation (Stockholm vom 5. dito) lehren. Sonsten seynd Ihro Königliche Majestät allergnädigst resolviret / auff den Landtag in Pommern proponiren zu lassen / daß sie gäntzlich beschlossen / denen Frantzösischen flüchtigen Reformirten in dero Provintzien / einige Wohnstädt einzuraumen / absonderlich die im letzten Krieg ruinirte Vestung Demmin / wie sie dann zur besserer Auffnehmung solche Stadt mit allerley Vortheilhafftigen Privilegien versehen wollen. Capitain (Capitain Larson bekombt eine jährliche Pension.) Larson ein gebohrner Schwede / so von Jugend in Engelland unter Printz Robert gedient / und in Mechanicis wohl erfahren / daherd er von Ihr. Königl. Majest. eine ansehentliche Jährliche Pension erhalten / hat jetzo ein gar ungemeines Kunststück zu thun versprochen / nemblich daß er [97] bey allerhand Winden / ein Cron-Schiff in 24. Stunden nach denen Thälern bringen wil / wo nun dieses practicabel, wird er den Seefahrenden / so offtmahls wegen contrari Wind hier ligen müssen / grossen Nutzen schaffen. (Verspricht ein ungemeines Kunftstück zu thun.) Zu Carls-Cron ist die neue Kirch eingeweyhet / und Hedwig genennet worden. So wurde auch die Königliche Admirals-Kirch gleichfals kurtz vorher inauguriret / und Ulricapia genannt. Sonsten gehet noch immer der Schiffs-Baw fleissig von statten / und sollen künfftiges Früh-Jahr unterschiedliche vom Stapel ablauffen. Es wollen auch Ihr. Königliche Majestät / daß dero Soldaten nebst den guten Kriegs-exercitien auch in den Christenthumb disciplinirt werden möchten / und sollen der Rede nach zu gewissen Zeiten in den Guarnisonen examinirt werden. Man discurirt allhier insgemein / von einer engen Alliantz zwischen diesem Königreich / Dennemarck / Sachsen / Brandenburg / Lüneburg / Hessen / und einigen andern (Stockholm vom 8. dito.) Potentaten / absonderlich gehet die Rede / daß sich die beyden Nordischen Reiche dermassen auff 20. Jahr fest gesetzt / daß die gantze Christenheit darüber sich zum höchsten zu erfreuen haben wird. Der bekante Italiäner (Don Levanti ist in den Kupfferbergen mit seinen schmeltzöfen fertig.) Don Francisco Maria Levanti ist zwar in den Kupffer-Bergen mit seinem Schmeltz-Ofen fertig / und machen die mit gegebenen Commissarien grosse Hoffnung / daß es glücklich succediren werde / dann das Ertz ein Zeitlang sehr schlecht gewesen / und über daß die Holtzungen durch die vielen erforderenden Kohlen auch dermassen sehr ruinirt / allein weilen er gar übel vom Podagra geplaget wird / bringts nicht wenig Hindernuß die neue provitliche Invention zu practiciren.

Das siebende Capittel
[arrow up]

Schreibt von Königl. Pohlnischen / Moscowittisch. Tartarisch. auch wohl Türckischen Hoff- und Kriegshändlen. (Eingang in die Königl. Pohlnische Geschichten.) WAnn der jetzt regirende König in Pohlen Johannes dieses Nahmens der Dritte / souverain wäre / möchte man ihn billich unter die mächtigste Potentaten von Europa zehlen / dann seine tapffere Faust / und starcker Arm würde nicht zulassen / daß die Türcken ihme einer handbreit Erden von seinem Reich entziehen möchten / aber da die Senatores mit regiren / und bey Reichs-Versamblungen ein jeder Edelman̅ (deren in [98] Pohlen mehr als in einem Reich zu finden seynd) und solte er auch nict einen eintzigen Morgen Ackers haben / seine Stimm mitzugeben hat / und ein eintziger solcher Edelmann / wann ihm der gemachte Schluß nicht gefält / (Der Adel in Poblen hat grosse Freyheit.) die gantze Versamblung zertrennen kan; so fället es ja unmöglich / daß ein regierender König [deme jetzt erzehlter Weiß nach die Hände gleichsam gebunden seyn] in einem oder andern Fall etwas nutzbahres vor das Königreich schaffen kan / dann viel Köpff viel Sinn / viel Leuth / viel Factiones, was (Ein einige Stimm mag die gantze Reichs. Versamblung zertrennen.) einer gut spricht / verwirfft der andere / was jener dem Reich vor nützlich achtet / erkennet dieser vor schädlich / und weilen die Pohlen bey so bewanten Dingen in ihren Reichs-Tägen [da ein eintzige Stimm so viel vermag] in eine gleichlautende und zusammen stimmende hatmoni noch niemahln haben gebracht werden können / so hat ja der Türckische Bluthund bißhero (So den Türcken ein gemachtes Spiel ist.) ein gewonnen Spiel gehabt / die Pohlnische Gräntzen nach und nach immer zu beschneiden / und noch vor etlichen Jahren das Königreich Podolien in seinen unersättlichen Rachen einzuschlucken / deme man dieses grosse Königreich bey so erwünschter Gelegenheit der Triple-Alliantz zu dieser Zeit leicht aus dem Rachen wieder heraus reissen könte / wann mann nur gesamter Hand das Werck angreiffen thäte / die gewaltige Vestung Caminieck würde bald wieder in der Pohlen Hände seyn / wann sie ihrem König etwas (König in Poblen ein dapfferer Herr.) mehrers zu willen stünden / der ja in der Warheit so ein dapferer und couragioser Herr ist / als einer seyn mag / dann zu geschweigen der Heroischen Thaten / so er vor diesem als Cron-Feld-Herr in vielen Occasionen verrichtet / ist ja noch in frischen Andencken sein ruhmwürdige Verrichtung bey der (Das bezengt seine Großmüthige Verrichtung vor Wien.) Käys. Residentz-Stadt Wien / da dieser generose Herr in eigener Persohn mit seiner Leibguarde gegen die Türcken den ersten Angriff gethan / den Feind erstens wanckend gemacht / und erstens in die Flucht getrieben / also daß man mit Fug die Worte Ihrer Päbstl. H. Pii deß V. [so selbige ehemahls und zwar im Jahr 1571. den Don Johan d' Austriâ, als Generalissimo über die Alliirte Christliche Flotten wegen erhaltener glücklichen Seeschlacht wider die Türcken aus Vätterlichen Wohlmeynen beygelegt] auff diesen Großmüthigen König appliciren kan / nemblich die Wort deß Evangelii Joh. 1. 6. Fuit Homo missus à DEO, cui nomen erat Joannes. Es ward ein Mensch von GOtt gesandt / dessen Nahm war Johannes. Die Käys. Macht war geschwächt / der Reichs-Succurs nicht zum stärcksten / das beänstigte Wien lag im Zügen / die Christenheit seuffzete und schrye ohne underlaß zu Gott umb Hülff; Sihe da ward von GOtt ein Christlicher König gesandt / der war der König in Pohlen / und hieß Johannes / dem gabe der HErr Stärck von oben herab / der schluge zu seinem ewigen Nachruhm vermtttels deß [99] ersten Angrieffs bey Wien die Christenfeind aus dem Feld / und bahnte also denen Christen den Weg zu fernern glücklichen Progressen, die auch bißhero sehr wohl reusciret seynd / der Allerhöchste verleyhe seinen Göttlichen Beystand noch weiter denen Christlichen Waffen / worvon wir mehrers nicht reden / sondern wieder à propos kehren / und die Pohlnische Geschichten deß Monats Januarii in richtiger Ordnung hieher verzeichnen wollen; (In Pobln gedencket man eine grosse Armet dieses Vor-Jahr ins Feld zu stellen.) wie selbige Vermög Brieffen aus Crackau / Warschau / und Lemberg eingekommen seyn; Es wurden aber mit dem angetrettenen Neueu Jahr am Königlichen Pohlnischen Hoff auch alle Consilia erneuert / die einmüthig dahin gezielet haben / wie auff künfftiges Vor-Jahr eine solche Macht ins Feld gebracht werden möge / dergleichen in selbigem Königreich nicht viel gesehen; Zu dem Ende dann auff 10000. Mann zu werben / die Patenta schon außgetheilt seynd. (Zu Zollkiew das Consilium bellicum geendiget.) Zu Zolkiew hat sich das Consilium bellicum geendiget / in selbigem ist unter andern beschlossen / daß die neue küpfferne Schilling Kleparky genannt / den alten völlig gleich gethan / und selbige in Mackeln oder in Zahlung anzunehmen / sich niemand weigern soll / welches den Kauffleuthen (Relation vom Einfall der Tartarn unter dem Sohn deß Tarter. Chams.) und Krämern nicht zum besten gefallen wird. Von dem Han continuiren die vorige Relationes, daß er einen Bassa ben sich hat / und unter Niemirovv gewesen / nichts aber verrichten können / im Zurückgehen aber alles verwüstet / dabey wird berichtet / daß die Horde gar abgemattete Pferd gehabt hätte / und viel im Stich gelassen / und selbst zu Fuß gehen müssen / umb in ihre Quartier zu kom̅en. An einem Paß im Morast haben sie über 1000. Pferd gelassen / die sich an deß Hanß Seite hielten / dann sie besorgten sich / entweder der Mohila, oder sonst die Cron-Völcker ihnen nachsetzen möchten / wäre demnach unsere Armee so capabel gewesen / ihnen nachzusetzen / würden sie derer viel caputirt haben. Es hat gemeldter Commendant zu zweyen mahlen (Werben zerstreuet viel erlegt und gefangen.) außcommandirt / welche hin und wieder auff eintzige Hauffen Tartarn getroffen / derer viel erlegt / zerstreuet / auch viel Beuth und Gefangene bekommen / und die sie in die Sclaverey genommen befreyet. Die Gefangene berichten / daß der Sultan Galga eine grosse Menge Menschen aus Wolyn in die Sclaverey geführet habe. Die Commission der Hyberne ist noch biß (Außlag der Gefangenen.) dato nicht expedirt. Von Tarnopel ist Nachricht eingelauffen / daß nachdem selbige Leute vernommen / wie daß abermahl 200. Proviant-Wägen unter einer Convoy von 3000. Tartarn in Caminitz eingebracht worden / haben sie alle die Flucht genommen / indem der jüngst unter Wollynien geschehene Schade an Wegführung der Mannschafft sehr groß seyn soll / also / daß wann die Türcken auch sonft keine Sclaven hätten / sie mit die [100] sen jetzigen ihre Galleren überflüssig würden besetzen können. Der Abgesandte / welchen Jh. Königl. Majest. nach Ciym abgeschicket / ist dieser Tagen wieder zuruck kommen mit Schreiben vom Tartar-Cham / in welchem er grosse consternationes gegen Jh. Königl. Mojest. bezeugt / und remonstriret, daß er in jüngster Campagne besser hätte operiren und denen Polen mehr Schaden ihun können / in Summa auff Tartarisch will er Freund bleiben (Ein Tartarischer Gesandter wird am Polnischen Hof erwartet.) der Person nach / ein Feind aber deß Raubes / hat derowegen einen Gesandten unterwegs / welcher täglich beym Königl. Hof allhier erwartet wird / dessen mitbringen in Antragung der mediation zum Frieden bestehen soll. Die abgefertigte Deputirte an den Päbstlichen Nuntium seynd auch zurück kommen / mit Declaration, 2. Millionen zur nächsten Campagne herzureichen / nebst weiterer liberalität Jh. Päbftl. Heiligkeit. Der Bischoff von Posen ist bereits zum Ertz-Bischoffthum Gniesen denominirt, das Posische Bischoffthum dem Bischoff von Przemysel / und dasselbe dem Bischoff von Caminitz / die Proelatur aber zu Mykau dem Kyowischen Bischoff conferitt worden. Den 2. diß ist zu Lemberg ein Toworick ankommen / der confirmirt, daß die Tartarn im Ruekmarsch sehr viel Pferd verlohren / und viel müssen zuruck auff Ochsen reiten / wie er sagt / hat er selbst 2. auff einem Ochsen reiten sehen / mit gegen einander zugekehrtem Rucken sitzend angetroffen (Deß Polnischen Gesandten Verrichtung am Kön. Frantzös. Hof gebet nach Wunsch / vermög Brieffen aus Fraustatt.) / und dieselben niedergesäbelt. Aus Fraustatt in Polen ist mit 3. diß neues eingelauffen / daß man daselbsten vor gewiß sage / daß der Polnische Gesandte am Königlichen Hof zu Pariß bey seiner Majest. dem König eine neue und feste Alliantz stabilirt, der König von Franckreich auch Ihrer Majest. dem König und der Polnischen Republic zu recuperirung der Vestung Caminieck per mare 150. Canonen / viel Bomben / und andere grosse Feuerwerck überschicken wolle / und sagt man / daß Jh. Königl. Maj. auff künfftigen Frühling selbst mit zu Feld gehen wollen / wie dann der Churfürst von Brandenbueg ein Corpo volant Jhr. Maj. Dem König zu Dienst wider die Türcken überschicken werde / es verlautet / daß noch vor Johannis die Polnische Armee ins Feld rücken / und den Krieg wider die Türcken prosequiren werde. Indessen seynd die Soldaten in ihren Winterquartieren lustig / fressen / sauffen / turniren / vermeynende / daß es doch auff das Ende ihres Lebens loß gehen wird. Aus Cracau kom̅t vom 4. dito / daß der Päbstliche Nuntius würcklich die versprochene Gelder exiradire, gegen einer Versicherung / daß worbey der General-Musterung nicht wird (Der Polnische Resident in der Tür???ey muß) complet erscheinen / alsobald in loco das Geld zuruck geben soll. Der Polnische Resident in Türckey Herr Proscky hat mit Bewilligung deß Seraskiers Sr. Kön. Maj. proponenda media pacis geschrieben / daß die Türcken [101] primo deß H. Grabes Obsicht den Lateinischen Rittin vor den Griechen überlassen / und secundo dasselbige Stück Landes / was sie nach dem Zurawischen Friedens-Tractat in Podolien abgezwackt / und der vorige Vezier (seinem König einen Vortrag zum Frieden thun.) deßhalben an dem Leben gestrafft worden / an Polen wieder restituiren wollen. Der Marquis de Souver ist von Sr. Königl. Majest. mit zwey schönen wohlmun dirten Pferden / einen Zobeln Peltz / und mit Rubin versetzten Sebel regalirt, nach Franckreich abgereiset / mit Versicherung der zukünfftigen Campagne allhier beyzuwohnen / seine Leut seynd auch nach proportion beschenckt worden. Der Castellan von Wildan ist bereits in Littauen auffgebrochen / mit Versprechung / sich wiederumb zeitlich bey der künffügen Campagne einzufinden. Es bericht abermahl ein übele Zeitung / (Böses Gerücht wegen eines nenen Einfalls der Tartarn.) ob solten die Tartarn in Pogucie eingefallen seyn / grossen Schaden gethan / ja gar / umb so viel besser bey einfallendem harien Frost / die umbliegende Oerter durchzustreiffen / ihren Sitz und Quartier daselbst genommen haben / wovon man künfftig die Gewißheit erwartet. Dieses wird indessen vor gewiß berichtet / daß dreytausend Tartarn viel Proviant in Caminieck eingebracht / hernacher umb Tremboule und den Gräntzen viel Menschen und Viehe geraubet / und in die Dienstbarkeit geführet. Die von Orient anhero gekommene Leute referiren, daß die Persianer gewiß denen Türcken den Krieg angefündiget / und auff Baldat würcklich mit der Armee marchiren / welches auch einige aus Servien kommende Personen confiriniren, und daß allda die Christen mit Verlangen die Christliche Waffen (Christen werden in Servia von den Türcken übel gehalten.) erwarten / weilen sie bey den Türcken im Verdacht seynd / also daß / wann derer etliche zusammen kommen / sie von den Barbarn überfallen / und von denen Hussaren niedergestossen werden / welche Tyranney denen Christen gnugsam Anlaß gibt / daß sie nach der Erlösung seufftzen müssen. Zu Jasty stehet ein Bassa mit ungefehr 200. Mann / vielleicht wollen die Türcken dem Hospodar nicht trauen. Indessen werden alle Polnische Regimenter starck recroutirt / und hat man auch bereits an Jhr. Majest. den König in Schweden / item an Jhr. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg einige Gesandten expedirt, umb von dorten aus Fußvolck zu erlangen / allem Ansehen nach soll die intention auff Caminiec Podolsky selbiges mit Vomben und Carcassen einwerffen von der Seiten / da es sich attaquiren lässet / zu bezwingen / gerichtet seyn / und da etwann eine Türckische Macht solches zu entsetzen käme / ihnen eine Battallie zu liefern. Sonsten lauffet (Die Türcken offerirë ihrer) Nachricht ein / daß die Türcken auff künfftiges Früh-Jahr grosse Proeparatoria wider die Christen machen / und einem Fußknecht 6. [102] einem Reuter aber 10. Rhlr. Monatlich zu geben promittiren, sie mögen seyn was für Nation sie wollen. Es ist auch ein Türckischer Chiaus zu Zolkiew wegen Friedens-Tractaten angelangt / welcher aber nichts ausrichten (Militz eine grosse monatliche Gage.) wird. Zu Reusch-Lemberg fähret man in der Commission wegen der Winterbrod-assignationen eyferig fort. Der Päbstliche Nuntius will aber die Gelder ehender nicht geben / es stehe dann die Armee auff denen Gräntzen / allwo selbe überwintern / und fertig seyn können / ohne Verliehrung vieler Zeit bald im Majo den March zu observiren, den Winter über aber dardurch obgeregte Gräntzen vor der Türcken und Tartarn excursionen zu (Der Polnischen Gefangenen Aussag / so von Caminieck eliberirt worden.) bedecken. Einige Gefangene / so der König aus Barmhertzigkeit von den Türcken aus Caminieck eliberirt, bekräfftigen einhellig / daß die Horde nach verwichener Campagne sehr abgemattet sey / und der gröste Theil zu Fuß nach Hauß gehen müssen / solches wird ein grosser Vortheil zu künfftiger Campagne vor uns seyn / wann die unsrigen bald im Frühling auffbrechen / und keine Fouragie ihnen nicht zugeben werden / welches der König in grosser observanz gehalten / und dem Päbstl. Nuntio proponirt- und den Hn. Krakovvsky beordert / daß er die Gelder / so Rom versprochen / zur Artillerie / oder zu Bezahlung der Cosacken Fußvölcker / Recrouten / Brücken und Czaicken anwenden soll / damit man alsobald im Frühling ins Feld gehen möchte / und gehen die consilia allem Ansehen nach dahin / entweder Caminieck zu attaquiren, oder gleich zum mehrern avanzo gerad über die Donau zu gehen / welches also das nöthigfte seyn wird. Der König hat gewisse Nachricht / daß der Solim Bassa / welcher in beyden Campagnien mit dem Seraskier gewesen / zurück nach dem Türcken beruffen / man nieynte / daß er zum Vezier declarirt werden / und nachmals entweder in Ungarn oder in Polen agiren soll. Der Herr Krakovvsky gehet jetzo unter Crakau / von dar den Weg nach Crenstochon. Indessen melden Brieff von (Bericht von einer abermaligen Rencontre zwischen den Tartarn und Polacken.) einer neuen abermaligen Rencontre, welche die Polen und Cosacken unfern Niemerow mit den Türcken gehabt / diese haben schon lang in und umb Caminieck in Bereitschafft gestanden / in Hoffnung / bey einem harten Winter in Rußland und biß an Lemberg zu streiffen / weil ihnen aber das Wetter entgegen / und ihre Pferde ohne dem schlecht bestellet seynd / so daß in den tieffen Wegen die meisten werden müssen zu Fuß gehen / haben sie zwar eine haupt impresse nicht wagen dörffen / weil ihnen aber die Zeit zu lang worden / seynd die so am besten beritten gewesen / nebst den Lipkern / so in 2. biß 3000. starck auscommandirt / beordert gewesen / so weit zu gehen / als sie immer können. Dieses Vorhaben ist dem Mohilo / auff welchen es am meisten gemüntzet gewesen / verkundschafftet / dahero er bey dem Feldherrn [103] instandig umb Suecurs angehalten / der ihme auch beyzeiten aus den Polnischen Quartieren zugesandt worden / mit welchen und seinen Cosacken er dem Feind ungesäumt entgegen geruckt / und ihn dergestalt empfangen / daß wenig davon kommen. Wovon künfftig ein mehrers. (Moseowittische Geschichten.) Von Moscau wird nachfolgendes berichtet / man hat aus Polen allhier Nachricht / daß die Ambassade / welche von dannen anhero kommen / erstlich nur in 2. jetzund aber vernimmt man / daß solche in 6. vornehmen Herren bestehen werde / welche in Commission haben sollen / die projectirte Bündnuß / es seye auff was Art und Weise es immer wolle / zu schliessen / und solches mit Abstehung aller praetensionen, so die Cron Polen an Jh. Czarische Majest. haben mögen. Einer von denen 2. Jesuitern / so unlängst von Rom anhero kommen / ist gestorben / nachdem er kurtz vorher ein grosses Pacquet Brieff aus Polen empfangen / deren Inhalt aber sein Collega nunmehro ausrichten wird. Der Herr Almasot, welcher als Extraordinari Env??? zu Anfang dieses Jahrs in Frankreich verreist / hat von seiner Verrichtung rapport gethan / woraus man aber gnugsam abnimmt / daß seine Reise fruchtloß gewesen / ob man ihm schon Hoffnung gemacht / daß etwann über kurtz oder lang ein Abgesandter aus Franckreich anhero expedirt werden solte / indessen seye er doch am Königl. Frantzös. Hof mit einigen Proesenten regalirt worden.

Das achte Capitel
[arrow up]

Gedencket von Italiänischen / meistentheils Venetianischen / auch wohl Türckischen Staats- und Kriegs-Affairen. (Eingeng in die Venetianische Geschichten.) DIe Republic von Venedig ist nicht sowol wegen ihres Alters als in der Einträchrigkeit deß gemeinen Wesens / so ihrem Staat fürträglich seyn mag / zu bewuudern / in Staate-Sachen / die zum (Venetianer seynd einstimmig in Sachen / so ihrer Rebublic vorträglich ünd.) Auffnehmen der Republic gedeyen / ist bey dem Senat zu Venedig ein Hertz / ein Muth / ein Sinn / und dieses ist die einige Ursach / daß diese von unerdencklichen Jahren biß dahero immer in Flor gestanden / sie haben sich mit dem Erbfeind offt und manchesmal auff dem Meer dapffer herumb gebalget / und manche schöne Galleren von demselben erbeutet / man erinnere sich nur deß letzten Candianischen Kriegs / wie ritterlich und Löwenmuthig sie sich auff die etlich und zwantzig Jahr umb dasselbige Königreich gewehret [104] haben / es hat ja den Türcken so viel Gut und Blut gekostet / daß er vermittels dessen wohl 2. oder 3. andere Königreich über wältigen können / hätte diese Republic von den Europoeischen Potentaten in Zeiten erklecklichen Succurs erlangt / gleich er versprochen war / wurde Candia in Ewigkeit in Türckischen Gewalt nicht gerathen seyn / vielleicht aber gedencken die Venetianer bey jetzigem Krieg mit den Türcken einen Tausch zu treffen / und statt der Candianischen abgeraubten Braut die ihnen viel näher gelegene grosse Insul Morea heimzuführen / die auch schon würcklich angepackt ist / und mag der Türck zusehen / daß nach deren Hinwegreissung nicht auch wieder Candia als ein Zugab folgen möge. Von dem wir weiter nicht reden / sondern nur berichten wollen / was diesen Monat in Morea / Dalmatia / und andern Orten / wo die Venetianer ihre siegreiche Waffen hingewendet / von importanz sich zugetragen habe. Worbey vors erste zu wissen kom̅t / daß (Morlacken und Mainoten bleiben beständig unter Venetianischer Devotion.) die von den Türcken abgefallene und zu ihnen den Venetianern übergetrettene Griechen / Morlacken und Mainotten immer continuiren / unter ihrem Haupt Malonack genannt / daß Türckische Land starck zu infestiren, wie sie dann öffters viel Türckenköpff und gute B???ut zuruck bringen / und obschon der Bassa von Romania jüngsthin einen Aga zu ihnen gesandt / welcher mit ihnen tractiren / und sie persuadiren solte / daß sie sich wider unter das Türckische Reich submittiren möchten / weßhalben ihnen eine fünffjährige Freyheit (Tractiren den Türckischen Aga sehr übel.) von allen Beschwehrungen angebotten wurde / so haben sie aber besagten Aga ohne Nase / Ohren und Lippen wieder zuruck gesandt / umb dardurch die Standhafftigkeit bey dieser Republic zu bezeugen. Mit einem Schiff / so den 30. passato mit verschiedenen Wahren zu (Ein Türckisches Schiff mit 700. Personen zu Grund gangen.) Venedig angelangt / hat man confirmation, daß ein grosses Türckisches Schiff / auff welchem 70 Stück und 700. Personen gewesen / gestrandet / also daß keiner von allen sich salvirt hat / und hat man an dem Ufer di Baffo 300. Todtencörper / so vom See seynd ausgeworffen / gefunden. 15. Tag vor gedachten Schiffs Abreise sey ein Türckischer Chiaus mit Ordre den dasigen Bassa zu arrestiren̅ ankommen / aus Ursachen / daß er alle Aufflagen verdoppelt habe; es hat zwar derselbe 150. Beutel / in deren jedem 800. Realen gewesen / umb sich zu redimiren, anerbotten / seynd aber vom Cyiaus nicht acceptirt oder angenommen worden. Es seye auch von Rhodis ein Felouque mit Passagiers angeländet / mit Bericht / daß in dem Canal Scio der Capitain Delfino auff die Türcken scharmuziert / ihnen 5. Schiff abgenommen / und 4. andere / so sich mit der Flucht salvirt / verfolgt hätte. (Ein Frantzösische Tartana durch) Als obgedachtes Schiff zu Zan???e gewesen / habe das Ungewitter eine Frantzösische Tartana daselbst angetrieben / in welcher nach geschehener Visiti [105] rung 4. Türcken und 1. Moyr gefunden worden / so nach Constantinopel gewolt / umb alldorten wider deß Königs zu Tunis Bruder Succurs zu sollicitiren / welchem die Mohren und die von Algier Hülff leisten / diese Tartana ist nach Corfu dem Capitain General zugeschickt worden / vor welchem sie erstbemeldte Ursachen ihrer Reiß auch vorgebracht haben / und seynd hierauff die Türcken sambt den Mohren ins Gefängnuß geworffen / die Tartana aber wieder frey entlassen worden. Mit andern Schiffen von Corfu hat man / daß zwar der General Delfino nach Rhodis gesegelt / weilen er vernommen / daß daselbst 10. feindliche Schiff sich auffhalten / von einem Gefecht aber / so zwischen beyden Theilen solle vorgangen seyn / wird nichts gemeldet. Dem Marchese du Corbon Obristen von Dragonern ist wegen seines Wohlverhaltens und in gegenwärtigem Krieg treugeleisteter Diensten die Gage gebessert worden / und weilen man die Dragoner als gar dienliche Kriegsleut befindet / soll dessen Regiment auff 1000. Mann verstärckt werden. Zu Lido kommen täglich frische Völcker an / wie dann jüngst-verlittenen Tägen achthundert da eingezogen / und erwartet man auch (Zu Venchig werden die 3. erste Täg dieses Jahrs dem allgemeinen Gebet gewidmet.) stündlich der Mayländer / weilen aber menschliche Anschläg ohne Göttlichen Segen den erwünschten Ausgang keines wegs gewinnen / als hat der Durchleuchtigste Senat beschlossen / die drey erste Täg deß neuen Jahrs dem allgemeinen Gebet zu widmen / umb dem Allerhöchsten gleichsam die Primitias zu offeriren, und zu bitten / daß er die Christliche Waffen ferner segnen und siegreich machen wolle. Aus Levante hat man Zeitung erhalten / daß die Türcken in die 2000. starck sich versam̅let / umb einen Streiff in Maina zu thun / weilen sie aber der Mainotten gute Wachtsamkeit und tapffere Resistence vermerckt / haben sie ihr Dessein nit ins Werck zu setzen getrauet. Der Gavanos Commendant in Morea fortificirt Butintra / aus Veysorg es möchte diesem Orth wie Gomenitze ergehen / welches von den (Deß P??? Copnisi Schiff practiciret durch ein Stratagema 4. Türckische metallene Stück und viel Geld.) unsrigen jüngsthin erobert / und geschleifft worden. Der Herr Copnisi von Zante hat ein Schiff gekaufft / und einen Frantzosen zum Capitain darüber bestellt / deme er Commission gegeben / Früchten einzukauffen / als er aber von den Türcken gezwungen wurde / vier metalline Stück und ein grosse Summa Gelds nach Navarino zu führen / haben die Bootsleut nach erhaltenem guten Wind ihren Capitain auff dem Land gelassen / und seynd mit dieser Beut glücklich hier angelangt. Es seynd von unserer Armada verschiedene Officirer und gemeine Soldaten ankommen / die in verwichener Campagna verwundet worden / und weilen sie keine Kriegsdienste leisten können / als sollen selbige in die Städt verleget / und Zeit Lebens auff [106] hiesiger Republic Spesen unterhalten und verpfleget werden. Aus Dalmatien hat man für dißmal nichts neues / weilen zu dieser Zeit keine Kriegs-Operationes können vorgenommen werden. Dieser Tagen seynd Ihr. (Hertzog von Hannover zu Venedig angelangt.) Durchl. der Hertzog von Hannover hier ankommen / welcher sich in Musical. opera divertirt, deren erste intitulirt ist / Cleareo di Negro ponte, die andere / Didone delirante, und die dritte Demone Amante. Von Constantinopel hat man / daß der Groß. Vezier annoch willens ist / künfftiges Früh-Jahr persönlich zu Feld zu gehen / und seyen von dannen 4000. neue Soldaten nach Morea commandirt worden / so wolte man auch die Arabische und Asiatische Trouppen mit Gewalt zum march zwingen / weßhalben einige Secretarii von der grossen Cantzley aus commandirt worden. Von (Der Capitain von Delfino und der Corsair Manetta thun eine Landung in Candia.) Zante hat man Nachricht / daß der Capitain der Schiffen Delfino, nebst dem Corsair Manetta in Candia eine Landung gethan / welches ihnen so sehr geglücket / daß sie das Castell von Gurapetra, auff der Küsten selbigen Reichs gelegen / glücklich erobert / viel Türcken darnieder gemacht / und über 200. derselben gefangen bekommen. Mit Brieffen aus Dalmatien vom 3. hujus hat man neues / daß unerachtet der rauhen Winterszeit die Morlacken in verschiedenen starcken (Die Morlacken streiffen weit ins Türckische / und machen gute Beuth.) Trouppen in das Türckische biß an die Stadt Imosu fortgerucket / allwo sich der Feind mit Trencheen versichert / welche aber auff Anfrischung deß Gen. Proveditors Valier besagte Morlacken attaquirt, und nach einem 3. stündigen Gefecht überwunden / worauff der Feind sich in die Vestung reterirt / jene aber / nachdeme sie die Stadt geplündert / und eine reiche Beuth an Vieh und andern Sachen erobert / selbige angezündet / und in die Aschen gelegt / sie haben auch viel Christliche Familien mit sich zurück gebracht so sich der Republic devotion untergeben haben / aus welchen 150. Kriegsdienst zu leisten capabel seynd / wie sie dann solche würcklich angenommen haben. Ein andere Parthey hat biß an Narenta viele Dörffer in Contribution gesetzt / und welche in der Güte sich darzu nicht verstehen wolten / haben die Straff ihrer Halßstärrigkeit durch das Feuer bezahlen müssen / diese Parthey ist ebenmässig nicht mit lären Händen sondern mit einer guten Beuth zuruck kommen / und ob sie schon in dem Ruckmarsch von dem Feind von hinden und auff der Seiten angefallen worden / hat sie dannoch demselben sich tavffer widersetzt / und ware ihnen kein geringer Vortheil / daß sie von etlichen Galeazzen auff der andern Seiten aus dem Meer bedeckt wurden / womit sie sich und ihre ertapte Beuth salvirt haben. Man hat die Päß / durch welche der Bassa von Boßnia / Clin und Sing zu succurriren gedenckt / bester massen besetzt. Die Heyducken haben auch einen [107] Streiff ins Türckische gethan / und über tausend stück Viehe daraus gebracht / seynd zwar von denen im Castell Novo verfolgt worden / haben aber unverrichter Sachen und mit grossem Verlust wieder abziehen müssen. (Brieff von Ragusa.) Mit Brieffen von Ragusa wird berichtet / daß die ordinari Post von Bellgrad dorthin mitgebracht / was gestalten der Teckely annoch daselbst gefangen gehalten / und wohl verwahret werde / und der Seraskier / welcher in Ungarn commandirt gehabt / und mit zehentausend Mann daselbst angelangt / mit dem seidenen Strang seine Belohnung empsangen / die Soldaten lauffen aus Mangel der Lebensmittel häuffig davon / und suchen (Moro???langt zu Corf??? glücklich an.) nichts als innerliche Bürgerliche Krieg zu erwecken. Ihr Excell. Morosini ist zu Corfu glücklich angelangt / und ist der Schiff-Capitain / in dessen Schiff er Morosini gefahren / wegen der treuen assistence in jüngstbemeldter Rebellion mit einer güldenen Ketten / woran ein schöner Gnadenpfenning hieng / regalirt / die Bootsknecht aber mit 100. Zechini beschenckt worden / über das ist besagter Capitain zu einem Capitain von dem ersten Kriegs-Schiff declarirt worden / anjetzo fährt er mit seinem Schiff nacher Holland / von dannen er wieder zuruck kommen / und die ihme übertragene (Ein Schiff von S. Nicola berichtet den setzigen Zustand deß Türckischen Reichs.) Charge bedienen wird. Ein Schiff S. Nicola von Constantinopel kommend vermeldet / daß in dieser Stadt wegen Abwesenheit deß Hofs alles still seye / ja fast gar einer Einöde gleich / weilen ob der grossen Theurung viel Leut von dannen sich hinweg begeben. Nachdem auch der Schatz deß Groß-Türcken fast gantz erschöpffet / als greifft er allbereit seine silberne und güldene Geschirr an / und läst Müntz daraus schlagen / so müssen die Unterthanen benebenst die jenige Contribution erlegen / welche sonst ehender nicht / als wann der Groß-Herr selbst zu Feld gehet / pfleget erhoben zu werden. Sie beklagen sehr die widrige Krigs-Fortun, und schreibens dem Göttlichen Willen zu / daß sie anjetzo das jenige so geschwind verliehren müssen / was sie in so viel Jahren mit den Waffen erworben und besessen haben. Immittels legen sie ihren Hoffarth zimmlich ab / und verfahren viel gelinder mit den Christen / als sie zuvor gethan / wie sie dann die Schiffe / welche sonst vier biß fünff Tag und länger an den Dardanellen halten müssen / bald expediren und abfahren lassen. (3. Christliche Corsaren Schiff erobern ein Türckisches Schiff / und schiessen ein anders zu Grund.) Brieff aus Corfu avisiren / daß bey ihnen Nachricht von Rhodis eingelauffen / wie drey Christliche Corsaren Schiff zwey Türckische angetroffen / mit denselben scharmuziert / eins davon in Grund geschossen / das andere erobert / und die darauff befundene Türcken alle zu Sclaven gemacht hätten / nachdem sie aber in dasselbe eingestiegen / habe ein gähling [108] entstandenes Sturmwetter sie dermassen zerstreuet / daß man nicht wissen kan / wo eins oder das andere hinkommen. Der General Delfino seye auch mit einer grossen Quantität Gelds / welches er auff denen im Archipelago gelegenen Insulen vom Feind erpresset / zu Corfu angekommen. Ihro Excell. Venier Provediteur von Majana hat von diesen Völckern 24. Compagnien / jede 200. Mann starck auffgerichtet / welche durch continuirliches streiffen den Türcken grossen Schaden zufügen. In der Gegend (500. Türcken werden bey Coron übel empfangen.) Coron haben sich 500. Türcken unterstanden / die darumb ligende Dörffer / erstlich zwar mit liebkosen / nachmalen aber mit Bedrohungen in ihre Devotion zu reduciren, welche aber den Handel unrecht verstanden / zu den Waffen geschritten / und diese ungeladene Gäst dermassen empfangen haben / daß wenig von ihnen wieder zurück kommen / ein solches haben sie auch bey Prevesa tentirt / und seynd mit gleichmässigen Tractamenten abgespeist (Dahin 3. Schiff mit Ammunition und Volck zum Succcurs abgeschickt worden.) worden. Der General Capitain hat nach Coron 3. Schiff mit allerhand Ammunition und 400. Mann für selbige Vestung abgeschickt / umb dem Feind in allen occasionen desto mehr gewachsen zu seyn / übrigens wird zu Corfu alle nothwendige Anstalt gemacht / daß man bey guter Zeit die Kriegs-operationes reassumiren möge / wie man dann auch hier dißfalls weder Geld noch Fleiß spahret / den Krieg zu continuiren / und zu dem End die 2000. Mann / die in Lido und da herumb ligen / ehistens nach der Armee sollen abgeschickt werden / wie auch die Mayländische in 3000. Man̅ bestehende Trouppen. Der Hertzog von Hannover wird seine Völcker mit 2000. Mann verstärcken / die 1000. Mann aber / die in Holland geworben worden / und die so aus dem Königreich Neapel erwartet werden / sollen gleich nach Corfu ihren march nehmen / und ist merckwürdig / daß unsere Soldaten ungehindert der vielfältigen Lufft-Veränderungen bey guter Gesundheit sich befinden. Ihr. Durchl. der Hertzog von Hannover / die bey der Armee seynd / haben von unserer Durchleuchtigsten Republic den Titul eines Generals empfangen. Aus Dalmatien bringt ein Schiff / so von Cataro kommen / mit / daß die Heyducken täglich und zwar immer mit ihrer avantage auff die Türcken loß gehen / und werden von Tag zu Tag stärcker / indeme sich sehr viel / von den feisten Beuten angelocket / zu ihnen gesellen. Diesen Abend haben die Opera in Musica amore inamorato intituliret, auff dem Theatro S. Joan. Chrysostomo ihren Anfang genommen. (Grosser Mangel an Vivers unter den Türcken.) Von Cattaro hat man / daß die Türcken durchgehends Mangel an Lebensmitteln leyden / so gar / daß / als 2. Sangiaci mit einigen Völckern sich zu Gazha auffgehalten / selbige Gräntzen zu beschützen / der eine wegen Ab [109] gangs der Victualien wieder abziehen müssen; der andere zwar wäre noch mit 50. Mann stehen blieben / so aber hernach auch davon gelauffen. So versichert man auch / daß von denen Morlacken schon über 3000. Familien zu dieser Republic gehorsam sich begeben / und zu uns übergekommen seyn. Mit Briefen von Ragusa vernimbt man / daß / als der Griechische Ertz-Bischoff zu Jerusalem auff einer Saicke / mit einem Geschenck von 50000. Realen nach der Ottomannischen Pforte reisen wollen / selbige von denen Malthesern genommen worden / so daß nur der Ertz-Bischoff davon kommen. Ubrigens wären von denen 10. Schiffen / ihrer 9. wieder zu Constantinopel angelangt / weiln das eine / wie schon vor diesem gemeldet / gesuncken; und würde der Capitain Bassa mit den Galleren noch erwartet. Es wil (Die Türcken suchen Coron zu überrumpela werden aber von den M???inotten üdel tractiret.) verlauten / daß sich die Türcten in Morea in die 10000. starck zusammen gezogen / deß Vorhabens die Vestung Coron zu überrumplen; der Gouverneur aber darinn / so solches zeitlich zu wissen bekommen / hätte die Mainotten in einen Wald versteckt / da sie ihnen dann so glücklich eingefallen / daß der Türcken eine gute Anzahl in stücken zerhauen / und grosse Beuth gemacht worden. Von Rom hat man / daß der Pabst seinem verordneten Nuntio nach Engelland / dem Prälaten Dada 30000. Krohnen übermacht / im Fall selbiger König ihn unter solchen praedicat annehmen wird. Aus Türckey vernimbt man noch immerfort mehrere Confirmation, daß das gemeine Volck gegen den Türckischen Käyser sich sehr auffrührisch bezeuge / dagegen dieser jene mit der Hoffnung eines baldigen Friedens vertröstete / zu welchem Ende er bereits einige Abgesandte nach den Römisch. Käyser abgeschickt hätte. Sonsten geben die sieben grosse Schulen dieser Republic zu gegenwärtigem Türcken-Krieg jegliche 30000. Ducaten / umb davon Interesse zu empfangen. Mit einem Schiff von Constantinopel hat man / daß der Divan oder grosse Rath selbiger Stadt dem grossen Herrn kund gethan / daß / so er das Geld aus der Schatzküste haben wolte / er folches selbst in Persohn abholen müste; es würde auch daselbst spargirt / daß der Groß-Vezier plötzlich gestorben / und man nicht geringen Verdacht hat / daß selbigem vergeben worden. (2. Engelländische Schiff bringen 100. stück Geschütz von Mo???ea nach Venedig.) Die 2. Englische Schiff / so zu Malomocco arrivirt / bringen 100. stück Geschütz aus Coron und andern eroberten Plätzen mit / welche in unserm Arsenal umdgegossen werden sollen. Die Arbeitsleuthe / deren 100. an der Zahl nach Coron gesand worden / empfangen jeglicher deß Monats 20. Ducaten. Ich kan bey Beschluß der Venetianischen Geschichten nicht umbhin / dem günstigen Leser nachfolgende Copey eines Schreibens zu communiciren / worin der gegenwärtige Türck. Zustand zimblich entworffen wird.
|| [110]
Abdruck-Schreibens aus Constantinopel vom 23. Januar st. n. 1686. an einem Offirirer in Morea, von einem guten Freund. Monsieur. (Genaller Bericht von dem gegenwärtigen Türckischen Zuftand.) ICh habe allbereits aus Livorno M. Hn. Obristen die vorhabende Reise nach Constantinopel bekant gemacht / anjetzo continuire ich meine Pflicht / demselben zu berichten / wie ich darunter reussiret / GOtt sey Danck glücklichst / und zwar mit Besichtigung von Scio, Smirne, Metelin, der Dardanellen / Constantinopel / deß gantzen Bosphori und Adrianopel. Wieviel ich hievon könte Materi zu schreiben nehmen / so contentire ich mich vor dißmahl bloß von dieses Reichs Zustand nur zu melden. Wolte GOtt / daß alle Christ. Potentaten es möchten für ihr Staats-Interesse halten / es wäre nichts leichters als solches zu destruiren. Zum wenigsten in dem Theil von Europa; die Ursach seynd die Fahrläsigkeit deß grossen Signors, das zerrüttete Gouverno, Enervirung von Mitteln / Entblösung von tüchtiger Milice, übele Verfassung zur See / und letztens der Terreur panique. Deß grossen Herrn Passion dominante ist die Jagt / womit mit er sich täglich occupirt / ohne sich das geringste umb seines Reichs affairen zu bekümmern. Die Milice welche darob einige Unzufriedenheit temoigniret / ist einmahl appaisiret / zum andernmahl dörffte es so glücklich nicht geschehen. Nach Strangulirung deß Cara Mustapha hat Cara Reaga die Veziers-Stell betretten / aber mit mehrer Sorg sich von dieser gefährlichen charge abzuhelffen / als gute Anstalt wider dero Feind zu befördern. Er hat vermittels einer Staats-Kranckheit darinn reussiret / solcher gestalt / daß dem Solyman Bacha das Regiment an seiner Stelle ist auffgetragen / und dabey zu Verhütung aller Verfolgung / ihme sein Tochter gegeben. So einige Hoffnung zu remedirung der Türcken affaires ist / muß es durch diesen Vezier geschehen; er ist von sehr gutem natürlichen Verstand oder Raisonable, und dabey von guter Experience, sowohl in Staats-als Kriegs-Geschäfften / die Enervirung von Mitteln wird daraus verspühret / weil ohnlängst viel altes Silberwerck einige quintal schwähr aus dem Seraglio geholet / und nach der Müntze getragen ist. Die beruffenen Janitscharen gleichen sich so wenig / als die heutigen Römer denen von ohngefehr für 2000. Jahren; man raffet darunter was man kan. Die Spahi kommen weiter [111] hervor / der Rest ist von dem Gesind / worvon wir die preuven in Morea gehabt. Jhre Macht zur See bestehet erstlich in 10. neuen Kriegsschiffen / eines davon ist allbereit in letzter Campagne vergangen / bloß von wegen deß Donnern seß Salve schiessens / weiln es gar zu schwach gebauet gewesen. Dieses ist die Faute, welche ingleichem bey allen übrigen ist committrirt worden. Es ist sonst die grösseste / so jemahls in Constantinopel gebauet gewesen / und im übrigen von keinem schlechten ansehen. Sie kosten dem Groß-Herrn unglaublich viel / und zwar / wann ich darauff nachsagen mag / das stücke 200. und 50000. Reichsthl. Es ist solches eine verlohrne depence, es sey dann daß man ein Theil davon salvire / mit Verhandlung an die von Algier und Tripoli. Man sagt / daß der jetzige Vezier dieses vorhabe / wohl sehend / daß der Groß-Herr sonst wenig Frucht von diesen Schiffen zu gewarten habe. Ich hab dieselbe von nahen besehen / wie ingleichem die so genante Saile-Galeren, welches die von Constantinopel seynd; dieses seynd die miserabelsten / so ich jemahls gesehen; die Beeg-Galeren (welche die seynd / so von particuliren für gewisse Summa Geldes / als 12000. Reichsthaler / zu Dienst deß Groß Herrn außgerüstet) sind zwar besser / und dörfflen gute Dienste thun / wann der Groß-Herr ihnen in dem Schaden / welcher ihnen von einem Combat kan begegnen / wolte zu Hülff kommen. Allein weil solches nicht geschiehet / so verhüten sie alle Gelegenheit zum Gefecht. Wie groß der Terror pannique ist / davon haben wir preuven in Morea gehabt / aber ich mag anjetzo wohl dazu setzen / daß sie biß in Constantinopel ein Gefühl davon haben. Ich lobe die Republic darinn / daß sie mit denen angräntzenden Conquesten bemühet ist / sonsten wären noch wohl andere Dinge zu entrepreniren / insonderheie wann man den Türcken nur dommagiren wolte. Wäre die Façon zu kriegen denen Venetianern bekant / als man sie in Franckreich und anderstwo practiciret / die Dardanellen wären leicht passiret / und Constantinopel in Brand gestecket. Mein particulier-Sach betreffend / so stehe ich anjetzo in Deliberation über eine Reiß nach Jerusalem / grand Cair und Alexandria; es mangelt nur umb daß ich meinen Kauffmann zu Smirne davon bespreche / weßfalls ich anjetzo mit meiner Retour eile. Soferne ich hiemit reussire / wird mir solches Gelegenheit geben / den Hrn. Obristen von der Türcken Zustand ein mehrers bekant zu machen (Pädflliche Geschichten.) Die Päbstliche Geschichten belangende / bringen Brieff von Rom / daß der Pabst mit Endigung deß verstrichenen Jahrs das Krancken-Bett verlassen / und das neue Jahr wieder in vollkommener Gesundheit angetretten hab. Jedoch gebe er noch zur Zeit keine Audientz / wie inständig selbige [112] auch von verschiedenen sollicitirt worden / worunter die Königin aus Schwerden und der Resident von Savoyen / welcher Groß-Cantzler zu Turin ernent worden / und sein Abschieds-Audientz verlangt. Man ist allhier eines Spannischen Abgesandten gewärtig / welcher entweder Duca di Pastrana oder der Comte Melgar Gubernator von Meyland seyn soll. Aus Spannien ist eine über die massen schöne und zierliche Censur gegen die Bücher deß Molines, so in vielen Puncten condemnirt werden / hier ankommen / welche auch von dem sacro officio, vor welchem seine Sach ventilirt wird / soll angenommen werden. Der Duc d' Estré Frantzös. Abgesandter begehrt auch Audientz und hat ein Handbriefflein von seiner Aller-Christl. Majest worinn er dem Pabst für das an ihn ohnlängst ergangene B. eve Danck sagt. Erstgedachter (De Duc d'Estré läst ein Künftliches Feuerwerck zu Rom zurichten.) Ambassadeur / wie auch dessen Bruder der Cardinal lassen ein sehr künstliches Feuerwerck zurichten. Den 6. ist an den Residenten von Savoyen zu Rom ein Courrier ankommen / welcher ihn von hier abrufft / weiln er als Ambassadeur an den Königl. Frantzös. Hoff gehen soll / dannenhero er seine Abschieds-Audientz begehrt / ist ihme aber geantwort worden / daß er selbige zu seiner Zeit haben werde. Der junge Mons. Spada, welcher eine Nacht an dem Fieber kranck darnieder gelegen / ist den andern Tag mit höchstem Weheklagen und Schaden der gantzen Familie Tods verblichen. Etliche alte Türck. Frauen / welche sich zur Christlichen Religion keines wegs bequemen wollen / seynd dem Provediteur von den Galleren übergeben worden / umd selbige / wo und wie er kan / zu verkauffen. Der Graf von der Lipp / und ein Engl. Milord, so in Conversation bey der Fürstin di Bracciano gewesen / wären schier wegen eines von gedachter Fürstin dem Milord verehrten Hündleins zum Duell kommen / wann sie dasselbe nicht durch ihre Interposition (Mons. Bolognetti legirt 200000. scudi zu Erhaltusg 6. Capellanen.) verhindert hätte. Der Mons. Bolognetti ist im 91 Jahr seines Alters gestorben / hat der Kirch zu Unterhaltung 6. Capellän 200000. scudilegirt / zum Erben seiner Verlassenschafft aber / welche über eine halbe Million sich erstreckt / hat er ernennet / einen / der zwar Bolognetti sich schreibt / doch aus seiner Familie nicht ist. Als der Duca Strozza einen Keller ohnweit der Cartheuser Kirch wolte graben lassen / seynd die Arbeiter auff ein unter irrdisches Gebäu gleich einer Badstuben kommen / worin viel alte Statuen gefunden worden / damit nun gedachter Duca mit der Päbstl. Cammer und dem Schatz-Meister nicht in Proceß gerathen möchte / hat er selbiges wieder verschliessen lassen: als aber die Königin Christina / welche krafft eines Päbstl. Privilegii dergleichen Raritäten suchen und behalten darff / solches erfahren / hat sie mit dem Hertzogen accordirt / und läst nun weiter nachsuchen / womit sie die schönste Antiquitäten findet. Den 12. ist Congregation [113] di Stato gehalten worden / was man aber darinnen tractirt / und beschlossen / kan eigentlich nicht berichtet werden. Es hat undern auch der Cardinal Ottoboni ohnerachtet seiner Indisposition mit beygewohnt / welche darauf (Den 12. wird zu Rom Congregationdi Stato gehalten.) zu einem gefährlichen Fieber außgeschlagen / also daß an seiner Wiedergenesung sehr gezweiffelt / und deßwegen fast von jederman höchlich bedauert wird. Am Montag haben Jhr. Heiligkeit wiederumb Audientz gegeben / und durch ihren Auditor den Ministris der Außländ. Fürsten Vertröstung thun lassen / ihnen ebenmässig Audientz zu ertheilen. Der Chirurgus deß Pabsts hat in Discurs demselben bedeutet / wie daß einige Kranckheit bey dessen Vettern Don Livio zu besorgen / welches er aus der Veränderung deß Gesichts colligirte / deßwegen der Pabst einen Medicum zu ihm geschickt / welcher umb der besorgenden Kranckheit vorzubiegen / anbey gerathen / daß er sich einer peruque bedienen / und die Lufft verändern solle / worinn der Pabst consentirt / das letztere aber als ohnnöthig abgeschlagen / vorgebend / er habe allbereit in die 30. Jahr die Römische Lufft / als gar gesund befunden. Es hat dieser Tagen ein Gerichtsdiener eine Wittib Ornani gewisser Ursach wegen vor Gericht citirt / welcher von ihrem Sohn mit einer gedichten Maulschelle zurück gewiesen worden / warumd die Obrigkeit ihm wohl einen unverhofften Proceß machen dörffte / es nimbt sich aber die Königin Christina seiner an / weiln (2. Frantzosen kauffen zu Rom vor ihren König viele Statne̅ / Schildereyen und Reapolitanische Pferd.) er in ihren Diensten ist. Allhier befinden sich 2. Frantzosen / die in Commission haben für ihren König Statuen und Schildereyen / so dann auch ein Anzahl Neapolitanische Pferd zu kauffen / wie dann der Contestabile Colonna ihnen aus seiner Stuterey / welche für die beste gehalten wird / 40. sehr schöne Pferd zukommen lassen. Obwohln sonsten aller Außländ Fürsten Ministri der gäntzlichen Meynung gewesen / noch vor End dieses Monats Audientz zu erhalten / hat sich dannoch gantz ein anders ergeben / und wissen sie nicht / wie sie solches zu verstehen haben / da absonderlich ihnen nit unwissend / daß der Pabst nunmehr sich wieder besser disponirt befindet / wie er dann verschiedene Expeditiones aus der Dartaria unterschrieben. Am 23. ist der Mons. Mellini incognito hier ankommen / und hat den 26. seinen offentlichen Einzug gehalten / welchem der gantze Hoff mit vielen Kutschen / so alle mit 6. Pferden bespannet gewesen / gefolget ist / selbiger ist alsobald durch ein heimbliche Stiege zum Fuß-Kuß gelassen worden / und erwartet mit nechstem Consistorio den Crardinalhut. Vom Spannis. Hof seynd alle Differentzien / die er mit der Cron Franckr. hat / dem Pabst zu vergleichen heimgestelt worden / und wollen die Span̅ier / daß die Gelter von den confiscirten Gütern wegen contrabando dem Käyser zu Fortsetzung deß Türckenkriegs sollen zugestellt werden. M. Alvarese, welcher jüngsthin von dem Contestabile Colonna, so [114] viel Pferd und andere Raritäten erkaufft / hat auch eines umb 200. scudi bezahlt / und eine kleine Schilderey für 1000. scudi, er soll noch zwey Millionen bey sich haben / mit welchen / wie er sagt / unser Stadt ihrer Raritäten (Der Pabst übermacht viele Gelder nacher Teutschland und Poblen.) berauben wolle. Am 23. hat der Pabst dem Schatzmeister anbefohlen / eine nahmhaffte grosse Summa Gelds in Teutschland zu schicken / und hat dem König in Pohlen auff Abschlag deß von den geistl. Gütern erhobenen Zehenden auch 100000. scudi übermachen lassen. Der jüngstgemeldte Franciscus Cupis, welcher dem Gerichtsdiener eine Ohrfeig geben / hat sich aus seinem Arrest unter Protection der Königin Christinä ins Neapolitanische Königreich salvirt / gegen selbigen wird ein grosser Proceß gemacht. Aus (Der Groß-Meister von Malta machet Präparatoria zu Lüuffriger Campagnt.) Brieffen von Maltha vernimbt man / was gestalten der Groß-Meister im Rath beschlossen / daß die 8. Galleren für nechstkünfftigen Kriegs-Zug sollen armirt werden / und sollen 1000. Mann / die auff erheischendem Nothfall auffs Land können außgesetzt werden / ein Compagnie von 60. Granadirer / so dann auch ein Corpo von 100. Ordens-Ritter mit besagter Gallere gehen. Ferner hat er ordmirt / daß die 4. Capitain von den 4. Kriegs-Schiffen / welche in Corso seynd / mit ihren Flaggen zur Armee stossen sollen / welche er durch die Monath Junius, Julius, und Augustus auff seine Kosten unterhalten wil / darüber wil er zum Commendanten bemeldter 4. Kriegs-Schiffen nominiren den Cavallier Calibardera einen Capitain von denselben. Soviel von Päbstlichen. (Savoyische Geschichten.) Was die Savoyschen Geschichten betrifft / melden Schreiben aus Turin / daß die Hertzogin daselbsten / obwohln sie sich bey guter Leibs-Disposition befindet / sich dannoch in ihrem Zimmer sehr einhalte / und allzeit von 2. Fürstinnen bedient werde. Der Hertzog hat der Madamoiselle Vignolina von Parma ein Kleinod 300. Pistohlen werth verehrt / weiln dero Hr. Vatter ihme 2. schöne Pferd geschenckt. Der Hertzog hat den Rath zu Niza reformirt / und wil man sagen / daß er ein gleiches mit den Cammer vorzunehmen / gesinnet sey. Den 29. passato ist die Heurath zwischen Madamoiselle Christina deß Hertzogs natürlichen Schwester / und dem Printzen von Masseranno publicirt worden / und wird nun ehistens die Hochzeit gehalten (Die jüngst gebohrne Princessin von Savoyen wird getaufft.) werden. Den 3. dieses ist die jüngst gebohrne Princessin getaufft und Maria Adelheid genant worden. Madame Royale ware Götgen / und der Printz von Carignan Päther. Die erste verehrte der Princessin ein kostbahres Creutz / mit Diamanten besetzet / und der andere regalirte sie mit einem schönen Diamant. Dieses von Savoyischen. (Mäyländis-Geschichten.) Nun von Mäyländischen Geschichten zu reden / referiren Brieff von dar / daß den 20. passato Abends der Cardinal Mellini, welcher aus Span [115] nien aus seiner Nuuntiatur wiederumb nach Rom ???eist / allhier in Sr. Piedro d' Olmo angelangt / und ist mit 200. Soldaten zu Pferd von hiesigen Gubernatoris guardie empfangen worden / welche ohnfern deß Orths ihn beurlaubt / der sowohl die gemeine als Officirer reichlich bescheneket hat. Der Comte Gouvernator hat alsobalden den Comte Ripa umb ihn zu complimentiren geschickt / dem er gleich darauff selbst persöhnlich mit vielen Cavalliren gefolget / und gedachtem Cardinal die Visite gegeben hat / welcher / ob er schon incogito angelangt / dannoch dem Gouvernator die Revisite gegeben. (Die Teutschen Soldaten unter dem Ob iften Visconti desertiren starck) Die Teutsche Soldaten unter den Obristen Visconti, so in Gomo gelegen / als sie vermercket / daß sie den Venetianern gegen die Türcken zu dienen solten zugeschickt werden / haben angefangen starck zu desertiren / wie sie dann zu dem End in Gomo eine Stadtpforten mit Gewalt zu öffnen bey nächth cher weil sich unterstanden / welches aber die Spannier gleich gewahr worden / und sie in ihrem Vorhahen verhindert heben / der Obriste thate ihnen hierauff eine bewegliche Oration, worunter sie ihre Hüt in die Lufft geworffen / und sich bereit zu seyn außgeruffen gegen den Erbfeind gern zu sechten weiln man jedoch ihnen nicht völlig traut / als soll ein jedes Regiment von 200. Reuter biß an gehörige Orth und End convoyrt werden. Den Tag vor Sr. Thomae deß Apostels-Fest / hat der Gubernator unter dem Geleit deß Groß-Cantzlers / Hertzogen Moles und anderer hohen Officier sich nach den grossen Saal erhoben / allwo der Rath versamblet war / und die Anklag / sowohl als defension, unterschiedlich zum Tod condemnirter Persohnen vorgetragen / denen wegen der herannahenden H. Zeit das Leben geschenckt worden. (Deß General-Gubernatoris Geburts-Tag wird in schönster galla celebren.) Den Tag vor Weynachten / als welcher deß Gubernatoris Geburts-Tag gewesen / ist er von allen in schönster galla complimentirt worden. Was der Comte Melgar bißhero geförcht / nehmlich / daß er gleich dem Duca Me dina coeli von seinem Gouverno möcht amovirt werden / ist endlich ihme wiederfahren / indem er allbereit ordre von Spannischem Hof bekommen / als Ambassadeur nach Rom zu gehen / welche Gesandschafft er jedoch gern annimbt / in Hoffnung nach Endigung derselben / Vice Re zu Neapoli zu werden / allwo der Marchese del Carpio wiederumb auff 3. Jahr confirmirt worden. Man erwartet hier stündlich den Vice. Re von Sardina Conte di Fuensalida, als unsern declarirten Gubernator. Der Abt Grimani ist nach verschiedenen gehaltenen Conferentzen wegen der Völcker / die man der Republic (Ein Spannischer Officirer wird wegen Beschimpffung deß Guber.) Venedig zuschicken wird / von hier wiederumb abgereist. Ein Spannischer Officier ist in gefängliche Verhafft gezogen worden / weiln er das Gubernators Statuam auf dem Dohmplatz soll beschimpffet haben. Die Ratification der Accords-Puncten die Soldaten betreffend / welche unser Staat der [116] Republic Venedig zuschieken wird / ist nunmehr ankommen / man glaubt aber / daß die Völcker vor Ende deß Februarii nit auffbrechen / und dahin marchiren werden / und ist man anjetzo auff Mittel bedacht / den außständigen Sold auffzubringen und sie zu bezahlen; sie sollen zu Pavia und Cremona in Schiff gesetzt werden. Von Turin hat man / daß selbige Hertzogin nunmehr völlig restituirt sey. Alldorten ist ein Frantzös. Abgesander Marquis d' Urfe umb den Hertzog und Hertzogin wegen der neugebohrnen Princessin zu complimentiren / angekom̅en / welcher schon allbereit Audientz gehabt. (Genuesische Geschicheen.) Von Genuesischen Geschichten hat man folgendes mit Brieffen von Genua, daß aus Provence ein Schiff daselbsten arrivirt / so mitgebracht / daß in Tolone 6. Kriegs-Schiff armirt werden / 2. Burlotti / 3. Galeotten / und andere Schiff / in welche die Bomben sollen eingeladen werden / worüber Mons. Tourville das Commando führen und mit anfang deß Januarii gegen Levante abfahren soll. Von Livorno wird geschrieben / daß daselbst aus Cadix Nachricht eingelangt sey / was gestalten die Spannier gegen die Frantzosen Repressalien gebrauchten / wovon man doch aus Marsilien nichts vernimbt / deme doch unangesehen / seynd hier 2. Schiff mit unterschiedlichen Wahren beladen / welche ihre Reiß nicht fortsetzen wollen / ehe und bevor sie mehrere Gewißheit von dieser Zeitung empfangen haben. Der Fürst Monaco befindet sich annoch hier / deme der Adel hiesiger Stadt allerley divertissements (6. Hoff. und Engelländif. Schiff zu Genna arrivirt.) macht. Dieser Tagen seynd 6. Holländ. und Engl. Schiff mit verfchiedenen Kauffmans-Wahren ankom̅en. Biß dato findet man noch keinen / der da an Platz deß Matchese Marini an dem Königl. Frantzös. Hoff residiren will. Von Marsilien hat man / daß die 4. Galleen deß Königs in Franckreich nach Languedoc abgesegelt / umb das Flüchten der Hugenotten aus selbigem Reich zu verhindern / welchen ein Holländisch Schiff mit 24. Canonen / worauff 150. Frantzös. Flüchtling gewesen / begegnet / so sich geweigert visitiren zu lassen / hat sich aber nach erzeigten etlicher Stunden Widerstand ergeben müssen / und ist folgends zu Tonlon, auffbracht worden. Der Hr. Veneroso ist mit seiner entführten Gemahlin Maria Doria wieder anhero (Sign. Veneroso???m. pfängt wegen Entführung der Maria Doria seia Artheil.) zurück kommen / und er in ein Closter / sie aber / so sich bereits schwanger befindet / zu ihren Eltern gethan worden / und ungeachtet er bewiesen hat / daß er sich mit ihr vermählet / ist er gleichwohl durch das Collegium verurtheilt worden / daß er enthauptet / und alle seine Güter confiscirt werden solten: dafern er sich aber mit ihren Eltern wird versöhnen können / soll er nur 10. Jahr in Sicilien / und noch 5. andere / weil er zu diesem delicto Gewähr gebrauchet / verwiesen werden / und daß er nicht ehender / als biß die Helffte dieser Zeit verflossen / umb Perdon anhalten soll / 2. seiner Complicen / so ihme ge [117] holffen / ist bey Straff deß Galgens anbesohlen worden / daß sie nicht wieder auff ihre Güter unter dieser Rupublic kommen sollen. Man sagt / daß die Türcken von Algier deß mit Franckreich gemachten Friedens allschon überdrüssig seyn / weilen sie ihr gewöhnliches rauben einstellen müssen / deßwegen sie ein Fayn von der Stadt Sale empfangen / umb also desto freyer dem Beutenmachen nachstreben zu können. Endlich ist differe???z zwischen dem Gubernator von Mayland und hiesigem Magistrat wegen proetendirter Zahlung deß Schweitzerischen Regiments und zwar also verglichen worden / daß er Gubernator 15000. Philippis von denen arrestirten Geldern behalten / das übrige aber unserm Staat restituiren solle. Von Turin ist ein ansehnliche Sum̅a anhero übermacht worden / umb dafür Korn einzukauffen / welches in Piemont / allwo ein grosse Theurung sich herfür thut / soll geführt (Ein Kiftlein Geld in der Dohmkirchen zu Genua gefunden.) werden. Den 8. hat man in hiesiger Dohmkirch ein Kistlein mit 500. Silbercronen gefunden / wobey ein Zedul gelegen / worinn besagte Summa denen Hofpital-Verwalthern unter die Arme auszutheilen assignirt wurde. Das Schiff / welches von hier nach Marsilien vor einiger Zeit abgefahren / ist nach überstandenem gefährlichen Sturmwetter wiederumb glücklich angelangt / womit unser am Kön. Frantzös. Hof gewesener Envoye auch zurück kom̅en. Der Commendant von Novi hat 2. Mayländische Soldaten in Arrest nehmen lassen / weilen sie in unserm Territorio verschiedene Diebstahl verübt / dahingegen haben die Mayländer repressalien weiß 2. von den unsrigen ebenmässig gefänglich eingesetzt / mit bedeuten / daß wofern man die ihrige nicht loß geben würde / sie ein gleiches procedere mit den unsrigen vornehmen wolten / welches dem Gubernator zu Meyland alsobald berichtet worden. Man hat allhier die Wachten als auch die Schärgen verstärckt / wegen der vielfältigen Dieberey so nächtlicher Zeit bißhero verricht worden. (Aussag einkger Brieff von Ragusa.) Von der Republic Ragusa seynd Brieff vom 6. angelangt / welche berichten / daß der von da??? nach Griechisch-Weissenburg abgegangene und dieser Tagen wieder gekom̅ene Courrier berichtet / daß derTeckely daselbst noch in schwärer Gefängnuß hart bewahrt würde / hätte zwar / umb loß zu kommen / sich zum Türck. Glauden anerbotten / die Pforte aber urtheilet / daß es ihme kein Ernst / sondern nur umb seine Freyheit zu thun sey / und weilen er seinem Käyser keinen Glauben gehalten / er dem Mahomet noch weniger treu bleiben würde. Der Seraskier ist zwar strangulirt / aber gewiß wider der Pforten ihren Willen / als welche ihn nur / denen Janitscharen Vergnügung zu geben / citiren lassen / in Meynung / ihn zum Schein in ein Gefängnuß zu verurtheilen / und daß diese damit friedlich seyn würden / da dann / wann der Grimm vorüber wäre / man ihn wieder restituiren könte / aber die Janitscharen [118] waren auff ihn / weil er ihre Cameraden in Neuheusel und in der Schlacht bey Gran so verlassen / also erbittert / daß sie nicht ruhen wollen / biß sie seinen Kopff hatten / bey welcher Gelegenheit dann die von seiner Armee noch übrige Türcken / etwann 20000. Mann starck / sich verlauffen haben / sonderlich weil es ihnen auch an Vivres gemangelt hatte / und sie vernommen / daß die gemachte Hoffnung eines Friedens mit den Christen nur ein blösses Vorgeben ohne einige apparenz gewesen sey Dieses ist was von Italiänischen Begebenheiten vor diesen Monat eingekommen.

Das neudte Capitel
[arrow up]

Stellet vor / was in den 17. Niederländischen Provincien sich begeben hat. (Eingang in die Niederländische Geschichten.) DIe Herrschafft in den 17. Niederländischen Provincien ist folgender massen ausgetheilt / daß der König von Spanien einen guten Theil vom Hertzogthum Brabant / das gantze Hertzogthum Limburg / einen Theil vom Hertzogthum Geldern / einen Theil von den Graffschafften Flandern / Hennegau und Namur / sambt der Marggraffschafft deß H. Reichs zu Antorff / und der Herrlichkeit Mecheln besitzet / der König in Franckreich das gantze Heitzogthum Lützelburg / einen Theil von der Graffschafft Flandern / gantz Artois / und einen Theil von Hennegau in possession hat / die vereinigte Staaten oder so genante Holländer irgleichem einen Theil vom Hertzogthum Brabant und Geldern / einen Theil von der Graffschafft Flandern / gantz Holland / Seeland und Zütpfen / wie auch die Herrlichkeiten Utrecht / Frießland / Ober-Issel / und Gröningen in ihrer (Die Niederland seynd dreperl ??? Herrschafften unterworffen.) Union haben; Gleich wie nun diese Länder dreyerley Herrschafften unterworffen seynd / die doch vor ungefehr 120. Jahren nur einen Herrn als den König in Spanien erkennet haben / so entstehen auch zum öfftern sehr blutige und langwürige Krieg daselbsten / wie dann diese Lande / seithero sie sich von einander getreßnet / sehr wenig ruhige Jahr genossen haben / und würde die Cron Spanien sambt den General-Staaten heutiges Tags mit dem ihrigen wohl zufrieden seyn / wann sie von der regiersüchtigen Cron Franckreich nur unangefochten bleiben könte / als welche Cron in vollem Auffnehmen ist / und dahero immer ihre Gräntzen zu erweitern suchet / wie dann der im Jahr 1672. urplötzlich herausgebrochene und bry 7. Jahr continuirte hefftige Krieg selbiges gnugsam bezeugen kan / da Frankreich so viel schöne [119] Conquesten gemacht / so ihme noch immer zu mehrerm anspornet / also daß Spanien und Holland sich wohl fürsehen mag / damit der starcke Liliengeruch sie nicht dermaleins gar an sich ziehe / und ihren Hee???rschafften das Requiem intoniren lasse. Aber genug hievon / wir kommen zu unserm Vorhaben / und erzehlen / was sich in diesen Niederländischen Provincien durch den Monat Januarium schreibwürdiges zugetragen hat / und machen den Anfang mit den vereinigten 7. oder 8. Provincien / wie sie heutiges Tags (Holländische Geschichten.) genennet seyn wollen / die in einer Union beysammen stehen / wovon Holland das Haupt ist: das erste Schreiben / so mir von dannen zu handen kommen / ist aus Nimwegen datirt nachfolgenden Inhalts: (2. Geistliche rauffen sich in der Kirchen mit einander.) Ungefehr 2. Stunden von hier in einem Dorff Brimmien genant / entstund Sonntags den 6. dieses zwischen zwey Geistlichen ein grosser Tumult / indem einer vor den andern mit Gewalt das Ambt verrichten wollen / weßhalben die Bauren sich endlich resolvirten aus der Kirch zu gehen / welche die Thür hinter sich zu machten / und diese beyde allein darinn liessen / so sich immittelst tapffer mit einander herumb gebalget / und soll dieses aus den Ursachen geschehen seyn / weil das Opffergeld bey gegenwärtiger hohen Festzeit mit grösserer Summ als sonsten einzukommen pfleget. Allhier kommen noch täglich viel Flüchtling aus Franckreich an / denen man allen guten Willen erzeiget / und soll den 8. vor dieselbe ein Collect geschehen. Im Land von Cleve haben Jhr. Churfürstl. Durchl. von Brandenburg sechs Frantzösische Prediger ordinirt / und ist Sonntags den 30. paffato zu Cleve die erste Frantzösische Predig mit grosser confluenz der Zuhörer gehalten / (Zu Amsterdam wird den geflüchteten Frantzofen ein bequemer Platz zu einer Kirch angewiesen.) und aus dem 51. Psalm der 20. Vers erkläret worden. Die Herren Vorsteher der Frantzös. Kirch zu Amsterdam haben für die flüchtige Frantzosen noch eine Kirch / ihren Gottesdienst darinnen zu halten / und die Predig anzuhören begehret / worauff der Magistrat der Stadt ihnen die Wahl gegeben / einen bequemen Platz nach ihrem Belieben auszusuchen / nachdem nun dieses geschehen / ist man anjetzo beschäfftiget diesen Bau auffzurichten. Man sagt / daß einige Frantzösische protestirende Officirer nach Mastrich kommen / allda Dienst zu suchen / weil sie aber keine angetroffen / hätten sich dieselbe anders wohin begeben wollen / denen aber die Herren Staaten sagen lassen / daß man ihnen / wann sie sich in den Haag begeben wolten / einen ehrlichen Unterhalt geben wolte / biß sich die Gelegenheit ereignete / sie in Dienste zu nehmen. Letztere Londische Brieff bringen mit / daß den 20. dito daselbst in dem Viertheil von Wapping eine Feuersbrunst entstanden / wodurch in die 50. Häuser in die Asche gelegt worden. Andere Brieff aus dem Haag vom 1. dieses bringen / daß man allda mit grossem Eyser be schäff [120] schäfftiget sey / wie man Sr. Churfürstl. Durchl. von Brandenburg die Subfidien-Gelder / welche der Staat deroselben schuldig verblieben / bezahlen möge / und sagt man / daß Jhro anjetzo 140000. Pfund / das übrige aber innerhalb 3. Jahren jedes ein Drittheil sollen erlegt werden / hingegen verspricht Se. Churfürstl. Durchl. von dero Völckern denen Herrn Staaten 1000. Mann abfolgen zu lassen / sich derselben im Nothfall zu bedienen. Man hat allhier einen Soldaten mir seinem Wetb / die man beschuldiget / daß sie das Silber-Geld beschnitten / examinirt / welche bekennet / daß sie von einem Frantzosen diese Kunst gelernet. Es gehet die Sage / daß man alle Alliantzen / so man mit den protestirenden Potentaten vor diesem gemacht / wieder erneuern wolle / zu welchem Ende der Schwedische Gesandte den 3. bey dem Printzen Audientz gehabt / wobey sich auch zwey Deputirten deß Staats (Die West-Indische Compagnie schliesset einen Commercien-Tractat mit Chur-Brandenburg.) eingefunden. Der Commercien - Tractat der West-Indischen Compagnimit Chur-Brandenburg ist vollkommen geschlossen. Man sagt / daß der König in Engelland 2. Fregatten in See gesandt hätte / umb die Frantzös. Kriegs-Schiff zu observiren, welche sich unterstanden / die Reformirte Flüchtlinge aus dem Pacquet - Booth und andern Englischen Fahrzeugen wegzunehmen. Die Schwedische / Brandenburgische / Lüneburgische / hiesigen Staats und andere protestirende Ministri thun noch täglich allhier Conferentz halten. Der Englische Envoye Monf. le Chevalier Trumbal solle am Frantzösischen Hof wegen der Engelländer / so sich in Franckreich häußlich niedergelassen / und naturalisirt worden / nichts erhalten haben / weilen man haben will / daß sowol die naturalisirte als gebohrne Frantzosen die Römisch - Catholische Religion annehmen sollen. Aus Franckreich hat man mit voriger Post Zeitung gehabt / und mit heutiger Ordinari noch mit 2. andern Brieffen confirmation erhalten / als ob zu Peau in Beard man in der Lufft eine grosse Feuerflamm gesehen / darinnen ein grosse Versam̅lung von Mann und Weiblichen Geschlecht erschienen seye / und man gar eigentlich mit heller Stimme den 89. Psalmen habe singen hören / welcher anfängt: Ich will deß HErren Gnad lobsingen ewiglich / und seine Treu ohn Maaß ausbreiten steriglich / sc. Ob zwar die Verfolgung (Niederländischer Bericht wegen Verfolgung der Reformirten in Franckreich.) / so den Protestirenden in Franckreich widerfähret / sie zum Abfall ihrer Religion zu zwingen / nichts neues mehr ist / so kan man doch nicht unterlassen / der gantzen Welt solches kund zu thun / weil alle Brieff / so aus frembden Landen kommen / fast von nichts anders als von neuer Marter reden / welche den jenigen / so sich widerspenstig erzeigen / angethan wird / und ist nicht wohl zu glauben / daß ein Mensch den andern lebendig begraben solte / für welcher execution doch auch die allergrausamste Menschen ei [121] nen Abscheu haben würden. Nichts destoweniger will gleichwohl solches von den Bekehrern verlauten / umb Catholische Christen zu machen / man zweifelt aber nicht / wann der Aller-Christl. König von diesem abscheulichen Tractament benachrichtiget werden solte / daß sie die Urheber solchen Verfahrens / welches umb Rach gen Himmel und Menschen schreyet / und von keinem Catholischen / wie unbarmhertzig derselbe auch sonst seyn möchte / gebilliget (Die Frantzösische Flüchtling werden vom Printzen von Oranien und den Hrn. Staaten auffgenommen / und wohl accommodi???ret.) werden wird / ernstlich straffen würde. Der Herr Printz von Oranien bezeuget grossen Eyfer und Großmüthigkeit wegen der anhero geflüchteten Officiers / solche unterzubringen / und Charges zu verschaffen. wann sie ankommen / werden selbige 14. Tag lang auff seiner Hoheit Kosten zehrfrey gehalten. Zu Middelburg in Seeland ist ein Reformirter Pfarrer / Herr Casamalot genant / und biß 92. Jahr alt / angelangt: als er zu Bayonne zu Schiff gesessen / hat man ihme alles genommen / so er sich auff der Reise bedienen wollen / und ihme nichts gelassen / als seine Frau und ein Kind / dergestalten / daß sie nichts / dann was sie am Leib gekleydet gehabt / erhalten / und ihnen nicht einmal so viel übrig gelassen worden / daß sie ihr Fuhrlohn bezahlen können / unerachtel gedachter Pfarrer 18. à 20000. Gulden an Gütern in Franckreich hinterlassen hat: nichts desto weniger ist er so vergnügt und befriediget / als wann er nicht einen Stüber verlohren hätte. Der Herr Wilhelm Baron von Diepe hat von denen Dragonern allerhand Oual ausgestanden und erduldet / und haben sie ihme auch unter andern den Bart mit einem Liecht abgebrant / er bleibt aber dannoch bey der Reformirten Religion beständig und fest. Der Herr von Starenberg / dieses Staats Ambassadeur in Franckreich hat von Jhro Hochmögenheit Erlaubnuß erhalten / seiner eigenen Geschäfften wegen anhero zu kommen; solle aber vorhero bey Sr. Aller - Christlichsten Majest. nochmalen anhalten / umb Paßporten vor die Holländische Protestanten in selbigem Reich zu überkommen. Seine Hoheit hält nebst zwey Deputirten und dem Schwedischen Envoye fleissig Conferentz / und arbeitet man an einer Alliantz zwischen den Evangelischen Potentaten gar sehr / zu welchem Ende mit einigen die alten Tractaten verneuert / und mit einigen neue Articul vorgenommen werden / und seynd darzu schon die Consenten von den Provintzien Gröningen / Omelanden und Frießland eingekommen / und werden von den andern stündlich erwartet: Wegen dieser und andern nachdencklichen Ursachen in Religions - Sachen ist der Frantzösische Ambassadeur Comte d' Avaux sehr jelaux, und hat deßwegen citò einen Expressen an seinen König gesandt / auch mündlich versichert / daß mit der Verfolgung nicht mehr so scharpff verfahren werden solle / als vor diesem geschehen. [122] Man höret zwar öffentlich von keinen Werbungen / es ist aber gewiß / daß einige Officirer unter der Hand Patenta erhalten haben / in andern landen (In Holland geben heimliche Werdungen vor.) zu werben / und nimbt man allhier unter dem Deckmantel von recroutiren viel Volck an. Ein junger Frantzösischer Marquis von der Reformirten Religion / welcher mit seiner Mutter in einer Kutschen von Metz aus dem Königreich sich reteriren wollen / sehende / daß einige Reuterey ihn verfolgete / sprunge aus der Kutsche / sagende mit weinenden Augen / Adieu Mama, und lieffe in einen Wald / allwo er einen Schäffer angetroffen / dem er zwey Pistolen gabe / umb seine lumpichte und zerrissene Kleyder zu bekommen / mit welchen er auch durch und biß anhero glücklich angelangt ist. Der Herr Printz von Oranien hat ihn in die Academie gethan / allwo Se. Hoheit auff dero Kosten besagten Marquis alle exercitia unterweisen lässet. Man sagt / daß die Staaten von Holland in den Städten ihrer Provintz zweyhundert hinein geflüchtete Prediger unterhalten wollen. Auch sagt man / daß die Herren General Staaten den Herrn Claude / welcher Pfarrer zu Charenton in Franckreich gewesen / zu ihrem Frantzösischen Historienschreiber machen wollen. Herrn Menards seinen Collegam hat der Herr Printz von Oranien zu seinem Hoffprediger erwählet / bekombt 1400. Livres Bestallung / und solle dem Hoff ja selbsten in Kriegszeiten folgen. (Printz von Oranien erhält auff seinen eigenen Kosten 30. Frantzösische Officiers.) Auch haben Se. Hoheit 30. der vornehmsten Frantzösischen Officirer / so sich anhero reterirt haben / erwählet / und unterhält solche auff dero eigenen Spesen und Kosten. Die Staaten der Provintzen von Frießland / Grönningen / Ommellanden und Ober - Issel haben beschlossen / allen Römisch-Catholischen Advocaten / Notarien und Procuratorn ihre Bedienungen zu benehmen / und welche militarische Charge haben / wann sie sterben / sollen an deren Platz lauter protestirende angenommen werden / welchen andere Provintzen auch nachfolgen / und dergleichen thun dörfften. Obwolen die Infantin von Portugall eine vortreffliche schöne und Tugend - begabte Princessin ist / so ist sie doch darbey so unglücklich / daß alle Heyraths-Handlungen keinen Fortgang gewinnen / und haben zwar ihrer viel dieser Princessin (nachdeme die Heyrath mit dem Hertzog von Savoyen / welche schon so viel als geschlossen gewesen / wieder zurück gegangen) begehret / deren sie auch keinen ausgeschlagen / so ist doch jedesmal??? durch eine unbegreiffliche Göttliche Vorsehung etwas darzwischen kommen / welches den Fortgang solches Ehe-Gelübds verhindert hat. Von Roschelle hat man / daß daselbst / und an andern Orten mehr / denen Neubekehrlen bey Sttaff funffzig Gulden das erstemal / zum zweytenmal hundert und ferner doppelt anbefohlen worden / alle Sonn- und Feyertäg in Meß zu gehen. [123] Man sagt / daß der Marschall de Schomberg nach gehabter Audientz bey dem König in Franckreich nach Berry abgereiset seye / der Hertzog de la Force aber / dessen Diener einer allhier solle ankommen seyn / sich annoch zu Pariß befinde. Den 8. dieses ist zu Rotterdam ein wohlhabender Kauffman in Baurenkleydern / ein Kramerlade vor sich tragend / unter welchem Schein er von Rouan entflüchtet / ankommen. In Dennemarck ist man im Werck begriffen / mit hiesigem Staat wegen der ruckständigen Subsidien eine liquidation zu machen. Jhro Hochmög. aber wollen durch ihren daselbst sich befindenden Envoye es dahin richten / daß deren particulier-Forderungen von solchen Subsidien-Geldern decurtirt werden sollen / welches auch am Dähnischen Hof dörffte angenommen / und also beyderseits Praetensiones gegen einander liquidiret und auffgehoben werden. Die Hnn. (In Holland will man auff das Frühlahr??? 40. biß 50. neue Kriegs-Schiff equippiren.) Staaten von Holland seynd den 12. früh mit denen Deputirten von der Admiralität in Conferentz gewesen / und sagt man / daß in derselben seye geredet worden / 40. biß 50. neue Kriegschiff für den nechstkünfftigen Frühling bauen / und unterdessen alle die alten ausbessern zu lassen / damit man sich ihrer im Nothfall bedienen könne. Es haben viel vornehme Officier / sowohl Teutsche als Holländer / denen Herren Staaten eine Supplication übergeben / in welcher sie dieselbige ersuchet / ihre dem Staat geleiste Diensten zu bedencken / und auff ihren Unterhalt / gleich wie sie für die Frantzösische Officirer / so sich in ihre Lande reterirt hätten / bedacht zu seyn / und sagt man / daß ihrer vielen die Hoffnung seye gemacht worden / daß sie auff nechstkünfftigen Frühling sollen befördert werden / welches dann ein Anzeigen zu neuen Werbungen seyn würde / es ist aber die Sach noch ungewiß. Die Herren von Rotterdam seynd beschäfftiget in ihrer Stadt für das aus Franckreich geflüchtete Weibsvolck ein Hauß / wie die zu Harleim gethan / auff Art und Weiß eines Klosters anzurichten / jedoch mit diesem Unterschied / daß man wieder daraus gehen kan / wann man will / dieses ist eine grosse Bequemlichkeit für die jenige / so die übrige Zeit ihres Lebens in stiller Ruhe zubringen / und sich aller Weltfreud und Uppigkeit entziehen wollen / das Kostgeld / so man gibt / ist gantz gering / und wird denen jenigen (In der Frantzöf. Kirchen zu Rotterdam wird ein Mohr getaufft.) / so nichts darein zu geben vermögen / darzu gesteuert. Daselbst zu Rotterdam hat man den 13. dito in der Frantzös. Kirchen einen Mohren getaufft / dahin sich viel vornehme Leut aus dem Haag und denen umbligenden Orten begeben / diese Solennität mit anzusehen. Es gehet im Haag die Sag / daß der König in Engelland seinem Gesandten an dem Frantzös. Hof Ordre zugeschickt habe / daselbst Ansuchung zu thun / daß von dem Aller-Christlichsten König dem Printzen von Oranien sein Fürstenthum wie [124] der eingeraumt und dasselbe in ihre alte Recht und Privilegien gesetzt werden möchte: Ingleichem sagt man / daß der Käyser das Testament / welches der Graf von Bentheim gemacht / bekräffuget habe / jedoch deß Rechtens / welches die junge Grafen auff dessen Güter haben möchten / unverfänglich / wan̅ sie sich nemlich deß Schutzes ausländischer Potentaten begeben. Bemeldten (Der Schultheiß zu Rußwick fährt einen Römischen Geiftlichen ins Gerichthauß.) 13. diß hat der Schultheiß von Rußwick nebst dem Drost vom Hoff von Holland und dessen Diener / den Römischen Geistlichen / so sich daselbst halstärriger Weiß (ungeachtet man denselben bereits zum öfftern wegen Verrichtung deß Gottesdiensts gewarnet) auffgehalten / in vollkom̅enem Meßgewandt gegriffen / dieweil es aber das erstemal gewesen / so hat gedachter Schultheiß die Person nicht in solchem Ornat / sondern denselben nebst gedachtem Geistlichen in das Gerichthauß geführet / woselbst derselbe auch noch verwahret wird. Die Versam̅lung / worinnen er apprehendirt worden / bestund wohl in 500. Personen / und wiewohl das Silber und Gold nebft dem Zierrath deß Altars Preiß gewesen / so hat jedannoch gedachter Schultheiß umb seine Edelheit sehen zu lassen / besohlen / alles unangerührt und unverletzt stehen zu lassen. Den 14. seynd abermal zu Mattricht einige Röm. Catholische Frantzosen / und darunter 2. Geistliche angekommen / welche sich alle daselbst (Der Alliantz-Tractat zwischë Schweden und Holland wird erneuert.) in der Reformirten Religion unterweisen lassen. Der Alliantz-Tractat / welcher zwischen der Cron Schweden und dem Staat der vereinigten Provintzen gewesen / ist dieser Tagen wieder erneuert / und biß zur expiration und Verfliessung deß Stillstandes der 20. Jahren prolongirt und verlängert / und zugleich mit solchem stipu???rt worden / daß im Fall der Noth eine Parthey der andern mit sechstausend Mann und zwölff Kriegsschiffen assistiren und zu Hülff kommen sollen. Man glaubt / daß auch andere protestirende Potentaten sich in die Alliantz begeben werden. Die Frantzösische Marggräfin von Artaignon oder Pellegrat, deren Sohn in Hirtenkleydern vor etlichen Tagen sich anhero salvirt hot / ist nebst ihrer Tochter auch allhier angelangt / und seynd aus ihrem Arrest zu Valencienne entwischet; sie ist bey ihrem Sohn auch in der Academie einlogirt. Den 15. dieses haben die Herren General Staaten einen Fonds oder Satz von 10000. Rhlr. zu Unterhaltung einiger anhero geflüchteten Pfarrern regulirt und destinirt. Ingleichem haben die Staaten der Provintz Holland einen Satz von 40000. Rhlr. zur Besoldung der aus Franckreich dahin reterirten protestirenden (Mons. S???elvon E???scher Envoye gehet nach Londen.) Kriegs-Officierers gemacht. Den 22. ist der Königl. Engell. Envoye Mons. Skelton nach Londen abgereist / hingegen selbigen Tags der Churfürstl. Brandenburgische Envoye Herr von Diest wieder im Haag angelangt. Von Stockholm wird mit letztern Brieffen berichtet / daß selbiger König [125] denen Protestirenden / so sich in seinem Königreich häußlich niederlassen werden / seinen Schutz und ansehnliche Privilegien versprochen. Englische Brieff melden nichts mehr von deß Königs Reise noch Schottland / es lauffe aber ein Gerücht / daß Se. Maj. sich gegen dem Lord Major habe vernehmen lassen / sie verlange eine Guarnison in die Stadt Londen ias Quartier zu legen / worüber einige einen bösen Argwohn schöpfften / die rechtschaffene Engelländer aber / so versichert seyn / daß ihr Monarch keinen andern Vorsatz habe / als seinen Thron zu befestigen / damit er sie beydes wider die außwärtige Feind / als die übel-gesinnete innerhalb deß Königreichs beschützen möge / leben also ruhig und ohn alle Forcht / ihre Privilegien zu verliehren / oder einige Veränderung in Kirchen-Regiment zuerfahren / und dieses umb soviel desto mehr / weil sie das Wort und Versprechen eines so grossen und mächtigen Königs zum Bürgen haben / der sichs für seinen grösten Ruhm schätzet / dasselbe ohne einige Aenderung zu halten und zu vollziehen. Der Frantzös. Ingenieur hat mit seinem Kunstfeuer eine Probe gethan / welches aber der Graf von Horn / und Obrist Goulon nicht gut geheissen / weil sie gesehen / daß es so mit denen / so sich dessen bedienen / als dem Feind Schaden bringen könte. Man redet / eine Compagni von Frantzös. Cadets oder jungen Edelleuthen auffzurichten / deren jeder täglich 10. ä 12. Soes bekommen jolle. Der Königl. Schwed. Envoye hat der Princessin von Oranien (Der Schwedische Envoye regalirt die Princ???ssin von Oranien ansehnlich.) Namens Sr. Königl. Maj. von Schweden eine Service oder Gesäß zu einer Tafel von Crystall / so über alle massen wohl gearbeitet ist / verehrt / man sagt / daß Ihr. Churfl. Durchl. von Brandenburg fest gestellt haben / 2. Regimenter von denen Frantzös. geflüchteten Reformirten / als eines zu Fuß und eines zu Pferd / jedes von 12. Compagnien auffzurichten; und im Fall daß mehrere Officiers kommen möchten / als zu besagten 2. Regimentern nöthig / haben seine Churfl. Durchl. resolvirt / solchen so lang Unterhalt zu geben / biß man sie auch gebrauchen könne. Am Spannischen Hoff wird den meist Geldgebenden / die Vice-Royschafft in Mexico, praesentirt. Die Engelländer haben alldar angebotten / ein Esquadre Schiffe in der Enge von der Strasse zu halten / umb gegen Ankunfft der Gallionen aus West-Indien / auff die Frantzosen ein wachendes Aug zu haben; und ist ihnen auff ihr Ansuchen verwilliget worden / in Gibraltar ein Magazin auffzurichten. Von einem Heurath zwischen dem König von Portugall und der Princessin Maria Anna von Pfaltz-Neuburg wird noch starck gesprochen / davon aber die Zeit das gewisseste offenbah???en wird. Von Hannover hat man / daß selbige Völcker den 15. dieses ihren Marsch nacher Dalmatien fortgesetzt haben. Die Sachsen-Eysenachische [126] Printzen befinden sich annoch dahier. Dahier ist auch ein Frantzös. Capitain angekommen / so wegen der flüchtigen Frantzosen etwas vorzubringen / in Commission haben solle. Den 25. dieses seynd die Ratificationes (Die Ratificationes über den Tractat der Gräntzscheidung zwischen Holland und Lüttich werden außgewechselt.) über den Tractat wegen denen Gräntzscheidungen von dem Lüttig. und dieses Staats Bodem und Gebieth / gegen einander extradirt / und außgewechselt worden: der wegen denen Commercien stehet noch in vorhergehendem Stand. Der König von Engelland hat die Antwort / welche dessen Endvoye in Franckreich auff sein übergebenes Memorial wegen Restitution deß Fürstenthumbs von Oranien an seinen rechtmässigen Printzen erhalten / übel auffgenommen / und sagt man / daß Se. Königl. Majest. von Groß-Britannien denen Hrn. General-Staaten der vereinigten Provincien / habe sagen lassen / sie wolten zugleich miteinander noch einmahl in der Güte besagte Restitution begehren lassen / und wann man sich dazu nicht verstehen wolle / und fortfahren solches abzuschlagen / sich in gute Positur zu stellen / und zu Wasser und zu Land atmiren / gleichwie Se. Majest. deß Hrn. Printzen von Oranien / als ihres Tochtermans Interesse in handen nehmen wolten / zumahln Se. Majest. ihme versprochen / entweder auff eine oder andere Weiß ihme wegen seines Fürstenthumbs Oranien Raison und Satisfaction zu verschaffen / zu dem Ende Se. Maj. 20000. Mann bey Londen halten werden / umb sich derer im fall der Noth bedienen zu können. Den 26. diß hat der Landtag der Clevisch- und Marckischen Land-Stände zu Cleve seine Endschafft erreichet / und haben ermeldte Stände / die geforderte 200000. Reichsthl. worunter auch die Landtags-Kosten mit begriffen accordirt. Man sagt / daß der Hr. Bischoff von Londen nebst einigen andern qualificirten Persohnen in hiesige Lande kommen werden; Einige sagen / daß es beschehe / zu erwarten / wieder in Gnaden zu kommen. Andere aber umb einige vortheilhafftige Sachen zwischen der Eron Engeland und diesem Staat zu negotiiren: davon aber die Zeit ein gewisses lehren wird. Der König von Franckreich hat nun erlaubet / daß alle Frembdlingen / so nicht naturalisirt seynd / abreisen mögen / daferne sie ihre Weiber und Kinder alldorten lassen. Auch solte allen frembden Kauffleuthen / und andern protestirenden Frembdlingen / von was Religion sie seyen / erlaubt seyn in sein Reich / mit ihren Weibern und Kindern / Haußgenossen und anderen von ihrer Nation nebst ihren Gütern und Wahren / zu kommen / und wieder frey wie vorhin abreisen / jedoch kein Exercitium ihrer Religion üben / noch jemand seiner Unterthanen (Hr. von Starenberg gewesener Gesandter in Franckreich langt im Haag an und thut rappoit von feiner Verrichtung.) trachten zu verführen. Den 26. diß ist dieses Staats in Franckr. gewesener Envoye Hr. von Starenberg dahier zurück gelangt / und hat gestern in Versamblung Ihrer Hochmög. von seiner Verrichtung Bericht gethan. [127] Man sagt / daß unter andern Flüchtlingen aus Frankreich auch der Hertzog de la Force, nebst deß Hn. Le Goulon berühmten Ingenieurs-Frau in diesen Landen angekommen seyen. Ihro Edle Großmög. haben beschlossen / die alten Placcaten zu erneuern / durch welche verbotten wird / daß nirgends in dero Landen / und Bezirck einige Römisch-Catholische Kirchen oder Schulen / noch auch frembde Jesuiten / Capuciner / noch einige andere frembde Ordens-Mönche / nicht weniger einige Nonnen und Kloster-Frauen / geduldet und geheget werden sollen; außgenommen denen / so solches vorhin erlaubet ist worden. Zu Amsterdam ist auff der Beurs eine geschriebene Warnung angehefft gewesen / daß ein Gesandter von der Clerisey in Franckreich daselbst ankommen sey / umb einige Flüchtling zu fassen / und mit Schiffen wegzuführen / weßhalben solchen Flüchtlingen gerathen würde / ungesäumbt das Burgerrecht zu kauffen. In Franckreich ist allen Predigern erlaubt worden / hinweg zu gehen / weil man vermeint / daß / wann die Hirten hinweg / die Schaf alsdann desto ehender umbsatteln würden. Dieser Flucht der Prädicanten / hat sich eine sichere Dame von Qualität bedienet / die den Prediger / mit welchem sie glücklich überkommen / zur Danckbarkeit beschencken wollen / so solches anzunehmen geweigert / hat aber darnach solche Dame felbst nebst allen ihren Reichthumb überkommen. Es schöpffen einige aus der Reyse / welche der König in Franckreich nechstkünfftigen Frühling ins Ersas thun wil / nit geringen Argwohn / und sagen / daß in der Pfaltz unfehlbar ein Krieg entstehen werde / zu welcher Forcht dann die Ordre / welche die Frantzös. Officirer empfangen haben / sich vor den 20. Febr. in ihren Guarnisonen einzufinden / nebst der starcken Kriegs-Rüstung in Provence nicht geringen Anlaß gibt / man vernimbt aber durch particulier-Nachricht / daß diese Forcht gantz unnützlich und vergebens seye / weiln gedachter König kein anders Absehen habe / als das in dero Königreich angefangene Werck / womit es bereits sehr weit kommen / vollends außzuführen / und Europä Ruh und Frieden zu lassen. Dann was die Anforderungen / so die Princessin von Orleans auff die Pfaltz hat / belange / wären dieselbe von keiner so grossen Wichtigkeit / deßwegen einen Krieg anzufangen / zumahln man sich dessen gantz versichert halte / daß Se. Churfl. Durchl. zu Pfaltz es zu keiner Extremität kommen lassen / sondern diesem begehren / wann man es anders für billich erfordert / statt geben werde. Den 26. seynd die Hnn. Staaten (Den 26. seynd die Hn. Staalen wegen wichtiger Angelegenbeiten 12. Stund aneinander beysammen versamlet gewesen.) Morgens umb 7. Uhr diß wieder umb 7. Uhr bey einander versamblet gewesen / weiln nun diese Versamblung 12. gantzer Stund gewähret / so versichert man sich / daß viel Sachen zu deß Lands besten werden abgehandelt worden seyn / unter andern aber hat man sich entschlossen / die von dem letz [128] tern Krieg her noch hinterstellige Schulden zu bezahlen / und ist auch allda von einem Handels-Tractat zwischen diesem Staat / und den Nordischen Kronen geredet worden / worauff die Hrn. Staaten voneinander geschieden / und werden nicht eher / als den 12. Febr. künfftigen Monats wieder zusammen kommen. Den 29. haben sich wieder einige Frantzös. Flüchtlinge bey dem Chur-Brandenburg Envoye Hrn. von Diest angegeben. Deß Tags zuvor ist auch deß Marq. de Tillars Bruder / so nebst 24. à 25. andern Persohnen aus Franckreich entflohen ist / allhier angelangt. Von Brüssel als der Residentz-Stadt deß General-Gubernatorn der (Von Spannischen Niderländis. Geschichten.) Spannischen Niderlanden / wird geschrieben / daß zwischen den Königlichen Spannischen Beambten / in der Provintz Geldern / und den Chur-Brandenb. im Clevischen Land einige Difficultäten entstanden seyen / worinn sie wegen einiger Bottmässigkeit disputirt / und einer dem andern einige Pferd und Rind-Viehe durch Repressalien weggeführt habe / ohne daß man eigentlich wisse / wer angefangen habe; sie haden auch einigen angräntzenden Dorffschafften verbotten / die behörige Contributiones zu bezahlen; welche disputen anhero nacher Hoff berichtet worden / weßhalben man nun von beyden Seiten einige Beambten zusammen kommen lassen wird / umb mit denen Ministern an hiesigem Hoff zu conferiren / und alles in der Güte zu vergleichen und beyzulegen. Den 2. dito hat man wieder angefangen und fortgefahren / deß verstorbenen Hn. Marq. de Grana Mobilien zu verkauffen. Die Frantzosen machen wieder einige Anforderung auf die Provintz Namur. Vor etlichen Tagen ist der Hr. Graff Philippus von Bosru gestorben. Nachdem (Don Joseph de Frias Kon. Portugesis. Gesandter gehet durch Brüssel nach Spaunien.) Don Joseph de Frias, von dem Englischen Hof / allwo er als Königl. Portugallischer Envoye gewesen / zurück geruffen worden / ist er von dannen durch Holland und diese Lande / und den 7. dieses durch hiesige Stadt gereiset / umb seinen Weg durch Franckreich nach Madritt zu nehmen / und am Königl. Spannischen Hoff eben solche charge, gleichwie er in Engeland gethan / zu exerciren. Das Spannische Regiment von Don Martin de los Rios, so den 15. dieses allhier angelangt / ist 160. Mann effective starck und eine schöne Mannschafft. Englische Brieff melden / daß selbiger König resolvirt hat / sein Parlament biß den 20. May zu prorogiren; Pariser Schreiben bringen / daß der Sr. Patovillet wegen denen Commercien-Sachen nacher Madritt und der Sr. Feraud Schiffs-Capitain in Holland gehen werde / umb von denen Hrn. Gen. Staalen Namens deß Königs alle die protestirende Frantzosen / welche sich in ihre Landen retirirt haben / wieder zu begehren / und sie wieder in Franckreich schicken zu lassen. Weiln der Abt Morell ohne Satisfaction aus der Pfaltz zurück nach Hoff gekommen / und [129] Königs Reise gewiß ist / und 6. Monath wäh???en solle / als wollen einige etwas sonderlichs der Gegend vermuthen. Dornicker Brieff geben / daß der Mareschall d' Humiers zu Ryssel erwartet werde / und daß zu Valenciennes Inspecteurs angekommen wären / welche sich in alle andere cedirte Städt vertheilen / und darin̅en provisiones machen sollen / gleichsam als wann Spannien den Krieg Franck???eich oder viceversa ankündigen würde. Der Chevalier de Gremonville, Commandeur von Chantrence, nachdem er seine Sachen an hiesigem Hoff verrichtet / ist wieder nach seinen Gouvernament verreist. Der Hr. Printz de Vaudemont, so innerhalb 4. Monathen wegen Unpäßlichkeit nit aus seinem Logiament gekommen / hat sich den 19. dieses (Don Francis. d' Augourto wird von König in Svannien im General-Gouvernament der Spannischen Niderlanden confirmirt.) zum erstenmahl wieder in die Kirch tragen lassen. Don F???ancisco Antonio d' Augourto ist nit allein von Sr. Cathol Maj. im General-Gouvernament über diese Spannische Niederlanden confirmirt / sondern auch zu gleicher Zeit von Sr. Cathol. Majest. mit dem Titul von Marq. in Castillien vor ihn- und seine Nachkömblingen auff ewig beehrt worden / mit Befelch ohnverzüglich im Pallast zu logiren / welchen alle seine Vorfahren seithero der Abreiß deß Don Jean d' Austriâ bewohnet haben. Von Madritt hat man / daß die Printzen Radzevils von dannen nacher Portugall abgereist seynd. Den 20. dieses ist der Holländ. Ambassadeur Hr. von Starenberg aus Franckreich kommend / allhier angelangt / so nun seine Reise nach den Haag fortgesetzt hat. Die Frantzosen lassen eine grosse Menge Bomben und Carcassen auff die Gräntzplätze zusammen führen und thun zu Charlemont und Givet grosse Magazinen auffrichten. Auch haben sie sich zu Thuin, einer Stadt im Lüttiger Land gehörig / auff der Sambre / zwischen Maubeuge, und Charleroy gelegen / und andern vortheilhafftigen Posten eingefunden. Und dieses ist / was in denen Niderlanden diesen Monat durch passiret ist.

Das zehende Capittel
[arrow up]

Handelt von den Schweitzerischen Zufällen / wie auch von deme / was aus den 3. Welt-Viertheiln von Asia, Africâ und Americâ diesen Monat denckwürdiges eingekommen ist. (Schweitzerische Geschichten.) DIe Schweitzerische Eydgenossenschafft der 13. Cantons seynd seither ihrer Vereinigung wenig Außländ. Kriegen unterworffen ge [130] wesen / dann weiln sie in einem verschlossenen Land sitzen / da man nicht wohl beykommen kan / hat sich niemand an dieselbige so leicht reiben wollen / absonderlich da sie im Attaquirungs Fall in so weit einig seyn / daß sie sämbtlichen vor einen Mann stehen / ob sie gleich sonst der Religion halben zum öfftern sich miteinander wacker herumbgeschlagen haben; Es bestehet aber die gantze Schweitz in nichts als Römisch-Catholischen und Reformirten Inwohnern / diese beyde Religionen lassen keine Evangelische oder Lutherische in ihrem Land sich häußlich niederlassen; Ich werde zu anderer Zeit die gantze Schweitz außführlich zu beschreiben / mir vornehmen / dißmahln aber die dasige Begebenheiten von Monat Januario abhandlen / so in folgendem Bericht bestehet. Daß mit Ende deß verflossenen Jahrs die Differentzien / welche alldorten unter den Cantons geschwebet / glücklich außgemachet / und verglichen worden seyen; daß sie einen Be???t- und Fastag gehalten und sehr andächtig gefeyret haben; daß die Evang. Cantons in ihrer letzten Versamblung beschlossen (Bergleichung wegen der angelangten Flüchtlinge.) haben / daß von 100. Flüchtlingen / welche sich in die Schweitz retiriren werden / Bern davon 50. Zürich 30. Basel 12. und Schaffhausen 8. nehmen und unterhalten soll. Vor besagte Flüchtlinge hätte man eine neue Collecte gethan / und dardurch weit mehr Geld bekommen / als bey den vorhergehenden. So habe der Baron Raßler nun glücklich die Strittigkeiten / so wegen dem Costnitzer-See / zwischen der Stadt Costantz und denen Hnn. Cantons / eine geraume Zeit hero obhanden gewesen / beygeleget und verglichen; So beyderseits grosse Freud verursacht hat. Etliche in Burgund einquartirte Reuther haben in denen nechstgelegenen Bernerischen Dorffschafften und Mäyerhöffen fouragiret / als man ihnen dessen müssig zu gehen / in der Güte untersaget / seynd sie desto stärcker wiederkommen; worauff sich die Baurn versamblet / die Reuther mit Gewalt abgetrieben / und 5. à 6. Reuther niedergemacht haben. Zu Hünningen wird mit dem Fortifications-wesen immer starck fortgefahren / und wird getrachtet / die im Rhein ligende Insul an das veste Land Marggräffl. Seiten zu hencken / indeme bey jetzigen kleinen Wasser eine grosse Quantität Stein und Grund / zwischen die Insul und das Land verschüttet wird / damit man ohne Bauung einiger Brücken / darüber fahren kan / ob aber bey angehendem (Die Stadt Genf schöpffet ombrage wegen zwe???er Compagnien Frantzös. Reuther.) grossen Wasser dieses bestand haben werde / lehret die Zeit. Von Genff hat man Zeitung / daß 2. Compag. Frantzös. Reuther ins Land Gex nicht ferne von selbiger Stadt gekommen wären / unterm Vorwand / daß sie denen Reformirten Flüchtlingen den Weg wolten abschneiden / welches alldar sothanige ombrage verursachet / daß sie sich nach Vermögen in postur gestellet / [131] und ihre Fortificationes verstärckt hätten: umb d sto mehr / weilen man sagte / daß die Frantzosen unter deß Marschall d' Hum???ers Commando im Delphinat 30000. Mann versam̅leten / wordurch auch gantz Schweitzerland allarmirt ist. Uber das fordert der Herr Bischoff von Basel von der Stadt Basel den Dohm mit allen Dependenzien. Die Frantzosen haben eine grosse Quantität von Munition und Feuerwercken und andere Provisiones nach Hünningen gebracht. Gegen medio Aprilis wird der König von Franckreich im Elsas erwartet. Entzwischen melden Brieff aus Zürich vom 19. dito / daß der Magistrat selbiger Stadt einen ihrer Secretarien / Werthmüller genant / authorisirt, umb denen geflüchteten Reformirten Frantzosen nach beschehenem Untersuch aus denen gemeinen Geldern zu assistiren und Hülff zu leisten. Von besagten Flüchtlingen seynd mehr als 2000. in hiefige Stadt gekommen / und werden die Bedürfftigen gekleydet / und ihnen Unterhalt gegeben; sie werden in die benachbarte Städte dieses Cantons nach proportion versendet / unter welchen sich viel von hoher Qualität allhier befinden. So viel aus der Schweitz. Womit wir vor dißmal unserm weltberühmten Europae Abschied geben / und dem großgünstigen Leser die wenige Geschichten / so in denen 2. Welt-Viertheilen von Asia und Africa sich zugetragen / (worvon eins und das andere / obs zwar schon vorm Jahr sich begeben / doch wegen weiter Entlegenheit erst diesen Monat eingekommen ist) vorstellen / und hiervon nachstehenden Bericht abstatten wollen. Abdruck-Schreibens aus Ispahan der Königl. Residentzstatt in Persien / vom 13. Julii 1685. Nachdem erst vor 9. Monaten hier die recht gründliche Warheit mit allen Umbständen kund geworden / wie es eigentlich mit der Belägerung der Stadt Wien als deß Europ ???ischen Käysers Residentz abgelauffen (nachdem die Türcken uns vorhero alle gewisse Nachricht abgeschnitten / so daß man anders nichts als grundlose Zeitung haben kön̅en) so hat man deß Poln. Residenten (Persianer wi??? dem Türcken den Krieg aukündigen.) seiner Zeitung endlich Glauben gegeben / und dahier solcher Türck. Haupt-Niederlag sich zu bedienen die Gedancken auch auff Kriegssachen geleget / darzu nicht wenig contribuiret haben die geistliche München / welche an diesem Hoff in Ansehen seynd / und gehet dieses mit einem Expressen / [132] welchen gedachter Resident an seinen König abfordert / mit der Notification, daß vor Anfang deß ersten Neumonden in dieser Residence, und vor Außgang deß folgenden Monden in gantz Persien / Farsen / Meden und allen Provincien der Krieg wider die Türcken außgeblasen werden soll / da man unterdessen alles zu einem überaus grossen Kriegs-Heer verfertiget / und vorerst 30000. Pferde nach denen Türckischen Gräntzen commandirt hat / welche am Tag deß Krieges Ankündigung zugleich mit Hostilitäten den Anfang machen sollen / das Ottomannische Reich dardurch in desto grössern Schrecken zu setzen / und bey denen so sich etwa sonst in Dienste wider uns möchten annehmen lassen / andere Gedancken zu erwecken. Indessen ist hier zu solchem Vorhaben alles wohl gemuth und grosse Hoffnung in der ersten Campagne Babilon zu erobern / und darzu desto leichter zu gelangen / hat man mit denen Europäern auff Java wohnend / gute Verständnuß gestifftet / umb von ihnen einige grobe Büchsen-Schützen oder Constabler zu erlangen. Abdruck-Schreibens von Salee aus Africâ, von 10. Decembr. 1685. Der Käyser von Marocco, als unser König liegt noch siegreich zu Feld wider seinen Vetter / dessen Armee er geschlagen hat / und hat er selbst in der letzten Battallie an dreyen Wunden seinen Geist auffgegeben. So ist auch die Hauptstadt St. Cruiß durch die unsrigen erobert / und nur noch Tarrodent übrig / wann solche Stadt auch erobert ist / so herrschet unser König biß an die Gui???sische Cüste. Abdruck-Schreibens von Thunis aus Africâ von 20. Januar. Diese Stadt bleibt noch immer zu Lande von drey Armeen durch die Gebrüdere Bey / und denen von Algiers von allen Seithen sehr hart belägert / dergestalten daß die Lebens-Mittel sehr theuer werden / und nicht wohl zu bekommen seynd / wordurch allhier groß Elend verursacht wird.
|| [133]
Abdruck-Schreibens von Aleppo aus Asiâ vom 30. Januar. Die Handlung wird alhier wegen Rauberey der Araber / welche den Hussen Bassa, der in 3. oder 4. Tag wohl 8. à 10000. Mann zusammen bringen kan / zu ihren General haben / sehr turbiret; Es ist aber von Constantinopel an die Bassa von Tripoli, Soria, Damasco, und deme in dieser Stadt Ordre eingelauffen / daß sie darwider die nöthige Anstalt machen sollen. ENDE Desz ersten Theils.
|| [134]

THEATRI NOVI POLITICO-HISTORICI
[arrow up]

Anderer Theil / Worinnen zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige Begebenheiten / so sich im Monat Februario deß 1686sten Jahrs in der gantzen Welt zu Wasser und Land ereignet haben.
Das erste Capitel Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien / sowohl / als in Böhmen / Mähren / Schlesten / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und begeben hat. IM vergangenen Monat habe unter dem Titul der Kayserlichen Geschichten gemeldet / wie daß Ihro Käys. Majest. sowohl mit Chur-Brandenburg als (Käyserliche Geschichten.) Chur-Sachsen auff etliche tausend Mann wider den allgemeinen Erbfeind capitulirt habe / wobey die Chur-Brandenburgische Trouppen specificirt, der Chur-Sächsischen aber mit wenig Worten gedacht habe / weilen man nun mit Anfang dieses Monats den ei [135] gentlichen Inhalt der mit diesem Churfürsten auffgerichten Capitulation der versprochenen Auxiliar-Völcker halben vernommen / als habe solche dem großgünstigen Leser auch communiciren wollen / die dann darinn bestehet / (Chur-Sachsen schicket 4500. Mann und Chur-Brandenburg 7000. Mann zum Türckenkrieg in Vngarn.) daß selbige Trouppen 4500. Mann starck gantz umbsonst und ohne weitere dargegen empfahende Satisfaction hergegeben / von Anfang deß Frühlings 6. Monat in Ungarn stehen bleiben / von dem Churfürsten auff eigenen Kosten unterhalten / und von Hertzog Christian zu Sachsen Hall / nebst dem Grafen von Trautmannsdorff commandirt werden sollen / und ist bereits der Cyur-Sächsische General-Kriegs-Commissarius nacher Raab und Comorren abgereiset wegen Auffrichtung eines Magazins zeitlich Anstalt zu machen. Uber die 7000. Mann / so Ih. Churfürstl. Durchl. von Brandenburg Ih. Käyserl. Maj. zum Succurs in Ungarn schicken / wollen Se. Churfürstl. Durchl. deroselben auch eine Summa von 300000. Rhlr. bey der Cron Spanien in Abschlag deroselben an Ih. Königl. Maj. habenden gantz richtigen und liquiden praetension wegen restirender Subsidien / aus dem Tractat de Anno 1674. zu Behuff und Fortsetzung deß Tückenkriegs cediren, und die dißfalls benöthigte cessiones und Quittirungen bey der Ratification ausantworten. Uber die aus Persien eingelauffene Relationes hat man dieser Tagen conferentien gehalten / und deliberirt, ob es nöthig seye / sine Gesandschafft an selbigen König von hier abzufertigen / umb denselben so viel mehrers zu der ruptur contra Ottomannicum Imperium anzufrischen; unter andern Particularitäten war auch dieses angefügt / daß die Curthier Türck. Unterthanen / welche an Persien stossen / den von der Ottomannischen Porta ihnen ertheilten Befelch die Waffen gegen die Christen zu ergreiffen / nicht allein keine parition geleistet / sondern würcklich rebellirt / und zu denen (Eine Relation vom General Mercy wegen beschehenen Einfalls in die Vorstatt zu Gegetin.) Persianern gestossen. Der General Mercy hat unterm 10. passato die ausführliche Relation über den zu Segetin neulich beschehenen Einfall dieses mehrern Inhalts an Ih. Käys. Maj. überschicket / daß er die daselbige Palancken glücklich erobert / eine grosse Anzahl Vieh / Maul- und Cameelthier / Pferd und Proviant / Munition / auch andere kostbare und reiche Sachen / sambt 5. metallenen Stücken und 2. paar Paucken über kommen / viel Türcken erschlagen / und zu Sclaven gemacht / und dann alles übriges in die Aschen gelegt / und mit reicher Beut sich wiederumb nach Zollnock gewendet. Von dem General-Kriegs-Commissariat-Ambt wird nun auch die vorfichtige Anstalt gemacht / damit die durch jüngste reduction reformirte Officirer ihre aggregirte portiones würcklich geniessen mögen / wordurch dan̅ manchem prafen Soldaten biß zu weiterer accommodirung eine consolation widerfähret / zumal man dieser Leute bey bereits resolvirter Fortsetzung deß [136] Kriegs noch sehr nöthig haben wird. Den 10. diß ist deß Käyserl. Obrist Cammerers Ih. Fürstl. Gn. von Dietrichstein hochzeitlicher Ehrentag mit der Fräulein Trautsohnin bey Hof vollzogen worden / worbey beyde Hn. (Der Fürst von Dietrichstein vermählet sich mit einem Fräulein von Trautsohn.) Hn. Spannisch- und Venetianische Bottschaffter als Brautführer / 65. Cavalier / die vornehmste Käyserl. Ministri, auch der mehreste Theil der anwesenden Käyserl. Cammerherren in schönstem Auffbutz erschienen seynd. Den 11. wurde die Heimführung von Hof in seine Behausung gehalten / allda bey der Mahlzeit 400. kostbare Speisen ohne das Schau-essen auffgetragen worden. Den 12. hat hiesiger Bischoff ein Graf von Trautsohn denen beeden Verlobten zu Ehren ein sehr kostbares Panquet gegeben / wobey auch die auswärtigen Bottschaffter und Käyserl. Ministri gegenwärtig gewesen / und werden diese festivitäten nun durch die gesambte Dietrichsteinische (Die Juden werden abgewiesen.) Familie continuiren. Uber die von der Judenschafft gegen Erlegung einer ansehnlichen Summa Gelds versprochene Aufferbauung der Vorstatt S. Ulrich und Unterhaltung der gantzen Käyserl. Armee durante bello Turcico, eingebrachte Bitt / und Anruffung ihrer admission in hiesige Stadt und Land Oesterreich unter der Enß haben Ih. Käys. Maj. ausdrücklich negativè decernirt, mit dieser Erklärung / daß in hoc passu der hievor geschöpfften Resolution inhaerirt werden solte. Aus Mähren ist der wackert Herr Ober-Feuerwercker Michael Muth / so allhier in der Türckischen Belägerung und bey Einnehmung Neuheusel und andern Orten sein valor erzeigt / und andern untergebenen Feuerwerckern hier ankommen / haben Ordre theils nach Raab / Comorrn / Neuheusel / und weiters in Ungarn zu gehen / und etlich 1000. Bomben und anders Ernst-Feuer zu verfertigen. So ist auch ein Abriß der Grösse von denen Pöllern / so Ih. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg dero Artillerie mitgegeben / anhero geschickt worden / damit man von dergleichen Grösse die Granaten giessen möge. Die Käyserl. Hof-Cammer hat durch ein gewisses Stämpel-Pappier / so allein zu Contracten und Judicial-Sachen gebrauchet werden solle / ein Mit. el ausgefunden / durch welches die Intraden ohne Beschwerde deß gemeinen Manns auff etliche Tonnen Golds in denen Käys. Erblanden sollen erhöhet werden können. Die Sachen mit denen Siebenbürgischen Gesandten seynd nun (Der Sieben. bürgischen Gesandten Declaration.) dahin gebracht / daß sie biß auff Ratification ihrer Principalen sich declarirt, jährlich so lang der Krieg währet / 100000. fl. für das Winterquartier zu bezahlen / und zugleich zu Proviantirung der Frontierplätze 1000. Muth Getraid / und so viel Muth Habern zu lieffern / hingegen soll der Käyserl. Hof sie bey ihren Privilegiis, und zugleich den Fürsten Abaffy bey dem Fürstenthum / seine Posterität aber bey der Succession desselben mit aller Macht mainteniren.
|| [137]

Das ander Capitel
[arrow up]

Tractiret von Ungarisch-Siebenbürgisch-Croatisch-Moldau- und Wallachischen Geschichten. (Vngarischt Geschichten.) AUff die / wie im 2. Capitel deß Monats Januarii erwehnet / von dem Teckely de dato Groß-Wardein an verschiedene Gespannschafften in Ungarn abgeschickte betrohliche Ausschreiben / ist von denen citirten (Die Ausschreiben von dem Teckely seynd lär aus gangen.) Landsassen keiner erschienen / worüber dito Teckely sich sehr erzürnet haben soll / dessen meister Uffenthalt war dieser Zeit zu Groß-Wardein / allda er immer laborirt, umb ein erkleckliche Mannschafft zusammen zu bringen / und darmit sein hart-beträngte Vestung Monga???sch von der Käyserl. Blocquada zu liberiren, und weilen seine darinn ligende dreytausend Adhaerenten von ihres Principalen Vorhaben Nachricht erhalten / als seynd selbige ob der Vertröstung deß gewissen ehisten Entsatzes zimmlich muthig worden / und einen Ausfall über den andern gegen die Käyserliche gethan / die aber bald mit Beut / bald mit Stössen wieder zuruck gewiesen worden seynd / das beschwehrlichste war / daß wegen deß unbequemen Wetters man (Einige Rebellen werden von den Käpserlicher attrappirt.) Käyserlicher Seits den Ort nicht wie man wolte / attaquiren konte. Immittels wurde der Schirina, Andreas, Valentin Nemeslary und Balthasar Ferenz nebst drey andern vornehmen Edelleuten von unseru Partheygängern unweit Caschau rencontrirt, und weilen selbige zu dem Teckely übergehen wollen / gefänglich angenommen / und nach besagtem Caschau in Verwahrung gebracht; Ingleichem wurde von Erla eine starcke Türck. Parthey unsrigen Hussar. verkundschafftet / welche dieselbige unweit ermeldter Vestung attaquirt / 50. darvon niedergemacht / etliche gefangen / und den Rest zerstreuet (Die Hussaren thun einen glücklichen Streiff ins Türckische.) haben. So haben die Hussaren von Commorra / Papa / Vesprin / und selbiger Quartieren biß Stulweissenburg gestreifft / und einige Bauern mit Getraid beladenen Wägen / so sie nacher Ofen führen sollen / angetroffen / welche sie gezwungen / mit ihnen nacher Commorrn zu fahren / unter andern haben sie einen Türckischen Chiaus gefänglich eingebracht / so bekennet / daß die jüngst beysammen gestandene Türcken sich wieder separirt, und in die Quartier gangen. Zu Ofen seynd 1000. Türcken mit 2. Bassen von Esseck angekommen / auch haben sie die Guarnison zu Erla biß 4000. [138] Mann verstärcket / und von Ofen einen erfahrnen Bassa dahin gesandt / selbigen Platz zu gouverniren. (Ausführliche Relation von Eroberung deß Schlosses St. Job.) Das allerremarquabelste aber / so diesen Monat in Ungarn passirt / ist / daß die Käyserliche den 12. dieses sich deß hoch importirlichen und 2. Meil von Groß-Wardein an den Siebenbürgischen Gräntzen gelegenen Schlosses und Marckts S. Job unter Commando deß Herrn Feldmarschall Leutenants Grafen von Caraffa bemächtiget haben / womit es folgender gestalt hergangen / nemlich: Nachdeme der Teckely von Griechischweissenburg den 1. Februar. mit viertausend Türcken zu Groß-Wardein angelangt / und sich mit denen / so in dieser Vestung zu ihme gestossen / conjungirt / und also ein Corps von siebentausend Mann gemacht / hat er deß folgenden Tages 27. Standarten zu sich genommen / und ist nach Hugniad in Siebenbürgen 2. Meilen von Clausenburg marschirt: In welchem Ort in Hugniad und selbiger Nachbarschafft ein Theil der Ungarischen Militz einquartirt ware / und 5. Meilen weiter zuruck stunde das Ladronische Regiment / und 6. Compagnien von Spinola. Weilen nun deß Teckely Vorhaben gewesen / die Käyserl. Völcker in ihren Quartieren auffzusuchen / und zu schlagen / indem er der Endes einige Verständnuß gehabt / als haben sich besagte Ungarn zeitlich zurück zu dem Ladronischen Regiment gezogen / und daselbst sich sämbtlich in gute Postur gestellt / ihn zu empfangen; aber der Teckely hat nicht getrauet weiters fortzugehen / sondern hat sich in höchster Eyl wieder reterirt. Solche Movirung deß Teckely hat indessen in der unsrigen Quartieren einigen Allarm verursachet: derowegen der Herr Feld-Marschall Leutenant Graff von Caraffa mit viertausend Teutschen / dreytausend Ungarn / vier Stücken Geschützes / und vier Mörsern mit allem Zugehör / Bomben / Carcassen / und dergleichen / unerachtet der bösen Wegen / zu Mitternacht den 5. Februar. von Zattmar gegen St. Job auffgebrochen / und vier Meilen biß nach St. Margareth fortgesetzet / und ist den 9. Februar. deß Nachts bey St. Job angelangt. Dieser Orth und Schloß ist von zimmlicher importanz, ligt in einem Morast / 3. kleine Meilen von Groß-Wardein / und ist mit 4. steinernen Bollwercken oder Pasteyen und tieffen Wassergräben umbgeben / mit einem nebenligenden Städtlein oder Marckt: darinn biß 900. Türcken in Guarnison lagen. Es verhoffte obgedachter Herr General Caraffa / den Teckely oder die Türcken von Wardein ins Feld zu locken / umb mit ihnen zu schlagen / und derowegen ließ er noch selbige Nacht den Marckt St. Job auffordern / wurde aber nur mit Stücken beantwortet; und wiewohlen der Angriff gleichsam drey gantzer Tag währete / so haben dannoch weder die Wardeiner Türcken / [139] noch der Teckely den Entsatz deß Orts zu unternehmen sich getrauet. Den 10. Februar. hat man die Stück gepflantzt / und angefangen das Schloß mit denselben und mit Feuer einwerffen zu beängstigen / es wurde aber hingegen tapffer aus der Vestung geantwortet. Den 11. dito ist eine Feuerkugel in den Pulverthurn gefallen / so mitten in der Vestung gestanden / wordurch das Pulver angezündet / und nicht allein der Thurn in die Lufft gesprengt / und darbey viertzig Türcken umbkommen / sondern es ist auch das Schloß und das Städtlein in Brand gebracht worden. Hierauff hat der Herr General Caraffa denen Hrn. Hrn. General Wallis und Obristen Marq. Spinola / welche das Fußvolck commandirten / anbefohlen / sich fertig zu machen / umb zu stürmen / und mit dem Degen in der Hand das Städtlein anzugreiffen / und an dem Thor deß Schlosses Posto zu fassen; Als nun die Türcken solche Anstalten gesehen / seynd sie zum höchsten erschrocken / haben alsobalden weisse Fahnen ausgestecket / und capituliret / mit Weib und Kind / Gewehr / und was sie tragen könten / abzuziehen / welches da es ihnen accordirt ware / gaben sie Geiseln heraus / auch wurden die unsrigen noch selbigen Tags in den Marckt eingelassen / und hulffen das Feuer löschen. Den 12. darauff wurde die Vestung den unsrigen eingeraumt / und den 13. marschirte die Türckische Guarnison in sechshundert bewehrten Männern ohne Weib und Kinder heraus / welche der Herr Baron Truchses Obrist-Leutenant von Goyß biß nacher Wardein versprochener massen convoyret: In der Vestung seynd 8. Stück Geschützes / viel Gewehrs / Granaten und viel Proviant gefunden worden / auch nicht allein 270. gefangene Christen erlediget / sondern es seynd auch die Zattmarische / und ein guter Theil der Byharischen Gespannschafften aus Türckischer Contribution erlöset worden. Ebener massen hat hierdurch die Stadt Groß-Wardein eine Brillen auff der Nasen / daß ihre Vorstatt in die Huldigung gesetzet werden kan. (In Croatien ist grosse Theurung.) Aus Croaten ist dißmalen nichts anders einkommen / als daß die Theurung daselbsten noch sehr überhand nehme / und daß die Land-Stände den 31. passato eine allgemeine Versam̅lung zu Zagrabia gehalten haben.
|| [140]

Das dritte Capitel
[arrow up]

Haltet in sich / was im gantzen Römischen Reich hin und wieder passirt ist. (Geschichten deß Röm. Reichs.) WEilen in den Oesterreich-Burgund-Bayerisch-Fränckisch-Schwäbisch-Nieder- und Ober-Rheinischen Craisen diesen Monat über / ausser was in dem ersten Craiß unterm Titul der Käyserl. Geschichten schon gemeldet / wenig von importanz passirt / als übergeht ich selbige mit Willen / und mache den Anfang meiner Beschreibung vom Ober-Sächsischen Craiß / worinnen zu berichten vorfället aus der Churfürstl. (Brandenburgische Geschichten.) Residentzstatt Berlin vom 12. dito / daß allda vor gewiß gehalten werde / daß man den Volckmangel in Absendung der 8000. Mann nach Ungarn mit Recroutirung und Richtung anderer 20000. Mann / so bald es der Saison leyden will / ersetzen / und mit denselben unsere Bundsgenossen im fall der Noth an Ort und Enden secundiren werde. Weilen nun der (Wie es mit dem Marsch der nach Ungarn destimirten Völcker gehalten werden solle.) beste Kern unserer Militz nacher Ungarn gehet / ist auch vorgesehen / daß nit viel Weiber und Kinder / welche sonsten die meiste Uppigkeit verüben / und den March nur verhindern / mitgehen sollen / damit aber jedennoch einige seyn / die mit kochen und reinigen die Militz versehen mögen / ist endlich resolvirt / daß bey jeder Compagni 10. biß 12. Weibspersonen gedultet werden sollen. Die in Preussen sich befindende Regimenter haben Ordre zu marschieren / mit dem Beyfügen / ihren Marsch dermassen zu beschleunigen / damit sie den 11. Februar. vor hiesiger Residentz zum Rendevous sich einfinden mögen. Es ist sonsten umb alle die Frembdlingen zu unterhalten / ein Kopffgeld durch Sr. Churfürstl. Durchl. Landen ausgeschrieben / und bereits in einigen Provintzien Befelch gegeben / daß ein Bauer vor sich ein Groot / ein Burger 8. Grooten / und ein Kauffmann 1. Rhlr. darzu verschaffen soll. (Chur-Sächsische Geschichten.) Vom Chur-Sächstschen Hof de dato Dreßden vom 1. dieses wird geschrieben / daß Jhro Churfürstl. Durchl. sich jetzo zu Torgau auff der Jagd befinden / weilen aber Jhro Chur-Printzliche Durchl. von Brandenburg nebst seiner Gemahlin von Berlin anhero erwartet wird / werden sie dero Ruckreise beschleunigen / wie dann unterdessen grosse Anstalten gemacht werden / solche hohe Gäste wohl zu empfangen / auch mit einer schönen Italiänischen Opera zu beehren. Mit der Churfürstlichen Frau Mut [141] ter Kranckheit beginnet es sich mercklich zu bessern. Es stehet noch fest gestelt / daß Jhr. Churfürstl. Durchl. 4. biß 5000. Mann unter den Herrn Hertzogen Christian von Hall gegen Ende Martii nach Ungarn absenden werde / man hätte zwar vermeinet / daß Ihr. Churfl. Durchl. solchem march in hoher Person beywohnen würden / es ist aber / weil sie kein groß Corpo dahin senden / eingestellt worden. (Cöllnische Geschichten.) Aus dem Westphälischen Crayß hat man von der Reichsstadt Cölln / daß den 23. dito die 2. Aachter Güllich und Sachs aus Mühlheimb nach dem ohnweit daselbsten auffgerichten Chavot hingeführt / und weiln der (Die 2. Aechter Güllich und Sachs werden vom Leben zum Tod hingerichtet.) Gülch keines wegs sich einstellen / und gehen wolte / und die gantze Nacht vorhin allda geruffen und geschryen / als wurde selbiger durch 4. Soldaten / wie ein Holtz auff einen Mistkarren geworffen / und so per force darauff gehalten / als er bald ans Chavot kame / fieng er an sich einzustellen / das Crucifix zu küssen / von dem Karren abzustehen und umb die Beicht und Communion zu ruffen / wie dann auch geschahe / vor besagtem Chavot in beysein der Käyserlichen Herrn Subdelegirten wurde ihme nochmahln die Sententz vorgelesen / welcher gestalt er sterben solle / und was er peccirt hätte / wurde also geköpfft / und 2. Finger ihme abgehauen / Sachs gieng indessen wohlgemuth auff dem Chavot hin und her spaziren / gabe dem Scharffrichter die Hand / und begehrte von selbigem / daß er ihn doch nicht mißrichten solte / welches er ihme zwar versprach / gabe ihm doch 4. biß 5. Hieb / Mesthovius stunde indessen am Kack / wurde darauff außgestrichen / und deß Lands verwiesen. Die Leichnam der beeden ersten seynd unter den Galgen nahe an dem Orth / wo die Execution geschehen / begraben / und die Köpff in die Stadt Cölln gebracht / worvon deß Güllchs seiner an den Bayen-Thurn / und deß Saxen seiner auff den Cuniberts-Thurn (Kurtze Relation von cutst???ud???ner Revolta in der Stadt Cölln.) andern zum Abscheu auffgestecket worden. Die Ursach dessen ist / weiln diese beyde die Redleins-Führer / oder principal- Anstiffter der ohngefähr vor 2. Jahren in Cölln entstandenen Revolta gewesen / inmassen diese die Zünfften / wider die regierende Bürgermeister und Räth der Stadt verhetzet / selbige degradirt / theils arrestirt / theils mit harter Geld-Straff beleget / mit andern Stadt-Beambten übel verfahren / theils bannisirt / und dem Commendanten nach Leib und Leben gestellet / folgends einen andern Magistrat ihres Gefallens erkohren / mit demselben ein neue Regirung eingeführt / vermittels deren bey allen Raths-Sessionen Commissarii von denen Zünfften zugegen seyn müssen / ohne welche nichts debattiret / noch einiger Schluß gemacht werden können; Als nun diese gewaltsahme Proceduren von einigen treuen Patrioten der Stadt Cölln [142] an den Käyserl. Hoff zu Wien gelangt / auch der degradirte Burgermeister Krebs und andere persöhnlich sich daselbsten eingestellet und Jhr. Käyserl. Majest. alles mündlich vorgetragen / und selbige unterthänigst umb Hülff implorirt / haben höchstbesagte Se. Käyserl. Majest. von Käyserlichen hohen Ambtswegen sich der Betrangten angenommen / die Sach in behörige Deliberation gezogen / darauff Chur-Trier und Pfaltz-Neuburg zu Commissarien ordinirt / umb dieses Werck desto genauer zu untersuchen / welches dann auch so erfolget / daß weiln die Eingangs angeregte 2. Haupt-Tumultuanten Güllich und Sax auff etliche hundert ihnen zu beantworten vorgetragene Puncta in Sachen dieser Revolta wegen sich nicht zu purgiren gewust / seynd sie condemnirt und auff ober zehlte Weiß zu einer wohlverdienten exemplarischen Straff ihrer Rebellion vom Leben zum Tod hingelichtet worden. Wie es den andern inhafftirten und mit dieser Auffruhr interessirten Persohnen nun weiters ergehen möchte / stehet künfftig zu vernehmen. (Lütticher Geschichten.) Brieff aus Lüttig von 21. dito bringen folgendes: die Frantzosen continuren / Bomben / und Granaten zu machen / und ihre Magazinen anzufüllen / und haben längst der Sambre / wie auch auff die Gräntzen dieses Landes Völcker geleget / unterm Vorwand / die von der Reformirten Religion zu suchen / was sie verzehren / bezahlen sie. Jhre Guarnisonen haben selbige mit etlichen Compagn. Reutherey verstärcket / und geben vor / es seye auff die Holländer angesehen / so man aber nicht glaubet / sondern besorget / (Haden Depputirte am Frantzös. Hoff zu Pariß.) daß an dem Rheinstrohm etwas unterhanden seyn dörffte. Dieser Stadt Lüttig am Frantzös. Hoff seyende Deputirten sollen bald von dannen wieder zurück kommen / was ihre Negotiation seyn mag / ist nicht eigentlich zu vernehmen. Einige sagen / sie suchen Bouillon, Dinant, und andere Plätze / welche Franckreich behalten / wieder zu bekommen; andere aber vermeinen / es seye wegen deß 60ten Pfennings und daß sie darinn ihr Begehren erhalten hätten / wovon aber die Zeit ein gewissers lehren wird. Es wird spargirt / als ob wegen Lützenburg / dessen Dependentzien wohl gar biß an die Stadt Cölln extendirt werden dörfften. (Zwischen der Stadt Hamburg und dem Hertzog von Lüneburg-Zell entsteben Weitläufftigkeiten und nimbt dieser die Hamburg. so genante 4. Länder mit Gewalt in Possession.) Bey dem Nider-Sächsischen Craiß ist das remarquabelste / so zu berichten vorfället / die zwischen der Stadt Hamburg und dem Hertzogen von Zell entstandene ohnvermuthliche Zwistigkeit / weßwegen dieser letztere mit seinen Trouppen das Hamburg. Territorium invadiret / und der dieser Stadt zugehörigen so genanten 4. Länder sich impatroniret / wormit es laut Brieffen aus Hamburg folgender Massen hergegangen. Den 4. dito Morgens setzten die Lüneburg. 2000. Mann bey Altenburg über die Elbe / welche in [143] denen 4 Landen posto gefasset / und weiln die Reichs-Post dißmahln zu Hamburg außgeblieben / ist man daselbsten in Wahn gestanden / daß der Hertzog von Zell selbige auffgehalten haben müsse / darmit dessen über die Elb gegangene Trouppen unverhindert in diese 4. Länder kommen können. Den 5. diß ist Bergedorff von solchen Trouppen auffgefordert worden / und weiln der Orth nicht sonders bevestiget / hat die darinnen gelegene Garnison selbigen verlassen / und sich ins Schloß retiriret / worauff der Lüneburg. Obrist Franck sich mit 800. Mann daselbsten einlogiret / deme sich die Bürger zwar anfangs widersetzet / worvon auch einige tödtlich verwundet worden / nachdeme sie aber gesehen / daß ihnen diese zu starck übern Hals kommen / haben sie mit ihrer Gegenwähr nachgelassen / und sich in Ruhe begeden / und obwohl man Hamburg. Seits auff vernehmen dieser feindlichen Attentaten Gegen-Anstalt zu machen nicht gesaumet / wie man dann gleich die Trommel gerühret / und in einer Zeit von 3. Tagen mehr als 1200. Mann auff die Beine gebracht / die nebst andern den 5. dito bey Schliessung deß Thors außcommandirt worden / die Lüneburg. aus den 4. Landen zu delogiren / wormit man auch einige Mannschafft nach dem Bellwarder gesandt / umb allda nebst dem Landmann die Schlagbäume zu defendiren / so war doch alles ein verlohrne Arbeit / und musten selbige Völcker umb in die Lüneburg. Hände nicht zu gerathen / ohnverrichter Sachen wieder zurück nach Hamburg kehren / dem Abgeordneten (so immittels von dieser Stadt nach dem Obristen Francken gesant / umb sich zu erkundigen / warumb der Hertzog von Zell ihre Lande feindselig überzogen) wurde zur Antwort / daß solches auff Käys. Ordre beschehen sey / die sich auff eine Assignation von Winter quartiren in diesen Landen beziehe / und im Weigerungs Fall dem Hertzog selbige armatâ manu zu suchen erlaubet habe / auff welches vernehmen man gleich einige Deputirte an den Käys. Hoff nacher Wien gesant / umb zu hören / ob dieses feindliche Beginnen auff expresse Ordre Jhro Käys. Maj. (wie Lüneburg. Seits immer behauptet werden wollen) vorgenommen worden sey. Weiters hat man aus dieser Stadt Magistrat einige nach dem Hertzog von Zell selbsten / andere aber an Königl. (Hamburg suchet Hülff.) Dänischen Hoff zu Coppenhagen und noch andere an den Churfl. Brandenburg. Hoff nach Berlin gesant / umb diesen Potentaten von solchen gewaltsamen Proceduren parte zu geben / auch selbige zugleich umb erkleckliche Hülff zu imploriren / oder diese Strittigkeit in der Güte zu accommodiren / (Die Lin???. impatroniren sich deß Schloßes zu Bergedorff.) und zu componiren zu suchen; bey sothanen Verlauff seynd die Lüneburg. immer weiter gegangen / dann nachdeme sie sich deß Schlosses zu Bergedorff den 7. dito ohne Verlust einiges Manns / weiln die Hamburg. 2000. [144] Mann / so selbiges entsetzen sollen / zu spath gekommen / per Accord bemächtiget / ist darauff der Obriste Franck mit 200. Dragonern und 500. zu Fuß nach der so genanten Redoute Heykate marchirt / bey seiner Ankunfft den Schlagbaum abhauen lassen / und sich also der Redoute genähert; der Capitain Aller / so darinn gelegen solches sehende / daß es ihme gelten werde / hat sich mit seinen unterhabenden 100. Mann zur Gegenwähr parat gemacht / auff die feindliche Feuer gegeben / einige todt geschossen / den Major Witzendorff nebst etlichen blessirt / und seinen Posten bey 2. Stunden lang dapffer defendiret / biß endlich vermittels eines starcken Hinterhalts die (Hitzige Action zwischë den Hamb. und Lüneb.) Hamburgischen übermannet / [indem selbige von den Lüneburgischen Granadirern guten theils übel zugerichtet / und hart beschädiget worden / also daß sie die behörige Defension nicht mehr praestiren können] die Redoute stürmender Hand erobert / 40. niedergemacht / und der darin commandirende Major nebst dem Uberrest gefangen / nach Lüneburg geführt worden; als diese Action zu Hamburg erschollen / wurde daselbsten grosser Allarm / und die Werbung grösseres Ernsts als vorhin jemahln beschehen fortgesetzt / und darmit man desto mehr Volck in Eil bekommen / und auffbringen können / wurde beschlossen / daß der jenige / so eine Kutsche haltet / einen Reuther liefern / und unterhalten solle; Es wurde aber von dieser vorgangenen Rencontre sowohl in Hamburg als anderwerts verschiedentlich discurriret / und weiln mir 2. Extract-Schreiben / eines von Hamburg und das andere von Lüneburg von dieser materi zu handen kommen / als habe selbige von Wort zu Wort dem Großg. Leser communiciren / und nacheinander hieher setzen wollen / das Hamburg. lautet / wie folgt: Mein letzteres wird die attaquir- und Eroberung der Redoute Heykaten (Hamburg. Relation hiervon.) verständigt haben / worauff nun ferner berichte / daß bey Eroberung eines so geringen Orths auff beyderseits viel sitzen blieben. Als der Obrist Franck vom Schloß zu Bergedorff gesehen / daß bey dem Anlauff deß ersten Sturms auff die Redoute alsobald der Leutenant und 7. gemeine fielen / und die unserige wenige sich so tapffer gehalten / hat derselbe nebst dem Herrn Grafen von Königsmarck / so diese Action mit angesehen / gesagt / daß man in Ungarn gegen die Türcken nicht tapfferer fechten könte / und ist gewiß / daß wann unser Corpus von den Officirern [welche aber auff falsche Advis, nemblich daß die Lüneburgische sie zu umbringen sucheten / sich wieder nach der Stadt reterirt] entsetzt worden wäre / die Lüneburgische besagte Redoute nicht hätten behaupten können / massen damals nicht mehr als 1000. Mann Lüneburgische über die Elbe gewesen / und [145] weiln man dann auch vermuthet / daß unter diesem falschen Bericht eine Verrätherey stecken möchte / indem die Soldaten per force stehen und sich defendiren wollen / so ist der Leutenant Moncke und Fendrich Petersen / weil sie besagte Redouten Heykate nicht secundiren wollen / gefänglich eingezogen worden / und wird man hören / was das Kriegs-Recht solchen zuerkennen wird. Unsere Gefangene haben sie faselnackend außgezogen / und wie das Viehe in Bergedorff getrieben / die Todten auch etliche Tag gantz nackend liegen lassen. Die Lüneburgische haben bey dieser Action gantz keine Seiden gesponnen / indem sie viele Todte und Verwundte bekommen / auch unterschiedliche Officirer geblieben / wie dann der Major Witzendorff / ein Granadier Capitain / 2. Fendrich / 1. Sergeant / und 70. gemeint ihrer Seits in 2. Stürmen geblieben / und 50. blessirt worden / unser Seits wird gemisser der Capitain Aller und Leutenant Heß nebst 60. gemeinen / so todt geblieben / der Major Bodekar, Leutenant Andreas Sohn / Fehndrich Hoecker / und Fendrich Hildebrand nebst 40. gemeinen seynd gefangen nach dem Lüneburg. geführt worden. Die unsrigen haben jetzund alle Posten wohl besetzet / und schantzen an der Elbe / darmit die Lüneburgischen nicht weiter gehen mögen; Den 12. haben unsere Leuth mit 4. Chalouppen / worinnen 40. Mann mit Flinten seyn / und auff der Elbe recognosciren / 2. Efer aus den 4. Landen bekommen / darinnen Pferd und Kühe / auch 5000. Pfund weiß Wachs gewesen / welches die Lüneburgischen nach der Harburg bringen wollen / die 10. Mann so dabey gewesen / sitzen hier gefangen. Es ist sonsten allhier von Hauß zu Hauß angesagt worden / daß sich ein jeder Bürger mit einer gewissen Quantität Ammunition versehen soll / auch ist hiesigen Leuthen / welche ihre Gräntz-Häuser / Höfe und dergleichen in denen 4. Landen haben / verbotten worden nichts an die einquartirte Lüneburgische Völcker zu geben / oder sie sollen als Feind declarirt werden / es stehet aber zu vermuthen / daß sie dannoch umb das ihrige zu salviren unter der Hand thun was sie können; Den 10. haben die Hnn. Lübecker wegen dieser Stadt-Sachen einige Deputirte nacher Zell abgeschickt / von dannen dieser Tagen ein Trompeter mit Brieffen an hiesige Regierung angelangt / der gleich mit einer Antwort nebst unserem Trompeter zurück spedirt worden. Den 20. haben sich die Lüneburgische Völcker aus dem Billwärder und dorten herumb gäntzlich weg nach Bergedorff gezogen / woselbsten sie sich starck verschantzt / ob sie solches wegen der Königlichen Dähnischen Völcker thun / so unterm Commando eines Frantzösischen General Majors im Marsch seyn / und deren einige hundert bereits in dieser Gegend angelangt seyn / oder [146] weilen wir die Länder unter Wasser gesetzet haben / weiß man nicht. Man ist hier bedacht / 20. Compagnien jede von 120. Mann auffzurichten / umb ins künfftig diese Land von dergleichen Invasion, wie dißmahln von denen Lüneburgischen beschehen / zu bedecken / so ist auch Ordre ergangen / die von den Lüneburgischen geschleiffte Redoute Heykate de novo zu fortificiren / und hat man den Arbeits-Leuthen 400. bewährte Mann selbige zu bedecken zugesant; Man hat den Schmied zur rothen Brück aus dem Billwerder gefänglich eingezogen / weiln er nicht allein das geraubte Gut von denen Lüneburgischen Soldaten gekaufft / sondern ihnen auch / wie man sagt / Weg und Steg angewiesen; es fordern sonst die Lüneburgischen vor unsere gemeine Soldaten Mann für Mann 30. Reichsthaler Rantzion / man hoffet aber ehistens zwischen dieser Stadt und Ihro Hochfürstlichen Durchl. von Lüneburg-Zell ein Accommodement / weiln sich hohe Potentaten interponiren; So viel war deß Extract-Schreibens aus Hamburg. Nun folget der andere Extract-Schreibens aus Lüneburg vom 14. (Lüneburg. Relation hiervon.) Februarii folgenden Tenors: Auff deß Hrn. Begehren berichte hiemit / daß die Belegung der 4. Landen mit einigen hiesigen Völckern daher resolvirt worden / weiln die Stadt Hamburg denen Käyserl Befehlen und Ihr. Durchl. unserm gnädigsten Herrn ertheilten Protectorio mit Restitution deß Reichs-Hoff-Rath Meurers Gütern keine Folge leisten / und sonsten in ein und anderm gegen Ihr. Durchl. ungebührlich sich erwiesen. In die eigentlich so genannte 4. Länder und Bergedorff ist man still / und ohne Violentz eingerucket / wie aber ein Troupp der Unsrigen ausser Bergedorff herumb marchirt / und sich einen Paß in dem Hamburg. Billwerder etwas genähert / worinn 60. biß 70. Mann in einer Schantz / und an derselben 220. biß 30. Mann in einem Hoff als in einem Hinterhalt gelegen / haben solche / so bald sie der unsrigen ansichtig worden / ob gleich selbe auff Gottorffischem / und keinem Hamburg. Boden gestanden / Feuer gegeben / und über 100. Schüsse / ehe die Unsrigen (die sonst zu keiner Feindseligkeit weder intentirten / noch Ordre hatten / zum Gewähr zu greiffen) gethan / auch dardurch einen Leutenant / 1. Sergeant und 9. gemeine erschossen / und etliche blessirt / worauff man dann von disseit auf sie loß gegangen / und die guten Kerle etwas übel tractiret / viel todt geschmiessen / und bey 160. gefangen genommen. Die von denen Hrn. Hamburgern gerühmte tapffere Gegenwähr mag wohl meist darinn bestanden seyn / daß sie von ferne lustig Feuer gegeben / dann so bald die unsere ihnen nahe auff die Hauben [147] kommen / ist es gar schlecht hergangen. Die Schantzen in den Billwerder seynd dißseits übern hauffen geworffen / damit man von Bergedorff allemahl hinein kommen / und die Contribution daraus hohlen kan. (Fortsetzung der Hamb. Geschichten.) Was im übrigen in der Stadt Hamburg sonsten passirt / oder neues diesen Monath daselbsten eingekommen / wird hernach zu vernehmen seyn / wie dann den 2. dito die 2. Weibs-Persohnen / so dem Taxadeur zu Hamburg die Gurgel abgeschnitten / von den Nachsetzern beede / nebst einem Frantzosen zu Oldenburg ertappet / und daselbst biß auff weitere Ordre eingesetzt worden. Uber Marsilien hat man / daß die revoltirten Barbarn zu Thunis, selbige Haupt-Stadt sehr incommodirten / worinnen ihnen von den Arabern und denen Mohren / auff dem platten Lande hülffliche Hand geleistet werde. Der jüngstgemeldte Brand-Schaden an dem Schloß (Das Schloß Wrangels. Burg leidet Schaden durch einen Brand.) Wrangels-Burg bey Grieffswalde ist zwar groß / jedennoch aber so gar gefährlich nicht / als es zu anfang gemachet worden / indem noch 3. Seithen vom Schloß stehen / die principalste Seithen aber / da der feine Thurn und Altar gestanden / ist biß auff den Grund weggebrandt. Die Frantzös. Flüchtlinge beginnen sich auch häuffig in dem Lüneburgischen einzufinden / und wird ihnen zu ihrem nöthigen Unterhalt / aller möglicher Vorschub gethan. Der Königin Christinä Sur Intendant im Brehmischen Herr Silber-Cron ist zum General-Zoll-Verwalter gemachet. Der ohnlängst in Altona gestorbene Dähnische General-Major Duncam, soll in wenig Tagen allhie zu Hamburg in Dohm beygesetzet werden. Den 15. Abends wurde dem vormahls in Dähnischen nun aber in Venetianischen Diensten begriffenen Major Kurtz von einem Dähnischen Officirer der Kopff mitten von einander gespalten. Von Zell hat man / daß an statt der befürchtenden Abdanckung man wiederumb gute Soldaten anfange zu werben; Sonsten thut sich Ihro Durchl. der Hertzog von Zell in dero Residentz auffhalten / umb denen Conferentzien mit den Land-Ständen beyzuwohnen. Ihr Durchl. von Hannover werden gegen Ostern aus Italien wieder erwartet. Aus Schweden wird geschrieben / daß man daselbst vorhabens sey / künfftiges Jahr einen Reichstag außzuschreiben / auch redt man von einem Moscowittischen Krieg / jedoch ohne Grund. Ihr. Hochfürstl. Durchl von Hollstein / welche sich jüngst von hinnen / zu dero Fraw Schwester nacher Gustrau ins Mechlenburgische erhoben / seynd / wie man vernimbt / resolviret / von dannen sich nacher Lübeck zu begeben / alldort eine Zeitlang bey gegenwärtigen Conjuncturen zu verbleiben / weßwegen der Bischoffs-Hof am Thurn daselbst praeparirt wird / zu logiren. Aus Pohlen kombt / daß unter Caminieck 30000. Tartarn stehen / welche mit ihren [148] streiffen an vielen Orten grossen Schaden thun / und nur ungefehr zwölff Meilen von Reusch-Lemberg unter Ostrog viele Christen und Viehe weggeführt hätten. Aus dem Holsteinischen hat man / daß allda grosse Anstalt (Schlechte Zeitung aus Polen.) auff den bevorstehenden Tournier gemacht / und der Herr Estats-Nath Leute als Königl. Dähnischer Envoye nach Berlin gehen werde. Es will von Coppenhagen annoch verlauten / daß Printz Georg von Dennemarck nebst dessen Gemahlin aus Engelland heraus kom̅t / wiewol es nicht geglaubet wird / daß selbige Princessin / weil sie sich schwanger befindet / solche Tour (Der Königl. Dähnische Ober-Marschall Bühlau flüchtet nach Schonen.) auff sich nehmen werde. Es ist gewiß / daß der Ober-Marschall Bühlau nacher Schonen nach Mallmöe überkommen ist / es wird eine Rechnung über 3. Tonnen Goldes am Königlichen Hof für ihne gemachet / dessen Diener sitzt noch im Castell / und weiß man nicht / was er / sowol als sein Herr für einen Sententz bekommen werde. Wegen der neuen Einführung eines allgemeinen Calenders / wovon ich unlängst Meldung gethan / ist bereits ein Wechsel von 5000. Rhlr. eingekommen / wovon die Hrn. Hrn. von Bosteln allhier gestern 2000. haben bezahlen wollen; wann Ih. Maj. die Königin Christina solches Werck auszuführen nicht angefangen / hat sich ein anderer grosser Potentat angegeben / solche Gelder so fort paar zu erlegen / weilen aber der Herr Doct. Wasmuth es einmal unter Ihro Maj. Titul solches Werck heraus zu geben resolviret / so soll es auch dabey sein verbleiben haben. (Lüneburgische Geschichten.) Aus dem Lüneburgischen von der Fürstlichen Residentzstatt Zell wird vom 6. dito geschrieben / daß die neulich angestellte Zusammenkunfft der hohen Officirer der Rede nach zu keinem andern Ende geschehen sey / als nur in denen Regimentern eine reduction vorzunehmen / wie doch einige ein anders wollen / und ob man wohl vermeynet / daß die reduction gar groß hätte (Es werden einige Tronppen reducirt.) werden sollen / seynd doch nicht mehr als 5. Compagnien zu Pferd und 1. Compagnie Dragoner abgedanckt worden / jedannoch behalten die Officirer ihr völliges Tractament / als wann sie würcklich in Diensten stünden / und vertröstet man sie auff einen frischen Krieg / man redet aber gar starck / doch ohne Gewißheit / daß bey denen übrigen Trouppen bey der Cavallerie die Compagnien auff 72. die Infanterie auff 82. Köpffe mit prima plana reformiret werden sollen. Gleiche Beschaffenheit soll es auch haben zu Hannover / und ebenmässig die Cavallerie betreffen. Unsere gnädigste Herrschafft befinden sich noch beständig in dero Residentz / und haben resolvirt / ein neue Frantzös. Kirche vor die Reformirte Flüchtling aus Franckreich für das Westerthov bauen zu lassen / weilen sich dergleichen Leut hier viel einfinden.
|| [149]
Aus dem Hannoverischen hat man / daß selbige nach Dalmatien abmarschierte Trouppen zu solchem Marsch so willig nicht gewesen / als die vorm Jahr dahin gangen / dahero man beforget / daß ihrer wol ein gut (Hannoverische Geschichten.) Theil defertiren werden / wo die gute conduite deß Hn. Raugrafens ihnen solches nicht verhindert / der Hr. Gen. Leutenant / welcher sie biß Minden begleitet / und daselbst den letzten Rendevous gehalten / ist bereits wieder zurück kom̅en / und ist bemühet / der übrigen Militz die vacanten Officierer-Chargen zu besetzen. Der Hannoverische Printz Maximilian / welcher die erste Trouppen in Venetianische Diensten geführet / ist von selbiger Republic zum General Major declarirt, dörffte er dahero so bald nicht wieder heraus kom̅en / sondern daselbsten in continuirlichen Diensten verbleiben / auch bey Friedenszeiten eine gewisse pension haben / und dergleichen sagt man auch von dem Hn. Raugrafen / so die jetzigen hinein führet. Aus Schweden hat man dißmal anders nichts / als daß man noch nicht wisse / ob Herr Bidall oder Herr Jordan Craiß-Oberster in denen Hertzogthümern Bremen und Verden werden solle / indeme beyde Hoffnung darzu hätten. Extract-Schreibens aus Lübeck vom 27. Febr. (Lübeckischt Geschichten.) Man pflegt in gemeinem Sprichwort zu sagen / wer einem andern eine Grube gräbt / der fällt selbsten drein / solches hat man neulichst allhier erfahren / (Ein Todtengräber grädt ihm selbst eine Grude.) indem ein bestellter Todtengräber auff dem Thumskirchhoff ein Grab machet / sich in selbes verfüget / umb solches noch tieffer und die Bretter an beyden Seiten fest zu machen / da dann unversehens ein Klumpen Erde auff ihn fällt / seine Frau / so nebst andern ein Geschrey machet / und bey die Gruben kommen / wollen ihm heraus helffen / indem fällt noch ein Hauffen Erde an beyden Seiten herunter / einer Picquen lang in der Tieffe / daß der Mann darunter erstickt / und todt bleibt / wiewol er nun sich selber solcher gestalt begraben / so ist er dannoch wieder heraus genommen / und ordinari. Fahrrecht über ihn gehalten worden / und wird an statt seiner ein rechter Erbe zum Grab darein eingesencket und verscharret. Den 1. Morgens umb 7. Uhr kam der Fürst von Wolffenbüttel sambt den Printzen unter Lösung der Stücken von Plön hierdurch / reisete wieder mit seiner Suite zu seiner Residentz. Eodem dato Nachmittag umb 1. Uhr reisete Herr Doct. Winckeler und Herr Küchring / 2. Herren deß Raths als Deputirte von hiesiger Stadt nach Jh. Hochfürstl. Durchl. von Zell. Man sagt / daß im Mecklenburgischen noch einige Chur-Brandenburgische Militz erwartet werde.
|| [150]

Das vierte Capitel
[arrow up]

Meldet von Königl. Frantzösisch-Span̅isch- und Portugesischen Begebnussen. (Frantzösische Geschichten.) IM Königreich Franckreich haben sich noch immer Reformirte mit der Flucht zu salviren gesuchet / worvon aber wenig wegen starckbesetzter Pässe durchwischen können / wie dann laut Pariser Brieffen (Pariß vom 2. dito.) der Marquis du Bordage mit seiner Frauen / Sohn und seiner Tochter / wie auch Madamoiselle de la Moussaye seine Schwägerin / die Marquisen de Fontenay und de Cru, sonsten Courboyer genant / im Wald von Maubeuge (Weiterer Verlauff in Sachen der Reformirten.) gefangen / und dieser letzte mit einer Musquetenkugel durch das Bein / besagte Marquisin aber in die Achsel geschossen worden / wie man sagt / sollen sie anhero in die Baftille geführt werden. Mons. de la Melonniere Obrister / und Mons. de Messane der Sohn seynd durch den Major von Maubeuge, so 20. Mann zu Pferd und 15. Musquetierer bey sich gehabt / aus der Stadt Binche weggeholet worden. Man hat Ordre gegeben / die Strassen und Weg / durch welche der König bey vorstehender Reise passiren wird / aus zubessern / und sie also zu verbreiten / damit 5. à 6. Kutschen neben einander zugleich vorüber fahren können. Man sagt / daß Sr. Maj. nur 10. à 12000. (Ein neues Ediet wird wider se bige publicirt.) Mann auff besagter Reise folgen werden. Man hat hier wieder ein Edict / so den 25. passato im Parlament registrirt worden / publicirt, durch welches der König erkläret / daß ein Monat nach der publication die Frauen von denen abgefallenen Reformirten / welche weigern werden / dem Exempel ihrer Männer zu folgen / und die Wittiben / so standhafftig Reformirt verbleiben / verstossen sollen werden / von der disposition über ihre Güter / in Testamente??? / Stifftungen unter denen Lebendigen / alienation oder derg eichen / der Genuß / so von denen Gütern kom̅t / oder durch Heyraths-Vermachung von ihren Männern recht vom succediren in Norman dien / Vermehrung der Hochzeits-Gaben / Kleydern / Recht vom theilen der gemeinen Güter / Vermachungen / und alles andere / so sonsten ihnen zufället / solle auff ihre Römisch-Catholische Kinder oder bey Ermanglung deren / denen Spitälern der Städten / so am nächsten bey den Plätzen / allwo sie ihre ordinari Wohnung haben / heimfallen; mit Befelch / daß wann solche Frauen und Wittiben kein andere Mittel zum Unterhalt haben / die Richter sie mit Nahrung verfehen / und wann sie abfallen / in alle ihre Güter wieder einse [151] tzen sollen. Der König hat einen Fonds oder Satz von 200000. Livres gefunden / umb die ruinirte Kirchen wieder auffzurichten. Der Hertzog de la Force hat Ordre bekommen / sich in sein Schloß Boulage in Normandie zu reteriren / welchen eine Compagnie von der Leib-Gardes dahin begleiten / seine Frau in ein Kloster / seine Tochter in ein anders und seine Söhne bey die Jesuiten bringen solle; gedachter Hertzog hat sich ???resolvirt / seine Religion nicht zu verändern / es mag ihm gleich deßhalben ergehen / wie es immer (Pariß vom 12. dito.) wolle. Dieses Jahr wird man 3. Armeen / ???els eine in der Franche-Comte, eine im Elsas / und eine auff der Saar campiren lassen. Der Marq. de Sourdis, Chef der Schiffs-Escadre ist zu Breft gestorben. Man hat die (Es werden Praeparatoria??? zu einem Krieg gemacht.) alten See-Gardes denen neuen incorporiret und einverleibet. Alle Gräntz-Städte dieses Königreichs vom grossen Meer an biß nacher Hünningen seynd mit Vivres und Kriegs-Ammunitiones angefüllet. Alle Officiers thun sich in ihre Guarnisonen erheben / umb vor Ende dieses Monats darinn zu seyn. Der Hertzog von Savoyen soll / wie man sagt / gleichwol vorhabens seyn / alle Protestanten aus dem Lucerner Thal / Angroine und Spein / allda die Reformation erst den Anfang genommen / nebst den übrigen der alten Veltliner / die sich in solche Gegend reterirt / zu der Römischen Religion (Zu Versailles ein Ballet getantzet.) bekehren zu lassen. Zu Versailles ist ein Ballet getantzet / welches anfangs nicht gar angenehm gewesen / weil deß Lullii Freunde vielleicht einige Fehler darinnen wargenommen / anjetzo aber wieder mit Lust angeschauet und auffgenommen; Gedachter Lullius wird dieses Jahr keine Musicalische Werck zu Versailles machen / weil die 50000. Pfund / die der König sonsten jährlich darauff gewendet / zu Allmosen angewendet werden sollen. Den 3. tractirte der Herr Dauphin den König / die Frau Dauphine und andere Dames zum Abendessen / und waren folgends allerhand divertissementen angestellt. Man hat Nachricht / daß fast in alle grosse Städt- und Seehäfen in diesem Reich Ordre gesandt worden ist / umb die vornehmste Reformirte / sowol Kauffleut als andere gefangen zu setzen; einige / weilen ihre Weiber und Kinder geflüchtet seynd / und andere / von denen man besorget / daß sie verreisen möchten / wie dann eine gewisse Holländische Dame mit ihrer Tochter von Nantes nach Savennes über 20. Meilen von dar gefangen gebracht worden. Man sagt / daß sowol zu Straßburg als im Ober-Elsas 2. Magazins sollen auffgerichtet werden. Aus dem Delphinat wird geschrieben / daß 3. Regimenter / welche alldar in denen Winterquartieren gelegen / von bannen auffgebrochen / und gegen Pignerol marchiren / man wüste aber nicht / ob sie nacher Casal oder die Protestirende von ihrer Religion (3. Armenianische Schiff) abzubringen / destiniret wären. Von Rochelle hat man / daß drey [152] wohlbeladene Schiff aus America kom̅end bey der Insul Oleren zu Grund gangen seynd. Durch einen Currier aus Spannien hat man im̅ittels wegen kom̅ender Gallionen die confirmation, und daß diese mit 32. Mill. Stücken (gehen bey der Insul Oleren zu Grunde.) von Achten und 6. Millionen in Silberblatten beladen seynd. Den 11. dieses ist ein extraordinari Courrier aus Engelland angekommen / so dem Hn. Ritter Trumbal wieder neue Ordres wegen deß Fürstenthums Oranien (Ein Engelländischer Contrier zu Pariß augelangt.) und der Englischen Protestanten / wie auch Klagten / daß einige Frantzösische Schiffe in der See kreutzen / und verschiedene Protestirende / welche sich in die Insul Gersey reterirt haben / wegnehmen wollen / mitgebracht haben solle. Vor etlichen Tagen hat der Königl. Dähnische Extraordinari Envoye deß Chur-Printzens zu Sachsen Durchl. nebst verschiedenen andern frembden Printzen / und vielen Herren und Dames von Hof in seinem Logiament sehr herrlich gastiret. Von Rom schreibt man / daß an dem Palquino (Eine nachdenckliche affiction zu Rom geschehen.) eine Tafel affigiret gefunden worden / deren Bedeutung und Auslegung zu ergründen die Verständigen sehr beschäfftiget wären: Auff gemeldter Taffel siehet man einen Adler / so die Schwalben verjaget; einen Löwen mit Flügeln / welcher nach denen Wespen fliehet / und einen Bauren auff Polnisch gekleydet??? der mitten im Morast ist / und mit einem Stab suchet / wordurch er heraus kommen / und durch einen Fluß den Zwergweg nehmen möge; man siehet auch darauff einen Mann / wie ein Frantzös. Koch gekleydet / in der Hand eine Pfanne haltend / darinnen Erbsen seyn / welche er untereinander rühret / sagend: Sie seynd noch nicht / wie ich sie haben will. Der Graf von Olloner / Seneschal von Poictu ist im 60. Jahr seines Alters gestorben. Allhier seynd einige Herren aus Engelland / welche / wie man sagt / auff den Grafen von Castelmaine warten / welcher wegen Sr. Kön. Maj. von Groß-Brittanien nacher Rom gehen solle. Die letzte Londische Brieff melden / daß der König durch ein Edict alle Gesetze und Straffen / welche man wider die Römisch. Catholischen seithero der Königin Elisabeth gemacht und verordnet gehabt / aboliro und abgethan habe / also daß die Römisch-Catholischen krafft solchen Edicts Macht haben / allerhand Charges und Aembter sowol in Militar-Civil-als Policey-Sachen bedienen und verwalten zu können. Jh. Königl. Maj. waren einige Tag etwas unpäßlich / (König in Franckreich wird unpäßlich.) so durch einen Blutschwähr an dero Arm entstanden / es seynd aber Jh. Maj. bereits wiederumb so weit reconvalescirt, daß sie zu Versailles in der Opera gewesen. Weilen sonsten der König von Marocco den mit dieser Cron gemachten Tractat umb die Christliche Sclaven gegen die Moroquynen auszulösen / und vor jeden / welcher auff ein oder der andern Seiten mehr gefunden werden würde / 100. Rhlr. zu bezahlen / nicht ratificiren will / [153] als dörfften wohl ehistens einige Frantzösische Schiff der Ends gesand werden. Mons. du Quesne, dem alle seine Dignitäten abgenommen / gehet auff sein Schloß d'Aubonne ins Schweitzerland. Die Marquisin de Saignelay hat nun ihren zweyten Sohn zur Welt gebohren. Man vernimmet / daß der Pabst vor künfftige Campagne 200000. Rhlr. nacher Polen / und auch so viel an Jh. Röm. Käys. Maj. senden werde. Ein Venetian. Schiff / als es ein Frantzös. Kauffarthey-Schiff durchsuchet / hat es darinn die Envoyes von Tunis / welche kamen / umb den Tractat / so mit ihnen gemacht worden / zu confirmiren, gefunden / welche Envoyes in Eisen geschlossen / (Viele Grosse geben mit permission deß Königs in Engellane???.) das Schiff aber wieder frey gelassen worden. Madame Hervvard und ihre Tochter die Marggräfin von Gouvernay, und Mons. de St. Martin Hof-Rath haben Erlaut nuß bekommen / sich in Engelland zu reteriren. Der Marschall d'Estrade ist wieder in sein vorige Kranckheit gefallen. Man sagt / daß der König von China der Moscowitter in Siberien auffgeworffene Fortressen und Vestung belägert und einbekommen habe / der Marschall de Schomberg gehet mit seiner gantzen Familie mit permission deß Königs nach dem Portugesischen Hof / und weilen er daselbsten sehr beliebet / und ein Grande von gedachter Cron ist / der er vormals sehr gute Diensten gethan / so verhoffet man an diesem Hof nicht geringen Vortheil davon zu haben. Dergleichen veřmeynet man auch an dem Englischen Hof durch den Marq. de Ruvigny zu haben / welcher ebener massen mit allen seinen Angehörigen sich dahin begeben. Der König hat in seinem Rath resolvirt / (Viele Mißbräuche werden adgestellt.) unterschiedliche abuysen und Mißbräuche zu remed ren: und soll man unter andern denen Frauens-personen in den Craiß deß Altars zu kommen / verbieten / dieweil ihnen solches durch viel Concilien und Capitulen von Charle Magne verbotten ist / und die Münche solches aus verkehrter complaisance vor die Dames umb selbige nicht zu erzürnen / nach der Hand zugelassen / und connivirt haben; Man soll auch die Unterredung und familiaire Discoursen in den Kirchen verbieten / zu dem Ende schon der Ertz-Bischoff dieser Stadt auff Ordre deß Königs an einige Superiores unterschiedlicher Conventen Ihrer Maj. vorgenommene Desseins und Fürnehmen notificirt / und ordonnirt / sich darnach zu richten. Allhier befindet sich ein Chur-Pfältzischer Secretarius, mit welchem negotiirt wird / jedoch gehen seine Sachen nit starck vor sich. Der unlängst aus Polen anhero gekommene Courrier hat einen kostbaren Türckischen Säbel / welchen Madame de Bethune an Se. Königl. Maj. übergeben hat / mitgebracht. Mons. de Nicolay (Der Obrist Präsident) Obrister Proesident in der Rechen-Cammer gienge vor 3. Tagen nach Presle, einem seinem Landgut / allwo er bauen lässet / und als er von einer Stie [154] gen / so keine Tritte hatte / herab stiege / bekame er einen Schwindel / also daß er von oben herunter sich zu tod fiele / ohne einiges Zeichen mehr zu geben: der König hat nun solche Charge seinem Sohn gegeben; Dieses ist (von der Rechen-Cammer fället sich zu tod.) schon der achte Obrist Proesident dieser Familie / und ist länger dann 200. Jahr / daß diese Charge bey ihrem Hause gewesen ist. Der Intendant in Bear und zu Montauban ist auch gestorben. Der Ruff gehet / daß der König dem Marq. du Bordage Kriegs-Commissarien gegeben habe / umb ihn nach dem Kriegs-Recht als Unterthanen / ausgerissenen Officier / und einen der seinem Printzen untreu worden / indeme er / als er aus dem Königreich gehen wollen / der Königl. Ordonnance zuwider das Gewehr ergriffen / zu verurtheilen / und den Proceß zu machen. Der Herr Marq. d' Angeau heyrathet Madamoiselle von Löwenstein / der Madame la Dauphine Staats-Jungfrau / so 360000. Livres zum Heyrathsgut bekom̅t. Der Gastwirth / so den Canonicum Mons. Petit so erbärmlich tractirt und verletzt hat / ist lebendig geradbrecht zu werden condemnirt worden / und soll er nach seinem Urtheil 9. Schläge lebendig bekommen / und biß daß er stirbt auff dem Radliegen bleiben: er hat aber wegen dieses Urtheils an das Parlament appellirt, (Zu Bordeaux stehen alle Bäume in voller Blüth.) und hofft also noch eine Linderung zu erlangen. Von Bordeaux wird geschrieben / daß daselbst wegen deß überaus gelinden Wetters alle Obstbäume in voller Blüthe stünden / und der Weinstock bereits sehr weit heraus kommen seye. (Spannische Geschichten.) Aus dem Königreich Spannien melden Brieff von Madrit / daß man daselbst Nachricht habe / wie daß ein Spannisches Schiff unterm Commando deß Capitain Jean Schelte den 6. zu Cadix arrivirt / welches 300000. Pesus vor den König und 700000. vor particulier-Personen mitbringet. (Herr Graff von Mannsfeld Käyserl. Ambassadeur wird zum Ritter deß güldenen Vließ gemacht.) Der Käyserl. Ambassad. Herr Graf von Mannsfeld ist von Jh. Maj. dem König zu einem Ritter deß güldenen Vließ gemacht worden / worzu er den 10. dieses von Jh. Majest. Händen / als Haupt und Souverain über dasselbe den Orden empfangen; Der Printz von Astigliano, Marq. de Camerazo, Don Anthonio von Taledo, der Sohn deß Hertzogs von Alva, der Hertzog von Bourneville, Marq. von Conflantz / und der Hertzog von Manteleon, sämbtliche Ritter dieses Ordens haben ins gesambt diesem Actu beygewohnet / und hat der Don Balthasar de Molines, Secretarius das Ambt als erster König der Wappen verrichtet. Am hiesigen Hof ist man beschäfftiget / grosse Summen nacher Flandern und dem Christlichen Käyser zur assistenz wider die Türcken zu remittiren. Per Expressum hat man von Lisabon / daß selbiger König die Mariage mit einer Churfürstlichen Princessin von Neuburg / nemlich der regierenden Käyserin [155] Fräulein Schwester declariren lassen / darüber man hier sehr erfreuet ist. Der Herr Graf Melgar hat endlich die Ambassade nacher Rom / übernommen; und hat der Graf de Fuensalida Ordre empfangen / unverzüglich sich nach dem Mayländischen Staat zu erheben / und alldort von dem ihme conferirten (Der König gibt Ordre 20. Kriegsschiffe auszurüsten.) Gouvernement possession zu nehmen. Der König hat anbefohlen zwantzig Kriegsschiff auszurüsten / umb denen Gallionen / welche aus Indien kommen / entgegen zu gehen. Den 25. dieses hat der Marquis von Baldefuentes, Sohn vom Hertzog von Albrantes mit der Tochter deß Marquis de Orani, Baase deß Cardinals Porto Carrero; und deß andern Tages der Herr F. Chirigta mit deß Marq. del Laneras Tochter Hochzeit gehalten. Mit ehistem sollen die sieben Kriegsschiffe / so in Biscayen ausgerüstet worden / nach America segeln / umb die See von allen Räubern zu (Die von Jh. Päbstl. Heilzum Türckenkrieg destinirte geistliche Contributionsgelder wollen noch keinen offect erreichen.) säubern. Obwolen der Pabst Ihr. König. Maj. verwilliget hat / aus den geistlichen Zehenden und Gefällen sechshunderttausend Rhlr. zu dem Türckenkrieg auffzubringen / so ist doch noch wenig apparenz, daß solches seinen effect erreichen werde / weil dem Augenschein nach die Geistliche nicht geneiget seynd von ihren Einkünfften soviel zu entbehren. Der Don Diego Spinola, welcher Gouverneur zu Gent gewesen / soll von dem König zum Leutenant General über die Trouppen in Flandern declariret worden seyn.

Das fünffte Capitel.
[arrow up]

Die Königliche Engell-Schott- und Irrländische Historien. (Engelländische Geschichten.) IHro Königl. Maj. von Groß-Brittannien haben Mons. Hambden / so wegen Hochverrath / und andern Lastern angeklagt und zur Straff 40000. Pfund verdammet worden Pardon gegeben. Der Lord Dartmuth ist zum Vice-Admiral von Engelland gemacht worden. Weilen den 9. dieses der Jahrstag ist / daß König Carl als deß jetzt regierenden Königs Herr Vatter enthauptet worden / als soll selbiger Tag in aller devotion zugebracht werden / und hat der König befohlen / daß solchen Tag niemand bey Hof als in der Trauer erscheinen soll. Die neue Gräfin von Dorchester wird / wie man glaubt / nach Irrland verreisen. Der Graf von Ossery ist Obrister über die Gardes in Irrland / an deß verstorbenen [156] Grafen von Arran Platz gemachet worden. Der hier anwesende Schwedische Envoye trachtet die Tractaten mit dieser Cron und Schweden zu erneuern / worzu aber noch schlechte apparenz ist. Verschiedene Engell. Kauffleute (Schweden will die alte Tractaten mit der Cron Engelland erneuern.) / die in Franckreich verheyrathet / aber nicht naturalisirt seynd / haben Sr. Majest. zu wissen gethan / daß man ihnen kein Erlaubnuß geben will / umb mit ihren Weibern und Kindern von dannen abzureisen / dannenhero sie Se. Königl. Maj. von Groß-Brittannien inständig bitten / solches vor sie zuwegen zu bringen; worauff Jh. Maj. an den Lord Trumbald / dero Envoye am Frantzösischen Hof / Ordre gegeben haben / sehr nachdrückliche (Mons. Talboth wird vom Hertzog von Graffton im Duell erstochen.) instantien vor sie zu thun. Mons. Talboth, deß Grafen von Schrewsbury Bruder ist im Duell von dem Hertzogen von Graffton erstochen worden / dieser hatte jenen schon einmal wehrloß gemacht / und das Leben genereuse geschencket / er wolte aber damit nicht zufrieden bleiben / biß er endlich den Tod davon getragen hat. Man sagt / daß diesen Sommer zu Honslöwheat eine Armee von 16000. Mann campiren / und etliche Monaten lang alle Tag exerciret werden solle. Den 14. ist der Graf von Castelmaine von hier nach Rom abgereist. Der Graf von Stampfort / so deß Hochverraths angeklaget gewesen / ist unter Bürgschafft seiner Gefängnuß befreyet. Der König hat dem Herrn Bischoff von Londen sagen lassen / daß Se. Majest sich verwundere / ihn nicht mehr bey Hof zu sehen / und daß sie wohl zufrieden wären / daß er daselbst erschiene. Den 28. war der bestimbte (Saxon und Graund werden von deß Königs Banck deß schändlichen Meineyds schuldig erkandt / und verurtheilt.) Tag / daß Thomas Saxon und Mons. David Graund für Recht gestellt wurden / wobey der Hof deß Königs Banck mit einer grossen Menge Volcks angefüllet war; nach vorheriger vielfaltigen examination wurde der Thomas Saxon gefragt / was er zu seiner defension einzuwenden hätte? worauff er antwortet / er sey ein armer Mann / und habe kein Geld einigen Zeugen auffzubringen / und was er ausgesagt / hab er nicht aus einiger Boßheit gegen den Lord de la Meere, sondern allein dem König zu Dienst gethan / bat darauff den König umb Gnad / und wurde von den Richtern deß schändlichen Meineyds schuldig erkant / und verurtheilt / daß er den 23. in der Pillory vor Westmünsterhall / und den 25. vor Templebar stehen / (Der Graff von Sunderland regaliriden König und die Königin mit einem Ballet und Collation.) den 26. von Ludgate biß Westmünsterhall gegeißlet / und den 27. in der Pillory oder Lasterstein vor der Beurß stehen / und den 28. von Neugate biß Tiburn zum andernmal gegeißlet werden soll / welches Urtheil an ihme Saxon auch also vollzogen worden. Den 25. Abends regalirte der Graf von Sunderland den König und die Königin in dem apartement der Hertzogin von Portsmuth mit einem Ball und Collation / und waren zwölff [157] paar Däntzer auff die Manier von allen Nationen gekleydet / gegenwärtig / welche Lustbarkeit mit grosser Vergnügung Ihro Majestäten geendiget worden. A???s Schottland hat man / daß D. Sibbolt von dannen anhero kommen wolte / umb Ihro Majest. kund zuthun / daß ihm ein Brieff zugesandt worden / worinnen man ihm betrohete beyde Ohren abzuschneiden. Man sagt auch noch von einem Brieff / so auff dem Post-Hauß intercipirt worden / und von dem Verräther Ferguson an den Lord Gray von Warcke geschrieben seyn soll / worvon hiernechst mehrere Sicherheit. Als den 22. der Köig in dem Parch spatziren gienge / kahm ihm einer Namens Macnamara ein Irrländer ins Gesicht / welchen Se. Majestät (Ein Irrläuder wird aus Befehl deß Königs arrestirt.) alsobalden arrestiren lassen / und soll er ehistens von dem Königl. Rath examinirt werden / man hält darvor / daß er gegen das Leben deß Königs conspirirt habe. Mons. Vincent. der berühmbte Minister, so in deß Hertzogs von Montmouth Lager gewesen / ist zu Echester gefangen / und unter einer starcken Wacht nach Londen gebracht worden.

Das sechste Capittel
[arrow up]

Sagt von Schwedisch- und Dähnischen Fügnussen. (Königs. Dähnische Geschichten.) AUs der Königlichen Residentz-Stadt Coppenhagen kombt von 15. dito / daß mit Ende deß verwichenen Monats der junge Hertzog von Wolffenbüttel mit dem Obrist-Stallmeister Hrn. Harthausen allda angelangt seye; gedachter Stallmeister hat eine Zeithero an dem Hochfürstl. Zellischen Hoff die Abassadeur-Stelle vertretten / wird auch dem vernehmen nach in wenig Wochen wieder dorthin gehen / umb solche Function ferner anzutretten / erwehntem Hertzogen wird dahier grosse Caresse erwiesen / und wurde / sobald er nur arrivirt / mit Jh. Königl. Maj. Carosse zu Hoff gehohlet / und durch einen Cammer-Juncker zur Taffel genöthiget. (Denen Vertriebenen aus Franckreich werden viel ledige Häuser augewiesen.) Ihr. Majest der König haben sich allergnädigst erkläret / die zu Rotschild / Cöge / und in andern Städten ledige Häuser denen vertriebenen aus Franckreich hier ankommenden Reformirten ohne eintziges Entgeld mit gewissen Freyheiten Erb- und eigenthümblich einzuraumen / welches so viel [158] gewürcket / daß bereits einige Schiff mit solchen Familien ankommen / und seynd noch mehr in Holland / welchen Ihre Majest. ein Schiff entgegen senden / selbige von dannen abzuholen / und anhero zu bringen / welches bey dem hiesigen Frantzös. Ambassadeur zimbliche scheele Augen gibt. Alle Capitains haben Ordre empfangen / ihre Compagnien zu recroutiren / und gegen den 2. April complet zu haben. So wird auch starck geredet / als wann resolvirt wäre / gegen künfftigen Frühling eine Flotte zu equippiren / weiln der Herr Ober-Stallmeister Haxthausen etwas merckwürdiges von (Dähnische Völcker nach dem Elbstrom in Marsch begrieffen.) dem Zellischen Hoff mitgebracht / welches aber annoch secretirt wird. Unsere nach der Elbe destinirte Völcker werden nunmehro völlig im Marsch seyn / welche ein Frantzös. General-Major commandiret / sie werden ihr Haupt-Quartier zum Pinnenberg halten. Der Seel. verwittibten Königin gewesener Ober-Marschall Joachim Heinrich von Bühlau hat sich den II. (Deß geflüchteten Ober-Marschall Büh???au Cammerdiener wird gefangen.) heimblich von hinnen re???rirt / man hält darfür / daß er nach Schonen überkommen ist / dessen Kammerdiener hat man den andern Tag auff dem halben Weg nach Helsignör gefangen bekommen / er soll sich sehr importun in Worten haben hören lassen / viel Brieffe sollen bey ihm seyn gefunden worden / deren Inhalt der Feder nicht kan vertrauet werden / er ist gefangen ins Castell gebracht / wiewohl man sagt / daß er schon wieder heraus sey. Weiln nun besagter Bühlau Krafft eines ergangenen Königlichen Placcats für die verordneten Hn. Hn Commissarien nicht erschienen / so ist dergleichen den 15. abermahls publicirt und zwar folgender Gestalt. Nachdemmahln (Und der Ober-Marschalck zum zweytenmahl ???irt.) Hr. Joachim Heinrich von Bühlau nach der rechtlich ergangenen und ihm den 4. dieses verkündigten / in Sachen so Jh. Kön. Maj. General-Procureur wider ihm haben / nicht ist erschienen / als wird dieser von denen darzu verordneten Commissarien biß künfftigen als den 27. Febr. außgesetzet / alsdann selbiges Tags die Sach in der Rathstube vor dem Schloß zu Coppenhagen deß Morgends umb 8. Uhr soll fürgenommen werden / er erscheine nun oder nit / so soll nichts desto weniger darinnen ergehen / was recht ist. Der Groß-Cantzler Graff von Ahlnfeld / und General-Admiral Juel ligen gefährlich kranck. Sonsten macht man grosse Anstalt auff künfftig zu Gottorff haltendes Carousel. Der Hr. Estaats-Rath Lenthe wird ehist (Der Frantzös. Ambas. tra???tirt den Königlichen Hoff sehr herrlich.) nach Berlin als Königlicher Envoye abgehen. Der Frantzösisch. Ambassadeur in diesem Königreich hat beyde Majest. den König und die Königin sambt dem gantzen Hoff sehr herrlich tractirt; der junge Herr Güldenlöw hat sich sonderlich in seinem tantzen sehr lustig erzeiget / also daß der gantze Hoff sein Vergnügen an denselben geschöpffet hat. So waren auch am Hoff an allen Fenstern Lampen gesetzet / welche roth und weiß leuchten / und [159] bey Abends-Zeit recht schön zu sehen gewesen. Ein Königl. Laquey ist von seinem Cameraden / nachdem er zuvor von ihm braff abgebrügelt war / auff der Stelle todt gestochen worden / der Thäter hat sich wie man sagt / in deß Frantzös. Ambassad. Hauß retiriret / die Persohnen werden beyderseits sehr beklagt / weil sie stäts ein frommes Leben geführet haben / dieser Niederschlag ist in ihrer beyden Vollerey auff einer Hochzeit geschehen. Dahier werden in dem Kriegs-Collegio täglich Zusammenkunfften gehalten / und wichtige Sachen tractirt. Bey Beerdigung deß wohlbekandten Schultzen bey Nacht / Dreyers genannt / erschienen viel vornehme von Hoff / und wurden ihm zu Ehren aus 3. Stücken / und von 4000. zu Fuß Salve gegeben. (Königl. Schwedif. Geschichten.) Aus der Königl. Residentz-Stadt Stockholm habe vom 12. dito folgendes: Der Röm. Käyserl. Envoye Hr. Graff Nostitz wird alhier zu Hoff sehr hoch gehalten / und glaubet man / daß seine Anwesenheit einem incognito sich dahier auffhaltenden Minister einen zimblichen Stoß thun werde / sintemahln der hiesige Hoff nicht allein die mit Ihr. Käyserl. Maj. und Römisch. Reich auffgerichtete Alliance observiren / sondern gar resolviret haben soll künfftigen Frühling 12000. Mann aus Pommern zu Ihr. Käyserl. Majest. Diensten an Orthe und Enden / wo es vonnöthen seyn wird / zu senden. Ihr. Königl. Majest. seynd nach Königsöhr auffgebrochen / von dannen sie nach Jencöping sich erheben werden / umb daselbsten die Militz zu mustern. Vor einigen Tagen hielt Madame Horns mit Mons. (Starcker Regen zu Stockholm.) Nieroth auffm Schloß Hochzeit. Den 8. und 9. dieses hats allhier so starck geregnet / daß dergleichen Regen niemand in Schweden erlebet hat. Sonsten hat man nunmehro bey Hoff die Trauer abgelegt / und wird nach diesem der Hoff mit grösserm Pomp geführet werden / wie dann bereits die Trompeter beordret / alle Mahlzeit zur Tafel zu blasen / welches seiter dem letzten Krieg nicht geschehen. Ihr. Königl. Majest. haben den Hoff-Marschall Rosenhan mit der Präsidenten-Stelle im Wißmarischen Tribual begnädiget / und soll der Herr Axel Leyenschild ihm bey Hoff succed ren. Mons. Silber-Cron aber hat die General-Zoll-Verwalther-Stelle bekommen / doch daß er nicht alle Confiscationes behält. Ohngefähr drey (Bey Ricöping ist ein grosses Erddidem.) viertheil Meil von Nyköping ist ein grosses Erdbeben gewesen / so daß der Wall / so an der Elbe gelegen / dahinein geworffen / so gar / daß die Leuthe von der andern Seiten trucknes Fußes darüber gehen kön̅en / und bezeugen die Bauern / daß solches über 3. Stunden gewähret. Unsere Militze ist in sehr gutem Stand / also daß man im Fall der Noth 60000. Mann ins Feld bringen / und dannoch so viel in denen Garnisonen behalten kan. Auch [160] seynd an statt der Schiffe / welche man einige Jahr hero verlohren hat / wieder neue gemacht / auch seithero dem letzten Frieden 30. Capital-Schiffe gebauet worden. Ih. Königl. Maj. haben eine neue Post-Ordnung publiciren (In Schweden stehet zu Wasser und Land alles so gutem Stand) lassen / krafft welcher niemand als alle. 3. Maj. und Hertzog Adolph Johann frey / denen hohen Ministern und Collegien ist auch zwar eine gewisse Summa frey gegeben / das übrige aber müssen sie alle bezahlen.

Das siebende Capitel
[arrow up]

Erzehlet von Königl. Polnisch-Moscowittisch-Türckisch- und Tartarischen Hoff- und Kriegs-Händeln. (Königl. Polnische Geschichten.) DEn 1. dieses ist zu Zollkiow ein Expresser vom Königl. Polnischen Residenten in Persien spedirt / und 5. Monat unter Wegens gewesen / mit Schreiben von besagtem Residenten / und von verschiedenen Geistlichen an Ih. Königl. Maj. dahier bey Hof angelangt / wordurch (Gute Zeitungen ans Persten kommen am Polnischen Hof an.) Ih. Königl. Majest. berichtet werden / daß der König von Persien den Krieg gegen die Türcken habe publiciren lassen / und würden in selbigem Königreich sehr grosse Zurüstungen zum Krieg gemachet / umb von allen Seiten die Türckische Gräntzen anzufallen. Gemeldter Erpresser meldet auch / daß er im durchreisen selbiger Länder selbsten mit Augen gesehen habe / daß die Völcker zusammen geführt worden / und schon 30000. Mann zu Pferde im Marsch gegen die Türckische Gräntzen im Anzug gewesen wären. Welche Zeitung gedachter Expresse auch in Moscau im durchreisen kund gethan / und unter dem gemeinen Volck grosse Freud verursacht hat; und hätten ihn die vornehmste Ministri deren Czaaren ersuchet / denen Polnischen Ambassadeurn zu vermelden / ihre dahin Reise zu beschleunigen / so sie auch eyligst von denen Gräntzen / allwo er sie angetroffen / bewerckstelliget (In Polen beschicht grosse Zurüftung zu künfftiger Campagne.) hätten. Es liegen hunderttausend Gulden bey dem Päbstlichen Nuntio parat umb unter die Cossacken auszutheilen. Es werden auch viele Schiffe ausgerüstet / womit man auff dem Dniester / Lebensmittel und Kriegs-Munitiones, allwo sich die Armee künfftig befinden wird / hinführet / auch solcher Schiffe im Nothfall zu einer Brücke sich bedienen solle. Auch lässet der Päbstliche Nuntius mit seines Principalen Geldern ein Magazin von Victualien auffrichten / umb dadurch nechstkünfftigen Feldzug zwölfftausend Mann zu Fuß unterhalten zu können. Sonsten sollen die [161] streiffenden Tartarn sich biß auff 13. Meilen nur von Lemberg haben sehen lassen / alwo sie auch viel Menschen und Viehe geraubet. Zu Lemberg ist eine Feuers-Brunst entstanden / seynd doch mehrers nicht als; Häuser abgebrand; Die Cossacken unterm Herrn General Mohila seynd wegen außbleibender Bezahlung sehr übel zu frieden / und lassen sich mit der Betrohung vernehmen / daß sie zum Feind übergehen wollen / wofern der rückständige Sold ihnen nicht ohnverzüglich entrichtet werde; Zu Lemberg seynd einige rantzionirte Gefangene aus Caminieck ankommen / welche einhellig berichten / daß sich in selbiger Vestung abermahl allerhand Mangel eräugnen soll / so gar / daß auch die Besatzung deßwegen sehr schwürich und widerspenstig wird / sonderlich sollen die Janitscharen ihren Officiern wegen außbleibender Zahlung / und daß sie in etlichen Monathen kein (Die Türcken erschlagen ihren Aga in Caminieck Podolski.) Gelt bekommen / nicht mehr pariren wollen / ja ihren Aga selbst erschlagen und einen andern unter sich auffgeworffen haben. Unser Envoye aus Persien berichtet durch den neulich eingelauffenen Currier von Schamy über das was vorhero gemeldt noch ferner / daß alle die jenige Völcker / welche ein Zeitlang in Glanden gestanden / sind beordret worden / unter die Stadt Marivano an den Türckis. Frontiren gelegen / zu rucken / und der allgemeinen Stimme nach die Stadt Babylon berennen sollen / auch daß bey 50000. Familien Araber das Türckische Joch hätten abgeworffen / und (Die Commission in Lublin gehet glücklich von statten.) die Persianische Protection angenommen. Von Lublin schreiben die Königliche Herrn Commissarii, daß sie die Commission, den Bischoff cum Jurisdictione alldorten zu installiren / glücklich angefangen haben / ungeachtet sich die Diffidenten befleissen / das Werck auff alle Weiß / auch mit Schwedisch- und Dähnischer Betrohung zu hintertreiben. Die Zeitung / so aus der Türckey eingelauffen / gehen alle dahin / daß der Sultan entschlossen / den Krieg mit grösserer Macht dann vorm Jahr geschehen / wider dieses (Der Türck und der Tartar Cham wollen mit 100000. Mann wider Pohlen zu Feld geben.) Königreich fortzusetzen / zu welchem Ende der Solymann Bassa diese Campagne 50000. Türcken führen / und deß Hans Sohn mit einer nicht geringern Macht zu ihm stossen soll. Dahero Ihr. Königl. Maj. mit grösserm Eyfer alles zu einem frühen Feldzug verfertigen lassen / auch gäntzlich entschlossen seyn / der künfftigen Expedition in eigener Persohn beyzuwohnen / umb deroselben desto grössern Nachtruck zu geben / und ungeachtet es viel Grosse Ihr. Königlichen Majestät mißrathen wollen / damit Ihr Königl. Majest. bey herannahendem Alter ausser Gefahr bleiben / und (König in Pohlen wil in hoher Person selbst zu Feld geben.) der Republic zum besten / ihrer hohen Persohn schonen möchten / wollen sich Ihro Königliche Majest. doch keines wegs abhalten lassen. Uber die jüngst gemeldte Particularia, welche der Courrier mitgebracht / hat der König [162] von Persien / auch ein Schreiben voller Affections-Bezeugung an Ihr. Königl. Majest. von Pohlen gesandt / darinn enthalten / daß selbiger jetzige Gelegenheit ergreiffen wolle / umb die Türcken zu untertrucken / und die jenige Länder / so ihme von den der Ottomann. Porten gewaltthätiger Weise abgenommen worden / wieder an sich zu bringen / und zu erobern. Auch referiren die Brieff deß Königl. Pohlnisch. Residenten in Persien / daß obiger Resolution, der Primo Visir sich zwar widersetzt hätte / aber nichts desteweniger die Kriegs-Declaration und Ankündigung decretirt und geschlossen worden seye. Auff den Jahrmarckt zu Lemberg seynd verschiedene Käys. Officiers aus Ober-Ungarn angekommen umb Pferde / Tücher / und andere nöthige Sachen einzukauffen. Der Herr Bischoff von Chelma, wird in Königl. Commission nacher Rom verreisen. Die Commissarii Deputati haben auff letztem Landtag zu Crackau dieser Republic Schatz-Kammer (Ein hoch schätzbarer Diamant zu Krackan in der schatzkammer) besichtiget / und unter andern auch den considerablen Diamant / so 22500. Ducaten werth ist / wie auch die Moscowittische Cron / welche von Ladislao IV. durch ein Testament dieser Republic überlassen worden / mit Perlein und allerley kostbahren Edelgesteinen / und insonderheit oben am Gipffel mit einem runden Saphir einer Welschen-Nuß groß / so auff einem Creutz von Diamanten ruhet / besetzet / besichtiget; Es seynd auch noch 7. andere Cronen alldorten / eine von selbigen ist vom Königreich Schweden / und die andere von Hungarn gewesen. Den 6. ist ein Courrier aus Franckreich bey Ihr. Königl. Majest. angelangt / bey welchem man gäntzlich verhoffet hätte / einen ergebigen Wechsel zu bevorstehender Campagne wider den Erbfeind zu überkommen / so spühret man aber in effectu, daß man uns Pohlen nur mit lähren Hoffnungen auffhält / Kaminieck Podolsky aus (Herr Weywoda von Posen kan aus Mangel genugsamer Instruction mit den Tractaten in Moscan nit fertkommen.) der Türcken Hände zu erobern. Der Herr Weywoda von Posen als Groß-Abgesandter in Moscau beklagt sich / daß wegen einer und andern abgängichten Resolution / welche ihme von der Republic zugeschickt werden solten / er mit den Moscowittern nur in langwürige Verzögerung gerathe / dahero dann / wann seine Legation zu keinem effect gebracht werden solte / er sich hierwider protestando angeben. Der Hr. Graff Cziacky / welcher vor 2. Monathen von Ihro Käyserl. Majest. in die Wallachey zum Printzen Serbano Contacuzeno, Hospodat von selbiger Landschafft geschickt worden / ist von dannen allhier wieder bey Hoff zurück gelangt. Der neue Groß-Vezier hat an den Abaffy Fürsten von Siebenbürgen / an obbesagtem Printzen (Grosse offerta deß ninen Groß. Veziers.) Contacuzeno, und an den Woywoda von Moldau geschrieben / und sie aller guten Verständnusse und Schutz von der Ottomann. Porta versicherl / auch denen beyden ersten versprochen / daß der Groß-Sultan ihre [163] Söhne bey der Succession der Fürstenthümber erhalten werde; und hat ihnen darnebst bedeutet / sich mit ihren Völckern ehistens parat zu halten / und an Platz der 900. Mann / so sie in vergangenen Jahren zu Diensten der Porta gesandt / anjetzo 1200. senden solten. Innerhalb 14. Tagen solle (Viele grosse und kleine Schiff werden zugerichtet.) obgemeldter Graff Cziacky nach dem Käyserl. Hoff abreisen. Es werden viele Schiffe / und unter diesen neue und grössere / gemacht- und außgerüstet / umb darmit Lebens-Mittel zur Armee zu führen / und hernach solcher Schiffe / zu einer Brücken auff dem Dniester / sich bedienen zu können: Andere kleinere Schiff / welche zu Zeiten deß Königs Casimiri gebauet worden / hat man wieder außgebessert / und aus denen Zeughäusern zu Lemberg und Warschau geführet / welche zu Anordnung der Brücken auff dem Brut dienen sollen / weiln man selbige gar bequemblich auff Wägen von einem Fluß zum andern überführen kan. Ihr. Königliche Maj. haben resolvirt / gleich zu anfang der Fasten von Zolkiew auff Reusch-Lemberg sich zu begeben / indeme zu Zolkiew gefährliche Kranckheiten sehr einreissen / daß bereits Ihr. Majest. die alldortige Judicia Curialia limitiret haben. Herr Marq. de Bethune negotijrt hin und her sehr eyfferig / ohne daß man dessen Zweck ergründen könne / doch weiß man soviel / daß er aus Dantzig wiederumb einen Wechsel bekommen. (Moscowit. Geschichten.) Brieff aus der Großfürstlichen Residentz-Stadt Moscau berichten / daß von denen Pohlnisch. Ambassadeurs bereits einige zu Smolensko arrivirt / und die andere annoch erwartet werden / auch wird noch von einer andern Käyserl. Ambassade geredet / umb Ihro Czaarische Majestäten zum Krieg mit den Crim̅ischen Tartarn zu engagiren / wormit aber schwerlich wird können durchgetrungen werden / weiln der König von China die durch Ihr. Czaarische Majestäten in Iberien auffgeworffene Fortresse belägert / und eingenommen haben solle / die Besatzung / welche sich nicht defendirt / habe er abziehen lassen / und einen Brieff in Lateinischer Sprache durch die Jesuiten concipirt (welche wie man sagt / ihn zum Christlichen Glauben sollen bekehrt haben) anhero gesandt / worauff erfolget ist / daß einen gewissen Jesuiten (so allhier offentlich die Messe gelesen) solches verbotten / und die Stadt zu meyden angesagt ist / man vernimbt indessen daß Ihr. Czaarische Majest. eine Gesandschafft nach China abschicken werden.
|| [164]

Das achte Capittel
[arrow up]

Redet von Italiänischen / meistens aber Venetianischen / auch wohl Türckischen Staats- und Kriegs - Affairen. (Benetianis.) EIn Frantzös. Schiff / so von Constantinopel gekommen / und den (Geschichten.) 3. dito zu Venedig angelangt / hat mitgebracht / daß die Forcht deß Kriegs / Unwilligkeit der Soldaten / Pest / Theurung und Uneinigkeit unter den Häuptern / so das Gouverno führen / daselbst noch immer continuiren. So vernimbt man auch von Alexandrette / daß in selbiger Gegend der Schrecken unter dem Volck nicht außzusprechen seye / welches das (Das Türckische Reich G???ebet in schlechten Stand.) Türckische Joch von sich zu werffen willens / zu welchem Ende dasselbe bereits 2. Chiausen / so sich allzueyffrig in Auffbringung Kriegs-Volck bezeuget / umbgebracht / jetzund aber die Städte verlassen / und sich in Wüsteneyen auffhalten / woraus zu schliessen / daß die Türcken diese Campagne sehr schwach ins Feld kommen werden / zumahln / weil confirmirt werden wil / daß der König von Persien ein sehr formidabel Kriegs - Heer außrüste / und damit auff die Türcken loß zu gehen / und den letzten Stoß zu geben willens seye. Vor etlichen Tagen hat man allhier zu Venedig 800. neugeworbene Soldaten nebst 200. auff die Galleen condemnirte Persohnen eingeschifft / so alle nach unserer Armee geschickt werden sollen / welche noch mehr zu verstärcken / man an vielen Orthen werben läst / und immerhin allerhand Vivres und Kriegs - Munition derselben zuschicket. Der (Der Tractat zwischen Dennemarck und Benebig wegen Uberlassung 3000. Man wird vor geschlossen gehalten.) Tractat zwischen dem König von Dennemarck und hiesiger Republic wegen Uberlassung 3000. Mann wird vor geschlossen gehalten / und sollen die Völcker zu dero anhero Marsch die Paßporten bereits empfangen haben / die Lüneburgische Völcker aber haben dero Marsch anhero bereits würcklich angetreiten. Mit einer Saicken / so den 6. allhier angelangt / hat man Brieffe vom 15. Januarii in Zara geschrieben / empfangen / welche melden / daß ohneracht deß Regens und Schnees / wordurch das Gebürg und die Wege sehr unbequem zum marchiren gemacht worden / sich dannoch eine Parthey Morlacken zusammen gethan / welchen der Herr General Michiel alle Nothwendigkeit zu ihrem Vorhaben gegeben / darauff jene / biß nach Lapatz / einem Orth jenseit deß Gebürges von Corbavia avancirt / und daselbst 3. grosse Oerther außgeplündert hätten / [165] wegen eines dicken Nebels aber haben sie nit weiters kommen können; Inzwischen haben sich die Türcken ins Gebürge verkrochen: gedachte Morlacken aber seynd mit einer guten Beute von Früchten / Käsen / und Butter / (Die Morlacken thun denen Türcken grossen Schaden.) Item 2000. Stück klein Viehe / 400. Ochsen / 40. Pferden / 8. Türckenköpffen / und 9. gefangenen Türcken glücklich zuruck gelanget / und haben über 1000. andere Morlacken / so noch Türckische Uni???erthanen gewesen / unter der Republic Venedig Gehorsam und Schutz gebracht. Von obgemeldten Morlacken ist im Hin- und Hermarsch nur ein einiger verwundet worden. Den 6. seynd Ih. Durchl. der Printz von Hannover von unserer Armada zu Corfu dahier angelangt; Zu gedachtem Corfu stehen 20. Kriegs schiffe zum aus auffen sertig / umb im Archipelago zu kreutzen / und denen Türcken zu verhindern / weder Volck noch Kriegs-Ammunitiones transportiren und überführen zu können. Uber Ragusa hat man von Constantinopel die Gewißheit / daß der Groß-Vezier aus Bekümmernuß gestorben / und Solymann Bassa an seine Stelle gesetzt worden ist. Die Völcker von unserer Armada / so sich noch zu Corfu befinden / werden alle neu gekleydet / 50. Soldaten und einige Officiers / welche jüngstens auff einem Schiff in Eisen geschlagen worden / seynd noch alldorten gefangen. (Die Türcken lassen viel Ort in Morea bevestigen.) Die Türcken lassen im Königreich Morea, Napoli di Romania und mehr andere Oerter mehrers bevestigen / und halten unfern Calamata und Mistra starcke Partheyen Türcken Wacht / umb denen Streiffereyen der Mainotten vorzubiegen. Der Capitain Tercerti mit 20. Bootsknechten / so mit einem Schiff S. Nicola genant / in den Hafen von Zio gekommen / umb (Der Capit. Tercetti wird zu Scio erkant / und sambt seinen Bootsknechten in Stücken zerhauen.) einzuladen / ist erkant / daß er vor unsere Republic einladen wollen / und deßhalben von 4. Beilerischen Galleren angegriffen worden / nachdeme er aber nach einigem Gesecht nicht länger Widerstand thun können / hat er die Pulverkammer in Brand gesteckt / so aber keine andere Würckung gethan / als nur ein Theil deß Schiffs von hinten zersprengt hat / also daß die Türcken die jenige / so noch lebendig geblieben / erbärmlich in Stücken zerhauen haben. Die jenige Völcker / welche wir aus dem Mayländischen Staat zum Succurs wider die Türcken erhalten / seynd nun von dannen auffgebrochen / und werden ehistens zu Lido seyn. Sonsten vernim̅t man aus der Türckey mit Brieffen vom 10. passato / daß ob schon ein Gerücht geloffen / daß deß Groß-Sultans Bruder trachte nach dem Thron und Leben seines Bruders / und zu dem Ende suchte die Völcker in selbigem Reich in Auffruhr zu bringen / so wäre er doch selbsten nach Adrianopel gekom̅en und hätte seinem Bruder seine Unschuld bezeugt / und daß er bereit seye / sich [166] demselben auffzu???opffern wegen der Glory und Hoheit deß Sultans; daß man berathschlaget hätte / ob der Groß-Sultan selbst mit zu Feld gehen solte oder nicht / so aber nicht gut befunden worden / weilen man darfür gehalten (Grosse Berathschlagungen geben zu Adrianopel vor wegen Künfftiger Campagne.) / daß sein Respect erferdere / alsdann zum wenigsten eine Armee von 400000. Mann ins Feld zu fühlen / und wann alsdann die Campagne unglücklich ausfallen möchte / solches grosse Auffruhren und disrespect vor die Monarchie unter denen Völckein nach sich ziehen dörffte; deßhalben man vor das beste gehalten / umb alle mögliche Macht auff die Beine zu bringen / mit Befelch an alle Generalen und Commendanten keine Schlacht gegen die Christen zu wagen. Es wird über dieses noch ferner berichtet / daß nachdeme der Groß-Sultan erfahren / daß man ihme eine zeitlang die considerable Verlusten in Ungarn und Morea verborgen und heimlich gehalten / wäre er darüber so ergrimmet / daß er 2. von seinen Confidenten mit dem Strang habe erwürgen lassen / als sie ihme solches offenbahret gehabt. Man habe auch umb Ge???ld zu bekommen alle die güldene Zierrathen von der Pferde Decken / Zäumen / und Sätteln deß Groß Sultans in die Müntz gebracht / so sich auff etliche Millionen belauffen Man vernim̅t / daß die Türcken ein notabel Verstärckung an Volck nach Modon und Navarino in Morea gebracht haben / und der Bassa / welcher Xarnata denen unsrigen übergeben hat / wieder zu denen Türcken üderlauffen wollen / wäre aber ertappet / und auff Ordre deß Herrn Capitain General zu Coron (50. Frantzös. Officiers protestirender Religion werden von den Venetiapern??? in Kriegsdienst genommen.) enthauptet worden. 45. biß 50. Frantzösische Officiers / so wegen der protestirenden Religion aus Franckreich geflohen / seynd anhero gekommen / welchen hiesige Republic allen Dienste gegeben hat / so mit erster abgehender Convoye zu unserer Armada sich erheben werden. Deß Herrn Printz Georg Ludwig von Braunschweig Frau Gemahlin ist vor etlichen Tagen mit vielem Teutschen Frauenzimmer dahier angelangt. Den 15. seynd die 500. Dragoner / welche aus dem Mayländischen Staat gekommen / in der Gegend Lido angelangt / so eine schöne / wohl-mondierte und exercierte (2. neuerbaute Schiff werden ins Wasser geleitet.) Mannschafft ist. Den 11. wurden zwey Schiffe / so neu erbauet worden / aus dem Arsenal oder Zeughauß / deren eines 80. Stück Geschützes und das andere 60. auff sich hat / in das Wasser geleitet / welcher Einleit- und Einwerffung Jhr. Durchl. die Pricessin von Hannover über eine Stunde lang zugesehen hat. Mit einem Englischen von Algier kommenden Schiff (Ein Algierisches Schiff scheitert vor dem Seehafen.) hat man / daß 9. Kriegsschiff von den Corsaren zugerüstet worden / so mit deß Groß-Sultans Armada sich conjungiren sollen / und als deren eins ist ausgeführt worden / ist es vor dem Seehafen zu Grund gangen / die Schuld ist dem Capitain deß besagten Englischen Schiffs beygemessen / er auch deß [167] wegen in gefänglichen Verhafft gezogen / aber nach beschehenem Examen und Befindung seiner Unschuld wieder auff freyen Fuß gestellt worden. Zu Tripoli werden ebenmäsiig 7. Cossarische Schiff zugerichtet / so zur Türckischen Armada gehen werden. Von Corfu hat man / daß 20. unserer Schiffe nach dem Archipelago ausgelauffen seynd. Der Capitain General Morosini läst allhier ein kostbare Liberey von Scharlach mit Gold bordirt (Ein Jüngling von 19. Jahren wird enthauptet.) vor seine Bediente verfertigen. Den 6. dieses Morgens wurde allhier ein Jüngling von 19. Jahren alt / von Turin gebürtig / und wie man sagt / von einem guten Hauß / enthauptet / und hernach geviertheilt / welcher mit einigen Stock- und Fäustschlägen einen alten Mann / so ein Krüppel / und biß 70. Jahr alt gewesen / ermordet / in Hoffnung vieles Geld bey ihme zu finden / aber hat nur 18. Secchynen von ihme bekommen; er hat auch bekandt / daß er zu solcher That durch einen Uhrmacher / so sein Landsmann wäre / angereitzet worden; weilen man aber gegen diesen keinen gnugsamen Beweißthum gehabt / hat man ihn nur in ein ewig dunckeles Gefängnuß (Aus Marland langen verschiedene Regimenter den Venetig???nern zu Hülff in Lido??? an???.) condemnirt. Denen jüngst dahier angelangten 500. Dragonern seynd seithero 1. Teutsches Regiment und 2. Terzi Lombardisch. Fußvolcks nachgefolgt / so allerseits ein auserlesene Mannschafft ist / man hat selbige in Lido einlogiert / die Schiff umb solche zu transportiren, wie auch jene 1000. Mann / welche in der Insul St. Spirito ligen / seynd schon fertig. Man wird aus dem Arsenal noch 2. Kriegsschiff / als Fama Volante und Venere Armata heraus führen / und verschiedene andere Schiff mit Biscuit / Reiß / Meel / und anderer sowol Mund- als Kriegs-Provision beladen: Diese Convoye wird in 40. Schiffen ungefehr bestehen / worüber Jhr. Excell. Pietro Bembo das Directorium führen wird. Dieser Tagen hat man 1. Schiff mit Soldaten nach unserer Armada geschickt / und werden noch einige nach Zante voran gehen / bevor obgemeldte Convoye von hier auffbricht. Zu Zante wird der General Rendevous seyn / allwo auch einige Magazinen auffgerichtet werden. Indessen werden die Hannoverische Trouppen allhier erwartet / welche sambt den andern / so annoch kommen sollen / die zweyte Convoye ausmachen werden. Mit diesen werden auch jene zwey grosse Schiff gehen / welche jüngsthin in beysein Ih. Durchl der Hertzogin von Hannover aus dem Arsenal geführt worden. Der Herr Gioan. Boati (Neue Invention von??? einem Mör???sel.) hat unter andern neuen Kriegs-inventionen auch ein Mörsel nit schwehrer als zwölff Pfund erfunden / aus welchem man mit einer Untz Pulver eine Granat über 300. Schritt werffen kan / dergleichen viel aus Befelch deß Senats verfertiget worden / so mit Colonell Christophoro Bonn als einem hierzu erfahrnen Mann nach unserer Armada überbracht werden. Der [168] Herr Mutoni, welcher aus gewisser Ursach hiebevor von hier in Franckreich geflohen / ist wegen seiner sonderbahren Experience mit den Carcassen und Bomben umbzugehen / deren er vor Tripoli und Genua schöne Proben gethan / pardonnirt / und wiederumb anhero beruffen / und in unsere Kriegsdiensten auffgenommen worden / der für ein jährliche Vestallung 2500. Ducaten empfängt. Mit einem Schiff aus Dalmatien hört man von einigen Progreslen der Morlacken / und deren von Mascarsca wider die Türcken / (Herr Gen. Königs. marck langt zu Venedig an.) die Particularia folgen mit nechstem. Der General Königsmarck ist hier angelangt. Man vermeynt / den 1. Martii 10000. Mann nach der Levante abzuschicken / und seynd bereits wiederumb etliche Patenten zu Werbung einiger Italiäner zu Fuß ertheilet worden. Nachdem sonsten einige particulier-Genueser dieser Republic angebotten / 100000. Ducat???en gegen 5. von hundert interesse, hat dieselbe solches angenommen. Man sagt / daß der Marq. Parella von Ih. Kayserl. Maj. als Abgesandter an den König in Persien abgesandt werden dörffte. (Päbstl. Geschichten. Cardinal Mellini regalirt den Pabst mit vielen Raritäten und Kostdarketten.) Von der Päbstlichen Residentz-Stadt Rom komt Bericht / daß der Cardinal Mellini dem Pabst einen güldenen Kelch mit Edelgesteinen angefüllet von grossem Werth sambt dergleichen Deckel / wie auch ein Sanduhr / einen Teller von Gold / mit allerhand Edelgesteinen umbsetzet / ein Creutz mit Diamanten gezieret / drey Stücker weissen Spannischen Leinwand / umb den Pabst zu kleyden / ein Becken oder Schüssel von Indianischem Holtz mit Perlein eingefassel / und angefüllet von Bezoar und andern Steinen von grossen Tugenden aus selbigen Landen verehret / so viel 1000. Scudi geschätzt wird. Vom König in Polen ist an seinen allhier sich befindenden Ambassadeur Mons. Denhoff ein Courrier kommen / welcher / weilen er bey dem Pabst kein Audientz haben können / mit dem Cardinal Cibo conferirt, und will verlauten / daß er begehrt / weilen Se. Königl. Maj. in Person diese bevorstehende Campagne agiren / und dero Armee sehr verstärcken werden / man möchte die Gelder / so bey dem Nuntio Apostolico (Anstalt zur Campagne wider den Erb???seind.) in deposito verwahrt werden / extradiren. Der Pabst hat den Schatzmeister nach Civita Vecchia geschickt / welcher die Schiff und andere Nothwendigkeiten zum Krieg herbey schaffen und zurüsten soll. Der Marchele Macolani soll die Völcker / die auffs Land ausgesetzt werden / commandiren. Der Pabst läst sich annoch in keinem Consistorio sehen / worüber verschiedene Discursen gehen / bevorab weilen er seinen Officialen / aber keinem (Cardinal Altiori läst ein Edict im Druck ausgeben.) Ambassadeur Audientz gibt / welche deßwegen sehr lamentiren. Der Cardinal Altieri hat ein grosses Edict in Druck heraus gegeben / worinn unter grosser Straff verbotten wird / daß keiner etwas von Mahlereyen / [169] Statuen / und andern raren Antiquitäten kauffen oder verkauffen solle. Den 23. hat der Pabst dem Thesaurario Audientz gegeben / welcher von Civita Vecchia wieder zuruck gelanget. Der Ambassadeur von Maltha aber und der Envoye von Venedig / ob sie schon dergleichen verlangt / seynd allein von dem Cardinal Cibo angehört worden. Der Herr Bouncompagni Catallila ist tods verblichen / dessen Gedächtnuß jedoch nicht ersterben wild / massen er in der Wienerischen Belägerung nicht allein grosse Geld-Summen / und seine gantze silberne Service hergeben / sondern auch die Kirch (Eine stunreiche Statua zu Rom vor den König in Franckreich verfertiget.) S. Marcelli auffs kostbarste auszieren lassen. Es ist nunmehr jene sinnreiche Statua vor Ih. Aller-Christlichste Majest. durch den berühmten Bildhauer Guidi fertig worden / welche Statua repraesentiret einen / der deß Königs Thaten in einem Buch / so auff dem Rucken der Zeit ligt / verzeichnet / wobey noch viel andere sinnreiche Allusiones zu beobachten / und weilen dieses Werck von der grösten perfection ist / als haben 14. Cardinäl und die Königin von Schweden dasselbe besichtigt / und sehr gerühmt / es ist schon eingeschifft / und wird ehistens in Franckreich abgeführt werden. Die 6. Cardinal / Executores deß Testaments deß verstorbenen Cardinals Castaldi, welche haben 20000. Scudi einige Capellanias zu fundiren / haben auff Anhalten deß Hauses der Convertiten und deß Pabsts Befehl besagte Capellanien in dem Hauß der Convertiten, welches ohne dem ein völliger Erb bemeldten Cardinals Castaldi ist / transferirt. (Cavopsche Geschichten.) Vom Savoyischen Hof bringen die Advisen aus Turin / daß der Herr de la Roche, so Commendant in Asti gewesen / von dannen abgereist / umb possession von seinem neuen Gouvernement deß Lucerner Thals zu nehmen. Der Herr Marq. d'Ufee hat noch keinen Abschied genommen / so aber bald beschehen dörffte: Inzwischen hat er vor wenig Tagen eine kostbare Abend-Mahlzeit gehalten / worbey sich die Dames und Cavalliers von hiesigem Hof eingefunden haben / nach welcher ein Ballo oder Tantz gehalten / und zuletzt solche Gasterey mit Freudenfeuern geendiget worden ist. Obwolen sonsten Ihr. Königl. Hoheit der Hertzog von Savoyen sehr obligeante Schreiben von einigen protestirenden Fürsten empfangen / durch welche sie bitten / doch nicht zu gestalten / daß die Savoyische Unterthanen / welche Reformirter Religion seynd / in der Freyheit ihres Gewissens möchten beunruhiget / sondern darbey gelassen werden / so haben doch dessen unangesehen Seine Hoheit vest bey sich beschlossen / die Reformirte Religion in dero Landen / gleich es in Franckreich beschehen / auch auszurotten / zu dem Ende selbige nachgesetztes Edict [170] publiciren lassen / und damit einige Trouppen nach dem Lucerner Thal abgeschickt / umb solches den daselbst wohnenden Reformirten zu insinuiren, und die jenige / so sich etwann widersetzen möchten / mit Gewalt zum Gehorsam (Hertzog von Savoyen läst ein Edict wider die Reformirte im Lucerner Thal publiciren.) zu bringen / der Inhalt deß publicirten Edicts bestehet hierinn: Daß 1. allen Zusammenkunfften sub quocunque praetextu das Exercitium Religionis auch in privat-Häusern verbotten. 2. Daß alle Kirchen und Häuser / in welchen sie biß anjetzo ihr Exercitium Religionis halten / sollen niedergerissen werden 3. Daß alle Pfarrer und Schulmeister / die sich zur Catholischen Religion nicht bequemen wollen / bey Vermeydung harter Straff innerhalb drey Tagen das Land räumen / an deren Plätze Catholische eingesetzt werden sollen / die jenige aber / die zur Catholischen Religion tretten werden / sollen nicht allein bey ihren vorigen Freyheiten verbleiben / sondern es verspricht ihnen auch Se. Königliche Hoheit noch ein Drittheil deren Einkünfften / so sie würcklich geniessen / zu addiren, welche auch nach ihrem Absterben dero hinterlassene Wittiben empfangen sollen. 4. Die Kinder sollen ins künfftig von Catholischen Pfarrern getaufft / und in derselben Religion aufferzogen werden / welches die Eltern bey unausbleiblicher schwehrer Straff nicht verhindern / und so sie dargegen handlen / die Vätter fünff Jahr lang auff die Galleren verdammet / und die Mütter mit Ruthen ausgestrichen werden sollen. 5. Confirmiren Ihr. Königl. Hoheit die Edicta, so sie den 4. Decembr. letzt-verflossenen Jahrs ausgehen lassen gegen die Frantzösische Flüchtling / so sich aus gedachtem Königreich in diesen Staat salvirt haben. Daß auch alle Frembde von der Reformirten Religion / so sich in diesem Land häußlichen niedergelassen / innerhalb 14. Tagen entweder ihrer Religion abschwören / oder bey Lebens-Straff und confiscation dero Güter hinweg ziehen sollen. Man hat ihnen erlaubt / alles das ihrige (dannoch an Catholische) zu verkauffen / und dafern sich keine Käuffer würden finden lassen / will der Hof ihnen umb einen billigen Preiß dasselbe abnehmen. (Mayländische Geschichten.) Aus dem Hertzogthum Mayland hat man / daß den 5. dito deß Obristen Carl Anthonio Visconte Teutsches Regiment / dann deß Grasen Pietro Francisco Visconte, und D. Annibale Lombardische Regimenter Infanteri (Denen Venetianern werden einige Regimenter überlassen.) in allem 3000. Mann starck ihren Marsch nach Casall fortgesetzt / allwo sie nochmalen gemustert / alsdann eingeschiffet / und auff dem Pofluß nach Venedig selbiger Republic zu Diensten wider den Erbfeind abgeführt worden. Ingleichem ist deß Obristen Barnabo Maria Visconti Regiment Dragoner bey Crema gemustert / über 500. Mann starck befunden / und nach Venedig abgeschiffet worden. Den 30. ist ein General-Musterung aller Or [171] ten in gantzem Hertzo thum Mayland unter der Militz beschehen / und vermeynen theils / daß der Comte de Melgar einen guten Theil von dieses Staats Völckern umb dieses Hertzogthum vor seinen Abschied annoch zu consoliren, reformiren werde; andere wollen jedoch glauben / daß weiter keine Reformation werde vorgenommen werden wegen der Frantzosen / welche in Pignerol ankommen seynd. (Genuesische Geschichten.) Aus Genua wird geschrieben / daß den 5. dito unweit von dar durch Unachtsamkeit der Bootsknechten ein klein Schiff / so nach Savona gewolt / zu Grund gangen / und seynd alle Passagiers / worunter auch 5. Religiosen gewesen / ertruncken / die Bootsleuth aber haben sich mit schwimmen salvirt. Man will sagen / daß die Hertzogin von Modona willens seye / sich wiederumb nach Londen zu erheben / umb welche Reiß zu beschleunigen / unsere Republic die Schiffe biß nach Marsilien hergeben wird. Nach gehaltener Berathschlagung ist geschlossen worden / daß alte Capitainschiff dem meist-bietenden zu verkauffen / welches so dann dem Capitain Caratina zukommen / der damit in der Republic Venedig Dienste zu gehen gesinnet (Dem Botten von Luca werden 6000. Scudi abgenommen.) ist. Dem Botten von Luca / welcher von Florentz wieder nach Hauß gewolt / seynd 6000. Scudi, so da verschiedenen Kauffleuten zugehörig waren / abgenommen worden / und praetendirt der General-Depositarius, daß besagte Summa der Cammer deß Groß-Hertzogs verfallen sey / weilen sie ohne vorhero eingeholten Consens extradirt worden: deßwegen unter den Kauffleuten von Luca und Florentz ein Strittigkeit sich ereignen wird / wer den Schaden leyden müsse. Das Spiel Biribis, wordurch die Frauenspersonen eine zeitlang viel Geld verschwendet haben / ist endlich allhier verbotten. Das Ball / welches bey der Hochzeit der Tochter deß Herrn de Centurione gehalten worden / ist so prächtig gewesen / daß die Herrn Inquisiteurs (Bey einem Mutter Gottes. Bild zu Luca geschehen viele Miracul.) hinfüro dergleichen Ball mehr zu halten verbotten haben. Das Mutter Gottes Bild / welches zu Luca vor der Kirchen von S. Andreas gestanden / hat viel Miracul gewürcket / inmassen durch dasselbe die Blinden sehend / und die Lahmen gerad worden seynd; Das grosse Opffer so daselbsten gefallen / hat man zu reparirung selbiger Kirchen angelegt / weilen die Mutter Gottes einem frommen Pilgram erschienen / und es also verordnet hat; Allhier ist ein gewisse Jungfrau / welche zu Mayland in einem Kloster sich auffgehalten / mit 2. Manns-personen / einem Neapolitaner und Mayländer in Mannskleydern ankommen / selbige ist auff Anhalten deß Spannischen Residenten arrestirt / beyde aber in einen Thurn geworffen worden / ihr defension bestehet darinn / daß ihre Freund umb ihr Gut an sich zu bringen / sie wider ihren Willen ins Kloster gestecket / und nöthigen [172] wöllen / eine Nonne zu werden. Allhier ist ein Jesuit in Flandern bürtig ankommen / welcher Procurator in China ist / wohin ei mit etlichen PP. sich wieder zu erheben willens ist / und weilen der König in Franckreich mit ihme reden will / als ist er nach Pariß abgereist. Den 15. ist ein Teutscher / der bey dem Spannischen Residenten in Diensten ist / von dem Barigello gefangen worden / weilen man etwas wenigs Taback von Contrabando bey ihm gefunden / und weilen er nicht alsobalden ledig gelassen worden / hat besagter Resident sein Herr bey den Doge sich hefftig beklagt / und begehrt nebst (Ein Frantzös. Schiff von Rom mit vielen Statnen zu Genna angelangt.) dessen Loßgebung Satisfaction von dem Barigello. Von Civita Vecchia ist ein Frantzöisis. Schiff mit alten und neuen Statuen beladen ankommen / welche der König zu Rom hat kauffen und verfertigen lassen. Die Gallere / so den Printz von Monaco überbracht / ist wieder zurück gekommen / und hat selbiger dem Capitain eine güldene Ketten / 20. Duplonen werth / denen Officirern 25. Cronen / und denen Ruderknechten 6. Fäßgen Wein verehret: Brieff aus Cadix melden / daß alldorten ein Hamburgisches Schiff di Porto velo aus Indien ankommen / womit Bericht eingelauffen / daß selbiges Meer von denen Seeräubern nunmehr gantz sicher und frey wäre / und daß die Galleonen / welche daselbst mit Wahren beladen werden / nechstkünfftigen May zu Cadix anlangen sollen.

Das neundte Capitel
[arrow up]

Stellet vor / was in den 17. Niederländischen Provincien sich begeben hat. (Niederländische Geschichten.) DIe Brieff aus dem Graffenhaag melden / daß allda ein Schweitzerischer Ingenieur ankommen / welcher vorgibt / daß er ein Secret habe / ein Stück Geschützes umb die Helffte weniger als sonsten zu laden / welches eben so weit schiessen / und eben dergleichen Würckung als ein anders thun solte. Ingleichem so verspricht er / die jenige / so zersprungen sind / wieder also zuzurichten / und in solchen Stand zu bringen / als wann sie gantz neu wären. Die Obrigkeitliche Personen von Amsterdam sind diese Wochen wieder erneuert / der Herr von Beuningen aber nicht / wie er besorget zum Burgermeister erwählet / und wird also derselbe noch dieses Jahr Curator über das Indianische Hauß / und über die hohe Schul zu Leyden bleiben. Der Herr Marq. de Monpouillant hat dem Herrn Printzen von Dranien die Lista von denen Frantzösischen geflüchteten Officiers / so er examinirt hat / [173] übergeben / deren ohngefähr 70. aber Cadetten und Volontairs über 100. seynd. Die ersten werden nach ihren Meriten und Rang / welchen sie in Franckreich gehabt / besoldet / diese letzten aber bekommen / ein jeder wochentlich (Die aus Franckreich geflüchtete reformirte Officiers werden in Holland accommodirt.) 3. fl. zu ihrem Unterhalt. Vor einigen Tagen hat dahier eine Magd / als sie das Hauß gesäubert / einige Specerey gefunden / glaubende / es wäre Artzeney / so sie von ihrer Kranckheit / so sie eben gehabt / erlösen könte / und in Warheit / sie ist nicht gäntzlich betrogen worden / dann als sie solche etliche Stunden in ihrem Leib gehabt / ward sie von allen Kranckheiten curirt / indeme die Specerey Gifft gewesen / davon sie dergestalten auffgeschwollen / daß ohnerachtet aller ihr beygebrachten Mitteln man nicht hat (Frantzös. Ambassaden. begehrt von den General. Staaten 2. Marquisen.) verhindern können / daß sie nicht zerborsten wäre. Man sagt / daß der Frantzösische Ambassadeur Herr Graff d’Avaux denen Herren Staaten ein Memorial übergeben habe / umb ihnen dardurch zu erklären / daß der König sein Herr 2. Frantzösische Marquisen wieder zu haben begehre / welche mit dem Herrn von Starenberg in Liberey-Kleydern aus Franckreich entkommen seyn. Man sagt / weiln in der Schweitz ein Gerücht erschollen / daß der Marschall de Crequy mit 32000. Mann nach der Gegend Genff im Marsch seye / hätten die Schweitzer Cantons resolviret / 4000. Mann zur Garnison ir. Genff zu legen / und über daß 2. Corps d’Armée, jedes von 15. à 20000. Mann starck zu versamblen / und bey denen Städten Genff und Basel campiren zu lassen. Man sagt / daß unser Consul zu Tripoli geschrieben / daß die Regierung selbiger Stadt ihme habe wissen lassen / daß der Groß-Sultan ihnen Ordre gegeben hätte / alle Holländ. Schiff / welche daselbst vorbey gegen Levant oder Auffgang gehen würden / zu besichtigen / und alle die jenige / worinnen man Soldaten oder Munitiones vor die Venetianische Armee finden werde / zu confisciren. (Einige Englische Pferdt vor den Hn. Printzen von Oranien im Haag angelangt.) Den 8. dieses seynd allhier einige Englische Pferde vor den Herrn Printzen von Oranien aus Engelland angekommen / so seynd auch eodem dato wieder viele Flüchtlinge aus Franckreich angelangt / davon den 10. dito einige von hinnen nach dem Churbrandenb. Gebiet abgereiset seynd. Den 11. wurde wegen deß Justitz Hof von der Puye von dem grossen Saal salva guardia und Schutz vor Marc. Anthoine und Jean Louis Bosch. Söhne deß Laurentz Bosch Rathsherrn im Parlament zu Toulouse, von Mompelliers in Langedock gebürtig / welche der Religion halber anhero geflüchtet / publiciret und angeschlagen / wider alle die jenige / so im geringsten etwas wider sie tentiren / oder sie weg-entführë wollë / gleich außgestreuet wurde J. H. G. von Waldeck seynd den 11. dieses dahier angelangt. Vorgestern haben die examinirte Frantz. Officiers vor dem Staats-Rath den Eid der Treu abgeleget. Die Frau [174] Gräfin von Soissons, und der Herr Printz von Savoye ihr Sohn seynd den 12. Abends allhier angelanget / und Tags hernach nach Rotterdam verreiset. Der Herr Rudolph Sichingha Obrister in Diensten der Republic (Obrist Sikingha haltet bey den General-Staaten umd Permission an ein Regiment vor die Republic Venedig daschlöst zu werben.) Venedig soll bey Ih. Hochmög. anhalten / ein Regiment von 1000. Mann in diesem Land zum Dienst besagter Republic Venedig werben zu dörffen. Dem Herrn Moering ist Ordre zugeschickt worden / umb von Königlichen Dähnischen Hoff anhero zu kehlen: und solle der Commercien- und Zoll-Tractat / womit schon weit avancirt worden / durch den Herrn Goes ferners abgehandelt / und zu Ende gebracht werden. Der Herr Pensionarius Fagel hat nebst denen Hrn. Deputirten inständig mit denen frembden Ministern Conferentz gehalten / da dann insonderheit der Chur-Brandenburgische Minister Herr Diest mit selbigem nebst denen Hrn. Abgesandten der Schweitz eine 6. stündige Conference gehabt / worinnen sich diese beklaget / daß die Cron Franckreich sie auff drey Orthen zu attaquiren getrohet / suchten also einige Assistence, was darauff resolvirt wird / stehet zu vernehmen. Aus Engelland hat man Zeitung / daß das Schiff die Princessin (Ein Schiff mit 300. Mann gebet zu Grund.) Maria genant / so mit 300. Mann / nebst Weibern und Kindern nach Ost-Indien seglen wollen / in der Gegend Monsbeay mit allen zu Grunde gangen / und niemand errettet worden seye. Man redet von Erhebung deß zweyhundersten Pfennings / und einem Schornstein-Geld / so über sechs Millionen außmachen dörffte / umb damit die Milice völlig zu bezahlen / und die Feldläger Kosten außzuführen. Mit den letzten Brieffen von Marsilien wird berichtet / daß allda etliche Armenier in 48. Tagen von Aleppo arrivirt / welche berichtet / daß (In der Provintz Schilang 60000. Menschen an der Pest gestorben.) in der Provintz von Schilang bey sechzig tausend Menschen an der Pest gestorben / dannenhero an der Seeseiten gar wenig gearbeitet würde / das alte Geld in Persien seye abgesetzt / und an dessen statt neues gemüntzet / so die Negotien nicht wenig hinderte. Sie berichten ferner / daß an den Tückischen Gräntzen sechzig tausend Reuter lägen / ohne daß man allda das geringste von einem Krieg wüste. In Franckreich werden dem Bericht nach 50. Kriegs-Schiff außgerüstet / auch sollen alle Völcker Marsch fertig stehen / welches verursachet / daß der Verdacht der benachbahrten je länger je mehr zunimbt / und gleichwie die Reyse / welche der König nechstkünfftigen Frühling ins Clsas zu thun gesonnen ist / die Frontier-Plätz sehr sorgfältig macht / als stehen die Spannische Nider-Lande wegen der Kriegs-Vorbereitungen an der Sambre nicht weniger in Forcht / Genff / Basel / und andere Schweitzerische Städte setzen sich [175] gleichfals in Defensions-Postur, Fontarabia oder Barcellone förchten sich für der See-Rüstung in Provence, und die Italiänische Küsten besorgen / es möchte auff sie gemüntzet seyn / also daß hieraus zu sehen ist / daß (Grosse forcht bey den Benachdarten wegen der Frantzös. Kriegs-Rüstung.) die allergeringste Bewegung in Franckreich alle seine Nachbahm in Forcht setzet / und meynel ein jeder / daß es ihn treffen werde / da doch unterdessen gantz gewiß ist / daß der Aller-Christlichste König ein gantz anders Absehen habe / und daß es an ihm nicht fehlen weide / das Europa dieses Jahr in Ruhe bleibe. Weilen sonsten die Aufflagen / so man in Seeland auff das Korn und andere Eß-Wahren geleget / dieselbe sehr vertheuret / und (Die Aufflagen in Seeland fallen dem gemeinen Mann sehr deschwerlich.) dem gemeinen Mann nicht wenig nachthe???lig ist / etliche Holländ. Kauffleuthe auch denen Hrn. Staaten vor Augen gelegt / daß dieses zu ihrem und ihrer Handlung Ruin und Verderben gereiche / so hat man 3. Deputirte dahin abgefertiget / daß sie diese Sach untersuchen / und auff bequeme Mittel bedacht seyn sollen / wie der gemeine Mann der Last zu entheben / und Handel und Wandel zwischen diesen beyden Provintzien in ihrem Gang zu erhalten seyn möchte. Was aber die Generals Persohnen und Gouverneurs der Plätze / so Ordre haben / sich in den Haag zu verfügen / belanget / sagt man / daß die Conferentz / welche Se. Hoheit mit ihnen halten wil / betreffen soll / wie ein Feldläger von 30000. Mann / welches bey Breda geschlagen werden soll / aufzurichten seyn möchte. Durch einen Currier aus Spannien hat man die Confirmation der Ankunfft der Gallionen / so mit 32. Millionen stücker von achten / und 6. Millionen an ungewüntzten Silber beladen sind / diese neue Zeitung hat die Kauffleuth nicht weniger erfreuet / als die von dem Gefecht zwischen den Frantzös. und Engl. Capern im Sudmeer / in welchem ein und ander Schiff von beyden Seiten nach einem blutigen Gefecht wegen ihrer beschädigten Schiff an Land stiegen / wordurch dann die Spannier und Indianer Anlaß genommen / sich alles Volcks / so darauff gewesen / zu bemächtigen / und aus Rachgier und Zorn niderzumachen. Von Brüssel hat man anders nichts / als daß selbige Militz ihren (Der neue General-Gudernator baltet zu Brüssel seinen offentlichen Einzug.) rückständigen Sold nunmehr völlig empfangen habe / worbey aber die Officirer 8. Monath vor 12. nehmen müssen; der neue General-Gubernator habe daselbst seinen offentlichen Einzug gehalten / in dem gewöhnlichen Pallast Pussession genommen / und dem König von Spannien 2. Züg Kutchen-Pferd / und etliche stück von sehr seinem Leinewand zu schuldiger Erkantnuß der beschehenen Promotion wegen überschicket / und verehret. Von Ryssel aus den Frantzös. Niderlanden hat man / daß in einigen Häfen in Franckreich denen Frantzös. Schiffen verbotten / nacher Spannien [176] zu segle; zu Dünnkirchen aber ist solches nicht beschehen. Vor 2. à 3. Tagen haben die Bauern etliche Flüchtlinge / aus Franckreich kommend angegriffen / worunter deß Marschall de Turenne Vetter (in einer Kutschen (Die Bauern auf dem Land von Rossel halten deß Turenne Verter an.) sitzend / mit 30. andern vergesellschafftet) hart verwundet / ein Pferd todt geschossen / und sie alle von denen Bauern gefangen / und gedachter Herr nebst 2. Edelleuthen anhero auff die Citadelle gefangen / dessen Frau aber nach Cammerich gebracht worden.

Das zehende Capittel
[arrow up]

Handelt von den Schweitzerischen Geschichten / wie auch / was in Asiâ, Africâ und Americâ schrifftwürdiges passiret. (Schweitzer. Geschichten.) MIt Brieffen aus der Schweitz ver???imbt man / daß die Städte Zürich / Bern / und Schaaffhausen mit Frantzös. Flüchtlingen gantz angefüllet seynd / und ist allein in der Stadt und Canton Zurrch für selbige 20000. Gulden col'ectirt worden; über das werden sie auff der Odrigkeit Kosten / auch theils unterhalten / und mit Wohnungen versehen. Ein Frantzoß hat sich mit für einen Reformirten Flüchtling (Ein Frantzoß suchet per Praxin die geflüchtete Reformirte wieder in Frauckreich zu lieffern.) außgeben / und weil et gut Teutsch redet / auch in Teutschland wohl bewandert / hat er sich anerbotten / erliche hundert Flüchtlinge / so aus der Schweitz nach dem Brandenburg. wolten / den nechsten Weg und viel wolfeiler als ordinair dahin zu verschaffen. Der Himmel aber hat es geschickt / daß ein paar Tage / ehe man mit ihme zum Schluß kommen / und das Geld zahlen wollen / er von jemand erkant worden / daß er Catholisch und ein Diener eines Prälaten seye / ihm nun besser in die Haare zu kommen / hat man sich angestellt / od wolte man ihm das Geld zahlen / damit auch der Anfang gemachet / und unter dem Vorwand nöthiger Caution er examinirt / und die Angeber gegen ihm confrontirt worden / man hat aber dannoch keinen Grund von ihm haben können / biß er mit scharffen Fragen betrohet worden / da dann alles heraus kommen / nehmlichen daß die arme Menschen nicht nach dem Brandenburg. sondern anderwärtig hin (nemblich wo man sie nach den Galleren würde gewiesen haben) gebracht seyn würden / und er über die von den Schweitzern hergeschossene Reiß-Gelter / so er behalten hätte / noch einen grossen Recompens darzu solte bekommen haben / worinn aber solcher Recompens jetzo bestehen [177] wird / wird sich bald außweisen / er beruffet sich zwar auff grossen Schutz / aber weil man mit dem Empfang erwehnter Gelter ihn hier verbindlich gemacht / wird man ihn wenig fürchten. Die Eydgenosische Tagsatzung zu (Die Eydgenosiche Tagsatzung zu Baaden gehet mit allerseits Contentement gantz friedlich ab.) Baaden hat sich bereits geendiget / und wird von dannen berichtet / daß alles wol und besser / als man vermeinet / abgangen. Inmassen nit allein alle löbliche Orth sambt denen Zugewandten (ausser Schweitz und Solothurn) sich daselbst eingefunden / sondern auch einhellig resolvirt und geschlossen / ohne Unterscheid der Religion vor alle und jede Bunds-Verwandten contraquemcunque Aggressorem vor einen Mann zu stehen; Ausser daß die Römisch-Catholische Cantons sich zur Defension der Stadt Genff nicht einlassen wollen / sagende / daß selbige Stadt nicht mit in ihrer Bündnuß begrieffen sey. Wegen der Stadt Basel hat der Frantzös. Ambassadeur absonderliche Versicherung gethan / daß solche kein Gefahr und man dißfals sich nicht zu beförchten hätte / aber wegen Genff hätter er sich nicht so weit heraus lassen wollen; derowegen man allerhand nachdenckens machet. Man hat einige Deputirten von Zürich und Bern nacher Turin geschicket / umb bey dem Hertzog von Savoyen vor die Protestanten im Lucernerthal / und Piemont, zu intercediren / und Vorbitte zu thun; was es würcken wird / lehret die Zeit. Was sonsten der Frantzös. Ambassadeur Mons. de Tambonneau bey der Tagsatzung proponirt / ist hiernechst stehend zu finden. Proposition deß Frantzösischen Ambassadeurs. Großmächtige Herren sc. (Abschrifft deß Frantzös-Memorials so daselbsten übergeben worden.) DIe Eilfertigkeit / welche ihr thunlich zu seyn erachtet / euch zu versamblen / hat mir kaum Platz gegeben / den König meinen Herren zu informiren / was euch / wie man sagt / zu dieser eilfertigen Zusamme-Beruffung bewegt habe; also kan ich auch nicht sagen / was Ihre Maj. mir hierauff befehlen werden. Finde mich unterdessen verpflichtet / durch das Interesse, so ich nehmen sollewas die ältiste und treueste Bunds-Genossen Ih. Majest. anbelangt / Euch zu praesentiren / daß / was auch nur die warhafte Motiv dieser-Versamlung seyn möchten: Eurer klugen Policey vornehmlich alle Sorafalt dahin anzuwenden / damit keine Enderung deß florirenden [178] Wohlstands einschleiche / in welchem eure mächtige Republique von etlichen 100. Jahren hero manutenirt / und erhalten worden / eben diese Maxime und Manier Großmächt. Herren / durch welche ihr euch bey dem Mächtigsten in Europa habt können considerirt machen / kan euch allein in diesem gewissen Stand erhalten / und die einige Einigkeil unter euch / von welcher ich sagen wil / so ohne Zweifel das erste Fundament ist / soll zum principal-Zweck haben / den gerechten Unterschied machen zu wissen / zwischen euren rechten und wahren Freunden / und denen jenigen / welche unter gewissem Vorwandt und Titul euch in ihre passione einzuwickeln suchen. Ihr werdet besser wissen als ich / daß die neue Verbündungen euerm Stand nicht nützlich seyn können / welchem ich von grund meines Hertzens alle Prosperitäten wünsche / und mich versichere / daß die Versamblung an diesem Orth vieler klugen und vor die Ehre und Wohlfahrt ihres Valterlands eyfrigen Persohnen / zu nichts anders dienlich seyn werde / als die Verbündung der alten Bündnusse enger einzuziehen / und zu befestigen / welche der löbl. Eydgenosischen Stand biß daher sowohl unter sich selbst bewahrt / als auch mit dem jenigen / von dem er die auffrichtige Freundschafft / und zwar eben mit so guten Treuen / als die seinige erkennet; dahero ersuche ich euch / Großmächt. Herren / mir vor gut auffzunehmen / daß ich euch dessen ermahne / und mich zu Beharrlichkeit der Ehr euerer Freundschafft recommandire. Den 19. Febr. 86. Nach deme sonsten weder aus Asia, Africa noch America etwas schrifftwürdiges vor diesen Monath eingekom̅en / als schreite zum Ende deß andern Theils.
|| [179]

THEATRI NOVI POLITICO-HISTORICI
[arrow up]

Dritter Theil / Worinnen zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige Begebenheiten / so sich im Monat Martio deß 1686 sten Jahrs in der gantzen Welt zu Wasser und Land ereignet haben.

Das erste Capitel
[arrow up]

Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien / sowohl / als in Böhmen / Mähren / Schlesien / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und begeben hat. MEile gleich mit anfang dieses Monats die erfreuliche Nachricht von Eroberung deß fürtrefflichen Passes St. Jod am (Käpserliche Geschichten.) Räys. Hoff zu Wien erschollen / hat man vermittels Intonirung deß Te Deum laudamus GOTT hertzinnglich darfür Danck gesagt / indessen aber die Kriegs-Praeparatoria zu künfftiger frühzeitigen Campagne nachtrücklicher als jemahln fortgesetzet / worzu dem General-Kriegs-Commissario Grafen Rabatta abermahln [180] 50000 Gulden aus der geistlichen Contribution-Cassa außgezahlt werden; Den 2. dito ist der Chur-Brandenburgische Ober-Commissarius mit einigen Feuerwerckern ankommen / umb selbiger Völcker Marsch nicht allein einzurichten / sondern auch alle andere nothwendige Anstalten darzu zu machen. So ist auch den 5. ein Expresser von Herrn General Caprara am Käyserl. Hoff arrivirt / durch welchen jetzermeldter Feld-Marschall inständigst urgirt / daß man ihme die behörige Requisita, womit er die in der Vestung Mongatsch eingeschlossene / und in der Treulosigkeit beharrende Rebellen zur Ubergab erzwingen möge / verschaffen / und zu Bezahlung der Soldatesca die versprochene restirende Gage-Gelter ohne weitern Verzug überschicken wolle Man hat indessen einige Gelder / doch in Zubehaltung der Ungarischen Soldatesca abgeschickt / damit dieselbe bey der Devotion und Treue gegen Ihr. Käyserl. Majest. beständig conservirt (Der Teckelikau zu e???nem Intent nicht gelangen.) werden mögen. Der Teckely hat biß dato die der Ottomannischen Porten gethane ???Versprechung / in Klafft welcher er die hiebevor in seinen Kriegs-Diensten gestandene Ungarn wiederumb auff seine Seiten zu bringen zu gesagt / zu keinem Effect gebracht / sondern viel mehrers die fürnehmsten Häupter ermeldter Ungarischen Soldatesca / eine Aversion und Gemüths-Alienation gegen denselben bezeugen; weiln nun der Obrist Ferentz allerdings suspect sich erzeigt / mit seinen unterhabenden Regimentern Hussaren zu dem Teckely überzugehen / und per consequens gegen Ihr. Käyserl. Majest. meineidig zu werden / hat der Gen. Feld-Marschall-Lieut. Caraffa über einige gehabte gründliche Indicia denselben habhafft machen / und verarrestiren lassen. Man thut umb etlich 100. gefangene Christen außzulösen (welche mehrentheils in Weibern und Kindern bestehen / und in der Zeit hiesiger Belägerung aus denen Flecken und Dörffern umb diese Stadt weg und nacher Erla in die Türckische Dienstdarkeit geführt worden seynd / deren Nahmen man anhero geschicket) dahier Collecta und (Ein Schiff gehet in der Donau zu grund.) Steuer einsamblen. Bey jüngst deß Windes halben zu grund gegangenem Schiff / worauff über 20. Persohnen gewesen / seynd von selbigen leyder! 5. ertruncken / die andere aber haben sich errettet / das gestrandete Schiff aber ist in dem Wasser außgeladen / und die Materialien / als eiserne Platten / Kugeln / Nägel / Granaten und anders mit wenigem Verlust und Schaden erhalten worden. Ihr. Käyserliche Majest. haben dero Obrist Hoff-Cantzlern Hrn. Baron von Stratteman in Ansehung seiner grossen Meriten in den Graffen-Stand erhoben. In St. Job seynd (2. Prebecken werden gespisset.) 2. Prebecken (verlaugnele Christen) gefunden worden / welche viele Christen / Jung und Alt verführet / und umb einen gewissen Preiß an die [181] Türcken verkaufft / selbige hat man andern zum abscheulichen Exempel gespiesset. Der nach Ofen in geheim abgeschickt gewester Rätz / ist von dar wieder zurück kommen / welcher die Befreyung deß Teckely / und was sonsten von der Veränderung in denen grossen Kriegs-Chargen zu Adlianopel vorgangen / und vorhin berichtet worden / confirmirt, und solle Ofen (Die Juden zu Prag haben Händel mit den Studenten.) mit 15000. Janitscharen angefüllet seyn. Uber Prag ist Nachricht eingelauffen / daß selbige Studenten mit den Juden in eine Zwytracht gerathen / und allbereit den Tändelmarck zu plündern angefangen / umb solches zu verwehren eine starcke Compagnie von der Guamison dahin commandirt worden / die Studenten aber auch mit denen Soldaten angebunden / woraus ein grosser Tumult enistanden / wie es abgeloffen / ist noch unwissend. Ihr. Käyserl. Maj. haben dero Hof-Kriegs-Rach General Feldzeugmeistern und Commendanten zu Philippsburg Herrn Grafen Maximilian von Stahrenberg bey seiner Abreiß von Wien nach Heydelberg zu derd geheimen Rath allergnädigst declaritt. Umb die Arbeit an denen Vestungs-Gebäuea??? zu Gran und Neuheusel fortzusetzen / und in vollkommenen Stand zu bringen / seynd die Gelder schon ausgezahlet. Deß Herrn Gen. Grafen von As???ermont Commendanten zu Neuhäusel Gemahlin / eine gebohrne Fürstin von Nassau / ist mit Tod abgangen. Das Schloß Chickwar / so die Raaber / Commorrer / und andere Ungarische Soldaten jungst übersallen / geplündert und eingeäschert / ist eine Meil von Stulweissenburg gelegen. (Das Schloß S. Job wird mit 100. Masquetirern / 200. Hepducken nud 100. Hussaren besetzet.) Der Herr Feldmarschall Leutenant Graf Caraffa hat das Schloß S. Job mit 100. Musquetirern unter einem Hauptmann vom Thimischen Regiment nebst 200. Heyducken / und 100. Hussaren besetzet / wordurch die Erlauer und Wardeiner Türcken an ihren Sireiffereyen sehr verhindert werden können. Man hat resolvirt zu Scharuvar ein Magazinhauß auffzurichten / und selbigen Haup-Paß mit einer Teutschen Garnison unter deß Obristen Corradin Commando zu belegen / und sagt man / daß die Türcken künfftige Campagne in Ungarn sich nur defensivè halten / und ihre gröste Macht gegen dem Archipelago wider die Venetianer anlegen wolten / umb zu verwehren / (Groß-Wardein gebrt guten theils im Ranch auff.) daß die Dardanellen conservirt werden möchten. Inzwischen vernimt man / daß von der Stadt Groß-Wardein sowol in als ausserhalb ein grosser Theil abgebrand / und an fünff verschiedenen Orten zugleich das Feuer auffgangen seye. Der König in Engelland hat Ih. Käys. Maj. einen Feuerwercker überschicket / umb bey künfftiger Campagne seinen Valeur zu zeigen / er hat Ordre keine gage von höchstgedacht. Ih. Käys. Maj. anzunchmen / und hat selbiger von Ihro Königl. Majest. den Unterhalt zugewarten; so seynd auch die Chur-Brandenburgische Feuerwercker schon nach Raab zu [182] laboriren abgereiset. Aus jüngsten vom 3. hujus von Ofen erhaltenen Schreiben hat man eigentlich verstanden / daß auff also verordnete Anstalten deß Groß-Veziers / die in verwichenen zwey Feldzügen wider Polen commandirte (Inhalt eineger Schreiden aus Ofen.) Türckische Armee alsobald in Ungarn zu marschiren beordert worden seye / und daß der in Ober-Ungarn stehende Seraskier die Beschleunigung deß Anmarschs nachdrücklich urgire, damit er ein ansehnliches Corpo daselbst formiren / und sedem belli dorthin übersetzen / und wenigst selbiges Land conserviren, nicht weniger auch die verlohrne Plätz recuperiren möge / dahingegen und an statt erwehnter Armee ein Theil der neugeworbenen Asiatischen Milice, zu welcher die Tartarn / Moldauer und Wallachen stossen sollen / gegen Polen zu agiren / beordert worden. Man hat sichere Nachricht / daß die Türcken bey Gyula und Segetin sich starck zusammen ziehen / (Ein Türckische Parthey komt zu kurtz.) und hätte eine Parthey von 300. Pferd biß nacher Sarwaß gestreiffl / seye aber von den unsrigen repousirt / und hernacher von dem Pethnehasi dermassen attaquilt und zerstreuet worden / daß ihrer viel auff dem Platz geblieben / und nebst andern 2. fürnehme Agen / deren ein jeglicher 100. gefangene Christen zur Nantzion herzugeben sich erbietet / gefangen worden. Man schreibt auch / daß die Teckelin den Grafen von Herberstein und zwey Capitain zu Auslösung ihrer von den unsrigen bey einem Ausfall ertapten und gefangenen 2. Ungarischen Officier loß gelassen habe. Die Türcken aus Pest haden über 100. der unsrigen Fouragiers, welche aus Ermanglung fourage von Zollnock und Sarawaß gar zu weit sich hinab gewagt / ertapt / und mithin bey 150. Pferd gefangen / und nach Pest überbracht. Den 15. hat man (200000. fl. nach Ober-Vngarn abgefü???rl.) mehrmalen von hier aus zu Bezahlung der Ungarischen Soldatesca und Erkauffung fourage 200000. Gulden nach Ober-Ungarn abgeschickt. Die von der Stadt Debrezin dahier noch subsistirende Abgeordnete haben endlich redimenda vexa, und nachdem der General Caraffa die Vorstatt zu einer wohlverdienten Straff ausplündern lassen / 300000. Gulden pro reparatione Militari herzugeben versprochen. Der Käyserl. Reichs-Hof-Rath Baron von Hörwarth gehet in Käyserl. Commission nach dem Fürstlichen Braunschweig-Zellischen Hof / und wird man suchen / die zwischen selbigen Fürstlichen Häusern und der Stadt Hamburg entstandene Differentien, ehe und bevor es zu weiterer Weitläuffigkeit kom̅t / zeitlich in der Güte beyzulegen / wie dann Chur-Brandenburg zu dem Ende das Werck auch eyferig hieher recommendirt / weilen das Publicum bey conservation deß Ruhestands in Nieder-Sachsen absonderlich interessirt. Man hat vor / ein Project zu machen / vermittelst welches denen sowol wider den Erbfeind als andern Käyserl. Alliirten vorgestellet werden solle / auff was Weise nicht al [183] lein wider die Ottomannische Porta / sondern auch andere Feinde / welcher Orten sie sich auch wider das Römische Reich herfür thun möchten / der Krieg könne fortgesetzt werden. Von der Besatzung / so in S. Job gelegen / seynd von dem Bassa zu Wardein 16. zum Tod verurtheilt worden / und dörffte verschiedenen andern ein gleiches zu Lohn werden / weilen selbiger Bassa vermeynet / daß obgleich der meiste Theil von Munition in die Lufft geflogen / sie dannoch nicht Ursach gehabt hätten / den Ort so geschwinde zu übergeben. Hiesiges Gouberno collimirt dahin / gleich bey Anfang der Campagne die Stadt Stulweissenburg anzufallen / und unter währender dieser Belägerung mit dem meisten Theil der Armee nach Esseck zu rücken / und mit Zuzug der Croaten selbige Brücken zu ruiniren / so dann nach Eroberung dieser Plätzen auff Ofen zu gehen. Indessen hat man hier (Ein Käyserl. Mandat zu Wien wird affigirt und publieirt.) in Erfahrung gebracht / wie daß nicht allein an theils Orten im Römischen Reich ausländische Werbung im Schwang giengen / sondern auch so gar die beste Pferd / viel Munition und Proviant auffgekaufft / anderweris hin verführt / und darburch eine Theurung verursachet würde / welchem Ubel zu steuren Ihro Käyserl. Majest. nachfolgendes Mandat in dieser Stadt publiciren lassen: Wir Leopold / von Gottes Gnaden / erwählter Römischer Käyser / zu allen Zeiten Mehrer deß Reichs / in Germanien / zu Ungarn / Böheim / Dalmatien / Croatien und S???lavonien sc. König / Ertz-Hertzog zu Oesterreich / Hertzog zu Burgund / Steyer / Kärndten / Crain / und Würtenberg / Graf zu Tyrol / sc. Entbieten allen und jeden Churfürsten / Fürsten / geistlichen und weltlichen Proelaten / Grafen / Freyen / Herren / Rittern / Knechten / Landvögten / Hauptleuten / Vicedomben / Vögten / Pflegern / Verw???n / Ambtleuten / Landrichtern / Schultheissen / Burgermeistern / Richtern / Räthen / Bürgern / Gemeinden / und sonst all Unsern und deß Reichs Unterthanen und Getreuen / in was Würden / Stand und Wesen die seynd / denen dieser Unser Brieff oder Patent / oder glaubwürdige Abschrifft davon fürkom̅t / und damit ersucht werden / Unser Freundschafft / Vetter- und Oheimlichen Willen / Käyserliche Huld / Gnad / und alles guts; Und fügen anbey Euer Liebden / Liebden / And. And und euch hiemit zu wissen / wie dieselbe dann vorhin bereits wol werden beobachtet haben / welcher gestalt man anjetzo bey der so hoch andringenden eussersten Rettung gegen dem so übermächtigen Gewalt deß ergrimmten / und sich zur Rache rüstenden Erbfeinds Christlichen Namens / deß Türcken / der guten Mannschafft / wie auch der im Reich vorhandenen Rossen / Munition / [184] Proviant / und was sonsten zu dieser unumbgänglichen Verfassung und defension deß Vatterlands / dien- und vorräthig seyn mag / selbst mehr als jemalen bedürfftig ist: und Wir dergleichen Kriegs-Bereitschafft zu diesem Ende auffzubringen / jemals weder an Mühe noch Kosten etwas haben erwinden lassen. Hingegen befindet sich / daß sonderlich auch die Rosse Schaaren-weise von etlich hunderten zusammen / wie nicht weniger das Getreyd zum Proviant / auch Munition / Waffen / Gewehr / und andere dergleichen Kriegs-Nothwendigkeiten in grosser Anzahl / nit nur von den Frembden selbst hier und dar auffgekaufft / und ausser Lands verschleppet / sondern so gar auch von Unsern und deß Reichs Unterthanen / von andern Orten umb einen geringen Preiß an sich erkaufft / und so fort umb den schnöden Gewinn ferners denen Ausländern zugeführt / und verhandlet; mithin das werthe Vatterland seiner gegen dem Erbfeind / und zu seiner selbst eigenen Sicherheit so hoch benöthigten Kräfften entblösset werden. Massen es die tägliche Erfahrung klar vor Augen zeiget / wie schwehr solcher frembden Erschöpffung halber / nicht allein die Mannschafft / sondern auch die Pferde / sowol zur Montirung der Reuterey / als Ausrüst- und Bespannung der Artiglerie, Mu???ition / und andern sehwehren Kriege-Nothdurfften zu überkommen / und auffzubringen seyen. Welchem nach dann / und da es ohne deme in den Reichs Verfassungen und Executions-Verordnung / was in solchen Fällen vorzunehmen seye / von selbsten heylsamlich und wohl versehen. So befehlen Wir Euer Liebden / Liebden / And. And. und euch sambt und sonders von Römischer Käyserlicher Macht / hiemit ernstlich geb???etend / und wollen / daß sie in ihren Chur-Fürstenthumern und Landen Graf-Herrschafften nnd Städten / auch deroselben Unterthanen / Zugehö???gen und Verwandten / was Stands oder Wesens die seyn möchten / vorangedeute frembde unzulässige Werbungen / Bestallungen / Musterungen / Durchzüge / und was dergleichen mehr seyn mag / denen Reichs Constitutionibus und Reichs-Abschieden zuwider / durch aus nicht gestatten / und vorgehen: sondern darwider ernstliche Verbott / unsaumlich ergehen lassen / darüber mit würcklicher Execution, Bestrick-Trenn- und Abschaffung der Werber / und der Geworbenen ohne allen Respect steiff und vest handhaben und halten lassen. Wie dann ingleichem auch daß Euer Liebden / Liebden / And. And. und Ihr / ein jeder für sich / wie auch mit gesambter Hand oberwehnten so hoch nachtheiligen Roß-Proviant- und Munition-Auff- und Vor-Kauff in ihren Landen und Bottmässigkeiten / absonderlich bey den Juden gäntzlich verhindern und einstellen / noch jemanden darzu weder Paß noch Repaß gestatten. Dergestalt / [185] daß wann jemand / wer der auch seye / in ihren Landen und Bottmässigkeiten betretten werden solte / obschon die Pferd / Getreyd / oder Munitions-Sum̅en schon eingehandelt wären / den Handlern doch (welche Unsere Verwilligung und Kayserl. Patenten nit vorzuweisen hätten) das Geld confisciren, das schon eingehandelte aber hinweg nehmen / und selbige noch darzu mit einer Geld- und Leibsstraff / nach gestalten Umbständen / den Reichs-Satz- und Ordnungen gemäß ansehen; als lieb Euer Liebden / Liebden / And. And. und euch sammentlich und einem jeden insonderheit ist / Unsere Käyserl. Ungnad und dazu die in den angeregten Reichs-Satzungen und Abschieden bestim̅te Pöenen zu vermeyden. Wie dann auch Euer Liebden / Liebden / And. And. und ihr (damit sich niemand mit der Unwissenheit zu entschuldigen habe) diese Unsere zur höchstnöthigen Beybehaltung der Reichskräfften geschöpffte Resolution durch offene Edicta in ihren Churfürstenthum und Landen / Bottmässigkeiten / Städten und Gebieten / verkünden und anschlagen lassen wollen. Versehen Uns dessen also zu Euer Liebden / Liebden / And. And. und euch respectivè Freund-Vetter-Oheim- und gnädiglich. Geben in Unserer Stadt Wien den 9. Martii Anno 1686. Unserer Reiche deß Römischen im 28. deß Hungarischen im 31. und deß Bömischen im 30. Jahr. Leopold. (L. S.) Vt. Leopold Wilhelm Graf zu Königsegg. Ad Mandatum Sac. Caesar. Majestatis proprium. Johann Probst. Den 15. hat sich der Käys. Hof-Kriegs-Rath Hr. Graf Breuner von der Schlesischen Gräntze dahier eingestellt / und bedeutet / daß die Churfürstl. Brandenburgische Auxiliar-Völcker / welche in 8000. Mann effectivè und dann 190. der erfahrnesten und wol exercirten Constablern und Büchsenmeistern auch Granatenwerffer bestehen / bereits auffgebrochen / und im Marsch begriffen wären. Zu Constantinopel hat die Pest viel 100000. Personen hin [186] gericht / daß dergleichen erschröckliche Niederlag in Orient niemalen gesehen oder erhöret worden. Jh. Durchl. der Ertz-Hertzog Joseph haben schon dero Hof mit Cammerherren und andern Bedienten formirt und eingerichtet / (Viel 800000. Menschen werden zu Constantinovel von der Pest weggeraffet.) und werden von dem Fürsten von Salm als Obrist-Hofmeister bedienet. Der Herr Graf Erdödi Banno di Croatia hat bey Jh. Käys. Maj. Audientz gehabt / und seithero nebst dem Hn. Grafen Francisco von Dietrichstein / Camcher-Proesidenten zu Grätz mit hiesigen Käyserl. Ministern verschiedene Conferentzien wegen bevorstehenden Kriegs-operationen in Croaten gepflogen / dahin der Herr Marq. Barella innerhalb wenig Tagen per posta von hier abreisen / und wie man vernim̅t / von dorten in Italien gehen wird / einige Völcker abzuholen / und mit selbigen gegen die Türcken auff denen Croatischen (Der Hertzog von Lothringen besichtiget Philippsburg und Costantz.) Gräntzen agiren. Nachdeme Jh. Durchl. der Hertzog zu Lothringen / die ihme anvertraute Käys. Commissionen, die Vestung Philippsburg / Costantz / und andere Ort besichtiget / nit weniger die nothwendige Anstalten gemacht / auch Herrn Obrist Beck an statt deß Herrn General Lorentz Max. Grafen von Stahrenberg / welcher in Chur-Pfältzische Dienste getretten / als Commendanten in Philippsburg / und dann einige Veränderung zu Costantz vorgenommen / haben sich hochgedachte Durchl. wieder zu Insprugg eingefunden / so in wenig Tagen allhier erwartet werden. Von dem Herrn Grafen (GrafCziacki thut rapport von seiner Wallachischen Reiß.) Cziacky, so mit wichtigen Commissionen in der Wallachey gewesen / verlautet dato nichts anders / als daß er zwar verborgener Weiß ins Land / aber nicht in die Hauptstatt zum Fürsten sey gelassen / doch ihme einige gewisse Commissarien, dessen Anbringen ihnen vorzutragen zugegeben worden / und daß ihm die Tartarn / so in der Wallachey einquartieret / im zuruckgehen starck nachgesetzt hätten. Uber Gran wird avisirt / daß der Bassa Tihaia im Namen deß Veziers zu Ofen an die Unterthanen und Richter zu Tottis geschrieben habe / daß der Richter mit denen zwölff Eltesten und Geschwornen inner drey Tagen nach Ofen kommen / widrigen falls er Bassa den Ort mit Feuer und Schwerdt / auch das Kind in der Wiegen nicht verschonen / sondern alles verderbt werden soll / auff welche Betrohung (Ein Türck will den Christlichen Glauben annehmen.) die arme Leut dahin gangen. Ein Türck ungefehr 30. Jahr alt / so 22. Jahr in Ofen gewesen / ist freywillig zu Pest herüber gangen / seinem Verlangen nach den Christlichen Glauben anzunehmen / welcher den 16. dito mit 3. Hussaren convoyrt anhero gebracht / und gleich von dem Käyserlichen Hof-Kriegs-Rath Proesidenten / Herrn Marggrafen von Baaden zum Examen vorgefordert worden. Nachricht von Mongatsch ist / daß selbiger Ort würcklich attaquirt, aus 8. Mörseln durch stetiges Feuer-einwerffen beängstiget werde / obwohlen gedachter Ort von Natur sehr vest / so hof [187] fet man doch nechstens etwas erfreuliches davon zu hören. Herr General Caraffa / so nach Eroberung S. Job auff Debrezin die accordirte Contributiones einzuholen gangen / hat alldort 200000. fl. und 100000. Säck Getreyd zur Nothdurfft der Käys. Soldatesca erhalten / wie dann auch andere Ort mehr an Geld und Victualien hergeben müssen. Es wird confi???mirt, daß der Tartar Galga mit einer grossen Macht umb denen unsrigen eine diversion zu machen / durch die Wallachey zu gehen / gegen Ungarn im Anzug wäre / solches zu verhindern thun sich die Pollacken starck versam̅len / umb selbigen vorzubiegen / deßgleichen werden von unsrigen alle Päß bestens besetzet. Jh. Käys. Maj. haben obgedachtem Herrn Obrist Beck nebst der Commendantenstell zu Philippsburg auch das neue Starenbergische Regiment / und Herrn Grafen Quido von Starenberg Obrist-Leutenant vom alt Starenbergischen Regiment das Beckische allergnädigst conferirt. (Der Groß-Vezier erbaltet einen frepen und absoluten Gewalt.) Der Türckische Groß-Sultan hat dem jetzigen Groß-Vezier einen so mächtigen und vollkommenen Gewalt mitgetheilet / dergleichen seinen Antecessoribus niemalen verliehen worden / daß er absolutè in Politicis, Militaribus, Cameralibus, & Criminalibus pro arbitrio disponirt, handelt und wandelt / wie er dann 45. Bassa unter diesem gefärbten Schein / das schwürige Volck (Lässet 45. Bassa s???guliten.) zu contentiren, in re aber bloß zu diesem Ende hat lassen hinrichten / damit er vermittelst confiscirung ihrer Güter und Paarschafft / wordurch viel Milliones in das aeratium bellicum gezogen worden / die jetzige schwehre Kriegs-Unkosten / umb so viel leichter bestreiten möge. Es seynd 50. Minirer für die nechst-eingehende Campagne geworben / wie auch wegen Anzugs der Chur-Sächsischen 5000. Mann alles und jedes verglichen worden. Der Churfürst aus Bayern wird mit 8000. Mann in Ungarn erscheinen / und alle nothwendige Kriegs-Verfassungen mit sich bringen. Den 20. ist eine Staffeta vom Herrn General Mercy eingeloffen / und an den Käyserlichen Hof-Kriegs-Rath Proesidenten gelautet / was selbige mitgebracht / ist in geheim / worauff aber gleich ein expresser Courrier dahin spedirt worden / man (Der König in Polen wi??? im Majo im Feld stehen.) muthmasset / daß es sehr hochwichtige Sachen betroffen haben muß. Ihr. K. Maj. in Polen haben sich resolvirt / und erkläret mit der Armee im Majo im Feld zu stehen / und damit zu diesem frühen Feldzug alle Praeparatoria gemacht werden / sind die Bischöffe / und andere Senatores durch Königliche Schreiben erinnert worden / daß sie ausserhalb der Landes. Verfassung nach Möglichkeit zu solcher Campagne concurriren wollen. So haben auch Ihr. Päbstliche Heiligkeit einen Wechsel auff eine Million Polnisch. Gulden übermacht / welche aber allererst nach Ostern erlegt werden sollen / dahero Ihr. Königl. Maj. interim noch mehr von dem Ihrigen herschiessen. [188] Denen Moscowittischen Gesandten ist zu ihrem offentlichen Einzug der 17. Tag Februar. benennet worden / und verlautet mit diesem bey dem Czaarischen Hof / daß man sie gar in kurtzer Zeit expediren wolle: Nicht weniger seynd auch offt hochgedachte Ihre Königl. Majest. entschlossen / ehistens einen Gesandten an Chur-Brandenburg / und wohl auch gar an Chur-Sachsen abzufertigen / umb wider den Erbfeind / welcher wie berichtet wird / sehr starck / und mit den meisten Tartarn auff selbigen loß gehen will / zu sollicitiren. Der Rendezvous der Käyserl. Armee solle anfangs May bey Barckan gehalten werden / wobey jedes Regiment / als die zu Fuß 1500. die zu Pferde aber 800. Köpffe starck in completem Stande unfehlbar erscheinen (Jh. Käyserl. Maj. halten ein Fuchßbröllen zu Laxenburg.) sollen. Den 21. giengen Ihr. Käyserl. Majest. auff eine Pa???tz nach Laxenburg / den 22. aber Nachmittag hielten Se. Majest. ein Fuchßbröllen / wobey auch Ihr. Durchl. der Ertz-Hertzog sambt allen Bottschafftern / und ein grosser Adel gewesen / es wurden bey 300. Füchß erlegt / und viel Daxen erhetzt / und haben allerhöchst gedachte Ihre Majest. 50. Füchse / so sich auff die Bäume salviert / niedergeschossen. Uber die von denen Siebenbürgischen Gesandten in Sachen verschiedener von der in den Siebenbürgischen Gespannschafften einquartierten Soldatesca angelangter Thätigkeiten / und verübter excessen angezogener Beschwernussen / haben Jh. Käys. (Es werden Käyserliche Commissarii denen Siebenbürgischen Gesandten zugegeben.) Majest. eine Commission hierüber angedeutet / bey welcher gedachte Deputierte erscheinen / und mit mehrerm ihre Klage fordern sollen / damit die Sach überlegt / examinirt, und nach Befindung der Sachen Beschaffenheit das Urtheil gegen die Verbrecher und Delinquenten geschöpfft werden möchte / gleich wie man aber sichere Nachricht hat / daß von den Käys. Befelchshabern die Einquartirung regular vertheilt / und keine über die Maß beschwehrt worden / als stehet man in beständiger Meynung / daß der Fürst und Stände in Siebenbürgen nur dessentwegen mit dergleichen Beschwernussen den Käys. Hof defatigiren, damit sie unter diesem praetext Zeit gewinnen / und die mit der Ottomannischen Porten im Werck stehende Accords-Tractaten manuteniren, und nit weniger den Anmarsch deß von dem Teckely versprochenen Succurs / nebst den im Anzug begriffenen Tartarn erwarten / zumalen man auch für gewiß verständiget worden / daß erwehnter Fürst in Siebenbürgen mit dem gewöhnlichen jährlichen Tribut die Ottoman̅ische Porten contentirt habe / und daß mit dessen Einwilligung der Stände Commissarii sich mit dem Teckely (welcher unter einer Türckischen Guardia biß an die Siebenbürgischen Gräntzen dessentwegen gerucket /) in weitläuffige und enge Tractaten eingelassen hätten. Aus Nieder-Ungarn continuirt / daß in den nechst-anliegenden Türckischen Frontier-Plätzen ein mercklicher Abgang der Lebens-Mittel sich verspühren lasse / und daß [189] derentwillen die Besatzungen vermittelst continurender desertion und Flucht sehr geschwächt worden / massen dann der neulich zu Ofen von Adrian arrivirte Chiaus, selbigem Vezier soviel bedeutet / daß dermahln aus Orient (Grosse Hungersnoth in den Türck. Plätzen.) keine Lebens-Mittel wegen unbeschreiblicher Hungers-Noth dahin verschafft werden könten. Den 25. ist der Königl. Schwedische Plenipotentiarius Hr. Carl Gustavus Graff von Oxenstirn an einem Gall-Fluß verschieden / dessen Leichnamb nach Schweden gebracht werden soll. Der Richter (Der Richter zu Totis komt von Ofen wieder zurück) zu Tottis, so sambt den 12. Altisten auff deß Bassa Tihaia Citation nach Ofen gehen müssen / ist mit den seinigen wieder zurück kommen / referirt / daß ihnen dey dem Spieß aufferlegt worden / all der Christen Vorhaben / streiffen / und anders jedesmahl fleissigst / warhafft und eylfertigst anzuzeigen / auch ihnen Türcken jederzeit getreu verbleiben sollen. Die gehuldigte Bauern haben das jüngst von denen Türcken außgeplünderte Schiff nach Gran gebracht / weme solches zuständig / und was vor Leuth darauff gewesen / ist annoch nicht bekant / die Heyducken aber / so auff selbige Parthey außcommandirt waren / seynd unverrichtet Sachen wieder zurück arrivirt. Alle Regimenter / so bißhero in Ober-Ungarn im Quartier gelegen / seynd beordret nach der Theise zu marchiren / umb die Völcker / so in operatione vor Mongatsch stehen / sicher zu bedecken / auch allen andern besorgenden Einfall zu verhüten; Sonsten geben letzte Brieff von dar nichts veränderliches / als daß an Auffwerffung der Batterien sehr eyfferig fortgefahren und dahin getrachtet würde / wie man ohne grossen Verlust / und Gefahr über den Morast kommen (Herr General Scherffenberg gebet nach dem Lager vor Mongatsch.) möge. Den 30. ist der Gen. Scherffenberg per posta von hier nach dem Lager vor Mongatsch abgereiset / umb den Hrn. Gen. Caprara in seinem vormen / daß die in Siebenbürgen unterm Commando deß Petrozi sich noch befindliche Rebellen / nur einen starcken Türck. Succurs erwarten / worauff sie die Käys. zu dislogiren suchen wollen. Man hat resolvirt / 2. Haupt Armeen bey nechster Compagne / und dann 2. andere Kriegshauffen in Ungarn zu halten / zu dem Ende dann an vielen Oerthern Magazinhäuser bestellet / und auffgericht / damit auff allen Seithen die Armeen mit denen nöthigen Lebensmitteln ohne Abgang versehen werden möchten / welches alles man gar füglich / weiln der Donaustrohm wieder zimblich Wasser bekommen / bewerckstelligen können wird. Zwischen dem anwesenden Braunschweig Zellischen Minister und (Ein Expresser wird nach Hamburg spedirt.) Hamburg. Deputirten / hat es den 29. ein kleine Rencontre gegeben / und ist wegen selbigen Differentzien den 30. ein Expresser nach Hamburg spedirt worden / in Hoffnung / daß die Güte bey denen interessirten Theilen noch erfolgen solle.
|| [190]
Von Constantinopel seynd den 24. einige Schreiben von 14. Febr. dicses mehrern Innhalts dahier eingebracht worden / daß ob zwar der neue Groß-Vezier von dem Volck / und besonders von der Milice sehr beliebet seye / gleichwohl aber könte derselbe / die unter dem gemeinen Volck eingerissene Consternation, obhandenen terrorem pannicum nit dämpffen / und das Volck also animiren / damit die Werbungen einen bessern Fortgang gewinnen möchten. Sonsten würde erwehnten Groß-Veziers Auffbruch nach Griechisch-Weisenburg dermahln in Zweiffel gestellt / weiln derselbe die verhoffte Anzahl Asiatisch. Soldatesca / so den Marsch dahin hat antretten sollen / nicht werde zusammen bringen können / dahero dann die Türcken keine besondere Armee bey künfftiger Campagne / aus Mangel der Lebensmitteln Herr Graff Malluezi und (Herr Graff von Herberflein werden von Jhr. Käps. Majest. zu dero Cämmerern denominirt.) haben / und nur defensive sich halten werden. Dieser Tagen haben Jhr. Käyserl. Majest. den Hrn. Grafen Malluezi, wie auch den Hrn. Grafen von Herberstein Teutschen-Ordens-Ritter und Printz Croyschen Obristen Leutenant / welche 3. Jahr zu Mongatsch in Eysen gesessen / und gegen 3. in dieser bloccquada gefangene Rebellen rantzionirt worden / zu dero Cämmerern denominirt. Sonsten ist auch dem guten Partheygänger Claudi Martelli, so biß 4. Jahr lang in Constantinopel gefangen gelegen / und endlich von dem Engl. Herrn Residenten zu Constantinopel rantzionirt so viel vornehmen sich allhier angegebenen Feurwerckern von so hohen Potentaten / weiß Don Gonsales der bekante Spannische Feuerwercker nicht / was er zu thun haben möchte. Und stehet nun von seiner Invention mit 4000. wohl angefülten Brand-Röhren / biß auff den Grund deß Bodens / und tieffer als die Teutschen langen / fertig / und hoffet diese Campagne auch seinen Valeur zu praestiren / wie er dann sich patat zu halten / Ordre hat. Herr Graff Cziacky ist den 29. auff der Post wiederumb zu den König in Pohlen abgefertigt worden / und dörffte noch weiters nach andern Höfen in Käyserl. geheimen Commissionen sich von dar begeben. Von Breßlau (Herr von Pentschel wird zum Ritter deß H. Grabs zu Jerusalem gemachet.) wird geschrieben / daß den 24. passato daselbsten der Hoch- und Wohl-Edel-gebohrne Herr Johann Friederich Casimir von Hentschel und Gutschdorff auff Guhlaw / Gierlesdorff / Johansthal / Baumgarten / und Jerau / Röm. Käyserl. Majest. Rath / Comes Palatinus, und Königl. Lands-Cantzler deß Fürstenthumbs Breßlau durch den Wohl-Ehrwürdigen Patrem Narcissum Hietel Commissarium Generalem Terrae Sanctae, durch gantz Teutschland und Römischen Reichs / in Gegenwart vieler vornehmen Cavaliers und Dames / nach vorher gegangenem Musicalischem Ambt der Meß / unter welchem er das H. Abendmahl empfangen / zum Ritter deß H. Grabs zu Je [191] rusalem / nachdem bereits 6. Monath zuvor alldort in dem H. Grab selbsten sein gevollmächtigter Procurator diesen Ritter-Orden / aus Händen deß alldortigen Päbstl. Vicarii Generalis, und Apostolischen Commissarii, wie auch deß Hrn. Land-Custodis und Quardiani deß Bergs Sion überkommen gehabt / mit solennen schönen Ceremonien / und unter andern zwar durch Umbgebung der vergülden Sporen / wie auch Umbgürtung deß vergüldeten Degens / und Anhängung einer güldenen Ketten / sambt dem fünfffachen Ritterlichen Ordens Creutz offentlich investiret / vorhero aber die ihme vorgelesene Ordens-Statuia von selbsten beschworen / und er dergestalt deß gemeldten Ritterlichen Ordens Privilegien theilhafft gemacht worden.

Das zweyte Capittel
[arrow up]

Tractirt von Ungarischen / Siebenbürgischen / Croatischen / Türckischen / Moldau- und Wallachischen Geschichten. (Ungarische Geschichten.) Aus Ungarn hat man von 2. dieses / daß die Christliche Besatzung zu Raab / Comorra / Pappa / Totis / Vesprin / und andern anligenden Frontier-Plätzen sich zusammen gezogen / und die zwischen Vesprin / und Stuhl-Weissenburg ligende Türck. Palancka / und Schloß Ezchuar, aus welcher dieselbe Türck. Besatzung grosse Ungelegenheit / und dann durch stäte Excursion den unsrigen Händel verursacht / unversehens angefallen / und mit Einwerffung der andern Bomben ein Brunst erweckt / worvon die Türcken dermassen erschrocken / und kleinmüthig worden / daß sie gleich darauff die Ubergab capitulirt / und den andern Tag mit soviel als ein jeglicher ertragen können / außgezogen / und hingegen die Unserigen den Orth geplündert / gantz eingeäschert / und eine reiche Beuthe nebst einer grossen Heerde Viehe mit sich zurück gebracht. Die Türcken / welche in 8000. starck bey (Die Türcken werden geschlagen.) Wardein gestanden / haben eine Parthey umb Sarawas zu recognosciren außgeschickt / seynd aber vom Hrn. General Mercy ohnversehens überfallen / in die Flucht verjaget / und viele Türcken niedergemacht worden / von denen Ungarn aber ist nur ein Hussar todt geblieben. Diesen Schaden wieder einzubringen / und sich an unfern Hussarn zu revangiren / haben die Türcken bey 800. Ochsen zwischen Ofen und Stuhl-Weissenburg zusammen getrieben / darbey eine schlechte Convoye gelassen / worauff die Unsrigen [192] auff erhaltene Kundschafft loß gangen / auch selbige allbereit mit wenigen Widerstand fortgetrieben / denen aber die Türcken auffgepasset / und in ein hartes Gefecht miteinander gekommen / worbey Türckischer Seits in 200. (Rencontre zwischen den Türckischen und Chriftl. Hussaren.) von den Hussarn aber biß 20. todt geblieben / und das Viehe zurück lassen müssen. Sonsten hat sich der Teckely dieser Zeit in dem Türckischen zwischen Gyula / und Lippa geschlagenen Feldlager mit etlich 100 verlauffenen liederlichen Kerles les auffgehalten / er soll gantz grün gekleydet gehen / und ihme (Der Teckely wird grün gekleidet und ihm der Nam Bassa von Stern zugelegt.) von den Türcken der Nam Cziliack-Vezier / das ist Bassa von Stern gegeben worden seyn / seine Brieff / so er an etliche Ungarn geschrieben / seynd von theils uneröffnet dem Hn. Gen. Caprara geschickt worden / umb ihre Treu zu bezeugen / wie sich dan der Petnehasi mehrmahlen wohl gehalten / dann / nachdeme ein Parthey Türcken von 300. Pferd starck biß Sarawas gestreiffet / und von den Teutschen reponsirt worden / hat inzwischen besagter Petnehasi mit einigen Ungarn den Feind im Rückweg vorgepasset / selbige auf Ankunft hertzhafft attaquirt / zum Stand gebracht / und nach einigen Widerstand zer streuet / worbey viel auf dem Platz geblieben / und nebst andern 2. fürnehme Aga (die eine grosse Rantzion herzugeben / sich erbothen) gefangen worden; So haben die Hussaren von Comorra einen abermahligen Streiff biß unter Ofen gethan / eine Türck. Parthey angetroffen / und geschlagen / und seynd mit grosser (Ein Schiff wird von Wind ans Land geschlagen und von den Türcken geplundert.) Beuth / 17. Köpffen / und etliche̅ Gefangene̅ glücklich zurück kom̅en. Hingegen hat ein Türck Parthey zwischen Gran und Comorren ein Christl. Schiff / so wegen grossen Winds anlede̅ müssen / arrapiret / außgeplündert / über 100. Eymer Wein denen Fässern die Böden eingeschlagen / die Heyducken so darauff gewesen / und neben den Teutschen sich gewähret / niedergehauen / 17. gefangen genom̅en / und was sie an Victualien nit mitbringen können / in die Donau geworffen. Ferner hat ein feindliche Parthey eine Christliche Convoy / so nach S. Job Wein und andere Victualien begleitet / angegrieffen / und in der ersten furi 18. Mann nidergemacht / die aber von den Häußlerischen außcom̅andirten wieder überfallen wurden / und ihrer 200. nach St. Job gefangen eingebracht / die auf der Wahlstatt gebliebene Türcken seynd von denen gehuldigt. Bauern (Hr. General Caraffa er Presset in deß Feinds Land eine grosse Summa Gelds.) nach Erlau geführt worden. Worauff Hr. Caraffa einen Streiff ins Türck. gethan / von selbigen Unterthanen 100000. Rthl. erpresset / und darmit seine Soldatesca bezahlt / folgends wieder nach Zatmar gekehret / und dem Fürsten in Siebenb. die Eroberung von St. Job zu wissen thun / und darnebst bedeuten lassen / alsobalden die Contributiones einzuschicken / widrigen fals er solche auf Kriegsmanier / heraus treiben müste; worauff ermelter Fürst ihme Hrn. Grafen Caraffa alsobalden geantwortet / den Marsch der Völcker doch einzustellen / mit Versicherung daß er ohne Zeitverlierung seine Gesandten abgeschickt hätte / umb ihme alle Satisfaction zu geben.
|| [193]
Immittels hat Hr. Gen. Caprara auff expresse Käys. Ordre mit Anfang dieses Monats die blocquada von Mongatsch in eine Belägerung transferirt / zu dem Ende besagter Hr. Gen. selbsten mit 2000. Mann zu Fuß / (Die Bloquada vor Mongarsch wird in eine Belägerung tran???ferirt.) 500. Pferd / 8. Feuermörsel / und einer zimblichen quantität Bomben / Granaten / und andern zur Belägerung nöthigen Zeugs den 10. dito vor besagter Vestung angelangt / und sogleich einen Trompeter hineingesand / die inligende Rebellische Garnison zur Ubergab zu adhortiren / der aber nicht angehört / sondern schimpfflich zurück gewiesen / und gar auf ihn Feuer gegeben worden / auch hat darauff ein Rittmeister / welcher hiebevor unter dem Rickardischen Regim. war / und zu den Redellen übergangen / einen Außfall gethan / 8. Ochsen denen unsrigen weggenommen / und in die Vestung gebracht; Es hat aber bey diesem Verlauff Hr. General Caprara vor der Vestung nicht gefeyert / den 14. die Circumvallations-Linien nicht allein in völlige Perfetion gebracht / sondern auch gegen die untere Palancka, der Vestung eine mit grossen Bäumen eingeschlossene Schantz und Bollwerck aufwerffen / darauff einige Mörsel pflantzen / und den 16. die Vestung zu beschiessen anfangen lassen / und weiln die Rebellen / gleich gegen diesem Bollwerck über einen Wall uffgeworffen gehabt / seynd sie wegen starcken Canonirens genöthiget worden / (Hr. General Caprara fasset posto auf dem so genanten Holtz-Schloß.) selbigen zu verlassen / und sich nach der Ober-Vestung zu retiriren / dahin man mit Einwerffung vieler Vomben Käys. Seits starck angehalten / absonderlichen hat man in den so genanten Holtz-Schloß / so ohnweit Mongatsch in einer zimblichen Höhe gelegen / posto gefasset und durch continuirliches Feuereinwerffen daraus denen Belägerten überaus grossen Schaden zugefügt / dahingegen diese mit ihren Stücken denen Käys. wenig beykommen können / wie es nun mit dieser Belägerung ferner ablauffen möchte / werden die folgende Monat außweisen. (Croatische Geschichten.) Von Carlstadt aus Croatien hat man / daß der Hr. Gen. Matthias Graf von Strasoldo / den Obrist Orßkitz mit 1000. Mann commandirt (Obrist Orßkitz erobert das Städtlein Tudorow.) hat / umb ins Türck. einen Streiff zu thun / welchem dann besagter Obrist zu folge / den 7. dieses das Türck. Städtlein Tudorow überfallen / selbiges außgeplündert und abgebrand / viele Türcken nebst dem Com̅en danten Mechmet Aga niedergehauen / dessen Sohn sambt 16. andern gefangen genommen / und nebst andern guten Beuthen / auch 200. wackere / und wohlbewehrte Wallachen in Käys. Dienste mit sich glücklich zurückgebracht Einige andere Croaten von Segnia seynd auch in die Landschaft Licca, biß an das Schloß Novi gestreiffet / allwo sie 2. Mühlen abgebrand / und 7. Türcken mit zurück geführt haben. Die Garnison von Verovitiza ist ingleichem biß gegen Walpo gestreifft / von dannen etliche 100. stück Vihe weggeholet; als aber die Türcken (deren in [194] Walpo sich 3. Bassen mit einer starcken Garnison befunden) solches vernommen / haben sie denen Unserigen nachgesetzet / einige niedergesäbelt / und ihnen die meiste Beuthe wieder abgenommen. Weiter ist auff erhaltene Kundschafft / daß dieTürcken von Sighet und Canischa den 17. dieses / einen (Die außgeschickte Türcken von Sigeth und Canischa werden im Rückmarsch dapffer geklopfft.) Streiff gegen Nider-Lembach vorgenommen / und 62 Persohnen / so in denen Weingärten gearbeitet / gefangen weggeführt haben / unsere Besatzung von Sarwar / und deß Hrn. Gen. Grafen Butthiani Hussaren ihnen vorgekommen / und hat sich auff den Paß / wodurch die Türcken zurück gehen sollen / geleget / die Brücke auff dem Fluß Rabnitz abgebrochen / und die Türcken der gestalt empfangen / daß die Unsrigen nicht allein die Christen wider erlediget / sondern haben auch über 200. Türcken nidergemacht / und ersäuffet / und die Christen wider nacher Hauß geschicket. Ingleichem hat vorerwehnter Hr. Baron von Orßkitz den 18. noch einen Streiff ins Türckis. (Die Türck. Garnison von klein Cladussa wird überfallen und mei???ens niedergemacht worauff die Inwohner groß Cladussa verlassen.) gethan / sich gegen klein Cladussa gewendet / selbige Türckische Garnison ohnversehens mit 100. Mann zu Fuß überfallen / 40. Türcken niedergehauen / und noch einmahl so viele Weiber und Kinder mit sich weggeführet: die Unsrigen haben die Palancka von groß Cladussa gantz abgebrandt / weiln sie aber kein Artillerie bey sich hatten / haben sie die Stadt / welche vest ist / nicht ermeistern können; doch denen Türcken / so darinn in Garnison gelegen / gedrohet / daß wann sie gemeldtes Schloß und Stadt innerhalb 14. Tagen nit verlassen würden / wolten die Unserigen mit mehrer Gewalt und grobem Geschütz kommen / und alsdann weder Weib / noch Kinder / verschonen / noch jemand leben lassen; worauff die Türcken nit allein versprochen / denen Unserigen den Orth in vorgeschriebener Zeit einzuraumen / sondern haben auch würcklich solchen 5. Tag hernach verlassen / und sich mit Weib und Kindern und Güthern / jenseit deß Flusses Unna retirirt. In diesen Actionen seynd viel gefangen / und 800. Christen vom Türck. Joch befreyet worden; Im übrigen continuirt die Theurung auff diesen Gräntzen sowohl unter den Türcken / als unter den Unserigen. Es ist sonsten diesen Monath ein kurtzer Außzug eingekommen / worinnen entworffen worden / was die siegreiche Käyserl. Waffen seither dem Jahr 1685. in den Königreichen Ungarn / und Croatien erobert haben sowohl (Kurtzer Außzug dessen was die Käyf. seitber 1685. in Vngarn erobert haben sowohl an Städten) an Plätzen / als Landschafften / Geld / Stücken / und Fahnen / so ich / wie es empfangen / dem Großg. Leser communiciren / und diesem Capittel mit einverleiben wollen. Erstlich an Städten haben die Käyserische eingenommen / 1. Neuheusel / 2. Vacchia. 3. Novigrad. 4. Heveez. 5. Zollnock. 6. Saravas. 7. Eperies. 8. Caschau. 9. Putnock. 10. Onoth. 11. Arravn. 12. Sonna. 13. Son [195] nama.14. Potock. 15. Palaz. 16. Doronio. 17. Tockai. 18. Regez. 19. Unguar. 20. Garovon. 21. St. Kolo. 22. S. Nicola. 23. Sebetschim. 24. (Dörffern / Geld / Fahnen und Geschütz.) Ibrayn. 25. Arar. 26. S. Job. 27. Czechmar. 28. Esseck ist außgeplündert / und ihre Brück abgebrandt auf 1100. Schritt. 29. Verovitiza. An Land / Grund und Boden ist Ihro Käyserl. Majest. zugefallen. In Ober-Ungarn / von Wien biß Mongatsch. ??? 70. Meilen. In Nider-Ungarn / biß auff Sarawas. ??? 65. Von Verovitiza biß nach Esseck. ??? 20. In Croaten gegen Cicca. ??? 10. Mit Neuheusel seynd 200. Dörffer überkommen. Mit Novigrad 2 Graffschafften / nemblich die Novigradisch und Vachische / den Käyserl Waffen unterwürffig worden. Mit Verovitiza hat man 200. dahin gehörige Dörffer bekommen. Was weiters an Geld eingebracht worden / davon zehlet man die hauptsächlichsten Posten. An einem engen Ort in Neuheusel 300000. specie Ducaten. Die Leßlische in Esseck auff ??? 6. Millions. Die Croaten haben zu Dubecza ??? 200000. entnom̅en. Ferners seynd denen Türcken im Feld und den Vestungen 270. Stück und 89. Fahnen abgenommen worden.

Das dritte Capittel
[arrow up]

Haltet in sich / was im Römischen Reich hin- und wieder passirt ist. (Röm. Reichs Geschichten.) VOn dem Nider-Rheinischen Cräyß hat man aus Coblentz vom 5. Martii, daß Ihro Churfürstl. Gnad. von Trier continuirlich mit 1500. Mann an der Vestung Ehrenbreitstein arbeiten lassen / und habe über dieses ein Compagnie von 60. Canonirers hineingelegt. Von Heydelberg wird vom 26. dito geschrieben / daß selbigen Morgen zwischen 7. und 8. Uhr die ältiste verwittibte Churfürstin zu Pfaltz gebohrne Princessin von Hessen-Cassel nach einig außgestandener Unpäßlichkeit dieses Zeitliche gesegnet habe.
|| [196]
Aus dem Bäyrischen Crayß kombt Bericht von der Stadt Regenspurg / von 14. dito / daß der Königl. Frantzös. daselbst anwesende Plenipotentiarius H. Ludwig Verius Graff von Cresy, der Reichs-Versamblung (Bäyrischen Craises Geschichten.) den 12. ein Memorial übergeben habe / wordurch Se. Aller-Christl. Majest. eine Declaration vom Reich verlangen / Krafft dessen / die von Chur-Pfaltz ergrieffene Possession der Madame d'Orleans Praetension ohnpraejudicirlich seyn solle; hingegen aber vor keinen Armistitz-Bruch / welches ste ihres Orths zwar fest halten würden / außzudeuten wäre / wann Ihro darüber aber nicht deferirt werde / einfolglich Ihro Majest. die Satisfaction darüber zu nehmen genöthiget würden. Aus dem Ober-Sächsischem Craiß melden die Brieffe von Berlin vom 20. (Ober-Sächsischen Craises Geschichten.) Martii / daß Ihro Churfürstl. Durchl. von Brandenburg noch continuirlich in Potzdam sich auffhalten / und glaubt man / daß sie vor Ostern sich nicht anhero begeben möchten / im fall sie nicht / dem Rendevous der nach Ungarn destinirten Trouppen / welcher zu Crossen an der Schles. Gräntzen geschehen soll / beyzuwohnen / hierdurch passiren möchten; Nun beginnet ein rechter Ernst mit solchen Marsch zu werden / und ist denen Officirern und gemeinen angesagt / sich parat zu halten / und sich zu dem Marsch zu schicken / die Recrutirung zu solcher abgehenden Militz wird auch mit allem Fleiß gemachet / und fehlet nun an nichts / weiln auch zu solchem Marsch die Oesterreichische Gelder schon gelieffert / so hat man auch bereits Assignationes gemacht / an statt der nach Ungarn commandirten Trouppen schleunigst andere zurichten. So continuirt auch / daß Ihro Churfl. Durchleucht. von Sachsen mit seiner Armee der Ungarischen Campagne beywohnen / und die beyde Churfürstliche Völcker sich conjungiren werden. Den 7. dito ist der Pohinische Gesandte Herr Willopolscky nach Franckfurt an der Oder und so weiter nach Pohln abgereist / nachdeme er zuvor allhier die Rüstkammer und andere Raritäten gesehen gehabt. Den 8. (Der Hirt so die Hamb. Post spolirt wird zu Berlin gehencket.) ist der jenige Hirt gehencket worden / welcher die Hamburger fahrende Post zu Nachts zeit bestohlen / er protestirte zwar / und machte seinen Diebstahl gering / vorgebend / er könte nicht mehr thun / als wiedergeben / was er gestohlen / es wolte aber nicht helffen / sondern muste / und zwar wider seinen Willen hangen / dieser Dieb hat schon lang vim attractivam gehabt / und heissen mit gehen / wo er was anständliches gesehen / man hat ihn oft deß Diebstals halben in Suspicion gehabt / hat aber immer vorgewand / er hätte solch Gut von Reisenden erhandelt / und so dann dem eigener wieder restituirt / biß er endlich an den grossen erkant worden / und seinen Lohn bekommen. Obwol die Differentien zwischen J. Hochf. Dchl. von Zelle und der Stadt Hamb. sehr weitläuffig auß gesehen / [197] hat man dannoch anjetzo gute Hoffnung / daß sie durch intercession einiger hohen Potentaten ehisten abgethan werden dörfften / zu welchem Ende dan̅ auch die nach Hamburg beorderte 2. Regimenter wieder in ihre Quartier nach (Hr. General Schöning lässet 100. Zelt zum Ungarischen Marsch verfertigen.) Mecklenburg gegangen. Der Herr General Leutenant von Schöning / welcher die Völcker / so nach Ungarn destinirt, commandiren wird / lässet über 100. Gezelten verfertigen / und sollen die Fußknechte auff einerley Art mundiert / die Unter-Officier und Piquenirer jeder mit 2. Pistolen / die Musquetirer mit Beylen / womit man hauen und stechen kan / versehen werden. Weilen fast die meisten geflüchteten Frantzosen sich zu keiner Arbeit verstehen wollen / als werden die jenige / so Lust zum Soldaten-leben haben / angenommen / und nach Cleve gesandt / denen andern aber / so auch solches nit anstehet / weiset man die Thüre / umb ein Land zu suchen / da man ohne Müh und Arbeit seine Kleyder und Kost verdienen kan. Den 16. hat der Chur-Sächsische Gesandte bey Sr. Churfürstl. Durchl. Abschleds-Audientz erhalten. Das Bauwesen allhier soll nun künfftigen Monat wieder angehen / und wollen Ih. Churfl. Durchl. die künstliche Schnecke oder Windelstiege / so gleichsam für ein Wunderwerck gehalten wird / wieder repariren, und mit Oel anstreichen / und an etlichen Orten deß Gegitters und zierlich aus gehauenen Quatersteinen vergülden lassen / damit solch mit so grossen Kosten und Arbeit auffgeführte Werck noch lang stehen / und nicht vom Regen (Der junge Hertzog von Hannover komt incognito zu Berlin an.) abgenützt werden möge. Obwohln sonsten Ih. Hochfürstl. Durchl. der junge Hertzog von Hannover allhier incognito ankommen / und sich nicht eher kund geben wollen / biß sie vor der Tafel bey Ih. Churfl. Durchl. erschienen / so seynd dieselbe dannoch von den Laqueyen erkant und nachdeme ausgekundschafftet worden / woselbsten sie logierten / haben sich solche dorthin begeben / und Ihr Durchl. in dero Logiment auffgewartet so lang / biß Ihr. (Wird aber erkant / und vom Chur-Printzen in das Laboratorium und die Zeughäuser geführt.) Chur-Printzl. Durchl. auch von Potzdam wieder anhero kom̅en / da man dan̅ Ih. Durchl. auf dem Schloß zu logiren gebetren; worauff den 12. Ih. Chur-Printzl. Durchl nebst dero Herrn Schwager dem Hertzogen in das Laboratorium fuhren / woselbsten eine Feuerkugel in die Erde vergraben gelegen / welche mit einer grossen Menge Wasser begossen / und angezündet / hernach noch ein Zuber mit Wasser darüber geschüttet ward / welches aber solche Kugel nit allein nicht gelöschet / sondern noch mehr brennend gemacht / und hat umb sich geschlagen / daß niemand dabey dauren fön̅en. Nach diesem wurde noch ein Pechkugel auf der Erden angesteckt / welche ein brausend Feuer von sich warff / und alles umb sich verzehrte / darnach wurden sie durch die Zeughäuser auff den Wall geführt / in welchen Zeughäusern sie vors erst das Fußgewehr / a’s Schuppë / Spaden / Hacken / Sicheln / und alles Geschirr zur Artillerie besahen. [198] In einem andern Zeughauß waren alle frembde eroberte Stück von ¾. ½. ¼. ???. Carthaunen / Feldschlangen und dergleichen / auch etliche Mörsel zu sehen. In noch einem andern Zeughauß stunde die Churfl. neugegossene Artillerie an ¾. ½. ¼. ???. und ???. Carthaunen / Schlangen / sc. nebst der gantzen Feld-Artilletie, und absonderlich die Haubitzen und Feuermörsel / so von 8. 7. ½. 6. 5. und 3. Centner Granaten werffen / nachdeme wurden etliche Granaten / von Armbrust / welche 2. Constabler mit Winden spanneten / angezündet / und gleich geworffen / so über den Wallgraben fielen / und etliche Schläge von sich gaben / also daß auch ein Granate wieder zuruck über den Wall auff das Zeughauß sprung. Nach diesem wurde aus einem Böller von 40. biß 50. Pfund ein Granat auff 8000. Schritt geworffen / darnach eine auff die Helffte mit vielen Schlägen / welche man alle hören konte / dann wieder eine auff 7000. Schritt / nach welchen Verrichtungen sie wieder nach dem Schloß fuhren. (Chur-Sächsische Geschichten.) Von dem Chur-Sächsischen Hof aus Dreßden melden Brieff vom 2. diß / daß Herr Schulenberg Chur-Brandenburgischer Envoye daselbst Audientz gehabt / welcher darbey Ihr. Churfürstl. Durchl. von Sachsen ein Proposition gethan / wegen einer defensiv-ligue unter den Protestanten / ingleichem was gestalt die Mißverständnussen zwischen den Fürsten von Sachsen. Mörseburg und Zeitz könten assoupiret und abgethan werden. (Westphälischen Craises Geschichten.) Aus dem Westphälischen Craiß haben die Brieffe von der Stadt Cöln über das / was im vorigen Monat in Sachen selbiger inhafftirten Auffrührer wegen gemeldet / noch ferner eingebracht / daß nach Hinrichtung der 2. Rädleinsführer / benantlich deß Gülchs und Sachsens man den 6. darauff angefangen habe / deß ersten schöne Behausung einzure???ssen. Den 7. darauff Nachts habe man noch 10. à 12. Personen gesucht / umb selbige zu denen bereits inhafftirten 20. andern Burgern einzulogiren / man habe aber niemand gefunden / deßwegen dero Häuser mit Soldaten besetzet worden. (Cölnische Pändel.) Indessen fahren allhier die Käys. Herren Subdelegirte in dem Inquisitions-Werck noch gar fleissig fort / und umb desto ehender an ein End zu kommen / so haben dieselbe zwey Tage nach einander einige von den inhafftirten Burgern durch Soldaten zu sich führen / und selbige eine geraume Zeit examinirt, nach solchem aber wieder in ihre vorige Gefängnuß führen lassen / auch seynd deß hingerichten Sachsens Kinder dieser Stadt verwiesen worden. Sonsten wird viel geredet von einem neuen Cometen / so sich nach (Printz von Murrbach gebet mit Tod ab.) der Sonnen Niedergang sehen lasse. Den 5. hat der Printz von Murrbach nach ausgestandener langwürigen Kranckheit im 28. Jahr seines Alters diese Zeitlichkeit gesegnet / dessen Leichnam balsamiret / und den 16. mit gewöhn [199] lichem Pomp beerdiget worden ist. Mithin gehen die Werbungen vor Ih. Käyseel. Majest. dahier sowohl als zu Aachen sehr wohl von statten / also daß die verlangte Mannschafft ehistens complet seyn wird. Den 25. haben (Der Pfaltzgraf von Renburg langt bey Chur Cöln zu Bonn an.) Ihr Churfürstl. Durchl. von Cöln mit dero Hoffstatt und 12. Kutschen Ihr. Fürstl. Durchl. zu Pfaltz-Neuburg in dero Residentz Bonn eingeführt / und den 26. umb 1. Uhr Mittags von dar in Ih. Chursürstl. Durchl. Kutschen biß unter hiesige Stadt führen lassen / einige Compagnien Bürger / wie auch die Soldatesca allhie seynd 2. Tag nach einander in armis gewesen / auch haben hiesige Burgermeisters am Bord deß Rheins mit 2. Zuläst und einigen Flaschen Wein auffgepasset / umb Ihr. Durchl. zu beneventiren, und damit zu regaliren / welche doch höchst-gedacht. Ihr. Durchl. nicht rencontrirt, haben derohalben die 2. Faß Wein nach Düsseldorff führen / und durch einen dorthin den 27. geschickten vernehmen lassen / wann es höchst gedacht. Ih. Durchl. beliebig wäre / so solten einige Deputirte von h???er dorthin geschickt werden / Ihr. Durchl. allda zu gratuliren. (Rieder-Sächsischen Erasses Geschichten.) Aus dem Nieder-Sächsischen Craiß hat man mit Brieffen aus Lüneburg vom 9. dito / daß man selbiger Orten noch immer wegen der differentien, so man mit der Stadt Hamburg hat / allarmirt, und marschiren noch fast täglich einige in denen Quartieren gelegene Trouppen über die Elbe / wie dann den 7. und 8. Hannoverische Trouppen hierdurch passirt / welche ihren Marsch vermuthlich auch dahin nehmen / so sollen auch die Wolffenbüttelischen zu marschiren beordert seyn / sonsten ist dahier nicht viel zu (Lüneburgische Zufäll.) melden. Ein besoffener Bauer aus Ultzen fället im Schlaff vom Wagen / und wird von einigen Schäffershunden gefunden / welche ihm die Kehle abgebissen / und halb auffgefressen. In dieser Gegend hat sich einer den Bauch aus desperation auffgeschnitten / so gar daß ihme die Därme heraus gelauffen / wird aber bey solcher an seinem Leib verübten Mordthat ertapt / und ferner gehindert / man hat ihm den Bauch wieder zugenähet / er lebet noch / kan essen und trincken / welches er mit einigen Zeichen zu verstehen gibt / ligt aber gantz sprachloß darnieder. Eine gefangene Weibs-person hat bekant / daß ihre Mutter die Mörderin ihres Kinds gewesen / werden also beyde ihr Trinckgeld bekommen. Der Hertzog von Wolffenbüttel hat den 11. zwölff Compagnien zu Fuß mit allen Ober- und Unter-Officiers abg??? dancket. (Ein Chur-Brandend. und Königl. Schwerisch. Gerandier zu Zell angelangt.) Den 19. ist der Chur-Brandenburgische Abgesandie Herr Ackenhauß incognito zu Zell arrivirt, es bliebe aber sein Ankunfft nicht lang verborgen / und wurde deß folgenden Tages in einer schönen Carossen mit 6. Pferden in Begleitung 6. Laqueyen zu Hoff geholet. Den 21. kam auch ein Schwedischer Gesandter der Herr von der Kuhla von Stade nach Zell / welcher [200] mit eben solchen Ceremonien auffgeholet wurde / beyderseits affairen betreffen die Hamburger differentien mit diesem Hochfürstl. Hause / und hoffet man / daß endlich ein expedienz ausgefunden werden dörffte. Ihr Hochfürstl: Durchl. von Holstein halten sich annoch zu Lübeck auff / und divertiren sich mit der Jagd in den Lübeckischen Gütern / auffm Thurmhoff wird der Bischoffshoff vor selbige praeparirt, so daß dem Ansehen nach Ihr. Durchl. daselbst noch eine zeitlang bleiben wollen. (Hamburgische Geschischten.) Von Hamburg seynd Schreiben eingekommen folgenden Inhalts: Gleich wie Ih. Königl. Majest. von Groß-Brittannien an hiesige Stadt geschrieben / also hat es gleicher gestalt die Cron Schweden auch gethan / und dabey zu verstehen gegeben / daß man bey jetzigen conjunctuten wegen der Lüneburgischen differentien sich mit keinem Potentaten wider deß Käysers interesse engagiren möchte. Der Hertzog von Zill hat einige Artillerie in die vier Landen bringen lassen / ob dieses geschiehet / unsere Posten im Billwärder zu attaquiren / oder gar wie einige wollen / unsere auff der Ober-Elbe liegenden Kreutzer nebst 2. armirten Schmacken in Brand zu schiessen / weiß man nicht / indessen haben sie alles Fahrzeug zum Tattenberg in Beschlag nehmen lassen. Was der Königl. Dähnische Minister Mons. Haxhausen wegen angebottener mediation am Zellischen Hoff für Antwort erhalten / davon wird unterschiedlich geredet; Es stehet zu verlangen / was der Schwedische Minister Herr von Kuhla gutes daselbst ausrichtet / weilen Ih. Königl. Maj. von Schweden sich diese Sach sehr lassen angelegen seyn / dann sie dieses Jahr das Ober-Directorium in dem Nieder-Sächsischen (Hamburg will auff hoher Pocentaten Mediation sich mit dem Hertzog von Zell in Tractaten einlassen.) Craiß führen. Immittelst bleibt diese Stadt darbey auff hoher Potentaten mediation mit dem Hertzog von Zell sich in Tractaten einzulassen / wann derselbe zuvor seine Trouppen aus den 4. Landen gezogen / und uns wieder einraumt. Den 20. hat der Magistrat die vom Kriegs-Rath wegen der 2. gefangenen Officirer (so bey jüngster Lüneburgischer attaque ihr devor nicht erwiesen) ausgesprochene Sentenz dergestalt moderirt / daß der Obrist-Leutenant Manecke arquebusirt / dem Fendrich Petersen aber der Degen zerbrochen werden solte / worauff den 23. mit dem ersten (nachdem er Tags vorhero nach dem Hornwerck gebracht) die execution vollzogen worden / er (Execution an einem Obrist Leutenant und Fendrich in Hamburg geschehen.) gieng sehr behertzt und freudig zum Tod / sein Habit war ein langer Japonischer Schlaffrock / und nachdem er allen umbstehenden Officirern adieu gesagt / sie alle umb Verzeyhung gebetten / auch der Stadt Hamburg den 22. gleichfalls bey Eintrettung aus der Hauptwacht in die Kutschen / alles Glück und Heyl angewünschet / hat er ihm selber die 4. Soldaten / so ihm den Dampff gethan / erwählet / ihnen die lincke Brust gezeigt / sagende / sol [201] ches sey das Ziel / welches sie treffen solten / die auch ihr devoir sehr wohl gethan / so daß Knall und Fall ein Ding gewesen. Nachgehends hat man ihn im schwartzen Schlaff-Tabbert auff sein ehmahliges Begehren also in Sarck geleget / und Abends in S. Pauli Kirch für der Stadt auffm Hamburger Berg begraben. Am Fenderich Petersen wurde gleicherweiß eben diesen Tag das aus gesprochene Urtheil vollbracht / vermög dessen er offentlich zum s. v. Schelmen gemacht / wobey sein Degen durch den Prevost vor den Knyen zerbrochen / ihme ins Gesicht gespyen / und also ein Consilium abeundi (Ein Käpsert. Abgesandter ist daselbst arrivirt.) gegeben worden. Sonsten ist Herr Baron Freytag als Käyserl. Gesandter mit vieler Bagagie dahier angelangt / welcher ein Spann gelber Pferd 7. Stuck von ungemeiner Rarität bey sich hat / er soll als Mediator der differentien, zwischen Ih. Durchl. dem Hertzogen von Zell und hiesiger Stadt seyn / und wird der zu Zell auch angelangte Mediator Herr Graf Hörward / dessen Suite biß in 60. Personen bestehet / dißfalls mit mehr gemeldtem Hn. Baron Freytag correspondiren. Den 30. Morgens zwischen 3. und 4. Uhr entstund auff der Neuenburg unweit der Schiffer-Gesellschafft eine Feuersbrunst / wurde aber / GOtt Lob / nachdem einige Hintergebäu abgedrand / hald wieder gelöschet.

Das vierdte Capitel
[arrow up]

Meldet von Königl. Frantzösisch-Spannisch- und Portugesischen Geschichten. (Königl. Frantzösische Geschichten.) WAs die Frantzösische Geschichten anbelangt / hat man mit Brieffen aus Pariß vom 21. Martii folgendes: Der König ist durch die Artzney von Madame Daubrage so weit reconvale cirt, daß Se. Majest. ult. Februarii wiederumb Audientz gegeben hat / und ehistens im Stand seyn wird / auff die Jagd gehen zu können. Man versichert / daß ehistens durch eine Declaration allen geistlichen Personen / die würcklich dem Dienst beywohnen müssen / anbefohlen werden solle / aller Charges und Aembter / welche im geringsten strittig gegen ihre Bedienungen seynd / sich (In Franckreich wird flarck zur See ausgerüstet.) zu begeben / und zu entschlagen. Den 26. passato Nachmittags umb zwey Uhren ist der Herr Marschall d’Estrades, deß Hertzogs de Chartres Gouverneur gestorben. In diesem Königreich wild starck zur See ausgerüstet / und equippiret, und ist denen Negotianten verbotten worden / keine Schiff aus [202] zuschicken; und wie man vernim̅t / seynd schon die Galleren und Schiffe / davon man 2. considerable Flotten formiren wild / fertig und ausgerüstet / sich unter Segel zu begeben / auch haben der Marschall d'Estree und Hertzog de Mortemat Ordres erhalten / der erste die Schiffe / welche im Ocean kreutzen sollen / und der letzte die Galleren mit einigen Schiffen in der Mittelländischen See zu commandiren / und unverzüglich sich zu selbigen zu erheben; ingleichem sollen sich alle Officierers marschfertig halten / umb die jenige Ordres / so sie empfangen werden / zu vollziehen. Aus Portugall hat man / daß daselbst die 2. Poln. Printzen von Radzevil angelangt / aber bey selbigem König noch keine Audientz gehabt hätten / weilen der Hof nicht zu Lisabonna / sondern noch zu Salva terra sich auffhalte. Die Kinder deß Hertzogs de la Force, welche bey denen Jesuiten gewesen / haben der Reformirten (Denen Prälaten so Glieder deß Röm. Reichs seyn / wird verbotten die Qualität als Fürsten deß Reichs anzunehmen.) Religion abgeschworen. Man hat denen Proelaten / welche vor diesem Glieder deß Röm. Reichs gewesen / anjetzo aber unter deß Königs Gehorsam seynd / verbotten / die Qualität als Fürsten deß Reichs zu nehmen. Man hat Nachricht erhalten / daß unser Ambassad. Sr. Girardin den 10. Jan zu Constantinopel angelangt / und den 24. dito daselbsten seinen offentlichen Einzug gehalten habe. Der König hat dieser Tagen 12. neue Brigadiers / sowol zu Pferd als zu Fuß gemacht / so mehrentheils Obrist Leutenants gewesen seynd. Man proeparirt gegë Ostern ein Carousel bey Hof / welches in 40. Edelleuten und so viel Dames bestehen / welche letzten in Schlitten lauffen sollen; so wird auffs neu von einigen Lägern in Flandern und in dem Elsas geredet. Die neue und engere off- und defensiv-Alliantz / welche zwischen Franckreich und der Cron Engelland geschlossen worden / weiß man noch nicht / gegen weme solche gestellt seyn mag. Von Freyburg seynd 2. Deputirte anhero kommen / man weiß aber noch nicht / was sie begehren. Brieff von Toulon vom 1. dieses melden / daß daselbst die 7. Kriegsschiffe / 4. Gallionen (Mons. de Mortemar sieher mit seinen Golleren zu Tonlon segelfertig.) und einig ander Fahrzeug segelfertig stehe / und daß Mons. de Mortemar General der Galleren / welcher selbige commandiren solle / sich folgenden Tages zu Schiff setzen und auslauffen wollen / er wird den General Leutenant Sr. Tourville, und zum Chef der Escadre den Herrn Chevalier d’Ambrefille unter sich haben. Das armament, so in den Ocean destinirt, wird in 12. grossen Kriegschiffen bestehen / so Mons. le Vice-Admiral d'Estree commandiren / und unter sich den Marq. d’Estree seinen Sohn und zu General Leutenants die Hn. Hn. Gabaret und Forrant haben wird / und wie man sagt / solle Mons. de Preville zu einer weit grössern Flotte zuruck behalten werden. In denen Gebürgen der Lucerner Thäler stehen bereits 4000. gewaffnete Männer von der Reformirten Religion beysammen / nebst sehr viel [203] bey sich habendem Gewehr haben sie auch biß 8000. Säcke Korn / dörffte dannenhero es dorten mit denen Savoyschen Völckern Händel setzen; weilen alle Hertzogliche Trouppen dahin commandirt worden seynd. Der so genante und vortreffliche Mahler Pititeau ist zwar in das Fort Evesque gefangen gesetzt worden / weilen er der protestirenden Religion nicht abschwören (Die neue Schein-Catholische in den Sevennes werden überfallen / und deren bey 400. massacriret.) wollen / doch wieder entlassen worden. Die neue Röm. Catholische in denen Sevennes / davon der meiste Theil noch die principia und Ursprünge ihrer vorhergehenden Religion behalten / haben sich in heimlichen Oertern in 7. à 800. starck versam̅let / allwo sie ihr Gebet und Communion / gleich wie in denen Kirchen / verrichtet / welches den Intendanten von Basville obligirt hat / einige Völcker dahin zu schicken / selbige zu überfallen in ihrem Gottesdienst / als aber besagte commandirte Völcker gesehen / daß obige sehr starck gewesen / haben sie sich zurück gezogen / und seynd auff Befehl ihres Commendanten in Hinterhälten auff die Pässe verleget worden: wie nun die Leute wieder von ihrer Andacht nacher Hauß gehen wollen / und einer diesen / der ander einen andern Weg / und also zerstreuet genommen / haben sie die Königl. Völcker überfallen / und deren über 400. getödet / und die übrigen fast alle gefangen / welchen letzten der Intendant nun ihren Proceß machen läst. Der Chur-Pfältzische Secretarius hat auff sein übergebenes Missiv von dem Herrn de Croissy noch keine Antwort erhalten. Der König hat die 50000. Pfund / welche er vor jegliche opera gegeben / anjetzo vor die arme neulich Bekehrte destinirt. Unterdessen bleibt dessen Reise vor dieses Jahr eingestellt / zumalen Se. Maj. noch nit vollkommenen Stands ist / die Reise-fatiquen und Beschwehrnussen auszustehen. Der Hertzog von Orleans hat resolvirt / den Herrn Moras Praesident au Mortier in dem Parlament zu (7000. Mann werden dem Hertzog von Savoyen wider die Protestanten im Lucerner Thal zu Hülff geschickt.) Metz / als Envoye an den Chur-Pfältzischen Hoff zu schicken. Die 7000. Mann / welche der König dem Hertzog von Savoyen geschickt / seynd im Marsch / und müssen den 19. dieses auff dem Rendezvous bey Sitsen in Savoyen seyn / umb sich daselbst mit deß Hertzogs Völckern / deren eben so viel seyn werden / zu conjungiren. Mes Demoiselles d’Angeau, de la Forest, & de Chaut, und Madame de la Sabliere, welche sich gewaget / und in Cavalliers-Kleydungen gesucht aus dem Königreich zu entkommen / seynd bey Plois ertappet worden / und werden in die Klöster geführet. Den II. hat man in der Meß zu Sr. Germain 3. Beutelschneider gefangen genommen. Den 13. hat der Graf von Quaylus, Mademoiselle de Murce, der Madame de Maintenon Verwandtin geheyrathet: der König hat den Heyraths-Contract unterschrieben / und der Braut 100000. Livres gegeben / und den andern Tag von der Hochzeit hat Se. Maj. selbiger eine Schnur Perlen [204] 10000. Rhlr. geschicket. Madame de la Haye, Gemahlin von unserm Ambassadeur zu Venedig ist von dannen über Loretto nach Rom verreist / und ist willens von dorten wieder anhero zu kommen. Von Constantinopel hat man mehrmalen Brieff von Mons. Girardin selbsten erhalten / welche referiren, daß er willens sey nacher Adrianopel zu gehen / umb zu hintertreiben / daß er nicht mit dem Groß-Sultan nach Griechischweissenburg reisen darff; seine Gemahlin aber werde zu Adrianöpel verbleiben. Madame de Guilleragues wird mit dem Schiff / welches Mons. Girardin nach Constantinopel gebracht / wieder anhero kommen. Der neue Groß-Vezier hat Erlaubnuß erhalten / aus deß Groß-Sultans Schatz 30. Millionen zu nehmen / und Völcker zu werben. Der Polnische Resident werde zu Adrianopel noch gefangen gehalten / und bekäme deß Tags mehr nicht zu seinem Unterhalt / als (Der Englische Envoye erhaltet auff sein drittes Memorial wegen deß Fürstenthums von Oranien abermal abschlägige Antwort.) 200. Aspres. Der Engl. Envoye Sr. Trumbald hat auff sein drittes Memorial, so er wegen deß Fürstenthums Oranien an hiesigen Hof übergeben / eben solche Antwort wie auff die 2. vorhergehende erhalten. Der Marschall d'Estrée dörffte wohl mit seiner Flotte etwas gegen die Spannische aus Indien kommende Flotte vornehmen / dafern die Sache wegen deß Schiffs zu Corunna nicht verglichen wird. Die Mouvementen der Trouppen von Pigneroll / Casal und Dauphine nach der Marggraffschafft von Saluce haben nit allein eine grosse apprehension an den Gouverneur von Mayland (welcher sich der Trouppen / deren er einen theils abgedancket / theils auch denen Venetianern (Mayland und Genua schöpffen ombrage wegen der Frantzös. Mouvementen nach der Marggräffschafft Saluce.) zugeschickt / entblösset befindet) gegeben / sondern auch die Republic Genua noch mehr allarmirt / insonderheit da dieselbe Nachricht erhalten / ob solte sich ein gebanneter Genueser zu Turin auffhalten / und wie die gemeine Rede gehet / einige pension von der Inquisitorey haben / welcher das Gouvernement informirt hat / daß der Hertzog von Savoyen das vorgestellte Accommodament zu Beylegung der zwischen ihm und der Republic habenden Strittigkeiten abgeschlagen / damit er die Gelegenheit umb die alte differentien zwischen denen beyden Staaten zu legen / observiren, und sich bey diesen conjuncturen gar wohl der Waffen seiner Alliirten bedienen könte / daß er dabeneben glaubte / daß der Frantzös-Ambassad. keinen Durchzug durch dero Landen gesucht hätte / und allein gleich wie die Römer vormals bey der Wiederkunfft aus Franckreich gethan haben / die Passagen zu entdecken / und durch ein solch Mittel ihre Trouppen mit vivres und ammunition, welche man nit leicht zu Land aus diesem Reich dahin wird bringen können / zu versehen. Nachdeme nun die Republic diese Nachricht der Warheit gemäß zu seyn erachtet / hat dieselbe einige Trouppen umb ein Auge auff die Gemeinde zu haben / wie auch einen General-Commissarium (welcher in [205] Qualität als ein Inspector das Volck auff den Frontieren der Provintzienlin ihren friedsamen Gedancken conserviren soll) nach Savona gesandt. Der berühmte Bildhauer von Marsilien / welcher das Marmorsteinerne Bild deß (Deß Königs Bildnuß aus Marmor verfertiget wird nacher Pariß gebracht.) Königs zu Pferd 10. Schuh hoch aus 4. Stücken / die er sehr künstlich zusammen zu fügen weiß / gemacht / hat solches anhero bringen lassen. Der Marmor deß Bildes ist dermassen künstlich gemahlet / daß es vollkommen einem lebendigen Menschen gleichet / und gehet die Farbe wol einen Daumen dick in den Marmor / ohne dessen Glantz und durchscheinen in dem geringsten zu verdunckeln: Das Pferd ist Mäusefahl / und das Bild selber mit einem grauen Rock mit Galonen bordirt / und dermassen nach dem Leben gemacht / daß kein Mahler es jemal so natürlich abbilden könte / so kan es auch durch die unterschiedliche Veränderungen der Lufft keinen Schaden leyden. (Spannische Geschichten.) Madritter Brieff melden / daß die angefangene grosse Reformation am Spannischen Hof einige Millionen dem Königl. Schatz einbringen / weilen man befunden / daß viel Grosse dem König müssen erlegen / als nemlich der Marq. d' Astorgas 20000. Ducaten / der Graf von Montery 10000. der Marq. de los Velos 40000. der Hertzog von Alburquerque 30000. der Hertzog von Pastrana 30000. der Connestabel von Castilien 30000. und andere grosse Herren mehr nach advenant. Der Hertzog von Bourneville soll auch etwas müssen heraus geben / wiewol er sich entschuldigt / daß er vielfältige Dienste der Cron erwiesen. Vor einigen Tagen arrivirte ein Frantzös Intendant de Marine allhier / welcher auff Cadix reiset / auffs füglichste die Sachen der Indulte beyzulegen. Es hat sich ein sichere Person erbotten / den Pallast mit 40000. Ducaten mit allem überflüssig zu unterhalten. Der Genuesische extraordinari Envoye Don Marco Antonio Grillo hat bey dem König / der Königin und Königl. Frau Mutter seine Abschieds-Audientz bereits gehabt / und wird über Pariß wieder nach Hauß kehren. Ungeachtet (Der Käys. Ambassadeur wachet instan???ien wegen deß Zehendes der Griftlichen Güter.) der Käyserl. Ambassad. nebst dem Päbstl. Nuntio Durazzo grosse instantien machen / so ist doch das Päbstliche Decret vermög welches die Spannische Geistlichkeit den Zehenden zu dem Türckenkrieg contribuiren sollen / noch nicht exequirt, weil die von Toledo an Jh. Königl. Maj. darwider supplicirt, und den armseligen Zustand ihrer Einkünfften vorgestellet / und daß sie solcher gestalt gar an den Bettelstab gelangen würden / welches ihnen auch wol zu glauben / weil Ihr Ertz-Bischoff nicht mehr einkommens hat als tausend Ducaten alle vier und zwantzig Stund / und die andere Proelaten nach advenant, glaubet man also nicht / daß sie etwas erhalten werden / ob sie gleich vorschützen / daß dergleichen noch niemalen geschehen ist. Vor einigen Tagen gab der Päbstl. Nuntius Ordre / umb das Frantzös. Schiff von [206] Dünnkirchen / so zu Corunna angehalten worden / mit seiner Ladung und sonderlich das Silber zu entschlagen; jedoch mit dem Beding / daß der (Der Päbstl. Nuntius wil das angehaltene Frantz. Schiff zu Corunnam auff gewisse Conditiones wieder frey geben.) Frantzös. Ambassadeur Versicherung geben solte / daß man in Flandern keine Represailles verüben / sondern die Strittigkeiten wegen Hennegauen / durch Deputirten in der Güte vergleichen wolle; weiln aber gemeldter Ambassad. geantwortet / daß er nichts versprechen könte / er habe dann zuvor deßfalls von seinem König Befehl / wiewol er nit zweiffelte / es würden Se. Aller-Christlichste Majestät die Hostilitäten einstellen / sobalden nur Spannien wegen der Frantzösischen rechtmässigen Anforderungen Satisfaction würde gegeben haben; als weiß man nicht / ob gemeldten Päbstlichen Nuntii ordre executirt werden wird.

Das fünffte Capittel
[arrow up]

Begreiffet die Königliche Engell-Schott- und Irrländische Historien. (Engelländ. Geschichten.) BEy denen Königlichen Engelländischen Geschichten bedienen wir uns / wie gewöhnlichen / deß Berichts von selbiger Hauptstadt Londen / worvon die Brieff nachstehendes eingebracht. Den 31. passato empfiengen Ihr. Majest. Nachricht / daß / ungefähr 500. wohlgewaffnete (500. Tumultuanten halten sich in einem Wald auff.) Männer unterm Commando eines Capitains Nahmens Wythe sich in dem Wald auffhielten / woselbst sie von keiner Reuterey attaquirt werden könten / worauff der König umb hierinn besser informirt zu seyn / den Leutenant Walter dahin gesandt / davon Bericht zu thun. Indessen verwundert sich man nicht wenig / daß so eine Hand voll Volck so stoltz und vermessen ist / und sich so nahe anhero nach Londen / und so weit von der See wagen darff / weßhalben man dann auch hoffet / daß sie ehist geschlagen und zerstreuet seyn werden. Der bekandte Saxon / so wegen deß Meinaids sein Urtheil nunmehro außgestanden / soll hierauff nach Westen gesandt / und daselbst ebenfals / umb daß er in deß Hertzogs von Montmouth Lager gewesen / für Recht gestellet werden. Den 12. ist der Ertz-Bischoff von St. Andreas und der Bischoff von Edenburg allhier ankommen. Von Schaffsburry (Grosse disordres unter der Soldatesca.) in Davonschire wird geschrieben / daß die daselbst ligende Militz dieser Tagen die Thüren deß Gefängnusses auffgeschlagen / und einen Soldaten / so Schulden wegen gefangen gesessen / mit Gewalt auff freyen Fuß gestellt. [207] Eine andere Parthey von 80. Mann hat in der Graffschafft Sommerset / unterm Schein jemand zu suchen / das Hauß Jennings gäntzlich außgeplündert / und nicht das geringste darinn gelassen / und kommen von dergleichen disordres fast täglich Klage ein. In künfftiger Session von Devonschire soll Mons. Edmund Prideax ein vornehmer Edelmann wegen hohen Verraths / und in der Session von Sommersetshire Mons. Georg Speack / (Deß Hertzogs von Montmouts Güter werden von den Pairs zu Edenburg vor verfallen erkläret.) umb daß selbiger dem Mons. Trenchard zu seiner Flucht behülfflich gewesen / für Recht gestellt werden. Von Edenburg hat man / daß seither jungst die Proceduren gegen den Hertzog von Montmouth / soviel seine im Königreich ligende Güter betrifft / fortgesetzt worden / und haben die Pairs, so zu Richter erkohren / ihn deß hohen Verraths schuldig / und also solche Güter vor verfallen erklärt. Der Hertzog von Gordon ist zum Gouverneur deß Schlosses zu Edenburg gemacht worden. Die Patenten zu einer General. Collecte seynd nun durchs grosse Sigul passiret / werden anjetzo getrucket / und sollen ehistens in alle Provintzien abgeschickt werden. Der Hertzog von Craffton hat bey dem König Erlaubnuß gesucht / umb diese Campagne in Ungarn zu passiren / so ihm auch dörffte gestattet werden. St. George Tag als der Krönungs-Tag Ihro Majest. solle mit grossen Solennitäten gefeyert werden. Die Predigten / so eine Zeithero in allen Kirchen / und auch in deß Königs Capell zu Witthal geschehen / seynd sehr modest gewesen / und haben die Prediger ohn einige Controversien zu berühren / die Gemeinde allein zu ihrer Pflicht gegen GOtt / und Ihro Majest. zu vermahnen gesuchet. Sonsten hat man einige Brieffe mit diesem Titul: Antwort auff die Schrifft / so durch den jüngst verstorbenen König gesagt wird / geschrieben zu seyn / auff (4. Frantzös. Schiff werden zu Douvres arrestirt.) den Strassen gefunden. Auff Königl. Befehl seynd zu Douvres 4. Frantzösische Schiffe arrestirt worden / indeme sie verschiedene mahl gegen die Gesetze deß Königreichs Wolle eingeladen / und solche aus dem Lande führen. Weiln nicht allein der Doctor Walcker / Haupt von der Universität zu Oxforth / sondern auch der Vice-Cantzler selbiger Stadt / die Römisch-Catholische Religion angenommen / als haben die daselbstige Studenten diesem letzterm die Fenster eingeschlagen / und setzen sich im Stand noch mehrere Ding zu unternehmen / weßhalben deß Grafen von Petersborough Regiment zu Pferd / dahin geschickt worden ist / solche Unordnung zu stillen. (Der König unterschreid eine Acte von einem General Perdon.) Den 20. hat Se. Königl. Majest. einen General-Pardon vor alle Rebellen in diesem Königreich (außgenommen 60. Persohnen / die der König nicht darinn begriffen haben wil) unterschrieben. Der Graff von Nordhampton deß verstorbenen Königs natürlicher Sohn hat Madame Luce ein reiche Dame geheyrathet. Die Commissarien von Ihr. Hochmög. und In [208] structores der Niderländisch-Ost-Indischen Compagnie / welche biß dato wegen der Differentzien von Bantham allhier gewesen / haben den 22. ihr Abschieds-Audientz gehabt / und seynd von dem König mit allen eusserlichen Zeichen einer Freundlichkeit / und beliebten Antwort dimittirt, und beurlaubet worden Allen denen Officierern von den Costuym-Häusern dieses Reichs (welche ihre Patenten von dem letzt-verstorbenen König nebst einer pension aus den Königl Einkünfften empfangen haben) seynd beordert ihre Patenten von sich zu geben / und neue / umb nur allein durante beneplacito Regis, und ihre Aembter ohne die pensionen zu bedienen / zu empfangen / zumalen Ihr. Maj. zu Bezahlung der von Ihro Herrn Brudern promittirten (4 Capital-Schiff und so viel kleine Fregaten st???d nach Ost-Indien abgefahren.) pensionen nit wollen gehalten seyn. 4. Capital-Schiff und so viel kleine Freggaten von unserer Ost-Indischen Compagnie seynd alle abgefahren / umb auff Tryaman (auff der West Küst von Sumatra allererst ihr mitgenommene Mannschafft 7. à 800. starck an das Land zu setzen) posio zu fassen / und folgends deß Accords / mit deß Volcks Regierung allda eine considerable fortresse auffzuwerffen / und dann ferner mit ihren Kauffman̅schafften die Reise nach Suratte oder die Küste von Bengale zu nehmen: Noch 3. andere Schiffe mit grobem Geschütz / womit auch die andern wohl versehen seynd / liegen fertig / auch dahin zu seglen / und solle viel Proviant / gläserne Handgranaten / und soviel Soldaten mitnehmen / daß sie mit obgemeldten 1200. Mann ausmachen. Täglich kommen allhier viel neue Bücher (Viele ??? Catholische Bücher in Engelland gedruckt.) vor den Tag / so durch deß Königs Buchdrucker gedruckt werden / so offentlich zu kauffen seynd / und seynd deren noch viel unter der Presse: unter denen so bereits heraus gekommen / sind die von der Meß / S. Brigitt. Gebetter / die Schlüssel vom Pa???adeiß / das N???tz vor Menschenfischer / der Todstein vom Reformirten Evangelium / ein Catechismus / ein extract von der heiligen Schrifft / und ein Buß Catechismus: und unter denen / so noch unter der Presse seynd / ist eine Bibel / genannt die Douayse. Die Guarde deß Königs soll hinfüro doppelt Gewehr führen / nemlich die Pickenirer Pistolen / und die Musquetirer Poniarten oder Dolche. Der Lord de la Mere, welcher seine beschuldigte hohe Verrätherey so löblich defendirt, und daran unschuldig gefunden worden / ist bey seiner Ankunfft in der Grafschafft von Chester durch eine grosse Anzahl deß vornehmsten Adels zu Pferd (Die Sindenten zu Orfort flifften grosse Unruhe.) vortrefflich bewillkom̅t worden. Zu Oxforth ist unter denen Studenten noch eine grosse Unruhe / und haben sich diese mit einem Eyd sehr vest zusammen verbunden / begehren / daß der Vice-Cantzler und Magnificus der Universität allda abgesetzt werden sollen / welche aber dagegen in ihrer Bedienung bereits confirmirt seynd. Aus Dublin vernim̅t man / daß der 16. [209] Tag deß jüngst abgewichenen Monats als der jenige Tag / da unser König in der Cron succediret / daselbst mit grossen Solennitäten gefeyert worden sey / worbey folgende Ceremonien vorgegangen. (Der Tag von Succession deß Königs in Engelland wird zu Dublin hochfeverlich begangen.) Deß Morgens gieng selbiger Vice - Roy nach der Kirch / woselbst er den Lord Major, und 2. Edelleuth mit allen Ceremonien zu Rittern schlug. Voran marchirte ein Troupp Granadirer / und 2. Trouppen zu Pferd. Die Strassen von Castell diß an die Kirch waren zu beyden Seiten mit der Leibguarde besetz / darauff folgten zu paaren die Ritter / Schildknappen / und Edelleuth / hinter ihnen einige Schwerdträger / und die Trompeter deß Königs blossen Haupts / 3. Botten in ihren Röcken mit den Wappen zu Pferd / blossen Haupts. Der Stewart und Controlleur zu Pferd mit weissen Stäben / blossen Haupts; das grosse Sigel zwischen 2. Sergeanten / vom Wappen mit ihren Stäben zu Pferd / blossen Haupts. Der König der Wappen in deß Königs Wappen - Kleider zwischen den Edelleuthen blossen Haupts: das Schwerd / so der Graf von Claurickard getragen zu Pferd / so dann der Vice - Roy, welchen zur rechten Seiten die Secretarii zu Fuß blossen Haupts und zur lincken die Edelleuth zu Pferd begleitet: Der Ertz - Bischoff dieser Stadt / und Lord primat waren Unpäßlichkeit halber nicht bey diesem Actu, dannenhero ritten hinter dem Vice - Roy alsobald die Grafen und Marggrafen / Barons, geheime Rathsherren / Richter und andere Bediente zu paaren. Nach der Predig kehrten Se. Excell. auff gleiche Manier wider nach dem Castell / woselbst sie den Adel sehr herrlich tractirten / und liessen sie sich von ihren Pagen auff den Knien bedienen. Nachmittags giengen Se. Excell. wieder in die Kirchen / indessen proclamirte der König der Wappen den Titul deß Königs in Lateinisch - Frantzösis. und Englischer Sprach / welches endlich alles mit blasen der Trompeten / Lösung deß Geschützes und Musquetiren / Läutung der Glocken und Ansteckung vieler Freuden-Feuer beschlossen wurde. So weit die Brieff von Dublin. (Der Königl. Perdon komt zu Londen an Tag.) Der Königl. Pardon ist zu Londen nun publicirt worden / worinn bey 118. Persohnen / darunter bey 50. Frauensleuth begrieffen / und theils unter 10. theils aber unter 20. Jahr alt seynd / auch werden uber dieses noch viel andere Persohnen expresse mit Nahmen hiervon außgesondert / so daß man es nicht recht verstehen kan. Die Hertzogin von Nordhumerland / so sich lang in Franckreich auffgehalten / ist nun wiederumb bey ihrem Gemahl dem Hertzog arrivirt. Der Lord Petersbourg gehet in gewissen Affairen nach Franckreich / und sagt man / daß er gleich nach [210] seiner Wiederkunfft zum Hertzog declarirt werden soll. Der Frantzös. Abgesandte hat dem Doctor Levvis 5000. Pfund offerirt / dafern er seinem hohen Principalen zu vollkommener Gesundheit wieder verhelffen würde / aber es scheinet / daß besagter Doctor schlechten Lust darzu habe.

Das sechste Capittel
[arrow up]

Sagt von Schwedisch- und Dähnischen Fügnussen. (Dähnische Geschichten.) DIe Brieff von Coppenhagen bringen neues / daß Ihro Königl. Majest. von Dennemarck resolvirt haben / gegen den Frühling 24. Kriegs-Schiff außrüsten zu lassen / wie man dann würcklich 23000. Mann zu Fuß / 5000 zu Pferd / und 900 Dragoner auff den Beinen hat. Immittels haben Ihro Königl. Majest. einige Trouppen nach der Elbe beordret / welche die Lüneburgische / so in dem Hamburg. Territorio posto gefasset / haben beobachten sollen. Zu Helsignör fallen die Leuth ohnerachtet deß noch kalten Wetters in sehr schleunige Kranckheiten / worbey sie so fort rasent werden. Den 2. hat sich ein Weib wollen die Gurgel abschneiden / wein aber das Messer zu stumpff gewesen / ist sie dermassen zornig worden / daß sie ans Wasser gelauffen / sich hinein gestürtzt und darinnen ersoffen ist. (Franckreich wil ein off- und defensiv-Alliantz mit Dän???nemarck schliessen.) Sonsten wendet man Frantzös. Seiten allen Fleiß an / hiesigen Hoff zu einer off- und defensiv - Alliantz zu bereden; aber umbsonst / und ist man entschlossen / mit niemand / als Chur - Brandenburg so lang die Hollsteinische Strittigkeiten (umb welche zu endigen / man aber noch ungewiß divulgirt / daß zu Hamburg eine Conferentz zwischen denen Königl. und Hertzoglichen / nebst denen Schwedischen / Sächsischen und Brandenburgischen Abgeordneten gehalten werden solle) nicht verglichen seyn / einige Verbündnuß einzugehen. Man hat 4000. Tonnen Haber und ander Mund- und Kriegs - Munition vor unsere Völcker nacher Hollstein abgesand. Der Holländ. Envoye Moring und Resident werden hieselbst beyderseits noch eine weile verbleiben / umb die von ihren Hnn. Principalen erhaltene Commision zu völliger Richtigkeit zu bringen / obschon besagter Envoye seine Abschieds-Audientz unlängst gesuchet / und seine Mobilien meist weg gesandt / in Meynung seine Reise nach Holland zu beschleunigen. Die anhero von Hamburg gebrachte verbottene seidene Wahren verursachen dem fahrenden [211] Botten / und einigen hiesigen Burgern / viele Sorg und Schaden / massen sie recta wider Ihr. Königl. Maj. Verbott peccirt haben. Diese Woch haben (2. Lacqueyen duelliren unwelt Coppenhagen.) sich 2. Lacqueyen / so bey einem vornehmen General hie in Diensten gewesen / unweit Coppenhagen duellirt, und so hitzig auff einander gestossen / daß der eine ohne das geringste zu reden / auff der Stelle gefallen / und todt geblieben / der Thäter ist darauff unverweylet wieder anhero gangen / zumalen seiner Meynung nach diese That von niemand gesehen worden / es hat aber ein Bauer von ungefehr dieses alles angesehen / und im Thor davon Nachricht ertheilet / darüber gedachter Thäter von der Wacht arrestirt worde: es wird hierauf demselben ein kurtzer Proceß gemacht werden. Diese Woche ist auch ein Musquetirer wegen einer verwichenen verübten Entleibung decollirt (Der Frantzöf. Ambassadeur Mons. Chiverny wird prächtig eingehe???let.) worden. Den 25. Nachmittag umb 3. Uhr hielte der Frantzösische Extraordinari Ambassad. Mons. Chiverny hie seine Entrée, er war mit etlichen 20. Carossen / so alle mit 6. Pferden bespannet waren / eingeholet. Der Herr geheime Rath Give, und Ober-Ceremonienmeister Herr Gerstorff empfiengen ihn / sein Hofmeister und Pagen ritten vor seiner mit 6. Pferden bespanneten Carossen her / seine 6. Heyducken giengen zu Fuß: bey der Norder-pforte / wo er einfuhr / wurden die Stück gelöset / so feuert auch ein Schiff / so nicht weit von der Wester-pforte in Callebor lag / er war durch die Kauffmacher- und Osterstrassen über deß Königs grosse Marckt und so am Strande gegen das Königliche Schloß über nach der Hochbrückestrasse gebracht / worinn er logiret, und biß den 26. Nachmittag verblieben / und recht Königlich tractiret worden / aber in lauter Fischen / weilen es in der Fasten ist / und ist dessen Logament von unten biß oben mit den schönsten Tapezereyen bekleidet gewesen. Den 26. ist besagter Ambassad. mit grossem Pomp nach Hof zur Audientz abgeholet worden. (Schwedische Geschichten.) Die Brieff aus Stockholm bringen advis / daß die Regimenter / so von der Cron Schweden nach Ungarn destinirt, mit allem wohl versehen / und Ordre haben / gegen Ende deß Aprilis auff denen Churländischen Gräntzen zu stehen / und dem Rendezvous beyzuwohnen / zu dem Ende die (Der verwittidten gewesenen Königin in Dennemarck) Officiers ohne Verzug zu ihren Regimentern reisen müssen. Zu Malmö in Schonen ist vor wenig Tagen der Herr von Bülou / der letzt-abgelebten Königl. Frau Mutter in Dennemarck gewesener Ober - Marschall / allhier ankommen / welcher / wie man sagt / von seinen Mißgönnern und Verfolgern (Oder Marschall flüchtet nach Malmö???.) sich anhero zu reteriren gezwungen worden / umb Ihro Königl. Maj. zu Dennemarck / und jedermänniglich seine Unschuld zu offenbahren / dem Bericht nach soll in seinem Abwesen zu Coppenhagen gar hart gegen ihn [212] procedirt worden seyn. Indessen wird dieser Cavalier / so von gutem Geschlecht / und allzeit einen guten Nahmen in der Welt gehabt / und an dem man niemahls einige bassage gespürt / fast von männiglich sehr beklagt. Hier seynd zwey falsche Müntz - Meister / ein Leutenant / und ein Goldschmids Gesell / weiln sie falsche Zwölffer - Stücke gemüntzet / eingesetzt worden. Neulich trug sich ein artiger casus zu mit 2. gefangenen (Ein Soldat entwischet aus dem Gefängnus zu Stockholm.) Soldaten / welche wegen eines gleichen Verbrechen in ein Gefängnuß zusammen gelegt worden / weiln sie sich aber nicht zusammen vertragen konten / wurde der eine in ein ander tieff Gefängnuß geworffen / welchem aber die tieffe Grube glücklich war / indem er ein altes Loch fand / durch welches er sich in den Stadtgraben / und hernach in die Stadt salvirte / darüber sich jederman verwunderte / wo er müste geblieben seyn / endlich aber / als er sich einige Tage in der Stadt lustig gemacht hatte / stellete er sich in der Wache wieder ein / mit dem vermelden / dieses mahl käme er so noch wieder / würde er aber noch einmahl solche Gelegenheit finden / wolte er es wohl bleiben lassen. Ihr. Königliche Majest. seynd diese Zeit her täglich im Rath / und mit unermüdeten Fleiß bemühet gewesen / die neue Kirchen - Ordnung zum End zu bringen / wie es dann auch darmit zur Richtigkeit gekommen ist. (Die Deputirte der Stadt Ryga werden vergnüglich abgefertiget.) Nunmehro seynd auch die Deputirte der Stadt Ryga / nach dem sie sich wegen ihres Orths publiquen Angelegenheiten einige Jahren allhier verweilen müssen / vergnüglich abgefertiget / und haben unter andern erhalten / daß Ihro Königliche Majestät die Licenten in Ryga vermindert / und nicht höher als auff zwey pro Cento setzen / auch dißfalls eine formliche Zoll - Taxa, so durch den Druck publicirt werden soll / den Zoll - Bedienten so wohl / als den trafiquirenden zur Nachricht verfertigen lassen / in welchen die Wahren nach dem Werth und Preiß / wie sie jetziger Zeit eingekaufft werden / taxirt und aestimirt seynd / welches zweiffelsohn den Zuwachs der Commercien deß Orths sehr befördern wird. (5. Meil von Stockholm wird ein stück Erde durch eine Bewegung in einem gantzen stück außgeworssen.) Fünff Meil von hier hat sich ein stück Erde durch eine sonderliche Bewegung in einem gantzen stück außgeworffen / darüber sich jederman zum höchsten verwundern muß / absonderlich da es so eben und glatt ist / als wann es mit Fleiß außgestochen wäre / und ist das Loch auch eben so gleich / der gemeine Mann gibt ihm die Gestalt eines Pohlnischen Säbels / und wil daraus einen Pohlnischen Krieg prognosticiren / allein es sihet einem Pohlnischen Säbel im geringsten nicht gleich / und liget es mit dem öbersten Ende zwey Elln / [213] mit dem untersten aber ¾ Elen vom Lager oder Loch / aus welchem es ausgeworffen.

Das siebende Capittel
[arrow up]

Schreibet von Königl. Polnisch - Moscowittisch-Türckisch- und Tartarischen Hoff- und Kriegs-Händeln. (Polnische Geschichten.) AUs Polen hat man / daß Ih. Königl. Majest. einen remarquablen Brieff an den König in Persien hat abgehen lassen / in welchem Ih. Königl. Maj. den Perstanischen Schach mit durch dringenden Freuden zur Ruptur mit den Türcken / und die Christlichen Waffen sothanig zu secundiren anfrischen. Zu Dantzig seynd neulich Vatter und Sohn wegen (Grosse Hungersnoth in der Moldau und Wallachey.) vielen Viehe-Diebstahls in Rühhäuten auffgehencket worden. Die Armenische Kauffleut / so aus Orient anhero kommen / können das Elend / so in der Moldau und Wallachey ist / nicht gnugsam beschreiben / indeme selbige Länder nicht allein ihrer meisten Einwohner entblösset / und fast zur Einöde worden / sondern es soll auch wegen Mangel deß Feldbaues so grosse Hungersnoth daselbsten seyn / daß die auch übrige Menschen die Rinden von den Bäumen an statt deß Brods essen / einige brauchen die Aeser zu Speisen / ja es machen andere an etlichen Orten den Verstorbenen ein Grab in ihren Leibern / indem sie selbige ihren Hunger zu stillen verzehren / so GOTT bessern wolle. Nachdem unser Praesidium zu Sniatin wahr genommen / daß von den Türcken einiges Proviant nacher Caminieck Podolsky geführet worden / haben sie darauff gepasset / und solches alles in neunhundert (Böse Zeilung aus Podolien wegen Einfalls der Tartarn.) Wagen bestehend weggenommen. Sonsten lauffen sehr böse Zeitungen aus Podolien ein / wie daß die Tartarn bey diesem anhaltenden Frost und Mondscheinenden Nächten unter Czerlenice eingefallen / viel Menschen und Viehe geraubet / grossen Schaden verübet / und davon geeylet / und obwolen unsere Compagnien ihnen den Weg verhauen wollen / welche auf sie bey Soporowiec gewartet / haben doch die Tartarn sich auff Wastköw gewendet: So hat auch Herr Lasko von der andern Seiten umb Niemerow auff sie gepasset / aber sie seynd entgangen / und haben sich nach Bilograd begeben. Die Herren Weywoden von Reußland und von Calis / nebst dem Hn. Castellan Belsky seynd anhero kommen / umb denen Consiliis beyzuwohnen. [214] Die auff jüngsten Reichstag wegen der neuen Edelleuten gemachte Constitution wird nun zur execution gebracht / krafft welcher alle und jede disseit Anno 1652. geadelt worden / und den Indignat bekommen / entweder in eigener (Die seither dem Jahr 1652. geadelte Polacken sollen in selbst eigener Person wider den Erdfeind mit zu Feld ziehen / oder 5000. Polnische Gulden erlegen.) Person mit zu Felde zu ziehen / oder einen wohl-mundierten Hussaren stellen / oder 5000. Polnische Gulden erlegen sollen / welches manchem übel zu paß kommen / ungeachtet es eine zim̅liche Mannschafft und nicht eine geringe Summa Gelds auffbringen wird. Aus Reusch-Lemberg laufft diese Nachricht ein / daß ob zwar die Moscowitter durch Zusammenziehung ihres Volcks und andere erdenckliche Anstalten sich zu dem Feldzug wider den Türcken starck rüsten / und an den Cham auch kostbare Proesenten abgefertiget / so vernimmet man doch nichts destoweniger aus unterschiedlichen Relationen / daß der Solymann Galga sich mit einer Armee auff denen Gräntzen befinden thäte / und wolte damit die Käyserl. Armee in Ungarn (Der nach Rom abgeschickte Courrier erhält gute Resolution.) infestiren. Der von Ihro Königl. Maj. nacher Rom wegen einiger Geldmittel abgeschickte Currier ist wieder zuruck arrirt / mitbringend / daß Ihr. Päbstl. Heiligkeit mehrmalen uns zu Hülff und Fortsetzung deß bevorstehenden grossen Türckenkriegs eine grosse Geld-Summa assignirt hätten. Die Tartarn haben sich nach jüngst-gethanem Einfall zu dem Ende unweit Caminieck postirt / damit die Türcken in gedachte Vestung ihr Proviant sicher einbringen / und von den unsrigen hieran nicht verhindert werden möchten / nichts destoweniger aber thun unsere Völcker bereits hierauff ein wachtsames Aug halten / solches auff alle Weise zu verhindern / wiewol sehr schwer (Der Cron-Kucheumeister gebet in Gesandschafft an den Chur-Brandenb. und Sächsischen Hof.) einige Mannschafft auffzubringen ist. Der Cron-Küchenmeister Herr Galeczky gehet als ein Groß-Gesandter an den Chur-Brandenburgischen und Sächsischen Hof / umb allda wider den Erbfeind / welcher (wie aller Orten her berichtet wird) sehr starck / und mit den meisten Tartarn auff uns loß tringen will / einige Auxiliar-Völcker zu sollicitiren, damit wir ihnen gnugsam Resistentz thun können / weilen der Frantzosen Versprechen gegen uns nur ein lauter ungewiß Ding ist. Immittelst umb alles zeitlich zu bevorstehender Campagne zu veranstalten / und die Infanterie auszuzahlen / neue Recrouten zu machen / die Artillerie, so in 500. Stücken Geschützes bestehen / und mit ins Feld geführt werden solle / parat zu haben / einige Mund-Provision (König in Polen schiesset zu bevorstedendem Türckenkrieg 400000. fl. aus seinem eigenen Beutel.) zu machen / und 12000. Kleyder vor die Cossacken zu verfertigen / haben Ihro Königl. Maj. dieser Tagen aus ihrem eigenen Beutel 400000. Gulden hergegeben / worauff sich nunmehr alles zum Feldzug rüstet / und wird mit den Werbungen / die überall in diesem Reich / als auch in Littauen mit Macht fortgehen / dergestalt geeylet / daß ein jeder seine Compagni und Regiment gegen dem letzten von diesem Monat fertig haben / und me [215] dio Aprilis auff dem unter dieser Stadt angesetzten Randevous complet erscheinen muß: An Volck / weil das Land dessen voll ist / fället kein Mangel vor / und soll bey den Werbungen der Zulauff ungemein groß seyn / weilen gantz vest gestellet bleibt / daß Ihr. Königl. Maj. in eigener Person der Campagne beywohnen werden / also daß ein jeder nechst GOtt deßwegen einen glücklichen Success vermuthend ist / welches der höchste verleyhen / und Ihr. Königl. Maj. glorieuse Waffen wider den Erbfeind ferners kräfftiglich gesegnen wolle. Der neuliche Uberfall der Tartarn soll so viel Schaden nit verursacht haben / als in dem ersten Schrecken spargirt worden / wiewohl es auch nicht ohne Verlust abgangen / weil diese Raubvögel / wo sie hinkommen / (Einige Polnische Tronppen werden diß Caminleck zu gehen beordert.) nimmer was guts stifften. Nun sind unsere Trouppen unter dem Herrn Laska nebst dem Mohila und den Cossacken biß vor Caminieck und noch weiter zu gehen / beordert worden / umb revange zu suchen / von derer / GOtt gebe / glücklichen Verrichtung / verhoffentlich mit nechstem soll gemeldet werden / unterdessen kan man aus gewisser Kundschafft versichern / daß die Calmucker in Crym eingefallen / und daselbst mit Feuer und Schwerdt abermal ihrer Gewonheit nach / greulich hausiren sollen / welches den Tartarn eine solche diversion machen kan / durch welche sie unser dieses Jahr (5. Tartarische Espionen werden unweit Lemberg ergrissen.) grossen theils zu vergessen möchten genöthiget werden. Letztere Brieff von Lemberg bringen mit / daß man zu Wodzinur 5. Espions von den Tartarn ergriffen / welche jhrer Aussage nach in allen Städten und vesten Oertern biß in Lemberg selbst gewesen / und von dieser Orten Beschaffenheit Kundschafft eingezogen haben sollen / umb solches denen an der Gräntz stehenden Tartarn zu hinterbringen / welche darauff einen gefährlichen Streiff ins Land zu thun Vorhabens gewesen. Imgleichen berichten sie / daß die Türcken bereits eine Brücke über die Donau verfertigen / und ihre beste Mannschafft gegen dieses Königreich zeitig anzuführen gesonnen seyn. Der Cossackische Obrister Poley war mit 80. Mann auff Parthey ausgegangen / biß unter Hosovva, weil er aber starcken Tartarischen Partheyen begegnet / hat er wenig verrichtet / und sich mit währender Hand reteriren müssen Dieser Tagen seynd auch die Hn. Com̅issarten / welche nach Churland wegen deß Stiffts Pilten verreiset gewesen / unverrichter Sachen wieder zurück gekommen: (Der Hertzog von Churland sendet seinen Cantzler an Kön. Polnischen Hof.) Der Hertzog von Churland sendet auch seinen Cantzler den Herrn Portkammer nebst andern seinen Noblessen hernach hinauff nacher Zollkiew / umb wegen verrichter Commission die Verantwortung zu geben / allda von Adrianopoli ein Jesuit Pater Malehosch genant / welcher 4. Wochen unterwegens zugebracht / auff Türckisch gekleydet / und biß in 6. Jahr lang selbiger Gegend Missionarius gewesen / angelangt / welcher von unserm Re [216] sidenten bey der Ottomannischen Porten Schreiben / aus Befehl deß Groß-Veziers anhero gebracht / Inhalts / daß man dorten den Frieden verlange / und man dahier nur die Conditiones / welche Ihr. Königl Maj. begehre (Woselbst auch ein Jesuiter in gewissen Commissionen arrivirt.) / auffsetzen / und dahin senden möchte: worauff den 10. Rath gehalten / in welchen der P. Jesuit eingeführet / und ihme zur Antwort gegeben worden / daß man nicht könte / noch viel weniger wolte / ohne unserer Alliirten Mit-Consens etwas tractiren. Indessen ist bey Hof die Fastnacht in Mascaraden und tantzen celebrirt worden / worbey auch eine Comödi mit Frantzösischen Balletten gehalten worden; Es ist überaus herrlich und schön zu sehen gewesen / wie Ih. Maj. die Königin die Diana proesentirte / welche die Nymphen und Wald-Göttinnen führeten / so an Kleinodien und Tracht auffs schönste und herrlichste gezieret ware / so daß das Auge nicht gnugsam sich hat sättigen können / sowol was das tantzen / als die bekleydeten Satyren / die Sylvanen / und allerhand auffgerichtete Quellen betraff. Se. Hoheit der Königl. Printz proesentirte / begleitet von andern Cavallieren / den Vul. canum, welches überaus prächtig anzusehen war / alle haben ohne Masque getantzet / und haben darauff bey einer langen Tafel die Herren Senatores, die Dames / sambt der jungen Königl. Herrschafft das Mahl zu Abend gehalten. (In Polen werden viele Kriegs. Materialien vor die Käpserl. in Vogarn zubereitet.) Sonsten wird vor die Käyserl. Völcker in Ungarn so gar in Groß-Polen / ja wo man nur kan / Pulver auffgekaufft / werden auch auff allen Eisenhütten eine grosse Summa von Bomben / kleinen und grossen Granaten / wie auch auff 11000. verschiedener Sorten Stückkugeln verfertigt / und über Sonca zu dem Herrn General Caprara abgeschickt / welcher ver 12. Tagen würcklich unter Mongatsch gestanden.

Das achte Capitel
[arrow up]

Redet von Italiänisch-meistens aber von den Venetianisch- auch wol Türckischen Staats- und Kriegs-Affairen. (Venetian. Geschichten.) DIe Brieffe aus Venedig advisiren / daß aus Smirna confirmirt werde die promotion deß jüngst gemeldten Golyman̅i zum Groß-Vezier (Solymann von Arcegovina gedürtig wird Türck. Großvezier.) / der zu Arcegovina gebürtig / und ein so grosser Feind der Christen ist / als ein Eyferer seines Türckischen Unglaubens / so bald er diese Charge angetretten / hat er Patenta neue Völcker zu werben ausgetheilet / [217] und in der Militz verschiedene Reformationes vorgenommen: Der jenige / so in verwichenem Jahr Capitain Bassa auff dem Meer gewesen / ist zum Seraskier in Morea ernennet worden / deme der Bassa zu Rhodis Nam ens Mazzemama succedirt / zum Seraskier gegen Polen hat er Usain Aga declarirt. Den 3. ist ein Schiff aus Dalmatien hier arrivirt / so fünff Tag auff der Reiß zugebracht / womit man hat / daß die Türcken sich hin und wieder versam̅len / in unser Land zu fallen / welchem aber vorzubiegen der General Valier einige Mannschafft commandirt hat. Der Antonio (Antonio Mutoni gehet in Venetianssche Dienst.) Mutoni Conte di S. Felice, welcher 20. Jahr in seiner Aller-Christlichsten Majest. Diensten gewesen / ist nun in unsere Dienste getretten / er hat 20. Feuermörsel von einer neuen invention, und viel Bomben giessen / auch ander Gewehr zurichten lassen. Aus Türckey hat man confirmation, daß der Groß-Sultan an die Bassen von Damasco / Aleppo und Antiochia Befehl gesandt / ohne Verzug so viel Volcks als möglich seyn werde / zu versamblen / umb den gemeinen Pöbel / welcher in Arabia felix (wegen der grossen Aufflagen und Tyranney der Türckischen Regierung) sich empöret / wieder in Ruh zu bringen 2. Edelmänner von Vincenza Namens Arnaldi, welche 100000. Ducaten zu denen Kriegskosten wider die Türcken hergeben / seynd in den Venetianischen Adel auff- und angenommen worden. Den 4. ist die Gallere / welche Ih. Excell. den Cevallier Cornaro Extraordinari (Die so genante Pastrovicchi empfangen die Türcken sehr übel.) General Proveditorn in Dalmatien überführen soll / angekommen / womit man confirmation jüngst überschriebener Zeitung erhalten / wie nemlich die Türcken in 600. Mann starck sich zusammen gezogen / in Meynung die Pastrovicchi zu überfallen / unter dem Commando eines Bassa von Albanien / es hätten aber besagte Völcker von dero Dessein zeitlich Kundschafft bekommen / sich in gute Defensions-Postur gesetzet / und die ankommende unberuffene Gäst dergestalt empfangen / daß / nachdem sie einen guten Theil der ihrigen eingebüsset / sie die Flucht zu nehmen gezwungen worden / denen dan̅ (Die Morlacken streiffen von Zara biß nach Moschi.) die Pastroviechi tapffer in den Rucken gangen / und ihnen alle ihre provision verbrennt haben. Ingleichem haben die Morlacken von Zara biß nach Moschi einen Streiff mit so glücklichem Success gethan / daß sie nebst einer zim̅lichen Anzahl Sclaven auch ein gute Beut gemacht / worunter 2. Petrinen und viele Musqueten seynd / weche die Türcken in eine Vestung haben führen wollen / weilen sie aber in der Wiederkehr vernommen / daß der Feind mit einer starcken Parthey nachjagte / deren sie nit genugsame resistence thun könten / haben sie umb sich desto füglicher reteriren zu können / vorbemeldtes Gewehr unter die Erde vergraben / und also wieder glücklich zu [218] rück kommen. Den 6. Abends ist der General Königsmarck Gubernator in Pommern dahier angelangt / so als Volunteur bey letzter Campagnia in Ungarn gegen die Türcken gedienet / und nunmehro mit Erlaubnuß seines (Derr Geueral Königsmarck langt zu Venedig an.) Königs in unsere Kriegsdiensten sich begibt. Der Cavallier Carnaro hat den 9. in Dalmatien seine Reiß angetretten / er hat 50000. Ducaten bey sich / umb damit die in selbigem Königreich stehende Militz zu bezahlen. Den 14. seynd die Spannische aus dem Mayländischen gekommene Völcker gemustert worden / die Hannoverische werden auch in etlichen Tagen erwartet / welche beyde nacher Zante geschickt werden sollen. Von Maltha vernim̅t (Zu Maltha bischicht eine eilfertige Ausrüftung selbiger Galleren.) man / daß selbiger Großmeister Ordre gegeben habe in aller Eyl die Esquadre Galleren deß Ordens mit Munition und Vivres zu versehen / und in Begleitung 2. Kriegs- und einigen andern Schiffen nach unserer Flotta zu senden / auff welchen 100. Reuter / 60 Granatirer / und 12000. zu Fuß embarquirt werden sollen. Mit einer Marciliana, so von Corfu dahier arrivirt / hat man / daß daselbsten alles schon dergestalt zu grünen und zu blühen beginne / als wäre es mitten im Majo / welches Wetter dann auch die Ausrüstung unserer Armada zum auslauffen beschleuniget. Ihro Extell. der Herr Capitain General hat den Sigr. Pisani mit 3. Schiffen / worinn allerhand Vivres und Kriegs-Munition / nebst einer ansehnlichen Summa Gelds nach der Insul Candia geschickt / umb die unsrige Vestungen (Alle Spannische und Mayländische Officirs werden von dem Senat zu Venedig mit guldenen Ketten regalier.) damit zu versehen. Es hat unser Republic alle so Spannische als Mayländische Officierer / so anhero kommen / mit güldenen Ketten regalirt / die gemeine Soldaten aber jeden mit anderthalb Ducaten beschencket / worauff sie eingeschifft / und gegen Levante überführt worden seynd / ausgenommen 200. Dragoner / so annoch allhier verbleiben / aber mit nechster Convoy den vorigen folgen werden. Alle Feuerwercker / umb selbige von andern unterscheiden zu können / sollen mit violfarben Kleydern / mit silbernen Galaunen verbremt / montirt werden. Die Theurung zu Constantinopel nimbt von Tag zu Tag zu / und liegen alle Commercien fast gantz darnieder / und ihr Bedrängnuß umb so viel grösser wird / weilen Ihr Excell. der Herr Schiff-Capitain Venier ihnen alle Zufuhr hemmet und versperret. Der Herr Andreas Cornaro Procurator zu S. Marco, hiebevor Generalissimus in Candia hat dieser Tagen diese Welt gesegnet / und ist an seine Stell der Herr Leonard Dona promovirt worden. Der Capitain Bassa zu Napoli di Malvasia suchet / wo möglich / eine considerable Armee in Morea zu versam̅len / umb / ehe unsere Armada im Feld stehe / einen Versuch auff Coron zu thun. Mit einer Saicken / so den 27. von Ragusa all [219] hier angelangt / hat man Schreiben / daß in der Stadt Seraglio in Boßnia 300. Kauffmannsläden / darinnen mehrentheils Leder und Carduan gewesen / verbrand seynd. Den 23. ist die vorhero gemeldte Convoy von etlich (In der Stadt Seraglio in Boßnia verbrennen 300. Kauffmannsläden.) und 20. Schiffen nacher Levante fortgesegelt / seithero seynd auch zwey Lombardische Regimenter zu Fuß / so von Mayland gekommen / nebst anderer Militze / und die Dragoner / welche der Marq. di Courbon geworben / eingeschifft worden / diese Convoy bestehet unter Direction Herrn Pietro Bembo in 19. Schiffen. Künfftige Wochen wird der Herr General Königsmarck auch auff das Schiff / die Jacobsleiter genant / nebst verschiedenen Freywilligen gehen / so alle nach unserer Armada schiffen werden. (Päbstl. Geschichten.) Von Rom wird berichtet / daß durch den wieder nacher Polen zuruck geschickten Courrier der Cardinal Cibo, als erster Päbstl. Minister an den Päbstl. Nuntium geschrieben / daß der Pabst / zu Continuation deß Kriegs gegen den Türcken / der Cron Polen 600000. fl. geben wolte / weilen man (Der Pab??? besindet sich bey erwünsch ter Gesundheit.) vor dieses Jahr ein mehrers nicht beytragen könte. Sonsten befinden sich Jh. Päbstl. Heil. annoch bey erwünschter Gesundheit / und haben den ordinari Ministern allen Audientz gegeben / die extraordinari Ministri aber seynd biß dato darzu noch nicht gelassen worden. Deß Printzen von Savoyen Resident hat an seinen Herrn Principalen begehrt / daß er ohne die so lang vergeblich erwartete Abschieds-Audientz von hier abreisen möchte / ist ihm aber nit erlaubt worden. Der Marchesse Moccolani ist von Ancona hier angelangt / welcher / wie man sagt / die Trouppen in Levante / so auffs Land gesetzt werden / commandiren soll. Don Antonio, deß Duca Lanti erstgebohrner Sohn hat gegen Sr. Aller-Christl. Maj. durch einen Courrier sich bedancket / daß durch dero intercession der Pabst seine Graffschafft Belmonte und Sinibalda zu einem Fürstenthum erhöhet. Deß Marschalls di Crequy Sohn / Marquis di Blancifort ist zum drittenmal bey Jh. Heiligkeit zur Audientz gelassen worden / er gehet nun in Ungarn gegen den Erbfeind zu streiten / und ist von dem Pabst mit verschiedenen Proesenten regalirt worden. (Zu Neapoli fället in der Königlichen Cap???ll unter während???m Gottesdienst ein Stuck vom Gewölb ein.) Von Neapel wird geschrieben / daß der Vice-König den ersten Tag in der Fasten mit einem grossen Comitat deß Adels und andern Ministern dem Gottesdienst in der Königl. Capell beygewohnt / allwo sein Thron zubereit ware / unter währendem Gottesdienst aber seye ein Theil deß Gewölbs eingefallen / habe doch niemand beschädigt. Die Werbung von 1000. Mann vor die Republic Venedig ist complet / und werden nun bald zu dero Armada geführt werden. Als jüngsthin der Cardinal Altieri in den Pallast fahren wollen / umb eine Predig zu hören / ist selbigem die Carossen entzwey gebrochen / welches sich auch nicht ohne Verwunderung mit der 2. 3. biß 4. [220] also zugetragen / so daß derselbe endlich zu Fuß dahin gehen müssen / worzu Pasquinus nicht hat stillschweigen können / sondern folgender gestalt Carminicè darüber glossirt: Si tous les Cardinaux quì resident à Rome, Et tous les Cocus de Paris. Sui voient l' exemple de cet Homme, Tous les Charrons viendroient Marquis. Nach dem Todfall deß Herrn Caraffa Bischoffs zu Aversa finden sich viel Competenten ein / unter welchen auch deß Verstorbenen Herr Bruder Don (Den 11. wird in dem Pallast Congregation gehalten.) Fortunato Caraffa ist. Den 11. ist in dem Pallast Congregation gehalten worden / worinn man beschlossen / aus denen Regenspurg- und Freysingischen Bißthümern eine gewisse Steuer von Geistl. Renten Jh. Churfürstl. Durchl. in Bayern zur Artillerie gegen die Türckey zu assigniren. (Savoysche Geschichten.) Aus dem Hertzogthum Savoyen melden Brieff von Turin / daß der Marchese Derville Gubernator zu Pignerol aus Königl. Ordre allen Reformirten im Lucerner Thal andeuten lassen / daß wofern sie innerhalb 5. Tagen das Land nit würden raumen / sie vor 15000. Mann Frantzosen Quartier (Die Prote-???auten in der Valey von Lucern rüsten sich zur Gegenwehr.) machen sollen. Immittels wird von den Protestanten in der Valey von Lucern etwas neues erwartet / weil selbige 6. Tag Bedenckzeit genommen / umb zu antworten auff die proposition unsers Hertzogs / indessen stehen sie in den Waffen / und haben alle Brucken / so die communication mit Dauphine geben / abgeworffen / all ihr Vieh geschlacht / und sich nach den hohen Plätzen reterirt / welches scheinet / als ob sie hartneckigt verbleiben wollen / dafern man sie aber daselbst wird angreiffen müssen / werden Se. Hoheit persönlich / wie auch der Frantzös. Ambassad. mit dahin gehen mit 12000. Mann. Den 14. haben die Gesandten von Bern und Zürich offentliche Audientz gehabt / und darinn Jh. Königl. Hoheit vorgestellet / daß weilen sie in dero Landen andere Religionen / nemlich die Juden dulteten / welche Christum gecreutziget (Das Andringen der Gesandten von Zürich und Bern will nichts fruchten.) haben / als möchten sie doch so gütig seyn / und die Reformirter Religion im Lucerner Thal auch dulten / indeme diese ja eben denselbigen GOtt anbeteten / welchen Se. Hoheit anruffen thäten / und machten eine lange Erklärung und instanz, damit dieses Hertzogl. Hauß doch ermeldte Religion dulten möchte. Es ward aber ihnen zur Antwort gegeben / daß die Sachen schon so weit kommen / und sie zu Rebellionen gerathen wären / und dan̅enhero man der Gesandten Bitten und Begehren nicht einwilligen könte. (Mayländische Geschichten.) In den Ges???ichten deß Hertzogthum Maylands habe im vorigen Monat von einer Reformation dasiger Soldatesca gedacht / die hat nunmehro [221] ihren Effect erreichet / vermög deren 10. Compagnien Spannische / 3. Compagnien Teutsches Fuß-Volckes von den Regimentern di Calnera und Ul bino, 2. Compagnien Teutsche Reuther von dem Beroldingen / und Salice, (Die Reforme zu Mäyland erreichet ihren Effect.) ein ander Compagn. von deß Obrist. Scardon Regiment / und das Regim. deß Obrist. Calderari abgedanckt worden / durch diese Reforme werden jährlich 120000. Scudi erspahret. Hiesigen Groß-Cantzlers Hn. Moles ältister Sohn heurathet deß Hrn. Triulzi einige Tochter / welcher hiesiger Senat zur Außsteuer Jährlich 8000. Scudi angewiesen hat. Mit Brieffen aus Neapoli vom 12. dito hat man / daß der Mons. Caraffa Bischoff zu Aversa tods verblichen / durch dessen Todsfall das allerreichste Bisthumb in dem gantzen Königreich vacirend worden ist. (Gennefische Geschichten.) Aus Genua verlautet / daß allda 70. Soldaten / so außländ. Nation gewesen / reformirt worden seyn / und obwohln in selbigem Senat resolvirt worden / den Sign. Cataneo seiner Gefängnuß zu entlassen / so hätte es doch (70. Soldaten ???ländischer Nation werden reformirt.) der Frantzös. Ambassad. verhindert. Weiln sonsten hiesiger Magistrat auff anhalten deß Goubernators von Mäyland jene 2. Persohnen / so mit einer Klofter-Jungfrauen sich anhero reterirt / nicht hat wollen loßgeben / hä???t derselbe uns nunmehr die 40000 Pfund ein / welche er monathlich zu Bezahlung deß Schweitzerisch. Regiments herzugeben schuldig ist. Die Juden haben gegen außtrückliches Verbott einige Türckische Sclavin̅en von ohngefehr 20. Jahren gekaufft / deßwegen sie in gefängliche Verhafft gezogen worden / und haben selbige wiederumb heraus geben müssen / und wird ihnen nunmehr der Proceß gemacht.

Das neundte Capittel
[arrow up]

Stellet vor / was in denen 17. Niderländischen Provincien sich begeben hat. (Holländische Geschichten.) AUs dem Haag wird geschrieben / daß der Hr. Printz von Oranien den 4. seine Leibquarde beydes zu Fuß als zu Pferd gemustert / wornach sie in Gegenwart deß Fürsten von Walldeck / deß Gen. Leutenant Spaens / und anderer hohen Officiers / exercirt worden / und Se. Hoheit sich folgends nach Durin begeben habe. Die Staaten von Seeland sind noch nit voneinander geschieden / weiln etwas Mißhelligkeit in der Provintz wegen etlicher Puncten / darüber sie sich nicht vergleichen können / entstanden / welche aber der Entscheidung deß Printzen von Oranien heimgewiesen worden / und zweiffelt man nicht / daß Se. Hoheit dieselbe bald werde verglichen haben. (4. neue Regimenter) Nach Mastricht hat man 4. neue Regimenter gesandt / we???ln man denen [222] Benachbahrten nicht gar zu wohl trauet. Es hat sich zwischen den Obrigkeitlichen Persohnen der Stadt Leiden einige Mißverständnuß und Kaltsinnigkeit (werden nach Mastrich gesaut.) verspüren lassen / so sich bey Ersetzung der Aembter in 2. Partheyen getheilet; die kluge Vorsichtigkeit der jenigen Commissarien aber / welche der Printz von Oranien ihnen zugegeben / hat dieselben gäntzlich wieder miteinander verglichen / und ist hierauff ein Panquet 2. Tage nacheinander gehalten / worbey sich der Hr. Fagel der Provintz Pensionarius, und andere vornehme Herren deß Lands eingefunden haben. Der Hr. Baron Schwerin / so letzt von deß Hrn. Landgrafen von Hessen-Cassel Durchl. mit Schreiben (Hr. Norff Chur-Cölln. Resident übergibt denen Hnn. Gen. Staaten ein Memorial.) an Se. Königl. Hoheit anhero gekommen / ist den 12. dieses wieder abgereist. Der Hr. Norff / Resident von Chur-Cölln und Bischoffen von Münster / und der Hr. von der Veecque, Resident deß Printzen von Lüttig sollen wie man vernimbt / in der Versamblung der Hnn. General-Staaten wieder ein Memorial übergeben haben / so einige Disputen wegen der Jurisdiction zwischen denen von Lüttig und der Stadt Mastricht / betreffen solle sc. versuchende / daß solche mit ehistem außgemachet werden möchte. Der Königl. Englisch. Extraordinari Envoye Hr. Skelton ist von Londen im Haag wieder angelangt / und hat den Hrn. Printzen von Oranien versichert / daß Se. Königl. Majest. von Groß-Britannien wegen seiner Interessen sehr beschäfftiget wären / und nichts ermanglen lassen wöllen / umb zuwegen zu bringen / damit Sr. Hoheit das Fürstenthumb von Oranien / nebst allen andern (Comte d' Avaux Frantzös. Ambassadeur erhält einen Courr.) Gütern in Franckreich restituirt / und wieder eingeraumet werden möchten. Der Frantzös. Ambassad. Hr. Graff von Avaux hat den 22. früh einen Extraordinar-Courrier von Pariß erhalten / und sobald er seine Brieffe gelesen / einen andern nach Amsterdam abgefertigt / auch den Tag vorhero mit denen Deputirten selbiger Stadt in der Versamblung der General-Staaten / und im Staats-Rath eine lange Conferentz gehalten / wordurch etliche übelgesinnete Anlaß genommen / außzusprengen / daß was geheimes zwischen Franckreich und Amsterdam tractirt werde / mit dem Zusatz / daß das Feldläger / so man zwischen Nimwegen und Breda zu schlagen Vorhabens gewesen / unterbrochen worden / wie auch / daß man in die Werbung der 16. oder 18000. Mann / so man vor einiger Zeit im Vorschlag gehabt / noch nicht habe bewilligen wollen. (Spannisch-Niderländ. Geschichten.) Brüsselische Brieff melden / daß den 9. daselbst ein Churpfältzisch. Extraordinari Envoye angelangt / so bey dasigen General-Gouverneur Audientz gehabt habe / dessen anbringen man zwar noch nicht eigentlich vernehmen können / man sagt aber / es seye umb die Passage durch diese Landen vor die Chur-Princessin von Pfaltz-Neuburg / als künfftige Königin von Portu [223] gall zu begehren / und wegen der Ehren-Ceremonien sich zu verabreden; zu dem Ende der Pallast deß Caroli V. sehr schön außgebutzet / und gezieret wird / sie darinn zu logiren; sobalden alles wegen der Ceremonien eingerichtet / und die Heurath gantz vollkommen geschlossen seyn wird / soll eine Portuguesische Flotte nacher Ostende kommen / die Königl. Braut / nacher Lisabonna / über zu führen. Die Reformation / welche Se. Catholische Majest. in der Finantz vorgenommen / solle selbiger jährlich biß 8. Millionen Thaler (Es werden verschiedene Conferentien in Gegenwart deß Hn. Gen. Gubernators zu Brüssel gehalten.) Nutzen bringen. Man hat unterschiedliche Conferentzien in Gegenwart Sr. Excell. Francisco Antonio d' Agourto über einige Mißverständnussen / so zwischen dem Printzen von Nassau / Gouberneur und Capitain-General deß Hertzogthumbs Gelderland und Graffschafft Zütphen / und dem Baron de Mervaux, Gouverneur von Venlo entstanden / gehalten / und hat der Hr. du Fay, Gouverneur dieser Stadt / der Baron de Pontamougeard, General von der Battaille, Don Martin de los Rios, Maistre de Camp, und einige andere Officierer Ordre sich in dieser Sach zu informiren / und Sr. Exellentz davon part zu geben / worauff dieselbe auch in dem Kriegs-Rath / woselbst diese Sach außgemacht werden soll / alsdann assistiren wollen; besagte Se. Excell. seynd zu Antwerpen gewesen / umb die 135000. Rthl. so sie mit letztem Courrier aus Spannien erhalten / zu erheben. Den 10. dieses hat man einen Courrier nacher Pariß mit neuer Instruction vor den Hrn. Baron Delval wegen der übermässigen Zölle / welche die Frantzosen von denen Einwohnern der Provintz Namur fordern wollen / abgeschickt. Man hat dahier die Zölle / welche man von denen Hüten und andern W???hren / so aus frembden Landen kommen / erhebet / weiln man dergleichen gar wohl entbehren kan / ersteigert.

Das zehende Capittel
[arrow up]

Handelt von den Schweitzerischen Zufällen / wie auch was aus Asia / Africa / und America diesen Monat schrifftwürdiges eingekommen. (Schweitzer. Geschtch???.) AUs der Schweitz hat man laut Schreibens aus Bern vom 3. Martii, daß allda nicht wohl penetrirt werden könne / was der König von Franckreich zu thun willens sey. Indessen trachtet der Kön. Frantzös. Ambassadeur die Hnn. Cantons zu persuadiren / daß sein hoher Principal nichts anders vorhabe / als den Frieden mit den Hnn. Schweitzern zu con [224] serviren / woran jedoch von vielen gezweiffelt wird / und ist auch deßwegen die Martius Versamblung zu Baaden (auff welcher sich die sämbtliche Cantons auffs neue verbunden / vor ihre Freyheit / Muth und Blut beysammen aufzusetzen) angestellt gewesen / und hat man sich durch gantz Schweitzerland deßwegen bereits in gute Defensions. Postur gestellet. Die Rencontre, so zwischen dem (Zwischen dem Commendanten von Hünningen und der Stadt Basel entstehet einige Mißhelligkeit.) Commendanten von Hünningen und der Stadt Basel vorgefallen seyn soll / bestehet dem Bericht nach darinnen / daß aus vorbesagtem Hünningen ein Stück auff Basel gelöst worden / und als der Magistrat vernehmen lassen / was solches bedeute? habe man geantwortet / es wäre nicht mit Fleiß / sondern durch einen Mißgrieff unversehens geschehen / worauff besagte Hnn. Baßler deß andern Tags ebenmässig ein Stück auff Hünningen gelöst haden sollen / wovon die Kugel in Hünningen gefallen / und als selbiger Commendant nach dessen Ursach gefragt? habe man ihm zur Antwort gegeben / man wüste von nichts / es müsse ebenfalls ungefähr geschehen seyn / womit alles still / und in Ruhe geblieben. Die Contons Zürich / Bern / Basel und Schaffshausen werden nach ihrem gefasten Schluß in kurtzem einige tausend Mann mit behöriger Ammunition, Proviant / und Artillerie nach Genff senden / umb die Stadt vor aller Uberrumpelung zu conserviren / zu welchem Ende die Römische Cantons den freyen Durchzug vor die Militz verwilliget. (In der Schweitz seynd abermahn 1200. Frantzöf. Protestanten atriviret.) In diesem Land seynd sonsten wieder bey 1200. vertriebene Protestanten aus Franckreich angelangt / die hin und wieder vertheilt worden seynd. Vom Königl. Frantzös. Hoff hat man / daß bereits Ordre ertheilt seye das Verbott / Früchten aus dem Land zu führen / aufzuheben / ob aber die umb Basel sich befindliche Frantzösische Beambten solchem nachkommen / oder etwas widriges dargegen einstreuen werden / stehet zu erwarten. In hiesigen und andern benachbarten Landen werden für Franckreich viele Pferdt gekaufft / und seynd diese Wochen 2. à 300. in einem Tag durch Basel gefühlt worden. Es ist im übrigen dieser Orihen und in gantz Franckreich publicirt worden / daß wer einen Frantzösis. Flüchtling ertappet / deme soll alles / was bey ihm gefunden wird / heimfallen und noch dar zu 10. Rthl. zur Belohnung bekommen. Sonsten ist weder aus Asia / Africa noch America diesen Monat was notables eingegangen. Ende deß dritten Theils.
|| [225]

THEATRI NOVI POLITICO-HISTORICI
[arrow up]

Vierdter Theil / Worinnen zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige Begebenheiten / so sich im Monat Aprill deß 1686sten Jahrs in der gantzen Welt zu Wasser und Land ereignet haben.

Das erste Capitel
[arrow up]

Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien / sowohl / als in Böhmen / Mähren / Schlesien / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und begeben hat. NCh habe unter dem Titul der Käyserl. Geschichten im vorigen Monath von einer Rencontre gedacht / so zwischen dem Hamburgischen und Zellischen Gesandten zu Wien vorgangen / nun (Käyserliche Geschichten.) bestehet der eigentliche Verlauff dieser Sach in nachfolgenden Umbständen / laut Brieffen aus Wien: Es hat Hr. Marenholtz Zellischer Gesandter bey dem Käyserl. Hoff einige Schrifften wider die S adt Hamburg eingegeben / die so fort denen allda seyenden Hamburgischen Deputirten communicirt worden / und diese solche Schrifft nach Hamburg geschickt / [226] allda selbige bey dem Pranger vert rand worden seyn soll / worauff gedachter Herr Marenholtz / als ihme solches zu Ohren kommen / seine revange nehmen wollen / deme zufolg die 2. Hamburg. Abgeordnete auff dem Wiener Tändelmarck durch seine Laqueyen / worzu er selbsten sie aus dem Wagen (Die Hamb. Deputirte werden von dem Lüneb. Gesanten mit Brügeln tractiret.) zu bringen sich bemühet / mit Brügeln tractiren lassen / nach welchem diese gleich einen Expressen (umb solche gewaltsame und widerrechtliche Proceduren der Stadt Hamburg anzudeuten) abgefertiget / und erwartet man nun / was hierauff weiter erfolgen möchte; Indessen solle dem Marenholtz den Käyserlichen Hoff zu betretten / verbotten seyn. Den 2. ist ein Kriegs-Commissarius aus Ober-Ungarn / welcher von dem Graff Caraffa in Sachen der Siebenbürg. Einquartirung hieher / und dessen / was zwischen ihme / und denen Fürstl. Siebenbürg. Abgeordneten hierin sals geschlossen worden / mit außführlichem Bericht überschickt worden / per posta arrivirt. Der Herr Baron Batzendorff ist nicht allein Resident zu Franckfurt / sondern auch zum Reichs-Hoff-Rath declarirt worden. Nachdem der Herr Feld-Marschall Caprara den Angrieff der Vestung Mongatsch unter der untern Palancka / in welcher die Rebellen die völlige Macht aus der Vestung herab gezogen / und auffs eusserst sich wehren wollen / in eine Formal-Belägerung (Mongatsch wird belagert.) verwendet / die Rebellen hingegen allen möglichen Widerstand zu thun sich resolvirt / wie sie dann mit continuirlichem schiessen das Käys-Lager zwar incommodiren / doch keinen Schaden zufügen / zumahln die Unsrige dergestalten sich nunmehr verschantzt und vergraben / daß sie von keinem Canon-Schuß beschädiget werden können; so wäre biß dato die geringste Apparentz zu einer Ubergab nicht zu vermercken / sondern die Teckelin der beständigen Hoffnung deß ihr versprochenen Succurs lebet / welcher durch die im Marsch stehende Tartarn ins Werck gezogen werden soll / derentwegen denen in Ober-Ungarn einquartirten Käys. Befelchshabern alles Ernsts anbefohlen worden / nicht allein die Päß / durch welche die Tartarn durchpassiren möchten / mit gnugsamer Macht zu belegen / und den Durchmarsch zu verwehren / sondern auch der Türcken dahin collimirendes Absehen / daß sie sedem belli jenseit der Theiß setzen wollen / zu verhindern / welches zu ihrem mercklichen Vortheil wegen deß Proviants / so aus Siebenbürgen und Wallachey ihnen ohne grosse Gefahr überbracht werden könte / gedeyen würde. (Hr. Hertzog von Lothringen langt zu Wien an.) Den 5. seynd Jhrd Durchl. der Hertzog zu Lothringen allhier angelangt / dero Gegenwart nun die eigentliche Einrichtung der nechstangehenden Campagne / und der annoch erforderenden Kriegs-Requisiten nach sich ziehen wird. Den 7. frühe ist ein Courrier von Venedig ankom [227] men / welcher für die 4000. Sachsen / so unter selbiger Republic diese Campagne wider den Erbfeind dienen sollen / durch die Käyserl. Länder freyen Paß begehrt / referirt auch / daß der Graff von Königsmarck der Republic zu Land commandirender General mit 5000. Mann gegen Levante abgefahren seye. Zu Stulweissenburg verfertigen die Türcken etlich 1000. Hacken / wie Tzakan, umb bey erfolgender Belägerung die unsrigen zu incommodiren. Die verwittible Frau Gräfin von Mannsfeld-Aya, so Jhr. Majest. deß regirenden Käysers Ertz-Hertzogl. Kinder aufferzogen / ist mit nicht wenig Mitleyden deß Hoffs tods verblichen. (Wie auch einige in Ofen gefangen gelegene Käys. Fo???ragiers.) Dieser Tagen seynd einige von den Fouragierern / so jüngsthin ohnweit Pest gefangen worden / von Ofen hierwider angelangt / welche berichten / daß sie Zeitwährender Gefangenschafft zimblich wohl tractirt / in dem Examine aber gefraget worden / wie starck die Christliche Armee dieses Jahr würde zu Feld gehen? was für Oerther am ersten solten angegrieffen werden? und ob keine Zuneigung zum Frieden sich zeigen thäte? Sonsten solle die Besatzung zu Ofen / je mehr und mehr verstärcket werden / und die Türcken gleichfalls ungemeine Präparatoria auff bevorstehendem Feldzug machen / und geht die Rede / daß sie Lust hätten Gran zu belägern. Von Debrezin seynd einige Deputirte hier / so wegen denen Contributionen ein und anders angebracht haben. Mit deß aus Siebenbürgen an die dahier noch anwesende Gesandten mit der eigentlichen Antwort über die zwischen den Käys. Commissarien / und ersterwehnten Gesandten / sowohl wegen der (Gute Zeitung aus Siebenbürgen.) Repartitions-Gelder / als dessen / was die ihnen vorgestelle Entzihungen von dem Türckischen Joch und andere beschehene Vorschläg betrifft / beschlossene Tractaten zurück sich eingestellten Courriers Ankunfft / hat man treffliche Sincerationes selbigen Fürstens und Ständen über ein und andern Punct erhalten / mit angefügter Hoffnung / daß alles das / was pro causa communi zum besten wird befunden werden / an die Hand genommen werden solt. (Käyserl. Ossiciers bekommen Ordre zu ihren Regimentern sich zu verfügen.) Weiln von den vornehmsten Generals-Persohnen begehrt worden / ihr Sentiment wegen der Operationen schrifftlich einzureichen / selbiges auch bereits beschehen / so wird darüber der Schluß nun ehistens erfolgen / unterdessen ist an selbige Ordre ergangen / sich bey ihren Regimentern einzufinden / und alles in solchem Stand zu halten / damit selbe bey ehist determinirender Zeit gehöriger Orthen abmarschiren können / und dörffte das Rendezvous medio Maji vor sich gehen. Herr Graf von Kollonitsch Bischoff zu Raab thut noch das Allmosen bey denen Kirchenthüren alles Fleisses vor die arme in Türckey gefangene Christen samblen / wie er dann 42. zu Neu [228] heusel / und andern anligenden Gräntzen gefangenen Christen- und Türcken-Kinder von 8. biß 12. Jahr alt / erkauft / und anhero bringen lassen / selbige bey denen P. P. Jesuitern vorgestellet / und nach jedes Belieben zum aufferziehen darvon nehmen lassen / die übrige / so noch kleiner / seynd noch zu Raab in seinem Unterhalt. (Einige Laqueyen werden gefänglich eingezogen und wegen verübter vielen Insolentien der Vrbeder enthanptet.) Von denen sich zusammen rotirten Laqueyen / so schon zum andernmahl grosse insonlentien allhie in und vor der Stadt in denen Wirthshäusern angefangen / die Wirth exequirt / sich voll gesoffen / vor der Stadt die Leuth geprügelt / und einen Fleischhacker tödtlich verwundet / auch sogar mit der Wacht angebunden / und solche heraus gefordert / seynd 9. von dem auf selbige außcommandirt gewesenen Rumormeister gefänglich / worunter auch ein Anfänger eingebracht worden / die übrigen haben sich mit der Flucht salvirt / und ist der Anfänger den 9. enthauptet worden / welchem Actui die andern in Eisen geschlossen zusehen müssen / die Schrancken waren mit 300. Mann umbfangen / etliche Thor / auch viel Gassen mit Ketten gesperret / weiln die Laqueyen sich wieder zu versamlen / verlauten lassen / wordurch noch ein grössers Unheil hätte entstehen dörffen. Am grünen Donnerstag haben (Käys. Majspeisen am grünen Donnerflag 12. Arme zimblichen Alters.) Jhro Käyserl. Majest. 12. Arme nachfolgenden Alters gespeiset / der erste war 112. Jahr alt / der andere 102. der dritte 90. der vierdte 86. der fünffte 85. der sechste 85. der siebende 84. der achte 83. der neundte 82. der zehende 81. der eilffte 80. und der 12. 78. also daß sie mit ihrem Alter 1084. Jahr zusammen gebracht. Den 10. ist allhier der Hr. Geolgius Gubarsozi Ertz-Bischoff zu Colossa, Bischoff zu Neutra, und Groß-Cantzler deß Königreichs Ungarn / gestorben / wer nun solche Dignitäten bekommen wird / lehret die Zeit. Der Pabst solle Jhr. Churfl. Durchl. in Bäyern indulgirt haben / die Einkünfften der beyden Stiffter Freysingen und Regenspurg durante minorennitate dero Hn. Bruders / theils zur Türckenhülff zu employren / und anzuwenden / und solle schließlichen die dermahlige Käys. und Reichs Macht in 94000. Mann bestehen. Jh Durchl. Printz Louys von Baaden Käys. General über die Cavallerie, wie auch verschiedene andere Generals und Officiers von denen Auxiliar-Völckern / sowohl von Bäyern / als Brandenburg / seynd allhier angelanget / umb wegen deß Marsches / Magazins und andern nöthigen Dingen alles zu veranstalten. Weiln nun mit den Siebend. Deputirten die Sach über die neulich von ihren Principaln überschickte neue Instrution, so weit überlegt / und verglichen worden / daß man an dem gewünschten (General Scherffenb. gehet in Siebenbürgen) Effect nunmehr nit zweifflet / als haben Jhr. Käys. Majest. den Feldmarschall-Lieutenant Grafen von Scherffenberg eylends nach Ober-Ungarn abgeschicket / und demselben anbefohlen / gleich in Siebenbürgen nach [229] Clausenburg sich zu verfügen / und mit selbigem Fürsten und Ständen ein gewisses zu schliessen / die Anstalten zu concertiren, und ein Corpo von etlich 1000. Mann / zu welchen 5000. Käyserl. Völcker stossen / und erwehnter (und Herr Graf Cziacky zu den Hospodarn in der Moldau und Wallachey.) Feldmarschall-Lieutenant das Ober-Commando über die völlige alldortige Armee haben solt / zusammen zu ziehen / damit nun auch die Moldauische und Wallachische Hospodari zu dieser Kriegs-Conjunction und Alliantz angefrischet werden mögen / als haben Ihro Käyserl. Maj. den Herrn Grafen Cziacky, welcher auch mit der Charge eines Käyserl. General Feldwachtmeisters ist begnadet worden / dahin expedirt. Den 16. waren Ih. Durchl. der Ertz-Hertzog Carl Joseph mit dero Hofstat in dem Bratter / allwo der Hofzeltschneider biß 12. unterschiedliche schöne Gezelt zum verkauffen auffgeschlagen gehabt / von welchen auch Ihr. Durchl. einige vor sich und dero bemeldte Hofstatt ausgesucht / derselben sich bey Jagden und im Feld zu gebrauchen. (Ein Barbirer ranbet den Schatz zu Mariäzell.) Zu Marioezell in Steyer / allwo grosse Solennitäten begangen werden / hat der Schatzmeister aus seiner unterhabenden Schatzkammer den Geschmuck und andere kostbare Kleinodien heraus genommen / und in sein Zimmer bringen lassen / umb willens unser liebe Frau damit zu zieren / als er aber sich barbiren lassen / und solches der Barbirer ersehen / indeme auch niemand anderer in dem Zimmer gewesen / hat er ihme in währen dem barbiren die Gurgel abgeschnitten / den Geschmuck zusammen gemacht / und sich von dannen weg begeben. Unter andern Legaten / so der jüngst-verstorbene Ungarische Groß-Cantzlar gemacht hat / ist auch begriffen / daß er in Geld und Getreyd 120000. fl. zu dem Türckenkrieg verschafft habe. Von dem Käyserl. Gesandten in Polen ist den 20. ein Courrier anhero angelangt / mit (Zwischen Polen und Moscau ist ein genant Alliantz wider den Türcken im Vorschlag.) Bericht / daß an selbigen Königl. Hof durch einen Expressen die erfreuliche Nachricht eingelauffen / daß selbige Tractaten mit Moscau bereits so weit glücklich avancirt wären / daß gegen Abtrettung aller Recht und Gerechtigkeiten / so die Cron Polen und das Groß-Hertzogthum Littauen auff Smolensko und Kiovv, auch deren dependentien cum an- & connexis hätten / die off- und defensiv-Alliantz würcklich geschlossen / und also die ruptur wider die Ottomannische Pforte declarirt wäre / mit dem Versprechen / also fort gehörige Ordre zu stellen / daß gleich auff empfangene Bezahlung die Militz zum Marsch fertig gehalten / und die Landschafft Crym angefallen werden solle / umb selbige Tartarn zu vertilgen / seye auch zu Fortsetzung deß Kriegs ein allgemeine Landsteuer ausgeschrieben / und von jedem Hauß 8. fl. begehrt worden; mehrere specialia werden vielleicht ehistens können berichtet werden. Eodem dato ist ein Officierer aus dem Lager vor Mongatsch ankommen / [230] mit Bericht / daß selbige Belägerung nicht so von statten gienge / als man anfangs wol gehoffet / umb desto mehr wegen der vesten situation, und mit Wasser erfülleten Grabens / welcher unangesehen ein Theil abgestochen / durch (Die Belagerung Mongalsch gebet nicht wohl von statten.) das Regen- und zergangene Schneewasser wieder angefüllt worden / nicht weniger auch die darinnige Besatzung gantz verzweifelt sich defendiret, und unter der Erden ihre Wohnlöcher aus gegraben / damit sie vor den Bomben und Feuerkugeln sicher seyn mögen / weilen nun die Zeit vergeblich / und ohne Hoffnung der Eroberung erwehnter Vestung zugebracht würde / auch die selbstige Soldatesca dem General Feldmarschall Lieut. von Scherffenberg überlassen werden solle / als dörffte ehister Tagen die Belägerung auffgehoben / vorhero aber eine ernstliche und endliche Versuchung / ob durch Einwerffung der Bomben die Belägerten zur Ubergab möchten bezwungen / von den unsrigen gethan / und wann solches ohne effect, wieder in eine Blocquada verkehrt werden. Aus Böhmen ist ein gute Anzahl Constabler und Bombardirer anhero kommen / welche in Ungarn gehen: auch siehet man in dieser Stadt viele Volunteurs oder Freywillige von unterschiedenen Nationen / umb bey instehendem Feldzug unter der Käys. Armee wider die Türcken zu dienen. Den 22. hat bey Hoff der Herr Graf von Sintzendorff mit der Frau Gräfin Isabella von Jürstenberg / Hof-Dame bey Ihro Maj. der regierenden Käyserin / Hochzeit gehalten. Als der Spannische (In dem Käpf. Arsenal werden durch Entzündung deß Pulvers 5. Laboranten tödlich verbrennet.) Feuerwercker Don Gonsales den 25. frühe in dem Käyserl. Arsenal (allwo sonsten sein Laboratorium) Pulverstaub und andere Materialien stossen lassen / hat sich unvermuthet ein Steinlein darinn befunden / und Feuer gezündet / wordurch 5. von seinen Laboranten tödlich verbrennet worden / davon nun einer gestorben / und war das Glück / daß es nit noch eine halbe Tonnen gantz gekörntes Pulver / so unweit davon gestanden / ergriffen: obgedachter Feuerwercker auch mit seiner Kleidung im Brand lieffe Hülff zu suchen in ein Neben-Gewölb / allwo etliche Tonnen Pulver / Carcassen / und gefüllte Bomben gelegen / wurde aber alsobalden zu Verhütung eines grössern Unheyls zuruck gehalten / und dörffte schwehrlich diese Campagne seinen valeur erzeigen können. Den 26. hat man 11. neugegossene / 3. viertel und halbe Carthaunen probirt / welche wohl gehalten / und ehist mit anderer Munition nacher Ungarn abgeführt werden sollen / allwohin den (Etlich 1000. Sandsäck werden in Ungarn verführet.) 24. etliche 1000. Sandsäck / so der Jud Oppenheim machen lassen / auff dem Wasser abgeführt worden / und schicket man immer zu von allerhand Kriegs-Requisiten hinab. Uber Griechischweissenburg hat man von Constantinopel so viel Nachricht erhalten / daß der Frantzösische Ambassadeur einen prächtigen Einzug daselbst gehalten / und ob zwar derselbe begehret / daß / [231] gleich wie er bey seiner Anlendung die Stück aus seiner Galleren lösen werde / consequenter er mit einer Gegenlösung von den Türcken beneventirt werden solte / hätte es doch der daselbstige Caimaicam keines wegs zulassen wollen. (Grosser Aufruhr in Asta.) Daß die in Asta entstandene Revolta und sedition zim̅lich angewachsen seye / diese aber zu dämpffen / hätte der Groß-Vezier alsobalden einige Aga und Chiausen dorthin abgefertiget / mit Befehl / den Marsch der Asiatischen Soldatesca alles Fleisses zu befördern / jedoch über allen von dem jetzigen Groß-Vezier angewendeten Eyfer und Ernst keine extraordinari Anzahl Kriegsvolck / welches in schlechtem Gesindel und Kriegs-unerfahrnen Canaglien bestünde / hätte zusammen bringen können / auch schwehrlich 10000. Mann bey gegenwärtiger Campagna mehr als in der verwichenen werde in Ungarn stellen können.

Das andere Capittel
[arrow up]

Tractiret von Ungarisch-Siebenbürgisch-Croatisch-Türckisch-Moldau- und Wallachischen Geschichten. (Ungarische Geschichten.) BEy diesem Capitel ist im vorigen Monat erwehnet worden / wie daß auff expresse Käyserl. Ordre Herr General Caprara die Blocquada von Mongatsch in eine formale Belägerung verändert habe / nun fället ferner zu melden / wie diesen Monat hindurch selbige Belägerung reuscirt seye / womit sichs folgender massen verhält: Nachdeme Herr General (Ausführlicher Bericht von der Belagerung Mongatsch.) Caprara sein Lager in etwas verstärcket / hat er die in der Vestung mit continuirlichem Feuer-einwerffen über alle massen sehr incommodiret / wie dann eine Bombe in den Saal / wo die Teckelin zu speisen pfleget / gefallen ist / welche grosses Geschrey und lamentationes, auch eine Brunst causiret / die doch bald wieder gelöschet worden ist / und obwolen die Käyserl. den Graben vor der untern Palancka / so 14. Klaffter weit und breit / und anderthalb Piequen tieff / bereits so weit abgezapffet gehabt / daß man vermittels der bey handen gehabten Faschinen leicht darüber kommen können / so hat doch das eingefallene Regen- und zerschmoltzene Schneewasser solchen fast wieder angefüllet / und weilen über dieses die Belägerte von 2. andern inwendig der Palancka habenden Wassergraben / den äussern beym Ablauff allzeit wieder anfüllen können / auch über dieses / was den Einlauff der Was [232] ser zu verhindern Herr General Caprara Nachts bauen lassen / solches diese deß Tags mit Stücken ruinirt / beynebens ein grosse Batteri bey der Palancka auffgewolffen / dardurch den Käyserlichen das Stürmen zu verwehren / als ist es mit der Belägerung etwas langsam daher gegangen / absonderlichen da man Käyserlicher Seits das Volck menagiren, und selbiges der darinn ligenden Rebellischen Rott nicht muthwillig auffopffern wollen / gedenckende / daß dermaleins bey so starcker Garnison das Proviant vergehen / und alsdann dieses verzweiffelte Gesindlein lindere Seiten auffzuziehen die Hungersnoth wohl beqnemen werde. So viel von Belägerung (Grosse Pungersnoth im Türckischen Vngarn.) Mongatsch. Sonsten melden Nieder-Ungarische Brieff / daß die Hungersnoth Türckischer Seits dergestalten anfange zu wachsen / daß aus den vornehmsten Plätzen die Besatzung immer sort desertire / wie dann dieser Zeit in Ofen mehrers nicht als 4000. Mann / in Stulweissenburg 700. und in Canisa 1500. befindlichen seyen. Den 3. ist ein Courrier durch Commorren passirt / der die gewisse Nachricht eingebracht / wie daß der Herr General Mercy den 30. passato mit ungefehr 5000. Teutscher und Ungarischer Soldatesca über die Theiß passirt / und den Marsch gegen Chonot / welches zwölff Meil Wegs von Zollnock entlegen / beschleuniget / den Ort / nachdem man mit einigem schwehren Geschütz über das Eiß passirt / angefallen / und würcklichen belägert / sintemalen aber der General Mercy durch (Hr. General Mercy tencontrirt die Türcken glücklich.) Kundschafft so viel verstanden / daß die Türcken zwey Meil Wegs nechst an einem Wald bey Ezoko in 600. Mann starck stünden / und von Griechischweissenburg zu dem End dahin gerucket / daselbst der unter deß Seraskiers Achmet Bassa Commando unweit Temeswar sich zusammen gezogenen Trouppen zu erwarten / und nach beschehener Conjunction auff die unserigen loß zu gehen / hat erwehnter General Mercy die Sach also disponirt, daß der General Heußler unter Chonot mit 2000. Mann ungefehr stehen / und selbiges Schloß mit schiessen beängstigen solte / er aber mit dem Uberrest Teutscher und Ungarischer Reuterey unverweilt auffgebrochen / und den Marsch gegen deß Feindes Lager durch gewisse heimliche Wege genommen / unversehens den Feind angefallen / geschlagen / und in die Flucht gebracht / 90. davon caputirt / und 30. der meisten Officirer / darunter etliche Agen und Begen seynd / gefangen genommen / auch mithin viel Proviant / Munition / und alles was im Lager ware / erobert / hoffte auch mehr besagter General / daß dieser glückliche Streich nicht allein die Türcken in grössere Confusion und Furcht stürtzen / sondern die Eroberung deß belägerten Schlosses Chonot maturiren werde. Von Ofen hat man / daß der neue Groß-Vezier intentionirt seye / sich persönlich nach Ungarn zu verfü [233] gen / und denen Kriegs-operationibus beyzuwohnen / zu dem hätte gedachter Vezier das beym Pöfel durch seine Sanffmuth erhaltenes Lob verlohren / und wären nunmehro von desselben Grausamkeit viel Bassen / und (Der Groß-Vezier läst 3. Asiatische Bassa enthaupten.) erst neulich 3. Asiatische / welche ihre Trouppen nit complet nach Adrianopel gebracht / enthauptet worden. Obwolen der Tartar-Cham sich excusirt, als ob er nicht nach Ungarn abgehen könte / sintemalen die Pollacken allem Ansehen nach ihme in sein Land einfallen / und wenigst den Paß und Repaß bey der Donau verhindern würden / so ist doch dessen alles unangesehen demselben ernstlichere Ordre zugeschickt worden / daß er sich unfehlbar in Ungarn stellen solle: Der Seraskier jenseits der Theiß / Achmet Bassa ist nach Griechisch-Weissenburg abgereist / umb sich daselbsten mit denen andern (Ein gefangener Türck zu Caschau entleibet 5. Personen / und endlich sich selbsten durch einen Pistolschuß.) Kriegshäuptern zu unterreden / und dieselbe zur maturation der Kriegs-opetationen anzufrischen. Von Caschau vernimbt man / daß sich allda diesen Monat ein erschröcklicher casus zugetragen / indeme ein Türck / der hiebevor schon Vice-Bassa zu Neuheusel gewesen / und von einem Kauffmann zu Caschau vor eine gewisse Summa Gelds erkaufft worden / deme aber der Kauffmann zu viele Freyheiten gegeben / also daß er sich mit Gewehr versehen / welches er in seiner Kammer verborgen gehalten / hernach an einem Abend spat hat er ein groß Gekrach und Gepolter gemacht / und da deß Kauffmanns Jung zu ihme gelauffen / und die Kammer gröffnet / hat der Türck selbigen mit einem Pistol erschossen; deme noch ein anderer gefolget / welchen er auch ermordet; worauff die Wacht / so in der Gegend ware / herbey gekommen / da der Türck dann das Fenster eröffnet / und mit 3. Schüssen 3. Musquetirer entleibet / und endlich sich selbsten mit einem Pistol verzweifelt (Die Türcken schlagen bey Nicopoli eine Bruck über die Donau.) erschossen. Mit einigen Kundschafftern und Ungarn / welche von dem Teckely zu den unsrigen übergangen / hat man Nachricht / daß die Türcken bey Nicopoli nit weit von der so genanten ruinirten Trajanischen Brücken eine Brücken über die Donau bauen / so schon fast fertig seyn solle / umb aus der Bulgarey ihre Völcker in die Wallachey überführen / und ferners auff die Polnische Gräntzen oder in Siebenbürgen / oder in Ungarn gegen (Der Teckely schweiffet in Ungarn hin und der.) Temeswar marschiren lassen zu können. Den Teckely anlangende / ist selbiger diesen gantzen Monat über mit einer geringen Mannschafft in Ober-Ungarn hin und her gestreiffet / seine liebe Getreue in Mongatsch eines gewissen und schleunigen Entsatzes vertröstend. Ich habe ehemals gemeldet / wie daß Ih. Käys. Maj. (umb weilen sich die Siebenb. Ständ wegen der Käys. Einquartirung so sehr beschwehret) eine gewisse Com̅ission an selbigen Gräntzen angestellet / die dann ihren Fortgang erreichet / vermög eines Extract- [234] Schreibens aus Zigeth vom 1. April / welches also lautet: Seither 4. Wochen ist der Käys. Rath und Ober-Kriegs-Commissarius von Kintzing auff den vom Käys. Hof aus empfangenen Befelch allhie in der Maramorosch (Extract. Schreibens aus Zigeth.) mit einem Siebenbürg. Abgeordneten in einer Commission umb in publicis zu conferiren, und zugleich das Quartierwesen zu examiniren, und zu adjoustiren, begriffen gewesen / weilen aber von gegenseitigen Theil allerley nichtige und grosse Praetensiones gemacht werden / die Bauren auch auff ihrer gethanen Aussag wegen der an unsere Regimenter beschehener Abführung der Portionen verbleiben / hingegen die unsrige auff ihrem Empfang beständigst verharren: Als ist darinnen wenig verrichtet worden / und wird sich nunmehr obgedachter Käys. Ober-Commissarius innerhalb wenig Tagen von hier zuruck nacher Zattmar begeben / umb der allda angeordneter hochansehentlicher Käyserl. und Königl. Commission (wobey deß Herrn Gen. Feldmarschall Leutenant Grafens von Caraffa Excell. so dann Herr Gen. Graf Szaky, ingleichem ein Ungarischer Cammer - Rath Herr Centiboni und er Herr Ober - Commissarius von Kintzing vor Assessores vom Käys. Hof denominirt) beyzuwohnen / und dieses Quartier-wesen und anders von den Siebenbürgischen Unterthanen gegen die unsrige Soldatesca zu applaniren. (Herr Gen. Baragozy legt die Stadt Zeghedebatur in die Aschen.) Nachdem sonsten der Hr. Gen. Baragozy, so auff den Teckely commandirt war / selbigen nit ertappen können / weil er sich in die Flucht begeben / als ist selbiger mit bey sich gehabtem Götzischen Regiment und den seinigen auff die Stadt Zeghedebatur loß gangen / und solche in die Aschen gelegt / auch mit 40. gefangenen Türcken nach S. Job kom̅en. Der Hr. Gen. Scherffenberg ist bereits mit 9000. Mann effectivè und 4000. Hungarn gegen Siebenbürgen abmarschirt / zu welchen 12000. Mann deß Fürsten Abbaffy stossen / und sodann etwas hauptsächliches gegen den allgemeinen Erbfeind vornehmen (Der Groß-Sultan schicket scharpffe Ordre in Asia.) werden. Der Groß-Sultan hat die Vornehmsten von seinem Hof in Asia zu denen Gouverneurn selbiger Provintzien / und andern Häuptern von der Militze dortigen Lands mit kostbaren Geschencken abgeschicket / umb solche zum Völcker schicken zu bewegen / worzu aber das gemeine Volck sich nicht verstehen wollen / weilen erst vor kurtzem so viele Bassen und Europoeische Türckische Officiers so grausam ermordet worden; derhalben mit aller Strenge anbefohlen worden / daß von 3. Personen von einer Familia zwo obligirt seynd / das Gewehr zu nehmen / bey Straffe lebendig vor seinem Hauß gespisset zu werden / wann sie deme widerstreben thäten; Es haben aber die Malcontenten einen vorbesagten gesandten Bassa offentlich strangulirt / und dessen Kopff auff einen Pfal gestecket. Mit particulier-Schreiben aus Ofen hat man / daß den 20. de novo zu Esseck 5000. Mann angelanget / umb sel [235] biges Schloß und Stadt zu bevestigen. Mit Ende dieses Monats ist die Ofner Besatzung auff 9000. Mann / wie nicht weniger die zu Erlau mit etlichen 1000. verstärcket worden / massen allda besorget wird / von denen Christlichen Waffen attaquirt zu werden. Der Groß-Vezier wird den 10. (Den 1. Aprill ist die Ausrüstung der Türck. Völcker zu Adrianopel gescheben.) May zu Griechischweissenburg erwartet mit denen Asiatischen Völckern / welche jedoch über 50000. Mann nicht ausmachen werden / indem kein Bassa die ihme auffgetragene Anzahl lieffern können. Den 1. April ist die Musterung besagter Völcker bey Adrianopel / deren ein Theil gegen Morea / die übrige aber gegen Ungarn zu marschiren beordert / gehalten worden. (Croatische Geschichten.) Croatische Brieff versichern / daß die Türcken auff dasigen Gräntzen wegen im̅erwährendes streiffen selbiger Lands-Einwohner in grossen Forchten leben / welche zu encouragiren und wieder behertzt zu machen / hat der Türckische Commendant zu Costainizza (welches eine Stadt so zim̅lich vest / auff dem Fluß Vana gelegen / und mit braver und grosser Guarnison besetzt ist) publiciren lassen / daß er vor jeden Christenkopff / so man ihm bringen würde / 50. fl. und vvr jeden lebendigen Christen / welchen man ihme zuführen (Die Türcken verlassen das Schloß Vranograck.) werde / 75. fl. bezahlen wolte. Hingegen hat man Zeitung / daß die Türcken das Schloß Vranograck jenseit deß Flusses Maja / 8. Meilen von Carlstatt / und 6. Meilen von Bihitz gelegen / allwo vor einem Monat der Herr Graf Franciscus Erdödy die Palancka abgebrand / verlassen haben / welches nun von denen unsrigen Croaten besetzt seyn wird / wodurch unsere Gräntzen wieder auff etliche Meilen erweitert worden. Ein Parthey von der Guarnison aus Belgrad hat in einem Wald einige Türckische Kauffleut von Canisa überfallen / etliche niedergemacht / und auch einige Janitscharen (Die Garnison von S. Georg erobert das Schloß Orackowitz.) gefänglich zu Czachathurn eingebracht: Ein andere Parthey von der Guarnison von S. Georg hat die Stadt Orachowitz überrumpelt / glücklich erobert / 200. darinn niedergemacht / und völlig abgebrand / auch 52. Türcken Man̅s- und Weibs-personen nebst grosser Beut gefänglich zurück gebracht; Noch ein andere Parthey von der Guarnison von Warasdein / Creutz / Carlstatt / und andern Orten mehr haben sich (auff vernehmen / daß der Türck. (Der Bassa Funduck wird beßlich geh???utzet.) Bassa Funduck mit 3000. zu Pferd und zu Fuß Verovitiza attaquiren wollen) in 1600. starck conjungirt / und unter Herrn Obrist Leutenant Mackar in schneller Eyl und Stille den Feind den 8. dito zu Nachts überfallen / darvon 170. niedergemacht / die Köpff in Säcken / nebst 57. Gefangenen / worunter 2. Aga / und 3. vornehme Diener deß Bassa Funduck ohne der andern Beuten mit 36. Fahnen / Trommeln / Paucken / Pfeiffen / und anderm ihrem Spiel glücklich zuruck gekehrt / und den Charfreytag wieder zu Warasdein angelangt / und nicht mehr als zwey Mann verlohren / da [236] doch die Türcken und Bürgerschafft viel stärcker als sie gewesen / gemeldter Bassa Funduck hat sich kaum im Schlaffrock auff einem Pferd ohne Sattel (Viele Rätzen begeden sich in Jh. Käys. Mal. Protection.) salviren können. Im übrigen continuiren die Türckischen Wallachen oder Rätzen noch täglich ihre Zuflucht unter Ihro Käyserl. Maj. Gehorsam zu nehmen / weilen sie denen Türcken nicht trauen; Die Türcken von Busim umb sich nun gegen die Rätzen zu rächen / haben 2. ihrer Dörffer abgebrand (Werden von den Türcken verfolget.) / und von dannen das Vieh hinweg geführet / aber die Rätzen haben denen Türcken vorgebieget / und ihnen alle Beuten wieder abgenommen / einige niedergehauen / und zwey der vornehmsten Türcken / nemlich Chor (Diese aber von jenen übel empfangen.) Agam und Cherkinovvich gefangen bekommen / und gebunden / als Sclaven zu der Christlichen Guarnison in Buzin geführet / und haben besagte Rätzen mit aller Beute sich in das Christliche Gebiet salvirt. Der Croatische Protonotarius Herr Illachsich ist den 6. mit einigen 100. Croaten von gemeldtem Buzin ausgangen / umb einen andern Streiff in deß Feindes Lande zu thun / davon der Success künfftig zu vernehmen seynd wird. (Türckische Geschichten / laut Extract-Schreibens von Constantinopel.) Belangend die Türckischen Geschichten / so wird aus Constantinopel vom 1. dito geschrieben / daß die Rebellion in der Landschafft von Natoliae zwar gestillet / jedoch ist selbiger Bassa mit einigen von seinem Anhang / weilen sie dem Groß-Vezier davon nicht frühzeitig Nachricht gegeben / erwürget worden. Mit der Post aus Siebenbürgen ist ein Courrier in 7. Tagen daselbst zu Constantinopel angelangt / mit Bericht / daß die Siebenbürger der Käyserl. Macht / so schon in ihrem Lande ist / nicht widerstehen können / weßhalben der Groß-Sultan mit dem Groß-Vezier / dem Muffti / und andern Grossen deß Hofs zu Adrianopel eine lange Conferentz gehalten hat. Der Groß-Sultan ist vom Groß-Vezier und andern Vornehmen überredet worden / umb bey jetzigen conjuncturen die grosse Spesen und Kosten zu erspahren / sich wieder anhero zu erheben / und wie man vernimbt / solle der Auffbruch von Adrianopel den 1. dito nacher Constantinopel beschehen / zu welcher Zeit der Groß-Vezier mit einer starcken Armee / darunter die Asiatischen Völcker / welche man täglich erwartet / seyn sollen / nacher Griechisch Weissenburg marschiren will / zu deme auch die 2. Bassen von Boßnia und Arcigouina stossen sollen / wie er dann seinem Bruder in Boßnia 40. Beutel mit Geld zugesandt hat / umb 2000. Albaneser darfür zu werben / und (Der Polnische Resident wird über vermuthen vom Groß-Vezier sehr w???ol tractirt.) bey sich zu behalten. Der Polnische Resident ist von dem Groß-Vezier wieder in Freyheit gestellt / und von diesem mit einem schönen Pferd und etlichen Stückern Tuch und Atlaß beschenckt worden / der Hoffnung lebend / mit seinem König den Frieden zu schliessen / wie dann besagter Resident in Gesellschafft deß Assam Satto, Bassa von Caminieck / den 2. Martii von Adria [237] nopel nacher Pohln abgereist seyn wird. Die Pest thut allhier noch viele Menschen wegreissen / auch werden die Lebens - Mittel täglich theurer / weßhalben ein allgemeiner Auffstand besorget wird. Der Herr Girardin Frantzös. Ambassadeur ist den 20. passato nach Adrianopel verreist / umb bey dem grossen Herrn und Groß - Vezier Audientz zu haben / und sagt man / daß er die Ehre haben werde / umb auff der Sopha zu sitzen / so sein Antecessor Mons. de Quilleragues nicht erhalten hat; vor seiner Abreiß hatte er bey dem Caimacan Audientz / worinnen er sich über einige Insolentien / so die Türckische Schiffe unterm Commando deß (Den Frantzös. Ambassadeur beschiebt alle Satisfaction.) Capitain Baba Hassan gegen etliche Frantzösische verübet / beklaget / weßhalben man auch alsobald einige Türcken umb besagtem Ambassadeur Satisfaction zu geben / in Ketten geschlossen hat / und man nun deßhalben fernere Ordre von der Pforten erwartet. Indessen ist besagter Schiffs - Capitain Baba Hassan am Bord deß Frantz. Ritters de Mene gewesen / umb solche verübte Insolentien der Türcke̅ zu entschuldige̅ / so wird auch berichtet / daß in allen Türck. Häfen Ordre ertheilt worden / umb die Befehle / fo der Türck. Käyser in favor der Frantzosen außgehen lassen / zu exequiren. Allhier ist ein Geschrey erschollen / als ob wir mit dem König in Persien Ungelegenheit haben würden / indessen aber schreibt der Bassa von Bagdat, daß man sich dessen gantz nicht zu besorgen habe. Sonsten thut die Pforte alles / was sie nur kan / umb die neue Werbungen vor Ungarn und Morea / jedoch mit geringem Success fortzusetzen. So viel aus Constantinopel.

Das dritte Capittel
[arrow up]

Haltet in sich / was im Römischen Reich hin und wieder passirt ist. (Röm. Reichs Geschichten.) AUs dem Ober - Sächsischem Cräyß hat man von der Churfürstl. Brandenburg. Residentz-Stadt Berlin / daß Ihro Churfl. Durchl. von Potzdam auffgebrochen / und den 16. diß wieder zu besagten Berlin (Ober-Sächfischer Cräyß.) angelangt seye / bey welcher der Hr. Amts-Rath und Gen. Quartiermeister rapport gethan / wie er nehmlichen mit einem gewissen Kauffmann in Wien einen Accord gemacht / daß derselbe Magazinen aufrichten / und allenthalben / woselbsten unsere Armee in Ungarn zu stehen kom̅e / es seye an welchen Orthen es wolle / dieselbe mit Korn / Heu / Stroh / Brod / Mehl / Zweyback und Geträncke vor einen gewissen Preiß die gantze Campagne durch versehen / und [238] verpflegen soll / wovor ihm alle Monat der Kosten in baarem Geld richtig und ungesäumbt bezahlt werden solle. Alle Feuerwercker seynd nach Wien vorangangen / umb daselbst die zur Artilleri gehörige Granaten / Bomben / (Chur-Brandenburgische Geschichten.) und dergleichen zu verfertigen. Unsere Infanteri ist blau / die Artilleri braun / und die Cavalleri / sowohl Reuther als Dragoner mit ledern Gollern bekleidet / 2. Soldaten bekommen eine Zellt / und 1. Strosack; was die Mondirung der Officirer angehet / ist kaum zu beschreiben / wie pompoß und überaus (Außrüstung der Officier zum Vngarischen Marsch.) magnific sich selbige außrüsten. Die Generals / Obristen / und andere haben lauter silberne Pferd - Geschirr. Die Ober - Officirer der Granadirer haben an ihren Taschen gantz silbernes Blech / die Unter-Officirer aber versilbertes Messing / und die gemeine Messinge. Die Servise seynd überaus kostbahr / und trachtet je einer den andern darinn zu übertreffen / in dem etliche sie gar von Augspurg und andern Orthen bringen lassen; der Hr. General Schönick / weil er unpaß / soll von den Maul-Eseln getragen werden. Er hat bey 300. Pferdte und etliche 30. Rüstwägen: Es soll seine Equipage bey 3000. Rthl. kosten. Den 8. ist die Artilleri als zwey zwölffpfündige / zwey 6. pfündige / sechs 3. pfündige Stück / 4. Böller / 2. Haubitzen / nebst den gehörigen Kugel- und Rüstwägen vor das Leipziger Thor in eine schöne (Die Artilleri wird nach dem Rendevous nach Crossen geführt.) fronte gestellt worden. Den 17. ist besagte Artilleri in folgender Ordnung auff das assignirte Rendezvous durch diese Stadt nach Crossen marchirt. Erstlich ritte der Brücken-Meister / deme folgeten seine Gesellen / und Handlanger zu Fuß mit ihren Aexten / darauff kam die Wacht / ohngefähr 50. Mann vom Baarfusischen Regiment / hierauff der Hnn. Officirer Handpferde: Erstlich giengen 2. Furier - Schützen / nach diesen ritte der (Zug-Ordnung.) Paucker / so ein Mohr / dessen possirliche Minen und Habit lustig zu sehen war / welchen die Hnn. Officirer solgeten: als nemblich der Hr. Obrist-Leutenant Bertram, Hr. Ober-Feld-Zeugmeister Weyler / ein Hauptmann / ein Leutenant / 2. Stückfendrich / ein Ingenieur, ein Zeugwarter / ein Zeugschreiber / und ein Feuer-Werckmeister / diesen folgeten 10. Feuerwercker / ein Petardirer / 2. Corporale / alle zu Pferd und gleich muntirt / mit Mußquetonner an der Seiten. Hierauff kamen die Stücke mit ihren Constablern / und Handlangern / auff einem jeden Stück war ein Zelt auffgebunden / deren sich die Leuthe im Feld bedienen sollen / es können unter jeder Zelt 4. Mann ligen / und solcher seynd 1600. mit fortgeschickt worden; Nach den Stücken die Böller und Haubitzen mit ihren gehörigen Affuiten / Hebzeugen / wie auch den grossen Armbrust / woraus man mit sonderlichem Vortheil 3. und mehr 3. pfündige Granaten / bey 100. Schritt schissen kan: Ein Feldschmied: hierauff folgten die Rüst und Bagage-Wägen: nach diesen ritte der Feld [239] becker in seiner weissen Becker-Schürtze / dem 3. seiner Gesellen in gleichem Habit folgten / hernach die Kugelwägen: hierauff ein Tambour zu Pferd / so den Dragonermarsch schluge / deme die Pulverkarren / und wieder ein Tambour / wie der vorige folgte / den Beschluß machte wieder ein Wachte von ohngefähr 50. Mann / Se. Churfl. Durchl. nebst der gantzen gnädigsten Herrschafft sahen aus dero Gemach diß mit an: der Hr Ober-Feld-Zeugmeister von Weyler war in grosser Gefahr / weil sein Pferd zu kollern anfieng / und halsbrechende Sprünge mit ihm that / doch hielt er sich so wohl / daß er fest fitzen blieb / und ihn das Pferd nicht vermochte herab zu werffen / biß es selbst gantz mattloß mit ihm über ein hauffen fiel / und also todt ligen blieb / er aber ohne Schaden ihm ein anders Pferd bringen ließ / und seiner Ordnung folgte / dieser Schade ist von Sr. Churfl. Durchl. wie sie es vernommen / mit 2. andern schönen Pferden ersetzt worden. Den 18. darauff marschirte ebenfals die Guarde / ein außerlesenes wohlmontirtes Volck / die Piquenirer haben eine Feder / eine Pistol / und ein klein Handbeil im Gürtel stecken; Den 19. gieng deß General Lieutenants von Schöning Bagage forte Den 20. deß Grafen von Donau / alles sehr prächtig und kostbahr. (Außführlicher Bericht von mufterung der Chur-Brandendurgisch. Armee so Jh. Käys. Maj. in Vngarn wider den Erbfeind zu hülff geschicket worden.) Den 22. folgten Ihro Churfl. Durchl. nebst der gantzen hohen Herrschafft / worauff die Musterung der Armee / so selbige Ihro Käys. Majest. in Ungarn wider den Erbfeind zu hülff schicken / den 27. diß vollzogen worden / worbey viel denckwürdige Dinge passirt: ungefähr umb 8. Uhr Morgens begaben sich Se. Churfl. Durchl. in Begleitung vieler Fürstl. Persohnen / aller außwärtigen Ministrorum und Abgesandten / wie auch der gantzen Hoffstatt nach dem Ort / allwo die Armee in einer schönen Vatallie gestellt ware / welches ein Meilwegs von Crossen / und anderthalb Meilen auff der Schlesischen Gräntzen gelegen / Se. Churfl. Durchl. fuhren zwar nebst dero Churfl. Gemahlin in einer offnen Calesche hinaus / als sie aber zur Armee naheten / begaben sie sich zu Pferd / und ritten die gantze Linien / so ohngefähr eine halbe Teutsche Meil sich erstreckete vorbey / mit einer allgemeinen grossen Freude der gantzen Armee / als dieselbe ihren Vatter (wie ihn die Soldatesca nennet) mit einem so Majestätischen und Martialischem Wesen im 67 sten Jahr seines Alters zu Pferd sitzen sahe / daß den meisten vor Freuden die Augen übergiengen. Als Se. Churfürstl. Durchl. 2. mahl die Linie passirt war / und alles wohl considerirt hatte / verfügten sie sich nach der Artillerie / welche ebenmässig in einer schönen Ordnung fast in der Mitte der Linie gestellet war / und liessen die Brandenburg. und Reichslösunge zu erst von dem Geschütz / und dann von der gantzen Armee geben / nachgehends liessen sie Hrn. Graffen Schaffgotsch / welcher nebst den Grafen Prößkon / [240] Graf Dünewald / und Baron von Berßdorff von wegen Ihr. Käyserl. Maj. sich dabey eingefunden / einige rare Feuerwerck sehen / worunter man einige Granaten / so ungemein weit geworffen wurden / wie auch gewisse Brandkugeln / welche nicht außzulöschen waren / ungeachtet man gantze Fässer Wasser darauff goß / und viel Erde darauff schüttete / admittirte / hierauff begaben sich Ihr. Churfl. Durchl. nebst dero Illustren Gesellschafft an die Tafel / und liessen alle Anwesende / welche sehr freudig und vergnügt waren ein so schönes Volck gesehen zu haben / sehr herrlich und magnificq tractiren. Nach g???endigter Tafel begaben sich Se. Churfürstl. Durchl. in ein an der Gezellt / liessen daselbst alle Generals-Persohnen / und commandirende Officirer vor sich kom̅en / und redeten dieselbe dieses ungefährlichen Innhalts (Der Churfürst hält ein schöne Red an die Officiers.) an: Daß nemblich Se. Churfürstl. Durchl. sie erwählet hätten / ihnen die durch Gottes Beystand erworbene Glorie ihrer Waffen zu Dienst Ihr. Käyserl. Maj. wider den Erbfeind anzuvertrauen / sie wüsten alle / daß ihre Waffen / ohne eitlen Ruhm einen Nahmen und Reputation in der Welt hätten / und trügen Se. Churfürstl. Durchl. das Vertrauen zu ihnen / sie würden nichts thun / was dieselbe einiger massen beflecken könte / dann sie ihrer Tapfferkeit und bravoure versichert / und dann in so viel schönen Actionen ein Zeuge wären: sie recommendirten ihnen insonderheit die Einigkeit / und wolten / daß durchaus keine Jalousie und Zwytracht / als welche insgemein mehr Schaden verursachten als wann die feindliche Waffen unter ihnen wären; sie wolten indessen / ob sie gleich nicht mit dem Leibe bey ihnen / jedoch mit dem Gemüth gegenwärtig seyn / und vor sie alle sorgen / damit ihnen nichts mangelte / und hätten Ordre gestellet / daß denen Officirern ihr vollkommener Sold / denen gemeinen aber / ausser der vollständigen Verpflegung / einem Reuther anderthalb Rthlr. und einem Fußknecht 1. Rthlr. an Geld monathlich richtig / ohne Abgang der Kleider-Gelder bezahlt werden solte; sie recommendirten ihnen darneben / gute und scharffe Ordre zu halten / und deß Landmanns auch deß Getraidigs auff dem Feld zu schonen / wie auch alle Vorsichtigkeit zu gebrauchen / daß durch ihre schuld keine Feuersbrunst entstünde / sondern möglichster massen verhütet würde: solten sie allzeit ihre Devoir, und die wahre Glorie vor Augen haben: wann solches / wie sie nicht zweiffelten / geschehen würde / solten sie sich alle ihrer beständigen Gnade und Affection, wie auch einer genereusen und redlichen (Welche Hr. General Schö???ing in aller Vn) Vergeltung versichert halten. Der General-Lieutenant Schöning / welchem Se. Churfl. Durchl. das Commando gegeben / antwortete hierauff mit einer kurtzen / aber wohl gefasseten Soldaten Rede / daß nemblich sie allerseits Sr. Churfürstl. Durchl. dancketen / vor das gnädigste Vertrauen / [241] so dieselbe zu sie hätten / und vor die Ehre / so sie ihnen thäten / sie zu dieser glorieusen Expedition zu gebrauchen / sie wären alle bereit in einer so gerechten Sache / und vor die Ehre und Reputation ihrer Waffen ihr Blut (terthänigkeit beantwortet.) mit Freuden zu vergiessen / und das Leben auffzuopffern / dessen Se. Churfl. Durchl. festiglich könten versichert seyn: was Se. Churfl. Durchl. wegen ihres Unterhalts gedacht / daraus erkenneten sie mit unterthänigstem Danck ihre gnädigste und Vätterliche Vorsorge: sie hätten sie jederzeit so genereus und wohl tractirt / daß sie deßhalben nicht wären bekümmert gewesen. An Haltung guter und scharffer Ordre solte es auch nicht ermanglen / und gleichwie sie alle bey so vielen Occasionen ihre Treue fignalirt hätten / als verspreche er nochmahln vor sich und in ihrer aller Nahmen / daß sie ferner als redliche Leuthe thun / und sich als tapfere Soldaten eines so mächtigen Potentaten und genereusen Herrn verhalten wolten. (Die Officirs werden zum Handkuß ad mittirt und folgends entlassen.) Se. Churfürstl. Durchl. verstatteten darauff alle Officirer zum Hand-Kuß / und sageten ihnen ein t???ndre Adjeu, wie solches vollbracht / liessen sie sich vor den Gezellt tragen / und gaben Ordre / daß die Armee nochmahln vorbey filiren muste / damit sie dieselbe in allen ihren Gliedern confideriren könten / da dann alle insgemein / so zugegen und insonderheit die Frembden / öffentlich bekant / und außgeruffen / daß sie die Tage ihres Lebens keine schönere / und in allen Stücken besser muntirte / auch mit so guter Equippage versehene Mannschafft gesehen hätten / dergestalt / daß auch kein Soldat war / der nicht seine Augen auff Se. Churfürstl. Durchl. richtete / und aus dessen Augen nicht eine Begierde zum fechten hervorblicken liesse. Nachdem nun alles gethan / und Se. Churfürstl. Durchl. auff solche Art ihre brave Soldaten congedyret hatten / kehreten sie wieder anhero / und ward also diese Reveve mit der höchsten Vergnügung aller Anwesenden geschlossen. Die (Sinn-Bild??? der Leib-Standa ten von der Chur-Brondenb. Armee.) Leib-Standarten / so diese Völcker in Ungarn mit sich nehmen führen nachfolgende Sinnbilder: und zwar die erste einen Berg / der brennet / und würft Flammen / Steine und Schwefel von sich mit beygefügtem Symbolo. Innata virtute: die andere Creutz und Schwerd werden vom Adler geführet / mit dieser Uberschrifft: Christo Duce prospera bella: die 3. das Chur-Scepter mit etlichen von sich schissenden Blitzstrahlen / addito lemmate: Hostes terret, sed fulcit amicos; die 4. eine Wolcke überzeucht den halben Mond / mit beygefügter Inscription: Minuet tibi nubila lumen; die 5. eine Fackel zündet einen Türckischen Bund an / mit der Uberschrifft: Non est Jucundior ignis; und die 6. eine Hand zeucht umb den Säbel einen Circul. Addito lemmate: Justissimus arma secundet. Sobald wie oben erwehnet die General-Musterung [242] ihre Endschafft erreichet / haben die Chur-Brandenb. Völcker ihren Marsch über Schlesien nacher Ungarn angetretten. (Sächsische Geschichten.) Von Dreßden aus der Churfl. Residentz-Stadt in Sachsen hat man / daß den 17. die Musterung selbiger Infanterie / so J. Käys. Maj. zu hülff nach Ungarn destinirt / bey Freyberg vorbey gegangen / dan̅ den 19. darauff die Reveve von selbiger Cavalleri bey Stolpe gehalten worden sey. Worauff die sämbtliche Völcker ihren Marsch nacher Ungarn fortgesetzet haben. (Das schöne Kloster Roßleben gehet im Rauch auff wie auch Langenfeld und groß Rude-Stadt) Aus Thüringen wird berichtet / daß am Charfreytag / das schöne Closter Roßleben / so wegen der Schulen allda sehr berühmt gewesen / durch eine unversehene Feuersbrunst gäntzlich eingeäschert worden / niemand weiß / wie es außkommen. Es lieget in der Herrschafft Werthern unweit Wihe / und wenig Meilen von Erfurt. Ferners ist am ersten H. Ostertag der schöne Flecken Langenfeld ohnweit Mühlhausen biß auf 15 Häuser gäntzlich abgebrandt / und darüber 4. Persohnen / auch 200. stück Schafe / ungeachtet das Feuer Abends umb 4. Uhr außkommen / jämmerlich verdorben / wie es eigentlich sich entzündet weiß man an̅och nicht / doch wollen einige die Schuld auff die allda ligende Soldaten / so in einem Hofe geschossen haben solten / andere aber auff den Schäfer / so durch das Taback trincken Feuer in das Stroh habe fallen lassen / werffen. So ist auch den 25. zu grossen Rudestädt einem Fürstl. Sächs. Eisenachischem Ambt / anderthalb Meilen von Erfurth / dardurch ein grosser Brand entstanden / daß etliche Knaben mit Schlüsselbüchsen geschossen / darüber innerhalb 1. Stunden 30. wohlgebaute Häuser / viel Scheuern / deren theils noch mit Geträyde angefüllet gewesen / ingleichem viele Ställe und Viehe verlohrn gangen / das Ambthauß und Kirche seynd zwar gerettet / die Schule aber und der Kirchthurn / so viel das Holtzwerck belanget / eingeäschert / 2. von den Knaben seynd gefangen gesetzt / und werden vermuthlich nechstens nacher Eisenach abgeholet werden. Der Schad wird auff etlich 1000. Rthlr. geschätzet. (Fränckischen Cräyses Geschichten.) Vom Fränck. Cräyß hat man anders nichts / als daß den 1. diß zu Nachts deß Hn. Marggraffen zu Onoltzbach Hochst. Durchl. an denen Kindsblattern zeitlichen Tods verblichen seyn. (Westphäl. Cräyses Geschichten.) Von Westphalischem Cräyß bringen Brieff von der Stadt Cölln / daß den 3. der Hr. Graff Ferdinand von Fürstenberg / so die Stelle seines Bruders deß verstorbenen Printzen von Murbach hat / als Obrist Hoffmeister und erster Minister am Chur-Cöllnischen Hof empfangen worden seye: den 4. seynd 100. Mann Käys. Recrouten diese Stadt vorbey nach Ungarn marschirt / dahin auch täglich viel wackere Herren / umb gegen die Türcken zu dienen gehen. Der Hr. Graff von Thaun / welcher Nahmens [243] Ihro Käys. Maj. wieder als Ambassad. nacher dem Königl. Engellis. Hoff gehet / ist vor etlichen Tagen allhier angelangt / welchen unser Magistrat mit Wein beschenckt hat. Man sagt / ob hätte besagter Graff Nahmens Käys. Majest. von hiesiger Stadt einige Geldhülffe wider die Türcken begehrt; er hat bereits seine Reise nacher Londen fortgesetzet. Den 29. Martii zwischen (Das Franciscaner Kloster zu Recklinghausen bre???et a???.) 12. und 1. Uhr Nachmittag ist das Franciscaner-Closter zu Recklinghausen durch eine unversehene Feuersbrunst innerhalb 6. Stunden sambt Kirchen und Schulen / nebst 108. dabey stehenden Häusern und Wohnungen und allen Mobilien und Haußrath verbrandt. Den erstbemeldten Käyserl. Recrouten seynd den 8. ein gute Anzahl Ingenieurs unter Begleitung deß Käys. Gen. Commendanten der Minirer Hn. Libert von hier nach Ungarn gefolget. Im Güllich- und Bergischen werden die Pfaltz-Neuburg. Recrouten-Werbungen vor die Regimenter / so bey jüngster Campagne den meisten Schaden gelitten / mit gutem Success fortgesetzet. Indessen hat sich der Landtag zu Düsseldorff g???endiget / und ist der Chur-Printz zu Pfaltz den 17. bereits (Zu Cöllen wird deß Güllichs Behausung rasirt.) gegen Wien abgereist / umb dero Gemahlin die Ertz-Hertzogin von Oesterreich abzuhohlen / sonsten ist im Sachen der ehdessen hier entstandenen Revolta diesen Monat wenig passirt / ausser daß deß enthaupteten Güllichs schöne Behausung völlig rasirt worden ist. Aus dem Nider-Sächsischem Cräyß melden Schreiben aus den Lüneburgischen (Nider-Sächsischen Cräyses Geschichten.) / daß der Hertzog von Zell die Action dero Abgesandtens Marenholtz zu Wien gegen die Hnn. Schaffhausen und Müller / als Hamburgische Deputirte sehr übel deute; Entzwischen werden an selbigem Hoff die Conferentien mit den daselbst anwesenden Hnn. Gesandten wegen der (Der Pertzos von Zell haltet verschiedene Conferentien wegen der Hamburgischen Differentien.) Hamburgischen Differentien ohne unterlaß continuirt / und wird noch immer in dieser Sach ein Accommodament verhoffet. Aus Italien hat man / daß Ihro Hochfürstl. Durchl. der regirende Hertzog von Hannover mit einem Theil seiner Hoffstatt nach Rom gangen / woselbsten sie einige Zeit sich divertiren werden / dörffte also Sr. Durchl. Retour nach dero Erblande sich biß auff den Herbst verziehen. Man beginnet dieser Orthen von neuen Aufflagen zu reden / wie dann jetzo über die Quaestion quo modo deliberirt wird. Die starcke Nach???röste ruiniren die Baumfrüchte / hergegen ist der Göttliche Seegen ausm Feld mit Lust und Freuden anzusehen. Es wird ehister Tagen ein Minister von hier nach Leipzig gehen / weiln daselbsten auch anderer hohen Potentaten Ministri erwartet werden / insonderheit Chur-Sachsen / Brandenburg / Cassel / Cölln sc. umb wegen der Müntz ein gewisses Reglement zu schliessen.
|| [244]
Von Hamburg komt neues / daß auff Ankunfft deß Käyserl. Herrn Gesandtens Grafen Herwardt zu Zell die Sach mit selbiger Stadt so weit gekommen / daß die Lüneburgische Trouppen den 13. frühe umb 3. Uhr sich (Hamburg. Geschichten.) mit Sack und Pack aus Bergedorff / und den 4. Landen wieder über die Elbe sich nach Hauß erhoben haben / ingleichem haben sie auch das Ochsenwerder (Die Lüneb. quittiren die Hamburg. 4. Landen behalten aber den Zollen. Spicker besetzet.) quittirt / den Zollenspicker aber / und bunde Hauß / welches sie überaus wohl forcificirt / annoch in Possession behalten / und sollen resolvirt seyn / bey dero Quittirung selbige / wie auch alle übrige Schantzen totaliter zu demoliren. Die Hamburgische Militz hat nun von allen denen verlassenen Landen wieder Possession genommen. Den 17. ist ausser der Stadt Hamburg nahe fürm Thor am Wallgraben / auff der so genanten Sr. Georgius Weyde ein grausamer Mord beschehen / indeme ein Leinewebers Jung von 18. Jahren einen kleinen Knaben von 9. Jahren die Gurgel elendiglich abgeschnitten / nebst diesem hat nit weit von besagter Stadt auff Dähnischer Jurisdiction eine Magd ihrer Halb-Schwester einem Kind von anderthalb Jahren die Gurgel im freyen Feld abgeschnitten / so auch gleich auff der That ertappet worden ist. (Lübeckische Geschichten.) Aus Lübeck hat man / daß den 3. deß Königlichen Dähnischen Residen Herrn Paulsen sein Stieff-Sohn / Mons. von Hatten mit einem Gefolg von 20. Trauer-Carossen ins Holsten Thor hereingebracht / die 4. Pferde vor dem Leichwagen waren biß an die Erden mit schwartzen Tuch (Deß Königl. Däbnischen Residenten Stieff-Sohn wird zur Erden bestattet.) überzogen / deßgleichen der Sarg schwartz mit einem weissen Creutz / und an jeder Seite 3. Wappen / die 4. Zippeln von dem Lacken wurden von 4. Persohnen getragen / und wurd also unter Glockengeleut / und Brennung 12. Fackeln / wie auch einen grossen Gefolg der Bürger umb halb 8. Uhr zum Thum beerdiget. Im übrigen befinden sich Königl. Dähnische / Schwedische / Lüneburg. und Mecklenburg. Gesandten in dieser Stadt / umb wegen einer gewissen hochwichtigen Sach etwas zu tractiren.

Das vierdte Capitel
[arrow up]

Meldet von Königl. Frantzösisch-Spannisch- und Portugesischen Begebenheiten. (Königliche Frantzösis. Geschichten.) MIt Brieffen aus Pariß verlautet / daß nachdem die alte verwittibte Thurfúrstin von Pfaltz zu Heydelberg gestorben / der Frantzösische Minister alldorten alle Güter und Mobilien / so bey ihrem Hoff be [245] findlich gewesen / und sich über ein Million belauffen soll / verarrestiret habe. Brieff von Genua melden / daß die instantien, welche unser Envoye alldar wegen Abschaffung der Zölle / so seithero 4. Jahren auff die Frantzösische Weine gestellet worden / biß dato noch vergebens gewesen seynd. Der Bischoff von Chartres ist blind / taub / und stumm / der Ertz-Bischoff von Rouan aber ist gantz kindisch geworden; und der Ertz-Bischoff von Alby ligt in denen letzten Zügen. Der Herr Chevalier Colbert ist per posta nacher Provence verreist / umb sein Schiff zu commandiren / welches unter deß Hertzogs von Mortemar See-Armada ist. Brieffe von Marsilien confirmiren, (Die Algierer lauffen mit 30. Kriegsschiffen in die See.) daß die Algierer mit 30. Schiffen starck in See gelauffen seynd / und dörfften wohl mit denen Holländern den Frieden brechen. Von Livorno hat man / daß daselbsten 1200. Casaquen vor die Soldaten / wie auch Feuerwercke / Carcassen / Bomben / und Canonen / umb mit ihren Officiers eingeschiffet zu werden / verfertiget würden / umb folglich nach der Venetianischen Armada zu seglen / und sich mit dieser zu conjungiren. Den 3. nahm der König eine Purgation ein / und sahe selbigen Tags die Dames von dem Carousel mit ihren Cavaliers vergesellschafftet aus dem Fenster vorbey passiren. Der Arrest auff die Spannische Güter in Niederlanden continuiret noch (Zu Pariß wird deß Königs neu. auffgerichter Statue sebr grosse Ehr erwiesen.) immer fort. Der Ort in dieser Stadt Pariß / woselbst die Abbildung deß Königs / so der Hertzog de Fervillade auffrichten lassen / gestellt ist / ist geöffnet worden: Besagter Hertzog ritte vor seiner Regiment-Guarde voran / und als er an den Ort / woselbst die Statue auffgericht war / gekommen / grüssete er dieselbe mit seiner Pickque / worinn ihm alle Officierer folgeten: nach der Guarder erzeigte sich der Herr de Crequy, Gouverneur dieser Stadt mit dem Provost der Kauffleuten / welcher eine Ansprach thät / indessen wurden unterschiedliche Medaillen von Gold / Silber und Kupffer unter die Umbstehende aus getheilet / so wurde auch eine prächtige Mahlzeit auff dem Rathhauß gehalten / worauff viel Freudenfeuer angesteckt / und ein grosses zuruffen von Vive le Roy gehöret worden. Mons. und Madame la Dauphine waren ebenfalls / umb dieses zu sehen / von Versailles expresse anhero kommen / und giengen deß Nachts umb II. Uhr erst wiederumb zurück. Man hat einen Courrier nacher Madritt an Mons. Patouller, wegen der Negotien Interesse geschickt; und solle Mons. Patouller ehistens wieder nacher Hauß kehren / wann er keine positivè Antwort zur Satisfaction der Negotianten oder Handelsleuten bekommet. Der König will haben / daß die Restitution deß Gelds / so zu Corunnes denen Kauffleuten von Rissel angehalten worden / nicht durch Handen deß Päbstlichen Nuntii in Spannien / sondern aus Befehl deß Königs in Span [246] nien beschehen solle. Der Herr Bischoff von Straßburg ist mit drey schönen Abbteyen in Flandern vom König versehen worden. Zu Sr. Malo ist (Hr. Bischoff von Straßburg wird mit 3. nenen Abbteyen in Flandern verseben.) die See-Equippage auff 45. Kriegsschiffe vergrössert. Der Cardinal de Boullon ist von Avignon verreist / umb sich nach seiner Abbtey von Clugny zu begeben. Hiesiger Hof wird wegen Absterben der alten verwittibten Churfürstin zu Pfaltz / als Murter von Madame d’Orleans die Trauer anlegen. Madame la Dauphine ist dieser Tagen etwas unpäßlich gewesen / befindet sich aber wieder besser / und hat sie der König drey oder viermal besuchet. Die Deputirten der Cantons von Zürich und Bern haben die in den Lucerner Thälern wissen lassen / daß sie keinen Succurs von ihren Principalen zu erwarten hätten; unterdessen vernimbt man / daß sie resolvirt seynd / sich gegen die Savoysche Völcker zu defendiren. Unser Ambassadeur im Schweitzerland hat alldar zu wissen gethan / daß der König es vor eine ruptur der Alliantz auffnehmen werde / daferne die Cantons resolvirten / denen Feinden oder Rebellen von seinen Alliirten Fürsten Hülste zu leisten. Man sagt / daß die Schweitzer diesen Sommer 2. Armeen von ihren Völckern machen wolen. (Hr. Graf von Löwenstein wird zum Abbt von Murbach erwählet.) Zum Abbt von Murbach im Elsas hat selbiges Capitel mit Königl. Einwilligung zu solcher Würde den Herrn Grasen von Löwenstein erwählet. Die Hertzogin von Boui lon ist den 25. nach Pontoise verreist / und von dar ferner nach Orleans, umb sich von dem Herrn Gendron dem berühmsten Oculisten in Europa curiren zu lassen. Seine Maj. will diesen Sommer 5. Läger formiren lassen / als eines zu Guyenne, eines in Flandern / eines im Elsas / eines in Burgund / und die Trouppen von deß Königs Hauß sollen in dem Ebenen von Oville campiren, worüber noch 15000. Mann an den Fluß Eure commandirt werden / und daselbst arbeiten sollen. An den Gouverneur zu Casal ist Ordre abgangen / wann die Sache gegen die Protestanten im Savoyschen Lande zu Ende gebracht seyn wird / die Königliche Völcker wieder in ihre vorige Quartier zu senden. Den 8. ist die Gräfin von Roye nacher Dennemarck abgereist / umb ihren Eheherren dorten zu finden / welche ihr Herr Bruder der Marschall de Duras eine Tagreise vergesellschafftet hat. Die Marggräfin von Sr. Remy, der Hertzogin de la Valliere Frau Mutter / ist den II. gestorben. Man sagt / daß die Algierer den Holländischen Consul alldorten wissen lassen / daß den 19. Martii der Frieden / welchen selbige Regierung mit denen General Staaten der vereinigten Niederlanden gemacht hat / vor gebrochen gehalten werden solte. Der Admiral Papachino, der beste Seemann / so dieser Zeit in Spanien ist / hat Ordre erhalten / die Anzahl Schiffe / so selbige Cron diese Campagne in See bringen soll / zu besichtigen / und dem Kriegs-Rath zu Ma [247] dritt davon rapport zu thun. Man ist über die Geneuser auffs neue nicht wohl zu sprechen / weil sie von neuem die Mißgunst gegen Franckreich in verschiedenen Gelegenheiten bezeuget haben. Der Marq. de Courtenvaux, (Verschiedene Frantzös. Marquisen geben als volunteurs in die Ungarische und Polnische Campagne.) ältester Sohn deß Mons. de Louvois, so bereits einige Zeit zu Hamburg gewesen / gehet nach Polen / umb der Campagne daselbst beyzuwohnen / und der Marq. de Sonvray sein Bruder ist zu Wien bereits angekommen / von dannen derselbe ferner in Ungarn gehen wird. Der Marq. de Torsy, Sohn deß Mons. Croissy Colbert befindet sich jetzund ebenfalls zu Wien. Wie man vernimbt / hat unser Ambassad. zu Madritt / Mons. de Feuquieres dem Spannischen Hof / und Mons. de Barillon zu Londen dem König von Engelland declaritt, daß unsers Königs Seeflotte gegen die Gallionen / welche aus Indien kommen / angesehen und destinirt seye / und daß Seine Aller-Christl. Majest. dardurch die Satisfaction, so Spannien abgeschlagen hat / durch repressalien suchen wolle / welche declaration der Hertzog von Estreés zu Rom dem Pabst thun solle: jedoch solle dardurch der Stillstand (Die Stadt Brugge offerins dem König in Spanien mit gewisser Condition 12. Kriegschiff.) keines wegs beunruhiget noch gebrochen werden. Aus Flandern wird geschrieben / daß die von Brügge Sr. Catholischen Majest. angebotten habe / 12. Kriegsschiffe auff ihren Kosten zu bauen / welche Se. Maj. wo sie wollen / gebrauchen solten / daferne Se. Maj. derselben Stadt mit Ausschliessung aller andern werde verwilligen / den Einkauff von der Spannischen groben und feinen Wolle. Weilen man sonst täglich vernimbt / daß viele Protestanten sich aus Franckreich weg / und daß sie sich in abgelegene Häfen und Schiffe begeben / so hat man nun resolvirt / Wachten darbey zu (Der König rühret 1600. Personen / so mit Kröpffen behasstet seyn / an.) stellen / und auff sie Achtung zu haben. Den 13. hat der König die jenige / so mit Kröpffen behafftet gewesen / wohl bey 1600. Personen angerühret. Man sagt / daß der Pater de la Chaise mit Erlaubnuß deß Königs ein Nonnen-Kloster vom Orden Ignatio oder der Jesuiten in der Vorstadt zu Sr. Germain auffrichten werde / und daß die Princessin von Conty die Stiffterin davon seyn solle. Unsere Flotte / so in See lauffen soll / wird / wie man sagt / in 50. Kriegsschiffen / 8. Brandern / 12. Fregatten / und vielem ande-Fahrzeuge bestehen. Brieff von Genff vom 16. dito melden / daß dorten ein Gerüchte lieffe / daß die Protestanten in denen Thälern von Piemont / die Amnestie, welche ihnen durch den Hertzog von Savoyen angebotten worden / angenommen hätten / durch welche ihnen werde zugelassen / aus seinen Landen zu ziehen / und nicht wieder darein zu kommen / so lange sie bey ihrem Glauben bleiben / und daß Se. Königl. Hoheit ihnen einige Zeit hätte vergönnet / umb ihre ligende Güter / Kauffmannschafften / und Viehe / welches sie mit wegführen sollen / zu verkauffen. Der Herr Marschall [248] d’Estié: Vice Admiral von Franckreich ist den 12. dieses von Brest / nebst denen Schiffen / welche zu Rochefort ausgerüstet worden / in See gelauffen / dessen Ordres werden geheim gehalten / die er eher nicht eröffnen darff / bevoren (Der Marschall d’Estree Vice. Adimiral von Franckreich gebet in See.) er zweymal 24. Stunden lang im See gewesen seyn wird. Das Parlament von Grenoble hat 2. Deputirte von Vornehmsten aus ihnen anhero gesandt / umb den König wegen seiner Wiedergenesung zu complimentiren / und glaubt man / daß die andern Parlamenter deßgleichen thun werden. Aus Normandey wird geschrieben / daß fast täglich von den Neubekehrten einige abstürben / ohne das H. Sacrament von der Römischen Kirchen zu empfangen / worauff sich dann zugetragen / daß eine sichere Person Namens Pierre la Vasseur von Boulbeoq auff besagte Weise aus dieser Welt geschieden / welchem die Richter an selbigem Ort den Leib auffschneiden / und das Eingeweyd sambt dem Hertz vor die Hund / den Leichnam aber an einen verächtlichen Ort ins Feld werffen lassen / als aber das Parlament von Rovan hiervon Nachricht erhalten / hat selbiges besagien Richtern Ordre ertheilt / den Leichnam zu begraben / und ihnen den Proceß zu (Ein Schweitzerischer Abgesandter hat bey dem König Audientz.) überlassen. Den 25. dieses hat der Herr d’Estavay, Herr von Mollondin, Rathsherr von dem Canton von Solothurn / und Abgesandter von den 13. Schweitzer-Cantons bey Sr. Königl. Maj. die erste Audientz gehabt / dessen Anbringen aber wird noch in geheim gehalten. Unerachtet das Accommodament mit Spannien richtig / so sollen doch die Spannische Güter in denen Niederlanden so lang noch in Arrest bleiben / biß daß die unsrigen Satisfaction wegen der Sache von Mallaga haben werden. Es wird nun fast eine gantze Gewonheit / daß die Weiber ihre Manner verlassen / wie dann drey derselben von einem ansehnlichen Stand solches in kurtzer Zeit in dieser Stadt gethan / einer aber davon ist Königl. Ordre ertheilt worden / daß sie die Zeit ihres Lebens in dem Kloster Valde Grace zubringen soll. Der Herr de la Chesney, deß Königs Hof-Juncker / empfieng einen Brieff von einem sichern Priester / worinn er vermahnet wurde / sich kurtz zu Verlassung dieser Welt zu proepariren / well seiner Tage gar wenig mehr wären / worauff er auch die nechste Wochen gestorben / und eine betrübte Frau und Kinder hinterlassen / hat / und wird nun unterschiedlich / so wohl von dessen (4. in 500. Renbekehrte / so ihren Gottesdienst auff protestirenbe Weiß in offenem Feld gehalten / werden zer.) Todt / als der Propheceyung deß Priesters geredet. 4. biß 500. von den neulich Bekehrten in Languedoc haben im Feld unweit Payn sich versamblet / und einen gewissen Proponenten zu ihrem Prediger angenommen / welcher vor ihnen geprediget / und denselben das Abendmal gegeben / welche aber verfolget / und einige gefangen gesetzt / so jedoch wiederumb durchgangen seyn / dann die Dragoner / so solche Gefangene verwahren sollen / selbi [249] ge haben lauffen lassen / man hat bey einem solchen Geflüchteten ein Zeichen von Bley gefunden / wovon auff der einen Seiten ein Ancker / auff der andern aber ein Osterlamm stehet / dergleichen Art von Zeichen pflegte einem (streuet / und theils gefäuglich angenommen.) jeden / welcher examinirt / und sein Bekantnuß der protestantischen Religion in Franckreich gethan / gegeben / und alsdann zu communiciren zugelassen werden / solcher Zeichen hat man bey einem bekehrten Proedicanten einen gantzen Sack voll gefunden. Von Lissabon wird geschrieben / daß daselbst zwey Ambassadeur aus Siam arrivirt / welche anhero kommen wolten / um eine ewige Alliantz mit unserm König zu machen / und assistenz gegen ihre Feinde zu suchen / sie bringen auch grosse und considerable Proesenten vor den König mit. Ein sicherer Doctor Medicinae hat vor etlich Tagen umb einer gar liederlichen Ursach wegen einem seiner Mit-Collegen eine Maulschelle gegeben / und solches in einer offentlichen Versamblung / weßhalben er durch die Schärpffe deß Königs Rechts / welche solche Frevelthat in dem Reich verbietet / dahin condemnirt worden / daß er den Beleidigten blossen Haupts um Verzeyhung bitten müssen / in Gegenwart eines Proesidenten au Mortier, zwey Rathsherren von Hof / einem Notatio, seinen Procureur, und einer gewissen Anzahl Doctoren / so der Beleidigte darzu erwählen mag. Nachdem der König den 20. sich etwas auff der Jagd divertirt, ist (Der König wird etwas unpäßlich.) derselbe darauff genöthiget worden / 2. biß 3. Tag das Bett zu hüten / und ist aus der Wunden materie kommen / nachdem man eine incisie gemacht / und eine cantere an dieselbe applicirt, die Herren Medici sagen aber / daß keine absonderliche Gefahr zu besorgen seye / doch dörffte zu wieder Erlangung der vollkommenen Gesundheit etwas Zeit erfordert werden. Aus Languedock (In Languebock wollen die Reubekehrte nicht zur Beicht noch Communion gehen.) wird geschrieben / daß die Neubekehrte daselbst auff das Osterfest nicht haben zur Beicht und Communion gehen wollen / weßhalben der Intendant / umb sie darzu zu verpflichten / allen Müllern und Beckern verbotten habe / kein Korn vor dieselbe zu mahlen / oder Brod zu backen / es sey dann / daß sie einen glaubhafften Schein vorzeigten / daß sie gebeichtet und communicirt hätten / und wird daselbst wiederumb ein Regiment Dragoner erwartet / umb die jenige / so nicht zur Messe gehen wollen / darzu zu zwingen / so soll auch der Intendant daselbst 400. Zellen oder Gewölber in dem Castell von Saumieres gemacht haben / umb die Weibs-personen / so nicht zur Communion gehen wollen / darein zu sperren / und werden die Männer / so sich dessen weigern / auff die Galleren gesandt.
|| [250]
Von dem Königlichen Spannischen Hof aus Madritt wird geschrieben / daß das Engelische Schiff / welches die 800. Neapolitanische Soldaten oder reuende Pantiten auffgehabt / zu Cadix angelangt / und soll seine (Königliche Spannische Geschichten.) Reiß nach Flandern fortsetzen. Das Armament / so zu Cadix verfertigt worden / umb denen Gallionen entgegen zu gehen / wird nun ausgeloffen seyn / und bestehet in 16. Kriegsschiffen. Der Holländische Ambassadeur (Der Holländische Ambassadeur thut öfftere instantien wegen der Subsidien, so man selbiger Admiralität seit letztem Krieg schuldig verblieben.) hält noch immer an / daß die Subsidien, welche diese Cron von dem letzten Krieg hero der Holländischen Admiralität noch schuldig ist / möchten bezahlet werden. Der Marq. Don Marco Antonio, gewesener Genuesischer Extraordinari Envoyé nebst Don Alexander Grimaldo ist den 27. von hier verreist / umb über Franckreich nach seinem Vatterland zuruck zu gehen. Der Baron d’Autel ist / weilen er das jenige / so er bey Hof gesucht / nicht bekommen hat / allhier geblieben. Man sagt / ob dörffte der Graf von Palma wohl General-Commissarius von der Militze werden. Uber die 14. Algierische Raubschiffe / von welchen man vor 10. à 12. Tagen Zeitung empfangen hat / daß solche nahe bey der Strasse passiret seynd / und 4. Holländische (Einige Algierische Randschiff nehmen 4. Holländische weg.) Schiff weggenommen haben / hat man mit jüngstern Brieffen von Cadix / daß noch 4. von denenselben sich bey Caep von St. Vincent auffhalten. Das Decret wegen der Reforme von deß Königs Hauß ist nun publicirt worden / wordurch der König jährlich 12. à 13. Millionen erspahren kan. Aus Indien hat man Zeitung / daß daselbst in einem gewissen Hafen ein Schiff / so Frantzösische Flaggen geführt / gewesen seye / und dessen Tieffung ergründet habe. Wiewol man das arrestirte Schiff zu Corogne wieder frey gegeben hat / so besorget man dahier doch / daß man mit Franckreich einige Händel bekommen möchte / umb desto mehr / weilen man von Cadix schreibet / daß die Frantzosen alle ihre Güter von dan̅en weg bringen lassen / dergleichen auch von ihnen in allen andern Spannischen Seehäfen beschiehet: Derohalben man von hiesigem Hof neue Ordres gegeben hat / umb unsere Schiff eyligst auszurüsten. In dieser Woche ist in deß Königs Rath wegen deß puncti von dem Zehenden der Kirchlichen Einkünfften zum Succurs von Ih. Käys. Maj. gerathschlaget worden / worgegen sich aber die Geistliche hart setzen / ob es nun erfolgen werde oder nicht / lehret die Zeit. Von Cadix schreibet man über obiges / daß die Frantzosen etlich 100. Meilen von Porto Velo in neu Spannien solten posto gefasset haben / ob deme also / stehet künfftig zu vernehmen. So fern die Fregatten / welche in Holland gemacht werden / zeitlich gnug anhero kommen / wird man 19. Kriegschiff und 2. Brander künfftigen Monat in See bringen / umb auff die Gallionen zu passen. Die Flotte der Gallionen ist im [251] St. Cruis, in der Insul von Madera / 5. Tagreiß ferne / von Cadix angelangt / und hofft man / sie werden ehister Tagen nacher Cadix glücklich ankommen. (Die Spannische Flotta der Gallionen langt glücklich in der Insul Madera an.) Den 15. dito hat die Gräfin von Soissons nebst ihrem Sohn dem Printz Eugenio von Savoyen bey Sr. Catholischen Maj. Audientz gehabt / zu welcher sie aus ihrem Logament durch 3. Königl. Kutschen eingeholet worden seynd. Den 16. dito ist besagter Printz zum Grand d’Espagne gemacht worden / deß andern Tags ist er nacher Barcelone abgereist / umb daselbst zu Schiff zu sitzen / und nacher Genua / und von dannen ferners über Venedig nacher Ungarn zu gehen.

Das fünffte Capittel
[arrow up]

Begreiffet die Königl. Engel-Schott- und Irrländische Geschichten. (Engelländlsche Geschichten.) VOn Londen aus Engelland melden Schreiben / daß den 5. selbiger Stadt Aldermann nebst 3. à 4. Sherifs sich nach der Lymestraß begeben / umb einigen Arbeitsleuten / die beschäfftiget waren / eine Capelle (Catholische erhalten eine Capell vom König in Engelland: werden unter währendem Gottesdienst von 200. Lehrjungen attaquirt / und der Priester verjagt.) vor die Röm. Catholischen zu machen / das Werck zu verbieten: Es haben aber die Arbeitsleut erwiesen / daß dieser Bau mit Verwilligung deß Königs vorgenommen worden / worauff diese sich zur Ruh begeben haben / und den Kirchbau fortführen lassen / der nunmehr so weit zur perfection gelangt / daß den 21. die erste Meß darinn celebrirt worden ist / worbey die Römische in grosser Menge erschienen / und alles glücklich zugangen / aber den folgenden Sonntag als den 28. dito / als besagte Catholische abermal dahin zur Meß giengen / haben sich die Lehrjunge in 200. starck zusammen rottirt / in der Kirchen einen grossen Tumult angefangen / und den Priester in währender Meß verjagt / und biß in Cheapside verfolgt / so aber durch den Trambant gestillet / und von den Lehrjungen einige gefangen genommen worden. Den 7. seynd allhier verschiedene Juden getauffet worden. Der König hat den Sr. Thomas Grantham vor seine gethane Diensten in Ost-Indien mit einer güldenen Ketten und Bildnuß regalirt. Uber die 400000. Pfund Sterlins / welche zum Unterhalt der Flotte destinirt seynd / hat der König 600000. vor das Läger geschickt. Der Obrist Rumsey solle nach der Insul St. Niclas bey Pleymuyden geführt werden / umb alldar / so lang er noch leben wird / gleich wie vor diesem der General Major Lambert gewesen / gefangen zu bleiben. Der abgefallene Prediger Slaugther hat den [252] 7. mit seiner Frau bey denen Römisch-Catholischen com̅unicirt. Die Schiffe / worauff deß Lord Dumbartons Regiment gewesen / seynd in Schottland angelangt. Eine gewisse Person / welche sich vor den Hertzog von Montmuth ausgegeben hat / ist in Irrland in Verhafft genommen worden. Der König hat den Grafen von Stamfort / so wegen hohen Verraths in dem Tour gefangen sitzt / perdonirt / und ist besagter Perdon den 13. dieses (Der Bischoff von Ely wäschet am Grünen Donnerstag 54. armen Menschen die Füß.) bereits das Siegel passirt. Am Grünen Donnerstag wusche der Bischoff von Ely 54. armen Menschen die Füsse / welches sonsten gewöhnlich durch den König zu geschehen pflegte. Die Capellen deß Königs / der Königin / und Königl. Wittiben seynd diese letzte Feyertagen gantz voll Volck gewesen / umb die Ceremonien / so darinn geschehen / zu sehen. Der Courrier / welcher die Brieff aus Holland vom 16. und 19. dieses von Harwich anhero gebracht / ist (Die Holländische Post wird 12. Meilen von Londen spolirt / und selbiger viel Geld abgenommen.) den 22. Abends 12. Meilen von hier / von 2. Männern zu Pferd beraubet worden / welche nachdeme sie ihme sein valies abgenommen hatten / die Säcke / worinn die Brieffe von Hamburg / Amsterdam und Rotterdam innen waren / mitnahmen / und ihme erlaubeten mit seinen andern Brieffen seine Reise anhero fortzusetzen: in obigen Säcken war ein grosse Quantität Gold / und wie man rechnet / über 5000. Pfund Sterlins oder 20000. Königsthaler / so meistentheils / wie man sagt / denen Juden von Amsterdam zugehörig gewesen ist. Indessen seynd den 23. die Säck mit den geraubten Brieffen / welche man im Wald von Epping gefunden hat / in diese Stadt gebracht worden; ingleichem hat man etliche von den Räubern gefangen / und bey die 2500. Pf. Sterlins an Gold gefunden / die andern aber / so ein gleiche Summa zu ihrem Antheil erhalten / hat man noch nit entdecken können. Der Graf von Muray / so zum Lord Hoch-Commissario bey nechstsitzen dem Parlament in Schottland ernennet worden / ist von hier dahin abgereist / deme der Hertzog von Hamilton, der Ritter Lockart und Sr. Drummond innerhalb wenig Tagen folgen sollen. Der König hat den Lord Dover zum Ober-Marschall über die Armee / so diesen Sommer zu Honslowheath campiren solle / gemacht. Zu Folge deß special-Befelchs von dem König kamen die Quackers den 21. in grosser Anzahl in ihre ordinari Versammlungs-Plätze. (Der Hertzog von Albermarle wird zum Gouverneur in Jamaica declaritt.) Der Ertz-Bischoff von Jorck ist gestorben. Der Hertzog von Albermarle ist zum Gouverneur von Jamaica gemacht worden. Den 24. überliefferten die Brieff-Besteller vom Posthauß einige verrätherische Brieff an unterschiedliche Gefangene in deß Königs Banck / welche darauff alsobald arrestirt und examinirt worden / als aber die Officirer von dem Posthauß bezeugten / daß die Post solche Brieffe warhafftig mitgebracht / wurden sie wiederumb frey gelassen. In gantz Westen ist seither der letzten Session nur [253] eine Person wegen begangener Mordthat zum Tod verurtheilt worden / unterschidliche aber producirten deß Königs Perdon, einige andere aber / deren Nahme nicht expresse darinn benant ist / suchen solches durch ihre Freunde bey dem Königl. Hoff zu wege zu bringen / und insonderheit die junge Mägdlein / so dem Hertzog von Montmouth das Fähnlein praesentirt haben / und wollen einige / daß der König diese Sach den Staats-Jungfrauen der Königin heimgestellt habe. Die Kauffleut dieser Stadt haben den König durch ein Memorial gebetten / daß Ih. Königl. Maj. die Discoursen, so wegen der Frantzös. Seerüstung lieffen / in Consideration ziehen / und einige Schiff nach Cadix, oder wo es hin gehörte / senden möchten / umb sorgen zu helffen / daß die Spannische Gallionen / worinn sie mercklich interessirt wären / in salvo gebracht würden / worauff der König geantwort haben soll / daß er von den Frantz. Desseinen gantz und gar nichts wüste / wolte jedoch ihre gute Erinnerung nicht aus der acht lassen / sondern trachten / sie schadloß zu halten / mit Recommendirung / daß sie das jenige / was sie in dieser Sach in Erfahrung bringen würden / solches Ih. Maj. alsobald anzeigen solten. Der Hof hat die Trauer wegen absterben der verwittibten Churfürstin zu Pfaltz noch nit angelegt / weiln dieser Todsfall noch nit notificirt worden. Der Hr. Pen soll nach dem Chur-Brandenburg. Hoff gehen / umb daselbst wegen einiger Ländereyen / auf welchen Se. Churfl. Durchl. eine Colonie von geflüchteten Frantzosen auffrichten wollen / zu tractiren. Den 5. Abends gegen 9. Uhren / als der (Der Capitain Hamilton wird von 3. Persohnen angefallen und getödtet.) Capitain Hamilton mit einer bekanten Persohn / und desselben Frau nach seinem Hauß gieng / überfielen sie 3. andere Personen / und trachteten die Frau von ihrem Mann weg zu bekom̅en / worauff der Capitain sie suchte abzuweisen / keine Gewalt zu thun; er ward aber / als er noch anhielte / durch einen von denen 3. in seinem einem Schenckel verwundet / und empfienge / ehe er seinen Degen außgezogen hatte / wie er wolte thun / noch 2. andere Wunden / davon er alsobalden starb: Ein Soldat von seiner Compag. so eben darzu kom̅en / zohe seinen Degen aus / umb den Tod seines Capitains zu rächen / wurde aber gefährlich verwundet: die 3. Mörder hat man gefangen und in Neugatte gesetzt. Ein gewisser Hr. von Qualität / welcher schuldig an Vergifftung einiger Personen in Franckreich seyn solle / und sich vor einiger Zeit anhero reterirt hat / ist auff Befehl eines Staats-Secretarii in Verhafft genommen worden. Der König hat zu der Collecta vor die Protestanten / so aus Franckreich anhero geflüchtet 1500. Pf. Sterlings / die Königin 200. und die verwittibte Königin 300. gegeben / so 8000. Königsthaler in Teutschland außmachen. (Das Parlament in Engelland wird diß in Octob. verschoben.) Das Parlament in Engelland ist biß in den Monath Octobr. verschoben / aber das in Schottland soll den 1. May st. v. sich versamblen. [254] Der König hat Mons. Bridgeman einen Edelmann von seinem Hauß an die Friede-Richter von Mittelsex und Londen gesandt / umb ihnen anzudeuten / daß sie mit der Verfolgung gegen die Quacker einhalten sollen. Die (gelland wird biß in Octob. verschoben.) Reise deß Königs nach Chattam und Schernesse soll unter andern auch darzu dienen / damit die Schiffe / so equippirt werden / ehistens in See ablauffen mögen. Der Brandenburg. Capitain Anthonii Buys, so seithero der gewesene Hertzog von Montmouth hingerichtet worden / in Gefängnuß gelegen / ist von dem König pardonnirt und wieder auff freyem Fuß gestellt worden. Zwischen dieser Cron und Franckreich sagt man / daß ein Tractat (Tractat zwischen der Englischen Ostindischen Compagni und der Regirung von Priaman.) wegen West-Indien / allein / wie die meisten meinen / zu Erhaltung der Ruhe selbiger Ends geschlossen ist. Der Tractat zwischen unser Ost-Indianischen Compagnie und der Regirung von Priaman und Ticolio oder Picos solle / sagt man / vornehmlich darin bestehen / daß unsere Compagnie / wann sie einige 1000. Thaler deß Jahrs vor den König von Archin auffbringt / eine considetable Vestung bauen mögen / und die Impost auff den Pfeffer und andere Wahren / die aus oder in selbige Landen gebracht werden / empfangen; daß die naturellen einig Volck / umb ihnen in Auffbauung der fortresse zu helffen bestellen / und daß man im Fall der Attaque einer dem andern mutuel Succurs leisten solle. Mit ehistem sollen die Privilegia vor die Quacker nach allen Justitz-Höfen in diesem Königreich abgesand werden / worinnen ordinirt wird / daß alle die jenige / so von ihnen gefangen sitzen / ohne Bezahlung der Leibs-Straff in Freyheit gestellt / und ins künfftig keine mehr von ihnen apprehendirt werden sollen. Der Hertzog von Nordhumerland ist mit seiner Gemahlin nach Franckreich gereist / umb / wie man darfür hält / dieselbe allda in ein Closter zu stecken / und sobald ihre Mutter davon Bericht erhalten / hat sie solches dem König geklagt / von selbigem aber zur Antwort bekommen / daß / dafern sie vermeint recht zu haben / sie sich bey der Justitz deßwegen anzumelden hätte. Sonsten kommen fast täglich sowohl neue Reformirte / als Römische Bücher über die Controversien (Der Major von Rochefter läft verschiedene Catholische Bücher verbennen.) theils mit- und theils ohne Erlaubnus heraus. Und weiln dergleichen Der Major von Rochester in Gent nicht allein geisseln / sondern auch alle Bücher / so sie bey sich gehabt / verbrennen lassen / wie nun der König diese Sach empfinden werde / muß die Zeit eröffnen.
|| [255]
POLITICO-HISTORICUM.

Das sechste Capitel
[arrow up]

Sagt von Schwedisch- und Dähnischen Fügnüssen. (Köndgl. ??? Dähnische Geschichten.) BRieff von Coppenhagen bringen / daß alldar ein Soldat eine Dirne heyrathen wollen / so von der fallenden Kranckheit bißweiln geplaget wird / die Hochzeit war bereitet / und fehlte nichts mehr / als daß der Priester sie copulirte / gestalt die Gäste bereits zugegen / und der Priester sein Ambt verrichten wollen / mittlerweile schicken die Officirer hin / und lassen die Copulation verbiethen / weiln sie in Erfahrung kommen / daß gedachte Dirne an sothaner Kranckheit zuweiln laborirte / wie der Bräutigamb das vernom̅en / daß die Heurath nicht vollzogen würde / hat er sich dermassen gegrähmet / daß er in eine Melancholey gefallen / und sich nicht wieder zur Ruh und Fried geben wollen / biß er sich mit seiner Mußquete erschossen. (In dem Königreich Dennemarck wird ein Buß- und Bettag gebalten.) Den 7. ist allhie in Dennemarck / wie auch in denen Fürstenthümern Schlesewig / Holstein / und in den Graffschafften Oldenburg ein Buß- und Bett-Tag gehalten und celebrirt worden / die darzu verordnete Texte finden sich beym Esa. am 55. Cap. 6. und 7. Vers. beym Matth. am 3. im 8. 9. und 10. Vers. und dann im 67. Psalm von anfang biß zum Ende. Es hat ein Feuerwercker allhie in seiner Profession treffliche Proben mit Werffung Granaten und Bomben gethan / so alle glücklich abgangen. Den 13. haben sich 2. Frembde mit den Degen auff der Gassen attaquiret / weiln aber der eine keinen Stand gehalten / sondern gewichen / und dannoch von dem andern auffs eusserste verfolget / ist er aus Desperation, ehe er sich todt stechen lassen / in das Wasser gesprungen / und ersäuffen wollen / welcher dannoch durch Geschwindigkeit einiger Bootsleute lebendit / (Gute Zeitung vom Däbnischen Gouverneur Mila aus Weft-Indien vor dasige Compag.) aber voll Wasser seynde / wieder aus dem Wasser gezogen worden. Der Königl. Dännemärck. Gouverneur Milan hat von St. Thomas aus West-Indien anhero geschrieben / daß alles dorten in zimblichen gutem Stande sey / und er Ihr. Königl. Majest. und der löbl. Compag. Bestes nachtrücklich beobachten / und befördern wolle / worüber alle bißhero herumbgelauffene böse Zeitungen von St. Thomas, und dessen Zustand wieder gantz verschwinden / hoffet man also / es werde die Compagn. nunmehro durch gute Obacht gedachten Hrn. Gouverneurs in auffnehmen kommen. Den 17. hat man allhie so einen heissen Tag gehabt / als wann es mitten im Som̅er [256] gewesen. Den 23. aber dahingegen ein so kaltes mit Schnee / Hagel / und Regen / auch mit Sturmwinden vermischtes Wetter / als sonsten / mitten im Winter / so daß es auch starck gefroren / welches den Gärtnern keine gute Zeitung bringet. (Königl. Schwedische Geschichten.) Brieff aus Stockholm melden / daß der Herr General Major Wangelin gestorben / welcher sowohl von Ihro Königl. Majest. als jederman sehr betauert werde / dessen Regiment und Commendantschafft in Stade haben Ihr Königl. Majest. dem Herrn Obristen Welling conferiret, der Herr Obrister Mellin / Stättinischer Commendant ist General-Major worden / und hat Herr Obrist Guttberg deß Herrn Wellings Regiment wieder bekommen. Der Lieffländische Landtag hat sich zerschlagen / und gehet Herr (Hr. General-Lientenant Bielcke wird zum Gouverneur über die Hertzogthümer Bremen und Verden declarirt.) Hasferder neuer Gouverneur gegen den May dahin. Der Herr General Lieutenant Bielcke / welcher in Chur-Bäyerischen Diensten / ist von Ihro Königl. Maj. zu Schweden zum General-Gouverneur über die Hertzogthümber Brehmen und Vehrden declariret / und haben Ihro Königliche Majestät deroselben permittirt / alle Campagnen zu thun / wann Ihr. Excell. nur deß Winters im Brehmischen Gouvernament seye; In besagten Hertzogthümbern Brehmen und Vehrden ist von allen Cantzeln ein Königl. Reduction-Mandat abgelesen worden / daß Krafft dessen alle und jede / welche dergleichen Güter / so unter der Reduction nicht begrieffen / so fort ohngesäumet bey der Königl. Regierung angeben sollen / vermuthlich wird diese Publicirung in Pommern schon ergangen seyn. Die bißhero zu Carls-Cron gelegene Schwedische Flotte hat Ordre bekommen / anhero zu segeln. So hat man auch vorhin viel gesprochen von einigen 1000. Mann / so Se. Majest. dem Käyser nach Ungarn zum Succurs zu senden resolvirt / welche aber nur in 1500 Mann bestehen / dem vernehmen nach als ein Contingent wegen Pommern und Bremen / diese Völcker sollen sich mit (Wißmar wird unüberwindlich gemacht.) denen Chur-Brandenburg. Trouppen conjungiren. Es wird im übrigen die Stadt und Vestung Wißmar dergestalt fortificirt / daß sie gleichsamb inprennabel, und seynd bereits 5. Bollwerck in Defension, es dörfften aber noch wohl einige Jahr hinlauffen / ehe alles zur völligen Perfection kommen wird. Das kostbahre Magazin / welches von Steinen auffgerichtet / und darinnen vor 2500. Mann Provision auff 2. Jahr ligen kan / wird diesen Sommer fertig.
|| [257]
POLITICO-HISTORICUM.

Das siebende Capittel
[arrow up]

Schreibet von Königl. Polnisch-Moscowittisch-Türckisch- und Tartarischen Hoff- und Kriegs-Händeln. (Königl. Pohlnische Geschichten.) VOn Pohln verlautet / daß 6000. Türcken und Tartarn / so bey Caminieck gestanden / biß nach Czerlenizza gestreiffet / und haben selbigen Orth eingeäschert; davon ein Trouppe von 30. Pferden bey Roarino kommen / deren einige gefangen worden / so aussagen / daß sie noch ein Renfort von 30000. Mann erwarken. Aus Littauen wird berichtet / daß selbiger Nation Armee bey Bresczic gemustert / und 20000. Mann außerlesen Volck starck befunden worden. Der König hat erlaubet / daß die Evangelische Kirch zu Wenyorans, welche lang geschlossen gewesen / wieder eröffnet werden solle. Der General Mohila hat den vornehmen Partheygänger Palley mit 1500. Cossacken aus Niemerow außcommandirt / umb auff die Tartarn und Türcken ein wachtsames Aug zu haben. (Außführüche Erzeblung von Einhobl- und Verrichtung der Pobloischen Hnn. Abgesandten in Moscovien.) Aus Königsberg wird geschrieben / daß man von der Pohlnischen Hnn. Abgesandten Verrichtung in Moscovien daselbsten diese Nachricht habe / daß nachdeme selbige bey der Stolice angelangt / sie den 6. Martii 3. Tage nach ihrer Ankunfft bey den Czaaren zur offentlichen Audientz zugelassen worden / welches mit sonderlicher Magnificentz zugegangen / indem die Hnn. Gesandten in der Czaaren Schlitten / so von rothen Sammet / und kostbahren Futterwerck gewesen / in Begleitung unterschidlicher Kneusen / und vieler vornehmen deß Hoffs auffgehohlet worden / wobey sich etliche 1000. Strelitzen im Gewähr praesentirt; bey der Audientz haben sich die Ezaaren sehr freundlich erzeigt / und beyde / ihrer Gewonheit nach / stehend nach Ihro Königl. Majest. von Pohln Gesundheit gefragt / nach gehabter Audientz sind denen Gesanden gewisse Commissarii zugeordnet worden / unter denen der Kneeß Gallycyn / so einer mit von denen / welche albereits vorm Jahr mit den Herren Pohlen tractirt / und der Ezaaren Cantzler seyn soll / welche sich dahin erkläret / daß sie Ezaaren bey jetzigen der Sachen Beschaffenheit zwar mit der Ottomannischen Pforten den Frieden offentlich nicht brechen könten / wolten aber geschehen lassen / daß andere unter ihrer Bottmässigkeit stehende / und den Türcken und Tartarn nahe [258] gelegene Völcker / als Carcassen / Calmucker / und Cosacken den Türcken in der Ukraine und auff dem schwartzrn Meer / wie auch den Tartarn in Erym kräfftige Diversion machen / und diese sothanig von den Uberfällen / und Landes- Verwüstungen / in Podolien und andern Provintzien abhalten solten / zur Continuation und Reassumirung der vorm Jahr abrumpirten Tractaten / und zur Handlung über einen ewigen Frieden wolten Ihre Ezaaren hiernechst gewisse Commissarien ernennen / welche sich wider solten an die Gräntzen verfügen / und mit Ihro Königl. Majest. von Pohlen Gesandten dieses Werck wider zur hand zu nehmen / auch zugleich Ursachen anzeigen / wasdie Ezaaren bewogen / die Gräntzen in die 60. Meilen weiter an Littauen außzurücken / worüber / daß es vorm Jahr wieder Recht und Billigkeit geschehen / die Hrn. Hrn. Gesanden sich höchlich beschwäret. Nachdem sonsten die Zeit herannahet / daß man sich ins Feld begeben / und (In Poblen rüstet sich alles zum Feldzug.) den Feldzug Ihr. Köngil. Majest. vermehren solle / so ist meist alles / was bey Hoff sich auffgehalten / umb sich darzu zu rüsten / und fertig zu machen / nach ihren Häusern und Höfen abgefahren / und fahren noch täglich mehr ab / nicht allein die Residenten / sondern auch Hoffleuthe / so daß nur einige zur Auffwartung Ihr. Königl. Majest. zu Zolkievv verbleiben. Man hat erst kürtzlich allerhand Relationes und Warnungen von der Horde Ankunfft gehabt / davon unterschiedliche Informationen seynd / einige wollen / daß die (Berschiedene Relationes von Ankunst der Tartarn.) Horde bey Stry über das Gebürg in Ungarn gehe / andere / daß sie von der Pforten beordret sind / continuirlich in Pohlen einzugehen / umb die unsrige matt und müd zu machen / auch hinderlich zu fallen / damit unsere Armee nicht zusammen kommen möge; diß ist gewiß / daß die Ezemoryßken fast alle aus Caminieck außgangen / umb den neuankommen den Bassa, der in Caminieck das Commando halten soll / einzuhohlen / diese seynd unter Czemeliec eingefallen / und haben in der Vorstadt viel Lermens gemacht / die Stadt solches merckende / haben sie viel Volcks salvirt / wiewohl es doch ohne Schaden nicht abgegangen / wo sie sich nachdem hingewendet / hat man noch keine gewisse Nachricht / nur daß mit ihnen der Sultan Galga sich conjungiren soll. Ihr. Königl. Majestät vermeinen / daß sie so in etwas außruhen / und sich verbergen / als wann sie uns sicher machen wolten / so dann nach ihrem Absehen / einen Einfall thun / und grossen Schaden thun möchten / über verhoffen / welches GOtt verhüte. Ihro Königl. Majest. werden nunmehro nach Lemberg gehen / von dannen weiters nach Stry und Zloezow / und dann so fort nach dem General Feld-Lager / und ist der gantzen Armee anbefohlen / primo Maji sich daselbsten einzufinden / so sie es nur möglich werden beweisen können.
|| [259]
Es wird ein groß Geld von denen / so seither Anno 1683. Edelleuthe geworden / auffgebracht / und muß die Person 5100. fl. geben / oder müssen sich selb dritt auff 3. Jahr lang ins Feld stellen / geben also die meisten Geld / (Die neue Edelleuth so nicht in Person mit zu Feld geben müssen eine grosse Summa Geld erlegen.) und sind derer bey 2800. Persohnen / welches etliche Millionen an Baarschafft außtragen wird. Zu Crakowitz hat man einen Spionen / so ein abgefallener Reuß / und auff der Folter noch 5. andere seiner Gesellen offenbahret hat / entdecket / welche von dem Bassa zu Caminieck zu gleicher Zeit außgeschickt worden / und ein und anders Vorhaben bewerckstellen sollen / davon man 3. nebst dem ersten zu Sgnyatino gefangen / und wegen ihrer Verbrechen mit Pfeilen erschossen / und geviertheilt hat. Der Hr. General Bohum (Einige Splonen werden mit Pfeilen erschossen.) Capitain von deß Königs Schweitzer-Gardes ist zu Warschau geftorben. Von Lemberg wird geschrieben / daß 2. Murren mit 3000. Mann in der Wallachey ankommen / und wolten hier ins Land den Streiff thun / weiln sie aber gantz abgemattete Pferde hatten / resolvirten sie die Beuthe in der Wallachey zu machen / und haben an Menschen und Viehe ein ziemlichen (Die Garnison von Sn???arim machet gute Beuthë.) Hauffen auffgetrichen / da aber solches die Unsrigen in Snyatim erfahren / haben sie sich geschwind auffgemacht / und sind in aller Still unverhoffet auff den Feind gekommen / denselben in der furie über fallen / bey 100. nidergehauen / die andern zertrieben / 700. Schafe / 400. Ochsen / und in die 300. Pferde abgeschlagen / auch viel gefangen: von den gefangenen Christen sind aber wenig befreyet / dann die meisten durch den Feind nidergehauen seynd. Es haben aber die Unsrigen kaum den Rücken gewendet / haben sich die Raub-Vögel wieder hervor gethan / zu denen sich auch die am schwartzen Meer wohnende Budscaicker Tartarn geschlagë / und unvermeeckt in geschwinder Eyl unter Caminieck geruckt seynd / woselbst sie theils unter denen Stücken stehen / theils in selbiger Gegend herumbschwermen / weßhalben sich unsere Völcker auffs neue aus den Quartiren zusammen ziehen / sowohl auff den Feind ein wachendes Aug zu haben / als auch demselben kräfftig zu währen / da er wieder zu streiffen sich erkühnen solte. Der Päbstl. Nuntius wendet allen Fleiß an / Mund- und Kriegs-Munitiones herbey zu schaffen / und hat zu dem Ende eine Million fl. von denen Päbstl. Geltern voraus gezahlt. Aus (Die Differentien zwischen Pe???ste- und den Türcken werden in der Güte auffgehoben) Persien kombt / daß die Differentien wegen der Babylonischen Gräntzen zwischen Persien und der Ottomann. Porten in der Güte abgethan / und die Türckische Gesandtschafft schon wieder nacher Hauß gekehrt seye / zu welchem Accommodement die grausame Pestilentz / so der Gegend grassiret / das meiste Ursach wäre. Die Türckische Gesandtschaft habe auch gute Verrichtung bey dem grossen Mogol gehabt / und soviel zuwegen gebracht / im fall Persien den Krieg anfangen werde / in Persien eine Diversion zu machen. Der P. Wal [260] lachowsky ist primo hujus expedirt / und mit 800. Ducaten supplementiret / nimbt seine Reise wider nach der Pforte / umb sich zu bemühen / den Hn. Residenten von dar zu eliberiren. Den 2. ist der Königl. Hoff-Quartiermeister zu Reuschlemberg angelangt / vor die Hoffstatt Logirung zu verschaffen / wie dann auch beyde Cron-Feldherren nebst andern Senatorn alldar sich einfinden werden. Zu Crackau ist offentlich außgeblasen und verbotten worden / daß ausser Lands biß auff weitern Königl. Befelch weder Pulver noch Bley außgeführt werden solle. In Zollkiew haben Jhro Königl. Majest. aus dero eigener Scatul an die Regimenter zweymahl 100000. fl bezahlet / auch anbefohlen / die Bagagie und Wägen zu verfertigen / und parat zu halten / umb das Proviant mit sich ins Feld zu führen. Aus Moßcau ist den 6. dieses am Königl. Pohlnis. Hoff die Nachricht (Gute Zeitung aus Moscau wegen einer off- und defenfiv-Alliantz mit der Cron Pohlen.) eingeloffen / durch einen expressen Courrier, daß die Czaarn sich erkläret / mit Pohln eine off- und defensiv-Alliantz gegen die Ottomannis. Porta einzugehen / und zu dem Ende schon allen Officiers die nöthige Gelder hätten außzahlen / auch durch gantz Moscau zu Fortsetzung deß Kriegs eine allgemeine Contribution und Beytrag nehmlich auff jedes Hauß 5. fl. außschreiben lassen: und versprochen alsobalden ihre Militze zusammen zu ziehen / und mit der grössestem Macht gegen Krim zu marschiren / umb selbige Tartarn außzurotten; und seye der Krieg den Türcken schon angekündiget worden; Hingegen tretten Jhro Königl. Majest von Pohlen umb solche Alliantz und importantes Werck zu befördern / denen Moscowittern alle Rechten und Gerechtigkeiten / so die Cron Pohlen und das Groß-Hertzog-thumb Littau auff Kiow und Smolensko haben ab. Jhro Königl. Maj. haben mit dem Groß-Feldherrn Jablonowsky und andern Generals eine Kriegs-Conferentz gehalten / und wie man vernimbt / werden alle Völcker sich bey Sgnyatino versamblen / allwo eine Brücke verfertiget wird / und solle deren Marsch geraden Wegs gegen Moldau und weiters genommen (Der Cosackische Obriste Palley hanet 400. Silvatische Tartarn niber.) werden. Der Cosackische Obrist Paley hat in der Gegend Bar über 400. Silvatische Tartarn niedergehauen / viele gefangen / und über 200. stück Rind-Viehe und viele Pferd erobert: von denen Gefangenen hat man einen guten Theil nach Lemberg geführt / solche zu examiniren; Hingegen haben die Tartarn / eine Parthey der Unsrigen in 2. Compagnien bestehend / so Kundschafft einhohlen sollen / geschlagen / deren einige niedergemacht / und gefangen.
|| [261]

Das achte Capittel
[arrow up]

Redet von Italiänisch-meistens aber von den Venetianisch-auch wol Türckischen Staats- und Kriegs. Affairen. (Benetian Geschichten.) BRieff aus Venedig advisiren / daß Schreiben aus Corfu vom 14. passato daselbsten angelanget / welche in sich halten / daß der Herr Capitain die gantze Armada gemustert / und nacher St. Maura Lefcada und die benachbarte Städt geschickt habe / umb die Quartieren zu raumen. Aus Dalmatia hat man / daß Herr Cavallier Cornaro alldorten angelangt / und daß einige 100. Morlacken in die Provintz Licca gestreiffet / und darinn 50. gefangene Türcken und einen Kopff bekommen haben. (Der Printz von Hannover als General von dieser Republic hat bey dem Senat Andientz.) Den 2. hat der Printz von Hannover als General sich in den Durchleuchtigsten Rath begeben / deme eine grosse Suite von Kriegs. Officiers gefolget / worauff er noch selbigen Tags nebst seinen Völckern zu Schiff gesessen / welchem zum Unterhalt seiner 4000. Mann 36000. Zecchini ausgezahlt worden seynd / und wie man sagt / wird dessen Herr Vatter der alte Hertzog von Hannover nebst seiner Frauen Gemahlin ehistens nacher Rom abreisen. Von denen Völckem / so der Hr. Baron Schomberg in Teutschland geworben / seynd schon 200. Dragoner angelanget / und stehen deren noch über 1500. unsern Udine und andern Gräntzen von dieser Republic. Mit andern Brieffen von Corfu hat man / daß das erste Convoy mit denen 300. Mayländischen Dragonern und dem Teutschen Regiment zu Fuß den ???4. passato daselbsten angelanget ist: Daß der Herr Capitain General Morosini beschäfftiget ist / die Artillerie / Lebensmitteln / Kriegs-Munition und Soldaten einzuschiffen / umb nach dem Königreich Morea überführen zu lassen. Von Coron hat man vom 14. Februar. Schreiben / welche melden (Aussag zweyer übergangenen Mainotten in Morea.) / daß die Türcken in grosser Forcht wären / und daß von Modon 2 Mainotten nebst ihren Familien zu gedachtem Coron angekommen seyn / so berichten / daß in Modon und Navarino die Türcken keine Belägerung ausstehen würden / und resolvirt seyen / wenn es darzu kommen solte / die extremität nit zu erwarten / sondern gleich wie die zu Coron gethan / sich zu ergeben. Den 6. hat man die Bomben von neuer invention probirt / deren eine in das Meer geworffen wurde / und nachdeme sie etwann eine Minuten lang darin̅ ware / ist sie zersprungen / und hat wunderlichen effect gethan. Den 8. spath ist eine Saicke von Zara dahier angelangt / mit welcher man Nachricht hat / [262] daß die Morlacken auffs neue einen Streiff in die Provintz Licca gethan / und biß nacher Grasätz / einen Ort / so über 50. Meilen weit im Lande ligt / und einen vesten Thurn hat / und wegen seiner situation considerabel ist / gerucket (Eine Parthey Morlacken streiffet in der Provintz Licca wol biß 50. Meil ins Land.) seynd; die Türcken / welche darinn gelegen / haben nach wenigem Widerstand die Flucht genommen / und den Ort verlassen / worauff die Morlacken selbigen geplündert / und geschleifft / und hernach sich nebst reicher Beute / 2. Metallenen Feldstücklein / einigen Gefangenen / und etlichen Köpffen wieder zuruck gezogen haben. In der Gegend Coron hätten sich 200. Türcken zu Pferd sehen lassen / welche die Albaneser aus selbigem Platz überfallen / besagte Türcken in die Flucht geschlagen / deren 20. gefangen / und diese nebst einem Kopff und 16. Pserden in die Stadt zurück gebracht (Der abgesetzte Groß-Vezier wird seines Schatzes beraudet.) hätten. Von Adrianopel hat man / daß der abgesetzte Groß-Vezier eine ertichtete Kranckheit angenommen / unterm Vorwandt / deßhalben eine Wahlfart nacher Mecha zu thun / dahin er heimlich seinen Schatz überführen lassen / aber dieser Betrug wäre durch seinen Successorem entdecket worden / welcher jenes Bediente in einen Thurn setzen und foltern lassen / da dann diese den Ort / allwo ihr Principal biß dahero 9000. Beutel / 4. Millionen Thaler werth und 200. Pferds-Sättel mit Edelgesteinen besetzet / verborgen gehalten / offenbahret hätten / und suchte man nun / den Rest von diesem Schatz zu entdecken / umb jhn darnach stranguliren zu lassen. Es seynd bereits 400. Mann Hoch teutsche Völcker von hier abgeschiffet worden / davon man noch 1000. gewärtig bleibt / so zu Nürnberg geworben werden. Mit einem Schiff von Cyprus kommend vernimbt man / daß die Türcken auff selbiger Insul nunmehro nicht weniger als die Griechen mit den extraordinari Aufflagen beschweret werden / und deßhalben sehr nach dem Frieden seufftzeten. Mit einer Saicke von Ragusa wild berichtet / daß in der (In der Stadt Serraglio verbrennen 300. Kauffmannsläder.) Stadt Serraglio in Boßnia bey 300. Kauffmannsläden verbrand / und daß die Commercien daselbst in gar schlechtem Gang seyen / so daß männiglich das Ende deß Kriegs verlangete. Mit einer Poleta / so den 17. aus Dalmatia allhier angelangt / hat man / daß die Morlacken / unerachtet deß Schnees / mehrmalen biß gegen Singh gestreiffet / daselbst in einem Wald eine Türckische Parthey angetroffen / geschlagen / deren einige erleget / und nebst andern Gefangenen auch deß Com̅endanten von Singh seinen Sohn bekommen haben. Gedachten 17. dito kame auch die Tartana St. Anna (Zu Alexandria grassirt die Pest.) genant / welche den 17. passato von Alexandria abgereist ist / allhier an / mit Bericht / daß dastlbst die Pest grassirte / und würde auch von Rossetto und Cairo geredet. Den 19. haben wir mit einem Expressen über Ottranto Schreiben empfangen / welche den 1. dieses Monats April zu Porto vitulo datirt [263] worden / mit Bericht / daß nachdeme der Capitain Bassa sich mit 6. andern Bassen conjungiret / und sein Läger auff 10000. Mann zu Fuß und 2500. (Der Türckische Capitain Bassa belagerl Chielafa mit 10000. Manu.) zu Pferd vermehret / hat er denen Bauern in einigen darumb gelegenen Dörffern bey Feuer und Schwerd anbefohlen / sich nach dem Lager zu erheben / und die Vestung Chielafa wieder einnehmen helffen; Es hatte aber der Herr General dell' Isole Cornaro etliche Tag vorhero Succurs / nemlich den Sächsischen Obristen mit einigen seiner Völcker in Chielafa gebracht / wordurch die Guarnison auff 1200. Mann vermehret worden: Als nun der Feind den Ort würcklich belägert / und mit 6. groben Stücken Geschütz einige breche geschossen / hat der Capitain Bassa durch einen Brieff (so sehr moderatè, und bey denen Türcken wegen ihres sonst habenden Hochmuths gantz ungewöhnlich ist) die Vestung auffgefordert / deme aber der Herr Maria Gritti Extraordinari Procurator in besagter Vestung zur Antwort gegeben / daß der Ort von allen nöthigen Sachen wohl versehen wäre / sie auch in dem Platz Abschnitt und Bollwercker gemacht hätten / und dannenhero die Venetianer den Ort nicht übergeben / sondern sich bestens defendiren wolten / und hoffeten zu GOtt selbigen zu erhalten; Inzwischen ware der Capitain General mit denen Galleren und Galeotten und alten Völckern von hiesiger Republic den 30. Martii zu Porto vitulo angelangt / allwo er alsobalden Kriegs-Rath gehalten / was zu thun seye / da dann beschlossen worden / deß Feindes Trenchéen und Abschnitte / welche schon biß an den Fuß der Mauer avancirt, und bereits die Palisada niedergerissen waren / zu attaquiren / und anzufallen / worauff dann 3000. Mann und 2000. Mainotten commandirt wurden / umb eine Höhe / welche der Feind zu seinem Vortheil hatte / zu erobern / und alsdann den Feind von selbiger Seilen anzugreiffen / da inzwischen 800. Mann von der Vestung einen Ausfall thun / (Rimbt aber noch vor Auknufft deß Venetianischen Entsatzes schändlicher Weiß die Flucht.) und deß Feinds Wercker ruiniren solten: Nachdeme nun solches bey Nacht bewerckstelliget wurde / recognoscirte man Morgens mit anbrechendem Tage der Türcken Läger / und befande / daß die Türcken deß Nachts ihre Trenchéen verlassen / und schändlich die Flucht genommen hatten / denen aber die unsrigen nachgesetzet / und nicht ferne davon 500. Türcken / welche obgemeldte 6. Stücke Geschützes convoyreten / angetroffen / solche fast alle niedergehauen / und gemeldte Stück erobert haben / von denen unsrigen seynd nur 10. tod geblieben; hat also der Feind nach einer zehentägigen Belägerung den Ort verlassen. Den 15. seynd abermalen Brieff aus Morea angelangt / welche confirmiren die jüngst wider die Türcken erhaltene Victori / und berichten über das / was vorhero gemeldet / noch ferner / daß der Bassa / (Und läft 150. von denen) so diese Tückische Völcker vor Chielafa commandirt / 150. Vornehme von [264] denen Flüchtlingen / weilen sie nicht Stand gehalten / caputiren und hinrichten lassen. Als nun die Albaneser / welches Griechen seynd / und in Morea wohnen / und sich in die Gebürge reterirt gehabt / der Türcken Flucht (Flüchtlingen hinrichten.) vernommen / seynd sie denen Mainotten und Soldaten entgegen gelauffen / haben sie umbarmet / und geküsset / sie mit Kuchen / Wein und Früchten / so selbige in denen Gebürgen verborgen hatten / beschencket / und geruffen: Glück zu den Christlichen Waffen / es leben die Christen. (Päbstliche Geschichten.) Von Päbstlichen Geschichten melden die Brieff aus Rom / daß zu End verlittenen Monats endlich das Consistorium bey grossem Zulauff deß Volcks wegen deß Pabsts Gegenwart gehalten; die Cardinäle kamen einer nach dem andern zum Gehör / waren aber vorhero durch die Ceremonienmeister gewarnet / ihre Rede kurtz zu machen / der Pabst laß eine Lobschrifft / (Der Frantzös. Ambassad. bedanckt sich bey dem Pabst für eine gemachte Lobschrifft auff seinen König.) so auff den König von Franckreich über gegenwärtige Beschaffenheit von dem Abbt Casoni gemacht worden / welcher / nachdem nun Stephano Pigratelli gestorben / seinen Rock umbkehren / und sich mit den Frantzosen zu versöhnen willens zu seyn scheinet / weßhalben der Frantzös. Ambassad. sich gegen den Pabst bedancken lassen. Den 2. ist unsere gantze Militz cxercirt / und dem Marq. Oddi Erlaubnuß gegeben worden / die jenigen / so ihme belieben / von denselbigen auszulesen / und nach Levante zu senden. (Savoysche Geschichten.) Von Turin aus dem Hertzogthum von Savoyen wird geschrieben / daß daselbsten einige Deputirte aus denen Lucerner Thälern angelangt / welche (Die Lucerner Thal-Lent langen bey dem Hertzog mit einer Bittschrifft an.) eine Bittschrifft im Namen aller Protestanten selbiger Orten an Se. Königl. Hoheit den Hertzog übergeben / durch welches sie das eusserste Elend erklären / in welches die Dragoner sie schon gesetzet hätten; sie sagen auch / daß die jenigen / welche sich in das Gebürg reterirt / solchez nit aus einem rebellischen Geist gethan haben / sondern nur umb der Soldaten Grausamkeit zu entfliehen / welche betrohen / die arme Leute eben wie in Anno 1655. beschehen / zu tractiren: In Summa / sie protestiren und bezeugen / daß ihre Güter zu Sr. Hoheit disposition und gutbefinden seynd / was aber die Freyheit und Güter ihres Gewissens anbelangte / könten sie GOtt solcher nit berauben / als welchem sie gehöreten; baten derohalben / daß Se. Königl. Hoheit die Gütigkeit und Milde haben / und ihnen erlauben wolte / daß sie ihrer alten Freyheit und Privilegien geniessen / und die Völcker / so gar grausam (Ingleichem intercedirt die Schweitzerische Eydgnoßschafft vor selbige. Deß Per.) hausen / von dorten wieder zuruck geruffen werden möchten. Ingleichem haben die Schweitzerischen Herren Abgesandten im Namen der Evangelischen Eydgnoßschafft bey Sr. Königl. Hoheit vor die Lucerner Thal-Leut intercedirt, denen der Hertzog zur Antwort gegeben / daß er sich nicht in die Sachen / welche wegen der Religon halber in ihren Landen vorgefallen / ein [265] gemischet hätte / und wolte mit der Eydgenoßschafft als Nachbar leben / aber sie solten sich auch nicht einmengen in das / welches in seinen Landen gegen seine Unterthanen beschehe / dieweil er dieser Oberherr seye / und Gehorsam (tzogen Antwort hierauff.) geleistet haben wolle. Weilen nun weder die Abgeordnete von der Schweitz noch der Thal-Leut Deputirte bey Sr. Königlichen Hoheit ???chtwas erhalten können / als haben sich diese in defensions postur gesetzet / von ihrer bewehrten (Die Thal-Leut machen sich zur Gegerwehr gesast.) Mannschafft verschiedene Detachements gemacht / und die Päß / dardurch man zu ihnen kommen kan / damit besetzet / auch Schantzen auffgeworffen; ferner haben sie / wie man sagt / 6. der vornehmsten Häupter der 6. Thäler / so allhier der Religion abgeschworen / und die Römische Catholische angenommen / und bey ihrer Zuruckkunfft alldorten ihnen ein Accommodament / die beeden Religionen zu vereinigen / und Ihrer Königlichen Hoheit Befehl zu gehorsamen / vorgeschlagen / und die grosse Gefahr / so ihnen / gleich wie im Jahr 1654. begegnen könte / vorgestellet / aber nichts verfangen / sondern weilen sie geargwohnet / daß besagte 6. vornehmste Häupter Verständnuß mit hiesigem Hof und der Religion abgeschworen haben / solche der Verrätherey angeklagt / und innerhalb drey Tagen ihnen den Proceß gemacht hätten / deme zu folg selbige als Verräther deß Vatterlandes und der Religion gehencket worden / sie haben über dieses alle Catholische (Jagen die Catholische Geistliche aus ihrem Land.) Geistliche / die Jesuiter / Capuciner / und andere Ordens-Personen aus ihren Dörffern verjagt / und in dero Kirchen wider deß Hertzogs Verbott predigen lassen; als nun der Hertzog von Savoyen die Halsstärrigkeit dieser Leut vernommen / hat er selbigen insgesamt einen Terminum peremptorium (Der Pertzog setzet ihnen einen Terminum peremptorium.) benennet / biß dahin sie entweder ihre Religion changiren, oder ihre Güter verkauffen / und aus dem Land ziehen sollen / und zwar ist den nechst an den Gräntzen Wohnenden der 21. den andern der 23. und denen Weitentlegensten der 25. Monats-Tag Aprilis zum Ziel gesetzet worden. (Läst seine Trouppen nach den Thälern warschiren / denen er in hober Person folget.) Entzwischen hat den 12. unserer und der Frantzös. Völcker Marsch nach denen Thälern seinen Anfang genommen / und seynd täglich Trouppen dahin abmarschiret / denen den 15. das Leib-Regiment Sr. Kön. Hoheit nebst dero Bagage auff 60. Maulthier geladen / wie auch ein Frantzös Regiment Dragoner gefolget. Den 17. verreiste die Compagni du Guardie zu Pferd nebst etlich und 40. Mauleseln mit Kriegs-Munition beladen / denen der Sr. Don Gabriele von Savoia nebst dem Printzen von Masserano, dem Marq. Parella und vielen Volonteurs den 19. gefolget; den 20. Nachts seynd Se. Königl. Hoheit selbsten auff der Post nach Bricherasco mit dem Frantzösischen Ambassadeur verreiset / worauff nachdem der denen Protestanten [266] gegebene Termin (ohne sich etwas zu resolviren / oder Sr. Königl. Hoheit Clementz und Befelch zu unterwerffen) mit dem 20. dito verstrichen / haben besagte Se. Hoheit Ordre geben / Sonntags den 21. selbige zu attaquiren / und durch Gewalt der Waffen zur raison zu bringen: deme dann zu solg (Schlacht zwischen den Sapopschen und Frantzös. Völckern eines / dann denen Thal-Lenten andern Theils.) die Frantzösische Völcker zwischen dem 21. und 22. zu Nachts den Anfang gemacht / da es dann zu einem blutigen Treffen im S. Martins-Thal gekommen / und biß 200. Soldaten vom Landis. Regiment theils getödet und verwundet worden / darunter der Major / und deß Obristen Bruder tod geblieben / die Hn. Hn. de Biron und Conteau aber blessirt seynd / jedoch eroberte man eine Mühlen / worinnen theils Protestanten sich verschantzet hatten / welche aber gefangen wurden. Den 23. griffen die Piemontische Regimenter ihrer Seits an / und gewonnen alle Schantzen im Thal von Angrogna biß nach Pratorno; hernach theileten sich gemeldte Regimenter in 3. Attaquen / und als die 3. Brigaden zu ihnen gestossen waren / eroberlen sie die andere Schantzen / so auff der Ebne an der Höhe deß ersten Bergs waren / und der D. Gabriel von Savoyen lägerte sich gegen über deß Bergs von Angtogna, und liesse die Völcker ruhen / und hatte in allen diesen Actionen nur 5. Mann verlohren; Zu Eroberung besagter Schantzen hat die Artillerie das meiste gethan / weilen die Protestanten sich darfür sehr geförchtet / indeme sie zuvor darfür gehalten / es wäre unmüglich / daß man Stücke dahin führen könte. Nachdem Se. Excell. eine Weile daselbsten stille gelegen / die Convoy mit Lebens mitteln und Kriegs-Ammunition erwartend / seynd sie in die Gegend der andern Schantze marschirt / und haben alles zum (Theils suchen Perdon / und ergeben sich auff Guad unf Unguad.) Angriff fertig gemacht / es kam aber ein Trommelschläger nebst noch einem andern aus der Schantz / welche begehrten mit Sr. Excell. zu reden / und als ihnen solches erlaubet wurde / sagten sie / daß die ihrige die Schantz verlassen hätten / und liessen bitten / ihnen den Pardon und Passeporte von Sr. Königl. Hoheit zu geben / mit Anerbietung / sie wollen das Gewehr niederlegen; Inzwischen ruckte auff der andern Seiten der Herr di Cattinal mit denen Frantzösischen Völckern und Piemontern hinzu / da dann die Protestanten auffs neue noch andere denen unserigen entgegen schickten / und suchten Pardon, und wolten sich auff Gnad und Ungnad ergeben / so auch angenommen ward / und vernimbt man auch anjetzo / daß sie sich ergeben / und den Posten velassen haben / welchen man mit einer Wacht von 500. Dragoner besetzet / und die Protestanten gefangen genommen hat / welche theils mit dem Leben bezahlen / und theils auff die Galleren gebracht werden dörfften / deren bereits / wie man den 26. vernommen / biß 2000. in der unsrigen Gewalt seyn sollen. 1200. Volonteurs von Mondovi, welche der Cavallier di [267] Ciglie commandirt / und gewohnet seynd / auff die Berge zu steigen / haben denen andern den Weg gewiesen / weilen sie gegen die in denen Thälern von Natur Feinde seynd / also daß sie keinem einigen Quartier gegeben / ja selbsten einem von denen unsrigen / weilen er einen langen Bart gehabt / und sie (Es werden verschiedene Officiers Savoyscher und Frantzös. Seits verwun det / welche der Hertzog in die Hospithäler bringen lassen.) vermeynet / es seye ein Protestant / den Kopff abgehauen haben. Der Herr di River hat einen Musquetenschuß in Arm bekommen / der Herr Cavallier di Sr. Giorgio ist in einer Achsel verwundet / und der Marschall der Dragoner vom Herrn Grafen Vervva in der Seiten blessirt. Ehe man besagte Protestanten angegriffen / haben sie zweymal sich mit dem Herrn Marq. Parella unterreden wollen / und begehret mit einem Schweitzerischen Abgesandten / welcher dorthin gegangen wäre / zu sprechen / so ihnen aber nicht erlaubet worden / worauff der Abgesandte den 23. wieder anhero gekommen / und nebst dem andern von hier wieder nach seinem Lande abgereiset ist. Sr. Königl. Hoheit seynd von Bricherasco zu Pferde allgemach der Brigada nachgefolget / und seynd biß an Sr. Joannisberg gekommen / allwo sie zu Mittag gespeiset / und hernach ihren Weg wieder zuruck genommen haben. Sr. Hoheit hat die Verwundeten besichtiget / welche man in die Hospithäler gebracht / und Ordre gegeben / selbige wohl zu verpflegen. Wie es nun ferner mit diesen Thal-Leuthen ablcuffen möchte / werden die folgende Monat entdecken.

Das neundte Capittel
[arrow up]

Stellet vor / was in denen 17. Niederländischen Provintien sich begeben hat. (Polländische Geschichten.) AUs dem Grafenhaag vernimbt man / daß die Hrn. General Staaten durch Ihro Deputirten bey dem Königl. Frantzösischen Ambassad. Mr. d’ Avaux klagen lassen / daß nan zu Bordeaux 2. Holländer / welche nit naturalisirt seynd / in Verhafft nehmen lassen / und sich ihrer Güter / effecten und Brieffen versichert habe / unterm Vorwandt / daß sie einigen Frantzös. Reformirten geholffen hätten / sich mit der Flucht zu salviren / und hätten ihre Kinder in Holland geschicket / welches man bey hiesigem Staat sehr zu Hertzen ziehet / und vor eine Contravention und Ubertrettung der Tractaten achtet. Der Herr General-Lieutenant Spaen hat Namens Ihrer Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg denen Hrn. Staaten von Holland erkläret / daß die Subsidien, welche besagte Provintz erlaubet zu erheben / [268] umb sich wegen deß zweyten Termins dem letzten Vergleich zu solge bezahlt zu machen / erst im Monat Octobris fallen / und zu reparirung der Vestungs-Gebäuen / von der Stadt Wesel / davon obgedachter Herr General Spaen Gouverneur ist / angewendet werden sollen. Von Surinam ist ein (Mons. von Som̅ersdick bemächtigët sich einer Stadt in India.) Schiff angelangt / so Schreiben von Mons. von Sommersdick / welcher Gouverneur dorten ist / mitgebracht hat / Inhalts: daß er sich einer Stadt der Indianer bemächtiget / die er im Land entdecket hat / wordurch er sie im Zaum halten kan / daß sie die Zucker-Plantagien der Christen nicht können berauben. Von Rotterdam kombt Nachricht / daß das Schiff dieses Namens von Guinee daselbst angelangt sey / und unter andern Gütern 642. Marck Gold / 51000. Elephanten-Zähne / 8600. Pf. Wachß / und 24. Zibethkatzen mitgebracht habe. Sonsten hat man nunmehr von allen Orten die confirmation erhalten / daß die Algierer mit diesem Staat gebrochen / und bereits 3. Seeländische Schisse weggenommen haben. (Brüsselische. Geschichten.) Schreiben von Brüssel bringen / daß weilen die Frantzosen allen ihren Benachbarten / durch ihre hin- und her Marschen und Bewegungen auff (Selbiger Gouvernent legt verschiedene Guarnisonen in die unbesetzte Plätz.) denen Gräntzen Mißtrauen verursachen / als hat Sr. Excellentz unser Gen. Gouverneur der Holländer Exempel nach / welche ihre Guarnison zu Mastrich verstärcket / und mit Kriegs-Munitiones versehen haben / auch Guarnison in die Stadt Vilvorde auff dem Canal von Antorff und in die Schantze der 3. Thürnen eine Meile von Brüssel verlegt / allwo keine Guarnison / seithero der Stillstand geschlossen worden ist / innen gelegen haben.

Das zehende Capittel
[arrow up]

Handelt von Schweitzerischen Zufällen / wie auch von deme / was aus Asta / Africa und America diesen Monat schrifftwürdiges eingekommen ist. Aus dem Canton Bern wird geschrieben / daß selbige Gesandten / welche (Schweitzerische Geschichten.) zu Turin vor die Piemonteser intercediren sollen / mit allen ihren kräfftigen Remonstrationen keine andere Antwort erlangen kön̅en / als daß der Hertzog ihnen vorgestellet / daß er ohne sein gantzes Land in Gefahr zu setzen / das heraus gegebene Edict wider die Piemonteser nit verändern könne / und geschehen lassen müste / was er nit gern wolte / und zwar umb so viel mehr / [269] weilen die in den Thälern wohnende Leuthe die Waffen ergrieffen / etliche von den ihrigen / weil sie Catholisch worden / hingerichtet / und dergleichen Insolentien mehr verübet / wordurch sie sich aller Fürstlichen Gnaden unwürdig gemacht. (Die Schweitzerische Gesandten intercediten im Ramen der Evangelis.) Diesem aber allen ungeachtet / wolte Se. Königl. Hoheit in Ansehung der gedachten Intercession und in Respect der löblichen Evangelischen Schweitzerischen Cantons / alles was vorgangen / nicht zum ärgsten auffnehmen / wo die Thal - Leuthe nur nach dem Edict Gehorsam leisten (Cantons bey dem Hertzog von Savoden vor die Verfolgte proteftirende Piemonteser.) würden. Hierauff hatten die Abgesandten Permission ersucht / selber nach den Thälern zu reisen / und der Sachen Zustand / Resolution / und Verantwortung der armen Piemonteser zu vernehmen / in Hoffnung / daß sie bey ihrer Zurückkunfft den Hrn. Hertzogen zu einiger Moderation deß Edicts würden bewegen können. Das erste ward ihnen alsofort verwilliget / und alsobald dem Gouverneur der Thäler Ordre gesandt / daß sie den Einwohnern / die nun auff die Berge gewichen / Freyheit mit den Gesandten sich zu unterreden / vergönnen solten. Auff das andere aber / hat Se. Hoheit sich erklärt / daß er ihnen bey ihrer Zurückkunfft wiederumb Audientz geben wolle. Hierauff haben die beyden Gesandten den 22. passato sich nach den Thälern begeben / also daß man nunmehr mit Verlangen nach dem Außschlag der Sachen wartet. Extract - Schreiben aus Tripoli in Africa von 18. April. MAn hat den Admiral allhier / als er in den Rath kam / beym Kopff (Die Stadt Triyoli gerathet in einen Auffstand und läft verschiedene Grosse hinrichten.) genommen / auf ein Pferd geschmiessen / und hinaus geführet / da dann etliche Reuther deß Bey seines abgesagten Feindes ihn umb den Hals zu bringen / gefolget / als er aber vor das Thor kommen / haben ihn etliche Türcken umbringet / und wieder in die Stadt gebracht / allda alles in Auffstand gerieth / und den Bey / wie auch den Thesaurier vor Verräther außrieffen: gedachter Thesaurier und dessen Bruder sind kurtz darauff umb den Hals gebracht / und ihre Häupter vor dem Königlichen Hause auff Pfäle gesteckt worden. Der Vice - Admiral / der vormals der Stadt verwiesen / und nach Gerby geschickt war / ist zum Bey erwehlet / und hat sein Gezelt / 600. Türcken bey sich habend vor der Stadt auffgeschlagen. Den 15. Martii kamen 250. Mahometanische Reuther dem neuen Bey aus dem Gebürg zu Hülff. Die folgende Nacht seynd 70. Reuther auff erhaltene Kundschafft / daß 60. Reuther deß alten Bey einen gewissen [270] Orth zu besetzen trachteten / außgeritten / und haben dieselbigen geschlagen / dem General - Lieutenant deß alten Bey / der sie commandirte / das Haupt abgeschlagen / und mit sich in die Stadt gebracht; wenig Tag darnach ist der alte Bey mit 4000. Reuther / einig Fußvolck und 700. Camelen vor diese Stadt kommen / und hat den neuen Bey / welcher 400. Mann zu Pferd und 150. zu Fuß starck war / rings umbher besetzet. Es seynd aber die Camele durch 3. Feldstücken in Confusion gebracht und deß alten Bey meiste Macht geschlagen / er selbsten den Kopff verlohren / wornach alles in Ruhe gesetzet / und in der Stadt mit Canonen und Mußqueten Salve geschossen worden. ENDE Desz vierdten Theils.
|| [271]

THEATRI NOVI POLITICO - HISTORICI
[arrow up]

Fünffter Theil / Worinnen zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige Begebenheiten / so sich im Monat Majo deß 1686sten Jahrs in der gantzen Welt zu Wasser und Land ereignet haben.

Das erste Capitel
[arrow up]

Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien / sowohl / als in Böhmen / Mähren / Schlesien / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und begeben hat. V???Ermög Brieffen aus Wien haben sich Ihro Käyserl. Majest. den 2. May nacher Neustadt erhoben / nachdeme anvor die Kriegs - Consultationes wegen bevorstehender Campagne in Präsentz deß Hn. Hertzogs zu Lothringen / und anderer Käys. (Käpf???rlicht??? Geschichten.) hoher Ministrorum in vielen gehaltenen Sessionibus ihren endlichen Schluß erreichet haben. Der Hr. Gen. Feldmarschall - Lieutenant Schärffenberg hat / nachdeme er sein Corpo den 23. passato zu Unguar zusammen gezogen / [272] und selbiger Ends Rendevous gehalten / sich damit nacher Zattmar / und so forthin nach Claussenburg erhoben / umb die wanckende Siebenbürgische (General Scherffenb. gebeti??? Siebenbürger.) Stände / welche noch würcklich mit denen Türcken durch deß Fürsten Abbaffy geheimen Ministrum Thelesum tractiren lassen / zu andern Gedancken zu erzwingen. Der Ingenieur Gründel hat von einer neuen Invention Carcassen und Granaten aus ein kleinen Stücklein mit Patronen) unter einem Feuer und Zündung geworffen / welche guten Effect gethan; zu denen aus (Viel Becker / Maurer und Minirer geben in Ungarn.) Mähren / Böhmen / und Schlesien vor einen Monath verschriebenen Becker-Jungen / seynd biß dritthalb hundert Becker und Maurer durch den Rumor-Meister allhier auffgesucht / und nachdem ein jeder mit einem Carbiner versehen / den 1. dieses zu Wasser abgereiset / welche Maurer Backöfen auffzurichten / nach Raab / Comorrn / und andere Orth in Neuheusel an selbiger Vestung zu laboriren vertheilet werden sollen / nebst welchen auch viel Minirer unterm Hauptmann Chauve noch vorhero in Beysein ihres Directoren Herrn Grafen von Marsigli gethaner Proben nach gedachtem Ungarn abgeführt worden. Primo dieses ist ein Courrier von den Chur-Brandenburgischen Auxiliar - Trouppen allhier angelanget / so berichtet / daß der Rendevous derselben den 26. passato bey Crossen / in Gegenwart deß gantzen Churfürstlichen Hofs vorgangen / und deren Anzahl nebst der Artillerie Bedienten sich auff 8500. Köpff erstreckte / und alles in außerlesener Mannschafft ohne die Volontairs / deren auch biß 100. seyn würden / bestünde; von denen Chur-Sächsischen vernimbt man ein gleiches / und daß die Disordren im Marsch zimblich abgestellt werden. Den 4. ist das Montecucul. Courassier-Regiment aus ihren Quartiren hier vorbey nach Ungarn auffgebrochen. Die Belägerung Mongatsch ist in eine Blocquirung aus Mangel der Mannschafft und Pulvers auff (Zu Laybach in Crain geschiehet grosses. Voglück durch einen Donner. streich.) gut befinden deß Hrn. General-Feldmarschalln Caprara verwendet worden. Von Laybach aus Crain wird geschrieben / daß den 28. passato Nachmittag gegen 4. Uhren der Donner daselbsten in den Land-Pulverthurn geschlagen / darinn 500. Centner Pulver / eine grosse Menge Lunden / Kugeln / Bley sc. ware / und geriethe dardurch das Pulver in Brand / und sprengte mit grosser Ungestümmigkeit den Thurn / mit allem in einem Augenblick in die Lufft / welches einem Erdbeben gleich schiene / also daß die gantze Stadt zitterte / und bebete / viele Häuser fielen übern hauffen / an andern wurden die Tächer und Fenster rui???irt / und verdorben / mit unsäglichem Schaden in der Stadt; das beste war / daß es starck regnete / dann dardurch wurden die fliegende brennende Lunden und anders in der Lufft gelöschet. Bey solchem Wetter seynd doch nur 1. Student und eine Frau / welche von einem Hauß / [273] so niedergefallen / umbkommen / aber viele Persohnen / wiewohl nicht tödtlich verwundet worden; von besagtem Thurn / stehet man anders nichts mehr / als die Fundamenta und ist kein Stein auff dem andern geblieben / GOtt ersetze denen Inwohnern diesen Schaden in Gnaden anderwärts. (Zu Wien werden gute Anftalten zu künffliger Campagne gemacht.) Der Käyserl. Hoff - Kriegs - Rath allhier unterlässet nicht / alles / was bey denen Käyserl. Regimentern abgängig / zu veranstalten / massen sie Ordre dahin ergehen lassen / umb bessere Wund - Aertzt und Feldschärer / als vor einem Jahr zu verschaffen: Ingleichem werden unauffhörlich durch Herrn General Feld - Kriegs - Commissarium Grafen von Rabatta alle tieffliche Vorsehungen zu seinem höchsten Ruhm gemacht / damit auch diese Campagne (Viele Schiff mit Getrait / Munition / Stücken und Volck gehen in Vngarn.) auff allen Seithen kein Abgang seyn möchte: so gehen auch nicht allein viel Schiff und Flöß mit Getraid / Munition / von allerhand Sorten Bomben / und Granaten / sondern auch viele schwäre Stück von gantzen und halben Cartaunen / auch andern Geschütz nunmehr täglich nach Ungarn / dahin den 10. das junge Lothringische Regiment / so biß 1500. Mann starck / zu Wasser gefolget. Sonsten hat man durch einen expressen Courrier die erfreuliche Nachricht erhalten / wie daß Hr. General Mercy bey Segetin wider die Türcken abermahln eine herrliche Victori erhalten habe / darvon die Particularia im zweyten Capittel zu lesen seyn werden. Dem Herrn Grafen Cziacki ist von Ihro Käyserl. Majest. das Generalat in Ober - Ungarn allergnädigst verliehen worden / und der Graff Baragozi ist mit denen bey St. Job gestandenen Ungarn von dannen nacher Hauß gerucket / dahingegen verharren die von dem Teckely abgefallene Ungarn in der beständigen Devotion, und Pflicht gegen Ihro Käyserl. Majest. und hat der allhiesige Cardinal Bonvisius Päbstl. Nuntius, dem nechst dem Petnehasy zugegebenen fürnehmsten Officier / eine reiche güldene Ketten zu Erkantnuß seiner ersprießlichen treugeleisteten Kriegs - Dienste zugeschicket. Nachdem sich Ihro Hochfürstl. Durchl. Herr Hertzog von Lothringen den 10. bey der verwittibten Käyserin (Denen Ihro Durchl. Hr. Hertzog von Lothringen in Persohn folgen / nebenst vielen Voluntairs.) beurlaubet / haben sie sich nach der Neustadt verfügt / und nach vollbrachten Urlaubs - Complimenten bey Ihro Käyserlichen Majestät den 25. hujus gegen Ungarn abgereist / umb dem General - Rendevous persöhnlich beyzuwohnen / dahin nun alle Käyserl. Regimenter und andere Auxiliar-Trouppen in vollem Marsch begrieffen seynd; auch seynd viele / sowohl Frantzös. als Spannische (derer letzten in allem über 300. seyn) und anderer Nationen / theils fürnehmer Voluntairs von hier nach Ungarn abmarschirt; von denen jüngst verbrenten Laboranten deß Spannischen Feuerwerckers seynd drey Persohnen gestorben / und seynd noch zwey / auch der [274] Principal selber noch nicht gar aus der Gefahr deß Lebens / zu allem Glück war das Gifft / so man über die angezündte Materi selbigen Tags hat mischen wollen / noch nicht darbey / sonsten wäre nicht allein Er Principal, sondern alle im Käyserl. Arsenal wohnende Leuth von solchem Rauch umbgebracht worden. Den 17. ist aus Spannien der Printz Eugenius von Savoyen per posta allhier angelangt / welcher zu der Käyserl. Armee in Ungarn gehet / umb seine Charge / als General-Wachtmeister zu exerciren. (Die Chur-Bäyerische Völcker seynd zu Wien angelangt und wieder nach Vngarn abmarchirt.) Den 18. ist ein Chur-Bäyrisch Regiment Dragoner / nebst anderer Reutherey hier vorbey marschiret / und 70. Schiffs-Gezeug voller selbiger Fußvölcker beladen / nacher Ungarn abgeführt worden. Die Chur-Brandenburgischen und Chur-Sächs. Auxiliar-Völcker / davon die ersten durch Schlesien / und den Paß Jabluncka, und die letztern durch Mähren marschiret / seynd bereits auff denen Ungarischen Gräntzen angelanget / und parat, umb sich auff dem General-Rendevous / welcher zu Ende dieses Monats außgesetzt ist / einzufinden. Es seynd auch 2. Regiment. zu Fuß / und so viel zu Pferd nacher Croaten im Marsch begrieffen. (Denen der Churfürst in hoher Person nebst andern Officiers folget.) Den 15. seynd Ihr. Churfürstl. Durchl. aus Bäyern nebst dero Gemahlin dahier arrivirt / worauff sie sich nach der Neustadt erhoben / und nachdeme sie sich bey Ihro Käyserl. Majest. verabschiedet / haben selbige den 25. in Begleitung deß Printz Louvis von Baaden (als welcher sambt dem Feldmarschall Leßlie Ihro Churfürstl. Durchl. bey Dero Armee assistiren wird) nach Ungarn erhoben. Eodem dato haben sich Ihr. Excell. Hr. Graf von Stahrenberg unter einer starcken Suite auch dahin erhoben / umb unter der Haupt-Armee die Infanteri zu commandiren / so ist auch abermahln ein sehr wohl mondirtes und in wackerer Mannschafft bestehendes Courassier-Regiment / so Ihr. Churfürstl. Durchl. in Bäyern von König in Schweden erkauffet / den 26. zu Wasser nach Ungarn abgefahren. Den 28. ist die (Zu Wien wirb ein Policey. Ordnung publicirt.) Publicirung der schon ein lange Zeit im Werck begrieffenen Policey-Ordnung von der Nider-Oesterreichischen Regierung vorgenommen / auch aus Befelch deroselben allenthalben / damit sich eine jedwedere Stands-Person darnach zu richten wissen könne / affigirt worden / doch soll selbige erst künfftig angehenden 1687. Jahrs ihren würcklichen Anfang und weitern Fortgang nehmen.
|| [275]

Das zweyte Capitel
[arrow up]

Tractiret von Ungarisch-Siebenbürg-Croatisch-Türckis-Moldauis- und Wallachischen Geschichten. (Vngarische Geschichten.) ICh habe in vorigem Capittel erwehnet / wie daß die Belägerung Mongatsch wieder in eine Bloquada verkehrt worden sey / dergestalt daß die nechst umb besagte Vestung ligende Plätz mit Kayserlicher Mannschafft starck besetzet geblieben / mit dem Rest ist Herr General Caprara (Hr. General Caprara rasirt verschiedene Plätz.) auff Eperies / Barckfeld / und selbiger Orthen marchiret / und vermög Käyserl. Ordre die Stück / Munition / Proviant / sambt der Guarnison an sich gezogen / folgends selbige Plätz nebst den Berg-Schlössern Regetz / Sachetar / und Turna rasiret / und darauff sich mit seiner unterhabenden Mannschafft zum Rendevous nach Zollnock gewendet / von daraus Hr. General (Hr. General M???cy erhä??? mehrmalen bey Segetin eine herrliche Victori wider die Türcken.) Mercy denen Türcken meh???mahln einen guten Streich angebracht / dann als der Teckely mit 1000. Tartarn bey Segetin disseits und der Seraskier mit 4000. außerlesenen Türcken jenseits der Theiß arrivirt / und allerseits noch mehrere Völcker erwartet / hat indessen erwehnter Teckely von seinem Corpo 600. Tartarn commandirt / umb den Unserigen einen Einfall zu thun / worauff selbige biß nach Ketzkehmet 10. Meilen von Segetin herwarts gegen deß Herrn Feldmarschalln Baron Mercy Lager gestreiffet / von dar vieles Viehe und biß 200. Bauern hinweggeführet / aus welcher Action man schlosse / daß noch ein starckes Corpo im Hinterhalt stehen müste. Deß andern Tags bekame der Herr Gen. Mercy von denen gehuldigten Bauern Kundschafft / daß die Tartarn bey Segedin im Feld ohne Wachten und gantz ohnversehen offen stünden / und obgedachtes Viehe und viele gefangene Christen bey sich hätten / worauff S. Excell. nebst dem Hn. General Heußler beschlossen / ein fliegend Corpus zu machen / und besagtes Läger / wobey sich der Teckely befande / zu überfallen / und nahmen zu dem Ende / nebst 4. Regimentern Curassierer und 2. Regimentern Dragoner / auch 1000. der besten Hussaren / und 500. Mußquetirer / welche man auff Bagage (Anmarsch der V???srigen) Pferd setzte / umb desto besser fortkommen zu können: mit diesem Corpo marschirte man den gantzen Tag und folgende Nacht / und kame bey anbrechendem Tage an der Tartarn Lager / allwo sich die Unsrigen in Ord [276] nung stelleten: der Hr. General Heußler mit gemeldtem 1000. Hussaren gienge in vollem Galopp voran / deme der Herr Obrist-Lieut. Graff von Hoffkirchen mit denen Styrum- und Dünnewaldisch. Regimentern folgte / und den Rücken hielte / und mit den übrigen Völckern folgte Hr. General Mercy: die Hussaren funden die Tartarn mehrentheils in denen Baraquen (Viele Tartarn werden niedergehauen.) oder Zelten schlaffend / und ihre Pferde auff der Weyde loßgehen; und konten also in freyem Felde der Hussarn Geschwindigkeit nit entfliehen / als welche viele Tartarn niederhaueten. Selbige Nacht waren 2000. von dem Kern der Türcken über das Wasser gangen / (welches aber den Unserigen unbewust) in willens folgenden Tags / nebst denen Tartarn einen Streiff zu thun: als nun diese Türcken das grausame Geschrey und Allarn???en / kamen sie herzu / denen Tartarn Hülff zu leisten; worauff der General Mercy denen Hussaren befahl / die in Confusion seyende Tartarn zu verfolgen / und er mit denen Dünnewald. und Styrumischen Regimentern gienge gegen die Türcken / und schickte den General Heußler mit 3. Regimentern fort / denen Türcken von hinten den Paß abzuschneiden / welcher sich dann zwischen solche und der Stadt postirte: welches dann ihme also geglücket / daß (Die Türcken von General Heußler in Confusion gebracht.) nachdeme der Feind von vornen dapffer angegrieffen ward / selbiger in grosse Confusion geriethe und flohe / und wolte sich auff der rechten Seithen in die Stadt retiriren; als aber die darinnen die drey Regimenter unterm General Heußler sahen / welche schon mit denen Türcken scharmutzirten / schlossen sie das Thor ihnen vor der Nasen zu / beförchtende / es möchten die Christen zugleich mit denen Türcken in die Stadt tringen: hatten also die Türcken (Und genöthiget in die Theiß zu springen darinnen viele ersoffen.) vor ihnen die Mauren der Stadt verschlossen / auff der einen Seithen die Theiß / auff der andern und hinter ihnen die Teutschen / welche sie verfolgeten / wurden deßhalben gezwungen / ins Wasser zu springen / in Hoffnung sich jenseits deß Flusses zu salviren; ersoffen aber mehrentheils / im zusehen der Unserigen / also daß sowohl im Wasser als im Niederhauen 1500. Türcken (Der Verlust wird Türck. Seiten auff 1500. Mann geachtet.) und Tartarn todt geblieben seyn. Ein Soldat zu Pferdt hat den Bassa, welcher obgedachte 2000. Türcken commandirt / mit einem Carbiner erschossen / und dem Herrn General Mercy deß Bassa Pferd geschencket / welches wegen seiner von lauter Goldreichen Außstaffirung auff 1000. Ducaten werth geschätzet wird. Der Seraskier sambt den meisten Officirern hat (Der Seraskier / Teckely und Petrozzi salviren sich kümmerlich.) sich in Segedin / der Teckely und Petrozzi aber / denen es zum treffen noch zu frühe war / logirten ausser Sigeth in einem Franciscaner Closter / und auff erhaltene Nachricht salvirten sich beyde gantz kümmerlich und mit abermahliger grosser Gefahr aus Vortheil eines tieffen Grabens über die Theiß / doch ist deß Teckely Leib-Pferd und dessen Flaschen-Keller mit To [277] kayer Wein gefüllet / weilen er in besagtem Kloster frühstücken wollen / den unserigen zu theil worden: Man hat über dieses das gantze Lager / sambt Stücken / Munition / Bagage und Proviant erobert / womit und vielen andern reichen Beuten beladen das Mercysche Corpo wieder zuruck nach Zollnock gekehret; unserseits werden 23. gemisset / so tod geblieben / und seynd 25. verwundet worden / von Türckischer Seiten aber haben die unserige nebst (300. werden gefangen genommen.) den obberührten vielen Erschlagenen auch 300. gefänglich angenommen / welche so viel ausgesagt / daß der Groß-Vezier durch einen expressen Courrier von dem Groß-Sultan / nachdeme die Zeitung am Türckischen Hof (Aussag derselben.) über den / durch die Venetianische Waffen im nechst-verwichenen Martio der Türckischen Armee zugefügten Schaden und erlittenen unglücklichen Streich / erschollen / von seiner nach Griechischweissenburg angetrettenen Reise nach Adrianopel zurück beruffen worden / und also die immerfort über die erschröckliche Unglücks Ruthen / unter dem Volck anwachsende consternation die Gemüther in die äusserste Kleinmüthigkeit gesetzt hätte: Mit gedachtem Groß-Vezier wären alleinige 15000. Mann von Adrianopel gegen Griechischweissenburg abmarschirt / welche aber von 6000. Janitscharen / so aus Constantinopel genommen worden / ehisten verstärcket werden sollen / zu denen die Ungarischen Gräntz und Besatzungs-Völcker zu stossen beordret (Die Leventzer und Vespriner Hussaren streiffen glücklich.) seynd. Bey diesem Verlauff haben die Leventzer Hussaren auch einen Streiff biß unter Ofen gethan / und in die 800. Ochsen zusammen getrieben / welchen das Viehe abzujagen in die 70. Türcken nachkommen / aber dergestalt beneventirt worden / daß ihrer viel auff dem Platz geblieben / gedachte Hussaren / welche nur 40. Mann starck gewesen / und nicht mehr als zwey Mann verlohren / seynd mit dem Viehe nebst 12. Gefangenen von den vornehmsten Türcken wieder glücklich zuruck gekehret. Ingleichem haben die Vespriner Hussaren 50. Stulweissenburgische Janitscharen / so Lebensmittel gesuchet / ertappet / und alle biß auff 4. welche gefangen genommen worden / niedergesäbelt / von denen Hussaren seynd nur 6. blessirt / (In dem Feuerwercks-Laboratorio zu Raab entstehet eine gefährliche Feuersbrunst.) aber keiner getödet worden. In dem Feuerwercks-Laboratorio zu Raab ist eine gefährliche Feuersbrunst entstanden / zum Glück aber / doch mit einer höchst-periculosen Resolution hat der Ober-Hauptmann Muth nur mit etwa 20. bey ihm in der Gefahr beständig gebliebenen Personen (indem die andere sich alle salvirt) die halb verfertigte Carcassen in lauter Gewölber / und unter die Erden reterirt / allwo auch sonsten eine grosse Menge schon fertiges Feuerw???rck ligt / auch niemand weiters verletzet ausser im leschen einem das Haar versenget worden: der Thäter / so ein Sclavac, wird [278] aus Befelch deß daselbstigen Commendaten scharpff allenthalben auffgesucht. Sonsten befinden sich auch in gedachtem Raab 2. von Ihr. Päbstl. Heiligkeit von Rom ausgeschickte Patres Franciscaner von sonderbaren grossen Wissenschafften im Feuerwerck / welche würcklich zu labotiren angefangen. (Siebenbürg. Geschichten.) Aus Siebenbürgen hat man endlich die eigentliche Nachricht von dem General Feldmarschall Lieutenant Grafen von Schärffenberg dieses mehrern Inhalts vernommen / daß nachdem er unweit Clausenburg mit seinem unterhabenden (Hr. General Scherffenberg eröffnet dem Fürsten und Ständen seine Commission.) Corpo angelangt / er dem Fürsten Abaffy sambt denen Siebenbürgischen Ständen seine Negotiation eröffnet / und seine postulata darüber formirt / auch eine endliche Resolution von denenselben cathegoricè verlangt / und ob zwar dato er dieselbe annoch nicht überkommen / so werden doch seinen unterhabenden Trouppen alle gehörige Lebensmittel und Marsch-Nothwendigkeiten von denen Inwohnern herbey geschaffet / vermeldet anbey / daß (Herentgegen suchet der Türckische Seraskier durch grosse Promessen selbigen Fürsten in Türckischer Devotion zu erhalten.) der Seraskier / so jenseit der Theiß die Türckische Mannschafft commandirt / auch an dieselbe Stände würcklich unterschiedliche Propositiones gelangen lassen / welche endlich dahin collimirten, daß so fern sie von dem Türckischen Reich nicht abweichen / und zu den Teutschen nicht übergehen / oder mit ihren Soldaten zu denselben stossen würden / er alsdann ihnen die von Gyula / Lippa / und dem Bassa zu Wardein de facto usurpirte Dorffschafften wiederumb zu restituiren, und dabey auff ein billiges den jährlichen Tribut moderiren wolte / darüber er dann von dem Groß-Sultan bevollmächtiget wäre; Worauff aber besagter Fürst nichts geantwortet. Ja man vernimbt im Gegentheil / daß nachdem einige Türckische Trouppen selbigem Fürstenthum (den jährlichen Tribut einzuholen) sich genähert / hätten die Einwohner / weilen sie nunmehro in Käyserl. devotion, und man auch Käyserl. Seits selbiges Fürstenthum zu beschützen versprochen / den Tribut nicht reichen wollen / sondern sich mit dem Herrn General von Schärffenberg conjungirt / selbige angefallen / und eine grosse Anzahl nieder gemacht / und die übrige in die Flucht getrieben / darauff den Paß Hermannsburg attaquirt / und auch per Accord erobert / wovon aber ehistens mehrere Gewißheit und Particularia erwartet werden. (Croatische Geschichten.) Aus Croatien wird geschrieben / daß Herr Johann Matthoeus Graf von Strasoldo / Käyserl. General Wachtmeister / den 19. dieses den Vice-Capitain von Ogullin Herrn Georg Christophel Hranillowitsch mit einer Parthey von 500. Mann auscommandirt / umb ins Türckische Land gegen Brekovviza 2. Stunde von Biack zu streiffen; welches dann besagtem Capitain dergestalt geglücket / daß er den 21. dito vor Tag selbige kleine Stadt [279] unversehens überfallen / gantz abgebrand / 15. Türcken niedergehauen / und 33. gefangen genommen / auch 3000. Stück Schaafe und biß 400. Ochsen zur Beute bekommen / und zurück gebracht hat: Gemeldten Tag commandirte (Die Croaten streiffen glücklich ins Türckische) der Herr General Strasoldo noch eine andere Parthey von 50. Mann mit 2. Woywoda aus / umb gegen Vranograz zu recognosciren, von dannen diese mit 6. gefangenen Türcken / 160. Hämeln / und 30. Stücken groß Viehe / glücklich zurück gekommen seynd / sie haben alldorten auch (Hr. General Strasoldo läft verschiedene Wohnungen vor die Wallachischen Christen aufdanen.) 5. andere Türcken enthauptet. Gedachter Herr General hat das Schloß zu VVudatsky noch mehrers bevestigen / und daselbst 120. Häuser auffbauen lassen / umb darinn die Wallachische Christen (welche aus Türckey dahin geflohen seynd) zu logiren: Zwischen Sluin und Sckrad hat er auch noch über 200. Wohnungen vor besagte Wallachen auffbauen lassen / welche in grosser Anzahl aus dem Türckischen Territorio kom̅en / und sich der Christlichen Protection und Schutz untergeben. Den 4. ist besagter Herr General (Gebet mit Tod ad.) gestorben / so wegen seiner treu-geleisteten Dienste sehr betrauret wird / wer nun an dessen Stelle kommen werde / stehet künfftig zu vernehmen. Der Herr Obrist-Lieutenant Macar von Caprainiz, so mit 600. Mann gegen Kutyevo einer Türckischen Stadt unter Walpo marschirt / hat ermeldte Stadt überrumpelt / geplündert / und abgebrant / 300. Türcken niedergehauen / und 60. gefangen / mit welchen er nebst guter Beute wieder glücklich zuruck in Caprainiz angelangt ist. (Türckische Geschichten.) Aus dem Türckischen vernimbt man / daß den letzten April der Donner zu Maidan / welches die Türckische Hauptstadt im Königreich Boßnia ist / eingeschlagen / und selbige Stadt gantz eingeäschert hat; gemeldte Stadt ist ein reicher Ort / und hat daselbst Eisengruben. Zu Essegg thun die Türcken an denen neuen Vestungs-Gebäuen Tag und Nacht arbeiten / und haben mit vielen Schiffen eine grosse Menge Proviant und Gewehr auff der Donau dahin gebracht / und wollen nun von besagten Schiffen Brücken über die Donau / die Drab und Sau schlagen / umb die Correspondentz frey zu haben / und sich auff allen begehenden Fall conjungiren zu können. (Der Groß. Vezier läft 4000. Griechen hinrichten.) Nebst diesem verlautet / daß deß Groß-Veziers menschliche Art nunmehro in eine grausame barbarische crudelität sich täglich verkehre / wie er dann in Griechenland über 4000. Griechen durch den Bechlerbeg / weilen sie kein Gehorsam leisten wollen / theils darvon spiessen / theils decaputiren, erwürgen / und auff andere Weiß hinrichten lassen; gedachter Bechlerbeg solle auch mit seiner Militze gegen Albanien zu gehen / eben dergleichen Tyranneyen (Stulweissenburg wird.) daselbsten zu verüben / Ordre haben. Sonsten bevestigen die Türcken Stulweissenburg sehr starck / wobey die gehuldigte Bauern unmensch [280] lich angetrieben werden / und ist Nachricht / daß sie zwar viele grosse Stück und Munition / aber wenig Proviant bekom̅en / auch gelte ein Sack Waitzen / was ein Mensch tragen kan / 4. biß 5. Ducaten / übrigens aber wüsten (mehrers fortisicirt.) sie vor Forcht nicht / was sie thun sollen / indeme sie Ordre hätten sich diß auff den letzten Blutstropffen zu wehren. Von Adrianopel hat man Nachricht / daß den 17. passato der Janitscharen Aga mit seiner Militz von dannen nach Griechischweissenburg abmarschirt / deme den 19. dito der Groß-Vezier nebst andern Grossen nachgefolget sey. Im übrigen wird von allen (Griechisch. weissenburg gehet fast völlig im Rauch auff.) Orten confirmirt, daß besagte grosse reiche und mächtige Türckische Stadt Griechischweissenburg / sonsten Bellgrad genant / zwischen der Sau und Donau / wo der erste in den letztern Strohm laufft / gelegen / meistentheils sambt dem Schloß und 200. Magazin- oder Provianthäuser durch einen Donnerschlag / andere sagen durch ein aus einem Beckenhauß in der Lateiner Vorstadt ausgekommenes Feuer / eingeäschert worden sey / und hat selbige Stadt dreymal 24. Stund an einander gebrand / und ist nichts als etwas vom Schloß und die Vorstadt / allwo die Christen wohnen / sambt ihrer Kirchen / unversehrt geblieben: es werden dey 4000. Häuser gezehlet / so völlig abgebrant sind. In dieser grossen Stadt pflegeten die Türcken ihre Magazins auffzurichten / umb alle darumb ligende Königreich daraus zu proviantiren / weilen sie sich gar wohl darzu geschicket hat; Nun wird durch diesen Brand die Theurung und Brodmangel / welchen die Türcken schon (Die Türcken schlagen unweit Essegg eine Brücken über die Donau.) auff allen ihren Gräntzen haben / noch grösser. Unterhalb Essegg heben die Türcken nun auch eine Brücke über die Donau geschlagen / umb auff allen Seiten die freye communication zu haben: sie thun auch alle Gräntz-Vestungen möglichst mit Völckern verstärcken / und vermehret sich die Bestürtzung unter ihnen immer fort.

Das dritte Capitel
[arrow up]

Haltet in sich / was im Römischen Reich hin und wieder passirt ist. AUs dem Ober-Sächsischen Craiß kom̅t neues von der Churfürstl. (Römihen Reichs Geschichten) Brandenburgsischen Residentz-Stadt Berlin / daß den 7. der Churfürstl. würckliche geheime Rath und Landes-Hauptmann in der alten Marckt Herr von Kneseneck in hoher Gegenwart Sr. Churfürstlichen [281] Durchl. zum Proesidenten im Cammer-Gericht und Consistorio bestellt / auch vorgestellet worden. Es ist im Vorschlag / daß ein Fahrt gemacht werden soll / nemlich von Colberg aus Hinter-Pommern biß nach Trepto / woselbsten (Chur-Brandenburgische Geschichten.) 2. Seen ligen / welche wie berichtet wird / durchzustechen schon beschlossen / damit der Hafen grösser gemacht werde / und man derowegen von Trepto auff der Rege biß in den Trahefluß fahren kan / weilen aber der Fluß (Von Colberg biß Trepto ist eine Fahrt zu machen im Vorschlag.) Rege sehr krumm gehet / so soll er von Raeßfeld biß Tramburg durchgestochen / und in die Trahe gebracht / und bey Raeßfeld eine Schleuse geleget werden / dadurch das Wasser nach Trepto und Tramburg zu leiten; von der Trahe fahren sie Kalies und Driesen vorbey / und zu Landsberg in die Warte weiter herunter / aber zu Cüstrin in die Oder / da sie auffwärts nach Franckfurt und Breßlau / wie auch von Franckfurt durch den neuen Graben anhero / und also gar nach Hamburg fahren können. Wann dieses Werck zur Richtigkeit gebracht / so werden die Hinter-Pommerischen Städte / Colberg / Trepto / Schellin / Greiffenberg / Regenwalda / und andere in grosses Auffnehmen und Handlung kommen / weilen die Edelleute alsdann ihr Korn und andere grobe Wahren besser an andere Oerter verführen können / und nicht gezwungen seyn / zu Land mit grossem Unkosten ihre Sachen nach den grossen Städten zu bringen / wogegen die schwere Wahren zu solcher Zeit den nechsten Weg nach Hamburg und andern Orten durch Colberg in Schlesien / und andern weit entlegenen Ländern können gebracht werden / wordurch der Zoll in Pommern / der Marck / und biß in Schlesien Ihr. Churfürstl. Durchl. ein grosses eintragen wird. (Der Landgraf von Hessen. Cassel langt zu Berlin an.) Den 15. Nachmittag seynd deß Hn. Landgrafen zu Hessen. Cassel Hochfürstl. Durchl. nebst dero Frau Gemahlin Durchl. und der Princessin von Churland Durchl. hier angelanget / und seynd Se. Churfürstlich. Durchl. Seine Chur-Printzliche Durchl. dero Frau Gemahlin Durchl. auch alle Chur-Princessinnen / Printzen / und andere anwesende Hochfl. Personen ihnen biß auff eine halbe Meile entgegen gefahren / umb sie einzuholen / und ward (Dessen Einzug.) ein sehr schöner Einzug gehalten / als 1. marschirten vier Trompeter / ein Paucker / und die Churfürstl. Trabanten-Garde vorn an. 2. Folgeten sechs und dreysig Kutschen. 3. Acht und zwantzig Handpferde mit kostbaren Chabraquen. 4. Der Churfürstl. Pagen Hofmeister mit denen Churfürstl. Pagen. 5. Der Ober-Hof-Marschall mit allen Cavallieren und Chur-Printzl. Printzen. 6. Der Hr. Ober-Stallmeister. 7. Se. Churfl. Durchl. mit deß Herrn Landgrafens Durchl. in einer schönen chamerirten Chaise. 8. Ih. Churfürstl. Durchl. die Churfürstin mit der Fr. Landgräsin Durchl. dero Chur-Princessinnen und der Fr. Marggräfinen Durchl. [282] in einer schönen Kutschen. 9. Noch etliche Kutschen / welche auch mit Fürstlichen Personen besetzt waren. Beym Einzug wurden alle die Stücke umb die Residentz dreymal gelöset / auch von der Guarnison die behörigen Salven (Wird von Chur-Brandenburg herrlich bewirthet.) gegeben. Die Burgerschafft war auch auffgezogen / und gienge alles sehr magnifique zu. Deß andern Tags nach vollbrachter Mahlzeit wurden Sr. Hochfürstl. Durchl. dem Herrn Landgrafen / wie auch Sr. Durchl. dem Printzen von Mecklenburg die Laboratoria, allwo einige Brandkugeln angesteckt wurden / das Stück-Gießhauß / bey welchem eine sehr grosse Quantität Stückkugeln und Bomben in schöner Ordnung stehen / wie auch die Rohr-Kammern und Zeughäuser gezeiget. Den 17. wurde in Gegenwart (und mit allerhand Divertissementen beehret.) aller Hochfürstlichen Personen vor dem Leipziger Thor aus Böllern und Haubitzen auff 4000. Schritt Brandkugeln / wie auch mit dem Armbrust / und aus einer Kammer-Büchsen Handgranaten bey 100. Schritt geworffen; es war auch eine Batterie gemacht / welche durch Bomben und Granat-Cartetschen demolirt wurde. Se. Chur-Printzl. Durchl. deß Herrn Landgrafen Durchl. deß Fürsten von Anhalt Durchl. deß Printzen Philipp Durchl. schossen mit Stücken nach einer Scheibe / und thäte Printz Philipp Durchl. den besten Schuß; als diß vorbey / fuhren sie wieder zu Schlosse zum Mittagsmahl / und waren lustig. Den 20. seynd Se. Churfürstl. Durchl. mit deß Hn. Landgrafen zu Cassel Hochsürstl. Durchl. (Reiset wieder nach Hauß.) nach Potzdam verreist / und haben ein Stund von dar den 21. ein grosses Jagen gehalten / worauff den 24. der Herr Landgraf von Hessen Cassel wieder nach Hauß gekehret ist. Aus Schlesien hat man vom 30. passato / daß unsere Völcker nicht über das Riesengebürg / sondern neben demselben (Se. Churfl. Durchl. erhalten Rachricht von dero Völckern Marsch.) vorbey marschirt seyn / damit sie sich desto weiter von einander theilen können / und dem Landmann nicht zu beschwerlich seyn mögen; Es haben aber die Schlesischen Commissarien einen Vortheil machen wollen / und deßwegen die Armee so kurtz einlogirt an einem Ort / da auff eine halbe vierthel und halbe Meil Dörffer gelegen / darüber der Herr General Schöning sich gegen gedachten Commissarien sehr beschwehret / und gedrohet / solches nicht allein Sr. Churfürstl. Durchl. zu berichten / sondern es an Ihr. Käyserliche Majest. zu klagen / mit dem Beyfügen / daß wann sie solche Quartier nicht erweitern würden / er solches durch seine Quartiermeister selber wolte thun lassen / jedoch dabey versicherende / daß wann selbiges geschehen müste / dannoch solche Ordre gehalten werden solte / daß kein (Derr General Schönig wird wegen gehaltener zu.) Landmann darüber solte zu klagen haben / welches dann auch geschehen / und seyn die Einwohner damit sehr wohl zufrieden / und können deß Herrn General Schönings Commando und Conduite nicht genug rühmen / wie [283] dann die Bauern / so 70. biß 80. Jahr alt / frey heraus bekennen / daß sie noch niemalen / so lang sie gelebet / einen solchen formlichen und Christlichen (ten Ordre sehr gerühmet.) Durchmarsch gesehen / und geben sie denen Soldaten / wann sie weg marschiren / noch Vrod / und was sie sonsten haben / auff den Weg. (In dem Chur-Rheinischen und Fränckischen Craisen thun die Kiesel grossen Swaben.) Aus dem Chur-Rheinischen und Fränckischen Craiß höret man leyder / daß diesen Monat hindurch selbiger Orten die Kiesel und starcke Regengüß sehr grossen Schaden verursachet / indeme umb Mannheim in der Pfaltz / und zu Klingenberg am Mayn Kiesel so groß als die Hünnereyer gefallen / die an diesem letzten Ort etliche Tage gelegen / ehe sie völlig zerschmoltzen seynd / und haben in selbigen umb seines edlen Weinwachses willen weilberühmten Berg / wie auch zu Rollfeld / Eschau / und Schippach den Weinstock und Früchten in Grund ruinirt / auch etliche hundert Eich- und andere Bäume aus der Erden gerissen; Derglerchen ist zu Biestein und umb Neustadt an der Hart mit den Früchten und dem Weinstock beschehen / welches auch das Ambt Craulheim den 15. dito sehr hart betroffen hat / indeme durch ein urplötzliches Ungewitter daselbsten sowohl Menschen als Viehe ersoffen / Häuser / Scheuren / und Släll / sambt den Brücken weggerissen / die Weinberg meistentheils abgeflösset / Aecker und Wiesen sambt den Gärten völlig überschwemmet / auch grosser Schaden an den lieben Früchten geschehen / also daß in vielen Jahren alles in vorigen Stand nicht wieder gesetzet werden kan. (Der Westyhälische Craiß tractirt von denen Geschichten der Stadt Cöln.) Aus dem Westyhälischen Craiß melden die Geschichten von der Stadl Cöln / daß die Erben von denen Burgermeistern Cronenberg und Krebs / welche vor etlichen Jahren degradirt und abgesetzt worden / den Proceß wider den regierenden Magistrat / welcher sie degradirt und in Arrest gesetzt hat / und worinn der erste gestorben ist / gewonnen / und ist der Sentenz den 8. hujus im vollen Magistrat verlesen worden / krafft welchem man sie wieder in ihre Ehre einsetzen / allen Schaden und Unkosten gut machen und erstatten solle. Besagter Magistrat hat nunmehr angefangen denen Käyserl. Herren Subdelegirten zu ihrer Verpflegung wochentlich 120. biß 130. Reichsthaler zu bezahlen. Die 2. biß 300. Mann / welche der Herr Graf Emanuel von Fürstenberg zu Lüttig hat werben lassen / umb das Regiment / welches er in Käyserlichen Diensten hat / damit zu recroutiren / haben den 19. dito ihren Marsch nacher Ungarn fortgesetzet. Hiesiger Stadt Magistrat hat 300. Mann von unserer Militze abgedancket. Den 30. ist mit 7. so lang im Arrest gesessenen auffwickelischen Tumultuanten / welche meist [284] Commissarii vor diesem von unterschiedlichen Zünfften gewesen / und diese Stadt regiert haben / folgender gestalt die execution auff dem Neumarckt / allwo ein neuer Kack auffgerichtet worden / geschehen: Hanß Adam Josten / (3. von denen Cölnischen Tumultuanten bekommen den Stauphesen zum Lohn.) Westhoven und Pettermanns waren an einander gebunden / und durch den Pfaltz-Neuburgischen Scharpffrichter aus Gülich gar hart zur Stadt hinaus gestrichen / und so ewig mit dem zwey Stunden lang am Kack gestandenen Commissario Derichs Tubackskrämer bannisirt / worauff man gleich andere deß Nachts aus den Bettern geholet / und an deren statt in die Gefängnuß gelegt hat. (Der Nieder-Sächsische Craiß handelt von den Geschichten der Stadt Hamburg.) Aus dem Nieder-Sächsischen Craiß bringen Brieffe aus Hamburg / daß unter andern / so in jüngster Bürger-Versamblung beschlossen / 3. aus den Dreysigern und 2. aus dem Rath erwählet / welche die Zellische Sach vornehmen / wohin nun aus diesen fünffen die meiste Vota fallen / darbey soll es bleiben / und dem Rath und Bürgerschafft angenehm seyn / so hat man auch im Vorschlag gehabt / daß alle die jenigen / welche Carossen halten / einen Reuter / die aber Landereyen haben / einen Soldaten unterhalten sollen / es ist aber diese Sach verschoben / und ausgestellt. Reisende von Lüneburg berichten / daß unsere Gefangene theils nach Giffhorn / theils aber nach einem andern Ort bey Hannover gebracht / so haben sie auch / die Lüneburgischen eine Schiffbrücke vom Bundten-Hause nach ihrem Lande zu geschlagen / ingleichem eine Schantze von fünff Bollwercken in der Gegend Wilhelmsburg in ihrem Lande gebauet. Den 8. dieses ist dieser Gegend (Ein grosses Sturmwetter thut an Teichen und Dämmen wächtigen Schaden.) abermalen ein sehr grosses Sturmwetter eingefallen / welches an Teichen und Dämmen überaus grossen Schaden gethan / und welche noch von dem jüngsten Einbruch nicht völlig reparirt gewesen / de novo überstiegen / und eingerissen / wie man dann leyder die betrübte Nachricht hat / daß das Olde Land wieder unter Wasser stehet / und der Braußbütteler Teich fast gantz weggerissen und ruinirt worden. Was sonst hin und wieder vor Schaden geschehen / und was vor Leute in dem unterhalb Blanckenese umbgeschlagenen Ever gewesen / davon ist noch keine Nachricht zu haben. Aus Zell wird geschrieben / daß den 11. ein so grausames Wetter von Donner / Regen / Blitz und Hagel gewesen / daß kein Mensch dergleichen erlebet / und meynte jedermann / daß ein andere Sündfluth oder der Jüngste Tag darauff erfolgen würde: endlich aber brach sichs mit solchem Regen / daß fast alle Häuser im Wasser stunden. Schreiben aus Lübeck melden / daß den (Die Mecklenburgische contra Holsteinische) 15. die Mecklenburgische contra Holsteinische Commission völlig verglichen liquidirt, subscribirt und ratificirt, und weilen selbige in der Güte gehoben / sind die gegenwärtig gewesene Königl. Schwedische Reuter aus Stade / wie [285] auch die Fürstl. Lüneburgische / so widrige falls die Sache nicht veraccordiret würde / als Executores praesent. gewesen wiederumb nach ihren Quartiren marschiret / die Hollsteinische Edelleuthe / so an Ihr. Durchl. von (Commission wird zu Lübeck völlig verglichen.) Mecklenburg Seel. Herrn Vatter am Capital 90000. Rthlr. geliehen / von welchen die Interesse schier über zweymahl soviel sich beloffen / haben von dem Mecklenburgischen Adel / welcher Ihr. Durchl. caviret / nach geschehener Liquidation, jetzo 14000. Rthlr. empfangen / vor das übrige sind ihnen die Fürstl. Aembter Verckenthien und Reckenthien von Ihr. Durchl. verpfändet / die Gelter daraus zu heben / biß die Schuld erleget / solte es aber ein Jahr manquiren / daß der gesetzte Termin nicht erfolgte / so soll der Accord von nichts seyn / und diesem zu folge die Sache bey voriger (Daselbft werden 3. Blinde sehend gemacht.) Käyserl. Urtheilen der ergehenden Execution bleiben. Sonsten hat der hier seyende berühmter Medicinae Practicus Herr Clauselius den 17. drey Blinde wieder sehend gemacht / und hat deren noch mehr in der Chur: GOtt gebe ferner seine Gnade. Den 27. arrivirte allhier der Herr Bischoff von Eytin / Ihr. Hochfl. Durchl. von Hollstein-Gottorff Herr Bruder / hatte wohl 8. biß 9. Wägen mit Equipagie bey sich. Eodem dato hat ein Weibsbild ein Kind gebohren / und solchem Arm und Beingen zerbrochen / selbiges in eine Schachtel geleget / und hat man es in St. Marien Kirche gefunden / man weiß aber den Thäter oder Mörder nicht / es gehen allerhand Praesumtiones, aber ohne Fundament. So hat man auch den 26. noch ein ander todt ermordetes Kind gefunden.

Das vierdte Capittel
[arrow up]

Meldet von Königl. Frantzösisch-Spannisch- und Portugesischen Begebenheiten. (Königl. Frantzös. Geschichten.) PAriser Brieff melden / daß der Abbt von Aury / welcher daselbst die Function, als Inter-Nuntius, ohne erkannt zu werden / versehen hat / von dem Pabst zurück geruffen worden / deßhalben er seine Abschieds-Audientz gehabt / welchen der König mit einer schönen güldenen Ketten und Gnaden-Pfenning über 500. Rthl. werth beschencket hat / worauff er wieder nach Rom abgereist ist. Der König hat an Madame Gräfin von Quintin / so Römisch Catholisch worden / eine Jährliche Renthe von 4000. Livres gegeben. Zwischen dem 1. und 2. dieses zu Nachts / als die P. P. Capuciner in S. Honore Gassen / Morgens früh aus der Metten giengen / sahen sie / [286] daß Feuer in der Nachbarschafft außgekommen ware / weßhalben sie geschwind hinzulieffen / und befunden / daß es im Stall deß Hrn. Pommier bey dem Louvre ware; besagte P. P. bäteten / und halffen löschen / aber umbsonst / (In Hr. Pommiers Stall komt Feuer aus wordurch viel schöne Pferd zu schanden gehen / worbey auch ein Kistlein von 800. guldenen Louysen geraubet wird.) dann der Stall brandte gantz hinweg / und konte man von 60. à 70. schönen Pferden / kaum 16. oder 18. heraus erretten / welche doch mehrentheils wegen deß Feuers und Dampffs blind worden seynd; über diesem Allarm wolte der Hr. Pommier einige Sachen aus seinem Hauß salviren / und gabe seinen Haußrath dem ersten / so ihm begegnete / umb solchen in Sicherheit zu bringen; unter andern gabe er einem Mann / so einem blauen Rock anhatte / ein Kistlein / worinn 800. güldene Louysen waren / aber dieser ist seithero nit wieder darmit zum Vorschein gekommen; Bey diesem Brand hat man etwas sonderliches vermercket / indeme das Feuer auff 4. Ecken zugleich auffgangen / und doch niemand darinn gewesen ist. Mons. de Bonrepos ist aus Engelland allhier wieder zurück gelangt / und sagt man / ob hätte er alldorten einen Handels-Tractat zwischen Sr. Allerchristl. Majest. und dem König von Engelland geschlossen. Den 1. diß seynd noch 4. grosse Schiff und 3. Fregatten von Rochefort in See gelauffen / sich mit unserer Flotte zu conjungiren. Der Marq. de Bellefond hat das General-Commando von gantz Guinnée mit allen Dependentien / welches 40000. Livres Renthen einträgt. Die Völcker / welche in Langedock seynd / marschiren nach der Seithen von Castres, allwo sie diesen Sommer über campiren sollen; Es wird auch ein ander Läger in Sevennes, und ein drittes auff der Seiten von Montaubon, (Der Intendant von Languedock verbietet das Gewähr tragen in selbiger Provintz.) im Vißthumb Lombes seyn. Das Gewähr tragen in Langedock ist allen Persohnen (außgenommen denen vom Adel nicht) zu tragen verbotten / weiln selbiger Intendant, ohnerachtet aller Mühe und Sorge / noch immer mit denen neuen Catholischen einige Händel hat / und sie nicht zur Messe bringen kan. Die Princessin von Conty hat das Hertzogthumb von Pentievre in Bretagne vor 1500000. Livres gekaufft / welches hiebevoren dem Hauß Vendosme zugehörig gewesen ist. Se. Allerchristl. Majest. hat durch einen Expressen von Madritt Nachricht bekommen / daß der Spannische Hoff wegen der 500000. Rthlr. 350000. Rthlr. anerbiethe / aber man wil hier nichts von der gantzen Summa abgehen lassen / sondern vollkommen bezahlt haben. Der Marq. de Louvois liegt am doppelten dreytägigem Fieber kranck darnieder. Der König läst zu St. Sire ein groß Gebäu auffrichten / umb 300. (Der König läft ein Gebäu vor 300. Jungfrauen Adlichen Geschlechts uffrichten.) Jungfrauen / welche Zeugnuß ihres Adels von 5. Geschlechten Vätterlicher Seits geben / darin zu erhalten / man wird sie von 7. biß 14. Jahren alt annehmen / und alles / was zu ihrem Stand nöthig ist / lehren; dieses Gebäw wird 1500000. Livres kosten / und macht man eine Stifftung von 50000. [287] Rthlr. Renthen / zu ihrem Unterhalt. Den 15. dieses ist der Hr. Lillerod Königl. Schwedischer Envoyé von hier nacher Brüssel abgereist. Der ältiste von denen zweyen natürlichen Söhnen deß Königs von Engelland / so in Ungarn gehet / hat den 16. dieses / von Sr. Allerchristl. Majest. Abschied genommen / welchen Se. Maj. mit einem Bildnuß von Diamanten 3000. Rthlr. werth regalirt hat. Wie die letzte Brieff von Cadix melden / seynd 4. Königl. Schiff im selbigen Hafen gelauffen / denen etliche Tag hernach noch 7. andere gefolget / so einen solchen Schrecken in der Stadt verursachet / daß alle Kauffleuthe mit ihren Gütern von dannen weg flüchteten. Man hat in jede Generalität Commissarien gesetzet / umb der flüchtigen Protestanten Güter sich zu versichern / und solche zu verpfachten. Unsers Königs Ambassadeur in Portugall Hn. Amelots Secretarius ist in 11. Tagen Zeit von Lissabonn allhier angelangt / und andern Tags nach seiner Ankunfft wieder dahin in wichtigen Geschäfften abgeschickt worden. Man hat 52. neue Catholische von Roschelle / welche sich in einem Engellischen (52. neue Catholische / so sich in Engelland salviren wollen / werden angehalten und gefangen eingesetzt.) Schiff salviren wollen / ertappet / und mit dem Capitain theils nacher Rhé, und theils nacher Oleron gefangen geführt. Man sagt / daß ein Englisch Schiff / als es vor Diepè vorbey gesegelt / einige Canon-Schüsse gethan / und dardurch einige Häuser beschädiget / und etliche Perfohnen getödtet habe. Man armiret eine dritte Escadre zu Rochefort; deß Mons. de Pruilly zu Brest; auch wird an etlichen neuen Schiffen zu Toulon gearbeitet. Der Hertzogin von Portsmuth Ställe seynd mit 8. schönen grauen Pferden / dergleichen nicht in diesem Königreich gewesen / verbrannt. Der Herr Antonius von Barillon Herr von Merangis ist am Schlag gestorben. Unsers Königs Escadre unter dem Marschall d'Estrée und dem Hertzog (Dergleichen wird mit 170. andern aus dem Delphinat procediret.) von Mortemar haben sich auff der Höhe von Cadix conjungiret. Hundert und siebenzig neue Catholischen aus dem Delphinat, so der Gegend von Savoyen sich retiriren wollen / seynd ertappet / und nacher Grenoble geführt worden. Von Bordeaux hat man / daß durch den Hagel und Frost der Ends an denen Früchten und Weinbergen grosser Schaden geschehen. Von Rouen hat man / daß alldorten ein grosse Feuersbrunst entstanden / wordurch 28. Wohn- und Back-Häuser verbrandt; Einige Backhäuser seyen mit Früchten angefüllet gewesen. Der Hertzog von Savoyen hat mit Hülffe der Frantzös. Völcker die Protestanten in denen Thälern / gantz zum Gehorsam gebracht / die Frantzosen unter Commando deß Hn. Catinat haben sie auff 3. Seithen bezwungen; der Commendant hat sie im Thal St. Mortin angegriffen; der Sr. de Melac durch das von St. Germain / dieser hatte 2. Detachement gemacht / [288] seines commandirte er selber / und das andere Sr. de Villeville, allwo es scharff hergienge / und wurden viele Leuthe getödtet und verwundet; der Sr. de Villeville ward gezwungen / sich in eine Kirche zu retiriren / allwo er (Eine scharffe Rencontre zwischen den Frantzösis. Völckern und Lucerner Thälern worbey diese letzte dem kürtzern zieben.) sich über 5. Stunden lang gegen mehr als 600. Mann defendirte / und hatte nur 32. Officiers bey sich / davon 14. getödtet und 7. verwundet wurden. Alle diese Attaquen geschahen zu Nachts zwischen dem 21. und 22. passato. Den 23. dito mit anbrechendem Tage / stiegen deß Hertzogs Völcker auff den Berg von Angrogne mit einigen kleinen Stücken Geschützes und Doppel-Hacken / und trieben in kurtzer Zeit die Protestanten aus ihren Posten / so sie ohne Verlust eines Manns eroberten. Die Savoys. Soldaten haben daselbsten viele Männer / Weiber und Kinder niedergemacht / und überall gebrandt. Auff deß Mons. de Villeville Seithen aber / seynd 50. Mann todt geblieben / und 200. verwundet worden / worunter der Marquis de Beron von einer Mußqueten Kugel mitten durch den Leib / sein Vetter Gautant in Arm / und Mons. de Villeville an zwey Orthen / aber nicht gefährlich geschossen und verwundet seynd. (Die Reubekehrte zu Diepe erklären sich vor selbigen Intendanten zur reformirten Religion.) Man sagt / daß alle die Protestanten zu Diepe / welche solcher Religion abgeschworen gehabt / in einem Corpus, alle zugleich / vor dem Herrn Intendanten erschienen seynd / und ihme gesagt haben / daß weilen sie das Laster / welches sie vor ihme wider Gott begangen / erkandt / indeme sie aus Forcht und Zwang / die Reinigkeit seines Dienstes verlassen hätten / sie nun auch wieder in seine Gegenwart kämen / umb ihme eine weitläufftige Bekanntnus ihres Fehlers zu thun / und zu erklären / daß sie doch allezeit reformirt in ihren Hertzen gewesen wären / und möchte ihnen gleich begegnen und wiederfahren / was es wolle / sie doch in der Meynung ihrer Religion / leben und sterben wolten. Man fügt hinzu / daß nachdeme der Herr Intendant ihnen viele Bedrohung gethan / er sie gefragt hat / ob sie das jenige / was sie sageten / unterschreiben wolten / damit er es nacher Hoff schicken könte / umb ihnen ihren Proceß zu machen / haben sie einhellig mit Ja geantwortet / und auch würcklich unterschrieben / was nun hierauff erfolgen werde / lehret die Zeit. Die Savoysche Sachen seynd noch nicht gantz zu Ende / und seynd noch einige Protestanten in dem Gebürge / so sich biß in den Tod wehren wollen. Der jenigen Protestanten so in der ersten Furi / an Männern / Weibern und Kindern umbkommen seynd / wild die Zahl über 13000. Menschen vergrössert / auff Savoyscher Seithen aber 300. und von [289] Frantzosen sechs hundert todt geschätzet. Man sagt / daß man an dem Hertzog von Mantua neue Praetensiones mache / und dieser der mit Franckreich gemachten Tractaten sich nicht werde loßmachen können. (Franckreich machet neue Prätensiones an den Hertzog von Mantua.) Von Turin hat man / daß auff den 6. 7. und 8. dieses man die Gespannschafften von Babbi und Villors, angegrieffen / es seyen aber die Angreiffer mit grossem Verlust repoussiret worden. Viele von denen Protestanten / hätten sich auff einem beschwerlich zukommenden Orth / Lon (Bey einem Angriff die Lucerner Thäler bleiben viele Frantzosen und Savoyer todt und werden nicht weniger verwundet.) pra de Las Tours, verschantzet: Als man ihnen aber eine General Ammistie, vorgestellt / nebst der Gewissens-Freyheit / unter Beding die Wassen nieder zu legen / so haben die leichtglaubigsten solches angenommen; wie nun die Soldaten sie dardurch in ihre Gewalt bekommen / nahmen sie viel gefangen / und ermordeten selbe ohne Unterschied / die übrigen aber / blieben in denen Gebürgen / und defendireten sich dergestalt mit Steinen / daß viele von deß Hertzogs von Savoyen Völckern / als auch von unsern Dragonern / getödtet worden; unter diesen letzten seynd der Graff von Raivion und der junge Marquis de Bresle todt geblieben. Dem Grafen von Breßlin ist die Achsel außeinander / und die Herren Buricea und de Tourville, seynd an ihren Wunden gestorben / auch kommen unsere Völcker zurück / und hat der Hertzog von Savoyen nur ordonnirt / daß einige seiner Völcker / die Pässe / als bloquiret halten sollen / worbey sie sich nicht allzuwohl befinden / indem gedachte Protestanten / sich einer Convoy mit Lebens-Mitteln bemächtiget haben / welche denen Savoyern zugebracht werden sollen. Nachdem sonsten der Arrest vom 30. Aprill / (Die Aufflage auff die sogenante Cattoni Leinwa??? wird umb ein merckliches ersteigert.) wordurch der König befohlen hatte / daß alles Cattoni Leinwad / welches zu Wasser und Land ins Reich kommen würde / zwey Reichsthaler vor jegliche zehen Elln ohne die vorherige Aufflag bezahlen / und daß von jeglichem Pfund andern Stoff aus Indien vier Gulden bezahlt werden solten / darin aber die Herrn von Dünnkirchen nicht begrieffen gewesen; So haben Ihr. Majestät nun auch durch einen andern Arrest vom 11. dieses verordnet / daß alle Cattoni Stoffen / welche über Dünnkirchen / Messin / die Graffschafft Bourgogne und St. Malo kommen werden / eben soviel bezahlen sollen / wodurch solche Wahren am Preiß die Helffte ersteigert werden dörfften. (Zwey neue Declarationes in Sachen der neuen Catholischen.) Auf den 24 ward im Königl. Parlament eine Declaration registrirt / durch welche die neue Catholische / welche trachten aus dem Königreich zu flüchten / und die jenige / so ihnen darin directe oder indirecte Hülff leisten / verdam̅et werden / wann es Manns-Personen seynd / ewig auf denen Galeren zu verbleiben / [290] seynd es aber Weibspersonen / nachdem diese beschoren und rasiret worden / sollen sie / so lang sie leben / in die Clöster eingeschlossen / und alle ihre Güther confiscirt werden. Gemeldten Tag wurde auch noch eine andere Declaration (werden in dem Parlament zu Pariß registrirt.) registrirt / Innhalts: daß wann jemand / Mann- oder Weibliches Geschlechts / so der protestirenden Religion abgeschworen hat / kranck wird / und sich weigert und abschlägt / von denen Vicarien oder andern Priestern und Pfarrern die Sacramenta der Römischen Kirchen zu empfangen / und erkläret / bey der Reformirten Religion zu verharren / und darinn zu sterben / und wieder von besagter Kranckheit gesund wird und geneset / sollen ihnen die Richter den Proceß machen / und die Männer offentlich straffen / sie ewig auff die Galeren schicken / und ihre Güter confisciren; die Weiber und Jungfrauen aber auch offentlich straffen / sie einschliessen / und ihre Güther confisciren; wann aber die Krancken / welche abgeschworen / und abgeschlagen / und sich geweigert haben / die Sacramenta der Römischen Kirchen zu empfangen / und denen Priestern und Pfarrern erkläret / daß sie in der Reformirten Religion verbleiben / und sterben wollen / und also gestorben seyn / solle man den todten Leichnamb den Proceß machen / gleichwie im 22. Articul der Königlichen Ordonantz deß Monats Augusti 1670. enthalten / nemblich solche schleiffen / auff die Schindgruben werffen / und ihre Güther confisciren. Von Nismes schreibt man / daß Madame de Basville einen Mißfall gehabt / und daß der Hr. Intendant ihr Ehemann / einen Wollenstreicher habe hencken lassen / weiln dieser von Hauß zu Hauß gangen wäre / und die jenigen zur Standhafftigkeit ermahnet / welche der Religion noch nicht abgeschworen hatten / oder welche solche Abschwörung bereueten. Auff der Cüste (Zu Rochelle strandet ein Türckisches Schiff.) von Rochelle ist ein Türkisches Raubschiff / so mit 20. Stücken Geschützes und 200. Mann versehen ware / gestrand: der Capitain ist ein Frantzösischer und der Steuermann ein Holländischer Renegat; Man hat von dorten nacher Hoff geschicket / umb Ordre zu erwarten / wie man mit denen Gefangenen verfahren solle. Man hat Nachricht / daß die Neubekehrte zu Castres alle ihre Güther verkauffen / welches die Forcht vermehret / daß sie aus dem Königreich gehen wollen / weßhalben die Trouppen auff denen Frontiren unterm Commando deß Mons. d' Vsson parat gehalten / und die Pässe wohl besetzt werden. Die Rathsherren vom Parlement der Medicinischen (Die Raths???erren von dem Parlement der Medicinischen Facultät wi) Facultät sind versamblet gewesen / wobey die Chirurgi auch beruffen worden / in welcher Versamblung der Präsident eine herrliche Ansprach an den König gethan / darinn Jh. Maj. vorstellend / daß die Reyse nach Barege bey diesem heissen Wetter deroselben an Ihr. Gesundheit mehr schäd-als nützlich [291] seyn würde / und wolten sie viel künstlichere und kräfftigere Wasser zubereiten / als dieses von Natur seye / dannenhero auch man hoffet / daß Ihro Maj. bald vollkommen werden restituirt seyn / und ist männiglich voll Frewde / daß (derrathen dem König die Reiß nach Barege.) diese Reyse nach Barege nicht vor sich gangen ist. Der Churprintz von Sachsen ist mit einer grossen Suite von hier nach Engelland verreist. Der Hertzog de la Force hat gegen jedermans Vermuthen Son̅tags den 26. Morgen in der Kirch von Nostre Dame die Abschwörung seiner Religion gethan / und hält man vor gewiß / daß Mons. du Quesne, welcher schon gnugsam unterricht ist / deßgleichen thun werde. Der Printz von Conti bleibt incognito zu Versailles, biß Ihro Maj. ihn zum Ritter deß H. Geistes werden gemacht haben / und soll dieser Printz das Halsband von deß Königs Händen empfangen. Brieff von Marsilien bringen die Confirmation, daß die Alkierer mit den Holländern gebrochen / aber der Frieden / den sie / wie der Ruff ergangen / mit den Engelländern sollen gebrochen haben / ist im Gegentheil durch den Engl. Ambassad. so nacher Constantinopel gehet / und zu Alkiers angeländet (Zu Marfilien langt ein Schiff mit 230. Persohnen von Constantinopel an.) gehabt / auff das neue wieder confirmirt / und ratificirt. In besagten Marsilien ist ein Schiff von Constantinopel mit 230. Reusen / Moscowittern / Polacken und andern / so auff denen Türck. Galeren Sclaven gewesen / und von solchen entflohen / nebst D. Joseph Marchesi von Messina und 2. seiner Söhne / so von denen Unsrigen unterhalten worden / angelangt. Ferner seynd einige beglaubte Passagiers von Alexandria aus Egypten (Woselbst auch einige Passagiers von Alexandria aus Egypten arrivirt.) allda arrivirt / welche mitbringen / daß zu groß Cairo 2. Abyssinische Abgesanden angelanget / bey dem Bassa daselbst umb Erlaubnuß anzuhalten / daß sie alter Gewonheit nach einen Abbuma oder Metropoliten durch den Patriarchen von Alexandria creiren lassen / und denselben als Primaten ihres Königreichs Abyssinien mit sich führen dörfften. Weil aber die Caravana, mit welchen sie aus Abyssinien kommen / von den wilden Arabern unterwegs beraubet / auch etliche von ihrer Suite nidergemacht worden / also daß sie die grosse Präsenten / so der Bassa begehrt / nicht abstatten können / so haben sie einen aus ihnen wieder zurück nach ihren König schicken müssen / umb andere Präsenten / und mehr Mittel zu hohlen. Dessen Wiederkunfft die 2. obgedachten Gesandten erwarten wollen. (Deroselben Außsag von 2. Abyssinis Gesandten zu groß Cairo.) Die Passagiers / so mit ihnen geredt / berichten / daß es gar tapffere Leuthe wären / und von sehr annehmlicher Conversation, wiewohl sie ihre Lands-Arten auch an sich hätten; sie trügen sonderbahre Beliebung mit den Europäern zu conversiren / und fragten gar fleissig nach dem Zustand / Regiment / und Religion der Europäischen Potentaten; man wundert sich über den Bassa / daß er bey gegenwärtigen Conjuncturen diese Leuth nit besser tracti [292] ret / und sich nicht fürchtet / ihren hohen Principalen durch ihre Auffhaltung zu offendiren / aber der bekante Geitz dieses Manns ist daran Ursach. (Königl. Spannische Geschichten.) Neues von Madritt aus Spannien kombt / daß der Päbstl. Nuntius Ordre habe / umb das Geld / so der Schatzmeister von der Apostolischen Cammer in Handen hat / nach Amsterdam zu übermachen / nebst all dem jenigen / welches er biß in den Monat Julium empfangen wird / und ist solches zum Succurs vor dem König in Pohln destinirt / bestehend in 24000. Rthl. das aber vor dem Käyser ist viel considerabler. Weilen Brieff von Cadix (Die Frantzös. Flot???a langt zu Cadix an.) advisirt / daß den 12. dieses 18. Frantzösische Schiffe / und 3. Branders welche zu Toulon außgerüstet worden / und 11. aus der Nord-See vor selbige Stadt angekommen / von welchen 29. die Ancker vor dem Hafen fallen lassen; und den Grund in verschiedenen Orthen von der Rhede durch (Setzet selbige Juwohner in grosse Forcht.) das Bleywerffen ergründet dardurch jederman in grosse Forcht gesetzet / auch die meisten Einwohner von dar Landwerts hinein geflüchtet; und die Frantzösische Kauffleuth / nachdem sie ihre besten Sachen in Clöster / und bey ihre gute Freund gethan / sich auff die Flotte von ihrer Nation begeben. Als hat man hierauff allhier die Sach von denen 500000. Rthlr. welche (Worauff die Sach wegen den Indulte verglichen wird.) die Frantzosen sagen / daß solche von unsern Gouverneurs in West-Indien / ohnrechtmässig abgenommen worden wären / vollkommen verglichen / und hiesiger Hof einen Expressen an den Marquis von Guastanaga / Gouverneur in denen Niderlanden abgefertigt hat / umb ihme davon Nachricht zu geben / derselbe hat auch Schreiben mit / umb in der Durchreise zu Pariß / dem Hrn. Baron Delval solche zu überliefern / durch welche ihm anbefohlen wird / die Restitution der Güter / die bey Repressailles von unsers Königs Unterthanen abgenommen worden / zu sollicitiren; der Hr. Feuquieres Frantzösischer Ambassad. allhier hat dem Consul von seiner Nation zu Cadix, wie auch dem Marschall d' Estrée davon Bericht gethan / jedoch bleibt dieser letztere mit seiner unterhabenden Flotte / noch vor besagtem Cadix ligen. Man hat ein Advis-Galliot nach denen Gallionen gesandt / mit Ordre von hiesigem Hoff (Die verwittibte Königin wird u???päßlich.) umb in Coronna zu lauffen / biß daß man sihet / wohin die Frantzös. Flotte ihren Lauff nehmen werde. Die verwittibte Königin befind sich etwas unpäßlich. Der Hertzog von Scalona und der Marq. del Valtre haben sich nacher Alicanten begeben / umb von dar nacher Ungarn zu gehen. Sonsten ist der Graff Charles Borromeo von Jh. Majest. denominirt worden Jh. Päbstl. Heiligkeit den weissen Zelter zu praesentiren. (Portuge??? Geschichten.) Von Lisabonna aus dem Königreich Portugall hat man / daß in dem Memorial / so der Frantzös. Ambassad. an Se. Königl. Majest. überreichet hat / Se. Excellentz versucht habe / Restitution von 6. Millionen vor den [293] Succurs / den Franckreich an den König seinen Bruder währender Zeit deß Kriegs mit Spannien gegeben hat; oder daß / so Se. Maj. diß Geld nicht baar habe / der König sein Herr sich mit einem Seehafen / biß daß (Der Frantzösische Antbassadeur überreichet dem König von Portugal ein Memorial eines nachdencklichen Juhalts.) man solches Geld beysammen haben werde / vergnügen wolle / und daß / wann diese zwey Vorschläg nicht annehmlich / unser König die Infantin in Franckreich zu verheyrathen geben möchte. Worauff unser König geantwortet haben soll / daß der Aller-Christlichste König sich zu versichern habe / daß ohne dessen Vorbewust und Gutbefindung er mit keiner Princessin von einem Hauß (welches contrarien Interessen gegen die Cron Franckreich habe) sich verheyrathen / noch seine eigene Princessin an ein dergleichen Hauß vermählen werde; Unterdessen hat Se. Majest. allen ausländischen Ambassadeurs, Envoyes, Residenten und Consuls lassen ansagen / daß sie / jeder seiner Nation / könten zu wissen thun / daß fürohin nicht mehr als sechs (Besagter Ambassadeur kündiget ingleichem denen protestirenden Kaufleuten seiner Nation den Schutz auff / wo sie sich nicht in Zeit von 8. Tagen zur Catholischen Religion bequemen.) Kriegs-Schiffe zugleich auff die Revier sollen mögen kommen. Den 5. hat besagter Frantzösischer Ambassadeur Mons. Amelot alle Frantzösische Kauffleute protestirender Religion / welche allhier seynd / zu sich in sein Logement kommen lassen / und ihnen erkläret / daß er ausdrücklichen Befehl von seinem König hätte / sie aller Privilegien und Schutzes / so er allen denen von seiner Nation zuwegen bringe / zu berauben / wann sie nicht die Römisch-Catholische Religion annehmen würden / als worzu sich zu resolviren er ihnen mehr nicht dann 8. Tag Zeit gebe. Hierauff aber soll ein sicherer reicher Kauffmann von Rochelle Gottfried genant / ihme ein gar nachdenckliche und sehr scharpffe Antwort gegeben haben / welche er aber gar theuer wird bezahlen müssen / massen ihn solche ein gantz reich beladenes und nach Provence destinirtes Schiff kosten dörffte. Man ist wegen der Strittigkeit / welche in Brasilien zwischen unserer Nation und den Brasilianern entstanden / sehr bestürtzet. Ein voll geladen Schiff mit Zucker ist allda verbrand. Im übrigen ist zu End dieses Monats der Marschall von Schomberg auff einem Frantzösischen Schiff mit 60. Stücken besetzet / arrivirt / umb sein Leben allhier zu endigen / er ist von dem König sehr gnädig empfangen worden.
|| [294]

Das fünffte Capittel
[arrow up]

Begreiffet die Königl. Engel- Schott- und Irrländische Historien. (Königl. Engelländische Geschichten.) MIt Brieffen von Londen aus Engelland kom̅t / daß der Hertzog von Albermarle nicht allein Gouverneur von Jamaica, sondern auch Vice - Roy von West Indien / und General ssimus von allen den Vestungen und Colonien von selbigen Quartieren worden. Den 29. passato liesse der König den Lord Major und Aldermän̅er vor sich kommen / (Deß Königs Red ??? den Lord Major der Stadt Londen.) und fragte sie / ob sie glaubten / daß die Bürgerlicht Authorität capabel seyn werde / die Stadt in Ruhe zu erhalten / und im Fall solches nicht wäre / Se. Maj. resolvirt seyen / Ihre Soldaten ihnen zu Hülff zu geben; Worauff der Lord Major antwortete / daß sein Ansehen allein genug darzu seyn würde / worüber Se. Maj. sehr vergnügt zu seyn schiene / und ermahnet den Major / daß er allzeit seine Vorsichtigkeit bewerckstelligen solte / damit der Frieden in der Stadt erhalten werden möchte. Den 2. erschien Mons. Hambden vor der Bar / und überreichte den Königlichen Perdon / knyete so lang nieder / biß solcher gelesen war / und wurde darauff auff freyen Fuß gestellet / ohne daß er wegen seines künfftigen Wohlverhaltens Bürgschafft hätte leisten dörffen. Der Mons. Samuel Storey / gewesener General-Commissarius deß Hertzogs von Montmouth / wurde ebenfalls frey (Der Postmeister überliffert einen von den Räubern / so die Holländischt Post spolirt haben.) gelassen. Den 3. brachte der Postmeister einen von den vornehmsten Anstifftern zu Beraubung der Holländischen Post allhier ein / welchen er zu Marlborau in Wiltschire attrapirt, bey welchem ungefehr 2000. Pfund an Gold gefunden worden; Indessen sagen einige / daß die Juden den König bitten werden / daß keiner von disen Raubern möchte getödet werden / weil das Levitische Gesetz und ihre Religion nicht zuliesse / daß jemand wegen Dieberey zum Tod verurtheilet würde; Indessen wird gedachter Rauber mit einer starcken Wacht verwahrt / umb selbigen vor deß Königs Banck (Die Kutsche von Harwich wird destehlen.) zu bringen. Dessen ungeachtet haben den 4. dito abermalen 5. Kerles die Kutsche von Harwich beraubet / und 152. Pfund in Frantzösischem Gold von denen Reisenden / und darunter von Madame Montgommery 82. Pf. genommen. Die Königin hat güldene Kleyder vor ihre Priester gekaufft / daran ein Elle 15. Pfund Sterlins oder 60. Königsthaler kostet. Ihro [295] Maj haben beschlossen / das Fort Tilbery hinfüro zu dero Magazin vor die Schiff-Flotte zu halten / welcher Ort an der Tems recht gegen Gravesant über ligt / und dagegen Gravesant gäntzlich zu demoliren. Auch lassen selbige ein Magazinhauß zu Chattan / so 600. Schuhe lang und 300. breit (In der Capellen deß Chur-Pfältzischen Residenten ent???stehet ein nener Tumult.) werden soll / auffrichten. Sonntags den 5. war abermal ein grosser Tumult in der Capellen deß Chur-Pfaltzischen Residenten / und befunden sich damals vielmehr unruhige Menschen dabey / als das erstemal / und glaubt man / daß sie darzu angereitzet werden / nachdem man aber 10. biß 12. der vornehmsten davon arrestirt / wurde wiederumb alles gantz still. Man hat sichere Zeitung / daß der Lord Major von Bristol alle Englische / welche dorten eine Römisch Catholische Messe gehört haben / gefangen hat setzen lassen. Der Graf von Salazar hat den 6. dieses Audientz bey der verwittibten Königin / und den 7. dito bey der Princessin Anna von Dennemarck gehabt. Die junge Person / welche / weilen sie sich vor einen Sohn von dem Hertzog von Montmuth ausgegeben / in Holland arrestirt / und nachgehends wieder loß gelassen worden / ist anhero kommen / und hat dergleichen Sprach geführet / weßhalben er aus Befehl von unserm Lord Major in Bewahrung und Verhafft genommen worden ist. 10. biß 12. Compagnien Schottischer Völcker seynd zu Grenwich angelangt / und geben nach Pleymunden. Den 14. passirten 7. Schottische Compagnien durch diese Stadt. (Auff Angeden deß Frantzös. Ambassad. wird durch deß Scharf???frichters Händ ein gewisses Buch zu Londen verbrannt.) Auff die Remonstration deß Frantzösischen Ambassad. hat man durch deß Scharffrichters Hand ein Buch / genant: Klagten der Protestanten / welche grausam im Königreich Franckreich unterdrucket werden / sc. verbrandt. Deß Grafen von Castelmaine Secretarius ist von Rom allhier zuruck gelangt. Man rüstet 4. Kriegs-Schiffe aus / umb den Hertzog von Albermarle in Jamaique überzuführen / welchem der König eine Compagnie Dragoner und einige Insanterie gibt / umb ihme an statt einer Gardes in selbigem Lande zu dienen. Der Päbstliche Nuntius allhier hat ein groß Hauß bey dem Kornmarck auff drey Jahr in Bestand genommen / und läst eine sehr kostbare Liberey machen / umb seinen offentlichen Einzug herrlich und prächtig zu thun. Der Hertzog von Northumberland ist auff einer Jagt nacher Flandern gegangen / umb seine Gemahlin aus dem Kloster von dannen wieder anhero zu holen. Dahier ist Zeitung / daß der Graf von Salisbuty, (Dem Cantzler von Dublin in Irrland wird all???sein Silber gestohlen.) welcher anjetzo in Franckreich ist / seine Religion verändert hat. Von Dublin in Irrland schreibt man / daß selbigem Groß-Cantzler all sein Silbergeschirr gestohlen worden seye. Den Obristen Rumsey und seine Frau hat man mit der Jagt Isabella nach der Insul S. Nicolas übergeführet / allwo sie die noch übrige Zeit ihres Lebens zubringen und endigen sollen. Die [296] Heyrath zwischen dem Grasen von Northampton / und Madamoiselle Fox ist vollkommen geschlossen. Der Herr Gordon / Schottischer Edelmann / welcher seithero 24. Jahren General-Lieutenant in Moscau gewesen / ist allhier angelangt / umb seine Freundschafft zu besuchen / und hat die Ehre gehabt / dem König die Hände zu küssen; Er wird aber nicht lange allhier verbleiben / sondern innerhalb wenig Tage???n in Schottland gehen / seine Güter zu besehen / und dann wieder zurück nacher Moscau verreisen / weilen ihme von denen Czaaren kurtze Zeit auszubleiben erlaubet / und biß zu dessen (Deß Printzen von Dennemarck Gemahlin bringt eine junge Princessin zur Welt.) Zurückkunfft seine Frau zur Geyssel gemacht worden ist. Den 22. hat die Princessin von Dennemarck ein Princessin zur Welt gebohren / welche den 24. dieses Nachmittags durch den Bischoff von Duresne getaufft / und Anna Sophia genannt worden / worbey der Graf von Feversham Gevatter / und die Gräfin von Roscomon und Madame Churchill Gevatterinnen gewesen. Das Parlament zu Edenburg in Schottland hat den 9. dito das (Das Schottländische Parlament komt zusammen / und delibenirt über deß Königs von dem Lord Cantzler gethanen Vortrag.) erstemal zu sitzen angefangen / bey welchen der Lord hoher Commissarius eine grosse Ansprach thate / und deß Königs Brieff überreichte / worinnen Ihr. Maj. begehrt / daß denen von der Römischen Religion einige Erleichterung möchte gegeben werden; Als nun das Parlament darüber delibetiret, und daß besagter Lord dem Grafen von Perth gleich anfangs / nebst dem Ertz-Bischoff von St. Andreas / und dem Bischoff von Edenburg sehr ernsthafft davon avisirt / haben durch Wiedersetzung noch anderer Glieder mehr die Bischöffe sich mit denselben confirmirt und erklärt / daß sie durch den Test einen solennen Eyd versprochen hätten / der protestirenden Religion nicht allein Zeit Lebens anzuhangen / sondern auch nicht darein zu consentiren, daß darinn eine Veränderung geschehen solte / und daß solcher Test Zeit währender Sr. Maj. Lords hohen Commissariats im Parlament formirt / und durch ihn approbirt werden / krafft dessen sie auch viel Conventiculn verstöhrt / und den Grafen von Argile / weil derselbe sich nicht darzu verstehen wollen / deß hohen Verraths schuldig erkandt / und das sie darinnen nichts ohne offenbahre Brechung ihres Eyds verändern könten / hierauff hätten auch einige Parlamens-Glieder in quaestion zu ziehen beginnet / ob der Graf von Perth / Cantzler / als Römische ihr Ampt könten behalten / indessen aber hätten andere von einem temperament zu reden angefangen / und vorgeschlagen / daß man solchen Römischen / so von Ih. Maj. zu Aemptern denominirt worden / Freyheit geben müste / sonsten aber niemand / umb die Rechten nicht zu vernichten. Worvon mit nechstem ein mehrers. Indessen (Das Engllsche Parla.) ist hiesiges Parlament (nachdeme sich selbiges den 20. versammlet gehabt / und im Oberhauß 25. und im Unterhauß 130. Glieder erschienen) [297] durch den Lord Cantzler aus Königlichem Befelch biß den 2. Decembr???r s nechsikünfftig prorogirt worden. Der Graf von Salazar Extraordinari Envoye deß Marq. de Grastanaga, Gouverneur über die Spannische Niederlanden (ment aber wird prorogirt.) hat bey dem König und der Königin seine Abschieds-Audientz gehabt Sr. VVilliam Clifton, der sich in Franckreich auffgehalten / und die Hertzogin von Portsmouthen heyrathen sollen / ist gestorben / und sein neuauffgerichtes Regiment dem Vice Admital Herbert gegeben worden. Aus (Zu Dublin in Irrland wirden 1???4. Personen die Ohren abgeschnitten / weilen sie wider 4. von Adel falsche Zeugnuß gegeben haben.) Dublin hat man / daß in der letzten Session vor dem Richter Reinold (welcher nachgehends seines Ampts entsetzt) 4. Edelleut durch 14. Zeugen beschuldiget seyn worden / daß sie mit dem Hertzog von Montmouth correspondirt, und willens gewesen / selbigem dieses Königreich in Handen zu lieffern / worauff besagte Edelleut begehrt / daß ein jeglicher Zeug à part examinirt werden möchte / so auch geschehen / und hat man darauff aus den Umbständen befunden / daß diese Edelleut ein gantzen Monat nach der Hinrichtung besagten Hertzogs von Montmouth noch mit selbigem correspondirt haben sollen / dannenhero man besagte Edelleut alsobald auff freyen Fuß gestellet / und die Zeugen dahin condemnirt, daß ihnen wegen begangenen Meineyds die Ohren abgeschnitten / und in der Pillory stehen solten / welches Urtheil auch an ihnen also vollbracht worden. Der König hat dem Sr. Griffort???hs eine considerable Summa Gelds geben lassen / umb die Rückstande an deß verstorbenen Königs Bedienten zu bezahlen. Den 20. diß seynd 25. biß 26. Feldstücke aus dem Tour nach dem Lager zu Honlowheath gebracht worden. Der König hat den Ritter Andres zum Gouverneur (40. Röm. Catholische Büche??? werden auff Königl. Permission ??? Engelland??? gedruckt.) von Neu-Engelland gemacht. Der Doctor Obadiah Walter von Oxfort hat von Ihro Majest. Privilegia erhalten / 40. Bücher von dem Römischen Official, Breviarien, Mariane, &c. jedoch von jeglicher edition mehr nicht als 20000. zu drucken. Die Benedictiner haben bey Ihro Königl. Maj. umb Erlaubnuß angehalten / eine Procession in St. James zu halten / welches aber Ihr. Maj. auff ein gar höffliche Manier ihnen abzuschlagen getrachtet / endlich aber ihnen solches zugelassen / sie wolten aber nicht gut davor seyn / was ihnen deßhalben begegnen möchte.
|| [298]

Das sechste Capitel
[arrow up]

Sagt von Schwedisch - und Dähnischen Fügnüssen. (Königl. Däbnische Geschichten.) MIt Brieffen aus Christiania in Norwegen vernimbt man / daß den 21. passato daselbsten in deß Lachmanns Hauß ein grosses Feuer auskommen / dergestalt / weil damals der Wind starck gewehet / über 100. Häuser und unter andern die Kirche / wie nicht weniger die Lateinische Schule / in wenig Stunden consumirt hat / man hält darfür / als wann diß Unglück durch eine Magd gekommen / so bey dem Milchen eingeschlaffen / und das blosse Liecht auff ein Stück Holtz gesetzet / es sollen auch einige Leute mit verbrand seyn. Ihr. Königl. Maj. von Dennemarck haben (Der König in Dennemarck läst zu Hamburg und andern Orten einige 100. Matrossen werben.) Ordre gestellt / zu Hamburg und selbigen Orten einige 100. Matrossen zu werben / wovon ein jeder Monatlich 5. Rhlr. Gage und 2. Rhlr. Reißkosten nach Kiel empfangen soll / von dort nach Coppenhagen zu transportiren, woselbsten den 12. ein grosser Allarm entstanden / weilen ein Gerücht gegangen / daß die Schweden mit 60. Segeln in See / worunter bey 38. Capital-Schiffe wären / und 2. Dähnische Kauffarbey-Schiff schon genommen / und die Nordische Post angehalten hätten; die Trommeln wurden deßwegen starck gerühret / man hat aber hernach befunden / daß es nur (Zu Coppenhagen werden die lange Paruquë und Halßtücher verbotten.) ein falsches Spargiment gewesen. Indessen ist in obgedachtem Coppenhagen bey hoher Straff verbotten / keine lange Paruquen / wie auch lange Halßtücher zu tragen / sondern nur kurtze / und wird der Hof damit den Anfang machen / deme die andern Grandes folgen werden. Sonsten ist in dieser Stadt den 20. ein kläglicher und sehr nachdencklicher Fall geschehen / mit (Daselbst geschiebet ein kläglicher Zu???fall durch eines Gärtners Frau / die listiger Weiß ihren Mann ermordet / und in einen Brunnen wirfft.) deme es sich also verhält: Es hat eines Gärtners Frau aus Boßheit ihrem Mann in der Nacht / wie er auff seinem Bette gelegen / und geschlaffen / verschiedene Wunden gegeben / und ihn gar umbgebracht / die geschlagene Wunden mit Wachß zugestopfft / und darauff in einen tieffen Brunnen gewo???ffen / deß Morgens wie die Leut auffkamen / und Wasser aus dem Brunnen holen wolten / funden sie den todten Cörper / die Frau lieff herumb / suchte ihren Mann / unter dem Vorwandt / er hätte das hitzige Fieber / und wäre in der Hitz ausgelauffen / wüste nicht / wo er geblieben / biß andere ihr es sagten / es lege einer in dem Brunnen / sie solte zusehen / es möchte vielleicht ihr Mann seyn / sie kam hin / und stellte sich sehr traurig [299] darüber / ließ ihn heraus ziehen / und so fort kleyden / erkauffte einige darzu / die bekräfftigen solten / als wann ihr Mann ein hitziges Fieber gehabt / und öffters in der Kranckheit nicht gewust / was er thäte / damit sie ihn ehrlich (Es wird aber der Betrug entdecket / und das Weib zu gebührender Straff gezogen.) begraben lassen / und die nachgelassene Güter behalten möchte / diß gieng so weit von statten / biß ein ehrlicher guter Mann an Hand gab / man möchte doch untersuchen / ob es so wäre oder nicht / da dann bald das contrarium befunden / worauff die Frau sambt einigen aus ihrem Hause / und denen beyden Gezeugen eingezogen worden. Den 24. seynd einige Schiff aus (Das Silder-Bergwerck in Norwegen komt in grosses Auffuchmen.) Norwegen hier angelangt / welche Nachricht mitgebracht / daß daselbst das Silber-Bergwerck / der Königsberg genant / nunmehro durch die vorm Jahr / von Ihr. Königlichen Majest. selbst / eingerichtete allergnädigste Verordnung in sehr guten Stand und Beschaffenheit gebracht sey / so daß durch dessen Trieb Monatlich ein grosser Nutzen zuwegen gebracht werde; massen dann der Administrator oder Berg-Herr daselbst zur Probe und Bezeugung gnugsamer Versicherung solches Vortheils mit besagten Schiffen eine zimbliche Parthey ungeweine Sandsteine / und gediehen fein Silber-Ertz heraus gesandt / und zu einer Monatlichen grossen avantage, Ihr. Majest. Verheissung thun lassen / dagegen man vor diesem nur Monatlich kaum vierhundert Reichsthaler daraus machen können / da hingegen der Profit den vierten Theil höher gestiegen ist; und wie berichtet wird / soll solches Bergwerck auff die Art und Weise / wie es im Hartz und andern (Deßwegen der König von Dennemarck dem Administratori, denen trembden Participanten und Bergwercks Interessirten sehr grosse Freyheiten ertheilet.) wohl angeordneten Bergwercken in Teutschland eingerichtet seyn; So haben zu dem Ende auch Ihre Königliche Majestät solchen aus Teutschland dahin verschriebenen Bergleuten / dem Administratori, denen frembden Participanten sowohl als einheimischen dero Unterthanen / umb zu dessen Silber-Bergwercks fernern Trieb mit Ertheilung aller deren Privilegien und Freyheiten / so jemals bey andern Bergwercken gegeben worden / bey dem alten Herkommen und Ublichkeiten allerdings bewenden / auch darüber eine Berg-Ordnung verfassen / und in Druck befördern zu lassen / auch die Interessenten bey solcher Berg-Ordnung / Privilegien, Freyheiten und Immunitäten allergnädigst zu schützen und zu mainteniren versprochen. (Die jüngsie Princessin von Augustusburg wird als Abdatissin zu Itzehö daselbsten solenniter introduciret.) Aus dem Holsteinischen kom̅t / daß den 3. die jüngste Princessin von Augustusburg als Aebtissin zu Itzehö solenniter introducirt worden. Die ad hunc actum verordnete Königl. Herrn Commissarii, als der Herr Stadthalter Graf Nanzau und der Herr Cantzler Liliencron seynd aus hochgedachter Princessin Logiment in einer mit 6. Pferden bespanneten Carosse voran / dann die Princessin nebst dero Frau Mutter und 2. der Conventualinnen / so dieselbe abgeholet / in einer ebenfalls mit 6. Pferden bespanneten Ca [300] rosse / weiter dero Herr Vatter nebst dem Herrn Ambassadeur Terlon, und folglich dero Herr Bruder Printz Friederich sambt 2. andern Jungfern / nach der verstorbenen Aebtissin Behaufung gefahren / und also die Princessin dorthin begleitet / woselbst die Einführung von hochgemeldten Herren Commissariis bewerckstelliget worden; auff deß Herrn Cantzlers Liliencronen gethane Oration hat der Herr geheimbde Rath Herr Grosche von Buchwald / nomine der sämbtlichen Conventualinnen den schuldigsten Respect der Princessin / als derer numehro allergnädigst vorgestellten Aebtissin / nebst abgestatterer gratulation promittiret, und angelobet. (Königliche Schwedische Geschichten.) Schwedische Brieff von Stockholm bringen / daß auff Ihro Königl. Majest. Befelch in Schonen unfern Lunden bey Lyngbi ein Lager vor vierzehen biß sechzehentausend Mann ausgestochen worden seye / zu was intent, ist nicht zu ergründen. Unsere Völcker im Stifft Bremen / so nacht Ungarn (1000. Mann Schwedische Bölcker werden nach Ungarn wider den Erdfeind destinirt.) destinirt, werden ehister Tagen von dannen auffbrechen / so in vier Compagnien zu Fuß bestehen / als die vom Herrn Obrist-Lieutenant Bidahl / Capitain Issendorff / Capitain Starck / und Capitain Vergel / ob di daselbst seyende Compagnie Dragoner unterm Herrn Major von der Meden und Compagnie Cavallerie vom Rittmeister von der Dürppen mitgehen / berichte künfftig / diese vier Compagnien stossen zu denen aus Pommern kommenden vier Compagnien / werden dannoch nicht stärcker als tausend Mann dahin gehen. Der Reichs-Truchses Herr Graf Magnus de la Gardie ist am 26. Aprilis Mittags umb zwölff Uhr im 65. Jahr seines Alters an einem Catharr Todes verblichen / worauff alle 3. Königl. Maj. umb der hochbetrübten Fürstlichen Frau Wittiben (welche deß jetzt regierenden Königs Herrn Vatters Schwester ist) dero Condolence zu bezeugen / zwey (Ein Moscowittischer Abgesandter langt zu Stockholm an.) dero Cammer-Herren nach deroselben abgefertiget. Den 4. ist der Moscowittische Abgesandte allhie angelangt / nachdem er durch den Unter-Ceremonienmeister und Dollmetscher in einer Chaloupe von dem kleinen Zoll an Land geholet worden / begleiteten sie ihn an die Königliche Carosse mit zwey Pferden bespannet / welche zu solchem Ende am Schloß parat stunde / nebenst 4. gesattelten Pferden vor dessen Gefolg / und brachte man ihn also nach seinem Logament / die Stadt Hamburg genant; worauff er am 8. (Dessen Anbringen bey gehadter Königlicher Audientz.) hujus Vormittags umb II. Uhr bey Ihr. Königl. Majest. Audientz hatte / und nebst den Complimenten sein Creditiv einhändigte / worbey er über unsere zu der Gräntzscheydung verordnete Commissarien klaget / als wann sie Ursach wären / daß solcher Tractat nicht reussirte, dabey doch anhaltend / daß die Gräntz-Tractaten wieder möchten angestellet werden. Den 22. früh war die Königl. Guarde beysammen / da der bißherige Obrister Hast [301] fer seinen Abschied nahm / und hergegen der Obrister Schwartlyf als Obrister / der Major Pote als Obrister-Lieutenant und der Capitain Faltzburg als Major dem Regiment wieder fürgestellt wurden / von deß Printzen Regiment / worüber der Seel. Carl Graff Oxenstirn Oberster war / soll der junge Graf Carl Königsmarck als Obrister von Ihr. Königl. Majest. benennet worden seyn; alldieweil deß Seel. Reichs-Drotzen nachgelassene Gemahlin / die verwittibte Fürstin wegen ihres Seel. Herrn annoch der Cron hafftenden Schulden / dero sämbtlichen Güter abgetretten; Als haben Ihr. Königl. Majest. deroselben Lebenslang einen Fürstlichen (Zu Carls-Cron werden 2. Spionen ertappet so die Schwedische Flotta in Brand stecken wollen.) Unterhalt verordnet und ihren Staat auffsetzen lassen. Zu Carls-Cron hat man 2. Spionen ertappt / welche gesuchet / unsere Flotte in Brand zu stecken / dörffte ihnen gar übel bekommen. Denen Hnn. Hnn. Lieffländern ist angekündiget / nach Verfliessung 10. Jahren alle ihre Donations, Pfand / und gekauffte Güther wiederumb an die Cron abzutretten / sie haben zwar einen Deputirten Namens Taube anhero gesandt / und eine gar submisse und klägliche Supplicq an Ihr. Königl. Majestät übergeben lassen / allein er soll gar schlechte Verrichtung gehabt haben.

Das siebende Capittel
[arrow up]

Schreibet von Königl. Polnisch-Moscowittisch-Türckisch- und Tartarischen Hoff- und Kriegs-Händeln. (Königl. Pohlnische Geschichten.) BRieff aus Lemberg vom 1. dieses melden / daß bey Ihro Königl. Maj. jetziger Gegenwart von den Herren Senatoren fleissig deliberiret werde / wie die bevorstehende Campagne soll angegriffen werden / dem (Laut Brieffen ans Lemberg soll in Caminieck grosser Mangel an Proviant seyn.) meisten Vermuthen nach dörffte es dannoch Caminieck gelten / weilen in selbigem Land laut gewisser Kundschafft grosser Mangel an Proviant seyn soll / und von den Türcken viel weniger von den Tartarn nicht können secundirt werden / weilen diese letztere dem Teckely zu secundiren von der Pforten beordret seynd / auch ohne dem von den Moscowittern genug werden zu thun bekommen / welche ihnen theils durch sich / theils durch die Callmucker Tartarn uns zum besten kräfftige Diversiones zu machen versprochen / und nun [302] mehro mit ihnen geschlossenen pactis pacis perpetuae gemeß sich verbunden haben / wiewohlen andere noch das contrarium besorgen / dahero man die gute Gelegenheit sich dieses Orths zu bemächtigen / und dardurch die Ukraine und Podolien ein vor allemahlen von den Türcken und Tartarn zu säubern nicht unterlassen werde / worzu bey Ihro Königl. Majest. künfftige Gegenwart bey den Armeen zu gelangen / destomehr Hoffnung ist / weilen auch bey dem Dniester und Peuet viel Cziacken oder Fahrzeug zusammen gebracht werden / umb mit selbigen die Ströme zu passiren / so ist gewiß genug daß der Feind in seinem eigenen Land Gäste und mehr als vorm Jahr geschehen zu thun bekommen möchte. Brieff aus Crackau vom 2. dieses geben folgendes: an unsere hiesige Stadt ist dem Herrn Scarosta Befehl zukommen / daß das von dem Röm. Käyser bestelte Pulver und Eisenwerck biß auff weitere Königl. Resolution (Der Päbftl. Nuntius re mittirt an die Zaporowis. Cossacken eine grosse Summa Gelds.) außgefertigt werden sölte; Der Päbstliche Nuntius hat an unsere Zaporowische Cossacken grosse Summen Gelds remittirt / darmit sie auffs ehiste auch mit ihrem Geschütz bey der Königlichen Armee erscheinen möchten. So wil man auch alhier sagen / als ob unser Königl. Resident Hr. Proßki bey der Pforten einen Frieden zu tractiren unterwegens begriffen sey / welches unsere Herren Senatores vor einen Fallstrick außlegen / und alhier beschlossen worden ist vor Außgang der Campagne keine Antwort zu geben; die Tartarn umb Caminieck Podol???ki verstärcken sich fast täglich / hingegen nahen Gott lob unsere Towarzißzen nunmehr an und herbey / und hoffen wir auf so vielfällige außgegange Königl. Universalia, daß dem Feind schon wird resistirt werden können. Immittels hat man aus Podolien gantz keine Nachricht / bloß was die Gefangenen / welche Ihro Königl. Maj. aus dero eigenen Scatul eliberirt außsagen / daß sich der Feind wider uns auffs stärckste (Ein neuer Bassa zu Caminieck angelangt.) armiret. Aus Jaß wird geschrieben / daß der neue Bassa nach Caminieck gebracht worden und mit ihme zugleich frische Horden und Janitscharen angekommen. Aus Moscau hat man von 24. passato daß die Abfertigungs-Brieff vor die Pohlnische Herren Gesandten schon verfasset / dannoch ihnen angedeutet worden / noch zu verharren / und sollen ihnen noch auff 8. Tag Zehrungs-Mittel gereichet seyn / woraus noch einige Hoffnung geschöpffet wird / diese Verzögerung soll dahin zielen / umb zuvor den neulich angekommenen Tartarischen Abgesandten anzuhören / auch abzuwarten / was der Türckische (Ih. Königl. Majest. erheben sich nach Jaworow.) Abgesandte beybringen wird umb sich darnach zu richten. Ihr. Königliche Majest. haben sich von Lemberg nach Jaworow erhoben / von dar unter 10. dieses nachgehends zuvernehmen stehet: gegen die Ankunfft deß Hn. Groß- [303] Cantzlers / welcher 2. Meilen von hier mit dem Podagra starck überfallen / haben sich schon sowohl unterschiedliche Geist-als meltliche Herren Senatoren bey Sr. Königl. Majest. eingefunden / in derer Präsentz gedachter Herr Groß-Cantzler von seiner Ambassade in Franckreich rappert thun wird / soviel man penetriren kan / soll die Hoffnung von einem Zuschub zum Türcken-Krieg nicht gäntzlich verlohren / sondern noch etwas wiewohl nicht an Volck wegen ferne des Wegs wohl aber an Geld zuerwarten seyn / wormit uns am besten gedienet / dann deß Volcks ohne das genug im Land / auch soll man versprochen haben allen Fleiß bey der Ottomannischen Pforten anwenden zu helffen vor diese Cron einen reputirlichen und profitablen Frieden zuwegen zu bringen / welchen man aber disseits nicht anderst als generaliter zu suchen gesonnen. (Verschiedene hohe Officirs begeben sich nach Stry umb gegen die Türcken zu invigiliren) Unterdessen wird unserseits alles mit ungemeinem Eiffer zubereitet / deßwegen auch verschiedene hohe Officiers sich von hier nach Stry erhoben umb daselbst gegen deß Feinds Desseinen mächtige Anstalt zu machen / weilen dieser Orth an den Gräntzen von Rußland / Ungarn und Wallachey liegt / der König solle Vorhabens seyn die uhralte Brücke über die Donau Poes Trajani genannt zu repariren / damit die Armee dardurch in Ungarn und Pohlen zugleich eine Passage haben wöge. Der Groß-Feldherr hat zwar vor seiner Abreiß von Bußk nicht allein bereits starcke Partheyen außgesandt / sondern auch an dem Mohila und die Cossacken Ordre ergehen lassen / sich mit dem Polnischen Trouppen zu conjungiren umb den besorglichen bösen Gästen kräfftiglich zu begegnen / weilen sich wieder einige Tartarische Trouppen ohnweit Caminieck blicken lassen / also daß besorget wird / daß sie einen starcken Streiff in Podolien und Pokutic thun werden / weßwegen die armen Leuth auff dem Land das ihrige in verste Oerther zu falviren suchen. Der Herr Unter-Cantzler wird sofort nach geendigten Judiciis sich nacher Preussen erheben und darauff die Ambassade nach Venedig und Rom antretten. Andere Brieff aus Lemberg vom 9. dieses referiren nachgehendes: biß dato hat man Gottlob noch nichts von der Tartarn Einfall in unsere Gräntzen / (Die Lipker Tartarn fallen die Leut an und nehmen ihnen ihr Vieh weg.) nur daß die Lipker an demselbigen die Leuth anfallen und das Viehe wegnehmen. Unsere Völcker ziehen auch schon an unterschiedenen Orthen zusammen / biß daß der Crakomski ein General Läger wird anstellen, der Herr Cron-Feldherr / nachdem er mit Ihro Königl. Majest. etliche Tag in Jaworow Conferenz gehalten / ist anhero kommen und den 8 wieder nach Stanißlawow gegangen / damit er allda auff deß Feindes Dessein Achtung geben möge.
|| [304]
Hier ist starck bey hoher Straff außgeblasen / so sind auch die Königl. Universalia ergangen / daß kein Frembder oder Kauffmann sich unterstehe zurück zu gehen / diß zu Ihro Königlichen Majestät ferneren Verordnung. (Zu Stry werden unterschiedliche hohe Officies und Käpseri. Ministri erwartet.) Man sagt / daß zu Stry unterschiedliche Käyserliche Generals Ihro Königliche Majestät zu dero dahinkunfft auffwarten / und mit deroselben deliberiren werden / wie sowohl an Pohln-als Käyserlicher Seiten die Kriegs-Operationes, und an welchem Ort selbige am besten wider den Erbfeind sollen vorgenommen werden / weil man bey dieser Campagne ob GOTT wil selbigen gäntzlich zu ruiniren / und in Betrachtung deß zu End lauffenden Termini der zwischen den hohen Alliirten gemachten Liga ihn allerseits zu einem raisonablen Frieden und Verschreibung gewisser Conditionen zu zwingen oder auff dem Fall er opiniatriren möchte von Prolongation sothaner Alliantz und Continuation deß Kriegs zu handlen trachten werde. Sonsten haben Ihro Königliche Majestät endlich zu Jaworow den 22. durch einen Expressen von Dero Gesandten in der Moscau die erfreuliche Nachricht erhalten / daß die ewige Friedens- und Alliantz-Tractaten mit selbigem Groß-Fürsten nunmehr (Gott Lob) glücklich geschlossen seyn / die vornehmsten Puncta aber Vermög eingelangter Abschrifft deß Instrumenti bestehen hierinn. (Ib. Königl. Maj. erhalten zu Jaworow die erfreuliche Rachricht von der geschlossenen Alliantz mit Moscau.) 1. Behalten die Moscowitter Smolensko und Kiäw und Rippam / Borresthenis oder deß Flusses Boristhenis jenseits biß an die See. 2. Geben sie dargegen vor die Pohlnische Militze anderthalb Millionen Pohlnische Müntz. 3. Verwahren sie Moßcowitter dieses Jahr die Herauskunfft der Tartarn und 4. sollen sie künfftiges Jahr Grimm angreiffen. Sobald Ih. Königliche Majestät diese angenehme Zeitung vernommen / haben sie sich so gleich nach Stry erhoben; Immittels an den Cron-Feldherrn den Mohila und den Littauischen General Ordre ertheilt mit ihren Unterhabenden (Verfügen sich nach Stry.) Völcken zu dem bestimbten Muster-Platz den Marsch also einzurichten / daß noch vor oder mit Anfang küfftiges Monats die Campagne ihren Anfang nehmen möge. Obwohlen sonsten von sicherer Hand advisirt worden / daß die Türcken unter Convoy von 6000. Mann / 2000. Wägen mit Proviant / und 80. Camel mit Geld beladen / nach Cammieck eingebracht / gehet doch allem Vermuthen nach nunmehr die Königliche Intention dahin / selbige Ve [305] stung mit aller Macht anzugreiffen / und noch diese Campagne mit Göttlicher Hülff unter dero Devotion zu bringen. Extract-Schreibens aus Moscau vom 7. May. ICh notificire hiermit die (Gott Lob) erwünschte Zeitung von dem (Moscowittis-Geschichten.) den 3. zwischen Pohln und Moscau glücklich geschlossenen / dann den 6. von Ihren Czarischen Czarischen Majestät. Majestät. selbst / und dem Pohlnischen Herrn Groß-Gesandten confirmirten / und beschwornen Tractat / Vermög dessen mit der Cron Pohlen gegen Abtrettung der Städte Smolensko / und Kiow mit allen ihren Dependentien ein ewiger (Außführlicher Bericht von der zwischen Pohlen und Moßcau geschlossenen off- und Defensiv-Alliautz.) Fried und darbey ein off- und devensiv-Alliantz gemacht worden / daß nehmlich sie beyderseits wider die Ottomannische Pforte feindlich agiren / auch kein Theil ohne dem andern entweder einem Stillstand der Waffen / oder Frieden machen solle / zu welchem Ende dann die Unserigen aus Moscau / Astracan, Casan, und Bulgarien mit 150000. Mann einen Einfall in die Tartarey thun wollen. So ist man auch gesinnet / den Graben von der Wolga in die Tanais außzuräumen / damit die Kahne und Schuten auff der Wolga aus Moscau gantz herunter in die Tanais, und von dannen in den Lacum Meotis kommen können / umb die alldasige Vestung Assow zu behaupten / und also in die Erym̅ische Tartarey einzufallen / die Vestungen darinn zu besetzen / und wo möglich / sich deß schwartzen Meers zu verfichern. Wann dieses geschiehet / so kan man nit allein gantz Moscau durch auff den Wolga-Strohm herunter / sondern auch auff der Tanais nach gedachtem Lacu Meotis. Proviant, und andere Sachen führen / und also in das schwartze Meer komen / worzu die Pohln denen Unsrigen auff der andern Seiten helffen können / umb also die Türcken von beyden Seiten zu incommodiren. Sonsten bestehet der mit Pohln gemachte Tractat in folgenden 33. Puncten: (Der gemachte Tractat mit seinen 33. Artienlen wird hier ordentlich beschrieben.) Erstlich wird ein und andere Macht in die alte Freundschafft und ewigen Frieden eingesetzt. Zweytens. Tittulen der Monarchen werden von beyden Seithen gleichförmig verwilliget. Drittens. Wird die von Pohlen an Moscau beschehende Abtrettung der Städte und Länder auffgerichtet. Vierdtens. Die Cossacken sollen mit ihren von Pohln an Moscau abgetrettenen Städten und Provintzen der Unterthän gkeit / [306] und deß der Cron Pohlen geschwornen Eyds erlassen seyn / gleichmässig sollen auch die Cossacken mit ihren von Moscau an Pohlen abgetrettenen Städten und Ländern / und deß denen Moscowittern geschwornen Eyds erlassen seyn. 5. Die flüchtige Cossacken / so von einer Seithen zur andern übergehen / sollen die Protection der Monarchen nicht geniessen. 6. Die Czaaren sollen der Republic von Pohln anderthalb Million Pohlnische Gulden geben / wovon die Helffte denen Pohlnischen Plenipotentiarien alsobald nach unterschriebenem Tractat solle einehändiget / die andere Helffte aber bey der ersten Dieta erlegt werden. 7. Die Städte und Länder am Ufer deß Boresthenis von Chiovia biß an den Fluß Tasmin, so jenseith Czechrim lauffet / sollen nicht wiederumb aufferbauet / und bewohnet werden / sondern biß zu weiterer Abhandlung zwischen denen Monarchen rasirt bleiben / indeme die Pohlnische Plenipotentiarii hiervon keine Vollmacht gehabt. 8. Die Städte und Oerther / so Moscau an Pohlen wieder giebt / werden specificirt / umb alle Gelegenheit zu neuen Mißhelligkeiten zu benehmen. 9. Das freye Exercitium der Cathol. Religion in einer Vorstadt der Stadt Chiovia und Smolensko, obgleich der Patriarch von Moscau darwider ist / bleibet. 10. Die Czaarische Maj. Maj. verlangende die Christliche Religion in den Mahometischen Provintzien einzuführen / verbinden sich durch Einrede deß Königs in Pohlen / die Tartarn und Türcken zu bekriegen / Krafft deß mit Pohlen gemachten ewigen Friedens / und der getroffenen de- und offensiven-Alliantz / jene vor allzeit / diese aber so lang der Türcken Krieg währet / und verbinden sich die Czaaren / noch dieses Jahr ein grosses Kriegs-Heer an den Orth zu schicken / wo die Tartarn pflegen in Pohlen einzufallen / umb ihnen den Paß zu verhindern / weiters befehlen sie denen Cossacken von Tonai, daß sie sich alsobald an das schwartze Meer begeben / und die Türck. und Tartarische Städte anfallen sollen. 11. Sofern die Türcken Chiovia oder ein andere Moscowittische Stadt angreiffen / solle der König in Pohlen verbunden seyn / mit einem Kriegs-Heer zu Hülff zu kommen / ein gleichmässiges sollen auch die Moscowitte thun / sofern Leopoli oder ein ander Pohlnische Stadt angegrieffen würde. 12. Die Czaarische Maj. Maj. sollen der Pforten den mit Pohlen getroffenen Frieden zuwissen thun / und alsobald den Krieg ankündigen / und obwohln die Türcken die gebührende Satisfaction und Abtrettung an Pohln thun wolten / so solle doch ohne Einwilligung aller / und eines jeglichen der Christlichen Confoederirten kein Fried können geschlossen werden. 13. Gleichwie sich die Czaaren verbinden / keinen Frieden mit denen Türcken ohne Einwilligung der Alliirten zu schliessen / also verbindet sich auch der König in Pohlen. 14. Die Moscowitter verbinden [307] sich / Abgesandte an die König von Franckreich / Engelland / Dennemarck / und Holland zu schicken / umb selbige auch zur Conjunction der Waffen gegen die Türcken zu ermahnen. 15. Nachdeme mit gemeiner Verwilligung der Alliirten der Fried mit denen Türcken wird geschlossen seyn / so sollen die andern nicht zum Krieg verbunden seyn / so sern einer von ihnen mit denen Türcken wiederumb auffs neue anfanget. 16. Weiln einige Controversien wegen der Gräntzen zwischen Pohln und Moscau ohnerörtert bleiden / so sollen deßwegen einige Commissarii abgefertiget werden. 17. Absonderlich wegen der Dependentien von Chiovia sollen von ein und anderer Seithen Deputirte ergehen. 18. Zwischen beyden Monarchen wird die Sicherheit der Commercien fest gestellt. 19. Die zwischen denen Privat-Confinanten hafftende Schulden sollen gegeneinander auffgehoben werden. 20. Sofern sich zwischen denen Privat-Persohnen von ein und anderer Seithen Streit erheben / solle die Justitz scharff administrirt werden. 21. Weiln die Commissarii die Mißhelligkeiten / so sich erheben möchten / nicht schlichten können / so bleibt 22. alles biß zur Decision der beyderseitlichen Monarchen außgesetzt. 23. Alle Confinanten / sowohl von einer als andern Seithen sollen in Friede leben / sofern sich aber Streit erregen würde / so sollen die kleinere Processen von den Palatinis, die grössere aber von denen Commissariis beygelegt werden. 24. Denen Feinden eines oder andern Theils soll keine Hülff noch einige Assistentz gegeben werden / auch solle von keinem Theil deß andern Unterthan in Dienst können genommen werden. 25. Die Czaaren sollen alsobald in Gegenwart der Pohlnischen Abgesandten den Eyd ablegen / welches der König in Pohlen auch in Gegenwart der Moscowittischen Gesandten thun wird / so bald sie zur Dieta kommen. 26. Es ist von beyderseits Abgesandten verglichen worden / wie es ins künfftig unter ihnen solle gehalten werden. 27. Denen Kauffleuthen solle erlaubt seyn / wegen ihrer Handthierung zu tractiren / und im Fall einiger Hindernuß solle ihnen Justitz wiederfahren / der Brandewein aber und Taback solle nicht erlaubt seyn / wie vorhin in Moscau zu führen. 28. Im Fall es sich begäbe / daß Pohlen jemanden durch Moscau oder sonsten wodurch in Persien schicken wolten / sollen die Moscowitter diesem den freyen Paß geben / welches Pohlen gleichmässig auch thun wird. 29. Weiln in gegenwärtigem Krieg die Communication und Correspondentz hochnöthig ist / so verbindet sich der König in Pohlen die Posten biß nacher Cadzin auff den Gräntzen deß Hertzogthumbs Smoleneko zu unterhalten / welches die Czaaren biß gedachtes Cadzin auch thun werden / und sollen nur die Czaarische und Königliche Brieff frey seyn / die [308] andere aber alle zahlen. 30. Es verbinden sich beyderseitliche Monarchen ihren Confoederirten und Freunden parte von dieser conjunction zu geben. 31. So fern einer der contrahiren den Monarchen zu sterben käme / solle sein Successor zu ratificirung dieses Tractats verbunden seyn. 32. Im Fall in einer oder andern Cantzley gegenwärtiger unterschriebener Tractat sich verliehre / solle doch darumb der Tractat unverletzt seyn. 33. Dieser Tractat solle ewig und unverbrüchlich seyn / ob schon ein oder anderer Monarch zu sterben käme. Amen.

Das achte Capittel
[arrow up]

Redet von Italiänisch-meistens aber von den Venetianisch-auch wol Türckischen Staats- und Kriegs-Affairen. (Venetianische Geschichten.) VOn Venedig vernimbt man / daß allda Brieff aus Dalmatia vom 20. passato angelangt / welche referiten, daß nachdeme der Cavallier Janco und Sr. Bartolozzi mit ihren Morlacken aus deß Herrn General (Die Morlacken unterm Cavallier Janco flecken viel Türckische Dörffer in Brand.) Cornaro Befehl die Mauern von der Vestung zu Grasatz diß auff die Fundamenta gesprenget und geschleiffet / sie von neuem einen Streiff in das Türckische Land biß nacher Paolowitz gethan / und selbige Flecken und Dörffer eingeäschert / und viele Türcken niedergehauen haben; von besagten Morlacken ist keiner tod geblieben / fondern nur einige verwundet worden. In besagtem Dalmatia hätte man Nachricht / daß von der Porta dem Bassa von Boßnia Gelder zugesandt worden / umb 12000. Mann zu besolden / und die Werbungen eylends fortzusetzen / und zu Scapia, allwo er sich befindet / liesse er viel Stückkugeln und anders zur Artillerie verfertigen / dabey er Befehl haben soll / zu dem Bassa von Arcigovina zu stossen / umb zu suchen / sich deß Thurns zu Narin und der Schantzen von Opus und (Deßgleichen thut der Haran Bassa von Sebenico Cala Ormar üderrumpeln und den Ort schleiffen.) Duare zu bemeistern / und hernach mit seinen Völckern gegen Ungarn zu marschiren. Mit Brleffen von Spalatro vom 28. passato hat man / daß der Haran Bassa Nachich von Sebenico, mit einer Parthey gegen Gracou zwischen Clivano und Slamoz gelegen / ausgangen / und Cala Ormar einen vesten Ort durch Verständnuß überrumpelt / die Guarnison niedergehauen / die Häuser abgebrand / die Mauern niedergerissen / und nebst 33. gefange [309] nen Türcken und Weibern / auch 7. Pferde / 2. Fahnen / 1. Stück Geschütz / und einige Doppelhacken erobert / und dem Disdar den Kopff abhauen lassen. Die Morlacken von Poglizza haben Otoeche, 4. Meilen von Sing in Brand gebracht / und darinn 60. Tückische Häuser eingeäschert. Eine andere Parthey Morlacken unterm Commando deß Grafen Classich und Capitain Steffan Goretin ist nach Vellin gerucket / hat sich mit denen von Scardona und Zara conjungirt, und 7. S???laven gemacht / 12. Köpffe bekommen / und hernach gegen B lag avancirt, allwo sie die Städte Siplonat, Scovonaz und Secussia überrumpelt / und geplündert haben; im Zuruckweg (Ein Parthey Morlacken rencontrirt die Türcken glücklich / und macht gute Beut.) aber haben sie mit 200. Türcken zu Pferde eine rencontre gehabt / selbige in die Flucht geschlagen / und einen der ihrigen verlohren / und 20. Familien in dieser Republic Gehorsam und über 3000. Stück Viehe mit sich zurück gebracht. Den 10. dito ist der Herr General St. Paul auff dem Schiff St. Nicola nacher Dalmatia abgefahren / von dannen der Herr General Crimadi bey jenes Ankunfft zu der Armada in Levante abschiffen solle. Zu Corfu ist die Convoy mit denen Herren Contarini und Bembo, wie auch der Herr General Königsmarck / und die Mayländische Dragoner angelangt. Uber (Die Türcken leyden an St. Josephs Tag grossen Schaden an Volck und Schiffen auff dem Meer.) Smirne hat man Schreiben aus Constantinopel vom 6. April von selbigen Kauffleuten empfangen / welche melden / daß den 19. Martii an St. Josephs Tag ein solch grausam Ungewitter entstanden / wordurch kein einiges Schiff im Hafen zu Constantinopel unbeschädigt blieben / sondern wären entweder beschädiget / gescheitert / oder zu Grund gegangen / und in dem schwartzen Meer seyen ein grosse Menge Saicken und andere Schiff zu Schanden gangen / und schadhafft worden / und sollen über 200. Schiffe gescheitert und zu Grund gangen seyn / der grosse Schaden und Anzahl der ersoffenen Menschen ist unglaublich. Aus Morea vernimbt man / daß zu Modon alles biß auff 500. Menschen wegen grossen Hungers gestorben / und 10000. Albaneser in dieser Rupublic Gehorsam übergangen seyen / und daß die Mainotten in Levante 3. Türckische Jagt-Schiffe genom̅en hätten. Ich habe kurtz vorhero gemeldet / wie daß der Bassa von Boßnia auff expresse Ordre der Pforten den Thurn von Narin zu attaquiren im Marsch begriffen / dem nun vorzukommen haben die Christen gemeldten Thurn in die (Die Türcken wollen die Schantz Opus attaquiren / können aber ihren Zweck nicht erreichen.) Lufft gesprenget / und gegen die Schantz Opus sich reterirt / als solches die Türcken innen worden / seynd 300. derselben in die Gegend deß ruinirten Thurns gerucket / und haben sich verschantzet / umb denen unsrigen das Aussteigen zu verhindern; der Bassa aber ist auf die andere Seiten deß Flusses Narenta mit 2. kleinen Feldstücklein marschiret / umb besagte Schantz Opus anzugreiffen / [310] und zu beschiessen / deine aber der Herr General Cornaro zuvor gekommen ist / und den Vortheil abgenommen gehabt; Inzwischen ist eine Parthey von Primorgie und Pogliz in Morlacken / und Italiänischen Soldaten zusammen in 500. Mann bestehend / avancirt / die Türcken anzugreiffen / in welchem Scharmützel dann von denen unsrigen 18. tod blieben / und etliche verwundet worden / von denen Türcken aber biß 50. umbkommen / und viele (Der Cavallier Janco thut mehrmalen einen glücklichen Streiff in deß Feindes Land.) blessirt worden seyn. Der Cavallier / Janco ist inzwischen mit 2000. seiner Morlacken gegen Duare marschirt / diesen Ort zu verstärcken / als er nun solches verrichtet / hat er in deß Feindes Land gestreifft / darinn 5. Dörffer abgebrandt / viele Türcken niedergemacht / und nechst 200. Gefangenen auch andere gute Beuten an Viehe / und 2000. Christen aus dem Türckischen in dieser Republic Gehorsam mit sich zurück gebracht. Eine andere Parthey Morlacken hat zwischen Clino und Sebenico die Schantze und Thurn Coroman überrumpelt / 50. Türcken / so darinn in Guarnison gelegen / niedergehauen / den Ort eingeäschert / und 40. Türcken nebst ihren Familien und gemachten Beuten zurück nacher Sebenico geführet. Von unserer Armada hat man Schreiben von dem 18. dieses / daß sie sich zu St. Maura befindet / allwo der Herr Provediteur extraordinari Justinianus gestorben / welche Charge der Herr General Morosini nun dem Herrn Peter (Die so gemante Peraftinen brennen denen von Ragusa auff einer Insul 200. Häuser ab.) Bembo gegeben. Die Perastinen / welche in Dalmatien denen unserigen zu Hülff kommen seynd / haben auff der Insul di Mezzo, so denen von Ragusa zugehörig / 200. Häuser abgebrandt / weilen zwischen selbigen Nationen ein unversöhnlicher Haß ist / meistentheils deßwegen / daß die von Ragusa dem Groß-Vezier ein Geschenck von 10000. Zecchinen gegeben / und dardurch erhalten haben / daß die Türcken alle ihre Wahren nach Ragusa bringen / daselbsten sie ihren Handel-Platz (und nicht mehr wie vor diesem zu Durazzo) auffrichten / welches den Perastinen Schaden bringt / die derohalben auch mit ihren Schiffen nicht mehr nach Ragusa kommen. Die von Ragusa haben 3. Abgesandten zum Herrn General Cornaro geschickt / umb denselben wegen seiner Ankunfft in Dalmatien zu complimentiren / und dann zu klagen über den Schaden / so ihnen von denen Perastinen und andern Unterthanen von dieser Republic angethan worden. Es ward ihnen aber geantwortet / daß die Raguser vor einem Jahr übel gethan / daß sie einige Perastinen enthauptet / und als Feinde mit ihnen verfahren / ohne daß sie zuvor bey hiesigem Senat darüber geklagt hätten Unsern von Cattaro haben die unsrige ein Bregantino von den Seeräubern von Dolcigno, worauff 30. (Die Morlacken von Spala???o machen gute Beut in dem Bossinischen Land.) Türcken gewesen / genommen. Die Morlacken von Spalatro und andern Orten haben sich in 800. starck nach dem Fluß Zettina in das Bossinische [311] Land erhoben / daselbst einen Ort Ottocho genant / dahin sich viele Türcken mit ihrer Haab salvirt gehabt / bey Nacht überfallen / erobert / und viele Türcken niedergemacht / die andern aber / so sich über besagten Fluß salviren wollen / seynd ersoffen; besagte Morlacken kehrten wieder zuruck mit reicher Beute und 30. Pferden / und einigen Christen / so sie aus der Türckischen Sclaverey erlöset haben / und als sie mit besagter Beute in der Gegend Scin anlangeten / kamen 150. Türcken zu Pferd heraus / sie anzugreiffen / wurden aber mit einigen Verlust zuruck getrieben. (Päbstliche Geschichten.) Von Rom kom̅t / daß man daselbst Sonntags den 28. passato in S. Peters Kirchen / weilen die Protestanten in Franckreich zur Röm. Kirch gebracht worden / das Te Deum laudamus gesungen / in der Stadt die Glocken (Die Toscanische und Päbftliche wider den Erbfeind destinirte Squadra Gelleren baltet Randezvous.) geläutet / und vom Castello mit Stücken Salve gegeben. Montags den 29. hat die Toscanische Squadra Galleren / wie auch die Päbstliche / so mit Bootsleuten und Soldaten wohl besetzet seynd / im Gesicht von Civita Vecchia Rendezvous gehalten / und darauff ihre Reise gegen Levante fortgesetzet. Endlich haben die Carmeliter ihren General erwählet / welche Würde der P. Martiale von Avignone, ein Mann von grossem Verstand und Erfahrenheit überkommen hat / wordurch nun die Strittigkeiten / die biß in drey Jahr lang die Provintzien von Franckreich / Teutschland und Italien getheilet hatten / auffhören. (Sicilianische Geschichten.) Aus dem Königreich Sicilien wird geschrieben / daß nachdeme der Königl. Rath Don Pietro Cortes eine seiner Töchter an den Marq. di Pontidatalo vom Hauß Alberti verheyrathet / er selbige nach vollzogener Hochzeit nacher Pontidatalo auffs Schloß begleitet / und weilen besagter Rath einige Commissiones zu verrichten gehabt / hat er seine gantze Familie dorten gelassen: da dann inzwischen deß Herrn Cortes Sohn sich in deß Marq. di Pontidatalo Schwester verliebet / und diese heyrathen wollen / welches aber deß Marquis Schwester abgeschlagen / indeme sie sich schon mit dem Baron (Der Baron di Monte bello begebet 9. grausame Todschläg / und gebet flüchtig.) di Monte bello versprochen gehabt; als nun besagter Baron von solchem allem Nachricht bekommen / und dem Matq. von einiger Zeit hero sehr feind gewesen / hat er in seiner Jurisdiction über 200. seiner Vasallen zusammen gebracht / ist damit in aller Stille bey Nacht in die Herrschafft di Pontidatalo und in deß Marquis Hauß gefallen / und hat gedachten Marquis ermordet / dessen Hertz der Mutter geschickt / und die Mutter hernach auch nebst deß Marquis seiner Frauen umbgebracht / nach diesem deß Marq. Schwester in Gegenwart deß Verliebten / nemlich deß Raths Cortes Sohn / beschlaffen / und folglich den Buhler Cortes, auch nebst mehr andern / in allem bey 9. Personen ermordet / deß Marquis Schwester aber mit sich hinweg ge [312] führt / und die Flucht geuommen. Besagten Baron, wegen solcher grausamen unmenschlichen That / nun auffzusuchen / hat der Vicc-Re dem Proesidenten Marq. Gerezelo 300. Mann zugesandt / welche nebst mehr andern den Baron verfolgen / auch hat besagter Vice-Re 200. Mann aus 3. Galleren steigen lassen / umb den Thäter überall zu suchen; über dieses hat man 6000. Ducaten dem jenigen zum Recompens versprochen / welcher mehrgemeldten Baron der Justiz überlieffern werde. (Savoysche Geschichten.) Bey den Savoyschen Geschichten habe im vorigen Monat von einer Rencontre gedacht / so zwischen selbigen und denen Frantzösischen Auxiliar-Völckern eines Theils / dann den Protestanten in den Lucerner Thälern anderer Seits vorgegangen. Worbey gemeldet / daß der meiste Theil von den Protestanten in den zugängigen Thälern sich auff Gnad und Ungnad ergeben haben / die übrige aber haben sich in die ungangbare Gebürg und hohe Klippen reterirt / mit der endlichen vest gesetzten Resolution lieber zu (Die Savoys. Frantzös. Völckerthun den zweyten Angriff gegen die Protestanten.) sterben / als sich zu ergeben / worauff die Savoysche und Frantzösische Völcker sich in 3. Theil getheilt / und den 7. dito den zweyten Angriff gethan / worbey man ein Schantz erobert / so ein halbe Meil im Gebürg gelegen ist / welche man mit 200. Mann von der Guarde besetzet / und sind in dieser Action zwischen 40. Soldaten tod und verwundet / und der Ritter Philippi von 3. Kugeln in den Magen und einer in den Arm geschossen worden / jedoch glaubt man nicht / daß sie tödlich seynd. Als nun der General Marq. di Parella seinen Marsch ferner fortsetzen wolte / waren etwann 30. Protestanten / welche Feuer auff die unsrigen mit Büchsen gaben / und nachdem (Welche sich auff die Berg reteriren / und grosse Stein auff ihre Feind berunter wältzen / und viele verwunden.) sie ein wenig zuruck gewichen / reterirten sie sich hinter einen Steinfelsen / so mit Abschnitten und unaussprechlichen grossen Steinen umbgeben und versehen war / welche Steine dann in einem Augenblick herab auff die unsrigen fielen / und ist zu verwundern / daß von denen unsrigen mehr nicht als 15. gemeine Soldaten / und der Graf Vagnone, so Lieutenant gewesen / tod geblieben / und der Graf von Druse, deß Marq. Parella Bruder / so von einem Stein herunter geworffen / und der Sr. Mayno verwundet worden seynd / dem Grafen von Drulli ist eine Schulter verrencket / der Sr. Bonnier hat einen Schenckel zerbrochen / so nachgehends gestorben / und der Sr. Souille ist etwas gequetschet. Welche Action verhindert / daß der Marq. di Parella den Marsch / umb den Gipffel deß Bergs zu ersteigen / unterlassen hat. Entzwischen hat auff der andern Seiten der Herr Marquis Dogliani, so durch einen andern Weg zum Parella stossen sollen / die Pässe unüberwindlich gefunden / wegen der Eigenschafft deß unzukommlichen Landes den Muth fallen lassen / und ist zuruck geblichen; jedoch hat man 150. von besagten Pro [313] testanten gefangen / und noch andere flüchtige in 4. à 500. hin und wieder verstreuet Als nun immittels Jh. Kön. Hoheit von der andern Action benachrichtiget / und darbey deroselben umbständig vorgestellet worden / daß den übrigen Protestanten mit Gewalt ferner nicht beyzukommen sey / weilen selbige sich auff das unersteigliche höchste Gebürg und grausame Felsen / Klüfften (Der Hertzog von Savoyen gibt Ordre den Rost durch Hunger zu bezwingen / immitiels aber selbige eng bloquirt zu balten.) und Hölen reterirt / haben besagte Se. Königl. Hoheit Ordre gegeben / alle Päß sehr genau zu besetzen / umb sie durch Hunger vollends zu bezwingen / und zu ertappen. Dessen ungeachtet haben in der Gegend St. Martinsthal / wo die Frantzosen das Commando geführt / selbige immer fort mit den Protestanten scharmutziert / sie haben auch einige Felsen ersteigen wollen / seynd aber einsmals übel angelauffen / indeme der Frantzös. protestirende Ingenieur Boris (so sich umb verfolgter Rebellion willen aus Franckreich bey (Die Frantzosen lauffen übel an.) die Thal-Leut reterirt) auff dem Gebürg eine Mine springen lassen / wordurch von den geworffenen Steinen den nechst darbey postirten Frantzosenschr grosser Schade zugefügt worden / doch haben diese nicht nachlassen wollen (Revangiten sich.) jene zu verfolgen / wie sie dann den 20. einen Felsen erstiegen / und darauff 30. bewehrte Protestanten massacriret, und viele Weiber und Kinder gefangen bekommen / weilen nun die Zahl dieser Leut täglich abnehmen thut / hoffet man den Rest ehistens völlig zum Gehorsam zu bringen. (Mayländ. Geschichten.) Aus dem Mayländischen vernimbt man / daß nachdeme dasiger neuverordneter Gouverneur Herr Graf von Fuensalida von Spannien mit 2. Galleren zu Genua angelangt / seyen selbigem 6. Deputirten von der Republic (Ein neuer Gen. Gouverneur langt zu Mayland an.) mit einer Galleren biß nach S. Remo entgegen gefahren / woselbsten sie ihn empfangen / nach der Stadt begleitet / allwo er in deß Hertzogs von Oria Behausung von acht andern complimentirt worden / und sey ihme von zeitwährender Anwesenheit von selbigem Staat unaussprechliche Ehre widerfahren; Den 8. beschahe die Abreiß von Genua / und den 9. arrivirten Se. Excellentz zu Alexandria / allwo sie sich einige Tag auffgehalten / und zu regiren angefangen haben / wie dann dahin so gleich auff erhaltene Nachricht von hier aus ein Cantzley-Secretarius und verschiedene andere Beambten nebst 2. Staats- und Kriegs-Secretarien adgeschicket worden / worauff Se. Excell. sich nach Pavia erhoben / allwo der Herr Graf von Melgar am Strand von Grauellone nicht weit von Pavia selbige complimentirt / und in die Stadt begleitet haben. Den 18. darauff seynd mehr-erwehnte Se. Excell. incognito anhero kommen / den Kön. Pallast besehen / und alle nöthige Ordres gegeben / folgends zu Mittag bey dem Hn. Gen. Feldm. Grasen von Lovigni gespeiset / allwo sich auch die Hn. Grafen von Melgar / der Gen. über die Cavalleri und der Don Fern. Valdefe befunden haben / nach eingenommenem Mittagmahl nahmen Se. Excell. ihren Ruckweg nach Pavia / und [314] blieben so lang daselbsten / biß der Pallast allhier völlig zugerichtet war / darnach hielten sie ihren Einzug in diese Stadt mit grossem Pomp / unter Vegleitung eines grossen Adels und unzehlichen Carossen / 3. Tag hernach gaben (baltet seinen Einzug.) Se. Excellentz die erste offentliche Audientz / worbey sie Sr. Catholischen (Vnd gibt offentliche Audientz / worbey er deß Königs in Spannien Bildnutz unter einen Pimmel setzen lassen.) Maj. Bildnuß unter den Himmel setzen lassen / und sagte zu denen / welche ihme zugegen waren / daß die jenigen / welche ein gut Spannisches Gemüth hätten / soltens auch äusserlich und mit der Kleydung bezeugen; welches dann verursachet / daß innerhalb wenig Tagen / mehrentheils deß Adels / sambt denen vornehmsten Kriegs-Officiers / die Frantzös. Mode und Kleyder / in die Spannische verändert / und sich Spannische Hüte / Schuhe / Strümpffe / Degen und dergleichen gekauffet haben. Se. Excellentz hat verschiedene Conferentzien mit denen versambleten Staats-Ministren gehalten / welche eine imposta von 300000. Livres accordirt haben / wegen Einquartirung der Soldatesca / in 3. Monaten zu bezahlen; hingegen hat diese Stadt wegen deß Brods einige Erleichterung bekommen. Der Herr Hertzog von St. Peter hat Sr. Excellentz unserm Gouverneur 8. schöne Spannische Kutschen-Pferde geschenckt. Weilen sonsten die Frantzösische Völcker sich disseits deß Gebürgs gezogen / als gibt solches in diesem Staat einiges Nachdencken / weßhalben unser Gouverneur 35. Compagnien zu Pferd nacher Pavia unter Commando deß Herrn Fernando Valdese hat marschiren lassen. Den 24. ist die Musterung in allen Plätzen dieses Staats (19. Compagnien zu Fuß und 5. zu Pferd werden reformirt.) gehalten worden / worauff man über die vorhero cassirte noch 19. Compagnien zu Fuß und 5. zu Pferd reformiret / wordurch dieser Staat jährlich umb 50000. Scudi erleichtert wird. Se. Excellentz haben die 2. Compagnien von seiner Garde seinem einigen Sohn dem Grafen von Culmenar conferirt, worauff selbige den 20. von hier abgereist sind / umb die 2. Schantzen / welche bey der Brücken über den Po-fluß gemacht werden / zu besichtigen. (Der Ertz-Bischoff von Pisa gibt 800. Florentischen Soldaten die Benediction.) Von Florentz hat man / daß der Ertz-Bischoff von Pisa 800. Soldaten / welche vor selbiger Stadt in Schlacht-Ordnung gestanden / und der Hertzog auff denen Galleren und Galleotten nach Levante schicket / den Segen gesprochen / und seyen den 5. darauff die Galleren / und den 6. die Galleotten mit ihnen abgesegelt / umb zu Messina mit andern sich zu conjungiren. Der Hertzog habe dem General Sebastiani 200. Dupplonen gegeben / welcher noch über dieses alle Monat / so lang die Campagne dauret / 200. Scudi Besoldung bekomme. (Gennesische Geschichten.) Aus Genua wird geschrieben / daß das Schiff / welches der Capitain Coratino gekaufft / daselbst mit 70. Stücken Geschütz 350. Mann und auff 6. Monat Provision versehen / Segelfertig lige / umb zu der Venetianischen [315] Armada abzulauffen. Der Spannische Consul hat eine von denen 4. disarmirten Galleren gekaufft / solche zu der Sicilianischen Squadra zu gebrauchen. Von Turin schreibt man anhero / daß der Hertzog von Savoyen (Der Spannische Consul kaufft eine von den 4. disarmirten Galleren.) die Protestanten in denen Lucerner Thälern geschlagen / deren biß 5000. sowol Männer als Weiber und Kinder theils nieder gemacht / und gefangen hat / wobey jedoch 500. Frantzosen und 150. Piemonteser auff Savoyscher Seiten tod geblieben seynd; aber die übrige Protestanten in denen inaccessiblen und unzukommlichen Gebürgen thäten sich noch tapffer wehren / und wären entschlossen lieber zu steiben / als sich zu ergeben; der Hertzog seye willens die eroberte Schantzen im Thal S. Martin / al Porto di Torno, und in Angrogna, zu schleiffen; es wollen aber einige darfür halten / es möchten sich die Frantzösische Völcker alldorten noch mehrers bevestigen / so bey denen Benachbarten nicht geringe ombrage verursachen dörffte. (Die Frantzös. Flotta wird bey den Insuln Majorica und Minorica gesehen.) Ein Englisch Schiff / so den 12. von Malaga dahier angelangt / berichtet / daß ihme vor 10. Tagen bey denen Insuln Majorica und Minorica die Frantzös. Flotta in 17. Schiffen bestehend / darunter 3. Pallandre, begegnet seye / und ihren Lauff gegen Ponente gerichtet hätte. Es wird confirmirt / daß die Algierische Seeräuber 40. Holländische Schiffe weggenommen haben. Mit einem Schiff von Cadix ist der Bischoff von Messina anhero kommen / welcher alsobald seine Reise nacher Rom fortgesetzt / und theils seiner Bedienten und Bagage allhier gelassen hat / welche mit einem Englischen Schiff auch innerhalb wenig Tagen nacher Sicilien wegreisen sollen. Aus der See kombt Zeitung / ob hätten die zwo Galleren von Sardegna ein Türckisches Raubschiff erobert. Den 15. hat der Herr Johann Baptista de (Mons. de la Rovere gehet als Genuesischer Resident nach Pariß.) la Rovere seine Reiß nacher Pariß fortgesetzt / allwo er als Resident von hiesiger Republic sich auffhalten solle. Von Genff hat man / daß in der Valey von Piemont noch mehr als 3000. Protestanten in den Waffen stehen / welche beschlossen haben / ihr Leben theuer zu verliehren / ehe man sie überwinden würde. Die Bürger von Genff halten sehr starcke Wacht / und (Die Stadt Genff setzet sich in Defensions-Postur.) patrolliren stets eine Stund lang rund umb selbige Stadt / und werden daselbst Deputirte von Zürich und Bern erwartet. Was die Hn. Schweitzer belangt / so haben selbige in ihrer General-Versamblung beschlossen / und versprochen / im Fall der Noth selbiger Stadt zu assistiren / dannenhero sie sich auch in solchen Stand stellen / daß sie ihr Wort halten können / man sagt / daß sie bereits eine Reveue gethan von mehr als 100000. Mann / welche sie darauff in unterschiedliche Campementen vertheilt / und unter andern eines in das Land von Vaux gelegt haben. Im übrigen sagt man allhier vor gantz gewiß / daß dir Graf von Schärffenberg mit Brieffen / so Ihro [316] Käys. Maj. mit eigener Hand geschrieben / und welche er nicht öffnen solte / biß er in Caschau kommen / abgefertiget worden / worauff er alsobald 7000. Teutschen und 4000. Ungarn nach Maros in Siebenbürgen abschicken / welche sich daselbst mit 12000. Siebenbürgern und 15000. Wallachen und Moldauern conjungiren / und eine grosse entreprise vornehmen solten / und daß dieses dermassen still und heimlich tentirt würde / daß es nur allein dem König in Polen / und denen Päbftlichen Nunti???s zu Wien und in Polen (Die Morlacken thun grosse Progreffeu in Dalmatien.) bekandt seye. Aus Dalmatien vernimbt man / daß die Morlacken sehr grosse Progressen machen / ein Haupt derselben seye mit seinem Volck biß unter Clim und Hieg avancirt, woselbst sie einen grossen Ort abgebrand / und eine gute Beut nebst 1100. Stück Viehe mitgebracht / welches daselbst die Theurung deß Fleisches vermindern wird. Man schreibt auch / daß daselbst ein grosser Uberfluß von Obst und Früchten dieses Jahr zu hoffen seye / welches allda hochnothwendig / weil in selbiger Provintz bey 11000. Familien der Morlacken / so Türckische Unterthanen gewesen / sich hin und wieder in die Städte ausgetheilet / weßhalben das Land sehr volckreich worden / hingegen (Grosse Hungersnoth in den Türckischen Provintzien.) befänden sich die Türckische Provintzien in einem sehr erbärmlichen Zustand / weilen viel Leut aus Boßnia ihre eigene Kinder verkauffen / umb von solchem Geld sich zu unterhalten / einige ersäufften sich selbsten aus Verzweifflung / weilen sie keine Lebensmittel hätten / und seye durchgehends in Boßnia / Belgrado / Servien / Bulgarien und andern Provintzien eine unbeschreibliche Hungersnoth / und hätten die Türcken alles Korn / so nur zu finden / auffgesucht / und in die veste Städte gebracht. Von Rom (Hertzog von Mantua langt zu Rom an.) verlautet / daß den 9. der Hertzog von Mantua nebst einem Gefolg von 10. Cavallieren und andern Personen allda angelangt / welchen der Pabst durch seinen Obrist-Cämmerer Hn. Magiascki complimentiren / und durch seinen Obrist-Hofmeister mit allerhand kostbaren Weinen und Speisen regaliren lassen / hingegen habe gedachter Hertzog denen Laqueyen / welche solche überbracht / 100. Dublonen / und dem Obrist-Hofmeister eine güldene Kette und Brust-Bildnuß verehrt. Der Englische Ambassadeur / so nach Rom gehet / ist allhier angelangt / hat aber die Visite anzunehmen abgeschlagen. Von dem Collegio ist dem Herrn Christophoro Centurione noch auff 4. Monat sicher Gelait verwilliget worden / so aber von dem kleinen Rath (Der Frantzös. Consul kaufft 1000. Centner Pulver.) noch approbirt werden solle. Der Frantzös. Consul hat allhier 1000. Centner Pulver gekaufft / welches zu Werffung der Bomben soll gebraucht werden. Endlich ist das Schiff S. Rosa, wegen welchem hiesige Kauffleute lang in Sorgen gestanden / mit reicher Ladung hier glücklich angelangt. Den 10. kam in dem Schiff der Gülden Fließ genant Feuer in die Muni [317] tion-Cammer und ist gedachtes Schiff durch den Wind eine Meile von Pierre d'Arena geführt / und mit allem / was darauff gewesen / nebst 12. Schiffleuthen zu grossem Schaden dieses Orhts verlohren worden.

Das neundte Capitel
[arrow up]

Stellet vor / was in denen 17. Niderländischen Provintzien sich begeben hat. (Holländis. Geschichten.) AUs dem Graffenhaag vernimbt man / daß Ihro Chur-Fürstliche Durchl. von Brandenburg resolvirt habe mit dero gantzen Hoffstatt diesen Sommer nacher Cleve zu kommen. So sagt man auch / daß die Protestirende in denen Thälern von Piemont weder ihre Güther noch (Die Lucerner Thäler seind eifferig in ihrer Religion.) viel weniger ihre Religion verlassen wolten / sondern resolviret / lieber ihr Leben zu verlieren; sagende / das seithero der Apostel Zeiten die Einwohner das Evangelium nicht verlassen / sondern von Kind zu Kinde selbiges rein und lauter erhalten hätten / und als sie solches zur Zeit der Verfolgung nicht offentlich predigen dörffen / hätten sie es in denen Wäldern und Höhlen verrichtet / und würde solches eine grosse Zagheit von ihnen seyn / anjetzo das Land zu verlassen / welches nimmermehr das Liecht deß H. Geistes verlohren hätte; Zumahlen ein solch Leben zu erhalten / welches ihnen / wann sie einen so grossen Vortheil verlohren hätten / hernach nur verdrießlich seyn würde. (Graff von Colligni Frantzös. Gen. Lieut. gehet mit Tod ab.) Aus Franckreich hat man / daß der Graff von Colligni, General-Lieutenant der Königlichen Armeen / den 16. passato in seinem Schloß de la Motte St. Jean in Burgund gestorben; dieser hat sich in unterschiedlichen Occasionen / und sonderlich Anno 1664. in Ungarn gegen die Türcken / allwo er die Königliche Auxiliar-Völcker damahls commandirt hat / berühmt gemacht. (Die Ratificationes der geschlossenen Tractaten zwischen) Den 3. dieses seynd die Ratificationes der geschlossenen Tractaten / zwischen dem König in Schweden und diesem Staat / außgewechselt / und bestehen selbige hauptsächlich darinn / daß die alten Tractaten auff zwanzig Jahr verneuert / und ein neuer Articul de mutuis Auxiliis, welche [318] auff 6000. Mann und 12. Kriegs-Schiffe extendiret seyn / hinzugethan worden. Weil die Seeräuber von Algiers mit diesem Staat gebrochen / (Holland und Schweden werden ausgewechselt.) als ist denen Convoyern der Smirnischen Flotte Ordre gegeben worden / ihre Schiffe mit doppelten Stücken zu montiren / und auch die Krigsschiffe selbsten mit gleicher Anzahl zu verstärcken / welche der Herr Graff von Styrum commandiren / und auff einer gewissen Höhe die von Smirna kommende Flotte abwarten solle. Eine sichere Person hat sich auff Ordre deß Königs in Franckreich bemühet / und sich in allen Häffen erkundiget / wie viel Orlogs-Schiffe dieser Staat außrüsten lassen wolte. Nach dem sonst die Stadt Hamburg in Erfahrung kommen / daß der Hertzog von Zell in Seeland einige Capers in dero Beschlag und Besoldung genommen / umb mit selbigen dieser Stadt zurück kommende / und mit Waaren beladene Kauffardey-Schiffe zu attaquiren; als hat der Magistrat allda die Herren Staaten ersucht / dero Unterthanen in Seeland ein solches am möglichsten zu verbieten. Den 8. hat der Königl. Englische (Der Englische Envoye übergibt den Hn. General Staaten ein Memorial.) Envoye, Herr Skelton / denen Herren General-Staaten im Nahmen seines Königs ein Memoral übergeben / wodurch Se. Majest. an Ihro Hochmögenden dero Mißfallen wegen deme / daß die Commissarii, welche die Banthamische Sachen vergleichen und abthun sollen / sich unverrichter Dingen geschieden haben / bezeugen; und weilen nun die Differentien anjetzo unter Ihro Königl. Majest. und Ihro Hochmög. Händen heimgefallen / als hoffet man / daß dieselbige bald in der Güte accommodirt und beygeleget seyn werden. Das Spargiment / ob habe sich die Frantzösische Flotte auff denen Engelischen Cüsten sehen lassen / umb sich mit der Engelischen Flotte zu conjungrien / und diesen Staat zu beunruhigen / thut gantz verschwinden; (Der Hertzog von Holstein langt im Haag an.) wiewohl man nicht unterlässet / sich in gute defension zu setzen. Der Hertzog von Hollstein / welcher in Chur-Brandenburgischen Diensten / ist allhier angelangt. Den 4. ist der Herr von Amerongen vom Chur-Brandenburgischen Hofe / und Tags zuvorn der Marquis de Varennes, welcher in Sr. Churfürstl. Durchl. Diensten ist / allhier zuruck gelangt. Hiesige (Die Burgerschafft daselbst thut den 1. Map ihrer Obrigkeit vor dero Logamenter verschiedene Maphäume auffrichten mit nach.) Bürgerschafft hat der alten Gewohnheit nach den 1. Tag May in dieser Stadt etliche Mäyen gestecket / und zwar einen für die Herren Staaten von Holland mit diesem Wahl-Spruch: Peragit tranquilla potestas, quod violenta nequit. Zu Teutsch ungefehr: Mit Sittsam- und Gelindigkeit kan man mehr als mit Gewait außrichten. Einen andern vor den Printz von Oranien / worunter diese Wort zu lesen: Haud ulli veterum virtute secundus. Das ist: Er gibt denen Alten an Tugend und Tapfferkeit im geringsten nichts nach. An einem andern / welcher für die Princessin gepflantzet ge [319] wesen / war zu lesen: Deas supereminet omnes; Sie übertrifft alle Göttinnen; Ingleichem war noch einer für die Herren General Staaten gestecket / dessen Wahlspruch dieser war: AEterna in foedera Uniti: zu ewiger Verbündnuß miteinander vereiniget. (dencklichen Wahlsyrüchen. ???) Endlichen war der fünffte für die Burgermeister der Stadt und den Obristen Rosa, worunter zu lesen: In arma viros armis circumdatus omnes suscitat: Wer wohl mit Waffen versehen ist / der machet auch jederman Lust die Waffen zu ergreiffen. (Die Schweltzer schicken 900. Mann nacher Genffumb an denen Fortificationen zu arbeiten.) Man sagt / ob hätten die Schweitzerische Cantons noch 900. Mann von ihren Völckern nach Genff geschickt / umb alldorten an denen Fortificationen zu arbeiten / und im fall der Noth / zur Defension der Stadt dienen zu können. Es verlautet / daß die Frantzös Flotte ihren Lauff gegen Portugall nehme / und daselbsten einige Prätensionen mache / weilen die Cron Portugall / wie man sagt / mit Spannien wider Franckreich concurrirt habe. Brabandische Brieffe melden / daß die Frantzosen / unter Mons. de (Die Frantzosen formiren ein Lager zwischen der Sambre und ber Maaß.) Montal, ein groß Lager / zwischen der Sambre und Maase / formiren / darzu 3000. Pferde aus dem Land von Artors stossen sollen. Unsere Flotte ist noch nicht in See / aber alle Boots-Knechte und Equipages, seynd schon im Texel, allwohin einige Commissarien von der Admiralität der Indianis. Compagnie gehen / umb die Schiffe zu visitiren / nach welchem sie unter Segel sich begeben sollen. Nachdem Ihre Königliche Majest. in Engelland begehrt / daß alle dero Unterthanen / so wegen jüngster Rebellion sich in hiesige Provintzen reterirt, entweder arrestirt und Ihro gelieffert / oder aber bannsirt werden möchten / so haben die Hnn. Staaten bereits darein consentirt / jedoch daß sie solches vorhero den General-Staaten communiciren wollen / und zweiffelt man (König in Engelland erhaltet von denen Hun. Staaten den degehrten Areft seiner mit der Montdmonthischen??? Rebellion interessirten und dahin geflüchten Unterthanen.) nicht / daß der König in Engeland bey allen andern Potentaten deßgleichen begehren werde. Weilen unser am Frantzös. Hoff residirender Ambassassadeur Mons. de Starenberg angehalten / daß er von dannen möchte avocirt werden / so sind deßhalben einige zu Amsterdam im Vorschlag gewesen / welche sich gleichfals der Ehre bedancken thun. Gantz Europa ist im Harnisch / daß es 3. unterschiedliche Flotten in verschiedenen Meeren sehen muß; So erwecken auch die Armeen im Elsas / in Flandern / Languedock und anderswo / wie auch die Völcker / so der König in Franckreich bey Genff / im Luycker Land / und an andern Orten hat / nicht geringe Forcht; Ingleichem verursacht die Kriegs-Rüstung / so in Engelland, Dennemarck / und in Schweden geschicht / einigen Argwohn / weil niemand zu sagen weiß / wohin dieselbe angesehen ist / wird man also noch etliche Wochen warten müssen / biß wir den [320] den rechten Warheits-Grund erfahren / unterdessen wird durch Schreiben versichert / daß die Englische Floite zum Theil zu Verwahrung ihrer Küsten / Theils aber denen Galliotten / im fall sie solches vonnöthen haben solten / entgegen gehen solle; und sprengen etliche Zeitungen-Träger aus / daß die Spannier diesen Galliotten Ordre zugeschickt haben / in nechsten besten Posten / wo sie sicher zu seyn vermeynen / einzulauffen / damit sie der / Gefahr / wor innen sie stehen / entgehen mögen / es ist aber dieses kein Glaubens-Articul. Das Memorial / welches der extraordinari Engelländische Gesandte Herr Skelton den 10. dieses denen Hnn. Staaten übergeben / ist geschehen / weilen sie die Englische Rebellen auszurotten noch etwas tardiret / und anvor der Hnn. General-Staaten Sentiment hierüber erwartet / das (Wellen aber der Arrest nicht gleich gefolget üdergidt der Ambassadenr ein Memorial denen Hun. Staaten.) Memorial lautet wie folget: Demnach sich viel Unterthanen meines gnädigsten Königs und Herrn / so bey der letzteren Rebellion die Hände mit im Spiel gehabt sich in diese Provintzien salvirt / worunter ein guter Theil von dem General-Perdon Sr. Majestät außgeschlossen sind / so hat der Unterschriebene Ordre erhalten / Ew. Hochmög. vorzutragen / daß Se. Maj. sich zu denenselben gäntzlich versehen / sie werden / in Krafft der hiebevor getroffenen Tractaten nicht allein ihren Schutz auffsagen / sondern sie auch aus ihren Provintzien und gantzen Gebiet bannisiren. (Franckreich setzet nene Odrigk itliche Personene im Fürstenthum Oranien ein.) Man sagt / daß der Allerchristlichste König neue Obrigkeitliche Personen zu Oranien eingesetzt??? habe / ungeachtet die Stadt von langen Zeiten her freye Macht gehabt / selbige nach ihrem Belieben zu erwehlen. Die Hnn. Staaten von Holland haben in ihrer letzten Versamblung resolvirt / ihren Benachbarten nachzufolgen / und haben zu diesem Ende verordnet / daß die Stadt Amsterdam und Rotterdam die Außrüstung der Kriegs-Schiffe / so (Die Hun. Staten wollen 24. Kriegschiff außrüsten.) unter der Direction ihrer Admiralitäten seyen / unverzüglich außrüsten sollen / und werden dieselben / wie man sagt / eine Flotte von 24. Kriegs-Schiffen noch vor den 15. Junii auffbringen / ohne die jenige / welche untern Commando deß Grafen von Styrum Segelfertig sind / man ist aber wegen deß Gelds zu dieser Außrüstung noch nicht einig / indem etliche wollen / daß man die Intressen der Provintz Holland darzu anwenden solle / welches in die 12. Millionen außtragen würde / andere aber schlagen den zweyhundersten Pfenning vor. Der Englische extraordinar-Gesandte Hr. Skelton / und der Käyserl. Resident Hr. Crampricht sind bey dem Printzen von Oranien zur Audientz (Zu Ibbenduyren??? in der Graffschafft Lingen ent.) gewesen. Zu Ibbenbuyren in der Graffschafft Lingen / hat man vor etlichen Wochen einen Brunnen gefunden / dessen Wasser treffliche Würckungen hat / umb in- und äusserliche Schäden der Menschen zu heylen; dessen [321] Quelle entspringt zwischen denen Bergen in einer annehmlichen Gegend / das Wasser ist heiß und wie siedend / von einer Cristallinen Farb / mit (springet el??? heylsamer Bruunen.) annehmlicher Vermischung / als Himmelblau; die Erfahrung bezeugt / daß die jenigen / welche eine halbe Maase / oder mehr trincken / fühlen neue Kräfften / sowohl deß Hirns / als an andern Theilen deß Leibes / und die jenigen / welche sich darinn baaden / werden von der Wasser-Sucht und andern Geschwulsten curiret / und die welche böse Augen haben / ja selbsten Inflammation / wann sie die Augen mit diesem Wasser waschen / werden vollkommen geheylet. (In Engelland wird an Ausrüstung selbiger Flotta zu Chattam sehr erferig gearbeitet.) Das Geschrey / welches erschollen als ob die Engellische Flotte im See seyn solte / davon wissen angelangte Londische Brieffe vom 25. dieses nichts / sondern sagen hingegen / daß man täglich an deren Außrüstung zu Chatam arbeite / und allen Zimmerleuthen in andern See-Häfen Befelch gegeben worden seye / in dem zu Chatam zu arbeiten. Dieses Staats Envoye Hr. Möring / so in Dennemarck gewesen / ist von dannen alhier zurück angelangt und hat Ihro Hochmög. von seiner Verrichtung Anzeig gethan. Es gehet ein Gerücht / daß die Sache wegen der Indulte noch nicht verglichen seye / wiewohl die Spannische Brieffe das Gegentheil versichern. (Der Engl. und Frantzös. Amdassaden??? geben zugleich ein nach???ckliches Memorial an Ibro Hochmogenheit.) Unterdessen verlanget jederman / ob und was die Frantzös. Flotte vornehmen werde. Wie man vernimbt / so haben die Frantzösische und Englische Ambassadeurs / zugleich ein Memorial an Ihro Hochmög. übergeben / durch welches sie erinnern / daß im fall / wann die Flotten von beeden Cronen / durch Ungewitter auff ihre Cüsten getrieben würden / man deßwegen keine Ombrage und Argwohn schöpffen solte; welcher Bericht aber im Gegentheil verursachet / daß man in Seeland und auff die übrige Cüsten / viele Stück Geschützes und gute Wachten hat auffführen lassen. Nunmehr ist der Hr. Graff von Styrum nach dem Texel verreist / umb sich auff die Flotte / welche er commandiren solle / zu begeben. (Spannische??? Niederländ. Geschichten.) Von Brüssel hat man / daß der Herr Marquis von Moncayo, welcher hiebevor Königl. Spannischer Extraordinari Envoye in Holland gewesen / und nun zu dessen Ambassadeur nacher Venedig ernennt worden ist / den 11. dieses von dar / mit seiner gantzen Familie / seine Reise nacher Madritt zurück genommen habe / umb dorten seine Instructiones zu empfangen / und ferners nacher Venedig zu gehen; dessen ältester Sohn aber / ist in dieser Stadt geblieben / wird aber innerhalb wenig (Marquis von Moncayo gehet???) Tagen / nebst dem Signor de Baye, Capitain von der Cavol lerie / mit Erlaubnuß Seiner Excellenz auch von hinnen nacher [322] Wien abreisen / umb diesen Feldzug in Ungarn wider die Türcken zu dienen. Daß von dem Frantzös. Ambassadeur in Portugall übergebenes Memorial / (Madrit und von dar nach Venedig.) wegen Praetendirung 6. Millionen sc. hat den König in Portugal bewogen / daß er denem frembden Ministris zu wissen thun lassen / daß Seine Majestät nicht dulten wolte / daß mehr als 6. Kriegs-Schiffe auff einmahl / sie seyen von Nation sie immer wollen / oder was Vorwand sie hätten / in die Revier kommen sollen / und hätten zu dem Ende / ihrem Commendanten von dem Tour und in andern Vestungen am Meerbusem Ordres gegeben / auff die jenigen / welche darwider thun würden / Feuer zu geben. Der (Vnd der Marquis de Vallers nebst 200. Personen nacher Ungarn.) Marquis de Vallers / deß Hertzogs von Vejar / Bruder / ist aus Spannien anhero gekommen / umb in Ungarn zu gehen / und dorten gegen die Türcken zu dienen / deme seine Frau Mutter / einen Wechsel-Brieff / solchen in Wien zu empfangen / von 14000. Pistolen mit gegeben hat. Er wird ehister Tagen von hier / nebst 200 / Personen / welche er auff seine Kosten mit sich führet / seine Reiß nach dem Käyserl. Hoff fortsetzen.

Das zehende Capitel
[arrow up]

Handelt von Schweitzerischen Zufällen / wie auch von deme / was aus Asia / Africa und America diesen Monat schrifftwürdiges eingekommen ist. AUs der Schweitz komt / daß 2. Edelmänner mit ihren Dienern auff (Schweitzer. Geschichten.) dem Weg nach Chur an einem Busch / ein in weiß Leinwad eingewickeltes Kind sehen liegen / der eine Edelmann befihlt dem Diener (Auff dem Weg nach Chur begegnet zweyen von Adel ein nachdencklicher Znfall mit einem Kind.) abzusteigen / und solches auffzuheben / und mit in das nechste Dorff zu nehmen / der Diener dem Befehl seines Herrn zu gehorsamen / steiget herunter / als er aber hinzu kombt / kan er es nit einmahl von der Erden bringen / die beede Herren sich höchstens darüber verwunderend befehlen dem andern Diener auch abzusteigen und jenem zu helffen / können es aber auch wie zuvor nicht einmahl rühren / nachdeme sie nun lange gehoben / und gezogen haben / hebt das Kind an und sagt / sie sollen es nur ligen lassen / sie würden es doch nicht hinwegbringen können / daß wolte es ihnen nur sagen / daß dieses Jahr ein köstliches und fruchtbahres Jahr würde geben / aber es würden sehr wenig es erleben; als es nun dieses außgesagt / ist es vor ihren Augen verschwun [323] den; die beyde Hn. Hn. reiten in höchster Bestürtzung fort / und als sie nach Chur kommen / zeigen sie es an / darauff sie vor dem gantzen Rath eydlich verhöret worden / daß also an der Gewißheit nit zu zweiffeln. Es sollen auch schon umb dieselbe Gegend in etlichen Tagen viele hundert Personen gestorben seyn / wie dann dessen andere Freunde mehr / von dar gebürtig / sichere Nachricht bekommen haben. (Die 4. Evangelische Cantons balten eine Conferentz zu Arran.) Sonsten ist zu Arrau von denen 4. Evangelischen Cantons eine Conserentz gehalten worden; bey welcher ein junger Printz von Bareith / ein Churfürstl. Brandenburg. Schreiben überlieffert hat / dessen Inhalt / in Versicherung der guten Zuneigung und guten Intention Sr. Churfürstl. Durchl. gegen die 4. Evangelische Cantons bestanden / deme auch einig Placards beygeleget waren / welche das gute Tractament und Freyheit / so die Frantzösische geflüchtete Protestanten / in Sr. Churfürstl. Durchl. Jurisdiction und Landen / geniessen / bezeugten. Den 5. dieses sind die Deputirten von Bern und Zürich / welche zum Hertzog von Savoyen geschickt gewesen / unverrichter Sachen wieder zurück gelangt. Die Intercessional-Proposition, so selbige vor die verfolgte Piemonteser bey Sr. Königl. Hoheit dem Hertzogen von Savoyen gethan / lautet wie folget: Durchleuchtigster Fürst und Herr sc. (Die ???Intereessional-Proposition der Evangelis. Eyogenoßschafft??? bey dem Hertzog von Garoyen vor die verfolgte Piemonteser gebet ohne Frucht ab.) DIe Recommendation und Intercessionen / welche gesambte Evangelische Ort der Eydgenoßschafft unsere Respective gnädige Herren / für ihre Religions-Verwandte in denen Piemontischen Thälern Ew. Königl. Durchl. Unterthanen / bey Ew. Königl. Durchl. Hrn. Praedecessoren glorwürdigsten Angedenckens zu unterschiedlichen Zeiten sowohl durch Schreiben / als Gesandschafften interponiret / seynd von denenselben jederzeit beliebet / und niemahln unfruchtbahr gelassen worden. Derowegen unsre gnädige Herren auff bedaurliches vernehmen / daß Ew. Königliche Durchl. jetzt gemeldten ihren Unterthanen / die von vielen saeculis her genossene Religions-Freyheit zu interdiciren / sehr starcke Gedancken gefast / haben sie kurtz verwichener Zeit in guten Vertrauen auff Ew. Königl. Durchl. Clementz und Gütigkeit / durch ein gründliches und bewegliches Schreiben für dieselbigen zu intercediren / aus Christlichen Mitleyden und gemeinhabender Religion sich verpflichtet befunden. Weiln aber Ew. Kön. Durchl. diß. Intercesion-Schreiben seithero ohne Effect lassen wollen / haben sie zu [324] Bezeugung ihres mehrern Respects gegen Ew. Königl. Durchl. und wie sehr tieff ihnen das wider ihre Religions-Verwandte publicirte Edict zu Hertzen schneide / uns dero Diener zu E. K. D. laut diesem Creditiv in Gesandschafft abgeordnet / umb beforderst Ew. Kön. D. dero freundlichen Gruß zu hinterbringen / sie auch ihres Respects nachbarlicher und Bundgenossischer Freundschafft zu versichern / und Ihro zu Beförderung dero Staats-Interesse bey jeweiligen Anlässen ihre Dinstwilligkeit anzubieten. Demnach E. K. D. auff das allerangelegentlichste zu ersuchen / daß sie doch wolten die Einwohner der Valleés Evangelischer Religion bey denen von E. K. D. Herrn Vorfahren / glorwürd. Angedenck. auff Intercession und Recommendation so vieler Königl. und Fürstl. Ständen / auch auff unser gnädigen Herren angelegentlichste Instantz und Vermittelung auffgerichteter Assecurations-Patenten zu beständiger Geniessung ihrer Religion und Gewissens Freyheit noch ferners zu mainteniren / und belieben zu lassen / gnädigst geruhen / zumahln gedachte Thal-Leuthe verhoffentlich wider obangezogene Patenten nichts verfehlt oder gehandelt / welches sie dermahln erhaltenen Freyheit dißmahln unwürdig und der angebohrnen Gütigkeit und Clementz ihres gnädigsten Fürsten verlustig machen solte. Durchl. Fürst und Herr / die jenige hohe Potentaten und Ständ / so hiebevor intercedirt / haben sich angeregter Intercessionen vertröstet / unsere gnädige Herren haben auff selbige / und seithero erfolgten Declarationen geruhet / so daß man in der gäntzlichen Zuversicht stehet / es werden E. K. D. nicht zugeben / daß unter dero Namen / unter dero mildreichen und glorwürdigen Regirung alle diese Transactionen / Concessionen / und Patenten so uhrplötzlich enerviret / die Früchte aller voriger Vermittelungen unnütz gemacht / die Absehen E. K. D. Praedecessoren / zu Erhaltung guter Correspondentz und Freundschafft mit unsern gnädigen Herren Ew. Königl. Durchl. besten Freunden und Nachbahrn hindan / dero eigne Land in Unruhe gesetzet / die Gewissen ihrer Unterthanen durch Feuer und Schwerd gezwungen / ihr Leib und Leben in Verzweifflung gestürtzt / und mehr angezogene Thäler mit Jammer / Elend und Seuffzen erfüllet werden sollen. Wir bitten demnach Ew. Königl. Durchl. im Namen unserer gnädigen Herren / so inständig als möglich / Sie wollen doch umb dero eigenen Reputation / der lieben Justitz / dero Staat und Stands Ruhe / umb der Christlichen Liebe / und umb so vieler armen unschuldigen / und in Himmel schreyender Seelen willen mildreichere Gedancken abfassen / die execution ihres Edicts suspendìren, zur Barmhertzigkeit dero Fürstl. Hertz neigen / so vielen Blutvergiessen ihrer eigenen Unterthanen schonen / unserer gnädigen Herren so trüngliche Fürbitt ansehen / [325] und zu Trost ihrer armen Glaubens-Genossen etwas gelten lassen. Das wird das aller gewisseste Versicherungs-Zeichen seyn / daß E. K. D. unserer gnädigen Herren Freundschafft nicht minder als dero glorwürdigste Vorfahren gethan / in acht halten / und sie dardurch verursachen / nechst höchster Danck-Erkantnuß bey allen Vorfallenheiten mit angenehmen Dienstfälligkeiten ein solches zu retribuiren. Und dieses ist / was wir im Namen unserer Herren Principalen / und aus dero Befelch E. K. D. mit geziemendem Respect hinterbringen / Jh. Kön. Durchl. und dero Durchleuchtigsten Hauß den köstlichen himmlischen Seegen anwünschen / uns aber zu E. Königl. Durchl. hoher Benevolenz demüthigst recommandiren wollen. (Vermög Genffer Brieffen haben die Luterner Thäler von denen Frantzös. und Savoyschen Völckern viele nieder gemacht.) Aus der Stadt Genff wird vom 24. dieses advisirt / daß die Piemonteser Thal-Leut sich noch wacker defendiren, und resolvirt bleiben / lieber mit dem Degen in der Faust zu sterben / als sich zu ergeben / sie haben bereits sehr grossen Schaden (wie man dann von 4000. Frantzosen und Savoyern Nachricht hat / die in verschiedenen Treffen geblieben seyn) unter dero Angreiffern gethan / daß zu Turin / Chambre / und andern Savoyschen Plätzen die vornehmste Familien die Trauer / wegen ihrer Freunde / so umbkommen seynd / angelegt haben; Wie man sagt / sollen diese Thal-Leute durch verborgene Wege alle Zufuhr von Pulver und Bley / und Lebensmitteln aus dem Mayländischen bekommen (also daß sie nirgends keinen Mangel erleyden) und die Savoyer auch gewarnet haben / sich wohl fürzusehen / weilen sie mit nichts als mit vergiffteten Kugeln schiessen / wie man dann versichert / daß wenig von denen Verwundeten wieder auffkommen. Aus Asia / Africa und America ist mehrmalen nichts meldwürdiges eingangen. ENDE Desz fünfften Theils.
|| [326]

THEATRINOVI POLITICO HISTORICI
[arrow up]

Sechster Theil / Worinnen zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige Begebenheiten / so sich im Monat Junio deß 1686 sten Jahrs in der gantzen Welt zu Wasser und Land ereignet haben.

Das erste Capitel
[arrow up]

Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien / sowohl / als in Böhmen / Mähren / Schlesien / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und begeben hat. LAut Brieffen aus Wien / so waren Jh. Käyserl. Maj. den 30. passato zu Laxenburg auff der Raigerpaitz / welche Ihr. Maj. die verwittibte Käyserin nach Baaden (Käyserliche Geschichten.) auff ein Mittagmahl und köstliche Maranda, wobey eine schöne Tafel-Music zu hören war / eingeladen / nachdem haben sie sich wieder auff Neustadt erhoben; worauff den 1. dito alle Cantzeleyen / und dero meiste Bedienten von dorten sich wieder [327] anhero begeben haben / denen den 5. Ihro Käys. Maj. selbsten in höchster Person nachgefolget / also daß wir nunmehr wider unsers allergnädigsten (Ihro Käys. Maj. langen zu Wien an.) Käysers und Herrns höchst-erfreulicher Gegenwart zu geniessen haben. Sonsten sollen nach Austheilung dieser Campagne beede Herren Generalen Caprara und Starenberg bey Ihro Durchl. dem Hertzog zu Lothringen (Austheilung der Generals-Personen bey allerseits Armeen.) verbleiben / anderer Seits neben Ihro Churfürstl. Durchl. zu Bayern Hr. General Leßle und Printz Louis von Baaden / gegen Ober-Ungarn die Herren Generalen Caraffa / Heußler und Schärffenberg / und gegen Croaten Herr General Schultz und Herr General Graf Philipp von Thun commandiren. Laut Poln. Schreiben werden Ihro Königl. Maj. dero hochwichtige intentiones bey dem Dniester der Soldatesca vor Augen stellen / aus welchen zu schliessen / daß selbige Campagne mit der Hülffe Gottes sehr fruchtbar ablauffen werde. Es verlautet / daß der Tartar-Cham sich starck zu Feld rüste / wohin aber ein und anders Corpo zu gehen ausgetheilt / oder (Die Hussaren von denen Gräntz-Vestungen in Vngarn streiffen glücklich ins Türckische.) beordert werden möchte / ist annoch unbekandt. Die Hussaren von Raab / Commorn / Vesprin / Pappa / und Tottis haben einen Streiff 4. Meilen unterhalb Ofen und zwey Meil an das Türckische Lager gethan / und von dannen mit etlich 1000. Stück Schaaf / in 700. Ochsen / und über 100. Pferd wieder glücklich nach Commorn zurück gekommen / vom Feind aber weiter nichts angetroffen / ausser die jenige / so das Viehe gehalten / welche sie theils niedergehauen / theils gefänglich mit eingebracht. Der Spannische Feuerwercker Sr. Gonzales rüstet sich ehistens nach Ungarn (allwo hin dieser Tagen abermalen etlich 1000. Carcassen abgeführt worden) zu begeben / umb bey dieser Campagne auch seinen valeur zu proestiren. Von denen Volonteurs selbiger Nation wird ein Regiment von 8. Compagnien formirt. (Man bekom̅t Nachricht von der zwischen Polen und Moscau geschlossenen Alliantz.) Endlich hat man durch den allhier arrivirten Käyserl. Residenten am Polnischen Hof Herrn Schiemonsky die eigentliche Gewißheit der würcklich zwischen der Cron Polen und Moscau geschlossenen Alliantz erhalten / und ist nunmehro gewiß / daß die beede Czaaren die ruptur wider die Pforten declariren, und selbiger den Krieg ankündigen werden. Durch den neulich aus Schlesien zuruck gekommenen General Dünewald / welcher von Ihrer Käyserl. Majest. umb der Chur-Brandenburgischen Auxiliar-Trouppen sehr langsamen Marsch desto besser zu beschleunigen / dorthin geschickt / hat man soviel vernommen / daß gedachte Völcker schwehrlich vor dem 15. hujus sich bey der Haupt-Armee stellen werden / und weilen in denen mit Ihro Churfü???stl. Durchl. zu Brandenburg auffgerichteten Tractaten expressè bedungen / daß gedachte Regimenter allein unter deß Hertzogens zu Lothringen Commando stehen und agiren solten / so bemühet man sich hiesiger Seits [328] dahin / wie man selbige disponiren möchte / daß / wofern Ihro Hochfürstl. Durchl. die etwa bevorstehende Belägerung nicht selbsten führen / sondern nur allein mit einer fliegenden Armee bedecken solte / deren dannoch der halbe Theil zu der Belagerung gezogen werden möchte. Weil nun auch denen Türcken kund gethan worden / daß der Christlichen Armee Absehen dahin gerichtet / bey dieser Campagne mit aller force die Hauptstadt Ofen anzufallen (Ofen setzet sich in debörige defensions postur.) / als bereiteten sie sich best-möglichste Gegenwehr herbey zu schaffen / inmassen sie dann die Besatzung biß auff 12000. Mann der besten Janitscharen und Spahen verstärcket / und umb mehrere Mannschafft durch unterschiedliche Chiausen sowol bey dem Seraskier als Groß-Sultan angehalten. Der General Caraffa hat sich nach eingezogenen ruckständigen Contributionen sowol von denen Debrezinern / als andern umbligenden Orten mit seinem unterhabenden Corpo nach der Theiß auff Zollnock begeben / umb alldorten nicht allein die vergangenen Winter hindurch von der Käyserl. Militz conquestirte Orte zu behaupten / sondern auch auff allen Fall dem General Schärffenberg alle möglichste Assistenz zu leisten. Den (Ein Hauptmann sambt seinem Diener wird in einem Getraydacker tod gefunden.) 4. dieses ist ein gewesener Hauptmann / Namens Michael von Schurtzenthal / ungefähr 22. Jahr alt / unweit hiesiger Käyserlichen Favorita ausser dem Kärnter Thor jämmerlich und mit drey tödlichen Wunden auff der Brust / auch andern Hieben in das Gesicht / sambt seinem Diener / welcher (weilen er vest gewesen / und der Mörder-Säbel ihme nur durch den Rück gangen / er auch sich trefflich gewehret) mit Steinen grausam zerworffen gewesen / beede ermordet / und tod in einem Getraydacker gefunden worden / die Thäter sollen so viel als schon bekandt seyn. Durch einen Expressen vom Brandenburgischen Corpo ist Nachricht / daß selbige Vortrouppen allgemach in Ungarn zum Vorschein kommen / und deren so langsamer Marsch verursachte die üble Anstalten / weilen keine Brücken und Wege zu selbiger ihrer passage verfertiget gewesen / und allererst durch ihre Zimmerleut und Commandirten haben gemacht werden müssen. Die Sächsischen aber seynd Leopoldstadt schon passirt / und gehen directè gegen Gran / umb welcher Gegend die Türcken mit etlich 1000. Mann von Pest / unser Lager zu recognosciren / und was sie etwann sonsten von unserer Armee erfahren könten / ausgangen / nach solchem aber sich wieder zuruck begeben. (Die Schwäbische und Fränckische Craiß-Völcker gehen nach Vngarn.) Die Schwäbische und Fränckische Crayß-Völcker in 2. Regimentern bestehend seynd den 5. zu Wasser arrivirt / den 6. einen Rasttag gehalten / und den 7. so weiter nach Ungarn abgeführt worden; es ist ein wohl-mundirte in 5000. zu Fuß und 1200. zu Pferd bestehende Mannschafft. Die vorhero gemeldte zwischen der Cron Polen und Moscau geschlossene Alliantz [329] wird confirmirt / und haben sich die Moscowitter einhellig dahin declarirt, gedachter Cron Polen in Ermanglung anderer schleuniger Hülff 200000. Rhlr. zu besserer Fortsetzung deß Kriegs / biß daß sie ihre Macht völlig zusammen bringen / gegen Einreichung der Landschafften Smolensko und Kiovv baar zu erlegen. 2. Denen Erim̅ischen Tartarn dergleichen diversiones machen zu lassen / damit Polen diesen Feldzug keine weitere turbationes von ihnen haben möge / künsstiges Jahr aber wollen sie mehr ernennter Cron mit ihrer völligen Macht wider den Erbfeind assistiren, zugleich auch die Crimmische Tartarn durch ein besonderes Corpo bekriegen lassen / welche offerten aller Orten überaus grosse Freuden verursachen. Die Mongatzische Guarnison ist umb Lebensmittel zu suchen / aus der Vestung heraus geloffen / weilen man aber umb selbiger Gegend einige Oerter wohl besetzt gelassen / (150. Rebellen ans Mongotsch geben zu den Käyserlichen über.) als seynd dieselbe mit grossem Verlust repousirt worden; Indessen seynd der Rebellen in 150. zu denen unserigen übergangen / welche alle aussagen / daß in gedachter Vestung sehr grosser Abgang an Proviant seye. Der schon eine lange Zeit in Caschau gefänglich gelegene vornehme Bassa ist endlich gegen 50. gefangene Teutsche und so viel Ungarn ranzionirt worden. In Croaten solle das Getrayd wegen unbeschreiblicher grosser Hitz in völligen Ruin zu gerathen / in höchster Gefahr stehen / wie dann auch der Morast umb Canischa völlig eingetrucknet / und ist in gedachtem Canischa die Theurung vermassen angewachsen / daß ein Laib Brod / so allhier 2. Groschen / allda einen Rhlr. kostet. Laut referirung aller der Orten ausgeschickten Kundschaffter haben sich die in 30000. Mann zwischen Griechischweissenburg und Adrianopel gestandene Asiatische und andere Völcker auff erhaltene Kundschafft der Käyserl. grossen Macht völlig zertrennet / welche (Der Groß-Vezier gebet von Bellgrad nach Adrianopel.) wiederumd zusammen zu bringen schwehr fallen wird. Turch die geheime Correspondentz von Bellgrad wird nicht allein die grausame alldorten von dem Donner entstandene Feuersbrunst confirmirt / sondern wird anbey berichtet / daß nachdem der Groß-Vezier dem zu Temeswar annoch mit dem Teckely stehenden Achmet Bassa das Commando auffgetragen / und sowol Ofen mit genugsamer Mannschafft als Essegg mit neuen Fortifications-Wercken versehen lassen / wäre er zuruck nach Adrianopel gekehret; und weilen bey dem Tückischen Hof ein allgemeiner Auffstand im Archipelago besorget / als welches Land der meiste Theil von denen Christen bewohnet werde / so seye er resolvirt / sich selbst dorthin zu begeben / umb nicht allein allen besorgenden Tumult zu hintertreiben / sondern auch denen Venetsanischen Waffen auff das beste zu widerstehen / [330] zu dem hätte gedachter Groß-Vezier durchgehends der Christen schwehren Tribut auff ein merckliches erleichtert / und hätte denselben durch ein offentliches Patent indulgiret, gleich denen Türcken zu handlen und zu wandlen / auch denen Zahlversehern gemäß anbefohlen / sie denen Türcken in Erlegung der Mauth gleich zu halten / dardurch er dann nicht allein die Christen im vorigen Gehorsam zu erhalten / sondern dero Gemüther zu gewinnen / und dieselbe von aller Auffruhr abzuhalien / sich beflessiget. Den 6. dieses seynd 18. Regimenter bey Gran / die Sächsische und andere Völcker aber noch (Deß Käysers Geburtstag wird in schönster Galla zu Wien celebrirt.) bey Neuhäusel gestanden. Den 9. ist Ihro Maj. deß Käysers Geburtstag / an welchem Sie das 46. Jahr ihres Alters erreichet / solenniter celebrirt worden. Durch den von dem Herrn Feldmarschall Lieutenant Grafen von Schärffenberg abgefertigten und den 15. hier arrivirten expressen Courrier hat man so viel vernommen / daß ungehindert erstgedachter General annoch keiner categorischen Resolution weder von dem Fürsten / noch von denen Ständen in Siebenbürgen versichert worden / er dannoch mit seinem unterhabenden Corpo biß in das Gesicht der Stadt Clausenburg gerucket / allwo er von seinen ausgeschickten Kundschafftern erfahren / daß sich die Siebenbürgische Militz auch unter Hermansstadt zusammen ziehe / was aber dero eigentliche intention seye / könte er nicht ersinnen / dann ausser denen ihme zugeschickten Vertröstungen er von selbigen Ständen weiters nichts erpressen können. Die hiesige Siebenbürgische Gesandschafft aber hat den Käys. Hof versichert / daß nun allbereit von dem gantzen Fürstenthum das Homagium Ihrer Käys. Majest. praestirt und abgelegt seyn würde. Aus Polen melden die letztere Schreiben / daß die Moscowittische Czaaren gleich nach geschlossener Alliantz einen Expressen an Ihren bey der Ottomannischen Porten subsistiren den Gesandten abgefertiget / mit Befehl / solche Alliantz dem Sultan zu hinterbringen / und ihm den Krieg / der bey ihnen üblichen alten Gewonheiten nach anzukünden / und sich von dannen herauswerts zu wenden. (Der fromme Capuciner ???. Marcus de Aviano gehet zur Käyserl. Armee in Vngarn.) Der Capuciner Herr Pater Marcus Avianus ist dieser Tagen auch von hier zur Käyserl. Armee gereist. Ubrigens haben die Uberlauffer und etliche loßgemachte gefangene Christen von Stulweissenburg nochmalen confirmirt, daß die daselbstige Vorstädt durch eine unversehene Feuersbrust in die Aschen gelegt / und alles Proviant und Fourage mit verbrannt worden / welches Unglück die darinnige ohne dem sehr schwache Besatzung der Türcken dermassen bestürtzet / daß im Fall einer Belägerung sie ohne grossen Widerstand sich ergeben würde. Den 10. hat man von deß Spannischen Feuerwerckers eine grosse Menge von unterschiedlichen neuen inventionen, Bomben / auch allerhand Sorten Granaten und Carcassen nebst vielen an [331] dern zur Belägerung erforderenden Nothwendigkeiten auff der Donau bey der so genanten Fahnstang nach Ungarn abgeführet: Ingleichem seynd auch den 12. drey grosse geladene Schiffe mit Proviant dahin abgeschifft worden. Vermög der zwischen Moscau und der Cron Polen geschlossenen Alliantz und Verbündnuß wird die Soldatesca ersterer Nation ehistens an den Fluß Dnieper / allda den Crimmisch- und Zaporischen Tartarn Diversion zu machen / und den Herausmarsch zu disputiren gehen; die Dunstinische Cossacken aber sollen an der Donau hinunter an das schwartze Meer gehen / und nach beschehener conjunction mit denen noch übrigen Moscowittischen Völckern die von denen Türcken am Ufer neu-auffgeworffene Vestungen (Ih. Maj. der Peter Czaar aus Moscauwill versöulich zu Feld gehen.) demolliren, folglich in Crym einfallen / und alles / was sie betretten / verheeren und verderben; Ihr. Maj. der Peter Czaar. will sich selbst persönlich zu Felde begeben / und geben die Czaaren Ihro Königl. Majest. in Polen zu diesem Türckenkrieg 500000. fl. gutes Geld: hingegen bleiben denen beyden Czaaren die zwey Hertzogthümer Smolensko und Kiovv, wie auch die Ukraine über dem Dnieperfluß; ingleichem was sie Moscowitter die Zeit hero in Littauen abgezwackt haben / nebst der Gräntze biß hinein an das schwartze Meer auff ewig vor eigenthümlich; über dieses soll auch kein Potentat ohne deß andern Vorwissen und genugsame Ratification mit denen Türcken in keinen Frieden sich einlassen / und wird auch auff alle Weiß und Mittel dahin getrachtet / Franckreich / Holland und Engelland auch in diese Alliantz mit einzubringen. Nachdem Ihr. Durchl. zu Lothringen bey der unweit Gran campirenden Käyserl. Armee / allwo auch das Souchische Regiment ankommen / arrivirt / und die Völcker besichtiget / als seynd dieselbige aus dem Lager gerucket / und sich hinwiederumb / nach langer vorhero mit Herrn General von Starenberg gepflogener Unterredung nacher (Hr. Graf von Ladron gehet mit einigen 100. zu Pferd die Türcken zu recoguosciren aus.) Commorrn erhoben. Obgedachter Herr General von Starenberg hat unterm Commando Hn. Obr. Lieut. Grafen von Ladron auff erhaltene Kundschafft / daß die Türcken abermalen mit 2000. Man̅ umb unser Läger in Augenschein zu nehmen / von Pest im Marsch begriffen / alsobalden 100. Reuter / so viel Dragoner und Croaten / zu welchen auch noch einige Ungarische stossen sollen / zu recognosciren ausgeschickt: Indessen solle der Feind auch die Brücken bey Segerin passiren / sich mit denen Ofner Türcken zu conjungiren / damit sie desto sicherer die Vestung Erlau mit allen daselbsten abgangenen Nothwendigkeiten versehen möchten / welches aber zu hintertreiben vom Herrn General Heußler best-möglichste Anstalten gemacht werden. Von Zattmar kombt / daß einige Ungarische Partheyen von dar das T???rckische Lager bey Großwardein recognosciret / und in selbigem kaum 1000. [332] wehrhaffte Mann gefunden / doch thäte der Feind einen starcken Succurs hoffen / so dann bey Erlangung dessen einen eussersten Versuch auff das Schloß St. Job zu tentiren willens seye / es ist aber gedachte Vestung aller Nothdurfft nach / sowol mit genugsamer Mannschafft / als auch allen andern (Zu Venedig thut eine Feuersbrunst sehr grossen Schad en.) Angelegenheiten wohl versehen. Aus Venedig hat man / daß daselbsten durch eine entstandene grausame Feuersbrunst in 300. Häuser / nemlich die gantze Reyhe Häuser und Gebäue in der Strassen Barbaria della Tavole, worinn alle Magazinen voll allerhand Gehöltz biß an St. Justina Brücken / und weiter hinunter biß an die neue Fundamenta / theils deß Hospitals / (Der Käys. nach der Armee adgeschickte Obriste Hof. Cantzler Graf von Stratmann kom̅t mit guter Verrichtung wieder zu Wien an.) die gantze Reitschule / und theils deß Capuciner Closters / eingeäschert worden; dessen eine Wäscherin Ursach gewesen ist / der Schaden / so an Holtzwerck geschehen / wird auff 300000. Ducaten / und was an Gebäuen / Mobilien / und andern Sachen verbrannt ist / auff eine Million geschätzet. Der Käyserl. Obriste Hof-Cartzler Herr Graf von Stratmann / so mit Anfang dieses Monats von Ihr. Käyserl. Maj zur Generalität bey der Haupt-Armee abgeschicket worden / ist den 14. wieder dahier glücklich angelangt / was dessen Verrichtung gewesen / wird aus folgendem zu vernehmen seyn. Extract-Schreibens de dato Wien vom 20. Junij. Berichte / daß Ihro Käyserl. Maj. nachdem alle Generals schon von Ihro Maj. Abschied genommen / und in die Campagne gangen waren / in der intention, daß Stulweissenburg dem Schluß nach solte belägert und erobert werden / Ihro Maj. 8. Tag hernacher vor sich allein das Werck weit???rs überlegt / und indem sie considerirt, daß die Belägerung Stulweissenburg zum ersten nichts sonders importire, und damit wenig im Königreich Ungarn könne gewonnen werden. Daß nach deren Eroberung gleichwol die Armee würde ruhen / und diese Campagne weiters keine Progressus machen wollen. 3. Die Belägerung auch sehr viel leyden würde / indeme wenig Meil davon der Feind Ofen / und darin auff 20000. Mann Besatzung hat / welche täglich die Belägerten inquletiren können. 4. Die gegenwärtige Armee aber 60000. Mann starck / das Proviant wohl angeordnet / alle necessarien mit aller Artillerie / Feuerwerck und Munition in solcher Menge im Vorrath ist / daß man ein grosses werde ausrichten können. 5. Ofen [333] noch kein solcher Ort ist / der nicht zu zwingen / wann man nur es recht angrieffe. 6. Obschon die Guarnison darinn groß sey / doch dieselbe mehrentheils liederliches Gesindle / wenig Officier und Bassen darinnen / und dieselbe (Ih. Käyserl. Maj. geben Ordre Ofen zu attaquiren.) darzu noch sehr jung und unerfahren. 7. Der Feind keine sondere Macht dieses Jahr könne auffbringen / die Belägerte zu succurriren. 8. Man die begangene Fehler wüste zu emendiren. 9. Man mit stattlichen Miniers und Ingenieurs versehen sey; Also haben Ihro Maj. proprio motu (Was selbige hierzn bewogen.) geschlossen / daß Ofen solte belägert werden / durch dessen Fall gantz Ungarn könte in unsere Hände wiederumb gebracht werden / und haben darauff dero Hof-Cantzlern Graf Strattmann zur Generalität abgeschicket / derselben dero Resolution zu eröffnen / sie zur Einigkeit zu erinnern / und zu disponiren, daß sie wie ehrliche Leut thun wollen / sonderlich Chur-Bayern / deme sonsten zugesagt ware / daß er ein eigen Corpo führen solte / und dahero Ihr. Maj. besorgten / derselbe dörffte davon nicht abstehen wollen / zu bewegen / daß er kein point de honeur daraus machen / sondern dem publico zu lieb von seinem jure dißmalen abweichen wolte. Gedacher Herr Graf kan (Die Käys. Gen. Personen bezetzgen grossen Muth und unge. meine Courage zur Belägerung Ofen.) nur nicht genug rühmen / wie freudig alle Generales Ihro Käys. Maj Befelch übernommen / und mit was grosser Hoffnung und Muth sie die Belägerung angiengen; Ich habe ein Diarium von Chur-Bayern gesehen / daß er schon den 15. Waltzen vorbey / gerad auff Hattwann zugangen / den selbigen Ort wegzunehmen / und also auff der Ober-Ungarischen Seiten solche Anstalt machen würde / daß von selbigen kein Succurs könne hinein kommen. Der Hertzog von Lothringen ist den 16. dieses schon ein Meil von Ofen auff der Unter-Ungarischen Seiten gestanden / 3. Uberlauffer und ein Gefangener aus Ofen haben ausgesagt / daß die Guarnison 12000. Mann starck sey / welche sich nicht einbilden / daß es Ofen gelten werde / sondern vermuthen / es wäre nur ein finesse, und wir würden gähling auff Erlau oder Stulweissenburg uns wenden. Der General Schärffenberg ist aus Siebenbürgen zuruck beruffen / und beordert / an der Theiß stehen zu bleiben / damit / wann etwann die Türcken auff der Ober-Ungarischen Seiten wolten den Succurs gegen Ofen bringen / er es observiren / sie auffhalten / es berichten / so dann sich zur Haupt-Armee ziehen; Der General Schultz mit seinen Croaten solle auff die Essegger Brücken tentiren / was er kan / und vorstehen / wann der Feind etwann eine diversion gegen Steyermarckt versuchen wolte / solte dann der Feind gegen Ofen auff der Unter-Ungarischen Seiten gehen / so siehet die Haupt-Armee auff selbiger Seiten ohne dem / die ihn beobachten wird / man wird [334] mit 30000. Mann alsdann ihme entgegen gehen / und suchen zu schlagen / die Belägerung aber mit 30000. Mann continuiren / auff die Weiß / wie man es vorm Jahr mit Neuheusel gehalten. Die Belägerung wird gantz regular geführt / und hinter sich circumvallirt, und das Volck auff alle Weiß bedeckt / und geschonet werden / 2. Haupt-Attaquen wird man fuhren / und eine kleine / die eine Haupt-Attaque wird an der Donau-Seiten / wo dem Ort am besten beyzukommen ist / geführet werden. Der Churfürst (Cenereuse Antwort von Ih. Churfl. Durchl. in Bayern.) aus Bayern / als der Stratmann die Proposition gethan / hat gar generose geantwortet / das publicum seye ihm mehr als seine reputation, Ehr und Leben angelegen / er suche seine Glory in einer vollkommenen submission gegen Ihro Maj. weilen sie nun vermeynen / der Christenheit könne geholffen werden / mit emportirung Ofen / so werde er gehorsamen ad omnem nutum, womit er allen andern ein solches Exempel geben / daß keiner auff sich hätte kommen lassen / den geringsten Schein zu geben / als wann durch seine praetension die gemeine operation solte können gehindert werden / seynd also gantz einig / und wird GOtt hoffentlich sich solches gefallen lassen / daß er ihre actiones wird mit Victorien segnen; Die Chur-Brandenburgische werden die eine Haupt-Attaque führen / zu welchen noch 3000. Käyserl. Fußvölcker gestossen werden / dann man hat groß Vertrauen und Hoffnung auff ihre Experienz, Conduite und Valeur. Als Ihr Käyserl. Majest. Allergnädigster Will und Meynung (daß nemlich vors Erste die Hauptstadt Ofen attaquirt werden solte) im Lager bey Bar???kan erschollen / ist nicht außzusprechen / was die Soldatesca ins gesambt fur grosse Freuden-Verzeugungen und courage hierzu erblicken lassen / also daß sie ins gesambt versprochen / ihr Leben hierbey vor Ihro Käyserl. Maj. Und den Christlichen Namen willigst auffzuopffern / wann nur dardurch besagte Stadt in Ihro Maj. Handen wieder verfallen möchte. Den (Die Käyserl. Armee bricht bey Barckan auff / und gehet vor Ofen.) 13. geschahe der Auffbruch der völligen Armee über die Brücken gegen Gran. Den 14. ist selbige bey Vicegrad arrivirt, welche den 15. ihren march ein Stund unter Vicegrad fortgesetzet / und den 16. biß ein Stund vor Ofen angelangt. Den 17. ist ein Rasttag gehalten worden. Den 18. hat sich die Cava??? Peri mit der Infanteri conjungirt. Den 19. ist die Armee biß an die warme Bäder gerücket / und den 20. ist der Orth völlig berennet worden; was nun in dieser denckwürdigen Belägerung diesen Monat hindurch von Tag zu Tag vorgegangen / wird im andern Capitel außführlich zu vernehmen seyn. Wir schreiten hier wieder zu den Käyserl. Geschichten / und sagen ferner mit Brieffen von Wien / daß der Herr General Caraffa dahin berichtet habe / daß sich die Türcken jenseit der Theiß starck versammlen / und einen Anschlag auff [335] Zollnock haben sollen / weßwegen er dann auff den Nothfall Succurs begehrt / widrigen falls protestirr, daß er einer andringenden grossen Macht mit seinen 4. Regimentern nicht solte widerstehen / und gewachsen seyn können. Allhier ist der Hertzog von Croy angelanget / so nun nach der Armee eylet / und seine (Viel Volunteurs kommen zu Wien an???.) General-Feld-Zeugmeister-Charge dabey exerciren wird. Ingleichem seynd aus Span̅ien der Hertzog von Vejar grand d' Espagne, sein Bruder der Marquis di Valero, dessen Vetter und andere vornehme Herren anhero kommen / umb als volontairs in Ungarn gegen die Türcken zu dienen. Hingegen ist (Hr. General Schultz gehet in Croatien.) der General Schultz von hier nach Croaten auffgebrochen. Die Chur-Brandenburgischen Vöcker seynd den 12. dieses Trentschin vorbey marchirt; Die in Mongatsch bloquirte Rebellen beginnen nunmehro an Proviant einen Abgang zu leyden / und wie die Uberlauffer aussagen / hätten sich selbige einhellig erkläret / biß auff einen kleinen Termin sich annoch bey der Teckelin auffzuhalten / so fern dann nun der versprochene Succurs nicht ankommen würde / seyen sie gezwungen / ihr Glück anderstwo zu suchen / und weilen sie über vielfältiges Zusprechen zu andern Gedancken nicht zu bringen wären / seye die Teckelin dahin bemühet / auff allen Fall / so viel Mannschafft in Polen zu werben / als viel Ungarn weg zu gehen willens wären. Der Teckely subsistirte annoch zu Temeswar. Herr General Graf von Schärffenberg stehet noch mit seinem Corpo zwischen Bethlehem und Clausenburg / deme die Sieben bürgische Landstände etlich 100. Metzen Habern neben andern Victug???ien verschaffen lassen / und erwartet gedachter General die Einantwortung einer importanten Vestung / zu Versicherung ihrer Treu / so dann mit felbiger Militz aus dem Lande zu gehen / und ist von keiner conjunction zu vernehmen. Den 20. haben Ihro Käyserl. Maj. abermalen einer Procession beygewohnet / nach vollbrachter Andacht aber haben Sie Ihro Durchl. den Printzen zu Pfaltz biß nacher Nußdorff begleitet / welcher nach eingenommein Mittagmahl von dar / und nachdeme er sich von Ihro Majestbeurlaubet / in Begleitung einiger Käyserl. Com̅issarien sambt dessen Hochfürstl. Gemahlin zu Wasser nacher Regenspurg abgereist / von wannen sie sich nacher Heydelberg begeben / und so ferner dero weitere Reiß nacher Düsseldorff (Ih. Hochfl. Durchl. der Teutschmeister reisen zu Wasser zur Käpserl. Armee ad.) fortsetzen werden. Den 15. seynd Ihro Hochfürstl. Durchl. der Teutschmeister zu Wasser zur Käyserl. Armee in Nieder-Ungarn mit 8. Schiffen abgefahren. Es ist Nachricht / daß die Türcken / weilen sie vestiglich geglaubet / man werde Käys. Seits vor allen entweder Stulweissenburg oder aber Erlau attaquiren / ihre Mobilien sambt Weib und Kindern auß erstgedachter Vestung heraus / und nacher Ofen geflüchtel / welches ebenfalls drey von denen Chur-Bayerischen erhaschte und gesänglich einge [336] zogene Türcken bestättigen / mit dem fernern Vermelden / daß der Commendant in gedachtem Ofen abermah???n umb Succurs durch unterschiedliche Schreiben angehalten / weiln sie Türcken nunmehro ihnen nichts gewe???ssers einbilden können / als von der Christlichen Armee durch eine mehrmahlige Belägerung angefallen zu werden. Laut Aussag einiger von dem Hrn. Castellan Crakoweky als Polnischen Cron - Unter - Feldherrn Ihr. Königl. M???jest. gefänglich nacher Stry überschickten Türcken und Tartarn / worunter einer deß Sera???kiers Secretarius seyn und sehr viele Brieffe / so gar von dem Sulran bey sich haben solle / seynd die Türcken und Tartarn meistentheils der zwischen Moscau und der Cron Pohln geschlossenen Alliantz kund (Der Tartar Cham verbietet bey Lebensstraff daß sich von seinen Unterthanen keiner aus dem Land degeben soll.) geworden / welches eine erichröckliche Confusion und Schrecken unter ihnen causirt / also daß so gar der Crim̅ische und Budziakische Tartar-Cham bey Leib und Lebens Straff verbotten / daß sich nicht ein eintziger Tartar mehr aus dem Land begeben solle / weßwegen auch der letztere seine in Ungarn stehende Trouppen zurück beruffen. Dem General Graff von Schärffenberg ist den 18. Ordre zugesand worden / daß nachdem sich die Siebenbürg. Stände so weit erkläret / in 3. Plätze die Käys. Guarnison einzunehmen / er gedachte Vestungen ohnverweilt mit gnugsamer Besatzung belegen / mit allen andern Requisitis versehen / und darauff sich nach der Theiß verfügen / mit dem Caraffischen Corpo sich conjungiren / sofort mit gnugsamer Hand / und wann auch alle daselbst conquestirte Oerther mit allem Nothwendigkeiten versehen / nach Pest sich wenden / über obgedachte Schiffbrücken passiren / und in das Lager unter Ofen mit denen Unterhabenden Trouppen stellen solle / damit gemeldte Belägerung nicht allein mit aller Macht forigesetzet / sondern auch die Belägerer durch ein fliegendes Corpo von allen feindlichen Uberfall bedeckt werden möchten. (Die Ofner Türcken gerathen bey Erblickung der Christl. Armee in grossen Schrecken.) Als die Ofner den 16. dieses die Christlichen Armeen gegen Pest und Ofen sehen anmarschiren / seynd die Türcken darinn in solche Bestürtzung gerathen / daß der Vezier weder mit Betrohung / noch sonsten selbe zu armiren vermögt / biß er ihnen versprochen / daß er die Extremität nicht erwarten / sondern bey anscheinender Gefahr zu Conservirung der Mannschafft den Orth übergeben wolte. Indessen ist unsere Armee vor Ofen biß 58000. Mann verstärcket worden. Von Griechischweissenburg hat man soviel Nachricht erhalten / daß nachdeme der Moscowittische Gesande dem Groß - Vezier die Alliantz / so seine Czaaren mit der Cron Pohlen wider, die Ottomannish. Pforten geschlossen / kund gethan / er darauff auch alsobalden sich reißfertig gemacht / [337] ungeachtet ihme von dem Türck. Gouverno nicht allein billige Satisfaction wegen der schon lang unterhabenden Tractaten / die Gräntzscheidung betreffend / versprochen / sondern auch anbey eine Verbündnuß wider die Cron (Der Moscowittische Gesandte reiset ohnerachtet der angebottenen grossen Offerten von dem Groß-Sultan eilends nach Hunß.) Pohlen und würckliche Hülffleistung angebotten worden / wäre er doch von dort eylends adgereiset / mit der außtrücklichen Beantwortung / daß man sich Türck. Seits gar nicht einbilden solte / daß seine Czaarn / wann sie auch schon die mit Pohln würcklich geschlossene Alliantz nicht eingegangen hätten / niemahln wider die Christenheit mit dero Erbfeind in Tractaten sich eingelassen haben würden: auf diese so unverhoffte Erklärung seye der Groß - Sultan alsobalden nach Constantinopel gerücket / damit er sich nicht allein von der bevorstehenden Gefahr der Pohlnisch. und Moscowittisch. Cossacken entziehen / sondern auch die alldortige Einwohner durch seine Gegenwart von allem Auffruhr abhalten möchte. Der Groß - Vezier hätte bey Adrianopel die Asiatisch. Völcker gemustert / weiln er aber wider verhoffen eine sehr geringe Anzahl befunden / seye er annoch nit von dannen auffgebrochen. Zu Griechisch - Weissenburg seyen zwar etliche Bassen mit ihren unterhaben den Völckern angelanget / hätten aber expresse Ordre erhalten / sich nicht über die Essegger Brücken zu begeben / damit das alldort in geringer Quantität zusammen geführtes Proviant nit vor de Zeit auffgezehret würde. Weiln man von Seiten deß Päbstl. Nuntii biß dahero beschäffliget gewesen / den Rest der geistlichen Contributions-Gelder völlig zusammen zu bringen / so werden dem Gen. Commissario Rabatta davon 200000. fl. zugestellet werden / und also die Kriegs - Cassa nun bald in dem Stande seyn / die bevorstehende (Die Felb-Holpitäler zu Preßburg / Raab und Gran werden in guten Stand gesetzet.) Außgaben bestreiten zu können. Wegen der Feld - Hospithäler / so zu Preßburg / Raab und Gran auffgerichtet werden und darüber der Herr Bischoff von Collonitsch die Ober - Inspection hat / ist auch solche Anstallt gemacht / damit die Krancken und Blessirte eine gute Pflegung haben sollen. Den 21. ist ein starcke in 130. Mann bestehende Compagnie von deß Fürstl. Passg???uis Bischöfflichen Contingent hier angelangt / welche den 22. nach Ungarn zu der Arnjee auffgebrochen / und wie man vernimbt / so ist auch ein Königl. Schwedis Regiment von 100. Mann wegen deß Hertzogthumbs Pommern durch die Marck - Brandenburg im würcklichen Marsch dahin begrieffen. Den 21. hat man etlich beladene Schiffe mit Kißlingsteinen zu gedachter Armee umb selbige zu Einwerffung bey der Belägerung Ofen zu gebrauchen / abgeführet. Weiln man besorget / daß wegen beß trockenen Som̅ers frühzeitig an Fourage mangeln möchte / als wird Vorsorg getragen / die Armee mit einer grossen Quantität Habern zu versehen. Aus Pohln hat der Käyserl. Extraordinati Envoyé am Königl. Pohln. Hoff durch eine Staffeta anhero [338] berichtet / daß selbiger Königl. Hoff besorget / fals das Corpo unterm Hn. Gen. Schärffenberg in Siebenbürgen stehen bleiben solte / solches leichtlich veranlassen könte / daß der mehriste Theil Türckischer Macht sich dahin ziehen / und folglich Pohln in grosse Gefahr gesetzt werden möchte. Der Hertzog von Sealona ist nebst einer grossen Gesellschafft den 23. auch nach Ungarn abgereist / deme der Hr. Marq. de Castelmonigo den 24. gefolget. Ihr. (Graff Johann Draßkowitz wird zum General Wachtmeister in Croatien erklärt.) Käys. Majest. haben den Hrn. Grafen Johann Draskowiß in Betrachtung seiner treugeleisteten Kriegsdiensten zum Gen. Wachtmeister in Croaten allergnädigst ernennet. Obschon Ihr. Churfl. Durchl. aus Bäyern / als dieselbe die Stadt Pest besetzet / und mit einer starcken Guarnison sambt allen Nothwendigkeiten versehen / auch zu einer mehrern Fortification alle Anstalten gemacht / hinderbracht worden / als ob die Türcken die Vestung Hattwann auch abandonirten / hat doch der General Mercy / als welcher mit 6000. Mann dorthin voraus geschickt worden / selbiges nit allein wohl besetzt befunden / sondern auch als er die Besatzung zur Ubergab ermahnen lassen / eine abschlägige Antwort von derselben erhalten / also zwar / daß die alldort inligende Türcken einen sehr grossen Ernst zur Defension erzeigen / darumb gedachter General benöthiget worden / umb stärckern Succurs anzuhalten. Den 25. seynd von dem Chur - Bäyrischen Hoff 2. Cammer - Jungfrauen in das Königl. Kloster in beysein beeder regirender Käyserl. Maj. und (Die Hertzogin von Lothringen langt mit einer kleimen Suite zu Passau an.) Ihro Durchl. der Churfürstin aus Bäyern eingekleidet worden. Wie man vernimbt / so ist die Königin von Pohlen / als jetzige Hertzogin von Lothringen / mit einer kleinen Suite von Inspruck zu Paffau angelanget / umb alldorten dero Durchleuchtigste Frau Schwester die Ertz - Hertzogin Maria Anna deß Chur - Printzens von Pfaltz Durchl. Frau Gemahlin / bey dero Durchreise / zu sprechen / dann sie seithero vielen Jahren einander nicht gesehen haben. Von denen Copreinitischen Gräntzen seynd 900. Croaten außgangen / umb in das feindliche Selavonien zu streiffen; so ist auch eine andere starcke Parthey von Carlstadt gegen den Unna - Strohm außgangen / von deren Verrichtungen nechstens zu vernehmen seyn dörffte. Aus Pohln von Stry verlautet / daß die Feldherren allbereit bey der Armee angelanget / wohin auch bey Verlihrung deß Lebens alle Edelleuth / so in Kriegs-Diensten stehen / citirt worden / und solle der König auch in etlichen Tagen dahin auffbrechen; die Littauer seyn auch unweit von ihnen / der Groß-Feldherr ist unterwegs erkrancket; die Königliche Abgesandte sollen nunmehro nicht allein neben denen Moscowittisch. Commissarien / sondern auch beyde Czaarn die Alliantz - Pacta beschworen haben / und wären auch würcklich 80000. Mann unter dem Commando deß Fürsten Golliczin als [339] primarii Ministri Herrn Bruder Fürsten Portowsky auff ein gewissen Anschlag fortmarschirt. Aus Siebenbürgen wird berichtet / daß daselbsten die völlige Militz auffsitzet / zu wessen Dienste / seye unbewust / und weiln Herr (In Siebenbürgen gehet die völlige Militz zu Feld.) General von Schärffenberg Claussenburg besetzet / als scheinet es / daß die Sach vor die Türcken und den Teckely daselbst gefährlich / vor die Christenheit aber vortheilig seyn werde. Sonsten haben sich etliche 1000. Türcken / so bey Segedin gestanden / auff Vernehmen / daß der Teckely geschlagen worden / zurück gezogen. Auff Befehl Ihro Durchl. deß Hertzogen zu Lothringen hat der Commendant zu Leopoldstadt 10000. Pallisaden machen lassen / welche auff der Waag biß nacher Comorra gebracht worden / und von dorten auff der Donau biß nach Ofen geführt werden sollen; dahin auch noch viele 1000. Schantzkörbe und Faschinen geschickt worden (Deß Königs in Engelland natürlicher Sohn Printz James gehet als Volonteur in Ungarn.) seynd. Deß Königs in Engelland natürlicher Sohn Printz James ist auch hierdurch nacher Ungarn gereist / umb als Volonteur diese Campagne unter der Käyserl. Armee zu dienen / er hat eine grosse Suite bey sich. Weiln nit allein die 10. Mörser / und 8. Stücke von neuer Invention, sondern auch alle darzu destinirte Ingredientien / in die darzu bereitete 20. Schiff eingeladen / als wird der Spannische Ingenieur Don Gonsales, damit er auff die seinige inventirte Sachen selbst gute Auffsicht habe / mit denselben von hier auffbrechen / und gar nach dem Lager vor Ofen abführen / allwo er gleich bey seiner Ankunfft dieselbe auff 2. Batterien / so von denen andern abgesondert / auffführen / und die Stadt / und derselben Einwohner darmit infestiren wird. Den 29. seynd dessen Bedienten mit allerley Materialien vorangangen.

Das zweyte Capitel
[arrow up]

Tractiret von Ungarisch-Siebenbürg-Croatisch-Türckis-Moldauis- und Wallachischen Geschichten. BEy diesem Capittel werden wir das meist von Belägerung der (Vngarische Geschichten.) Königl. Ungarischen Residentz-Stadt Ofen zu reden haben / es wird aber hoffentlich dem großgünst. Leser nicht ohnangenehm fallen / wann ich diese Belägerung / als ein Werck von so grosser Wichtigkeit etwas außführlich und in richtiger Ordnung hieher verzeichnen werde / wor [340] mit sichs also verhält: Nachdeme Ihro Churfürstl. Durchl. aus Bäyern zu End verwichenen Monats bey dero Trouppen ohnweit Preßburg glücklich angelangt / selbige in Augenschein genommen / haben sie sich so fort nach Com̅orn erhoben / und daselbst solang subsistiret / biß Ihro Durchl. der Hertzog von Lothringen (nachdeme besagter Hertzog immittels von Raab auff der Post sich nach Neustadt erhoben / daselbst grossen Kriegs-Rath gehalten / sich folgends bey Ihro Käyserl. Majestät noch einmalen beurlaubet / darauff seine Ruckreiß nacher Ungarn genommen / bey der Armee den 6. arrivirt / mit Herrn General von Starenberg eine kleine Unterredung (Ihr. Churfürstl Durchl. in Bäyern langen zu Comorren an wie auch Hr. Hertzog von Lothringen.) gepflogen / und von diesem in seinem Gezelt tractirt worden) wieder bey deroselben zu Commorrn angelangt seynd / woselbst beyde hohe Personen so lang sich auffgehalten / biß allerseits Armeen von ihren Lagern so weiters nach den assignirten Plätzen auffgebrochen seynd. Den 6. stunde die völlige Käyserl. Armee eine halbe Stund dißseits Barkan / die Churbäyrische / worzu von denen Käyserl. das Pacische Regiment beordret worden / stunde 3. Meilen von uns gegen Com̅orrn zu. (Bericht von den Christlichen Völckern wo selbe im Anfang Junii allerseits campiret.) Die Sächsischen campirten unweit der Waag gegen Neuheusel / und theils von denen Churbrandenb. stunden gegen der Waag zu. Der Hr. General Schärffenberg stehet mit 12000. Mann in Siebenbürgen. Herr General Heußler stunde aber mit 3. Regimentern und etlichen Squadronen Hussaren bey Zollnock. Hr. Gen. Caprara ist mit seinen Völckern aus Ober -Ungarn auch angelangt / wie ingleichen der Gen. Mercy; der erste ist wegen Unpäßlichkeit nach Preßburg gangen / umb sich daselbst curiren zu lassen. Den 7. seynd wir noch stille gestanden / und weiln man diesen Abend Kundschafft erhält / daß aus Ofen eine Parthey gangen / so seynd 1000. Pferd selbe zu rencontriren / commandirt / welche diese Nacht außgehen. Den 8. Morgends ruckte das Lager weiter die Donau hinauff gegen Commorrn zu / und dieses deßhalben / damit man die Fourage etwas näher bey der Hand habe. Den 9. hat man die Armee etwas weiters außeinander gehen lassen die Fouragiers dardurch zu erleichtern. Dato ist Kundschafft eingelauffen / daß etlich 1000. Türcken bey Segedin die Brücken passiren / und sich bey Pest setzen wollen. Den 10. ist weiter nichts passiret / als daß man von dem Chur-Bäyeris. General Rummel Nachricht erhalten / daß selbiger in seinem Herausmarsch aus Ober -Ungarn mit einigen Trouppen / sambt der Artillerie dergestalten avanciret / daß er in wenig Tagen in hiesiger Gegend zu stehen verhoffe.
|| [341]
Den 11. ist grosser Kriegs-Rath gehalten / und geschlossen worden / den Marsch directè auff Ofen zu nehmen / und werden theils Regimenter bey Gran / theils bey Commorren über die geschlagene Schiffbrücke passiren. (Es wird grosser Kriegs-Rath gehalten / und resolvirt recta für Ofen zu gehen.) Die Parthey / die den 7. dito ausgangen / ist wieder zuruck kommen / hat aber weder vom Feind was gesehen noch gehört / dahero diese Nacht 50. Hussaren und 30. Croaten gegen Ofen zu recognosciren ausgeschicket worden. Den 12. Mittag seynd die ausgegangene Hussaren und Croaten wieder ins Lager kommen / und haben 2. gefangene Türcken nebst 5. Pferden / (Aussag zweyer gefangenen Türcken.) so sie im Fouragiren angetroffen / eingebracht / so viel man von ihnen vernimbt / solle die Guarnison in Ofen in 14000. Mann starck von den besten Janitscharen und Spahi unter deß Veziers Commando / welchem noch andere 6. Bassen zugegeben worden / bestehen / und daß alle darinnige Inwohner / sowol Kauffleut / Armenier / und Juden / mit ihren Haab und Gütern sich anderwärtig salvirt hätten: an Proviant wäre zwar kein Uberfluß darinnen / doch an Munition und Kriegs-Instrumenten ein grosser Vorrath / der Feind soll noch nicht über 20000. Mann zu Feld seyn. Heut ist Ordre ergangen / etwas näher an Barckan zu rucken / umb morgen über hiesige Brücken gegen Gran über zu gehen. (Die Käyserl. Armee passirt die Brucken zu Gran.) Den 13. mit frühem Tage ist der Anfang über die Brücken gegen Gran zu passiren gemacht worden. Die Chur-Sächsische haben darbey die Avantgarde gehabt / und hat dieses selbigen gantzen Tag und Nacht hindurch gewähret; die Chur-Bayerische seynd darauff gleich in unser Lager gerucket / und ist dabey ein Detachement von 4. Käyserlichen Regimentern gemacht / welche bey dem Chur-Bayerischen Corpo bleiben / und Hatt. wann und Pest wegnehmen sollen. Unser Marsch wird gegen Stulweissenbürg eingerichtet / umb den Feind zu veranlassen / ein Detachement aus Ofen dahin zu schicken / ob sich aber dadurch die in Ofen bloß geben werden / wird sich zeigen. In der Insul St. Andreoe soll eine Brücke über die Donau geschlagen werden. (Langt bey Vicegrad an.) Den 14. ist bey anbrechendem Tag die gantze Käyserl. Cavallerie gegen Vicegrad avancirt / weilen aber die Pässe etwas eng / und man nicht nach Verlangen marschiren können / als hat die Infanterie nebst der Artollerie unterm Commando Herrn General Starenbergs zuruck bleiben müssen. Die Chur-Bayerische seynd auff der andern Seiten der Donau gegen Waitzen marschirt / und ist alles so eingerichtet / damit man auff den Nothfall einander secundiren könne.
|| [342]
Den 15. hat man den Marsch mit der Cavallerie biß eine Stunde unter Vicegrad sortgesetzet / und folget die Infanterie jedesmals nach / die Vortrouppen haben eine Türckische Parthey im Marsch angetroffen / welche aber (Trifft eine Tückische Parthey an.) nicht Stand gehalten / und hat man bloß einen Gefangenen davon bekommen / so ausgesagt / daß 12000. Mann zu Fuß und 3000. zu Pferde guter Leut sich in Ofen befänden. Den 16. hat man biß eine Stunde vor Ofen avancirt / und also den Ort ins Gesicht bekommen. (Haltet einen Rasttag.) Den 17. haben wir einen Rasttag gehalten / weilen man nun darzu gnugsam Feld hat. Die Chur-Bayerische marschiren auch in einer Fronte von der andern Seiten der Donau / und ist der General Steinau mit 5000. Mann commandirt / Hattwann wegzunehmen / die übrigen gehen gerad auff Pest zu. Dem vernehmen nach wird man vor Ofen 2. Attaquen und zwar von Seiten deß Gerhardsbergs und von der Höhe / wo die warmen Bäder gestanden / führen / eine unter direction deß Churfürstens aus Bayern / und die andere unter dem Hertzog von Lothringen. (Die Cavallerie conjungirt sich mit der Infanterie.) Den 18. hat sich unsere Cavallerie mit der Infanterie conjungiret / und hat sich diese eine Stunde disseits Ofen wieder gesetzt: die Cavallerie aber an der andern Seiten / und zwar gegen Stulweissenburg sich in 3. Theil getheilet / und Ofen rings mit Wachten eingeschlossen / im vorbey-Marsch seynd unterschiedliche Stückschüsse heraus geschehen / so aber wegen der Weite keinen Schaden gethan / ausser ein Handpferd ist erschossen worden: der Feind hat bey dem Wiener Thor zu Pferd und zu Fuß sich zwar gezeiget / aber unerachtet einige von denen unsrigen zim̅lich nahe an sie hinan geritten / hat er sich doch nicht / wie er vor diesem wohl gethan / aus seinem Vortheil begeben wollen / jedoch seynd 2. von ihnen und 1. Pferd erschossen worden. (Kombt zu den warmen Bädern bey Ofen / und fasset Posto.) Den 19. Junii ist das Lager wieder etwas näher und biß an die warmen Bäder gesetzt worden / das Haupt-Quartier nebst einigen Regimentern zu Fuß stehet eine kleine Viertelstunde davon / man erwartet nun die schwehre Artollerie zu Wasser / und wird in wenig Tagen die Arbeit angehen. Ein (Der Commendant in Ofen ist ein Kauffmann / und trincket sich täglich einen guten Rausch.) Janitschar / so heute übergelauffen / berichtet / daß der Vezier oder Commendant Abdy Achmann / von Profession mehrers ein Kauffmann als ein Soldat / und sich täglich einen guten Rausch trincket / 3000. Janitscharen / und 4000. andere Streitbare / so sambt Weib und Kind in allem 10000. Köpff ausmachen / seynd darinnen / es sollen 2000. Mann nach Erla und so viel nach Stulweissenburg aus Ofen commandirt worden seyn / weilen die Türcken sich nimmer eingebildet / daß wir diesen Ort noch einmal zu attaquiren uns unternehmen würden. Vor 2. Tagen habe der Vezier mit Ein [343] willigung seiner andern hohen Officiers beschlossen / die untaugliche und junge Christen loß zu lassen / und frey zu dimittiren, welches auch beschehen / (Beruffet die Guarnison auff einen Platz zusammen / und ermahnet selbige zur tapffern Gegenwehr.) nicht weniger hätte besagter Vezier die gantze Guarnison auff einen Platz zusammen beruffen / und deß Groß-Sultans dahin lautende Ordre ablesen lassen / daß ein jeglicher eine tapffere Gegenwehr thun / und von keiner Ubergab bey Leib- und Lebens-Straffreden solte. Uber dieses habe der Groß-Vezier dem Commendanten zu Ofen durch Schreiben bedeutet / daß der Groß-Sultan von Adrianopel nach Constantinopel auffgebrochen / und er persönlich dißmalen in Ungarn nicht kommen könte / sondern daß der Achmet Vassa als Seraskier commandiren / auch dieser ein starcke Macht in (Beschreibung deß neuen Fortifications-Wercks in Ofen.) Ungarn schicken werde. Das neue Fortifications-Werck in der Vestung anlangende / seye ein grosse Cistern auff dem Platz erbauet / mit Wasser erfüllet / und mit einem starck-bemauerten Gewölb eingefast / damit die Bomben nicht penetriren, und das Wasser verderben möchten: an dem Ufer deß Donaustrohms seye ingleichem eine lange starcke Mauer / welche mit unterschiedlichen Rondelen und Retiraden bevestiget / biß an den Berg nicht weniger ein tieffer und breiter Graben auff der andern Seiten gemacht worden / und an etlichen Orten / wo bey verwichener Belägerung unsere Minen waren / contra Minen gelegt / mit untergrabenen Ausfällen / also daß eine stattliche Vorsehung zur defension selbiger Stadt gemacht / wie dann auch die meisten Dächer von denen Häusern hinweg genommen worden / zumalen sie für gewiß verstanden / daß bey Formirung einer Belägerung die Stadt durch Einwerffung der Bomben und Carcassen stets beängstiget werden solle. So weit g???eng die Aussag deß zu uns übergeloffenen Janitscharen. (Ein Parthey Hussaren fängt einen Türckischen Chiaus.) Eine Parthey Hussaren / so aus gewesen / hat einen Türckischen Chiaus von 40. Türcken accompagnirt angetroffen / welchen sie dann sambt 30. andern Gefangenen eingebrcht / die wenigste seynd theils entwischet / und theils niedergehauen worden; besagter Chiaus kombt von Essegg / und hat Brieff nach Ofen bey sich / woraus dann von dem Stand der Türckischen (Die Türcken abandoniren Pest / und reteriren sich mit Sack und Pack in Ofen.) Armee ein und anders zu vernehmen seyn wird. Von dem Chur-Bayerischen Corpo hat man heute Nachricht erhalten / daß die Türcken in Pest dessen Ankunfft nicht erwartet / sondern den Ort verlassen / und sich mit Proviant / Munition und Stück in Ofen salvirt / vorhero aber theils die Mauern ruinirt / jedoch haben die Chur-Bayerische darinnen einen Aga mit 30. Türcken / welche sich nicht in Zeit davon gemacht / ertappet. Eodem dato seynd die schwehre Stück zu Wasser im Lager angelangt. Den 20. seynd von gemeldten Stücken auff die gegen der Wasserstadt verfertigten 2. Batterien einige auffgeführet worden / selbige morgen spielen [344] zu lassen; an Schantzkörben und Faschinen ist auch ein grosser Vorrath vorhanden / und thut der Donaufluß in Zuführung aller Nothwendigkeit einen grossen Vortheil geben: die Schiffbrücke bey der Insul St. Andreoe ist nun völlig perfectionirt / und wird an der Insul St. Margaretha auch eine verfertiget / umb von allen Seiten secundiren zu können. Es ist auch (Ein vornehmer Türckischer Officier wird vor Ofen ertapp???t. Dessen Aussag.) dato im Lager ein Gerücht erschollen / daß unsere Vortrouppen vor drey Tagen einen gewissen vornehmen Türckischen Officierer / als er mit vielen Bedienten vor diese Stadt spatzieren ge???i???ten / und von unserer Ankunfft gar nichts gewust / ertappet / und zu dem Hertzog von Lothringen geführt haben / welcher offentlich ausgesagt / daß die Besatzung in Ofen in 3000. Janitscharen / und 5000. andern Türcken effectivè bestehe / welche alle sich auff das eusserste zu defendiren dem Commendanten versprochen / als er vorhero mit der Besatzung diese Conditiones eingegangen / wie daß nemlich er ihnen zu Anfang der Belägerung einem jeden 10. Rhlr. auszahlen / einen schon lang im Arrest sitzenden Janitscharen frey heraus lassen / und die extrema, gleich wie die zu Neuheusel / nicht abwarten wolte. Den 21. hat man angefangen die Trencheen gegen die Wasserstadt zu führen / und avancirt die Arbeit unter faveur der Canonen zim̅lich. Die (Die Chur-Bayerischen passiren die Schiffbrücken / und langen bey den Käyserl. vo??? Ofen an.) Chur-Bayer. marschiren über die Schiffbrücke bereits herüber / und werden die Attaque / so sie vor 2. Jahren gegen das Schloß geführet / diesesmal wiederumb fortsetzen: der Hertzog von Lothringen hingegen wird an der Seite der Wasserstadt operiren, die Chur-Brandenburgischen aber lincker Hand von der Wasserseiten. Diese Nacht haben 5. Türcken von Ofen aus sich über die Donau gesetzet / in Meynung / etwas von denen Chur-Bayerischen zu bekommen / seynd aber von der Reuterwacht vermercket / 4. davon tod geschossen worden / der fünffte hat sich mit dem mitgeha???ten Schiffe salvirt. (Hr. General Palffy gebet aus Mangel Fourage mit der Cavallerie gegen Stulweissenburg.) Den 22. hat sich die Reuterey unterm Commando deß General Palffy mehrentheils gegen Stulweissenburg gesetzet / wegen der Fourage / so bereits sehr genau zusammen gehet / desto besser subsistiren zu können: 2000. commandirte Reuter aber allein hier stehen geblieben / die Arbeiter zu bedecken; der Feind hat diese Nacht starck heraus geschossen / worüber 9. von den unserigen tod geschossen und blessirt worden. Den 2???. Auff eine von denen 2. Batterien seynd diese Nacht drey halbe (Die Maner in der Wasserstadt wird meistens ruiniet.) und 3. viertel Carthaunen geführt / und dadurch in die Mauer an der Wasserstadt Breche gelegt worden / mit solchem effect, daß selbige meistens herunter ligt / es scheinet / daß der Feind nicht eben grossen Eyfer anwenden wolle / selbige zu defenditen, indeme man fast nichts von Leuten / wol aber [345] eine grosse Menge Rinder und Schaafe darunter gehen siehet / wird also ehistens ein Sturm darauff geschehen. Diese Nacht seynd einige Tolpatschen und Ungarn zu Wasser Ofen vorbey gangen / und haben sich 3. Meil weiter hinunter gesetzt / da sie dann 14. Tscheicken oder Schiffe mit 500. Personen / so mehrentheils mit Weibern / Kindern und Mobilien angefüllt gewesen / angetroffen / sich derselben bemächtiget / mehrentheils davon niedergehauen / theils aber gefangen genommen / da es wieder reiche Beute gesetzet; diese Geflüchtete sollen aus Pest gewesen seyn. (Und folgends darinnen Posto gefast worden.) Den 24. Die Breche auff die Wasserstadt ist heute auff 20. Schritt breit geleget / und darauff Nachts umb 10. Uhr gestürmet worden / und hat man ohne Verlust einiges Manns darinnen Posto gefasset / indeme der Feind den Ort zeitlich verlassen / und seynd nichts als etliche verhungerte Pferd darinnen gefunden worden. (Der Feind läst seine Stück tapffer hören.) Den 25. Diese Nacht hat man sich starck in der Wasserstadt eingegraben / vor deß Feindes Stücken sicher zu seyn / es ist aber ungefähr eine Stückkugel in die Approche vor der gemachten Breche gefallen / und dardurch ein Lieutenant nebst 5. Granatierern geblieben. Noch diesen Abend geschahe vom Feind mit 1000. Mann ein Ausfall auff unsere in der Wasserstadt vergrabene Musquetirer / und hat es ein zimlich hartes Gefecht gesetzet / unser Seits seynd etliche tod und blessirt / jedoch ist der Feind auch sich mit Hinterlassung 10. biß 12. Todten zu reteriren obligirt worden / der Feind läst seine Canonen unausgesetzt hören / und wo sie nur 2. oder 3. beysammen sehen / wird Feuer darauff gegeben / und ist dem Comte de Marsille, so unsere Minirer commandiren sollen / auff solche Weiß / indem er bey einem Ingenieur gestanden / der Arm entzwey geschossen worden. (Thut starcke Ausfälle.) Den 26. Mittags hat der Feind abermalen einen Ausfall in 2000. starck gegen die Wasserstadt gethan / welches dann meists das Starenbergische Regiment betroffen / und ist dabey ein Hauptmann nebst etlichen Gemeinen blessirt / und bey 20. tod geblieben / vom Feinde wurden auch etliche und 30. tod geschossen. Den 27. hat man weiter nicht avancirt / indeme man nur suchet / sich in seinem Posto sicher zu stellen / und von den Ausfällen zu verwehrn / die Arbeit gehet darumb etwas schwer her / weilen alles von vestem steinichten (Die Chur-Bayerische weiffen Bomben ??? die Vestung.) Grund ist. Die Chur-Bayerische haben von Seiten deß Gerhardbergs unterm Blockhauß eine kleine Batterie auffgeworffen / von welcher sie schon einige leichte Bomben in die Stadt werffen. So bald die Chur-Brandenburg. werden ankommen / und die Attaquen von allen Seiten recht eingerichtet seyn / wird sich die Cavallerie noch weiter extendiren, und dörffte der [346] Hertzog zu Lothringen damit gegen Essegg gehen / und dardurch dem General Starenberg die direction der Belägerung überlassen werden. Der Ri???meister Budiani hat Relation erstattet von der Action / welche die Hussaren und Heyducken den 23. dieses auff einige gegen Adom über gelegener Insul (Ri???meister Budiani thut Relation von der Action / so auff der Insul S. Margaretha mit denen aus Pest geflüchteten Türcken vorgegangen. Die Ducaten werden Metzen und Hüttvoll weiß getheilet.) St. Margaretha mit Schiffen geflüchtete Türcken und Mobilien gethan / und sollen darbey 1000. Türcken niedergehauen / 30. aber gefangen worden seyn; Ingleichem seynd auch bey 100. der schönsten Weiber / worunter deß Vice-Bassa Weib selbsten seyn soll / welche bereits grosse Rantzion gebotten / ins Lager gebracht / umb selbige zu verkauffen; die Beuten seynd dergestalten beschaffen gewesen / daß die Ducaten gantz Metzen und Hüt voll zusammen geschüttet und getheilet worden: über dieses seynd viel Scharlach / seidene Zeug / rare Türckische Kleyder und andere kostbare Mobilien erbeutet worden. Einige von unsern Dragonern seynd zwar auch mit dieser Parthey commandirt gewesen / diese seynd aber etwas zu spät gekommen / jedoch ist ihnen der dritte Theil der Beute zuerkandt: Man hat einen Bauren gefangen bekommen / welcher Brieff nach Ofen bringen sollen / diese seynd von der Ottomannischen Pforten an den Vezier und commandirende Officiers zu Ofen geschrieben / mit Bericht / daß weilen ihr Käyser strangulirt / und man im Werck begrieffen / seinen Bruder an seine Stell zu erwählen / (Es wird ein Bauer gefangen / bey welchem man Brieff von der Ottomannischen Pforten an den Vezier in Ofen lautend gefunden.) dahero bey solchem confusen Zustand deß Ottomannischen Reichs keine starcke Militz nach Ungarn geschickt / noch sie succurriret werden könten / sie solten sich doch bey allem diesem Zustand als ehrliche Leut getreu und wohl verhalten. Von denen Chur-Bayerischen wird eine Batterie verfertiget / von welcher sambt der zu Pest verfertigten der Thurn am Wasser / so die Stadt und Schloß zusammen schliesset / beschossen werden solle / durch welche Batterien auch die Schiffbrücke / welche der Feind bey Verlassung Pest nur halben Theils abgetragen / auff die übrige aber Stück gepflantzet / ruinirt werden solle / weilen selbige die Schiffarth von einer zur andern Seiten hindert. (Gute Anstalt im Käyserlichen Lager.) Den 28. ist die Anstalt gemacht / daß in denen Trencheen jedesmal ein General Feldmarschall Lieutenant nebst einem General Wachtmeister das Commando führen solle / womit dann vorgestern durch den Teutschmeister / so ein Printz von Neuburg ist / nebst dem General Wachtmeister Dieppenthal der Anfang gemacht worden / und werden diese durch den General Feldmarschall Lieutenant Souches und dem General Wachtmeister Thüngen alle 24. Stunden abgelöst. 2000. Mann gehen allzeit in die Trencheen / und ligen jedesmal zugleich 6. Battaillonen in der reserve, auff den Nothfall die andern gleich secundiren zu können / und wird es bey der [347] Chur-Bayerischen Attaque / wobey auch die Chur-Sächsischen Trouppen stehen / von Seiten deß Schlosses eben auff gleiche Weiß gehalten. Es wird ein lange Parallel-Linie gegen der Stadt über 400. Schritt lang vor (Die Chur-Sächsische Trouppen seynd bey der Chur-Bayerisches Attaque.) dem Posto rechter Hand / allwo der Angel ist / biß zu dem mittlern Thor gemacht / und die neue Batterie mit Lauffgräben gegen 200. Schritt lang versichert / und ist etwas erweltert. Beynebens hat man 13. schwere Stück auff das Rondel rechter Hand / und 4. auff das Rondel lincker Hand sambt zugehörigen Schantzkörben umb deß Feindes Ausfall und defension desto besser und füglicher verwehren zu können / gepflantzet. Der Feind schiesset unauffhörlich mit Stücken / hebet auch an mit Bomben / Steinen / und von dem grossen Rondel mit Granaten heraus zu werffen / womit sie dann bißweilen zim̅lichen Schaden thun. Heut seynd 2. Compagnien Passauische und Regenspurgische Völcker ankommen / die Chur-Brandenburgische aber werden inner 4. biß 5. Tagen erwartet / welche nun bey Commorrn stehen / und hat der General Schöning durch seinen General Adjutanten deßwegen die notification an Herrn Hertzogen zu Lothringen thun lassen. Der General Dünewald ist nun auch zu der Cavallerie gegen Stulweissenburg gangen / und wird selbigem der General Caprara folgen / und darauff dieser das Commando über die Cavallerie führen. Die Türcken (Die Türcken verlassen einige Ort gegen Stulweissenburg.) haben etliche Ort gegen Stulweissenburg selbsten verlassen / welche die unsrigen besetzet / und dörffte Palotta, wann es sich nicht selbsten ergibt / mit Gewalt gezwungen werden / weilen man den Fouragierern von allen Seiten Sicherheit verschaffen will. Die Bagage-Pferd von der Armee sollen jenseits der Donau an den zwischen Neuheusel und Gran assignirten Orten stehen bleiben / damit auch selbige mögen conservirt werden. Den 29. ist durch die Arbeiter die Mauer umb das herunter Thor durchgebrochen worden / und thät man diese gantze Nacht und Tag hindurch mit der Arbeit fortfahren / und wurd alles dergestalten eingerichtet / damit man einander sehr füglich secundiren könne / wobey dann der General Starenberg seine circumspection sehen lässet: Die Communications-Linie von dem letzten und mittlern Thor wird auch dahin gezogen / damit man bedeckter in die Batterie gehen könne / man wird aber damit 2. oder 3. Tag zu thun haben; rechter Hand in dem Lauffgraben unter der Batterie (Die Türcken thun einen furiosen Ausfall auff die Chur-Bayerische.) wird ein Kessel auff 4. Mörser gemacht. Diesen Abend umb 5. Uhr geschahe auff die Chur-Bayerische von 3000. Türcken ein furioser Ausfall / worbey es dem Feind also geglücket / daß 70. biß 80. Mann theils blessirt / theils niedergehauen worden / und ist unter den letztern Herr von Zwitterthal / Obrist-Lieutenant vom Steinguischen Regiment / die Confusion war dabey [348] zim̅lich groß: dem Printzen von Savoyen ist das Pferd unterm Leib tod geschossen worden / und seynd einige andere in nicht geringer Gefahr gestanden. Der Obrist. Lieutenant Hofkirchen ist endlich obligirt worden / mit seiner Reuterwacht die Chur-Bayerische zu secundiren / worauff die Türcken sich reterirt / sie haben zwar auch einige Blessirte und Todte bekommen / so sie aber mit sich in die Vestung hinein geschleppet. Dato Nachts umb 10. Uhr hat man die Prob von vorgemeldten 4. Mörsern gethan / so meistens guten Effect nach sich gezogen / auch ist die gewöhnliche Ablösung durch den Gen. Souches und Thüngen in den Trencheen geschehen. (Die Schwäbische und Fränckische Craiß-Völcker langen im Lager an.) Den 30. seynd die Schwäbische und Fränckische Trouppen auch im Lager angelangt: Immittels avanciren die Chur-Bayerische mit approchiren und Verfertigung der Batterien / und Kessels starck / indeme sie deren bereits 3. zu Stand gebracht / und darauff unterschiedliche Stück gepflantzet haben / welche aber nicht ehender als die unsrigen / und also mit gesambter (3. Rätzen gehen mit 150. Schaafen zu den Christen über.) Hand spielen werden. Dato seynd 3. Rätzen mit 150. Stück Schaafen zu uns heraus kommen / welche confirmiren / daß ein solche consternation unter der Besatzung in der Vestung obhanden / daß so fern sie nicht ehistens secundirt würden / der Ort unfehlbar in die Christen-Händ fallen würde. So viel vor dißmal von der Belägerung Ofen / die Continuation folget im nachgehenden Monat. Hiebey ein Extract-Schreibens aus Raab vom 15. Junii. (Ein Franciscaner-Münch thut schöne Proben von einem künfftigen Feuerwerck.) Der Franciscaner Münch hat zu Raab in Gegenwart deß Hof-Cantzlers von seinem Feuerwerck schöne Proben gethan / die erste Bombe / so er geworffen / hat sich tieff unter die Erde verschlagen / nach einer guten Weile hat die Erde angefangen zu wülen / und hat selbe in die Höhe gleich einer Mine geworffen / ist so dann in viel 1000. Stück zersprungen / die andere hat ein grausames entsetzliches Feuer gemacht / daß sich niemand hinzu getrauet / ist so dann in 2. Theil zersprungen / und hat jeder Theil 12. neue Feuer gemacht / welche alle von sich geschlagen / daß niemand auff die Nähe sich wagen dörffen. Die dritte Kugel warff er unter die Pallisaden / welche sich in lauter kleine Theil zertheilet hatte / und hat auff einmal über 100. Pallisaden angez???ndet / man hat die Leut hinzu gelassen zu löschen / es ist aber nicht möglich gewesen das Feuer zu dämpffen / biß alles zu Aschen war / und dergleichen mehr / innerhalb 14. Tagen will er 600. dergleichen fertig haben.
|| [349]
Die Vestung Mongatsch anlangende / ist diesen Monat die Blocquada daselbsten völlig auffgehoben worden / ohne daß 3. nahe gelegene Ort noch besetzet geblieben / und hat Herr General Caraffa die allda campirende Völcker völlig bey Zollnock an sich gezogen / umb dem Feind desto gewachsener (Die Teckelin in Mongatsch bringet einen jungen Sohn auff Welt.) zu seyn: Immittels vernimbt man von dar / daß die Teckelin einen jungen Sohn zur Welt gebracht / und weilen die Ungarn von ihr meistens ausgerissen / als hat sie der Teutschen Besatzung doppelten Sold reichen lassen / umb dieselbe zu besserer Verharrung und beständiger Treu gegen sie zu animiren. Aus Ober-Ungarn verlautet / daß der Bassa von Groß-Wardein mit 1500. Türcken zu Pferd gegen St. Job gerucket / einigen Versuch alldorten (Der Bassa von Großwardein wird vor St. Job tödlich bleffirt.) zu thun; nach dem er aber mit unsern Hussaren / so daselbsten in Guarnison ligen / einige Stunden scharmutziret / und nichts ausrichten können / hat er nach Hinterlassung 30. Todten sich nebst etlichen Wägen voll Verwundeten / wie er dann selbst tödlich blessirt ist / wieder zurück gezogen / und drohet ehistens mit einer grössern Macht dahin zu kommen. (Siedenbürg. Geschichten.) Aus Siebenbürgen kombt / daß der Teckely in 3000. starck von Türcken / Tartarn und Ungarn bey dem Fürsten Abbaffy den Paß durch sein Land nach Mongatsch zu gehen / begehrt / nachdem er ihm es verweigert / hat er solchen mit Gewalt zu suchen vermeynet / ist aber von der Fürstl. Militz zuruck getrieben / und ihme Teckely 300. Mann zuschanden gemacht worden. (Croatische Geschichten.) Aus Croaten hat man neues / daß die Völcker deß Bani und andere National-Trouppen selbigen Königreichs mit einigen 1000. Mann Teutschen (Ein Türckisches Dorff ergibt sich in Käyserl. Schutz.) Völckern verstärcket worden seyn. Eine Parthey selbiger Völcker hat wieder ins Türckische gestreifft / und 800. Stück Viehe zurück gebracht. Sonsten seynd aus einem Türckischen Dorff bey Walpo die Einwohner mit Weib und Kindern / Haußrath und Viehe / nach Verovititza kommen / sich der unsrigen Schutz zu ergeben. Eine Parthey von 800. Ungarn unterm (Die Guarnison von Salawar überrumpelt die Türckische Stadt Muhacz) Generalat deß Hn. Grafen Budiani / welche der Commendant und Capitain von Salawar Abbt genant / geführet / hat von gedachtem Salawar / so 2. Meilen von Canischa ligt / einen Streiff in das Türckische gethan / und den 28. passato vor Tag die kleine Stadt Muhacz / an der Donau gegen der Essegger Brücken gelegen / überrumpelt; es hat die darinnige Türckische Guarnison sich zwar tapffer defendiret / wurden aber endlich gezwungen sich in die Donau zu begeben / und mit schwimmen zu salviren / darinnen aber viele ersoffen seynd. Einige salvirten sich in ein klein Schloß an der Donau / theils aber wurden gefangen / und die übrigen niedergehauen; woraust die Ungarn den Ort gantz und gar eingeäschert / und viele Wägen mit Gesangenen und Beuten beladen / mit sich zurück [350] gebracht haben; diese Gefangene confirmiren auch / daß zu Griechischweissenburg 4000. Häuser nebst dem Schloß und sehr viele Speicher mit Korn (und machet gute Beuthen daselbft.) abgebrand seynd: und fügen hinbey / daß in Boßnia ein Corps d'Armeè zusammen geführt worden / umb gegen Essegg zu marschiren / aber wegen Mangel der Lebensmitteln viele außgerissen seyen / und selbiger Bassa also gezwungen worden wäre / mit dem Rest solcher Völcker wieder zurück in (Der Donner schlägt in die Stadt Bihatz und bringt seldige zu Brand.) Boßnia zu kehren / und sie in die Quartire zu verlegen / damit selbige nicht Hungers stürben. So hat auch der Donner in die Stadt Bihatz geschlagen / wordurch diese die Helfft nebst vielen Türcken verbrand worden. Daß die Vorstadt zu Stulweissenburg den 27. passato abgebrant / continuirt / so aber die Türcken nit selbsten angestecket / sondern es ist das Feuer ohnvermuthet außkommen / dergestalten daß nit allein besagte Vorstadt / sondern auch ein guter Theil der Stadt nebst vielen Proviant / und Fourage verbrand / und eingeäschert worden ist / welches bey der darinnigen Türck. Guarnison grossen Schrecken verursacht hat / massen anjetzo solcher Orth fast ohne Mühe könte eingenommen werden. Von der Türckischen Armee hat man dato keine Nachricht / obwohln bey Essegk einige Bassen ankommen / die aber aus Mangel Proviants wider zurück gekehret; bey solcher der Sachen Beschaffenheit dörffte keine grosse Macht gegen uns heraus kommen / welches durch die verbrannte Magazinen (Von 4000. neugewordenen Türck. Soldaten gehen 3000. durch.) zu Griechisch-Weissenburg verhindert wird. Die Furcht und Schrecken solle sich bey denen Türcken auch vermehren / und ist dermassen eingewachsen / daß von 4000. Mann / so in Albanien geworben worden / und nach Ungarn gehen sollen / mehr nicht dann 1000. daselbst angelangt / die übrige die Flucht genommen hätten. Den 26. passato seynd 600. Mann vom Bano Croatiae gegen das Türckische Schloß und Stadt Bushìn, so 2. Meilen von Petrinia und 5. von Bihach gelegen / marschiret / solche in 4 Stunden lang attaquiret; weiln aber der Orth auf einem steinigten Gebürg gelegen / und wohl verbauet ist / und die Croaten kein grob Geschütz bey sich gehabt haben / sind sie gezwungen worden / sich zurück zu ziehen; haben aber alle Häuser ausserhalb der (Eine Parthey Croatë bringet viel Viehe ein.) Stadt abgebrandt / 5. Türcken erlegt / und einige andere gefangen / nebst 3000. stück groß und 1000. stück klein Viehe mit sich zurück gebracht; Ingleichem haben sie ohne einigen Verlust 150. Wallachen / als Männer / Weiber und Kinder anhero geführet. In Novi ist ein solcher starcker Wind gewesen / daß deß Türck. Capitalns groß wohlgebautes Hauß von grund übern Hauffen geworffen worden ist. (Die Türcken demoli???en) Zwischen der Drab und Sau haben die Türcken alle fesie Plätze demolirt / die Besatzung und Artillerie aber nach Essegk überblacht / dabey alle [351] Christen / so zwischen beyden Flüssen wohnen / beordret worden / sich mit Haab und Gut in Bosnia zu salviren / deren dann etlich 1000. so sich versaumbt / nidergehauen worden / und thut der Feind alles / was unsern Leuthen zur (alle feste Plätz zwischen der Drad und Sau und retiriren sich nach Essegk.) Subsistentz und Unterhalt dienet / verderben. Eine von Carlstadt außgegangene Parthey Croaten / so unter Commando deß Obristen Baron von Orsick biß an das Türck. Schloß Czazin, welches 10. Meilen von gedachtem Carllstadt und 3. von Bihach ligt / gestreifft / ist den 6 dieses mit 80. gefangenen Personen / und einer grossen Anzahl groß und klein Viche alldorten glücklich zurück gelanget / und hat nur 3. Mann verlohren. (Zu Zagradia wird ein Landtag gehalten.) Den 6. und 7. dito ist der Landtag in der Haupt-Stadt Zagrabia gehalten / und darauff geschlossen worden / daß auff ersten Befehl deß Herrn Bani die Stände und der Adel zu Pferd sitzen / und an Orthen und Enden / wohin sie der Hr. Banus bescheidet / erscheinen sollen. (Türckische Geschichten.) Von Constantinopel kombt Bericht / daß Cara Ibrahim gewesener Groß-Vezier / nachdeme ihm alle seine Güter abgenommen waren / den 18. Martii auff eine Galere gesetzet / und nacher Rhodis geführt worden / umd alldorten / so lang er lebet / auff dem Schloß gefangen zu bleiben: der jetzige Groß-Vezier hat ihme einige Gelder und ein Zobel-Kleyd gesant / und der Groß-Sultan eine geringe Renthe zu seinem Unterhalt zugelegt. Der Frantzös. Ambassad. ist von Adrianopel / allwo er bey dem Groß-Sultan Audientz gehabt hat / dahier wieder zurück gekommen. Mit Schreiden (In dem Türckischen drennen viele Städt ab.) aus der Türck. Stadt Possega in Selavonien wird nochmahln der grosse Brand zu Griechisch-Weissenburg / allwo der Donner eingeschlagen / mit diesen umbständen confirmiret / daß daselbsten in allem 8678. Häuser / sambt vielen Menschen und Gütern verbrand seyn / und nur das Haupt-Magazin / so abseits ligt / nebst der Gassen / welche die Christen bewohnen / und ihre Kirchen übrig geblieben ist. Ingleichem wird confirmiret / daß die Türckische und reiche Stadt Maydan in Bosnia, item Zarayero, Banyaluka, und Novi alle biß auff wenig Gebäue eingeäschert / und abgebrand seynd.

Das dritte Capittel
[arrow up]

Haltet in sich / was im Römischen Reich hin und wieder passirt ist. (Röm. Reichs Geschichten.) AUs dem Bäyerischen Cräyß hat man von der Reichs-Stadt Regenspurg / daß Ihro Hochfürstl. Durchl. der Herr Hoch- und Teutsch [352] meister / wie auch Hr. Hertzog von Croy / ingleichem Hr. General Schomberg / wie nicht weniger der Schwedische General-Lieutenant Bielcke, so anjetzo in Chur-Bäyrischen Diensten ist / daselbsten durch nacher Ungarn abmarschirt seyn. Der Schwed-Bremische und Burgundische Gesandte seynd den 1. dieses von dem Craiß-Convent zu Nürnberg hier auch wieder (Der Cräpß-Tag zu Rürnberg schlägt zu allerseits contento ans.) angelanget / und vernimbt man / daß sich selbiger so wohl zu Hülffleistung Ihr. Käyserl. Majest. als sonst andern auffs beste geendiget / und gehen die Gesandschafften nun von dar / nach Augspurg zu dem daselbst angestellten Conferentz-Convent. Ihr Churfürstl. Durchl. in Bäyern haben an allhiesige Stadt ein gnädiges Excitatorium, ratione der abschickenden Auxiliar-Völcker / dergleichen auch an andere Stände dieses Cräyses beschehen / abgehen (Die Stadt Regenspurg schicket ihr Contingent wegen deß Bäyrischen Cräyses nacher Ungarn.) lassen / und den Orth der Samblung bey Gran benennet / dahero man den 8. die Musterung derselben / so in 120. Köpfen bestehen / vorgenommen / ihnen den bestellten Hauptmann prasentirt / und nach vorgelesenen Articuls-Brieff selbige zum Fähnlein gewöhnlicher massen schwören lassen / worauff sie nacher Ungarn abma schirt seynd. Den 17. ist deß Königs in Engelland natürlicher Sohn Printz de Jame anhero kommen / und wieder nach Ungarn fortgegangen. (Chur-Brandenburg. Geschichten.) Aus dem Ober-Sächsischem Cräyß wird von Berlin geschrieben / daß den 30. passato Nachts ein Brand in dem Lager in der so genanten Hasenheyde / entstanden / worin̅en bey 300. Hütten verbrand / und haben die arme Leute (es seyn Commandirte / so an hiesigem Vestungs-Bau arbeiten) nackend / und im Hembd davon springen müssen / und wenig retten können, woher eigentlich dieser Brand entstanden / hat man nit erfahren. (Ein junger Hertzog von Mecklenburg verlodet sich mit der Chur-Brandend. Princessin M???.) Den 5. Mittags haben Se. Churfürstl. Durchl. zu Potzdam die zwischen der Churfurstl. Princessin Mariä / und deß jungen Hertzogen von Mecklenburg beschehene Ehe-Versprechung durch ein Hochfürstl. Verlöbnuß / und Außwechslung ansehnlicher und kostbahren Präsenten in Gegenwart Chur- und Fürstlicher Personen / und vornehmen Ministern confirmirt / und seynd die Paucken / Trompeten / und allerhand Instrumental-Musicken gehört worden / Ihro Churfürstl. Durchl. haben sich nach dero hohen Alter sehr erfreuet und vergnügt bezeugt; gleich als diese Ceremonien vorgehen solten / kamen kurtz zuvor Se. Chur-Printzliche Durchl. und deß Herrn Marggraff Ludwigs Durchl. mit dero Frau Gemahlin Durchl anhero; der geheime Rath und Cammer-Präsident Herr von Viereck that die Anwerbung / und Se. Hochfürstl. Durchl. der Fürst von Anhalt antworteten (Ih. Charfl. Durchl. wird ein todte) im Namen Sr. Churfürstl. Durchl. Sonsten hat man vor etlich Tagen aus dem Ambt Sehrmund an Ihro Churfürstl. Durchl. eine todte Frucht von einem Elends-Thier anhero geschickt / so einen Leib / 8. Füsse / und [353] 2. Köpffe gehabt. Es ist Nachricht eingelauffen / daß die beyde Moscowitischr Czaaren auff Sr. Churfürstl. Durchl. Zuschreiben mit Pohln eine (Frucht von einem Elendthier mit 8. Füssen und 2. Köpffen zugeschickt.) ewige Verbindnüs zu machen / und wider die Türcken off- und defensivè zu gehen resolvirt, auch schon ordres an die ihrige dißfalls ertheilt hätten / sie anzugreiffen / welches der Pohlnische Gesandte in Moscau an Se. Churfürstl. Durchl. geschrieben. Das Schreiben / so Ihr. Churfürstl. Durchl. an die beyden Czaaren abgehen lassen / bestehet in folgenden Worten. (Copia eines Schreibens von Chur-Brandend. an die beede Czaaren in Moseau / wodurch seldige zur Alliantz mit Polen wider den allgemeinen Erdfeind Christlichen Ramens invitirt werden.) Durchleuchtigste / sc. Unter vielen lobwürdigen Thaten / welche Ew. Ew. Czaar. Czaar. Majest. Majest. Regirung berühmt / und glücklich machen / ist nicht die geringste / daß Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Majest. so grosse Vorsorge vor das Beste der Christenheit tragen / und solches so vielfältig spühren lassen; also scheinet es / daß der höchste GOtt in gegenwärtigem Krieg / welchen die Röm. Kayserl. Maj. Ih. Königl. Maj. in Polen / und die Republic Venedig wider den Erbfeind Christlichen Namens mit vereinigter Macht führen / diesen Unglaubigen seine Allmacht zu erkennen geben / und die Schmach und Verheerungen / welche sie eine Zeit hero durch seine Göttliche Zulassung denen Christen angethan / mächtiglich rächen wolle / wie dann die Christen in etlich 100. Jahren niemalen so viele Glück und Sieg wider diesen grausamen Feind erhalten / als in kurtz verwichener Zeit. Weilen nun bekandt / daß dieser Erbfeind Christlichen Namens auch zum öfftern vormalen Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Maj. herrliche Reich und Lande infestiret, und denselben allerhand Schaden und Ungelegenheit zugefügt / auch zu besorgen / wann ihm hinkünfftige Zeit zu respiriren, und die geschwächte Kräfften zu recolligiren gegönnet / er noch ferner / so wohl dem einen als dem andern viele Unruhe und Schaden verursachen werde / so zweifeln wir keines wegs / Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Maj. werden diese von GOtt gezeigte herrliche occasion nicht aus Handen lassen / umb sich zu einemmal der Gefahr / so man von einem so mächtigen und grausamen Feind zu fürchten / zu entschütten / und ihre Reiche und Lande wider denselben in eine beharrliche Sicherheit zu setzen. Es kan solches vermittels Göttlicher Hülffe gar leicht und unsehlbar geschehen / wann es Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Maj. gefallen möchte / mit Ihro Königl. Majest. und der Republic von Polen einen / ewigen Frieden auff billigmässige conditiones zu schliessen und zu bevestigen / und darauff einen Tractat / umb den Erbfeind mit gesambter Hand anzugreiffen / zu treffen; weßhalben wir dann nit unterlassen kön̅en / dieses hochwichtige Werck E. E. Czaar. Czaar. Maj. Maj. aus getreuer Wolmeynung / und sowol zu dero eigenë Estaats Sicherheit und Auffnehmen / als zu der gantzen Christenheit Besten auffs höchste zu recommendiren; Insonderheit da wir vernehmen / daß höchst-besagte Ih. Königl. [354] Majest. zu solchem Ende eine ansehnliche Gesandschafft an Ew. Ew. Czaar. Czaar. Majest. Majest abzuschicken / im Werck begriffen seyn / Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Maj. werden sich dardurch die gantze Christenheit zum höchsten verbinden / ihren Thron und Reiche wider einen so redoutablen Feind befestigen / und in Sicherheit setzen / und sich dardurch bey der Nachwelt einen unsterblichen Namen machen. Wir unser Seits werden darzu treulich helffen / gestalt wir dann entschlossen seyn / eine ansehenliche Armee aus unsern besten Trouppen wider den Erbfeind nach Ungarn zu schicken / und solcher Gestalt das Beste der Christenheit nicht allein mit gutem Rath / sondern auch mit der That zu befördern. Wir wünschen schließlich / daß der allmächtige GOtt Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Maj. bey langem Leben und gesegneter glücklichen Regierung erhalten wolle. Geben Potzdam sc. Den 10. haben Se. Churfürstl. Durchl. an deß alten Hertzogen von Mecklenburg Durchl. den Hrn. Obristen von Perband geschicket / und deroselben wegen der mit dero Hn. Sohns Durchl. und der Churfürstl. Princessin Maria Durchl. geschlossenen Heyrath zu complimentiren. Den 16. ist (Die Hoff-Zeugschmitte zu Berlin gerathet in Brand.) der Gen. Dörffling hier angelangt. Den 20. Abends zwischen 4. und 5. Uhr geriethe die Hoff-Zeug-Schmiede allhier in Brand / welches Feuer dann so geschwind überhand nahm / daß auch die Hoff-Stellmacherey nebst einem andern Hauß biß auff den Grund abgebrand seynd: das Zeughauß / worinn bey 100. schöne metallene Stücke stehen / welche Se. Churfl. Durchl. von dero Feinden nach und nach erobert / stund in sehr grosser Gefahr / wurde aber durch starcke Gegenwehr und fleissiges Wassergiessen noch erhalten. Von dem Oder-Strohm verlautet / daß man in selbigem zu Breßlau beym (Im Obder-Strohm wird ein ungeheurer grosser Fisch bey 8. Ellen lang wargenommen.) Sandthor bey der Brücken einen ungeheuern grossen Fisch wahrgenommen / er soll ohngefähr über 8. Elln lang seyn / man kan sich seiner noch nit bemächtigen / es gehet täglich viel Volcks hinaus auff die Sandbrücke / umb ihn zu sehen / er wirfft zuweiln einen grossen Wasser-Schaum von sich / sonsten kan man nichts sehen / wo er im Wasser gehet. Die Brieff von Stettin bringen / daß allda mit einigen Fahrzeug 1500. Schwedische Völcker angelangt; (Zu Stettin langen 1500. Schwedische Völcker an.) Hingegen seyen an deren Plaß so viel Teutsche Völcker / nach dem bey Löhtz unweit Demmin angestellten Rendevous / wohin die Stifft Bremischen und andere aus denen übrigen Vestungen gezogenen Trouppen auch schon in dem Anmarsch begrieffen / und den 18. hujus beysammen seyn sollen; diese angelangte Völcker seynd alle wohl mundirt / und ist eine außerlesene Mannschafft / auch vernimbt man von ihnen / daß sie mehr Lust nach Ungarn zu gehen / als hier zu bleiben haben. Sonsten haben wir dieses Orths schon bey 14. Tagen her eine gar truckene und warme Zeit gehabt / daß zu besorgen / [355] es werde denen lieben Feld-Früchten höchst-schädlich seyn / dafern es lang continuiren solte. So klaget auch der Landmann über viel Feldmäuse / welche (Grosse Klagen wegen der Feldmäuß.) in grosser Menge sich einfinden / und grossen Schaden verursachen / dergleichen Klagen kommen auch nun von nahe und ferne gelegenen Orten ein. Jhr. Churfürstl. Durchl. Reyse nacher Cleve wild sehr beschleunigt / indem alle Fuhrleuthe / sie mögen kommen / von wannen sie wollen / auffgehalten (Zu der Chur-Brandend. Reiß werden alle Anstalten Gemacht.) werden / und müssen biß an Magdeburg vorspannen. Den 30. gieng Jhr. Churfürstl. Durchl. von Potzdam ab / und blieben die erste Nacht zu Ziegeser; sonsten aber werden sie nur wegen grosser Hitze deß Nachts reysen. Der Marggraff wird nach Cassel gehen / und wie man sagt / der Chur-Printz auf Zerbst / alle geheime Räthe bey 600. Pferden / und sonst viel Vornehme gehen mit nach Cleve / von den Trabanten aber nur 50. und 6. Trompeter / wie gern Jh. Chur-Printzl. Durchl. auch mit gewolt / so hat dero Durchleuchtigster Herr Vatter doch solches nicht zugeben wollen. Man hat von solcher Reyse viele Praesumtiones, und vermeinen Estaats-Erfahrne / daß solche weite / und von einem alten Herrn beschwärliche Reyse eine Politische Reyse sey / umb im Fall etwas wichtiges in der Nachbarschafft vorgehen solte / nicht weit entfernet zu seyn. (Schwäbische Crayß-Geschichten.) Aus dem Schwäbischen Cräyß hat man von der Reichs-Stadt Augspurg vom 21. dieses folgendes: Vor etwan 5. Wochen geschahe allhier ein erschrecklicher Casus, indem der Obrist Wachtmeister von Oeckel / so von (Zu Augspurg erschiest ein Cammerdiener seinen Herrn einen Obrist-Wachtmeister in dessen Chaise tod.) München gebürtig und allhier vor die Republic Venedig geworben / neben dero Frau Gemahlin in seiner eigenen Chaise mit einem Pferd von seinem hinter ihm herreitenden Cammerdiener mit einer Pistohl mit 2. Kugeln geladen jämmertich erschossen worden / daß er eine halbe Stund barauff verschieden; Er war ein Herr von 27. Jahren / so wegen seiner Jugend und schönen qualificirten Persohn wohl zu betrauren; der Thäter / nachdem er zwar abgestiegen / und zur Chaise gelauffen / hat seinen in letzten Zügen ligenden Herrn geküst / und gesprochen / ach! ist mein Herr geschossen / worauff die vor Schrecken halb todte Frau Gemahlin gesagt / ach ihr Bößwicht / was habt ihr gethan! worauff der Kerl gleich fort / und weiln die andern Diener umb Barbirer und Hülff geruffen / ist er entkommen / daß niemand weiß / (Ein falscher Müntzer eingezogen.) wo er geblieben. Auch sitzet allhier ein Müller gefangen / so eine Stund von hier gewohnt / und sich auff falsche Müntz geleget / Bayerische Ducaten / und Goldgülden / wie auch Augspurgische Gülden und 5. Groschenstück gemüntzet / und hat solches zim̅lich lang getrieben / wird aber gewiß bald seinen verdienten Lohn bekommen. In München ist auch ein Lieuten. sambt seiner Frauen verbrannt worden / weilen sie viel Christenkinder mitgenommen / sol [356] che vor Türcken und Sclaven ausgegeben / an Juden und ander Landstreichendes Gesindel verkaufft / und andere lose Händel mehr getrieben. Diesen (Der Teufel dienet einer Her vor eine Hedamme / und bekombt ihr Kind zu Lohn.) Tag ist auch allhier ein Bayerisches Bauren-mensch verbrennt worden / so ein Hexe gewesen / und ihr Kind umdgebracht / nachgehends solches dem Teufel vor seinen Lohn gegeben / weilen er ihr vor eine Hebamme gedienet gehabt. Den 21. ist der Schweden-Bremische Herr Abg???sandte allhier ankommen / und seynd damalen auch beede Käyserl. Herren Abgesandten jeder besonders complimentiret und mit Habern beschencket worden. Und weilen (Zu der vorseyenden Confereutz in Augspurg langen verschiedene Gesandten an.) nun fast aller Herren Abgesandten / welche man Käyserl. Seits verlanget / allhier angelangt seynd / ausser daß der Chur-Sächsische Herr Hof-Marschall von Hauwitz und die Hn. Hn. Schwäbische annoch erwartet werden / auch bereits den 20. und 21. mit den Hn. Hn. Fränckischen Deputirten wegen einer gewissen Alliantz Conferentz gehalten worden / als hofft man ehistens einen guten Schluß. (Ober-Rheinische Craiß-Geschichten.) Von dem Ober-Rheinischen Craiß hat man aus Straßburg vom 28. Junii / daß der Proesident Canon zu Offenburg jenseit Rheins / 3. Meil von dieser Stadt arrivirt / und soll / so bald er vom Frantzösischen Hof Paßporten empfangen hat / anhero kommen / umb ferner nach Pariß zu gehen / und zu sehen / wie weit er das projectirte Accommodement zwischen der Cron Franckeich und dem Hertzog von Lothringen seinem Herrn Principaln bringen (Vnweit Straßburg wird ein Schlang eines Manus dick und 3. Mannslang tod geschossen.) kan; indessen sagt man / daß Jhro Majest. mehrentheils dahin incliniren sollen / umb dem Hertzog ein aequivalent zu geben / dafern derselbe alle seine praetensionen auff besagtes Hertzogthum renunciiren würde. Reisende von besagtem Straßburg melden / daß sich allda den 20. ein halbe Viertelstund von der Stadt eine grosse Schlange / eines jungen Manns dicke und 3. Manns lang / gefunden / und tod geschossen worden; wie auch daß ein Soldat vom Teufel mit grossem Geschrey geholet worden seye. (Wefiphälischen Craises Geschichiten.) Bey dem Westphälischen Craiß vernimbt man aus Cleve vom 15. Junii folgendes: In dem Luxenburgischen und der Grafschafft Chimay ist auffs neue verbotten worden / kein Graß zu mähen / woraus zu vermuthen / daß dannoch eine Versamblung von vielen Trouppen vor der Hand seyn müste. Die Fortificationes zu Wesel seynd nun mehrentheils zur perfection (Im Clevischen fliegende Armee auffgerichtet.) gebracht / ausser daß noch eines und das ander verändert werden soll. Es wird in diesem Land eine fliegende Armee auffgerichtet / auff alles zu vigiliren, und werden Jhre Churfürstl. Durchl. gegen medio Julii allhier erwartet. (Cölnische Geschichten.) Cölnische Brieff bringen / daß weilen das gemeine Volck allda auff den Zünfften einige Jahr hero viele motus und Händel mit ihrem votiren, [357] und so die Majora gemacht / auch sich theils bey Erwählung der Rathsherren mit Gelo haben currumpiren, andere täglich in Wein tractiren lassen / (Die Herren Subdelegirten samdt dasigem Stadt-Magistrat fahren fort in dieser Stadt alles wieder in alten und ruhigen Stand zu setzen.) umb mit ihren votis also selbigen tractirenden Herren beyzufallen / als hat der Magistrat allhie nicht allein / sondern auch die Herren Subdelegirten vor gut befunden / daß ins künfftig nur die jenige / so die grosse Burgerschafft haben / auff den Zünfften Vota activa und passiva haben sollen. Die jenige / so mit dem Plündern die kleine Bürgerschafft / wie der hingerichte Güllich ihnen dazumal placidirt, erhalten haben / werden sich auch nun anderst qualificiren müssen / die jenige / so sich übel bewust / und deßhalben sich von hier weg begeben / werden erster Tagen durch offentlichen Trommelschlag citirt werden / gegen die dann nicht erscheinende wird nach Form deß Rechtens verfahren werden. Alle die jenige / so von den abgesetzten Rathsherren und Commissa???s bestrafft worden / auch deren Häuser geplündert / und noch nit alles restituirt worden / sollen aus Käyserl. ergangenem Decreto allen erli???tenen Schaden specificiren, welchen die ernennte Abgesetzte / so das Plündern und sonsten die geschehene Executiones placidirt und exequirt, wohl werden 3. Sonnen und (3. Regenbogen werden am Himmel gesehen.) gut machen müssen / so doch noch unbekant ist. Am 10. dieses Morgens zwischen 4. 5. und 6. Uhren hat man dahier 3. Sonnen und 3. Regenbögen am Himmel gesehen / deren Bedeutung ist GOtt bekandt. Man hat aus O???dre der Herren Subdelegirten nun einige Tage hero wieder etliche allhier in Hafftung nehmen lassen / deren einige / als der Herr Jacob Mitz zuviel geschwätzt / andere beym Plündern gewesen; von denen 22. Ausgewichenen und aus Käyserl. Ordre wieder hieher citirie thun sich bereits einige einstellen; den andern lang Gesessenen solle auch der Rede nach bald abgeholffen (Aus Gnäd. Befelch Ih. Käys. Maj. werden zu Cöln bey den Pasamentierern die Mühlftühl abgeschafft / und die dar-auff fabricir te Wahren vor confiscabel erkandt.) werden / deren doch keine mehr am Leben sollen gestrafft werden. Den 20. hat ein Ehrsamer Hochweiser Rath dieser Stadt ein von Jhro Römisch. Käyserl. Maj. allergnädigst ausgelassenes Mandat offentlich publiciren und affigiren lassen / daß alle bey den Pasamentierern höchst-schädlich eingeschlichene Mühlstühle / oder so genante compendiose Stühle respectivè abgeschafft / auch deren darauff fabricirte Wahren gleich zu Franckfurt / Nürnberg / Augspurg / Hanau / und andern Reichs- und Handels-Städten schon vor einigen Monaten publicirt worden / confiscabel erkant / wie weniger nit deren Einführ- und Verkauffung hinfüro ernstlich verbotten seyn und bleiben sollen. Der Herr Bischoff von Straßburg ist nach Kayserswerth und Rheinbergen verreist / umb dorten die Vestungs-Gebäu zu besichtigen. Man hat eigentlich vermeynt / es werde allhier mit einigen an Geld unvermögenden in Arrest sitzenden Bürgern die execution durch den Güllichis. Scharpffrichter (so doch allemal 50. Rhir. praetendirt, welche er dann auch jüngst er [358] halten) vorgangen seyn / weil aber der Chur-Trier. Herr von Anathan unpäßlich / und Pfaltz-Neuburgischer Seits auch einige Herren absent gewesen / als ist selbige noch auff 8. Tage lang differirt worden / indessen seynd doch einige nach geleisteter gnugsamer caution loß gelassen worden. Die 3. Namens Jhr. Churfürstl. Durchl. zu Pfaltz ins Clevische unlängst abgereiste Herren Deputierte wegen Beylegung einiger Strittigkeiten zwischen den Catholischen und Reformirten befinden sich annoch allda / ohne daß man annoch wisse / wie alles werde beygeleget werden. (Nieder-Sächsische Geschichten.) Bey dem Nieder-Sächfischen Craiß hat man aus dem Holsteinischen vom 16. Junii folgendes: Zu Husum ist vor 5. Wochen eine Frau sambt ihren 2. Töchtern (davon die eine ihr kleines Kind gottloser Weise in einem heissen Ofen verbrannt) flüchtig geworden / und seynd nach Flenßburg / von (Eine Frau mit 2. Töchtern gehet flüchtig umb gewisser Vnthaten wegen / werden aber erhaschet.) dannen aber zu Schiffe auff Fehmern gereiset / woselbst sie sich eine Zeitlang incognito auffgehalten / weilen sie aber das Gewissen geplaget / und ingleichem vernommen / daß man geschehener action halber 3. Weibsbildern nachsetzete / sind sie der Gefahr zu entgehen übern Fehmarischen Sund passirt / und haben sich in der Stadt Oldenburg etliche Tage auffgehalten / woselbst dann die Mutter geblieben / die 2. Töchter aber auff Lübeck reisen wollen / als sind diese beede den 14. biß ein halbe Meil von Lübeck zu Schwartzau auff Bischöfflichem Eytinischen Grund und Boden von den Nachsetzern verfolgt worden / daselbst sie beede ins Wasser gesprungen / seynd aber ertappet / die eine hatte den Leib bereits halb voll Wasser gehabt / die andere aber wäre auff dem Wasser wie eine Ente geschwommen / sitzen an oberwehntem Ort gefangen / biß auff weitere Ordre / und dörfften schlechten Lohn empfangen / die jenigen aus Husum / so sie verfolget / haben der Arssage nach bereits über 100. Rhlr. Unkosten angewandt / und haben Ordre gehabt / nicht eher wieder zukommen / biß die Personen verarrestiret / als seynd sie jetzt froh / und haben den Armen 5. Rhlr. verehret / daß sie der grossen Last und Mühe befreyet. (Wahrer bericht wegen transport ???ger Schwedischen Völcker.) Aus dem Mecklenburgischen ist nachstehendes vom 5. dito eingekommen: Das Spargiment / so eine Zeitlang von dem Schwedischen transport gewesen / bestehet nicht in so viel 1000. Mann / als geredet werden wollen / sondern es seynd vor etlichen Tagen mit 5. Fregatten nur 1600. Schwedische Völcker / so zu Carlscron embarquirt worden / wie auch eine zim̅liche Quantität Pulver / Bley / Lunten / und andere Kriegs-Ammuntion, unter denen Obristen Weinholtz und Jordan zu Wißmar arrivirt / und wie man sagt / sollen solche nach dem Stifft Brehmen / umb dortige nach Ungarn commandirte Trouppen abzulösen / marschiren; es werden aber noch bey [359] 400. Mann aus Schonen stündlich erwartet / weil Ihro Käyserl. Majest. umb den Schwedischen Succurs durch dero in Stockholm residirenden Envoyé kráfftig anhalten lassen. Von Zell wird gemeldet / daß Ihro Hochfürstl. Durchl. sich nach Weinhauß erhoben / umd daselbst die Brunnen-Chur zu gebrauchen. Man sagt / daß über vorige Cavallerie noch einige reducirt werden solle. Im Hannoverischen hat man ein Judenhauß / welches über Gewonheit einige Tage versperret gewesen / eröffnet da man dann befunden / daß dessen Frau nebst 2. kleinen Kindern im Bette die Gurgel abgeschniten gewesen / man hat diese That dem Juden selbst beygemessen / weil er sich nirgends finden lassen; als man ihn aber nach einigen Tagen in einem Holtz tod gefunden / da ihm der Kopff mit einer Axt eingeschlagen / und über das etliche tödliche Wunden gehabt / siehet man also wohl / daß solches von andern Mördern geschehen / die man biß dato noch nit ausforschen können. (Hamburg. Geschichten.) Brieff aus Hamburg welden / daß die Sachen zwischen selbiger Stadt und Ihro Durchl. dem Hertzog von Zell anjetzo in gutem Stand zu seyn scheinen / wie dann alle unsere Gefangene (nachdem wir vorhero den bißher (Die Lün???gische differentien mit dieser Stadt ftehen auff gutem Fuß nmb verglichen zu werden.) allhier in Arrest gehaltenen Lüneburgischen Capitain relaxirt) ohne Rantzion auch wieder loß gelassen / welche dann / wie jüngst gemeldet / hier angekommen / sie waren bey 160. Mann starck / und marschirten als disarmitte Gefangene Glieder-weise die Börse vorbey / so will man auch sagen / daß die Güter wieder frey kommen. Es ist gewiß / daß der am Zellischen Hofe negotiirender Käyserl. Abgesandter hierzu nicht wenig contribuiret hat / und ist er annoch fleissig im Werck begriffen / solche Sache vollends zu vergleichen / biß dahin aber dörfften die Lüneburgischen das Mohrburg mit seinen Dependentien wohl behalten. Man köpfft / rädert und henckt allhie wie man will / so geschehen doch immer mehr Unglücksfälle und Mordthaten / wie dann dieser Tagen ein Engelsmann von einem vornehmen Bürger biß auff den Tod verwundet wurde. So hat auch eine auffm Hamburger Berge wohnende Schneiders Frau / welche mit ihrem Mann einigen Streit gehabt / aus grossem Zorn und Rachgier / wiewol eines andern Kind / zu Altona die Kehle abermal abgeschnitten / welche dann auch so fort in Altona ergriffen / weilen dorten das delictum geschehen / wiewol sie unter hiesige Jurisdiction (Der König in Dennemorck lässet Tönning und Fried???richstadt fortificiren. ???) gehöret / daselbst eingezogen worden. Aus Dennemarck continuirt, daß Th. Kön. Maj. ultimo Junii in Holstein seyn wollen / und haben Se Maj. nicht allein resolvirt / Tönningen und Friederichsstadt wieder fortificiren zu lassen / sondern auch schon würcklich den Anfang damit gemacht. Die Königl. Schwedische Völcker seynd ben 10. im Stifft auffge [360] brochen / und haben ihren Weggleich nach Pommern fortgesetzt / woselbst sie sich mit denen andern conjungiren / und dann ihren Marsch nach (Im Kupffer-Bergwerck in Schweden fällt ein Schacht ein wobey über 500. Personen umbkommen.) Ungarn nehnem werden. Stockholmische Brieffe melden von einem grossen Unglück / so bey dem Kupffer-Bergwerck geschehen / indem ein Schacht eingefallen / womit über 100. Personen umbkommen / und lebendig begraben worden / so wäre auch der Schaden an sich selbst von nicht geringer Importanz. Der Moseowittische Abgesandte hätte seine Abfertignng bekommen. Der Königl. Dähnische Envoyé Mons. Stockfleeth wolte sich auch wieder von dannen nach Hause begeben; ingleichem auch der Herr Rumpff / welcher schon viel Jahr Holländischer Resident zu Stockholm gewesen / resolviret wieder nacher Holland zu kehren / diese beede Herren dörfften aber vor Th. Kön. Maj. Wiederkuntfft von Werm- und Ingermanland dero Reise nicht antretten. Ih. Königl. Maj. von Engelland haben von Hrn. Sylm Rathsverwandten allhier / aus dessen Stutterey ein Spann weißgelber Pferde für 2000. Rhlr. kauffen lassen / welche sehr rar / und ehistens transportirt werden sollen. Man hat unterschiedliche Brieffe von Stockholm (Wegen deß grossen Brandes / so zu Stockbolm in Schweden vorgangen / lauffen verschiedene Zeitungen ein.) vom 9. dieses / welche zwar einhellig von einer grossen und erschröcklichen Feuersbrunst / welche am 8. hujus auff dem Norder Mallm gegen Mittag umb 10. Uhr entstanden / so biß den andern Tag bey 24. Stunden lang gewähret / auch noch im Brand gestanden / wie die Brieffe abgegangen / sie variiren aber sehr an der Zahl / und wovon sieses Unglück eigentlich seinen Anfang genommen / einer schreibt / es seye von einer Brandweinbrennerey / ein anderer von einem Brauer / und noch ein anderer in einem verschlossenen Hause / worinnen keine Leute gewesen / hergekommen; die Zahl der eingeäscherten Häuser wird auff etlich 100. ja gar 2. à 3000. dergrössert / so daß noch nicht recht eigentlich zu wissen / wieviel die Summa derselben seye. Es seynd zwar an selbigem Ort viel höltzerne Gebäue / dennoch seynd auch der Gegend schöne und considerable Häuser / wovon man mit künfftiger Post gewisse und ausführliche Nachricht erwartet. Immittels vernimbt man / daß in denen abgebrandten Häusern viel von der Guarde / und fast die gartze Montirung derselben mit consumiret, worüber solche dem Campement zu Königsöhr nicht beywohnen werden; der Rede nach sollen einige Personen / welche man wegen dieses Brandes in Verdacht hält / apprehendiret seyn / Gelt ersetze einem jeden seinen erlittenen Schaden reichlich wieder / und bewahre die gantze Christenheit für dergleichen bösen Begebenheiten. Man hat nun Brieffe / daß Ihr Hochfürstl. Durchl. von Holstein Gottorff incognito zu Antwerpen angelangt / woselbst Ihro Durchl. dero ältesten Printzen (so am Brüsselischen Hofe) erwarten / sich mit selbigem zu abouchiren. Daß de [361] roselben von Th. Königl. Maj. zu Dennemarck die beyden Aembter Tremsbüttel und Steinherst abgenommen worden / solches erstreckt sich nicht wegen ihrer praetension, sondern dero Herrn Bruder Printz Georg / welcher / wie man sagt / Ihro Durchl. eine grosse Summa Gelds verschossen / auff welches Capital von Anfang biß dato kein Ioteresse bezahlet worden. Weilen (Denen Juden werden in Hawburg auf der Börse Oegen und Stöck zu tragen verbotten.) nit allein allhier in Hamburg sowohl von Frembden als gar denen Juden Degen und Stöcke an der Börse getragen worden / wordurch allerhand Unordnung mit eingeschliche / so hat ein Hochw. Rath vermittels affigirten Mandats / allen Juden / sowol Portugesen als Hochteutschen / welche auf der Börse negotiiren, und Kauffmannschafft treiben / bey Arrestirung ihrer Personen und anderer hoher Straffe verbotten / keine Degen noch Stöck zu tragen / sondern sollen sich in Bürgerlichem Habit auff der Börse finden lassen. Der Käyserl. Ambassad. Herr Graf Herward hat sein Creditiv dem Magistrat insinuiten lassen / und wird er in selbigem als Commissarius declarirt, wie nun die Sache weiter angefangen wird / muß man erwarten. Die Tractaten zwischen Polen und Moscau wider den Erbfeind den Türcken sind nunmehro Gott Lob zum gewünschten Schluß kommen / und hat das gemeine Interesse viel gutes davon zu hoffen. (Lübecker Brieff.) Schreiben aus Lübeck geben / daß Jh. Durchl. der Hertzog von Holstein-Gottorff incognito von dar über Dreßden nacher Wien reisen / dero gantze Equipage wurde wieder von dar weggeführt. Die Hn. Hn. Räthe / so nicht mit Jh. Durchl. weggereiset / seynd wieder nacher Hamburg gegangen. (Der zu Lübeck wegen Enileibung eitzes Kanffgesellen gefangen gesessener Lieutenant wird zum Tod condemnirt.) Passagiers von besagtem Lübeck bringen / daß deß über Jahr und Tag selbiger Frohnerey gesessenen Lieutenants nach den Universitäten wegen deß im Mertz 1685. erschossenen Kauffgesellen hinversandter Process endlich ein solch Ende gewonnen / daß er soll decollirt werden / welches Urtheil von E. E. Hochw. Rath confirmirt worden / und ist den 16. vor Mittag umb ungefehr halb 10. Uhr demselben die praeparation zum Todt durch den Herrn Actuarium ordentlichem Gebrauch nach angekündiget worden / worauff dann jezt die Herren Geistlichen fleissig zu ihm gehen / und soll die execution mit ehistem geschehen; wie ihm der Todt ist angekündiget worden / hat er sich bedanckt / und gesagt / wann ers dann verdient hätte / wolte er gerne sterben / und sich also bereit machen / in kurtzem Gottes Angesicht zu schauen.
|| [362]
THEATRUM ŃOVUM

Das vierdte Capittel
[arrow up]

Meldet von Königl. Frantzösisch-Spannisch- und Portugesischen Begebenheiten. (Königl. Frantzösische Seschichten.) Von der Königl. Frantzösischen Hauptstadt Pariß hat man / daß die Wachten auff denen Gräntzen seynd verdoppelt worden / umb das Flüchten der Protestanten zu verwehren. Aus Portugall hat man (Der Marschall von Schomberg langt zu Lissabonna in Portugal an.) vom 13. passato / daß der Marschall von Schomberg mit seiner gantzen Familie zu Lissabona angelangt ist / und sein Logament eine Meile von besagter Stadt genommen hat. Daß der Vice-Admiral d’ Estrees den 5. dito im Gesicht deß Hafens von Lissabona mit einer Escadre von 8. Frantzösischen Kriegs-Schiffen / und 2. Braudern vorbey gesegelt / und eines von gedachten Schiffen in den Hafen eingelauffen ist / und dem Frantzösichen Ambassadeur daselbst ein Paquet Brieffe überbracht hat. Von Cadix hat man vom 17. May / daß die Frantzösische Galleren bey dem Hafen von Barcelonne, und 29. unserer Schriffe noch vor dem Hafen zu Cadix ligen / weßhalben dorten noch alles in Allarm seye / wiewol sie nichts tentiren, fondern nur einige Erfrischungen und süß Wasser haben und kauffen wolten. Der Genuesische Envoyé, so in Spanien gewesen / und vor einigen Tagen allhier angekommen ist / hat von Sr. Aller. Christl. Maj. Abschied genommen / und ist darnach in aller Eyl nach Marseille vetreist / umb sich auff die Gallere / womit der Marquis de Rovere bestimbter Genuesischer Envoyé an hiesigem Hof überkombt / und welche Ordre hat / auff ihn zu warten / (In Franckreich wird ein Mittel erfunden güldene und silberne Zeug auff die Art wie in Indien zu machen.) einzuschiffen. Mons. de Beau Lieu, deß Herrn Indret Sohn / hat / wie man sagt / ein Mittel erfunden / güldene und silberne Zeuge auff die Art / aber viel schöner / als in Indien / güldene und silberne Zeuge auff die Art / aber viel schöner / als in Indien / zu machen; er hat davon einige zum König gebracht / und Freyheit darüber gesuchet / und ist der einige / welcher daran kan lassen arbeiten / und das Gold und Silber / daß er darzu gebrauchet / vermindert nichts vom Werth. Der Holländische Ambassadeur Hr. vor Hemskirchen / welcher zu Madrit in Spannien gewesen / ist / nachdem er 7. Wochen unter Wegens gewesen / nebst seiner Gemahlin und Gefolgden (Die Cathol. Cantons in der Schweitz) 1. dieses allhier angelangt. Aus der Schweitz schreibt man / daß die Catholische Cantons sich zu Lutern versamblet haben / 1. umb einige Strittigkeiten / welche zwischen der Stadt Costantz und denen Einwohnern am [363] Bodensee obhanden seynd / zu vergleichen. 2. Umb einen alten Zanck / so zwischen der Stadt Bagers und denen Bundenern obschwebet / zu vertragen. (haten eine Tagsatzung zn Lucern.) 3. Umb einen Gesandten nacher Mayland zu schicken / selbigen neuen Gouverneur zu complimentiren. 4. Einige kleine Strittigkeiten zwischen denen Einwohnern zu Glaris zu befriedigen / und 5. umb zu deliberiren wegen deß Succurces / welchen man im Fall der Roth der Stadt Genff zuschicken und geben wolte: man hat auch dorten resolvirt, sich deß freyen Rheinpasses zu versichern. Und was den letzten Punct den Succurs wegen Genff betrifft / haben die Catholische Cantons eben einen solchen Schluß gemacht / gleich wie die protestirende Cantons in ihrer Versamblung zu Baaden gethan haben. Von Madritt hat man / daß die 500000. Rhlrumb an hiesige Cron wegen der Indulte zu erlegen / schon parat seynd / ehistens (Ein Algierischer Räuber strandet auff der Cüsten von Nieder-Bretagne.) ausgezahlt zu werden. Es ist wieder ein Algierischer Räuber / so ein Holländischer Renegat / com̅andirt / mit 20. Stücken Geschützes / 4. Stein-Stücken / 130. Mann versehen / und darauff noch 20. Sclaven / auff der Cüsten von Nieder-Bretagne gestrandet. Die Frau Hertzogin von Portsmuth / welche sich in 3. Monat lang in Bretagne auffgehalten / ist von dannen den 20. per posta allhier angelangt. Den 24. als am Fest deß H. Joannis deß Tauffers ist das Te Deum laudamus und ein Salve Regina in Musie in der Theatiner Kirch gesungen worden / allwo der Päbstliche Nuntius das hohe Ambt gehalten / zur Dancksagung der vollkommenen Gesundheit deß Königs. Von Genua hat man / daß daselbsten der Herr Vincenzo Gropallo, einer von denen zweyen im Pallast residirenden Senatorn 70. Jahr alt gestorben / wie ingleichem auch der älteste Sohn deß Herrn Fiesco von 14. Jahnren mit Tod abgangen. Es hat ein sichere Dame von Qualität Ordre empfangen / sich von Hof zu reteriren. So hat man auch einen gewissen Banquier in das Fort l’ Eveque gebracht / weil derselbe eine considerable Summa Gelds an die Protestanten / so sich von hier reterirt / übermacht hat / und 2. Mägdlein von der Reformirten Religion in seinem (Fürst Adolph leistet dem König das Homagium wegen deß Hertzogthums Zwetzbrücken.) Hauß verborgen gehalten. Der Fürst Adolff hat das Homagium betreffend das Hertzogthum Zweybrücken / von welchem der König in Schweden ihme die Investitur geweigert / bey Ihro Königl. Mojest. abgelegt / und sagt man / daß besagter Fürst mit seiner gantzen Familia sich in diesem Reich niederzulassen bemühet seye. Mons. de Louvis ist den 20. von hier abgereist / umb die Werck an der Eure zu besichtigen. Madame de la Haye, Gemahlin unsers Ambassadeurs zu Venedig ist allhier wieder angelangt. Weilen man nun mit einem Expressen aus Spannien Zeitung bekommen hat / daß die differenzien wegen der Indulte vollkommen verglichen seynd / so sagt [364] man / daß Se. Majest. Ordres an dero Intendanten zu Rissel und Maubege gesandt hat / umb die Arresten auff die Güther der Spannischen Unterthanen in denen Niederlanden abzuthun / und wieder frey zu machen. Von Rochelle verlautet / daß auff St. Martins Cüsten ein Türckischer Rauber mit 44. Stücken sey gewesen / auff dem Schiff habend 500. Man̅ / und 200. Selaven / die er erst kürtzlich gefangen bekommen hat. Den 24. (Ih. Königl. Maj. verfügen sich nach Versailles.) seynd Se. Königl. Majest. nebst Mons. dero Herrn Bruder / mit dero gantzen Hof nach Versailles gegangen / unter Wegs aber seynd Se. Maj. und Mons. denen 30. à 40. Gardes gefolget / gantz allein nach St. Cloud gekehret / allwo sie mit einer herrlichen Collation von der Marggräfin von Concierge tractiret worden seynd. Dieses Jahr sollen schon biß 250. Personen in der Saone ersoffen seyn. Der Holländische Ambassadeur Herr von Stahrenberg hat bey dem König Audientz gehabt. Madame de Montespan (Der Chevallier de Chaumont kombt von seiner Reiß aus Siam wieder zuruck.) ist kranck. Der Chevallier de Chaumont ist von seiner Reise von Stam / allwo er nur 13. Monat gewesen / allhier wieder zurück angelangt; er hat die Ambassadeurs / welche der König von Siam in Franckreich sendet / zu Brest gelassen. Von Rom wird geschrieben / daß der Pabst annoch resolvirt seye / die Promotion der Cardinäle vorzunehmen / bey welcher occasion dann der Printz Renaldo d’Esté unfehlbar den Cardinalshut bekommen / und der Jesuit / Beichtvatter deß Königs in Engelland / zum Bischoff wird gemacht werden. Sonsten hat man dieser Tagen allhier observiret, daß die Hitze dieses Jahrs bereits in den 88. Grad gewesen / da sie das vorige Jahr nicht über den 82. gelauffen ist. Brieff von Marsilien (Zu Marstlien langt ein Schiff von Tunis mit verschiedenen Sclaven an.) bringen / daß den 16. allda eine Barque von Tunis angelangt / mit welcher 7. Sclaven gekommen / als Heinrich Peterssen von Horn / so 13. Jahr ein Sclave gewesen / Johann Dircks von Amsterdam mit dem Schiff St. Anna Anno 1681. genommen / Schiffer Tonnies Jansen / Heinrich David von Hamburg / Peter Jansen von Langeroc / in selbigem Jahr mit dem Schiff Bonifacia, Schiffer Aryß Simonson vom Haag / Wilhelm Bert von Stralsund genommen mit Schiffer Jolle Jollesen / Hanß Piet von Drontheim genommen / mit Schiffer Wilhelm Cram / Jacob Sybrands von Christianstadt mit dito Cram / welcher nebst noch einem Christlichen Sclaven Clauß Thombsen von Horn / und 2. Türcken eine k???hne Action gehalten / diese 10. Personen / so mit dem Bey / welcher Tunis belägert / (Welche die Ursach ihret Erledigung umbständig triehlen.) sich verstunden / haben ihre Dinge wohl wissen wahrzunehmen / daß sie ein Castell bey Porto Fatina ligende / worinnen sie in Guarnison gewesen / erobert. Die Türck. oder zum wenigsten die Africanische Belägerungen gehen nit als mit den Christen. Die Guarnison deß besagten Castells stunde nach [365] ihrer Gewohnheit auff die Berme / oder Fuß deß Walles / und gieng / umb Coffe zu trincken / biß auff 12. Mann / so heraus verblieben / ausser die 10. so die Pforten verschlossen / attaquirten die 12. Türcken / und machten sie nider / nachgehends verfügten sie sich auff dem Wall / und löseten starck das Geschütz auff das Casteel Porto Fatina, wie auch auff 2. andere Fortressen / und continuirten mit dem schiessen starck / daß bemeldte Stadt und die 2. Fortressen sich übergaben / das erste Casteel / welches sie übermeisterten / war den 25. April / und die Stadt mit den 2. Fortressen ergab sich den 1. May / welche forcirt wurden durch benanten Bey Succurs / so auff das grausame Canoniren aus dem Lager kam / durch welche Emportirung er jetzo Meister deß Hafens von Tunis ist / und die Stadt keine Zufuhr haben kan / ein ander Casteel wird miniret / vor welche Action dieser Bey besagten Christen ihre Freyheit wieder gegeben / von welchen 7. allhier in der Infermerey seyn / der 8. aber Claus Tames / nachdem er auch seine Freyheit hatte / hat den Türck. Glauben angenom̅en / und ist in Dienst geblieben. (Kön. Svan. Geschichten.) Von dem Königl. Spannischen Hof aus Madrit wird advisirt / daß von dem Marschall d’ Estreé ein Expresser allhier arrivirt / mit Bericht / daß er keine Ordre habe / die Spannische Küst zu verlassen / ehe und bevor alles wegen der 500000. stück von Achten abgethan seye / worauff der Marq. de los Balbasos dem Marq. de Feuquiers alsobald nach Pariß abgesand / mit Vermelden / daß Se. Cathol. Maj. solche Summa zu erlegen übernommen / und ist hierauff die Militz / so beordret gewesen nach der See-Küsten zu / alsobald wieder contramandirt worden. Verschiedene Portugesen haben sich freywillig angebotten / auff der Spannis. Flotta zu dienen / und moviren sich viel Trouppen (Die Svan. nische Flotta langt zu Cadix an.) aus selbigem Reich nach Algarben und der Seeküsten. Indessen scheinet / daß der Marschall d’ Estreé wegen Ankunfft unserer Flotta / welche hinter den Punctual biß in der Bey an den Punt von Cadix avancirt ist / keine sonderliche Ombrage schöpffe. Man erwartet allhier noch einen Courrier von Pariß / mit welchem man verhoffet die Gewißheit zu vernehmen / daß alles werde beygelegt (Der Printz von Chimay Vice-Re von Ravarra gebet mit Tod ab.) seyn / weil man die vollkommene Bezahlung versprochen hat. Weiln der Printz von Chimay zu Pampelona, so die Hauptstadt seiner Vice-Royschafft in Navarre / gestorben ist / als dörffte wol der Marquis de Conflans, welcher vorhin ad interim alldorten regirt hat / solche Charge bekommen. Den 5. zu Nachts hat die Hertzogin von Seno, deß Hertzogs von Medina Coeli Tochter / eine junge Princessin zur Welt gebohren. Don Carles Tatto, General von der Strematurischen Cavall. hat Ordre empfangen / mit 400. Pferden nach Cadix zu marschiren. Don Tespasien de Gonzaga General über die Andalisische Cüsten hat Befehl die Guarnis. Zu Gibraltat und in andern Seehäfen zuverstärcken / um frem̅de Anländung verhindern zu können. D???r Graf von Cerny General [366] von der Cüsten Malaga hat auch Ordre seiner Seits gute Wacht zu halten / und im Nothfall Don Gonzaga Hülffe zu leisten. Cartagena ist von allem zu einer Gegenwehr versehen. Der Marschall d’ Estreés hat den Hafen zu (Der Marschalld d’ Estreé eröffnet den Hafen zu Cadix.) Cadix eröffnet / und allen Nationen erlaubet / ein und aus zu gehen / umb ihre Handlung / wie vorhin treiben zu können; die Kauffleuthe / welche auff der Frantzös. Flotte gewesen / seynd wieder zu Cadix eingekommen / ihre Handelschafft zu treiben. Der junge Marquis de Feuquiers ist von deß Mons. d’ Estreé See-Armade anhero gekommen / umb den Frantzös. Ambassad. seinen Hn. Vatter (In dem Königreich Portugall wird die Außführung von selbiger Woll verbotten.) zu sehen. Aus Portugall hat man / daß daselbst ein Verbott publicht worden / daß bey grosser Straffe niemand keine Woll aus selbigem Königreich führen solle; Indem der König haben wil / daß man solche an Rasch / Sarsches und andern Zeugen (als welche man sonsten aus frembden Landen hat kommen lassen) verarbeiten und gebrauchen solle / wann aber mehrere Wolle vorhanden / als man verarbeiten könte / erlaubt seyn solte / den Uberfluß zu verkauffen.

Das fünffte Capitel
[arrow up]

Begreiffet die Königl. Engel-Schott- und Irrländische Zufäll. (Kön. Englis. Geschichten.) BRieff aus der Königl. Englischen Residentz-Stadt Londen sagen / daß das Lager zu Honslovvheath nunmehr völlig formirt seye. Der Graff von Tyrconnel ist den 6. nach Irrland abgereist / umb alldorten die Armee als erster General zu commandiren; den 2. als am H. (In denen Strassen um Wittal und St. James werden / viel getruckte Lidellen außgestrenet gefunden.) Pfingst-Son̅tag Morgens hat man in den Strassen umb Witthal / S. James und verschiedenen andern Plätzen dieser Stadt sehr viel getruckte Libellen außgestreuet gefunden / intitulirt: Ein demüthig und Cordat-Adress an alle Protestanten im Läger; wordurch der Author starck gegen die Römisch-Catholischen herausfähret / und sucht denen Protestanten einzuschärffen / die Nachfolge / so durch jener Außbreitung entstehen könte / und daß sie nichts sucheten / als die protestirende Religion gantz außzureuthen. Man hat viele Mühe angewendet / umb den Author zu finden / und 1000. Pfund Sterlins versprochen / dem jenigen zu geben / welcher den Buchdrucker davon entdecken wird / auch hat man einige Personen / so sie außgegeben / gefangen genommen: In unserm Lager seynd viel Krancke / sowohl Officiers / als gemeine Sol [367] daten / und seynd hiervon 40. in wenig Tagen gestorben. Ihr. Königliche Majest. haben der Frantzös. Kirchen von Londen ihre Privilegien / welche ihr durch eine Acta deß Parlaments bey Regierung der Königin Elisabetha gegeben worden / confirmirt. Der Milord Gray ist in alle seine Güter / Ehren und Würden / wieder eingesetzt worden. Zwischen dem Lord Major und einigen Kriegs-Officiern seynd grosse Uneinigkeiten entstanden / und weiß man noch nicht / wie solche werden verglichen werden. (Der König gehet nach St. James.) Den 12. gieng der König nach St. James, woselbst die Meß mit grossem Pracht / und nach derselben eine Procession gehalten wurde / deßgleichen auch bey der Königl. Frau Wittib in Sommersets Hause geschechen. Weiln denen Quackern nun die Freyheit gegeben worden / ihre Religion zu üben / so glaubt man / es werden die Römisch-Catholischen ein gleichmässiges suchen. Man sagt / daß der Graff von Castelmaine umb den Vorgang vor andern Ambassadeurs zu Rom zu haben / den Caracter als Ambassad. von Obeissance oder Gehorsam annehmen werde. Weiln es scheinet / daß das Parlament von Schottland den Punct, die Römisch-Catholischen betreffend (Das Parlament in Schottland wird prorogirt.) / nicht ferner einwilligen wil / als ist Ordre dahin gesandt / umb solches und zwar / wie man sagt / biß auff den 25. Octobris nechstkünfftig zu prorogiren / und auffzuschieben / wie auch den Bischoff von Roß von seinem Bißthumb zu entschlagen. Der Graff von Dauby bleibt noch unpäßlich / weßhalben er seine Reise nach Holland einstellen muß. Der Graff von Carberrie ist gestorben. Aus Irrland wird geschrieben / daß biß 20. Persohnen auffs neu in deß Königs Rath gebracht worden / daß auch unter der Militze grosse Veränderung geschihet / und niemand / als Römisch-Catholische zu dergleichen Aembtern erwehlet worden. (Die 24. Kriegsichiffe so in Engelland außgerüftet werden gelangen zu ihrer Perfection.) Die 24. Kriegsschiffe / welche man in hiesigem Königreich außrüstet / seynd mehrentheils fertig. Der so genante Miles Prance ist aus dem Gefängnuß von Gatehouse vor den Hoff gebracht / und daselbst wegen begangenen Maynaids in eine Straff von 100. Pfund condemnirt worden / doch soll er über dieses den nechstkünfftigen Monat zu Palace Yard, den 3. auff der Beurs und den 8. wiederumb vor Charingeros in der Pillory stehen / und über dieses von Neuggte biß Tyburn gegeisselt / auch so lang im Gefängnuß behalten werden / biß alle Executiones an ihm vollbracht seyn.
|| [368]

Das sechste Capittel
[arrow up]

Sagt von Schwedisch- und Dähnischen Fügnüssen. AUs der Königl. Dänischen Residentz-Stadt Coppenhagen wird geschrieben (Kön. Dähn. Geschichten.) / daß den 3. H. Pfingsttag daselbst ein Mann seine Fraw (der er wegen ihres Alters gerne das ewige Leben gönnete) zu erst (Ein Mann schlägt seine Frau todt und machet Minen als ob sie sich erhencket hätte.) todt geschlagen / nachgehends auffgehenckt / und sich gestellet / als wann sie selbst diese That gethan hätte. Nachdem aber die Fraw abgekleydet / und genau besichtiget worden / hat man befunden / daß sie blau geschlagen sey / und unmöglich solcher gestalt sich erhencken können. Man hat den Mann so fort in gefängliche Hafft gebracht / die Fraw aber ist abgenommen / und gekleidet worden: sie soll mit ehistem ehrlich begraben werden / wie es dem Mann ergehen werde / wird sich bald außweisen. So soll auch ein anderer seiner Frauen die Gurgel mit einem Messer haben abstossen wollen / welches demselben mißlungen; der Thäter soll auch deßfalls arrestiret seyn. Die jüngst in dem Holländer Dorff auff der Insul Amack nechst dieser Stadt entstandene Fewersbrunst hat 24. Häuser consumirt / wobey auch (Eine seltzame Geschicht begidt sich zu Helsignör.) 3. biß 4. Persohnen verbrand seynd. Zu Helflgnör hat den 27. passato ein daselbst wohnender Handwercksmann deß Morgends umb 8. Uhr einige gute Freund bey sich / wie er nun selbe verabscheidet / gehet er in seinem hinter dem Hause gelegenen Lustgarten spatziren / und wolte daselbst ein junges Bäumlein an einer Planckwerck befestigen / da dann ein Gespenst / wo nicht gar Beeltzebub ihn dermassen gezauset / daß er gantz blutrünstig unter dem gantzen Gesicht sich befunden / auch über dieses hernechst über ein Stachet-Werck in einen Kühestall geführet worden / woselbst ihn endlich solcher Geist verlassen / und sich mit weiter an ihn vergreiffen wollen / ist also dieses ein merckliches Exempel. In gemeldtem Helsignör seynd Ihro Königl. Majest. von Dennemarck (Der König in Dennemarck laugt daseldsten zu Wasser an und besicht auff dem Schloß Croneuburg) den 13. mit 8. neuen Schiffen zu Wasser angelangt / woselbst Sie auff dem Schloß Cronenburg die 3. Bollwercker besahen / die Soldatesca war auff den grünen Hoff gestellt / welche Ihro Königl. Majest. durchgesehen / selbige waren sehr schön montirt / und gesielen Ihrer Maj. dem König sehr wohl. Nachdem sie den 14. Mahlzeit gehalten / reyseten Ihre Majestät ferner nach Friderichsburg / und blieben daselbst biß den 17. Unter diesen 8. [369] neuen Schiffen war eines die Sackpfeiffe benahmet / welches über 600. Mann vom Königl. Leib-Regiment zu Fuß innen hatte / diese Völcker wurden gar geschwind ans Land gesetzet / marschireten also fort durch die Stadt / und so (die neue Forti???cations-Werck.) wieder zurück nach Coppenhagen / selbige Völcker können hinden nebst dem Ruder / woselbst eine Thür gemacht worden / eingehen / und ist gantz bequem dicht unter Land zu gehen und Völcker ans Land zu setzen. Den 14. seynd 2. Brandenburg. Kriegs-Schiff bey Helsignör durchpassiret / woselbsten den 15. ein hart Donner- und Regenwetter gewesen ist. Ihro Königl. Majest. haben Sr. hohen Excellentz von Güldenlöw einen Mund-Pocal 3000. Rthlr. werth verehret / worinnen alle die jenige Klippen / so höchstgedachte Ihr. Königl. Majest. in Norwegen persönlich überstiegen / eingegraben. Den 26. seynd besagte Königl. Maj. von Coppenhagen nach dem Hollsteinischen abgereist. (Königl. Schwedis-Geschichten.) Aus der Königl. Schwedischen Residentz-Stadt Stockholm wird advisirt / daß den 6. Ihro Königl. Maj. von Schweden von dar nach Jempterland abgereist / dato Mittags speiseten sie zu Löffstaholm bey dem Herrn (Jh. K. Maj. reisen nach ???mpterland.) Präsidenten Lilien-Cron / höchstgedachte J. K. Maj. werden vor dero Rück-Reise keine Musterung in Helsing-Land vornehmen / sondern solches erst im Jempter-Land verrichten / woselbsten auch ausser Frossô noch eine andere neue Schantze angeleget werden solle / weßfalls der Hr. Genaral Quartiermeister Dahlberg per posta nachgereiset; man meint auch / es werden J. K. M. dero Weg auff Fahlum zunehmen / und den Schaden / so der Kupfferberg daselbst durch Einfall eines Pfeilers jüngst genom̅en / besehen / wordurch alle die neuen von dem Italiäner angegebene / und kaum in Brauch gebrachte Inventiones ins Stecken gerathen dörfften. Die K. Fr. Mutter hält sich gegenwärtig in dero Leibgeding auff / und reiset von einem Orth zum andern und wollen J. K. M. Widerkunfft zu Stromsholm erwarten. Jh. Majest. die regirende Königin (welche wieder gesegnetes Leibs gehet) sind nebst der jungen H???rrschafft annoch hier / gedencken aber der Rede nach / auch eine Reise nach Upsahl zu thun / auf jetzige Reise ist der Hr. Berghielm und nicht Hr. Wallerstädt mit J. K. Maj. Sie haben demselben das Gut Erichsund (welches ehemahls der Seel. Graff Carl Oxenstirn gehabt) Donations-Weise gegeben. (In Stockholm wird ein neue Zoll-Ordnung publicirt / worvon hierbey C???pia folget.) Den 15. ist allhier ein neue Zoll-Ordnung angeschlagen worden / nachfolgenden Innhalts: Wir Carl von Gottes Gnad. sc. Thun wissend / daß von langer Zeit / und viel Jahr zurücke / recht wohl bedächtlich verordnet gewesen / daß der grosse See-Zoll vor einkommende Wahren recht solte bezahlt werden / mit specie Rthlr. und Ducaten / oder Gold und Silber in naturâ, außgerechnet zu vorgedachte̅ Müntzsortens Werthe nach desselben Schrott [370] und Korn / welches befunden / vor ein nutz- und dienliches Mittel Silber im Reiche zu verschaffen. Nun aber auff eine Zeitlang aus sonderlicher Consideration denen Traffiquirenden zugelassen worden / selbigen Zoll mit Schwedischer Silbermüntz zu bezahlen / wodurch obgemeldtes wohlmeinentliches Absehen verschwunden. Also haben wir aus Königl. und gnädiger Vorsorg / umb Silber-Müntz im Reich zu verschaffen / daraus nit allein der Handel befördert / der Unterthanen Auffkunfft / sondern auch viele andere nützliche und Bequemlichkeiten herfliessen / und sich verursachen / uns veranlasset gefunden / durch dieses offene Placat und Befehl zu verordnen / daß hiernechst (Vermög deren alle Zöll vor einkommende Wahren mit species Rthlr. oder Ducaten oder Gold und Silber in naturâ sol???en bezahlt werden.) alle Zöll vor einkommende Wahren sollen bezahlt / und erlegt werden / in specie Rthaler und Ducaten / oder Gold und Silber in naturâ außgerechnet zu vorgenantem Müntz-Sortens Werthe / nach dessen Schrott und Korn / ingleichem in Ducaten / Loviser / Englische Cronen / Schaffhäuser-Lowen und Creutz / nebst Bern- und Holländ. Thalern: ein guten Ducaten gerechnet zu 77. ein drittel Oer Silber-Müntz / ein Frantzös. Lovis zu 62. zwey drittel Oer Silber-Müntz. Doch weil wir hiebey wohl können nachdencken / daß in dem Handel / welchem wir in Gnaden zugethan / auff alle Manier zu befördern / einige Beschwerlichkeit sich verursachen solte / wann obgenante Verordnung nun stracks solte werckstellig gemacht / und seinen Anfang nehmen / indem die Traffiquirende ihre Messures gerichtet; Nachdem nun vor Zeiten üblich / und nit nach dem vor vielen Jahren vergönten Zulaß mehrgedachten Zoll mit Schwedischer Silber-Müntz zu clariren / und solcher gestalt nit einst gedacht an Herbeyschaffung von spec??? Rthaler / Ducaten / Gold oder Silber in naturâ, oder oben specificirte Müntz-Sorten. Als ist nun resolvirt / daß diese Veränderung erstlich primo Augusti ihren Anfang nehmen soll / als wird folches zu dem Ende hierdurch publicirt / auff daß niemand hernacher vorgeben mag / daß er davon nichts gewust / sondern ein jedweder sich darnach wisse zu richten / un̅ seine Sachen darnach zu stellen / auch sich von solchen Müntz-Sorten versehen / damit der Zoll soll erleget werden. Auch wiewohl in unserm letzten Müntz-Placat von uns ward verordnet / daß in allem das 1681. Jahrs-Placat solte / nebst unser An. 1683. gegebenen Erklärung gehalten werden / und verbleiben in voller Krafft / wollen wir doch aus sonderlichen Ursachen dasselbige hiemit in so weit haben verändert / daß ein von unser im Reiche geschlagene Carolin soll gelten 20. Oer Silber-Müntz / sollende ein jedweder so etwas / entweder in naturâ oder von oben specificirte Müntz-Sorten läst einkommen / frey stehen / dasselbige in solche doppelte / gantze oder halbe Caroliner auffzumüntzen / zu obgenanten Werth / auch das [371] Quantum, so einen jeden beliebet. Hiernach alle / denen es angehet / sich zu richten / sc. Datum Stockholm den 15. May 1686. Carolus. (L. S.) (Zu Stockholm bey einem Brandenwein-Brenner entstehet ein schreckliche Feuersbr??? wordurch grosser Scha??? geschiehet.) Den 18. ist allhier ein groß Unglück geschehen / indeme am Lagersland bey dem Packmarckt in einem verschlossenen Hause / da die Leuthe verreiset gewesen / bey einem Brandweinbrenner ein urplötzliches Feuer auskommen / so von Glocke 10. biß umb 9. Uhr bey 20. Stund unauffhörlich dergestalten abscheulich gebrannt / daß selbiges fast die gantze Gemeinde von St. Jacob / und die Helffte von St. Clara weggenommen / und alles vom Packmarckt biß an den Heumarckt in die 40. Quartier oder 1900. Häuser in die Aschen geleget / nebst 2. schönen Kirchen / so gantz mit abgebrandt; Es ist hierdurch ein unersetzlicher Schaden geschehen; Es werden bey 150. Menschen gezehlet / so in diesem Feuer mit verbrandt seynd / viel seynd gar elend beschädiget und ihrer Haab und Güter beraubet worden. Ein vornehmer Herr so ein Podagricus gewesen / ist auch mit verbrandt / welcher wegen deß Feuers grosser Furie nicht hat können gerettet werden. In Summa das Elend und der Jammer der abgebranden und trostlosen Leute ist mit keiner Feder zu beschreiben / indem man die eine Parthey hie / die ander dort mit etwas gerettetes Gut / die dritte aber Mann / Weib / und Kinder gar nackend und bloß winßlen und sitzen sihet. Der Brandorth sihet einer Verwüstung gleich / und hat man unter den Steinhauffen den 20. noch Feuer gefunden. Bey Ihr. Königl. Majest. Widerkunfft wird man auff eine Brandsteuer vor diese arme Leuth bedacht seyn / unterdessen haben Ihr. Majest. die regirende Königin sich viel dieser elenden Leuthe höchstrühmlich angenommen; es war sonsten ein greuliches Feuer und hatte es das Ansehen / als wolte alles über und über gehen / daß es aber so geschwind überhand genommen / ist dahero veranlasset / daß die Königl. Garde / so bey dergleichen Begel enheiten die beste Rettung zu thun pfleget / eben zu solcher Zeit auff Ladigsarts Felde exercirt worden / welchen Ihr. Majest. die regirende Königin nebst der hohen jungen Herrschafft mit beywohneten / und obgleich solche fort nach der Stadt marschirt / war sie doch vom scharmutziren und Travailliren gantz abgemattet und müde / daß sie nicht viel außrichten konten / man hat an unterschiedlichen Orthen Feuer angelegt gefunden / daher man versichert ist / daß es von Mordbrennern geschehen / weßwegen schon 20. Persohnen eingezogen worden.
|| [372]
Sonntags den 23. wurden allhier in der Teutschen Kirchen nach der Nachmittags-Predigt / 2. von denen Türck. Kindern getaufft / welchem Actui sowohl als der Predigt / Jh. Maj. die Königin nebens Jh. Kön. Hoheit und (Es werden 2. Türckische Kinder getauffet worvon der Actus hier außführlich beschrieben wird.) der Princessin beywohneten; Der Hr. Magistrauch / welcher die Tauff verrichtete / bereitete sich also darzu (nachdem die geistreichen Lieder / Kombt ihr schnöden Adams-Kinder / und / Komm H. Geist Herre Gott / gesungen worden) daß er vorhero den schönen Spruch: soviel eurer getaufft sind / die haben Christum angezogen / erklärete / und darauff das Verlangen referirte / so diese Kinder / als von 7. à 8. Jahren hierzu befördert zu werden / von sich spühren lassen / und hielte ihnen darauff einige Fragstück vor / worauff sie fein deutlich in bereits erlernter Teutscher Sprache antworteten: Wieviel sind Götter? einer in 3. Personen; wer sind die? Gott Vatter / Sohn und H. Geist; können Juden / Türcken und Heyden auch seelig werden? Nicht als durch die Tauffe / und den Glauben an Christum; wer bistu? ein Sünder / und dergleichen schöne Fragen mehr: Endlich aber / wiltu allzeit bey diesem Glauben bleiben? wiltu getaufft seyn? Ja; wie wiltu heissen? worzu der Knab geantwortet / Alexander Gott Lob / das Mädgen aber Theodora Amalia, da bißhero der Knabe Betscher und das Mägdlein Oschmina geheissen; die Tauffpathen waren der Hr. Reichsmarschall Steenbock / der Hr. Graf Nostiz und andere Grandes von Hofe / unter andern auch die Priester / so diese Kinder mit unterrichtet / als Hr. M. Bezelius, und Mons. Vult; auff der andern Seithen waren; die Frau Gräfin Pontus, die Frau Gräfin Königsmarck sc. Insgesamt 15. Gevattern zu beyden Taufflingen. Die ältisten Weiblein sind etwas hartnäckichter / und bedörffen noch weitläufftigern Unterricht / ehe sie getaufft werden / ohngeachtet die eine / eine Renegadin ist / so in Neuheusel von Lutherischen Eltern gebohren / und hernach zum Türck. Greuel verführet worden. Man höret leyder von nichts als morden und Unglücks-Fällen / wie dann ein leichtsertiges Weib aus Verzweifflung / daß sie ihres Lebens ihrem (Ein Weib schneidet ihrem eigenen Kind die Kehle ab.) Vorgeben nach müd und überdrüssig / ihrem eigenen Kind von 3. Jahren zu erst mit einem Messer die Kehle abgeschnitten / und hernach mit einem Beil den Kopff gar abgehauen hat. Ein gleiches böses Exempel hat sich unweit Gottenburg zugetragen / woselbsten ein Baurweib / welche mit einem Soldaten zugehalten (Ein ander Weib backet ihrem Mann einen Pfa???enkuchen) / ihrem verreisenden Mann einen Pfannenkuchen mit gifftigem Mercurio gebacken / und ihn gebetten / daß er solchen / als welche Speise sich nit lang halten könte / erst verzehren möchte / welches er dann auch gethan / nachdem er einige Meilen gereist / ist er todt zur Erden gefallen / und also sein Cörper nach Hauß gebracht worden / da dann dieses gottlose Weib nit weniger als ihre Kin [373] der sehr geweinet / gleichsam als ob ihr von seinem Tod nichts bewust wäre; die Magd aber / umb die Kinder zu stillen / holet jedem Kind ein Stück von solchem Kuchen / unwissend / daß solcher also zubereitet sey / 2. sterben also (vermischt mit gifftigem Mercurio, und befördert ihn also zum Tod nebst 2. Kindern.) fort daran / das dritte aber / so den Bissen durch ein angekommenes Brechen von sich gegeben / bleibet am Leben / die Magd verkündiget der tyrannischen Mutter / wie die Kinder tod zur Erden gefallen / diese leichtfertige Mutter fragt / wie das zugegangen / bekam von der Magd zur Antwort / sie hätten nichts als ein Stück von dem Kuchen genossen / darauff die Frau mit grossem Fluchen ausg fahren / warumb sie den Kindern davon geben? weilen eben damals 3. Bauren dabey gewesen / haben sie selbige so fort derowegen gefangen genommen / da sie dann alles bekandt. Es ist wiederumb ein grosses Schreiben von Jh. Czaar. Maj. an Jh. Königl. Maj. angekommen. Dieser Tagen ist auch wiederumb ein Schiff zu Calmar von Stapel abgelauffen / hat aber seinen Namen noch nit erhalten.

Das siebende Capittel
[arrow up]

Schreibet von Königl. Polnisch-Moscowittisch-Türckisch- und Tartarischen Hoff- und Kriegs-Händeln. (Kön. Poln. Geschichten.) POlnische Brieff aus Lemberg vom 30. passato melden / daß am Ende abgewichenen Monats aus allen umbligenden Plätzen Nachricht eingegangen / welche alle vom Feind einhellig lauten / dergestalt / daß die Tartarische Horde (welche den neuen Bassa sambt vielem Proviant in Caminieck convoyret) aller Orten herumb streiffel / wie sie dann bey unterschiedlichen Städten an Menschen und Viehe viel weggenommen / sind auch unter Bialocierkievv zu zweymalen eingefallen / in dero Gegend viel Schaden (Die Tartarn thun grossen Schaden.) verübet / aber in den Vorstädten konten sie nichts üben / dann man hat sie so weit nicht kommen lassen / massen die Besatzung aus gefallen / viel derer erlegt / viel gefangen / und glücklich zurück gebracht. Dieselbige Gefangene referiren, daß 9. Murtzen in 1500. ordinirten Völckern dazu geordnet sind / damit dieselbe mehrern Schwarm an sich ziehen / und aller Orten / wo sie nur immer können / alles verheeren und verwüsten / wie sie dann schon darzu guten Anfang gethan / und viele Plätze ruinirt haben / dahero das Volck aus den Städten das ihrige verlassen / und sich hinter den Dnieper salviren [374] und begeben müssen. Aus Raluck sind gleichfalls (welcher Ort sich allemahl noch so wohl gehalten) alle Einwohner weg gegangen / und die Stadt (Deßwegen aller Orten Klagen ein. kommen.) wüst gelassen / wo dieses biß an die Ernde continuirt / wird der Feind nach seinem Belieben können streiffen / wie er will / und wird dardurch Niemirow und Bialocierkiew in Ge???fahr stehen / dann ihnen an Brod und Victualien mangelt / wie auch schon hinter dem Dniester ihnen nichts zugeführet wird. Aus Sratanow haben gleichfalls die Karakasker Cossacken Bericht gethan / daß die Horde sie unverhofft überfallen / und auff 500. Pferde mitgenommen. Aus der Wallachey ist auch diese gewisse Nachricht / daß ein Bassa in Caminieck beordert auff Cicorza zu gehen. Von der Bialogrodischen Horde mit seinen Beyständen seynd 2. Schwarm / einer von den Budziacken / der andere aus Moldau / auch sonst ein gewisses Theil nach Caminieck gegangen. Der Hospodar ist den 7. dieses aus Jaß gegen den Bassa ausgangen / woraus leicht abzunehmen / daß er deß Feindes Freundschafft suchet. Unsere Parthey / so aus Snyatin unterm Commando Hn. Eßmund gegangen / ist biß unter Jaß gewesen / und den 7. dieses glücklich zurück kommen / und gute Beut von etlich 100. Stück Wiehe mitgebracht. (Die Moscowitter schicken 20. ihrer besten Regimenter gegen den Fluß Boristhenem.) Zu Folge der mit Moscau geschlossenen Alliantz haben die Czaaren schon 20. ihrer besten Regimenter gegen den Fluß Boristhenem marschiren lassen / umb denen Tartarn den Durchmarsch zu verwehren / und versprechen / noch in diesem Jahr Ozow / eine Vestung / welche die Türcken am Fluß Tan̅is im Einlauff deß schwartzen Meers erbauet haben / zu attaquiren / umb dadurch denen Zaporis. Cossacken die passage in selbiges Meer zu verhindern. Der Succ???urs / welchen der neue Bassa in Caminieck gebracht / ist nit so groß / wie man gesagt hat / sondern hat nur in 800. Wägen mit Lebensmitteln / und einigen Cameelen mit Geld beladen / umb selbige Guarnison zu bezahlen / bestanden. Schreiben von Königsberg vom 5. dito bringen folgendes: Nachdeme (Die Littauische Armee haltet Randevons bey Brescie.) die Littauische Armee bey Brescie Rendevous gehalten / und effective 15000. Mann starck befunden worden / campirt selbige annoch dasel???bsten / is ein schönes auserlesenes Volck / die Infanterie auch dergestalt beschaffen daß es eine Lust ist selbige anzusehen / die universalien bey selbigem seynd zwar??? allbereit vor 14. Tagen ankommen / man kan aber noch nicht vernehmen daß sie schon im Marsch begriffen / zu der Polnischen Haupt-Armee zu stossen / welches aber nicht lang mehr wird dauren / weil nunmehro mit Moscau alles richtig / auff welche Tractaten die Herren Littauer bißhero grosse reflexion (Dem Cron-Feldherrn werden einige gefangene) gemacht. Brieff aus Lemberg vom 10. corrente bringen / daß zu Ihro Gnaden dem Herrn Cron-Feldherrn etliche Tartarn / so aus der Corvoy der Zufuhr nach Caminieck sind gefangen worden / eingebracht / mit Be [375] richt / daß von dieser Zufuhr nur etliche 100. Wägen in Caminieck eingegangen / ein neuer Bassa ist nur mit 2000. Mann einkommen / bey diesem (Tartarn zugeführt.) Begleit sind nur 4000. Mann von der Horde gewesen / sie sind über Verhoffen dem guten Vorhaben der unsrigen zuvor kommen / dann da man sich erst schickte / die Convoy zu bewillkommen / haben sie sich unter dessen gar geschwind hinein gemacht / die Orde / nachdem sie sich bey Oßhog geschwencket / ist forgegangen. Andere Zeitung / so eben diesem Herrn Wojewoden gebracht / melden / daß der neue Bassa denen Barischen und Medsiborsichen Besatzungen Ordre ertheilet / daß sie aus diesen particular-Oertern ausziehen sollen / worauff sie auch beyde Schlösser durch Minen gesprenget / und nach Caminieck eingezogen / scheinet / daß sie ihnen selbst nicht getrauen. Nachdem Ih. Kön. Maj. den 2. aus Stolitze von denen Herren Abgesandten völlige Nachricht erhalten / daß mit denen Czaaren ein ewiger Friede geschlossen / und den andern Tag hat sollen beschworen werden / haben sie (Ih. Königl. M. ???j. befinden sich in Jaworow / und machen Anstalt zur Campagne.) so fort denen Cossacken hinter dem Dniester und Kalmucken auf das schwartze Meer zu gehen befohlen / wider die Dunaische Cossacken. Ihro Königl. Maj. sind überaus lustig in Jaworow / und sind so viel begieriger zu dieser Campagne / massen er bald nach dem Lager nach den Feyertägen auffbrechen wird / wie dann auch schon etliche Wägen mit grossen Lasten voraus gehen. Ihr Gnaden der Herr Wojewoda Rusky der Cron Groß-Feldherr ist noch in Lemberg. Den 3. sind von hier etliche Stück Geschütz / und auff die 60. Wägen mit Kugeln und Pulver ausgegangen. Es wird auch täglich Proviant zum Dniester geführet / auch werden Czayken / Pramer und Trafften gebauet / es sind etliche 1000. Leute / die dabey arbeiten. P. S. Es kombt vom Herrn Castellan Krakovvsky vom 4. Bericht / welcher bekräfftiget / daß der gewesene Bassa von Caminieck selbst mit der Orde ausgangen / aus Nicoviwitz und Bar die Leute auszuführen / und haben ihre Städte geschleiffet. Eben derselbe Bassa gehet mit der Orde zurück nach dem Dunay zu / da er mit dem Seraskier einer Menge Volcks soll vorgestellt werden. Unsere Reuterey machte sich fertig hinter ihnen zu gehen / daß sie ihn etwa hinter der Bukowina ergreiffen möchte / GOtt gebe / daß es glücklich von statten gehe. (Die Türcken verlassen Bar und Miedziboz / und reteriren sich in Caminieck.) Sonsten continuirt / daß die Türcken die Vestungen Bar und Miedziboz verlassen / das Geschütz / Munition und Proviant von dannen hinweg / und nacher Caminieck geführet / und in der ersten ein Bollwerck gesprenget haben: und sagt man / daß Königl. Ordre ergangen / Polnische Guarninison in obgedachte beede Plätz zu verlegen / und daß man mit allem Ernst an denen ruinirten Wercken und Brechen solche wieder auffzubauen / arbeite. [376] Mit unsern Kundschafftern hat man Nachricht / daß als die geschlossene Alliantz zwischen Polen und Moscau in Crimm kund worden / solches grosse Bestürtzung verursachet / und der Cham seine ausstreiffende Tartain zurück habe ruffen und anbefehlen lassen / ohne seinen Befehl nit von denen Gräntzen sich zu erheben. Del alte Bassa von Caminieck ist nach der Donau abgereist / umb Völcker zusammen zu bringen / deme eine gute Parthey nachsetzet / wo es müglich ihn zu ertappen. Aus der Wallachey hat man / daß der Moscowittische Ambassadeur bey der Ottomannischen Porte unvermuthet seinen Abschied genommen habe. Ih. Kön. Maj. haben sich von Stry wieder nach Jaworow erhoben / und halten mit denen anwesenden Senatoren täglich wegen der jetzigen Angelegenheiten der Republic Rath / und wie der Feldzug möchte beschleuniget / auch dem Feind nicht mehr Raum sich zu stärcken geben werden / selber hat etwas Proviant in Caminieck geworffen / das meiste aber stehet noch bey dem Dniester / weil es der darzu commandirte Bassa nicht getrauet uberzubringen / indem der Castellan von Cracau drey starcke Partheyen ausgesandt / diesen Vögeln auffzuwarten. Abermahlige Schreiben aus Königsberg vom 14. dito melden / daß sich zu Warschau (Der Hr. Unter-Cantzler sambt dem Ermländischen Bischof werden nach Hof beruffen.) jetzo befinden beyde Herren Cantzler / es ist aber der Herr Unter-Cantzler und Ermländische Bischoff nach Hof entbotten worden / und soll Ihr. Kön. Maj. überall auch so gar in das Lager folgen / dahero die Abreise nach Preussen und folgends die Ambassade nach Venedig und Rom / wo nicht gar eingestellet / doch aber in den Herbst möchte verschoben werden. Im Gegentheil wird der Herr Groß-Cantzler auff Königl. Ordre die Judicia in Warschau halten / woselbst unterschiedliche Fracht-Wagen mit Kleydern und Gewehr beladen aus Preussen nach Lemberg durchpassiret seynd. Brieffe aus Jaworow vom 5. sagen / daß dato Ihro Königl. Majest. zu dem (Der König empfähet zu Jaworow vom Päbstl. Nuntio die Benediction, und gehet zu Feld.) Feldzug von dem Päbstl. Nuntio die Benediction empfangen / und hat hiebey der Bischoff von Caminieck Herr von Dänhoff eine vortreffliche Oration gehalten / und Ihro Maj. zu vorstehender Campagne Glück gewünschet / es seynd auch bereits die schwehre Wägen alle voran / daß Ih. Maj. heute noch 3. Meil Wegs von hier abreisen wollen / und nehmen mit sich den Przemistischen / Luckinischen und Caminieckischen Bischoffen / dann den Herrn Woywoda Braclavvsky, Czeniehovvsky, Castellan VVilensky, Littauisch. Hof-Marschall / Cron - Unter - Cantzler / und Unter-Schatzmeister / man glaubt aber / daß etliche bey Ihro Maj. der Königin zu Stry / oder wo sie residiren wird / verbleiben werden. Noch andere Brieff aus Lemberg vom 13. dito haben nachstehendes mitgebracht: Nach eingeführtem Proviant in Caminieck gibt es nichts neues / vielleicht hat die Parthey / so hinter dem Se [377] raskier (welcher mit der Horde von Caminieck nach der Dunay zuruck gekehrer) zu gehen beordert gewesen / dem eylenden fliegenden Feind nicht nachkommen können / und dannenhero nichts ausgerichtet; die Cossacken haben gleichwohl mit ihren gewöhnlichen verborgenen Fünten etwas zuwege gebracht / dann erstlich haben sie ein Theil Türcken / so sich von dem Volck getrennet / überfallen/etliche niedergemacht / gute Beute bekommen / und (Die Cossacken fangen deß Tartar-Chams an den Seraskier lautende Brieff auff / und überschicken seldige dem König.) 4. Gefangene Ihro Kön. Maj. zugeführet / darnach haben sie deß Chams Brieffe an den Seraskier auffgefangen / und Ihro Kön. Maj. zugeschickt. Nachdem der König am Pfingstdienstag sich von Jaworow auffgemacht / hat er zu Grobno Nachtläger gehalten / und gehet bey wenigen Meilen nach Stry. Ihr Gnaden Herr Woywoda Rusky ist den 7. nach dem Lager abgereist / so unter Haran zuck stehet. Es müssen Ihro Kön. Maj. was cylends im Sinn haben / dann es hat Herr Woywoda VVilensky 2. Reuter abgehen lassen / damit er eylen möge / im Fall er die Gelegenheit / weil Ih. Königl. Majest. mit dem Volck eylet / nicht versäumen wolle. Abermalige Brieff aus Königsberg vom 21. geben / daß es nunmehro mit dem ewigen Frieden zwischen Ih. Kön. Maj. von Polen und den Moscowittischen Czaaren seine völlige Richtigkeit habe / dahero die hostilitäten zwischen diesen und denen Türcken allbereit angehen / gestalt die Donauische Cossacken / welche schon längst mit Verlangen auff diese Gelegenheit gewartet / das schwartze Meer mit ihren Czaicken gantz unsicher machen / und alle passagie auff demselben gesperret haben / so daß daher den Türcken keine Zufuhr zukommen kan / welches in Constantinopel / woselbst der Mangel an Victualien ohne das groß genug ist / noch mehr confusionen wird verursachen. Hiebey folgt ein Extract-Schreibens aus Cracau vom 18. Junii. (Die Littauische Armee langt an den Reussischen Gräntzen an.) Jüngste Brieff brachten aus Reusch-Lemberg und Stry / daß die Littauische Armee bereits an denen Reussischen Gräntzen angelangt sey / dahero der König resolvirt hat / bey der Armee das Fest Corporis Christi mit einem solennnen Umbgang zu celebriren, folglich mit der Armee gegen dem Dniester sachte fortzurucken / und der Littauer zu erwarten. So hat auch der König alle von denen Päbstlichen Geldern auffgerichtete Magazinen besichtiget / und grosse Vergnüglichkeit hierüber bezeuget / weilen mit der Hülffe Goltes unsere Armee dieses Jahr keine Noch wird anstossen dörffen / was aber Ihro Königliche Majest. eigentlich vor desseinen habe / ist gantz geheim. Hingegen hat man sichere Nachricht aus Caminieck / daß unter denen Türcken die Proersentz unsers Königs grosse consternation verursache / und deßhalben der Bassa noch umb mehr Proviant und 3000. Janitscharen geschrieben / [378] auch alle Tartarn / so viel er bekommen können / zu sich nacher Caminieck gezogen. Aus Moscau seynd Brieffe eingelauffen / daß nicht allein unsere Abgesandten nebst denen Moscowittischen Commissarien / sondern auch beede Czaaren bereits die Alliantz-Pacta beschworen hätten / massen auch würcklich 50000. Mann unterm Commando deß Fürsten Gallizken als Primi Ministri Herrn Bruders und Fürstens Hostlanaoskis auff einen gewissen Anschlag (Wegen der geschlossenen Alliantz mit Moscau wird in Polen ein Danck-Fest gehalten.) fortmarschirt wären / dahero umb solcher nun richtig geschlossenen Alliantz halber Gott dem Allmächtigen zu Ehren künfftigen Son̅tag allhier und in der gantzen Cron Polen solennissimè ein Danck - Fest gehalten werden wird. Die jüngst - gemeldte bey denen gefangenen Türcken gefundene Brieff haben nur Principalieter diesen Inhalt / daß die Bassen und vornehme Officierer von der zwischen Moscau und Polen getroffenen Alliantz nichts halten / auch denen andern durchgehends solches beybringen / und versichern solten / im Fall auch etwas daran wäre / die Pforten hieran sich gar nicht kehren dörffte / wir hingegen hoffen zu GOtt / daß dieses der Christenheit zu einem Auffnehmen / und dem Bluthund zu einem grossen Schaden gereichen wird / zumalen von Reusch-Lemberg schon zum zweytenma confirmirt wird / daß sich sehr viel Cossacken bereits zu Ih. Kön. Maj. Diensten versamblet hatten. So hat auch gestrige Post von Ih. Königl. Maj. auch dem Groß-Feldherrn die letztere scharpffe Universalia mitgebracht / worinnen bey Verliehrung deß Lebens alle Edelleute / welche in Kriegsdiensten stehen / zur Armee titirt weiden. Extract aus deß Hn. Bischoffs von Liffland Poplavvsky, am H. Pfingsttag bey grosser Versamblung der Herren Senatorn, Reichs-Officianten/und von Adel / als den 2. Junii 1686. in der Warschauischen Pfarr-Kirchen gehaltenen Predigt. (Der Bischoff von Liffland invitiret die Chu fürsten von Sachsen und Brandenburg zu ??? Christli???.) Zu dieser Alliantz und Vereinigung mit der Röm. Catholischen Kirchen wird mir auch freystehen / einzuladen euch Durchleuchtigste Churfürsten zu Brandenburg und Sachsen / die ihr allemal mit sonderbarem Eyfer entweder selbsten in höchster Person / oder doch mit einer ansehnlichen Armee mit Ihr. Röm. Käyserl. Maiest. Und denen andern Catholischen Potentaten wider den allgemeinen Erbfeind der Christenheit euch vereiniget ge [379] habt / euch noch biß dato vereiniget. Du insonderheit Durchl. Churfürst zu Brandenburg / der du billig eines unsterblichen Namens würdig / und gewiß ein rechtes Kleinod und Zierrath Principum hujus Saeculi zu nennen bist / auch denen in Europa regierenden Potentaten sowol an grosser Renomm???é, als herrlichen Victorien nicht das geringste nachgibest. Du / sage ich / Durchleuchtigster Churfürst / hast fürnehmlich durch willfährige Schickung zu allen Feldzügen dey währendem diesem Türckenkrieg deiner nicht minder (Lod deß Churfürsten von Brandenburg.) ansehnlichen als tapffern Hülffs-Völcker / und was das meiste / durch deine hohe persuasion, durch welche die Moscowittische Czaaren zu der mit hiesiger Cron Polen geschlossenen Alliantz und ewigen Frieden gebracht worden / dich und die gantze Christenheit / welche sich darob sehr erfreuet / hoch verdient gemacht. GOtt der Allerhöchste erhalte dich bey solchen herrlichen Thaten / und langem Leben / er bevestige deinen Thron / und segne dich mit allem Churfürstlichen Wohlwesen / und über die unvergängliche Cron / welche er dir vor solchen Dienst (den dir die gantze Christenheit nimmermehr genug verdancken kan) im Himmel zubereitet / kröne er dich in diesem H. Kriege mit herrlichen Triumphen / und immerwährenden Siegs-Palmen. Aus Zollkiew hat man vom 7. daß Ih. Königl. Maj. gleich nach dero (Der König in Polen lässet Bar und Miedzibocz besetzen.) Ankunsst zu Stry / Bar und Miedzibotz besetzen lassen / welche die Türcken verlassen / und Pulver unter die Schlösser gesetzet / allein die Minen sind ohne effect der Orten abgangen. Die Moscowitter haben auch einen guten Anfang gemacht / und auff dem Czamber eine starcke Parthey Tartarn geschlagen / so Proviant holen wollen. Nach Johannistag werden die in Jaworow noch anwesende Officiers und Cavalliers der Armee bald folgen / wiewohl die meisten mit ihrer Bagage schon fort sind. In Bask seynd 3. Türcken eingebracht / bey welchen viel Brieffe vom Türckischen Käyser / auch vom Vezier an den Bassa nach Caminieck gefunden worden / was aber in den Brieffen gewesen / kan man noch nicht wissen / weil die Türcken alsobald zu Ih. Majest. geschicket worden: sie berichten auch / daß der Vezier mit grossem Pracht ins Lager zu marschiren begriffen gewesen / aber schon wieder zurück nach Adrianopel gekehret sey; die Türcken sollen keine grosse Macht nicht können auffbringen / es soll auch ein erschröcklicher Hunger in ihrem Lande seyn; der Seraskier / welcher nach Polen ordinirt ist / stehet auff Budzack. Man sagt / daß der Moldauische Hospodar 4000. Man̅ zu Pferde in Bereitschafft stehen habe / zu der Polnischen Armee zu stossen; (Mons. de Louvois aus Franckreich ältester Sohn langt in Polen an.) und Hoffet man auch dergleichen von dem Wallachischen Fürsten. Deß Mons. de Louvois ältester Sohn aus Franckreich ist mit einer starcken Suite [380] und schöner Montirung bey hiesigem Königl. Poln. Hof angelangt / umb als Volonteur diesen Feldzug bey Sr. Kön. Maj. sich gebrauchen zu lassen. Durch die nun vierfache Alliantz wird der in 2. Worten bestehende Verß / Conturbabuntur Constantinopolitani, eine starcke Würckung haben. Extract-Schreibens aus Stry vom 19. Junij. Weilen es etliche Tage hero sehr starck geregnet hat / und das Regenwetter continuirlich angehalten / wollen J. K. Maj. noch das Fest S. Johannis allhier celebriren, und gleich darauff zur Haupt-Armee sich begeben / zumalen auch die Hn. Littauer Versicherung gethan / bey Us zie sich ehistens mit unsern Völckern zu conjungiren / allwo auch der Cron-Feldherr bereits (Ihr. Kön. Maj. geden Ordre Caminieck zu berennen.) ein bequemes Läger hat aus zeichnen lassen. J. K. Maj. aber haben bereits Ordre gegeben / Caminieck Podolsky zu berennen / und alle excursiones, wie auch Kundschafften / zu verhindern. Aus ver Wallachey seynd auch von dem Hospodar / und verschiedenen vornehmen Hn. Officierer allhier angelangt / welche sich alle dem König submittiren, und von der wegen der Teutschen Waffen / auch getroffenen Moscowittischen Alliantz in Türckey entstandenen alteration viel zu sagen wissen / welches man aber hier in keine consideration ziehet / sondern Ih. Kön. Maj. bleiben dabey / ihre intention auszuführen / weil sich wider alles verhoffen unsere Cossacken schon zu Felde proesentiret. Die 500. Centner Pulver / welche Se. Churfürstl. Durchl. von Sachsen Ih. Kön. Maj. in Polen zu jetzigem Feldzug wider die Türcken geschencket haben / seynd zu Lemberg angelangt. Aus Volhinien ist der Bischoff Szumlansky allhier angelangt / mit Bericht / daß in selbigen Landen von denen Moscowittischen also genanten Zaparowiß und Tanayschen Cossacken in 30000. starck Musterung gehalten worden / und schon gegen Boristhene marschirt wären / umb denen Tartarischen Horden die passage zu verhindern. Brieff aus Moscau melden / daß alle Völcker wider die Türcken zu marschiren beordert worden / und nur 2. Regimenter zu Gardes der Czaaren in selbigem Reich geblieben wären. Der Cossacken Gen. Mohila (Der General Mohila gehet gegen Jasso und schlägt die Tartarn.) hat einige Völcker aus der Guarnison von Snyatina zu denen seinigen genommen / und ist gegen Jasso gangen / allwo er eine grosse Parthey Tartarn geschlagen / von welchen er eine Standarte und einige Gefangene anhero zu Ih. Kön. Maj. in Polen geschickt hat. Den 29. dieses werden Se. Maj. von hier nach dem Lager abreisen.
|| [381]
Aus Moscau ist Nachricht eingeloffen / daß bereits die Czaaris Gesanden umb wegen der getroffenen Alliantz alle Richtigkeit zu pflegen / anhero zu reisen / unterwegens sind / vermuthlich aber dörfften sie schwärlich zur Armee gelassen werden. Ingleichem daß die Moscowitter bereits etliche 1000. Schiffe mit Proviant zu Wasser nacher Krzemenzyck abgeführet / von welchem ihre Soldatesca unterhalten werden soll / allwo sie auch Ordre an die Cossacken ergehen lassen / daß selbige auff die Tartarische Gräntzen rucken / und einige Excursiones in deß Feindes Land thun sollen. Aus Bialocierkiew seynd Schreiben eingelauffen / daß der Obrist Palley aus denen wüsten Feldern angelanget / und mit seinen unterhabenden Cossacken / deren 500. gewesen / die (Blutige Schlacht zwischen den Cossacken und Tartarn.) Stadt Orakowa angefallen / und daselbst die Vorstadt geplündert / verbrennet / und viel Janitschar. Weiber und Kinder nidergesäbelt / auch etliche 1000. stück Vihe mit sich weggenommen. Worauff sich die Janitscharen in praesidio mit etlich 1000. Tartarn conjungirt / denen Cossacken nachgesetzet / und nach langwirigem Scharmützel / bey welchem viel Tartarn geblieben / haben die Cossacken das Feld raumen / und alles Viehe / biß 200. Pferde im Stich lassen müssen. Gemeldte Schreiben versichern dabey / daß der Cossack. Gen. Mohila mit seinen Völckern bereits nacher Caminytz Podolsky im Marsch begrieffen sey / mit welchem sich der Castellan Chelmsky mit etlichen leichten Fahnen conjungiren / und dem Feinde die Excursiones verhindern sollen. Extract-Schreibens aus Moscau den 5. Junii. (Moscowitt. Geschichten.) Den Tartarischen Envoyé, welcher mit seinem Volck allhier ein Zeitlang in dem Gefängnuß gewesen / hat man wieder frey gemacht / mit Ordre / daß er dem Cham seinem Herrn solle bedeuten / daß Ihro Czaar. Majest. (Der Tartarische Envoyé wird seiner Gefangenschafft entlassen und nach Hauß geschickt.) einen ewigen Frieden / mit der Cron und Republic von Pohlen gemacht / und resolvirt haben / ihn dessen Effect und Würckung fühlen zu lassen / daferne er nicht abstehet / die Christen überall zu beschädigen. Die Hnn. Hnn. Shemeritoff, Sadayoff, und Pretasi werden in kurtzem von hier / nach denen Käyserl. und Pohlnischen Höfen abreisen / die 2. erste als Ambassadeurs / und der letzte als Secretarius, und wann die Sachen an beeden besagten Höfen verrichtet / solle der letzte nach Venedig gehen. Der Hr. Patrick Gordon, welcher bey Anfang dieses Jahrs nach Engelland verreist / ist zum General über???die Fußvölcker erwehlet worden / und solle solche gegen die Crimmische Tartarn commandiren / zu dem Ende er aus Engelland zurück entbotten worden ist.
|| [382]

Das achte Capittel
[arrow up]

Redet von Italiänisch-meistens aber von den Venetianisch-auch wol Türckischen Staats- und Kriegs-Affairen. (Venetianis. Geschichten.) MIt Brieffen aus Venedig hat man / daß am H. Pfingst-Abend den 1. dieses Morgens umb 9. Uhr daselbsten / in der so genandten Strassen Barbaria delle Tavole, allwo die Holtzhändler allerhand (Zu Venedig entstehet eine Feuersbrunst) Geholtz haben / eine grosse Feuersbrunst entstanden / wordurch einige Häuser / viel Gehöltz / etliche Männer / Weiber / und Kinder verbrant seynd / und wird der Schaden / so beschehen / über anderthalb Millionen Ducaten geschätzet. Wie man sonsten vernimbt so hat das Ungewitter grossen Schaden gethan / und sonderlich in Bresciano, solle mehr dann vor 200000. Scudi geschehen seyn. Von Corfu hat man / daß der Hr. Capitain-General die Armade einschiffen lassen / ohne daß man wisse / wohin sein Vorhaben gerichtet seye; Einige meinen / er gehe nach der Insul Candia, diese zu erobern; andere aber wollen / er werde Navarino in Morea belägern. Aus Dalmatia hat man / daß der Hr. General Cornaro sich am Fluß bey Narenta befindet / und daß die Türcken die ruinirte Wercker vom Thurn von Narin wieder auffrichten. Die Morlacken hätten jenseit Clissa einen gewissen Orth erobert / und darin einige Türcken gefangen / und gute Beuth gemacht. Von Cattaro schreibt man / daß von Castell Novo 4. Christen / so gefangen gewesen / und sich mit der Flucht salviret haben / daselbst angelanget / (7. Türckis. Familien stieben von Castell Novo nach Cattaro umb sich tauffen zu lassen.) welche versichern / daß zu Castell Novo grosser Mangel an Lebens-Mitteln seye. Nach diesem seynd auch 7. Türckische Familien von Castell Novo nach Cattaro geflohen / umb sich tauffen zu lassen / welche obiges confirmiren. Man sagt / ob hätte der Groß-Sultan über 300. Mordbrenner in die Christenheit gesandt / darin Feuer anzulegen. Von Ragusa wird der grosse Brand zu Griechisch-Weissenburg confirmirt / wie auch / daß der Groß-Vezier aus Befehl deß Groß-Sultans wider zurück nach Adrianopel gekehrt seye. Ingleichem continuiret / über Constantinopel / daß durch jüngst gemeldtem Sturm sehr viele Schiffe zu Grunde gegangen / und auch viele Menschen ersoffen seyn. Den 12. ist ein Schiff mit Kauffmans-Gütern beladen / von Ragusa allhier angekommen / und mit diesen ein Envoyé von Ragusa Hr. Marcus Basegio genant / nebst [383] einem Gefolg mit 7. Persohnen / umb einige vorgefallene Strittigkeiten in der Güte zu vergleichen. Mit solcher Gelegenheit vernimbt man / daß der Bassa / welcher in Albania, Servia, und andern Provintzien Früchten zusammen bringen / und nach Ungarn überführen lassen sollen / von der Porta wieder zurück geruffen worden seye. Daß der Hr. General Königsmarck seine Familia zu Zante gelassen habe. Daß die Päbstl. und Malthesische Galeren / wie auch die Toscanische schon Corfu vorbey / und gegen St. Maura geseglet wären. Die Alliantz zwischen Pohlen und Moscau hat dahier sehr grosse Freude erwecket / davon man den 12. durch ein express-abgesandtes Schiff dem Hrn. Capitain-General Morosini Nachricht gegeben hat / umb in Morea, und in Türckey kund und public, und dardurch der Türcken Forcht noch grösser zu machen. Uber Ottranto hat man mit einem expressen Courrier Schreiben von unserer Armada vom 31. May datiret / Inhalts / daß sie Nachricht hätten / (Die Türckis. See-Armada bestehet in 44. Galeren und 20. Schiffen.) daß die Türck. See-Armada in 44 Galeren / und 20. Schiffen bestehend aus denen Dardanellen gelauffen / und gegen Rhodis avancirt seyen / umb einer Convoy und Schiffen auffzupassen; denen aber alsobalden von unserer Armada die ordinar- und extraordinari Schiff-Capitains mit 17. grossen Kriegs-Schiffen wohl armiret / und mit Volck besetzet / entgegen gangen. Die übrigen 80. Schiffe / 6. Galeazzen / 40. Galeren / und 12. Galeotten / wären zu St. Maura geblieben / und habe man 1200. Pferde auff die Galeren eingeschiffet / umb zum außsteigen fertig zu haben / worauff man dann den Lauff gegen Lepanto gerichtet / gleich als wann man dorten anländen und außsteigen wolte / wäre aber geschehen / umb die Türcken glauben zu machen / man werde selbigen Orth angreiffen / so auch erfolget / massen sie schon sich zur Gegenwähr fertig gemacht / auch hat der Seraskier deßhalben (Die Christl. Flotta seglet nach Navarino.) der Türck. Armee Marsch verschoben; Es ist aber unsere Armada mit gutem Wind biß nach Navarino gesegelt / diesen Orth / oder aber die Vestung Modon anzugreiffen / indeme man vermeinet / wenigen Widerstand zu finden / auch der Seraskier mit der Armee / weiln er durch Berge und enge Wege über 8. Tag lang mit dem Marsch dahin zubringen müste / hofft man also mit ehistem von einer guten Zeitung Nachricht geben zu können. Uber Corfu hat man / daß der Corsar Manetta 2. Türck. Galeotten erobert / und alles / was darauff gewesen / zu Sclaven gemacht. Aus Dalmatia kombt / daß die Morlacken von Sebenico nebst andern Völckern selbiger Gegend / in 1200. starck / in das Türck Land gefallen / und darinn Zuppaniz nebst 2. Dörffern eingeäschert / biß 100. Türcken zu Scla [384] ven gemacht / und gute Beuten bekommen haben; im Zuruckmarsch haben sie 300. Spahy / welche ihnen den Paß abschneiden wollen / so ihre Pferd weyden lassen / weilen ein dicker Nebel ware / angetroffen / und 60. davon niedergemacht. Ob schon ein Türckisches Corpus bey Narenta stehet / so (30. Banditten bringen 60. Pferd mit Saltz de laden glücklich ein.) seynd doch 30. Neapolitanische Banditten / die in unsern Diensten stehen / ausgangen / haben 60. Pferde mit Saltz beladen / die einige Türcken convoyret / angetroffen / von diesen 6. nieder gesäbelt / 6. gefangen / und alle Pferd erobert. Ein Türckisches Jagtschiff von Castel Novo, welches sich im Canal von Cattaro verborgen gehalten / ist von 2. unserer Galeotten angetroffen / so sich tapffer gewehret / da dann ein Türck tod geblieben / und 4. verwundet worden / wornach die Türcken sich auffs Land salviret / ermeldtes Schiff verlassen / so die unsrigen weggenommen / jedoch auch 7. Verwundete bekommen haben. Dieser Tagen seynd abermal zu Lido neugeworbene Völcker angelanget / welche in Dalmatien geführet worden. Mit einem Schiff / so von Zante gekommen / hat man fernern Bericht / daß der Herr General Morosini 2. Galeatzen und 4. Galleren commandirt gehabt / mit Canonen die Schlösser deß Golffo von Lepanto zu beschiessen / als nun viele Türcken von andern Orten zum Succurs dahin gekommen / seye besagter General mit der gantzen Armada nach Navarino geschiffet / dorten glücklich angeländet / ausgestiegen / und gedachte Vestung angegriffen; die meiste Kriegsschiffe aber wären nach Neapoli di Malvasia gangen / umb zu verhindern / damit kein Succurs in Morea könte gebracht werden; Man füget (600. Griechische Priesier werden von den Türcken gezwungen einen grossen Tribut zu bezahlen.) hinzu / daß unweit Salonickio sich in einem Ort / Monte Sancto genan̅t / biß 600. Griechische Priester befunden / dahin die Türcken 2000. Soldaten gesandt / den Ort umbringet / und die Griechen gezwungen hätten / ihnen 40000. Reali Tribut zu bezahlen. Eine Parthey anderer Türcken haben an einem andern gewissen Ort einen Griechischen Priester / so mit seiner Gemeinde das Nachtmahl in der Kirchen gehalten / angetroffen / und ermeldten Priester mit allen Beywohnenden darinn niedergesäbelt / vorgebend / daß solche mit denen Christen Verständnusse hätten. Dieser Tagen hat man dem Herrn Provediteur General Cornaro nacher Dalmatia 10000. Zecchini übersandt / umb selbige Militze zu bezahlen. Aus Dalmatia hat man / daß 60. Mann der unsrigen aus dem Fort Opus gegangen / welche an einem Ort gegen dem Thurn von Narin die Türcken attaquirt / und deren 30. niedergemacht haben. Der Herr General Sargente Maggiore Hannibal von Löwenschild ist wieder in Trutschland gekehret / umb noch 1000. Mann Fußvölcker zu werben; wie dann schon einige Compagnien von solcher Zahl zu Lido angelangt seynd / mit welchen sein Bruder André, so Obrist-Wacht [385] meister ist / dieser Tagen gegen Levante abgeschiffet. Sonsten ist der den ersten dieses entstandene Brand zwar vollkommen gelöschet worden / hat aber sehr klägliche Ruinen hinter sich gelassen: gleichwohl umb den Himmel zu (Wegen glücklich gelöschten Brants wird zu Venedig ein Procession gehalten.) dancken / daß solch es Feuer nicht weiter umb sich gefressen / hat man den 16. durch das gantze ruinirte Quartier biß in das Hospital eine Procession gehalten / welcher die Obersten und Weisenkinder selbigen Orths blossen Fusses mit beygewohnet. Die Capuciner sind wiederumb in ihr Closter gekehrt / in Gesellschafft unsers Patriarchen / welcher mit scharffer Excommunication durch die gantze Stadt Placaten hat anschlagen lassen gegen die jenige / welche einige Mobilien oder Effecten / so den armen verbrandten Familien zugehören / bey sich behalten / damit dieselbe solche wieder bekommen mögen. Vor 3. Tagen ist ein Kauffschiff von Canea allhier arrivirt / mit Bericht / daß gar wenig Türck. Militz mehr in dem Reich Candia seye / und daß man von der Türck. Flotta nichts vernehmen könte / sondern daß man daselbst allein die Beylersche Galleren wolte außlauffen lassen; die Barbarische Raubschiffe würden zwar auch allda erwartet / indessen aber seye der Schrecken allda überall sehr groß. Uber Smirne haben unsere Kauffleute Brieff von 16. May von Constantinopel / meldende / daß der Groß-Sultan angelangt / und selbige Stadt in (In der Stadt Constantinopel ist der Schrecken / das Elend und die Theurung sehr groß.) voller Confusion und der Schrecken und Elend nebst einer Theurung von Lebensmitteln sehr groß seye; umb das gemeine Volck zu stillen / wäre der Kaimakam nebst 2. andern Bassen / in die Siebenthürne geführet / und daselbsten enthauptet worden; den abgesetzten Groß-Vezier hätte man auff der Insul Rhodis strangulirt; der Seraskier in Morea habe etliche Christen-Köpffe nach Constantinopel geschickt / umb dardurch seine vor Chielafa genommene Flucht zu beschönen; hätte auch zu gleicher Zeit dahin berichtet / daß er Kundschafft erhalten / daß die Venetianische Armada in 150. Segeln starck / nebst vielem Volck Vorhabens wäre / in die Dardanelli zu gehen / weßhalben man von Constantinopel Kriegsvolck und Ammunitiones in selbige Schlösser / solche zu verstärcken / gesandt hätte. 6. Türck. Raubschiffe / welche auff der Seithen von Bari in Sicilien auffs Land gestiegen / haben eine grosse Menge Bauren in die ewige Dienstbarkeit hinweggeführet. Von Turin hat man / vom 22. dieses / daß weiln die Sachen in denen Lucerner Thälern nun zu Ende gebracht / nit allein der Hertzog von Savoyen / sondern auch der Marq. Parella zurück gelanget / aber dieser letzte kranck seye / und dem Hn. della Roche, Gouverneur der Thäler / dorten das Commando überlassen habe. Von Rom hat man / daß deß Englischen Ambassad. Secretarius von Londen zu Rom mit (B???schreibung der) guten Wechseln zurück gelangt seye. Unsere Seeflotta in der Levante bestehet in 22. G???en / 6. Galeazzen / 30. Kriegsschiffen / 5. Palanders / 4. Brander / 20. [386] Transport-Schiffen / 25. Marcilianen / 20. Tartanen / und ungefähr 40. gewaffneten Griechischen Bregantinen / und Galeotten / ohne die 17. Auxiliar-Galleen / 6. Galeotten / und 6. Tartanen. (Venetianis. Flotta in Levante.) Endlich ist den 29. als am Fest der H. Aposteln Petri und Pauli zu Nachts über Ottranto ein Expresser von unserer Armada mit Brieffen vom (Erfreuliche Zeitung zu Venedig angelangt.) 11. und 12. Junii datirt allhier angelangt / mit der höchsterfreulichsten Nachricht / daß / nachdeme der Hr. Generalissimus Morosini sich mit dem Päbstlichen / Malthesischen und Florentinischen Galeren / so der Gen. von Carllstadt Graf von Herberstein / als Malthesischer General commandiret / in dem Porto zu St. Maura sich conjungirt gehabt / und sämbtlichen gegen den Porto von Navarino in dem Königreich Morea gelegen / geseglet / hat er 4. Galeren vorangeschickt / welche über 30. Canonschüß auff den Hafen (welchen man (Außführliche Beschreibung von Groberung alt und neu Navarino.) vor Alters Zonchio, anjetzo aber alt Navarino nennet / so 3. Meilen von neu Navarino lieget) aber mit wenig Schaden gethan / worauff die Flotta in Gesicht besagter Stadt den 2. Junii mit etlichen Schiffen angeländet / und ihre Militz im Gesicht besagter Stadt auffs Land gesetzet / deß Vorhabens alt Navarino anzugreiffen / welches ein wackere Vornehmung / und schwär herzugehen geschienen / indeme die Vestung auff einem unzukom̅lichen Felsen liget / und allein an einer Seithen die Attaque hätte geschehen müssen / als aber die Türck. Guarnison darinn / so ohnvermuthet eine so grosse Armada von Boschiffen / ohne die Galeren / Galeatzen / und andere kleinere Segeln gesehen / und man die Vestung auffgefordert / mit Betrohung / daferne sie sich nicht gutwillig ergeben würden / hernach alles niederzumachen / indeme sie nun den versprochenen Succurs nicht gesehen / haben sie eine weisse Fahne außgesteckt und accordirt / mit Gewähr / Bagage / Weib und Kindern außzuziehen / eingeschifft / und nacher Alexandria übergeführt zu werden / welches 1500. Meilen weit von Morea entlegen ist; worauff die Türcken dann den 4. Junii in 200. Soldaten / und 200. Weiber und Kinder zu Folg der Capitulation außgezogen / und eingeschiffet worden seyn; die Unsrigen hingegen haben den Orth mit einem Commendanten und 160. Mann zu Fuß besetzet / und darin (Was in alt Navarino erob???rt worden.) 20. grosse Metallene / und 33. Eiserne Stück Geschützes / 2000. Messingene Röhrer / 200. Mußqueten / 30. Doppelhacken / und 60. Pferde (welche dem Marquis di Corbon gegeben worden / umb seine Dragoner wieder beritten zu machen) nebst einer Quantität Pulver / Kugeln / einem grossen Vorrath an Zwybacken Brod / vielen alten Armbrüsten / Schild und Schwerdern / welche man Anno 1499. (als Morea in der Türcken Hände gekommen / gebrauchet) gefunden; so seynd über dieses auch noch 200. gefangene Christen liberirt worden. Nach dieser glücklichen Verrichtung hat man den [387] 4. dieses zu Nachts 11. Galeren in den Hafen / darnach die Galliotten / und andere kleine Schiff / wie auch den Hrn. Jacob Cornato Provediteur General der 3. Insulen mit seinen 4. Galer???n / und folglich die gantze Armada in 20000. Mann starck nach neu Navarino gehen lassen / und zuerst eine Batterie auff dem Steinfelsen gegen Navarino von Holtz / Schantzkörben / und Säcken / weiln man keine Trenscheen wegen der steinigten Erden machen können / verfertiget / und 20. Stück Geschützes / und 18. Feuermörsel darauff gepflantzet / umb Bresche zu schiessen. Der Commendant Sefer Bassa schickte (Der Commendant ??? neu Navarino begebret Succurs ve??? Türck. Seraskier.) Schreiben an den Seraskier / so man aber auffgefangen / durch welche er von ihme Succurs begehrte / vorgebend / daß er sich tapffer wehren / und bey seiner Armee Ankunfft ausfallen wolle / weiln die Christen nit so starck / als sie vor Coron gewesen / wären. Inzwischen thäten die Türcken von neu Navarino auff der Mäyländer Quartier einen Außfall / wurden aber mit Verlust 12. Türcken / und 3. Mayländern zurück geschlagen. Die Griechen in der Vorstadt wurden in neu Navarino, nebst ihren Familien gebracht / dergleichen auch der Sefer Bassa sich hinein versügte; weiln niemand als der Desdar, genandt Cartil Aga und ein Cadi darinnen war; der Maumut Bassa stunde mit 2000-Mann zu Nixi, umb den Mainotten das Streiffen zu verwehren; die Albaneser hatten auff 6. Meilen umb die Stadt geflüchtet / und ware ihr Führer Zaccaria mit 500. Mann in deß Feinds Land gestreifft / und darinn eine grosse Menge Viehe zusammen / und in der Unsrigen Lager gebracht, mitlerweile forderten die Unserigen neu Navarino auff / bekamen aber von dem Commendant Sefer Bassa zur Antwort / daß er besser mit Ammunition und Geschütz / als die zu Coron gewesen / versehen sey. Und wolte er dem Eyd und Gesetzen zu Folge / deren er verbunden / den Platz biß in den letzten Athem defendiren; worauff man die Vestung unter Commando deß Grafen von St. Felix, mit canonirn und bombardiren tormentirte; Als nun laut fernern Brieffen vom 17. und 18. Junii datiret / welche der Obrist Magnamini / vom Hrn. Capitain-General Morosini den 30. Morgends frühe über Meer anhero (Welcher zum Entsatz ohnweit Navarino sich sehen lässet.) gebracht / gedachter Hr. Morosini Kundschafft erhalten / daß der Seraskier mit seiner Armee von 8000. Janitscharen / und 2000. Spahi sich verspühren lassen / und in währendem Marsch die Dörffer außplünderte / weßwegen die armen Einwohner in grosser Menge unter die Mauer deß eroberten alten Navarino flohen / hat er sofort den Kriegs-Rath versamblet / in welchem einhellig geschlossen worden / mit Bomben und Feuer einwerffen in die belagerte Vestung zu continuiren / den Hn. General von Königsmarck aber mit den 2. Regimentern Dragoner / so der Marquis di Corbon und Visconti führen / nebst denen Sächsischen / Braunschweigis. und andern [388] Völckern comm???ndiret / dem Sera???kier entgegen zu gehen / welches auch so geschehen / der Cheva lier Alcenago ist mit theils der Armada vor Neu Navarino stehen geblieben / als immittels der Türck. Seraskier auch immer näher avanciret / hat er sich endlich (nachdem er diese Vestung ins Gesicht bekommen) (Deme die Unserige unter Commando deß Hrn. Graffen Königsmarcks eine Schlacht lieffern selbigen in Confusion bringen und sein gantzes Lager erobern.) in ein groß Thal gelagert / welches vor ihn sehr vortheilhafftig war / nichts destoweniger avan???te Hr. General Graff Königsmarck nach dem Feind immer näher und nachdeme er durch einen engen Weg m???rschiret / und an der Seithen gegen das Thal kame / wo der Feind campiret / besahe er selbst als ein erfahrner Soldat die Gelegenheit / und ruckete näher an de??? Feind / dieser solches wahrnehmende gienge gleich mit grosser Furie auff die Christen loß / und waren die Dragoner die ersten / so der Feind attaquiret / da es dann den 14. Junii zu einem scharmutziren gekommen / die T???rck???n wendeten sich auff Seithen der Sächsischen und Hannoverischen Völcker / welcher dero Printz führete / das Gefechte dauerte in 2. biß 3. Stunden; Endlich geschahen von denen Unsrigen aus Feldstücken 4. Salven unter die Türcken / wodurch diese in Confusion und gar in die Flucht gebracht / deren 500. Todten auff der Wahlstatt erleget / viele verwundet / und gefangen worden / da dann die Unsrigen 800. Zelten / Fahnen / alle Bagage / Geschütz und Ammunitiones erobert / und von denen Dragonern die flüchtende Türcken weit verfolget worden / auch der Seraskier selbsten tödtlich verwundet ist / welches wie man sagt / der Printz de Turenne, so dem Marq. di Corbon allzeit auff der Seiten gewesen / mit einem Pistohl-Schuß gethan haben solle. Unserseits seynd nicht mehr als 25. theils getödtet / theils verwundet worden. Nach dieser Action hat Herr General-Capitain Morosini die Vestung neu Navarino nochmahln auffgefordert / mit Betrohung / wo sie sich nicht gleich ergeben thäten / keinen Accord mehr anzuhören / sondern alles gleich zu Coron beschehen / niederzumachen / und deß Kinds in (Worauff neu Navarino accordirt und die Veslung den Unserigen eingeraumt wird.) Mutter-Leib nicht zu verschonen / als nun die darinnige Besatzung den Ernst gesehen / und zugleich vernommen / daß ihr Entsatz von den Christen geschlagen worden / haben sie capitulirt / innerhalb drey Tagen mit Gewähr und Bagage außzuzihen / und gaben denen Unsrigen fünff Geisseln / raumeten die Vestung ein; Zwischen solchen drey Tagen Zeit kam / man weiß nicht / obs mit Fleiß / oder ohnversehens geschehen / Feuer in 20. Tonnen Pulver / wordurch 115. andere melden / 150. Türcken / darunter der Commendant Sefer Bassa, wie auch sechs Christen umbkommen / und funffzehn verwundet / auch deß Bassa Pallast / und einige [389] Häuser ruinirt worden seynd. Den 15 Junii zoge die Türckische Guarnison in 1200. zu Fuß / 200. zu Pferd / nebst 1800 Türckischen Einwohnern mit ihrer Bagage aus der Vestung / die zwar nach Lepanto convoyret seyn wolten / welches der Herr Generalissimus ihnen aber nicht einwilligte / sondern antwortete / daß er selbsten mit unserer Armada und in selbige Stadt einziehen wolte / wurden also die Türcken in 3. Schiffen embatquirt, und gleich denen von Alt-Navarino nach Alexandria geführet / die Griechen seynd in ihren Wohnungen zu Neu-Navarino geblieben / allwo die unsrigen biß 150. Stück Geschützes und Munition in Uberfluß gefunden. Der Herr Capitain-General hat alsobald die vornehmste Türckische Moschea zu einer Kirchen weyhen / den Namen S. Vitus geben / so eben der Tag deß 15. Junii (Beschreibung der Fortifications-Werck von Neu-Navarino.) ist / und das Te Deum laudamus darinn singen lassen. Dieses ist ein grosser Ort mit 6. regularen Bollwercken / einer guten Retirada und wohl gebauet / versehen / und sonsten von Natur wegen der Felsen vest / am Meer hat er hohe und niedrige Batterien / umb den Eingang deß Hafen zu bewahren / so eine Meile breit ist; die Stadtmauer ist eines Schritts / und die an der Retirada 3. breit. Der Herr General Morosini kan die Tapfferkeit und conduite deß Herrn General Königsmarcks / Marquis de Corbon, Conte Visconti, der Volonteurs, wie auch die erwiesene Tapfferkeit der Teutschen / Spannischen / und andern Auxiliar-Völcker / nicht genugsam rühmen. Obgedachter Hafen ist capabel zu einer grossen Armada / und ist merckwürdig / daß innerhalb 14. Tagen man Christlicher Seits so 3. considerable Anschläg vollzogen / und in allem mehr nit als 60. Mann / so umbkommen und verwundet worden seyn / verlohren hat. Wegen dieser so herrlichen Victorien hat man den 30. allhier in allen Kirchen das Te Deum laudamus gesungen. (Päbstliche Geschichten.) Von Rom kombt neues / daß den letzten passato der Hertzog von Mantua von Neapoli wieder allda angelangt seye / so den 1. dito vom Pabst seinen Abschied genommen / und den 8. nach Loretto abgereist ist / allwo er zu gleicher Zeit die Hertzogin seine Frau Gemahlin antreffen wird. Den 25. passato ist aus dem Mayländischen der Herr Graf Carl Bottomeo allhier angelangt / umb als Königl. Spannis. Extraord. Ambassadeur dem Pabst den Zelter zu proesentiren / oder den gewöhnlichen Tribut wegen deß Königreichs von Neapoli zu bezahlen / welcher schon bey dem Pabst privatim gewesen ist. Von Neapoli hat man / daß daselbst der älteste Printz deß Hn. de Colbert aus Franckreich angekommen / und von seltigem Vice Ré wol empfangen worden seye. Den 10. ist der Courrier / welchen der Kön. Englische [390] Ambassad. Lord Gastelmaine nach Londen abgeschickt gehabt / dahier wieder zuruck angelangt / ohne daß man wissen könte / was er vor Depeches mitgebracht hat. Mit einem Expressen von Venedig hat man / daß die ewige Alliantz (Der Polnische Envoyé notificirt Ih. Päbstl. Heil. die geschlossene Alliantz mit Moscau / und haltet zugleich umb Geld-Succurs an.) zwischen Polen und Moscau geschlossen worden ist / welches auch der Polnische Envoye dem Pabst notificirt, und in damals gehabter Audientz seine instanz wegen Geld-Succurses wieder erneuert hat. Der Capitain von der Päbstl. Schweitzerischen Gardie ist im 76. Jahr seines Alters dahier gestorben. Von Neapoli schreibt man / daß der Baron di Montebello in selbigem Königreich / wie auch in Sicilien bey dessen Verwandten und Freunden noch mit allem Ernst gesucht werde. Die Hertzogin von Bracciano werde von selbigem Vice-Ré mit aller Höflichkeit tractiret. Der neue Venetianische Resident zu Neapoli hat bey gedachtem Vice-Ré Audientz gehabt. Der Capitain Corattino, so 30. neugeworbene Soldaten und 100. Banditten von Abruzzo zu Schiff gebracht / stehe fertig / mit seinem Schiff nach Levante abzusegeln. Von Livorno berichtet man / daß daselbst von Palermo eine Genuesische Gallere angelangt seye / mit welcher man vernommen / (Zu Palermo in Sieilien wird ein Erdbeben verspührt.) daß man den 13. dieses zu Palermo ein Erdbeben verspühret / welches an denen Gebäuen der Stadt und Häusern Schaden gethan / wordurch auch 10. Personen umbgekommen / so sich auch biß 40. Meilen in der Ronde habe verspühren lassen / über das hätten die Würme an der Seyden dorten grossen Schaden gethan / und seye die Ernde an Früchten auch sehr (Schlimme Praxis von etlichen losen Gesellen daselbst.) schlecht gewesen. Den 14. dito zu Nachts wären einige lose Gesellen durch die Stadt gegangen / und haben geschryen / O Elend / über Elend! und die Einwohner ermahnet aus der Stadt auffs Feld zu fliehen / weilen nach dem Erdbeben noch ein grössers Unglück erfolgen werde; worauff viele ihre eigene Häuser verlassen / welche aber hernach von dem Pövel geplündert worden; als der Vice-Ré von Sieilien davon Nachricht erhalten / habe er die Urheber und Vornehmste ins Gefängnuß werffen / und deren 6. auff???encken lassen. (Savoysche Geschichten.) Aus Turin wird geschrieben / daß die Lucerner Thal-Sachen nur gleichfalls zu End gebracht / indem sich in den Geborgen gar wenig Protestanten (Mit den Lucerner Thal-Sachen geheis zum Ende.) mehr befinden / und weit und breit on einander zerstreuet seynd Erhaben sich 7. bewehrte Männer und 2. Weiber in eine veste Höle und Felsen reterirt gehabt / und begehret mit dem Herrn di Brichialdin zu capituliren / und daß 4. von ihnen vermummet heraus gehen wolten / man hat ihnen aber geantwortet / daß man solches Sr. Hoheit berichten müste / umb dessen Erlaubnuß zu haben / sie haben sich aber inzwischen durch Hülffe der Nacht mit der Flucht salvirt; man glaubt / daß solche 4. seynd / der Major [391] von der Stadt Cartres, der Obrist diß Bretagnischen Regiments / ein Edelmann / und ein Frantzösischer Pfarrer. Der Marq. Parella hat seinen Marsch durch die Gebürge geendiget / und hat nebst seinen Völckern grosse fatiquen ausgestanden / insonderheit aber wegen Fallung seines Pferds / so ihme (Die Frantzös. Völcker werden von Sr. Königl. Hoheit teurlaubet.) Schaden an seiner Achsel gemacht. Der Herr di Cattinal hat von Sr. K. Hoheit Abschied genommen / und marschiren die Frantzösische Völcker wieder zurück nacher Casal / Pignerol / und in das Delphinat / allwo sie vorhin gewesen seynd. Das Savoysche Regiment nebst dem Montferratischen Regiment / und 30. Compagnien vom Marinischen Regiment haben der Frantzosen gehabte Posten besetzt; auch bleiben einige Savoysche Völcker unter Commando deß Marq. di Boglio in St. Martins-Thal / und einige andere in Angrogna und Babbio, umb die Thäler in Sicherheit zu stellen / weilen noch einige wenige Protestanten sich in denen Hölen und Klüfften im Gebürge auffhalten / und diese also vollends durch Hunger zu zwingen. Auch hat man einige Soldatesca in Pragola verleget / umb zu verhindern / damit die neue Catholischen aus dem Delphinat / weilen man ihnen noch nicht allerdings trauet / nicht zu jenen in die Thäler lauffen / und (Der Hertzog von Savoyen nebst den vornehmsten Officierern langt wieder zu Turin an.) also auffs neue zu thun machen möchten. Ihro Königl. Hoheit der Herr Gabriel di Savoia, der Marq. di Marollas, Obrist-Lieut. vom Leib-Regiment / der Marq. Motosso, und Graf Marcenasco, wie auch die Staats-Ministri, das Leib-Regiment / und die Artillerie seynd wieder dahier angelangt. Zu Lucerna ligen verschiedene Cavalliers kranck. Denen 800. Protestanten groß und kleinen / so sich freywillig ergeben / suchet man Unterhalt zu verschaffen / sie kosten täglich 140. Duplonen zu unterhalten. Man sagt / daß die Catholische Schweitzer-Cantons Sr. Königl. Hoheit 500. Familien angebotten hätten / umb solche in denen Thälern wohnen zu lassen; worauff aber noch nichts resolviret worden seyn solle. Den 12. kam ein Königl. Polnischer Envoyé anhero / der den 14. bey dem Hertzog Audientz gehabt / und den 15. wieder von hier abgereist ist. Der Marq. Parella wird (Der Marquis Parella haltet die Thäler noch besetzt.) noch einige Zeit in den Thälern verbleiben / und die dorten hinterlassene Völcker commandiren / bey seiner Zurückkehr aber das Commando dem Herrn della Roche, Gouverneur von Lucerna überlassen. In denen Thälern kommen dann und wann noch einige Soldaten der unsrigen umb. Ihro Königl. Hoheit haben den Frantzösischen Herrn Cattinal vor seiner Abreiß mit dero Vildnuß von grossem Werth regalirt / und unter die Frantzösisch. Völcker vor dero Abmarsch 9000. Duplonen austheilen lassen. (Gennestsche Geschichten.) Von Genua kombt / daß / nachdeme die 2. Galleren von Sardegna in 7. Stunden lang mit einem Algierischen Raubschiff / worauff 128. Türcken [392] gewesen / sich herumb geschlagen / haben sie solches erobert / 48. Türcken niedergemacht / und 80. gefangen genommen. Hingegen vernimbt man / daß (2. Galleren von Sardegna erobern ein Algierisches Raubschiff.) besagte Algierische Räuber alldorten ein Portugesisch / ein Spannisch / und 3. Holländische Schiffe / so reich mit Wein / Brandewein / Korn und Hülsenfrüchten / beladen gewesen / auffgebracht haben. Man schreibt von Insprugg / daß gantz gewiß seye / daß der König in Frankreich Ihr. Durchl. dem Hertzog von Lothringen die restitution dero Landen anproesentirt habe / jedoch mit solchen conditionen, die Ihro Durchl. nicht gefällig sey???n. Von Neapoli vernimbt man / daß die Räuber von Dolcigno zu Barletta 50. Sclaven gemacht haben / und 30. zu Mela, weßhalben die Leute von dem ersten Ort 1000. Rthlr. zusammen gebracht / und nacher Ragusa geschickt / umb die ihrige zu rantzioniren / und wieder loß zu kauffen. Aus der Barbarey (Die Stadt Tunis in Africa bleibt noch hart belägert.) hat man / daß die Algierer die Stadt Tunis noch hart belagert / und durch Eroberung deß Porto Fatina (worzu einige Christliche Sclaven das beste gethan / und dardurch ihre Freyheit bekommen) die Einwohner ermeldter Stadt sehr bestürtzt seyn / und habe es das Ansehen / daß sie sich in kurtzem an die Gebrüder Haly und Mahomet Bey werden ergeben müssen.

Das neundte Capitel
[arrow up]

Stellet vor / was in denen 17. Niederländischen Provincien sich begeben hat. (Holländische Geschichten.) AUs dem Haag wird berichtet / daß Michaël de Bree sich mit einem Seerauber männlich herumb geschlagen / aber endlich sein Schiff an den Strand setzen müssen / er selber aber nach Delmina gefangen gebracht (In der Stadt Ter Veere in Seeland entstehet ein hefftige Feuersbrunst.) seye. Den 25. passato Nachmittags ist in den Thurn der Stadt Ter Veere eine hefftige Feuersbrunst entstanden / wodurch derselbige sambt der Kirchen / welche eine von den ältesten und fürtrefflichsten Gebäuen in Seeland ist / in die Aschen gelegt worden / also daß nichts als die Mauern davon stehen blieden / darneben sind auch noch 2. kleinere Kirchen / so an der grossen angebauet / und darinnen die Fräntzös. und Schottis. Reformirten ihren Gottesdienst hielten / verbrant. Dieser Brand soll aus eines Bleygiessers Unvorsichtigkeit verursachet worden seyn. Die Horn-Nassau-Fagel- und Schottische Regimenter haben Ordre empfangen / in Seeland zu marschiren / umb die Guarnisonen zu Mittelburg / Vliesingen / Veer und Tolen [393] zu verstärcken; Man redet 10. à 12000. Matrossen und Bootsleute zu werben / und diese allzeit in Diensten zu behalten. Mons. de Bonrepos, General-Intendant von der Frantzösischen See-Flotta / so sich einige Tage in (Mons. de Bonrepos General-Intendant von der Frantzösis. See-Flotta langt im Haag an.) diesen Landen auffgehalten / und alles / was rar ist / besichtiget / hat den 30. passato Abend von hier sich wieder nach Franckreich erhoben. Der Graf von Salazar / so als Spannischer Envoyé in Engelland gewesen / ist den 3. wieder zurück zu Brüssel angelanget / mit welchem 2. Englische Herren kommen / umb nacher Aachen zu gehen / daselbsten die Bäder / oder die Wasser von Spaa zu gebrauchen. Madritter Brieffe vom 23. passato / und die Pariser vom 4. diese jetzt lauffenden Monats confirmiren nun einhellig / daß die differentien zwischen Franckreich und Spannien völlig verglichen seyn / und die Frantzösische Flotte von denen Spannischen Cüsten weg gesegelt ist. (Der Frantzös. Ambassadeur thut in der Versamblung der Hn. General Staaten Notification, daß die differentien zwischen selbiger Cron und Spannien völlig verglichen seyen.) So hat auch der hiesige Frantzösische Ambassadeur Herr Graf von Avaux in der Versamblung der Hn. Hn. General-Staaten dieser vereinigten Provintzien davon notification gethan / also daß an solcher guten Zeitung nicht mehr zu zweifeln ist. Der Schrecken / davon jüngsthin Meldung geschehen / welcher denen Seeländern zu Fliessingen eingejagt worden / daß sie so eylends ihre Stücke haben auff die Walle führen lassen / ist von der Flotte / vermeynend / daß es eine ausländische Schiff-Armada wäre / welche sie feindlich angreiffen wolte / unterm Commando deß Grafen von Styrumb herkommen. Weil die Sach wegen der Indult beygelegt ist / oder auff gutem Weg damit stehet / so kom̅t ihrer vielen die starcke Kriegsrüstung / welche in Franckreich beydes zu Brest und Rochefort als Toulon geschicht / verdächtig vor / hingegen benimbt deß Königs Reise den Inwohnern an dem Rheinstrohm etlicher massen die Forcht / sich einbildend / daß man sie (weil Se. Maj. sich sehr weit von ihnen entfernen) nicht beunruhigen werde / und ist auch deme also / daß der Cron Franckreich Absehen nicht dahin gerichtet ist. Mit Brieffen aus Ambsterdam vom 28. passato vernimbt man / daß daselbst ein Schiff von Cadix arrivirt / mit Zeitung / daß die Frantzösische Flotta sich vor selbiger Stadt zertheilt / und nach Lissabon gesegelt / welches unter den Negotianten daselbst grosse consternation verursacht / und solches umb so viel desto mehr / weil von einem Dessein gesagt würde / umb den Pulverthurn daselbst in die Luffl zu sprengen. Sonsten ist der Herr Baron Friese aus Sachsen bürtig zum Obristen deß Oßnabrückischen Regiments (Im Haag wird Kriegs-Rath gehalten.) gemacht worden. Den 5. ist im Haag Kriegs-Rath gehalten worden / und wird mit der Ausrüstung 28. Kriegsschiffen / welche der Herr Everts / Vice-Admiral von Seeland commandiren söll / starck gearbeitet / umb die Corsaren von Algiers zu Chor zu treiben / und für die Sicherheit der Schiffe / [394] so aus Ost- und West-Indien kommen / ein wachendes Aug zu tragen. In dem Placat / welches Jhro Hochmög. den 7. haben publiciren und anschlagen (Die Han. Staaten lassen ein Placat wider die jenige / so deß hingerichteten Hertzogs von Montmonth Parthey gehalten / publiciren.) lassen / sind biß 200. Personen mit ihren Tauff- und Zu-namen verzeichnet / welche deß hingerichteten Hertzogs von Montmouth Parthey gehalten / und aus diesen Niederlanden bannisirt werden / auch dergleichen keine mehr herein kom̅en / noch viel weniger wohnen sollen. Dahier redet man von anders nichts / als von dem Gefechte / so zwischen dem Capitain Ewyck / und einer Frantzös. Fregatten mit 60. Stücken Geschützes versehen / Marquis genant / so Mons. de Belleisle commandirt hat / auff der Spannischen Cüste bey Cadix in der Gegend Lagos vorgangen / und in welchem 40. Frantzosen / und der Holländische Capitain Ewyck nebst 4. Bootsknechten tod geblieben seynd; wegen dieser rencontre hat der Frantzös. Ambassadeur Herr Graf von Avaux den II. dieses Jhr. Hochmög ein Memoriale übergeben / und darinn erkläret / daß die Schuld dem Holländischen Capitain seye / indeme er deß Herrn d'Estrees Versprechen keinen Glauben zustellen wollen / und zuerst auff die Frantzös. Fregatte geschossen haben solle / welche Sache (Graf von Starenberg reiset als Holländischer Ambassadeur in Franckreich.) doch in der Güte wird abgethan werden. Den 6. frühe ist Mons. Starenberg zu seiner Ambassade nacher Franckreich abgereist / mit Ordre / seine Reise so viel möglich zu beschleunigen / und seine Klagen an selbigem Hof / wegen obiger rencontre schrifft- und mündlich zu thun. Den 11. ware der Englische Envoyé Herr Skelton bey Hof / deme mit erstem eine Antwort auff sein Memoriale wegen Ausmachung der Banthamischen Sache von diesem Staat gegeben werden solle. An den Herrn Citters / dieses Staats Ambassad. am Englischen Hof hat man Schreiben abgeschicket / umb Sr. Kön. Maj. von Engelland wegen der rencontre, so zwischen einer Frantzös. Gallere und einem Holländ. Schiff / welches der Capitain Ewyck commandirt / der auch darauff erschossen worden ist / auff der Rhede vor Cadix vorgegangen / ausführlichen Bericht zu thun. Die Ausrüstung der 24. grossen Kriegsschiffe in diesen Landen wird starck fortgesetzet / und hofft man solche gegen halben Monat Julii fertig zu haben / und auslauffen lassen zu können. Der König von Engelland hat sich sehr vergnügt erzeigt / wegen deme / daß das Schiff von Helberenberg / welches letzthin den Hertzog von Montmouth in Engelland übergeführt hat / in Sr. Maj. Favor confiscirt worden. Den 15. ist der Herr Yvoyé General-Ingenieur dieses Staats nacher Genff in sein Vatterland verreist. Von Cadix hat man vom 27. passato / (Die Spannische Flotta langt bey der Frantzös. ??? Cadir an.) daß 26. Spannische Kriegsschiff von 50. biß 76. Stücken / und von 450. biß 900. Mann besetzet / nebst 3. biß 4. Brandern / vor der Rhede bey der Frantzös. Flotte angekommen / und sich neben die Frantzös. Flotte gese [395] tzet / und postirt hätten; besagte Spannier hätten noch 50. lange Schiffe / jedes mit 50. Mußquetirern und nöthigem Bootsvolck versehen / fertig / umb auff die Galliotten / welche die Bomben auswerffen / Achtung zu geben / von besagtem Cadix seyen 8. Frantzös. Kriegsschiff abgesegelt / und ihren Lauff nach denen Cüsten von Portugall eingerichtet; daß die Span. Flotte dieses Jahr nicht nach Indien gehen werde / und daß man dorten die Gallionen im Monat Augusto erwarte. Der Printz von Würtenb. ist von hier nacher Teutschland verreist; hingegen ist der Herr Printz von Nassau / Stadthalter von (Der König von Portugall lässet allen proteflirenden Frantzöff. leuten in seinem Reich ansagen / ohne Verzug das Königreich zu raumen / oder Röm. Catholisch zu werden.) Frießland nebst seiner Frau Gemahlin allhier angelangt. Der König von Portugall hat allen protestirenden Frantzös. Kauffleuten in seinem Reich ansagen lassen / ohne Verzug das Königreich zu räumen / oder Röm. Cathol. zu werden / bey Straff der Inquisition, deren dan̅ gar wenig alldorten geblieben seyn / die andern aber haben sich in Engelland und Holland reterirt. Man redet / über vorige noch 18. Kriegsschiffe auszurüsten / und 9000. Matrossen zu werben. Deß Hn. von Hemskirchen / so Ambassadeur zu Madritt am Königl. Spannis. Hof gewesen / Frau ist dahier wieder zurück kommen / und glaubt man / daß Mons. Bastier ehistens nacher Spannien reisen wird / gedachten Ambassadeurs Platz zu ersetzen. Von Nantes hat man Schreiben / allwo ein Schiff von Bilboa angekommen seyn solle / mit Bericht / als ob die Holländ. Convoy von 3. Kriegsschiffen und 24. Kauffschiffen / bey der Strasse / mit 9. Algier. Raubschiffen in action gewesen / und geschlagen haben solten / ob aber deme also / lehret die Zeit. Deß Printzen Casimir von Nassau Stadt halters von Frießland junger Printz ist zu gedachten Stadthalters und dessen Frauen Gemahlin grossen Leydwesen gestorben. Die Hnn. Staaten von Holland sind abermals ohne gewissen Schluß wegen deß 200. Pfennings bey des von Haab und Gut / als von jeder Person / von einander geschieden / und hält man dafür / daß die Stadt Ambsterdam allein die jenige sey / welche in keine neue Aufflag willigen wolle / es haben dann zuvor die Städte Dorth / Gorcum und Schoonhofen viel Tonnen Golds / so sie dem Staat (Die Hnn. Gen. Staatten halten mit dem Printzen und den Deputi???ten der Admiralitäten ein lange Conferentz.) schuldig verblieben / bezahlt. Die Hnn. Gen. Staaten haben mit dem Printzen und denen Deputirten der Admiralitäten und andern Collegien von wegen der 24. Schiffe / an deren Ausrüstung in Holland eyferig gearbeitet wird / 4. gantzer Stunden lang eine Conferentz gehalten / damit dem Hochmuth der Algierer / welche ihnen etliche Schiffe abgenommen / möge gesteuret / und der Sicherheit der Schiffe / so durch den Canal passiren / gerathen werde. In der Stunde / da ich die Feder annoch in der Hand habe / wird mir ein Schreiben von Cadix / welches an einen reichen Kauffman̅ dieses Landes geschrieben worden / worinnen man denselben berichtet / daß in dem Augenblick vor Abgang [396] der Post die erfreuliche Zeitung eingelangt / daß die 500000. Rthlr. vollkommlich / wie es Franckreich begehrt hat / bewilliget worden / und zum Wahrzeichen dessen habe dieser Kauffmann Ordre empfangen / dem jenigen / der ihm diese Zeitung geschrieben / eine Anzahl Wahren zu schicken. Weilen die Frantzösische Galleren und Gefängnussen viel zu eng und zu klein sind / daß sie eine so grosse Menge Protestamten oder Neubekehrten / so dahin verbannet worden / solten fassen und begreiffen können / so sagt man / daß man Vorhabens seye / diese unglückselige Leute mit den Römisch-Catholischen / so in Türckischer Sclaverey und Dienstbarkeit stecken / aus zutauschen / dem seye nun / wie ihm wolle / so würde solches viel besser für sie seyn / weil sie noch einige Veränderung ihres unglücklichen Zustandes würden zu hoffen / und von ihren Verwandien oder guten Freunden / oder andern Gutthätigen Leuten ranzionirt werden könten / da hingegen die in Franckreich die Zeit ihres Lebens in solchem jämmerlichen Stand bleiben (Ubergeben auff deß Frantzös. Ambassad. Memorial / die Begebenheit auff der Höhe auff der Höhe zu Cadix betreffend / ihre Antwort schrifftlich.) müssen. Die Herren General Staaten haben ihre Antwort auff deß Frantzösischen Ambassad. Memorial die Begebenheit auff der Höhe zu Cadix betreffend / schrifftlich übergeben / in sich haltend / daß die Frantzosen die erste Anfänger gewesen / indem sie die Holländische Schiff zwingen wollen / einen andern Weg / als sie von ihren Principalen beordert gewesen / zu nehmen. Man sagt / daß die übermässige grosse Hitze in Holland gewisse kleine Fische / so man Meersterne nennet / gleich als vergifftet / dergestalt / daß nicht allein niemand davon zu essen / sondern auch in dem Schevelinger Meer sich zu baden getrauet / weil etliche / so von diesen Fischen sind gebissen worden / ihren Biß gantz vergifftet befunden haben. Von Livorno hat man Zeitung / daß das Algierische Lager biß an die Thore der Stadt Tunis avanciret / und etliche Bomben in die Stadt geworffen habe / wordurch ein Theil derselben in die Asche geleget worden. Es hat das Gerüchte gelauffen / daß etliche Algierische Seeräuber in die Nord-See gangen / also daß man die Heringbüssen auch nunmehro assecuriren lassen. (Zu Leckerkirch hat Zu Leckerkirch bringt eine Frau 4. Kinder auff die Welt / und stirbt am fünfften.) den 23. dieses deß so genanten Christian Claesen Haußfrau Cornelia einen jungen Sohn zur Welt gebohren / welcher noch lebet und wohl auff ist / 17. Stunden darnach gebahr sie noch einen andern / der tod zur Welt kam / nach 24. Stunden bekam sie wieder einen Sohn / so 2. Stunden lebete / wieder nach andern 24. Stunden gebahr sie noch einen / aber tod zur Welt; von dem fünfften Kind ist die Mutter nicht vollkommen erlöst worden / und hat solches / nachdem sie gestorben ware / noch in ihrem Leibe gelebet. (Ein Englischer Envoye hat zu Brüssel Audientz / und offerira etliche 1000. Englische Völcker.) Von Brüssel schreibt man / daß den 1. dito ein Königl. Englischer Extraordinari-Envoyé Herr Obrist Porter angelangt / welcher den 3. dito [397] bey Sr. Excellentz Audientz gehabt hat / und etlich 1000. Mann Englische Völcker in hiesige Diensten anerbieten solle. Inner 4. à 5. Tagen wird der Herr Graf von Clermont nach dem Haag reisen / umb als Spannis. Envoyé deß Herrn Marq. de Castelmoncayo Stelle zu ersetzen. Man macht allhier eine Zelte vor den König in Engelland / und viele andere vor dessen Generals-Personen und Officiers / nebst 4000. vor seine Völcker. Von Luxenburg kombt / daß das Campement auff der Saar bereits 6000. Man̅ starck / und erwarte man mit nechstem noch 3000. Mann darzu.

Das zehende Capittel
[arrow up]

Handelt von Schweitzerischen Zufällen / wie auch von deme / was aus Asta / Africa und America diesen Monat schrifftwürdiges eingekommen ist. (Schweitzerische Geschichten.) AUs der Schweitz hat man / daß gegen den 4. Julii in allen Evangelischen Cantons ein allgemeiner Fast- und Bettag ausgeschrieben sey / wornach wieder ein Collecta gethan werden soll. Aus Asia / Africa / und America ist mehrmalen nichts berichtwürdiges eingegangen. ENDE Deß Sechten Theils.
|| [ID00410]
|| [ID00411]
|| [ID00412]
|| [ID00413]
|| [ID00414]
|| [ID00415]
|| [ID00416]


XML: http://diglib.hab.de/drucke/xb-6144/tei-transcript.xml
XSLT: http://diglib.hab.de/rules/styles/tei-transcript.xsl