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THEATRUM NOVUM POLITICO-HISTORICUM,
Das ist:
Eine gründliche und aus führliche
Erzehlüng
Alles dessen /
Was sich in dem 1686. Jahr auff diesem kugelrunden Welt-Gebäu an allen Orten und
Enden zu Wasser und Land denck- und schreibwürdiges zugetragen und begeben hat.
Worinnen / nebst einer gantz genauen Entwerffung deß Königreichs Ungarn / viel
curiose und nutz bare Materien von politischen Staats-Gründen und klugen
Sittenlehren / allerhand nachdenckliche Begebenheiten von erfreulichen Glücks-
und entsetzlichen Unglücks-Fällen / verschiedene remarquable Fügnussen von
heroischen Lob- und schandbaren Greuel-Thaten zu finden seynd.
Alles aus überschickten glaubwürdigen Advisen und briefflichen Urkundten heraus
gezogen / und mit nutzlichen Marginalien verschen.
Würtzburg /
In Verlegung Quirini Heyls / Hof- und Academischen Buchhändlers.
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Vorrede.
Historien verzeichnen / Geschichten verfassen / Großg. geneigter Leser / ist so
alt als neu: so löblich als angenehm: so rühm- als nützlich; Zu dessen
Beweißthum dienet unsere eigene Vernunfft / die ohne Antrieb zur Beobachtung der
geschehenen und ohne Nachforschung der künfftigen Dingen ein lauter dummes und
Idiotisches Wesen bliebe / ohne die geringste Hoffnung / uns dermaleins zur
anständigen Perfection zu verhelffen; das Liecht hierzu praesentiren die Studia,
welche vermittels Subtilisirung deß Verstands den Menschen capabel machen mit
der Zeit grosse Ding zu vollbringen. Ich überreiche hiemit dem günstigen Leser
ein schwaches Wercklein von einem stumpffen Federkiel entworffen / damit
vorstellend und entdeckend alle Denckwürdigkeiten / so in den ersten 6. Monaten
deß 1686. Jahrs in der Welt hin und wieder sich ereignet und begeben haben: Ich
lebe hierbey der tröstlichen Zuversicht / daß obgleich dieses Wercklein / wie
gedacht / an sich selbst schlecht und gering ist / es doch seine gewisse
Liebhaber gewinnen werde; und solches umb so viel destomehr / weilens von
allerhand [ID00010] theils Sachen von
nicht geringer importanz tractiret und handlet; man wird das heut zu Tag im
Krieg begriffene Königreich Ungarn hierinnen recht ausführlich beschrieben
finden: man wird lesen von vielen tapffern Kriegs-A???tionen / heroischen
Unternehmungen / kühngefasten Resolutionen / wohl-vollführten Anschlägen /
rühmlichst zu werck gerichten entreprisen, sinnreichen Stratagematen /
nachdencklichen Kriegslisten / künstlich ersonnenen Feuerwercken / wichtigen
Belagerungen und geschwinden Eroberungen / die so???l in Ungarn als dem
Königreich Podolien / Morea / Dalmatien und anderer Orten mehr von den Christen
gegen die Türcken werckstellig gemacht worden seynd. Man wird ergründen die
heimliche maximen, das eigentliche interesse und die politische Staats-Gründe
hoher Potentaten; wobey unschwehr zu ersehen / daß die Cron Franckreich aus
solcher Fundamental-Regul bewogen worden / die so genante Hugenotten aus dero
Königreich zu extirpiren und auszurotten / deme zu gleichem End der Herßog von
Savoyen in Ruinirung der Lucerner Thal-Leut gefolget ist. Man wird rencontriren
gantze Städte / so im Rauch auffgegangen / gantze Landschafften / so durch
Vngewitter verdorben / viele Schiffe / so durch Sturmwind zu Grund gegangen Man
wird zu vernehmen haben von Vnholden / so viel Vnsternangerichtet / von
Gespensten / so die Leut tribuliret / von dem leidigen [ID00011] Sathan selbst / der ein und andern Bößwicht in
der Lufft weggeführet hat. Man wird antreffen wunderbare Zeichen / so am
Firmament erschienen / seltzame Gesichte / so den Traumenden im Schlaff
vorgekommen seynd. Endlich wird man erstaunen ob den abscheulichen und grausamen
Greuel- Schand- und Mordthaten / so hin und wieder verübet und vollbracht worden
seynd. Im übrigen werde ich bey künfftiger Continuation dieses meines Theatri
Politico-Historici das gantze Ottomannische Reich (so weit es der jetzige Sultan
in possession hat) vor die Hand nehmen / und davon dem geneigten Leser
ausführlichen Bericht erstatten. ???omit denselben immittels zu Gottes treuem
Schutz / sich aber zu dessen Gunst und Gewogenheit empfihlet der
AUTOR.
- Kurtzer Inhalt der Capitel dieses Tractats.
- Das I. Capitel
- Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien / sowol als in Böhmein??? / Mähren Schlesien / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und begeben hat.
- Das II. Capitel
- Tractiret von Ungarischen / Siebenbürgischen / Croatischen / Türckischen / Moldanischen und Waklachischen Geschichten.
- Das III. Capitel
- Hallet in sich / was im Röm. Reich hin und wieder passire ist.
- Das IV. Capitel
- Meldet von Königlichen Frantzösischen / Spannischen und Portugesischen Begebenheiten.
- Das V. Capitel
- Bergreisser die Königl. Engell. Schott- und Irrländische Historien.
- Das VI. Capitel
- Sagt von Schwed- und Dänischen Fügnussen.
- Das VII. Capitel
- Schreibt von Königl. Polnischen / Moscowittischen / Türckischen und Tartarischen Hof- und Kriegs. Händeln.
- Das VIII. Capitel
- Redet von Italiänischen / meistens aber von den Venetianischen / auch wohl Türckischen Staats- und Kriegs-Affairen.
- Das IX Capitel
- Steller vor / was in den 17. Niederländischen Provincien sich begeben hat.
- Das X. Capitel
- Handelt von den Schweitzerischen Zufällen / wie auch von deme / was aus Asia / Africa und America schrifftwürdiges eingekommen ist.
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THEATRI NOVI POLITICO - HISTORICI
Erster Theil /
In welchem zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige
Begebenheiten / so sich im Monat Januario deß 1686 sten Jahrs in der gantzen
Welt zu Wasser und Land ereignet haben.
Das erste Capitel
Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien sowol als in
Boheim / Mähren / Schlesien / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und begeben
hat.
O???bwoln beynahe männiglich im Wahn gestanden / es werde der blutdürstige
Menschen-feind / und (Eingang in die Käpserl.
Geschichten.) tollkühne eisenbeisserische Kriegs-Gott Mars (nach dem
er in diesem Seculo schon so viel Millionen Unglücks in dem herrlichen Europa
gestifftet) dermaleins sich zur Ruhe begeben / und sein scharpffschneidendes
Mord-schwerdt in die Scheiden stecken; so muß man nichts desto weniger mit nicht
geringem Hertzenleyd erfahren und warnehmen / wie daß / als [2] selbiger vor einigen wenig Jahren die
Gegend von Occident abandonitt, er damit nichts anders als sedem belli mutirt,
und in Orient trànsferirt hat. (Mars kebret von
Occident gegen Orient) Mit was vor einem schröcklichen comitat aber
von mehr als höll- oder teuffelischen furien begleitet er von Ungarn gegen
Teutschland gekehret / und was vor schröcklichen Jammer er daselbsten
angerichtet / ist hell am Tag; die viele tausend in die ewige Sclaverey geführte
Christen-Menschen können die warhaffteste Zeugnuß geben / wie grausam die
henckermässige Tartarn und (Hauset erbärmlich in
Oesterreich.) Türcken in dem Leyd- und Freuden-Jahr 1683. in dem
schönen Oesterreich verfahren seynd / die grosse Hauffen Gebein der Erschlagenen
/ und der Brandstätt so vieler eingeäscherten namhafften Plätzen und Oerter
seynd und bleiben entsetzliche Merck- und Denckmahlen von diesen Höllengästen
vor die Nachkömmlingschafft; Genug ist / und zu sonderm Trost soll uns (Wird durch die Hülff Gottes daraus vertrieden.)
im̅ittelst dienen / daß der allmächtige GOtt eben noch in
vorbemeldtem Jahr seiner in tausend Aengsten geschwebter Christenheit zu Hülff
kommen / selbiger Hertz und Muth eingegeben / vermög dessen dieses Sathans -
Geschmeiß verjagt / verfolgt / und so zerstreuet worden / daß es noch biß dato
(darvor GOtt unendlicher Danck gesagt sey) nicht wieder zum Stand kommen (Der Käpser nimmet an Macht immer zu / und erobert viel
namhaffte Plätz.) können. Weilen nun der Allerhöchste Jhro Käyserl.
Majest Waffen bißhero so gesegnet / und vermittels Eroberung so vieler
namhafften Plätz den Käyserl. Lorbeerbaum dergestalten bezweiget / daß er schon
hundertfältige Frucht herfür zubringen beginnet: als ist man an diesem Hof auch
eyferigst dahin bedacht / wie selbiger nicht allein vest gesetzet / und
künfftighin in seinem bißherigen Wachsthum und Grüne erhalten / sondern auch
sich vermehren / und immer blühen möge; zu dem Ende das Wasser zur nöthigen
Befeuchtigung / ich will sagen / das Geld zu behöriger Fortsetzung des Kriegs
mit nichten gespahrt wird / wie dann gleich mit Anfang dieses Monats aus dem
Käyserl. Hof-Kriegs-Zahl-Amt 3. mit contanten beladene Wägen nacher Ungarn
abgeführt worden / damit die dasige Soldatesca zu erquicken / und zu neuen
Entreprisen zu encouragiren, so seynd auch zu Erkauffung Bomben / Carcassen /
und grossen Granaten / wie nicht weniger zu Bestellung des nöthigen Proviants
und Munition aus den geistlichen Contributions-Geldern 300000 fl. von denen
Päbstlichen Herrn Com̅issarien dem Herrn General
Kriegs-Commissario assignitt worden / also daß in Krafft der Käyserl. Resolution
man vest dahin collimirt, so bald nur die Cavallerie im Feld wird stehen können
/ mit den Armeen / deren 3. seyn werden / in Campagne zu rucken.
(Der Türck.) Der vom Vezier von Ofen ratione pacis
an Käyserl. Hof abgeschickte (Aga gebet) Aga ist
mit dieser Antwort an besagten Vezier wieder zurück remittirt [3] worden / daß Jhro Käyserl. Majest. in
keine Friedens-Tractaten mit der Ottomanischen Pforten sich einlassen könne /
bevor dieselbe mit den andern (unverrichter Sachen
wieder nach Ofen.) Christlichen hohen Allji???rten sich unterreden /
und ratione dandae satisfactionis etwas gewisses beylegen und sich erklären
werde: sonsten seye man disseits nicht dargegen / den ex parte gemeldter Pforten
gesuchten Frieden (im Fall dieselbe ein gewisse Satisfaction über die schwere
Kriegs-Unkosten und zugefügten Schaden geben werde) zu amplectiren.
Entzwischen seynd 10000. Mann Ungarn in dem Fürstenthum Siebenbürgen biß auff
Clausenburg einquartirt worden / und wird von dar berichtet / daß die Lebens
mittel daselbsten sehr eng zusammen gehen.
Sonsten haben Jhro Käyserl. Majest anbefohlen / daß alle künfftige geheime
Türckische affairen durch dero Ober-Dollmetscher Meinintsky alleinig (Ein Frantzös. Abgesaudter komt zu Wien an.)
expedirt werden / und durch seine Händ gehen sollen; So ist auch der lang
erwartete Frantzösische Extraordinari Envoye Graf von Vaugoyon, so am Käyserl.
Hof verbleiben soll / bereits ankommen / welcher sich aber noch incognito
auffhält / von dessen Einzug und Anbringen man vielleicht mit nächstem mehrere
materi zu schreiben haben wird. So finden sich auch die anhero ???itirte
Nieder-Oesterreichische Landstände und Adel zu der angestellten jährlichen
Landtags-Proposition schon häuffig ein.
Mithin wurde den 6. bey Hof Jhro Majest. der regierenden Käyserin Gebuhrtstag in
höchster Galla mit einer stattlichen Comödi und schöner (Die Türcken werden bey und in Arrath von den unsrigen
geschlagen.) Music celebrirt, auff welchen Tag ein Obrist-Leutenant
vom Mercyschen Regiment aus Ober-Ungarn arrivirt, welcher 15. grosse und kleine
Türckische Fahnen nebst 2. Paucken / so in einer rencontre bey und in Arrath von
denen unsrigen denen Türcken abgenommen worden / mitgebracht / wovon im andern
Capitel von Ungarischen Geschichten ein ausführlicher Bericht erstattet werden
soll. Es wurde unterdessen über die künfftige Kriegs-Operationes (Grosser Kriegsrath gebalten.) eyserig consultirt,
und giengen der führnehmsten Kriegs-Erfahrnen räthliche Gutachten dahin / daß
man gleich mit Eingang der künfftigen Campagne die Vestung Erla und zugleich
Stulweissenburg anfallen solte / damit sodann die Belägerung von der Haupt- und
Königlichen Residentz-Stadt Ofen desto sicherer eingerichtet / und zwar durch
Eroberung Erla das Ober-Ungarn bedecket / und durch Gewinnung Stulweissenburg
disseits Oesterreich in Sicherheit gesetzet werden möchte; Andere aber
raisoniren, daß wann man durch Zwang der nach der neuen invention von besagtem
Spannischen Feuerwercker verfertigten Bomben und Carcassen diesen importanten
Platz zuerst zur Ubergab brächte / müsten sodann alle andere [4] Oerther von selbsten fallen / was nun
von beyden beliebet wird / sieht künfftig zu hören.
Nebst denen Kriegs-deliberationen ist man auch continuo bemühet / (Die geistliche Contributions-gelder werden flarck
eingetrieben.) grosse Geldsummen auffzubringen / umb die benötigte
Spesen zu bevorstehenden sehr kostbahren Krieg an die hand zu schaffen / wie
dann auch mit Einforderung der geistlichen Contributionen durch die Päbstl. Hrn.
Commissarien / mit einem sehr nachtrücklichen sorgtragenden Eiffer wird
fortgefahren / und werden alle eingehende Gelter zu Beförderung der Kriegssachen
gleich angelegt / auch zu fortsetzung der erforderlichen nothwendigkeiten
continuirt / umb zu künfftiger Campagne ein merckliche summa in reserva zu
behalten.
Den 7. dito ergieng Käyserl. Ordre / den bekandten Syrmai (so deß (Deß Teckell gebeimer Rath Syrmai wird stärcker
verwacht.) Teckeli geheimer Rath / und vornehmster negotiant an der
Ottomannischen Pforten gewesen / aber vor ohngefehr 3. Monat den Käys. Perdon
angenommen / und Gnad gesuchet / so ihme auch auff gewisse weiß versprochen /
jedoch vermittels einer stäts bestellten Wacht auff seine actiones ein genaue
Obsicht gehalten worden) etwas stärcker zu bewachen; die ursach dessen war
ohnbekant.
(Käps. Maj. fällen 80. wilde schwein auff der
Jagd.) Den 8. dito fuhren beyde regierende Käyserl. Majest. mit dem
Churpfältzischen Erbprintzen nach Orth auff eine Schwein-Jagt / und fälleten
über 80. stück / dieweil dieses Wilds im Land eine grosse Menge war / und viel
schaden that.
Den 9. dito wurde bey Hoff in der Käyserl. Ritterstub / denen Landständen und
Adel durch den Hoff-Cantzler Baron von Strattmann mit einer schönen Oration die
Landstags-Proposition in gegenwart Ihro Käys. Majest. vorgetragen / und
begehrten höchstgedachte Ihro Käyserl. Majest. von diesem Ertz-Hertzogthumb
Oesterrich / was vor einem Jahr gegeben worden.
(Es wird alles zu einem f???übzeitigen Feldzug
veranftaltet.) Indessen wird an vielen Orthen an praeparirung allerley
Feuerwerck gearbeitet / und ist zu dem Ende der Spannische Constabler wieder in
Mähren abgeschickt worden / umb etliche 1000. neue Bomben und Granaten zu
giessen / auch fähret man fort eine grosse quantität Victualien und fourage zu
kauffen / darmit alle Ungarische Magazins bestens zu versehen / deßgleichen ist
man in Außzahlung der Recrutengelter sehr beschäfftiget / und sollen alle
Regimenter bey anfang Aprilis völlig complet stehen.
(Herr Gene???al Merey be???hrt 2000.) Der jüngst
von Hrn. General Mercy angelangte Obrist-Leutenant Marquis Bassonpierre, soll
unter andern im Namen seines Principalen 2000. Mann Tragoner und Fußvolck zum
Succurs praetendiren / so dann in [5] Conjunction deren Ungarn einen Versuch auf Chiula zu tentiren willens seyn /
mit Hoffnung gemeldtes Ort in etlichen Tagen zur Ubergab zu vermögen / weiln
nicht allein die Garnison daselbsten wegen erlittener Niderlag zu Arrath (Mann Succurs.) sehr geschwächt / sondern solche
auch einen grossen Schrecken unter denen Türcken causirt habe / zu welchem
Dessein alles in Bereitschafft stehe und nur den Käyserl. Consens erwarte.
Es gieng immittels bey Hoff der gemeine Ruff / daß sowohl mit Chur-Sachsen (Mit Chur-Sachsen und Brandenb. ist auf 15000. mann
capitulirt.) als Brandenburg die Capitulation wegen Ubernehmung 15000.
Mann Auxiliar-Völcker geschlossen / so in dem Monat Majo in denen Käyserl.
Erb-Landen erwartet würden. Deßgleichen fetzet man das gute Vertrauen auff den
Fürsten in Siebenbürgen / mit dessen 3. Abgesandten / welche den 11. dito mit
einem Gefolg von 20. Personen dah er arrivirt seynd / etwas fruchtbahr- und
nutzliches abzuhandlen und zu schliessen / von dero ihnen auffgetragenen
Commission man zwar noch nichts gewisses (Eine
Siebenbürgische Gesandschaft zu Wien augelangt.) berichten kan; Es wil
aber doch allerdings gewiß scheinen / daß sie eine Alliantz mit Ihro Käyserl.
Majest. auffrichten werden / und da es dann den Zweck erreichen solte / würde
man dieserseits ben???thiget seyn / eine merckliche Armee in Ungarn bey
künfftiger Campagne zu halten / und allem vermuthen nach die Vestung Großwardein
anzufallen.
Wie sonsten Herr General Feldmarschall Caprara aus Ungarn berichtet / so erwartet
er nur ein beständig frostiges Wetter umb die noch eintzig überbliebene
Teckelische oder Ragotzische Haupt-Vestung Montgatich zu bombardiren / und
selbige bißhero geführte Bloquada in eine formal-Belägerung (General Caprara wil mongatsch delägern.) zu
transferiren / worauff Ihro Käyserl. Majest. sehr starck tringen / umb diese
Vestung noch vor angehender Campagne in seiner devotion zu haben / weiln zu
förchten stehet / daß der Teckeli gegen den Frühling mit einer Armee in
Ober-Ungarn kommen möchte / umb den Orth zu entsetzen. Man machet grosse Magazin
/ so in Ober-Ungarn / als an der Donau / und in Croatien / an welchem letzten
Orth das Proviant gar considerabel seyn wird / weil man gesinnet ist / allda
eine grosse Armee auffzurichten / umb die Essecker Brücken nicht allein zu
ruiniren / sondern auch den Ort zu mainteniren. Man versichert / daß der
Churfürst aus Bäyren in Gesellschafft (Der Chur fürft
aus Bäpern wird mit Graff Ernst von Stare???berg die Armee in Croaten
commanderen.) deß Grafen Ernst von Starenberg die Armee allda wird
commandiren / an statt deß Generals von Leßlie / weiln dessen grosses Alter und
podagrämische incommoditäten verhindern / daß er sich weiter in Ihr. Majest.
Diensten nicht kan brauchen lassen. Die Campagne wird mit Belägerung Erlau
angefangen werden / welche Vestung man mit aller Gewalt bombardiren und belägern
wil / und darauff die Vestung Stulweissenburg atta [6] quiren / und wann man darauff die
Türcken zur Battallie wird bringen können / oder die Brück von Esseck emportirt
haben / so wird man alsdann die Haupistatt Ofen recht angreiffen / und dieselbe
suchen zu emportiren / so durch das Feuer / als miniren Der Spannische Ingeoiur
wil vor allen Vestungen eine particular-Batterie auffrichten lassen / worauff er
12. stück und 12. Mörsel von seiner invention vor sich gebrauchen wil.
(Recruten-Gelder belauffen sich diß Jahr auf 500000.
fl.) Die Recruten-Gelter belauffen sich diß Jahr nur auff 500000. flan
statt sie vor einem Jahr sich auff 1800000. erstrecket / welches eine grosst
avantage vor uns ist / wie auch / daß in Ober-Ungarn und Siebenbürgen jetzund
32. Käyserl Regimenter stehen / welche meistentheils vor einem Jahr in den
Käyserl. Erblanden einlogirt gewesen: so zweiffelt man nicht / daß diese Länder
dieses Jahr deßwegen ein mehrers zu der Kriegs-Cassa werden contribuiren können
/ ohne das jenige / was der Pabst schon gegeben / und noch ferner verspricht /
so daß man mit weniger Difficultät und mehr avantage den Krieg wild prosequiren
können. Allhier höret und sihet man fast nichts anders als Berathschlagungen zu
dem frühzeitigen Feldzug / und weiln der Donaustrohm Gott lob noch offen / so
seyn continuirlich Zufuhren von allerley Proviant und Munition zu sehen / damit
nur alles in Bereitschafft seye / und an nichts ermang???e.
Den 12. haben Jhr. Durchl. der Churprintz zu Pfaltz in der Käyserl. Ante-Camera
von Jh. Käyserl. Majest. das güldne Vliß empfangen. Die von dem Sirmay an die
Teckelin durch heimliche Practiquen abgeschickte / und dann intercipirte
Schreiben enthalten so viel in sich / daß er sowohl jetzt ermelde Teckelin / als
die in der Vestung Mongatsch subsistirende Haupt-Rebellen zu einer beständigen
Gegenwähr und Defension anfrischel / mit dieser beygefügten Erinnerung / daß
durch Gewinnung der Zeit ein grosser Vottheil herfürbrechen / und der jetzige
rerum status eine uhrplötzliche Veränderung eröffnen möchte: diese nun von solch
vermessenem Menschen verübte / und aus seinem original-Schreiben klar erhellte
Treulosigkeit ist von Jh. Käyserl. Majest-sehr empfindlich auffgenommen / und
derentwillen der delinquent biß auff weitern Käyserl. Befelch und disposition
nacher (Der bekante Sirmay wird nacher Glatz auffs
Schloß gefänglich geführt.) Glatz / pro interim auff daselbstiges
Schloß in die Gesängnus gesetzt worden / wie es ferner mit ihm ablauffen wird /
gibt die Zeit. Der Petrozzi hält sich noch in Siebenbürgen auff / und weiln
seine meiste Güter sub rigote fisci erligen / als ermanglet derselbe nicht /
durch seinen allhier anwesenden Abgeordneten die restitution alles fleisses
sollicitiren zu lassen. Jhr Exell. Hr. General Mar von Starenberg / welchen
seine Chursfl. Durchl. zu
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Pfaltz zu commandirung deren Trouppen begehrt / sollicitiren anbey dero Käyserl.
Regiment / so zu Philipsburg in Guarnison ligt / zu behalten.
Den 16. dito hat zwar aller gemachten Anstalt nach der Churprintz zu Pfaltz von
hier abreisen sollen / nachdeme aber dero Gemahlin in eine Unpäßlichkeit
gefallen / ist solche wiederum in etwas differirt worden / und (Die Siebenbürg. Gesanden begehren limitirung der
einquartirten Völcker.) dörffte dem Verlaut nach / noch wol 3. Wochen
außgestellet bleiben. Die Siebenbürgische Gesandschafft hat ihre Commission dem
Käys. Kriegs-Präsidenten Marggraff von Baaden praeliminariter eröffnet / so
dahin gehet / wie dann bereits vorlängst berichtet / daß die an denen eussersten
Gräntzen von Ober-Ungarn gelegene / und zu Siebenbürgen gehörige 4.
Gespannschafften / von der Käyserl. Einquartirung befreyet werden / und ihren
Principalen kein so nachtheiliger Eingrieff in seiner Jurisdiction geschehen /
oder doch wenigstens eine so grosse Last mercklich moderirt werden möchte: wie
nun aber dieses von seiten deß Käyserl. Hofes vor eine ohnumbgängliche
Nothdurfft gehalten / also wird über das / was bereits geschehen / man suchen /
sich noch weiter capax zu machen / mit Vorstellung / daß dieses nicht eben vor
einigen Eingrieff in denen ihren Principalen competirenden praerogationen
anzunehmen; besagte Gesandschafft bestehet sonst in 4. Principal-Personen oder
subjectis, als einer von dem Fürsten selbften / der andere von den Zäcklern /
der dritte von den Teutschen und Sachsen / der vierdte von den Ungarn.
Den 17. dito haben Jh. Käys. Majest. in dero Hoffkirchen bey denen P. P.
Augustinern ein schön Castrum Doloris auffrichten lassen / so von allerhand
Kriegs-Figuren / Schildfahnen / Lorbeerkräntzen und Ehren-Gedichten gezieret war
/ und vergangenen Dienstag ein Seel- und Bett-Ampt vor die Soldaten / welche
verwichene Campagne gegen dem Erbfeind geblieben / angestellt / und selbst in
höchster Person dem H. Gottesdienst beygewohnet.
Eodem dato ist von Berlin ein Currier angelangt / so die Specification (Specification der Braudenburgischen
Auxiliar-Volcker.) selbiger Auxiliar-Völcker überbracht / und bestehet der
General-Stab in 50. Persohnen / die Artillerie in 170. die Infanterie 5113. die
Cavallerie 1220. die Dragoner 712. Summa in allem 7465. Mann / welche Herr
General von Schöningen / Gouverneur zu Berlin commandiren wird. Ingleichem
werden auch über diß noch etliche Feuerwercker / Stück / Mörsel und Munition
mitgeschickt / der Marsch dieser Völcker wird zu anfang deß Aprils / damit sie
bey der ersten Attaque seyn mögen / vorgenommen werden / die Subsistentz (welche
Jh. Churfl. Durchl. auff eigene Spesen / gegen Erlegung 150000 Reichsthl. herbey
zu schaffen sich obligirt) ist à primo [8] May biß ultimo Octobris verglichen / und wird dero Churfürstl. Durchl.
General-Commissarius ehistens hieher kommen / damit er alle Anstalten dar zu
proepariren möge.
(Der Donaustrohm wird gesäudert.) Dieser Zeit war
der Donaustrohm zu Wien so klein / daß man nichts auff dem Wasser zu dieser
Stadt bringen können / dahero man 2000. Personen vom Land genommen / daß sie den
Arm etwas vertieffern und ausraumen / damit das Wosser wieder wie vorhero seinen
Lauff haben möchte. Jh. Durchl. Ertz-Hertzogin Mariana vermählte Chur-Princessin
zu Pfaltz ist mit einer frühzeitigen Leibsfrucht / so ein Printz gewesen /
beunglücket worden / dahero bey Hoff die Galla, welche wegen Jh. Durchl. der
Churfürstin in Bayern Gebuhrtstag hätte sollen celebrirt werden / und gleich
dazumalen (Deß Extraordinari Frantzös. Enbvoye erste /
und des Siebenbürgische̅ Abgeordneten zweyte Audientz bey Jb
Käyserl. Majest.) eingefallen / differirt worden. Der Frantzös.
Extraordinari-Envoye hat nunmehro seine erste Audientz bey Jh. Käyserl. Maj.
gehabt / dessen Vorbringen war noch dato in lauter Complimenten und
Gratulirungen; Deßgleichen seynd die Siebenbürgischen Gesandten zum andernmal
zur Käyserl Audientz kommen / und haben bey höchstgedacht Jh. Käys. Maj. die
ihnen auffgetragene Commission eröffnet / praetendiren, daß die in denen 4.
Siebenbürgischen Gespanschafften einquartirte Käyserl. Militz revocirt, damit
die Einwohner in etwas sublevirt werden möchten / versichern hingegen
anderwärtige Satisfaction zu leisten / mit Versprechen / wo möglich den Moldau-
und Wallachischen Fürsten auff Käyserl. Seiten zu bringen / und solle auch
ehestens Herr Graf Schaffgotsch von Breßlau mit Käyserl. Commission zu
erst-bemeldten beeden Fürsten abgeordnet werden. Obgleich sonst Jh. Käyserl.
Majest. allerdings versichert leben / daß einige Chur- und Fürsten deß Reichs
merckliche Hülff auff die nächst-eingehende Campagne in (Jb. Käpserl. Wajest. geben Patenta 4000. Fußganger
werben zu lassen.) Ungarn weder den gemeinen Erbfeind Christlichen
Namens abschicken werden / so seynd dieselbe / dessen alles unangesehen /
entschlossen / noch 4000. Fußgänger zu Verstärckung Jhrer Haupt-Armee / und
darumb soviel sicherer Bewerckstelligung Jhres habenden Absehens der künfftigen
Kriegs-Operationen, ausser der schon stehenden Regimentern und Recrouten / eheft
zu werben / welche dann bey Eingang der Campagne complet seyn / und auch bey dem
General-Rendevous gestellt werden sollen. Indessen werden die Magazinhäuser an
verschiedenen Orten auffgerichtet / damit an den Kriegs-Opertionibus man nichts
gehindert werden möchte. Man hat endlich durch die geheime Correspondentz von
Ofen diese Nachricht erhalten / daß die bey Arrath von den Türcken erlittene
Niederlag / einer so ansehnlichen Soldatesca / Proviant und Munition eine so
grosse Forcht und Gemüths-Bestürtzung in selbiger Gegend / ja so gar zu
Griechisch-Weissenburg er [9] wecket /
daß sie nicht allein bey 40. Pallancken und veste Schlösser urplötzlich
verlassen / sondern auch von Temeswar / Gyula / und Griechischweissenburg weiter
in die Türckey ihre beste Sachen zu salviren angefangen / und (Die Türcken verlassen 40. Pallancken und veste
Schlösser.) bey erhaltener Nachricht / daß die Ungarn bey selbiger
Action grosse Tapfferkeit erwiesen / hätten sie den Teckeli in eine schärpffere
Gefängnuß auff dem Castell zu Griechischweissenburg geworffen. Die
Chur-Sächsische Tractaten wegen der Türckenhülffe werden in kurtzem auch zu
einem würcklichen (4. biß 5000. Mann werden umb die
Bezahlung von denen Reichs-Fürsten übernommen.) Schluß gebracht werden
/ und werden über dieses 4. biß 5000. Mann von andern Reichs-Fürsten gegen
baarer Bezahlung übernommen werden / umb auff all Fäll das jenige / was von der
Armee abgehet / jedesmal gleich wieder ersetzen zu können.
Seine Durchl der Ertz-Hertzog delectiren sich offtermalen mit unterschiedlichen
Cavalliern in dem Käyserl. Lustgarten / unter dem Pratter mit (Der Churfürß in Bayern lässet 2. grosse Magazinbänser
nächst der Donau zu Wien und zu Preßburg auffrichten.) jungen wilden
Schwein- und Hasen-hetzen. Ih. Churfürstl. Durchl. in Bayern haben dahier bey
der Donau ein groß Magazinhauß auffgerichtet / und viel 1000. Faß Meel und
Habern darein gelegt / und wollen noch eins darzu verfertigen lassen /
ingleichem wird auch zu Preßburg vor hochgedacht Ih. Churfl. Durchl. ein
stattlich Magazinhauß proeparirt. Sonsten hat man dieser Tagen ein kostbar
Forniment von Pferd-Gezeng wie auch Säbel und Pusican / welche An. 1682. der
Groß-Sultan dem Teckeli / als dieser jenem das Juramentum Fidelitatis geschworen
/ und das Königreich Ungarn in Türckischen Gewalt zu lieffern versprochen /
durch den Vezier zu Ofen überreichen lassen / und jüngst bey Eroberung Regetz
überkom̅en worden / allhier bey Hof offentlich gezeiget.
Den 26. dito waren Ih. Käyserl Majest. sam̅t beeden Han̅overischen Pringtzen und andern Cavalliern zu Laxenburg auff
einer Vögel- und Reiherpaitz / haben sich aber zu Nachts wieder dahier
eingefunden. Mit denen Siebenbürgischen Gesandten werden geheime Commissionen
abgehandelt / darzu einige Commissarien von der Ungarischen Cantzeley denominirt
seynd. Vorgestern ist Herr General von Scherpffenberg nebst Herrn Baron de Asly
(Segetin wird von den unfrigeneingenommen / alles
darinn niedergemacht / und eingeäschert.) aus Ober-Ungarn auff der
Post arrivirt, der letztere berichtet / daß die unsrige die Stadt Segetin
überstiegen / alles was sie darinn gefunden / niedergemacht / und ausgeplündert
/ es hat sich aber dasige Türckische Guarnison in das Schloß reterirt / und
darinn dergestalt defendirt, daß man solches zu erobern gezweiffelt / dahero man
die Stadt in Brand gesteckt / und verlassen müssen / und mit etlichen Pferden /
Cameelen / Proviant und Victualien sich wieder zuruck nach Zollnock begeben. So
ist auch der Petnehast zu Caschau beym Herrn Feld-Marschall Caprara ankommen /
welchem ein [10] güldene Ketten und
Gnaden-Pfenning / weilen er sich zu Arrath so tapffer gehalten / im Namen Ihro
Käyserl. Majestät verehrt worden / berichtet eben dieses / und daß der Herr
General Heußler gar nicht blessirt seye. Man ist bey hiesigem Hof beschäfftigt /
dem Herrn Feld-Marschal Caprara eine ansehnliche Summa Gelds zu übermachen /
dessen Militz damit zu contentiren / und erwartet man nun bey eingefallener
Kälte stündlich die Formal-Attaque Mongatsch vorzunehmen.
(Petnehast wird von Ih. Käpserl. Majest. herrlich
beschencket.) Zu Bezeugung der von dem Petnehast / seither derselbe
von dem Teckeli abgefallen / und in den Gehorsam seines natürlichen Herrns und
Landfürsten getretten / erwiesenen ersprießlichen Kriegsdiensten / haben Ih.
Käys. Majest. eine kostbare Diamantene Rosen / sam̅t einem
Reyerbuschen von 2000. Rhlr. werth / demselben verehren lassen: Nicht weniger
auch der hiesige Päbstliche Nuntins Cardinal Bonvisius mit einer ansehnlichen
güldenen Ketten vor 200. Ducaten werth in Ansehung dieser von ihme bißher
praestirten hoch-preißlichen Kriegsdiensten denselben beschencket / mit
angefügter-Versicherung / daß alle andere nachgehende von ihme zum besten der
Christenheit leistende Diensten durch stattliche Verehrungen und Promissiones
erkennet werden solten: Es wird nun allerdings confirmirt, daß deß Teckeli
Hofmeister / welcher seinem Herrn in die Gefängnuß auch freywillig folgen wollen
/ zu Großwaradein mit verschiedenen / von ihme Teckeli an seine vorige
Kriegs-Befelchshaber gegebenen Schreiben von Griechifchweissenburg ankommen /
und von dem daselbstigen Bassa wohl tractirt / und alle Assistentz auff Befehl
der Ottomanischen Porta versprochen worden: (Deß
Teckeli Hofmeister laboriret die abgefallene Ungarn wieder zu sich zu
locken.) Ermeldter Hofmeister seye darobl die vorige Teckelische
Adhaerenten zu persuaditen, und in den Glauben zu setzen / daß der Teckeli wol
ehist mit einer ansehnlichen Türckischen und Tartarischen Kriegsmacht / die
Vestung Mongatsch von der jetzigen Blocquirung befreyen / und das ihme von der
Ottomanischen Porta verliehene Fürstenthum Siebenbürgen antretten werde; Der
Groß-Vezier wäre gantz rasend erkräncket / weilen sowol die Werbungen so
schlecht von statten gehen / als auch weilen immerfort die consternationes und
Auffruhr deß Volcks allenthalben anmachsen. Mit den Siebenbürgischen Abgesandten
stehet man in Tractaten / und hoffet man / (Die Päbftl.
Pro Commissarii haben 100000. fl. Recronten-Gelder geschossen.) die
Sach zu einer Alliantz mit ihnen zu richten; Die Päbstlichen Hrn. Hrn.
Commissarii haben mehrmalen 100000. Gulden zu Beschleunigung der Recrouten
heraus gegeben / und weilen für nothwendig befunden worden / einen Abgesandten
nach dem Moscowittischen Hof abzufertigen / als haben Ihro Käyserl. Majest. den
Herrn Grafen von Nostitz / als jetzigen an dem Königlichen Schwedischen Hof
subsistirenden Käyserlichen Envoye hier zu [11] resolvirt, und seynd bereits nothwendige requisita zu dieser
Legation an denselben abgeschickt worden / mit diesem austrücklichen Befelch /
alsobalden seine Reiß dorthin zu nehmen. Es will auch gäntzlich scheinen / daß
unerachtet (Herr Graf Nostitz gebet als Abgesandter in
Moscau.) der hiebevor von den Krauffleuten und andern darwider
eingekommenen allerunterthänigsten Bitt und remonstrationen, die längst schon
sub praelo geweste Polieey-Ordnung / vermög deren all excedirender Pracht
eingestellt / nächster Tagen allhier publicirt werden soll.
(Graf Berka gebet an unterschiedliche Italiänische
Höf.) Der Graf von Berka hat Ordre bekommen / sich von Mantua an
verschiedene andere Italiänische Höf zu begeben / und dahin zu sehen / damit die
gesuchte freywillige Türcken-hülff ehistens mit Nachbruck erfolgen möge: und
wird ein gleichmässiges von verschiedenen Reichs-Fürsten erwartet. Wegen deß
Durchmarsches der Chur-Brandenburgischen Auxiliar-Trouppen wird in den
Käyserlichen Erblanden Anstalt gemacht / und alles nach Möglichkeit so
eingerichtet / daß es ohne sondere Beschwerde deß Landmanns geschehen möge. Der
Churfürst in Bayern läst für seine Trouppen / so selbiger künfftig stellen / und
wiederumb selbst commandiren wird / von allerhand Nothwendigkeiten eine grosse
Quantität zusammen führen / und wird darfür gehalten / daß selbige in Sclavonien
oder Croaten (Die abgefallene Vngarn werden von Käys.
Mastrefflich begnadiget.) werden employrt werden: Der Käyserliche Hof
suchet die zur Devotion getrettene Ungarn durch allerhand Gnaden-Bezeugungen mit
güldenen Ketten und andern kostbaren Praesenten, auch Austheilung etlicher
Monat-Sold unter die Gemeinen dergestalten zu verbinden / damit sie in der Treue
beständig verharren mögen: und wird ihr valor, so sie in jüngster action bey
Arrath bezeiget / sonderbar gerühmet. Man erwartet mit Verlangen / ob die beede
Czaren in Moscau durch die Cron Polen zu der ligue wider die Ottomannische Porta
werden zu disponiren seyn / und hofft man wenigstens dieses bey ihnen zu
erhalten / daß die Moscowittisch Cossacken sich mit dem Mosilovv conjungiren
möchten: welchen falls man gnugsam bastant seyn wird / denen Türckischen Waffen
eine grosse Diversion zu machen.
|| [12]
Das ander Capitel
Tractiret von Ungarisch-Siebenbürgisch-Croatisch-Türckisch-Moldauisch- und
Wallachischen Geschichten.
(Beschreibung vom Königreich Vngarn.) EHe und
bevor wir mit Beschreibung der Ungarischen Geschichten fortfahren / wird
vielleicht dem günstigen Leser nicht zuwider seyn / selbigem ein weitläuffigen
Entwurff von besagtem Königreich vor Augen zu stellen / und das umb soviel desto
mehrers / weilen es heutiges Tages in einen so blutigen Krieg / wie jedermann
bekandt / begriffen und verwickelt ist / stehet also zu wissen / daß das
Königreich Ungarn vorzeiten gewaltig groß gewesen / als dessen Gräntzen von dem
schwartzen Meer biß auff Oesterreich / und von dem Königreich Polen an biß an
das Adriatische oder Venetianische Meer sich erstrecket / und etliche herrliche
Königreich unter sich gehabt hat / aber nach der Zeit hat es durch einheimische
Krieg gewaltig abgenommen / also daß es seine Gräntzen umb ein merckliches
einziehen müssen; und gräntzet heut zu tag gegen Mittag an Croatien und den
Saustrohm / gegen Morgen an Siebenbürgen / gegen Mitternacht an das Carpatische
Gebürg Polen und Mähren / gegen Abend aber an Oesterreich und Steyermarck. Durch
die 2. grosse Ströhm Donau und Theise wird es in Ober- und Nieder-Ungarn
getheilet / deren jenes sich nach Mitternacht gegen der Theiß ziehet / dieses
aber an und unterhalb der Donau gegen Suden ligt / jenes gehört meistens den
Christen annoch zu / und dieses stehet noch grössern Theils unter Türckischer
Bottmässigkeit / so doch ob GOtt will / bey so schlechtem Zustand deß
Türckischen Reichs vielleicht bald wieder in der Christen Hände verfallen
möchte. Die gantze Länge dieses Königreichs von dem Ursprung der Theisse biß zum
Ausgang der Muer wird auff sechzig Teutsche Meilen geschätzet / und an der
situation deß Lands kan man sehen / daß die Breite fast eben so groß ist; Umb
das Land desto besser zu guberniren, hat man es vor langer Zeit in 74. Graff-
oder Gespanschafften (die mit Namen heissen: 1. Posoniensis. 2. Mosonienis.
(Die Namen der 74. Gespanschafften.) 3.
Jaurinensis. 4. Soproniensis. 5. Castri ferrei. 6. Varasdiensis. 7. Krisniensis.
8. Zagrabiensis. 9. Szaladiensis. 10. Posgainus. 11. Verociensis. 12.
Valkoviensis. 13. Sirmiensis. 14. Simegiensis. 15. Boroviensis. 16.
Komaromiensis. 17. Strigoniensis. 18. Nitrensis. 19. Barsiensis. 20.
Trinziniensis. 21. Turotziensis. 22. Liptoviensis. 23. Scepusiensis. 24.
Sarosiensis. 25. Gomoriensis. 26. Aubauyvariensis. 27. Tornensis. 28.
Novigradensis. [13] 29. Pilisiensis. 30.
Pestiensis. 31. Albaeregalis. 32. Baciensis. 33. Bodrogiensis. 34. Tolnensis.
35. Beregiensis. 36. Vgociensis. 37. Vespriniensis. 38. Zolnensis. 39. Arvensis.
40. Vngensis. 41. Zemliensis. 42. Kis Hevesiensis. 43. Nagy Hevesiensis. 44.
Hontensis. 45. Zatmariensis. 46. Szabolciensis. 47. Kulso Szolnokiensis. 48.
Torontalensis. 49. Czanadiensis. 50. Temesiensis. 51 Bereniensis. 52.
Bekesiensis. 53. Zereniensis. 54. Solthiensis. 55. Czongraviensis. 56.
Haronensis. 57. Maczoviensis. 58. Orbaciensis. 59. Krassoviensis. 60.
Koviniensis. 61. Zebernekiensis. 62. Aradiensis. 63. Szarandiensis. 64.
Baboriensis. 65. Kozep Szolnosiensis. 66. Karasnensis. 67. Maramorossensis. 68.
Kolos. 69. Dobocensis. 70. Belsoszolnok. 71. Albensis. 72. Tordensis. 73.
Kikellensis. 74. Huniadensis) eingetheilet / und hat man den jenigen / so über
ein solche Graff- oder Spannschafft gesetzt worden / auff Ungarisch / Ispan
genennet / dahero das Wort Gespannschafft entstanden / diese Comites oder
Gespann seynd dreyerley / nehmlich Comites perpetui, stäts währende gebohrne
Graffen / so dem König allein unterworffen. 2. Comites liberi, freye Graffen /
als da seynd die Vrsini, Frangepani, Crupani. 3. Comites Parochiales, die so
einer jeglichen Provintz vorstehen / und von dem König auff einrathen der
Prälaten und Baronen in einer jeden Provintz oder Gespannschaff aus ihnen
erwählt werden / die als Richter alle Monath den Adel ihres Gebiets zusammen
beruffen / und in der ersten Instantz erkennen / damit nicht alles nach Hoff
gebracht werde / sie haben unter ihnen Vice-Comites und Urtheilsprecher / welche
von den Obergespahnen aus den fürnehmsten Adel ihrer Gespannschafft erwehlet
werden. Was aber der Türck von Ungarn in seine Klauen bekommen / das gubernirt
er durch seine Baslen und Agen, also daß man bey ihm von dem alten Gubernament
nichts zu sagen weiß. Sonsten nennen die Ungarn ihre vornehmste Obrigkeiten:
Vadrespanos, Banos, Vaivodas, und Capitaneos, und ist der General-Richter deß
Königreichs oder Judex curiae Regiae nach dem Palatino, so den König vertritt /
der nechste: der sonderlich auch in acht zu nehmen hat / daß nach den
Ungarischen Gesetzen / (die Stephanus Verberius ein gelehrter Jurist aus Befelch
deß Königs Vladislai zusammen geschrieden / und solches Büchlein Decretum
Tripartitum genant) gehandelt / und geurtheilet werde.
(Die fürnehmste Städt in Vngern.) In Ober-Ungarn
hat man verschiedene Freye- und Bergstädte / welche allein 13. Gespannschafften
außmachen. Ofen oder Buda ist weyland der Königen in Ungarn Residentz und
Hauptstadt gewesen / nachdem selbige aber dem Türckischen Bluthund zur Beute
worden / erkennen anjetzo die Christen Preßburg für das Haupt dieses Königreichs
/ [14] ohnerachtet sie fast an den
Gräntzen gegen Oesterreich lieget. Es ist eine von den besten Städten im Reich /
und was ihr an Vestigkeit abgehet / das ersetzet das Schloß / welches auff einer
Höhe liget / und sehr starck ist / daß man ihm auch allein die Königliche
Ungarische Crone anvertrauet hat. Gleichwie aber Preßburg die Hauptstadt in
gantz Ungarn / also ist Caschau dasselbe allein in Ober-Ungarn. Diese Stadt ist
wohl befestiget / lieget gegen dem Gebürg / und hat das schönste Zeug-Hauß im
gantzen Land. Zu Agria oder Erla und Temesvvar wohnen 2. Türckische Bassa. Ofen
bestehet aus 2. Städten / davon die eine an den Norder- oder lincken Ufer der
Donau / Pest genant wird. Hier wohnet ein Vezier Bassa / der eine von den
fürnehmsten Chargen in gantz Türckey nechst dem Groß-Vezier bedienet / obgleich
seine Intraten denen andern Bassen bey weitem nicht gleichen. Die Besatzung
dieses Orts bestehet gemeiniglich aus 8. biß 9000. Mann / der allerbesten
Gräntz-Türcken. Wer hieher kombt / muß sich verwundern über die herrliche warme
Bäder und über eine Brunnquell / die oben auff sied heisses Wasser und auff dem
Grund eine gute menge schmackhaffter Fisch hat. Canischa ist vest / und lieget
auff den Gräntzen gegen Steyermarck / hier wohnet auch ein Vassa. Anno 1664.
ward es von denen Käysbelägert und hart geängstiget / weil sie aber zimblich
schwach / auch ihr Succurs zimblich lang außbliebe / und immittelst der
Groß-Vezier mit einer grossen Mannschafft anlangete / ward die Belagerung in
eine Retirade verwandelt. Fünffkirchen ist eine grosse Stadt / und wil man sie
der Circumferentz nach mit Wien vergleichen. Nicht weit davon lieget das sehr
veste Schloß und Städtlein Siget / welches Anno 1566. von den Türcken nach einer
unbeschreiblich tapffern Resistentz deß Grafen von Zrini, der in einem
desperaten Außfall / als schon alles verlohren / sein Leben ließ / erobert
worden / doch hat auch der Groß-Sultan Solymann kurtz vorher davor im Lager sein
Leben endigen müssen. Esseck ist bekant wegen der über ein Meil langen grossen
Brücken / so daselbst mit erschröcklichem Kosten und Mühe von den Türcken über
die Drab und die daran ligende Moräste erbauet / von Graff Niclas Zrini aber /
und dem Grafen von Hohenlohe im anfang deß Jahrs 1664. über die Helffte
abgebrandt / doch von den Türcken nach der hand wieder auffgebauet / und an der
Seiten gegen Ungarn mit einer starcken Schantzen belegt worden / allermassen die
Brücke der bequemste Paß ist / worüber die Türcken nach gehaltenen Rendevous zu
Bellgrado ihren Marsch in Nieder-Ungarn nehmen können.
(General Leßle ver.) Den 14. Augusti 1685. hat
General Feld-Marschall Leßlie abermahln 1100. Schritt von besagter Brücken
abbrennen lassen / woran die Türcken [15] noch biß dato wieder auffbauen. Raab und Comorra seynd 2. starcke Vestungen
der Christen / und eine rechte Vormauer wider die Türcken / von dannen die
Hussaren außgehen gegen die Türcken zu streiffen / und was der (brennet 1100 Schritt von der Essecker Brücken.)
Vezier zu Ofen im Türckischen / das hat der Commendant und Stadthalter zu Raab
über die Christliche Soldatesea in gantz Ungarn / soweit es den Römischen Käyser
vor seinen Herrn erkennet / zu sagen. Diese 2. Gouverneurs schlichten alle
Strittigkeiten / so wegen der streiffenden Partheyen emstehen / und hat ein
jeder die Ober-Inspection über seines Principalen übrige Vestungen. Comorra
lieget auff dem äussersten Winckel der Insul Schütt / so von der Donau
umbflossen wird / daher der / so sie belagern wil / mit einer Armee von 3.
grossen theilen kommen / und sie an so viel Orthen angreiffen muß. Hier und zu
Gran werden siets etliche bewährte und wolbemannte Schiff gegen die Türcken
gehalten / dargegen diese auch eine gewisse Anzahl zu Ofen und anderwerts
auffzubringen wissen. Es seynd sonsten noch viel nahmhaffte Plätz in Ungarn /
die ich aber dieses Orths mit einzuführen vor unnöthig achte / doch kan ich
unberichtet nicht lassen / daß man in dem Christlichen Ungarn etliche Städt hat
/ die man Königliche (Königliche Frey-Städt.)
freye Städt nennet / als da seynd Caschau / Leutschau / Bartfeld / Eperies / und
Kitz- oder klein Zeben. Andere werden nur schlecht hin Freystätt genant / und
seynd Preßburg / Oedenburg / Thirnau / Trentschin / Neustatt / Zagrabia /
Kleinwardein / Kopranitz / Käsemarck / und etliche andere geringere. (7. Freye Berg-Städt.) Die Nahmen aber der 7.
freyen Bergstädten seynd Cremnitz / Schemnitz / Neusol / Bogantz / Königsberg /
Tillen und Libetten / und alle diese Städt haben auff den Ungarischen Landtägen
ihren Sitz und Stimme / die aber / so hierunter nicht begrieffen / seynd davon
außgeschlossen / nehmlich also / daß sie keinen Sitz und Stimme auff den
Landtägen haben.
Gleichwie nun Nieder-Ungarn zimblich eben ist / als hat man in Ober-Ungarn desto
mehr Berg / die doch meistentheils zimblich fruchtbahr seynd. (Das Carpatisch Gebürg gehet über das Gewölck.)
Aus denen Bergen ist der fürnehmste der Carpathus oder das Sarmatische Gebürg /
so die Ungarn von den Reussen / Pohlen / Mähren / Schlesten / und dann theil
Oesterreich / so über der Donau gegen Mähren gelegen / absondert / welches
Gebürg am grausamsten und höchst über das Gewölck gehet in der Graffschafft Zips
bey der Stadt Käßmarck / von welcher es auch das Käßmarcker Gebürg / wie nicht
weniger das Schneegebürg / weil es fast stäts mit Schnee bedecket / und von den
Windischen Leuthen Fatrii oder Tarczal gleichsam gläntzende und beschorne Berg
genennet / die mit ihrer Rauhe und Gehe das Welsche-Schweitzer- und
Tyrollisch-Gebürg weit übertreffen; man findet vielmahln Drachen darauff oder in
sein Höhlen / [16] und kommen dahin sehr
wenig Leuth ausser Reisende / so aus Curiofität bißweilen hinauff steigen / die
niedere Jöcher dieses Gebürgs aber seynd wandel- und gangbahrer / und mit Bäumen
besetzet: haben auch ihre unterschidliche Nahmen / als der Scheuerberg / der
Vatter / die Mutter / der Gärtner / der Auershorn / der Ochsenberg / der
Purtzelgrund / die Hölle / der Münch / (Wilde
Pferd.) der Würtzgarten / die Jabluncke. Man findet in diesem Gebürg wilde
Pferd / welche von denen herkommen / so zu zeiten Königs Belae IV. als die
Tartarn Ungarn in 3. Jahr lang verwüsteten / Herrenloß und endlich in dem sie
frey umbgeloffen wild worden seynd. Es gibt auch viel Bähren daselbst. Dicke
Wälder gibt es gnug in Ungarn / und darin Wildpret die Menge / an Wiesen und
herrlicher Weyde hat das Land auch keinen Mangel / wie dann das Graß eine halbe
Mannslänge hat / und theils Orthen gar über die Wägen gehet / daher dann soviel
Ochsen [es wollen einige von 100000. (Bed 100000.
Ochsen werden jährlich nacher Teutsch- und Welschland gesübret.)
sagen] jährlich nacher Teutschland / Italien und andere Oerther verführet werden
/ besagte Ochsen seynd Tag und Nacht auff der Weyde / dahero sie so Wetterfarb
außsehen. Ferner seynd allda Büffel / mit welchen die Ungarn in Verpflügung
ihrer Felder guten Nutzen schaffen / insonderheit / da der Grund hart und
sandich ist / allda sie sonsten wohl 5. Joch Ochsen gebrauchen müssen / nicht
weniger gibt es daselbsten stattliche Pferd / welche zwar nicht schön vom Leib /
aber doch sehr schneil und dauerhafft seynd; weiters ist das Reich gleichsamb
angefüllet mit Hasel-Hünern / Capaunen / Calicuten / Parteysen oder Feld-Hünern
/ Fasahnen / Schafen und dergleichen. Uber dieses seynd die Ströhm so voll Fisch
/ daß (Die Theiß ist der fisch. reichste Fluß in
Europa.) kaum zu glauben / wie man dann sagt / daß die Theisse vor den
fischreichsten Fluß in Europa / wo nicht in der gantzen Welt gehalten werde / so
daß man in Ungarn ein gemeines Sprichwort hat / daß dieser Strohm bestehe in 2.
Theilen / Wasser und einen Fisch: der Fluß Bodrak, so in die gemeldte Theisse
seinen Einfluß hat / ist nicht weit von Tockay von Fischen so angefüllet / daß
das Wasser bey Sommerszeiten / wann der Strohm nidrig ist / nach den Fischen
riechet; besagter Fluß ist 13. Klaffter breit und 9. und eine halbe Klafftet
tieff / und weiln er eine Figur oder Gestalt formiret / wie ein Lateinisches V.
als kan man mit Netzen und Garnen nicht wohl darinnen fischen / welche
sonderbahre Fruchtbarkeit dieses Flusses / so es jemand wolte zuschreiben den
Saltz-Tincturen / sowohl seines eigenen Wassers / als auch die von andern
Flüssen darzu kommen / als welche unten im Grund an viel natürliche Saltzgäng
lecken / und also auff solche Weiß einigen Anfang ihrer Fruchtbarkeit mit sich
nehmen / so ist es eine Sache / welche verdienet und würdig ist / angemercket [17] zu werden / dann eben also ist es auch
mit dem Nilfluß bewannt. Der Donau-Strohm ist nicht weniger mit mancherley guten
Fischen reichlich versehen / als Forellen / Biersing / grossen und delicaten
Karpffen / welche alle andere in der Güte übertreffen / It. Koppan / Weißfisch
und Grundeln mit 6. Bärten / 2. kurtzen und 4. langen / Scheiden oder Wels / und
über alle andere wird in diesem Wasser zu unterschiedlichen Zeiten eine (In der Donau werden Hausen gefangen 20. Schuh
lang.) grosse Mänge Hausen gefangen / darvon einige zwanzig Schuch lang
seynd und vor ein gutes Essen gehalten werden / sie haben einige Gleichnuß mit
dem Stör. Man findet auch in den Seen / Sümpffen / und stehenden Wässern eine
grosse Mänge Schild-Krotten / die man häuffig / ja Wägenweiß anders wohin
verfüßret / so eine delicate Speiß und an Geschmack den jungen Hünlein nicht
ohngleich kombt: und gleichwie die Flüß voll Fisch seyn / also seynd sie zu
Winters-Zeiten mit Geflügel (Pelicanen oder
Löffela-Gänß.) bedecket / worvon man von allerley Gattung ausser
Schwanen die Mänge sihet; man findet auch Pelicanen / oder Löffel-Gänß nicht
weit von Bellgrad / welche eine Gestalt und Grösse als ein Storch haben / schön
weiß / roth und lang vom Schnabel / ohne Zung / mit langen Füssen.
Der Boden in Ungarn ist sehr fruchtbahr / also daß man die Aecker (Vogarn ist einem irdischen Paradeiß gleich.)
nicht düngen darff / und wachsen dannoch die Kornfrüchte überflüssig / wie auch
Aepffel / Birn / Kirschen / Quitten / Nüß / Kästen / Melonen / Pfersich und
dergleichen: und obwohln dieses Edle Land und fast irrdische Paradeiß von allen
was man nur wündschen mag / überflüssig versehen ist / so excellirt doch solches
am allermeisten in einer übertrefflichen Weiß in denen 2. vornehmbsten
Nahrungs-Mitteln deß menschlichen Lebens / nemblich an Brod und Wein. Ihr Brod
übertrifft alles andere sehr weit in Europa / solches / wann es gebacken wird /
wohl geknetet / und mit einer lang anhaltenden Arbeit außgewürcket wird / damit
es auff solche Weiß leicht / gesund und wohlgeschmack bereitet werde; Sie haben
Wein-Trauben / die aus dermassen delicat / und groß seyn / und seynd sonderlich
die bey Virovichiz bey Waitzen von übertrefflicher Güte: Ingleichen (Der Wein ist so bitzig als der Spannische.) seynd
ihre Wein von einer köstlichen und Edlen Art / die dem Spannischen an Hitze und
Krafft gleichen / welchen doch der Tockayer Wein allen vorgehet. Die
Sirmianischen Wein-Gärten seyn von Früchten sehr reich und sehr lustig gelegen
gegen den Mittags-Theilen deß Ungerlands / in welch Provintz oder Gespannschafft
man sagt / daß der Käyser Prolus seibst Wein-Gärten gepflantzet habe in der
Gegend deß Bergs Almus oder Arpadaro; Gleichwie nun der Ungarische Land [18] grund aus seiner eignen Art
nicht unfruchtbahr ist / also haben desselben Inwohner auch gute Wissenschafft
und Practic von guter Haußhaltung / sowol in den Aecker-als Wiesen-Feldern /
sonderlich in Ober-Ungarn / dann zu Winterszeiten brennen selbige die noch
überbliebene aus der Erden heraus stehende Stoppeln deß Grases / und der Kräuter
völlig ab / welches nachgehends gantz frisch und in vollem Uberfluß wieder
heraus zu wachsen beginnet. Sie gebrauchen keine Scheuren oder Städel umb ihr
Getraid darein zu verwahren / sondern sie haben an statt derselben viel tieffe
und grosse Höhlen unter der Erden / dahinein sie solches ohn Gefahr legen / und
seynd solche Hölen wohl verwahret sowohl vor den Räubern als auch vor jähen
Uberfall und Anlauff der Feind / ob sie gleich mannigmahl (Zwischen Tockay- und Wardein ist kein Holtz 1. Meilen
wegs zu finden.) solche zu nächst an den Land-Strassen haben. Holtz
ist zur Gnüge in Ungarn ausser zwischen Tokay und Wardein / da eine Ebne von 14.
Meilen lang und kein Gehöltz zu sehen ist; die Lufft im gantzen Land ist gar
gesund / ausser an wenig Orthen / aber im Sommer auff der Ebne hitziger und auff
den Bergen kühler.
Ich hab oben gemeldet von der grossen Menge Fisch / daß alle Ungarische Ströhm
voll seyn / nun wil dessen gröste Flüß / Seen und Eylande etwas genauer
beschreiben / dann es ist kein Land in gantzem Europa / welches mit so
vortrefflichen und bequemen Wasserflüssen durchflossen wird / als dieses; gegen
Auffgang wird selbiges begossen von dem Edlen und fruchtbahren Fluß der Theisse
/ welcher seinen Ursprung nimbt in der Landschafft Maromorus an dem Fluß deß
hohen Capatischen Gebürgs / 4. Meil von seiner Quelle wird selbiger schon
Schiffrelch / und nachdeme er zu sich empfangen hat die Marissa und viel andere
Flüß / stürtzet er sich zwischen (Beschreibung der
für.???chmsten Flüß.) Wardein / Sr. Peter und Bellgrad mit vollem
Lauff in die Donau. Dieser Theiß-Fluß führet ein grosse Menge deß natürlichen
Stein-Saltzes / welches aus den häuffigen Saltz-Minen in Ungarn und Siebenbürgen
entspringet / von welchen ein grosser Theil nach Preßburg / aber nicht höher
verführt wird / damit dem Oesterreichischen Saltz / welches der Käyser umb
11000. fl. verpachtet / kein Eintrag geschehe / darvon auch kein kleine
Quantität die Donau herab kombt / und nachgehends längst dem Fluß Morava nach
Servia und in die benachbahrte Länder gebracht wird. Diese Saltzwerck seynd
nichts anders / als sehr tieffe Brunnen / aus welchen es vermittels der
Haspel-Wercke und Ketten mit Eymern außgeschöpffet (Herrliche Saltzwerck.) wird / da es dann hernach durch einige Rinnen
nach der Saltz-Pfannen zulauffet / in welcher man es zu einem Saltz kochet; auch
nehmen sie wol die fette Saltz-Erden / und bringen solche an das Orth / allwo [19] gnugsames süsses Wasser ist / mit
welcher sie dasselbige saltzig machen / welches alsdann auch bequem ist / umb
das Saltz daraus zu kochen. An der Seite gegen Untergang laufft der Fluß Araebo
oder Raeb, welcher in Steyermarckt entspringet / und in die Donau bey Raab
(Jaurinum) kommet: dieser Fluß ist merckwürdig / dieweil er die Wasser Lauffnitz
/ Picka / Chunetz / und andere in sich empfänget. Gegen der Mittags-Seiten ist
dieses Orths anzumercken der Trab-Fluß oder Dravus, welcher in dem
Saltzburgischen Gebiet entspringet / das noch ein Theil von dem alten Norico
ist; und nachdem er einen langen Weg hin / durch Kärnten und Ungarn gelauffen
ist / so fället er bey Erdud (Teutoburgium der Alten) in die Donau / indem er
von seinem Ursprung an / ohngefehr bey 80. Meilwegs hat hindersich geleget;
dieser Fluß / wann er in Ungarn kombt / so vereinigt er sich mit dem Fluß Muer.
Ferner ist an der Mittagsseite der Edle Fluß Savus, nehmend seinen Ursprung in
Kärnten / laufft Belgrad vorbey in die Donau und verfolget seinen Lauff
ohngefähr 60. Meilen lang / mehr seynd an diesen Gräntzen gegen Mitternacht
Wasserflüß / die von den Carpatischen Bergen herkommen / welche das Königreich
Ungarn und Pohlen voneinander scheiden / darunter sonderlich der Fluß Gran / der
bey der Stadt Gran in die Donau fliesset / wie nicht weniger der Fluß die Wag
genant / der oberhalb Gomorra sich in die Donau stürtzet / welcher Donaustrohm
ohnfern Ulm in Schwabenland seinen Anfang nimbt / bey Ingollstadt / Regenspurg /
Straubingen / Passau / Lintz / Wien / Preßburg / Gran / Ofen / und Bellgrad
vorbey passirt / von welchem letzten Orth / umb von seinen Lauff nichts mehrers
zu sprechen / stürtzet er sich durch 5. Außläuffe oder Münden in die Euxinisch-
oder schwartze See / nachdem er die Ufer in Servien / Bulgarien / Wallachey und
Moldau bespielet / und in seinem langen Lauff mehr als 60. merckwürdige Flüß in
sich geschlungen und einen (Donau-Strohm ist tieffer
als der Nilus.) Lauff genau gerechnet von mehr als 300. Meilen
vollendet hat; er ist tieffer als der Nilus, mercklich ist / daß er umb den
Mittag nicht so schnell fliest als sonsten / er verliehrt viel Wasser zwischen
Regenspurg und Ungarn / dann er hat 3. Oerter / da sich dasselbe unter die Erde
mitten in Strohm sencket / der erste heisset der Strudel / der andere der Wirbel
/ und der dritte der Saurüssel. An Eylanden befinden sich in der Donau nebst der
Insul Schütt zwischen Vicegrad und Waitzen das schöne und grosse St. Andreas
Eyland / noch ist eins / unterhalb Ofen / welches sich auff 40. Meilwegs (Berschiedene Eyland.) in der Länge und Breite
erstrecket: ferner ist noch ein ander Eyland gegen Mosatch über / noch ein
anders bey der Gegend deß Eingangs bey dem Drab-Fluß / noch ist eins / welches
vor einigen Jahren ist auffge [20] worffen worden bey Bellgrad / welches sich durch den Schleim und Koth /
den die Sau und die Donau mit sich herab führen / hat festgesetzet / allwo man
vor 40. Jahren keine Gestalt einiges Eylands gefunden hat / allein es stehet der
Zeit nun dicht mit Bäumen besetzet; wie vortheilhafftig oder nachtheilig dieses
an Bellgrado mag seyn / werden die künfftige Zeiten außweisen. Die berühmste
Seen in Ungarn seynd Balaton, oder die Platt-See / welcher zwischen Vesprin und
den Drab-Fluß ligt / und sich sehr weit und breit in die Ferne außstrecket / und
stehen auch unterschiedliche starcke Schantzen und Vestungen darauff; die
Neufidler See ist ein sehr lustbahre See / 7. Teutsche Meilwegs lang und 3.
breit.
(Die Berg haben viel Edelgestein auch Silber ???d
Gold.) Es haben auch die Bergwerck im Reich einen grossen Uberfluß an
schönen rothen und weissen Marmor / so findet man dafelbsten Christall / Rubinen
/ Jaspis / Diamanten / Türckis / sonderlich Opalen / benebens Zinober /
Spießglaß / und nicht wenig gute Kräuter zur Artzney / von den vielen berühmten
warmen Bädern / gesund-sauer- und andern hochseltzamen Brunnen wil dieses Orts
nichts gedencken / das Edle Metall aber [so das Ungerland am considerabelsten
machet] kan ohnberührt nicht lassen / dann nebst dem Kupffer / Eisen und Silber
[dessen man da mehr als in einigem andern Land in Europa findet] ist auch Gold
anzutreffen / so dem Arabischen an der Güte mit nichtem weichet. Es trägt sich
wol auch zu / daß hier das Gold selbsten aus der Erden steiget / und die
Menschen suchet; welches man Aurum vegetabile nennet; dannenhero erzehlet D.
Martin Heinrich von Franckenstein ein berühmter Medicus in Eperies an einem
gewissen Orth. (Wachsendes Gold.) Es habe ein
Edelman in Ungarn / Walpataky genannt / einen Weingärtner gehabt / welcher
einsmahls im Garten nach gethaner Arbeit sich niedergesetzt und geruhet. Darauff
erblicket er etwas gelbes / so aus der Erden herfür ragete / als er nun hinzu
gangen / solches zu besehen / mercket er / daß es tieff in der Erden
eingewurtzelt / schlägt demnach mit einem Karst daran / aber es bleibet
ohnbewäglich / doch bricht er endlich mit grosser Mühe einen zimblichen Zahn
davon / welchen er einem Goldschmiede zeiget / und von demselben die erfreuliche
Zeitung erhält / daß es das reineste und feineste Gold seye: Dannenhero mercket
er den Orth mit Fleiß / und hohlet zu verschiedenen mahlen einen Zahn von diesem
Gold-Stock / dann an statt deß abgerissenen kam allemahl in wenig Tagen wieder
ein neuer Zahn herfür. Diese Beute hohlet er so offt und lange / biß er dieses
Edlen Weinbergs halben mit seinem Edelman / ja gar mit der hohen
Landes-Obrigkeit in einen Streit gerieth. Ein anderer [21] Ungarischer Bauer pflüget vermittels
seines eisernen Schaares ein lange Goldwurtzel aus der Erden / welche etliche
Elen lang war / deren er sich / als er kurtz darauff ein Fuder Holtz nach
Eperies führete / zu Bevestigung (Goldwurtzel.)
seiner Ochsen an Joch bedienen wolte; wie er aber damit beschäfftigt ist /
siehet ein Goldschmidt / vor dessen Hauß der Bauer stillgehalten / diesen
Gold-drath / forschete demnach / wo er solchen bekommen: der Bauer gibt ihm den
Bescheid / daß er ihn neulicher Tagen unter dem pflügen aus der Erden gezogen /
wo er ihm anstünde / wolte er ihn umb einen geringen Preiß abstehen / womit
jener wol zufrieden / und den Bauren ersuchet / ihm dergleichen Stricke mehr zu
verhandeln / der Bauer suchte zwar hierauff ferner nach / aber allemal
vergeblich. Noch mehr muß man sich verwundern über die jenige Trauben / so man
dem Siebenbürgischen Fürsten Sigismund (Güldene Kern
in elnem Trauben.) Ragozi Anno 1651. auff dem Schloß Batak nicht weit
von der Ungarischen Vestung Tockay verehret / deren inwendige Kernen oder
Steinlein durch und durch voll Gold gewesen. Anno 1670. fand Zemere Lasko
Viconte von Zemblin in seinem Weingarten eine Traube / deren Kerne oder Stein
allesam̅t gülden waren. Ein Bauer hat umb selbige Zeit einen
langen güldenen Strang im Sande einer Brunnquellen gefunden. So hat auch
Franciscus Redai, erwählter Fürst von Siebenbürgen dem Herrn Paterson,
Stadt-Medico zu Eperies vor einigen Jahren ein Stück gediegen Gold verehret /
welches als es in dem Bergwerck gefunden worden / so weich und fett als Butter
gewesen / da man es aber in die freye Lufft gebracht / ist es hart worden / wie
ander Metall. Die Gräfin Zemerin in Ungarn träget gewöhnlich einen güldenen
Drath / der wie ein Ring geflochten / oder gebogen / und aus einer Rube
erwachsen / am Finger. Ja man findet anderstwo seltzame Abbildungen der Natur
von gewachsenem Gold / worüber sich ein Mensch (Ein
gewachsenes güldenes Creutz.) nicht gnugsam verwundern kan: Als zu
Dreßden in der Kunstkammer zeiget man ein von Natur gewachsenes güldenes Creutz;
und bey dem Herrn de Noyers zu Dantzig zeiget man ein stück gediegen Silber
etliche Pfund schwehr / so ihm vom König in Spanien verehrt worden / dasselbe
Stück ist in verschiedene Bäumlein / Pflantzen und Gewächse von der künstlichen
(Ein silbernes Männlein.) Natur gebildet. Zu
Schneeberg in dem Bergwerck hat man in S Georgens-Gruben ein silbernes Männlein
/ welches ein Kind auff dem Nacken getragen gefunden; aber wer solte alle
dergleichen Wunder-Metallstück allhier anführen.
Was die Einwohner dieses Landes belanget / muß man selbige bloß darumb hoch
schätzen / weil sie jetzo fast die eintzige und stärckeste Vormauer der
Christenheit wider den Erbfeind ausmachen. Und weil [22] sie mit demselben fast unauffhörlich in
Scharmützeln begriffen / seynd sie in den Waffen sehr geübt / und vor tapffere
Leut zu achten / als die bey so gestalten (Die
Vngarsseynd in den Waffen wol geübt.) Sachen mehr auff das Gewehr als
auff die Wissenschafften und Bücher sich legen. Dannoch gibt es auch verständige
gelehrte Leute unter ihnen / die es auff den Teutschen und Mittelländischen
Academien sehr hoch bringen / und ist wol merckwürdig das Privilegium, so ihnen
und den Siebenbürgern An. 1628. von Churfürst Johan̅ Wilhelm zu
Brandeburg auff der hohen Schul zu Franckfurt an der Oder ertheilet worden / daß
man ihnen die Bachanten-Hörner nicht solle abstossen / als welche ihnen von den
Türcken ohne dem gnugsam deponirt werden. Eben dieser Freyheit sollen sie auch
zu Heydelberg geniessen. Es ist ein Gesetz unter dieser Nation / daß wann ein
Ungarischer Herr ohne Manns-Erben verstirbt / die Güter dem König heimfallen /
und sie pflegen umb die Freundschafft desto besser fortzupflantzen / ihre Kinder
in der Wiegen miteinander zu vermählen; Ihre (Die
Lateinische Sprach ist sehr gemein unter ohnen.) Sprach hat mit keiner
Europ???eischen Haupt-Sprach Gemeinschafft / doch ist die Lateinische Sprach
auch sehr gemein unter ihnen / sowol Hohen als Niedrigen / also daß sie auch die
Soldat???n / Kutscher / Schiffer und andere geringe Personen mittels derselben
gegen eine andere Nation gar wol expliciren können. Doch verstehen sie auch fast
durchgehends die Sclavonische / Teutsche und Türckische Sprach. Die Ungarn
dienen besser zu Roß als zu Fuß / ihr Gewehr ist eine Lantze / so sie Kopie
nennen / ein Säbel / Pa???lasch / Barte oder Hacke / ein Rohr / Streithammer und
eine Peitsche. (Vngarische Kleydung.) Ihre
Kleidung ist überaus bequem / und bestehet in einem Rock / der doch nicht lang /
sie füttern denselben / wie die Polen mit Beltzwerck. Die Edelleuth und
Stands-Personen haben köstliche Kleider von stattlichem Zeug / meist rothe
Farbe. Die Frauen und Jungfrauen tragen kurtze Mäntelein mit köstlichem
Beltzwerck gefüttert. Der Bauern Kleydung ist ein blauer / rother oder grüner
Unterrock von Carsey / der Oberrock aber von grobem Filtztuch / wird Gerberneck
genant / diese vorbeschriebene Kleidung ist absonderlich denen zu Pferd sehr
bequem / daß sich auch die Croaten / Sclavonier / und andere Nationen / ja
selbst die Türcken / so nahe an den Gräntzen wohnen / derselben meist bedienen.
Im übrigen haben die Ungarn (Frische Farben ???
beliedt.) grosses Belieben an frischen Farben / und tragen gerne roth
/ blau / gelb / grün / und purpur / selten siehet man jemand im schwartzen Habit
/ wie dann auch allerdings die Priester purpurfärbige lange Kleider tragen.
Die Regiments-Form dieses Reichs betreffend / haben die Inwohner (nachdem sie bey
Regierung deß H. Stephani und dessen Nachfolgern ihren groben heydnischen
Aberglauben verlassen) auch zugleich mit der neuen [23] Christlichen Religion ein politisches
und sinnreiches Leben zu führen / und ihr damaliges Regiment in ein gantze neue
Form zu giessen begonnen / so (Das Regiment ist
zweyerley / geist- und weltlich.) daß selbiges noch biß heutigs Tags
zweyerley / nemlich geist- und weltlich ist. In dem weltlichen Regiment ist der
König das höchste Haupt / welcher das Reich durch zweyerley Räth regieret. Der
erste und fürnehmste wird wieder in drey Ständ oder Obrigkeiten eingetheilet. In
dem ersten Stand befindet sich oben an der Königliche Stadthalter / den die
Ungarn einen Palatinum nennen / und durch freye Wahl zu solcher hohen Würde
(Grosser Gewalt deß Palatini.) erkiesen wird
/ dieser hat bey Erwählung eines Königs (wann nemlich die abgelebte Könige keine
männliche Erben hinterlassen) die erste Stimm / und ist deß Königl Erbens in
seiner zarten Jugend ordentlicher Vormund: Er kündiget / wann kein König
vorhanden / oder derselbe unmündig ist / die Landtäg an / stillet die
Uneinigkeiten / vergleichet den Zwyspalt zwischen dem König und dem Reich / als
ein Unterhändler / höret die Gesandschafften und Klagen an / bringet sie dem
König vor / bestellet die Gerichte / und verrichtet nebst den Räthen die Königl.
Geschäfften. Dem Palatino folget in (Judex
Curiae.) der Ordnung der Judex Curiae oder Hofrichter / als der fürnehmste
aus den ordentlichen Richtern deß Königreichs. Hierauff folgen die Cantzlar /
deren zween / nemlich der Ertz-Bischoff von Gran / als Reichs-Eantzlar / welcher
Macht und Gewalt hat / den erwählten König zu crönen / und die Privilegien mit
dem grossen Insigel zu bekräfftigen: und der andere / als Hof-Cantzlar / den der
König nach seinem Gefallen erkieset / daß er die Königl. und andere Abschied /
und die ergangene Decreta mit seiner Unterschrifft (Magister Curiae.) bekräfftige. Alsdann folget der Magister Curiae
oder Großmeister / und die Magistri Tavernicorum Regalium, solche seynd die
Oberauffseher über die Gold- und Saltzgruben / und alle Oerter / so der Königl.
Cammer gewidmet seynd. Zu dem zweyten Stand oder Gericht gehören fürnemlich
(Vice-Palatinus.) 3. Personen / 1. der
Vice-Palatinus oder Stadthalter deß rechten Palatini. 2. Der Judex personalis
praesentiae, als in den Gerichten an statt deß Königs sitzender Oberrichter. 3.
Der Vice-Judex Curiae. Die übrige und geringere übergehe ich / weil es zu
weitläuffig / selbige allesam̅t einzuführen. Fürs dritte kommen in
Betrachtung die jenige / so auff deß Königs Person warten; als der Schatzmeister
/ der Oberste Cämmerer / Marschalck / Stallmeister / Stäbler / Mundschencken /
Trucksessen und dergleichen. Und dieses seynd die 3. Ständ deß ersten und
grösten Raths / welche gemeiniglich ihre Protonotarios, Magistros, Vice-Comites
und Urtheilsprecher haben / die nicht so sehr einen Rath oder Magistrat
formiren, als nur die Dienst und Aembter der Richter verwalten. Deß andern und
geringern Raths hat ein [24] jeder Ort sein
besonders / nemlich sein eigen Gericht: massen jede Provintz ihre
particulier-Gericht / oder (wie es die Ungarn nennen) comitatus oder
Gespanschafften hat / welche droben schon angeführet / allwo auch ihre Anzahl
benennet worden.
(Das geistliche Regiment.) Anlangend das
geistliche Regiment / beruhete dessen Verwaltung weyland auff 2. Ertz-Bischoffen
/ als dem zu Gran / weicher zugleich Nuntius Apostolicus und der fürnehmste im
Reich war / unter dessen Auffsicht stehen die Bischöff zu Erla (der jetzo zu
Jasla wohnet) Waitzen / Neutra / Naab / Fünffkirchen und Vesprin / davon theils
Städt jetzo in Türckischem Gewalt seynd. Der andere Ertz-Bischoff residirt zu
Conlozza / unter dem die Siebenbürgischen Bischöff zu Weissenburg (Alba Julia)
Chonad / Wardein / wie auch der Zagradienser / Sirmienser und andere stehen.
Nachdem aber solchen Oertern guten theils gleichsam die Seele eines Christlichen
Negiments ausgefahren / und sie / als erstorbene Gliedmassen / in Mahometischer
Dienstbarkeit und Unglauben verscharret ligen / so ist des Ertz-Bischöfflichen
Thum-Caritels Residentz nacher Tirna verlegt worden. Der (Ertz-Bischof von Gran ist Reichs-Cantzler.)
Ertz-Bischoff von Gran aber residiret heut zu tag zu Preßburg / nicht allein als
Ertz-Bischoff von Gran / sondern auch als Reichs-Cantzlar / Primas Hungariae,
Legatus natus Caesareae Majestatis, und dabey ein (gemachter) Fürst deß Reichs.
Auff diesen Stand folget der Adel deß Reichs / und die Königl. und freye Bürger.
(Ungarn ein Erb-Reich worden.) Vorzeiten war
Ungarn ein Wahl-Reich / aber jetzo dörffen die Ständ nicht zur Wahl schreiten /
es sey dann von deß Königs Kindern keines vorhanden / dahero es nun zu einem
Erb-Reich gediegen ist. Bey der Königlichen Crönung ist zu mercken / daß dem
König die Fahnen deß Reichs / und der andern weyland Ungarn einverleibten
Königreichen / als Dalmatien / Croatien / Selavonien / Servien / Boßnien und
Bulgarien fürgetragen wrrden. Die Ungarische Königl. Cron wird in sonderbaren
Ehren gehalten / und geben die Ungarn selber für / sie seye von einem Engel aus
dem Himmel dem ersten Christlichen König Stephano gebracht worden / da man doch
wol weiß / daß sie vielmehr von dem damaligen Pabst Benedicto VIII. diesem König
zugeschickt worden. Sie verwahren diese Cron (Die Cron
wird wohl verwahrt / und in hoben Ebren gebalten.) gar sorgfältig /
und bilden ihnen ein / daß mit dieser Crone auch ihr Land verlohren gehe /
wofern dieselbe in frembde Gewalt käme / wie dann ihr auch umb deßwillen von dem
Sultan sehr nachgestellet wird. Weyland hat man sie in dem Schloß Vicegrad
verwahret / jetzo aber ligt sie auff dem Schloß zu Preßburg in einem von den 4.
starcken Thürnen / und haben 7. Vngarische Herrn jeder einen besondern Schlüssel
dazu / also daß keiner ohne den [25] andern
hinein gehen darff. Sonst hat diese Cron vorbedeuteter massen auch noch 2.
absonderliche Cron-Verwahrer. An ihr selber ist die Cron auff ein besondere Art
gemacht / gantz nidrig / und darauff stehet ein Creutz mit vielerley Laubwerck
rund umbher. Man mag es vor eine besondere Ehr schätzen / diese Cron zu Preßburg
zu sehen. Zu Wien in der Käyserl. Kunstkammer soll man davon sehen ein Modell /
welches auch eine gantz güldene Crone ist / besetzt mit mannigfaltigen edlen
Steinen / gar eigentlich gemacht nach der Ungarischen Crone / und vielleicht an
Edelgesteinen reicher als das Original.
(Vngarische Waven.) Vorzeiten führte Ungarn in
seinem Wapen ein ungezaumtes Roß / wie auch grosse ausgebreitete Adlersflügel /
bald hernach einen Löwen mit einem Schwerdt / bald eine Rabe / das rechte Wapen
aber machen vier quer-fliessende Ströhme / wordurch die Donau / Drab / Sau und
Theiß bedeutet werden. Attila führte umbs Jahr 400. einen gekrönten Adler zum
Wapen / darinn ihm seine Successores gefolget / biß zum Anfang deß neunten
Seculi, nachmals ist dieser Adler in ein zweyfaches rothes Creutz verändert / so
aber vom Pabst zu Zeiten Stephani Sancti mit einer Crone vermehret worden. Diese
Könige schreiben sich König von Ungarn / Dalmatien / Croatien / Sclavonien /
Servien / Bulgarien / und Boßnien; wiewol sich die letztere König von den drey
letzten Landschafften nunmehro gar selten schreiben.
(Grosse Ein-???künfften der Ertzgruben und
Zöllen.) Die König von Ungarn erheben aus den Ertzgruben ihr meiste
Intraden / welche man jährlich auff 160000. Ducaten rechnen kan / andern theils
fallen solche auch aus den Zöllen / welche sich jährlich auff 33000. Ducaten
berechnen lassen / der extraordinari Gefällen / Tributs / Steuren / Anlagen /
sc. nicht zugedencken. Der Groß-Türck aber empfängt seinen Carras, nemlich von
jedem Kopff seiner Unterthanen in Ungarn zwey Rheinische Gulden / doch seynd
weder die Christliche noch Türckische Ungarische Intraden erklecklich zu
Abtilgung der Kosten / die zum Schutz deß Landes verwendet werden müssen: dahero
von beyden Theilen aus andern (Vngarische Kriegsmacht
bestehet meistens in Dussaren und Heyducken.) Gefällen ein mercklicher
Zuschuß geschehen muß. Anreichend die Kriegsmacht / so können die Ungarn ihrem
König gar leicht eine Reuterey von achttausend Köpffen auff die Beine stellen /
ohne die rechte Hussaren und Heyducken / deren Anzahl sich wohl auff
dreyssigtausend Mann rechnen lässet / worvon diese zu Fuß / jene aber zu Pferd
dienen / sie wohnen in den Gräntz-Vestungen / und werden zum theil vom Römischen
Käyser besoldet / die jenigen aber / so sich freye Gräntz-Hussaren nennen lassen
/ machen sich durch Beuten bey dem Erbfeind selber bezahlt / [26] und wollen nicht obligirt seyn / wider
einen andern Feind zu gehen / welches auch die Besoldete thun. Wann sie zu Hauß
seynd / nähren sie sich mehrentheils durch den Ackerbau / ihr Gewehr ist aber
sam̅t dem gesattelten Pferd stets parat. Sobald Allarm
geschossen wird / rüstet sich ein jeder / und (Sevnd
wobl montirt / und baben gute Pferd.) ziehet dem Feind unter Augen /
seynd wol montirt / und haben schnelle Pferd / die meinsten auch eines an der
Hand / so gleichfalls gesattelt / sich dessen / im fall das erste ermüdet / zu
bedienen / bekommen sie aber Gefangene / setzen und binden sie selbige drauff.
Sie streiffen auff 50. und mehr Meilen in das Türckische Gebiet / weil es
daselbst viel Wüsteneyen gibt. Sie gehen gemeiniglich in der Nacht aus / damit
sie von den gehuldigten Bauern nicht verkundschafftet werden / als welche denen
Türcken sowol als denen Christen in den Gräntz-Vestungen bey Straff deß
Spiessens von allen Räubern und Partheygängern Kundschafft bringen müssen / am
Tag ha ten sie sich in den Wäldern auff / und füttern ihre Pferde: deß Nachts
ziehen sie weiter fort / so lange / biß sie reisende Türcken oder Rätzen
(welches e???e gewisse Art Griechischer Christen ist / aber unter den Türcken
wohnen / und mit ihnen zu Feld gehen) antreffen. Kom̅t ihnen aber
eine starcke Türckische Parthey auff den Halß / und sie befinden sich ihnen
bastant / gibt es eine scharpffe Rencontre. Die Hungarn / als die weit in
Feindes Land / fechten vor Kopff und Kragen / und die Türcken wollen solche
Bestrickte auch nicht gerne wieder aus dem Netz lassen. Die Uberwinder (Hauen den Erschlagenen die Köpff ab / und stecken sie
auff die Pallisaden.) hauen den Erschlagenen die Köpffe ab / und
stecken sie in ihren Vestungen auff die Pallisaden / oder auff sonderlich darzu
bereitete hohe Bäume / die voller Pflöcke / und bey allen Gräntz-Vestungen
häuffig gesehen werden. Gleichergestalt verfahren die Türcken mit der Christen
Köpffen. Zu Leventz ward vor weniger Zeit eines fürnehmen Türcken Kopff von den
Hussaren nebst andern guten Beuten eingebracht / und bey dem innern Thor nahe
bey dem Schillerhauß auff eine Pallisade gestecket / als solches deß
erschlagenen Türcken Frau erfahren / sandte sie einen gefangenen Christen dahin
/ und bothe fünffhundert Ducaten für den Kopff / als dessen die Ungarn sich
weigerten / sandte sie ihnen hundert Reichsthaler / daß (Ein Dächlein über ein Türckenkopff gemacht.) man
ein Dächlein über den Kopff machen möchte / welches geschahe / aber wenig Tag
hernach ward der Kopff gestohlen / und der Frauen gegen eine gute Verehrung
überbracht. Ein Frembdling muß sich über die Geschwindigkeit der Türcken und
Ungarn in dem Säbel verwundern / dann in einem Streich / den sie von der Lincken
zur Rechten führen / hauen sie einem den Kopff wie eine Rübe hinweg. Die
Heyducken gehen zu Fuß ebenmässig auff Parthey aus / und bringen offt die beste
Beuten ein / dann sie wis [27] sen
sich besser in Hecken und Gesträuch zu verstecken; sie nehmen soviel zu essen
mit / als sie gut dünckt / dann in Fein des Land bekommen sie nichts / dörffen
(Gewebr der Hussaren und He???cken.) sich
auch nicht sehen lassen. Ihr Gewehr ist ein gezogenes Rohr / das eine Kugel wie
eine Erbse schiesset / sam̅t einem Säbel oder Pallasch. Die
Hussaren aber führen Pistolen und Carbiner mit Teutschen Schössern / fornen sehr
weit / und hinten enger / daß sie viel Kugeln auff einmal hinein laden können;
die Pistolen seynd lang / theils gezogen / und haben eine Anläge / daß sie gewiß
darmit schiessen. Nebst dem Säbel führen sie am Sattel einen Pallasch / an der
rechten Seiten unter dem Bein einen Pantzerstecher 3. Elen lang / so eine
dreyeckigte / theils auch eines Daumens breite Klinge hat / womit sie einen Mann
/ wann er schon verpantzert / durchstechen: etliche führen auch Copien von
dünnem Tannenholtz / so forn eine lange (Serub leicht
gekl???det / und bleiden be??? einer Tracht) stähline Spitzen / und
beym Handgriff einen dicken Knopff hat; seynd sonsten leicht gekleidet / sauber
/ und bleiben bey einer Tracht / gemeiniglich führen sie auff der lincken
Schulter eine Wolffshaut mit Klauen und Zähnen. Die Händ seynd mit eisernen
Handtatschen biß an den Elenbogen verwahret: Etliche haben auch Pantzerhembde an
/ und auff dem Kopff eine Pantzerhaube. Sie führen meistentheils geraubte
Türckische Fahnen / ihre Spiel seynd Schallmeyen und Dulcianen / die Heyducken
aber haben Trommeln. Ein jeder Ungarischer Soldat zu Roß und Fuß hat einen
starcken Riemen oder Strick an der Seiten / womit sie die Gefangenen binden /
etliche tragen daran auch einen Stahl / womit sie ihre Säbel schärpffen.
(Die Gefangene werden offentlich verkaufft.) Wann
sie von den Partheygängern nebst andern Beuten eingebracht werden / wird alles
auch die Menschen auff offentlichem Marck durch einen Ausruffer verkaufft / wer
das meiste bietet / bekom̅ts. Der nun einen gefangenen Türcken
kaufft / lässet demselben alsobald in dicke eiserne Schellen / da 3. ineinander
hangen / und biß 15. und mehr Pfund wägen / schmieden: hernach forschet er bey
andern Türcken / was sein Gekauffter zu Hauß im Vermögen habe / wann er solches
erfahren / examinirt er seinen Gefangenen / der zwar solches nit gestehet / auch
so lang laugnet / biß ihm der Brügel vorgelegt wird / manche lassen sich auch
wol halb todt schlagen / ehe sie etwas von (Gebr ü???
gebalten.) ihrem Reichthum bekennen: nichts destoweniger wird der
Gefangene auff den Rucken geworffen / und mit beyden Füssen an eine Stange
gebunden / welche von 2. andern gefangenen Türcken gehalten wird / alsdann
kommen 2. Temnizer oder Gefangen-warter / oder auch wol der Kauffherr selber mit
/ und schlagen mit Arms-dicken Prügeln 2. oder 300. Schläge gantz langsam und
aus allen Kräfften auff die Fußsohlen / daß ihm bißweilen die Schuhe sam̅t den Nägeln von den Füssen springen / biß endlich der Türck all
sein Ver [28] mögen entdecket / und
offt mehr / als er hat / zu geben versprechen muß. Was der Gefangene nicht hat /
muß er zu Hauß erbettlen oder borgen: und wann die Rantzion accordirt / müssen
sich etliche gefangene Türcken vergleichen / (Müssen
sich ???reutzioniren.) und einen unter ihnen erwählen / den sie in
Türckey schicken / derselbe muß das Lößgeld sowol vor sich als seine
Mitgefangene lieffern / die andern müssen so lang Bürge seyn / und werden wol
verwahret / damit wann der ander ausbleibt / sie zugleich vor ihn mitbezahlen.
Solcher gestalt müssen sie bißweilen biß an die äusserste Gräntzen ihres Landes
reisen / und wie gesagt / wenn sie selber die Mittel nit haben / ihr Lößgeld
erbettteln / also daß sie Jahr und Tag ausbleiben / dannoch kommen sie zu
gesetztem termin wieder / und bringen Geld oder nicht.
Werden nun die Türcken von den Ungarn scharpff gehalten / so gehet es (Die Tentschen bleiben Zeit ihres Tebens Sclaven??? in
Türckey.) diesen in Türckey kein Haar besser. Zwar die Teutschen / so
sie gefangen werden / seynd von den Schlägen etwas befreyet / weil die Türcken
wissen / daß ihr Vatterland weit entlegen / und demnach nicht leicht mögen
ranzionirt werden / müssen aber Zeit ihres Lebens Sclavische Arbeit thun. Das
auswechseln geschicht unter ihnen jetzo gar selten / welches sonsten bey
offentlichen Kriegen üblich ist. Wann etwa ein gefangener Türck oder Ungar davon
zu kommen trachtet / und ausreisset / von den Nachsetzern aber wieder ertappet
wird / tractiren sie ihn deßwegen nicht übler als zuvor / weil sie es vor
erlanbt halten / daß ein Gefangener seine Freyheit suche / wie er immer mag /
aber man verwahret ihn hernach besser. Hier muß ich auch berühren / wie mit den
Abtrünnigen / (Präbecken seynd verlaugnete
Christen.) so zu den Türcken übergehen / und den Glauben verlaugnen / und
ins gemein Proebecken genan̅t werden / umbgegangen wird. Diese
liederliche Leut sind den Türcken sehr angenehm / müssen sich aber alsobalden
beschneiden / und die Haar abnehmen lassen / auch der Christen Glauben und
Gemeinschafft verschwören / und starck angeloben / derselben ärgste Feinde Zeit
ihres Lebens zu seyn. Hierauff werden ihnen an Händen und Füssen die Nägel
beschnitten / gebadet und gewaschen / auch auff Türckisch gekleidet / wiewol die
Türcken und Ungarn in der Nachbarschafft fast gleich gekleydet / ausser daß die
Ungarn einen kahlgeschornen Kopff / und fornen an der Seiten einen langen
Schopff / die Türcken aber solchen Schopff an der lincken Seiten herab hangen
haben. Es ist mancher Teutsche durch diese Gelegenheit der Kleidung betrogen
worden / der gemeynet / er sehe Ungarn zu ihm reiten / und ist als dan̅ von den Türcken übereylet worden. Wan̅ nun / wie
gesagt / die Proebecken auf Türckisch ausstaffirt seyn / müssen sie auch mit
auff den Raub gehen / und die Probe thun; diese pflegen alsdan̅
die ärgfte Schelmen zu seyn / weil sie alle Gelegenheit wol wissen / und gantz
desperat fechten / in Betuachtung??? / da sie solten [29] gefangen werden / würde es ihnen gar
übel ergehen. Jedoch haben sie diese Freyheit / daß sie nebst den Türckischen
Trouppen ihr Heyl allein versuchen mögen / ihnen werden auch die besten Pferd
gegeben / damit sie im Fall der Noth am stärckesten fliehen können. Sie haben
auff ihren Rücken und fornen an den Sätteln über den Beinen grosse Flügel von
Adlern und andern grossen Vögeln angehefftet / womit sie ihres Gegners Pferd
scheu machen / wie dann auch nit leicht ein Pferd auff sie angehen wil /
sonderlich wann sie starck reiten / und der Wind wähet / als dann rauschen diese
Flügel hefftig / sie können auch mit ihren Anblick und Geräusch unter den
Pferden einen solchen Rumor machen / daß sich eine wohlgeschlossene Squadrone
wider ihren Willen öffnen muß. Wann man aber Christlicher Seiten solche lose
(Werden lebendig gespiest.) Buben gefangen
bekombt / werden sie lebendig gespisset / und das thun die Ungarn selber / als
die solches vor ein löb- und Christliches Werck halten; vors erste nehmen sie
den Gefangenen / werffen ihn auf den Bauch nider / schneiden hinden in den Hosen
/ am Gesäß ein Loch / setzen ihm hernach einen Pfal so dick als ein Bein / der
fornen zugespitzt / an den Hindern / binden ihm darauff an jedes Bein einen
Strick / einer tritt ihm auf den Rucken / die andern ergreiffen die Stricke und
ruffen: wer ein rechter Christ seyn wil / der helffe anziehen; und also wird er
an den Spieß gezogen / dessen Spitze ihm bey den Schultern oder Kien: bißweilen
auch durch den Hals zum Mund heraus gehet. So sie etwa nit recht ziehen / also
daß der Spieß bey den Rippen heraus fähret / ziehen sie den Menschen wieder
zurück / und darauff von neuem wieder an. Hernach wird der Spieß in die Erd
gegraben / also daß der Mensch mit dem Haupt übersich und gegen der Sonnen
Aufgang sihet: sie leben bißweilen 24. Stunden und drüber / es sey dann / daß
ihm das Hertz getroffen worden / oder da ihnen der Spieß durch den Hals fähret /
alsdan nahet sich der Tod eher und offtmahl zur Stunde.
(Religion in Ungarn.) Was die Religion oder
Glaubens. Bekantnuß betrifft / seynd in Ober-Ungarn mehr Protestanten / und in
den Nider-Ungarn mehr Römisch-Catholische / es werden wohl auch in diesem Land
nebst den Türcken / Wiedertauffer / Arrianer, Trinitarii, und andere Secten
gefunden. So viel seye von Beschaffenheit deß Königreichs Ungarn gesagt. Nun
wollen wir erzehlen / was daselbst und in den Angräntzenden Landen
schrifftwürdiges im Monath Januario deß 1686sten Jahrs passirt ist.
Nachdem der Allmächtige GOtt im vergangenen 1685. Jahr die Käys. Waffen so
beglückseliget / daß sie nach Eroberung Neuheusel / gantz Ober-Ungarn in dero
Gewalt gebracht ausser der eintzigen Vestung Mongatsch / als ist dem General
Feldmarschall Caprara Käys. Ordre ertheilet worden / mit dessen unterhabenden
Corpo vor besagte Vestung zu rucken / [30] und selbige den gantzen Winter durch so eingesperret zu halten / darmit nichts
ein- oder auskommen möchte / worauff die nöthige Anstalt hierzu gemacht / anbey
auch ein Schreiben vom Herrn General durch einen Tambour an deß (Mongatsch wird bloquirt.) Teckeli Gemahlin in die
Vestung spedirt worden / dieses Inhalts: daß weiln ihr Mann der Teckeli bey den
Türcken hart gefangen gehalten werde / sie auch keinen Succurs zu hoffen hätte /
wäre sein treuer Rath / den (Caprara schreibt an die
Teckelin.) Käyserl. schon zum öfftern angebottenen perdon dermahleins
zu amplectiren / und nur die extrema nit zuerwarten / widrigen fals wolte er
General vor GOtt und vor der Welt wider die böse Consequentien / so die tardanza
ihrer Resolution nach sich ziehen möchte / protestirt haben. Welches Schreiben
nachdem es die Teckelin abgelesen / hat sie nachfolgender Weiß geantwortet / so
von Wort zu Wort also lautet:
(Antwort der Teckelin auf das Caprarische
Schreiben.) Ich hab Ew. Excellentz Brieff empfangen. Das Unglück / welches
/ wie Ew. Excell. meldet / dem Printzen meinem Mann begegnet / kan mit keiner
Warheit / als ein Urtheil Göttlicher Rach angezogen werden. Niemand hat meinen
Herrn und Mann der Untreu überwiesen / und die Dinge / welche wir glücklich
ansehen / erlangen zum öfftern das meiste Unglück. Ich weiß nicht / welcher Ew.
Excell. gesagt mag haben / daß er nach Constantinopel ins Gefängnus geführt sey
/ dann ich weiß / daß es gar anderst damit beschaffen / und daß er lebet / und
sehr höflich tractirt / und auch in kurtzem wieder hier seyn werde. Was mich
anlanget / so bin ich meinem Mann mit Christlicher Treu verbunden / die ich
nicht brechen mag noch wil. GOtt und die Zeit werden die Unschuld / die ihm nun
nach der Menschen Urtheil zur Missethat gerechnet wird / an denTag bringen. Das
Glück der Waffen Sr. Allerhöchsten Käys. Majest. ist jederman bekant / und
fallen mir nebst meinen Waysen sehr schmertzlich / ob ich schon die geringste
Ursach und Anlaß darzu nicht gegeben habe / also daß ich wegen meines elenden
Zustands mehr zu beklagen bin / als daß ich die Gewalt der Waffen solte
verdienet haben / worunter die Schlösser Macorits / Agets / Potack und andere
Oerther bereits sich haben biegen müssen. Die einigste Stadt / welche mir und
meinen Waysen mit dem allerhöchsten Recht zugehöret / die soll mir nun / wie Ew.
Excell. schreibet / durch die Krafft der Waffen genommen werden / umb solche vor
den minderjährigen Printzen zu bewahren / welcher unter der Vormundschafft
seiner Mutter noch zu Führung der Waffen unbequem / sich allein mit seiner
Unschuld und Gerechtigkeit verthädiget. Lasset GOTT / die Welt / und die
Christenheit urtheilen / ob nach Eroberung der Stadt Caschau / meiner Waysen
Schlösser durch die sieghaffte Waffen Sr. Käyserl. Majest. haben eingenommen
werden kön [31] nen. Ew. Excell. weiß
gar wohl / daß was von uns gethan wird / durch Antrieb einer natürlichen
Beschirmung geschicht. Doch wil derselbe vielleicht auch sagen von der Beraubung
der Elenden und unerhörten Unterdruckung / welche der Capitain Molvar und andere
in selbiger Gegend verüben / und die gantz Unchristlich seynd. Wann ich nicht
fast alle Tag und Stunden angefochten würde / würde ich die Ruhe für die Unruhe
gerne erwählen / ich würde lieber in Frieden und von meinen Gütern leben / als
aller Ding beraubet / über mein und der meinen Elend winseln und klagen. Es sey
ferne von mir / daß ich mich Sr. Käyserlerlichen Majest. widerspenstig erzeigen
solle / dann solches meinem Geschlecht nicht anständig seyn würde. Ich lasse mir
bloß angelegen seyn / meinem Herrn und Mann verpflichtet und beständig zu
bleiben / und bey dieser Verbündnuß verharre ich festiglich. Daß Ew. Excell.
meldet / daß die Ottomannische Pforte nach den Frieden bey dem Durchl. Hauß
anhalte / das lasse ich dahin gestellt seyn / es wird aber mein Herr und Mann
gute Sorg vor Befestigung deß Friedens vor meine und der meinigen Erhaltung
tragen. Und das ist das jenige / welches mich festiglich vertrauen machet / daß
der Römische Käyser nach seiner angebohrnen Güte die Waffen gegen mir und meinen
Waysen nicht ergreiffen werde / dann ich als Mutter und natürliche Vormünderin
bin aus allerzartester Zuneigung auff ihren Wohlstand und Vortheil bedacht. Ich
erschrecke vor der last der Waffen nicht / dann die Gütigkeit deß Allerdurchl.
Käysers / und der Heldenmuth Ew. Excell. lassen nicht zu / daß ich deroselben
Gewalt zu erwarten habe. Ich / sage ich / die ich meine Beschirmung auff die
Gnade zu Sr. Käyserl. Majest. und meiner Unschuld allein setze. Es ist wahr /
daß viel von den besten Häuptern meinen Herrn und Mann verlassen / und also
ihren Eyd und Pflicht schändlich vergessen haben / und andere offentliche Untreu
/ solten nach dem Vorbild menschlicher Unbeständigkeit / die dem Glück folget /
und die Unglückseeligen verlässet / wieder kommen. Ich lobe das Edle Gemüth Ew.
Excell. zum höchsten / weil sie schreibet / daß sie sich dermassen moderat
bezeugen wolle / daß die Christenheit nicht Ursach zum mißfallen solle haben
können. Sie wird warlich den Sieg und die Glori eines so grossen Monarchen nicht
vermehren / so sie mich und meine Waysen mit Schmertzen beladet und drücket /
wird auch ihren eigenen Ruhm nicht vergrössern / wann sie sich nach Eroberung
von Potack durch das Glück ihrer Waffen (welcher Orth mir aus einer sonderlichen
Gunst anbefohlen war) die Treue / die ich GOTT und meinem Mann schuldig bin /
nicht breche. Ferner soll GOTT und die Welt von meiner Unschuld urtheilen /
darbey ich die [32] gantze Zeit meines
Lebens verharren werde. Ew. Excell. unterdessen alles wohlerwünschte Wohlergehen
und Glückseeligkeit anwünschend. Geben in Mongatsch. sc.
Bey diesem Verlauff seynd immer Teutsche aus der bloquirten Vestung (Grosser Holtzmangel in der Vestung Mongatsch.)
Mongatsch zu den Käyserlichen übergangen / die außgesagt / daß darin an allen
Nothwendigkeiten / absonderlich aber an Holtz grosser Mangel / und seye ihr
meister Vorrath hiervon im Graben befindlich / worauff die unsrigen bey
Nachtszeit selbiges angezündet / und ruinirt haben. Immittels hat Gen. Caprara
die Teckelin wegen ihrer Halsstarrigkeit im gantzen Lager vor eine Rebellin mit
offenen Trommelschlag declariren lassen / worauff diese mit ihren requisitis
sich zur Außstehung einer Belägerung fertig gemacht / und weiln die unsrige
im̅er näher avancirt / und endlichen gar in die Vorstadt sich
einlogirt haben / als hat es öffters kleine Scharmützel abgeben / worbey
beyderseits einige geblieben; bald zu anfang dieses Monats ist ein Schreiben von
(Schreiben deß Königs in Pohlen an die
Teckelin.) König in Pohlen an die Teckelin lautend im Käys. Lager
angelangt / welches wegen gebührenden Respects so fort ohneröffnet durch eben
den Pohlnischen Expressen derselben zugeschickt worden / so der Uberlauffer
bericht nach auch von ihrem Ehegemahl ein Schreiben empfangen haben soll /
worinnen enthalten / daß er Teckeli von den Türcken wieder auff freyen Fuß
gestellet worden / (Wie auch deß Teckeli selbsten an
seine Gemahlin.) dahero sie adhortirt sich keines wegs Ih. Käys. Maj.
zu submittiren / sondern so lang möglich zu defendiren / mit Vertröstung sobald
das Wetter zulasse / mit einer nahmhaften Türck. Macht sich der Orthen
einzufinden / und sie von der blocquada liberiren wolte. Die Mongatsch.
Guarnison / als welche in dem Kern von Ungarischen Rebellen oder Teckel.
Adhaerenten bestanden / erzeigte sich auff vernehmen dieses sehr muthig / und
thate vielfältige Außfäll / die aber jedesmahl mit Verlust einiger Mannschafft
repousirt worden.
Mithin war der so genante Petrozi ein dem Schein nach vom Teckely abgefallener
vornehmer Ungar noch immer in Siebenbürgen / und vermeinte (10000. Wann Käys. Völcker in Siebenbürgen
einquartirt.) den Käys. Perdon mit Zurückgebung seiner confiscirten Güter
zu erhalten. In besagtem Fürstenthumb wurden indessen 10000. Mann Käys. Völcker
einquartirt / welche ihre Quartier biß auff Clausenburg extendiret / so die
dasige Landständ den gantzen Winter hindurch erhalten müssen; Sonsten liegt ein
Städtlein Namens Arrath ohnweit Lippa an dem considerablen (Käys. erhalten ein berrliche Victori wider die Türcken
bey Arrath.) Fluß Maros [welcher Schiffreich ist und in die Theisse
laufft] allwo die Käys. dieser Zeit ein sehr nahmhaffte Victori wider die
Türcken erhalten haben / dann nach deme die Hn. Generaln Mercy und Heußler
gewisse Kundschafft eingenommen / daß aus Siebenbürgen viel Proviant gegen
Temeswar und Lippa von denTürcken abgesührt werden solte / waren dieselbe in
2000. [33] Pferd etlichen
Commis-Tragonern nebst 300. Hussaren unter den Petnehasischen Commando von
Zollnock unversehens aufgebrochen / und gegen gemeltes Arrath gerucket / und vie
sie dahin kom̅en / ist ihnen durch Kundschafft bedeutet worden /
daß über 1000. Türcken meistens von deß Groß-Sultans Janitscharen mit einer
grossen Anzahl Munition und Proviantwagen sich hinein retirirt hätten / worauff
die Unsrige eilends dahin gerucket / den Orth rings umbschlossen / und so dann
den Feind ermahnen lassen sich zu ergeben / dahingegen demselben der freye Abzug
versprochen wurde / sintemahln aber die Janitscharen sich absolute nicht
submittiren / sondern es für ein Unehr gehalten / und schimpfflich zu seyn
achteten / den Christen ohne Gegenwähr sich zu ergeben / und also dem Tod sich
lieber sacrificiren wolten / derohalben von beeden Generaln resolvirt wurde /
ten Orth mit Gewalt anzufallen / wie dann gleich darauff auff einer Seiten die
Ringmauer durch etliche Feldstück zu boden gelegt / und also den Weg zum Sturm
eröffnet und so dann mit einem solchen Ernst und courage so wohl von den
Teutschen / als Ungarischen Militz mit einträchtiger Hertzhafftigkeit gefochten
wurde / daß nach einem hart und blutigen Gefecht die Türcken übermeistert /
(Das Städtlein wird erobert und viel Türcken
erschlagen.) 900. deren erschlagen / 200. aber gefangen und nach
beschehener Plünderung die gantze Stadt sambt der über den Fluß Maros stehenden
Brücken / und alles das / was nicht hat können nachgebracht werden / in die
Aschen gelegt worden / die grosse Beut / so die Unserige hierhey gemacht / kan
nicht gnugsam beschrieben werden / dann weiln Arrath ein fürnehme Handelstadt /
(Wird folgends abgebrant.) und viel reiche
Inwohner geheget / muste die Beut desto considerabler seyn / wie dann unsere
Soldaten bey manchen uber 100000. Reichsthaler nur an paarem Geld erbeutet haben
/ und wird versichert / daß jeder (Vnd darinnen gute
Beut gemacht.) gemeiner Soldat / so dey dieser Action gewesen / auffs
wenigst zwey hundert Ducaten nur an Geld und Kleinodien / bekommen habe / zu
geschweigen daß viele Proviant und Munition / die grosse Menge Victualien / die
viele hundert stück groß und klein Viehe / die stattliche Pferd / köstliche
Kleider / treffliche Gewähr / und eine grosse Summa von allerhand Türckischen
Wahren / wie nicht weniger 14. stück Geschützes / 11. Standarten / 3.
Janitscharen Fahnen / und 3. paar Heerbaucken / welches alles nebst den
fürnehmsten Einwohnern von Arrath und vielen gefangenen Türcken die unsrige
glücklich in Zollnock eingebracht haben. Auf Türck. Seiten ist der Bassa von
Sophia, und fast alle commandirende hohe Officirer geblieben / und ist diese
(60. Türcken eschappicen glücklich.) Victori
so vollkommen gewesen / daß nicht mehr als 60. Türcken von dieser Bataglia
entkommen / welche nach Lippa und Temeswar geflogen / allda sie ein solche
Forcht erwecket / daß der in Temeswar commandirende [34] Bassa seine Vorstadt abgebrandt /
worauff dasige Inwohn er / und die zu Lippa / Gyula / Segetin / Großwardein /
und anderer Orthen mehr ihre beste Sachen weiters nach der Türckey geflüchtet /
ja es haben die Türcken so (Machen grosse Forcht in den
angräntzenden Plätzen.) gar wohl 40. mit Mannschafft besetzte Palancka
aus Forcht verlassen / und die Besatzung nach den vesten Plätzen gezogen;
unserseits seynd bey dieser Rencontre (die sicherlich überaus hitzig gewesen /
indem sowohl die Türcken als die unserige rechtschaffen vor Ehr und Leben
gefochten haben / mit der einmüthigen vesten Resolution entweder zu siegen oder
zu erligen / das (Der Verluft an Christlicher
Seiten.) ist ehrlich zu sterben / welcher Wuntsch auch an den Türcken wahr
gemacht worden) von der Ungarischen Militz 200. und von den Teutschen 100. Mann
auff den Beth der Ehren geblieben.
Nach diesem Verlauff hat Herr General Wachtmeister Wallis mit (General Wallis recognoscirt Groß. Wardein.) 3000.
zu Fuß / und 1500. Pferden einen Streiff biß an die Vorstadt von Großwardein
gethan / und selbigen Orth recognoscirt / worauff die darinnige Besatzung von
6000. Mann zum öfftern außgefallen / und verschiedene Rencontres mit denen
Käyserlichen gehalten / die aber immer repousirt worden / also daß die Unserigen
den Orth wohl observiren können / worauff sie auch alle dortherumb gelegene
Dörffer und Flecken verbrant / und rumirt haben / und mit einiger Beuth wieder
zurück gekehrt seyn.
(Grosse Hungersnoth in Groatien.) Entzwischen hat
man außm Land von Croatien sichere Nachricht erhalten / daß daselbst und in den
angräntzenden Türckischen Landschafften die Hungers-Noth unbeschreiblich groß
sey / so seyen auch alle Ströhme in diesem Monath sehr hoch angeloffen / so dem
Land grossen Schaden zugefügt (Graff von Herberstein
wird General-Capitain überdl. Melthesische Galeen.) hätten / der Hr.
General Graff von Herberstein sey gleich zu anfang dieses Jahrs von Carlstadt
auffgebrochen / und nacher Segna verteist umb auff das allda stehende und auff
ihn wartende Venetianische Schiff einzusitzen / und nacher Malta abzuseglen /
umb allda als General-Capitain die Mallthesische wider den allgemeinen Erbfeind
destinirte Christliche Galleen zu commandiren; In währender dessen Abwesenheit
Herrn Johann Mattiasen Graff von Strasoldo das Commando und
General-Capitainschafft von Carllstadt von Jhr. Käyserl. Majest. anvertrauet
worden; von dar eine Parthey von 150. Mann unterm Commando Hrn. Frantz
Hrainlowitsch einen Streiff in das Türckische Gebiet gethan / viele Türcken
nidergesäbelt / und den 6. dieses mit 5. Gefangenen / 260. stück / groß und
klein Viehe / und 7. Pferden glücklich zu Carllstadt wieder angelangt seynd.
(Die Griechen langen zu Carlistadt an.) Allwo den
10. Brieff von Werovvitiza ankommen / welche melden / daß 3. Griechen von
Griechisch-Weissenburg den 2. diß alldorten übergangen / ankommen / so außsagen
/ daß der Ertz-Rebell Teckeli alldorten seye / [35] und verlange ein Türck zu werden / begehrte auch von den Türcken
11000. Mann / als 6000. zu Pferd / und 5000. zu Fuß / und versichert damit /
denen Käyserl. in Ober-Ungarn einen grossen Abbruch zu thun / auch vermelden
(Jhre Außsag.) gedachte Griechen / daß sie
dieses Volck schwärlich auffbringen werden können / weiln sie ohne dem aller
Orthen sich genug zu wehren haben / es sollen in 30000. Christen in Bellgrad
seyn / so Tag und Nacht bäten / daß einmahl unsere Armee hinunterrucken thäte /
so wolten sie dann alle die Türcken / so sich in 10000. Mann darinnen erstrecken
/ nidersäblen (dieses versprechen die auch in Bossega) sie sagen ferner / daß
grosse Forcht unter den Türcken seye und daß die Wallachen alle durchgiengen.
(Teckelt wird zu Bellgard gefangen gehalten.) Daß
sonsten der Teckeli nach geendigter unglückseel. Türckis. Campagne vom Bassa zu
Groß-Wardein arrestiret und auff expresse ordre von der Ottomannis. Pforten
unter starcker Convoy nach Bellgrad in schärffere Verwahrung gelieffert worden /
wird seines Orths schon bekannt seyn; nun hat der Käyserl. General Caraffa einen
Brieff von ihme an seine Gemahlin lautend intercipirt dieses Inhalts:
P. P. Durch Göttliche Vorsehung seynd die Sachen schon soweit (General Caraffa intercipirt ein Schreiben an seine
Gemahlin.) beschleuniget / daß wir den neuen Sezenar Abrahamon Bassa
von Ofen stündlich erwarten können / und sobald er kombt / kan ich auch gleich
auffbrechen / gewisser Ursachen halber habe den Paul Ubrizen voran nach
Groß-Wardein abgefertiget / so inzwischen bedacht seyn wird / die Kundschafften
wegen Mongatsch zu vertheile~ / und die benöthigte Sachen in Gang zu bringen.
Dahero ich doch mein liebes Weib meines Lebens / gesundheit und daß aus
Disposition deß Türckischen Käysers für mich ein zimbliches Geld / Pferd / Zelte
/ wie auch andere dergleichen Nothdurfften seynd beordert worden / berichten
wollen / welche meine Diener heut oder morgen zu handen nehmen werden / zumahln
die Lista hiervon bereits heraus gegeben worden ist. In Ansehung meiner und
meiner fernern negotien werdet ihr die Frucht meines hierseyns mit Freuden
befinden und erfahren; GOTT verleyhe / daß wir einander in einer glückseeligen
Stunde sehen mögen. Gegeben zu Griechisch-Weissenburg. sc.
Dein Ehemann von treuem Hertzen.
Emmericus Teckely.
P. S. Meiner Schwester / wie auch der Juliana, dem Frantz / sambt andern Freunden
der gesambten Compagnien wünsche auch viel gutes. [36] Nebst diesem hat erwehnter Herr General
noch ein anders Schreiben von dito an einen Haupt-Rebellen lautend aufgefangen /
worinnen nebst andern auch dieses angezogen / daß er Teckely vom Groß-Sultan zum
Fürsten (Vnd noch eines an einen Haupt-Rebellen
lautend.) in Siebenbürgen denominirt sey / und derentwillen wohl
ehistens die würckliche Possession zu nehmen / heraus kommen / und durch Hülff
der Türcken dasselbe antretten werde. Daß nun dieses seinen Zweck erreichen
solte / wird Käys. seits nicht geglaubet / obwohln seithero sichere Nachricht
eingelauffen / daß gleich bey angetrettener Regierung deß neuen Groß-Veziers
gemelter (Teckeli wird seines Arrests erlasen / komt
nach Groß-Wardein / nud läst Circular-schretden außfertigen.) Teckely
seines Arrests erlassen worden / der sich so dann doch nicht ohne Türckische
Convoy nach Groß-Wardein verfüget / allwo er sub dato den 28. Januarii an alle
Ungarische Grafen / Freyherren / und Edelleuth Circular-Schreiben außgehen
lassen folgeden Abtrucks.
Demnach wir Emmerich Teckely von Gottes Gnaden / und aus grosser und sonderbahrer
Clementz deß Türck. Kaysers Fürst in Ungarn / und Siebenbürgen wieder anhero
kommen seynd / so haben wir solches allen unsern Vasallen / Grafen / Freyherrn
und Edelleuten auff gut befinden unsers geheimen Rats zu wissen thun und
zugleich allen Gouverneurn der Städte / Provintzen und Dorffschaften / so unter
unsere Bottmässigk. gehören / befehlen wollen / aus jeder Stadt oder Flecken 2.
Abgeordnete unverzüglich zu schicken / und anzuhören / was wir ihnen zum besten
und Erhaltung deß Ungerlands befehlen werde̅ / bey Vermeidung
unsrer und unaußbleiblicher straf ihres Ungehorsams.
Bald nach diesen hat nicht allein der Teckely sein zweytes Schreiben / sondern
auch den Bassa Wardein seiner Einbildung nach zu bessern Nachtruck folgende
Universalien in den Ober-Ungarischen Gespannschafften publiciren lassen / als:
Nachdem durch Gottes Barmhertzigkeit / und deß Großmächtigsten Käysers
sonderbahre Käys. Gnade ich mit meinen Trouppen bey (Zweites Schreiben deß Teckeli an die Gespannschafften.) Wardein
angekom̅en bin / als hab ich fort an den Orthen / und sonsten
durchgehends überall / wo man von mir hören wird / kund thun wollen / daß eines
jeden Orts Richter mit Beysitzern sich zu mir verfügen / und Befehl empfangen
sollen / wie sie sich zu verhalten / und was sie zugewarten haben werden / falls
aber sie meinen Befehl werden aus der acht schlagen / soll es ihnen an den Hals
gehen / die jenigen aber / so mir weder von den Teuschen / Erabaten oder Ungarn
keine Kundschaft anbringen werden / sollen ohne alles Erbarmen gespisset werden
/ dafern auch ein oder ander Orth darüber möchte zerstöret werden / können die
Einwohner solches ihrer Vermessenheit zuschreiben / gegenwärtigen aber diesen
mein Befelch sollm an aller Orthen publiciren / und wann solches an das letzte
Dorff wird gelangen / soll selbiges bey Lebensstraf sich zu mir verfügen: wer
aber solches Mandat wird hinterhalten / oder gar [37] verliehren / sollen die jenige es mit 500. Gulden zu verbüssen
gehalten seyn. Gegeben zu Wardein den 31. Januarii 1686.
Emmericus Teckely, Princeps.
Publieirtes Manifest von dem Bassa von Wardein an dieselben Landrichter.
(Item deß Bassa von Groß-Wardein.) Deß
Großmächtigsten Käysers Ober-Commendant der Besatzung in Wardein thun kundt den
Surpuckirsischen / Kymarscentischen sc. sc. durch dieses mein besiegeltes
Schreiben / daß nachdeme der Fürst Emmericus Teckely mit etlichen Türckischen
Trouppen allhier angelangt / als befehle ich derhalben gantz ernstlich / daß sie
sich mit Proviant und Lebensmitteln vor dieselben Trouppen gefast halten / und
solches bey Tag und Nacht zur Hand schaffen mögen / werder ihr dieses nicht thun
/ sollet ihr der verdienten Straff gewärtig seyn / und sollen diese meine
Schreiben überall publisirt werden / bey Straff 100. fl. Gegeben zu Wardein den
31. Junuarii An. 1686.
Ob und was diese Teckelische und Türckische Universalien bey denen Ungarischen
Landständen gefruchtet / ob sie selbige respectirt / und was ferner hierauff
erfolget / wird in nächft-folgendem Monat mit mehrern Umbständen zu vernehmen
seyn.
(Türckische Geschichten.) Nun von den Türckischen
Geschichten sowol was an selbigem Hof / als in dem Türckischen Ungarn passirt /
auch Meldung zu thun / kom̅t mir gleich anfangs vor eine Copey aus
einem intercipirten Schreiben von Constatinopel / so in geheim an einen
vornehmen Türckischen Bassa abgegangen seyn soll / worinnen ausführlich und
umbständiglich erzehlet wird / was für wunderliche Gesicht und Geschichte in
Constantinopel und der Ends umbligenden Orten sich zugetragen und gesehen worden
seyn / auch wie diese be durch die beruffene Astrologen und Zeichendeuter dem
Groß-Sultan ausgeleget / und was sich mehrers darbey wunderliches begeben / aus
einer zu Ancona Italiänischen gedruckten Relation in die Teutsche Sprach
übersetzt folgenden Tenors:
Daß verwichener Zeit ich dem Herrn nicht geschrieben / ist nicht aus
Nachlässigkeit / sondern dahero geschehen / weilen hiesiger Orten nichts
passiret. Nun aber / nachdeme verwichener Tagen allhier zu Constantinopel und
durchs gantze Land umbher viel Zeichen in der Lufft sich ereignet / auch dem [38] Groß-Türcken deß Nachts im Schlaff
etliche Gesicht vorkommen / hab ich nicht unterlassen wollen / solches zu
bedeuten / welches zwar allhier für dem gemeinen Mann gar in geheim gehalten
wird / bitte auch darneben / daß (Copia eines
intercipirten Scheeidens aus Constantinopel an einen sürnehmen Bassa
abgegangen.) solches von mir nicht auskommen möchte / worauff mir mein
Leben stehen solte. Gebe demnach zuverstehen / daß den 10. Novembr. abgewichenen
Jahrs ein erschröcklicher Wind entstanden / welcher biß den 18. dito continuirt
/ durch dessen Ungestümmigkeit die Bäume häuffig aus der Erden gerissen / die
Dächer von den Häusern geworffen / auch sehr viel schöne Bäu ruinirt / über
dieses seynd vom Himmel nebst grossem Blitz und Donnerschlägen viel grosse Pfeil
einer nach dem andern in deß Groß-Türcken Pallast gefallen / dardurch ein sehr
grosse Anzahl von seinen Bedienten erschlagen / so seynd auch zu mehrer
Verwunderung und Schrecken 2. gantz feurige Sterne gesehen worden / welche
grosse zweyfache spitzige Schwäntze wie Pfeil gehabt / so gantz flammend gewesen
/ daß man gemeynet / der gantze Himmel seye entzündet / deren der eine fast ein
gantze Nacht just oberhalb deß Groß-Türcken Pallast gesehen worden / der andere
aber 3. Stunden vor Tag über der Sophienkirch erschienen / und 2. gantze Stund
geleuchtet hat. Hernach ist dem Groß-Türcken den 12. dito in der Nacht 3. Stund
vor Tag im Schlaff vorgekommen / als ob er von einer grossen Anzahl Löwen wäre
angefallen worden / unter welchen der gröste ihn mit gröster Grimmigkeit in der
Brust angegriffen / worauff er krafftloß und geängstiget / aus grosser Forcht
laut geschryen / und darüber aus dem Schlaff erwacht / als solches seine
Bedienten / so im nächsten Zimmer gewesen / gehört / haben dieselbe alsobald
noch ein grössers Geschrey gemacht / in Meynung / es wäre dem Käyser einige
Gewalt widerfahren / lauffen in Eyl dem Schlaffzimmer zu / begehren inständig zu
wissen / was die Ursach dieses Geschreyes möchte gewesen seyn. Nachdem nun der
Groß-Türck seiner Geheimsten einem dieses Gesicht oder Geschichte offenbahret /
hat derselbe befohlen / es solten die Janitscharen / also auch die andern alle /
ein jedweder an sein Ort sich wieder verfügen / sintemalen ihm nichts widriges
widerfahren. Darauff er abermal eingeschlaffen / und ist ihme gegen den Tag
dieses andere Gesicht vorkommen / nemlich daß er eine grosse Menge Centauros
gesehen / welche unter sich selbsten einen blutigen Streit gehabt / nachmals
wäre vom Niedergang eine grosse Anzahl Greiffen / die ein grosser Adler geführet
/ ankommen / welche mit grosser Ungestümmigkeit die Centauros angefallen / also
daß dieselben alsobald die Flucht nehmen müssen / theils dieser Centauri aber
reterirten sich umb ihr Leben zu salviren in eine Grube / und hatte der ander
Theil mit grossem Schaden derer / so sich in die Gruben begeben / mit obge [39] dachten Greiffen sich
verglichen / der Groß-Türck als er dieses gesehen / hat aus Mitleyden mit einem
blossen und flammenden Schwerd denen Centauris zuhülff kommen wollen / und indem
er das Schwerd gegen den Greiffen gezucket / habe der Adler / so die Greiffen
geführet / ihme dem Groß-Türcken das Schwerd aus der Hand genommen / und hinweg
geführet: Als nun der Groß-Türck abermal darauff erwachete / hat er dieser
Gesichte / wie nicht weniger der Cometsternen Bedeutung wissen wollen /
derowegen durch gantz Türckey Ordre ergehen lassen / daß alle Astrologi und
Wahrsager bey höchster Straff der Ungnad innerhalb 10. Tagen sich nach
Constantinopel verfügen sollen / wohin sich dann auch viel vornehme Leut erhoben
/ denen der Groß-Türck alle diese Gesichte erzehlet / mit diesem ernstlichen
Befehl / daß sie niemanden / es bedeute auch was es wolle / solten etwas darvon
sagen / und daß sie ihme solche Bedeutung ohne allen Respect innerhalb 3. Tagen
solten auslegen / nicht weniger hat er ihnen befohlen / der Cometsternen
Bedeutung ihm zugleich zu eröffnen. Wie nun diese Astrologi und Wahrsager alles
verstanden / haben sie sich beurlaubet / und sich säm̅tlich in ein
Zimmer begeben. Nach diesem nach forschen aber / was aus diesen Zeichen erfolgen
würde / zugleich und ein jeder vor sich alles wol betrachtet / haben sie endlich
mit der Auslegung übereingestimmet / darauff der älteste und verständigste mit
Namen Mosia also zu reden angefangen:
(Auslegung der Wahrsager über deß Groß-Sultans gehalten
Traum.) Großmächtigster und unüberwindlichster Käyser und Herr.
Nachdem Euer Majest. uns aus keiner andern Authorität / als ohne einigen Respect
zu reden geben hat / die warhaffte Bedeutung dieser beeden Cometsternen / so
auch die erzehlten Gesichter / so E. Majestät vorkommen / anzuzeigen / als haben
wir mit allem Fleiß betrachtet / und die Zusammenfügung der Planeten
ausgerechnet / dabey auch Ih. Majest. Nativität / die uns hierinnen nicht
geringen Bericht geben / luminiret. Wissen derohalben E. Majest. Großmächtigster
Käyser / wollen aber nicht darüber erschrecken / weil die böse Influenz deß
Gestirns durch die Gedult E. Majest. kan moderitt werden / welches wir mit der
Menge der Zähren und unaussprechlichem Hertzenwehe bedeuten müssen / daß die
himmlische Zeichen nach aller Astrologen, sonderlich deß Ptolomaei Meynung
derselben Geringerung ihres Standes / und eine Rebellion unter ders Unterthanen
anzeigen und drohen. Belangende aber die nächtliche im Schlaff vorgekommene
Gesichter / werden durch die Löwen die Christen verstanden / welche sich
miteinander vereinigen / und gleich wie unbändige Löwen einträchtig sich dero
Majestät widersetzen / und in kurtzer Zeit einen guten Theil Euerer Majest.
Reichs abnehmen werden; Der Löw / so E. Majest. Großmächtigster Käyser bey [40] der Brust ergriffen / bedeutet den
grossen Christen-Käyser / welcher unserm eigentlichen befinden nach der jenige
ist / welcher E. Maj. dero Stand benehmen wird. Die Ceotauri, so miteinander
gestritten / zeigen an die Unterthanen E. Maj. deß Großmächtigsten Käysers /
welche selbsten in Uneinigkeit / und in eine Rebellion gerathen werden. Die
Greiffen bedeuten eine grosse Armada der Christen / welche E. Maj. Kriegsmacht
unterdrucken und überwältigen werden: Durch den Adler / welcher E. Maj. das
Schwerd aus der Hand genommen / wird verstanden der Christliche Käyser / und
weilen es E. Maj. haben wollen / daß wir es veroselben sagen und offenbahren /
es ist derselbige / der E. Maj. von dero Käyserl. Thron herunter stürtzen wird.
Die bren̅ende Cometsternen und dero doppelte Schweiffe bedeuten
auch die Macht desselbigen Christl. Käysers / und dieses gibt uns desto mehrern
und sicherern Glauben / weil diese Cometen über E. Majest. Pallast und über der
vornehmsten Moschea oder Tempel erschienen: Allergnädigster Käyser / wir haben
zwar dieses mit weynenden Augen anzudeuten / daß alle unsere Voreltern / und wir
auch jetzo noch darfür halten / daß dieses das letztere Reich der Türcken sey /
und gleichwie die Türckische Regierung ungefehr An. 1300. unter Alberto dem
Ersten / als ersten Oesterreichischen Käyser angefangen / also werde allem
ansehen nach dieselbe sich wieder unter einem Käyser vom Hauß Oesterreich
endigen / und das darumb ohn allen Zweifel / dieweil vom Käyser Julio Caesare
bißhero die Romaner niemalen einen großmächtigern und mit Kriegen glückseligern
Käyser als den jetzigen / gehabt haben.
Das Allergroßmächtigster Käyser ist alles / was wir sowol aus den nächtlichen
Gesichtern / als erschienenen Cometen haben erkennen können / welches wir E.
Majest. begehrter massen haben bedeuten wollen. Worauff (Die Astrologi werden ins Gefängnuß geworffen.) der
Groß-Sultan / als er diese Auslegung sehr wol observirt / solche hat abtretten
lassen / und befohlen / selbige in die ärgste Gefängnuß zu werffen / hat sich
auch über solche Ausred sehr alterirt, und in vielen Tagen keine Audientz geben
wollen.
Wann dieses alles sich so zugetragen / gleich wie es hier beschrieben / ists
fürwar sehr nachdencklich / und mag dem Türckischen Reich wol grosse Veränderung
ankünden / und ob zwar dieses Wunder schon im November nechst-abgewichenen Jahrs
sich ereignet haben soll / und deßwegen in die Beschreibung unsers vorhabenden
Januarii nicht gehöret / so habe es doch nichts desto weniger wegen der vielen
ominösen Umbständen diesen Schrifften mit einverleiben wollen.
|| [41]
Wir kehren zu unserer Ungarisch-Türckischen Geschichten Beschreibung / und sagen
daß die Türcken vermög sicherer Brieff von dar diesen gantzen Monat durch
selbige Hauptstadt Ofen sehr fortifieirt / nechst an dem Donaustrohm (Ofen wird starck fortitzcirt.) eine starcke Mauer
erbauet / und eine grosse äusserliche Schantz auffgeworffen / worzu die meisten
Materialien von den zu Pest abgebranten Häusern applicirt worden seynd. In
besagtem Ofen continuirt eine grosse Theuerung / und wird ein Metzen Getrayd zu
7. Rhlr. verkaufft / ingleichem continuirt die grosse Theurung in Constantinopel
/ von dar Brieffe (Ibrahim Bassa wird
strangulirt.) melden / daß der Ibrahim Bassa / so bey Eroberung Esseck in
verwichenem Jahr die Flucht genommen / zu Griechisch-Weissenburg strangulirt /
der Saylan Bassa aber / obwolen die Janitscharen / daß er Neuhäusel nicht
succurrirt / seinen Kopff begehret / seye doch wegen seines Wolverhaltens / so
er in jüngster defension der Stadt Ofen erwiesen / an dem Leben vom Groß-Sultan
(Vezier zu Ofen wird Straskier oder Türckischer
Feldberr in Ungarn.) perdonirt / aber aller seiner Chargen entsetzet
worden / welchem dan̅ der jetzige Vezier zu Ofen im Seraskier-ambt
succediret, dem Achmet Bassa aber / welcher bey jüngstem Einfall bey Esseck sich
ins Schloß reterirt / und selbiges erhalten / die Ober-Commendantenstell zu Ofen
conferirt worden. Der Groß-Vezier lige auff den Todt / und habe aus dem Käyserl.
Schatz ½ Million an Kleinodien erhoben umb wegen grossen Geldmangels die
Officiers (Auffruhr in Anatolia.) und Soldaten
damit zu befriedigen / so seye auch in Anatolia ein gefährliche Auffruhr und
Schwürigkeit unter dem Pöbel wegen deß hingerichten Kara Mustapha Bassa /
vormals gewesenen Groß-Veziers / entstanden / und ein gewisser dessen
Bluts-verwandter einen Anhang von 3. biß 4000. Mann an sich gezogen / und unweit
Constantinopel mit sengen und bren̅en einen grossen Schaden gethan
/ auch täglich der Zulauff sich vermehre; was sich weiter im Türck. Reich
absonderlich in der Stadt Constantinopel diesen Monat hindurch namhafftes
zugetragen / wird der günstige Leser aus nachfolgenden 4. Extract-Schreiben zu
vernehmen haben.
Constantinopel vom 16. Januarii An. 1686.
(Extract-Schreibens aus Constantinopel.) Den 10.
dieses arrivirte allhier der Frantzös. Ambassadeur mit 2. Kriegs- und einem
Kauffarthey-Schiff / unter dem Donner deß Geschützes trat er ans Land / mit
einer Canon / welche scharpff geladen war / wurde ein Jud in seiner Wohnung
getödet: Besagter Ambassadeur hat denen Frantzös. Kauffleuten und andern der
Reformirten Religion angedeutet / daß selbige in 4. Monats-zeit sich zu dem Röm.
Catholischen Glauben begeben solten / im verwägerendem Fall er beordert / sie
gefesselt nach Franckreich zu schicken; bergleichen Befehl auch zu Smirna
besagter Ambassadeur an die da wohnhaffte Reformirte hinterlassen.
|| [42]
Ein anders vom 20. dito.
Den 27. Novembr. 1685. arrivirte Solymann Bassa zu Adrianopel von den
Moldauischen Frontieren / allda er eine grosse Vietorie wider die Polen erhalten
/ und unterredete sich alsbald mit dem Groß-Vezier / der ihn mit neuen Kleydern
beschenckte / und alsofort zur Audientz bey dem Groß-Sultan brachte / in
Begleitung der Janitscharen und Spahis Agen / von welchem er mit aller aestim
und grosser Ehre empfangen / und sehr vergnügt wider nach seinem Logement sich
begad / allda er offentlichen Rath hielt / zu contentement der Gemeine / und ist
von allen Bassen / wie auch von dem Groß-Sultan selber mit Proesenten verehrt
worden / der Groß-Vezier verehrte ihm 2. schöne montirte Pferd: der Engl.
Ambassadeur sandte auch seine Geschencke nach Adrianopel / darauff ist gedachter
Solymann Bassa den 18. (Solymann Bassa wird
Groß-Vezier.) Dec. zum Primo Vezier gemacht worden / als er gleich die
Militz zu bezahlen in dem Divan im Werck begriffen war. Der Capigi Bassa ward
durch den Groß-Sultan mit Ordre an den Groß-Vezier gesandt / das Käyserl.
Insigel auszuhändigen / welchem er auch gehorsamlich nachlebete. Unterdessen
ward Solymann Bassa wieder vor den Groß-Sultan gefordert / und als er dahin
kommen / von demselbigen abermal sehr wol empfangen / und zum Groß-Vezier
ausgeruffen und erkläret / ihm auch alsobald das grosse Käys. Siegel
eingehändiget / darauff er dem alten Groß-Vezier ansagen ließ / den Hof zu
räumen / so auch ungesäumt geschabe / also daß / da der neue Vezier deß
folgenden Tags durch eine Thür in den Hof kam / gieng der alte zur andern Thür
heraus nach seinem Haus. Darauff ließ der neue Groß-Vezier viel Grosse mit neuen
Kleydern beschencken / den Reichs-Cantzler ab- und einen von seinen Creaturen
wieder an desselben Stelle einsetzen. Nun erwartet man den alten Groß-Vezier in
dieser Stadt / allda als ein gesessener Burger zu leben. Diese Veränderung gibt
der Gemeine grosses Vergnügen / in Hoffnung / daß Se. Hoheit ihnen in kurtzem
den Frieden wieder zuwegë bringen werde / und das umb soviel mehr / weil
derselbe den Venetian. Dollmetscher vor etlichen Tagen vor sich fordern / und
den Internuntium von Polen / der biß daher noch gefangen gesessen / auff freyen
Fuß stellen lassen / dahero man vermuthet / daß einige Vorträg zum Frieden
dörfften auffgesetzt / und ihren Principalen davon Nachricht geben werden. Den
3. dieses ist deß Hn. Coliers Bruder und der Secretarius Hochepied mit dem
Ober-Dollmetscher nach Adrianopel verreiset / welche etliche köstliche
Proesenten vor den neuen primo-Vezier bey sich haben / welcher dieses Jahr sehr
früh wird zu Feld gehen. Was den Teckely betrifft / ist derselbe zwar durch den
Bostangi Bassa von Adrianopel zu Bellgrad arrestirt worden / aber sobald
Soly [43] mann Bassa davon
Nachricht erhalten / hat er in dem Rath erkläret / daß solches ein grosser
Fehler sey / und daß es sich gebühre / gedachtem Teckely mit einer grossen Macht
beyzustehen / und ihn wider den Teutschen Käyser zu animiren; darauff alsobald
Ordre ergangen / den Teckeli und seinen Agenten frey zu lassen / und sie / wohin
sie wolten / zu dimittiren, also daß derselbige gar gewiß gegen bevorstehendem
Frühling mit einer grossen Türck. Macht wieder zu Feld gehen wird. Hierauff hat
der Groß-Sultan seinen Capugliat Chiajasi nach Bellgrad abgeschickt / den
Seraskier Sayram Ibrahim Bassa / welcher das Jahr zuvor Ofen so trefflich
defendirt / abzuholen / meistentheils umb der Ursach willen / weil die Militz
wegen schlechten Tractaments und Bezahlung / und folgends der schlechten
Campagne deß vergangenen Jahrs (Grosse Beränderung mit
denen Türckischen Kriegs-Officirs.) über ihn geklaget. Dieser
Capugliar Chiajasi kam den 8. Dec. mit dem Haupt gedachten Seraskiers nach
Adrianopel / mit Bericht / daß ermeldter Seraskier deß Tags vorher den Oßman
Bassa Ogby / der auff deß Groß-Sultans Ordre General in Ofen war / umbbringen
lassen / daß also ein Aga dahin abgeschickt / allda einen neuen Bassa
einzusetzen / dahero der Abdi Bassa zum General oder Seraskier wider den Röm.
Käyser gemacht / kurtz hernach aber wieder abgesetzt / und einer Namens Missir
Ogly / der vergangenes Jahr mit 10. Schiffen in der See gewesen / an seine Stell
erwählet worden. Der Bostangi Bassa ist gleicher gestalt ab- und wieder
eingesetzt / solches wird auch von dem Camaicam Bassa gesagt. Der neue Frantzös.
Ambassadeur ist vor 3. Wochen in den Dardanellen / und nun allhier anköm̅en. Der Hr. Coliers wird in kurtzem nach Adrianopel gehen / und
dem neuen Primo-Vezier complimentiren / und folgends Audientz bey dem
Groß-Sultan haben.
Noch ein anders vom 23. dito.
Unsere Galleren / so noch im Stand seynd zu agiren / werden nicht über 5. seyn /
die andern seynd zu Rhodus sehr devalisirt, und hat man viel alte Galleren
anhero geschleppet / den Leuten einzubilden / daß sie von den Christen erobert
seynd. Der Frantzös. Minister Mons. Gerardin lässet Praeparatoria machen / dem
Hof biß nach Adrianopel / nich aber biß nach Griechisch-Weissenburg zu folgen /
seine Gemahlin aber bleibt hier / und haben viel Türckische und Griechische
Damen ihr die Visite gegeben / die sie auch wieder abgeleget / und auch das
Serrail besucht hat / da sie überaus wohl empfangen worden / und wird wegen
ihrer Schönheit und hohen Verstands willen von allen Grossen sehr viel auff sie
gehalten.
Wieder ein anders vom 26. dito.
Der abgesetzte Groß-Vezier ist in dieser Stadt arrivirt / und hat seine Wohnung
in seinem Hauß auff dem Canal von der schwartzen See bey [44] Scutaret genommen. Der Königl.
Polnische Internuntius wird zu Adrianopel noch gefänglich gehalten / und
bekom̅t zu seiner Verpflegung nicht mehr als täglich 200.
Aspers. Unsere Flotte ist in einem miserablen Stand / (Misser Ogly wird zum Capitain Bassa ernennet.) und Misser Ogly zum
Capitain Bassa oder General darauff ernennet. Der grosse Herr ergetzet sich fast
täglich mit der Jagd zwischen dieser Stadt und Adrianopel. Man sagt / daß der
neue Groß-Vezier den Mustapha Bassa Cuproli / so zu Chio ist / zu sich entbotten
/ umb denselben mit einem considerablen Am̅t zu versehen / er hat
auch bereits den Spahis den ruckständigen Sold bezahlt / und wird im Anfang des
Monats April nach Belgrad marchiren / woselbst Hadger Zade / so nach Comorrn
abgeschickt gewesen / umb an dem Käys. Hof einige Friedens-Propositiones zu thun
/ wieder angelangt ist.
Wer mehr von Türck. Geschichten zu lesen verlanget / der wolle nur im 7. und 8.
Capitel dieses Monats bey den Polnisch- und Venetianischen Kriegs-affairen
nachblättern / so wird er von dergleichen Materi noch mehr zu lesen haben; Jetzt
schreiten wir zum
Dritten Capitel /
Welches in sich haltet / was im gantzen Röm. Reich diesen Monat hindurch passirt
ist.
DEr Röm. Käyser Maximilianus II. hat das Teutsche Reich im Jahr (Geschichten deß Teutschen Reichs.) 1572. in zehen
Craiß / als den Oesterreichisch-Burgundisch-Nieder- oder
Chur-Rheinisch-Bayerisch-Ober-Sächsisch-Fränckisch-Schwäbisch-Ober-Rheinisch.
Westphälisch- und Nieder-Sächsischen eingetheilet / welcher Eintheilung ich mich
auch bey vorhabender dieser meiner Geschichten Beschreibung bedienen / einen
Craiß nach dem andern fürstellen / und was in jedem denckwürdiges passirt /
seiner Ordnung nach abhandeln will.
Von dem Oesterreichischen Craiß (so die Ertz-Hertzog von Oesterreich (1. Oesterreichische Craiß.) proesentiren) ist
gleich anfangs im ersten Capitel / unter dem Titul der Käyferl. Geschichten alle
Nothdurfft vorgetragen worden.
Vom Burgundischen Craiß / der die 17. Niederländische Provincien in (2. Burgundische Craiß.) sich begreiffet / und den
der König in Spanien nebst dem Ertz-Bischoff von Bifantz proesentiren / wird im
9. Cap. unter dem Titul der Niederländischen Geschichten zu vernehmen seyn.
Machen wir also den Anfang von unserer Historischen Beschreibung (3. Der Nieder-Rheinische Craiß.) beym dritten als
Nieder- oder Chur-Rheinischen Craiß / welcher die 3. geistliche Churfürsten /
von Maintz / Trier / Cöln / und den Chur-Pfaltzgrafen [45] von Heydelberg sambt vielen Grafen /
und Herren in sich begreifft / bey welchem gleich anfangs uns die
Churpfältzische Successions-Sach unter handen komt / und behauptete der
Frantzös. Abgesandte Abbe Morel noch immer am (Churpfältzis. Successions-Sach.) Churpfältzis. Hof seine eingewendte
Contradiction wider deß Chur-Pfaltzgraffen ergriffene Possession von denen
Fürstenthümbern Summern und Lautern / wie auch der Graffschaft Sponheim und
andern feudal- und allodial-Gütern / mit beharlichem einwenden daß alles der
Madame de Orleans, als deß jüngst verstorbenen Churfürsten einigen Schwester von
rechtswegen zukomme / über dieses wolte sich der Pfaltzgraff von Veldentz wegen
der Chur auch nicht weisen lassen / vorgebende / daß besagte Chur von der
Veldentzischen auf die Heydelb. und nachdeme diese in dem letzten verstorbenen
Churfürsten Carolo erloschen / darmit wieder auf die Veldentzische Lini gefallen
sey / jeder Theil wolte sein Recht in casu quo docire̅ / was nun
diese Sach vor eine̅ Außschlag gewinnen werde / stehet künfftig zu
vernehmen; Indessen haben Sontags den 20. dito die Römisch-Catholische zu
Oppenheimb in der Franciscaner Kirch doch ohne Präjuditz der Protestirenden
wieder Possession genommen (Catholische nehmen
Possession zu Oppenheim in der Franciscaner Kirch.) / so aus Befelch
Ihro Churfl. Durchl. von der Pfaltz geschehen / auf dero fernere Ordre auch den
20. durch die hierzu verordnete Geheime und Hoffräth / Freyherrn von Degenfeld
und Reichenbach die jenige Mannheimer aus Franckreich bürtige Bürger / welche
bezüchtiget werden wollen / ob hätten sie dem Aller-Chriftl. König nach dem
Leben getrachtet / deßwegen sie auch eine geraume Zeit her in gar engem Arrest
gehalten / und alle ihre (Einige arrestirte von
Mannheim werden scharff examinirt.) Brieffschafften versigillirt
gewesen / auffs schärffste examiniren / und alle ihre Missiven und Schrifften
auffs genauste durchgehen lassen / ob nun sich etwas gegen sie befunden / muß
die Zeit lehren / man hält aber indessen diese arme Leuthe allerdings vor
unschuldig / sonsten bereits andere scharpffe Verordnung dieses abscheulichen
Beginnens halber gegen sie würde ergangen seyn. Bey diesem Verlauff wurden die
unterm Frantzösischen Schutz seyende Grünnstatter von Herrn Grafen von Leiningen
ihrer Kirchen wegen (Den Grünstätern wird ihre Kirch
disputirt.) mehrmahlen angefochten / indeme gemeldter Herr Graf
ungeacht die Catholische bereits eine Kirch und Capell allda haben / mit
Zuziehung viel und allerley Volcks denen Evangelischen allda ankündigen lassen /
daß er Königliche Ordre habe / daß künfftighin alle Sonn- und Feyertäg gleich
Morgens die Catholische / und nach 9. Uhr die Evangelische in der Stadt-Kirch
ihren Gottes-Dienst verrichten sollen / welche Ord???e die Burgerschafft zu
sehen begehrte / mit vermelden / daß Mons. de la Goupplier ihnen versprochen /
daß sie diese Kirch allein besitzen solten / dagegen denen Catholischen / die
vor dem Flecken liegende [46] Peters-Kirch
eingeraumt werden; weil sich diese aber nachgehends beschwäret / daß ihnen
solche zu klein / hat ihnen Mons. de la Goupplier geantwortet / sie solten sie
grösser bauen / worzu sich auch die Evangelische erbotten / ihnen darzu 100.
Reichsthl. zu steuren. So hat aber gedachter Hr. Graff nicht allein die Ordre zu
zeigen geweiger??? vorwendent / daß er es nicht schuldig wäre / sondern auch so
gleich befohlen / daß alle zum Altar gehörige Zierrathen aus der Capell nach der
Kirch gebracht werden sollen; es hat sich aber die Burgerschafft gleich Sontags
Morgens war der 6. Januarii in die Kirch begeben / und ihren Gottesdienst fast
biß zum End fortgeführet / als gemelter Herr Graff mit bey sich habenden Dienern
und andern Anhang vor die Kirchthür kommen / so aber inwendig verrigelt / und
zum öfftern angeklopffet / endlichen aber / als man nicht auffmachen wollen /
mit Gewalt hinein zu brechen gesuchet / es hatten sich aber die Inwendige mit
Steinen / Bauholtz / S???ühl und Bäncken dermassen verbauet gehabt / daß die
ausserhalb stürmende wieder abziehen müssen. Hierüber nun hat besagter Herr
Graff sich beklagt / worauff alsobald der Gouverneur zu Landsberg mit einer
Compagnie zu Fuß dahin marschirt / und denen Bürgern einquartirt: als aber die
Sach besser untersucht worden / hat sich solche Sach gantz anders befunden /
weßhalben auch besagter Gouverneur von Landsberg sich mit den seinigen gleich
wieder zurück begeben / und zu der Burgerschafft gesagt / sie solten ihre Kirch
behalten / er sehe wohl / daß ihr Herr nur suche sie zu vertreiben. Soviel vom
Niderrheinischen Craiß.
(4. Der Bäyrische Craiß.) Der Bäyrische Craiß ist
der Ordnung nach der 4. und seynd dessen Directores der Ertz-Bischoff zu
Saltzburg und der Hertzog in Bäyrn und gehören hierzu die Bischöff zu Passau,
Freysingen / und Regenspurg / die Hertzogen in Bäyern / die Ober-Pfaltzgrafen /
sambt vielen Grafen und Herren und die Reich-Stadt Regenspurg. In diesem Craiß
nun ist diß (Churfürst in Bäyrn rüstet sich starck aus
zu künfftiger Campagne.) Monath hindurch wenig notabels passiret /
ausser daß von München geschrieben worden / daß Ihr. Churfürstl. Durchl. von
Bäyern alles zur künfftigen Campagne außrüsten lassen / umb viel stärcker als
vergangenes Jahr in eigener Person zu Feld zu gehen / und mit dero Völcker à
parte gegen die Türcken zu agiren / es seye sonsten durch gantz Bäyerland ein
ohngemeine Freud / weiln die Churfürstin sich gesegneten Leibs befinde. Und
dieses vom Bäyrischen Craiß.
(5. Der Ober-Sächsische Craiß.) Der fünffte Craiß
ist der Ordnung nach / der Ober-Sächsische / dessen Director ist der Churfürst
zu Sachsen / es gehören zu selbigen der Churfürst zu Brandenburg / die Bistümber
Meissen / Merseburg / Naumburg / Camin / die Hertzogen aus Sachsen / Altenburg /
Weymar und Gotha / [47] das Hertzogthumb
Pommern / die Fürsten von Anhalt / sambt verschiedenen Graff- und Herrschafften;
In diesem Craiß werden wir vom Chur-Brandenburgischen das meiste zu schreiben
haben / zu dem Ende von selbigen Geschichten eine vollkommene Relation (wie die
Advisen nach und nach aus Berlin eingekommen) abstatten wollen.
Berlin vom I. II. Januarii.
(Branbenburgische Relation.) Es kommen noch immer
mehr und mehr vertriebene Frantzösische Flüchtlinge aus Holland allhier an / und
ist die Vestung Spandau derselben gantz voll / in Brandeburg / Rathenau /
Stendel / Perleberg / und an der Elb gelegenen Städten werden noch mehr erwartet
/ wird also die Marck mit mehr dann 2000. Familien beleget werden. Man redet
noch allhier von einer genauen Verbündnuß mit denen Nordischen Cronen /
Chur-Sachsen / denen Häussern Lüneburg und Hessen. Nebst den Frantzösis.
Proceduren nimmet man allhier auch die Bischöffliche Saltzburg Verfolgung in
Observantz / wie dann nicht allein von dannen geschrieben / sondern mit
lebendigen Zeugen confirmirt wird / daß ohngeachtet alles einwendens die
Evangelischen aus dem Land getrieben / auch einige 1000. Kinder weggenommen /
und sie zur Catholischen Religion gezwungen worden. Es haben zwar die
Evangelischen Stände unlängst wider gedachten Bischoff derentwegen ein Memorial
zu Regenspurg übergeben / solches dörffte aber seinen Effect nicht erreichen /
jedoch hoffet man / daß durch die Authorität Ihr. Käys. Majest. solches
redressirt werden dörffte. Nach dem Neuen Jahr werden alle Generals-Persohnen
allhier erwartet / umb einen General-Kriegs-Rath zu versamblen / alsdann ein
mehrers wird zu berichten seyn / und wird gegen solcher Zeit alles zusammen
gebracht werden / was zu einen Feldzug vor nöthig erachtet wird / und dörffte
dem Vorgeben nach (Vor die vertriebene Frantzosen wird
von Hauß zu Hauß gesamlet.) ein früher Marsch vorgenommen werden.
Dieser Tagen ist vor die allhier sich befindende vertriebene Frantzosen von Hauß
zu Hauß gesamlet worden; und sagt man / daß Ihro Churfürstl. Durchl 2000.
Reichsthaler / die Churfürstin 1500 Reichsthaler / und ein jeder Printz 1200.
Reichsthaler / die andere deß Hofs / wie auch von der Milice und sonsten Bürger
nach advenant darzu contribuiren / daß es eine Summa von 100000. Reichsthalern
bringen dörffte / wann alles einkomt / was man noch zu gewarten hat. Aus Pohlen
ist ein Project anhero gesandt / auf was vor eine Manier man solcher Seiten
gegen den Erbfeind agiren wolle / welches zwischen selbigen König und der
Republic von Venedig auffgerichtet worden / und soll deme [48] zu folg Se. Maj. 40000. Cossacken zu
Pferd in pension halten / welche durch den ältisten Printzen commandirt werden
sollen / wozu stossen sollen 20000. Littauer mit Feuer-Röhren versehen / weil
sie sehr gute Schützen seynd / bey (Project zwischen
Pohlen und Venedig deß künfftigen Feldzugs halben.) welcher Armee eine
Artillerie von 24. Stücken / darunter 2. halbe / 4. vierthel Cartaunen / und
dann auch 4. Haubitzen / nebst 2. Böllern auffgerichtet werden sollen / wozu die
Venetianer 20000. Mann Teutsche und Italiäner hergeben / welche man durch einen
bekanten Teutschen General commandiren lassen wil / selbiger soll an dem
schwartzen Meer agiren / die Tartarn von dannen treiben / und dann an denen
Flüssen Dniester / Bog und Dnieper / welche in das schwartze Meer fliessen /
Vestungen bauen / dardurch die Türcken auff das künfftige an solchen Seiten zu
attaquiren / zu welchem Ende die Republic Venedig nach solchen glücklichen
Verrichtungen Schiffe zu bauen / und dahin zu senden / sich erbotten / welche
nebst den Cossacken / an selbigem schwartzen Meer dem Türck. Käyser biß vor
Constantinopel diversiones machen / und solche Residentz incommodiren können;
damit nun Se. Maj. desto besser angefrischet werden mögen / so wil der Pabst /
wie auch die Republic Venedig jährlich eine gewisse Sum̅a Geldes
dem zulegen / auch alles dem Printzen erblich lassen / was derselbe mit solcher
Macht gewinnen wird / ingleichen auch der König vor sich behalten Moldau und
Wallachey / und damit man die Cossacken sämtlich auf der Christl. Seiten
behalten möge / so soll ihnen in Friedens-als Kriegszeiten eine gewisse Sum̅a Geldes jährlich richtig bezahlt werden. Man sagt / daß der Hr.
Gen. Leut. Spaen / so nach den Haag in Holland verreiset ist / einige geheime
Instructiones mit sich hat / und daß künfftigen Frühling wol eine Armee in
Clevischen Land formiret werden dörffte. Jh. Päbstl. Heiligk. haben sich
erbotten / denen Littauern / aus der Apostol. Kammer jährlich ein grosses zu
geben / es sey in Friedens- oder Kriegszeiten / jedoch daß ein Unterscheid
zwischen beyden sey: über dem / so wil der H. Vatter dem König in Pohln alle
geistliche Gelder / welche sonsten aus Pohln nach Rom geschickt werden / zum
Krieg wider den (Auff bem Teutschen Boden solle
immerdar eine starcke Armee gehalten werden.) Türcken verehren. Es
soll auch / wie von sicherer Hand habe / im Vorschlag seyn / eine starcke Armee
auf den Teutschen Boden continuirlich zu halten / welche sowol bey Friedens-als
Kriegszeiten allen feindlichen Einfällen entgegen gehen / und das Röm. Reich von
allen Trangsalen befreyen solle / worzu die Schwäbische / Fränckische / und
Rheinische Craise / nebst Hessen und andern Fürsten / eine Armee zwischen dem
Rhein und der Donau von 30000. Mann halten / und in selbigen Ländern einlogiren
sollen. Zweytens solte auch der Ober- und Nider-Sächsische / wie auch Westphäl.
und Thüring. Craiß auff selbiger Seiten ebenfals obgedachte Sum̅a
halten und verpflegen / und solten [49] beyde
Armeen dergestalten verleget werden / daß sie sich in Zeit der Noth mit gutem
Fug conjungiren / und also in einer Armee agiren kön̅en. Andere
Brieff von 3. 13. dito auß Berlin melden ferner / daß weiln nun die Fvertäg
glücklichen vollbracht / als wild man nun allgemach dem vernehmen nach mit
wichtigen Estaats-Affairen dem Neuen Jahr den anfang machen. Und weiln sich Ihr.
Churfl. Durchl. der Printz in Potzdam befinden / auch die Herren geheime Räth
dahin beruffen worden / dörffte unter andern von einer Alliantz mit den beyden
Nordischen Cronen / Chursachsen / denen Häusern Lüneburg / Hessen und andern
etwas ans Licht kom̅en; weiln das Hallische Saltz sehr (Mehrert Frantzösische Flüchtling zu Berlin
augelangt.) gut / so hoffet man die Handlung damit mehr und mehr
fortzusetzen. Es kommen noch immer viel Flüchtlinge an / welche auf den Churfl.
und dero Herren Hofbedienten Lusthäusern / so lang einlogirt werden / biß der
darüber verordnete Secretarius eine repartitlon gemacht / wohin sie sich begeben
sollen / dann alle Handwercker aufgeschrieben / und solcher gestalt vertheilt
werden / damit an einem Ort von jeder Art Handwercker nicht zu viel kommen / die
jenige / so kein Handthierung gelernet / werden unter der Militz vertheilet / es
haben sich aber auch einige Spitzbuben vor Geflüchtete angegeben / welche man
nach genauer Erkantnuß nach den Vestungen / umb allda zu arbeiten / gesandt. Se.
Churfl. Durchl. seynd den 2. 12. dito durch 10. à 12. Frantzös. Edelleuthe
begrüsset wol den / darunter auch der Hr. Marquis de Ostance gewesen / und
glaubt man / sie werden alle nach Proportion und ihren meriten einige Employ und
charge bekom̅en. Sonsten ist nunmehro fest gestellet / daß (8000. Mann Chur-Braudenburgische Völcker werden Ihro
Käps Maj. trider die Türcken zu hülff gesant.) 8000. Mann zu Roß und
Fuß com̅andirte Völcker / samt einer schönen Artillerie im Monat
Febr. nach Ungarn marchiren sollen / und weil die zu obigen 8000. annoch
gehörige 6000. Mann im Lande bleiben / und also nicht die gantze Armee von
14000. Mann / wie solche zu liefern wohl abgehandelt worden / fort marchiret /
so gehet Hr. Gen. Leut. Schöneck nun mit / umb selbige als Chef zu com̅and. und bleibt hingegen der Hertzog von Hollstein vor dißmal
zurück / es gehen aber die besten Feuerwercker und Bombardirer mit dahin / umb
denen Unglaubigen einen Vorschmack der Höllen zu zeigen. Ist zwar nur eine
kleine Armee / aber ein Kern von Volck: noch andere Brief von 11. bringen / daß
ehester Tagen von dar ein Churfl. Minster nach den Käys. Hoff abgeschickt werden
soll / unter andern anzuzeige̅ / daß die 8000. Man̅
in Monat Martio ihren march antretten / und beschleunigë sollen / und wird anbey
vernehmen / auf was für manier dieselben ihren march einrichten / und wie sie
verpflegt werdë sollen. Und weiln auch die differentzien / so zeithero mit der
Cron Schweden sehr weitläuftig außgesehen / nun zum guten Ende scheinen gebracht
zu werden / als wird dahin auch ehistens eine Ambassade abgefertiget werden / [50] umb alles in gute Richtigkeit zu
bringen. Hierbey eine Lista von den Trouppen / so wider den Erbfeind gesandt
werden.
Specification der Chur-Brandenburgischen Trouppen / so gegen den Erbfeind nacher
Ungarn marchiren / und von Sr. Churfl. Durchl. würcklich sollen unterhalten
werden.
(Lifta der Mannschaft.) 1. Der Generalstab
bestehet in 70. Persohnen. 2. Die Artillerie / 221. Personen. 3. 42. Compagnien
zu Fuß in 9. Regimentern / vertheilet mit dem Regiment-Stäben / und werden
geliefert starck 6215. Persohnen. 4. 18. Compag. zu Pferd / jede von 100.
Köpffen / und 3. Regiments-Stäbt 1922. Persohnen. 5. 8. Compag. Dragoner / jede
von 125. Köpff mit dem Regiments-Stäben starck 1070. Persohnen. 6. Eine
ansehnliche Artillerie / insonderheit grosse Feuermörsel. Summa 9498. Mann.
(Brieff aus Botzdam.) Noch andere Brieff vom 17.
27. aus Potzdam melden / am 13. 23. gegen Abend ist der Fürst zu Anhalt von
Dessau wieder hier angelangt / wie lang er aber verbleiben möchte / weiß man
nicht: So ist ingleichem der Königliche Schwed. General-Feldmarschall Graff von
Königsmarckt nebst seiner Gemahlin mit einer grossen Suite anhero kommen /
welcher aber gestern Nachmittag wieder von hier abgereiset / und seinen Weg auff
Leipzig genommen. Seine Chur-Printzl. Durchl. seynd auch hier gewesen:
gleichfalls hat sich der Churfürstl. Gen. Feldmarschall Freyherr von Dörffling /
so am Montag hieher kommen / wieder auff seine Güter begeben. Sonsten befinden
sich jetzo viel hohe Officiers allhier / umb Ordre wegen deß künfftigen Marsches
nacher Ungarn einzuholen. Der Käys. und Königl. Frantzös. Gesandte seynd
ebenmässig allhier gewesen. Im übrigen hat sich das feuchte Wetter dieser Orthen
in einen harten Frost verwandelt. Brieff von (Brieff
aus Berlin.) Berlin von 22. sagen / weil man sihet / daß unter den
Frantzosen / so als Flüchtling in hiesiges Land kommen / sich auch einige in
Dähnischen Diensten gewesene / aber nunmehro abgedanckte Soldaten befinden /
haben Ihro Churfürstliche Durchl. befohlen / solchen keinen Unterhalt zu geben /
sondern unter die Militz zu stecken / und weil man auch vermercket / daß viel
Catholische / und andere Müssiggänger unterm Namen der vertriebenen Reformirten
anhero kommen / so haben Ihr. Durchl. dero Ministern in Holland / Franckfurt am
Mayn / Hamburg und andern Plätzen anbefohlen / niemand / als welche Weib und
Kinder haben / oder Handwer [51] cker
können / mit Paßporten zu versehen. Inzwischen sollen keine Flüchtling mehr in
diese Stadt / aber wohl in andere Plätz häußlich niedergelassen werden / weil
täglich viel Supplicationen durch unsere Einwohner überlieffert werden / worinn
sie sich über dieselbe beschwären. Man sagt / daß ehestens eine Gesandschafft
nach Schweden gehen soll / umb alle übrige Differentzien abzuhandeln / indessen
versichern viel / daß bereits alles so gut als verglichen seye / und vermuthlich
Stettin unserm Churfürsten eingeraumbt werden dörffte / davon doch die Gewißheit
zuerwarten stehet.
(Chur-Sächsische Geschichten.) Aus der
Chur-Sächsischen Residentz-Stadt Dreßden vom 12. Jan. hat man / daß weiln bey
dem grossen Brand in Alt-Dreßden die arme Leuth nicht wieder auffbauen können /
als haben die grossen Herren / als Baronen und Edelleuthe beschlossen / jeder
ein Stock-Häuser regal zu bauen / und jeden Stock à parte mit Brandmauern
auffzuführen / nach Verfertigung derselben sollen solche den armen Leuthen so
lang vermietet werden / biß daß sie soviel abgetragen / als das Capital und
Zinsen sich erstrecket / als dann die arme Leuth zu ihrem Eigenthumb kommen
können / welches auff folgende Weiß geschehen soll: Als wann nemblich ein Hauß
1000. Reichsthl. kostet / belaufft sich das Interesse auff 60. Reichsthl. wann
sie nun das Jahr 100. Rthl. mieten geben / so gehen schon 40. Rthl. am Capital
ab / und so ferner / wird also auff solche Weiß alle Jahr etwas von den Capital
und Zinsen weniger / durch solche Erfindung bekommen die grossen Herrn ihr
Capital und Interesse, die armen Leuthe ihre Häuser / und Se. Churfürstl.
Durchlwieder ein wohl tegulirte auffgebauete Stadt.
Aus der Graffschafft Stollberg ist den 6. dito nachfolgends einkommen; (Zwey Eheleut werden im 94. Jahr ihres Alters zum
andernmahl copulirt.) Jüngsthin seynd 2. wohlbetagte Eheleuthe /
namentlich Martin Grönland / und Catharina Schönmäyerin / so beyde Anno 1592. in
dieser Graffschafft in dem Dorff Buchholtz am Hartz gebohren / und 70. Jahr
miteinander im Ehestand gelebet / auch eine Tochter / so jetzo 66. Jahr alt /
und einen Sohn von nunmehro 63. Jahren / gezeuget / von welchen 4. Kindes kinder
/ und von diesen wieder 7. Kindes-Kindes-Kinder gebohren worden / in der Kirchen
zu Buchholtz bey offentlichen Kirchgang zum andernmahl eingesegnet worden. Ih.
Hochgräfl. Gn. von Stollberg haben dieses alte Paar nebst unterschidlichë von
ihren Kindern und Kindeskindern sc. selbigen Tags tractiren / und ihnen
gleichsam eine neue Hochzeit-Gastung anrichten lassen / worbey sie sich dann
recht lustig erzeiget / und obgleich diese beyde das 94. Jahr ihres Alters
erreichet / seynd sie doch wohl zu Fuß / können auch eine gute Mahlzeit zu sich
nehmen / und nach Gottes willen vielleicht noch etliche Jahre leben. Vom
Ober-Sächsischen Craiß gelangen wir zum
|| [52]
Fränckischen / welches ist der sechste Reichs-Craiß / dessen Directores feynd der
Bischoff von Bamberg / und der Marggraf von Brandend. Culmbach / der auch
Craiß-Oberster ist / und gehören über daß darzu / die Bischöffe von (???. Der Fränck. Craiß.) Würtzburg / und Eichstätt
/ der Hochmeister Teutschen Ordens / die Marggrafen von Brandenb. Culmbach / und
Onoltzbach / samt vielen Grafen und den Reichsstädten Nürnberg / Rottenburg /
Windsheim / Schweinfurt / und Weissenburg / von welchem Craiß zu berichten
vorfället / daß selbiger in verwichenem (Fränckischer
Craißtag zu Rürnberg gehalten.) Monat December einen Craißtag zu
Nürnberg außgeschrieben / und gehalten / so mit anfang dieses Monats sein
Endschafft erreichet / auf welchem nachfolgende puncta debattirt und geschlossen
worden. 1. Daß man / nach deme zur gemeinen Reichs-defension und securität im
Vorschlag gebrachtem (Was daselbft abgehandelt
worden.) quanto der 60000. Mann / wovon diesem Craiß 4321. zufielen / sich
jederzeit parat halten / und solche in 2. Regim. zu Fuß und 1. Regim. zu Pferd
reduciren wolle. 2. Daß denen hohen Generals-Personen und Craiß-Kriegs-Räthen
biß zu Außgang deß verflossenen Jahrs ihre Verpflegung zwar gegeben /
nachgehends aber wegen allzugrosser Kriegsspesen dimittiret werden sollen. 3.
Daß die in den Käys. Erblanden subsistirende Fränckische Trouppen in Zeiten
recrutiret und mit der monatl. gage versehen werden solten. 4. Daß die zu dieser
Craiß-Verfassung gemachte credita bezahlet / und zu dem Ende der jenige / so
sein contingent innerhalb 4. Wochen nicht erleget / ohne Ansehung der Person
exequirt werden solle. 5. Daß die in den Käys. Erblanden stehendt Tragoner Ihr.
Käys. Maj. gantz übergeben werden / mit dem Anhang / daß dieser Craiß über obig
bewilligtes contingent weiter nit beschwäret werden solle 6. Daß man bedacht
seyn solle / die Association und vormals gemachte Bündnussen mit Ihro Käys. Maj.
Schweden / Holland und andern Ständen zu erhalten. 7. Daß die Inquisition und
Verhör der Rechnung deß Commissarii Lembecks befördert werden solle. 8. Wegen
deß Müntzwesens / weiln man einen allgemeinen ordentlichen Müntz-probation-Tag
verhoffte / so solte es bey dem bereits den 23. Julii zu Nürnberg proclamirt-
und beruffenen stück / biß dahin verbleiben. 9. Wegen der zwischen Hn. Grafen
von Dörnbach und Freyherrn von Schönberg vorgewesenen Praecedentz-sach / war
geschlossen / daß dem von Schönberg der Vorzug im sitzen und votiren gebühre.
Letztens und 10. Ihro Hochfürstl. Gn. von Würtzburg zu vermögen / daß selbige
den Rest zu ders Hn. Antecessoris cassa lifern möge. In gemeld. Nürnberg sowol
als zu Würtzburg / Bamberg / Mergentheim / und dem gantzen Fränck. Craiß ist vor
das löbl. Käys. Thüng. Regiment zu Fuß zu dieser Zeit mit offenem Trommelschlag
geworben worden. So viel vom Fränckischen Craiß.
(7. Der Schwäbische Craiß.) Deß Reichs stebender
Craiß ist der Schwäbische / dessen Directores seynd der Bischoff zu Costnitz /
und der Hertzog von Würtenberg: worzu noch [53] gehören der Bischoff zu Augspurg / viele Proelaten / die Marggrafen
von Baaden / die Fürsten von Hohenzollern / viel Grafen und Herren / und die
Reichsstätt Augspurg / Ulm / sambt noch 72. andern / von welchem Craiß dißmalen
nichts sonders schrifftwürdiges eingegangen / fahren wir also fort und reden vom
(8. Der Ober-Rheinische Craiß.) Ober-Rheinischen
/ welcher ist der achte Reichs-Craiß / dessen Directores seynd der Bischoff von
Worms / und der Pfaltzgraf von Sümmern / die andere Mitglieder seynb die
Bischöff von Bisantz / Worms / Speyer / Straßburg und Basel / der Johanniter
Ordensmeister / samt vielen Proelaten / die Pfaltzgrafen zu Sümmern / Zweybruck
/ Buschweiler / Lautereck und Birckenfeld / die Landgrafen zu Hessen / samt
vielen Grafen und Städten darunter Straßburg / Speyee / Franckfurt. Ob nun zwar
dieser Craiß guten theils in Frantzös. devotion ist / und also theils von dieser
Materi ins nachfolgende Capitel (so von denen Frantzös. Geschichten handeln
wird) gehörig wäre / so habe doch umd Unordnung zuverhüten / das / was in diesem
Craiß gelegen / auch selbigem einverleiben wollen / mache also den Eingang mit
Brieffen aus dem Elsas vom 1. Jan. worinn nachfolgendes gemeidet wird: Die Güter
etlicher Bürger der Stadt Straßburg / welche vom Magistrat Erlaubnuß hatten /
umb nach dem Reich geschickt zu werden / aber auff Königl. Ordre wieder
arrestirt waren / seynd nun auff remonstration deß Magistrats / daß solches
gegen ihre Privilegia und Capitulation seye / deß Arrests wieder (In der Graffschafft Sarwerder wird den Lutherischen das
exercitium Religionis verbotten.) erlassen worden Alle Lutherische
Pfarrherren in der Graffchafft Sarwerder seynd biß auff einen zu Saarbrücken und
einen zu Dommeringen bannisirt und gefangen gesetzt / und ist daselbst allen
Lutherischen das exercitium Religionis verbotten worden. Indessen haben die
Reformirten zu Straßburg Erlaubnuß bekommen / einen Proedicanten / der aber
nicht ein Wort Frantzösisch verstehen soll / zu halten / hingegen aber ist die
Reformirte Kirch zu Holtzheim / anderhalb Meil Wegs von hier rassirt worden.
Weiters ist von dem Souverainen Rath in diesem Elsas ein neuer Befelch heraus
kommen / vermög dessen alle Beambte / Ambt- oder Gerichtsschreiber /
Procuratores, biß auff die Bauern-Schultheissen sich zur Römisch-Catholischen
Religion bequemen / oder ihre Dienst bey 2000. Livres Straff quittiren sollen
(In dem Elsas werden lanter Catholische Veambte
eingesetzt.) / deme zu folg der Elsassische Intendant nebst dem neuen
Frantzösischen Vicario Generali Abbe de Rabaton und zwey Jesuitern in das
Ober-Elsas gegangen / und sagt man / daß gedachter Intendant en passant
verschiedene Beambte ab- und an deren Stelle neue / so der Catholischen Religion
zugethan / einsetzen werde. Die der Reformirten Religion noch zugethane
Officiers und Soldaten von der Guarnison zu Straßburg haben noch biß auff heute
Zeit / sich Catholisch zu erklären / oder [54] cassirt zu seyn / deren bißhero täglich in zim̅licher Anzahl
theils abschwören / und theils gar sich ins Reich jenseits Rheins salviren /
denen letztern man aber mit starcken Partheyen biß auf den Reichs-boden
nachgesetzet; auch werden verschiedene andere Personen auffgehoben / und
gefänglich nach Straßburg (Zu Reichenweyher wird der
Chor den Catholischen eingeraumet.) geliefert. Ferner hat der
Intendant zu Reichenweyher und in andern darzu gehörigen Dorffschafften / welche
dem Hertzog von Würtenberg / Mümpelgartischer Linie bißhero annoch gelassen
worden / den Chor in selbiger Kirchen abgenommen / und den Römisch-Catholischen
eingeraumet / worgegen die Würtenbergischen zwar starck / aber vergeblich sich
gesetzet / und auff gewisse deutliche Verträg sich beruffen haben. Entzwischen
seynd viele Reformirte in diesem Land / so schon durchgegangen gewesen / und von
Mons. de la Breteche wieder ertappet worden / weilen sie ihre Religion
abgeschworen / vom König nicht allein perdonirt / sondern auch in alle ihre
Güter wieder eingesetzet worden. Unerachtet sonsten wol einige viel von
vorne???men Desseinen reden wollen / so wird doch nicht gezweifelt / daß der
Aller-Christlichste König / so lang keine merckliche Veränderung geschicht / den
(Zu Schlettstatt und Hünningen werden neue Aussen
werck gemacht.) Frieden zu unterhalten suchen werde. Zu Schlettstatt
werden 6. neue Casarmes an den Wällen bey der Ill gemacht / welches auch zu
Hünningen geschicht. Wegen der Praetension deß Bischoffts von Basel an selbige
Dohmkirchen wird nicht viel Schwürigkeit mehr gemacht / weil man sagt / daß der
Frantzös. Abgesandte Mons. de Tambonneau solche in einer Conferentz zu Baden zu
accom̅odiren suchen soll. Die Evangelischen seynd dieser Orten
sehr betrübt / und förchten / die Trübsals-wellen der Verfolgung möchten über
sie auch ergehen / wann die Protestanten überall ausgerottet (Vor den Reformirten werden im Elsas alle Päß genau
verwahrt.) seynd / vor welchen die Päß aller Orten im gantzen Elsas
gar genau geschlossen seyn / so die Commercien nicht wenig hindert. Man sagt /
daß der Proesident von Metz / so die Religion bereits changirt / unter Convoy
einiger Officier vom Commendanten zu Homburg nach Franckfurt abgereist / um
seine Töchter allda abzuholen / ob aber diese Officier besagten Herrn
Proesidenten so genau bewahren werden können / daß er ihnen nicht échappirt,
wird man hiernechst zu vernehmen haben / doch zweifelt man nicht an seiner
Wiederkunfft / weilen er die Religion bereits abgeschworen haben soll. Bey
sothanem übeln Zustand der Reformirten / und weilen sie in gantz Franckreich
auffs eusserst verfolget werden / haben nicht allein die Schweitzer und
Holländer / sondern auch Chur-Brandenburg und Hessen-Cassel die Vertriebene
auff- und angenommen / ihnen herrliche Privilegia, stattliche Frey- und
Gerechtigkeiten in allerseits dero Herrschafften verliehen / auch viel Gelder zu
besserer ihrer Unterhaltung für selbige gesam̅let / [55] wie mir dann hiervon ein
Hessen-Casselisches Manifest zuhanden kommen / welches von Wort zu Wort also
lautet:
Demnach der wahren Evangelischen Reformirten Religion in dem (Hessen-Casselische. Manifest wegen der
Reformirten.) Königreich Franckreich zugethanen Glaubens-Genossen wegen
der grossen Versolgung und schwählen Betrangnussen / die leyder! je mehr und
mehr überhand nehmen / viele Geschlechter und Familien unumbgänglich genöthiget
worden / ihres besten zu gedencken / und mit gäntzlicher Hinterlassung deß
ihrigen aus selbigem Königreich hinweg- und in andere Lande zu begeben / gestalt
dann auch dero ein grosse Anzahl dieses Orts sich weniger nicht bereits
eingefunden / als denen noch mehrere folgen werden. Als haben Ih Hochfürstl.
Durchl. unser gnädigster Fürst und Herr / zu Bezeugung dero gegen sothane der
reinen Lehr und Bekantnuß halben verfolgte und vertriebene Religions-Verwandte
tragenden hohen Christ-Fürstlichen Mitleydens / mittelst gnädigst allerhand
ertheilten herrlichen Privilegien, Freyheiten und Gerechtigkeiten / umb dardurch
ihre Unterhaltung desto besser zu erlangen / nicht allein in Gnaden auffgenommen
/ sondern sie auch in ihrem betrübten dürfftigen Zustand destomehr auffzurichten
/ und ihnen denselben zu erleichtern / nicht nur vor sich in dero hiesigen
Fürstl. Residentz / nebst dero hohen Fürstl. Angehörigen / in gnädigster und
reicher Zusteurung sehr mild und gütigst erwiesen / ein solches auch von allen
corporibus Geist- und Weltlichen / und gemeiner Burgerschafft / jedwedes Stands
und Vermögen nach ebenmässig reichlichen geschehen / sondern auch vermittelst
ergangenen Ausschreibens vom Land noch täglich ein ansehnliches einkom̅t und erfolgt / daß sie dahero sich einer considerablen
Geld-Summa von vielen tausenden zu erfreuen und zu geniessen haben. Nach dem
Ober-Rheinischen folgt
(9. Der Westphälische Creiß.) Der Westphälische
Creiß in der Ordnung der Neundte / dessen Directores seynd der Bischoff zu
Münster und der Hertzog von Güllich (Braunschweig) diesem seynd über das
verwandt die Bischöff von Baderborn / Lüttig / Münster / Osnabrück / Minden /
Verden / Utrecht / und Cammerach / die Hertzogthümer Güllich / Eleve / und Berg
/ die Fürsten in Ost-Frießland / sam̅t vielen Proelaten / Grafen
und Reichsstätten / als Cöln / Aachen. Von diesem Craiß ist wenig remarquables
zu berichten / (Stadt Cölnische Geschichten.) so
diesen Monat vorgegangen wäre / ausser daß die einheimische Troublen der
Reichsstatt Cöln allgemach angefangen zu verschwinden / wie man dan̅ mit Brieffen vom 3. dito von dar hat / daß der neuangesetzte Magistrat immer
fortfahre / selbiger Stadt Sachen in einen bessern Stand zu setzen / und die
seithero einigen Jahren vergebene Bedienungen zu ändern / und solche [56] an andere zu conferiren, so seyn auch
den 2. einige Commissarli, so von den Zünfften vormals angesetzt gewesen / von
den Rathsbotten citirt worden / umb ihre Rechnung zu thun / wo die Gelder von
den verkaufften Mobilien geblieben seyen / und weilen sich einige nicht getrauet
/ solche abzulegen / haben sie sich invisibel gemacht. Den 10. ist der Obrist
Kiebering / als ehmaliger Commendant in Cöln / wieder in seine gehabte Charge
eingesetzet / so ist auch der berühmte Advocat Schrillß als Syndicus
vorgestellet worden: (570. Puncten dem Güllich
vorgehalten.) Jetzt arbeitet der Fiscus daselbsten über die dem so
genan̅ten Güllich / als Haupt von denen Unruhestifftern /
vorgehaltene fünffhundert und etliche sibentzig Puncten / umb ihme das Urtheil
zu versertigen / und ob schon 1000. Gulden dem jenigen / so den Authorem
entdecken werde (welcher den 20. (2. Paßquillen
verbrant.) Nachts in dieser Stadt zwey überaus schändliche Paßquillen
angeschlagen) versprochen worden / so hat man doch selbigen nicht in Erfahrung
bringen können; die Paßquillen seynd immittels auff Ordre deß Magistrats durch
den Hencker verbran̅t worden. Den 26. und 27. seynd von den
Münsterischen Völckern 4. Compagnien zu Fuß mehrentheils in Kräncken und
Blessirten bestehend durch die Chur-Trierische Aembter Limburg und Montabauer
und die übrigen durch das Nassauische marchiret. Zu Düsseldorff (Zu Düsseldorff wird zu Fuß geworben.) und andern
Orten in den Güllich- und Bergischen Landen wird starck zu Fuß geworben / auch
in dem ersten Ort ein neue Kirch vor die Reformirte gebauet / so schon
meistentheils fertig ist. Beym vorigen Craiß habe erwehnet / wie daß von dem
Landgrafen von Hessen-Cassel die protestirende Exulanten aus Franckreich sehr
wol an- und auffgenommen werden / und was selbige für schöne Privilegia erhalten
haben: Nun muß ich ferner berichten / (Die vertriebene
Reformirte werden vom Bischoff zu Osnabrügg auffgenommen.) daß Herr
Ernst Augustus Bischoff von Osnabrügg angeregten Exulanten nicht minder
stattliche Freyheiten in dero Gebieth und Herrschafften ertheilet / wie er dann
unter dero eigenen Hand und Siegel durch offentlichen Druck publiciren lassen /
wie daß Ih. Fürstl. Durchl. in Erfahrung kommen / daß verschiedene Protestanten
aus Franckreich wegen der Religion ihr Vatterland verlassen müssen / und sich in
der Nachbarschafft dero Landen unterhielten / weßhalben höchstbesagte Ih.
Durchl. resolvirt / zu Fortsetzung der Manufacturen denen jenigen / so sich in
dero Herrschafften niederlassen wollen / folgende Privilegia zu ertheilen:
(Der ertheilet ihnen stattliche Privilegia) 1. Daß
alle Reformirte / von was Nation und Handthierung sie auch seyn mögen / keinen
zoll oder Aufflage von allem / was sie in Ih. Fürstl. Durchl. Fürstenthum und
Landschafft bringen werden / bezahlen sollen / und soll in ihrem freyen Willen
stehen / sich an solche Ort in demselben niederzulassen / wo es einem jeglichen
selbst wird beliebig seyn. 2. Daß sie mit [57] ihren Weibern / Kindern / gantzen Familien / Gütern / sc. in Ih. Fürstl.
Durchl. special-Protection und Beschirmung sollen auffgenommen werden /
dermassen / daß die niemand an Leib und Gut kräncken oder molestiren soll. 3.
Sollen sie ins gesambt nicht allein ihre Gewissens-Freyheit geniessen / sondern
auch ihren Gottesdienst privatim in ihren Häusern / ohne einigen Eintrag oder
Verstöhrung exerciren. 4. So balb an einigem Ort sich ungefehr 100. Personen
werden niedergelassen haben / wollen Ih. Fürstl. Durchl. vor dieselbe auff
eigenen Kosten einen Prediger unterhalten / und sollen sie selbst dessen
Bestallung vergrössern mögen. 5. Wollen Ih. Fürstl. Durchl. zu Auffrichtung der
Schulen / zu Unterrichtung der Jugend alle behülffliche Hand bieten. 6. Sollen
sie von allen ordinari- und extraordinari-Last und Beschwehrungen / sie mögen
auch Namen haben wie sie wollen / vor ihre Person / Gefolg und Güter den Acciß
oder Licent allein ausgenommen / befreyet seyn. 7. Dafern sie auch einige Ih.
Fürstl. Durchl. zinßbare Güter oder Häuser dingen oder mieten würden / sollen
sie davon zehenjährige Freyheit geniessen. 8. Was die jenige belangt / welche
selbsten Wohn- und Werckhäuser auffrichten wollen / die sollen davon fünff und
zwantzigjährige Freyheit und exemption von allen vorgemeldten Aufflagen
geniessen. 9. Ihr. Fürstl. Durchl. wollen ihnen auch aller Orten das Burgerrecht
ohne entgelt schencken / wann sie nur Ihro den Huldigungs-Eyd als Landsherrn /
und an jedem Ort der Stadt Obrigkeit den Eyd der Treu leisten. 10. Sollen sie
nicht genöthiget seyn sich in einige Zünfften zu begeben / oder Geld darzu zu
zahlen / auch nicht an eine gewisse Zahl Lehrjungen gebunden seyn / sondern es
soll ein jeglicher so viel mögen in seinem Dienst halten / als er ihnen wird
Arbeit geben können; Dafern aber jemand sich freywillig in solche Zünfften
begeben wolte / sollen demselben die darzu behörige Leges so erträglich gemacht
werden / daß sie Ursach haben sollen sich deßhalben zu bedancken. 11. Was die
Fortsetzung ihrer Nahrung betrifft / und ihre Manufacturen / darzu wollen Ihre
Fürstliche Durchleucht. alles / was sie zu thun vermögen / contribuiren. 12.
Ihre Durchl. wollen auch besagte Protestanten in Streit-Sachen eben als dero
eigene Unterthanen durch unpartheyische Richter rechtfertigen lassen. Und 13.
solches auch ferner daß / wann sie einige aus ihnen darzu qualificiren wollen /
solcher dieselbe als Schiedsmann urtheilen soll / jedoch daß der beschwehrte
Theil an den ordinari Richter soll appelliren dörffen. 14. Auch soll ein
jeglicher über die Güter / welche er in Ihro Durchleucht. Landen gebracht / oder
darinnen wird erworben baben / frey disponiten mögen / sowohl per donationem
inter vivos, [58] als mortis causa
&c. 15. So auch jemand vor Verfliessung ermeldter Freyheits-Jahren sich
wieder anders wohin begeben wollte / so soll ihm dasselbige freystehen / solches
ohne Verhinderung zu thun / und in solchem Fall mit demselben / als mit Ih.
Durchl. eigenen Unterthanen gehandelt werden / sc.
(Die Stadt Iserlohn wird meistentheils abgedrant.)
Zum Beschluß muß ich diesem Craiß noch beyfügen / was aus Münster geschrieben
worden / von der Stadt Iserlohn / darinnen sehr gosse Handlung getrieben wird /
daß sich selbige kaum von ihrem Brand / so sie im Jahr 1677. erlitten / erholen
können / da sie wieder mit Anfang dieses Jahrs in eine grosse Feuersbrunst
gerathen / wordurch der gröste Theil verbrannt / und viele Kauffmanns-Güter
verlohren gangen / man weiß zwar nicht / wie es aus kommen / doch ist dieses
seltzam / daß ein gewisser alter Mann / welcher den Brand kaum gespühret / aus
Schrecken tod zur Erden gefallen ist / zumalen dieses das viertemal gewesen /
daß er in Zeit von siebentzig Jahren erlebet / dergleichen Unglück an gemeldter
Stadt zu sehen.
(10. Nieder-Sächsische Craiß.) Vom neundten
tretten wir in den zehenden und letzten Reichs-Craiß / welcher da ist der
Nieder-Sächsische / dessen Directores seynd der Administrator von Magdeburg und
die Hertzogen zu Lüneburg / hat unter sich die Ertz- und Bißthümer Magdeburg /
Bern / Halberstadt / Hildesheim / Guerin / und Ratzenburg / die Hertzogen zu
Holstein / Mechelnburg und Sachsen-Lauenburg / die Reichsstadt Lübeck /
Mühlhausen / Goßlar / Nordhaufen und Bremen.
(Von einem Nordsturm leyden die Hamburger und Bremer
grossen Schaden.) Was der im verflossenen Monat urplötzlich
entstandene Nordsturm in den Hamburg- und Bremischen Ländern vor Schaden gethan
/ wie er die Teich und Dämme durchgerissen / und das gantze Land überschwemmet /
und unter Wasser gesetzet / davon haben alle Zeitung rapport gethan / also daß
ferner / was hiervon zu repliciren, vor unnöthig achte / das glücklichste und
darfür GOtt sonderbar zu dancken ist / daß die Rauhe deß Winters die Insassen
angezogener Länder nicht übereylet / daß sie bey abgelauffenem Wasser die
eingerissene Teich und Dämme wieder repariren / und das Wasser schwöllen können
/ ehe es zu Eiß worden ist / woran auch die gute Leut Tag und Nacht gearbeitet /
biß sie es wieder ein wenig nur zur Noth in Stand gebracht haben. Sonsten hat
man aus Hamburg vom 20. Jan. (Hamburgische
Geschichten.) folgendes: Das neue vorhabende Werck der
Calender-Reformation / welches durch den hochberühmten D. Wasmuth nunmehr herfür
kom̅t / und billich nach der Majestätischen Verlegerin
unsterblichen hohen Nachruhm intitulirt, Tabulae Christinae, bestehet in einem
grossen Opere, mit sehr herr [59] lichem Beweißthum / unter 100. Tabellen / woraus jedweder Vernünfftiger
guten Unterricht / den Grund der Warheit und einen festen Fuß erhalten wird /
welches grosse Werck auff 5000. Exemplaria 15000. Rhlr. erfordert / (D. Wasmuth bringt sein Calenders-Reformationswerck zum
Endt.) ehe es dem Druck kan einverleibet werden / womit man auch
anfangen will / wann bemeldte Summa gezahlet wird. Wann dann nun sowol im
vorigen als jetzigen Seculo von vielen ein grosser Fleiß daran gewendet worden /
umb eine Universal-Richtigkeit der gantzen Welt zu demonstriren, so hat dannoch
biß dato keiner sich unternommen / solches hohe Werck aus zufinden / als bloß
hochgemeldter Herr Doctor und Professor Wasmuth zum Kiel in Holstein / worbey
dann zu erinnern / daß diese schwäre Arbeit wunderbarlich durch drey Personen
zur perfection und ans Tagesliecht befördert wird / als durch den Authorem,
Promotorem, und Majestätische Verlegerin / wann man dieser Personen Namen nach
der Römischen Zahl aussetzet / und calculiret / so befindet sich eben wunderlich
dieselbe Zahl oder das Jahr / in welchem das längst-erwünschte Werck der Welt
kund wird / nemlich in diesem 1686. Jahr / zur Probe deß Jahrs / setzet folgende
Namen:
Weiters hat man aus Hamburg / daß daselbst fast wochentlich leyder: grosse
Unglücksfälle geschehen / wie dann in diesem Monat / das nur zu wissen ist / 2.
Personen ertruncken / und 2. ermordet seyn / wovon die erste eine Magd / welche
ausgieng sich die Haar auffbinden zu lassen / ersoff / in folgender Nacht aber
dem Taxadeur über die verdorbene Wahren aus der See von seinen Mägden die Gurgel
abgeschnitten wurde. Deßgleichen hat man von Husum aus dem Holsteinischen / daß
der böse Geist einen wohlhabenden (Der Teufel fübrt
einen Mann leibbafftig in der Lufft ???weg.) Burger / weil dessen
siebenjähriges pactum zu End gewesen / leibhafftig gehohlet habe / daß die
gantze Gasse davon geschüttert / dessen Sohn ein Priester / habe zwar fleissig
mit dem Vatter gesungen / und gebettet / es habe sich aber der Teuffel daran
nicht kehren wollen / ohne Zweifel weil die Buß zu spath gewesen. Man hat auch
von einer prodigiosen Histori Bericht erhalten / so sich in Halberstatt am
ersten Sonntag im Advent begeben (Eine
nachdenckliche) hat / und sehr nachdencklich ist / indeme in unserer
Lieben Frauen [60] kirch daselbsten
nach verrichten praeparatorien zur Communion / als der Prediger Herr Hempel nun
den Anfang zur administration gemacht / zuerst das (Begebenheit zu Halberflatt.) eine Liecht auff dem Altar verloschen /
das andere aber darauff in 3. Stück gefallen / und den Leuchter von 20. und mehr
Pfund mit dem gesegneten Wein über und über geworffen / mit höchster Bestürtzung
aller Umbstehenden / quo omine? ist GOtt bekandt. Obgleich diese Begebenheit im
jüngstverstrichenen Monat December sich zugetragen / und deßwegen in diesen
unsern Monat Januarium nicht gehöret / so habe doch / weil es so ominos, hieher
zu setzen / keinen Umbgang nehmen / und darmit denen Römischen
Reichs-Geschichten / mit seinen zehen Craisen Urlaub geben wollen /
fortsetzend
Das vierte Capitel /
So da meldet von Königl. Frantzöstsch-Spanisch- und Portugesischen Zufällen.
(Franß???sische Geschichten.) BIllich gedencken
wir deß Reformations-Wesens in Franckreich zu Anfang dieses Capitels / weilen
ein geraume Zeit hero fast alle Nouvellen von dieser Materi angefüllet gewesen /
wir wollen uns aber hier (umb dem Leser keinen Verdruß zu erwecken) der Kürtze
bedienen / und den Anfang und Fortgang von Ausrottung der Reformirten mit wenig
Zeilen / und gleichsam nur summariter erzehlen / mit deme es sich also verhält:
Nachdeme der jetzige Aller-Christlichste König Ludovicus der XIV. (Erze???lung deß Reformationswesens in Franckreich / und
was den König dewogen die Resormirte anszu???tten.) bald nach
angetrettener Regierung vermittels Antreibung seines hohen Geistes immer in
seinen Gedancken dahin gezihlet / wie er seine Reichs-Gräntzen erweitern / und
durch guten und glücklichen Success seiner Waffen dermaleinst die fünffte
Monarchi auffrichten / und ihme dardurch bey der Posterität einen unsterblichen
Namen erwerben möge / anbey aber wohl behertziget / daß die Hugenotten in seinem
Königrech / so lang sie daselbften gedultet würden / ihme wol sein Vorhaben
hemmen / gleich sie seinem Großvatter Henrico dem IV. und seinem Herrn Vatter
Ludovico dem XIII. wolchemals gethan haben (dero Anschläg sie in Erregung
einheimischer Un???uhe hintertrieben / und dardurch zu besserm ihrem Aufnehmen
die Edict von Nantes und Nismes in den Jahren 1598. und 1628. von besagten
beeden Königen mit Gewalt erpresset haben). Hierzu kame noch ferner bey diesem
weit [61] ausschenden König in
Consideration, daß die meiste dessen Nachbauern Reformirten Religion / und also
eines Glaubens mit seinen Unterthanen den so genanten Hugenotten seyn / und
weiln die Praesumption einer Religions-Anfechtung in den zarten Gemüthern der
Glaubens-Genossenen gleich Wurtzel fasset / als könte gar leicht wieder
geschehen / was seinen Antecessorn wiederfahren / daß nemblichen / wann er
vermeinte außländische Feind zu bekriegen / sie ihme den Krieg in sein eigen
Land spielen dörfften / welche deß Königs Meynung in der Warheit auch nicht fehl
geschlagen / dann als er im Jahr 1672. mit denen Holländern angebunden / kamen
nicht allein deß Duc de Rohans, als Haupt-Hugenottens heimliche Desseinen wider
den König an Tag / sondern auch es empörten sich im Jahr 1675. Bourdeaux,
Nantes, Rennes, und Limogen / wider selbigen / und obzwar dieses dem Schein nach
wegen allzuschwären Aufflagen geschahe / so wurde es doch in Franckreich so bloß
hin nicht angenommen / sondern man glaubte vielmehr / daß zu dieser Revolte deß
Königs damahlige Feind / die Innwohner bemeldter Städte angereitzet hätten /
indeme die Stadt Bourdeaux seither dem Jahr 1653. immer sich empöret / und
Neuerung gesucht hat.
Wie nun der Fried mit Holland / Spannien und dem Römischen Reich in denen Jahren
1678. und 79. geschlossen / und der König sich von außländischen Feinden
liberirt befunden / hat er seine Meynung wegen Außtilgung mehrgemeldten
Hugenotten [nachdeme er währenden Kriegs immer dissimulirt / und hintern Busch
gehalten] etwas deutlicher an Tag geben / und zugleich nachforschen lassen /
wieviel sich beyläuffig von dieser Religion in seinem Reich befinden möchten /
nachdem nun Mons. Louvois behöriger massen inquiriret / und dem König wieder
rapportiret / daß wohl auff 1800000. Seelen von dieser Religion in dem (Sie werden auff achzeben mahl bundert tansend
geschätzet.) Königreich seyen / auch zugleich mit vielen Umbständen
demonstrirt / was vor mercklicher Verlust und Volckmangel daraus erwachsen würde
/ wann man diese Leuth vertreiben wolte; dann der meiste Theil / sonderlich die
nicht mit vielen unbeweglichen Gütern in dem Königreich angesessen /
entschlossen seyen aus dem Land zu weichen / wordurch nicht nur das Volck /
sondern auch die Commercien abnehmen würden: Indem solcher Gestalt die
Frantzösischen Manufactureyen sich in andere Länder zögen und künfftig
Franckreich in seinen Manufacturen schlechten Abzug zu hoffen hätte: Dannenhero
die Königliche Intraden / an Zoll / Acciß / und andern Imposten ein merckliches
zurück bleiben [62] werden / ungerechnet /
was an paarem Geld / Kleinodien / und andern kostbahren Mobilien durch so viel
tausend entweichende Einwohner aus dem Königreich geführet werde. Worauff der
König zur Antwort gegeben / er wünschete / daß nicht einer mehr vorhanden seyn
möchte / wornach sich auch (Be??? hundert tausend
weichen aus dem Königreich.) nach und nach bey die 100000. Seelen /
nacher Engelland / Holland / Schweitz und Teutschland retirirt haben / wie
dieses der König vermercket / und den Verlust an den Einkünfften allgemach
empfunden / ist er anders Sinns worden / und an alle Seehäfen und Frontiren
seines Reichs ordre ertheilet / keinen Reformirten mehr durchzulassen / ja auff
allen Landstrassen seine flüchtige Unterthanen anzuhalten; der Anfang von
Unterdruckung offterwähnter Hugenotten ware schon vor einigen Jahren mit
Einziehung verschiedener Kirchen / so in dem Edict zu Nantes nicht benennet
waren / beschehen / dann weiln besagtes edict (worauff die fundamental-Freyheit
ihres offentlichen Exercitii Religionis beruhete) nur generaliter dahin gieng /
daß / an welchem Orth der offentliche Gottesdienst der so genanten reformirten
Religion Anno 1596. und 1597. üblich gewesen / er ins künfftig gedultet werden
soll / wurden vom König gewisse Commissarii ernennet / selbiges (Das Edict zu Nantes wird genan untersuchet.)
Eedict etwas genauer zu untersuchen / als sie nun befunden / daß selbiges nicht
klar gnug war / und darauff von denen Reformisten begehrten / sie sollen
erweisen / daß sie an diesem oder jenem Orth zur Zeit der Außfertigung (Sehr unklar befunden.) gemeldten Edicts schon ihre
Predigen gehabt / war es ein unmöglicher Handel / dann erstlich nachfragen war
so viel / als unmöglich / dann es waren keine Leuth mehr da / so selbige Zeit
gelebt haben / schrifftliche Beweistumer waren entweder die Rodul der Getaufften
und Verehelichten oder Consistorial- oder Synodal-Handlungen / was nun die Rodul
der Getaufften und Verehelichten betrifft / wurden sie von den Königl.
Commissarien nicht angenommen / mit Vorgeben / man könne allenthalben tauffen
und Ehen zusammen geben / und sey das kein Zeugnuß eines offentlichen
Gottesdiensts: die in Schrifften verfaste Endschlüß ihrer Consistorial- oder
Synodal-Handlungen wurden ingleichem verworffen / die Parlaments und
Raths-Erkantnuß betreffend / ihr Recht in Kirchensachen für partheyisch gehalten
/ als sie nun endlich / da sie ihnen nicht anders zu helffen gewust / die
Verjährung bey den Königl. Commissarien vorgeschützet / mit dem Anhang / daß wer
30. Jahr etwas in Possession habe / könne und möge es Vermög deß Praescriptions
als aller Völcker Recht behalten / sie die Reformirten aber hätten ihre Kirchen
schon besessen zweymahl 30. Jahr / wäre also billich / daß ihnen selbige noch
längerge lassen würden / das golte ihnen abermahl vor keinen Beweißthumb / und
kam Königliche Ordre eine Kirch nach der andern ni [63] derzukeissen / andere aber den
Catholischen einzuraumen / alle protestirende Beambte / Officirer / Advocaten /
Procuratores, in Summa alle in deß Königs und Königreichs Diensten seyende
Persohnen reformirter Religion wurden zu changirung der Religion angehalten /
oder widrigen fals cassirt / (Daran??? viel Kirchen
geschlossen und denen Reformirten abgenommen worden.) die neugebohrne
Kinder durch Catholische Priester getaufft / und sonsten alles angewendet / was
man zur Bekehrung dieser Leuth und zu Außrottung dieser Religion ersprießlich zu
seyn erachtet / worbey der König sehr grossen Eiffer verspühren lassen / also
daß so gar der Ertz-Bischoff zu Pariß deßwegen bewogen worden sich in einer
stattlichen Oration gegen denselben zu bedancken / und zugleich wegen dessen
hoher Vorsorg zu gratuliren / die Se. Majest. anwendeten die Hugenotten
außzutilgen / unter andern mit grossen Nachruhm das Exempel Königs Francisci I.
anführend: welcher einsmahls gewüntschet / daß er gern einen Arm von seinem Leib
abschneiden lassen / oder verliehren wolte / wann er dardurch alle seine
Unterthanen könte wieder zur Römisch-Catholischen Religion bringen / worauff der
jetzige (Grosser Eiffer deß Königs.) König
geantwortet / ich wolte nicht allein einen Arm sondern mein gantzes Leben
verliehren / wann das wäre / worbey man zugleich angemercket / daß ihme die
Thränen in die Augen gestiegen seyn; als man nun in dem Reformations-Wesen immer
fortgefahren / schon sehr viel bekehret / denen hartnäckichen aber die Soldaten
über den Hals geschicket / wurde endlich umb (Reformirte werden starck verfolgt.) der Sachen auf einmahl abzukommen
/ in verlittenem Jahr den 22. Octob. das Haupt-Edict von Nantes (worauff theils
Reformirte noch immer ihre Hoffnung gesetzet) auff einmahl cassirt / annullirt /
auffgehoben / und widerruffen (Vnd endlich das Edict
zu Rantes gantz cassiet und auffgehoben.) / und weiln selbiges wohl zu
lesen ist / als habs in seiner Form / wie es publicirt worden / hieher setzen
wollen / welches also lautet.
Nachdeme König Henricus der Grosse / unser Groß-Herr-Vatter glorwürdigsten
Andenckens zu verhindern bedacht gewesen / daß der Friede / welchen er nach so
grossen Schäden / so er durch die Langwürigkeit der innerlichen Burgerl. und
außwärtigen frembden Kriege erlitten / seinen Unterthanen erworben / durch
Veranlassung der von der vermeinten Reformirten Religion nicht verunruhiget
werden möchte / wie sich unter der Regierung der Königen seiner Vorfahren
begeben hatte / hat er durch sein im Monat Aprill 1598. zu Nantes publicirtes
Edict eine Verordnung auffgerichtet / welche man gegen die von ged. Religion zu
beobachten hätte / nemblich an welchen Orthen sie ihr Exercitium haben möchten /
auch extraord. Richter gesetzet / welche ihnen die Justitz administriren solten
/ ja endlichen sogar (Königliche Declarstion
darüber.) alles durch absonderliche Articul angeordnet / was er zu
Erhaltung guter Ruhe im Königreich und Verminderung aller Widrigkeiten /
welche [64] unter denen von der ein und
der andern Religion sich enthalten nöthig erachtet / umb dardurch so viel mehr
in dem Stand zu seyn / sich dahin wie er zu thun resolvirt hatte / bearbeiten zu
können / die jenige / die sich so schlechter dings von der Kirch abgesondert
hatten / derselben wiederumb zu reuniren und zu vereinbahren. Und nachdeme
gedachten Königs unsers Groß-Herrn Vatters Intention, wegen seines so
plötzlichen Todfalls / nicht hat effectuirt werden können / auch die Execution
besagten Edicts unter währenden Minderjährigkeit deß Seel. Königs unsers
Hochgeehrten Herrn und Vatters glorwürd. Gedächtnuß durch neue Attentaten der
jenigen von ersagter vermeinten Reformirten Religion selbsten unterbrochen
worden / indem sothane neue Attentaten Anlaß gegeben / ihnen verschiedene
Vortheil / welche ihnen durch gedachtes Edict verwilliget waren / hinwiederumb
zu entziehen. So hat doch dessen ohngeachtet Weyland unser ersagter Herr und
Vatter seiner gewöhnlichen Clementz sich gebrauchet / und ihnen im Monat Julio
1629. zu Nismes noch ein neu Edict verwilliget / vermittels dessen / nach dem
nun ein neuer Ruhestand auffgerichtet worden / hat jetzt selig gedachter König
von eben demselbigen Geist und Eifer vor die Religion / welchen der König unser
gedachter Groß-Vatter gehabt / angetrieben / bey sich resolvirt / sich solchen
Ruhestandts zu bedienen / umd sein gottseel. Vorhaben werckstellig zu machen /
nach dem mahlen aber wenig Jahr hernach die Krieg mit den Außländischen
darzwischen kommen / also daß seithero 1635. biß auff den in Anno 1684. mit
denen Europäischen Fürsten geschlossenen Stillstand das Königreich wenig Zeit in
Ruhe gestanden / so ist unmöglich gewesen / zu Vortheil der Religion ein mehrers
vorzunehmen / als die Zahl deren / von den vermeinten Reformirten eingehabten
Religions-Exercitien zu verringern / und zwar durch Verbietung der jenigen /
welches zu Nachtheil deß Edicts auffgerichtet zu seyn sich befunden / und durch
Unterdruckung der von beeder Religion bestellten Justitz-Cammern / deren
Auffrichtung allein nur ad interim und biß auff weitere Erkäntnuß auffgerichtet
waren. Dieweil dann nun GOTT endlich verliehen / daß unsere Unterthanen einer
völligen Ruhe geniessen / und wir auch selbsten mit keiner Sorge beladen seynd /
sie gegen unsere Feind zu beschützen / daß wir uns diesen Stillstand haben
können zu nutz machen / welchen wir auch deßwegen befördert haben / umb uns
gäntzlich zu legen / den Mitteln nachzusinnen vorgedachter Könige / als unsers
Groß- und Herrn Vatters gehabtes Dessein ins Werck zu richten / wie wir doch bey
Eintritt unserer Regirung darauff bedacht gewesen / so befinden wir nun [65] mit einer rechtmässigen Erkäntnuß /
welche wir GOTT schuldig seynd / daß unsere gehabte Sorgfältigkeit zu einem
guten End außgeschlagen / angesehen der beste und gröste Theil unserer gedachten
vermeinten Reformirten Religion beygethaner Unterthanen / sich zu der
Catholischen Religion bekennet / und weiln dergestalt die Execution ersagten
Edicts von Nantes und allen dessen / so zu Vortheil der gedachten vermeinten
Religion verordnet gewesen / unbrauchbahr worden ist; Haben wir davor gehalten /
daß wir nichts bessers thun könten / umb die Gedächtnuß der Unruhen / Verwirrung
und Unheils / so das Wachsthumb diesers falschen Religion in unserm Königreich
verursachet / ersagtes Edict und andere mehr Edicten und Erklärungen / welche
demselben vorgangen / oder hernach gefolget / gäntzlich zu vernichten / oder
erwehntes Edict von Nantes und die particulier Articul, welche demselben zu
folge seynd verwilliget worden / auch alles das / so biß dahero zu faveur
ermeldter Religion geschehen / gantz und gar auffzuheben.
Fügen demnach zu wissen / daß wir sowohl aus ermeldem / als andern uns hierzu
bewegenden Ursachen / gutem wissen und aus Königlicher Macht und Gewalt durch
gegenwärtiges beständig und unwiderruffliches Edict abgethan und widerruffen
haben / thun auch ab und widerruffen deß Königs unsers Groß-Herrn Vatters zu
Nantes im Aprill 1598. ergangenes Edict mit seinem gantzen Innhalt / beneben
denen den 2. May darauff gefolgten und beschlossenen besondern Articul / so dann
denen darüber außgefertigte Patenten / und dann weiter / daß zu Nismes im Julio
1629. derhalben publicirtes Edict. Wir erklären dieselben vor null / und als
wann sie niemahln gegeben wären / sambt allen andern / denen von erwehnter
vermeinten Reformirten Religion sowohl durch diese als andere Edicten /
Erklärungen und Arresten / gegebenen Freyheiten / von was Natur sie auch seyn
mögen / welche ebenmässig geachtet seyn sollen / als wären sie niemahln ertheilt
worden. Wollen demnach hierauff / und ist unser Intention und Meynung / daß alle
in unserm Königreich / Land / Herrschafft und Gebieten / soviel unserer
Bottmässigkeit seynd befindliche / und denen so genanter Reformirten zustehende
Kirchen unverzüglich sollen niedergerissen und demolirt werden. Und verbieten
unsern ermeldten vermeinten Reformirter Religion zugethanen Unterthanen / sich
nicht mehr an einigem Ort oder privat-Häusern zu Verrichtung einiges Exercitii,
unter was Vorwand es auch seyn möchte / zu versam̅len / weniger
die Real-Ubungen oder deß Ambts / wann auch schon durch unsern Senat solches
verstattet / und gut geheissen worden wäre. Wir verbieten ingleichem allen
Herren / von was [66] Condition sie auch seyn
/ kein Relig. Exercitium in ihren Häusern noch Lehen-Gütern / von was Qualität
auch besagte Lehen seyn möchten / zu treiben / alles bey Straff der Confiscation
ihrer Leiber und Güter / gegen alle unsere Unterthanen / welche dieses Religions
Exercitium zu gebrauchen / sich unterfangen würden. Befehlen darauff allen
Pfarrern von erwehnter so genanter Reformirten Religion / welche sich nicht
bekehren / und die Römis. Apostol. Catholische Religion annehmen wollen /
innerhalb 14. Tagen nach Publication dieses unsers Edicts sich aus unserm
Königreich und Landen unserer Bottmässigkeit zu begeben / und nach solcher Zeit
sich nicht mehr darin betretten zu lassen / weniger aber in ersagter Frist der
14. Tagen / einige Predig / Vermahnung oder anderes Ambts-Geschäfft bey Straff
der Galleren zu verrichten. Wir wollen auch / daß die jenige Pfarrer / so sich
bekehren werden ihr Lebtag / wie auch nach ihrem Tod / ihre Witwen / so lang sie
im Witwenstand verbleiben / der Schatzungs- und Einquartirungs-Freyheilen / so
sie währenden ihres Pfarr-Ambts genossen / ferner geniessen sollen; wollen auch
noch darüber daß ged. Pfarrer / so lang sie leben/eines Unterhalts / welcher
sich ein Drittheil weiter als ihre gehabte Pfarrbestallunge erstrecken / auch
ihre Weiber / nach ihren Tod / so lang sie Wittwen seynd / der Helfft solchen
Tractaments sich zu erfreuen haben sollen. Auch dafern einer oder der ander von
gemeldten Pfarren ein Advocat zu werden verlangte / oder den gradum eines
Doctoris der Rechten annehmen wolte / wollen und befehlen wir / daß sie an denen
3. Jahren / welche von uns zu diesem Studio in unsern Verordnungen
vorgeschrieben seynd / verschonet werden sollen / und nachdem sie sich dem ord.
Examen unterworffen / und durch dieselbige tüchtig befunden worden / sollen sie
zu Doctorn angenommen werden / und nur die Helfft der jenigen Gebühren / welche
man gewohnet bey jeder Universität darvor anzunehmen / bezahlen. Wir verbieten
auch alle Particular-Schulen zu Unterweisung der Kinder in gedachter vermeinten
Religion / und insgemein alles das jenige / was einer dieser Religion zu favor
ertheilten Concession ähnlich seyn möchte. Die Kinder betreffend / welche denen
/ so der so genanten Reform. Religion zugethan seynd / gebohren werden / wollen
wir daß selbige hinführo durch die Catholische Geistliche in jeder Pfarrkirch /
getauffet werden sollen / befehlen auch allen Vättern und Müttern / selbige zu
dem End in die Kirchen zu schicken / bey 500. Livres auch grösserer Stroff / wer
dargegen handelt: und sollen folglichen die Kinder in der Römisch. Apostol.
Catholischen Religion aufferzogen werden / weßwegen wir dann allen und jeden
Orths Richtern hiermit außtrücklich befehlen / darüber steiff und fest zu
halten. Und [67] damit wir unsere Clementz
gegen unsere Unterthanen von ersagter vermeinten Reformirten Religion welche aus
unserm Königreich / Land und Herrschafften unserer Bottmässigkeit / vor
Publication dieses unsers gegenwärtigen Edicts sich auff eine Seit gemacht haben
möchten / spühren lassen. So wollen und befehlen wir / dafern sie innerhalb 4.
Monats Zeit à dato dieser Publication sich wieder zurück begeben / ihnen erlaubt
seyn solle / wieder in die Possession iher Güter einzutretten / und selbige also
zu gegeniessen / wie sie hätten können / wann sie allzeit darein ve???blieben
wären: Im Gegentheil aber sollen deren Güter / welche in gemeldter Zeit von 4.
Monaten sich in unserm Königreich / Land und Herrschafften unserer
Bottmässigkeit / welche sie verlassen haben / nicht wieder einfinden werden /
nach Innhalt unserer den 20. Augusti jüngsthin ertheilter Declaration,
confiscirt seyn und bleiben. Verbieten demnechst hiemit nochmahln und
außtrücklich allen unsern Unterthanen von gedachter vermeinten Reformirten
Religion daß weder sie / noch ihre Weib und Kinder aus unserm Königreich / Land
und Herrschafften unserer Bottmässigkeit weichen / noch ihre Güter und Effecten
wegschaffen mögen / denen Männern bey Straff der Galleren / und denen Weibern
bey Confiscation ihrer Leib und Güter. Wir wollen und befehlen auch / daß unsere
von der gegen die Römisch. Catholische Religion wider abfallende gegebene
Verordnungen nach ihrer Form und Inhalt exequirt werden. Im übrigen sollen die
von der vermeinten Reform. Religion / so die Römisch. Catholische Religion noch
nicht angenommen / in Erwartung / daß es GOTT gefalle / sie wie die andern
zuerleuchten / in denen Städten und Orthen unsers Königreichs und Landen unsere
Bottmässigkeit verbleiben / ihre Commercien ferner treiben / und ihre Güter
geniessen / ohne daß sie unterm Vorwand ersagter so ernanter Reformirten
Religion davon mögen beunruhiget oder verhindert werden / jedoch auff gemeldte
Maß und Weise / daß sie das geringste Exercitium oder Versamblung / unterm
Schein deß Gebetts oder Gottes diensts der ersagten vermeintlichen Reformirten
Religion / wie dasselbe auch Nahmen haben möge / bey obgedachter Straff der
hierauff unsern lieben getreuen Parlaments-Räthen /
Rechen-Cammern-Steuer-Gerichten / Ambtleuthen / Schöpffen / Schultheissen auch
übrigen unsern Richtern / Befehlhabern / und deren Unter-Beambten / so dieses
angehen wird / daß sie dieses unser Edict auff ihrem Rathhäusern / und in ihren
Gericht-Zwang verlesen / publiciren / und ad acta bringen lassen / darüber von
Puncten zu Puncten halten / selbige beob [68] achten / und observiren / und weder selbst dargegen handlen
/ noch gestatten / daß auff einigerley Weiß von andern dargegen gehandlet werde
/ dann dieses ist unser Will und Meynung. Und damit dieses alles fest und
beständig verbleibe / so haben wir unser Secret Infigel an diesen Brieff drucken
lassen. So gegeben zu Fontaineblau im Monat Octobr. 1685. und unserer Regierung
im 43. Jahr.
Als bey diesem Verlauff die noch ohnbekehrte nunmehr innen worden / daß das Edict
zu Nantes als die Haupt-Stütze ihrer Religion zu boden geworffen / und bey noch
längerer Verharrung ihres Ungehorsams sie in die Königliche Ungnad verfallen /
und also der Dragoner Discretion übergeben werden möchten / haben sie sich
kurtzumb resolvirt / und eine Stadt nach der andern sich zur Catholischen
Religion bekennet / wormit es so weit gekommen / daß biß dato im Königreich
Franckreich wenig eingebohrne Reformirte mehr / so sich offentlich zu dieser
Religion bekennen / zu finden seyn werden / obzwar nicht zu zweifflen ist / daß
noch viel im Hertzen daselbst Reformirt seyn mögen / ob sie gleich mit dem Mund
den Catholischen Glauben profitirt haben; bey sothaner der Sachen Beschaffenheit
/ als Jhro Päbstl. Heyligkeit von dem Hertzog de Estrees Frantzösischen
Ambassadeur benachrichtiget worden / was massen der Aller-Christlichste König
nicht allein die Edicten von Nantes und Nismes widerruffen / sondern auch die
Reformirte meistentheils zum Catholischen Glauben gebracht / hat Sie sich
darüber sehr erfreuet und Jhre grosse Vergnügung über ein so herrliches Werck
desto mehr zu contestiren / hat selbige folgendes Handbriefflein an Se. Majest.
abgehen lassen.
Unserm in Christo geliebten Sohn / dem Aller-Christlichsten König in Franckreich.
Geliebter Sohn in Christo! unter andern Gezeugnussen / wormit Euer angebohrne
Majestätische Gottesfurcht überhäufft gezieret / leuchtet auch herfür der
besondere / und einem solchen König wohl anständiger Religions-Eifer / womit ihr
insonderheit begabt seyt; dann ihr habet gantz und gar die Ketzer / und welche
solche Parthey defendirt / abgeschafft / und sehr weise Decreta zu
Fortpflantzung der wahren Religion excradirt; Kurtz ihr habt alles wohl gerathen
/ wie uns unser auch geliebter Sohn der Edle Hertzog de Estrees Ew. Ambassadeur
an unsern Stul hinterbracht. Nun erachte meines Ambts zu seyn / durch eine
herrliche Gezeugnuß euer innerliche angebohrne Gottesforcht weit und breit zu
recommendiren / welche Ihr bißher dermassen an Tag geleget / daß man darüber
sich zu erfreuen und Glück zu wüntschen Ursach habe. [69] Es wird die Catholische Kirch euer so
grosses Werck der Gottesforcht gegen dieselbe allezeit im frischen Andencken
haben / und euern grossen Namen mit unsterblichem Lob ausbreiten. Die Gütigkeit
Gottes wird solchen heylsamen Rath (glaubet nur gewiß) vergelten / und seyt
versichert / daß wir zu dem höchsten GOtt allstäts unser Gebet vor euch
ausschütten werden. Das übrige werdet ihr von unserm hochwürdigen Nuntio, dem
Fe???nensischen Ertz-Bischoff zu vernehmen haben / indem derselbe E. Maj. den
Apostolischen Segen geben wird. Datum Romae d. 13. Nov. 1685. Pontificatus
Maximi Anno Decimo.
(Denë Evangelischen werden grosse Freyheiten
versprochen / so den Catholischen Glauben annehmen.) Bey so gutem
Fortgang deß Religions-wercks war der König weiter bedacht / nicht allein die
Reformirte / sondern auch die in seiner devotion sich befin dende Evangelische
mit der Catholischen Kirchen wieder zu wereinbahren; zu dem Ende grosse
Privilegia und Freyheiten den jenigen zugesagt worden / so in einer gewissen
Zeit ihren Glauben abandoniren, und sich zu dem Catholischen bekennen würden /
wovon mir nachgesetztes zu handen kommen.
Frantzösische Ordonnantz / worinnen hauptsächlich denen ???der Grafschafft
Mümpelgart / und den Land- und Herrschafften Charelot. Hericourt, Blamont und
Clermont wohnenden Evangelischen / so zur Catholischen Religion tretten wollen /
ein sicherer Einzug / Auffenthalt / und Befreyung von allen Anlagen und
Einquartirungen auff 10. Jahr in der freyen Grasschafft Burgund angewiesen wird.
(Ein Frantzös-Ordonnantz deßwegen in Druck
gegeben.) Im Namen und auff Befehl Er. Maj. deß Königs von Franckreich
soll hiermit Claudius de la Fond, Ritter und Herr zu Beurriere, Forte, Gilbert
und Limezii, Königlicher geheimbder und Supplications-auch obrister
Justitz-Policey-Cammer- und Kriege-Rath in der freyen Grafschafft Burgund
offentlich anfügen / wie daß höchst-erwehnte Se. König. Majest. nachdeme sie
durch verschiedentlich heraus gegebene Declarationes ihre der Reformirten
Rellgion zugethane Unterthanen / welche von dieser Religion sich ab und zu der
Cathol. Apostol. Röm. wiederkehren / die Befreyung und exemption von allen
Königl. Auff- und Anlagen / wie nicht weniger Einquartirung der Soldaten auff 3.
gantzer Jahr / von dem Tag ihrer Bekehrung anzurechnen / vergünstiget / und
zugesagt: und dieses [70] zwar auff
unterthänigstes seit kurtzer Zeit her Sr. Majest. beschehenes referiren / daß
nemlichen ein mächtige Anzahl von erwehnten Reformirten Religions-Verwandten (so
nach dem Beyspiel und Vorgang unzehlicher Personen / welche dieses Jahr diese
Secte verschworen / und davon sich abgesondert haben) dermalen erkenneten / daß
ihre Vorfahren gar zu leichtsinnig von der wahren Kirchen abzusondern / sich
hätten bereden lassen / und dannenhero entschlossen von Hertzen gern
wiederzukehre??? wann Jh. Majestät nur einen bequemen / sichern und ruhigen Ort
zu ihrem Auffenthalt ihnen gnädigst anzuweisen geruhen möchten: Endlichen durch
eiferige Begierde wieder zu ruffen / und der Kirchen einzuverleiben / alle die /
so sich dißhero davon entfernet gehabt (welches dann Zeit-währenden Friedens
Ihrer Majest. meiste Verrichtung gewesen) auch bewogen worden / uns gemessen
anzubefehlen / Ih. Maj. intention hierunter kundt zu machen; zu dessen
unterthänigster Folge dann wir am 15. Novemb. letzthin eine Ordonnantz heraus
gegeben / krafft welcher wir denen ausländischen Religions-Verwandten
vergünstiget / sich in der freyen Grafschafft Burgund häußlich niederzulassen /
und versichert / daß falls sie zwey Monat nach ihrer Einrichtung sich bekehren
würden / sie von allen Königl. Auff- und Anlagen / auch Einquartierungen / wie
nicht weniger allem dem / was bey den Gemeinden zu entrichten / 10. gantzer Jahr
sollen befreyt und exempt seyn. Zumalen aber offt höchst-erwehnie Jh. Königl.
Majest. von dieser Gnade insonderheit allen in dem Bezirck der Grafschafft
Mümpelgart / und der Länder und Herrschafften Chatelot, Hericourt, Blamont und
Clermont sich befindlichen der Reformirten Religion oder auch der Augspurgischen
Confession zugethanen Inwohnern / so sich zu der Apostolischen Catholischen
Römischen Religion entweder schon bekehret / oder aber noch dazu sich bekehren
würden / communication zu thun gemessen anbefohlen; Als können wir nach
Anweisung und in krasst solcher Sr. Königl. Majest. Ordre / auch erwehnter
unserer Ordonnance vom 5. Novemb. letzthin / worinnen ermeldtes Privilegium der
Befreyung oder Exemption, welches wir obgemeldten neubekehrten Leuten / durch
unsere am letzten May 1685. ausgelassene erstere Ordonnance, gegeben / auff 3.
Jahr lang würcklich erweitert / nicht umbhin / hiemit zu verordnen / daß alle
und jede / so in erwehntem Bezirck der Grafschafft Mümpelgart / und der Länder
und Herrschafften Charelot, Hericourt, Blamont und Clermont, wohnhaffl /
entweder der Reformirten Religion / oder aber der Augspurgischen Confession
zugethane sich befindende Manns- und Weibsbilder / sie seyn gleich allschon
wiedergekehret / oder wollen sich noch ins künfftig zu der
Apostolisch-Catholisch-Römischen Religion bekennen / wann [71] sie nur würcklich und von Hertzen sich
bekehren / und bey dem wahren Catholischen Glauben (welches uns dann am besten
durch die Pfarrer oder Priester / so ihnen die Heil. Sacramenten reichen / wird
kundt können gemacht werden) sich eiferig bezeigen / und beständig beharren /
sollen 10. gantzer Jahr (so von dem Tag ihrer Bekehrung an zu rechnen) von allen
Königlischen Auff- und Anlagen auch Einquartierungen befreyet und exempt seyn.
Einfolglich inhibirn und verbieten wir auch hiermit ernstlich allen
Ober-Burgermeistern / verständig und ehrlichen Leuten / auch geschwornen Burgern
der Orten / wo sie sich auffhalten / sie mit einigen obvermeldler Königl. Auff-
und Anlagen / auch Einquartirungen bey willkührlicher Straff und Erstattung
alles Schadens erwehnter Neubekehrten / nicht zu belegen. Damit aber gleichwol
die zur Apostolisch. Catholisch-Römischen Religion Bekehrte / mehrermeldter
Befreyung und Exemption desto füglicher sich mögen zu erfreuen / auch die
berührten Obrigkeiten Wissenschafft von ihrem Bekehren haben / so sollen sie
(Bekehrte) gehalten seyn / denen Obrigkeiten die Verfassung ihres Widerruffs
abschrifftlich zu verfertigen; wie dann / und damit niemand einige Unwissenheit
wird vorzuschützen haben / gegenwärtige Ordonnantz in denen
Mümpelgart-Charelot-Hericourt-Blamont- und Clermontischen Regierungen offentlich
soll abgelesen / und unverweilt publicirt / auch aller Orts / wo es die Noch
erfordert / soll angeschlagen werden. Geben zu Bisantzi. Dergleichen
Ordonnantzen seynd an mehrern Orten deß Königreichs publicirt worden / nichts
desto weniger haben sich viele gefunden / so lieber ihr Vatterland quittiren /
und ihre Güter dahinten lassen wollen / als die einmal von Kindheit an bekandte
/ und gleichfalls mit der Muttermilch eingesogene Religion zu changiren / weilen
aber alle Päß in Franckreich aufls beste vesetzet worden / ware sehr schwehr
durchzukommen / doch gleichwol seynd einige échappirt, die meiste aber an den
Pässen gefänglich angenommen worden / wie dann von Pariß Nachricht einkommen /
daß in dem (Fortsetzung deß Reformationswesens in
Frauckreich.) Delphinat viele Dames sich in Mannskleyder gestecket /
und sam̅t einigen Manns???personen eine Parthey von 80. Köpffen
ausgemacht / folgends an einem Paß sich durch die Königl. Dragoner geschlagen /
und den Officier mit einer Pistol todt geschossen / sie seynd aber hernachmals
doch in dem Lothringischen erhaschet / und gefänglich nach Grenoble gebracht
worden / allda ihnen das Parlament den Proceß formiren will / hat aber erst gen
Hoff geschickt / zu vernehmen / was sie für ein Recht sprechen sollen / weil
dergleichen Vorfälle in keinen Rechten / so lang die Welt gestanden /
beschrieben ist. Zu Nantes hat man einige Reformirte Weibs-personen we???en
ihrer [72] Hartnäckigkeit in die Klöster
verschlossen / und glaubt man nun / daß in wenig Tagen nicht ein einige mehr
sich daselbst wird Reformirt nennen dörffen. Man fügt darzu / daß die neulich
Bekehrte allda einen Prediger haben / welcher ihnen das Wort Gottes auff eine
solche Weiß auslegt / die mit ihrem vorigen Gottesdienst sehr genau überein
kom̅t / indem er ihnen nicht von Anruffung der Heiligen / dem
Fegfeuer / oder der wesentlichen Gegenwart im H. Sacrament / noch von den andern
vornehmsten Puncten / welche die Protestanten in der Römischen Kirch verwerffen
/ prediget; dieser Geistliche heist Pater Pollet, ein im gantzen Reich berühmter
Mann / welcher auff diese Manier unter den neulich Bekehrten grosse Reputation
überkommen (Viel??? fürnehme Herren nehmen die
Catholische Religion an / andere salviren sich.) wird. Der Herr de
Immecourt, Maistre de Camp von der Cavallerie ist mit 9. seiner Söhnen / welche
alle in Diensten seynd / anhero kommen / und wird gesagt / daß er in proesentz
Sr. Königl. Majest. die Religion abschwören wolte. Bey jüngster rencontre, da
sich einige flüchtige Reformirte durchgeschlagen / seynd unterschiedliche todt
blieben / und ein Rathsherr von Metz nebst 6. andern gefangen worden / welche
dem Bericht nach als Deserteurs sollen gestraffet werden / die übrigen alle
haben sich salvirt / man hat aber einen Bagage Wagen von ihnen und darauff
12000. Gulden contant bekommen / welche dem Bericht nach halb unter die neulich
Bekehrte / und halb unter die Unterrichter sollen ausgetheilet werden. Sonsten
hat man nunmehro die Ursach / warumb man unlängst die zwey Gefangene aus der
Pfaltz anhero gebracht / entdeckt / daß nemlich der Kauffmann (Der arrestirte Kauffmann von Mannheim wird vor
unschuldig gebalten.) gegen das Leben deß Königs conspirirt haben
solle / welches gleichwol unwahr befunden / dann es seynd diese calumnien durch
den andern seinen Mitgefangenen / so ein verwegener Schelm ist / welcher auch
schon vormals einen andern Reformirten reichen Kauffmann von Armstatt / so sich
ein geraume Zeit daselbsten auffgehalten / dergleichen Laster beschuldiget / umb
sich an selbigem zu rächen / aus Ursach / daß derselbe ihn (welcher sich damals
vor einen Reformirten vornehmen Frantzös. Herrn ausgegeben) seine Tochter nicht
hat wollen heyrathen lassen / fälschlich ausgesprengt worden. (Erzehlung deß Verlanffs von dieser angedichten
Verrätherey) Dieser leichtfertige Vogel begab sich darauff / umb sein
Vorhaben desto besser auszuführen / zu dem Frantzös. Ambassadeur am Churfürstl.
Hof zu Pfaltz / und machte ihm bekandt / daß dieser Kauffmann von Mannheim gegen
die Person deß Königs conspirirt hätte / da er dann so viel particularitäten
vorzubringen gewust / daß besagter Herr Ambassadeur nöthig zu seyn urtheilte /
dem König hiervon Nachricht zu geben / worauff man alsobald einen Wechselbrieff
von 1500. Rthlr. übermachte / umb besagten Kauffman̅ zu
arrestiren; So bald dieser Verräther das Geld empfangen / gieng er zu [73] oben-gedachtem Kauffman̅
/ zeigte ihm solches / und bate und bewog ihn mit auff einen sichern Jahrmarckt
zu gehen / und die Wahren / so er willens wäre einzuhandeln / ihme helffen
einzukauffen / weil er sich nicht recht darauff verstünde / worauff man also
diese beyde mit einander unterwegs arrestirt / und gefänglich anhero gebracht
hat / man zweiselt aber nicht / daß besagter Kauffmann / welcher vollkommen
unschuldig befunden wird / ehistens absolvirt / und hingegen der ander als sein
Verräther wegen solcher falschen Beschuldigung (Achzig
der fürnehmsten Bürger in Pariß werden Catholisch.) zum Tod wird
condemnirt werden. So bald 80. von den vornehmsten Burgern und Banquirs dieser
Stadt in einer unterschriebenen Acte versprochen hatten / von der Reformirten
Religion abzufallen / hat Mons. de Saignelay alsobald solche Zeitung dem König
überbracht / welcher darüber sich sehr vergnügt zu seyn bezeuget / und also zu
ihm gesprochen: (Duc de la Force und Marschall de
Scho???berg wollen nicht abschwören.) Mons. de Saignelay, ihr seyd ein
guter Mifsionarius. Mit dem Duc de ??? Force und Mons. le Marschall de Schomberg
aber gieng es sehr schwehr daher / selbige zu Abschwörung ihrer Religion zu
bewegen / und weilen diese Leut sich umb das Königreich Franckreich in vielen
Begebenheiten sehr meritirt gemacht hatten / wolte der König wegen ihrer
treuaeleisten Dienst sie nicht gleich anfangs par force zu amplectirung der
Catholischen Religion anhalten / wie er sahe / daß selbige steiff auff ihren
einmal bekannten Glauben beharreten / wurde er etwas ungedultig / citirte
selbige / und redete sie folgender massen an:
(Deß König??? Rede an dieselbe.) Ihr Herren / wie
ich siehe / so bezeiget ihr euch viel halstarriger als andere / euch nach meinem
Willen zu bequemen / welcher dieser ist / daß ich gäntzlich und schlechter dings
haben will / daß ihr unverzüglich und ohn einigen Auffschub zu der Catholischen
Religion tretten sollet / alldieweilen unter allen nur ein einiger wahrer Glaube
ist / und wisset ihr / datz ich hinfüro / es mag auch gehen wie es immer will /
nur ein einige Religion in meinem Königreich gedulten wolle. Dannenhero und deme
zu folge / sollet ihr euch entschliessen / euch hierzu zu bequemen / und euch
durch so viel Proelaten und Theologen / welche gantz tüchtig und geschickt seynd
/ euch euern irrigen Wahn zu benchmen / unterrichten zu lassen / und mir nicht
Anlaß zu geben / das jenige wider mein Vorhaben vorzunehmen / was ich
zweisels-frey nicht gern thun werde / euren gantz eigensinnigen Kopff / wie ich
solchen nicht anderst nennen kan / zu brechen.
Ihre Antwort:
Sire, Was können oder sollen wir dargegen sagen / wir seynd in E. Majest. Händen
/ und das alles / was nur immer von der Welt gesche [74] hen kan / betrifft / so werden
wir uns nimmermehr von dem Gehorsam und Pflicht / so wir E. Maj. schuldig seynd
/ entziehen. Es wollen aber E. Maj. allergnädigst bedencken / daß die Gewissens-
und Religions-Sachen (Jhre Antwort.) GOtt allein
zugehören / worüber man ihme Red und Antwort geben soll / und sich also kein
Mensch derselben anmassen soll / also daß E. Maj. nicht begehren wird / daß wir
wider unser Gewissen / und solcher gestalt auch zugleich wider unsere Ehre
handlen. Denn es geschicht gewißlich auß keiner Eigensinnigkeit / noch irgend
aus einem menschlichen oder weltlichen Absehen / daß wir E. Maj. Willen und
Besehl nicht erfüllen können / sondern einig und allein aus dieser Ursach / daß
wir annoch biß auff diese Stunde / ungeachtet alles dessen / was man uns gesagt
/ und zu Gemüth führen wollen / nichts desto weniger dessen in unserm Gewissen
nicht also überzeuget seyn / als von welchem wir GOtt allein / vor deme wir /
wegen unsers hohen und abgelebten Alters bald zu erscheinen haben / werden
Rechenschafft geben / und seinen Zorn höher achten müssen / als alles das / was
in der gantzen Welt zu fürchten seyn mag. Dannenhero ersuchen Ew. Majest. wir in
tieffster Demuth und sußfälligst / die geruhen allergnädigst / uns die noch
wenige übrige Tage / so wir noch zu leben haben / bey der Freyheit unsers
Gewissens und unserer Religion zu lassen / und uns an demselben keinen Gewalt
anthun / sondern uns einen Weg wie den andern für dero allerdemüthigste und
getreueste Diener zu halten / bey allem deme / was für das Heiligste und Höchste
gehalten werden mag / betheurend / daß wann wir in unserm Gewissen eines andern
beredet befinden werden / wir mit Freuden die Warheit und Gelegenheit / E. Maj.
Verlangen ein Gnügen zu thun / annehmen wollen. Es ist aber der Glaub / wie die
bescheidene Herren Geistliche Ew. Majest. selber sagen werden / ein für allemal
ein Gnadengeschenck Gottes / von welchem man die Erleuchtung erwarten muß.
Man kan zwar nicht eigentlich wissen / was für eine Antwort der König ihnen
darauff mag gegeben haben / allein sie seynd mit einem sehr bewegten und
verwirrten Gesicht aus dieser Audientz gegangen. Dann vielleicht hat der König
zu ihnen gesagt / ob sie sich dann klüger / als so viel heilige Altvätter / und
alle unsere Vor-Eltern vor zweyhundert Jahren / und so viel fromme und gelehrte
Geistliche und Theologi deß Königreichs / wie auch weyland der Marschall von
Turenne gewesen / zu seyn bedüncken liesen / welcher doch anderst nicht / als
nach einem sanfftmüthigen und sittsamen Unterricht endlich der Warheit und
Vernunfft statt und Platz gegeben. Scheine also / daß sie bloß umb deßwillen
ihnen bey den Ihrigen [75] einen Ruhm zu
erwerben / und sich in grosses Anschen zu bringen / so widerspenstig erzeigten.
(Pariß vom 2 Jannuar.) Was ferner im Königreich
Franckreich diesen Monat hindurch passirt / werden folgende Briest von Pariß
erklären / welche bringen / daß ein Reformirter Prediger Rosemund genant /
welcher von dem Römischen zu dem Reformirten Glauben sich vor diesem gewendet /
und nun seine Religion nicht wieder ändern wollen / ist wie man sagt / gehenckt
worden. Der König hat mit dem Marschall de Schomberg zum andernmal Unterredung
gepflogen / was solches würcken werde / muß die Zeit lehren. Der König hat die
Einkommen von den confiscirten Gütern noch niemand gegeben / sondern will
dasselbige ad pias causas verwenden. Man sagt / daß noch diesen Monat ein
Confiscation-Edict wider die halstarrigen Reformirten heraus kommen werde. Dem
Provost-Leutenant zu Lyon wird allhier der Proceß gemacht / weil er den
Reformirten zu entfliehen behülfflich gewesen. Von Rom wird ein Bulle erwartet /
zu Auffrichtung einer gewissen Anzahl Jungfrauen / welche Canonicae oder
Dohmfrauen genennet werden / und das Bildnuß deß H. Ludovici auff ihrer Brust
tragen sollen. Seit jüngstem haben noch einige Reformirte ihre Religion
verlassen / und sagt man / daß alle / die auffs eusserste beständig bleiben /
gefangen gesetzt / und nicht wieder loß gelassen werden sollen / als mit der
Bedingung / daß sie nur grobe Kleider / die Röcke an der einen Seiten grün / und
an der andern Seiten gelb / und gelbe Hüt / und die Frauens-personen auch
dergleichen Zeug tragen / die Jungfrauen nicht heyrathen / oder Erbtheil
besitzen mögen / davon doch noch mehr Gewißheit abzuwarten stehet. Daß der
Marschall de Schomberg auch wancken solle / streuen die jenigen aus / die es
(Mons Fremont ist ??? gebrauchte Finte gelungen /
und ist glücklich échappite.) gerne sehen / aber es ist noch wenig
apparenz darzu. Mons. Fremont ist glücklich entkom̅en / er hatte
sich als ein Officier gekleydet / und einig Volck so wie die Leibquarde
gekleydet zu sich genommen / und als er an das Ther kommen / fragte er / ob
einig Volck vorbey gangen / und als die Wacht mit Ja antwortete / und daß sie
gute Paßporte bey sich gehabt / hat er gesagt / daß die Paßporten falsch gewesen
/ und er sie zu verfolgen Ordre habe / darauff ihm und andern das Thor geöffnet
/ und ihm also der Weg zu seiner Retirade gebahnet worden. Der König hat dem
Cardinal de Bouillon den Winter in den Insuln von Hieres zuzubringen vergön̅et. Man sagt viel von einer Reise deß Königs gegen bevorstehenden
Frühling nach dem Elsas.
(Hn. Misson werden 100. Dragoner zur Guarnison ins Hauß
gelegt.) Die Herren de Touchimber???g sitzen noch in der Bastille /
werden mit Wasser und Brod gespeiset / und wird niemand zu ihnen gelassen. Der
Herr Misson Rathsherr im Parlament zu Pariß hat eine Guarnison von 100. [76] Dragonern in seinem Hauß / welche
dasselbe umbreissen sollen / dafern er nicht seine Religion changiren will. Die
Prediger von Orange seynd unter einer starcken Wacht nach Valencin gebracht /
woselbst sie sehr genau / daß niemand zu ihnen kommen darff / bewahrt werden.
Die Dragoner seynd auch wieder nach dem Fürstenthum Orange marschirt / umb die
Einwohner in die Meß zu zwingen / weil man aber weiß / daß der König von diesen
üblen proceduren keine rechte Wissenschafft hat / so glaubt man / daß einige
frembde Potentaten bey dem König intercediren werden / damit die gefangene
Prediger loß gelassen / und die Dragoner auch mit ihren gewöhnlichen excessen in
selbigem Fürstenthum einhalten mögen. Aus Poictu wird geschrieben (Verfolgung der Reformirten in Poictu wie auch in
Rouan.) / daß die Dragoner daselbst noch sehr grausam verfahren / indem
sie einen ehrlichen alten Edelmann / seinen Glauben abzuschwören / verpflichten
wollen / weil aber ihre gewöhnliche Mittel fruchtloß gewesen / haben sie diesen
Edelmann in ein Begräbnuß-Gewölb geschlossen / und nach einiger Zeit aus diesem
gefährlichen Ort wieder heraus genom̅en / weil er aber gleichwol
noch beständig blieben / haben sie ihn endlich / jedoch in solchem Stand
verlassen / daß man an seiner Auffkunfft zweifelt. In Rouan seynd noch 13.
Reformirte Familien / einer davon / so am letzten changirt hat / ist durch 80.
Dragoner darzu gezwungen worden / nachdem er die Plage von 22. bereits eine
geraume Zeit ausgestanden / auch man ihme seine Frau in das Kloster hinweg
genom̅en hatte / so man nachgehends wieder zu ihme gelassen /
9. von seinen Kindern aber seynd vorhero bereits hinweg geflüchtet gewesen / und
weiß man nicht / wo solche mögen hinkommen seyn. Man sagt noch im̅er / daß der Pabst eine Statue vor unsern König wolle auffrichten lassen /
weil derselbe (Vnd zu Bordeaux.) die Ketzer aus
seinem Reich vertilget habe. Von Bordeaux wird geschrieben / daß
unterschiebliche vornehme und bekandte Familien vor kurtzem sich wieder von
dannen reterirt / ungeachtet sie die eusserliche Abschwörung schon vorlängst
gethan / und finden sich einige darunter / welche alles / auch wol für 100000.
fl. ohne die ligende feste Güter hinterlassen haben / die Ursach dessen soll
seyn / daß man nicht auffhöret dieselbe zu travalliren, und in die (Zu Rochel will ein 80. jähriger Mann auff seinem Tod.
bett nicht auff Catholisch communicren???.) Meß und zur Procession zu
zwingen. Man sagt allhier viel von einem 80. jährigen Man̅ zu
Rochel / welchem man auff seinem Todbett die Hostie nicht hat einzwingen können
/ und als selbiger gestorben / seye sein Leichnam nackend auff einer Horde
hinaus geschleifft / und als ein Aas weggeworffen / solcher aber nachgehends
endlich noch von seinen Freunden begraben worden. Sonsten hat man in dieser
Stadt anbefohlen / daß alle umbschwebende Personen durch das gantze Land / bey
unausbleiblicher Straff der Galleren / vor der General-Procession ein jeglicher
sich nach seiner eigenen [77] Provintz
begeben solte. Die Außrüstung nach der Mittelländischen See ist contramandirt /
und spargirt man / als ob die Differentzien / wegen deß Segelstreichens zwischen
denen Cronen Franckreich und Engelland verglichen (Anßrüstung der See-Flotta.) und beygelegt seyn solten. Aus Proventze
wird geschrieben / daß die Königliche Galleren beynahe alle außgerüstet wären /
und daß die 6. Kriegs-Schiffe ehistens von dannen zu Segel gehen solten / ohne
daß man noch weiß / wohin deren Lauff gerichtet seyn mag; man präpariret deren
noch 20. andere in verschiedenen See - Häfen dieses Königreichs / welche nach
den Ocean destiniret seynd. Verschiene Woche hat man einen Schweitzer die Zunge
außgerissen / in dessen Gegenwart ins Feuer geworffen / und ihm hernach
arquebusirt / weiln er / wegen der Verfolgung / wie man (Eine Declaration publici???rt.) sagt all zu kühn
geredet haben solle. Dieser Tagen ist eine Declaration folgenden Innhalts
publicirt worden / daß hinführo an den Orthen / wo Reformirte sterben / die zwey
nechsten Freund oder Nachbahrn bey Straff einer willkührlichen Geldbusse dem
Richter jedes Orths davon (Rennes und Senlis zwey
Bißthüm er werden Römisch - Catholisch.) Nachricht zu geben / gehalten
seyn sollen. Alle Reformirte in dem Bischoffsthumb Rennes haben ihre Religion
verändert / weßhalben das Te Deum laudamns gesungen worden. Die vornehmsten
Reformirten in dem Bischoffthumb Senlis haben ihren Glauben verlassen. Der König
ist Vorhabens / eine gäntzliche Reformation in der Justitz und
Gerichts-Processen zu machen / und dieselbigen zu verkürtzen. St???. Majest. hat
das Jährliche Recht denen Herren von Chatelet remittirt / in Ansehung der
Dienste / so sie in Bekehrung der Reformirten erwiesen / und dem Commissario la
Mare, welcher sich vor andern in dieser Gelegenheit trefflich gebrauchen lassen
/ eine jährliche Pension von 1000. Pfund zugeleget. Ein Edelman Nahmens Beineaux
ist wegen der Religion in die Bastille gesetzt. Mons. Dettervall Rath in dem
Hoff hat in St. Eustachii Kirchen seine (Aus Pariß vom
s. ???) Religion verlassen / und nach der Römischen Weise mit grosser
Magnificentz communicirt. Madame la Marquise d' Allegre hat einen Sohn zur Welt
gebohren / so einmahl ein gar reicher Erb werden kan. In der Christnacht haben
sich 10. à 12. Gefangene aus dem Fort Eveque mit der Flucht salvirt / worunder
ein Königlicher Secretarius und ein Pfacht-Mann von denen 5. grossen Pfachtern
gewesen; sie haben ein Loch durch die Mauer gemacht und seynd auff eines
Procureurs Stiegen kommen (Pohlnischer Ambassabeur
wird bey seiner ???breiß herrlich beschencket.) / und haben die Thüre
/ so auff die Gassen gienge / zerbrochen. Der Pohlnische Ambassadeur ist von
hier abgereist / umb nacher Pohlen zu kehren; welchen hiesiger Hoff sehr
herrlich mit Geschencken regaliret / und grosse Ehr erwiesen hat. Man sagt / daß
Se. Aller-Christlichste Maj. zu dero [78] Ambassadeur in Pohlen / den Marquis de Bethune ernennet habe. Ein Englisch
Schiff mit Brandewein beladen / so von Bourdeaux mit einigen protestirenden
Familien abgeschiffet / solle ins Feuer gerathen / und mehr nicht / als ein
einiger Bootsknecht mit dem Leben davon kommen seyn. Deß Churprintzens zu
Sachsen Hochfürstl. Durchl. seynd in hiesiger Stadt angelangt. Die Marquisin von
Courcelle ist vor 2. Tagen gestorben. (Eine doppelte
Heyrath zwischen Portugall und Reuburg ist im Vorschlag.) Brieff von
Lisabonna melden / ob hätten die Spannier einen doppelten Heyrath zwischen den
König von Portugall / und einer Churpfältzischen Princessin / und zwischen der
Infantin von Portugall / und Printzen von Pfaltz-Neuburg in Vorschlag gebracht;
deme man zufügt / daß das Hertzogthumb von Bragance und 100000. Rthl. so die
Spannier versprechen / jährlich zu bezahlen / zum Heyrathsgut solte gegeben
werden / und wann der König ohne Kinder würde sterben / der Printz von Neuburg /
der die Infantin heyrathen solle / Successor von der Cron solte werden / alsdann
die Spannier von der Pension / die 100000. Rthl. zu bezahlen / ex???mirt bleiben
sollen / was daran / lehret die Zeit. Man hat der Madame Gantina gewesener
Aufwärterin der Königin in Spannien / so vor kurtzer Zeit anhero kommen / ein
eigen Zimmer eingeraumbt / umb darinnen die übrige Zeit ihres Lebens zuzubringen
/ weiln sie doch wegen außgestandener Tortur in Spannien die gerade Glieder
nicht wieder überkommen wird / massen sie weder (Den
Protestirenden und ueubekehrten werden ihre Bibeln abgefordert und
verbrant.) gehen / noch eine Hand an den Mund bringen kan. Es wird von
vielen Orthen geschrieben / daß sowohl die noch übrige Protestanten / als jüngst
bekehrte gezwungen werden / ihre Bibeln und andere Bücher / so von der Religion
handlen / denen ordentlichen Priestern oder andern / die dazu committirt werden
/ zu überliefern / damit solche mögen verbrandt werden. Sonsten ist jüngst hier
vor etwas seltzames anhero berichtet worden / daß vor wenig Zeit sich ein
grosser Adler zu Straßburg auff dem Münster habe sehen (Holländis. Ambassadeur begehret Paß. porten vor die Unnaturalisirte
Holländer.) lassen / welches aber allhier wenig geachtet wird. Der
Holländische Ambassadeur hat abermahln Instantzen gethan und angehalten /
Paßporten vor die Unnaturalisirte Holländer / so sich in diesem Reich befinden /
zu bekommen / solle aber zur Antwort erhalten haben / daß Se. Königl. Majest.
geneigt wäre / die mit denen General - Staaten gemachte Tractaten zu observiren
und zu beobachten; Aber wegen denen entstandenen Religions-Unruhen / hätte man
noch nicht können beschliessen / Paßporten an die Familien / welche sich allhier
nidergelassen / und gesetzt haben / zu geben; daß auch Se. Majest. Sorge tragen
werde / damit ins künfftige man keine Ursach zu klagen haben solte / sonderlich
wegen der Commercien / und daß auff die Principal - Sach noch 2. à 3. Monaten
müsten abgewartet werden.
|| [79]
Ihro Majest. sollen sehr vor übel auffnehmen das Schreiben deß Holländischen
Consul zu Nantes Mons. de Bye an die General-Staaten: Indeme man sagt / daß Se.
Majest. wegen deß üblen Tractaments ihme angethan / Information hätte nehmen
lassen / und so gar arg nit befunden hätte. Auff den 15. à 16. dieses soll der
Holländische Ambassadeur Herr von Starenberg wegen seiner eigenen Geschäfften
eine Reiß nach den Haag (Pariß von s. dito.)
thun wollen. Man sagt / daß der hier angelangte Chur-Printz von Sachsen / die
Fasten über in dieser Stadt verbleiben werde. Die Dragoner / welche vor kurtzer
Zeit allhier arrivirt / umb die Reformi???te zum Abfall zu zwingen (Die Dragoner werden den Protestanten zu Pariß
einfouriert.) / bleiben bey denselben theils noch einlogirt / viel
aber haben sich wieder zurück begeben müssen / weiln sie solchen falls wegen so
geschwinder Bekehrung ihren Muth nicht haben kühlen können. Von Lyon wird
geschrieben / daß die Reformirte daselbst mit grosser Gewalt zu Abschwörung
ihrer Religion noch immer angestrenget werden. Von Monpellier hat man / daß in
der Nähe selbiger Stadt ungefehr 20. Reformirte / so ihren Gottesdienst im
dunckeln und verborgen verrichtet / ertappet / solcher Ort aber alsobald rasirt
worden / ohne daß man noch wissen möge / zu welcher Straff sie verurtheilet
werden mögen / wie auch die jenige / deren 29. an der Zahl / und nahe (Viel Reformirte suchen sich zu salviren werden aber
erhaschet und theils übel ???elohnet.) bey Piemont gefangen / und
ebenfalls dahin gebracht worden / deßgleichen hat man noch 31. Persohnen / so
über Rochelle nach Savoyen geflüchtet / zu Chambury arrestirt / nebst 13. von
Grenoble / weil Se. Majest von selbigem Hertzog Erlaubnuß hat / alle deren
Flüchtlinge auff Savoyschem Boden arrestiren zu dörffen. Von Montuban wird
geschrieben / daß die Reformirte mit denen daselbst einlogirten Dragonern
Handgemein worden / und beyderseits einige auff dem Platz geblieben. Auff den
22. passato ist ein Edelman Mons. du Lis genant / bey Trieves wohnhafft /
enthauptet / nechst bey demselben eine Frau / und noch 2. andere Persohnen
auffgehenckt / und noch 14. andere auff die Galleren bannisiret / aus Ursachen /
weil ihrer 36. in der Zahl / so Manns-als Weibs-Volck unter Mons. du Lis als
ihrem Haupt sich zusammen rotirt / umb wegen der Verfolgung sich zu salviren /
und sich zu Vigille, nahe bey Grenoble, sowohl gegen die Dragoner als Bauern /
so ihnen die passage disputirt / zur Wehr gestellet / in solcher Action aber
übermeistert / und also gefangen worden. Sonsten ist denen Reformirten Doctorn
bey Straff 3000. fl. verbotten worden / nicht mehr zu practiciren / und haben
die Engelländer nicht mehr Freyheit wegen ihrer Naturalisirten / als die
Holländer noch zur Zeit wegen der Paßporten zu (Pariß
von II. dito.) gewarten. Auff den H. Drey König Abend hat der König
dem gantzen Hoff eine herrliche Mahlzeit zu Marli gegeben / woselbst 24. Tafeln
gedeckt [80] waren / und kehrte der Hoff
erst 3. Stund nach Mitternacht wieder nach Versailles. Das Castell deß Grafens
von Montgomery in Normandien / sambt den Waldungen / so darzu gehören / ist
gäntzlich ruinirt / weil er bey der Reformirten Religion standhafftig
verbleibet. Alle Malltheser Ritter / so sich hier zu Land auffgehalten / machen
sich fertig / künfftiges Früh-Jahr mit den Maltheser Galleren nach der
Venetianischen Flotta zu gehen. Zu (Zu Rochelle 3.
Schiff mit Castor-Hüten angelangt.) Rochelle seynd 3. Schiff mit
Castor-Hüten beladen ankommen / auff Rechnung vor die neue Compagnie / sie haben
mehr als eine Million derselben eingeladen / welche mehr als 5. Millionen an
Geld werth seyn. Der Käys. Resident hat etwas schrifftliches wegen Holtzhauung
durch die Unserige gegen Freyburg remonstriret / hat aber zur Antwort bekommen /
daß dessen vor beyde Partheyen genug wäre. Die Strittigkeiten zwischen den
Unsrigen von Andaye und den Spanniern von Fontarabien wegen der Fischerey seynd
auffs neu beygelegt / und der Strohm oder Fluß gemein gelassen worden.
Deß Königs Reiß bleibt fest gestellt / und dörfften / wie man glaubt / wohl 6.
Monaten damit zugebracht werden; Monsieur solle Se. Majest. vergesellschafften /
aber Monseigneur le Dauphin dörffte bey dessen Frau Gemahlin / so schwanger ist
/ verbleiben. Von Turin wird geschrieben daß (Der Fürst
von Masseran beurathet deß Hertzogs von Savoyen natürliche Schwester.)
der Hertzog von Savoyen seine natürliche Schwester an den Herrn Ferrari, Fürsten
von Masseran außgeheurath habe / umb das Fürstenthumb an seinen Staat zu
befestigen; aber daß der Pabst / weiln solches unter die Kirchen-Güter gehöret /
sich dargegen opponirt / wie ingleichen auch das Hauß von Fhiesque; unterm
Vorwand / daß es bey männlichen descendenten allzeit bey ihnen gewesen ist / biß
daß ein Printz von Hauß Ferrari eine Dame aus ihrem Geschlecht / zur Zeit ihres
Unglücks / so ihro im Jahr 1547. zugestossen / solches Fürstenthumb usurpirt /
und an sich gezogen habe. Brieff von Genua melden / daß die Herren Saoli und
Catania an Mons. d'Oppevile, unsern Envoye eine nähere Resolution von dem Rath
auff die neue Instantien / die er ordre hatte / umb wegen der Restitution der
Mobilien deß Mons. (Der Gennesische Rath gibt dem
Frantzös. Envoye eine näbere Resolution wegen praedendirender Modilien
seines Antecessoris.) de St. Olon, seinem Praedecessore, zu thun
bekant gemacht: dieses Inhalts / daß man krafft deß sechsten Articuls / deß zu
Versailles gemachten Tractats / nichts mehr von dem jenigen / so Zeitwährender
Einwerffung der Bomben geraubet worden / wieder fordern könne / als sie durch
genaue und scharffe Untersuchung befunden / und daß wann Mons. de St. Olon seine
kostbahre Kutsche und einige andere Gütter / so zerbrochen seyn / in dem Stand /
darinnen sie sich jetzo befinden / wieder zu haben beliebte / er solche
jederzeit / aber nicht mehrers / bekommen solte.
|| [81]
Der Königliche Engelländische Extraordinari Envoye Sr. Trumbalt hat im Nahmen
seines Principalen / wegen deß Fürstenthumbs von Oranien an Se. Aller-Christl.
Majest. folgendes Memoriale übergeben.
Sire.
Der unterschriebene extraordinari Envoye deß Königs von Groß-Vritannien /
nachdeme er Sr. Majest. die Antwort hinterbracht / welche Ewrer Aller-Christl.
Majest. beliebet hat / ihme geben zu lassen / durch Mons. le (Englisches M morial wegen deß Fürstenthumbs
Oranien.) Marquis de Croissy, wegen der Invasion und Anfall / so in die
Stadt und Fürstenthumb von Oranien durch Ew. Majest. Völcker beschehen. Als hat
er seithero von neuem Befehl empfangen / seine Instantien zu erneuern / und Sr.
Christl. Maj. sehr demütig vorzustellen / daß der König von Groß-Britannien
nicht anders als mit höchstem Mißfallen / die Unordnung und übeles Tractament
und Verfahren / so mitten im Frieden beschehen / und an denen Unterthanen deß
Hrn. Printzen von Oranien / (seithero besagte Völcker Ew. Maj. in die Stadt und
Fürstenthumb Oranien gekommen) ver???bet worden seynd / hat vernehmen können. Es
ist kund und offenbahr / daß sowohl gedachter Hr. Printz von Oranien / als seine
Praedecessores und Vorfahren / allzeit ermeldtes Fürstenthumb mit dessen Rechten
/ Praerogativen / und Immunitäten der Souverenität und Ober-Herrschafft
possedirt und besessen haben: welches erscheinet durch die Tractaten und durch
die Schreiben von redintegration, welche die König Ewre Vorfahren gegeben /
damahls als es beschehen / daß durch die Unordnung deß Kriegs / besagte Hn.
Printzen / in der Possession von gedachtem Fürstenthumb seynd beunruhiget worden
/ welches incontestable und nicht zu bestreiten ist. Und selbsten Ew. Majest.
bey dem Nimwegischen Frieden besagten Printzen restabilirt / und wieder in
Possession besagten Fürstenthumbs / und in alle seine alte Rechten / Freyheiten
Gebrauch und Praerogativen / und ihn in selbigem Stand und Art / wie er vorhin
genossen / ehe er durch den Krieg depossedirt / eingesetzt haben / gleichwie es
durch einen absonderlichen Articul besagten Tractats bekräfftiget worden; der
König sein Herr beklagt sich / daß solchem offentlich zuwider gehandlet / und
weiln Se. Maj. von Groß-Britan. denen verdrißlichen Nachfolgungen vorkommen
wollen / und vorhabens seynd / alles was möglich ist / herbey zu [82] tragen / den Frieden in der
Christenheit zu erhalten / als haben selbige besagtem Envoye außtrücklich
anbefohlen / Ew. Majest. zu bitten / den Hn. Printzen von Oranien wieder in
Possession erwehnten Fürstenthumbs / und in alle souveraine und Obrigkeitliche
Rechten / deren er beraubt worden / einzusetzen und anzubefehlen / daß die
erpreste Geldsummen / so von denen Einwohnern der Stadt und deß Fürstenthumbs
erhoben worden / wieder erstattet / und alle andere Sachen in seinen
vollkommenen Stand / wieder gesetzt mögen werden / gleichwie sie nach dem
Articul besagten Nimweg. Tractats seyn sollen. Und weiln auch der König sein
Herr / als worzu er verbunden / allzeit seine Sorgen zu maintenir- und Erhaltung
deß gemeldten Tractats anwenden wil / als davon er guarant ist; Also versichert
er sich / daß Ew. Maj. seine gute Meynung secondiren / und auff die Instantien /
welche er befohlen / daß gedachter Envoye in seinem Nahmen wegen dieser Sache
thun sollen / eine favorable und günstige Antwort ertheilen / und in diesem auch
einiges ansehen eines Printzens / welcher ihme so nahe ist / haben werden.
Besagter Envoye hofft und erwartet von Ew. Maj. eine vergnügliche Antwort / vor
den König seinen Herrn / und zweifelt nicht / daß nachdeme sie so grosse Dinge
zu gegenwärtigen Frieden gethan haben / sie auch alles was solchen (Pariß vom 19. dito.) beunruhigen könnte / weg thun
und cessiren machen werden; was der Aller-Christlichste König hierauff
geantwortet haben mag wird hiernechst zu vernehmen seyn; Entzwischen ist ferner
den 12. zu Pariß eine Kön. Declar. (Verschiedene Edicta
der Religion wegen publt???rt.) publicirt worden / wordurch gebotten
wird / daß die Reformirter Religion / wie auch die neue Römisch-Catholischen
kein anderes Gesind als allein Catholisches / in Diensten haben sollen / bey
Straff 1000. Livres, das Ge???ind aber so dagegen handelt / werden die
Manns-Persohnen auff die Galeren / und die Frauens mit Ruthen außgehauen / und
eine Lilien auffgebrand zu werden condemniret. Der Marschall de Schomberg,
welcher krafft der De laration vom 9. Julii 1685. alle Römisch-Catholische
Bedienten abgeschaffet / ist nun durch obige obligirt worden / auch alle die von
seiner Religion zu beurlauben. Gemelden 12. dito wurd auch ein Königl. (Alle Kinder von 5. biß 16. Jahren werden den Reformirten
Eltern genommen und auff dieser Kosten Cathol. überantw???rtet.) Edict
publicirt / Inhalts: daß 8. Tag nach Publicirung desselben / alle die Kinder /
deren von der Reformirten Religion / von 5. biß 16. Jahren alt / von ihren
Eltern genommen / und zu ihren Cathol Verwandten oder bey andere Persohnen / so
die Richter ernennen werden / auff der Eltern Kosten / und ansehen ihrer Güter
gethan werden sollen / oder daferne sie nicht im Stand seynd / die Kosten
bezahlen zu können / damit sie aufferzogen / und unterwiesen werden / solle man
felbige in die gemeine Spithäler thun Besagtem Abend umb 10. Uhren haben 2.
Commislaires 5. Kinder dem Hn. Muisson Par [83] laments Rath gehörig aus denen Bettern weggeholet / wormit
sie biß zu Mitternacht zugebracht / weiln die Kinder ihrer Mutter umb den Hals
fielen / schryen / und bitterlich weyneten. Sie führten die Kinder zu ihrer
Großmutter / welche schon vor etlichen Jahren der Reformirten Religion
abgeschworen hat. Den andern als Sontag Abends umb 10. Uhren hernach haben sie
auch die Mutter aus ihrem Bett weggenommen und in ein gemein Stifft gethan;
unterdessen seynd die Dragoner noch immer in ihrem Hauß auff dem Feld / und
dafern Mons. Muisson seiner Relig. nicht abschwöret / dörffte er chister Tagen
in die Bastill geführt werden. Die Gräfin von Roye hat vom König Erlaubnuß
erhalten / zu ihrem Gemahl dem Hrn. Grafen von Roye mit dero 2. ältisten
Töchtern in Dennemarck zu verreisen / aber die 3. kleinesten nebst 2. Söhnen
seynd ihr genommen / und zu ihrem Schwager den Hertzog von Duras gethan worden.
Den 15. diß hat der Herr Bischoff von Straßburg dem König auffgewartet. Den 17.
dito ist der Holländische Ambassadeur von hier per posta nach dem Haag gereist.
Durch eine andere Declaration von dem 12. dieses Monats / seynd die kostbahre
(Ohne Erlaubnus deß Königs darff niemand an
weitentlegent Orth wallfahrten.) Andachten und Wahlfahrten nacher St.
Jacob / in Galicien / zu uns. lieb. Frawen zu Loretto und an andere Oerther
verbotten zu thun / es seye dann durch eine expresse Erlaubnuß vom König
unterschrieben / von einem Staats-Secretario, und auff Approbation deß Bißthums
Bischosfen / bey Straffe gegen die Männer / ewig auff die Galleren / und gegen
die Weiber nach Befindung der Sachen. Man sagt / daß der König dem Hn. Printzen
von Turenne erlaubet hat / künfftige Campagne / unter der Republic Venedig Armee
zu dienen. Mons. de la Berisine ist vom König zum Ertzbischoff von Aix in
Provence ernennet / und ist anhero gekommen / umb (Antwort auf das Englis. Memorial.) den Eyd abzulegen. Der Engell.
Envoye hat auff sein Memorial die Restitution deß Fürstenthumbs Oranien
betreffend / zur Antwort bekommen / daß man von keinem souvrain, als dem König
in Franckreich wüste / und daß man den Printzen von Oranien nit kennete / aber
man habe wohl reden hören / von einem Printzen von Nassau. Was das visitiren deß
Pacquet-Boots anbelangte / darüber solte St. Aller-Christl. Maj. Ambassadeur in
Engelland Mons. de Barilion negotiiren. Wiewohl viel vermeinet haben / daß einig
Dessein vor der Hand seyn möchte / weiln alle Officirer Ordre hätten / umb auff
den 20. Febr. in ihren Guarnisonen zu erscheinen / so glaubt man gleichwohl /
daß solches zu einen andern Vorhaben geschehen / nemblich umb das Volck parat zu
halten / und unsern All???irten im Fall der Noth damit zu assistiren. Der
Conscientz-Hoff / wobey der Cantzler Präsident / ist vollkommen auffgericht /
und soll dieses die eigentliche Recht-Banck seyn [84] vor die abgefallene Reformirte. Der Hr. Fassin hat mit seiner
gantzen familia, so in 18. Kindern bestanden / die Reform. Religion
abgeschworen. Als der König dieser Tagen in die Messe gangen / und ihm der
Hertzog de la Force begegnete / sagten Se. Maj. zu ihm: Röm. oder Rebell.
Verwichenen Sonnabend arrivirte der Hr. Bischoff von Straßburg mit einer schönen
Suite in allhiesiger Stadt / und wird derselbe eine geraume Zeit allhier
verbleiden / in (Bischoff von Straßburg hoffet auff
einen Cardinalshut.) Hoffnung durch Authorität deß Königs einen
Cardinalshut zu überkommen. Von Mompellier wird geschrieben / daß der Marq. de
la Tiousse einen Edelman enthaupten lassen / weil er beschuldiget worden /
einige Aufruhr unter den neubekehrten zu erweckë / un̅
ungebührliche Wort gegen den Kön. geredt zu haben / dessen Tochter / so an der
letzten Ursach gleichfals schuldig erkant / hat die Execution an ihrem Vatter
mit anfehen müssen / worauff selbige in ein Closter gesteckt worden / worinn sie
so lang verbleiben soll / biß sie ihre Religion (Abermabl 2. Declarationes zu Pariß publicirt.) wird abgeschworen
haben. Den 15. wurden abermals 2. Declarationes publicirt / und registrirt / die
erste war folgenden Inhalts / daß die neulich Bekehrte Erlaubnuß haben sollen /
umb wiederumb in den Besitz ihrer Güter / welche feither 6. Monaten verpacht /
oder versetzt seynd / zu tretten / wie auch in die jenige / so sie selbst vor
einen geringen Preiß vor ihrer Bekehrung / als sie willens gewesen aus dem Reich
zu ziehen / verkaufft gehabt / jedoch daß sie das außgezahlte Geld wieder geben
sollen. Die andere Declaration aber betraff die Bischöffe in ihren
Angelegenheiten. Der König hat den zu Nismes 2. Millionen gelihen / den Handel /
welcher durch Veränderung der Religion abgenommen / wieder in guten Stand zu
setzen.
Der Seestaat auff dieses Jahr ist meist vollzogen / und solle derselbige grösser
seyn als vorm Jahr / hingegen aber seynd alle Besoldung der Officirer
vermindert; weiln sonsten auff Ansuchung der Clerisey / der Aller-Christlichste
König den 16. dieses einen General Bett- und Danektag über die Erlösung (so Gott
gethan hat an soviel tausend Seelen / welche von der Kirchen abgewandt waren /
und durch den Segen deß HErrn / und löbl. Eyfer (Den
26. dito wurden in gantz Franckreich Processiones gehalten.) Sr.
Königl. Majeft. wieder zur Kirchen kommen) durch das gantze Königreich
publiciren lassen / als seynd auff solchen Tag überall Processiones gehalten
worden. Zu Pariß hat man diesen Tag so solenniter gefeyert / daß auch der
Reichthumb und die Kostbarkeiten / so man auff den Gassen sehen lassen /
unaußsprechlich seynd / und waren alle Häuser durch die gantze Stadt mit Tapeten
behangen / die Klöster mit Emblematibus oder Sinn-Bildern bekleidet / die Gassen
mit grünen Kräutern und Blumen beweyhet. Unter währender Procession wurden
continuirlich aus Stücken und Muß???ueten Salven geschossen / zu Bezeugung der
Freude solcher Procession. Der [85] March war
sehr vortrefflich / die vonunser lieben Frauenkirche marchirten voran / mit den
köstlichsten und bewärtesten Reliquien, jeder Geistlicher hatte eine brennende
Wachskertze in der Hand / denen einige Bekehrte von der Reformirten (Adsonderlich zu Pariß.) Religion / so sich zu dem
Römischen Gottesdienst verschworen / folgeten. Die Reformirte oder neue
Catholische marchirten alle mit brennenden (Beschreibung seldiger Procession.) Flambeauen in der Hand / mit
Soldaten / Dragoners und Aechers von der Stadt umbgeben / welche anders nichts
thäten / als daß sie immer schossen / die Freude zu bezeugen. Solcher gestalt
wurden diese neue Catholische umb die Stadt geführet mit blossen Häuptern /
welches einigen nicht wenig mühsam war. Man trug viel Zeichen oder Estandarten
vor diesen neuen Religieusen her / welche Vorbilder vieler Devisen oder
Sinnbilder / so die Bekehrung betraff / welches zu lang ist alles zu
expliciiren. Hierauff folgeten noch viel Geistliche / bekleydet mit aller ihrer
Heiligkeit / so sie beybringen kunten; darauff folgeten die guten oder alten
Catholischen / Männlichen und Frauen-Geschlechts nach gewöhnlicher Manier. Deß
Abends wurden einige Feuerwercke proesentirt / zur Freude der Bekehrung der
neuen Catholischen. (Pariß vom 28. dito.) Man
sagt / daß in wenig Tagen die 2. Söhn deß Mons. le Dau phins sollen getaufft
werden / da dann der König und Madame dem Hertzog von Burgund / und Mons. und
Madamoiselle von Orleans dem Hertzog (Deß verstorbenen
Cantzlers von S. Gervais Gemahlin verbrennet zur Gedächtnuß idzes Manns alle
24. Stund vor 40. Rblr. Wachskertzen bey drey Monat lang.) von Anjou
den Tauffnamen geben sollen. Heut wird der Bischoff von Meaux zu. S. Gervais
wegen deß verstorbenen Cantzlers die Leichpredig thun / dessen Gemahlin hat
daselbst seither Allerheiligen continuirlich ein Capell gehalten / und darinn
täglich an Wachsliechter / so Tag und Nacht gebrant / 40. Rhlr. consumirt. Der
Hertzog von Villeroy ist nach Lyon verreist / umb daselbst im Gouvernement an
statt dessen verstorbenen Herrn Vatters Possession zu nehmen. Vor etlichen Tagen
belustigte sich der König / und ließ 30. von den vornehmsten Herren und Dames
spielen / und erbote sich den Verlust zu bezahlen / welche Kurtzweil den König
100000. Rhlr. kostete. Es seynd noch immer Protestanten / welche ihre Güter
verlassen / und ihr Leben lieber wagen / als ihrer Religion abschwören wollen /
unter welcher Zahl sich auch der Herr Marquis de Bordage, seine Frau und Kinder
/ wie ingleichem Madame de la Moussaye und der Marquis de Fonnay ihr Vetter /
befinden / so ihre Güter verlassey / welche ihnen über hunderttausend Livres
Einkommens oder Renthen eingetragen haben. Der Marquis de la Roche Giffard, und
seine Frau / haben Erlaubnuß erhalten / aus dem Königreich zu verkeisen: worauff
der Marquis de Tiange Possession von allen denen Gütern deß Hauses von Vielle.
ville nimmt. Durch Ordre von Hof ist Madame de la Force nacher Thou [86] louse in ein Kloster geführt
worden. Die Ausrüstungen werden sowohl zu Wasser als zu Lande wacker fortgesetzt
/ und alles zu deß Königs Reise nach dem Elsas und andern Gräntzen dieses Reichs
veranstaltet. Der Savoysche (In Franckreich werden die
Kriegsrüstungen zu Wasser und Land starck fortgesetzt.)
Extraordinari-Envoye Herr Marquis de la Piete hat den 22. dieses seine
Abschieds-Audientz / und den 24. dito der Päbstliche Nuntius eine absonderliche
Audientz bey dem König gehabt. Man sagt / daß der Marq. du Bordige, nebst seiner
Frauen / seinen Kindern / Madame la Moussaye und der Marq. De Fontenay, welche /
umb ihrer Religion nicht abzuschwören / aus diesem Königreich entfliehen wollen
/ zu Aussonne, so an der Franche Comte gelegen / in gefängliche Verhafft
genommen worden seyn. Dieses von Frantzösischen Händeln.
(Spanische Geschichten.) Anlangend die Spannische
Geschichten / melden Brieff vom 1. Jan. aus Madrit / daß Ih. Königl. Majest. das
General-Gouvernement deß Mayländischen Staats dem Herrn Grafen von Fuensalida
conferirt habe. Die Strittigkeiten / welche zwischen dieser Cron und Franckreich
/ wegen denen Fischern beeder Nation auff dem Fluß bey S. Sebastian / so beyde
Königreich scheydet / entstanden / werden hoffentlich / weilen die Urheber
solcher Unordnung scharpff gestraffet / in der Güte und zu beyderseits Cronen
Vergnügen abgethan worden seyn. Don Antonio Agourto ist endlich absolut zum
General-Gouverneur über die Span̅ische Niederlanden erkläret. Das
Frantzös. Schiff / so die unserigen von Corogne genommen / solle ehisten (Der König läst 12. Kriegsichiff equippiren.) Tags
wieder relaxirt und frey gelassen werden. Allhier ist man beschäfftiget 12.
Kriegs-Schiffe auszurüsten. Besiehe weiter von Spanischen Geschichten das 8. und
9. Capitel. Vom Portugesischen Hof ist dißmal nichts (König in Portugat ist unpäßlich.) veränderliches einkommen / ausser
daß selbiger König sich etwas unpäßlich befinde.
Das fünffte Capitel /
Begreiffet die Königl. Engell-Schott- und Irrländische Novellen.
(Eingang in die Engelländische Geschichten.) ISt
ein Reich unter der Sonnen zu finden / so in diesem Seculo mehrern einheimischen
Unruhen unterworffen gewesen / so ist es warlich das Königreich Engelland; Man
durchblättere nur selbige Geschichts-Bücher von 50. Jahren her / so wird man so
viel und so mancherley Unruhen / nachtrückliche Empörungen / mächtige Revolten /
so viel [87] gewaltsame widerrechtliche
Proceduren / grausame Hinrichtungen / erschröckliche Mord / Greuel und
Lasterthaten darin̅en finden / daß einem in Durchlesung / so zu
sagen / die Haar gen Berg stehen möchten / hat dann die Sonne einen Christlichen
König jemals beschienen / so unglückseliger gewesen / als Carolus 1. Stuartus
König in Engel-Schott- und Irrland / dieser ist warhafftig eine Vorbildung deß
wandelbahren Glücks und Unglücks / ein Schaubühne weltlicher Unbeständigkeit /
ein Sinnbild deß jrrdischen Wesens / dieser ist / der nach vorhero
ausgestandenen tausenderley Beschwehrlichkeiten (Carolus I. Stuartus wird enthauptet.) endlich im Jahr 1649. von
seinen eigenen Unterthanen gleich dem grösten Ubelthäter offentlich und
schimpfflicher Weiß mit einem Beil vom Leben zum Todt hingerichtet worden: ein
verfluchte That! (dergleichen unter Christen-menschen nie erhöret worden).
Hernachmalen wurde das Königl. Regiment gantz umbgestossen / die Regierung in
einen gantz andern Modell gegossen / und das Königreich Engelland unterm Namen
der Protection deß Olivier Cramwelß etliche Jahr verwaltet / biß endlich nach
dessen Todt im Jahr 1660. Carolus der II. deß hingerichten Königs Sohn den
vacanten Königlichen Thron wieder bestiegen hat / der auch selbigen zwar
glücklich / doch nicht ohne Anfechtung biß in das Jahr 1685. besessen / in
welchem Jahr er die Schuld der Natur bezahlet / den Leib der Erden / die Seele
GOtt / und seinen Königlichen Thron seinem Herrn Bruder als nechsten Erben
nachgelassen / und eingeraumet hat / und dieses ist der heut (Jacobus II. heut zu Tag regierender König in Engelland
ist ein friedfertiger Herr.) zu Tag glücklich regierende König Jacobus
der II. welcher kaum von seinem Erbtheil possession genommen / da der Duc de
Montmouth, als seines abgelebten Herrn Bruders unehelicher Sohn / in Schottland
mit gewaffneter Hand ankame / und ihme die Cron disputirlich machen wolte / der
König als ein ruhiger und friedfertiger Herr wolte selbigen von seinem bösen
Beginnen abmahnen / und auff bessern Weg leiten / aber vergebens / Duc de
Montmouth wolte sich mit Gewalt deß Königl. Sitzes bemächtigen / zu dem Ende
macht er ihme einen Anhang von allerley auffrührischem Gesind / tractirt die
Königlich Gefinnete feindselig / läst wider die jetzige Königl. Majest. und das
Parlament ein schmähliche und sehr calumniose Schrifft ausgehen / ja endlich gar
von seinem Anhang sich zum König über (Bekomt Häntel
mit dem Duc de Montmouth.) Engel-Schott- und Irrland proclamiren: Das
ware in der Warheit wieder ein neblichte Wolcke vor das Königreich Engelland /
kaum hatte es sich aus den vorigen Troublen erholet / da schiene das Feuer der
Unruhe wieder an zu klimmen / es hatte sich kaum aus den Fallstricken heraus
gewickelt / da wurden ihm neue gelegt; der König als er sahe / daß bey diesen
seinen auffrührischen Unterthanen die Güte nichts verfangen wollen / muste
nun [88] mehr die Schärpffe
gebrauchen / (und ist nachdencklich / was dieser König bey seiner Crönung auff
eine Müntz hat prägen lassen / nemlich einen schlaffenden Löwen mit diesem
Symbolo: Es wecke mich auf / Wer Lust hat.) der Löw wurd auffgewecket / Duc de
Albermarle versam̅lete ein Corpo von etlich tausend Mann / gieng
auff Königl. Befelch damit dem Duc de Montmouth (Vberwindet glücklich seine Feind.) entgegen / lieffert ihme eine
Schlacht / schlug ihn aus dem Feld / und bekam ihn endlichen gefangen / sam̅t den meisten Redleinsführern von dieser Auffruhr / er ward nach
Londen gebracht / und daselbsten zur wohlverdienten Straff seines Verbrechens
enthauptet / auch wurden seine complices verschiedentlich abgestraffet / theils
perdonirt / und damit diese Auffruhr (Ist Röm.
Catholisch.) gestillet. Es ist sonsten der jetzige König Röm.
Catholisch / und dultet neben der so genanten Reform. Religion aus einem
besondern politischen Staatsgriff (Vielerley Religionen
in Engelland.) auch die Preßbyterianer / Independenten / Anabaptisten
/ Antonominianer / Antiscripturianer / Levellerer / Quacker / und andere. Ich
werde zu einer andern Zeit von diesen und andern Religionen in Engelland etwas
ausführlicher reden / anjetzo aber zu der merckwürdigsten Geschichten Verlauff
dieses Monats schreiten / und dem großgünstigen Leser hiervon rapport thun /
wovon gleich anfangs mit Brieffen von Londen berichtet worden / daß Mons.
Bateman, gewesener Chirurgus deß Mylord Schafsburei in der Session zu Oldbaly
für Recht gestellet / und durch die Juris am hohen Verrath schuldig erkant / in
welcher examination er sehr unpäßlich worden sey / und also gar wenig zu seiner
defension vordringen können. Es melden andere (Londen
vom 2. Januar.) Brieff von daß vom 2. dito / daß von Jamaica
daselbsten Nachricht eingekommen sey / daß die Frantzös. Armadeurs, welche Sr.
De Gramont commandirt / Campeche eingenommen haben. Die Venetian. Ambassad.
haben den 2. dieses ihren offentlichen Einzug zu Londen in einer Königl. (Einzug der Venetianischen Ambassadeurs.) Kutschen
gehalten / vorhero giengen 12. Pages / 2. Trompeter / 2. Bereiter / und 50.
Laqueyen: sie hatten 4. Kutschen mit der Repulic Venedig Wappen / denen 50.
andere / jede mit 6. Pferden bespannet / nachfolgeten / sie werden 3. Tag nach
einander von Ihro Königl. Majest. zehrfrey gehalten werden. Die Rebellen in
West-Engelland sollen auff dem platten Land nichts thun als rauben und plündern
/ so ihnen aber durch die hingeschickte. (Auffrubr in
Weft-Engelland.) Reuterey bald verwehret werden dörffte. Von den 200.
Personen / welche vor einigen Tagen im Westen das Gewehr wieder ergriffen hatten
/ ist wenig mehr zu vernehmen / ausser daß / nachdeme sie die ordinari
Scharpffrichter an einigen Orten ermordet / auff Annäherung deß Königs Trouppen
ohne einigen Widerstand sich wieder in ihre Höhlen reterirt haben / ungefehr 8.
derselben seynd umb Mittagszeit auff einen Marcktag nach Ilchester [89] kommen / woselbst sie alles / was ihnen
angestanden / mit sich hinweg genommen. Man sagt / daß sich die Princessin von
Dennemarck gesegneten Leibs befinde. Vor etlichen Tagen ist der Chirurgus
Bateman umbgeschleifft / gehangen und geviertheilet zu werden / condemnirt
worden / welches Urtheil auch nechstkünfftigen Freytag vor seiner eigenen
Haußthür an ihm soll exequirt werden. Der Hertzog von Albermarle ist in dieser
Stadt ankommen / und hat dem König auffgewartet / so ihn gnädig angesehen (Londen vom 4. dito.) hat. Von Pleymuth hat man /
daß ein Schiff mit 80. Tonnen zu grund gegangen ist. Den 2. ist auch Herr Graf
von Clarendon abgereist / umb seine Vice-Royschafft in Irrland anzutretten /
welchem eine grosse Menge Personen von Qualitäten biß nach S. Alban 20. Meilen
von hier begleitet haben / allwo sie selbiger Stadthalter herrlich gastirt hat.
Den 4. ist der Sr. Batteman zu Tiburne hingerichtet worden. Dahier wird ein
Extraordinari Envoye vom Groß-Hertzogen zu Florentz erwartet. 14. à 15.
Parlaments-Glieder / (14. à 15. Parlaments-Glieder
werden ihrer Charges enesetzet.) welche der Meynung deß Hofs entgegen
gewesen / seynd ihrer Charges entsetzet worden. Den 18. haben die Venetianische
Ambassadeurs bey Ihr. Königlichen Majest. Audientz gehabt / und wie man vernimmt
/ soll ihr Anbringen in Ablegung der Condolenz wegen deß verstorbenen Königs /
Glückwünschung ihrer jetzigen Majest. zu angetrettener Regierung / so dann auch
darinn bestehen / umb Erlaubnuß zu Werbung einiger Völcker und Lehnung etlicher
Schiff zu suchen / solche gegen die Türcken (Den
Venetianischen Ambassadeurs wird grosse Ebr angethan.) zu gebrauchen;
diesen Herren wird vor ihre Person grosse Ehr angethan / und kommen täglich viel
Edelleut und Officirer zu ihnen / so ihre Dienst proesentiren / so auch sehr
höflich empfangen / und ihnen alle addresse bey der Republic versprochen werden.
Diese Herren Ambassadeurs seynd bey der Audientz mit solcher Ehren-Bezeugung
empfangen worden / als man denen Ambassadeurs von gekrönten Häuptern zu erweisen
pfleget. Sonsten hat man dieser Tagen einige Schiffs-Zimmerleut ausgesandt / umb
zu sehen / in was vor einem Stand deß Königs Kriegs-Schiffe seyen / welche wider
zuruck kommen / und berichtet / daß künfftigen Monat 40. Schiffe equippiret
werden könten / und in dem Monat May / so es Ihro Königliche Majest. würde
vonnöthen haben / noch einmal soviel. Die Hertzogin von Nordfolck ist gestorben
/ Mons. Russel / deme ein gifftiges Pulver ins Angesicht gestreuet worden /
befindet sich in einem elenden Zustand. Man hat deliberirt in einer offentlichen
Raths-Session, ob das Parlament solte sitzen oder nicht / welchem Rath Se.
Majest. auch beygewohnet hat. Die Ambassade / so der Lord Castelmaine nach
Italien thun solle / ist verschoben. Der König hat resolvirt, [90] 2. Regimenter Reuterey abzudancken /
und in den Platz 4. Regimenter zu Fuß werben zu lassen. Den 9. Nachts ist deß
Chirurgi Batemans Haupt auff Altgate / ein Viertheil seines Leibs auff Moorgate
/ und die andern 3. Theil an andere Plätze dieser S. adt gesteckt worden.
Sonsten seynd dieses Jahr über allhier 1189. Man̅s- und 1133.
Weibspersonen und also nur 20. Menschen mehr als vor einem Jahr gestorben /
hingegen 7484. Söhne und (Vortrag wegen
Gewissens-Freyheit im gantzen Königreich Engelland.) 7246. Töchter zur
H. Tauff bracht worden. Der König hat den Bischoff dieser Stadt aus seinem
geheimen Rath gesetzt / und sagt man / daß eine General-Gewissens-Freyheit in
dem Königl. Rath abgehandelt seye / wie und welcher gestalt aber / ist noch
unbewust / und geben einige vor / daß Ih. Maj. die Obstacula oder Hindernüssen
finden / oder aus dem Weg raumen würden / welche der verstorbene König Carl
eingesetzt / andere / daß Sr. Maj. als Haupt von der Kirchen in geistlichen und
Kirchen-Sachen freye disposition und Gewalt habe / weil man aber nichts gewisses
beschliesten kön̅en / so ist befohlen worden / daß die Richter
darüber gehöret / und selbige ihre Meynung hierinnen offenbayren sollen. Mons.
Craeg, gewesener Diener deß Hertzogen von Montmouth / welcher bey der Rebellion
in Westen ab- und zugereist / hat sich freywillig in die Hände der Justiz
ergeben / mit Versprechen / (Londen vom 12.
dito.) / daß er alle Rebellen / so noch in- und ausserhalb deß Reichs
seyen / anzeigen wolte / welches einen grossen Schrecken unter den Menschen
macht. (König unterschreibt die Ordre wegen allgemeiner
Collecta der Frantzös. Flüchtling.) Se. Königl. Majest. haben die
Ordre / umb eine allgemeine Collecta durch dieses Königreich zu thun / und
darmit denen Frantzösischen Flüchtlingen beyzuspringen / unterschrieben. Der
König will auch einige Völcker in diese Stadt einlegen. Der Lord Trumbal hat Se.
Majest. wissen lassen / daß er nichts in favor der Englischen Protestirenden bey
dem König von Franckreich auswürcken kan / weilen derselbe proetendirt / daß die
meiste naturalisirt / und also seine Unterthanen seyn. Se. Majest. haben weiter
befohlen / daß hinfüro alle Jahr eine solenne Sermon auff den 9. Februar. als
den Sterbtag dero Herrn Vatters / und eine andere auff den 16. dito / als den
Tag / da Ih. Majest. die Crone überkommen / gehalten werden soll. Der Mons.
Bontepos, Thesaurier von der Admiralität in Franckreich ist allhier ankommen /
dessen Verrichtung noch unbewust. Der Graf von Düncaster ältester Sohn deß
gewesenen Hertzogs von Montmouth ligt gefährlich kranck darnieder. Das Urtheil
deß bekandten Hertzogs von Montmouth / Sr. James Datrimple von Stairß und
Flercher wegen Beschuldigung deß hohen Verraths hat zwar zu Edenburg den 18.
passato publicirt werden sollen / ist aber wegen Abwesenheit etlicher Zeugen biß
auff den 14. Januar. aus gestellet worden. Mons. Gambden hat sich [91] gedacht zu salviren, wann er sich
schuldig erkennen würde / umb also Gnad von dem König zu erlangen / gleichwohl
aber hat man ihn wegen hohen Verraths / umb gehangen und geviertheilt zu werden
/ verurtheilet / und (Ms. Hambden ist verurtheilt
gebangen und geviertheilt zu werden.) wie man sagt / so sollen Ih.
Majest. die Ordre zu seiner execution diesen Morgen verzeichnet haben. Das
Parlament ist biß in den Monat May protogirt worden. Capitain Bruce und der
Brandenburgische Capitain / welche man nach der Niederlag der Montmouthischen
Parthey gefangen bekommen / haben Perdon erlangt / und sollen als Zeugen gegen
andere (Die Statue deß jetzigen Königs und weyland
Henrici VIII. wird zu Londen auff der Beurß auffgestellt.) Personen
gebraucht werden. Die Statue deß jetzigen Königs ist den 16. und die von König
Heinrich dem VIII. den 18. auff der Beurß ausfgestellt worden. Sonsten hat auch
der König dem Lord Major und Alderman / als selbige Sr. Maj. wegen deß neuen
Jahrs complimentirt / angezeigt / daß sie willens seyen / einig Volck in diese
Stadt zu legen / und zweifelten Sr. Maj. nicht / daß sie solches verwilligen
würden. Mons. Williams gewesener Secretarius deß Hertzogs von Montmouth ist zwar
auff freyen Fuß gestellt / aber noch nicht vollkommen / wie man vermeynt gehabt
/ perdonirt worden. Man sagt von einem Perdon vor ungefehr 200. Personen / so in
jüngster Rebellion begriffen gewesen / dafern sie sich innerhalb einer gewissen
Zeit angeben werden. Man hat auch ordinirt sowol gegen die Römische als andere
Glaubens-Genossen nicht nach der Schärpffe des Gesetzes zu handlen / scheinet
also / daß man in beyden Religionen conniviten werde. (Hertzog von Grafton besichtiget die Schiff / so im Vor-Jahr equippirt
werden sollen.) Diesen Morgen ist der Hertzog von Grafton in
Begleitung verschiedener Personen die Rivier hinab gefahren / umb die Schiffe /
so im Vor-Jahr equippirt werden sollen / zu besichtigen: Man hält davor / daß
der König ehistens nach Schottland gehen werde / umb sich daselbst crönen zu
lassen; sonsten werden umb diese Stadt die Quartier vor 20000. Mann Sr. Maj. deß
Königs Militz assignirt. Ih. Königl. Majest. haben den Venetianischen (Londen vom 22. dito.) Ambassadeurs zu wissen thun
lassen / daß Se. Majest. umb die Handlung dero Unterthanen in Levant nicht zu
troubliren und zu zerstöhren / der Republic von Venedig kein Volck noch
Kriegs-Schiff zu Fertsetzung deß Türckenkriegs geben könte. Unsere
Ost-Indianische Compagnie läst 7. Compagnien zu Fuß jede von 120. Mann werben.
Der Bischoff von Durham hat den Eyd / als Rathsher in dem Königl. geheimbden
Rath / (Eis Proclamation zu protogi???ung deß
Parlaments in Londen publicirt.) abgelegt / und possession genommen.
Den 19. dito ist die Proclamation zu prorogirung deß Parlaments vom 20. Febr.
biß 20. May nechstkünfftig publicirt worden. Die Holländ. Commissarien haben mit
unserer Compagnie die Banthamische Sache nicht können veraccordiren / weßhalben
der Termin weiters prolongirt worden ist. Man hat Zeitung / daß die Leich [92] der Gräfin von Staffort / als sie nach
den Norden dieses Königreichs gebracht worden / umb begraben zu werden /
unterwegs an einem Ort / da das Wasser aufgelauffen gewesen / die Kutsch / wo
die Leich auffgestanden / umbgefallen / und der Kutscher nebst den Pferden
ertruncken. Ih. Maj. haben 30. Commissarii, worunter viel Bischöffe seynd /
ernennet / so die Allmosen unter die Frantzös. arme Protestanten austheilen
sollen. Den 23. haben die Venetianische Ambassadeurs bey Ihro Majest. ihre
Abschieds-Audientz (Auf den Engelländischen Küsten
geben viel Schiff zu grund.) gehabt. Auff hiesigen Küsten seynd viel
Schiffe zu Grund gegangen / und sollen über 400. todte Menschen am See-Ufer
gefunden worden seyn. Der Herr Skelton, so aus Holland dahier angelangt / hat
den 24. dem König von seiner Verrichtung rapport gethan / und ist sehr gnädig
empfangen worden. Ihr. Königl. Majest. haben Ordre gegeben / einige
Kriegs-Schiffe auszurüsten / umb in der Mittelländischen See auff die
Algierische Rauber (Der Lord de la Mere wird vor
unschuldig erkant / und von seiner Anklag ledig gesprochen.) zu
kreutzen. Den 24. dito ist der Lord de la Meere in dem grossen Saal von
Westmünster in unbekanter Gegenwart deß Königs und einer grossen Menge Volcks
für Recht gestellet / und obwolen 13. Zeugen / darunter der Lord Howard von
Eskrick und der Lord Gray sc. gewesen / ihn grosser Dinge beschuldigen wollen /
so hat er sich doch solcher gestalt defendirt, daß er alsobald loßgesprochen /
und auff freyen Fuß gestellt worden / wie er dann auch solche Freysprechung auff
seinen gebogenen Knyen angehöret / bate darauff vor den König und die Königin /
und wurde darauff frey gelassen; worauff er sich gleich andern Tags nach seiner
Loßsprechung zu allen Lords / so seine Richter gewesen / erhoben / und sich
gegen dieselbe bedancket / worauff er die Ehr gehabt / Sr. Maj. Händ zu küssen /
welche ihn sehr höflich empfiengen. Mons. Saxon, so der vornehmste Zeug gewesen
/ gegen diesen Lord / soll der sage nach wegen solcher Meineydigkeit vor erst in
der Pillory stehen / darnach gegeisselt / und darauff wegen angestiffter
Rebellion auffgehenckt werden) worzu ihm bereits der 2. Febr. determinirt worden
/ und weilen auch dieser Thomas Saxon der einige Zeug gegen Sr. Robert Cotton
und Mons. Offeley gewesen / so wird man gegen selbige im Recht ebenfalls nicht
ferner procediren können. Den 25. war der König auff der Jagd / und die Königin
/ Princessin von Dennemarck nebst anderm Frauenzimmer bey Mons. Devet, einem
hiesigen Kauffmann zu Gast / welcher dieselbe (Rela???on deß Lord Trumbalts wegen deß Fürstenthums Oranien.) mit
einer herrlichen Music und kostbaren Mahlzeit tractirte. Nachdem der König von
Franckreich auff das Memorial / so der Lord Trumbalt wegen restitution deß
Fürstenthums Oranien eingegeben / geantwortet / daß er keine Souverenität in
seinem Königreich erkennete / und daß über [93] solches zwischen Sr. Hoheit dem Printzen von Oranien / und dem
Hertzog von Longueville dieserthalben sich ein Zwiespalt ereignet hätte / welche
aber beyzulegen / Se Majest. Ordre geben würden; hierauff haben Ihre
Britannische (Replic deß Konigs in Engeland.)
Majest. gemeldem Lord Trumbald expresse Ordre zugesandt / daß sie mit dieser
Antwort keines wegs zufrieden seyen / sondern es solte derselbe dieser Sachen
wegen dem König noch ein näher Memorial überreichen.
Das sechste Capittel
Sagt von Schwedisch- und Dähnischen
Fügnussen.
(Eingang in die Schwed- und Dähnische
Geschichten.) DIe König von Schweden und Dennemarck seynd in denen
Gewissens-Sachen gantz einträchtig / und stehen bey ereigneten Religions-Krieg
vor einen Mann / aber in ihren Staats Angelegenheiten seynd sie gar weit
voneinander unterschieden / dann jeder suchet sein particular-Interefle und sein
Reich zu erweitern / und ist so zu sagen ohnmöglich und etwas übermenschliches /
wann 2. aneinander gräntzende Potentaten nicht gegeneinander der Beherrschung
wegen Jalousie hegen solten / gedenckende mit Alexandro Magno und Cajo Julio
Caesare, wann das Recht zu brechen sey / man solches der Beherrschung halben
thun müste / dann der Himmel keinen Richter-Stuhl auff dieser Erden gesetzt hat
/ dahin die Regenten gezogen werden könten / so daß ein Regent solches nirgends
zu suchen hat / als in seinem eigenen Hertzen / und wann die Noth es erfordert /
er durch seine Waffen nehmen mag / was er wil / darumben zwackt immer einer dem
andern was weg; in dem vor etlich und dreyssig Jahren entstandenen Krieg
zwischen Dennemarck und Schweden / hat dieser jenen gewaltig berupffet / die
gantze Provintz Schonen / einen Theil vom Königreich Norwegen / und andere
schöne Länder mehr jenem entzogen; Im letztern Frantzösischen Krieg geschahe das
Widerspiel / Dennemarck ware Meister im Feld / und hatte dem König von Schweden
viel nahmhaffte Plätz entzogen / und in würckliche Possession genommen / aber in
regard wegen deß Königs in Franckreich / muste jener diesem nach laut deß
gemachten Frieden-Schlusses wieder alles restituiren / und weiln Schweden
observirt / das Dennemarck von erlangter Souverenität wegen im vorigen Krieg
nicht grosse Progressen gethan / hat es sich [94] nunmehro auch Souverain gemacht / anbey die Frantzösische Partey
abandonnirt / und die Käyserliche amplectirt. Dennemarck aber die Frantzösische
ergrieffen / woraus erhellet / daß dieser 2. Potentaten ihre Messures umb ein
merckliches geändert / indeme ein jedweder / die ihme vorher contrar-gewesene
Partey zu künfftigen Beystand erkohren hat / so ihnen zwar auch nicht zu
verdencken ist / dann Schweden obs gleich bey letztem Krieg von Franckreich
viele Subsidien-Gelder genossen / auch alle verlohrne Plätz wieder restituirt
bekommen / so ware doch hierbey nichts als der bittere Schaden / und weiln
Franckreich hierdurch diese Cron gleichfals in einen Labyrinth alles Unsterns
gestürtzet / und es grosse Mühe gekostet / sich wieder darvon heraus zu winden /
hat selbige hernach die Frantzösis. Parthey verlassen; Dennemarck hergegen in
Ansehung es soviel theuer erworbene Plätz ohne Schwertstreich wieder hingeben
müssen / ohne daß man ihm die versprochene Hülff geleistet / hat sich dermahln
zu der Frantzösis. Parthey geschlegen / aber genug hiervon / (Dähnische Geschichten.) jetzt haben wir zu
erzehlen / was in diesem Monath an beeden Königl. Höffen und dero Reichen neues
passiret / und vorgegangen ist / wir geben Dennemarck die Praecedentz / weiln
wir in vorhabendem Capitel von diesem mehr als von Schweden zu melden haben.
Deme zu folge
(Coppenhagen vom 1. Jan.) Die Brieff von
Coppenhagen vom 1. dito referiren / daß der König von Dennemarck Ordre ertheilet
habe / daß sich die Landreutherey bey Ringstätt einfinden / und daselbst
gemustert / so soll auch die Leibguarde zu Pferd allda durchgesehen werden / was
die Bedeutung ist / lehret die Zeit / 2. à 3. Lalandische Schuten mit Korn
beladen / und nach Coppenhagen wollende seynd in dem jüngsten Sturm mit Volck
und alles in der See geblieben / (Grosser Schad in der
See gescheben.) man befürchtet viel mehr Schaden aus der See zu hören;
Die Holländer haben nun ihre Reise in der Ost-See gethan / sie haben abermahln
eine üble Fahrt vor sich in den Kattengatt / zumahln bey so langen dunckeln
Nächten und erschrecklichen Sturm / Schnee und Regen / daß man billich
erschrecken mag. Es wird ehistens publicirt werden / daß niemand als
militar-Persohnen Degen zu tragen erlaubt seyn soll / daß kein Bürger
dergleichen mehr tragen soll. Ihr. Königl. Majest. seynd nebst andern von dero
höchsten (Ein Unter-Officierer word seiner Dieberey
wegen auffgehenckt.) Bedienten umbgeben / im Reithause nach dem Ringe
geritten / wobey sich die Trompetten und Heerpaucken tapffer hören lassen. Ein
Unter-Officier ist seiner Dieberey wegen auffgehenckt worden / er hat sich eines
sonderlichen Schlüssels bedienet / damit er allezeit in die Krähmläden bey
Nachtzeit gehen können / und da er sichs am wenigsten versehen / wird er in
solcher bösen That am ersten ergrieffen / dessen Cörper dem hochberühmten Doct.
Bartolino zu anatomiren hernach überlassen worden. Man ist allhier [95] im Werck begriffen / mit dem
Holländischen Staat wegen der rückständigen Subsidien eine liquidation zu
machen; Ihro Hoch-mögende aber wolten durch ihren hier sich befindenden Envoye
es dahin richten / daß ihrer Herrn Principalen und particulier-Folderungen von
solchen Subsidien decurtirt werden sollen / welches auch dürffte angenommen
werden / und also beyderseits Praetensiones gegen einander liquidiret und
auffgehoben werden. Es werden nun die Praeparatoria zu dem nechstkunfftigen
Caroussel je mehr und mehr fortgesetzet / und wird solches aus dermassen sehr
herrlich seyn. Aus Norwegen hat man von den Silberbergn ercken einen solchen
guten Bericht / daß selbiges auff 6. mahl höher als vorhin wird getrieben
werden. (Seiden-Wabren zu Coppenhagen auff dem Marck
verbrand.) Es seynd offentlich auffm Marckt einige verbottene
Seiden-Wahren von allerhand Coleur / mehr dann 1000. Reichsthl. werth verbrand
worden / dem solches zugehöret hat / ist ein Kauffmann in Callenburg / und soll
er über diß noch 900. Reichsthl. zur Straffe bezahlen / wiewohl derselbe 1500.
Reichsth. hätte geben sollen / da nicht seine Königl. Majest. ihn aus
angebohrner Königl. Güte so weit noch perdoniret hätten. Der Zöllner und
Visitirer seynd ihrer Dienste darüber entsetzt worden. Den erhangenen Sergeanten
haben die jungen Herren Güldenlöw vor 100. Reichsthl. an sich erkauffen lassen /
sie fahren täglich dahin / und sehen die Anatomie an / weßwegen niemand als die
Hrn. Professores eingelassen werden. Ih. Hohe Excellhaben einen herrlichen Ball
in dero Behausung gehalten / wobey Ihre Königliche Majest. und ders gantze
Hoffstatt gegenwärtig woren / welches in aller Vergnügung vollbracht ward. Vor
einigen Tagen kam dahier der (Ein Chur-Brandenb.
Envoye daselbsten angelangt.) Hr. Overberck / Churfl. Brandenburg.
extraordinari Envoye an / was dessen anbringen eigendlich seyn werde / ist noch
nicht bekant / man glaubt aber / daß es eine genaue Verbündnuß zwischen selbigem
Hoff / und Sr. Maj. unserm König bedeute. Dieses von Dänischen Händeln.
(Schwedische Geschichten.) Die Schwedische
Geschichten betreffende bringen Stockholmer Brieff / daß der Käys. Abgesandte
Herr Graf von Nostitz am Königl. Schwedischen Hoff daselbsten angelangt seye /
und daß ehistens eine Ambassade von dar nach Moscau abgeschickt werden dörffte /
umb selbige Czaaren von der Türckis. Inclination ab- und zur Christlichen
Alliantz zu überreden; Es referiren auch Brieff von Malmö aus der Provintz
Schonen / vom 3. diß / daß man zwar daselbsten vor den König in Schweden / als
ihrem gnädigsten (In der Provintz Schonen werden viele
neue Fortressen angelangt.) Herrn nicht gar offentlich armire / doch
auch nicht gar still sitze / zumahln alle Fortificationes außgebessert / und in
einen perfecten Stand gebracht werden / absonderlich die an dem Meerbusen
gelegene Oerther / allermassen man auch zu Gottenburg einen grossen Thurn /
wovon man alle [96] umbligende Berge
beschissen kan / anlegen und auffbauen lässet / daß man sich also dieser Berge
halben / von welchen selbige Stadt zimblich incommodirt werden können / nichts
widriges mehr zu befahren; dieser Thurn ist aus einem blossen harten Felsen
außgehauen / und also verfertiget worden / er ist von einer sonderlichen Höhe /
daß er sich denen Schiffleuthen 6. biß 7. Meilen zeiget / und von oben her
sowohl versehen / daß er weder vor Bomben noch andern Feuerwercken sich im
geringsten nichts zu fürchten. Eben dergleichen Beschaffenheit soll es auch mit
allen unsern Vestungen haben / welche nicht allein auffs stärckste be???stiget /
sondern auch mit einer dergleichen reichlichen Mannschafft und gnugsamer Mund-
und Kriegs-Munition angefüllt / daß solche eine zimbliche Armee ins Feld stellen
können. Man glaubt / daß der Graff Gabriel Ochsenstirn / welcher jüngst von
seiner Ambassade am Käyserlichen Hoff zurück kommen / das praesidium zu Wißmar
erhalten / auch Legatus im Reich seyn wird. Man kan noch nicht für gewiß sagen /
ob Graff Ochsenstirn / so zu Wien ist / permission erhalten werde / mit Graff
Königsmarck nach Venedig zu gehen. Schreiben von Stockholm vom 3. dito berichten
/ alle drey Majestäten / als nemblich (Der König / die
regirende und verwittibte Königin begleiten den Seel. Truchseß Peter Braben
zur Erden.) der König / die regirende / und verwittibte Königin haben
den Seel. Truchses Peter Brahen zur Erdigung begleitet; weiln es sich noch
schlecht zur Schlittenfahrt anläst / als werden Ihr. Majest. den 11. dito erst
nach Königsöhr / hernach aber den andern Provincien zur Munsterung dero
Land-Regimenter auffbrechen. Nunmehro ist der Italiäner Don Francisco Maria
Levanti nebst denen zugeordneten Commissarien nach den Bergwercken abgereiset /
umb allda eine Probe seiner promi???tirten grossen Menage abzulegen / weiln er
nemblich mit halben Spesen das Kupffer und Silber viel feiner und schöner
lieffern wil / wie er dann solches so gar vor gewiß hält / daß er keine andere
Bezahlung begehre / als 100000. Reichsthaler aus dem Uberfluß / und wil die
Kunst noch darzu unsrer Nation (Stockholm vom 5.
dito) lehren. Sonsten seynd Ihro Königliche Majestät allergnädigst
resolviret / auff den Landtag in Pommern proponiren zu lassen / daß sie
gäntzlich beschlossen / denen Frantzösischen flüchtigen Reformirten in dero
Provintzien / einige Wohnstädt einzuraumen / absonderlich die im letzten Krieg
ruinirte Vestung Demmin / wie sie dann zur besserer Auffnehmung solche Stadt mit
allerley Vortheilhafftigen Privilegien versehen wollen. Capitain (Capitain Larson bekombt eine jährliche Pension.)
Larson ein gebohrner Schwede / so von Jugend in Engelland unter Printz Robert
gedient / und in Mechanicis wohl erfahren / daherd er von Ihr. Königl. Majest.
eine ansehentliche Jährliche Pension erhalten / hat jetzo ein gar ungemeines
Kunststück zu thun versprochen / nemblich daß er [97] bey allerhand Winden / ein Cron-Schiff in 24. Stunden nach denen
Thälern bringen wil / wo nun dieses practicabel, wird er den Seefahrenden / so
offtmahls wegen contrari Wind hier ligen müssen / grossen Nutzen schaffen. (Verspricht ein ungemeines Kunftstück zu thun.) Zu
Carls-Cron ist die neue Kirch eingeweyhet / und Hedwig genennet worden. So wurde
auch die Königliche Admirals-Kirch gleichfals kurtz vorher inauguriret / und
Ulricapia genannt. Sonsten gehet noch immer der Schiffs-Baw fleissig von statten
/ und sollen künfftiges Früh-Jahr unterschiedliche vom Stapel ablauffen. Es
wollen auch Ihr. Königliche Majestät / daß dero Soldaten nebst den guten
Kriegs-exercitien auch in den Christenthumb disciplinirt werden möchten / und
sollen der Rede nach zu gewissen Zeiten in den Guarnisonen examinirt werden. Man
discurirt allhier insgemein / von einer engen Alliantz zwischen diesem
Königreich / Dennemarck / Sachsen / Brandenburg / Lüneburg / Hessen / und
einigen andern (Stockholm vom 8. dito.)
Potentaten / absonderlich gehet die Rede / daß sich die beyden Nordischen Reiche
dermassen auff 20. Jahr fest gesetzt / daß die gantze Christenheit darüber sich
zum höchsten zu erfreuen haben wird. Der bekante Italiäner (Don Levanti ist in den Kupfferbergen mit seinen
schmeltzöfen fertig.) Don Francisco Maria Levanti ist zwar in den
Kupffer-Bergen mit seinem Schmeltz-Ofen fertig / und machen die mit gegebenen
Commissarien grosse Hoffnung / daß es glücklich succediren werde / dann das Ertz
ein Zeitlang sehr schlecht gewesen / und über daß die Holtzungen durch die
vielen erforderenden Kohlen auch dermassen sehr ruinirt / allein weilen er gar
übel vom Podagra geplaget wird / bringts nicht wenig Hindernuß die neue
provitliche Invention zu practiciren.
Das siebende Capittel
Schreibt von Königl. Pohlnischen / Moscowittisch.
Tartarisch. auch wohl Türckischen Hoff- und Kriegshändlen.
(Eingang in die Königl. Pohlnische Geschichten.)
WAnn der jetzt regirende König in Pohlen Johannes dieses Nahmens der Dritte /
souverain wäre / möchte man ihn billich unter die mächtigste Potentaten von
Europa zehlen / dann seine tapffere Faust / und starcker Arm würde nicht
zulassen / daß die Türcken ihme einer handbreit Erden von seinem Reich entziehen
möchten / aber da die Senatores mit regiren / und bey Reichs-Versamblungen ein
jeder Edelman̅ (deren in [98] Pohlen mehr als in einem Reich zu finden seynd) und solte er auch nict einen
eintzigen Morgen Ackers haben / seine Stimm mitzugeben hat / und ein eintziger
solcher Edelmann / wann ihm der gemachte Schluß nicht gefält / (Der Adel in Poblen hat grosse Freyheit.) die
gantze Versamblung zertrennen kan; so fället es ja unmöglich / daß ein
regierender König [deme jetzt erzehlter Weiß nach die Hände gleichsam gebunden
seyn] in einem oder andern Fall etwas nutzbahres vor das Königreich schaffen kan
/ dann viel Köpff viel Sinn / viel Leuth / viel Factiones, was (Ein einige Stimm mag die gantze Reichs. Versamblung
zertrennen.) einer gut spricht / verwirfft der andere / was jener dem
Reich vor nützlich achtet / erkennet dieser vor schädlich / und weilen die
Pohlen bey so bewanten Dingen in ihren Reichs-Tägen [da ein eintzige Stimm so
viel vermag] in eine gleichlautende und zusammen stimmende hatmoni noch niemahln
haben gebracht werden können / so hat ja der Türckische Bluthund bißhero (So den Türcken ein gemachtes Spiel ist.) ein
gewonnen Spiel gehabt / die Pohlnische Gräntzen nach und nach immer zu
beschneiden / und noch vor etlichen Jahren das Königreich Podolien in seinen
unersättlichen Rachen einzuschlucken / deme man dieses grosse Königreich bey so
erwünschter Gelegenheit der Triple-Alliantz zu dieser Zeit leicht aus dem Rachen
wieder heraus reissen könte / wann mann nur gesamter Hand das Werck angreiffen
thäte / die gewaltige Vestung Caminieck würde bald wieder in der Pohlen Hände
seyn / wann sie ihrem König etwas (König in Poblen ein
dapfferer Herr.) mehrers zu willen stünden / der ja in der Warheit so
ein dapferer und couragioser Herr ist / als einer seyn mag / dann zu geschweigen
der Heroischen Thaten / so er vor diesem als Cron-Feld-Herr in vielen Occasionen
verrichtet / ist ja noch in frischen Andencken sein ruhmwürdige Verrichtung bey
der (Das bezengt seine Großmüthige Verrichtung vor
Wien.) Käys. Residentz-Stadt Wien / da dieser generose Herr in eigener
Persohn mit seiner Leibguarde gegen die Türcken den ersten Angriff gethan / den
Feind erstens wanckend gemacht / und erstens in die Flucht getrieben / also daß
man mit Fug die Worte Ihrer Päbstl. H. Pii deß V. [so selbige ehemahls und zwar
im Jahr 1571. den Don Johan d' Austriâ, als Generalissimo über die Alliirte
Christliche Flotten wegen erhaltener glücklichen Seeschlacht wider die Türcken
aus Vätterlichen Wohlmeynen beygelegt] auff diesen Großmüthigen König appliciren
kan / nemblich die Wort deß Evangelii Joh. 1. 6. Fuit Homo missus à DEO, cui
nomen erat Joannes. Es ward ein Mensch von GOtt gesandt / dessen Nahm war
Johannes. Die Käys. Macht war geschwächt / der Reichs-Succurs nicht zum
stärcksten / das beänstigte Wien lag im Zügen / die Christenheit seuffzete und
schrye ohne underlaß zu Gott umb Hülff; Sihe da ward von GOtt ein Christlicher
König gesandt / der war der König in Pohlen / und hieß Johannes / dem gabe der
HErr Stärck von oben herab / der schluge zu seinem ewigen Nachruhm vermtttels
deß [99] ersten Angrieffs bey Wien die
Christenfeind aus dem Feld / und bahnte also denen Christen den Weg zu fernern
glücklichen Progressen, die auch bißhero sehr wohl reusciret seynd / der
Allerhöchste verleyhe seinen Göttlichen Beystand noch weiter denen Christlichen
Waffen / worvon wir mehrers nicht reden / sondern wieder à propos kehren / und
die Pohlnische Geschichten deß Monats Januarii in richtiger Ordnung hieher
verzeichnen wollen; (In Pobln gedencket man eine grosse
Armet dieses Vor-Jahr ins Feld zu stellen.) wie selbige Vermög
Brieffen aus Crackau / Warschau / und Lemberg eingekommen seyn; Es wurden aber
mit dem angetrettenen Neueu Jahr am Königlichen Pohlnischen Hoff auch alle
Consilia erneuert / die einmüthig dahin gezielet haben / wie auff künfftiges
Vor-Jahr eine solche Macht ins Feld gebracht werden möge / dergleichen in
selbigem Königreich nicht viel gesehen; Zu dem Ende dann auff 10000. Mann zu
werben / die Patenta schon außgetheilt seynd.
(Zu Zollkiew das Consilium bellicum geendiget.)
Zu Zolkiew hat sich das Consilium bellicum geendiget / in selbigem ist unter
andern beschlossen / daß die neue küpfferne Schilling Kleparky genannt / den
alten völlig gleich gethan / und selbige in Mackeln oder in Zahlung anzunehmen /
sich niemand weigern soll / welches den Kauffleuthen (Relation vom Einfall der Tartarn unter dem Sohn deß Tarter. Chams.)
und Krämern nicht zum besten gefallen wird. Von dem Han continuiren die vorige
Relationes, daß er einen Bassa ben sich hat / und unter Niemirovv gewesen /
nichts aber verrichten können / im Zurückgehen aber alles verwüstet / dabey wird
berichtet / daß die Horde gar abgemattete Pferd gehabt hätte / und viel im Stich
gelassen / und selbst zu Fuß gehen müssen / umb in ihre Quartier zu kom̅en. An einem Paß im Morast haben sie über 1000. Pferd gelassen /
die sich an deß Hanß Seite hielten / dann sie besorgten sich / entweder der
Mohila, oder sonst die Cron-Völcker ihnen nachsetzen möchten / wäre demnach
unsere Armee so capabel gewesen / ihnen nachzusetzen / würden sie derer viel
caputirt haben. Es hat gemeldter Commendant zu zweyen mahlen (Werben zerstreuet viel erlegt und gefangen.)
außcommandirt / welche hin und wieder auff eintzige Hauffen Tartarn getroffen /
derer viel erlegt / zerstreuet / auch viel Beuth und Gefangene bekommen / und
die sie in die Sclaverey genommen befreyet. Die Gefangene berichten / daß der
Sultan Galga eine grosse Menge Menschen aus Wolyn in die Sclaverey geführet
habe. Die Commission der Hyberne ist noch biß (Außlag
der Gefangenen.) dato nicht expedirt. Von Tarnopel ist Nachricht
eingelauffen / daß nachdem selbige Leute vernommen / wie daß abermahl 200.
Proviant-Wägen unter einer Convoy von 3000. Tartarn in Caminitz eingebracht
worden / haben sie alle die Flucht genommen / indem der jüngst unter Wollynien
geschehene Schade an Wegführung der Mannschafft sehr groß seyn soll / also / daß
wann die Türcken auch sonft keine Sclaven hätten / sie mit die [100] sen jetzigen ihre Galleren
überflüssig würden besetzen können. Der Abgesandte / welchen Jh. Königl. Majest.
nach Ciym abgeschicket / ist dieser Tagen wieder zuruck kommen mit Schreiben vom
Tartar-Cham / in welchem er grosse consternationes gegen Jh. Königl. Mojest.
bezeugt / und remonstriret, daß er in jüngster Campagne besser hätte operiren
und denen Polen mehr Schaden ihun können / in Summa auff Tartarisch will er
Freund bleiben (Ein Tartarischer Gesandter wird am
Polnischen Hof erwartet.) der Person nach / ein Feind aber deß Raubes
/ hat derowegen einen Gesandten unterwegs / welcher täglich beym Königl. Hof
allhier erwartet wird / dessen mitbringen in Antragung der mediation zum Frieden
bestehen soll. Die abgefertigte Deputirte an den Päbstlichen Nuntium seynd auch
zurück kommen / mit Declaration, 2. Millionen zur nächsten Campagne herzureichen
/ nebst weiterer liberalität Jh. Päbftl. Heiligkeit. Der Bischoff von Posen ist
bereits zum Ertz-Bischoffthum Gniesen denominirt, das Posische Bischoffthum dem
Bischoff von Przemysel / und dasselbe dem Bischoff von Caminitz / die Proelatur
aber zu Mykau dem Kyowischen Bischoff conferitt worden. Den 2. diß ist zu
Lemberg ein Toworick ankommen / der confirmirt, daß die Tartarn im Ruekmarsch
sehr viel Pferd verlohren / und viel müssen zuruck auff Ochsen reiten / wie er
sagt / hat er selbst 2. auff einem Ochsen reiten sehen / mit gegen einander
zugekehrtem Rucken sitzend angetroffen (Deß Polnischen
Gesandten Verrichtung am Kön. Frantzös. Hof gebet nach Wunsch / vermög
Brieffen aus Fraustatt.) / und dieselben niedergesäbelt. Aus Fraustatt
in Polen ist mit 3. diß neues eingelauffen / daß man daselbsten vor gewiß sage /
daß der Polnische Gesandte am Königlichen Hof zu Pariß bey seiner Majest. dem
König eine neue und feste Alliantz stabilirt, der König von Franckreich auch
Ihrer Majest. dem König und der Polnischen Republic zu recuperirung der Vestung
Caminieck per mare 150. Canonen / viel Bomben / und andere grosse Feuerwerck
überschicken wolle / und sagt man / daß Jh. Königl. Maj. auff künfftigen
Frühling selbst mit zu Feld gehen wollen / wie dann der Churfürst von
Brandenbueg ein Corpo volant Jhr. Maj. Dem König zu Dienst wider die Türcken
überschicken werde / es verlautet / daß noch vor Johannis die Polnische Armee
ins Feld rücken / und den Krieg wider die Türcken prosequiren werde. Indessen
seynd die Soldaten in ihren Winterquartieren lustig / fressen / sauffen /
turniren / vermeynende / daß es doch auff das Ende ihres Lebens loß gehen wird.
Aus Cracau kom̅t vom 4. dito / daß der Päbstliche Nuntius
würcklich die versprochene Gelder exiradire, gegen einer Versicherung / daß
worbey der General-Musterung nicht wird (Der Polnische
Resident in der Tür???ey muß) complet erscheinen / alsobald in loco
das Geld zuruck geben soll. Der Polnische Resident in Türckey Herr Proscky hat
mit Bewilligung deß Seraskiers Sr. Kön. Maj. proponenda media pacis geschrieben
/ daß die Türcken [101] primo deß H. Grabes
Obsicht den Lateinischen Rittin vor den Griechen überlassen / und secundo
dasselbige Stück Landes / was sie nach dem Zurawischen Friedens-Tractat in
Podolien abgezwackt / und der vorige Vezier (seinem
König einen Vortrag zum Frieden thun.) deßhalben an dem Leben
gestrafft worden / an Polen wieder restituiren wollen. Der Marquis de Souver ist
von Sr. Königl. Majest. mit zwey schönen wohlmun dirten Pferden / einen Zobeln
Peltz / und mit Rubin versetzten Sebel regalirt, nach Franckreich abgereiset /
mit Versicherung der zukünfftigen Campagne allhier beyzuwohnen / seine Leut
seynd auch nach proportion beschenckt worden. Der Castellan von Wildan ist
bereits in Littauen auffgebrochen / mit Versprechung / sich wiederumb zeitlich
bey der künffügen Campagne einzufinden. Es bericht abermahl ein übele Zeitung /
(Böses Gerücht wegen eines nenen Einfalls der
Tartarn.) ob solten die Tartarn in Pogucie eingefallen seyn / grossen
Schaden gethan / ja gar / umb so viel besser bey einfallendem harien Frost / die
umbliegende Oerter durchzustreiffen / ihren Sitz und Quartier daselbst genommen
haben / wovon man künfftig die Gewißheit erwartet. Dieses wird indessen vor
gewiß berichtet / daß dreytausend Tartarn viel Proviant in Caminieck eingebracht
/ hernacher umb Tremboule und den Gräntzen viel Menschen und Viehe geraubet /
und in die Dienstbarkeit geführet. Die von Orient anhero gekommene Leute
referiren, daß die Persianer gewiß denen Türcken den Krieg angefündiget / und
auff Baldat würcklich mit der Armee marchiren / welches auch einige aus Servien
kommende Personen confiriniren, und daß allda die Christen mit Verlangen die
Christliche Waffen (Christen werden in Servia von den
Türcken übel gehalten.) erwarten / weilen sie bey den Türcken im
Verdacht seynd / also daß / wann derer etliche zusammen kommen / sie von den
Barbarn überfallen / und von denen Hussaren niedergestossen werden / welche
Tyranney denen Christen gnugsam Anlaß gibt / daß sie nach der Erlösung seufftzen
müssen. Zu Jasty stehet ein Bassa mit ungefehr 200. Mann / vielleicht wollen die
Türcken dem Hospodar nicht trauen. Indessen werden alle Polnische Regimenter
starck recroutirt / und hat man auch bereits an Jhr. Majest. den König in
Schweden / item an Jhr. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg einige Gesandten
expedirt, umb von dorten aus Fußvolck zu erlangen / allem Ansehen nach soll die
intention auff Caminiec Podolsky selbiges mit Vomben und Carcassen einwerffen
von der Seiten / da es sich attaquiren lässet / zu bezwingen / gerichtet seyn /
und da etwann eine Türckische Macht solches zu entsetzen käme / ihnen eine
Battallie zu liefern. Sonsten lauffet (Die Türcken
offerirë ihrer) Nachricht ein / daß die Türcken auff künfftiges
Früh-Jahr grosse Proeparatoria wider die Christen machen / und einem Fußknecht
6. [102] einem Reuter aber 10. Rhlr.
Monatlich zu geben promittiren, sie mögen seyn was für Nation sie wollen. Es ist
auch ein Türckischer Chiaus zu Zolkiew wegen Friedens-Tractaten angelangt /
welcher aber nichts ausrichten (Militz eine grosse
monatliche Gage.) wird. Zu Reusch-Lemberg fähret man in der Commission
wegen der Winterbrod-assignationen eyferig fort. Der Päbstliche Nuntius will
aber die Gelder ehender nicht geben / es stehe dann die Armee auff denen
Gräntzen / allwo selbe überwintern / und fertig seyn können / ohne Verliehrung
vieler Zeit bald im Majo den March zu observiren, den Winter über aber dardurch
obgeregte Gräntzen vor der Türcken und Tartarn excursionen zu (Der Polnischen Gefangenen Aussag / so von Caminieck
eliberirt worden.) bedecken. Einige Gefangene / so der König aus
Barmhertzigkeit von den Türcken aus Caminieck eliberirt, bekräfftigen einhellig
/ daß die Horde nach verwichener Campagne sehr abgemattet sey / und der gröste
Theil zu Fuß nach Hauß gehen müssen / solches wird ein grosser Vortheil zu
künfftiger Campagne vor uns seyn / wann die unsrigen bald im Frühling
auffbrechen / und keine Fouragie ihnen nicht zugeben werden / welches der König
in grosser observanz gehalten / und dem Päbstl. Nuntio proponirt- und den Hn.
Krakovvsky beordert / daß er die Gelder / so Rom versprochen / zur Artillerie /
oder zu Bezahlung der Cosacken Fußvölcker / Recrouten / Brücken und Czaicken
anwenden soll / damit man alsobald im Frühling ins Feld gehen möchte / und gehen
die consilia allem Ansehen nach dahin / entweder Caminieck zu attaquiren, oder
gleich zum mehrern avanzo gerad über die Donau zu gehen / welches also das
nöthigfte seyn wird. Der König hat gewisse Nachricht / daß der Solim Bassa /
welcher in beyden Campagnien mit dem Seraskier gewesen / zurück nach dem Türcken
beruffen / man nieynte / daß er zum Vezier declarirt werden / und nachmals
entweder in Ungarn oder in Polen agiren soll. Der Herr Krakovvsky gehet jetzo
unter Crakau / von dar den Weg nach Crenstochon. Indessen melden Brieff von
(Bericht von einer abermaligen Rencontre zwischen
den Tartarn und Polacken.) einer neuen abermaligen Rencontre, welche
die Polen und Cosacken unfern Niemerow mit den Türcken gehabt / diese haben
schon lang in und umb Caminieck in Bereitschafft gestanden / in Hoffnung / bey
einem harten Winter in Rußland und biß an Lemberg zu streiffen / weil ihnen aber
das Wetter entgegen / und ihre Pferde ohne dem schlecht bestellet seynd / so daß
in den tieffen Wegen die meisten werden müssen zu Fuß gehen / haben sie zwar
eine haupt impresse nicht wagen dörffen / weil ihnen aber die Zeit zu lang
worden / seynd die so am besten beritten gewesen / nebst den Lipkern / so in 2.
biß 3000. starck auscommandirt / beordert gewesen / so weit zu gehen / als sie
immer können. Dieses Vorhaben ist dem Mohilo / auff welchen es am meisten
gemüntzet gewesen / verkundschafftet / dahero er bey dem Feldherrn [103] instandig umb Suecurs angehalten / der
ihme auch beyzeiten aus den Polnischen Quartieren zugesandt worden / mit welchen
und seinen Cosacken er dem Feind ungesäumt entgegen geruckt / und ihn dergestalt
empfangen / daß wenig davon kommen. Wovon künfftig ein mehrers.
(Moseowittische Geschichten.) Von Moscau wird
nachfolgendes berichtet / man hat aus Polen allhier Nachricht / daß die
Ambassade / welche von dannen anhero kommen / erstlich nur in 2. jetzund aber
vernimmt man / daß solche in 6. vornehmen Herren bestehen werde / welche in
Commission haben sollen / die projectirte Bündnuß / es seye auff was Art und
Weise es immer wolle / zu schliessen / und solches mit Abstehung aller
praetensionen, so die Cron Polen an Jh. Czarische Majest. haben mögen. Einer von
denen 2. Jesuitern / so unlängst von Rom anhero kommen / ist gestorben / nachdem
er kurtz vorher ein grosses Pacquet Brieff aus Polen empfangen / deren Inhalt
aber sein Collega nunmehro ausrichten wird. Der Herr Almasot, welcher als
Extraordinari Env??? zu Anfang dieses Jahrs in Frankreich verreist / hat von
seiner Verrichtung rapport gethan / woraus man aber gnugsam abnimmt / daß seine
Reise fruchtloß gewesen / ob man ihm schon Hoffnung gemacht / daß etwann über
kurtz oder lang ein Abgesandter aus Franckreich anhero expedirt werden solte /
indessen seye er doch am Königl. Frantzös. Hof mit einigen Proesenten regalirt
worden.
Das achte Capitel
Gedencket von Italiänischen / meistentheils Venetianischen / auch wohl
Türckischen Staats- und Kriegs-Affairen.
(Eingeng in die Venetianische Geschichten.) DIe
Republic von Venedig ist nicht sowol wegen ihres Alters als in der
Einträchrigkeit deß gemeinen Wesens / so ihrem Staat fürträglich seyn mag / zu
bewuudern / in Staate-Sachen / die zum (Venetianer
seynd einstimmig in Sachen / so ihrer Rebublic vorträglich ünd.)
Auffnehmen der Republic gedeyen / ist bey dem Senat zu Venedig ein Hertz / ein
Muth / ein Sinn / und dieses ist die einige Ursach / daß diese von
unerdencklichen Jahren biß dahero immer in Flor gestanden / sie haben sich mit
dem Erbfeind offt und manchesmal auff dem Meer dapffer herumb gebalget / und
manche schöne Galleren von demselben erbeutet / man erinnere sich nur deß
letzten Candianischen Kriegs / wie ritterlich und Löwenmuthig sie sich auff die
etlich und zwantzig Jahr umb dasselbige Königreich gewehret [104] haben / es hat ja den Türcken so viel
Gut und Blut gekostet / daß er vermittels dessen wohl 2. oder 3. andere
Königreich über wältigen können / hätte diese Republic von den Europoeischen
Potentaten in Zeiten erklecklichen Succurs erlangt / gleich er versprochen war /
wurde Candia in Ewigkeit in Türckischen Gewalt nicht gerathen seyn / vielleicht
aber gedencken die Venetianer bey jetzigem Krieg mit den Türcken einen Tausch zu
treffen / und statt der Candianischen abgeraubten Braut die ihnen viel näher
gelegene grosse Insul Morea heimzuführen / die auch schon würcklich angepackt
ist / und mag der Türck zusehen / daß nach deren Hinwegreissung nicht auch
wieder Candia als ein Zugab folgen möge. Von dem wir weiter nicht reden /
sondern nur berichten wollen / was diesen Monat in Morea / Dalmatia / und andern
Orten / wo die Venetianer ihre siegreiche Waffen hingewendet / von importanz
sich zugetragen habe. Worbey vors erste zu wissen kom̅t / daß
(Morlacken und Mainoten bleiben beständig unter
Venetianischer Devotion.) die von den Türcken abgefallene und zu ihnen
den Venetianern übergetrettene Griechen / Morlacken und Mainotten immer
continuiren / unter ihrem Haupt Malonack genannt / daß Türckische Land starck zu
infestiren, wie sie dann öffters viel Türckenköpff und gute B???ut zuruck
bringen / und obschon der Bassa von Romania jüngsthin einen Aga zu ihnen gesandt
/ welcher mit ihnen tractiren / und sie persuadiren solte / daß sie sich wider
unter das Türckische Reich submittiren möchten / weßhalben ihnen eine
fünffjährige Freyheit (Tractiren den Türckischen Aga
sehr übel.) von allen Beschwehrungen angebotten wurde / so haben sie
aber besagten Aga ohne Nase / Ohren und Lippen wieder zuruck gesandt / umb
dardurch die Standhafftigkeit bey dieser Republic zu bezeugen.
Mit einem Schiff / so den 30. passato mit verschiedenen Wahren zu (Ein Türckisches Schiff mit 700. Personen zu Grund
gangen.) Venedig angelangt / hat man confirmation, daß ein grosses
Türckisches Schiff / auff welchem 70 Stück und 700. Personen gewesen /
gestrandet / also daß keiner von allen sich salvirt hat / und hat man an dem
Ufer di Baffo 300. Todtencörper / so vom See seynd ausgeworffen / gefunden. 15.
Tag vor gedachten Schiffs Abreise sey ein Türckischer Chiaus mit Ordre den
dasigen Bassa zu arrestiren̅ ankommen / aus Ursachen / daß er alle
Aufflagen verdoppelt habe; es hat zwar derselbe 150. Beutel / in deren jedem
800. Realen gewesen / umb sich zu redimiren, anerbotten / seynd aber vom Cyiaus
nicht acceptirt oder angenommen worden. Es seye auch von Rhodis ein Felouque mit
Passagiers angeländet / mit Bericht / daß in dem Canal Scio der Capitain Delfino
auff die Türcken scharmuziert / ihnen 5. Schiff abgenommen / und 4. andere / so
sich mit der Flucht salvirt / verfolgt hätte. (Ein
Frantzösische Tartana durch) Als obgedachtes Schiff zu Zan???e gewesen
/ habe das Ungewitter eine Frantzösische Tartana daselbst angetrieben / in
welcher nach geschehener Visiti [105] rung 4. Türcken und 1. Moyr gefunden worden / so nach Constantinopel
gewolt / umb alldorten wider deß Königs zu Tunis Bruder Succurs zu sollicitiren
/ welchem die Mohren und die von Algier Hülff leisten / diese Tartana ist nach
Corfu dem Capitain General zugeschickt worden / vor welchem sie erstbemeldte
Ursachen ihrer Reiß auch vorgebracht haben / und seynd hierauff die Türcken
sambt den Mohren ins Gefängnuß geworffen / die Tartana aber wieder frey
entlassen worden. Mit andern Schiffen von Corfu hat man / daß zwar der General
Delfino nach Rhodis gesegelt / weilen er vernommen / daß daselbst 10. feindliche
Schiff sich auffhalten / von einem Gefecht aber / so zwischen beyden Theilen
solle vorgangen seyn / wird nichts gemeldet. Dem Marchese du Corbon Obristen von
Dragonern ist wegen seines Wohlverhaltens und in gegenwärtigem Krieg
treugeleisteter Diensten die Gage gebessert worden / und weilen man die Dragoner
als gar dienliche Kriegsleut befindet / soll dessen Regiment auff 1000. Mann
verstärckt werden. Zu Lido kommen täglich frische Völcker an / wie dann
jüngst-verlittenen Tägen achthundert da eingezogen / und erwartet man auch (Zu Venchig werden die 3. erste Täg dieses Jahrs dem
allgemeinen Gebet gewidmet.) stündlich der Mayländer / weilen aber
menschliche Anschläg ohne Göttlichen Segen den erwünschten Ausgang keines wegs
gewinnen / als hat der Durchleuchtigste Senat beschlossen / die drey erste Täg
deß neuen Jahrs dem allgemeinen Gebet zu widmen / umb dem Allerhöchsten
gleichsam die Primitias zu offeriren, und zu bitten / daß er die Christliche
Waffen ferner segnen und siegreich machen wolle. Aus Levante hat man Zeitung
erhalten / daß die Türcken in die 2000. starck sich versam̅let /
umb einen Streiff in Maina zu thun / weilen sie aber der Mainotten gute
Wachtsamkeit und tapffere Resistence vermerckt / haben sie ihr Dessein nit ins
Werck zu setzen getrauet. Der Gavanos Commendant in Morea fortificirt Butintra /
aus Veysorg es möchte diesem Orth wie Gomenitze ergehen / welches von den (Deß P??? Copnisi Schiff practiciret durch ein
Stratagema 4. Türckische metallene Stück und viel Geld.) unsrigen
jüngsthin erobert / und geschleifft worden. Der Herr Copnisi von Zante hat ein
Schiff gekaufft / und einen Frantzosen zum Capitain darüber bestellt / deme er
Commission gegeben / Früchten einzukauffen / als er aber von den Türcken
gezwungen wurde / vier metalline Stück und ein grosse Summa Gelds nach Navarino
zu führen / haben die Bootsleut nach erhaltenem guten Wind ihren Capitain auff
dem Land gelassen / und seynd mit dieser Beut glücklich hier angelangt. Es seynd
von unserer Armada verschiedene Officirer und gemeine Soldaten ankommen / die in
verwichener Campagna verwundet worden / und weilen sie keine Kriegsdienste
leisten können / als sollen selbige in die Städt verleget / und Zeit Lebens
auff [106] hiesiger Republic Spesen
unterhalten und verpfleget werden. Aus Dalmatien hat man für dißmal nichts neues
/ weilen zu dieser Zeit keine Kriegs-Operationes können vorgenommen werden.
Dieser Tagen seynd Ihr. (Hertzog von Hannover zu
Venedig angelangt.) Durchl. der Hertzog von Hannover hier ankommen /
welcher sich in Musical. opera divertirt, deren erste intitulirt ist / Cleareo
di Negro ponte, die andere / Didone delirante, und die dritte Demone Amante. Von
Constantinopel hat man / daß der Groß. Vezier annoch willens ist / künfftiges
Früh-Jahr persönlich zu Feld zu gehen / und seyen von dannen 4000. neue Soldaten
nach Morea commandirt worden / so wolte man auch die Arabische und Asiatische
Trouppen mit Gewalt zum march zwingen / weßhalben einige Secretarii von der
grossen Cantzley aus commandirt worden. Von (Der
Capitain von Delfino und der Corsair Manetta thun eine Landung in
Candia.) Zante hat man Nachricht / daß der Capitain der Schiffen Delfino,
nebst dem Corsair Manetta in Candia eine Landung gethan / welches ihnen so sehr
geglücket / daß sie das Castell von Gurapetra, auff der Küsten selbigen Reichs
gelegen / glücklich erobert / viel Türcken darnieder gemacht / und über 200.
derselben gefangen bekommen.
Mit Brieffen aus Dalmatien vom 3. hujus hat man neues / daß unerachtet der rauhen
Winterszeit die Morlacken in verschiedenen starcken (Die Morlacken streiffen weit ins Türckische / und machen gute Beuth.)
Trouppen in das Türckische biß an die Stadt Imosu fortgerucket / allwo sich der
Feind mit Trencheen versichert / welche aber auff Anfrischung deß Gen.
Proveditors Valier besagte Morlacken attaquirt, und nach einem 3. stündigen
Gefecht überwunden / worauff der Feind sich in die Vestung reterirt / jene aber
/ nachdeme sie die Stadt geplündert / und eine reiche Beuth an Vieh und andern
Sachen erobert / selbige angezündet / und in die Aschen gelegt / sie haben auch
viel Christliche Familien mit sich zurück gebracht so sich der Republic devotion
untergeben haben / aus welchen 150. Kriegsdienst zu leisten capabel seynd / wie
sie dann solche würcklich angenommen haben. Ein andere Parthey hat biß an
Narenta viele Dörffer in Contribution gesetzt / und welche in der Güte sich
darzu nicht verstehen wolten / haben die Straff ihrer Halßstärrigkeit durch das
Feuer bezahlen müssen / diese Parthey ist ebenmässig nicht mit lären Händen
sondern mit einer guten Beuth zuruck kommen / und ob sie schon in dem Ruckmarsch
von dem Feind von hinden und auff der Seiten angefallen worden / hat sie dannoch
demselben sich tavffer widersetzt / und ware ihnen kein geringer Vortheil / daß
sie von etlichen Galeazzen auff der andern Seiten aus dem Meer bedeckt wurden /
womit sie sich und ihre ertapte Beuth salvirt haben. Man hat die Päß / durch
welche der Bassa von Boßnia / Clin und Sing zu succurriren gedenckt / bester
massen besetzt. Die Heyducken haben auch einen [107] Streiff ins Türckische gethan / und über tausend stück Viehe daraus
gebracht / seynd zwar von denen im Castell Novo verfolgt worden / haben aber
unverrichter Sachen und mit grossem Verlust wieder abziehen müssen. (Brieff von Ragusa.) Mit Brieffen von Ragusa wird
berichtet / daß die ordinari Post von Bellgrad dorthin mitgebracht / was
gestalten der Teckely annoch daselbst gefangen gehalten / und wohl verwahret
werde / und der Seraskier / welcher in Ungarn commandirt gehabt / und mit
zehentausend Mann daselbst angelangt / mit dem seidenen Strang seine Belohnung
empsangen / die Soldaten lauffen aus Mangel der Lebensmittel häuffig davon / und
suchen (Moro???langt zu Corf??? glücklich an.)
nichts als innerliche Bürgerliche Krieg zu erwecken. Ihr Excell. Morosini ist zu
Corfu glücklich angelangt / und ist der Schiff-Capitain / in dessen Schiff er
Morosini gefahren / wegen der treuen assistence in jüngstbemeldter Rebellion mit
einer güldenen Ketten / woran ein schöner Gnadenpfenning hieng / regalirt / die
Bootsknecht aber mit 100. Zechini beschenckt worden / über das ist besagter
Capitain zu einem Capitain von dem ersten Kriegs-Schiff declarirt worden /
anjetzo fährt er mit seinem Schiff nacher Holland / von dannen er wieder zuruck
kommen / und die ihme übertragene (Ein Schiff von S.
Nicola berichtet den setzigen Zustand deß Türckischen Reichs.) Charge
bedienen wird. Ein Schiff S. Nicola von Constantinopel kommend vermeldet / daß
in dieser Stadt wegen Abwesenheit deß Hofs alles still seye / ja fast gar einer
Einöde gleich / weilen ob der grossen Theurung viel Leut von dannen sich hinweg
begeben. Nachdem auch der Schatz deß Groß-Türcken fast gantz erschöpffet / als
greifft er allbereit seine silberne und güldene Geschirr an / und läst Müntz
daraus schlagen / so müssen die Unterthanen benebenst die jenige Contribution
erlegen / welche sonst ehender nicht / als wann der Groß-Herr selbst zu Feld
gehet / pfleget erhoben zu werden. Sie beklagen sehr die widrige Krigs-Fortun,
und schreibens dem Göttlichen Willen zu / daß sie anjetzo das jenige so
geschwind verliehren müssen / was sie in so viel Jahren mit den Waffen erworben
und besessen haben. Immittels legen sie ihren Hoffarth zimmlich ab / und
verfahren viel gelinder mit den Christen / als sie zuvor gethan / wie sie dann
die Schiffe / welche sonst vier biß fünff Tag und länger an den Dardanellen
halten müssen / bald expediren und abfahren lassen.
(3. Christliche Corsaren Schiff erobern ein Türckisches
Schiff / und schiessen ein anders zu Grund.) Brieff aus Corfu avisiren
/ daß bey ihnen Nachricht von Rhodis eingelauffen / wie drey Christliche
Corsaren Schiff zwey Türckische angetroffen / mit denselben scharmuziert / eins
davon in Grund geschossen / das andere erobert / und die darauff befundene
Türcken alle zu Sclaven gemacht hätten / nachdem sie aber in dasselbe
eingestiegen / habe ein gähling [108] entstandenes Sturmwetter sie dermassen zerstreuet / daß man nicht wissen kan /
wo eins oder das andere hinkommen. Der General Delfino seye auch mit einer
grossen Quantität Gelds / welches er auff denen im Archipelago gelegenen Insulen
vom Feind erpresset / zu Corfu angekommen. Ihro Excell. Venier Provediteur von
Majana hat von diesen Völckern 24. Compagnien / jede 200. Mann starck
auffgerichtet / welche durch continuirliches streiffen den Türcken grossen
Schaden zufügen. In der Gegend (500. Türcken werden bey
Coron übel empfangen.) Coron haben sich 500. Türcken unterstanden /
die darumb ligende Dörffer / erstlich zwar mit liebkosen / nachmalen aber mit
Bedrohungen in ihre Devotion zu reduciren, welche aber den Handel unrecht
verstanden / zu den Waffen geschritten / und diese ungeladene Gäst dermassen
empfangen haben / daß wenig von ihnen wieder zurück kommen / ein solches haben
sie auch bey Prevesa tentirt / und seynd mit gleichmässigen Tractamenten
abgespeist (Dahin 3. Schiff mit Ammunition und Volck
zum Succcurs abgeschickt worden.) worden. Der General Capitain hat
nach Coron 3. Schiff mit allerhand Ammunition und 400. Mann für selbige Vestung
abgeschickt / umb dem Feind in allen occasionen desto mehr gewachsen zu seyn /
übrigens wird zu Corfu alle nothwendige Anstalt gemacht / daß man bey guter Zeit
die Kriegs-operationes reassumiren möge / wie man dann auch hier dißfalls weder
Geld noch Fleiß spahret / den Krieg zu continuiren / und zu dem End die 2000.
Mann / die in Lido und da herumb ligen / ehistens nach der Armee sollen
abgeschickt werden / wie auch die Mayländische in 3000. Man̅
bestehende Trouppen. Der Hertzog von Hannover wird seine Völcker mit 2000. Mann
verstärcken / die 1000. Mann aber / die in Holland geworben worden / und die so
aus dem Königreich Neapel erwartet werden / sollen gleich nach Corfu ihren march
nehmen / und ist merckwürdig / daß unsere Soldaten ungehindert der vielfältigen
Lufft-Veränderungen bey guter Gesundheit sich befinden. Ihr. Durchl. der Hertzog
von Hannover / die bey der Armee seynd / haben von unserer Durchleuchtigsten
Republic den Titul eines Generals empfangen. Aus Dalmatien bringt ein Schiff /
so von Cataro kommen / mit / daß die Heyducken täglich und zwar immer mit ihrer
avantage auff die Türcken loß gehen / und werden von Tag zu Tag stärcker /
indeme sich sehr viel / von den feisten Beuten angelocket / zu ihnen gesellen.
Diesen Abend haben die Opera in Musica amore inamorato intituliret, auff dem
Theatro S. Joan. Chrysostomo ihren Anfang genommen.
(Grosser Mangel an Vivers unter den Türcken.) Von
Cattaro hat man / daß die Türcken durchgehends Mangel an Lebensmitteln leyden /
so gar / daß / als 2. Sangiaci mit einigen Völckern sich zu Gazha auffgehalten /
selbige Gräntzen zu beschützen / der eine wegen Ab [109] gangs der Victualien wieder
abziehen müssen; der andere zwar wäre noch mit 50. Mann stehen blieben / so aber
hernach auch davon gelauffen. So versichert man auch / daß von denen Morlacken
schon über 3000. Familien zu dieser Republic gehorsam sich begeben / und zu uns
übergekommen seyn. Mit Briefen von Ragusa vernimbt man / daß / als der
Griechische Ertz-Bischoff zu Jerusalem auff einer Saicke / mit einem Geschenck
von 50000. Realen nach der Ottomannischen Pforte reisen wollen / selbige von
denen Malthesern genommen worden / so daß nur der Ertz-Bischoff davon kommen.
Ubrigens wären von denen 10. Schiffen / ihrer 9. wieder zu Constantinopel
angelangt / weiln das eine / wie schon vor diesem gemeldet / gesuncken; und
würde der Capitain Bassa mit den Galleren noch erwartet. Es wil (Die Türcken suchen Coron zu überrumpela werden aber von
den M???inotten üdel tractiret.) verlauten / daß sich die Türcten in
Morea in die 10000. starck zusammen gezogen / deß Vorhabens die Vestung Coron zu
überrumplen; der Gouverneur aber darinn / so solches zeitlich zu wissen bekommen
/ hätte die Mainotten in einen Wald versteckt / da sie ihnen dann so glücklich
eingefallen / daß der Türcken eine gute Anzahl in stücken zerhauen / und grosse
Beuth gemacht worden. Von Rom hat man / daß der Pabst seinem verordneten Nuntio
nach Engelland / dem Prälaten Dada 30000. Krohnen übermacht / im Fall selbiger
König ihn unter solchen praedicat annehmen wird. Aus Türckey vernimbt man noch
immerfort mehrere Confirmation, daß das gemeine Volck gegen den Türckischen
Käyser sich sehr auffrührisch bezeuge / dagegen dieser jene mit der Hoffnung
eines baldigen Friedens vertröstete / zu welchem Ende er bereits einige
Abgesandte nach den Römisch. Käyser abgeschickt hätte. Sonsten geben die sieben
grosse Schulen dieser Republic zu gegenwärtigem Türcken-Krieg jegliche 30000.
Ducaten / umb davon Interesse zu empfangen.
Mit einem Schiff von Constantinopel hat man / daß der Divan oder grosse Rath
selbiger Stadt dem grossen Herrn kund gethan / daß / so er das Geld aus der
Schatzküste haben wolte / er folches selbst in Persohn abholen müste; es würde
auch daselbst spargirt / daß der Groß-Vezier plötzlich gestorben / und man nicht
geringen Verdacht hat / daß selbigem vergeben worden. (2. Engelländische Schiff bringen 100. stück Geschütz von Mo???ea nach
Venedig.) Die 2. Englische Schiff / so zu Malomocco arrivirt / bringen
100. stück Geschütz aus Coron und andern eroberten Plätzen mit / welche in
unserm Arsenal umdgegossen werden sollen. Die Arbeitsleuthe / deren 100. an der
Zahl nach Coron gesand worden / empfangen jeglicher deß Monats 20. Ducaten. Ich
kan bey Beschluß der Venetianischen Geschichten nicht umbhin / dem günstigen
Leser nachfolgende Copey eines Schreibens zu communiciren / worin der
gegenwärtige Türck. Zustand zimblich entworffen wird.
|| [110]
Abdruck-Schreibens aus Constantinopel vom 23. Januar st. n. 1686. an einem
Offirirer in Morea, von einem guten Freund.
Monsieur.
(Genaller Bericht von dem gegenwärtigen Türckischen
Zuftand.) ICh habe allbereits aus Livorno M. Hn. Obristen die
vorhabende Reise nach Constantinopel bekant gemacht / anjetzo continuire ich
meine Pflicht / demselben zu berichten / wie ich darunter reussiret / GOtt sey
Danck glücklichst / und zwar mit Besichtigung von Scio, Smirne, Metelin, der
Dardanellen / Constantinopel / deß gantzen Bosphori und Adrianopel. Wieviel ich
hievon könte Materi zu schreiben nehmen / so contentire ich mich vor dißmahl
bloß von dieses Reichs Zustand nur zu melden. Wolte GOtt / daß alle Christ.
Potentaten es möchten für ihr Staats-Interesse halten / es wäre nichts leichters
als solches zu destruiren. Zum wenigsten in dem Theil von Europa; die Ursach
seynd die Fahrläsigkeit deß grossen Signors, das zerrüttete Gouverno, Enervirung
von Mitteln / Entblösung von tüchtiger Milice, übele Verfassung zur See / und
letztens der Terreur panique. Deß grossen Herrn Passion dominante ist die Jagt /
womit mit er sich täglich occupirt / ohne sich das geringste umb seines Reichs
affairen zu bekümmern. Die Milice welche darob einige Unzufriedenheit
temoigniret / ist einmahl appaisiret / zum andernmahl dörffte es so glücklich
nicht geschehen. Nach Strangulirung deß Cara Mustapha hat Cara Reaga die
Veziers-Stell betretten / aber mit mehrer Sorg sich von dieser gefährlichen
charge abzuhelffen / als gute Anstalt wider dero Feind zu befördern. Er hat
vermittels einer Staats-Kranckheit darinn reussiret / solcher gestalt / daß dem
Solyman Bacha das Regiment an seiner Stelle ist auffgetragen / und dabey zu
Verhütung aller Verfolgung / ihme sein Tochter gegeben. So einige Hoffnung zu
remedirung der Türcken affaires ist / muß es durch diesen Vezier geschehen; er
ist von sehr gutem natürlichen Verstand oder Raisonable, und dabey von guter
Experience, sowohl in Staats-als Kriegs-Geschäfften / die Enervirung von Mitteln
wird daraus verspühret / weil ohnlängst viel altes Silberwerck einige quintal
schwähr aus dem Seraglio geholet / und nach der Müntze getragen ist. Die
beruffenen Janitscharen gleichen sich so wenig / als die heutigen Römer denen
von ohngefehr für 2000. Jahren; man raffet darunter was man kan. Die Spahi
kommen weiter [111] hervor / der Rest ist von
dem Gesind / worvon wir die preuven in Morea gehabt. Jhre Macht zur See bestehet
erstlich in 10. neuen Kriegsschiffen / eines davon ist allbereit in letzter
Campagne vergangen / bloß von wegen deß Donnern seß Salve schiessens / weiln es
gar zu schwach gebauet gewesen. Dieses ist die Faute, welche ingleichem bey
allen übrigen ist committrirt worden. Es ist sonst die grösseste / so jemahls in
Constantinopel gebauet gewesen / und im übrigen von keinem schlechten ansehen.
Sie kosten dem Groß-Herrn unglaublich viel / und zwar / wann ich darauff
nachsagen mag / das stücke 200. und 50000. Reichsthl. Es ist solches eine
verlohrne depence, es sey dann daß man ein Theil davon salvire / mit Verhandlung
an die von Algier und Tripoli. Man sagt / daß der jetzige Vezier dieses vorhabe
/ wohl sehend / daß der Groß-Herr sonst wenig Frucht von diesen Schiffen zu
gewarten habe. Ich hab dieselbe von nahen besehen / wie ingleichem die so
genante Saile-Galeren, welches die von Constantinopel seynd; dieses seynd die
miserabelsten / so ich jemahls gesehen; die Beeg-Galeren (welche die seynd / so
von particuliren für gewisse Summa Geldes / als 12000. Reichsthaler / zu Dienst
deß Groß Herrn außgerüstet) sind zwar besser / und dörfflen gute Dienste thun /
wann der Groß-Herr ihnen in dem Schaden / welcher ihnen von einem Combat kan
begegnen / wolte zu Hülff kommen. Allein weil solches nicht geschiehet / so
verhüten sie alle Gelegenheit zum Gefecht. Wie groß der Terror pannique ist /
davon haben wir preuven in Morea gehabt / aber ich mag anjetzo wohl dazu setzen
/ daß sie biß in Constantinopel ein Gefühl davon haben. Ich lobe die Republic
darinn / daß sie mit denen angräntzenden Conquesten bemühet ist / sonsten wären
noch wohl andere Dinge zu entrepreniren / insonderheie wann man den Türcken nur
dommagiren wolte. Wäre die Façon zu kriegen denen Venetianern bekant / als man
sie in Franckreich und anderstwo practiciret / die Dardanellen wären leicht
passiret / und Constantinopel in Brand gestecket.
Mein particulier-Sach betreffend / so stehe ich anjetzo in Deliberation über eine
Reiß nach Jerusalem / grand Cair und Alexandria; es mangelt nur umb daß ich
meinen Kauffmann zu Smirne davon bespreche / weßfalls ich anjetzo mit meiner
Retour eile. Soferne ich hiemit reussire / wird mir solches Gelegenheit geben /
den Hrn. Obristen von der Türcken Zustand ein mehrers bekant zu machen
(Pädflliche Geschichten.) Die Päbstliche
Geschichten belangende / bringen Brieff von Rom / daß der Pabst mit Endigung deß
verstrichenen Jahrs das Krancken-Bett verlassen / und das neue Jahr wieder in
vollkommener Gesundheit angetretten hab. Jedoch gebe er noch zur Zeit keine
Audientz / wie inständig selbige [112] auch
von verschiedenen sollicitirt worden / worunter die Königin aus Schwerden und
der Resident von Savoyen / welcher Groß-Cantzler zu Turin ernent worden / und
sein Abschieds-Audientz verlangt. Man ist allhier eines Spannischen Abgesandten
gewärtig / welcher entweder Duca di Pastrana oder der Comte Melgar Gubernator
von Meyland seyn soll. Aus Spannien ist eine über die massen schöne und
zierliche Censur gegen die Bücher deß Molines, so in vielen Puncten condemnirt
werden / hier ankommen / welche auch von dem sacro officio, vor welchem seine
Sach ventilirt wird / soll angenommen werden. Der Duc d' Estré Frantzös.
Abgesandter begehrt auch Audientz und hat ein Handbriefflein von seiner
Aller-Christl. Majest worinn er dem Pabst für das an ihn ohnlängst ergangene B.
eve Danck sagt. Erstgedachter (De Duc d'Estré läst ein
Künftliches Feuerwerck zu Rom zurichten.) Ambassadeur / wie auch
dessen Bruder der Cardinal lassen ein sehr künstliches Feuerwerck zurichten. Den
6. ist an den Residenten von Savoyen zu Rom ein Courrier ankommen / welcher ihn
von hier abrufft / weiln er als Ambassadeur an den Königl. Frantzös. Hoff gehen
soll / dannenhero er seine Abschieds-Audientz begehrt / ist ihme aber geantwort
worden / daß er selbige zu seiner Zeit haben werde. Der junge Mons. Spada,
welcher eine Nacht an dem Fieber kranck darnieder gelegen / ist den andern Tag
mit höchstem Weheklagen und Schaden der gantzen Familie Tods verblichen. Etliche
alte Türck. Frauen / welche sich zur Christlichen Religion keines wegs bequemen
wollen / seynd dem Provediteur von den Galleren übergeben worden / umd selbige /
wo und wie er kan / zu verkauffen. Der Graf von der Lipp / und ein Engl. Milord,
so in Conversation bey der Fürstin di Bracciano gewesen / wären schier wegen
eines von gedachter Fürstin dem Milord verehrten Hündleins zum Duell kommen /
wann sie dasselbe nicht durch ihre Interposition (Mons.
Bolognetti legirt 200000. scudi zu Erhaltusg 6. Capellanen.)
verhindert hätte. Der Mons. Bolognetti ist im 91 Jahr seines Alters gestorben /
hat der Kirch zu Unterhaltung 6. Capellän 200000. scudilegirt / zum Erben seiner
Verlassenschafft aber / welche über eine halbe Million sich erstreckt / hat er
ernennet / einen / der zwar Bolognetti sich schreibt / doch aus seiner Familie
nicht ist. Als der Duca Strozza einen Keller ohnweit der Cartheuser Kirch wolte
graben lassen / seynd die Arbeiter auff ein unter irrdisches Gebäu gleich einer
Badstuben kommen / worin viel alte Statuen gefunden worden / damit nun gedachter
Duca mit der Päbstl. Cammer und dem Schatz-Meister nicht in Proceß gerathen
möchte / hat er selbiges wieder verschliessen lassen: als aber die Königin
Christina / welche krafft eines Päbstl. Privilegii dergleichen Raritäten suchen
und behalten darff / solches erfahren / hat sie mit dem Hertzogen accordirt /
und läst nun weiter nachsuchen / womit sie die schönste Antiquitäten findet. Den
12. ist Congregation [113] di Stato gehalten
worden / was man aber darinnen tractirt / und beschlossen / kan eigentlich nicht
berichtet werden. Es hat undern auch der Cardinal Ottoboni ohnerachtet seiner
Indisposition mit beygewohnt / welche darauf (Den 12.
wird zu Rom Congregationdi Stato gehalten.) zu einem gefährlichen
Fieber außgeschlagen / also daß an seiner Wiedergenesung sehr gezweiffelt / und
deßwegen fast von jederman höchlich bedauert wird. Am Montag haben Jhr.
Heiligkeit wiederumb Audientz gegeben / und durch ihren Auditor den Ministris
der Außländ. Fürsten Vertröstung thun lassen / ihnen ebenmässig Audientz zu
ertheilen. Der Chirurgus deß Pabsts hat in Discurs demselben bedeutet / wie daß
einige Kranckheit bey dessen Vettern Don Livio zu besorgen / welches er aus der
Veränderung deß Gesichts colligirte / deßwegen der Pabst einen Medicum zu ihm
geschickt / welcher umb der besorgenden Kranckheit vorzubiegen / anbey gerathen
/ daß er sich einer peruque bedienen / und die Lufft verändern solle / worinn
der Pabst consentirt / das letztere aber als ohnnöthig abgeschlagen / vorgebend
/ er habe allbereit in die 30. Jahr die Römische Lufft / als gar gesund
befunden. Es hat dieser Tagen ein Gerichtsdiener eine Wittib Ornani gewisser
Ursach wegen vor Gericht citirt / welcher von ihrem Sohn mit einer gedichten
Maulschelle zurück gewiesen worden / warumd die Obrigkeit ihm wohl einen
unverhofften Proceß machen dörffte / es nimbt sich aber die Königin Christina
seiner an / weiln (2. Frantzosen kauffen zu Rom vor
ihren König viele Statne̅ / Schildereyen und Reapolitanische
Pferd.) er in ihren Diensten ist. Allhier befinden sich 2. Frantzosen
/ die in Commission haben für ihren König Statuen und Schildereyen / so dann
auch ein Anzahl Neapolitanische Pferd zu kauffen / wie dann der Contestabile
Colonna ihnen aus seiner Stuterey / welche für die beste gehalten wird / 40.
sehr schöne Pferd zukommen lassen. Obwohln sonsten aller Außländ Fürsten
Ministri der gäntzlichen Meynung gewesen / noch vor End dieses Monats Audientz
zu erhalten / hat sich dannoch gantz ein anders ergeben / und wissen sie nicht /
wie sie solches zu verstehen haben / da absonderlich ihnen nit unwissend / daß
der Pabst nunmehr sich wieder besser disponirt befindet / wie er dann
verschiedene Expeditiones aus der Dartaria unterschrieben. Am 23. ist der Mons.
Mellini incognito hier ankommen / und hat den 26. seinen offentlichen Einzug
gehalten / welchem der gantze Hoff mit vielen Kutschen / so alle mit 6. Pferden
bespannet gewesen / gefolget ist / selbiger ist alsobald durch ein heimbliche
Stiege zum Fuß-Kuß gelassen worden / und erwartet mit nechstem Consistorio den
Crardinalhut. Vom Spannis. Hof seynd alle Differentzien / die er mit der Cron
Franckr. hat / dem Pabst zu vergleichen heimgestelt worden / und wollen die
Span̅ier / daß die Gelter von den confiscirten Gütern wegen
contrabando dem Käyser zu Fortsetzung deß Türckenkriegs sollen zugestellt
werden. M. Alvarese, welcher jüngsthin von dem Contestabile Colonna, so [114] viel Pferd und andere Raritäten
erkaufft / hat auch eines umb 200. scudi bezahlt / und eine kleine Schilderey
für 1000. scudi, er soll noch zwey Millionen bey sich haben / mit welchen / wie
er sagt / unser Stadt ihrer Raritäten (Der Pabst
übermacht viele Gelder nacher Teutschland und Poblen.) berauben wolle.
Am 23. hat der Pabst dem Schatzmeister anbefohlen / eine nahmhaffte grosse Summa
Gelds in Teutschland zu schicken / und hat dem König in Pohlen auff Abschlag deß
von den geistl. Gütern erhobenen Zehenden auch 100000. scudi übermachen lassen.
Der jüngstgemeldte Franciscus Cupis, welcher dem Gerichtsdiener eine Ohrfeig
geben / hat sich aus seinem Arrest unter Protection der Königin Christinä ins
Neapolitanische Königreich salvirt / gegen selbigen wird ein grosser Proceß
gemacht. Aus (Der Groß-Meister von Malta machet
Präparatoria zu Lüuffriger Campagnt.) Brieffen von Maltha vernimbt man
/ was gestalten der Groß-Meister im Rath beschlossen / daß die 8. Galleren für
nechstkünfftigen Kriegs-Zug sollen armirt werden / und sollen 1000. Mann / die
auff erheischendem Nothfall auffs Land können außgesetzt werden / ein Compagnie
von 60. Granadirer / so dann auch ein Corpo von 100. Ordens-Ritter mit besagter
Gallere gehen. Ferner hat er ordmirt / daß die 4. Capitain von den 4.
Kriegs-Schiffen / welche in Corso seynd / mit ihren Flaggen zur Armee stossen
sollen / welche er durch die Monath Junius, Julius, und Augustus auff seine
Kosten unterhalten wil / darüber wil er zum Commendanten bemeldter 4.
Kriegs-Schiffen nominiren den Cavallier Calibardera einen Capitain von
denselben. Soviel von Päbstlichen.
(Savoyische Geschichten.) Was die Savoyschen
Geschichten betrifft / melden Schreiben aus Turin / daß die Hertzogin daselbsten
/ obwohln sie sich bey guter Leibs-Disposition befindet / sich dannoch in ihrem
Zimmer sehr einhalte / und allzeit von 2. Fürstinnen bedient werde. Der Hertzog
hat der Madamoiselle Vignolina von Parma ein Kleinod 300. Pistohlen werth
verehrt / weiln dero Hr. Vatter ihme 2. schöne Pferd geschenckt. Der Hertzog hat
den Rath zu Niza reformirt / und wil man sagen / daß er ein gleiches mit den
Cammer vorzunehmen / gesinnet sey. Den 29. passato ist die Heurath zwischen
Madamoiselle Christina deß Hertzogs natürlichen Schwester / und dem Printzen von
Masseranno publicirt worden / und wird nun ehistens die Hochzeit gehalten (Die jüngst gebohrne Princessin von Savoyen wird
getaufft.) werden. Den 3. dieses ist die jüngst gebohrne Princessin
getaufft und Maria Adelheid genant worden. Madame Royale ware Götgen / und der
Printz von Carignan Päther. Die erste verehrte der Princessin ein kostbahres
Creutz / mit Diamanten besetzet / und der andere regalirte sie mit einem schönen
Diamant. Dieses von Savoyischen.
(Mäyländis-Geschichten.) Nun von Mäyländischen
Geschichten zu reden / referiren Brieff von dar / daß den 20. passato Abends der
Cardinal Mellini, welcher aus Span [115] nien aus seiner Nuuntiatur wiederumb nach Rom ???eist / allhier in Sr.
Piedro d' Olmo angelangt / und ist mit 200. Soldaten zu Pferd von hiesigen
Gubernatoris guardie empfangen worden / welche ohnfern deß Orths ihn beurlaubt /
der sowohl die gemeine als Officirer reichlich bescheneket hat. Der Comte
Gouvernator hat alsobalden den Comte Ripa umb ihn zu complimentiren geschickt /
dem er gleich darauff selbst persöhnlich mit vielen Cavalliren gefolget / und
gedachtem Cardinal die Visite gegeben hat / welcher / ob er schon incogito
angelangt / dannoch dem Gouvernator die Revisite gegeben. (Die Teutschen Soldaten unter dem Ob iften Visconti
desertiren starck) Die Teutsche Soldaten unter den Obristen Visconti,
so in Gomo gelegen / als sie vermercket / daß sie den Venetianern gegen die
Türcken zu dienen solten zugeschickt werden / haben angefangen starck zu
desertiren / wie sie dann zu dem End in Gomo eine Stadtpforten mit Gewalt zu
öffnen bey nächth cher weil sich unterstanden / welches aber die Spannier gleich
gewahr worden / und sie in ihrem Vorhahen verhindert heben / der Obriste thate
ihnen hierauff eine bewegliche Oration, worunter sie ihre Hüt in die Lufft
geworffen / und sich bereit zu seyn außgeruffen gegen den Erbfeind gern zu
sechten weiln man jedoch ihnen nicht völlig traut / als soll ein jedes Regiment
von 200. Reuter biß an gehörige Orth und End convoyrt werden. Den Tag vor Sr.
Thomae deß Apostels-Fest / hat der Gubernator unter dem Geleit deß
Groß-Cantzlers / Hertzogen Moles und anderer hohen Officier sich nach den
grossen Saal erhoben / allwo der Rath versamblet war / und die Anklag / sowohl
als defension, unterschiedlich zum Tod condemnirter Persohnen vorgetragen /
denen wegen der herannahenden H. Zeit das Leben geschenckt worden. (Deß General-Gubernatoris Geburts-Tag wird in schönster
galla celebren.) Den Tag vor Weynachten / als welcher deß Gubernatoris
Geburts-Tag gewesen / ist er von allen in schönster galla complimentirt worden.
Was der Comte Melgar bißhero geförcht / nehmlich / daß er gleich dem Duca Me
dina coeli von seinem Gouverno möcht amovirt werden / ist endlich ihme
wiederfahren / indem er allbereit ordre von Spannischem Hof bekommen / als
Ambassadeur nach Rom zu gehen / welche Gesandschafft er jedoch gern annimbt / in
Hoffnung nach Endigung derselben / Vice Re zu Neapoli zu werden / allwo der
Marchese del Carpio wiederumb auff 3. Jahr confirmirt worden. Man erwartet hier
stündlich den Vice. Re von Sardina Conte di Fuensalida, als unsern declarirten
Gubernator. Der Abt Grimani ist nach verschiedenen gehaltenen Conferentzen wegen
der Völcker / die man der Republic (Ein Spannischer
Officirer wird wegen Beschimpffung deß Guber.) Venedig zuschicken wird
/ von hier wiederumb abgereist. Ein Spannischer Officier ist in gefängliche
Verhafft gezogen worden / weiln er das Gubernators Statuam auf dem Dohmplatz
soll beschimpffet haben. Die Ratification der Accords-Puncten die Soldaten
betreffend / welche unser Staat der [116] Republic Venedig zuschieken wird / ist nunmehr ankommen / man glaubt aber /
daß die Völcker vor Ende deß Februarii nit auffbrechen / und dahin marchiren
werden / und ist man anjetzo auff Mittel bedacht / den außständigen Sold
auffzubringen und sie zu bezahlen; sie sollen zu Pavia und Cremona in Schiff
gesetzt werden. Von Turin hat man / daß selbige Hertzogin nunmehr völlig
restituirt sey. Alldorten ist ein Frantzös. Abgesander Marquis d' Urfe umb den
Hertzog und Hertzogin wegen der neugebohrnen Princessin zu complimentiren /
angekom̅en / welcher schon allbereit Audientz gehabt.
(Genuesische Geschicheen.) Von Genuesischen
Geschichten hat man folgendes mit Brieffen von Genua, daß aus Provence ein
Schiff daselbsten arrivirt / so mitgebracht / daß in Tolone 6. Kriegs-Schiff
armirt werden / 2. Burlotti / 3. Galeotten / und andere Schiff / in welche die
Bomben sollen eingeladen werden / worüber Mons. Tourville das Commando führen
und mit anfang deß Januarii gegen Levante abfahren soll. Von Livorno wird
geschrieben / daß daselbst aus Cadix Nachricht eingelangt sey / was gestalten
die Spannier gegen die Frantzosen Repressalien gebrauchten / wovon man doch aus
Marsilien nichts vernimbt / deme doch unangesehen / seynd hier 2. Schiff mit
unterschiedlichen Wahren beladen / welche ihre Reiß nicht fortsetzen wollen /
ehe und bevor sie mehrere Gewißheit von dieser Zeitung empfangen haben. Der
Fürst Monaco befindet sich annoch hier / deme der Adel hiesiger Stadt allerley
divertissements (6. Hoff. und Engelländif. Schiff zu
Genna arrivirt.) macht. Dieser Tagen seynd 6. Holländ. und Engl.
Schiff mit verfchiedenen Kauffmans-Wahren ankom̅en. Biß dato
findet man noch keinen / der da an Platz deß Matchese Marini an dem Königl.
Frantzös. Hoff residiren will. Von Marsilien hat man / daß die 4. Galleen deß
Königs in Franckreich nach Languedoc abgesegelt / umb das Flüchten der
Hugenotten aus selbigem Reich zu verhindern / welchen ein Holländisch Schiff mit
24. Canonen / worauff 150. Frantzös. Flüchtling gewesen / begegnet / so sich
geweigert visitiren zu lassen / hat sich aber nach erzeigten etlicher Stunden
Widerstand ergeben müssen / und ist folgends zu Tonlon, auffbracht worden. Der
Hr. Veneroso ist mit seiner entführten Gemahlin Maria Doria wieder anhero (Sign. Veneroso???m. pfängt wegen Entführung der Maria
Doria seia Artheil.) zurück kommen / und er in ein Closter / sie aber
/ so sich bereits schwanger befindet / zu ihren Eltern gethan worden / und
ungeachtet er bewiesen hat / daß er sich mit ihr vermählet / ist er gleichwohl
durch das Collegium verurtheilt worden / daß er enthauptet / und alle seine
Güter confiscirt werden solten: dafern er sich aber mit ihren Eltern wird
versöhnen können / soll er nur 10. Jahr in Sicilien / und noch 5. andere / weil
er zu diesem delicto Gewähr gebrauchet / verwiesen werden / und daß er nicht
ehender / als biß die Helffte dieser Zeit verflossen / umb Perdon anhalten soll
/ 2. seiner Complicen / so ihme ge [117] holffen / ist bey Straff deß Galgens anbesohlen worden / daß sie nicht
wieder auff ihre Güter unter dieser Rupublic kommen sollen. Man sagt / daß die
Türcken von Algier deß mit Franckreich gemachten Friedens allschon überdrüssig
seyn / weilen sie ihr gewöhnliches rauben einstellen müssen / deßwegen sie ein
Fayn von der Stadt Sale empfangen / umb also desto freyer dem Beutenmachen
nachstreben zu können. Endlich ist differe???z zwischen dem Gubernator von
Mayland und hiesigem Magistrat wegen proetendirter Zahlung deß Schweitzerischen
Regiments und zwar also verglichen worden / daß er Gubernator 15000. Philippis
von denen arrestirten Geldern behalten / das übrige aber unserm Staat
restituiren solle. Von Turin ist ein ansehnliche Sum̅a anhero
übermacht worden / umb dafür Korn einzukauffen / welches in Piemont / allwo ein
grosse Theurung sich herfür thut / soll geführt (Ein
Kiftlein Geld in der Dohmkirchen zu Genua gefunden.) werden. Den 8.
hat man in hiesiger Dohmkirch ein Kistlein mit 500. Silbercronen gefunden /
wobey ein Zedul gelegen / worinn besagte Summa denen Hofpital-Verwalthern unter
die Arme auszutheilen assignirt wurde. Das Schiff / welches von hier nach
Marsilien vor einiger Zeit abgefahren / ist nach überstandenem gefährlichen
Sturmwetter wiederumb glücklich angelangt / womit unser am Kön. Frantzös. Hof
gewesener Envoye auch zurück kom̅en. Der Commendant von Novi hat
2. Mayländische Soldaten in Arrest nehmen lassen / weilen sie in unserm
Territorio verschiedene Diebstahl verübt / dahingegen haben die Mayländer
repressalien weiß 2. von den unsrigen ebenmässig gefänglich eingesetzt / mit
bedeuten / daß wofern man die ihrige nicht loß geben würde / sie ein gleiches
procedere mit den unsrigen vornehmen wolten / welches dem Gubernator zu Meyland
alsobald berichtet worden. Man hat allhier die Wachten als auch die Schärgen
verstärckt / wegen der vielfältigen Dieberey so nächtlicher Zeit bißhero
verricht worden.
(Aussag einkger Brieff von Ragusa.) Von der
Republic Ragusa seynd Brieff vom 6. angelangt / welche berichten / daß der von
da??? nach Griechisch-Weissenburg abgegangene und dieser Tagen wieder gekom̅ene Courrier berichtet / daß derTeckely daselbst noch in schwärer
Gefängnuß hart bewahrt würde / hätte zwar / umb loß zu kommen / sich zum Türck.
Glauden anerbotten / die Pforte aber urtheilet / daß es ihme kein Ernst /
sondern nur umb seine Freyheit zu thun sey / und weilen er seinem Käyser keinen
Glauben gehalten / er dem Mahomet noch weniger treu bleiben würde. Der Seraskier
ist zwar strangulirt / aber gewiß wider der Pforten ihren Willen / als welche
ihn nur / denen Janitscharen Vergnügung zu geben / citiren lassen / in Meynung /
ihn zum Schein in ein Gefängnuß zu verurtheilen / und daß diese damit friedlich
seyn würden / da dann / wann der Grimm vorüber wäre / man ihn wieder restituiren
könte / aber die Janitscharen [118] waren
auff ihn / weil er ihre Cameraden in Neuheusel und in der Schlacht bey Gran so
verlassen / also erbittert / daß sie nicht ruhen wollen / biß sie seinen Kopff
hatten / bey welcher Gelegenheit dann die von seiner Armee noch übrige Türcken /
etwann 20000. Mann starck / sich verlauffen haben / sonderlich weil es ihnen
auch an Vivres gemangelt hatte / und sie vernommen / daß die gemachte Hoffnung
eines Friedens mit den Christen nur ein blösses Vorgeben ohne einige apparenz
gewesen sey Dieses ist was von Italiänischen Begebenheiten vor diesen Monat
eingekommen.
Das neudte Capitel
Stellet vor / was in den 17. Niederländischen Provincien sich begeben hat.
(Eingang in die Niederländische Geschichten.) DIe
Herrschafft in den 17. Niederländischen Provincien ist folgender massen
ausgetheilt / daß der König von Spanien einen guten Theil vom Hertzogthum
Brabant / das gantze Hertzogthum Limburg / einen Theil vom Hertzogthum Geldern /
einen Theil von den Graffschafften Flandern / Hennegau und Namur / sambt der
Marggraffschafft deß H. Reichs zu Antorff / und der Herrlichkeit Mecheln
besitzet / der König in Franckreich das gantze Heitzogthum Lützelburg / einen
Theil von der Graffschafft Flandern / gantz Artois / und einen Theil von
Hennegau in possession hat / die vereinigte Staaten oder so genante Holländer
irgleichem einen Theil vom Hertzogthum Brabant und Geldern / einen Theil von der
Graffschafft Flandern / gantz Holland / Seeland und Zütpfen / wie auch die
Herrlichkeiten Utrecht / Frießland / Ober-Issel / und Gröningen in ihrer (Die Niederland seynd dreperl ??? Herrschafften
unterworffen.) Union haben; Gleich wie nun diese Länder dreyerley
Herrschafften unterworffen seynd / die doch vor ungefehr 120. Jahren nur einen
Herrn als den König in Spanien erkennet haben / so entstehen auch zum öfftern
sehr blutige und langwürige Krieg daselbsten / wie dann diese Lande / seithero
sie sich von einander getreßnet / sehr wenig ruhige Jahr genossen haben / und
würde die Cron Spanien sambt den General-Staaten heutiges Tags mit dem ihrigen
wohl zufrieden seyn / wann sie von der regiersüchtigen Cron Franckreich nur
unangefochten bleiben könte / als welche Cron in vollem Auffnehmen ist / und
dahero immer ihre Gräntzen zu erweitern suchet / wie dann der im Jahr 1672.
urplötzlich herausgebrochene und bry 7. Jahr continuirte hefftige Krieg selbiges
gnugsam bezeugen kan / da Frankreich so viel schöne [119] Conquesten gemacht / so ihme noch
immer zu mehrerm anspornet / also daß Spanien und Holland sich wohl fürsehen mag
/ damit der starcke Liliengeruch sie nicht dermaleins gar an sich ziehe / und
ihren Hee???rschafften das Requiem intoniren lasse. Aber genug hievon / wir
kommen zu unserm Vorhaben / und erzehlen / was sich in diesen Niederländischen
Provincien durch den Monat Januarium schreibwürdiges zugetragen hat / und machen
den Anfang mit den vereinigten 7. oder 8. Provincien / wie sie heutiges Tags
(Holländische Geschichten.) genennet seyn
wollen / die in einer Union beysammen stehen / wovon Holland das Haupt ist: das
erste Schreiben / so mir von dannen zu handen kommen / ist aus Nimwegen datirt
nachfolgenden Inhalts:
(2. Geistliche rauffen sich in der Kirchen mit
einander.) Ungefehr 2. Stunden von hier in einem Dorff Brimmien genant
/ entstund Sonntags den 6. dieses zwischen zwey Geistlichen ein grosser Tumult /
indem einer vor den andern mit Gewalt das Ambt verrichten wollen / weßhalben die
Bauren sich endlich resolvirten aus der Kirch zu gehen / welche die Thür hinter
sich zu machten / und diese beyde allein darinn liessen / so sich immittelst
tapffer mit einander herumb gebalget / und soll dieses aus den Ursachen
geschehen seyn / weil das Opffergeld bey gegenwärtiger hohen Festzeit mit
grösserer Summ als sonsten einzukommen pfleget. Allhier kommen noch täglich viel
Flüchtling aus Franckreich an / denen man allen guten Willen erzeiget / und soll
den 8. vor dieselbe ein Collect geschehen. Im Land von Cleve haben Jhr.
Churfürstl. Durchl. von Brandenburg sechs Frantzösische Prediger ordinirt / und
ist Sonntags den 30. paffato zu Cleve die erste Frantzösische Predig mit grosser
confluenz der Zuhörer gehalten / (Zu Amsterdam wird
den geflüchteten Frantzofen ein bequemer Platz zu einer Kirch
angewiesen.) und aus dem 51. Psalm der 20. Vers erkläret worden. Die
Herren Vorsteher der Frantzös. Kirch zu Amsterdam haben für die flüchtige
Frantzosen noch eine Kirch / ihren Gottesdienst darinnen zu halten / und die
Predig anzuhören begehret / worauff der Magistrat der Stadt ihnen die Wahl
gegeben / einen bequemen Platz nach ihrem Belieben auszusuchen / nachdem nun
dieses geschehen / ist man anjetzo beschäfftiget diesen Bau auffzurichten. Man
sagt / daß einige Frantzösische protestirende Officirer nach Mastrich kommen /
allda Dienst zu suchen / weil sie aber keine angetroffen / hätten sich dieselbe
anders wohin begeben wollen / denen aber die Herren Staaten sagen lassen / daß
man ihnen / wann sie sich in den Haag begeben wolten / einen ehrlichen Unterhalt
geben wolte / biß sich die Gelegenheit ereignete / sie in Dienste zu nehmen.
Letztere Londische Brieff bringen mit / daß den 20. dito daselbst in dem
Viertheil von Wapping eine Feuersbrunst entstanden / wodurch in die 50. Häuser
in die Asche gelegt worden. Andere Brieff aus dem Haag vom 1. dieses bringen /
daß man allda mit grossem Eyser be schäff [120] schäfftiget sey / wie man Sr. Churfürstl. Durchl. von
Brandenburg die Subfidien-Gelder / welche der Staat deroselben schuldig
verblieben / bezahlen möge / und sagt man / daß Jhro anjetzo 140000. Pfund / das
übrige aber innerhalb 3. Jahren jedes ein Drittheil sollen erlegt werden /
hingegen verspricht Se. Churfürstl. Durchl. von dero Völckern denen Herrn
Staaten 1000. Mann abfolgen zu lassen / sich derselben im Nothfall zu bedienen.
Man hat allhier einen Soldaten mir seinem Wetb / die man beschuldiget / daß sie
das Silber-Geld beschnitten / examinirt / welche bekennet / daß sie von einem
Frantzosen diese Kunst gelernet. Es gehet die Sage / daß man alle Alliantzen /
so man mit den protestirenden Potentaten vor diesem gemacht / wieder erneuern
wolle / zu welchem Ende der Schwedische Gesandte den 3. bey dem Printzen
Audientz gehabt / wobey sich auch zwey Deputirten deß Staats (Die West-Indische Compagnie schliesset einen
Commercien-Tractat mit Chur-Brandenburg.) eingefunden. Der Commercien
- Tractat der West-Indischen Compagnimit Chur-Brandenburg ist vollkommen
geschlossen. Man sagt / daß der König in Engelland 2. Fregatten in See gesandt
hätte / umb die Frantzös. Kriegs-Schiff zu observiren, welche sich unterstanden
/ die Reformirte Flüchtlinge aus dem Pacquet - Booth und andern Englischen
Fahrzeugen wegzunehmen. Die Schwedische / Brandenburgische / Lüneburgische /
hiesigen Staats und andere protestirende Ministri thun noch täglich allhier
Conferentz halten. Der Englische Envoye Monf. le Chevalier Trumbal solle am
Frantzösischen Hof wegen der Engelländer / so sich in Franckreich häußlich
niedergelassen / und naturalisirt worden / nichts erhalten haben / weilen man
haben will / daß sowol die naturalisirte als gebohrne Frantzosen die Römisch -
Catholische Religion annehmen sollen. Aus Franckreich hat man mit voriger Post
Zeitung gehabt / und mit heutiger Ordinari noch mit 2. andern Brieffen
confirmation erhalten / als ob zu Peau in Beard man in der Lufft eine grosse
Feuerflamm gesehen / darinnen ein grosse Versam̅lung von Mann und
Weiblichen Geschlecht erschienen seye / und man gar eigentlich mit heller Stimme
den 89. Psalmen habe singen hören / welcher anfängt: Ich will deß HErren Gnad
lobsingen ewiglich / und seine Treu ohn Maaß ausbreiten steriglich / sc. Ob zwar
die Verfolgung (Niederländischer Bericht wegen
Verfolgung der Reformirten in Franckreich.) / so den Protestirenden in
Franckreich widerfähret / sie zum Abfall ihrer Religion zu zwingen / nichts
neues mehr ist / so kan man doch nicht unterlassen / der gantzen Welt solches
kund zu thun / weil alle Brieff / so aus frembden Landen kommen / fast von
nichts anders als von neuer Marter reden / welche den jenigen / so sich
widerspenstig erzeigen / angethan wird / und ist nicht wohl zu glauben / daß ein
Mensch den andern lebendig begraben solte / für welcher execution doch auch die
allergrausamste Menschen ei [121] nen
Abscheu haben würden. Nichts destoweniger will gleichwohl solches von den
Bekehrern verlauten / umb Catholische Christen zu machen / man zweifelt aber
nicht / wann der Aller-Christl. König von diesem abscheulichen Tractament
benachrichtiget werden solte / daß sie die Urheber solchen Verfahrens / welches
umb Rach gen Himmel und Menschen schreyet / und von keinem Catholischen / wie
unbarmhertzig derselbe auch sonst seyn möchte / gebilliget (Die Frantzösische Flüchtling werden vom Printzen von
Oranien und den Hrn. Staaten auffgenommen / und wohl accommodi???ret.)
werden wird / ernstlich straffen würde. Der Herr Printz von Oranien bezeuget
grossen Eyfer und Großmüthigkeit wegen der anhero geflüchteten Officiers /
solche unterzubringen / und Charges zu verschaffen. wann sie ankommen / werden
selbige 14. Tag lang auff seiner Hoheit Kosten zehrfrey gehalten. Zu Middelburg
in Seeland ist ein Reformirter Pfarrer / Herr Casamalot genant / und biß 92.
Jahr alt / angelangt: als er zu Bayonne zu Schiff gesessen / hat man ihme alles
genommen / so er sich auff der Reise bedienen wollen / und ihme nichts gelassen
/ als seine Frau und ein Kind / dergestalten / daß sie nichts / dann was sie am
Leib gekleydet gehabt / erhalten / und ihnen nicht einmal so viel übrig gelassen
worden / daß sie ihr Fuhrlohn bezahlen können / unerachtel gedachter Pfarrer 18.
à 20000. Gulden an Gütern in Franckreich hinterlassen hat: nichts desto weniger
ist er so vergnügt und befriediget / als wann er nicht einen Stüber verlohren
hätte. Der Herr Wilhelm Baron von Diepe hat von denen Dragonern allerhand Oual
ausgestanden und erduldet / und haben sie ihme auch unter andern den Bart mit
einem Liecht abgebrant / er bleibt aber dannoch bey der Reformirten Religion
beständig und fest. Der Herr von Starenberg / dieses Staats Ambassadeur in
Franckreich hat von Jhro Hochmögenheit Erlaubnuß erhalten / seiner eigenen
Geschäfften wegen anhero zu kommen; solle aber vorhero bey Sr. Aller -
Christlichsten Majest. nochmalen anhalten / umb Paßporten vor die Holländische
Protestanten in selbigem Reich zu überkommen. Seine Hoheit hält nebst zwey
Deputirten und dem Schwedischen Envoye fleissig Conferentz / und arbeitet man an
einer Alliantz zwischen den Evangelischen Potentaten gar sehr / zu welchem Ende
mit einigen die alten Tractaten verneuert / und mit einigen neue Articul
vorgenommen werden / und seynd darzu schon die Consenten von den Provintzien
Gröningen / Omelanden und Frießland eingekommen / und werden von den andern
stündlich erwartet: Wegen dieser und andern nachdencklichen Ursachen in
Religions - Sachen ist der Frantzösische Ambassadeur Comte d' Avaux sehr jelaux,
und hat deßwegen citò einen Expressen an seinen König gesandt / auch mündlich
versichert / daß mit der Verfolgung nicht mehr so scharpff verfahren werden
solle / als vor diesem geschehen. [122] Man
höret zwar öffentlich von keinen Werbungen / es ist aber gewiß / daß einige
Officirer unter der Hand Patenta erhalten haben / in andern landen (In Holland geben heimliche Werdungen vor.) zu
werben / und nimbt man allhier unter dem Deckmantel von recroutiren viel Volck
an. Ein junger Frantzösischer Marquis von der Reformirten Religion / welcher mit
seiner Mutter in einer Kutschen von Metz aus dem Königreich sich reteriren
wollen / sehende / daß einige Reuterey ihn verfolgete / sprunge aus der Kutsche
/ sagende mit weinenden Augen / Adieu Mama, und lieffe in einen Wald / allwo er
einen Schäffer angetroffen / dem er zwey Pistolen gabe / umb seine lumpichte und
zerrissene Kleyder zu bekommen / mit welchen er auch durch und biß anhero
glücklich angelangt ist. Der Herr Printz von Oranien hat ihn in die Academie
gethan / allwo Se. Hoheit auff dero Kosten besagten Marquis alle exercitia
unterweisen lässet. Man sagt / daß die Staaten von Holland in den Städten ihrer
Provintz zweyhundert hinein geflüchtete Prediger unterhalten wollen. Auch sagt
man / daß die Herren General Staaten den Herrn Claude / welcher Pfarrer zu
Charenton in Franckreich gewesen / zu ihrem Frantzösischen Historienschreiber
machen wollen. Herrn Menards seinen Collegam hat der Herr Printz von Oranien zu
seinem Hoffprediger erwählet / bekombt 1400. Livres Bestallung / und solle dem
Hoff ja selbsten in Kriegszeiten folgen. (Printz von
Oranien erhält auff seinen eigenen Kosten 30. Frantzösische
Officiers.) Auch haben Se. Hoheit 30. der vornehmsten Frantzösischen
Officirer / so sich anhero reterirt haben / erwählet / und unterhält solche auff
dero eigenen Spesen und Kosten. Die Staaten der Provintzen von Frießland /
Grönningen / Ommellanden und Ober - Issel haben beschlossen / allen
Römisch-Catholischen Advocaten / Notarien und Procuratorn ihre Bedienungen zu
benehmen / und welche militarische Charge haben / wann sie sterben / sollen an
deren Platz lauter protestirende angenommen werden / welchen andere Provintzen
auch nachfolgen / und dergleichen thun dörfften. Obwolen die Infantin von
Portugall eine vortreffliche schöne und Tugend - begabte Princessin ist / so ist
sie doch darbey so unglücklich / daß alle Heyraths-Handlungen keinen Fortgang
gewinnen / und haben zwar ihrer viel dieser Princessin (nachdeme die Heyrath mit
dem Hertzog von Savoyen / welche schon so viel als geschlossen gewesen / wieder
zurück gegangen) begehret / deren sie auch keinen ausgeschlagen / so ist doch
jedesmal??? durch eine unbegreiffliche Göttliche Vorsehung etwas darzwischen
kommen / welches den Fortgang solches Ehe-Gelübds verhindert hat. Von Roschelle
hat man / daß daselbst / und an andern Orten mehr / denen Neubekehrlen bey
Sttaff funffzig Gulden das erstemal / zum zweytenmal hundert und ferner doppelt
anbefohlen worden / alle Sonn- und Feyertäg in Meß zu gehen. [123] Man sagt / daß der Marschall de
Schomberg nach gehabter Audientz bey dem König in Franckreich nach Berry
abgereiset seye / der Hertzog de la Force aber / dessen Diener einer allhier
solle ankommen seyn / sich annoch zu Pariß befinde. Den 8. dieses ist zu
Rotterdam ein wohlhabender Kauffman in Baurenkleydern / ein Kramerlade vor sich
tragend / unter welchem Schein er von Rouan entflüchtet / ankommen. In
Dennemarck ist man im Werck begriffen / mit hiesigem Staat wegen der
ruckständigen Subsidien eine liquidation zu machen. Jhro Hochmög. aber wollen
durch ihren daselbst sich befindenden Envoye es dahin richten / daß deren
particulier-Forderungen von solchen Subsidien-Geldern decurtirt werden sollen /
welches auch am Dähnischen Hof dörffte angenommen / und also beyderseits
Praetensiones gegen einander liquidiret und auffgehoben werden. Die Hnn. (In Holland will man auff das Frühlahr??? 40. biß 50.
neue Kriegs-Schiff equippiren.) Staaten von Holland seynd den 12. früh
mit denen Deputirten von der Admiralität in Conferentz gewesen / und sagt man /
daß in derselben seye geredet worden / 40. biß 50. neue Kriegschiff für den
nechstkünfftigen Frühling bauen / und unterdessen alle die alten ausbessern zu
lassen / damit man sich ihrer im Nothfall bedienen könne. Es haben viel vornehme
Officier / sowohl Teutsche als Holländer / denen Herren Staaten eine
Supplication übergeben / in welcher sie dieselbige ersuchet / ihre dem Staat
geleiste Diensten zu bedencken / und auff ihren Unterhalt / gleich wie sie für
die Frantzösische Officirer / so sich in ihre Lande reterirt hätten / bedacht zu
seyn / und sagt man / daß ihrer vielen die Hoffnung seye gemacht worden / daß
sie auff nechstkünfftigen Frühling sollen befördert werden / welches dann ein
Anzeigen zu neuen Werbungen seyn würde / es ist aber die Sach noch ungewiß. Die
Herren von Rotterdam seynd beschäfftiget in ihrer Stadt für das aus Franckreich
geflüchtete Weibsvolck ein Hauß / wie die zu Harleim gethan / auff Art und Weiß
eines Klosters anzurichten / jedoch mit diesem Unterschied / daß man wieder
daraus gehen kan / wann man will / dieses ist eine grosse Bequemlichkeit für die
jenige / so die übrige Zeit ihres Lebens in stiller Ruhe zubringen / und sich
aller Weltfreud und Uppigkeit entziehen wollen / das Kostgeld / so man gibt /
ist gantz gering / und wird denen jenigen (In der
Frantzöf. Kirchen zu Rotterdam wird ein Mohr getaufft.) / so nichts
darein zu geben vermögen / darzu gesteuert. Daselbst zu Rotterdam hat man den
13. dito in der Frantzös. Kirchen einen Mohren getaufft / dahin sich viel
vornehme Leut aus dem Haag und denen umbligenden Orten begeben / diese
Solennität mit anzusehen. Es gehet im Haag die Sag / daß der König in Engelland
seinem Gesandten an dem Frantzös. Hof Ordre zugeschickt habe / daselbst
Ansuchung zu thun / daß von dem Aller-Christlichsten König dem Printzen von
Oranien sein Fürstenthum wie [124] der
eingeraumt und dasselbe in ihre alte Recht und Privilegien gesetzt werden
möchte: Ingleichem sagt man / daß der Käyser das Testament / welches der Graf
von Bentheim gemacht / bekräffuget habe / jedoch deß Rechtens / welches die
junge Grafen auff dessen Güter haben möchten / unverfänglich / wan̅ sie sich nemlich deß Schutzes ausländischer Potentaten begeben. Bemeldten
(Der Schultheiß zu Rußwick fährt einen Römischen
Geiftlichen ins Gerichthauß.) 13. diß hat der Schultheiß von Rußwick
nebst dem Drost vom Hoff von Holland und dessen Diener / den Römischen
Geistlichen / so sich daselbst halstärriger Weiß (ungeachtet man denselben
bereits zum öfftern wegen Verrichtung deß Gottesdiensts gewarnet) auffgehalten /
in vollkom̅enem Meßgewandt gegriffen / dieweil es aber das
erstemal gewesen / so hat gedachter Schultheiß die Person nicht in solchem Ornat
/ sondern denselben nebst gedachtem Geistlichen in das Gerichthauß geführet /
woselbst derselbe auch noch verwahret wird. Die Versam̅lung /
worinnen er apprehendirt worden / bestund wohl in 500. Personen / und wiewohl
das Silber und Gold nebft dem Zierrath deß Altars Preiß gewesen / so hat
jedannoch gedachter Schultheiß umb seine Edelheit sehen zu lassen / besohlen /
alles unangerührt und unverletzt stehen zu lassen. Den 14. seynd abermal zu
Mattricht einige Röm. Catholische Frantzosen / und darunter 2. Geistliche
angekommen / welche sich alle daselbst (Der
Alliantz-Tractat zwischë Schweden und Holland wird erneuert.) in der
Reformirten Religion unterweisen lassen. Der Alliantz-Tractat / welcher zwischen
der Cron Schweden und dem Staat der vereinigten Provintzen gewesen / ist dieser
Tagen wieder erneuert / und biß zur expiration und Verfliessung deß Stillstandes
der 20. Jahren prolongirt und verlängert / und zugleich mit solchem stipu???rt
worden / daß im Fall der Noth eine Parthey der andern mit sechstausend Mann und
zwölff Kriegsschiffen assistiren und zu Hülff kommen sollen. Man glaubt / daß
auch andere protestirende Potentaten sich in die Alliantz begeben werden. Die
Frantzösische Marggräfin von Artaignon oder Pellegrat, deren Sohn in
Hirtenkleydern vor etlichen Tagen sich anhero salvirt hot / ist nebst ihrer
Tochter auch allhier angelangt / und seynd aus ihrem Arrest zu Valencienne
entwischet; sie ist bey ihrem Sohn auch in der Academie einlogirt. Den 15.
dieses haben die Herren General Staaten einen Fonds oder Satz von 10000. Rhlr.
zu Unterhaltung einiger anhero geflüchteten Pfarrern regulirt und destinirt.
Ingleichem haben die Staaten der Provintz Holland einen Satz von 40000. Rhlr.
zur Besoldung der aus Franckreich dahin reterirten protestirenden (Mons. S???elvon E???scher Envoye gehet nach
Londen.) Kriegs-Officierers gemacht. Den 22. ist der Königl. Engell.
Envoye Mons. Skelton nach Londen abgereist / hingegen selbigen Tags der
Churfürstl. Brandenburgische Envoye Herr von Diest wieder im Haag angelangt. Von
Stockholm wird mit letztern Brieffen berichtet / daß selbiger König [125] denen Protestirenden / so sich in
seinem Königreich häußlich niederlassen werden / seinen Schutz und ansehnliche
Privilegien versprochen. Englische Brieff melden nichts mehr von deß Königs
Reise noch Schottland / es lauffe aber ein Gerücht / daß Se. Maj. sich gegen dem
Lord Major habe vernehmen lassen / sie verlange eine Guarnison in die Stadt
Londen ias Quartier zu legen / worüber einige einen bösen Argwohn schöpfften /
die rechtschaffene Engelländer aber / so versichert seyn / daß ihr Monarch
keinen andern Vorsatz habe / als seinen Thron zu befestigen / damit er sie
beydes wider die außwärtige Feind / als die übel-gesinnete innerhalb deß
Königreichs beschützen möge / leben also ruhig und ohn alle Forcht / ihre
Privilegien zu verliehren / oder einige Veränderung in Kirchen-Regiment
zuerfahren / und dieses umb soviel desto mehr / weil sie das Wort und
Versprechen eines so grossen und mächtigen Königs zum Bürgen haben / der sichs
für seinen grösten Ruhm schätzet / dasselbe ohne einige Aenderung zu halten und
zu vollziehen. Der Frantzös. Ingenieur hat mit seinem Kunstfeuer eine Probe
gethan / welches aber der Graf von Horn / und Obrist Goulon nicht gut geheissen
/ weil sie gesehen / daß es so mit denen / so sich dessen bedienen / als dem
Feind Schaden bringen könte. Man redet / eine Compagni von Frantzös. Cadets oder
jungen Edelleuthen auffzurichten / deren jeder täglich 10. ä 12. Soes bekommen
jolle. Der Königl. Schwed. Envoye hat der Princessin von Oranien (Der Schwedische Envoye regalirt die Princ???ssin von
Oranien ansehnlich.) Namens Sr. Königl. Maj. von Schweden eine Service
oder Gesäß zu einer Tafel von Crystall / so über alle massen wohl gearbeitet ist
/ verehrt / man sagt / daß Ihr. Churfl. Durchl. von Brandenburg fest gestellt
haben / 2. Regimenter von denen Frantzös. geflüchteten Reformirten / als eines
zu Fuß und eines zu Pferd / jedes von 12. Compagnien auffzurichten; und im Fall
daß mehrere Officiers kommen möchten / als zu besagten 2. Regimentern nöthig /
haben seine Churfl. Durchl. resolvirt / solchen so lang Unterhalt zu geben / biß
man sie auch gebrauchen könne.
Am Spannischen Hoff wird den meist Geldgebenden / die Vice-Royschafft in Mexico,
praesentirt. Die Engelländer haben alldar angebotten / ein Esquadre Schiffe in
der Enge von der Strasse zu halten / umb gegen Ankunfft der Gallionen aus
West-Indien / auff die Frantzosen ein wachendes Aug zu haben; und ist ihnen auff
ihr Ansuchen verwilliget worden / in Gibraltar ein Magazin auffzurichten. Von
einem Heurath zwischen dem König von Portugall und der Princessin Maria Anna von
Pfaltz-Neuburg wird noch starck gesprochen / davon aber die Zeit das gewisseste
offenbah???en wird. Von Hannover hat man / daß selbige Völcker den 15. dieses
ihren Marsch nacher Dalmatien fortgesetzt haben. Die Sachsen-Eysenachische [126] Printzen befinden sich annoch dahier.
Dahier ist auch ein Frantzös. Capitain angekommen / so wegen der flüchtigen
Frantzosen etwas vorzubringen / in Commission haben solle. Den 25. dieses seynd
die Ratificationes (Die Ratificationes über den Tractat
der Gräntzscheidung zwischen Holland und Lüttich werden
außgewechselt.) über den Tractat wegen denen Gräntzscheidungen von dem
Lüttig. und dieses Staats Bodem und Gebieth / gegen einander extradirt / und
außgewechselt worden: der wegen denen Commercien stehet noch in vorhergehendem
Stand. Der König von Engelland hat die Antwort / welche dessen Endvoye in
Franckreich auff sein übergebenes Memorial wegen Restitution deß Fürstenthumbs
von Oranien an seinen rechtmässigen Printzen erhalten / übel auffgenommen / und
sagt man / daß Se. Königl. Majest. von Groß-Britannien denen Hrn.
General-Staaten der vereinigten Provincien / habe sagen lassen / sie wolten
zugleich miteinander noch einmahl in der Güte besagte Restitution begehren
lassen / und wann man sich dazu nicht verstehen wolle / und fortfahren solches
abzuschlagen / sich in gute Positur zu stellen / und zu Wasser und zu Land
atmiren / gleichwie Se. Majest. deß Hrn. Printzen von Oranien / als ihres
Tochtermans Interesse in handen nehmen wolten / zumahln Se. Majest. ihme
versprochen / entweder auff eine oder andere Weiß ihme wegen seines
Fürstenthumbs Oranien Raison und Satisfaction zu verschaffen / zu dem Ende Se.
Maj. 20000. Mann bey Londen halten werden / umb sich derer im fall der Noth
bedienen zu können. Den 26. diß hat der Landtag der Clevisch- und Marckischen
Land-Stände zu Cleve seine Endschafft erreichet / und haben ermeldte Stände /
die geforderte 200000. Reichsthl. worunter auch die Landtags-Kosten mit
begriffen accordirt. Man sagt / daß der Hr. Bischoff von Londen nebst einigen
andern qualificirten Persohnen in hiesige Lande kommen werden; Einige sagen /
daß es beschehe / zu erwarten / wieder in Gnaden zu kommen. Andere aber umb
einige vortheilhafftige Sachen zwischen der Eron Engeland und diesem Staat zu
negotiiren: davon aber die Zeit ein gewisses lehren wird. Der König von
Franckreich hat nun erlaubet / daß alle Frembdlingen / so nicht naturalisirt
seynd / abreisen mögen / daferne sie ihre Weiber und Kinder alldorten lassen.
Auch solte allen frembden Kauffleuthen / und andern protestirenden Frembdlingen
/ von was Religion sie seyen / erlaubt seyn in sein Reich / mit ihren Weibern
und Kindern / Haußgenossen und anderen von ihrer Nation nebst ihren Gütern und
Wahren / zu kommen / und wieder frey wie vorhin abreisen / jedoch kein
Exercitium ihrer Religion üben / noch jemand seiner Unterthanen (Hr. von Starenberg gewesener Gesandter in Franckreich
langt im Haag an und thut rappoit von feiner Verrichtung.) trachten zu
verführen. Den 26. diß ist dieses Staats in Franckr. gewesener Envoye Hr. von
Starenberg dahier zurück gelangt / und hat gestern in Versamblung Ihrer Hochmög.
von seiner Verrichtung Bericht gethan. [127] Man sagt / daß unter andern Flüchtlingen aus Frankreich auch der Hertzog de la
Force, nebst deß Hn. Le Goulon berühmten Ingenieurs-Frau in diesen Landen
angekommen seyen. Ihro Edle Großmög. haben beschlossen / die alten Placcaten zu
erneuern / durch welche verbotten wird / daß nirgends in dero Landen / und
Bezirck einige Römisch-Catholische Kirchen oder Schulen / noch auch frembde
Jesuiten / Capuciner / noch einige andere frembde Ordens-Mönche / nicht weniger
einige Nonnen und Kloster-Frauen / geduldet und geheget werden sollen;
außgenommen denen / so solches vorhin erlaubet ist worden. Zu Amsterdam ist auff
der Beurs eine geschriebene Warnung angehefft gewesen / daß ein Gesandter von
der Clerisey in Franckreich daselbst ankommen sey / umb einige Flüchtling zu
fassen / und mit Schiffen wegzuführen / weßhalben solchen Flüchtlingen gerathen
würde / ungesäumbt das Burgerrecht zu kauffen. In Franckreich ist allen
Predigern erlaubt worden / hinweg zu gehen / weil man vermeint / daß / wann die
Hirten hinweg / die Schaf alsdann desto ehender umbsatteln würden. Dieser Flucht
der Prädicanten / hat sich eine sichere Dame von Qualität bedienet / die den
Prediger / mit welchem sie glücklich überkommen / zur Danckbarkeit beschencken
wollen / so solches anzunehmen geweigert / hat aber darnach solche Dame felbst
nebst allen ihren Reichthumb überkommen. Es schöpffen einige aus der Reyse /
welche der König in Franckreich nechstkünfftigen Frühling ins Ersas thun wil /
nit geringen Argwohn / und sagen / daß in der Pfaltz unfehlbar ein Krieg
entstehen werde / zu welcher Forcht dann die Ordre / welche die Frantzös.
Officirer empfangen haben / sich vor den 20. Febr. in ihren Guarnisonen
einzufinden / nebst der starcken Kriegs-Rüstung in Provence nicht geringen Anlaß
gibt / man vernimbt aber durch particulier-Nachricht / daß diese Forcht gantz
unnützlich und vergebens seye / weiln gedachter König kein anders Absehen habe /
als das in dero Königreich angefangene Werck / womit es bereits sehr weit kommen
/ vollends außzuführen / und Europä Ruh und Frieden zu lassen. Dann was die
Anforderungen / so die Princessin von Orleans auff die Pfaltz hat / belange /
wären dieselbe von keiner so grossen Wichtigkeit / deßwegen einen Krieg
anzufangen / zumahln man sich dessen gantz versichert halte / daß Se. Churfl.
Durchl. zu Pfaltz es zu keiner Extremität kommen lassen / sondern diesem
begehren / wann man es anders für billich erfordert / statt geben werde. Den 26.
seynd die Hnn. Staaten (Den 26. seynd die Hn. Staalen
wegen wichtiger Angelegenbeiten 12. Stund aneinander beysammen versamlet
gewesen.) Morgens umb 7. Uhr diß wieder umb 7. Uhr bey einander
versamblet gewesen / weiln nun diese Versamblung 12. gantzer Stund gewähret / so
versichert man sich / daß viel Sachen zu deß Lands besten werden abgehandelt
worden seyn / unter andern aber hat man sich entschlossen / die von dem
letz [128] tern Krieg her noch
hinterstellige Schulden zu bezahlen / und ist auch allda von einem
Handels-Tractat zwischen diesem Staat / und den Nordischen Kronen geredet worden
/ worauff die Hrn. Staaten voneinander geschieden / und werden nicht eher / als
den 12. Febr. künfftigen Monats wieder zusammen kommen. Den 29. haben sich
wieder einige Frantzös. Flüchtlinge bey dem Chur-Brandenburg Envoye Hrn. von
Diest angegeben. Deß Tags zuvor ist auch deß Marq. de Tillars Bruder / so nebst
24. à 25. andern Persohnen aus Franckreich entflohen ist / allhier angelangt.
Von Brüssel als der Residentz-Stadt deß General-Gubernatorn der (Von Spannischen Niderländis. Geschichten.)
Spannischen Niderlanden / wird geschrieben / daß zwischen den Königlichen
Spannischen Beambten / in der Provintz Geldern / und den Chur-Brandenb. im
Clevischen Land einige Difficultäten entstanden seyen / worinn sie wegen einiger
Bottmässigkeit disputirt / und einer dem andern einige Pferd und Rind-Viehe
durch Repressalien weggeführt habe / ohne daß man eigentlich wisse / wer
angefangen habe; sie haden auch einigen angräntzenden Dorffschafften verbotten /
die behörige Contributiones zu bezahlen; welche disputen anhero nacher Hoff
berichtet worden / weßhalben man nun von beyden Seiten einige Beambten zusammen
kommen lassen wird / umb mit denen Ministern an hiesigem Hoff zu conferiren /
und alles in der Güte zu vergleichen und beyzulegen. Den 2. dito hat man wieder
angefangen und fortgefahren / deß verstorbenen Hn. Marq. de Grana Mobilien zu
verkauffen. Die Frantzosen machen wieder einige Anforderung auf die Provintz
Namur. Vor etlichen Tagen ist der Hr. Graff Philippus von Bosru gestorben.
Nachdem (Don Joseph de Frias Kon. Portugesis. Gesandter
gehet durch Brüssel nach Spaunien.) Don Joseph de Frias, von dem
Englischen Hof / allwo er als Königl. Portugallischer Envoye gewesen / zurück
geruffen worden / ist er von dannen durch Holland und diese Lande / und den 7.
dieses durch hiesige Stadt gereiset / umb seinen Weg durch Franckreich nach
Madritt zu nehmen / und am Königl. Spannischen Hoff eben solche charge,
gleichwie er in Engeland gethan / zu exerciren. Das Spannische Regiment von Don
Martin de los Rios, so den 15. dieses allhier angelangt / ist 160. Mann
effective starck und eine schöne Mannschafft. Englische Brieff melden / daß
selbiger König resolvirt hat / sein Parlament biß den 20. May zu prorogiren;
Pariser Schreiben bringen / daß der Sr. Patovillet wegen denen Commercien-Sachen
nacher Madritt und der Sr. Feraud Schiffs-Capitain in Holland gehen werde / umb
von denen Hrn. Gen. Staalen Namens deß Königs alle die protestirende Frantzosen
/ welche sich in ihre Landen retirirt haben / wieder zu begehren / und sie
wieder in Franckreich schicken zu lassen. Weiln der Abt Morell ohne Satisfaction
aus der Pfaltz zurück nach Hoff gekommen / und [129] Königs Reise gewiß ist / und 6. Monath wäh???en solle / als wollen
einige etwas sonderlichs der Gegend vermuthen. Dornicker Brieff geben / daß der
Mareschall d' Humiers zu Ryssel erwartet werde / und daß zu Valenciennes
Inspecteurs angekommen wären / welche sich in alle andere cedirte Städt
vertheilen / und darin̅en provisiones machen sollen / gleichsam
als wann Spannien den Krieg Franck???eich oder viceversa ankündigen würde. Der
Chevalier de Gremonville, Commandeur von Chantrence, nachdem er seine Sachen an
hiesigem Hoff verrichtet / ist wieder nach seinen Gouvernament verreist. Der Hr.
Printz de Vaudemont, so innerhalb 4. Monathen wegen Unpäßlichkeit nit aus seinem
Logiament gekommen / hat sich den 19. dieses (Don
Francis. d' Augourto wird von König in Svannien im General-Gouvernament der
Spannischen Niderlanden confirmirt.) zum erstenmahl wieder in die
Kirch tragen lassen. Don F???ancisco Antonio d' Augourto ist nit allein von Sr.
Cathol Maj. im General-Gouvernament über diese Spannische Niederlanden
confirmirt / sondern auch zu gleicher Zeit von Sr. Cathol. Majest. mit dem Titul
von Marq. in Castillien vor ihn- und seine Nachkömblingen auff ewig beehrt
worden / mit Befelch ohnverzüglich im Pallast zu logiren / welchen alle seine
Vorfahren seithero der Abreiß deß Don Jean d' Austriâ bewohnet haben. Von
Madritt hat man / daß die Printzen Radzevils von dannen nacher Portugall
abgereist seynd. Den 20. dieses ist der Holländ. Ambassadeur Hr. von Starenberg
aus Franckreich kommend / allhier angelangt / so nun seine Reise nach den Haag
fortgesetzt hat. Die Frantzosen lassen eine grosse Menge Bomben und Carcassen
auff die Gräntzplätze zusammen führen und thun zu Charlemont und Givet grosse
Magazinen auffrichten. Auch haben sie sich zu Thuin, einer Stadt im Lüttiger
Land gehörig / auff der Sambre / zwischen Maubeuge, und Charleroy gelegen / und
andern vortheilhafftigen Posten eingefunden. Und dieses ist / was in denen
Niderlanden diesen Monat durch passiret ist.
Das zehende Capittel
Handelt von den Schweitzerischen Zufällen / wie auch von deme / was aus den 3.
Welt-Viertheiln von Asia, Africâ und Americâ diesen Monat denckwürdiges
eingekommen ist.
(Schweitzerische Geschichten.) DIe
Schweitzerische Eydgenossenschafft der 13. Cantons seynd seither ihrer
Vereinigung wenig Außländ. Kriegen unterworffen ge [130] wesen / dann weiln sie in
einem verschlossenen Land sitzen / da man nicht wohl beykommen kan / hat sich
niemand an dieselbige so leicht reiben wollen / absonderlich da sie im
Attaquirungs Fall in so weit einig seyn / daß sie sämbtlichen vor einen Mann
stehen / ob sie gleich sonst der Religion halben zum öfftern sich miteinander
wacker herumbgeschlagen haben; Es bestehet aber die gantze Schweitz in nichts
als Römisch-Catholischen und Reformirten Inwohnern / diese beyde Religionen
lassen keine Evangelische oder Lutherische in ihrem Land sich häußlich
niederlassen; Ich werde zu anderer Zeit die gantze Schweitz außführlich zu
beschreiben / mir vornehmen / dißmahln aber die dasige Begebenheiten von Monat
Januario abhandlen / so in folgendem Bericht bestehet.
Daß mit Ende deß verflossenen Jahrs die Differentzien / welche alldorten unter
den Cantons geschwebet / glücklich außgemachet / und verglichen worden seyen;
daß sie einen Be???t- und Fastag gehalten und sehr andächtig gefeyret haben; daß
die Evang. Cantons in ihrer letzten Versamblung beschlossen (Bergleichung wegen der angelangten Flüchtlinge.)
haben / daß von 100. Flüchtlingen / welche sich in die Schweitz retiriren werden
/ Bern davon 50. Zürich 30. Basel 12. und Schaffhausen 8. nehmen und unterhalten
soll. Vor besagte Flüchtlinge hätte man eine neue Collecte gethan / und dardurch
weit mehr Geld bekommen / als bey den vorhergehenden. So habe der Baron Raßler
nun glücklich die Strittigkeiten / so wegen dem Costnitzer-See / zwischen der
Stadt Costantz und denen Hnn. Cantons / eine geraume Zeit hero obhanden gewesen
/ beygeleget und verglichen; So beyderseits grosse Freud verursacht hat. Etliche
in Burgund einquartirte Reuther haben in denen nechstgelegenen Bernerischen
Dorffschafften und Mäyerhöffen fouragiret / als man ihnen dessen müssig zu gehen
/ in der Güte untersaget / seynd sie desto stärcker wiederkommen; worauff sich
die Baurn versamblet / die Reuther mit Gewalt abgetrieben / und 5. à 6. Reuther
niedergemacht haben. Zu Hünningen wird mit dem Fortifications-wesen immer starck
fortgefahren / und wird getrachtet / die im Rhein ligende Insul an das veste
Land Marggräffl. Seiten zu hencken / indeme bey jetzigen kleinen Wasser eine
grosse Quantität Stein und Grund / zwischen die Insul und das Land verschüttet
wird / damit man ohne Bauung einiger Brücken / darüber fahren kan / ob aber bey
angehendem (Die Stadt Genf schöpffet ombrage wegen
zwe???er Compagnien Frantzös. Reuther.) grossen Wasser dieses bestand
haben werde / lehret die Zeit. Von Genff hat man Zeitung / daß 2. Compag.
Frantzös. Reuther ins Land Gex nicht ferne von selbiger Stadt gekommen wären /
unterm Vorwand / daß sie denen Reformirten Flüchtlingen den Weg wolten
abschneiden / welches alldar sothanige ombrage verursachet / daß sie sich nach
Vermögen in postur gestellet / [131] und ihre
Fortificationes verstärckt hätten: umb d sto mehr / weilen man sagte / daß die
Frantzosen unter deß Marschall d' Hum???ers Commando im Delphinat 30000. Mann
versam̅leten / wordurch auch gantz Schweitzerland allarmirt
ist. Uber das fordert der Herr Bischoff von Basel von der Stadt Basel den Dohm
mit allen Dependenzien. Die Frantzosen haben eine grosse Quantität von Munition
und Feuerwercken und andere Provisiones nach Hünningen gebracht. Gegen medio
Aprilis wird der König von Franckreich im Elsas erwartet. Entzwischen melden
Brieff aus Zürich vom 19. dito / daß der Magistrat selbiger Stadt einen ihrer
Secretarien / Werthmüller genant / authorisirt, umb denen geflüchteten
Reformirten Frantzosen nach beschehenem Untersuch aus denen gemeinen Geldern zu
assistiren und Hülff zu leisten. Von besagten Flüchtlingen seynd mehr als 2000.
in hiefige Stadt gekommen / und werden die Bedürfftigen gekleydet / und ihnen
Unterhalt gegeben; sie werden in die benachbarte Städte dieses Cantons nach
proportion versendet / unter welchen sich viel von hoher Qualität allhier
befinden. So viel aus der Schweitz. Womit wir vor dißmal unserm weltberühmten
Europae Abschied geben / und dem großgünstigen Leser die wenige Geschichten / so
in denen 2. Welt-Viertheilen von Asia und Africa sich zugetragen / (worvon eins
und das andere / obs zwar schon vorm Jahr sich begeben / doch wegen weiter
Entlegenheit erst diesen Monat eingekommen ist) vorstellen / und hiervon
nachstehenden Bericht abstatten wollen.
Abdruck-Schreibens aus Ispahan der Königl. Residentzstatt in Persien / vom 13.
Julii 1685.
Nachdem erst vor 9. Monaten hier die recht gründliche Warheit mit allen
Umbständen kund geworden / wie es eigentlich mit der Belägerung der Stadt Wien
als deß Europ ???ischen Käysers Residentz abgelauffen (nachdem die Türcken uns
vorhero alle gewisse Nachricht abgeschnitten / so daß man anders nichts als
grundlose Zeitung haben kön̅en) so hat man deß Poln. Residenten
(Persianer wi??? dem Türcken den Krieg
aukündigen.) seiner Zeitung endlich Glauben gegeben / und dahier solcher
Türck. Haupt-Niederlag sich zu bedienen die Gedancken auch auff Kriegssachen
geleget / darzu nicht wenig contribuiret haben die geistliche München / welche
an diesem Hoff in Ansehen seynd / und gehet dieses mit einem Expressen / [132] welchen gedachter Resident an seinen
König abfordert / mit der Notification, daß vor Anfang deß ersten Neumonden in
dieser Residence, und vor Außgang deß folgenden Monden in gantz Persien / Farsen
/ Meden und allen Provincien der Krieg wider die Türcken außgeblasen werden soll
/ da man unterdessen alles zu einem überaus grossen Kriegs-Heer verfertiget /
und vorerst 30000. Pferde nach denen Türckischen Gräntzen commandirt hat /
welche am Tag deß Krieges Ankündigung zugleich mit Hostilitäten den Anfang
machen sollen / das Ottomannische Reich dardurch in desto grössern Schrecken zu
setzen / und bey denen so sich etwa sonst in Dienste wider uns möchten annehmen
lassen / andere Gedancken zu erwecken. Indessen ist hier zu solchem Vorhaben
alles wohl gemuth und grosse Hoffnung in der ersten Campagne Babilon zu erobern
/ und darzu desto leichter zu gelangen / hat man mit denen Europäern auff Java
wohnend / gute Verständnuß gestifftet / umb von ihnen einige grobe
Büchsen-Schützen oder Constabler zu erlangen.
Abdruck-Schreibens von Salee aus Africâ, von 10. Decembr. 1685.
Der Käyser von Marocco, als unser König liegt noch siegreich zu Feld wider seinen
Vetter / dessen Armee er geschlagen hat / und hat er selbst in der letzten
Battallie an dreyen Wunden seinen Geist auffgegeben. So ist auch die Hauptstadt
St. Cruiß durch die unsrigen erobert / und nur noch Tarrodent übrig / wann
solche Stadt auch erobert ist / so herrschet unser König biß an die Gui???sische
Cüste.
Abdruck-Schreibens von Thunis aus Africâ von 20. Januar.
Diese Stadt bleibt noch immer zu Lande von drey Armeen durch die Gebrüdere Bey /
und denen von Algiers von allen Seithen sehr hart belägert / dergestalten daß
die Lebens-Mittel sehr theuer werden / und nicht wohl zu bekommen seynd /
wordurch allhier groß Elend verursacht wird.
|| [133]
Abdruck-Schreibens von Aleppo aus Asiâ vom 30. Januar.
Die Handlung wird alhier wegen Rauberey der Araber / welche den Hussen Bassa, der
in 3. oder 4. Tag wohl 8. à 10000. Mann zusammen bringen kan / zu ihren General
haben / sehr turbiret; Es ist aber von Constantinopel an die Bassa von Tripoli,
Soria, Damasco, und deme in dieser Stadt Ordre eingelauffen / daß sie darwider
die nöthige Anstalt machen sollen.
ENDE
Desz ersten Theils.
|| [134]
THEATRI NOVI POLITICO-HISTORICI
Anderer Theil /
Worinnen zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige
Begebenheiten / so sich im Monat Februario deß 1686sten Jahrs in der gantzen
Welt zu Wasser und Land ereignet haben.
Das erste Capitel
Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien / sowohl / als
in Böhmen / Mähren / Schlesten / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und
begeben hat.
IM vergangenen Monat habe unter dem Titul der Kayserlichen Geschichten gemeldet /
wie daß Ihro Käys. Majest. sowohl mit Chur-Brandenburg als (Käyserliche Geschichten.) Chur-Sachsen auff
etliche tausend Mann wider den allgemeinen Erbfeind capitulirt habe / wobey die
Chur-Brandenburgische Trouppen specificirt, der Chur-Sächsischen aber mit wenig
Worten gedacht habe / weilen man nun mit Anfang dieses Monats den ei [135] gentlichen Inhalt der mit
diesem Churfürsten auffgerichten Capitulation der versprochenen Auxiliar-Völcker
halben vernommen / als habe solche dem großgünstigen Leser auch communiciren
wollen / die dann darinn bestehet / (Chur-Sachsen
schicket 4500. Mann und Chur-Brandenburg 7000. Mann zum Türckenkrieg in
Vngarn.) daß selbige Trouppen 4500. Mann starck gantz umbsonst und
ohne weitere dargegen empfahende Satisfaction hergegeben / von Anfang deß
Frühlings 6. Monat in Ungarn stehen bleiben / von dem Churfürsten auff eigenen
Kosten unterhalten / und von Hertzog Christian zu Sachsen Hall / nebst dem
Grafen von Trautmannsdorff commandirt werden sollen / und ist bereits der
Cyur-Sächsische General-Kriegs-Commissarius nacher Raab und Comorren abgereiset
wegen Auffrichtung eines Magazins zeitlich Anstalt zu machen. Uber die 7000.
Mann / so Ih. Churfürstl. Durchl. von Brandenburg Ih. Käyserl. Maj. zum Succurs
in Ungarn schicken / wollen Se. Churfürstl. Durchl. deroselben auch eine Summa
von 300000. Rhlr. bey der Cron Spanien in Abschlag deroselben an Ih. Königl.
Maj. habenden gantz richtigen und liquiden praetension wegen restirender
Subsidien / aus dem Tractat de Anno 1674. zu Behuff und Fortsetzung deß
Tückenkriegs cediren, und die dißfalls benöthigte cessiones und Quittirungen bey
der Ratification ausantworten. Uber die aus Persien eingelauffene Relationes hat
man dieser Tagen conferentien gehalten / und deliberirt, ob es nöthig seye /
sine Gesandschafft an selbigen König von hier abzufertigen / umb denselben so
viel mehrers zu der ruptur contra Ottomannicum Imperium anzufrischen; unter
andern Particularitäten war auch dieses angefügt / daß die Curthier Türck.
Unterthanen / welche an Persien stossen / den von der Ottomannischen Porta ihnen
ertheilten Befelch die Waffen gegen die Christen zu ergreiffen / nicht allein
keine parition geleistet / sondern würcklich rebellirt / und zu denen (Eine Relation vom General Mercy wegen beschehenen
Einfalls in die Vorstatt zu Gegetin.) Persianern gestossen. Der
General Mercy hat unterm 10. passato die ausführliche Relation über den zu
Segetin neulich beschehenen Einfall dieses mehrern Inhalts an Ih. Käys. Maj.
überschicket / daß er die daselbige Palancken glücklich erobert / eine grosse
Anzahl Vieh / Maul- und Cameelthier / Pferd und Proviant / Munition / auch
andere kostbare und reiche Sachen / sambt 5. metallenen Stücken und 2. paar
Paucken über kommen / viel Türcken erschlagen / und zu Sclaven gemacht / und
dann alles übriges in die Aschen gelegt / und mit reicher Beut sich wiederumb
nach Zollnock gewendet. Von dem General-Kriegs-Commissariat-Ambt wird nun auch
die vorfichtige Anstalt gemacht / damit die durch jüngste reduction reformirte
Officirer ihre aggregirte portiones würcklich geniessen mögen / wordurch dan̅ manchem prafen Soldaten biß zu weiterer accommodirung eine
consolation widerfähret / zumal man dieser Leute bey bereits resolvirter
Fortsetzung deß [136] Kriegs noch sehr nöthig
haben wird. Den 10. diß ist deß Käyserl. Obrist Cammerers Ih. Fürstl. Gn. von
Dietrichstein hochzeitlicher Ehrentag mit der Fräulein Trautsohnin bey Hof
vollzogen worden / worbey beyde Hn. (Der Fürst von
Dietrichstein vermählet sich mit einem Fräulein von Trautsohn.) Hn.
Spannisch- und Venetianische Bottschaffter als Brautführer / 65. Cavalier / die
vornehmste Käyserl. Ministri, auch der mehreste Theil der anwesenden Käyserl.
Cammerherren in schönstem Auffbutz erschienen seynd. Den 11. wurde die
Heimführung von Hof in seine Behausung gehalten / allda bey der Mahlzeit 400.
kostbare Speisen ohne das Schau-essen auffgetragen worden. Den 12. hat hiesiger
Bischoff ein Graf von Trautsohn denen beeden Verlobten zu Ehren ein sehr
kostbares Panquet gegeben / wobey auch die auswärtigen Bottschaffter und
Käyserl. Ministri gegenwärtig gewesen / und werden diese festivitäten nun durch
die gesambte Dietrichsteinische (Die Juden werden
abgewiesen.) Familie continuiren. Uber die von der Judenschafft gegen
Erlegung einer ansehnlichen Summa Gelds versprochene Aufferbauung der Vorstatt
S. Ulrich und Unterhaltung der gantzen Käyserl. Armee durante bello Turcico,
eingebrachte Bitt / und Anruffung ihrer admission in hiesige Stadt und Land
Oesterreich unter der Enß haben Ih. Käys. Maj. ausdrücklich negativè decernirt,
mit dieser Erklärung / daß in hoc passu der hievor geschöpfften Resolution
inhaerirt werden solte. Aus Mähren ist der wackert Herr Ober-Feuerwercker
Michael Muth / so allhier in der Türckischen Belägerung und bey Einnehmung
Neuheusel und andern Orten sein valor erzeigt / und andern untergebenen
Feuerwerckern hier ankommen / haben Ordre theils nach Raab / Comorrn / Neuheusel
/ und weiters in Ungarn zu gehen / und etlich 1000. Bomben und anders
Ernst-Feuer zu verfertigen. So ist auch ein Abriß der Grösse von denen Pöllern /
so Ih. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg dero Artillerie mitgegeben / anhero
geschickt worden / damit man von dergleichen Grösse die Granaten giessen möge.
Die Käyserl. Hof-Cammer hat durch ein gewisses Stämpel-Pappier / so allein zu
Contracten und Judicial-Sachen gebrauchet werden solle / ein Mit. el ausgefunden
/ durch welches die Intraden ohne Beschwerde deß gemeinen Manns auff etliche
Tonnen Golds in denen Käys. Erblanden sollen erhöhet werden können. Die Sachen
mit denen Siebenbürgischen Gesandten seynd nun (Der
Sieben. bürgischen Gesandten Declaration.) dahin gebracht / daß sie
biß auff Ratification ihrer Principalen sich declarirt, jährlich so lang der
Krieg währet / 100000. fl. für das Winterquartier zu bezahlen / und zugleich zu
Proviantirung der Frontierplätze 1000. Muth Getraid / und so viel Muth Habern zu
lieffern / hingegen soll der Käyserl. Hof sie bey ihren Privilegiis, und
zugleich den Fürsten Abaffy bey dem Fürstenthum / seine Posterität aber bey der
Succession desselben mit aller Macht mainteniren.
|| [137]
Das ander Capitel
Tractiret von Ungarisch-Siebenbürgisch-Croatisch-Moldau- und Wallachischen
Geschichten.
(Vngarischt Geschichten.) AUff die / wie im 2.
Capitel deß Monats Januarii erwehnet / von dem Teckely de dato Groß-Wardein an
verschiedene Gespannschafften in Ungarn abgeschickte betrohliche Ausschreiben /
ist von denen citirten (Die Ausschreiben von dem
Teckely seynd lär aus gangen.) Landsassen keiner erschienen / worüber
dito Teckely sich sehr erzürnet haben soll / dessen meister Uffenthalt war
dieser Zeit zu Groß-Wardein / allda er immer laborirt, umb ein erkleckliche
Mannschafft zusammen zu bringen / und darmit sein hart-beträngte Vestung
Monga???sch von der Käyserl. Blocquada zu liberiren, und weilen seine darinn
ligende dreytausend Adhaerenten von ihres Principalen Vorhaben Nachricht
erhalten / als seynd selbige ob der Vertröstung deß gewissen ehisten Entsatzes
zimmlich muthig worden / und einen Ausfall über den andern gegen die Käyserliche
gethan / die aber bald mit Beut / bald mit Stössen wieder zuruck gewiesen worden
seynd / das beschwehrlichste war / daß wegen deß unbequemen Wetters man (Einige Rebellen werden von den Käpserlicher
attrappirt.) Käyserlicher Seits den Ort nicht wie man wolte / attaquiren
konte. Immittels wurde der Schirina, Andreas, Valentin Nemeslary und Balthasar
Ferenz nebst drey andern vornehmen Edelleuten von unseru Partheygängern unweit
Caschau rencontrirt, und weilen selbige zu dem Teckely übergehen wollen /
gefänglich angenommen / und nach besagtem Caschau in Verwahrung gebracht;
Ingleichem wurde von Erla eine starcke Türck. Parthey unsrigen Hussar.
verkundschafftet / welche dieselbige unweit ermeldter Vestung attaquirt / 50.
darvon niedergemacht / etliche gefangen / und den Rest zerstreuet (Die Hussaren thun einen glücklichen Streiff ins
Türckische.) haben. So haben die Hussaren von Commorra / Papa /
Vesprin / und selbiger Quartieren biß Stulweissenburg gestreifft / und einige
Bauern mit Getraid beladenen Wägen / so sie nacher Ofen führen sollen /
angetroffen / welche sie gezwungen / mit ihnen nacher Commorrn zu fahren / unter
andern haben sie einen Türckischen Chiaus gefänglich eingebracht / so bekennet /
daß die jüngst beysammen gestandene Türcken sich wieder separirt, und in die
Quartier gangen. Zu Ofen seynd 1000. Türcken mit 2. Bassen von Esseck angekommen
/ auch haben sie die Guarnison zu Erla biß 4000. [138] Mann verstärcket / und von Ofen einen erfahrnen Bassa dahin gesandt
/ selbigen Platz zu gouverniren.
(Ausführliche Relation von Eroberung deß Schlosses St.
Job.) Das allerremarquabelste aber / so diesen Monat in Ungarn passirt
/ ist / daß die Käyserliche den 12. dieses sich deß hoch importirlichen und 2.
Meil von Groß-Wardein an den Siebenbürgischen Gräntzen gelegenen Schlosses und
Marckts S. Job unter Commando deß Herrn Feldmarschall Leutenants Grafen von
Caraffa bemächtiget haben / womit es folgender gestalt hergangen / nemlich:
Nachdeme der Teckely von Griechischweissenburg den 1. Februar. mit viertausend
Türcken zu Groß-Wardein angelangt / und sich mit denen / so in dieser Vestung zu
ihme gestossen / conjungirt / und also ein Corps von siebentausend Mann gemacht
/ hat er deß folgenden Tages 27. Standarten zu sich genommen / und ist nach
Hugniad in Siebenbürgen 2. Meilen von Clausenburg marschirt: In welchem Ort in
Hugniad und selbiger Nachbarschafft ein Theil der Ungarischen Militz einquartirt
ware / und 5. Meilen weiter zuruck stunde das Ladronische Regiment / und 6.
Compagnien von Spinola. Weilen nun deß Teckely Vorhaben gewesen / die Käyserl.
Völcker in ihren Quartieren auffzusuchen / und zu schlagen / indem er der Endes
einige Verständnuß gehabt / als haben sich besagte Ungarn zeitlich zurück zu dem
Ladronischen Regiment gezogen / und daselbst sich sämbtlich in gute Postur
gestellt / ihn zu empfangen; aber der Teckely hat nicht getrauet weiters
fortzugehen / sondern hat sich in höchster Eyl wieder reterirt. Solche Movirung
deß Teckely hat indessen in der unsrigen Quartieren einigen Allarm verursachet:
derowegen der Herr Feld-Marschall Leutenant Graff von Caraffa mit viertausend
Teutschen / dreytausend Ungarn / vier Stücken Geschützes / und vier Mörsern mit
allem Zugehör / Bomben / Carcassen / und dergleichen / unerachtet der bösen
Wegen / zu Mitternacht den 5. Februar. von Zattmar gegen St. Job auffgebrochen /
und vier Meilen biß nach St. Margareth fortgesetzet / und ist den 9. Februar.
deß Nachts bey St. Job angelangt. Dieser Orth und Schloß ist von zimmlicher
importanz, ligt in einem Morast / 3. kleine Meilen von Groß-Wardein / und ist
mit 4. steinernen Bollwercken oder Pasteyen und tieffen Wassergräben umbgeben /
mit einem nebenligenden Städtlein oder Marckt: darinn biß 900. Türcken in
Guarnison lagen. Es verhoffte obgedachter Herr General Caraffa / den Teckely
oder die Türcken von Wardein ins Feld zu locken / umb mit ihnen zu schlagen /
und derowegen ließ er noch selbige Nacht den Marckt St. Job auffordern / wurde
aber nur mit Stücken beantwortet; und wiewohlen der Angriff gleichsam drey
gantzer Tag währete / so haben dannoch weder die Wardeiner Türcken / [139] noch der Teckely den Entsatz deß Orts
zu unternehmen sich getrauet. Den 10. Februar. hat man die Stück gepflantzt /
und angefangen das Schloß mit denselben und mit Feuer einwerffen zu beängstigen
/ es wurde aber hingegen tapffer aus der Vestung geantwortet. Den 11. dito ist
eine Feuerkugel in den Pulverthurn gefallen / so mitten in der Vestung gestanden
/ wordurch das Pulver angezündet / und nicht allein der Thurn in die Lufft
gesprengt / und darbey viertzig Türcken umbkommen / sondern es ist auch das
Schloß und das Städtlein in Brand gebracht worden. Hierauff hat der Herr General
Caraffa denen Hrn. Hrn. General Wallis und Obristen Marq. Spinola / welche das
Fußvolck commandirten / anbefohlen / sich fertig zu machen / umb zu stürmen /
und mit dem Degen in der Hand das Städtlein anzugreiffen / und an dem Thor deß
Schlosses Posto zu fassen; Als nun die Türcken solche Anstalten gesehen / seynd
sie zum höchsten erschrocken / haben alsobalden weisse Fahnen ausgestecket / und
capituliret / mit Weib und Kind / Gewehr / und was sie tragen könten /
abzuziehen / welches da es ihnen accordirt ware / gaben sie Geiseln heraus /
auch wurden die unsrigen noch selbigen Tags in den Marckt eingelassen / und
hulffen das Feuer löschen. Den 12. darauff wurde die Vestung den unsrigen
eingeraumt / und den 13. marschirte die Türckische Guarnison in sechshundert
bewehrten Männern ohne Weib und Kinder heraus / welche der Herr Baron Truchses
Obrist-Leutenant von Goyß biß nacher Wardein versprochener massen convoyret: In
der Vestung seynd 8. Stück Geschützes / viel Gewehrs / Granaten und viel
Proviant gefunden worden / auch nicht allein 270. gefangene Christen erlediget /
sondern es seynd auch die Zattmarische / und ein guter Theil der Byharischen
Gespannschafften aus Türckischer Contribution erlöset worden. Ebener massen hat
hierdurch die Stadt Groß-Wardein eine Brillen auff der Nasen / daß ihre Vorstatt
in die Huldigung gesetzet werden kan.
(In Croatien ist grosse Theurung.) Aus Croaten
ist dißmalen nichts anders einkommen / als daß die Theurung daselbsten noch sehr
überhand nehme / und daß die Land-Stände den 31. passato eine allgemeine
Versam̅lung zu Zagrabia gehalten haben.
|| [140]
Das dritte Capitel
Haltet in sich / was im gantzen Römischen Reich hin und wieder passirt ist.
(Geschichten deß Röm. Reichs.) WEilen in den
Oesterreich-Burgund-Bayerisch-Fränckisch-Schwäbisch-Nieder- und Ober-Rheinischen
Craisen diesen Monat über / ausser was in dem ersten Craiß unterm Titul der
Käyserl. Geschichten schon gemeldet / wenig von importanz passirt / als übergeht
ich selbige mit Willen / und mache den Anfang meiner Beschreibung vom
Ober-Sächsischen Craiß / worinnen zu berichten vorfället aus der Churfürstl.
(Brandenburgische Geschichten.)
Residentzstatt Berlin vom 12. dito / daß allda vor gewiß gehalten werde / daß
man den Volckmangel in Absendung der 8000. Mann nach Ungarn mit Recroutirung und
Richtung anderer 20000. Mann / so bald es der Saison leyden will / ersetzen /
und mit denselben unsere Bundsgenossen im fall der Noth an Ort und Enden
secundiren werde. Weilen nun der (Wie es mit dem Marsch
der nach Ungarn destimirten Völcker gehalten werden solle.) beste Kern
unserer Militz nacher Ungarn gehet / ist auch vorgesehen / daß nit viel Weiber
und Kinder / welche sonsten die meiste Uppigkeit verüben / und den March nur
verhindern / mitgehen sollen / damit aber jedennoch einige seyn / die mit kochen
und reinigen die Militz versehen mögen / ist endlich resolvirt / daß bey jeder
Compagni 10. biß 12. Weibspersonen gedultet werden sollen. Die in Preussen sich
befindende Regimenter haben Ordre zu marschieren / mit dem Beyfügen / ihren
Marsch dermassen zu beschleunigen / damit sie den 11. Februar. vor hiesiger
Residentz zum Rendevous sich einfinden mögen. Es ist sonsten umb alle die
Frembdlingen zu unterhalten / ein Kopffgeld durch Sr. Churfürstl. Durchl. Landen
ausgeschrieben / und bereits in einigen Provintzien Befelch gegeben / daß ein
Bauer vor sich ein Groot / ein Burger 8. Grooten / und ein Kauffmann 1. Rhlr.
darzu verschaffen soll.
(Chur-Sächsische Geschichten.) Vom
Chur-Sächstschen Hof de dato Dreßden vom 1. dieses wird geschrieben / daß Jhro
Churfürstl. Durchl. sich jetzo zu Torgau auff der Jagd befinden / weilen aber
Jhro Chur-Printzliche Durchl. von Brandenburg nebst seiner Gemahlin von Berlin
anhero erwartet wird / werden sie dero Ruckreise beschleunigen / wie dann
unterdessen grosse Anstalten gemacht werden / solche hohe Gäste wohl zu
empfangen / auch mit einer schönen Italiänischen Opera zu beehren. Mit der
Churfürstlichen Frau Mut [141] ter
Kranckheit beginnet es sich mercklich zu bessern. Es stehet noch fest gestelt /
daß Jhr. Churfürstl. Durchl. 4. biß 5000. Mann unter den Herrn Hertzogen
Christian von Hall gegen Ende Martii nach Ungarn absenden werde / man hätte zwar
vermeinet / daß Ihr. Churfl. Durchl. solchem march in hoher Person beywohnen
würden / es ist aber / weil sie kein groß Corpo dahin senden / eingestellt
worden.
(Cöllnische Geschichten.) Aus dem Westphälischen
Crayß hat man von der Reichsstadt Cölln / daß den 23. dito die 2. Aachter
Güllich und Sachs aus Mühlheimb nach dem ohnweit daselbsten auffgerichten Chavot
hingeführt / und weiln der (Die 2. Aechter Güllich und
Sachs werden vom Leben zum Tod hingerichtet.) Gülch keines wegs sich
einstellen / und gehen wolte / und die gantze Nacht vorhin allda geruffen und
geschryen / als wurde selbiger durch 4. Soldaten / wie ein Holtz auff einen
Mistkarren geworffen / und so per force darauff gehalten / als er bald ans
Chavot kame / fieng er an sich einzustellen / das Crucifix zu küssen / von dem
Karren abzustehen und umb die Beicht und Communion zu ruffen / wie dann auch
geschahe / vor besagtem Chavot in beysein der Käyserlichen Herrn Subdelegirten
wurde ihme nochmahln die Sententz vorgelesen / welcher gestalt er sterben solle
/ und was er peccirt hätte / wurde also geköpfft / und 2. Finger ihme abgehauen
/ Sachs gieng indessen wohlgemuth auff dem Chavot hin und her spaziren / gabe
dem Scharffrichter die Hand / und begehrte von selbigem / daß er ihn doch nicht
mißrichten solte / welches er ihme zwar versprach / gabe ihm doch 4. biß 5. Hieb
/ Mesthovius stunde indessen am Kack / wurde darauff außgestrichen / und deß
Lands verwiesen. Die Leichnam der beeden ersten seynd unter den Galgen nahe an
dem Orth / wo die Execution geschehen / begraben / und die Köpff in die Stadt
Cölln gebracht / worvon deß Güllchs seiner an den Bayen-Thurn / und deß Saxen
seiner auff den Cuniberts-Thurn (Kurtze Relation von
cutst???ud???ner Revolta in der Stadt Cölln.) andern zum Abscheu
auffgestecket worden. Die Ursach dessen ist / weiln diese beyde die
Redleins-Führer / oder principal- Anstiffter der ohngefähr vor 2. Jahren in
Cölln entstandenen Revolta gewesen / inmassen diese die Zünfften / wider die
regierende Bürgermeister und Räth der Stadt verhetzet / selbige degradirt /
theils arrestirt / theils mit harter Geld-Straff beleget / mit andern
Stadt-Beambten übel verfahren / theils bannisirt / und dem Commendanten nach
Leib und Leben gestellet / folgends einen andern Magistrat ihres Gefallens
erkohren / mit demselben ein neue Regirung eingeführt / vermittels deren bey
allen Raths-Sessionen Commissarii von denen Zünfften zugegen seyn müssen / ohne
welche nichts debattiret / noch einiger Schluß gemacht werden können; Als nun
diese gewaltsahme Proceduren von einigen treuen Patrioten der Stadt Cölln [142] an den Käyserl. Hoff zu Wien gelangt /
auch der degradirte Burgermeister Krebs und andere persöhnlich sich daselbsten
eingestellet und Jhr. Käyserl. Majest. alles mündlich vorgetragen / und selbige
unterthänigst umb Hülff implorirt / haben höchstbesagte Se. Käyserl. Majest. von
Käyserlichen hohen Ambtswegen sich der Betrangten angenommen / die Sach in
behörige Deliberation gezogen / darauff Chur-Trier und Pfaltz-Neuburg zu
Commissarien ordinirt / umb dieses Werck desto genauer zu untersuchen / welches
dann auch so erfolget / daß weiln die Eingangs angeregte 2. Haupt-Tumultuanten
Güllich und Sax auff etliche hundert ihnen zu beantworten vorgetragene Puncta in
Sachen dieser Revolta wegen sich nicht zu purgiren gewust / seynd sie condemnirt
und auff ober zehlte Weiß zu einer wohlverdienten exemplarischen Straff ihrer
Rebellion vom Leben zum Tod hingelichtet worden. Wie es den andern inhafftirten
und mit dieser Auffruhr interessirten Persohnen nun weiters ergehen möchte /
stehet künfftig zu vernehmen.
(Lütticher Geschichten.) Brieff aus Lüttig von 21.
dito bringen folgendes: die Frantzosen continuren / Bomben / und Granaten zu
machen / und ihre Magazinen anzufüllen / und haben längst der Sambre / wie auch
auff die Gräntzen dieses Landes Völcker geleget / unterm Vorwand / die von der
Reformirten Religion zu suchen / was sie verzehren / bezahlen sie. Jhre
Guarnisonen haben selbige mit etlichen Compagn. Reutherey verstärcket / und
geben vor / es seye auff die Holländer angesehen / so man aber nicht glaubet /
sondern besorget / (Haden Depputirte am Frantzös. Hoff
zu Pariß.) daß an dem Rheinstrohm etwas unterhanden seyn dörffte.
Dieser Stadt Lüttig am Frantzös. Hoff seyende Deputirten sollen bald von dannen
wieder zurück kommen / was ihre Negotiation seyn mag / ist nicht eigentlich zu
vernehmen. Einige sagen / sie suchen Bouillon, Dinant, und andere Plätze /
welche Franckreich behalten / wieder zu bekommen; andere aber vermeinen / es
seye wegen deß 60ten Pfennings und daß sie darinn ihr Begehren erhalten hätten /
wovon aber die Zeit ein gewissers lehren wird. Es wird spargirt / als ob wegen
Lützenburg / dessen Dependentzien wohl gar biß an die Stadt Cölln extendirt
werden dörfften.
(Zwischen der Stadt Hamburg und dem Hertzog von
Lüneburg-Zell entsteben Weitläufftigkeiten und nimbt dieser die Hamburg. so
genante 4. Länder mit Gewalt in Possession.) Bey dem Nider-Sächsischen
Craiß ist das remarquabelste / so zu berichten vorfället / die zwischen der
Stadt Hamburg und dem Hertzogen von Zell entstandene ohnvermuthliche Zwistigkeit
/ weßwegen dieser letztere mit seinen Trouppen das Hamburg. Territorium
invadiret / und der dieser Stadt zugehörigen so genanten 4. Länder sich
impatroniret / wormit es laut Brieffen aus Hamburg folgender Massen hergegangen.
Den 4. dito Morgens setzten die Lüneburg. 2000. Mann bey Altenburg über die Elbe
/ welche in [143] denen 4 Landen posto
gefasset / und weiln die Reichs-Post dißmahln zu Hamburg außgeblieben / ist man
daselbsten in Wahn gestanden / daß der Hertzog von Zell selbige auffgehalten
haben müsse / darmit dessen über die Elb gegangene Trouppen unverhindert in
diese 4. Länder kommen können. Den 5. diß ist Bergedorff von solchen Trouppen
auffgefordert worden / und weiln der Orth nicht sonders bevestiget / hat die
darinnen gelegene Garnison selbigen verlassen / und sich ins Schloß retiriret /
worauff der Lüneburg. Obrist Franck sich mit 800. Mann daselbsten einlogiret /
deme sich die Bürger zwar anfangs widersetzet / worvon auch einige tödtlich
verwundet worden / nachdeme sie aber gesehen / daß ihnen diese zu starck übern
Hals kommen / haben sie mit ihrer Gegenwähr nachgelassen / und sich in Ruhe
begeden / und obwohl man Hamburg. Seits auff vernehmen dieser feindlichen
Attentaten Gegen-Anstalt zu machen nicht gesaumet / wie man dann gleich die
Trommel gerühret / und in einer Zeit von 3. Tagen mehr als 1200. Mann auff die
Beine gebracht / die nebst andern den 5. dito bey Schliessung deß Thors
außcommandirt worden / die Lüneburg. aus den 4. Landen zu delogiren / wormit man
auch einige Mannschafft nach dem Bellwarder gesandt / umb allda nebst dem
Landmann die Schlagbäume zu defendiren / so war doch alles ein verlohrne Arbeit
/ und musten selbige Völcker umb in die Lüneburg. Hände nicht zu gerathen /
ohnverrichter Sachen wieder zurück nach Hamburg kehren / dem Abgeordneten (so
immittels von dieser Stadt nach dem Obristen Francken gesant / umb sich zu
erkundigen / warumb der Hertzog von Zell ihre Lande feindselig überzogen) wurde
zur Antwort / daß solches auff Käys. Ordre beschehen sey / die sich auff eine
Assignation von Winter quartiren in diesen Landen beziehe / und im Weigerungs
Fall dem Hertzog selbige armatâ manu zu suchen erlaubet habe / auff welches
vernehmen man gleich einige Deputirte an den Käys. Hoff nacher Wien gesant / umb
zu hören / ob dieses feindliche Beginnen auff expresse Ordre Jhro Käys. Maj.
(wie Lüneburg. Seits immer behauptet werden wollen) vorgenommen worden sey.
Weiters hat man aus dieser Stadt Magistrat einige nach dem Hertzog von Zell
selbsten / andere aber an Königl. (Hamburg suchet
Hülff.) Dänischen Hoff zu Coppenhagen und noch andere an den Churfl.
Brandenburg. Hoff nach Berlin gesant / umb diesen Potentaten von solchen
gewaltsamen Proceduren parte zu geben / auch selbige zugleich umb erkleckliche
Hülff zu imploriren / oder diese Strittigkeit in der Güte zu accommodiren /
(Die Lin???. impatroniren sich deß Schloßes zu
Bergedorff.) und zu componiren zu suchen; bey sothanen Verlauff seynd
die Lüneburg. immer weiter gegangen / dann nachdeme sie sich deß Schlosses zu
Bergedorff den 7. dito ohne Verlust einiges Manns / weiln die Hamburg. 2000. [144] Mann / so selbiges entsetzen sollen /
zu spath gekommen / per Accord bemächtiget / ist darauff der Obriste Franck mit
200. Dragonern und 500. zu Fuß nach der so genanten Redoute Heykate marchirt /
bey seiner Ankunfft den Schlagbaum abhauen lassen / und sich also der Redoute
genähert; der Capitain Aller / so darinn gelegen solches sehende / daß es ihme
gelten werde / hat sich mit seinen unterhabenden 100. Mann zur Gegenwähr parat
gemacht / auff die feindliche Feuer gegeben / einige todt geschossen / den Major
Witzendorff nebst etlichen blessirt / und seinen Posten bey 2. Stunden lang
dapffer defendiret / biß endlich vermittels eines starcken Hinterhalts die (Hitzige Action zwischë den Hamb. und Lüneb.)
Hamburgischen übermannet / [indem selbige von den Lüneburgischen Granadirern
guten theils übel zugerichtet / und hart beschädiget worden / also daß sie die
behörige Defension nicht mehr praestiren können] die Redoute stürmender Hand
erobert / 40. niedergemacht / und der darin commandirende Major nebst dem
Uberrest gefangen / nach Lüneburg geführt worden; als diese Action zu Hamburg
erschollen / wurde daselbsten grosser Allarm / und die Werbung grösseres Ernsts
als vorhin jemahln beschehen fortgesetzt / und darmit man desto mehr Volck in
Eil bekommen / und auffbringen können / wurde beschlossen / daß der jenige / so
eine Kutsche haltet / einen Reuther liefern / und unterhalten solle; Es wurde
aber von dieser vorgangenen Rencontre sowohl in Hamburg als anderwerts
verschiedentlich discurriret / und weiln mir 2. Extract-Schreiben / eines von
Hamburg und das andere von Lüneburg von dieser materi zu handen kommen / als
habe selbige von Wort zu Wort dem Großg. Leser communiciren / und nacheinander
hieher setzen wollen / das Hamburg. lautet / wie folgt:
Mein letzteres wird die attaquir- und Eroberung der Redoute Heykaten (Hamburg. Relation hiervon.) verständigt haben /
worauff nun ferner berichte / daß bey Eroberung eines so geringen Orths auff
beyderseits viel sitzen blieben. Als der Obrist Franck vom Schloß zu Bergedorff
gesehen / daß bey dem Anlauff deß ersten Sturms auff die Redoute alsobald der
Leutenant und 7. gemeine fielen / und die unserige wenige sich so tapffer
gehalten / hat derselbe nebst dem Herrn Grafen von Königsmarck / so diese Action
mit angesehen / gesagt / daß man in Ungarn gegen die Türcken nicht tapfferer
fechten könte / und ist gewiß / daß wann unser Corpus von den Officirern [welche
aber auff falsche Advis, nemblich daß die Lüneburgische sie zu umbringen
sucheten / sich wieder nach der Stadt reterirt] entsetzt worden wäre / die
Lüneburgische besagte Redoute nicht hätten behaupten können / massen damals
nicht mehr als 1000. Mann Lüneburgische über die Elbe gewesen / und [145] weiln man dann auch vermuthet / daß
unter diesem falschen Bericht eine Verrätherey stecken möchte / indem die
Soldaten per force stehen und sich defendiren wollen / so ist der Leutenant
Moncke und Fendrich Petersen / weil sie besagte Redouten Heykate nicht
secundiren wollen / gefänglich eingezogen worden / und wird man hören / was das
Kriegs-Recht solchen zuerkennen wird. Unsere Gefangene haben sie faselnackend
außgezogen / und wie das Viehe in Bergedorff getrieben / die Todten auch etliche
Tag gantz nackend liegen lassen. Die Lüneburgische haben bey dieser Action gantz
keine Seiden gesponnen / indem sie viele Todte und Verwundte bekommen / auch
unterschiedliche Officirer geblieben / wie dann der Major Witzendorff / ein
Granadier Capitain / 2. Fendrich / 1. Sergeant / und 70. gemeint ihrer Seits in
2. Stürmen geblieben / und 50. blessirt worden / unser Seits wird gemisser der
Capitain Aller und Leutenant Heß nebst 60. gemeinen / so todt geblieben / der
Major Bodekar, Leutenant Andreas Sohn / Fehndrich Hoecker / und Fendrich
Hildebrand nebst 40. gemeinen seynd gefangen nach dem Lüneburg. geführt worden.
Die unsrigen haben jetzund alle Posten wohl besetzet / und schantzen an der Elbe
/ darmit die Lüneburgischen nicht weiter gehen mögen; Den 12. haben unsere Leuth
mit 4. Chalouppen / worinnen 40. Mann mit Flinten seyn / und auff der Elbe
recognosciren / 2. Efer aus den 4. Landen bekommen / darinnen Pferd und Kühe /
auch 5000. Pfund weiß Wachs gewesen / welches die Lüneburgischen nach der
Harburg bringen wollen / die 10. Mann so dabey gewesen / sitzen hier gefangen.
Es ist sonsten allhier von Hauß zu Hauß angesagt worden / daß sich ein jeder
Bürger mit einer gewissen Quantität Ammunition versehen soll / auch ist hiesigen
Leuthen / welche ihre Gräntz-Häuser / Höfe und dergleichen in denen 4. Landen
haben / verbotten worden nichts an die einquartirte Lüneburgische Völcker zu
geben / oder sie sollen als Feind declarirt werden / es stehet aber zu vermuthen
/ daß sie dannoch umb das ihrige zu salviren unter der Hand thun was sie können;
Den 10. haben die Hnn. Lübecker wegen dieser Stadt-Sachen einige Deputirte
nacher Zell abgeschickt / von dannen dieser Tagen ein Trompeter mit Brieffen an
hiesige Regierung angelangt / der gleich mit einer Antwort nebst unserem
Trompeter zurück spedirt worden. Den 20. haben sich die Lüneburgische Völcker
aus dem Billwärder und dorten herumb gäntzlich weg nach Bergedorff gezogen /
woselbsten sie sich starck verschantzt / ob sie solches wegen der Königlichen
Dähnischen Völcker thun / so unterm Commando eines Frantzösischen General Majors
im Marsch seyn / und deren einige hundert bereits in dieser Gegend angelangt
seyn / oder [146] weilen wir die Länder unter
Wasser gesetzet haben / weiß man nicht. Man ist hier bedacht / 20. Compagnien
jede von 120. Mann auffzurichten / umb ins künfftig diese Land von dergleichen
Invasion, wie dißmahln von denen Lüneburgischen beschehen / zu bedecken / so ist
auch Ordre ergangen / die von den Lüneburgischen geschleiffte Redoute Heykate de
novo zu fortificiren / und hat man den Arbeits-Leuthen 400. bewährte Mann
selbige zu bedecken zugesant; Man hat den Schmied zur rothen Brück aus dem
Billwerder gefänglich eingezogen / weiln er nicht allein das geraubte Gut von
denen Lüneburgischen Soldaten gekaufft / sondern ihnen auch / wie man sagt / Weg
und Steg angewiesen; es fordern sonst die Lüneburgischen vor unsere gemeine
Soldaten Mann für Mann 30. Reichsthaler Rantzion / man hoffet aber ehistens
zwischen dieser Stadt und Ihro Hochfürstlichen Durchl. von Lüneburg-Zell ein
Accommodement / weiln sich hohe Potentaten interponiren; So viel war deß
Extract-Schreibens aus Hamburg.
Nun folget der andere Extract-Schreibens aus Lüneburg vom 14. (Lüneburg. Relation hiervon.) Februarii folgenden
Tenors: Auff deß Hrn. Begehren berichte hiemit / daß die Belegung der 4. Landen
mit einigen hiesigen Völckern daher resolvirt worden / weiln die Stadt Hamburg
denen Käyserl Befehlen und Ihr. Durchl. unserm gnädigsten Herrn ertheilten
Protectorio mit Restitution deß Reichs-Hoff-Rath Meurers Gütern keine Folge
leisten / und sonsten in ein und anderm gegen Ihr. Durchl. ungebührlich sich
erwiesen. In die eigentlich so genannte 4. Länder und Bergedorff ist man still /
und ohne Violentz eingerucket / wie aber ein Troupp der Unsrigen ausser
Bergedorff herumb marchirt / und sich einen Paß in dem Hamburg. Billwerder etwas
genähert / worinn 60. biß 70. Mann in einer Schantz / und an derselben 220. biß
30. Mann in einem Hoff als in einem Hinterhalt gelegen / haben solche / so bald
sie der unsrigen ansichtig worden / ob gleich selbe auff Gottorffischem / und
keinem Hamburg. Boden gestanden / Feuer gegeben / und über 100. Schüsse / ehe
die Unsrigen (die sonst zu keiner Feindseligkeit weder intentirten / noch Ordre
hatten / zum Gewähr zu greiffen) gethan / auch dardurch einen Leutenant / 1.
Sergeant und 9. gemeine erschossen / und etliche blessirt / worauff man dann von
disseit auf sie loß gegangen / und die guten Kerle etwas übel tractiret / viel
todt geschmiessen / und bey 160. gefangen genommen. Die von denen Hrn.
Hamburgern gerühmte tapffere Gegenwähr mag wohl meist darinn bestanden seyn /
daß sie von ferne lustig Feuer gegeben / dann so bald die unsere ihnen nahe auff
die Hauben [147] kommen / ist es gar schlecht
hergangen. Die Schantzen in den Billwerder seynd dißseits übern hauffen
geworffen / damit man von Bergedorff allemahl hinein kommen / und die
Contribution daraus hohlen kan.
(Fortsetzung der Hamb. Geschichten.) Was im
übrigen in der Stadt Hamburg sonsten passirt / oder neues diesen Monath
daselbsten eingekommen / wird hernach zu vernehmen seyn / wie dann den 2. dito
die 2. Weibs-Persohnen / so dem Taxadeur zu Hamburg die Gurgel abgeschnitten /
von den Nachsetzern beede / nebst einem Frantzosen zu Oldenburg ertappet / und
daselbst biß auff weitere Ordre eingesetzt worden. Uber Marsilien hat man / daß
die revoltirten Barbarn zu Thunis, selbige Haupt-Stadt sehr incommodirten /
worinnen ihnen von den Arabern und denen Mohren / auff dem platten Lande
hülffliche Hand geleistet werde. Der jüngstgemeldte Brand-Schaden an dem Schloß
(Das Schloß Wrangels. Burg leidet Schaden durch
einen Brand.) Wrangels-Burg bey Grieffswalde ist zwar groß / jedennoch
aber so gar gefährlich nicht / als es zu anfang gemachet worden / indem noch 3.
Seithen vom Schloß stehen / die principalste Seithen aber / da der feine Thurn
und Altar gestanden / ist biß auff den Grund weggebrandt. Die Frantzös.
Flüchtlinge beginnen sich auch häuffig in dem Lüneburgischen einzufinden / und
wird ihnen zu ihrem nöthigen Unterhalt / aller möglicher Vorschub gethan. Der
Königin Christinä Sur Intendant im Brehmischen Herr Silber-Cron ist zum
General-Zoll-Verwalter gemachet. Der ohnlängst in Altona gestorbene Dähnische
General-Major Duncam, soll in wenig Tagen allhie zu Hamburg in Dohm beygesetzet
werden. Den 15. Abends wurde dem vormahls in Dähnischen nun aber in
Venetianischen Diensten begriffenen Major Kurtz von einem Dähnischen Officirer
der Kopff mitten von einander gespalten. Von Zell hat man / daß an statt der
befürchtenden Abdanckung man wiederumb gute Soldaten anfange zu werben; Sonsten
thut sich Ihro Durchl. der Hertzog von Zell in dero Residentz auffhalten / umb
denen Conferentzien mit den Land-Ständen beyzuwohnen. Ihr Durchl. von Hannover
werden gegen Ostern aus Italien wieder erwartet. Aus Schweden wird geschrieben /
daß man daselbst vorhabens sey / künfftiges Jahr einen Reichstag außzuschreiben
/ auch redt man von einem Moscowittischen Krieg / jedoch ohne Grund. Ihr.
Hochfürstl. Durchl von Hollstein / welche sich jüngst von hinnen / zu dero Fraw
Schwester nacher Gustrau ins Mechlenburgische erhoben / seynd / wie man vernimbt
/ resolviret / von dannen sich nacher Lübeck zu begeben / alldort eine Zeitlang
bey gegenwärtigen Conjuncturen zu verbleiben / weßwegen der Bischoffs-Hof am
Thurn daselbst praeparirt wird / zu logiren. Aus Pohlen kombt / daß unter
Caminieck 30000. Tartarn stehen / welche mit ihren [148] streiffen an vielen Orten grossen
Schaden thun / und nur ungefehr zwölff Meilen von Reusch-Lemberg unter Ostrog
viele Christen und Viehe weggeführt hätten. Aus dem Holsteinischen hat man / daß
allda grosse Anstalt (Schlechte Zeitung aus
Polen.) auff den bevorstehenden Tournier gemacht / und der Herr
Estats-Nath Leute als Königl. Dähnischer Envoye nach Berlin gehen werde. Es will
von Coppenhagen annoch verlauten / daß Printz Georg von Dennemarck nebst dessen
Gemahlin aus Engelland heraus kom̅t / wiewol es nicht geglaubet
wird / daß selbige Princessin / weil sie sich schwanger befindet / solche Tour
(Der Königl. Dähnische Ober-Marschall Bühlau
flüchtet nach Schonen.) auff sich nehmen werde. Es ist gewiß / daß der
Ober-Marschall Bühlau nacher Schonen nach Mallmöe überkommen ist / es wird eine
Rechnung über 3. Tonnen Goldes am Königlichen Hof für ihne gemachet / dessen
Diener sitzt noch im Castell / und weiß man nicht / was er / sowol als sein Herr
für einen Sententz bekommen werde. Wegen der neuen Einführung eines allgemeinen
Calenders / wovon ich unlängst Meldung gethan / ist bereits ein Wechsel von
5000. Rhlr. eingekommen / wovon die Hrn. Hrn. von Bosteln allhier gestern 2000.
haben bezahlen wollen; wann Ih. Maj. die Königin Christina solches Werck
auszuführen nicht angefangen / hat sich ein anderer grosser Potentat angegeben /
solche Gelder so fort paar zu erlegen / weilen aber der Herr Doct. Wasmuth es
einmal unter Ihro Maj. Titul solches Werck heraus zu geben resolviret / so soll
es auch dabey sein verbleiben haben.
(Lüneburgische Geschichten.) Aus dem
Lüneburgischen von der Fürstlichen Residentzstatt Zell wird vom 6. dito
geschrieben / daß die neulich angestellte Zusammenkunfft der hohen Officirer der
Rede nach zu keinem andern Ende geschehen sey / als nur in denen Regimentern
eine reduction vorzunehmen / wie doch einige ein anders wollen / und ob man wohl
vermeynet / daß die reduction gar groß hätte (Es werden
einige Tronppen reducirt.) werden sollen / seynd doch nicht mehr als
5. Compagnien zu Pferd und 1. Compagnie Dragoner abgedanckt worden / jedannoch
behalten die Officirer ihr völliges Tractament / als wann sie würcklich in
Diensten stünden / und vertröstet man sie auff einen frischen Krieg / man redet
aber gar starck / doch ohne Gewißheit / daß bey denen übrigen Trouppen bey der
Cavallerie die Compagnien auff 72. die Infanterie auff 82. Köpffe mit prima
plana reformiret werden sollen. Gleiche Beschaffenheit soll es auch haben zu
Hannover / und ebenmässig die Cavallerie betreffen. Unsere gnädigste Herrschafft
befinden sich noch beständig in dero Residentz / und haben resolvirt / ein neue
Frantzös. Kirche vor die Reformirte Flüchtling aus Franckreich für das
Westerthov bauen zu lassen / weilen sich dergleichen Leut hier viel einfinden.
|| [149]
Aus dem Hannoverischen hat man / daß selbige nach Dalmatien abmarschierte
Trouppen zu solchem Marsch so willig nicht gewesen / als die vorm Jahr dahin
gangen / dahero man beforget / daß ihrer wol ein gut (Hannoverische Geschichten.) Theil defertiren werden / wo die gute
conduite deß Hn. Raugrafens ihnen solches nicht verhindert / der Hr. Gen.
Leutenant / welcher sie biß Minden begleitet / und daselbst den letzten
Rendevous gehalten / ist bereits wieder zurück kom̅en / und ist
bemühet / der übrigen Militz die vacanten Officierer-Chargen zu besetzen. Der
Hannoverische Printz Maximilian / welcher die erste Trouppen in Venetianische
Diensten geführet / ist von selbiger Republic zum General Major declarirt,
dörffte er dahero so bald nicht wieder heraus kom̅en / sondern
daselbsten in continuirlichen Diensten verbleiben / auch bey Friedenszeiten eine
gewisse pension haben / und dergleichen sagt man auch von dem Hn. Raugrafen / so
die jetzigen hinein führet. Aus Schweden hat man dißmal anders nichts / als daß
man noch nicht wisse / ob Herr Bidall oder Herr Jordan Craiß-Oberster in denen
Hertzogthümern Bremen und Verden werden solle / indeme beyde Hoffnung darzu
hätten.
Extract-Schreibens aus Lübeck vom 27. Febr.
(Lübeckischt Geschichten.) Man pflegt in gemeinem
Sprichwort zu sagen / wer einem andern eine Grube gräbt / der fällt selbsten
drein / solches hat man neulichst allhier erfahren / (Ein Todtengräber grädt ihm selbst eine Grude.) indem ein bestellter
Todtengräber auff dem Thumskirchhoff ein Grab machet / sich in selbes verfüget /
umb solches noch tieffer und die Bretter an beyden Seiten fest zu machen / da
dann unversehens ein Klumpen Erde auff ihn fällt / seine Frau / so nebst andern
ein Geschrey machet / und bey die Gruben kommen / wollen ihm heraus helffen /
indem fällt noch ein Hauffen Erde an beyden Seiten herunter / einer Picquen lang
in der Tieffe / daß der Mann darunter erstickt / und todt bleibt / wiewol er nun
sich selber solcher gestalt begraben / so ist er dannoch wieder heraus genommen
/ und ordinari. Fahrrecht über ihn gehalten worden / und wird an statt seiner
ein rechter Erbe zum Grab darein eingesencket und verscharret. Den 1. Morgens
umb 7. Uhr kam der Fürst von Wolffenbüttel sambt den Printzen unter Lösung der
Stücken von Plön hierdurch / reisete wieder mit seiner Suite zu seiner
Residentz. Eodem dato Nachmittag umb 1. Uhr reisete Herr Doct. Winckeler und
Herr Küchring / 2. Herren deß Raths als Deputirte von hiesiger Stadt nach Jh.
Hochfürstl. Durchl. von Zell. Man sagt / daß im Mecklenburgischen noch einige
Chur-Brandenburgische Militz erwartet werde.
|| [150]
Das vierte Capitel
Meldet von Königl. Frantzösisch-Span̅isch- und Portugesischen
Begebnussen.
(Frantzösische Geschichten.) IM Königreich
Franckreich haben sich noch immer Reformirte mit der Flucht zu salviren gesuchet
/ worvon aber wenig wegen starckbesetzter Pässe durchwischen können / wie dann
laut Pariser Brieffen (Pariß vom 2. dito.) der
Marquis du Bordage mit seiner Frauen / Sohn und seiner Tochter / wie auch
Madamoiselle de la Moussaye seine Schwägerin / die Marquisen de Fontenay und de
Cru, sonsten Courboyer genant / im Wald von Maubeuge (Weiterer Verlauff in Sachen der Reformirten.) gefangen / und dieser
letzte mit einer Musquetenkugel durch das Bein / besagte Marquisin aber in die
Achsel geschossen worden / wie man sagt / sollen sie anhero in die Baftille
geführt werden. Mons. de la Melonniere Obrister / und Mons. de Messane der Sohn
seynd durch den Major von Maubeuge, so 20. Mann zu Pferd und 15. Musquetierer
bey sich gehabt / aus der Stadt Binche weggeholet worden. Man hat Ordre gegeben
/ die Strassen und Weg / durch welche der König bey vorstehender Reise passiren
wird / aus zubessern / und sie also zu verbreiten / damit 5. à 6. Kutschen neben
einander zugleich vorüber fahren können. Man sagt / daß Sr. Maj. nur 10. à
12000. (Ein neues Ediet wird wider se bige
publicirt.) Mann auff besagter Reise folgen werden. Man hat hier wieder
ein Edict / so den 25. passato im Parlament registrirt worden / publicirt, durch
welches der König erkläret / daß ein Monat nach der publication die Frauen von
denen abgefallenen Reformirten / welche weigern werden / dem Exempel ihrer
Männer zu folgen / und die Wittiben / so standhafftig Reformirt verbleiben /
verstossen sollen werden / von der disposition über ihre Güter / in
Testamente??? / Stifftungen unter denen Lebendigen / alienation oder derg eichen
/ der Genuß / so von denen Gütern kom̅t / oder durch
Heyraths-Vermachung von ihren Männern recht vom succediren in Norman dien /
Vermehrung der Hochzeits-Gaben / Kleydern / Recht vom theilen der gemeinen Güter
/ Vermachungen / und alles andere / so sonsten ihnen zufället / solle auff ihre
Römisch-Catholische Kinder oder bey Ermanglung deren / denen Spitälern der
Städten / so am nächsten bey den Plätzen / allwo sie ihre ordinari Wohnung haben
/ heimfallen; mit Befelch / daß wann solche Frauen und Wittiben kein andere
Mittel zum Unterhalt haben / die Richter sie mit Nahrung verfehen / und wann sie
abfallen / in alle ihre Güter wieder einse [151] tzen sollen. Der König hat einen Fonds oder Satz von
200000. Livres gefunden / umb die ruinirte Kirchen wieder auffzurichten. Der
Hertzog de la Force hat Ordre bekommen / sich in sein Schloß Boulage in
Normandie zu reteriren / welchen eine Compagnie von der Leib-Gardes dahin
begleiten / seine Frau in ein Kloster / seine Tochter in ein anders und seine
Söhne bey die Jesuiten bringen solle; gedachter Hertzog hat sich ???resolvirt /
seine Religion nicht zu verändern / es mag ihm gleich deßhalben ergehen / wie es
immer (Pariß vom 12. dito.) wolle. Dieses Jahr
wird man 3. Armeen / ???els eine in der Franche-Comte, eine im Elsas / und eine
auff der Saar campiren lassen. Der Marq. de Sourdis, Chef der Schiffs-Escadre
ist zu Breft gestorben. Man hat die (Es werden
Praeparatoria??? zu einem Krieg gemacht.) alten See-Gardes denen neuen
incorporiret und einverleibet. Alle Gräntz-Städte dieses Königreichs vom grossen
Meer an biß nacher Hünningen seynd mit Vivres und Kriegs-Ammunitiones
angefüllet. Alle Officiers thun sich in ihre Guarnisonen erheben / umb vor Ende
dieses Monats darinn zu seyn. Der Hertzog von Savoyen soll / wie man sagt /
gleichwol vorhabens seyn / alle Protestanten aus dem Lucerner Thal / Angroine
und Spein / allda die Reformation erst den Anfang genommen / nebst den übrigen
der alten Veltliner / die sich in solche Gegend reterirt / zu der Römischen
Religion (Zu Versailles ein Ballet getantzet.)
bekehren zu lassen. Zu Versailles ist ein Ballet getantzet / welches anfangs
nicht gar angenehm gewesen / weil deß Lullii Freunde vielleicht einige Fehler
darinnen wargenommen / anjetzo aber wieder mit Lust angeschauet und
auffgenommen; Gedachter Lullius wird dieses Jahr keine Musicalische Werck zu
Versailles machen / weil die 50000. Pfund / die der König sonsten jährlich
darauff gewendet / zu Allmosen angewendet werden sollen. Den 3. tractirte der
Herr Dauphin den König / die Frau Dauphine und andere Dames zum Abendessen / und
waren folgends allerhand divertissementen angestellt. Man hat Nachricht / daß
fast in alle grosse Städt- und Seehäfen in diesem Reich Ordre gesandt worden ist
/ umb die vornehmste Reformirte / sowol Kauffleut als andere gefangen zu setzen;
einige / weilen ihre Weiber und Kinder geflüchtet seynd / und andere / von denen
man besorget / daß sie verreisen möchten / wie dann eine gewisse Holländische
Dame mit ihrer Tochter von Nantes nach Savennes über 20. Meilen von dar gefangen
gebracht worden. Man sagt / daß sowol zu Straßburg als im Ober-Elsas 2. Magazins
sollen auffgerichtet werden. Aus dem Delphinat wird geschrieben / daß 3.
Regimenter / welche alldar in denen Winterquartieren gelegen / von bannen
auffgebrochen / und gegen Pignerol marchiren / man wüste aber nicht / ob sie
nacher Casal oder die Protestirende von ihrer Religion (3. Armenianische Schiff) abzubringen / destiniret
wären. Von Rochelle hat man / daß drey [152] wohlbeladene Schiff aus America kom̅end bey der Insul Oleren zu
Grund gangen seynd. Durch einen Currier aus Spannien hat man im̅ittels wegen kom̅ender Gallionen die confirmation, und daß diese
mit 32. Mill. Stücken (gehen bey der Insul Oleren zu
Grunde.) von Achten und 6. Millionen in Silberblatten beladen seynd.
Den 11. dieses ist ein extraordinari Courrier aus Engelland angekommen / so dem
Hn. Ritter Trumbal wieder neue Ordres wegen deß Fürstenthums Oranien (Ein Engelländischer Contrier zu Pariß augelangt.)
und der Englischen Protestanten / wie auch Klagten / daß einige Frantzösische
Schiffe in der See kreutzen / und verschiedene Protestirende / welche sich in
die Insul Gersey reterirt haben / wegnehmen wollen / mitgebracht haben solle.
Vor etlichen Tagen hat der Königl. Dähnische Extraordinari Envoye deß
Chur-Printzens zu Sachsen Durchl. nebst verschiedenen andern frembden Printzen /
und vielen Herren und Dames von Hof in seinem Logiament sehr herrlich gastiret.
Von Rom schreibt man / daß an dem Palquino (Eine
nachdenckliche affiction zu Rom geschehen.) eine Tafel affigiret
gefunden worden / deren Bedeutung und Auslegung zu ergründen die Verständigen
sehr beschäfftiget wären: Auff gemeldter Taffel siehet man einen Adler / so die
Schwalben verjaget; einen Löwen mit Flügeln / welcher nach denen Wespen fliehet
/ und einen Bauren auff Polnisch gekleydet??? der mitten im Morast ist / und mit
einem Stab suchet / wordurch er heraus kommen / und durch einen Fluß den
Zwergweg nehmen möge; man siehet auch darauff einen Mann / wie ein Frantzös.
Koch gekleydet / in der Hand eine Pfanne haltend / darinnen Erbsen seyn / welche
er untereinander rühret / sagend: Sie seynd noch nicht / wie ich sie haben will.
Der Graf von Olloner / Seneschal von Poictu ist im 60. Jahr seines Alters
gestorben. Allhier seynd einige Herren aus Engelland / welche / wie man sagt /
auff den Grafen von Castelmaine warten / welcher wegen Sr. Kön. Maj. von
Groß-Brittanien nacher Rom gehen solle. Die letzte Londische Brieff melden / daß
der König durch ein Edict alle Gesetze und Straffen / welche man wider die
Römisch. Catholischen seithero der Königin Elisabeth gemacht und verordnet
gehabt / aboliro und abgethan habe / also daß die Römisch-Catholischen krafft
solchen Edicts Macht haben / allerhand Charges und Aembter sowol in
Militar-Civil-als Policey-Sachen bedienen und verwalten zu können. Jh. Königl.
Maj. waren einige Tag etwas unpäßlich / (König in
Franckreich wird unpäßlich.) so durch einen Blutschwähr an dero Arm
entstanden / es seynd aber Jh. Maj. bereits wiederumb so weit reconvalescirt,
daß sie zu Versailles in der Opera gewesen. Weilen sonsten der König von Marocco
den mit dieser Cron gemachten Tractat umb die Christliche Sclaven gegen die
Moroquynen auszulösen / und vor jeden / welcher auff ein oder der andern Seiten
mehr gefunden werden würde / 100. Rhlr. zu bezahlen / nicht ratificiren will
/ [153] als dörfften wohl ehistens einige
Frantzösische Schiff der Ends gesand werden. Mons. du Quesne, dem alle seine
Dignitäten abgenommen / gehet auff sein Schloß d'Aubonne ins Schweitzerland. Die
Marquisin de Saignelay hat nun ihren zweyten Sohn zur Welt gebohren. Man
vernimmet / daß der Pabst vor künfftige Campagne 200000. Rhlr. nacher Polen /
und auch so viel an Jh. Röm. Käys. Maj. senden werde. Ein Venetian. Schiff / als
es ein Frantzös. Kauffarthey-Schiff durchsuchet / hat es darinn die Envoyes von
Tunis / welche kamen / umb den Tractat / so mit ihnen gemacht worden / zu
confirmiren, gefunden / welche Envoyes in Eisen geschlossen / (Viele Grosse geben mit permission deß Königs in
Engellane???.) das Schiff aber wieder frey gelassen worden. Madame
Hervvard und ihre Tochter die Marggräfin von Gouvernay, und Mons. de St. Martin
Hof-Rath haben Erlaut nuß bekommen / sich in Engelland zu reteriren. Der
Marschall d'Estrade ist wieder in sein vorige Kranckheit gefallen. Man sagt /
daß der König von China der Moscowitter in Siberien auffgeworffene Fortressen
und Vestung belägert und einbekommen habe / der Marschall de Schomberg gehet mit
seiner gantzen Familie mit permission deß Königs nach dem Portugesischen Hof /
und weilen er daselbsten sehr beliebet / und ein Grande von gedachter Cron ist /
der er vormals sehr gute Diensten gethan / so verhoffet man an diesem Hof nicht
geringen Vortheil davon zu haben. Dergleichen veřmeynet man auch an dem
Englischen Hof durch den Marq. de Ruvigny zu haben / welcher ebener massen mit
allen seinen Angehörigen sich dahin begeben. Der König hat in seinem Rath
resolvirt / (Viele Mißbräuche werden
adgestellt.) unterschiedliche abuysen und Mißbräuche zu remed ren: und
soll man unter andern denen Frauens-personen in den Craiß deß Altars zu kommen /
verbieten / dieweil ihnen solches durch viel Concilien und Capitulen von Charle
Magne verbotten ist / und die Münche solches aus verkehrter complaisance vor die
Dames umb selbige nicht zu erzürnen / nach der Hand zugelassen / und connivirt
haben; Man soll auch die Unterredung und familiaire Discoursen in den Kirchen
verbieten / zu dem Ende schon der Ertz-Bischoff dieser Stadt auff Ordre deß
Königs an einige Superiores unterschiedlicher Conventen Ihrer Maj. vorgenommene
Desseins und Fürnehmen notificirt / und ordonnirt / sich darnach zu richten.
Allhier befindet sich ein Chur-Pfältzischer Secretarius, mit welchem negotiirt
wird / jedoch gehen seine Sachen nit starck vor sich. Der unlängst aus Polen
anhero gekommene Courrier hat einen kostbaren Türckischen Säbel / welchen Madame
de Bethune an Se. Königl. Maj. übergeben hat / mitgebracht. Mons. de Nicolay
(Der Obrist Präsident) Obrister Proesident
in der Rechen-Cammer gienge vor 3. Tagen nach Presle, einem seinem Landgut /
allwo er bauen lässet / und als er von einer Stie [154] gen / so keine Tritte hatte /
herab stiege / bekame er einen Schwindel / also daß er von oben herunter sich zu
tod fiele / ohne einiges Zeichen mehr zu geben: der König hat nun solche Charge
seinem Sohn gegeben; Dieses ist (von der Rechen-Cammer
fället sich zu tod.) schon der achte Obrist Proesident dieser Familie
/ und ist länger dann 200. Jahr / daß diese Charge bey ihrem Hause gewesen ist.
Der Intendant in Bear und zu Montauban ist auch gestorben. Der Ruff gehet / daß
der König dem Marq. du Bordage Kriegs-Commissarien gegeben habe / umb ihn nach
dem Kriegs-Recht als Unterthanen / ausgerissenen Officier / und einen der seinem
Printzen untreu worden / indeme er / als er aus dem Königreich gehen wollen /
der Königl. Ordonnance zuwider das Gewehr ergriffen / zu verurtheilen / und den
Proceß zu machen. Der Herr Marq. d' Angeau heyrathet Madamoiselle von Löwenstein
/ der Madame la Dauphine Staats-Jungfrau / so 360000. Livres zum Heyrathsgut
bekom̅t. Der Gastwirth / so den Canonicum Mons. Petit so
erbärmlich tractirt und verletzt hat / ist lebendig geradbrecht zu werden
condemnirt worden / und soll er nach seinem Urtheil 9. Schläge lebendig bekommen
/ und biß daß er stirbt auff dem Radliegen bleiben: er hat aber wegen dieses
Urtheils an das Parlament appellirt, (Zu Bordeaux
stehen alle Bäume in voller Blüth.) und hofft also noch eine Linderung
zu erlangen. Von Bordeaux wird geschrieben / daß daselbst wegen deß überaus
gelinden Wetters alle Obstbäume in voller Blüthe stünden / und der Weinstock
bereits sehr weit heraus kommen seye.
(Spannische Geschichten.) Aus dem Königreich
Spannien melden Brieff von Madrit / daß man daselbst Nachricht habe / wie daß
ein Spannisches Schiff unterm Commando deß Capitain Jean Schelte den 6. zu Cadix
arrivirt / welches 300000. Pesus vor den König und 700000. vor
particulier-Personen mitbringet. (Herr Graff von
Mannsfeld Käyserl. Ambassadeur wird zum Ritter deß güldenen Vließ
gemacht.) Der Käyserl. Ambassad. Herr Graf von Mannsfeld ist von Jh. Maj.
dem König zu einem Ritter deß güldenen Vließ gemacht worden / worzu er den 10.
dieses von Jh. Majest. Händen / als Haupt und Souverain über dasselbe den Orden
empfangen; Der Printz von Astigliano, Marq. de Camerazo, Don Anthonio von
Taledo, der Sohn deß Hertzogs von Alva, der Hertzog von Bourneville, Marq. von
Conflantz / und der Hertzog von Manteleon, sämbtliche Ritter dieses Ordens haben
ins gesambt diesem Actu beygewohnet / und hat der Don Balthasar de Molines,
Secretarius das Ambt als erster König der Wappen verrichtet. Am hiesigen Hof ist
man beschäfftiget / grosse Summen nacher Flandern und dem Christlichen Käyser
zur assistenz wider die Türcken zu remittiren. Per Expressum hat man von Lisabon
/ daß selbiger König die Mariage mit einer Churfürstlichen Princessin von
Neuburg / nemlich der regierenden Käyserin [155] Fräulein Schwester declariren lassen / darüber man hier sehr
erfreuet ist. Der Herr Graf Melgar hat endlich die Ambassade nacher Rom /
übernommen; und hat der Graf de Fuensalida Ordre empfangen / unverzüglich sich
nach dem Mayländischen Staat zu erheben / und alldort von dem ihme conferirten
(Der König gibt Ordre 20. Kriegsschiffe
auszurüsten.) Gouvernement possession zu nehmen. Der König hat
anbefohlen zwantzig Kriegsschiff auszurüsten / umb denen Gallionen / welche aus
Indien kommen / entgegen zu gehen. Den 25. dieses hat der Marquis von
Baldefuentes, Sohn vom Hertzog von Albrantes mit der Tochter deß Marquis de
Orani, Baase deß Cardinals Porto Carrero; und deß andern Tages der Herr F.
Chirigta mit deß Marq. del Laneras Tochter Hochzeit gehalten. Mit ehistem sollen
die sieben Kriegsschiffe / so in Biscayen ausgerüstet worden / nach America
segeln / umb die See von allen Räubern zu (Die von Jh.
Päbstl. Heilzum Türckenkrieg destinirte geistliche Contributionsgelder
wollen noch keinen offect erreichen.) säubern. Obwolen der Pabst Ihr.
König. Maj. verwilliget hat / aus den geistlichen Zehenden und Gefällen
sechshunderttausend Rhlr. zu dem Türckenkrieg auffzubringen / so ist doch noch
wenig apparenz, daß solches seinen effect erreichen werde / weil dem Augenschein
nach die Geistliche nicht geneiget seynd von ihren Einkünfften soviel zu
entbehren. Der Don Diego Spinola, welcher Gouverneur zu Gent gewesen / soll von
dem König zum Leutenant General über die Trouppen in Flandern declariret worden
seyn.
Das fünffte Capitel.
Die Königliche Engell-Schott- und Irrländische Historien.
(Engelländische Geschichten.) IHro Königl. Maj.
von Groß-Brittannien haben Mons. Hambden / so wegen Hochverrath / und andern
Lastern angeklagt und zur Straff 40000. Pfund verdammet worden Pardon gegeben.
Der Lord Dartmuth ist zum Vice-Admiral von Engelland gemacht worden. Weilen den
9. dieses der Jahrstag ist / daß König Carl als deß jetzt regierenden Königs
Herr Vatter enthauptet worden / als soll selbiger Tag in aller devotion
zugebracht werden / und hat der König befohlen / daß solchen Tag niemand bey Hof
als in der Trauer erscheinen soll. Die neue Gräfin von Dorchester wird / wie man
glaubt / nach Irrland verreisen. Der Graf von Ossery ist Obrister über die
Gardes in Irrland / an deß verstorbenen [156] Grafen von Arran Platz gemachet worden. Der hier anwesende Schwedische Envoye
trachtet die Tractaten mit dieser Cron und Schweden zu erneuern / worzu aber
noch schlechte apparenz ist. Verschiedene Engell. Kauffleute (Schweden will die alte Tractaten mit der Cron Engelland
erneuern.) / die in Franckreich verheyrathet / aber nicht naturalisirt
seynd / haben Sr. Majest. zu wissen gethan / daß man ihnen kein Erlaubnuß geben
will / umb mit ihren Weibern und Kindern von dannen abzureisen / dannenhero sie
Se. Königl. Maj. von Groß-Brittannien inständig bitten / solches vor sie zuwegen
zu bringen; worauff Jh. Maj. an den Lord Trumbald / dero Envoye am
Frantzösischen Hof / Ordre gegeben haben / sehr nachdrückliche (Mons. Talboth wird vom Hertzog von Graffton im Duell
erstochen.) instantien vor sie zu thun. Mons. Talboth, deß Grafen von
Schrewsbury Bruder ist im Duell von dem Hertzogen von Graffton erstochen worden
/ dieser hatte jenen schon einmal wehrloß gemacht / und das Leben genereuse
geschencket / er wolte aber damit nicht zufrieden bleiben / biß er endlich den
Tod davon getragen hat. Man sagt / daß diesen Sommer zu Honslöwheat eine Armee
von 16000. Mann campiren / und etliche Monaten lang alle Tag exerciret werden
solle. Den 14. ist der Graf von Castelmaine von hier nach Rom abgereist. Der
Graf von Stampfort / so deß Hochverraths angeklaget gewesen / ist unter
Bürgschafft seiner Gefängnuß befreyet. Der König hat dem Herrn Bischoff von
Londen sagen lassen / daß Se. Majest sich verwundere / ihn nicht mehr bey Hof zu
sehen / und daß sie wohl zufrieden wären / daß er daselbst erschiene. Den 28.
war der bestimbte (Saxon und Graund werden von deß
Königs Banck deß schändlichen Meineyds schuldig erkandt / und
verurtheilt.) Tag / daß Thomas Saxon und Mons. David Graund für Recht
gestellt wurden / wobey der Hof deß Königs Banck mit einer grossen Menge Volcks
angefüllet war; nach vorheriger vielfaltigen examination wurde der Thomas Saxon
gefragt / was er zu seiner defension einzuwenden hätte? worauff er antwortet /
er sey ein armer Mann / und habe kein Geld einigen Zeugen auffzubringen / und
was er ausgesagt / hab er nicht aus einiger Boßheit gegen den Lord de la Meere,
sondern allein dem König zu Dienst gethan / bat darauff den König umb Gnad / und
wurde von den Richtern deß schändlichen Meineyds schuldig erkant / und
verurtheilt / daß er den 23. in der Pillory vor Westmünsterhall / und den 25.
vor Templebar stehen / (Der Graff von Sunderland
regaliriden König und die Königin mit einem Ballet und Collation.) den
26. von Ludgate biß Westmünsterhall gegeißlet / und den 27. in der Pillory oder
Lasterstein vor der Beurß stehen / und den 28. von Neugate biß Tiburn zum
andernmal gegeißlet werden soll / welches Urtheil an ihme Saxon auch also
vollzogen worden. Den 25. Abends regalirte der Graf von Sunderland den König und
die Königin in dem apartement der Hertzogin von Portsmuth mit einem Ball und
Collation / und waren zwölff [157] paar
Däntzer auff die Manier von allen Nationen gekleydet / gegenwärtig / welche
Lustbarkeit mit grosser Vergnügung Ihro Majestäten geendiget worden. A???s
Schottland hat man / daß D. Sibbolt von dannen anhero kommen wolte / umb Ihro
Majest. kund zuthun / daß ihm ein Brieff zugesandt worden / worinnen man ihm
betrohete beyde Ohren abzuschneiden. Man sagt auch noch von einem Brieff / so
auff dem Post-Hauß intercipirt worden / und von dem Verräther Ferguson an den
Lord Gray von Warcke geschrieben seyn soll / worvon hiernechst mehrere
Sicherheit. Als den 22. der Köig in dem Parch spatziren gienge / kahm ihm einer
Namens Macnamara ein Irrländer ins Gesicht / welchen Se. Majestät (Ein Irrläuder wird aus Befehl deß Königs
arrestirt.) alsobalden arrestiren lassen / und soll er ehistens von dem
Königl. Rath examinirt werden / man hält darvor / daß er gegen das Leben deß
Königs conspirirt habe. Mons. Vincent. der berühmbte Minister, so in deß
Hertzogs von Montmouth Lager gewesen / ist zu Echester gefangen / und unter
einer starcken Wacht nach Londen gebracht worden.
Das sechste Capittel
Sagt von Schwedisch- und Dähnischen Fügnussen.
(Königs. Dähnische Geschichten.) AUs der
Königlichen Residentz-Stadt Coppenhagen kombt von 15. dito / daß mit Ende deß
verwichenen Monats der junge Hertzog von Wolffenbüttel mit dem
Obrist-Stallmeister Hrn. Harthausen allda angelangt seye; gedachter Stallmeister
hat eine Zeithero an dem Hochfürstl. Zellischen Hoff die Abassadeur-Stelle
vertretten / wird auch dem vernehmen nach in wenig Wochen wieder dorthin gehen /
umb solche Function ferner anzutretten / erwehntem Hertzogen wird dahier grosse
Caresse erwiesen / und wurde / sobald er nur arrivirt / mit Jh. Königl. Maj.
Carosse zu Hoff gehohlet / und durch einen Cammer-Juncker zur Taffel genöthiget.
(Denen Vertriebenen aus Franckreich werden viel
ledige Häuser augewiesen.) Ihr. Majest der König haben sich
allergnädigst erkläret / die zu Rotschild / Cöge / und in andern Städten ledige
Häuser denen vertriebenen aus Franckreich hier ankommenden Reformirten ohne
eintziges Entgeld mit gewissen Freyheiten Erb- und eigenthümblich einzuraumen /
welches so viel [158] gewürcket / daß bereits
einige Schiff mit solchen Familien ankommen / und seynd noch mehr in Holland /
welchen Ihre Majest. ein Schiff entgegen senden / selbige von dannen abzuholen /
und anhero zu bringen / welches bey dem hiesigen Frantzös. Ambassadeur zimbliche
scheele Augen gibt. Alle Capitains haben Ordre empfangen / ihre Compagnien zu
recroutiren / und gegen den 2. April complet zu haben. So wird auch starck
geredet / als wann resolvirt wäre / gegen künfftigen Frühling eine Flotte zu
equippiren / weiln der Herr Ober-Stallmeister Haxthausen etwas merckwürdiges von
(Dähnische Völcker nach dem Elbstrom in Marsch
begrieffen.) dem Zellischen Hoff mitgebracht / welches aber annoch
secretirt wird. Unsere nach der Elbe destinirte Völcker werden nunmehro völlig
im Marsch seyn / welche ein Frantzös. General-Major commandiret / sie werden ihr
Haupt-Quartier zum Pinnenberg halten. Der Seel. verwittibten Königin gewesener
Ober-Marschall Joachim Heinrich von Bühlau hat sich den II. (Deß geflüchteten Ober-Marschall Büh???au Cammerdiener
wird gefangen.) heimblich von hinnen re???rirt / man hält darfür / daß
er nach Schonen überkommen ist / dessen Kammerdiener hat man den andern Tag auff
dem halben Weg nach Helsignör gefangen bekommen / er soll sich sehr importun in
Worten haben hören lassen / viel Brieffe sollen bey ihm seyn gefunden worden /
deren Inhalt der Feder nicht kan vertrauet werden / er ist gefangen ins Castell
gebracht / wiewohl man sagt / daß er schon wieder heraus sey. Weiln nun besagter
Bühlau Krafft eines ergangenen Königlichen Placcats für die verordneten Hn. Hn
Commissarien nicht erschienen / so ist dergleichen den 15. abermahls publicirt
und zwar folgender Gestalt. Nachdemmahln (Und der
Ober-Marschalck zum zweytenmahl ???irt.) Hr. Joachim Heinrich von
Bühlau nach der rechtlich ergangenen und ihm den 4. dieses verkündigten / in
Sachen so Jh. Kön. Maj. General-Procureur wider ihm haben / nicht ist erschienen
/ als wird dieser von denen darzu verordneten Commissarien biß künfftigen als
den 27. Febr. außgesetzet / alsdann selbiges Tags die Sach in der Rathstube vor
dem Schloß zu Coppenhagen deß Morgends umb 8. Uhr soll fürgenommen werden / er
erscheine nun oder nit / so soll nichts desto weniger darinnen ergehen / was
recht ist. Der Groß-Cantzler Graff von Ahlnfeld / und General-Admiral Juel ligen
gefährlich kranck. Sonsten macht man grosse Anstalt auff künfftig zu Gottorff
haltendes Carousel. Der Hr. Estaats-Rath Lenthe wird ehist (Der Frantzös. Ambas. tra???tirt den Königlichen Hoff
sehr herrlich.) nach Berlin als Königlicher Envoye abgehen. Der
Frantzösisch. Ambassadeur in diesem Königreich hat beyde Majest. den König und
die Königin sambt dem gantzen Hoff sehr herrlich tractirt; der junge Herr
Güldenlöw hat sich sonderlich in seinem tantzen sehr lustig erzeiget / also daß
der gantze Hoff sein Vergnügen an denselben geschöpffet hat. So waren auch am
Hoff an allen Fenstern Lampen gesetzet / welche roth und weiß leuchten / und [159] bey Abends-Zeit recht schön zu sehen
gewesen. Ein Königl. Laquey ist von seinem Cameraden / nachdem er zuvor von ihm
braff abgebrügelt war / auff der Stelle todt gestochen worden / der Thäter hat
sich wie man sagt / in deß Frantzös. Ambassad. Hauß retiriret / die Persohnen
werden beyderseits sehr beklagt / weil sie stäts ein frommes Leben geführet
haben / dieser Niederschlag ist in ihrer beyden Vollerey auff einer Hochzeit
geschehen. Dahier werden in dem Kriegs-Collegio täglich Zusammenkunfften
gehalten / und wichtige Sachen tractirt. Bey Beerdigung deß wohlbekandten
Schultzen bey Nacht / Dreyers genannt / erschienen viel vornehme von Hoff / und
wurden ihm zu Ehren aus 3. Stücken / und von 4000. zu Fuß Salve gegeben.
(Königl. Schwedif. Geschichten.) Aus der Königl.
Residentz-Stadt Stockholm habe vom 12. dito folgendes: Der Röm. Käyserl. Envoye
Hr. Graff Nostitz wird alhier zu Hoff sehr hoch gehalten / und glaubet man / daß
seine Anwesenheit einem incognito sich dahier auffhaltenden Minister einen
zimblichen Stoß thun werde / sintemahln der hiesige Hoff nicht allein die mit
Ihr. Käyserl. Maj. und Römisch. Reich auffgerichtete Alliance observiren /
sondern gar resolviret haben soll künfftigen Frühling 12000. Mann aus Pommern zu
Ihr. Käyserl. Majest. Diensten an Orthe und Enden / wo es vonnöthen seyn wird /
zu senden. Ihr. Königl. Majest. seynd nach Königsöhr auffgebrochen / von dannen
sie nach Jencöping sich erheben werden / umb daselbsten die Militz zu mustern.
Vor einigen Tagen hielt Madame Horns mit Mons. (Starcker Regen zu Stockholm.) Nieroth auffm Schloß Hochzeit. Den 8.
und 9. dieses hats allhier so starck geregnet / daß dergleichen Regen niemand in
Schweden erlebet hat. Sonsten hat man nunmehro bey Hoff die Trauer abgelegt /
und wird nach diesem der Hoff mit grösserm Pomp geführet werden / wie dann
bereits die Trompeter beordret / alle Mahlzeit zur Tafel zu blasen / welches
seiter dem letzten Krieg nicht geschehen. Ihr. Königl. Majest. haben den
Hoff-Marschall Rosenhan mit der Präsidenten-Stelle im Wißmarischen Tribual
begnädiget / und soll der Herr Axel Leyenschild ihm bey Hoff succed ren. Mons.
Silber-Cron aber hat die General-Zoll-Verwalther-Stelle bekommen / doch daß er
nicht alle Confiscationes behält. Ohngefähr drey (Bey
Ricöping ist ein grosses Erddidem.) viertheil Meil von Nyköping ist
ein grosses Erdbeben gewesen / so daß der Wall / so an der Elbe gelegen /
dahinein geworffen / so gar / daß die Leuthe von der andern Seiten trucknes
Fußes darüber gehen kön̅en / und bezeugen die Bauern / daß solches
über 3. Stunden gewähret. Unsere Militze ist in sehr gutem Stand / also daß man
im Fall der Noth 60000. Mann ins Feld bringen / und dannoch so viel in denen
Garnisonen behalten kan. Auch [160] seynd an
statt der Schiffe / welche man einige Jahr hero verlohren hat / wieder neue
gemacht / auch seithero dem letzten Frieden 30. Capital-Schiffe gebauet worden.
Ih. Königl. Maj. haben eine neue Post-Ordnung publiciren (In Schweden stehet zu Wasser und Land alles so gutem
Stand) lassen / krafft welcher niemand als alle. 3. Maj. und Hertzog
Adolph Johann frey / denen hohen Ministern und Collegien ist auch zwar eine
gewisse Summa frey gegeben / das übrige aber müssen sie alle bezahlen.
Das siebende Capitel
Erzehlet von Königl. Polnisch-Moscowittisch-Türckisch- und Tartarischen Hoff- und
Kriegs-Händeln.
(Königl. Polnische Geschichten.) DEn 1. dieses ist
zu Zollkiow ein Expresser vom Königl. Polnischen Residenten in Persien spedirt /
und 5. Monat unter Wegens gewesen / mit Schreiben von besagtem Residenten / und
von verschiedenen Geistlichen an Ih. Königl. Maj. dahier bey Hof angelangt /
wordurch (Gute Zeitungen ans Persten kommen am
Polnischen Hof an.) Ih. Königl. Majest. berichtet werden / daß der
König von Persien den Krieg gegen die Türcken habe publiciren lassen / und
würden in selbigem Königreich sehr grosse Zurüstungen zum Krieg gemachet / umb
von allen Seiten die Türckische Gräntzen anzufallen. Gemeldter Erpresser meldet
auch / daß er im durchreisen selbiger Länder selbsten mit Augen gesehen habe /
daß die Völcker zusammen geführt worden / und schon 30000. Mann zu Pferde im
Marsch gegen die Türckische Gräntzen im Anzug gewesen wären. Welche Zeitung
gedachter Expresse auch in Moscau im durchreisen kund gethan / und unter dem
gemeinen Volck grosse Freud verursacht hat; und hätten ihn die vornehmste
Ministri deren Czaaren ersuchet / denen Polnischen Ambassadeurn zu vermelden /
ihre dahin Reise zu beschleunigen / so sie auch eyligst von denen Gräntzen /
allwo er sie angetroffen / bewerckstelliget (In Polen
beschicht grosse Zurüftung zu künfftiger Campagne.) hätten. Es liegen
hunderttausend Gulden bey dem Päbstlichen Nuntio parat umb unter die Cossacken
auszutheilen. Es werden auch viele Schiffe ausgerüstet / womit man auff dem
Dniester / Lebensmittel und Kriegs-Munitiones, allwo sich die Armee künfftig
befinden wird / hinführet / auch solcher Schiffe im Nothfall zu einer Brücke
sich bedienen solle. Auch lässet der Päbstliche Nuntius mit seines Principalen
Geldern ein Magazin von Victualien auffrichten / umb dadurch nechstkünfftigen
Feldzug zwölfftausend Mann zu Fuß unterhalten zu können. Sonsten sollen die [161] streiffenden Tartarn sich biß auff 13.
Meilen nur von Lemberg haben sehen lassen / alwo sie auch viel Menschen und
Viehe geraubet. Zu Lemberg ist eine Feuers-Brunst entstanden / seynd doch
mehrers nicht als; Häuser abgebrand; Die Cossacken unterm Herrn General Mohila
seynd wegen außbleibender Bezahlung sehr übel zu frieden / und lassen sich mit
der Betrohung vernehmen / daß sie zum Feind übergehen wollen / wofern der
rückständige Sold ihnen nicht ohnverzüglich entrichtet werde; Zu Lemberg seynd
einige rantzionirte Gefangene aus Caminieck ankommen / welche einhellig
berichten / daß sich in selbiger Vestung abermahl allerhand Mangel eräugnen soll
/ so gar / daß auch die Besatzung deßwegen sehr schwürich und widerspenstig wird
/ sonderlich sollen die Janitscharen ihren Officiern wegen außbleibender Zahlung
/ und daß sie in etlichen Monathen kein (Die Türcken
erschlagen ihren Aga in Caminieck Podolski.) Gelt bekommen / nicht
mehr pariren wollen / ja ihren Aga selbst erschlagen und einen andern unter sich
auffgeworffen haben. Unser Envoye aus Persien berichtet durch den neulich
eingelauffenen Currier von Schamy über das was vorhero gemeldt noch ferner / daß
alle die jenige Völcker / welche ein Zeitlang in Glanden gestanden / sind
beordret worden / unter die Stadt Marivano an den Türckis. Frontiren gelegen /
zu rucken / und der allgemeinen Stimme nach die Stadt Babylon berennen sollen /
auch daß bey 50000. Familien Araber das Türckische Joch hätten abgeworffen / und
(Die Commission in Lublin gehet glücklich von
statten.) die Persianische Protection angenommen. Von Lublin schreiben
die Königliche Herrn Commissarii, daß sie die Commission, den Bischoff cum
Jurisdictione alldorten zu installiren / glücklich angefangen haben / ungeachtet
sich die Diffidenten befleissen / das Werck auff alle Weiß / auch mit
Schwedisch- und Dähnischer Betrohung zu hintertreiben. Die Zeitung / so aus der
Türckey eingelauffen / gehen alle dahin / daß der Sultan entschlossen / den
Krieg mit grösserer Macht dann vorm Jahr geschehen / wider dieses (Der Türck und der Tartar Cham wollen mit 100000. Mann
wider Pohlen zu Feld geben.) Königreich fortzusetzen / zu welchem Ende
der Solymann Bassa diese Campagne 50000. Türcken führen / und deß Hans Sohn mit
einer nicht geringern Macht zu ihm stossen soll. Dahero Ihr. Königl. Maj. mit
grösserm Eyfer alles zu einem frühen Feldzug verfertigen lassen / auch gäntzlich
entschlossen seyn / der künfftigen Expedition in eigener Persohn beyzuwohnen /
umb deroselben desto grössern Nachtruck zu geben / und ungeachtet es viel Grosse
Ihr. Königlichen Majestät mißrathen wollen / damit Ihr Königl. Majest. bey
herannahendem Alter ausser Gefahr bleiben / und (König
in Pohlen wil in hoher Person selbst zu Feld geben.) der Republic zum
besten / ihrer hohen Persohn schonen möchten / wollen sich Ihro Königliche
Majest. doch keines wegs abhalten lassen. Uber die jüngst gemeldte Particularia,
welche der Courrier mitgebracht / hat der König [162] von Persien / auch ein Schreiben voller Affections-Bezeugung an
Ihr. Königl. Majest. von Pohlen gesandt / darinn enthalten / daß selbiger
jetzige Gelegenheit ergreiffen wolle / umb die Türcken zu untertrucken / und die
jenige Länder / so ihme von den der Ottomann. Porten gewaltthätiger Weise
abgenommen worden / wieder an sich zu bringen / und zu erobern. Auch referiren
die Brieff deß Königl. Pohlnisch. Residenten in Persien / daß obiger Resolution,
der Primo Visir sich zwar widersetzt hätte / aber nichts desteweniger die
Kriegs-Declaration und Ankündigung decretirt und geschlossen worden seye. Auff
den Jahrmarckt zu Lemberg seynd verschiedene Käys. Officiers aus Ober-Ungarn
angekommen umb Pferde / Tücher / und andere nöthige Sachen einzukauffen. Der
Herr Bischoff von Chelma, wird in Königl. Commission nacher Rom verreisen. Die
Commissarii Deputati haben auff letztem Landtag zu Crackau dieser Republic
Schatz-Kammer (Ein hoch schätzbarer Diamant zu Krackan
in der schatzkammer) besichtiget / und unter andern auch den
considerablen Diamant / so 22500. Ducaten werth ist / wie auch die
Moscowittische Cron / welche von Ladislao IV. durch ein Testament dieser
Republic überlassen worden / mit Perlein und allerley kostbahren Edelgesteinen /
und insonderheit oben am Gipffel mit einem runden Saphir einer Welschen-Nuß groß
/ so auff einem Creutz von Diamanten ruhet / besetzet / besichtiget; Es seynd
auch noch 7. andere Cronen alldorten / eine von selbigen ist vom Königreich
Schweden / und die andere von Hungarn gewesen. Den 6. ist ein Courrier aus
Franckreich bey Ihr. Königl. Majest. angelangt / bey welchem man gäntzlich
verhoffet hätte / einen ergebigen Wechsel zu bevorstehender Campagne wider den
Erbfeind zu überkommen / so spühret man aber in effectu, daß man uns Pohlen nur
mit lähren Hoffnungen auffhält / Kaminieck Podolsky aus (Herr Weywoda von Posen kan aus Mangel genugsamer
Instruction mit den Tractaten in Moscan nit fertkommen.) der Türcken
Hände zu erobern. Der Herr Weywoda von Posen als Groß-Abgesandter in Moscau
beklagt sich / daß wegen einer und andern abgängichten Resolution / welche ihme
von der Republic zugeschickt werden solten / er mit den Moscowittern nur in
langwürige Verzögerung gerathe / dahero dann / wann seine Legation zu keinem
effect gebracht werden solte / er sich hierwider protestando angeben. Der Hr.
Graff Cziacky / welcher vor 2. Monathen von Ihro Käyserl. Majest. in die
Wallachey zum Printzen Serbano Contacuzeno, Hospodat von selbiger Landschafft
geschickt worden / ist von dannen allhier wieder bey Hoff zurück gelangt. Der
neue Groß-Vezier hat an den Abaffy Fürsten von Siebenbürgen / an obbesagtem
Printzen (Grosse offerta deß ninen Groß.
Veziers.) Contacuzeno, und an den Woywoda von Moldau geschrieben / und sie
aller guten Verständnusse und Schutz von der Ottomann. Porta versicherl / auch
denen beyden ersten versprochen / daß der Groß-Sultan ihre [163] Söhne bey der Succession der
Fürstenthümber erhalten werde; und hat ihnen darnebst bedeutet / sich mit ihren
Völckern ehistens parat zu halten / und an Platz der 900. Mann / so sie in
vergangenen Jahren zu Diensten der Porta gesandt / anjetzo 1200. senden solten.
Innerhalb 14. Tagen solle (Viele grosse und kleine
Schiff werden zugerichtet.) obgemeldter Graff Cziacky nach dem
Käyserl. Hoff abreisen. Es werden viele Schiffe / und unter diesen neue und
grössere / gemacht- und außgerüstet / umb darmit Lebens-Mittel zur Armee zu
führen / und hernach solcher Schiffe / zu einer Brücken auff dem Dniester / sich
bedienen zu können: Andere kleinere Schiff / welche zu Zeiten deß Königs
Casimiri gebauet worden / hat man wieder außgebessert / und aus denen
Zeughäusern zu Lemberg und Warschau geführet / welche zu Anordnung der Brücken
auff dem Brut dienen sollen / weiln man selbige gar bequemblich auff Wägen von
einem Fluß zum andern überführen kan. Ihr. Königliche Maj. haben resolvirt /
gleich zu anfang der Fasten von Zolkiew auff Reusch-Lemberg sich zu begeben /
indeme zu Zolkiew gefährliche Kranckheiten sehr einreissen / daß bereits Ihr.
Majest. die alldortige Judicia Curialia limitiret haben. Herr Marq. de Bethune
negotijrt hin und her sehr eyfferig / ohne daß man dessen Zweck ergründen könne
/ doch weiß man soviel / daß er aus Dantzig wiederumb einen Wechsel bekommen.
(Moscowit. Geschichten.) Brieff aus der
Großfürstlichen Residentz-Stadt Moscau berichten / daß von denen Pohlnisch.
Ambassadeurs bereits einige zu Smolensko arrivirt / und die andere annoch
erwartet werden / auch wird noch von einer andern Käyserl. Ambassade geredet /
umb Ihro Czaarische Majestäten zum Krieg mit den Crim̅ischen
Tartarn zu engagiren / wormit aber schwerlich wird können durchgetrungen werden
/ weiln der König von China die durch Ihr. Czaarische Majestäten in Iberien
auffgeworffene Fortresse belägert / und eingenommen haben solle / die Besatzung
/ welche sich nicht defendirt / habe er abziehen lassen / und einen Brieff in
Lateinischer Sprache durch die Jesuiten concipirt (welche wie man sagt / ihn zum
Christlichen Glauben sollen bekehrt haben) anhero gesandt / worauff erfolget ist
/ daß einen gewissen Jesuiten (so allhier offentlich die Messe gelesen) solches
verbotten / und die Stadt zu meyden angesagt ist / man vernimbt indessen daß
Ihr. Czaarische Majest. eine Gesandschafft nach China abschicken werden.
|| [164]
Das achte Capittel
Redet von Italiänischen / meistens aber Venetianischen / auch wohl Türckischen
Staats- und Kriegs - Affairen.
(Benetianis.) EIn Frantzös. Schiff / so von
Constantinopel gekommen / und den (Geschichten.)
3. dito zu Venedig angelangt / hat mitgebracht / daß die Forcht deß Kriegs /
Unwilligkeit der Soldaten / Pest / Theurung und Uneinigkeit unter den Häuptern /
so das Gouverno führen / daselbst noch immer continuiren. So vernimbt man auch
von Alexandrette / daß in selbiger Gegend der Schrecken unter dem Volck nicht
außzusprechen seye / welches das (Das Türckische Reich
G???ebet in schlechten Stand.) Türckische Joch von sich zu werffen
willens / zu welchem Ende dasselbe bereits 2. Chiausen / so sich allzueyffrig in
Auffbringung Kriegs-Volck bezeuget / umbgebracht / jetzund aber die Städte
verlassen / und sich in Wüsteneyen auffhalten / woraus zu schliessen / daß die
Türcken diese Campagne sehr schwach ins Feld kommen werden / zumahln / weil
confirmirt werden wil / daß der König von Persien ein sehr formidabel Kriegs -
Heer außrüste / und damit auff die Türcken loß zu gehen / und den letzten Stoß
zu geben willens seye. Vor etlichen Tagen hat man allhier zu Venedig 800.
neugeworbene Soldaten nebst 200. auff die Galleen condemnirte Persohnen
eingeschifft / so alle nach unserer Armee geschickt werden sollen / welche noch
mehr zu verstärcken / man an vielen Orthen werben läst / und immerhin allerhand
Vivres und Kriegs - Munition derselben zuschicket. Der (Der Tractat zwischen Dennemarck und Benebig wegen Uberlassung 3000. Man
wird vor geschlossen gehalten.) Tractat zwischen dem König von
Dennemarck und hiesiger Republic wegen Uberlassung 3000. Mann wird vor
geschlossen gehalten / und sollen die Völcker zu dero anhero Marsch die
Paßporten bereits empfangen haben / die Lüneburgische Völcker aber haben dero
Marsch anhero bereits würcklich angetreiten. Mit einer Saicken / so den 6.
allhier angelangt / hat man Brieffe vom 15. Januarii in Zara geschrieben /
empfangen / welche melden / daß ohneracht deß Regens und Schnees / wordurch das
Gebürg und die Wege sehr unbequem zum marchiren gemacht worden / sich dannoch
eine Parthey Morlacken zusammen gethan / welchen der Herr General Michiel alle
Nothwendigkeit zu ihrem Vorhaben gegeben / darauff jene / biß nach Lapatz /
einem Orth jenseit deß Gebürges von Corbavia avancirt / und daselbst 3. grosse
Oerther außgeplündert hätten / [165] wegen
eines dicken Nebels aber haben sie nit weiters kommen können; Inzwischen haben
sich die Türcken ins Gebürge verkrochen: gedachte Morlacken aber seynd mit einer
guten Beute von Früchten / Käsen / und Butter / (Die
Morlacken thun denen Türcken grossen Schaden.) Item 2000. Stück klein
Viehe / 400. Ochsen / 40. Pferden / 8. Türckenköpffen / und 9. gefangenen
Türcken glücklich zuruck gelanget / und haben über 1000. andere Morlacken / so
noch Türckische Uni???erthanen gewesen / unter der Republic Venedig Gehorsam und
Schutz gebracht. Von obgemeldten Morlacken ist im Hin- und Hermarsch nur ein
einiger verwundet worden. Den 6. seynd Ih. Durchl. der Printz von Hannover von
unserer Armada zu Corfu dahier angelangt; Zu gedachtem Corfu stehen 20. Kriegs
schiffe zum aus auffen sertig / umb im Archipelago zu kreutzen / und denen
Türcken zu verhindern / weder Volck noch Kriegs-Ammunitiones transportiren und
überführen zu können. Uber Ragusa hat man von Constantinopel die Gewißheit / daß
der Groß-Vezier aus Bekümmernuß gestorben / und Solymann Bassa an seine Stelle
gesetzt worden ist. Die Völcker von unserer Armada / so sich noch zu Corfu
befinden / werden alle neu gekleydet / 50. Soldaten und einige Officiers /
welche jüngstens auff einem Schiff in Eisen geschlagen worden / seynd noch
alldorten gefangen. (Die Türcken lassen viel Ort in
Morea bevestigen.) Die Türcken lassen im Königreich Morea, Napoli di
Romania und mehr andere Oerter mehrers bevestigen / und halten unfern Calamata
und Mistra starcke Partheyen Türcken Wacht / umb denen Streiffereyen der
Mainotten vorzubiegen. Der Capitain Tercerti mit 20. Bootsknechten / so mit
einem Schiff S. Nicola genant / in den Hafen von Zio gekommen / umb (Der Capit. Tercetti wird zu Scio erkant / und sambt
seinen Bootsknechten in Stücken zerhauen.) einzuladen / ist erkant /
daß er vor unsere Republic einladen wollen / und deßhalben von 4. Beilerischen
Galleren angegriffen worden / nachdeme er aber nach einigem Gesecht nicht länger
Widerstand thun können / hat er die Pulverkammer in Brand gesteckt / so aber
keine andere Würckung gethan / als nur ein Theil deß Schiffs von hinten
zersprengt hat / also daß die Türcken die jenige / so noch lebendig geblieben /
erbärmlich in Stücken zerhauen haben. Die jenige Völcker / welche wir aus dem
Mayländischen Staat zum Succurs wider die Türcken erhalten / seynd nun von
dannen auffgebrochen / und werden ehistens zu Lido seyn. Sonsten vernim̅t man aus der Türckey mit Brieffen vom 10. passato / daß ob schon
ein Gerücht geloffen / daß deß Groß-Sultans Bruder trachte nach dem Thron und
Leben seines Bruders / und zu dem Ende suchte die Völcker in selbigem Reich in
Auffruhr zu bringen / so wäre er doch selbsten nach Adrianopel gekom̅en und hätte seinem Bruder seine Unschuld bezeugt / und daß er
bereit seye / sich [166] demselben
auffzu???opffern wegen der Glory und Hoheit deß Sultans; daß man berathschlaget
hätte / ob der Groß-Sultan selbst mit zu Feld gehen solte oder nicht / so aber
nicht gut befunden worden / weilen man darfür gehalten (Grosse Berathschlagungen geben zu Adrianopel vor wegen Künfftiger
Campagne.) / daß sein Respect erferdere / alsdann zum wenigsten eine Armee
von 400000. Mann ins Feld zu fühlen / und wann alsdann die Campagne unglücklich
ausfallen möchte / solches grosse Auffruhren und disrespect vor die Monarchie
unter denen Völckein nach sich ziehen dörffte; deßhalben man vor das beste
gehalten / umb alle mögliche Macht auff die Beine zu bringen / mit Befelch an
alle Generalen und Commendanten keine Schlacht gegen die Christen zu wagen. Es
wird über dieses noch ferner berichtet / daß nachdeme der Groß-Sultan erfahren /
daß man ihme eine zeitlang die considerable Verlusten in Ungarn und Morea
verborgen und heimlich gehalten / wäre er darüber so ergrimmet / daß er 2. von
seinen Confidenten mit dem Strang habe erwürgen lassen / als sie ihme solches
offenbahret gehabt. Man habe auch umb Ge???ld zu bekommen alle die güldene
Zierrathen von der Pferde Decken / Zäumen / und Sätteln deß Groß Sultans in die
Müntz gebracht / so sich auff etliche Millionen belauffen Man vernim̅t / daß die Türcken ein notabel Verstärckung an Volck nach Modon
und Navarino in Morea gebracht haben / und der Bassa / welcher Xarnata denen
unsrigen übergeben hat / wieder zu denen Türcken üderlauffen wollen / wäre aber
ertappet / und auff Ordre deß Herrn Capitain General zu Coron (50. Frantzös. Officiers protestirender Religion werden
von den Venetiapern??? in Kriegsdienst genommen.) enthauptet worden.
45. biß 50. Frantzösische Officiers / so wegen der protestirenden Religion aus
Franckreich geflohen / seynd anhero gekommen / welchen hiesige Republic allen
Dienste gegeben hat / so mit erster abgehender Convoye zu unserer Armada sich
erheben werden. Deß Herrn Printz Georg Ludwig von Braunschweig Frau Gemahlin ist
vor etlichen Tagen mit vielem Teutschen Frauenzimmer dahier angelangt. Den 15.
seynd die 500. Dragoner / welche aus dem Mayländischen Staat gekommen / in der
Gegend Lido angelangt / so eine schöne / wohl-mondierte und exercierte (2. neuerbaute Schiff werden ins Wasser geleitet.)
Mannschafft ist. Den 11. wurden zwey Schiffe / so neu erbauet worden / aus dem
Arsenal oder Zeughauß / deren eines 80. Stück Geschützes und das andere 60. auff
sich hat / in das Wasser geleitet / welcher Einleit- und Einwerffung Jhr.
Durchl. die Pricessin von Hannover über eine Stunde lang zugesehen hat. Mit
einem Englischen von Algier kommenden Schiff (Ein
Algierisches Schiff scheitert vor dem Seehafen.) hat man / daß 9.
Kriegsschiff von den Corsaren zugerüstet worden / so mit deß Groß-Sultans Armada
sich conjungiren sollen / und als deren eins ist ausgeführt worden / ist es vor
dem Seehafen zu Grund gangen / die Schuld ist dem Capitain deß besagten
Englischen Schiffs beygemessen / er auch deß [167] wegen in gefänglichen Verhafft gezogen / aber nach
beschehenem Examen und Befindung seiner Unschuld wieder auff freyen Fuß gestellt
worden. Zu Tripoli werden ebenmäsiig 7. Cossarische Schiff zugerichtet / so zur
Türckischen Armada gehen werden. Von Corfu hat man / daß 20. unserer Schiffe
nach dem Archipelago ausgelauffen seynd. Der Capitain General Morosini läst
allhier ein kostbare Liberey von Scharlach mit Gold bordirt (Ein Jüngling von 19. Jahren wird enthauptet.) vor
seine Bediente verfertigen. Den 6. dieses Morgens wurde allhier ein Jüngling von
19. Jahren alt / von Turin gebürtig / und wie man sagt / von einem guten Hauß /
enthauptet / und hernach geviertheilt / welcher mit einigen Stock- und
Fäustschlägen einen alten Mann / so ein Krüppel / und biß 70. Jahr alt gewesen /
ermordet / in Hoffnung vieles Geld bey ihme zu finden / aber hat nur 18.
Secchynen von ihme bekommen; er hat auch bekandt / daß er zu solcher That durch
einen Uhrmacher / so sein Landsmann wäre / angereitzet worden; weilen man aber
gegen diesen keinen gnugsamen Beweißthum gehabt / hat man ihn nur in ein ewig
dunckeles Gefängnuß (Aus Marland langen verschiedene
Regimenter den Venetig???nern zu Hülff in Lido??? an???.) condemnirt.
Denen jüngst dahier angelangten 500. Dragonern seynd seithero 1. Teutsches
Regiment und 2. Terzi Lombardisch. Fußvolcks nachgefolgt / so allerseits ein
auserlesene Mannschafft ist / man hat selbige in Lido einlogiert / die Schiff
umb solche zu transportiren, wie auch jene 1000. Mann / welche in der Insul St.
Spirito ligen / seynd schon fertig. Man wird aus dem Arsenal noch 2.
Kriegsschiff / als Fama Volante und Venere Armata heraus führen / und
verschiedene andere Schiff mit Biscuit / Reiß / Meel / und anderer sowol Mund-
als Kriegs-Provision beladen: Diese Convoye wird in 40. Schiffen ungefehr
bestehen / worüber Jhr. Excell. Pietro Bembo das Directorium führen wird. Dieser
Tagen hat man 1. Schiff mit Soldaten nach unserer Armada geschickt / und werden
noch einige nach Zante voran gehen / bevor obgemeldte Convoye von hier
auffbricht. Zu Zante wird der General Rendevous seyn / allwo auch einige
Magazinen auffgerichtet werden. Indessen werden die Hannoverische Trouppen
allhier erwartet / welche sambt den andern / so annoch kommen sollen / die
zweyte Convoye ausmachen werden. Mit diesen werden auch jene zwey grosse Schiff
gehen / welche jüngsthin in beysein Ih. Durchl der Hertzogin von Hannover aus
dem Arsenal geführt worden. Der Herr Gioan. Boati (Neue Invention von??? einem Mör???sel.) hat unter andern neuen
Kriegs-inventionen auch ein Mörsel nit schwehrer als zwölff Pfund erfunden / aus
welchem man mit einer Untz Pulver eine Granat über 300. Schritt werffen kan /
dergleichen viel aus Befelch deß Senats verfertiget worden / so mit Colonell
Christophoro Bonn als einem hierzu erfahrnen Mann nach unserer Armada überbracht
werden. Der [168] Herr Mutoni, welcher aus
gewisser Ursach hiebevor von hier in Franckreich geflohen / ist wegen seiner
sonderbahren Experience mit den Carcassen und Bomben umbzugehen / deren er vor
Tripoli und Genua schöne Proben gethan / pardonnirt / und wiederumb anhero
beruffen / und in unsere Kriegsdiensten auffgenommen worden / der für ein
jährliche Vestallung 2500. Ducaten empfängt. Mit einem Schiff aus Dalmatien hört
man von einigen Progreslen der Morlacken / und deren von Mascarsca wider die
Türcken / (Herr Gen. Königs. marck langt zu Venedig
an.) die Particularia folgen mit nechstem. Der General Königsmarck ist
hier angelangt. Man vermeynt / den 1. Martii 10000. Mann nach der Levante
abzuschicken / und seynd bereits wiederumb etliche Patenten zu Werbung einiger
Italiäner zu Fuß ertheilet worden. Nachdem sonsten einige particulier-Genueser
dieser Republic angebotten / 100000. Ducat???en gegen 5. von hundert interesse,
hat dieselbe solches angenommen. Man sagt / daß der Marq. Parella von Ih.
Kayserl. Maj. als Abgesandter an den König in Persien abgesandt werden dörffte.
(Päbstl. Geschichten. Cardinal Mellini regalirt den
Pabst mit vielen Raritäten und Kostdarketten.) Von der Päbstlichen
Residentz-Stadt Rom komt Bericht / daß der Cardinal Mellini dem Pabst einen
güldenen Kelch mit Edelgesteinen angefüllet von grossem Werth sambt dergleichen
Deckel / wie auch ein Sanduhr / einen Teller von Gold / mit allerhand
Edelgesteinen umbsetzet / ein Creutz mit Diamanten gezieret / drey Stücker
weissen Spannischen Leinwand / umb den Pabst zu kleyden / ein Becken oder
Schüssel von Indianischem Holtz mit Perlein eingefassel / und angefüllet von
Bezoar und andern Steinen von grossen Tugenden aus selbigen Landen verehret / so
viel 1000. Scudi geschätzt wird. Vom König in Polen ist an seinen allhier sich
befindenden Ambassadeur Mons. Denhoff ein Courrier kommen / welcher / weilen er
bey dem Pabst kein Audientz haben können / mit dem Cardinal Cibo conferirt, und
will verlauten / daß er begehrt / weilen Se. Königl. Maj. in Person diese
bevorstehende Campagne agiren / und dero Armee sehr verstärcken werden / man
möchte die Gelder / so bey dem Nuntio Apostolico (Anstalt zur Campagne wider den Erb???seind.) in deposito verwahrt
werden / extradiren. Der Pabst hat den Schatzmeister nach Civita Vecchia
geschickt / welcher die Schiff und andere Nothwendigkeiten zum Krieg herbey
schaffen und zurüsten soll. Der Marchele Macolani soll die Völcker / die auffs
Land ausgesetzt werden / commandiren. Der Pabst läst sich annoch in keinem
Consistorio sehen / worüber verschiedene Discursen gehen / bevorab weilen er
seinen Officialen / aber keinem (Cardinal Altiori läst
ein Edict im Druck ausgeben.) Ambassadeur Audientz gibt / welche
deßwegen sehr lamentiren. Der Cardinal Altieri hat ein grosses Edict in Druck
heraus gegeben / worinn unter grosser Straff verbotten wird / daß keiner etwas
von Mahlereyen / [169] Statuen / und andern
raren Antiquitäten kauffen oder verkauffen solle. Den 23. hat der Pabst dem
Thesaurario Audientz gegeben / welcher von Civita Vecchia wieder zuruck
gelanget. Der Ambassadeur von Maltha aber und der Envoye von Venedig / ob sie
schon dergleichen verlangt / seynd allein von dem Cardinal Cibo angehört worden.
Der Herr Bouncompagni Catallila ist tods verblichen / dessen Gedächtnuß jedoch
nicht ersterben wild / massen er in der Wienerischen Belägerung nicht allein
grosse Geld-Summen / und seine gantze silberne Service hergeben / sondern auch
die Kirch (Eine stunreiche Statua zu Rom vor den König
in Franckreich verfertiget.) S. Marcelli auffs kostbarste auszieren
lassen. Es ist nunmehr jene sinnreiche Statua vor Ih. Aller-Christlichste
Majest. durch den berühmten Bildhauer Guidi fertig worden / welche Statua
repraesentiret einen / der deß Königs Thaten in einem Buch / so auff dem Rucken
der Zeit ligt / verzeichnet / wobey noch viel andere sinnreiche Allusiones zu
beobachten / und weilen dieses Werck von der grösten perfection ist / als haben
14. Cardinäl und die Königin von Schweden dasselbe besichtigt / und sehr gerühmt
/ es ist schon eingeschifft / und wird ehistens in Franckreich abgeführt werden.
Die 6. Cardinal / Executores deß Testaments deß verstorbenen Cardinals Castaldi,
welche haben 20000. Scudi einige Capellanias zu fundiren / haben auff Anhalten
deß Hauses der Convertiten und deß Pabsts Befehl besagte Capellanien in dem Hauß
der Convertiten, welches ohne dem ein völliger Erb bemeldten Cardinals Castaldi
ist / transferirt.
(Cavopsche Geschichten.) Vom Savoyischen Hof
bringen die Advisen aus Turin / daß der Herr de la Roche, so Commendant in Asti
gewesen / von dannen abgereist / umb possession von seinem neuen Gouvernement
deß Lucerner Thals zu nehmen. Der Herr Marq. d'Ufee hat noch keinen Abschied
genommen / so aber bald beschehen dörffte: Inzwischen hat er vor wenig Tagen
eine kostbare Abend-Mahlzeit gehalten / worbey sich die Dames und Cavalliers von
hiesigem Hof eingefunden haben / nach welcher ein Ballo oder Tantz gehalten /
und zuletzt solche Gasterey mit Freudenfeuern geendiget worden ist. Obwolen
sonsten Ihr. Königl. Hoheit der Hertzog von Savoyen sehr obligeante Schreiben
von einigen protestirenden Fürsten empfangen / durch welche sie bitten / doch
nicht zu gestalten / daß die Savoyische Unterthanen / welche Reformirter
Religion seynd / in der Freyheit ihres Gewissens möchten beunruhiget / sondern
darbey gelassen werden / so haben doch dessen unangesehen Seine Hoheit vest bey
sich beschlossen / die Reformirte Religion in dero Landen / gleich es in
Franckreich beschehen / auch auszurotten / zu dem Ende selbige nachgesetztes
Edict [170] publiciren lassen / und damit
einige Trouppen nach dem Lucerner Thal abgeschickt / umb solches den daselbst
wohnenden Reformirten zu insinuiren, und die jenige / so sich etwann widersetzen
möchten / mit Gewalt zum Gehorsam (Hertzog von Savoyen
läst ein Edict wider die Reformirte im Lucerner Thal publiciren.) zu
bringen / der Inhalt deß publicirten Edicts bestehet hierinn: Daß 1. allen
Zusammenkunfften sub quocunque praetextu das Exercitium Religionis auch in
privat-Häusern verbotten. 2. Daß alle Kirchen und Häuser / in welchen sie biß
anjetzo ihr Exercitium Religionis halten / sollen niedergerissen werden 3. Daß
alle Pfarrer und Schulmeister / die sich zur Catholischen Religion nicht
bequemen wollen / bey Vermeydung harter Straff innerhalb drey Tagen das Land
räumen / an deren Plätze Catholische eingesetzt werden sollen / die jenige aber
/ die zur Catholischen Religion tretten werden / sollen nicht allein bey ihren
vorigen Freyheiten verbleiben / sondern es verspricht ihnen auch Se. Königliche
Hoheit noch ein Drittheil deren Einkünfften / so sie würcklich geniessen / zu
addiren, welche auch nach ihrem Absterben dero hinterlassene Wittiben empfangen
sollen. 4. Die Kinder sollen ins künfftig von Catholischen Pfarrern getaufft /
und in derselben Religion aufferzogen werden / welches die Eltern bey
unausbleiblicher schwehrer Straff nicht verhindern / und so sie dargegen handlen
/ die Vätter fünff Jahr lang auff die Galleren verdammet / und die Mütter mit
Ruthen ausgestrichen werden sollen. 5. Confirmiren Ihr. Königl. Hoheit die
Edicta, so sie den 4. Decembr. letzt-verflossenen Jahrs ausgehen lassen gegen
die Frantzösische Flüchtling / so sich aus gedachtem Königreich in diesen Staat
salvirt haben. Daß auch alle Frembde von der Reformirten Religion / so sich in
diesem Land häußlichen niedergelassen / innerhalb 14. Tagen entweder ihrer
Religion abschwören / oder bey Lebens-Straff und confiscation dero Güter hinweg
ziehen sollen. Man hat ihnen erlaubt / alles das ihrige (dannoch an Catholische)
zu verkauffen / und dafern sich keine Käuffer würden finden lassen / will der
Hof ihnen umb einen billigen Preiß dasselbe abnehmen.
(Mayländische Geschichten.) Aus dem Hertzogthum
Mayland hat man / daß den 5. dito deß Obristen Carl Anthonio Visconte Teutsches
Regiment / dann deß Grasen Pietro Francisco Visconte, und D. Annibale
Lombardische Regimenter Infanteri (Denen Venetianern
werden einige Regimenter überlassen.) in allem 3000. Mann starck ihren
Marsch nach Casall fortgesetzt / allwo sie nochmalen gemustert / alsdann
eingeschiffet / und auff dem Pofluß nach Venedig selbiger Republic zu Diensten
wider den Erbfeind abgeführt worden. Ingleichem ist deß Obristen Barnabo Maria
Visconti Regiment Dragoner bey Crema gemustert / über 500. Mann starck befunden
/ und nach Venedig abgeschiffet worden. Den 30. ist ein General-Musterung aller
Or [171] ten in gantzem Hertzo
thum Mayland unter der Militz beschehen / und vermeynen theils / daß der Comte
de Melgar einen guten Theil von dieses Staats Völckern umb dieses Hertzogthum
vor seinen Abschied annoch zu consoliren, reformiren werde; andere wollen jedoch
glauben / daß weiter keine Reformation werde vorgenommen werden wegen der
Frantzosen / welche in Pignerol ankommen seynd.
(Genuesische Geschichten.) Aus Genua wird
geschrieben / daß den 5. dito unweit von dar durch Unachtsamkeit der
Bootsknechten ein klein Schiff / so nach Savona gewolt / zu Grund gangen / und
seynd alle Passagiers / worunter auch 5. Religiosen gewesen / ertruncken / die
Bootsleuth aber haben sich mit schwimmen salvirt. Man will sagen / daß die
Hertzogin von Modona willens seye / sich wiederumb nach Londen zu erheben / umb
welche Reiß zu beschleunigen / unsere Republic die Schiffe biß nach Marsilien
hergeben wird. Nach gehaltener Berathschlagung ist geschlossen worden / daß alte
Capitainschiff dem meist-bietenden zu verkauffen / welches so dann dem Capitain
Caratina zukommen / der damit in der Republic Venedig Dienste zu gehen gesinnet
(Dem Botten von Luca werden 6000. Scudi
abgenommen.) ist. Dem Botten von Luca / welcher von Florentz wieder
nach Hauß gewolt / seynd 6000. Scudi, so da verschiedenen Kauffleuten zugehörig
waren / abgenommen worden / und praetendirt der General-Depositarius, daß
besagte Summa der Cammer deß Groß-Hertzogs verfallen sey / weilen sie ohne
vorhero eingeholten Consens extradirt worden: deßwegen unter den Kauffleuten von
Luca und Florentz ein Strittigkeit sich ereignen wird / wer den Schaden leyden
müsse. Das Spiel Biribis, wordurch die Frauenspersonen eine zeitlang viel Geld
verschwendet haben / ist endlich allhier verbotten. Das Ball / welches bey der
Hochzeit der Tochter deß Herrn de Centurione gehalten worden / ist so prächtig
gewesen / daß die Herrn Inquisiteurs (Bey einem Mutter
Gottes. Bild zu Luca geschehen viele Miracul.) hinfüro dergleichen
Ball mehr zu halten verbotten haben. Das Mutter Gottes Bild / welches zu Luca
vor der Kirchen von S. Andreas gestanden / hat viel Miracul gewürcket / inmassen
durch dasselbe die Blinden sehend / und die Lahmen gerad worden seynd; Das
grosse Opffer so daselbsten gefallen / hat man zu reparirung selbiger Kirchen
angelegt / weilen die Mutter Gottes einem frommen Pilgram erschienen / und es
also verordnet hat; Allhier ist ein gewisse Jungfrau / welche zu Mayland in
einem Kloster sich auffgehalten / mit 2. Manns-personen / einem Neapolitaner und
Mayländer in Mannskleydern ankommen / selbige ist auff Anhalten deß Spannischen
Residenten arrestirt / beyde aber in einen Thurn geworffen worden / ihr
defension bestehet darinn / daß ihre Freund umb ihr Gut an sich zu bringen / sie
wider ihren Willen ins Kloster gestecket / und nöthigen [172] wöllen / eine Nonne zu werden. Allhier
ist ein Jesuit in Flandern bürtig ankommen / welcher Procurator in China ist /
wohin ei mit etlichen PP. sich wieder zu erheben willens ist / und weilen der
König in Franckreich mit ihme reden will / als ist er nach Pariß abgereist. Den
15. ist ein Teutscher / der bey dem Spannischen Residenten in Diensten ist / von
dem Barigello gefangen worden / weilen man etwas wenigs Taback von Contrabando
bey ihm gefunden / und weilen er nicht alsobalden ledig gelassen worden / hat
besagter Resident sein Herr bey den Doge sich hefftig beklagt / und begehrt
nebst (Ein Frantzös. Schiff von Rom mit vielen Statnen
zu Genna angelangt.) dessen Loßgebung Satisfaction von dem Barigello.
Von Civita Vecchia ist ein Frantzöisis. Schiff mit alten und neuen Statuen
beladen ankommen / welche der König zu Rom hat kauffen und verfertigen lassen.
Die Gallere / so den Printz von Monaco überbracht / ist wieder zurück gekommen /
und hat selbiger dem Capitain eine güldene Ketten / 20. Duplonen werth / denen
Officirern 25. Cronen / und denen Ruderknechten 6. Fäßgen Wein verehret: Brieff
aus Cadix melden / daß alldorten ein Hamburgisches Schiff di Porto velo aus
Indien ankommen / womit Bericht eingelauffen / daß selbiges Meer von denen
Seeräubern nunmehr gantz sicher und frey wäre / und daß die Galleonen / welche
daselbst mit Wahren beladen werden / nechstkünfftigen May zu Cadix anlangen
sollen.
Das neundte Capitel
Stellet vor / was in den 17. Niederländischen Provincien sich begeben hat.
(Niederländische Geschichten.) DIe Brieff aus dem
Graffenhaag melden / daß allda ein Schweitzerischer Ingenieur ankommen / welcher
vorgibt / daß er ein Secret habe / ein Stück Geschützes umb die Helffte weniger
als sonsten zu laden / welches eben so weit schiessen / und eben dergleichen
Würckung als ein anders thun solte. Ingleichem so verspricht er / die jenige /
so zersprungen sind / wieder also zuzurichten / und in solchen Stand zu bringen
/ als wann sie gantz neu wären. Die Obrigkeitliche Personen von Amsterdam sind
diese Wochen wieder erneuert / der Herr von Beuningen aber nicht / wie er
besorget zum Burgermeister erwählet / und wird also derselbe noch dieses Jahr
Curator über das Indianische Hauß / und über die hohe Schul zu Leyden bleiben.
Der Herr Marq. de Monpouillant hat dem Herrn Printzen von Dranien die Lista von
denen Frantzösischen geflüchteten Officiers / so er examinirt hat / [173] übergeben / deren ohngefähr 70. aber
Cadetten und Volontairs über 100. seynd. Die ersten werden nach ihren Meriten
und Rang / welchen sie in Franckreich gehabt / besoldet / diese letzten aber
bekommen / ein jeder wochentlich (Die aus Franckreich
geflüchtete reformirte Officiers werden in Holland accommodirt.) 3.
fl. zu ihrem Unterhalt. Vor einigen Tagen hat dahier eine Magd / als sie das
Hauß gesäubert / einige Specerey gefunden / glaubende / es wäre Artzeney / so
sie von ihrer Kranckheit / so sie eben gehabt / erlösen könte / und in Warheit /
sie ist nicht gäntzlich betrogen worden / dann als sie solche etliche Stunden in
ihrem Leib gehabt / ward sie von allen Kranckheiten curirt / indeme die Specerey
Gifft gewesen / davon sie dergestalten auffgeschwollen / daß ohnerachtet aller
ihr beygebrachten Mitteln man nicht hat (Frantzös.
Ambassaden. begehrt von den General. Staaten 2. Marquisen.) verhindern
können / daß sie nicht zerborsten wäre. Man sagt / daß der Frantzösische
Ambassadeur Herr Graff d’Avaux denen Herren Staaten ein Memorial übergeben habe
/ umb ihnen dardurch zu erklären / daß der König sein Herr 2. Frantzösische
Marquisen wieder zu haben begehre / welche mit dem Herrn von Starenberg in
Liberey-Kleydern aus Franckreich entkommen seyn. Man sagt / weiln in der
Schweitz ein Gerücht erschollen / daß der Marschall de Crequy mit 32000. Mann
nach der Gegend Genff im Marsch seye / hätten die Schweitzer Cantons resolviret
/ 4000. Mann zur Garnison ir. Genff zu legen / und über daß 2. Corps d’Armée,
jedes von 15. à 20000. Mann starck zu versamblen / und bey denen Städten Genff
und Basel campiren zu lassen. Man sagt / daß unser Consul zu Tripoli geschrieben
/ daß die Regierung selbiger Stadt ihme habe wissen lassen / daß der Groß-Sultan
ihnen Ordre gegeben hätte / alle Holländ. Schiff / welche daselbst vorbey gegen
Levant oder Auffgang gehen würden / zu besichtigen / und alle die jenige /
worinnen man Soldaten oder Munitiones vor die Venetianische Armee finden werde /
zu confisciren.
(Einige Englische Pferdt vor den Hn. Printzen von
Oranien im Haag angelangt.) Den 8. dieses seynd allhier einige
Englische Pferde vor den Herrn Printzen von Oranien aus Engelland angekommen /
so seynd auch eodem dato wieder viele Flüchtlinge aus Franckreich angelangt /
davon den 10. dito einige von hinnen nach dem Churbrandenb. Gebiet abgereiset
seynd. Den 11. wurde wegen deß Justitz Hof von der Puye von dem grossen Saal
salva guardia und Schutz vor Marc. Anthoine und Jean Louis Bosch. Söhne deß
Laurentz Bosch Rathsherrn im Parlament zu Toulouse, von Mompelliers in Langedock
gebürtig / welche der Religion halber anhero geflüchtet / publiciret und
angeschlagen / wider alle die jenige / so im geringsten etwas wider sie tentiren
/ oder sie weg-entführë wollë / gleich außgestreuet wurde J. H. G. von Waldeck
seynd den 11. dieses dahier angelangt. Vorgestern haben die examinirte Frantz.
Officiers vor dem Staats-Rath den Eid der Treu abgeleget. Die Frau [174] Gräfin von Soissons, und der Herr
Printz von Savoye ihr Sohn seynd den 12. Abends allhier angelanget / und Tags
hernach nach Rotterdam verreiset. Der Herr Rudolph Sichingha Obrister in
Diensten der Republic (Obrist Sikingha haltet bey den
General-Staaten umd Permission an ein Regiment vor die Republic Venedig
daschlöst zu werben.) Venedig soll bey Ih. Hochmög. anhalten / ein
Regiment von 1000. Mann in diesem Land zum Dienst besagter Republic Venedig
werben zu dörffen. Dem Herrn Moering ist Ordre zugeschickt worden / umb von
Königlichen Dähnischen Hoff anhero zu kehlen: und solle der Commercien- und
Zoll-Tractat / womit schon weit avancirt worden / durch den Herrn Goes ferners
abgehandelt / und zu Ende gebracht werden. Der Herr Pensionarius Fagel hat nebst
denen Hrn. Deputirten inständig mit denen frembden Ministern Conferentz gehalten
/ da dann insonderheit der Chur-Brandenburgische Minister Herr Diest mit
selbigem nebst denen Hrn. Abgesandten der Schweitz eine 6. stündige Conference
gehabt / worinnen sich diese beklaget / daß die Cron Franckreich sie auff drey
Orthen zu attaquiren getrohet / suchten also einige Assistence, was darauff
resolvirt wird / stehet zu vernehmen.
Aus Engelland hat man Zeitung / daß das Schiff die Princessin (Ein Schiff mit 300. Mann gebet zu Grund.) Maria
genant / so mit 300. Mann / nebst Weibern und Kindern nach Ost-Indien seglen
wollen / in der Gegend Monsbeay mit allen zu Grunde gangen / und niemand
errettet worden seye. Man redet von Erhebung deß zweyhundersten Pfennings / und
einem Schornstein-Geld / so über sechs Millionen außmachen dörffte / umb damit
die Milice völlig zu bezahlen / und die Feldläger Kosten außzuführen.
Mit den letzten Brieffen von Marsilien wird berichtet / daß allda etliche
Armenier in 48. Tagen von Aleppo arrivirt / welche berichtet / daß (In der Provintz Schilang 60000. Menschen an der Pest
gestorben.) in der Provintz von Schilang bey sechzig tausend Menschen
an der Pest gestorben / dannenhero an der Seeseiten gar wenig gearbeitet würde /
das alte Geld in Persien seye abgesetzt / und an dessen statt neues gemüntzet /
so die Negotien nicht wenig hinderte. Sie berichten ferner / daß an den
Tückischen Gräntzen sechzig tausend Reuter lägen / ohne daß man allda das
geringste von einem Krieg wüste. In Franckreich werden dem Bericht nach 50.
Kriegs-Schiff außgerüstet / auch sollen alle Völcker Marsch fertig stehen /
welches verursachet / daß der Verdacht der benachbahrten je länger je mehr
zunimbt / und gleichwie die Reyse / welche der König nechstkünfftigen Frühling
ins Clsas zu thun gesonnen ist / die Frontier-Plätz sehr sorgfältig macht / als
stehen die Spannische Nider-Lande wegen der Kriegs-Vorbereitungen an der Sambre
nicht weniger in Forcht / Genff / Basel / und andere Schweitzerische Städte
setzen sich [175] gleichfals in
Defensions-Postur, Fontarabia oder Barcellone förchten sich für der See-Rüstung
in Provence, und die Italiänische Küsten besorgen / es möchte auff sie gemüntzet
seyn / also daß hieraus zu sehen ist / daß (Grosse
forcht bey den Benachdarten wegen der Frantzös. Kriegs-Rüstung.) die
allergeringste Bewegung in Franckreich alle seine Nachbahm in Forcht setzet /
und meynel ein jeder / daß es ihn treffen werde / da doch unterdessen gantz
gewiß ist / daß der Aller-Christlichste König ein gantz anders Absehen habe /
und daß es an ihm nicht fehlen weide / das Europa dieses Jahr in Ruhe bleibe.
Weilen sonsten die Aufflagen / so man in Seeland auff das Korn und andere
Eß-Wahren geleget / dieselbe sehr vertheuret / und (Die Aufflagen in Seeland fallen dem gemeinen Mann sehr deschwerlich.)
dem gemeinen Mann nicht wenig nachthe???lig ist / etliche Holländ. Kauffleuthe
auch denen Hrn. Staaten vor Augen gelegt / daß dieses zu ihrem und ihrer
Handlung Ruin und Verderben gereiche / so hat man 3. Deputirte dahin
abgefertiget / daß sie diese Sach untersuchen / und auff bequeme Mittel bedacht
seyn sollen / wie der gemeine Mann der Last zu entheben / und Handel und Wandel
zwischen diesen beyden Provintzien in ihrem Gang zu erhalten seyn möchte. Was
aber die Generals Persohnen und Gouverneurs der Plätze / so Ordre haben / sich
in den Haag zu verfügen / belanget / sagt man / daß die Conferentz / welche Se.
Hoheit mit ihnen halten wil / betreffen soll / wie ein Feldläger von 30000. Mann
/ welches bey Breda geschlagen werden soll / aufzurichten seyn möchte. Durch
einen Currier aus Spannien hat man die Confirmation der Ankunfft der Gallionen /
so mit 32. Millionen stücker von achten / und 6. Millionen an ungewüntzten
Silber beladen sind / diese neue Zeitung hat die Kauffleuth nicht weniger
erfreuet / als die von dem Gefecht zwischen den Frantzös. und Engl. Capern im
Sudmeer / in welchem ein und ander Schiff von beyden Seiten nach einem blutigen
Gefecht wegen ihrer beschädigten Schiff an Land stiegen / wordurch dann die
Spannier und Indianer Anlaß genommen / sich alles Volcks / so darauff gewesen /
zu bemächtigen / und aus Rachgier und Zorn niderzumachen.
Von Brüssel hat man anders nichts / als daß selbige Militz ihren (Der neue General-Gudernator baltet zu Brüssel seinen
offentlichen Einzug.) rückständigen Sold nunmehr völlig empfangen habe
/ worbey aber die Officirer 8. Monath vor 12. nehmen müssen; der neue
General-Gubernator habe daselbst seinen offentlichen Einzug gehalten / in dem
gewöhnlichen Pallast Pussession genommen / und dem König von Spannien 2. Züg
Kutchen-Pferd / und etliche stück von sehr seinem Leinewand zu schuldiger
Erkantnuß der beschehenen Promotion wegen überschicket / und verehret.
Von Ryssel aus den Frantzös. Niderlanden hat man / daß in einigen Häfen in
Franckreich denen Frantzös. Schiffen verbotten / nacher Spannien [176] zu segle; zu Dünnkirchen aber ist
solches nicht beschehen. Vor 2. à 3. Tagen haben die Bauern etliche Flüchtlinge
/ aus Franckreich kommend angegriffen / worunter deß Marschall de Turenne Vetter
(in einer Kutschen (Die Bauern auf dem Land von Rossel
halten deß Turenne Verter an.) sitzend / mit 30. andern
vergesellschafftet) hart verwundet / ein Pferd todt geschossen / und sie alle
von denen Bauern gefangen / und gedachter Herr nebst 2. Edelleuthen anhero auff
die Citadelle gefangen / dessen Frau aber nach Cammerich gebracht worden.
Das zehende Capittel
Handelt von den Schweitzerischen Geschichten / wie auch / was in Asiâ, Africâ und
Americâ schrifftwürdiges passiret.
(Schweitzer. Geschichten.) MIt Brieffen aus der
Schweitz ver???imbt man / daß die Städte Zürich / Bern / und Schaaffhausen mit
Frantzös. Flüchtlingen gantz angefüllet seynd / und ist allein in der Stadt und
Canton Zurrch für selbige 20000. Gulden col'ectirt worden; über das werden sie
auff der Odrigkeit Kosten / auch theils unterhalten / und mit Wohnungen
versehen. Ein Frantzoß hat sich mit für einen Reformirten Flüchtling (Ein Frantzoß suchet per Praxin die geflüchtete
Reformirte wieder in Frauckreich zu lieffern.) außgeben / und weil et
gut Teutsch redet / auch in Teutschland wohl bewandert / hat er sich anerbotten
/ erliche hundert Flüchtlinge / so aus der Schweitz nach dem Brandenburg. wolten
/ den nechsten Weg und viel wolfeiler als ordinair dahin zu verschaffen. Der
Himmel aber hat es geschickt / daß ein paar Tage / ehe man mit ihme zum Schluß
kommen / und das Geld zahlen wollen / er von jemand erkant worden / daß er
Catholisch und ein Diener eines Prälaten seye / ihm nun besser in die Haare zu
kommen / hat man sich angestellt / od wolte man ihm das Geld zahlen / damit auch
der Anfang gemachet / und unter dem Vorwand nöthiger Caution er examinirt / und
die Angeber gegen ihm confrontirt worden / man hat aber dannoch keinen Grund von
ihm haben können / biß er mit scharffen Fragen betrohet worden / da dann alles
heraus kommen / nehmlichen daß die arme Menschen nicht nach dem Brandenburg.
sondern anderwärtig hin (nemblich wo man sie nach den Galleren würde gewiesen
haben) gebracht seyn würden / und er über die von den Schweitzern hergeschossene
Reiß-Gelter / so er behalten hätte / noch einen grossen Recompens darzu solte
bekommen haben / worinn aber solcher Recompens jetzo bestehen [177] wird / wird sich bald außweisen / er
beruffet sich zwar auff grossen Schutz / aber weil man mit dem Empfang erwehnter
Gelter ihn hier verbindlich gemacht / wird man ihn wenig fürchten. Die
Eydgenosische Tagsatzung zu (Die Eydgenosiche
Tagsatzung zu Baaden gehet mit allerseits Contentement gantz friedlich
ab.) Baaden hat sich bereits geendiget / und wird von dannen berichtet /
daß alles wol und besser / als man vermeinet / abgangen. Inmassen nit allein
alle löbliche Orth sambt denen Zugewandten (ausser Schweitz und Solothurn) sich
daselbst eingefunden / sondern auch einhellig resolvirt und geschlossen / ohne
Unterscheid der Religion vor alle und jede Bunds-Verwandten contraquemcunque
Aggressorem vor einen Mann zu stehen; Ausser daß die Römisch-Catholische Cantons
sich zur Defension der Stadt Genff nicht einlassen wollen / sagende / daß
selbige Stadt nicht mit in ihrer Bündnuß begrieffen sey. Wegen der Stadt Basel
hat der Frantzös. Ambassadeur absonderliche Versicherung gethan / daß solche
kein Gefahr und man dißfals sich nicht zu beförchten hätte / aber wegen Genff
hätter er sich nicht so weit heraus lassen wollen; derowegen man allerhand
nachdenckens machet. Man hat einige Deputirten von Zürich und Bern nacher Turin
geschicket / umb bey dem Hertzog von Savoyen vor die Protestanten im
Lucernerthal / und Piemont, zu intercediren / und Vorbitte zu thun; was es
würcken wird / lehret die Zeit. Was sonsten der Frantzös. Ambassadeur Mons. de
Tambonneau bey der Tagsatzung proponirt / ist hiernechst stehend zu finden.
Proposition deß Frantzösischen Ambassadeurs.
Großmächtige Herren sc.
(Abschrifft deß Frantzös-Memorials so daselbsten
übergeben worden.) DIe Eilfertigkeit / welche ihr thunlich zu seyn
erachtet / euch zu versamblen / hat mir kaum Platz gegeben / den König meinen
Herren zu informiren / was euch / wie man sagt / zu dieser eilfertigen
Zusamme-Beruffung bewegt habe; also kan ich auch nicht sagen / was Ihre Maj. mir
hierauff befehlen werden. Finde mich unterdessen verpflichtet / durch das
Interesse, so ich nehmen sollewas die ältiste und treueste Bunds-Genossen Ih.
Majest. anbelangt / Euch zu praesentiren / daß / was auch nur die warhafte Motiv
dieser-Versamlung seyn möchten: Eurer klugen Policey vornehmlich alle Sorafalt
dahin anzuwenden / damit keine Enderung deß florirenden [178] Wohlstands einschleiche / in welchem
eure mächtige Republique von etlichen 100. Jahren hero manutenirt / und erhalten
worden / eben diese Maxime und Manier Großmächt. Herren / durch welche ihr euch
bey dem Mächtigsten in Europa habt können considerirt machen / kan euch allein
in diesem gewissen Stand erhalten / und die einige Einigkeil unter euch / von
welcher ich sagen wil / so ohne Zweifel das erste Fundament ist / soll zum
principal-Zweck haben / den gerechten Unterschied machen zu wissen / zwischen
euren rechten und wahren Freunden / und denen jenigen / welche unter gewissem
Vorwandt und Titul euch in ihre passione einzuwickeln suchen. Ihr werdet besser
wissen als ich / daß die neue Verbündungen euerm Stand nicht nützlich seyn
können / welchem ich von grund meines Hertzens alle Prosperitäten wünsche / und
mich versichere / daß die Versamblung an diesem Orth vieler klugen und vor die
Ehre und Wohlfahrt ihres Valterlands eyfrigen Persohnen / zu nichts anders
dienlich seyn werde / als die Verbündung der alten Bündnusse enger einzuziehen /
und zu befestigen / welche der löbl. Eydgenosischen Stand biß daher sowohl unter
sich selbst bewahrt / als auch mit dem jenigen / von dem er die auffrichtige
Freundschafft / und zwar eben mit so guten Treuen / als die seinige erkennet;
dahero ersuche ich euch / Großmächt. Herren / mir vor gut auffzunehmen / daß ich
euch dessen ermahne / und mich zu Beharrlichkeit der Ehr euerer Freundschafft
recommandire. Den 19. Febr. 86. Nach deme sonsten weder aus Asia, Africa noch
America etwas schrifftwürdiges vor diesen Monath eingekom̅en / als
schreite zum
Ende deß andern Theils.
|| [179]
THEATRI NOVI POLITICO-HISTORICI
Dritter Theil /
Worinnen zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige
Begebenheiten / so sich im Monat Martio deß 1686 sten Jahrs in der gantzen
Welt zu Wasser und Land ereignet haben.
Das erste Capitel
Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien / sowohl / als
in Böhmen / Mähren / Schlesien / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und
begeben hat.
MEile gleich mit anfang dieses Monats die erfreuliche Nachricht von Eroberung deß
fürtrefflichen Passes St. Jod am (Käpserliche
Geschichten.) Räys. Hoff zu Wien erschollen / hat man vermittels
Intonirung deß Te Deum laudamus GOTT hertzinnglich darfür Danck gesagt /
indessen aber die Kriegs-Praeparatoria zu künfftiger frühzeitigen Campagne
nachtrücklicher als jemahln fortgesetzet / worzu dem General-Kriegs-Commissario
Grafen Rabatta abermahln [180] 50000 Gulden
aus der geistlichen Contribution-Cassa außgezahlt werden; Den 2. dito ist der
Chur-Brandenburgische Ober-Commissarius mit einigen Feuerwerckern ankommen / umb
selbiger Völcker Marsch nicht allein einzurichten / sondern auch alle andere
nothwendige Anstalten darzu zu machen. So ist auch den 5. ein Expresser von
Herrn General Caprara am Käyserl. Hoff arrivirt / durch welchen jetzermeldter
Feld-Marschall inständigst urgirt / daß man ihme die behörige Requisita, womit
er die in der Vestung Mongatsch eingeschlossene / und in der Treulosigkeit
beharrende Rebellen zur Ubergab erzwingen möge / verschaffen / und zu Bezahlung
der Soldatesca die versprochene restirende Gage-Gelter ohne weitern Verzug
überschicken wolle Man hat indessen einige Gelder / doch in Zubehaltung der
Ungarischen Soldatesca abgeschickt / damit dieselbe bey der Devotion und Treue
gegen Ihr. Käyserl. Majest. beständig conservirt (Der
Teckelikau zu e???nem Intent nicht gelangen.) werden mögen. Der
Teckely hat biß dato die der Ottomannischen Porten gethane ???Versprechung / in
Klafft welcher er die hiebevor in seinen Kriegs-Diensten gestandene Ungarn
wiederumb auff seine Seiten zu bringen zu gesagt / zu keinem Effect gebracht /
sondern viel mehrers die fürnehmsten Häupter ermeldter Ungarischen Soldatesca /
eine Aversion und Gemüths-Alienation gegen denselben bezeugen; weiln nun der
Obrist Ferentz allerdings suspect sich erzeigt / mit seinen unterhabenden
Regimentern Hussaren zu dem Teckely überzugehen / und per consequens gegen Ihr.
Käyserl. Majest. meineidig zu werden / hat der Gen. Feld-Marschall-Lieut.
Caraffa über einige gehabte gründliche Indicia denselben habhafft machen / und
verarrestiren lassen. Man thut umb etlich 100. gefangene Christen außzulösen
(welche mehrentheils in Weibern und Kindern bestehen / und in der Zeit hiesiger
Belägerung aus denen Flecken und Dörffern umb diese Stadt weg und nacher Erla in
die Türckische Dienstdarkeit geführt worden seynd / deren Nahmen man anhero
geschicket) dahier Collecta und (Ein Schiff gehet in
der Donau zu grund.) Steuer einsamblen. Bey jüngst deß Windes halben
zu grund gegangenem Schiff / worauff über 20. Persohnen gewesen / seynd von
selbigen leyder! 5. ertruncken / die andere aber haben sich errettet / das
gestrandete Schiff aber ist in dem Wasser außgeladen / und die Materialien / als
eiserne Platten / Kugeln / Nägel / Granaten und anders mit wenigem Verlust und
Schaden erhalten worden. Ihr. Käyserliche Majest. haben dero Obrist
Hoff-Cantzlern Hrn. Baron von Stratteman in Ansehung seiner grossen Meriten in
den Graffen-Stand erhoben. In St. Job seynd (2.
Prebecken werden gespisset.) 2. Prebecken (verlaugnele Christen)
gefunden worden / welche viele Christen / Jung und Alt verführet / und umb einen
gewissen Preiß an die [181] Türcken verkaufft
/ selbige hat man andern zum abscheulichen Exempel gespiesset. Der nach Ofen in
geheim abgeschickt gewester Rätz / ist von dar wieder zurück kommen / welcher
die Befreyung deß Teckely / und was sonsten von der Veränderung in denen grossen
Kriegs-Chargen zu Adlianopel vorgangen / und vorhin berichtet worden /
confirmirt, und solle Ofen (Die Juden zu Prag haben
Händel mit den Studenten.) mit 15000. Janitscharen angefüllet seyn.
Uber Prag ist Nachricht eingelauffen / daß selbige Studenten mit den Juden in
eine Zwytracht gerathen / und allbereit den Tändelmarck zu plündern angefangen /
umb solches zu verwehren eine starcke Compagnie von der Guamison dahin
commandirt worden / die Studenten aber auch mit denen Soldaten angebunden /
woraus ein grosser Tumult enistanden / wie es abgeloffen / ist noch unwissend.
Ihr. Käyserl. Maj. haben dero Hof-Kriegs-Rach General Feldzeugmeistern und
Commendanten zu Philippsburg Herrn Grafen Maximilian von Stahrenberg bey seiner
Abreiß von Wien nach Heydelberg zu derd geheimen Rath allergnädigst declaritt.
Umb die Arbeit an denen Vestungs-Gebäuea??? zu Gran und Neuheusel fortzusetzen /
und in vollkommenen Stand zu bringen / seynd die Gelder schon ausgezahlet. Deß
Herrn Gen. Grafen von As???ermont Commendanten zu Neuhäusel Gemahlin / eine
gebohrne Fürstin von Nassau / ist mit Tod abgangen. Das Schloß Chickwar / so die
Raaber / Commorrer / und andere Ungarische Soldaten jungst übersallen /
geplündert und eingeäschert / ist eine Meil von Stulweissenburg gelegen. (Das Schloß S. Job wird mit 100. Masquetirern / 200.
Hepducken nud 100. Hussaren besetzet.) Der Herr Feldmarschall
Leutenant Graf Caraffa hat das Schloß S. Job mit 100. Musquetirern unter einem
Hauptmann vom Thimischen Regiment nebst 200. Heyducken / und 100. Hussaren
besetzet / wordurch die Erlauer und Wardeiner Türcken an ihren Sireiffereyen
sehr verhindert werden können. Man hat resolvirt zu Scharuvar ein Magazinhauß
auffzurichten / und selbigen Haup-Paß mit einer Teutschen Garnison unter deß
Obristen Corradin Commando zu belegen / und sagt man / daß die Türcken künfftige
Campagne in Ungarn sich nur defensivè halten / und ihre gröste Macht gegen dem
Archipelago wider die Venetianer anlegen wolten / umb zu verwehren / (Groß-Wardein gebrt guten theils im Ranch auff.)
daß die Dardanellen conservirt werden möchten. Inzwischen vernimt man / daß von
der Stadt Groß-Wardein sowol in als ausserhalb ein grosser Theil abgebrand / und
an fünff verschiedenen Orten zugleich das Feuer auffgangen seye. Der König in
Engelland hat Ih. Käys. Maj. einen Feuerwercker überschicket / umb bey
künfftiger Campagne seinen Valeur zu zeigen / er hat Ordre keine gage von
höchstgedacht. Ih. Käys. Maj. anzunchmen / und hat selbiger von Ihro Königl.
Majest. den Unterhalt zugewarten; so seynd auch die Chur-Brandenburgische
Feuerwercker schon nach Raab zu [182] laboriren abgereiset. Aus jüngsten vom 3. hujus von Ofen erhaltenen Schreiben
hat man eigentlich verstanden / daß auff also verordnete Anstalten deß
Groß-Veziers / die in verwichenen zwey Feldzügen wider Polen commandirte (Inhalt eineger Schreiden aus Ofen.) Türckische
Armee alsobald in Ungarn zu marschiren beordert worden seye / und daß der in
Ober-Ungarn stehende Seraskier die Beschleunigung deß Anmarschs nachdrücklich
urgire, damit er ein ansehnliches Corpo daselbst formiren / und sedem belli
dorthin übersetzen / und wenigst selbiges Land conserviren, nicht weniger auch
die verlohrne Plätz recuperiren möge / dahingegen und an statt erwehnter Armee
ein Theil der neugeworbenen Asiatischen Milice, zu welcher die Tartarn /
Moldauer und Wallachen stossen sollen / gegen Polen zu agiren / beordert worden.
Man hat sichere Nachricht / daß die Türcken bey Gyula und Segetin sich starck
zusammen ziehen / (Ein Türckische Parthey komt zu
kurtz.) und hätte eine Parthey von 300. Pferd biß nacher Sarwaß
gestreiffl / seye aber von den unsrigen repousirt / und hernacher von dem
Pethnehasi dermassen attaquilt und zerstreuet worden / daß ihrer viel auff dem
Platz geblieben / und nebst andern 2. fürnehme Agen / deren ein jeglicher 100.
gefangene Christen zur Nantzion herzugeben sich erbietet / gefangen worden. Man
schreibt auch / daß die Teckelin den Grafen von Herberstein und zwey Capitain zu
Auslösung ihrer von den unsrigen bey einem Ausfall ertapten und gefangenen 2.
Ungarischen Officier loß gelassen habe. Die Türcken aus Pest haden über 100. der
unsrigen Fouragiers, welche aus Ermanglung fourage von Zollnock und Sarawaß gar
zu weit sich hinab gewagt / ertapt / und mithin bey 150. Pferd gefangen / und
nach Pest überbracht. Den 15. hat man (200000. fl. nach
Ober-Vngarn abgefü???rl.) mehrmalen von hier aus zu Bezahlung der
Ungarischen Soldatesca und Erkauffung fourage 200000. Gulden nach Ober-Ungarn
abgeschickt. Die von der Stadt Debrezin dahier noch subsistirende Abgeordnete
haben endlich redimenda vexa, und nachdem der General Caraffa die Vorstatt zu
einer wohlverdienten Straff ausplündern lassen / 300000. Gulden pro reparatione
Militari herzugeben versprochen. Der Käyserl. Reichs-Hof-Rath Baron von Hörwarth
gehet in Käyserl. Commission nach dem Fürstlichen Braunschweig-Zellischen Hof /
und wird man suchen / die zwischen selbigen Fürstlichen Häusern und der Stadt
Hamburg entstandene Differentien, ehe und bevor es zu weiterer Weitläuffigkeit
kom̅t / zeitlich in der Güte beyzulegen / wie dann
Chur-Brandenburg zu dem Ende das Werck auch eyferig hieher recommendirt / weilen
das Publicum bey conservation deß Ruhestands in Nieder-Sachsen absonderlich
interessirt. Man hat vor / ein Project zu machen / vermittelst welches denen
sowol wider den Erbfeind als andern Käyserl. Alliirten vorgestellet werden solle
/ auff was Weise nicht al [183] lein
wider die Ottomannische Porta / sondern auch andere Feinde / welcher Orten sie
sich auch wider das Römische Reich herfür thun möchten / der Krieg könne
fortgesetzt werden. Von der Besatzung / so in S. Job gelegen / seynd von dem
Bassa zu Wardein 16. zum Tod verurtheilt worden / und dörffte verschiedenen
andern ein gleiches zu Lohn werden / weilen selbiger Bassa vermeynet / daß
obgleich der meiste Theil von Munition in die Lufft geflogen / sie dannoch nicht
Ursach gehabt hätten / den Ort so geschwinde zu übergeben. Hiesiges Gouberno
collimirt dahin / gleich bey Anfang der Campagne die Stadt Stulweissenburg
anzufallen / und unter währender dieser Belägerung mit dem meisten Theil der
Armee nach Esseck zu rücken / und mit Zuzug der Croaten selbige Brücken zu
ruiniren / so dann nach Eroberung dieser Plätzen auff Ofen zu gehen. Indessen
hat man hier (Ein Käyserl. Mandat zu Wien wird
affigirt und publieirt.) in Erfahrung gebracht / wie daß nicht allein
an theils Orten im Römischen Reich ausländische Werbung im Schwang giengen /
sondern auch so gar die beste Pferd / viel Munition und Proviant auffgekaufft /
anderweris hin verführt / und darburch eine Theurung verursachet würde / welchem
Ubel zu steuren Ihro Käyserl. Majest. nachfolgendes Mandat in dieser Stadt
publiciren lassen:
Wir Leopold / von Gottes Gnaden / erwählter Römischer Käyser / zu allen Zeiten
Mehrer deß Reichs / in Germanien / zu Ungarn / Böheim / Dalmatien / Croatien und
S???lavonien sc. König / Ertz-Hertzog zu Oesterreich / Hertzog zu Burgund /
Steyer / Kärndten / Crain / und Würtenberg / Graf zu Tyrol / sc. Entbieten allen
und jeden Churfürsten / Fürsten / geistlichen und weltlichen Proelaten / Grafen
/ Freyen / Herren / Rittern / Knechten / Landvögten / Hauptleuten / Vicedomben /
Vögten / Pflegern / Verw???n / Ambtleuten / Landrichtern / Schultheissen /
Burgermeistern / Richtern / Räthen / Bürgern / Gemeinden / und sonst all Unsern
und deß Reichs Unterthanen und Getreuen / in was Würden / Stand und Wesen die
seynd / denen dieser Unser Brieff oder Patent / oder glaubwürdige Abschrifft
davon fürkom̅t / und damit ersucht werden / Unser Freundschafft /
Vetter- und Oheimlichen Willen / Käyserliche Huld / Gnad / und alles guts; Und
fügen anbey Euer Liebden / Liebden / And. And und euch hiemit zu wissen / wie
dieselbe dann vorhin bereits wol werden beobachtet haben / welcher gestalt man
anjetzo bey der so hoch andringenden eussersten Rettung gegen dem so
übermächtigen Gewalt deß ergrimmten / und sich zur Rache rüstenden Erbfeinds
Christlichen Namens / deß Türcken / der guten Mannschafft / wie auch der im
Reich vorhandenen Rossen / Munition / [184] Proviant / und was sonsten zu dieser unumbgänglichen Verfassung und defension
deß Vatterlands / dien- und vorräthig seyn mag / selbst mehr als jemalen
bedürfftig ist: und Wir dergleichen Kriegs-Bereitschafft zu diesem Ende
auffzubringen / jemals weder an Mühe noch Kosten etwas haben erwinden lassen.
Hingegen befindet sich / daß sonderlich auch die Rosse Schaaren-weise von etlich
hunderten zusammen / wie nicht weniger das Getreyd zum Proviant / auch Munition
/ Waffen / Gewehr / und andere dergleichen Kriegs-Nothwendigkeiten in grosser
Anzahl / nit nur von den Frembden selbst hier und dar auffgekaufft / und ausser
Lands verschleppet / sondern so gar auch von Unsern und deß Reichs Unterthanen /
von andern Orten umb einen geringen Preiß an sich erkaufft / und so fort umb den
schnöden Gewinn ferners denen Ausländern zugeführt / und verhandlet; mithin das
werthe Vatterland seiner gegen dem Erbfeind / und zu seiner selbst eigenen
Sicherheit so hoch benöthigten Kräfften entblösset werden. Massen es die
tägliche Erfahrung klar vor Augen zeiget / wie schwehr solcher frembden
Erschöpffung halber / nicht allein die Mannschafft / sondern auch die Pferde /
sowol zur Montirung der Reuterey / als Ausrüst- und Bespannung der Artiglerie,
Mu???ition / und andern sehwehren Kriege-Nothdurfften zu überkommen / und
auffzubringen seyen. Welchem nach dann / und da es ohne deme in den Reichs
Verfassungen und Executions-Verordnung / was in solchen Fällen vorzunehmen seye
/ von selbsten heylsamlich und wohl versehen. So befehlen Wir Euer Liebden /
Liebden / And. And. und euch sambt und sonders von Römischer Käyserlicher Macht
/ hiemit ernstlich geb???etend / und wollen / daß sie in ihren
Chur-Fürstenthumern und Landen Graf-Herrschafften nnd Städten / auch deroselben
Unterthanen / Zugehö???gen und Verwandten / was Stands oder Wesens die seyn
möchten / vorangedeute frembde unzulässige Werbungen / Bestallungen /
Musterungen / Durchzüge / und was dergleichen mehr seyn mag / denen Reichs
Constitutionibus und Reichs-Abschieden zuwider / durch aus nicht gestatten / und
vorgehen: sondern darwider ernstliche Verbott / unsaumlich ergehen lassen /
darüber mit würcklicher Execution, Bestrick-Trenn- und Abschaffung der Werber /
und der Geworbenen ohne allen Respect steiff und vest handhaben und halten
lassen. Wie dann ingleichem auch daß Euer Liebden / Liebden / And. And. und Ihr
/ ein jeder für sich / wie auch mit gesambter Hand oberwehnten so hoch
nachtheiligen Roß-Proviant- und Munition-Auff- und Vor-Kauff in ihren Landen und
Bottmässigkeiten / absonderlich bey den Juden gäntzlich verhindern und
einstellen / noch jemanden darzu weder Paß noch Repaß gestatten. Dergestalt / [185] daß wann jemand / wer der auch seye /
in ihren Landen und Bottmässigkeiten betretten werden solte / obschon die Pferd
/ Getreyd / oder Munitions-Sum̅en schon eingehandelt wären / den
Handlern doch (welche Unsere Verwilligung und Kayserl. Patenten nit vorzuweisen
hätten) das Geld confisciren, das schon eingehandelte aber hinweg nehmen / und
selbige noch darzu mit einer Geld- und Leibsstraff / nach gestalten Umbständen /
den Reichs-Satz- und Ordnungen gemäß ansehen; als lieb Euer Liebden / Liebden /
And. And. und euch sammentlich und einem jeden insonderheit ist / Unsere
Käyserl. Ungnad und dazu die in den angeregten Reichs-Satzungen und Abschieden
bestim̅te Pöenen zu vermeyden. Wie dann auch Euer Liebden /
Liebden / And. And. und ihr (damit sich niemand mit der Unwissenheit zu
entschuldigen habe) diese Unsere zur höchstnöthigen Beybehaltung der
Reichskräfften geschöpffte Resolution durch offene Edicta in ihren
Churfürstenthum und Landen / Bottmässigkeiten / Städten und Gebieten / verkünden
und anschlagen lassen wollen. Versehen Uns dessen also zu Euer Liebden / Liebden
/ And. And. und euch respectivè Freund-Vetter-Oheim- und gnädiglich. Geben in
Unserer Stadt Wien den 9. Martii Anno 1686. Unserer Reiche deß Römischen im 28.
deß Hungarischen im 31. und deß Bömischen im 30. Jahr.
Leopold.
(L. S.)
Vt. Leopold Wilhelm Graf zu Königsegg.
Ad Mandatum Sac. Caesar. Majestatis proprium.
Johann Probst.
Den 15. hat sich der Käys. Hof-Kriegs-Rath Hr. Graf Breuner von der Schlesischen
Gräntze dahier eingestellt / und bedeutet / daß die Churfürstl. Brandenburgische
Auxiliar-Völcker / welche in 8000. Mann effectivè und dann 190. der erfahrnesten
und wol exercirten Constablern und Büchsenmeistern auch Granatenwerffer bestehen
/ bereits auffgebrochen / und im Marsch begriffen wären. Zu Constantinopel hat
die Pest viel 100000. Personen hin [186] gericht / daß dergleichen erschröckliche Niederlag in Orient niemalen
gesehen oder erhöret worden. Jh. Durchl. der Ertz-Hertzog Joseph haben schon
dero Hof mit Cammerherren und andern Bedienten formirt und eingerichtet / (Viel 800000. Menschen werden zu Constantinovel von der
Pest weggeraffet.) und werden von dem Fürsten von Salm als
Obrist-Hofmeister bedienet. Der Herr Graf Erdödi Banno di Croatia hat bey Jh.
Käys. Maj. Audientz gehabt / und seithero nebst dem Hn. Grafen Francisco von
Dietrichstein / Camcher-Proesidenten zu Grätz mit hiesigen Käyserl. Ministern
verschiedene Conferentzien wegen bevorstehenden Kriegs-operationen in Croaten
gepflogen / dahin der Herr Marq. Barella innerhalb wenig Tagen per posta von
hier abreisen / und wie man vernim̅t / von dorten in Italien gehen
wird / einige Völcker abzuholen / und mit selbigen gegen die Türcken auff denen
Croatischen (Der Hertzog von Lothringen besichtiget
Philippsburg und Costantz.) Gräntzen agiren. Nachdeme Jh. Durchl. der
Hertzog zu Lothringen / die ihme anvertraute Käys. Commissionen, die Vestung
Philippsburg / Costantz / und andere Ort besichtiget / nit weniger die
nothwendige Anstalten gemacht / auch Herrn Obrist Beck an statt deß Herrn
General Lorentz Max. Grafen von Stahrenberg / welcher in Chur-Pfältzische
Dienste getretten / als Commendanten in Philippsburg / und dann einige
Veränderung zu Costantz vorgenommen / haben sich hochgedachte Durchl. wieder zu
Insprugg eingefunden / so in wenig Tagen allhier erwartet werden. Von dem Herrn
Grafen (GrafCziacki thut rapport von seiner
Wallachischen Reiß.) Cziacky, so mit wichtigen Commissionen in der
Wallachey gewesen / verlautet dato nichts anders / als daß er zwar verborgener
Weiß ins Land / aber nicht in die Hauptstatt zum Fürsten sey gelassen / doch
ihme einige gewisse Commissarien, dessen Anbringen ihnen vorzutragen zugegeben
worden / und daß ihm die Tartarn / so in der Wallachey einquartieret / im
zuruckgehen starck nachgesetzt hätten. Uber Gran wird avisirt / daß der Bassa
Tihaia im Namen deß Veziers zu Ofen an die Unterthanen und Richter zu Tottis
geschrieben habe / daß der Richter mit denen zwölff Eltesten und Geschwornen
inner drey Tagen nach Ofen kommen / widrigen falls er Bassa den Ort mit Feuer
und Schwerdt / auch das Kind in der Wiegen nicht verschonen / sondern alles
verderbt werden soll / auff welche Betrohung (Ein Türck
will den Christlichen Glauben annehmen.) die arme Leut dahin gangen.
Ein Türck ungefehr 30. Jahr alt / so 22. Jahr in Ofen gewesen / ist freywillig
zu Pest herüber gangen / seinem Verlangen nach den Christlichen Glauben
anzunehmen / welcher den 16. dito mit 3. Hussaren convoyrt anhero gebracht / und
gleich von dem Käyserlichen Hof-Kriegs-Rath Proesidenten / Herrn Marggrafen von
Baaden zum Examen vorgefordert worden. Nachricht von Mongatsch ist / daß
selbiger Ort würcklich attaquirt, aus 8. Mörseln durch stetiges Feuer-einwerffen
beängstiget werde / obwohlen gedachter Ort von Natur sehr vest / so hof [187] fet man doch nechstens etwas
erfreuliches davon zu hören. Herr General Caraffa / so nach Eroberung S. Job
auff Debrezin die accordirte Contributiones einzuholen gangen / hat alldort
200000. fl. und 100000. Säck Getreyd zur Nothdurfft der Käys. Soldatesca
erhalten / wie dann auch andere Ort mehr an Geld und Victualien hergeben müssen.
Es wird confi???mirt, daß der Tartar Galga mit einer grossen Macht umb denen
unsrigen eine diversion zu machen / durch die Wallachey zu gehen / gegen Ungarn
im Anzug wäre / solches zu verhindern thun sich die Pollacken starck versam̅len / umb selbigen vorzubiegen / deßgleichen werden von unsrigen
alle Päß bestens besetzet. Jh. Käys. Maj. haben obgedachtem Herrn Obrist Beck
nebst der Commendantenstell zu Philippsburg auch das neue Starenbergische
Regiment / und Herrn Grafen Quido von Starenberg Obrist-Leutenant vom alt
Starenbergischen Regiment das Beckische allergnädigst conferirt. (Der Groß-Vezier erbaltet einen frepen und absoluten
Gewalt.) Der Türckische Groß-Sultan hat dem jetzigen Groß-Vezier einen
so mächtigen und vollkommenen Gewalt mitgetheilet / dergleichen seinen
Antecessoribus niemalen verliehen worden / daß er absolutè in Politicis,
Militaribus, Cameralibus, & Criminalibus pro arbitrio disponirt, handelt
und wandelt / wie er dann 45. Bassa unter diesem gefärbten Schein / das
schwürige Volck (Lässet 45. Bassa s???guliten.)
zu contentiren, in re aber bloß zu diesem Ende hat lassen hinrichten / damit er
vermittelst confiscirung ihrer Güter und Paarschafft / wordurch viel Milliones
in das aeratium bellicum gezogen worden / die jetzige schwehre Kriegs-Unkosten /
umb so viel leichter bestreiten möge. Es seynd 50. Minirer für die
nechst-eingehende Campagne geworben / wie auch wegen Anzugs der Chur-Sächsischen
5000. Mann alles und jedes verglichen worden. Der Churfürst aus Bayern wird mit
8000. Mann in Ungarn erscheinen / und alle nothwendige Kriegs-Verfassungen mit
sich bringen. Den 20. ist eine Staffeta vom Herrn General Mercy eingeloffen /
und an den Käyserlichen Hof-Kriegs-Rath Proesidenten gelautet / was selbige
mitgebracht / ist in geheim / worauff aber gleich ein expresser Courrier dahin
spedirt worden / man (Der König in Polen wi??? im Majo
im Feld stehen.) muthmasset / daß es sehr hochwichtige Sachen
betroffen haben muß. Ihr. K. Maj. in Polen haben sich resolvirt / und erkläret
mit der Armee im Majo im Feld zu stehen / und damit zu diesem frühen Feldzug
alle Praeparatoria gemacht werden / sind die Bischöffe / und andere Senatores
durch Königliche Schreiben erinnert worden / daß sie ausserhalb der Landes.
Verfassung nach Möglichkeit zu solcher Campagne concurriren wollen. So haben
auch Ihr. Päbstliche Heiligkeit einen Wechsel auff eine Million Polnisch. Gulden
übermacht / welche aber allererst nach Ostern erlegt werden sollen / dahero Ihr.
Königl. Maj. interim noch mehr von dem Ihrigen herschiessen. [188] Denen Moscowittischen Gesandten ist zu
ihrem offentlichen Einzug der 17. Tag Februar. benennet worden / und verlautet
mit diesem bey dem Czaarischen Hof / daß man sie gar in kurtzer Zeit expediren
wolle: Nicht weniger seynd auch offt hochgedachte Ihre Königl. Majest.
entschlossen / ehistens einen Gesandten an Chur-Brandenburg / und wohl auch gar
an Chur-Sachsen abzufertigen / umb wider den Erbfeind / welcher wie berichtet
wird / sehr starck / und mit den meisten Tartarn auff selbigen loß gehen will /
zu sollicitiren. Der Rendezvous der Käyserl. Armee solle anfangs May bey Barckan
gehalten werden / wobey jedes Regiment / als die zu Fuß 1500. die zu Pferde aber
800. Köpffe starck in completem Stande unfehlbar erscheinen (Jh. Käyserl. Maj. halten ein Fuchßbröllen zu
Laxenburg.) sollen. Den 21. giengen Ihr. Käyserl. Majest. auff eine
Pa???tz nach Laxenburg / den 22. aber Nachmittag hielten Se. Majest. ein
Fuchßbröllen / wobey auch Ihr. Durchl. der Ertz-Hertzog sambt allen
Bottschafftern / und ein grosser Adel gewesen / es wurden bey 300. Füchß erlegt
/ und viel Daxen erhetzt / und haben allerhöchst gedachte Ihre Majest. 50.
Füchse / so sich auff die Bäume salviert / niedergeschossen. Uber die von denen
Siebenbürgischen Gesandten in Sachen verschiedener von der in den
Siebenbürgischen Gespannschafften einquartierten Soldatesca angelangter
Thätigkeiten / und verübter excessen angezogener Beschwernussen / haben Jh.
Käys. (Es werden Käyserliche Commissarii denen
Siebenbürgischen Gesandten zugegeben.) Majest. eine Commission
hierüber angedeutet / bey welcher gedachte Deputierte erscheinen / und mit
mehrerm ihre Klage fordern sollen / damit die Sach überlegt / examinirt, und
nach Befindung der Sachen Beschaffenheit das Urtheil gegen die Verbrecher und
Delinquenten geschöpfft werden möchte / gleich wie man aber sichere Nachricht
hat / daß von den Käys. Befelchshabern die Einquartirung regular vertheilt / und
keine über die Maß beschwehrt worden / als stehet man in beständiger Meynung /
daß der Fürst und Stände in Siebenbürgen nur dessentwegen mit dergleichen
Beschwernussen den Käys. Hof defatigiren, damit sie unter diesem praetext Zeit
gewinnen / und die mit der Ottomannischen Porten im Werck stehende
Accords-Tractaten manuteniren, und nit weniger den Anmarsch deß von dem Teckely
versprochenen Succurs / nebst den im Anzug begriffenen Tartarn erwarten /
zumalen man auch für gewiß verständiget worden / daß erwehnter Fürst in
Siebenbürgen mit dem gewöhnlichen jährlichen Tribut die Ottoman̅ische Porten contentirt habe / und daß mit dessen Einwilligung der Stände
Commissarii sich mit dem Teckely (welcher unter einer Türckischen Guardia biß an
die Siebenbürgischen Gräntzen dessentwegen gerucket /) in weitläuffige und enge
Tractaten eingelassen hätten. Aus Nieder-Ungarn continuirt / daß in den
nechst-anliegenden Türckischen Frontier-Plätzen ein mercklicher Abgang der
Lebens-Mittel sich verspühren lasse / und daß [189] derentwillen die Besatzungen vermittelst continurender desertion
und Flucht sehr geschwächt worden / massen dann der neulich zu Ofen von Adrian
arrivirte Chiaus, selbigem Vezier soviel bedeutet / daß dermahln aus Orient
(Grosse Hungersnoth in den Türck. Plätzen.)
keine Lebens-Mittel wegen unbeschreiblicher Hungers-Noth dahin verschafft werden
könten. Den 25. ist der Königl. Schwedische Plenipotentiarius Hr. Carl Gustavus
Graff von Oxenstirn an einem Gall-Fluß verschieden / dessen Leichnamb nach
Schweden gebracht werden soll. Der Richter (Der
Richter zu Totis komt von Ofen wieder zurück) zu Tottis, so sambt den
12. Altisten auff deß Bassa Tihaia Citation nach Ofen gehen müssen / ist mit den
seinigen wieder zurück kommen / referirt / daß ihnen dey dem Spieß aufferlegt
worden / all der Christen Vorhaben / streiffen / und anders jedesmahl fleissigst
/ warhafft und eylfertigst anzuzeigen / auch ihnen Türcken jederzeit getreu
verbleiben sollen. Die gehuldigte Bauern haben das jüngst von denen Türcken
außgeplünderte Schiff nach Gran gebracht / weme solches zuständig / und was vor
Leuth darauff gewesen / ist annoch nicht bekant / die Heyducken aber / so auff
selbige Parthey außcommandirt waren / seynd unverrichtet Sachen wieder zurück
arrivirt. Alle Regimenter / so bißhero in Ober-Ungarn im Quartier gelegen /
seynd beordret nach der Theise zu marchiren / umb die Völcker / so in operatione
vor Mongatsch stehen / sicher zu bedecken / auch allen andern besorgenden
Einfall zu verhüten; Sonsten geben letzte Brieff von dar nichts veränderliches /
als daß an Auffwerffung der Batterien sehr eyfferig fortgefahren und dahin
getrachtet würde / wie man ohne grossen Verlust / und Gefahr über den Morast
kommen (Herr General Scherffenberg gebet nach dem
Lager vor Mongatsch.) möge. Den 30. ist der Gen. Scherffenberg per
posta von hier nach dem Lager vor Mongatsch abgereiset / umb den Hrn. Gen.
Caprara in seinem vormen / daß die in Siebenbürgen unterm Commando deß Petrozi
sich noch befindliche Rebellen / nur einen starcken Türck. Succurs erwarten /
worauff sie die Käys. zu dislogiren suchen wollen. Man hat resolvirt / 2. Haupt
Armeen bey nechster Compagne / und dann 2. andere Kriegshauffen in Ungarn zu
halten / zu dem Ende dann an vielen Oerthern Magazinhäuser bestellet / und
auffgericht / damit auff allen Seithen die Armeen mit denen nöthigen
Lebensmitteln ohne Abgang versehen werden möchten / welches alles man gar
füglich / weiln der Donaustrohm wieder zimblich Wasser bekommen /
bewerckstelligen können wird. Zwischen dem anwesenden Braunschweig Zellischen
Minister und (Ein Expresser wird nach Hamburg
spedirt.) Hamburg. Deputirten / hat es den 29. ein kleine Rencontre
gegeben / und ist wegen selbigen Differentzien den 30. ein Expresser nach
Hamburg spedirt worden / in Hoffnung / daß die Güte bey denen interessirten
Theilen noch erfolgen solle.
|| [190]
Von Constantinopel seynd den 24. einige Schreiben von 14. Febr. dicses mehrern
Innhalts dahier eingebracht worden / daß ob zwar der neue Groß-Vezier von dem
Volck / und besonders von der Milice sehr beliebet seye / gleichwohl aber könte
derselbe / die unter dem gemeinen Volck eingerissene Consternation, obhandenen
terrorem pannicum nit dämpffen / und das Volck also animiren / damit die
Werbungen einen bessern Fortgang gewinnen möchten. Sonsten würde erwehnten
Groß-Veziers Auffbruch nach Griechisch-Weisenburg dermahln in Zweiffel gestellt
/ weiln derselbe die verhoffte Anzahl Asiatisch. Soldatesca / so den Marsch
dahin hat antretten sollen / nicht werde zusammen bringen können / dahero dann
die Türcken keine besondere Armee bey künfftiger Campagne / aus Mangel der
Lebensmitteln Herr Graff Malluezi und (Herr Graff von
Herberflein werden von Jhr. Käps. Majest. zu dero Cämmerern
denominirt.) haben / und nur defensive sich halten werden. Dieser Tagen
haben Jhr. Käyserl. Majest. den Hrn. Grafen Malluezi, wie auch den Hrn. Grafen
von Herberstein Teutschen-Ordens-Ritter und Printz Croyschen Obristen Leutenant
/ welche 3. Jahr zu Mongatsch in Eysen gesessen / und gegen 3. in dieser
bloccquada gefangene Rebellen rantzionirt worden / zu dero Cämmerern denominirt.
Sonsten ist auch dem guten Partheygänger Claudi Martelli, so biß 4. Jahr lang in
Constantinopel gefangen gelegen / und endlich von dem Engl. Herrn Residenten zu
Constantinopel rantzionirt so viel vornehmen sich allhier angegebenen
Feurwerckern von so hohen Potentaten / weiß Don Gonsales der bekante Spannische
Feuerwercker nicht / was er zu thun haben möchte. Und stehet nun von seiner
Invention mit 4000. wohl angefülten Brand-Röhren / biß auff den Grund deß Bodens
/ und tieffer als die Teutschen langen / fertig / und hoffet diese Campagne auch
seinen Valeur zu praestiren / wie er dann sich patat zu halten / Ordre hat. Herr
Graff Cziacky ist den 29. auff der Post wiederumb zu den König in Pohlen
abgefertigt worden / und dörffte noch weiters nach andern Höfen in Käyserl.
geheimen Commissionen sich von dar begeben. Von Breßlau (Herr von Pentschel wird zum Ritter deß H. Grabs zu
Jerusalem gemachet.) wird geschrieben / daß den 24. passato daselbsten
der Hoch- und Wohl-Edel-gebohrne Herr Johann Friederich Casimir von Hentschel
und Gutschdorff auff Guhlaw / Gierlesdorff / Johansthal / Baumgarten / und Jerau
/ Röm. Käyserl. Majest. Rath / Comes Palatinus, und Königl. Lands-Cantzler deß
Fürstenthumbs Breßlau durch den Wohl-Ehrwürdigen Patrem Narcissum Hietel
Commissarium Generalem Terrae Sanctae, durch gantz Teutschland und Römischen
Reichs / in Gegenwart vieler vornehmen Cavaliers und Dames / nach vorher
gegangenem Musicalischem Ambt der Meß / unter welchem er das H. Abendmahl
empfangen / zum Ritter deß H. Grabs zu Je [191] rusalem / nachdem bereits 6. Monath zuvor alldort in dem H.
Grab selbsten sein gevollmächtigter Procurator diesen Ritter-Orden / aus Händen
deß alldortigen Päbstl. Vicarii Generalis, und Apostolischen Commissarii, wie
auch deß Hrn. Land-Custodis und Quardiani deß Bergs Sion überkommen gehabt / mit
solennen schönen Ceremonien / und unter andern zwar durch Umbgebung der
vergülden Sporen / wie auch Umbgürtung deß vergüldeten Degens / und Anhängung
einer güldenen Ketten / sambt dem fünfffachen Ritterlichen Ordens Creutz
offentlich investiret / vorhero aber die ihme vorgelesene Ordens-Statuia von
selbsten beschworen / und er dergestalt deß gemeldten Ritterlichen Ordens
Privilegien theilhafft gemacht worden.
Das zweyte Capittel
Tractirt von Ungarischen / Siebenbürgischen / Croatischen / Türckischen / Moldau-
und Wallachischen Geschichten.
(Ungarische Geschichten.) Aus Ungarn hat man von
2. dieses / daß die Christliche Besatzung zu Raab / Comorra / Pappa / Totis /
Vesprin / und andern anligenden Frontier-Plätzen sich zusammen gezogen / und die
zwischen Vesprin / und Stuhl-Weissenburg ligende Türck. Palancka / und Schloß
Ezchuar, aus welcher dieselbe Türck. Besatzung grosse Ungelegenheit / und dann
durch stäte Excursion den unsrigen Händel verursacht / unversehens angefallen /
und mit Einwerffung der andern Bomben ein Brunst erweckt / worvon die Türcken
dermassen erschrocken / und kleinmüthig worden / daß sie gleich darauff die
Ubergab capitulirt / und den andern Tag mit soviel als ein jeglicher ertragen
können / außgezogen / und hingegen die Unserigen den Orth geplündert / gantz
eingeäschert / und eine reiche Beuthe nebst einer grossen Heerde Viehe mit sich
zurück gebracht. Die Türcken / welche in 8000. starck bey (Die Türcken werden geschlagen.) Wardein gestanden
/ haben eine Parthey umb Sarawas zu recognosciren außgeschickt / seynd aber vom
Hrn. General Mercy ohnversehens überfallen / in die Flucht verjaget / und viele
Türcken niedergemacht worden / von denen Ungarn aber ist nur ein Hussar todt
geblieben. Diesen Schaden wieder einzubringen / und sich an unfern Hussarn zu
revangiren / haben die Türcken bey 800. Ochsen zwischen Ofen und
Stuhl-Weissenburg zusammen getrieben / darbey eine schlechte Convoye gelassen /
worauff die Unsrigen [192] auff erhaltene
Kundschafft loß gangen / auch selbige allbereit mit wenigen Widerstand
fortgetrieben / denen aber die Türcken auffgepasset / und in ein hartes Gefecht
miteinander gekommen / worbey Türckischer Seits in 200. (Rencontre zwischen den Türckischen und Chriftl.
Hussaren.) von den Hussarn aber biß 20. todt geblieben / und das Viehe
zurück lassen müssen. Sonsten hat sich der Teckely dieser Zeit in dem
Türckischen zwischen Gyula / und Lippa geschlagenen Feldlager mit etlich 100
verlauffenen liederlichen Kerles les auffgehalten / er soll gantz grün gekleydet
gehen / und ihme (Der Teckely wird grün gekleidet und
ihm der Nam Bassa von Stern zugelegt.) von den Türcken der Nam
Cziliack-Vezier / das ist Bassa von Stern gegeben worden seyn / seine Brieff /
so er an etliche Ungarn geschrieben / seynd von theils uneröffnet dem Hn. Gen.
Caprara geschickt worden / umb ihre Treu zu bezeugen / wie sich dan der
Petnehasi mehrmahlen wohl gehalten / dann / nachdeme ein Parthey Türcken von
300. Pferd starck biß Sarawas gestreiffet / und von den Teutschen reponsirt
worden / hat inzwischen besagter Petnehasi mit einigen Ungarn den Feind im
Rückweg vorgepasset / selbige auf Ankunft hertzhafft attaquirt / zum Stand
gebracht / und nach einigen Widerstand zer streuet / worbey viel auf dem Platz
geblieben / und nebst andern 2. fürnehme Aga (die eine grosse Rantzion
herzugeben / sich erbothen) gefangen worden; So haben die Hussaren von Comorra
einen abermahligen Streiff biß unter Ofen gethan / eine Türck. Parthey
angetroffen / und geschlagen / und seynd mit grosser (Ein Schiff wird von Wind ans Land geschlagen und von den Türcken
geplundert.) Beuth / 17. Köpffen / und etliche̅
Gefangene̅ glücklich zurück kom̅en. Hingegen hat
ein Türck Parthey zwischen Gran und Comorren ein Christl. Schiff / so wegen
grossen Winds anlede̅ müssen / arrapiret / außgeplündert / über
100. Eymer Wein denen Fässern die Böden eingeschlagen / die Heyducken so darauff
gewesen / und neben den Teutschen sich gewähret / niedergehauen / 17. gefangen
genom̅en / und was sie an Victualien nit mitbringen können /
in die Donau geworffen. Ferner hat ein feindliche Parthey eine Christliche
Convoy / so nach S. Job Wein und andere Victualien begleitet / angegrieffen /
und in der ersten furi 18. Mann nidergemacht / die aber von den Häußlerischen
außcom̅andirten wieder überfallen wurden / und ihrer 200. nach
St. Job gefangen eingebracht / die auf der Wahlstatt gebliebene Türcken seynd
von denen gehuldigt. Bauern (Hr. General Caraffa er
Presset in deß Feinds Land eine grosse Summa Gelds.) nach Erlau
geführt worden. Worauff Hr. Caraffa einen Streiff ins Türck. gethan / von
selbigen Unterthanen 100000. Rthl. erpresset / und darmit seine Soldatesca
bezahlt / folgends wieder nach Zatmar gekehret / und dem Fürsten in Siebenb. die
Eroberung von St. Job zu wissen thun / und darnebst bedeuten lassen / alsobalden
die Contributiones einzuschicken / widrigen fals er solche auf Kriegsmanier /
heraus treiben müste; worauff ermelter Fürst ihme Hrn. Grafen Caraffa alsobalden
geantwortet / den Marsch der Völcker doch einzustellen / mit Versicherung daß er
ohne Zeitverlierung seine Gesandten abgeschickt hätte / umb ihme alle
Satisfaction zu geben.
|| [193]
Immittels hat Hr. Gen. Caprara auff expresse Käys. Ordre mit Anfang dieses Monats
die blocquada von Mongatsch in eine Belägerung transferirt / zu dem Ende
besagter Hr. Gen. selbsten mit 2000. Mann zu Fuß / (Die Bloquada vor Mongarsch wird in eine Belägerung tran???ferirt.)
500. Pferd / 8. Feuermörsel / und einer zimblichen quantität Bomben / Granaten /
und andern zur Belägerung nöthigen Zeugs den 10. dito vor besagter Vestung
angelangt / und sogleich einen Trompeter hineingesand / die inligende
Rebellische Garnison zur Ubergab zu adhortiren / der aber nicht angehört /
sondern schimpfflich zurück gewiesen / und gar auf ihn Feuer gegeben worden /
auch hat darauff ein Rittmeister / welcher hiebevor unter dem Rickardischen
Regim. war / und zu den Redellen übergangen / einen Außfall gethan / 8. Ochsen
denen unsrigen weggenommen / und in die Vestung gebracht; Es hat aber bey diesem
Verlauff Hr. General Caprara vor der Vestung nicht gefeyert / den 14. die
Circumvallations-Linien nicht allein in völlige Perfetion gebracht / sondern
auch gegen die untere Palancka, der Vestung eine mit grossen Bäumen
eingeschlossene Schantz und Bollwerck aufwerffen / darauff einige Mörsel
pflantzen / und den 16. die Vestung zu beschiessen anfangen lassen / und weiln
die Rebellen / gleich gegen diesem Bollwerck über einen Wall uffgeworffen gehabt
/ seynd sie wegen starcken Canonirens genöthiget worden / (Hr. General Caprara fasset posto auf dem so genanten
Holtz-Schloß.) selbigen zu verlassen / und sich nach der Ober-Vestung
zu retiriren / dahin man mit Einwerffung vieler Vomben Käys. Seits starck
angehalten / absonderlichen hat man in den so genanten Holtz-Schloß / so ohnweit
Mongatsch in einer zimblichen Höhe gelegen / posto gefasset und durch
continuirliches Feuereinwerffen daraus denen Belägerten überaus grossen Schaden
zugefügt / dahingegen diese mit ihren Stücken denen Käys. wenig beykommen können
/ wie es nun mit dieser Belägerung ferner ablauffen möchte / werden die folgende
Monat außweisen.
(Croatische Geschichten.) Von Carlstadt aus
Croatien hat man / daß der Hr. Gen. Matthias Graf von Strasoldo / den Obrist
Orßkitz mit 1000. Mann commandirt (Obrist Orßkitz
erobert das Städtlein Tudorow.) hat / umb ins Türck. einen Streiff zu
thun / welchem dann besagter Obrist zu folge / den 7. dieses das Türck.
Städtlein Tudorow überfallen / selbiges außgeplündert und abgebrand / viele
Türcken nebst dem Com̅en danten Mechmet Aga niedergehauen / dessen
Sohn sambt 16. andern gefangen genommen / und nebst andern guten Beuthen / auch
200. wackere / und wohlbewehrte Wallachen in Käys. Dienste mit sich glücklich
zurückgebracht Einige andere Croaten von Segnia seynd auch in die Landschaft
Licca, biß an das Schloß Novi gestreiffet / allwo sie 2. Mühlen abgebrand / und
7. Türcken mit zurück geführt haben. Die Garnison von Verovitiza ist ingleichem
biß gegen Walpo gestreifft / von dannen etliche 100. stück Vihe weggeholet; als
aber die Türcken (deren in [194] Walpo sich
3. Bassen mit einer starcken Garnison befunden) solches vernommen / haben sie
denen Unserigen nachgesetzet / einige niedergesäbelt / und ihnen die meiste
Beuthe wieder abgenommen. Weiter ist auff erhaltene Kundschafft / daß dieTürcken
von Sighet und Canischa den 17. dieses / einen (Die
außgeschickte Türcken von Sigeth und Canischa werden im Rückmarsch dapffer
geklopfft.) Streiff gegen Nider-Lembach vorgenommen / und 62 Persohnen
/ so in denen Weingärten gearbeitet / gefangen weggeführt haben / unsere
Besatzung von Sarwar / und deß Hrn. Gen. Grafen Butthiani Hussaren ihnen
vorgekommen / und hat sich auff den Paß / wodurch die Türcken zurück gehen
sollen / geleget / die Brücke auff dem Fluß Rabnitz abgebrochen / und die
Türcken der gestalt empfangen / daß die Unsrigen nicht allein die Christen wider
erlediget / sondern haben auch über 200. Türcken nidergemacht / und ersäuffet /
und die Christen wider nacher Hauß geschicket. Ingleichem hat vorerwehnter Hr.
Baron von Orßkitz den 18. noch einen Streiff ins Türckis. (Die Türck. Garnison von klein Cladussa wird überfallen
und mei???ens niedergemacht worauff die Inwohner groß Cladussa
verlassen.) gethan / sich gegen klein Cladussa gewendet / selbige
Türckische Garnison ohnversehens mit 100. Mann zu Fuß überfallen / 40. Türcken
niedergehauen / und noch einmahl so viele Weiber und Kinder mit sich
weggeführet: die Unsrigen haben die Palancka von groß Cladussa gantz abgebrandt
/ weiln sie aber kein Artillerie bey sich hatten / haben sie die Stadt / welche
vest ist / nicht ermeistern können; doch denen Türcken / so darinn in Garnison
gelegen / gedrohet / daß wann sie gemeldtes Schloß und Stadt innerhalb 14. Tagen
nit verlassen würden / wolten die Unserigen mit mehrer Gewalt und grobem
Geschütz kommen / und alsdann weder Weib / noch Kinder / verschonen / noch
jemand leben lassen; worauff die Türcken nit allein versprochen / denen
Unserigen den Orth in vorgeschriebener Zeit einzuraumen / sondern haben auch
würcklich solchen 5. Tag hernach verlassen / und sich mit Weib und Kindern und
Güthern / jenseit deß Flusses Unna retirirt. In diesen Actionen seynd viel
gefangen / und 800. Christen vom Türck. Joch befreyet worden; Im übrigen
continuirt die Theurung auff diesen Gräntzen sowohl unter den Türcken / als
unter den Unserigen.
Es ist sonsten diesen Monath ein kurtzer Außzug eingekommen / worinnen entworffen
worden / was die siegreiche Käyserl. Waffen seither dem Jahr 1685. in den
Königreichen Ungarn / und Croatien erobert haben sowohl (Kurtzer Außzug dessen was die Käyf. seitber 1685. in
Vngarn erobert haben sowohl an Städten) an Plätzen / als Landschafften
/ Geld / Stücken / und Fahnen / so ich / wie es empfangen / dem Großg. Leser
communiciren / und diesem Capittel mit einverleiben wollen.
Erstlich an Städten haben die Käyserische eingenommen / 1. Neuheusel / 2.
Vacchia. 3. Novigrad. 4. Heveez. 5. Zollnock. 6. Saravas. 7. Eperies. 8.
Caschau. 9. Putnock. 10. Onoth. 11. Arravn. 12. Sonna. 13. Son [195] nama.14. Potock. 15. Palaz.
16. Doronio. 17. Tockai. 18. Regez. 19. Unguar. 20. Garovon. 21. St. Kolo. 22.
S. Nicola. 23. Sebetschim. 24. (Dörffern / Geld /
Fahnen und Geschütz.) Ibrayn. 25. Arar. 26. S. Job. 27. Czechmar. 28.
Esseck ist außgeplündert / und ihre Brück abgebrandt auf 1100. Schritt. 29.
Verovitiza.
An Land / Grund und Boden ist Ihro Käyserl. Majest. zugefallen. In Ober-Ungarn /
von Wien biß Mongatsch. ??? 70. Meilen.
In Nider-Ungarn / biß auff Sarawas. ??? 65.
Von Verovitiza biß nach Esseck. ??? 20.
In Croaten gegen Cicca. ??? 10.
Mit Neuheusel seynd 200. Dörffer überkommen. Mit Novigrad 2 Graffschafften /
nemblich die Novigradisch und Vachische / den Käyserl Waffen unterwürffig
worden. Mit Verovitiza hat man 200. dahin gehörige Dörffer bekommen.
Was weiters an Geld eingebracht worden / davon zehlet man die hauptsächlichsten
Posten.
An einem engen Ort in Neuheusel 300000. specie
Ducaten.
Die Leßlische in Esseck auff ??? 6. Millions.
Die Croaten haben zu Dubecza ??? 200000. entnom̅en.
Ferners seynd denen Türcken im Feld und den Vestungen 270. Stück und 89. Fahnen
abgenommen worden.
Das dritte Capittel
Haltet in sich / was im Römischen Reich hin- und wieder passirt ist.
(Röm. Reichs Geschichten.) VOn dem
Nider-Rheinischen Cräyß hat man aus Coblentz vom 5. Martii, daß Ihro Churfürstl.
Gnad. von Trier continuirlich mit 1500. Mann an der Vestung Ehrenbreitstein
arbeiten lassen / und habe über dieses ein Compagnie von 60. Canonirers
hineingelegt.
Von Heydelberg wird vom 26. dito geschrieben / daß selbigen Morgen zwischen 7.
und 8. Uhr die ältiste verwittibte Churfürstin zu Pfaltz gebohrne Princessin von
Hessen-Cassel nach einig außgestandener Unpäßlichkeit dieses Zeitliche gesegnet
habe.
|| [196]
Aus dem Bäyrischen Crayß kombt Bericht von der Stadt Regenspurg / von 14. dito /
daß der Königl. Frantzös. daselbst anwesende Plenipotentiarius H. Ludwig Verius
Graff von Cresy, der Reichs-Versamblung (Bäyrischen
Craises Geschichten.) den 12. ein Memorial übergeben habe / wordurch
Se. Aller-Christl. Majest. eine Declaration vom Reich verlangen / Krafft dessen
/ die von Chur-Pfaltz ergrieffene Possession der Madame d'Orleans Praetension
ohnpraejudicirlich seyn solle; hingegen aber vor keinen Armistitz-Bruch /
welches ste ihres Orths zwar fest halten würden / außzudeuten wäre / wann Ihro
darüber aber nicht deferirt werde / einfolglich Ihro Majest. die Satisfaction
darüber zu nehmen genöthiget würden.
Aus dem Ober-Sächsischem Craiß melden die Brieffe von Berlin vom 20. (Ober-Sächsischen Craises Geschichten.) Martii /
daß Ihro Churfürstl. Durchl. von Brandenburg noch continuirlich in Potzdam sich
auffhalten / und glaubt man / daß sie vor Ostern sich nicht anhero begeben
möchten / im fall sie nicht / dem Rendevous der nach Ungarn destinirten Trouppen
/ welcher zu Crossen an der Schles. Gräntzen geschehen soll / beyzuwohnen /
hierdurch passiren möchten; Nun beginnet ein rechter Ernst mit solchen Marsch zu
werden / und ist denen Officirern und gemeinen angesagt / sich parat zu halten /
und sich zu dem Marsch zu schicken / die Recrutirung zu solcher abgehenden
Militz wird auch mit allem Fleiß gemachet / und fehlet nun an nichts / weiln
auch zu solchem Marsch die Oesterreichische Gelder schon gelieffert / so hat man
auch bereits Assignationes gemacht / an statt der nach Ungarn commandirten
Trouppen schleunigst andere zurichten. So continuirt auch / daß Ihro Churfl.
Durchleucht. von Sachsen mit seiner Armee der Ungarischen Campagne beywohnen /
und die beyde Churfürstliche Völcker sich conjungiren werden. Den 7. dito ist
der Pohinische Gesandte Herr Willopolscky nach Franckfurt an der Oder und so
weiter nach Pohln abgereist / nachdeme er zuvor allhier die Rüstkammer und
andere Raritäten gesehen gehabt. Den 8. (Der Hirt so
die Hamb. Post spolirt wird zu Berlin gehencket.) ist der jenige Hirt
gehencket worden / welcher die Hamburger fahrende Post zu Nachts zeit bestohlen
/ er protestirte zwar / und machte seinen Diebstahl gering / vorgebend / er
könte nicht mehr thun / als wiedergeben / was er gestohlen / es wolte aber nicht
helffen / sondern muste / und zwar wider seinen Willen hangen / dieser Dieb hat
schon lang vim attractivam gehabt / und heissen mit gehen / wo er was
anständliches gesehen / man hat ihn oft deß Diebstals halben in Suspicion gehabt
/ hat aber immer vorgewand / er hätte solch Gut von Reisenden erhandelt / und so
dann dem eigener wieder restituirt / biß er endlich an den grossen erkant worden
/ und seinen Lohn bekommen. Obwol die Differentien zwischen J. Hochf. Dchl. von
Zelle und der Stadt Hamb. sehr weitläuffig auß gesehen / [197] hat man dannoch anjetzo gute Hoffnung
/ daß sie durch intercession einiger hohen Potentaten ehisten abgethan werden
dörfften / zu welchem Ende dan̅ auch die nach Hamburg beorderte 2.
Regimenter wieder in ihre Quartier nach (Hr. General
Schöning lässet 100. Zelt zum Ungarischen Marsch verfertigen.)
Mecklenburg gegangen. Der Herr General Leutenant von Schöning / welcher die
Völcker / so nach Ungarn destinirt, commandiren wird / lässet über 100. Gezelten
verfertigen / und sollen die Fußknechte auff einerley Art mundiert / die
Unter-Officier und Piquenirer jeder mit 2. Pistolen / die Musquetirer mit Beylen
/ womit man hauen und stechen kan / versehen werden. Weilen fast die meisten
geflüchteten Frantzosen sich zu keiner Arbeit verstehen wollen / als werden die
jenige / so Lust zum Soldaten-leben haben / angenommen / und nach Cleve gesandt
/ denen andern aber / so auch solches nit anstehet / weiset man die Thüre / umb
ein Land zu suchen / da man ohne Müh und Arbeit seine Kleyder und Kost verdienen
kan. Den 16. hat der Chur-Sächsische Gesandte bey Sr. Churfürstl. Durchl.
Abschleds-Audientz erhalten. Das Bauwesen allhier soll nun künfftigen Monat
wieder angehen / und wollen Ih. Churfl. Durchl. die künstliche Schnecke oder
Windelstiege / so gleichsam für ein Wunderwerck gehalten wird / wieder
repariren, und mit Oel anstreichen / und an etlichen Orten deß Gegitters und
zierlich aus gehauenen Quatersteinen vergülden lassen / damit solch mit so
grossen Kosten und Arbeit auffgeführte Werck noch lang stehen / und nicht vom
Regen (Der junge Hertzog von Hannover komt incognito
zu Berlin an.) abgenützt werden möge. Obwohln sonsten Ih. Hochfürstl.
Durchl. der junge Hertzog von Hannover allhier incognito ankommen / und sich
nicht eher kund geben wollen / biß sie vor der Tafel bey Ih. Churfl. Durchl.
erschienen / so seynd dieselbe dannoch von den Laqueyen erkant und nachdeme
ausgekundschafftet worden / woselbsten sie logierten / haben sich solche dorthin
begeben / und Ihr Durchl. in dero Logiment auffgewartet so lang / biß Ihr. (Wird aber erkant / und vom Chur-Printzen in das
Laboratorium und die Zeughäuser geführt.) Chur-Printzl. Durchl. auch
von Potzdam wieder anhero kom̅en / da man dan̅ Ih.
Durchl. auf dem Schloß zu logiren gebetren; worauff den 12. Ih. Chur-Printzl.
Durchl nebst dero Herrn Schwager dem Hertzogen in das Laboratorium fuhren /
woselbsten eine Feuerkugel in die Erde vergraben gelegen / welche mit einer
grossen Menge Wasser begossen / und angezündet / hernach noch ein Zuber mit
Wasser darüber geschüttet ward / welches aber solche Kugel nit allein nicht
gelöschet / sondern noch mehr brennend gemacht / und hat umb sich geschlagen /
daß niemand dabey dauren fön̅en. Nach diesem wurde noch ein
Pechkugel auf der Erden angesteckt / welche ein brausend Feuer von sich warff /
und alles umb sich verzehrte / darnach wurden sie durch die Zeughäuser auff den
Wall geführt / in welchen Zeughäusern sie vors erst das Fußgewehr / a’s Schuppë
/ Spaden / Hacken / Sicheln / und alles Geschirr zur Artillerie besahen. [198] In einem andern Zeughauß waren alle
frembde eroberte Stück von ¾. ½. ¼. ???. Carthaunen / Feldschlangen und
dergleichen / auch etliche Mörsel zu sehen. In noch einem andern Zeughauß stunde
die Churfl. neugegossene Artillerie an ¾. ½. ¼. ???. und ???. Carthaunen /
Schlangen / sc. nebst der gantzen Feld-Artilletie, und absonderlich die
Haubitzen und Feuermörsel / so von 8. 7. ½. 6. 5. und 3. Centner Granaten
werffen / nachdeme wurden etliche Granaten / von Armbrust / welche 2. Constabler
mit Winden spanneten / angezündet / und gleich geworffen / so über den
Wallgraben fielen / und etliche Schläge von sich gaben / also daß auch ein
Granate wieder zuruck über den Wall auff das Zeughauß sprung. Nach diesem wurde
aus einem Böller von 40. biß 50. Pfund ein Granat auff 8000. Schritt geworffen /
darnach eine auff die Helffte mit vielen Schlägen / welche man alle hören konte
/ dann wieder eine auff 7000. Schritt / nach welchen Verrichtungen sie wieder
nach dem Schloß fuhren.
(Chur-Sächsische Geschichten.) Von dem
Chur-Sächsischen Hof aus Dreßden melden Brieff vom 2. diß / daß Herr Schulenberg
Chur-Brandenburgischer Envoye daselbst Audientz gehabt / welcher darbey Ihr.
Churfürstl. Durchl. von Sachsen ein Proposition gethan / wegen einer
defensiv-ligue unter den Protestanten / ingleichem was gestalt die
Mißverständnussen zwischen den Fürsten von Sachsen. Mörseburg und Zeitz könten
assoupiret und abgethan werden.
(Westphälischen Craises Geschichten.) Aus dem
Westphälischen Craiß haben die Brieffe von der Stadt Cöln über das / was im
vorigen Monat in Sachen selbiger inhafftirten Auffrührer wegen gemeldet / noch
ferner eingebracht / daß nach Hinrichtung der 2. Rädleinsführer / benantlich deß
Gülchs und Sachsens man den 6. darauff angefangen habe / deß ersten schöne
Behausung einzure???ssen. Den 7. darauff Nachts habe man noch 10. à 12. Personen
gesucht / umb selbige zu denen bereits inhafftirten 20. andern Burgern
einzulogiren / man habe aber niemand gefunden / deßwegen dero Häuser mit
Soldaten besetzet worden. (Cölnische Pändel.)
Indessen fahren allhier die Käys. Herren Subdelegirte in dem Inquisitions-Werck
noch gar fleissig fort / und umb desto ehender an ein End zu kommen / so haben
dieselbe zwey Tage nach einander einige von den inhafftirten Burgern durch
Soldaten zu sich führen / und selbige eine geraume Zeit examinirt, nach solchem
aber wieder in ihre vorige Gefängnuß führen lassen / auch seynd deß hingerichten
Sachsens Kinder dieser Stadt verwiesen worden. Sonsten wird viel geredet von
einem neuen Cometen / so sich nach (Printz von Murrbach
gebet mit Tod ab.) der Sonnen Niedergang sehen lasse. Den 5. hat der
Printz von Murrbach nach ausgestandener langwürigen Kranckheit im 28. Jahr
seines Alters diese Zeitlichkeit gesegnet / dessen Leichnam balsamiret / und den
16. mit gewöhn [199] lichem Pomp
beerdiget worden ist. Mithin gehen die Werbungen vor Ih. Käyseel. Majest. dahier
sowohl als zu Aachen sehr wohl von statten / also daß die verlangte Mannschafft
ehistens complet seyn wird. Den 25. haben (Der
Pfaltzgraf von Renburg langt bey Chur Cöln zu Bonn an.) Ihr
Churfürstl. Durchl. von Cöln mit dero Hoffstatt und 12. Kutschen Ihr. Fürstl.
Durchl. zu Pfaltz-Neuburg in dero Residentz Bonn eingeführt / und den 26. umb 1.
Uhr Mittags von dar in Ih. Chursürstl. Durchl. Kutschen biß unter hiesige Stadt
führen lassen / einige Compagnien Bürger / wie auch die Soldatesca allhie seynd
2. Tag nach einander in armis gewesen / auch haben hiesige Burgermeisters am
Bord deß Rheins mit 2. Zuläst und einigen Flaschen Wein auffgepasset / umb Ihr.
Durchl. zu beneventiren, und damit zu regaliren / welche doch höchst-gedacht.
Ihr. Durchl. nicht rencontrirt, haben derohalben die 2. Faß Wein nach
Düsseldorff führen / und durch einen dorthin den 27. geschickten vernehmen
lassen / wann es höchst gedacht. Ih. Durchl. beliebig wäre / so solten einige
Deputirte von h???er dorthin geschickt werden / Ihr. Durchl. allda zu
gratuliren.
(Rieder-Sächsischen Erasses Geschichten.) Aus dem
Nieder-Sächsischen Craiß hat man mit Brieffen aus Lüneburg vom 9. dito / daß man
selbiger Orten noch immer wegen der differentien, so man mit der Stadt Hamburg
hat / allarmirt, und marschiren noch fast täglich einige in denen Quartieren
gelegene Trouppen über die Elbe / wie dann den 7. und 8. Hannoverische Trouppen
hierdurch passirt / welche ihren Marsch vermuthlich auch dahin nehmen / so
sollen auch die Wolffenbüttelischen zu marschiren beordert seyn / sonsten ist
dahier nicht viel zu (Lüneburgische Zufäll.)
melden. Ein besoffener Bauer aus Ultzen fället im Schlaff vom Wagen / und wird
von einigen Schäffershunden gefunden / welche ihm die Kehle abgebissen / und
halb auffgefressen. In dieser Gegend hat sich einer den Bauch aus desperation
auffgeschnitten / so gar daß ihme die Därme heraus gelauffen / wird aber bey
solcher an seinem Leib verübten Mordthat ertapt / und ferner gehindert / man hat
ihm den Bauch wieder zugenähet / er lebet noch / kan essen und trincken /
welches er mit einigen Zeichen zu verstehen gibt / ligt aber gantz sprachloß
darnieder. Eine gefangene Weibs-person hat bekant / daß ihre Mutter die Mörderin
ihres Kinds gewesen / werden also beyde ihr Trinckgeld bekommen. Der Hertzog von
Wolffenbüttel hat den 11. zwölff Compagnien zu Fuß mit allen Ober- und
Unter-Officiers abg??? dancket. (Ein Chur-Brandend.
und Königl. Schwerisch. Gerandier zu Zell angelangt.) Den 19. ist der
Chur-Brandenburgische Abgesandie Herr Ackenhauß incognito zu Zell arrivirt, es
bliebe aber sein Ankunfft nicht lang verborgen / und wurde deß folgenden Tages
in einer schönen Carossen mit 6. Pferden in Begleitung 6. Laqueyen zu Hoff
geholet. Den 21. kam auch ein Schwedischer Gesandter der Herr von der Kuhla von
Stade nach Zell / welcher [200] mit eben
solchen Ceremonien auffgeholet wurde / beyderseits affairen betreffen die
Hamburger differentien mit diesem Hochfürstl. Hause / und hoffet man / daß
endlich ein expedienz ausgefunden werden dörffte. Ihr Hochfürstl: Durchl. von
Holstein halten sich annoch zu Lübeck auff / und divertiren sich mit der Jagd in
den Lübeckischen Gütern / auffm Thurmhoff wird der Bischoffshoff vor selbige
praeparirt, so daß dem Ansehen nach Ihr. Durchl. daselbst noch eine zeitlang
bleiben wollen.
(Hamburgische Geschischten.) Von Hamburg seynd
Schreiben eingekommen folgenden Inhalts: Gleich wie Ih. Königl. Majest. von
Groß-Brittannien an hiesige Stadt geschrieben / also hat es gleicher gestalt die
Cron Schweden auch gethan / und dabey zu verstehen gegeben / daß man bey
jetzigen conjunctuten wegen der Lüneburgischen differentien sich mit keinem
Potentaten wider deß Käysers interesse engagiren möchte. Der Hertzog von Zill
hat einige Artillerie in die vier Landen bringen lassen / ob dieses geschiehet /
unsere Posten im Billwärder zu attaquiren / oder gar wie einige wollen / unsere
auff der Ober-Elbe liegenden Kreutzer nebst 2. armirten Schmacken in Brand zu
schiessen / weiß man nicht / indessen haben sie alles Fahrzeug zum Tattenberg in
Beschlag nehmen lassen. Was der Königl. Dähnische Minister Mons. Haxhausen wegen
angebottener mediation am Zellischen Hoff für Antwort erhalten / davon wird
unterschiedlich geredet; Es stehet zu verlangen / was der Schwedische Minister
Herr von Kuhla gutes daselbst ausrichtet / weilen Ih. Königl. Maj. von Schweden
sich diese Sach sehr lassen angelegen seyn / dann sie dieses Jahr das
Ober-Directorium in dem Nieder-Sächsischen (Hamburg
will auff hoher Pocentaten Mediation sich mit dem Hertzog von Zell in
Tractaten einlassen.) Craiß führen. Immittelst bleibt diese Stadt
darbey auff hoher Potentaten mediation mit dem Hertzog von Zell sich in
Tractaten einzulassen / wann derselbe zuvor seine Trouppen aus den 4. Landen
gezogen / und uns wieder einraumt. Den 20. hat der Magistrat die vom Kriegs-Rath
wegen der 2. gefangenen Officirer (so bey jüngster Lüneburgischer attaque ihr
devor nicht erwiesen) ausgesprochene Sentenz dergestalt moderirt / daß der
Obrist-Leutenant Manecke arquebusirt / dem Fendrich Petersen aber der Degen
zerbrochen werden solte / worauff den 23. mit dem ersten (nachdem er Tags
vorhero nach dem Hornwerck gebracht) die execution vollzogen worden / er (Execution an einem Obrist Leutenant und Fendrich in
Hamburg geschehen.) gieng sehr behertzt und freudig zum Tod / sein
Habit war ein langer Japonischer Schlaffrock / und nachdem er allen umbstehenden
Officirern adieu gesagt / sie alle umb Verzeyhung gebetten / auch der Stadt
Hamburg den 22. gleichfalls bey Eintrettung aus der Hauptwacht in die Kutschen /
alles Glück und Heyl angewünschet / hat er ihm selber die 4. Soldaten / so ihm
den Dampff gethan / erwählet / ihnen die lincke Brust gezeigt / sagende /
sol [201] ches sey das Ziel /
welches sie treffen solten / die auch ihr devoir sehr wohl gethan / so daß Knall
und Fall ein Ding gewesen. Nachgehends hat man ihn im schwartzen Schlaff-Tabbert
auff sein ehmahliges Begehren also in Sarck geleget / und Abends in S. Pauli
Kirch für der Stadt auffm Hamburger Berg begraben. Am Fenderich Petersen wurde
gleicherweiß eben diesen Tag das aus gesprochene Urtheil vollbracht / vermög
dessen er offentlich zum s. v. Schelmen gemacht / wobey sein Degen durch den
Prevost vor den Knyen zerbrochen / ihme ins Gesicht gespyen / und also ein
Consilium abeundi (Ein Käpsert. Abgesandter ist
daselbst arrivirt.) gegeben worden. Sonsten ist Herr Baron Freytag als
Käyserl. Gesandter mit vieler Bagagie dahier angelangt / welcher ein Spann
gelber Pferd 7. Stuck von ungemeiner Rarität bey sich hat / er soll als Mediator
der differentien, zwischen Ih. Durchl. dem Hertzogen von Zell und hiesiger Stadt
seyn / und wird der zu Zell auch angelangte Mediator Herr Graf Hörward / dessen
Suite biß in 60. Personen bestehet / dißfalls mit mehr gemeldtem Hn. Baron
Freytag correspondiren. Den 30. Morgens zwischen 3. und 4. Uhr entstund auff der
Neuenburg unweit der Schiffer-Gesellschafft eine Feuersbrunst / wurde aber /
GOtt Lob / nachdem einige Hintergebäu abgedrand / hald wieder gelöschet.
Das vierdte Capitel
Meldet von Königl. Frantzösisch-Spannisch- und Portugesischen Geschichten.
(Königl. Frantzösische Geschichten.) WAs die
Frantzösische Geschichten anbelangt / hat man mit Brieffen aus Pariß vom 21.
Martii folgendes: Der König ist durch die Artzney von Madame Daubrage so weit
reconvale cirt, daß Se. Majest. ult. Februarii wiederumb Audientz gegeben hat /
und ehistens im Stand seyn wird / auff die Jagd gehen zu können. Man versichert
/ daß ehistens durch eine Declaration allen geistlichen Personen / die würcklich
dem Dienst beywohnen müssen / anbefohlen werden solle / aller Charges und
Aembter / welche im geringsten strittig gegen ihre Bedienungen seynd / sich
(In Franckreich wird flarck zur See
ausgerüstet.) zu begeben / und zu entschlagen. Den 26. passato Nachmittags
umb zwey Uhren ist der Herr Marschall d’Estrades, deß Hertzogs de Chartres
Gouverneur gestorben. In diesem Königreich wild starck zur See ausgerüstet / und
equippiret, und ist denen Negotianten verbotten worden / keine Schiff aus [202] zuschicken; und wie man
vernim̅t / seynd schon die Galleren und Schiffe / davon man 2.
considerable Flotten formiren wild / fertig und ausgerüstet / sich unter Segel
zu begeben / auch haben der Marschall d'Estree und Hertzog de Mortemat Ordres
erhalten / der erste die Schiffe / welche im Ocean kreutzen sollen / und der
letzte die Galleren mit einigen Schiffen in der Mittelländischen See zu
commandiren / und unverzüglich sich zu selbigen zu erheben; ingleichem sollen
sich alle Officierers marschfertig halten / umb die jenige Ordres / so sie
empfangen werden / zu vollziehen. Aus Portugall hat man / daß daselbst die 2.
Poln. Printzen von Radzevil angelangt / aber bey selbigem König noch keine
Audientz gehabt hätten / weilen der Hof nicht zu Lisabonna / sondern noch zu
Salva terra sich auffhalte. Die Kinder deß Hertzogs de la Force, welche bey
denen Jesuiten gewesen / haben der Reformirten (Denen
Prälaten so Glieder deß Röm. Reichs seyn / wird verbotten die Qualität als
Fürsten deß Reichs anzunehmen.) Religion abgeschworen. Man hat denen
Proelaten / welche vor diesem Glieder deß Röm. Reichs gewesen / anjetzo aber
unter deß Königs Gehorsam seynd / verbotten / die Qualität als Fürsten deß
Reichs zu nehmen. Man hat Nachricht erhalten / daß unser Ambassad. Sr. Girardin
den 10. Jan zu Constantinopel angelangt / und den 24. dito daselbsten seinen
offentlichen Einzug gehalten habe. Der König hat dieser Tagen 12. neue
Brigadiers / sowol zu Pferd als zu Fuß gemacht / so mehrentheils Obrist
Leutenants gewesen seynd. Man proeparirt gegë Ostern ein Carousel bey Hof /
welches in 40. Edelleuten und so viel Dames bestehen / welche letzten in
Schlitten lauffen sollen; so wird auffs neu von einigen Lägern in Flandern und
in dem Elsas geredet. Die neue und engere off- und defensiv-Alliantz / welche
zwischen Franckreich und der Cron Engelland geschlossen worden / weiß man noch
nicht / gegen weme solche gestellt seyn mag. Von Freyburg seynd 2. Deputirte
anhero kommen / man weiß aber noch nicht / was sie begehren. Brieff von Toulon
vom 1. dieses melden / daß daselbst die 7. Kriegsschiffe / 4. Gallionen (Mons. de Mortemar sieher mit seinen Golleren zu Tonlon
segelfertig.) und einig ander Fahrzeug segelfertig stehe / und daß
Mons. de Mortemar General der Galleren / welcher selbige commandiren solle /
sich folgenden Tages zu Schiff setzen und auslauffen wollen / er wird den
General Leutenant Sr. Tourville, und zum Chef der Escadre den Herrn Chevalier
d’Ambrefille unter sich haben. Das armament, so in den Ocean destinirt, wird in
12. grossen Kriegschiffen bestehen / so Mons. le Vice-Admiral d'Estree
commandiren / und unter sich den Marq. d’Estree seinen Sohn und zu General
Leutenants die Hn. Hn. Gabaret und Forrant haben wird / und wie man sagt / solle
Mons. de Preville zu einer weit grössern Flotte zuruck behalten werden. In denen
Gebürgen der Lucerner Thäler stehen bereits 4000. gewaffnete Männer von der
Reformirten Religion beysammen / nebst sehr viel [203] bey sich habendem Gewehr haben sie auch biß 8000. Säcke Korn /
dörffte dannenhero es dorten mit denen Savoyschen Völckern Händel setzen; weilen
alle Hertzogliche Trouppen dahin commandirt worden seynd. Der so genante und
vortreffliche Mahler Pititeau ist zwar in das Fort Evesque gefangen gesetzt
worden / weilen er der protestirenden Religion nicht abschwören (Die neue Schein-Catholische in den Sevennes werden
überfallen / und deren bey 400. massacriret.) wollen / doch wieder
entlassen worden. Die neue Röm. Catholische in denen Sevennes / davon der meiste
Theil noch die principia und Ursprünge ihrer vorhergehenden Religion behalten /
haben sich in heimlichen Oertern in 7. à 800. starck versam̅let /
allwo sie ihr Gebet und Communion / gleich wie in denen Kirchen / verrichtet /
welches den Intendanten von Basville obligirt hat / einige Völcker dahin zu
schicken / selbige zu überfallen in ihrem Gottesdienst / als aber besagte
commandirte Völcker gesehen / daß obige sehr starck gewesen / haben sie sich
zurück gezogen / und seynd auff Befehl ihres Commendanten in Hinterhälten auff
die Pässe verleget worden: wie nun die Leute wieder von ihrer Andacht nacher
Hauß gehen wollen / und einer diesen / der ander einen andern Weg / und also
zerstreuet genommen / haben sie die Königl. Völcker überfallen / und deren über
400. getödet / und die übrigen fast alle gefangen / welchen letzten der
Intendant nun ihren Proceß machen läst. Der Chur-Pfältzische Secretarius hat
auff sein übergebenes Missiv von dem Herrn de Croissy noch keine Antwort
erhalten. Der König hat die 50000. Pfund / welche er vor jegliche opera gegeben
/ anjetzo vor die arme neulich Bekehrte destinirt. Unterdessen bleibt dessen
Reise vor dieses Jahr eingestellt / zumalen Se. Maj. noch nit vollkommenen
Stands ist / die Reise-fatiquen und Beschwehrnussen auszustehen. Der Hertzog von
Orleans hat resolvirt / den Herrn Moras Praesident au Mortier in dem Parlament
zu (7000. Mann werden dem Hertzog von Savoyen wider
die Protestanten im Lucerner Thal zu Hülff geschickt.) Metz / als
Envoye an den Chur-Pfältzischen Hoff zu schicken. Die 7000. Mann / welche der
König dem Hertzog von Savoyen geschickt / seynd im Marsch / und müssen den 19.
dieses auff dem Rendezvous bey Sitsen in Savoyen seyn / umb sich daselbst mit
deß Hertzogs Völckern / deren eben so viel seyn werden / zu conjungiren. Mes
Demoiselles d’Angeau, de la Forest, & de Chaut, und Madame de la
Sabliere, welche sich gewaget / und in Cavalliers-Kleydungen gesucht aus dem
Königreich zu entkommen / seynd bey Plois ertappet worden / und werden in die
Klöster geführet. Den II. hat man in der Meß zu Sr. Germain 3. Beutelschneider
gefangen genommen. Den 13. hat der Graf von Quaylus, Mademoiselle de Murce, der
Madame de Maintenon Verwandtin geheyrathet: der König hat den Heyraths-Contract
unterschrieben / und der Braut 100000. Livres gegeben / und den andern Tag von
der Hochzeit hat Se. Maj. selbiger eine Schnur Perlen [204] 10000. Rhlr. geschicket. Madame de la
Haye, Gemahlin von unserm Ambassadeur zu Venedig ist von dannen über Loretto
nach Rom verreist / und ist willens von dorten wieder anhero zu kommen. Von
Constantinopel hat man mehrmalen Brieff von Mons. Girardin selbsten erhalten /
welche referiren, daß er willens sey nacher Adrianopel zu gehen / umb zu
hintertreiben / daß er nicht mit dem Groß-Sultan nach Griechischweissenburg
reisen darff; seine Gemahlin aber werde zu Adrianöpel verbleiben. Madame de
Guilleragues wird mit dem Schiff / welches Mons. Girardin nach Constantinopel
gebracht / wieder anhero kommen. Der neue Groß-Vezier hat Erlaubnuß erhalten /
aus deß Groß-Sultans Schatz 30. Millionen zu nehmen / und Völcker zu werben. Der
Polnische Resident werde zu Adrianopel noch gefangen gehalten / und bekäme deß
Tags mehr nicht zu seinem Unterhalt / als (Der
Englische Envoye erhaltet auff sein drittes Memorial wegen deß Fürstenthums
von Oranien abermal abschlägige Antwort.) 200. Aspres. Der Engl.
Envoye Sr. Trumbald hat auff sein drittes Memorial, so er wegen deß Fürstenthums
Oranien an hiesigen Hof übergeben / eben solche Antwort wie auff die 2.
vorhergehende erhalten. Der Marschall d'Estrée dörffte wohl mit seiner Flotte
etwas gegen die Spannische aus Indien kommende Flotte vornehmen / dafern die
Sache wegen deß Schiffs zu Corunna nicht verglichen wird. Die Mouvementen der
Trouppen von Pigneroll / Casal und Dauphine nach der Marggraffschafft von Saluce
haben nit allein eine grosse apprehension an den Gouverneur von Mayland (welcher
sich der Trouppen / deren er einen theils abgedancket / theils auch denen
Venetianern (Mayland und Genua schöpffen ombrage wegen
der Frantzös. Mouvementen nach der Marggräffschafft Saluce.)
zugeschickt / entblösset befindet) gegeben / sondern auch die Republic Genua
noch mehr allarmirt / insonderheit da dieselbe Nachricht erhalten / ob solte
sich ein gebanneter Genueser zu Turin auffhalten / und wie die gemeine Rede
gehet / einige pension von der Inquisitorey haben / welcher das Gouvernement
informirt hat / daß der Hertzog von Savoyen das vorgestellte Accommodament zu
Beylegung der zwischen ihm und der Republic habenden Strittigkeiten abgeschlagen
/ damit er die Gelegenheit umb die alte differentien zwischen denen beyden
Staaten zu legen / observiren, und sich bey diesen conjuncturen gar wohl der
Waffen seiner Alliirten bedienen könte / daß er dabeneben glaubte / daß der
Frantzös-Ambassad. keinen Durchzug durch dero Landen gesucht hätte / und allein
gleich wie die Römer vormals bey der Wiederkunfft aus Franckreich gethan haben /
die Passagen zu entdecken / und durch ein solch Mittel ihre Trouppen mit vivres
und ammunition, welche man nit leicht zu Land aus diesem Reich dahin wird
bringen können / zu versehen. Nachdeme nun die Republic diese Nachricht der
Warheit gemäß zu seyn erachtet / hat dieselbe einige Trouppen umb ein Auge auff
die Gemeinde zu haben / wie auch einen General-Commissarium (welcher in [205] Qualität als ein Inspector das Volck
auff den Frontieren der Provintzienlin ihren friedsamen Gedancken conserviren
soll) nach Savona gesandt. Der berühmte Bildhauer von Marsilien / welcher das
Marmorsteinerne Bild deß (Deß Königs Bildnuß aus
Marmor verfertiget wird nacher Pariß gebracht.) Königs zu Pferd 10.
Schuh hoch aus 4. Stücken / die er sehr künstlich zusammen zu fügen weiß /
gemacht / hat solches anhero bringen lassen. Der Marmor deß Bildes ist dermassen
künstlich gemahlet / daß es vollkommen einem lebendigen Menschen gleichet / und
gehet die Farbe wol einen Daumen dick in den Marmor / ohne dessen Glantz und
durchscheinen in dem geringsten zu verdunckeln: Das Pferd ist Mäusefahl / und
das Bild selber mit einem grauen Rock mit Galonen bordirt / und dermassen nach
dem Leben gemacht / daß kein Mahler es jemal so natürlich abbilden könte / so
kan es auch durch die unterschiedliche Veränderungen der Lufft keinen Schaden
leyden.
(Spannische Geschichten.) Madritter Brieff melden
/ daß die angefangene grosse Reformation am Spannischen Hof einige Millionen dem
Königl. Schatz einbringen / weilen man befunden / daß viel Grosse dem König
müssen erlegen / als nemlich der Marq. d' Astorgas 20000. Ducaten / der Graf von
Montery 10000. der Marq. de los Velos 40000. der Hertzog von Alburquerque 30000.
der Hertzog von Pastrana 30000. der Connestabel von Castilien 30000. und andere
grosse Herren mehr nach advenant. Der Hertzog von Bourneville soll auch etwas
müssen heraus geben / wiewol er sich entschuldigt / daß er vielfältige Dienste
der Cron erwiesen. Vor einigen Tagen arrivirte ein Frantzös Intendant de Marine
allhier / welcher auff Cadix reiset / auffs füglichste die Sachen der Indulte
beyzulegen. Es hat sich ein sichere Person erbotten / den Pallast mit 40000.
Ducaten mit allem überflüssig zu unterhalten. Der Genuesische extraordinari
Envoye Don Marco Antonio Grillo hat bey dem König / der Königin und Königl. Frau
Mutter seine Abschieds-Audientz bereits gehabt / und wird über Pariß wieder nach
Hauß kehren. Ungeachtet (Der Käys. Ambassadeur wachet
instan???ien wegen deß Zehendes der Griftlichen Güter.) der Käyserl.
Ambassad. nebst dem Päbstl. Nuntio Durazzo grosse instantien machen / so ist
doch das Päbstliche Decret vermög welches die Spannische Geistlichkeit den
Zehenden zu dem Türckenkrieg contribuiren sollen / noch nicht exequirt, weil die
von Toledo an Jh. Königl. Maj. darwider supplicirt, und den armseligen Zustand
ihrer Einkünfften vorgestellet / und daß sie solcher gestalt gar an den
Bettelstab gelangen würden / welches ihnen auch wol zu glauben / weil Ihr
Ertz-Bischoff nicht mehr einkommens hat als tausend Ducaten alle vier und
zwantzig Stund / und die andere Proelaten nach advenant, glaubet man also nicht
/ daß sie etwas erhalten werden / ob sie gleich vorschützen / daß dergleichen
noch niemalen geschehen ist. Vor einigen Tagen gab der Päbstl. Nuntius Ordre /
umb das Frantzös. Schiff von [206] Dünnkirchen / so zu Corunna angehalten worden / mit seiner Ladung und
sonderlich das Silber zu entschlagen; jedoch mit dem Beding / daß der (Der Päbstl. Nuntius wil das angehaltene Frantz. Schiff
zu Corunnam auff gewisse Conditiones wieder frey geben.) Frantzös.
Ambassadeur Versicherung geben solte / daß man in Flandern keine Represailles
verüben / sondern die Strittigkeiten wegen Hennegauen / durch Deputirten in der
Güte vergleichen wolle; weiln aber gemeldter Ambassad. geantwortet / daß er
nichts versprechen könte / er habe dann zuvor deßfalls von seinem König Befehl /
wiewol er nit zweiffelte / es würden Se. Aller-Christlichste Majestät die
Hostilitäten einstellen / sobalden nur Spannien wegen der Frantzösischen
rechtmässigen Anforderungen Satisfaction würde gegeben haben; als weiß man nicht
/ ob gemeldten Päbstlichen Nuntii ordre executirt werden wird.
Das fünffte Capittel
Begreiffet die Königliche Engell-Schott- und Irrländische Historien.
(Engelländ. Geschichten.) BEy denen Königlichen
Engelländischen Geschichten bedienen wir uns / wie gewöhnlichen / deß Berichts
von selbiger Hauptstadt Londen / worvon die Brieff nachstehendes eingebracht.
Den 31. passato empfiengen Ihr. Majest. Nachricht / daß / ungefähr 500.
wohlgewaffnete (500. Tumultuanten halten sich in einem
Wald auff.) Männer unterm Commando eines Capitains Nahmens Wythe sich
in dem Wald auffhielten / woselbst sie von keiner Reuterey attaquirt werden
könten / worauff der König umb hierinn besser informirt zu seyn / den Leutenant
Walter dahin gesandt / davon Bericht zu thun. Indessen verwundert sich man nicht
wenig / daß so eine Hand voll Volck so stoltz und vermessen ist / und sich so
nahe anhero nach Londen / und so weit von der See wagen darff / weßhalben man
dann auch hoffet / daß sie ehist geschlagen und zerstreuet seyn werden. Der
bekandte Saxon / so wegen deß Meinaids sein Urtheil nunmehro außgestanden / soll
hierauff nach Westen gesandt / und daselbst ebenfals / umb daß er in deß
Hertzogs von Montmouth Lager gewesen / für Recht gestellet werden. Den 12. ist
der Ertz-Bischoff von St. Andreas und der Bischoff von Edenburg allhier
ankommen. Von Schaffsburry (Grosse disordres unter der
Soldatesca.) in Davonschire wird geschrieben / daß die daselbst
ligende Militz dieser Tagen die Thüren deß Gefängnusses auffgeschlagen / und
einen Soldaten / so Schulden wegen gefangen gesessen / mit Gewalt auff freyen
Fuß gestellt. [207] Eine andere Parthey von
80. Mann hat in der Graffschafft Sommerset / unterm Schein jemand zu suchen /
das Hauß Jennings gäntzlich außgeplündert / und nicht das geringste darinn
gelassen / und kommen von dergleichen disordres fast täglich Klage ein. In
künfftiger Session von Devonschire soll Mons. Edmund Prideax ein vornehmer
Edelmann wegen hohen Verraths / und in der Session von Sommersetshire Mons.
Georg Speack / (Deß Hertzogs von Montmouts Güter
werden von den Pairs zu Edenburg vor verfallen erkläret.) umb daß
selbiger dem Mons. Trenchard zu seiner Flucht behülfflich gewesen / für Recht
gestellt werden. Von Edenburg hat man / daß seither jungst die Proceduren gegen
den Hertzog von Montmouth / soviel seine im Königreich ligende Güter betrifft /
fortgesetzt worden / und haben die Pairs, so zu Richter erkohren / ihn deß hohen
Verraths schuldig / und also solche Güter vor verfallen erklärt. Der Hertzog von
Gordon ist zum Gouverneur deß Schlosses zu Edenburg gemacht worden. Die Patenten
zu einer General. Collecte seynd nun durchs grosse Sigul passiret / werden
anjetzo getrucket / und sollen ehistens in alle Provintzien abgeschickt werden.
Der Hertzog von Craffton hat bey dem König Erlaubnuß gesucht / umb diese
Campagne in Ungarn zu passiren / so ihm auch dörffte gestattet werden. St.
George Tag als der Krönungs-Tag Ihro Majest. solle mit grossen Solennitäten
gefeyert werden. Die Predigten / so eine Zeithero in allen Kirchen / und auch in
deß Königs Capell zu Witthal geschehen / seynd sehr modest gewesen / und haben
die Prediger ohn einige Controversien zu berühren / die Gemeinde allein zu ihrer
Pflicht gegen GOtt / und Ihro Majest. zu vermahnen gesuchet. Sonsten hat man
einige Brieffe mit diesem Titul: Antwort auff die Schrifft / so durch den jüngst
verstorbenen König gesagt wird / geschrieben zu seyn / auff (4. Frantzös. Schiff werden zu Douvres arrestirt.)
den Strassen gefunden. Auff Königl. Befehl seynd zu Douvres 4. Frantzösische
Schiffe arrestirt worden / indeme sie verschiedene mahl gegen die Gesetze deß
Königreichs Wolle eingeladen / und solche aus dem Lande führen. Weiln nicht
allein der Doctor Walcker / Haupt von der Universität zu Oxforth / sondern auch
der Vice-Cantzler selbiger Stadt / die Römisch-Catholische Religion angenommen /
als haben die daselbstige Studenten diesem letzterm die Fenster eingeschlagen /
und setzen sich im Stand noch mehrere Ding zu unternehmen / weßhalben deß Grafen
von Petersborough Regiment zu Pferd / dahin geschickt worden ist / solche
Unordnung zu stillen.
(Der König unterschreid eine Acte von einem General
Perdon.) Den 20. hat Se. Königl. Majest. einen General-Pardon vor alle
Rebellen in diesem Königreich (außgenommen 60. Persohnen / die der König nicht
darinn begriffen haben wil) unterschrieben. Der Graff von Nordhampton deß
verstorbenen Königs natürlicher Sohn hat Madame Luce ein reiche Dame
geheyrathet. Die Commissarien von Ihr. Hochmög. und In [208] structores der
Niderländisch-Ost-Indischen Compagnie / welche biß dato wegen der Differentzien
von Bantham allhier gewesen / haben den 22. ihr Abschieds-Audientz gehabt / und
seynd von dem König mit allen eusserlichen Zeichen einer Freundlichkeit / und
beliebten Antwort dimittirt, und beurlaubet worden Allen denen Officierern von
den Costuym-Häusern dieses Reichs (welche ihre Patenten von dem
letzt-verstorbenen König nebst einer pension aus den Königl Einkünfften
empfangen haben) seynd beordert ihre Patenten von sich zu geben / und neue / umb
nur allein durante beneplacito Regis, und ihre Aembter ohne die pensionen zu
bedienen / zu empfangen / zumalen Ihr. Maj. zu Bezahlung der von Ihro Herrn
Brudern promittirten (4 Capital-Schiff und so viel
kleine Fregaten st???d nach Ost-Indien abgefahren.) pensionen nit
wollen gehalten seyn. 4. Capital-Schiff und so viel kleine Freggaten von unserer
Ost-Indischen Compagnie seynd alle abgefahren / umb auff Tryaman (auff der West
Küst von Sumatra allererst ihr mitgenommene Mannschafft 7. à 800. starck an das
Land zu setzen) posio zu fassen / und folgends deß Accords / mit deß Volcks
Regierung allda eine considerable fortresse auffzuwerffen / und dann ferner mit
ihren Kauffman̅schafften die Reise nach Suratte oder die Küste von
Bengale zu nehmen: Noch 3. andere Schiffe mit grobem Geschütz / womit auch die
andern wohl versehen seynd / liegen fertig / auch dahin zu seglen / und solle
viel Proviant / gläserne Handgranaten / und soviel Soldaten mitnehmen / daß sie
mit obgemeldten 1200. Mann ausmachen. Täglich kommen allhier viel neue Bücher
(Viele ??? Catholische Bücher in Engelland
gedruckt.) vor den Tag / so durch deß Königs Buchdrucker gedruckt
werden / so offentlich zu kauffen seynd / und seynd deren noch viel unter der
Presse: unter denen so bereits heraus gekommen / sind die von der Meß / S.
Brigitt. Gebetter / die Schlüssel vom Pa???adeiß / das N???tz vor
Menschenfischer / der Todstein vom Reformirten Evangelium / ein Catechismus /
ein extract von der heiligen Schrifft / und ein Buß Catechismus: und unter denen
/ so noch unter der Presse seynd / ist eine Bibel / genannt die Douayse. Die
Guarde deß Königs soll hinfüro doppelt Gewehr führen / nemlich die Pickenirer
Pistolen / und die Musquetirer Poniarten oder Dolche. Der Lord de la Mere,
welcher seine beschuldigte hohe Verrätherey so löblich defendirt, und daran
unschuldig gefunden worden / ist bey seiner Ankunfft in der Grafschafft von
Chester durch eine grosse Anzahl deß vornehmsten Adels zu Pferd (Die Sindenten zu Orfort flifften grosse Unruhe.)
vortrefflich bewillkom̅t worden. Zu Oxforth ist unter denen
Studenten noch eine grosse Unruhe / und haben sich diese mit einem Eyd sehr vest
zusammen verbunden / begehren / daß der Vice-Cantzler und Magnificus der
Universität allda abgesetzt werden sollen / welche aber dagegen in ihrer
Bedienung bereits confirmirt seynd. Aus Dublin vernim̅t man / daß
der 16. [209] Tag deß jüngst abgewichenen
Monats als der jenige Tag / da unser König in der Cron succediret / daselbst mit
grossen Solennitäten gefeyert worden sey / worbey folgende Ceremonien
vorgegangen.
(Der Tag von Succession deß Königs in Engelland wird zu
Dublin hochfeverlich begangen.) Deß Morgens gieng selbiger Vice - Roy
nach der Kirch / woselbst er den Lord Major, und 2. Edelleuth mit allen
Ceremonien zu Rittern schlug. Voran marchirte ein Troupp Granadirer / und 2.
Trouppen zu Pferd. Die Strassen von Castell diß an die Kirch waren zu beyden
Seiten mit der Leibguarde besetz / darauff folgten zu paaren die Ritter /
Schildknappen / und Edelleuth / hinter ihnen einige Schwerdträger / und die
Trompeter deß Königs blossen Haupts / 3. Botten in ihren Röcken mit den Wappen
zu Pferd / blossen Haupts. Der Stewart und Controlleur zu Pferd mit weissen
Stäben / blossen Haupts; das grosse Sigel zwischen 2. Sergeanten / vom Wappen
mit ihren Stäben zu Pferd / blossen Haupts. Der König der Wappen in deß Königs
Wappen - Kleider zwischen den Edelleuthen blossen Haupts: das Schwerd / so der
Graf von Claurickard getragen zu Pferd / so dann der Vice - Roy, welchen zur
rechten Seiten die Secretarii zu Fuß blossen Haupts und zur lincken die
Edelleuth zu Pferd begleitet: Der Ertz - Bischoff dieser Stadt / und Lord primat
waren Unpäßlichkeit halber nicht bey diesem Actu, dannenhero ritten hinter dem
Vice - Roy alsobald die Grafen und Marggrafen / Barons, geheime Rathsherren /
Richter und andere Bediente zu paaren. Nach der Predig kehrten Se. Excell. auff
gleiche Manier wider nach dem Castell / woselbst sie den Adel sehr herrlich
tractirten / und liessen sie sich von ihren Pagen auff den Knien bedienen.
Nachmittags giengen Se. Excell. wieder in die Kirchen / indessen proclamirte der
König der Wappen den Titul deß Königs in Lateinisch - Frantzösis. und Englischer
Sprach / welches endlich alles mit blasen der Trompeten / Lösung deß Geschützes
und Musquetiren / Läutung der Glocken und Ansteckung vieler Freuden-Feuer
beschlossen wurde. So weit die Brieff von Dublin.
(Der Königl. Perdon komt zu Londen an Tag.) Der
Königl. Pardon ist zu Londen nun publicirt worden / worinn bey 118. Persohnen /
darunter bey 50. Frauensleuth begrieffen / und theils unter 10. theils aber
unter 20. Jahr alt seynd / auch werden uber dieses noch viel andere Persohnen
expresse mit Nahmen hiervon außgesondert / so daß man es nicht recht verstehen
kan. Die Hertzogin von Nordhumerland / so sich lang in Franckreich auffgehalten
/ ist nun wiederumb bey ihrem Gemahl dem Hertzog arrivirt. Der Lord Petersbourg
gehet in gewissen Affairen nach Franckreich / und sagt man / daß er gleich
nach [210] seiner Wiederkunfft zum
Hertzog declarirt werden soll. Der Frantzös. Abgesandte hat dem Doctor Levvis
5000. Pfund offerirt / dafern er seinem hohen Principalen zu vollkommener
Gesundheit wieder verhelffen würde / aber es scheinet / daß besagter Doctor
schlechten Lust darzu habe.
Das sechste Capittel
Sagt von Schwedisch- und Dähnischen Fügnussen.
(Dähnische Geschichten.) DIe Brieff von
Coppenhagen bringen neues / daß Ihro Königl. Majest. von Dennemarck resolvirt
haben / gegen den Frühling 24. Kriegs-Schiff außrüsten zu lassen / wie man dann
würcklich 23000. Mann zu Fuß / 5000 zu Pferd / und 900 Dragoner auff den Beinen
hat. Immittels haben Ihro Königl. Majest. einige Trouppen nach der Elbe beordret
/ welche die Lüneburgische / so in dem Hamburg. Territorio posto gefasset /
haben beobachten sollen. Zu Helsignör fallen die Leuth ohnerachtet deß noch
kalten Wetters in sehr schleunige Kranckheiten / worbey sie so fort rasent
werden. Den 2. hat sich ein Weib wollen die Gurgel abschneiden / wein aber das
Messer zu stumpff gewesen / ist sie dermassen zornig worden / daß sie ans Wasser
gelauffen / sich hinein gestürtzt und darinnen ersoffen ist. (Franckreich wil ein off- und defensiv-Alliantz mit
Dän???nemarck schliessen.) Sonsten wendet man Frantzös. Seiten allen
Fleiß an / hiesigen Hoff zu einer off- und defensiv - Alliantz zu bereden; aber
umbsonst / und ist man entschlossen / mit niemand / als Chur - Brandenburg so
lang die Hollsteinische Strittigkeiten (umb welche zu endigen / man aber noch
ungewiß divulgirt / daß zu Hamburg eine Conferentz zwischen denen Königl. und
Hertzoglichen / nebst denen Schwedischen / Sächsischen und Brandenburgischen
Abgeordneten gehalten werden solle) nicht verglichen seyn / einige Verbündnuß
einzugehen. Man hat 4000. Tonnen Haber und ander Mund- und Kriegs - Munition vor
unsere Völcker nacher Hollstein abgesand. Der Holländ. Envoye Moring und
Resident werden hieselbst beyderseits noch eine weile verbleiben / umb die von
ihren Hnn. Principalen erhaltene Commision zu völliger Richtigkeit zu bringen /
obschon besagter Envoye seine Abschieds-Audientz unlängst gesuchet / und seine
Mobilien meist weg gesandt / in Meynung seine Reise nach Holland zu
beschleunigen. Die anhero von Hamburg gebrachte verbottene seidene Wahren
verursachen dem fahrenden [211] Botten / und
einigen hiesigen Burgern / viele Sorg und Schaden / massen sie recta wider Ihr.
Königl. Maj. Verbott peccirt haben. Diese Woch haben (2. Lacqueyen duelliren unwelt Coppenhagen.) sich 2. Lacqueyen / so
bey einem vornehmen General hie in Diensten gewesen / unweit Coppenhagen
duellirt, und so hitzig auff einander gestossen / daß der eine ohne das
geringste zu reden / auff der Stelle gefallen / und todt geblieben / der Thäter
ist darauff unverweylet wieder anhero gangen / zumalen seiner Meynung nach diese
That von niemand gesehen worden / es hat aber ein Bauer von ungefehr dieses
alles angesehen / und im Thor davon Nachricht ertheilet / darüber gedachter
Thäter von der Wacht arrestirt worde: es wird hierauf demselben ein kurtzer
Proceß gemacht werden. Diese Woche ist auch ein Musquetirer wegen einer
verwichenen verübten Entleibung decollirt (Der
Frantzöf. Ambassadeur Mons. Chiverny wird prächtig eingehe???let.)
worden. Den 25. Nachmittag umb 3. Uhr hielte der Frantzösische Extraordinari
Ambassad. Mons. Chiverny hie seine Entrée, er war mit etlichen 20. Carossen / so
alle mit 6. Pferden bespannet waren / eingeholet. Der Herr geheime Rath Give,
und Ober-Ceremonienmeister Herr Gerstorff empfiengen ihn / sein Hofmeister und
Pagen ritten vor seiner mit 6. Pferden bespanneten Carossen her / seine 6.
Heyducken giengen zu Fuß: bey der Norder-pforte / wo er einfuhr / wurden die
Stück gelöset / so feuert auch ein Schiff / so nicht weit von der Wester-pforte
in Callebor lag / er war durch die Kauffmacher- und Osterstrassen über deß
Königs grosse Marckt und so am Strande gegen das Königliche Schloß über nach der
Hochbrückestrasse gebracht / worinn er logiret, und biß den 26. Nachmittag
verblieben / und recht Königlich tractiret worden / aber in lauter Fischen /
weilen es in der Fasten ist / und ist dessen Logament von unten biß oben mit den
schönsten Tapezereyen bekleidet gewesen. Den 26. ist besagter Ambassad. mit
grossem Pomp nach Hof zur Audientz abgeholet worden.
(Schwedische Geschichten.) Die Brieff aus
Stockholm bringen advis / daß die Regimenter / so von der Cron Schweden nach
Ungarn destinirt, mit allem wohl versehen / und Ordre haben / gegen Ende deß
Aprilis auff denen Churländischen Gräntzen zu stehen / und dem Rendezvous
beyzuwohnen / zu dem Ende die (Der verwittidten
gewesenen Königin in Dennemarck) Officiers ohne Verzug zu ihren
Regimentern reisen müssen. Zu Malmö in Schonen ist vor wenig Tagen der Herr von
Bülou / der letzt-abgelebten Königl. Frau Mutter in Dennemarck gewesener Ober -
Marschall / allhier ankommen / welcher / wie man sagt / von seinen Mißgönnern
und Verfolgern (Oder Marschall flüchtet nach
Malmö???.) sich anhero zu reteriren gezwungen worden / umb Ihro Königl.
Maj. zu Dennemarck / und jedermänniglich seine Unschuld zu offenbahren / dem
Bericht nach soll in seinem Abwesen zu Coppenhagen gar hart gegen ihn [212] procedirt worden seyn. Indessen wird
dieser Cavalier / so von gutem Geschlecht / und allzeit einen guten Nahmen in
der Welt gehabt / und an dem man niemahls einige bassage gespürt / fast von
männiglich sehr beklagt. Hier seynd zwey falsche Müntz - Meister / ein Leutenant
/ und ein Goldschmids Gesell / weiln sie falsche Zwölffer - Stücke gemüntzet /
eingesetzt worden. Neulich trug sich ein artiger casus zu mit 2. gefangenen
(Ein Soldat entwischet aus dem Gefängnus zu
Stockholm.) Soldaten / welche wegen eines gleichen Verbrechen in ein
Gefängnuß zusammen gelegt worden / weiln sie sich aber nicht zusammen vertragen
konten / wurde der eine in ein ander tieff Gefängnuß geworffen / welchem aber
die tieffe Grube glücklich war / indem er ein altes Loch fand / durch welches er
sich in den Stadtgraben / und hernach in die Stadt salvirte / darüber sich
jederman verwunderte / wo er müste geblieben seyn / endlich aber / als er sich
einige Tage in der Stadt lustig gemacht hatte / stellete er sich in der Wache
wieder ein / mit dem vermelden / dieses mahl käme er so noch wieder / würde er
aber noch einmahl solche Gelegenheit finden / wolte er es wohl bleiben lassen.
Ihr. Königliche Majest. seynd diese Zeit her täglich im Rath / und mit
unermüdeten Fleiß bemühet gewesen / die neue Kirchen - Ordnung zum End zu
bringen / wie es dann auch darmit zur Richtigkeit gekommen ist.
(Die Deputirte der Stadt Ryga werden vergnüglich
abgefertiget.) Nunmehro seynd auch die Deputirte der Stadt Ryga / nach
dem sie sich wegen ihres Orths publiquen Angelegenheiten einige Jahren allhier
verweilen müssen / vergnüglich abgefertiget / und haben unter andern erhalten /
daß Ihro Königliche Majestät die Licenten in Ryga vermindert / und nicht höher
als auff zwey pro Cento setzen / auch dißfalls eine formliche Zoll - Taxa, so
durch den Druck publicirt werden soll / den Zoll - Bedienten so wohl / als den
trafiquirenden zur Nachricht verfertigen lassen / in welchen die Wahren nach dem
Werth und Preiß / wie sie jetziger Zeit eingekaufft werden / taxirt und
aestimirt seynd / welches zweiffelsohn den Zuwachs der Commercien deß Orths sehr
befördern wird.
(5. Meil von Stockholm wird ein stück Erde durch eine
Bewegung in einem gantzen stück außgeworssen.) Fünff Meil von hier hat
sich ein stück Erde durch eine sonderliche Bewegung in einem gantzen stück
außgeworffen / darüber sich jederman zum höchsten verwundern muß / absonderlich
da es so eben und glatt ist / als wann es mit Fleiß außgestochen wäre / und ist
das Loch auch eben so gleich / der gemeine Mann gibt ihm die Gestalt eines
Pohlnischen Säbels / und wil daraus einen Pohlnischen Krieg prognosticiren /
allein es sihet einem Pohlnischen Säbel im geringsten nicht gleich / und liget
es mit dem öbersten Ende zwey Elln / [213] mit dem untersten aber ¾ Elen vom Lager oder Loch / aus welchem es
ausgeworffen.
Das siebende Capittel
Schreibet von Königl. Polnisch - Moscowittisch-Türckisch- und Tartarischen Hoff-
und Kriegs-Händeln.
(Polnische Geschichten.) AUs Polen hat man / daß
Ih. Königl. Majest. einen remarquablen Brieff an den König in Persien hat
abgehen lassen / in welchem Ih. Königl. Maj. den Perstanischen Schach mit durch
dringenden Freuden zur Ruptur mit den Türcken / und die Christlichen Waffen
sothanig zu secundiren anfrischen. Zu Dantzig seynd neulich Vatter und Sohn
wegen (Grosse Hungersnoth in der Moldau und
Wallachey.) vielen Viehe-Diebstahls in Rühhäuten auffgehencket worden. Die
Armenische Kauffleut / so aus Orient anhero kommen / können das Elend / so in
der Moldau und Wallachey ist / nicht gnugsam beschreiben / indeme selbige Länder
nicht allein ihrer meisten Einwohner entblösset / und fast zur Einöde worden /
sondern es soll auch wegen Mangel deß Feldbaues so grosse Hungersnoth daselbsten
seyn / daß die auch übrige Menschen die Rinden von den Bäumen an statt deß Brods
essen / einige brauchen die Aeser zu Speisen / ja es machen andere an etlichen
Orten den Verstorbenen ein Grab in ihren Leibern / indem sie selbige ihren
Hunger zu stillen verzehren / so GOTT bessern wolle. Nachdem unser Praesidium zu
Sniatin wahr genommen / daß von den Türcken einiges Proviant nacher Caminieck
Podolsky geführet worden / haben sie darauff gepasset / und solches alles in
neunhundert (Böse Zeilung aus Podolien wegen Einfalls
der Tartarn.) Wagen bestehend weggenommen. Sonsten lauffen sehr böse
Zeitungen aus Podolien ein / wie daß die Tartarn bey diesem anhaltenden Frost
und Mondscheinenden Nächten unter Czerlenice eingefallen / viel Menschen und
Viehe geraubet / grossen Schaden verübet / und davon geeylet / und obwolen
unsere Compagnien ihnen den Weg verhauen wollen / welche auf sie bey Soporowiec
gewartet / haben doch die Tartarn sich auff Wastköw gewendet: So hat auch Herr
Lasko von der andern Seiten umb Niemerow auff sie gepasset / aber sie seynd
entgangen / und haben sich nach Bilograd begeben. Die Herren Weywoden von
Reußland und von Calis / nebst dem Hn. Castellan Belsky seynd anhero kommen /
umb denen Consiliis beyzuwohnen. [214] Die
auff jüngsten Reichstag wegen der neuen Edelleuten gemachte Constitution wird
nun zur execution gebracht / krafft welcher alle und jede disseit Anno 1652.
geadelt worden / und den Indignat bekommen / entweder in eigener (Die seither dem Jahr 1652. geadelte Polacken sollen in
selbst eigener Person wider den Erdfeind mit zu Feld ziehen / oder 5000.
Polnische Gulden erlegen.) Person mit zu Felde zu ziehen / oder einen
wohl-mundierten Hussaren stellen / oder 5000. Polnische Gulden erlegen sollen /
welches manchem übel zu paß kommen / ungeachtet es eine zim̅liche
Mannschafft und nicht eine geringe Summa Gelds auffbringen wird. Aus
Reusch-Lemberg laufft diese Nachricht ein / daß ob zwar die Moscowitter durch
Zusammenziehung ihres Volcks und andere erdenckliche Anstalten sich zu dem
Feldzug wider den Türcken starck rüsten / und an den Cham auch kostbare
Proesenten abgefertiget / so vernimmet man doch nichts destoweniger aus
unterschiedlichen Relationen / daß der Solymann Galga sich mit einer Armee auff
denen Gräntzen befinden thäte / und wolte damit die Käyserl. Armee in Ungarn
(Der nach Rom abgeschickte Courrier erhält gute
Resolution.) infestiren. Der von Ihro Königl. Maj. nacher Rom wegen
einiger Geldmittel abgeschickte Currier ist wieder zuruck arrirt / mitbringend /
daß Ihr. Päbstl. Heiligkeit mehrmalen uns zu Hülff und Fortsetzung deß
bevorstehenden grossen Türckenkriegs eine grosse Geld-Summa assignirt hätten.
Die Tartarn haben sich nach jüngst-gethanem Einfall zu dem Ende unweit Caminieck
postirt / damit die Türcken in gedachte Vestung ihr Proviant sicher einbringen /
und von den unsrigen hieran nicht verhindert werden möchten / nichts
destoweniger aber thun unsere Völcker bereits hierauff ein wachtsames Aug halten
/ solches auff alle Weise zu verhindern / wiewol sehr schwer (Der Cron-Kucheumeister gebet in Gesandschafft an den
Chur-Brandenb. und Sächsischen Hof.) einige Mannschafft auffzubringen
ist. Der Cron-Küchenmeister Herr Galeczky gehet als ein Groß-Gesandter an den
Chur-Brandenburgischen und Sächsischen Hof / umb allda wider den Erbfeind /
welcher (wie aller Orten her berichtet wird) sehr starck / und mit den meisten
Tartarn auff uns loß tringen will / einige Auxiliar-Völcker zu sollicitiren,
damit wir ihnen gnugsam Resistentz thun können / weilen der Frantzosen
Versprechen gegen uns nur ein lauter ungewiß Ding ist. Immittelst umb alles
zeitlich zu bevorstehender Campagne zu veranstalten / und die Infanterie
auszuzahlen / neue Recrouten zu machen / die Artillerie, so in 500. Stücken
Geschützes bestehen / und mit ins Feld geführt werden solle / parat zu haben /
einige Mund-Provision (König in Polen schiesset zu
bevorstedendem Türckenkrieg 400000. fl. aus seinem eigenen Beutel.) zu
machen / und 12000. Kleyder vor die Cossacken zu verfertigen / haben Ihro
Königl. Maj. dieser Tagen aus ihrem eigenen Beutel 400000. Gulden hergegeben /
worauff sich nunmehr alles zum Feldzug rüstet / und wird mit den Werbungen / die
überall in diesem Reich / als auch in Littauen mit Macht fortgehen / dergestalt
geeylet / daß ein jeder seine Compagni und Regiment gegen dem letzten von diesem
Monat fertig haben / und me [215] dio
Aprilis auff dem unter dieser Stadt angesetzten Randevous complet erscheinen
muß: An Volck / weil das Land dessen voll ist / fället kein Mangel vor / und
soll bey den Werbungen der Zulauff ungemein groß seyn / weilen gantz vest
gestellet bleibt / daß Ihr. Königl. Maj. in eigener Person der Campagne
beywohnen werden / also daß ein jeder nechst GOtt deßwegen einen glücklichen
Success vermuthend ist / welches der höchste verleyhen / und Ihr. Königl. Maj.
glorieuse Waffen wider den Erbfeind ferners kräfftiglich gesegnen wolle. Der
neuliche Uberfall der Tartarn soll so viel Schaden nit verursacht haben / als in
dem ersten Schrecken spargirt worden / wiewohl es auch nicht ohne Verlust
abgangen / weil diese Raubvögel / wo sie hinkommen / (Einige Polnische Tronppen werden diß Caminleck zu gehen beordert.)
nimmer was guts stifften. Nun sind unsere Trouppen unter dem Herrn Laska nebst
dem Mohila und den Cossacken biß vor Caminieck und noch weiter zu gehen /
beordert worden / umb revange zu suchen / von derer / GOtt gebe / glücklichen
Verrichtung / verhoffentlich mit nechstem soll gemeldet werden / unterdessen kan
man aus gewisser Kundschafft versichern / daß die Calmucker in Crym eingefallen
/ und daselbst mit Feuer und Schwerdt abermal ihrer Gewonheit nach / greulich
hausiren sollen / welches den Tartarn eine solche diversion machen kan / durch
welche sie unser dieses Jahr (5. Tartarische Espionen
werden unweit Lemberg ergrissen.) grossen theils zu vergessen möchten
genöthiget werden. Letztere Brieff von Lemberg bringen mit / daß man zu Wodzinur
5. Espions von den Tartarn ergriffen / welche jhrer Aussage nach in allen
Städten und vesten Oertern biß in Lemberg selbst gewesen / und von dieser Orten
Beschaffenheit Kundschafft eingezogen haben sollen / umb solches denen an der
Gräntz stehenden Tartarn zu hinterbringen / welche darauff einen gefährlichen
Streiff ins Land zu thun Vorhabens gewesen. Imgleichen berichten sie / daß die
Türcken bereits eine Brücke über die Donau verfertigen / und ihre beste
Mannschafft gegen dieses Königreich zeitig anzuführen gesonnen seyn. Der
Cossackische Obrister Poley war mit 80. Mann auff Parthey ausgegangen / biß
unter Hosovva, weil er aber starcken Tartarischen Partheyen begegnet / hat er
wenig verrichtet / und sich mit währender Hand reteriren müssen Dieser Tagen
seynd auch die Hn. Com̅issarten / welche nach Churland wegen deß
Stiffts Pilten verreiset gewesen / unverrichter Sachen wieder zurück gekommen:
(Der Hertzog von Churland sendet seinen Cantzler
an Kön. Polnischen Hof.) Der Hertzog von Churland sendet auch seinen
Cantzler den Herrn Portkammer nebst andern seinen Noblessen hernach hinauff
nacher Zollkiew / umb wegen verrichter Commission die Verantwortung zu geben /
allda von Adrianopoli ein Jesuit Pater Malehosch genant / welcher 4. Wochen
unterwegens zugebracht / auff Türckisch gekleydet / und biß in 6. Jahr lang
selbiger Gegend Missionarius gewesen / angelangt / welcher von unserm Re [216] sidenten bey der
Ottomannischen Porten Schreiben / aus Befehl deß Groß-Veziers anhero gebracht /
Inhalts / daß man dorten den Frieden verlange / und man dahier nur die
Conditiones / welche Ihr. Königl Maj. begehre (Woselbst
auch ein Jesuiter in gewissen Commissionen arrivirt.) / auffsetzen /
und dahin senden möchte: worauff den 10. Rath gehalten / in welchen der P.
Jesuit eingeführet / und ihme zur Antwort gegeben worden / daß man nicht könte /
noch viel weniger wolte / ohne unserer Alliirten Mit-Consens etwas tractiren.
Indessen ist bey Hof die Fastnacht in Mascaraden und tantzen celebrirt worden /
worbey auch eine Comödi mit Frantzösischen Balletten gehalten worden; Es ist
überaus herrlich und schön zu sehen gewesen / wie Ih. Maj. die Königin die Diana
proesentirte / welche die Nymphen und Wald-Göttinnen führeten / so an Kleinodien
und Tracht auffs schönste und herrlichste gezieret ware / so daß das Auge nicht
gnugsam sich hat sättigen können / sowol was das tantzen / als die bekleydeten
Satyren / die Sylvanen / und allerhand auffgerichtete Quellen betraff. Se.
Hoheit der Königl. Printz proesentirte / begleitet von andern Cavallieren / den
Vul. canum, welches überaus prächtig anzusehen war / alle haben ohne Masque
getantzet / und haben darauff bey einer langen Tafel die Herren Senatores, die
Dames / sambt der jungen Königl. Herrschafft das Mahl zu Abend gehalten. (In Polen werden viele Kriegs. Materialien vor die
Käpserl. in Vogarn zubereitet.) Sonsten wird vor die Käyserl. Völcker
in Ungarn so gar in Groß-Polen / ja wo man nur kan / Pulver auffgekaufft /
werden auch auff allen Eisenhütten eine grosse Summa von Bomben / kleinen und
grossen Granaten / wie auch auff 11000. verschiedener Sorten Stückkugeln
verfertigt / und über Sonca zu dem Herrn General Caprara abgeschickt / welcher
ver 12. Tagen würcklich unter Mongatsch gestanden.
Das achte Capitel
Redet von Italiänisch-meistens aber von den Venetianisch- auch wol Türckischen
Staats- und Kriegs-Affairen.
(Venetian. Geschichten.) DIe Brieffe aus Venedig
advisiren / daß aus Smirna confirmirt werde die promotion deß jüngst gemeldten
Golyman̅i zum Groß-Vezier (Solymann
von Arcegovina gedürtig wird Türck. Großvezier.) / der zu Arcegovina
gebürtig / und ein so grosser Feind der Christen ist / als ein Eyferer seines
Türckischen Unglaubens / so bald er diese Charge angetretten / hat er Patenta
neue Völcker zu werben ausgetheilet / [217] und in der Militz verschiedene Reformationes vorgenommen: Der jenige / so in
verwichenem Jahr Capitain Bassa auff dem Meer gewesen / ist zum Seraskier in
Morea ernennet worden / deme der Bassa zu Rhodis Nam ens Mazzemama succedirt /
zum Seraskier gegen Polen hat er Usain Aga declarirt. Den 3. ist ein Schiff aus
Dalmatien hier arrivirt / so fünff Tag auff der Reiß zugebracht / womit man hat
/ daß die Türcken sich hin und wieder versam̅len / in unser Land
zu fallen / welchem aber vorzubiegen der General Valier einige Mannschafft
commandirt hat. Der Antonio (Antonio Mutoni gehet in
Venetianssche Dienst.) Mutoni Conte di S. Felice, welcher 20. Jahr in
seiner Aller-Christlichsten Majest. Diensten gewesen / ist nun in unsere Dienste
getretten / er hat 20. Feuermörsel von einer neuen invention, und viel Bomben
giessen / auch ander Gewehr zurichten lassen. Aus Türckey hat man confirmation,
daß der Groß-Sultan an die Bassen von Damasco / Aleppo und Antiochia Befehl
gesandt / ohne Verzug so viel Volcks als möglich seyn werde / zu versamblen /
umb den gemeinen Pöbel / welcher in Arabia felix (wegen der grossen Aufflagen
und Tyranney der Türckischen Regierung) sich empöret / wieder in Ruh zu bringen
2. Edelmänner von Vincenza Namens Arnaldi, welche 100000. Ducaten zu denen
Kriegskosten wider die Türcken hergeben / seynd in den Venetianischen Adel auff-
und angenommen worden. Den 4. ist die Gallere / welche Ih. Excell. den Cevallier
Cornaro Extraordinari (Die so genante Pastrovicchi
empfangen die Türcken sehr übel.) General Proveditorn in Dalmatien
überführen soll / angekommen / womit man confirmation jüngst überschriebener
Zeitung erhalten / wie nemlich die Türcken in 600. Mann starck sich zusammen
gezogen / in Meynung die Pastrovicchi zu überfallen / unter dem Commando eines
Bassa von Albanien / es hätten aber besagte Völcker von dero Dessein zeitlich
Kundschafft bekommen / sich in gute Defensions-Postur gesetzet / und die
ankommende unberuffene Gäst dergestalt empfangen / daß / nachdem sie einen guten
Theil der ihrigen eingebüsset / sie die Flucht zu nehmen gezwungen worden /
denen dan̅
(Die Morlacken streiffen von Zara biß nach
Moschi.) die Pastroviechi tapffer in den Rucken gangen / und ihnen alle
ihre provision verbrennt haben. Ingleichem haben die Morlacken von Zara biß nach
Moschi einen Streiff mit so glücklichem Success gethan / daß sie nebst einer
zim̅lichen Anzahl Sclaven auch ein gute Beut gemacht /
worunter 2. Petrinen und viele Musqueten seynd / weche die Türcken in eine
Vestung haben führen wollen / weilen sie aber in der Wiederkehr vernommen / daß
der Feind mit einer starcken Parthey nachjagte / deren sie nit genugsame
resistence thun könten / haben sie umb sich desto füglicher reteriren zu können
/ vorbemeldtes Gewehr unter die Erde vergraben / und also wieder glücklich
zu [218] rück kommen. Den 6.
Abends ist der General Königsmarck Gubernator in Pommern dahier angelangt / so
als Volunteur bey letzter Campagnia in Ungarn gegen die Türcken gedienet / und
nunmehro mit Erlaubnuß seines (Derr Geueral Königsmarck
langt zu Venedig an.) Königs in unsere Kriegsdiensten sich begibt. Der
Cavallier Carnaro hat den 9. in Dalmatien seine Reiß angetretten / er hat 50000.
Ducaten bey sich / umb damit die in selbigem Königreich stehende Militz zu
bezahlen. Den 14. seynd die Spannische aus dem Mayländischen gekommene Völcker
gemustert worden / die Hannoverische werden auch in etlichen Tagen erwartet /
welche beyde nacher Zante geschickt werden sollen. Von Maltha vernim̅t (Zu Maltha bischicht eine eilfertige
Ausrüftung selbiger Galleren.) man / daß selbiger Großmeister Ordre
gegeben habe in aller Eyl die Esquadre Galleren deß Ordens mit Munition und
Vivres zu versehen / und in Begleitung 2. Kriegs- und einigen andern Schiffen
nach unserer Flotta zu senden / auff welchen 100. Reuter / 60 Granatirer / und
12000. zu Fuß embarquirt werden sollen. Mit einer Marciliana, so von Corfu
dahier arrivirt / hat man / daß daselbsten alles schon dergestalt zu grünen und
zu blühen beginne / als wäre es mitten im Majo / welches Wetter dann auch die
Ausrüstung unserer Armada zum auslauffen beschleuniget. Ihro Extell. der Herr
Capitain General hat den Sigr. Pisani mit 3. Schiffen / worinn allerhand Vivres
und Kriegs-Munition / nebst einer ansehnlichen Summa Gelds nach der Insul Candia
geschickt / umb die unsrige Vestungen (Alle Spannische
und Mayländische Officirs werden von dem Senat zu Venedig mit guldenen
Ketten regalier.) damit zu versehen. Es hat unser Republic alle so
Spannische als Mayländische Officierer / so anhero kommen / mit güldenen Ketten
regalirt / die gemeine Soldaten aber jeden mit anderthalb Ducaten beschencket /
worauff sie eingeschifft / und gegen Levante überführt worden seynd /
ausgenommen 200. Dragoner / so annoch allhier verbleiben / aber mit nechster
Convoy den vorigen folgen werden. Alle Feuerwercker / umb selbige von andern
unterscheiden zu können / sollen mit violfarben Kleydern / mit silbernen
Galaunen verbremt / montirt werden. Die Theurung zu Constantinopel nimbt von Tag
zu Tag zu / und liegen alle Commercien fast gantz darnieder / und ihr Bedrängnuß
umb so viel grösser wird / weilen Ihr Excell. der Herr Schiff-Capitain Venier
ihnen alle Zufuhr hemmet und versperret. Der Herr Andreas Cornaro Procurator zu
S. Marco, hiebevor Generalissimus in Candia hat dieser Tagen diese Welt gesegnet
/ und ist an seine Stell der Herr Leonard Dona promovirt worden. Der Capitain
Bassa zu Napoli di Malvasia suchet / wo möglich / eine considerable Armee in
Morea zu versam̅len / umb / ehe unsere Armada im Feld stehe /
einen Versuch auff Coron zu thun. Mit einer Saicken / so den 27. von Ragusa
all [219] hier angelangt / hat
man Schreiben / daß in der Stadt Seraglio in Boßnia 300. Kauffmannsläden /
darinnen mehrentheils Leder und Carduan gewesen / verbrand seynd. Den 23. ist
die vorhero gemeldte Convoy von etlich (In der Stadt
Seraglio in Boßnia verbrennen 300. Kauffmannsläden.) und 20. Schiffen
nacher Levante fortgesegelt / seithero seynd auch zwey Lombardische Regimenter
zu Fuß / so von Mayland gekommen / nebst anderer Militze / und die Dragoner /
welche der Marq. di Courbon geworben / eingeschifft worden / diese Convoy
bestehet unter Direction Herrn Pietro Bembo in 19. Schiffen. Künfftige Wochen
wird der Herr General Königsmarck auch auff das Schiff / die Jacobsleiter genant
/ nebst verschiedenen Freywilligen gehen / so alle nach unserer Armada schiffen
werden.
(Päbstl. Geschichten.) Von Rom wird berichtet /
daß durch den wieder nacher Polen zuruck geschickten Courrier der Cardinal Cibo,
als erster Päbstl. Minister an den Päbstl. Nuntium geschrieben / daß der Pabst /
zu Continuation deß Kriegs gegen den Türcken / der Cron Polen 600000. fl. geben
wolte / weilen man (Der Pab??? besindet sich bey
erwünsch ter Gesundheit.) vor dieses Jahr ein mehrers nicht beytragen
könte. Sonsten befinden sich Jh. Päbstl. Heil. annoch bey erwünschter Gesundheit
/ und haben den ordinari Ministern allen Audientz gegeben / die extraordinari
Ministri aber seynd biß dato darzu noch nicht gelassen worden. Deß Printzen von
Savoyen Resident hat an seinen Herrn Principalen begehrt / daß er ohne die so
lang vergeblich erwartete Abschieds-Audientz von hier abreisen möchte / ist ihm
aber nit erlaubt worden. Der Marchesse Moccolani ist von Ancona hier angelangt /
welcher / wie man sagt / die Trouppen in Levante / so auffs Land gesetzt werden
/ commandiren soll. Don Antonio, deß Duca Lanti erstgebohrner Sohn hat gegen Sr.
Aller-Christl. Maj. durch einen Courrier sich bedancket / daß durch dero
intercession der Pabst seine Graffschafft Belmonte und Sinibalda zu einem
Fürstenthum erhöhet. Deß Marschalls di Crequy Sohn / Marquis di Blancifort ist
zum drittenmal bey Jh. Heiligkeit zur Audientz gelassen worden / er gehet nun in
Ungarn gegen den Erbfeind zu streiten / und ist von dem Pabst mit verschiedenen
Proesenten regalirt worden. (Zu Neapoli fället in der
Königlichen Cap???ll unter während???m Gottesdienst ein Stuck vom Gewölb
ein.) Von Neapel wird geschrieben / daß der Vice-König den ersten Tag
in der Fasten mit einem grossen Comitat deß Adels und andern Ministern dem
Gottesdienst in der Königl. Capell beygewohnt / allwo sein Thron zubereit ware /
unter währendem Gottesdienst aber seye ein Theil deß Gewölbs eingefallen / habe
doch niemand beschädigt. Die Werbung von 1000. Mann vor die Republic Venedig ist
complet / und werden nun bald zu dero Armada geführt werden. Als jüngsthin der
Cardinal Altieri in den Pallast fahren wollen / umb eine Predig zu hören / ist
selbigem die Carossen entzwey gebrochen / welches sich auch nicht ohne
Verwunderung mit der 2. 3. biß 4. [220] also
zugetragen / so daß derselbe endlich zu Fuß dahin gehen müssen / worzu Pasquinus
nicht hat stillschweigen können / sondern folgender gestalt Carminicè darüber
glossirt:
Si tous les Cardinaux quì resident à Rome,
Et tous les Cocus de Paris.
Sui voient l' exemple de cet Homme,
Tous les Charrons viendroient Marquis.
Nach dem Todfall deß Herrn Caraffa Bischoffs zu Aversa finden sich viel
Competenten ein / unter welchen auch deß Verstorbenen Herr Bruder Don (Den 11. wird in dem Pallast Congregation
gehalten.) Fortunato Caraffa ist. Den 11. ist in dem Pallast Congregation
gehalten worden / worinn man beschlossen / aus denen Regenspurg- und
Freysingischen Bißthümern eine gewisse Steuer von Geistl. Renten Jh. Churfürstl.
Durchl. in Bayern zur Artillerie gegen die Türckey zu assigniren.
(Savoysche Geschichten.) Aus dem Hertzogthum
Savoyen melden Brieff von Turin / daß der Marchese Derville Gubernator zu
Pignerol aus Königl. Ordre allen Reformirten im Lucerner Thal andeuten lassen /
daß wofern sie innerhalb 5. Tagen das Land nit würden raumen / sie vor 15000.
Mann Frantzosen Quartier (Die Prote-???auten in der
Valey von Lucern rüsten sich zur Gegenwehr.) machen sollen. Immittels
wird von den Protestanten in der Valey von Lucern etwas neues erwartet / weil
selbige 6. Tag Bedenckzeit genommen / umb zu antworten auff die proposition
unsers Hertzogs / indessen stehen sie in den Waffen / und haben alle Brucken /
so die communication mit Dauphine geben / abgeworffen / all ihr Vieh geschlacht
/ und sich nach den hohen Plätzen reterirt / welches scheinet / als ob sie
hartneckigt verbleiben wollen / dafern man sie aber daselbst wird angreiffen
müssen / werden Se. Hoheit persönlich / wie auch der Frantzös. Ambassad. mit
dahin gehen mit 12000. Mann. Den 14. haben die Gesandten von Bern und Zürich
offentliche Audientz gehabt / und darinn Jh. Königl. Hoheit vorgestellet / daß
weilen sie in dero Landen andere Religionen / nemlich die Juden dulteten /
welche Christum gecreutziget (Das Andringen der
Gesandten von Zürich und Bern will nichts fruchten.) haben / als
möchten sie doch so gütig seyn / und die Reformirter Religion im Lucerner Thal
auch dulten / indeme diese ja eben denselbigen GOtt anbeteten / welchen Se.
Hoheit anruffen thäten / und machten eine lange Erklärung und instanz, damit
dieses Hertzogl. Hauß doch ermeldte Religion dulten möchte. Es ward aber ihnen
zur Antwort gegeben / daß die Sachen schon so weit kommen / und sie zu
Rebellionen gerathen wären / und dan̅enhero man der Gesandten
Bitten und Begehren nicht einwilligen könte.
(Mayländische Geschichten.) In den Ges???ichten
deß Hertzogthum Maylands habe im vorigen Monat von einer Reformation dasiger
Soldatesca gedacht / die hat nunmehro [221] ihren Effect erreichet / vermög deren 10. Compagnien Spannische / 3.
Compagnien Teutsches Fuß-Volckes von den Regimentern di Calnera und Ul bino, 2.
Compagnien Teutsche Reuther von dem Beroldingen / und Salice, (Die Reforme zu Mäyland erreichet ihren Effect.)
ein ander Compagn. von deß Obrist. Scardon Regiment / und das Regim. deß Obrist.
Calderari abgedanckt worden / durch diese Reforme werden jährlich 120000. Scudi
erspahret. Hiesigen Groß-Cantzlers Hn. Moles ältister Sohn heurathet deß Hrn.
Triulzi einige Tochter / welcher hiesiger Senat zur Außsteuer Jährlich 8000.
Scudi angewiesen hat. Mit Brieffen aus Neapoli vom 12. dito hat man / daß der
Mons. Caraffa Bischoff zu Aversa tods verblichen / durch dessen Todsfall das
allerreichste Bisthumb in dem gantzen Königreich vacirend worden ist.
(Gennefische Geschichten.) Aus Genua verlautet /
daß allda 70. Soldaten / so außländ. Nation gewesen / reformirt worden seyn /
und obwohln in selbigem Senat resolvirt worden / den Sign. Cataneo seiner
Gefängnuß zu entlassen / so hätte es doch (70.
Soldaten ???ländischer Nation werden reformirt.) der Frantzös.
Ambassad. verhindert. Weiln sonsten hiesiger Magistrat auff anhalten deß
Goubernators von Mäyland jene 2. Persohnen / so mit einer Klofter-Jungfrauen
sich anhero reterirt / nicht hat wollen loßgeben / hä???t derselbe uns nunmehr
die 40000 Pfund ein / welche er monathlich zu Bezahlung deß Schweitzerisch.
Regiments herzugeben schuldig ist. Die Juden haben gegen außtrückliches Verbott
einige Türckische Sclavin̅en von ohngefehr 20. Jahren gekaufft /
deßwegen sie in gefängliche Verhafft gezogen worden / und haben selbige
wiederumb heraus geben müssen / und wird ihnen nunmehr der Proceß gemacht.
Das neundte Capittel
Stellet vor / was in denen 17. Niderländischen
Provincien sich begeben hat.
(Holländische Geschichten.) AUs dem Haag wird
geschrieben / daß der Hr. Printz von Oranien den 4. seine Leibquarde beydes zu
Fuß als zu Pferd gemustert / wornach sie in Gegenwart deß Fürsten von Walldeck /
deß Gen. Leutenant Spaens / und anderer hohen Officiers / exercirt worden / und
Se. Hoheit sich folgends nach Durin begeben habe. Die Staaten von Seeland sind
noch nit voneinander geschieden / weiln etwas Mißhelligkeit in der Provintz
wegen etlicher Puncten / darüber sie sich nicht vergleichen können / entstanden
/ welche aber der Entscheidung deß Printzen von Oranien heimgewiesen worden /
und zweiffelt man nicht / daß Se. Hoheit dieselbe bald werde verglichen haben.
(4. neue Regimenter) Nach Mastricht hat man
4. neue Regimenter gesandt / we???ln man denen [222] Benachbahrten nicht gar zu wohl trauet. Es hat sich zwischen den
Obrigkeitlichen Persohnen der Stadt Leiden einige Mißverständnuß und
Kaltsinnigkeit (werden nach Mastrich gesaut.)
verspüren lassen / so sich bey Ersetzung der Aembter in 2. Partheyen getheilet;
die kluge Vorsichtigkeit der jenigen Commissarien aber / welche der Printz von
Oranien ihnen zugegeben / hat dieselben gäntzlich wieder miteinander verglichen
/ und ist hierauff ein Panquet 2. Tage nacheinander gehalten / worbey sich der
Hr. Fagel der Provintz Pensionarius, und andere vornehme Herren deß Lands
eingefunden haben. Der Hr. Baron Schwerin / so letzt von deß Hrn. Landgrafen von
Hessen-Cassel Durchl. mit Schreiben (Hr. Norff
Chur-Cölln. Resident übergibt denen Hnn. Gen. Staaten ein Memorial.)
an Se. Königl. Hoheit anhero gekommen / ist den 12. dieses wieder abgereist. Der
Hr. Norff / Resident von Chur-Cölln und Bischoffen von Münster / und der Hr. von
der Veecque, Resident deß Printzen von Lüttig sollen wie man vernimbt / in der
Versamblung der Hnn. General-Staaten wieder ein Memorial übergeben haben / so
einige Disputen wegen der Jurisdiction zwischen denen von Lüttig und der Stadt
Mastricht / betreffen solle sc. versuchende / daß solche mit ehistem außgemachet
werden möchte. Der Königl. Englisch. Extraordinari Envoye Hr. Skelton ist von
Londen im Haag wieder angelangt / und hat den Hrn. Printzen von Oranien
versichert / daß Se. Königl. Majest. von Groß-Britannien wegen seiner Interessen
sehr beschäfftiget wären / und nichts ermanglen lassen wöllen / umb zuwegen zu
bringen / damit Sr. Hoheit das Fürstenthumb von Oranien / nebst allen andern
(Comte d' Avaux Frantzös. Ambassadeur erhält einen
Courr.) Gütern in Franckreich restituirt / und wieder eingeraumet
werden möchten. Der Frantzös. Ambassad. Hr. Graff von Avaux hat den 22. früh
einen Extraordinar-Courrier von Pariß erhalten / und sobald er seine Brieffe
gelesen / einen andern nach Amsterdam abgefertigt / auch den Tag vorhero mit
denen Deputirten selbiger Stadt in der Versamblung der General-Staaten / und im
Staats-Rath eine lange Conferentz gehalten / wordurch etliche übelgesinnete
Anlaß genommen / außzusprengen / daß was geheimes zwischen Franckreich und
Amsterdam tractirt werde / mit dem Zusatz / daß das Feldläger / so man zwischen
Nimwegen und Breda zu schlagen Vorhabens gewesen / unterbrochen worden / wie
auch / daß man in die Werbung der 16. oder 18000. Mann / so man vor einiger Zeit
im Vorschlag gehabt / noch nicht habe bewilligen wollen.
(Spannisch-Niderländ. Geschichten.) Brüsselische
Brieff melden / daß den 9. daselbst ein Churpfältzisch. Extraordinari Envoye
angelangt / so bey dasigen General-Gouverneur Audientz gehabt habe / dessen
anbringen man zwar noch nicht eigentlich vernehmen können / man sagt aber / es
seye umb die Passage durch diese Landen vor die Chur-Princessin von
Pfaltz-Neuburg / als künfftige Königin von Portu [223] gall zu begehren / und wegen
der Ehren-Ceremonien sich zu verabreden; zu dem Ende der Pallast deß Caroli V.
sehr schön außgebutzet / und gezieret wird / sie darinn zu logiren; sobalden
alles wegen der Ceremonien eingerichtet / und die Heurath gantz vollkommen
geschlossen seyn wird / soll eine Portuguesische Flotte nacher Ostende kommen /
die Königl. Braut / nacher Lisabonna / über zu führen. Die Reformation / welche
Se. Catholische Majest. in der Finantz vorgenommen / solle selbiger jährlich biß
8. Millionen Thaler (Es werden verschiedene
Conferentien in Gegenwart deß Hn. Gen. Gubernators zu Brüssel
gehalten.) Nutzen bringen. Man hat unterschiedliche Conferentzien in
Gegenwart Sr. Excell. Francisco Antonio d' Agourto über einige Mißverständnussen
/ so zwischen dem Printzen von Nassau / Gouberneur und Capitain-General deß
Hertzogthumbs Gelderland und Graffschafft Zütphen / und dem Baron de Mervaux,
Gouverneur von Venlo entstanden / gehalten / und hat der Hr. du Fay, Gouverneur
dieser Stadt / der Baron de Pontamougeard, General von der Battaille, Don Martin
de los Rios, Maistre de Camp, und einige andere Officierer Ordre sich in dieser
Sach zu informiren / und Sr. Exellentz davon part zu geben / worauff dieselbe
auch in dem Kriegs-Rath / woselbst diese Sach außgemacht werden soll / alsdann
assistiren wollen; besagte Se. Excell. seynd zu Antwerpen gewesen / umb die
135000. Rthl. so sie mit letztem Courrier aus Spannien erhalten / zu erheben.
Den 10. dieses hat man einen Courrier nacher Pariß mit neuer Instruction vor den
Hrn. Baron Delval wegen der übermässigen Zölle / welche die Frantzosen von denen
Einwohnern der Provintz Namur fordern wollen / abgeschickt. Man hat dahier die
Zölle / welche man von denen Hüten und andern W???hren / so aus frembden Landen
kommen / erhebet / weiln man dergleichen gar wohl entbehren kan /
ersteigert.
Das zehende Capittel
Handelt von den Schweitzerischen Zufällen / wie auch was aus Asia / Africa / und
America diesen Monat schrifftwürdiges eingekommen.
(Schweitzer. Geschtch???.) AUs der Schweitz hat
man laut Schreibens aus Bern vom 3. Martii, daß allda nicht wohl penetrirt
werden könne / was der König von Franckreich zu thun willens sey. Indessen
trachtet der Kön. Frantzös. Ambassadeur die Hnn. Cantons zu persuadiren / daß
sein hoher Principal nichts anders vorhabe / als den Frieden mit den Hnn.
Schweitzern zu con [224] serviren /
woran jedoch von vielen gezweiffelt wird / und ist auch deßwegen die Martius
Versamblung zu Baaden (auff welcher sich die sämbtliche Cantons auffs neue
verbunden / vor ihre Freyheit / Muth und Blut beysammen aufzusetzen) angestellt
gewesen / und hat man sich durch gantz Schweitzerland deßwegen bereits in gute
Defensions. Postur gestellet. Die Rencontre, so zwischen dem (Zwischen dem Commendanten von Hünningen und der Stadt
Basel entstehet einige Mißhelligkeit.) Commendanten von Hünningen und
der Stadt Basel vorgefallen seyn soll / bestehet dem Bericht nach darinnen / daß
aus vorbesagtem Hünningen ein Stück auff Basel gelöst worden / und als der
Magistrat vernehmen lassen / was solches bedeute? habe man geantwortet / es wäre
nicht mit Fleiß / sondern durch einen Mißgrieff unversehens geschehen / worauff
besagte Hnn. Baßler deß andern Tags ebenmässig ein Stück auff Hünningen gelöst
haden sollen / wovon die Kugel in Hünningen gefallen / und als selbiger
Commendant nach dessen Ursach gefragt? habe man ihm zur Antwort gegeben / man
wüste von nichts / es müsse ebenfalls ungefähr geschehen seyn / womit alles
still / und in Ruhe geblieben. Die Contons Zürich / Bern / Basel und
Schaffshausen werden nach ihrem gefasten Schluß in kurtzem einige tausend Mann
mit behöriger Ammunition, Proviant / und Artillerie nach Genff senden / umb die
Stadt vor aller Uberrumpelung zu conserviren / zu welchem Ende die Römische
Cantons den freyen Durchzug vor die Militz verwilliget. (In der Schweitz seynd abermahn 1200. Frantzöf.
Protestanten atriviret.) In diesem Land seynd sonsten wieder bey 1200.
vertriebene Protestanten aus Franckreich angelangt / die hin und wieder
vertheilt worden seynd. Vom Königl. Frantzös. Hoff hat man / daß bereits Ordre
ertheilt seye das Verbott / Früchten aus dem Land zu führen / aufzuheben / ob
aber die umb Basel sich befindliche Frantzösische Beambten solchem nachkommen /
oder etwas widriges dargegen einstreuen werden / stehet zu erwarten. In hiesigen
und andern benachbarten Landen werden für Franckreich viele Pferdt gekaufft /
und seynd diese Wochen 2. à 300. in einem Tag durch Basel gefühlt worden. Es ist
im übrigen dieser Orihen und in gantz Franckreich publicirt worden / daß wer
einen Frantzösis. Flüchtling ertappet / deme soll alles / was bey ihm gefunden
wird / heimfallen und noch dar zu 10. Rthl. zur Belohnung bekommen. Sonsten ist
weder aus Asia / Africa noch America diesen Monat was notables eingegangen.
Ende deß dritten Theils.
|| [225]
THEATRI NOVI POLITICO-HISTORICI
Vierdter Theil /
Worinnen zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige
Begebenheiten / so sich im Monat Aprill deß 1686sten Jahrs in der gantzen
Welt zu Wasser und Land ereignet haben.
Das erste Capitel
Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien / sowohl / als
in Böhmen / Mähren / Schlesien / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und
begeben hat.
NCh habe unter dem Titul der Käyserl. Geschichten im vorigen Monath von einer
Rencontre gedacht / so zwischen dem Hamburgischen und Zellischen Gesandten zu
Wien vorgangen / nun (Käyserliche Geschichten.)
bestehet der eigentliche Verlauff dieser Sach in nachfolgenden Umbständen / laut
Brieffen aus Wien: Es hat Hr. Marenholtz Zellischer Gesandter bey dem Käyserl.
Hoff einige Schrifften wider die S adt Hamburg eingegeben / die so fort denen
allda seyenden Hamburgischen Deputirten communicirt worden / und diese solche
Schrifft nach Hamburg geschickt / [226] allda
selbige bey dem Pranger vert rand worden seyn soll / worauff gedachter Herr
Marenholtz / als ihme solches zu Ohren kommen / seine revange nehmen wollen /
deme zufolg die 2. Hamburg. Abgeordnete auff dem Wiener Tändelmarck durch seine
Laqueyen / worzu er selbsten sie aus dem Wagen (Die
Hamb. Deputirte werden von dem Lüneb. Gesanten mit Brügeln tractiret.)
zu bringen sich bemühet / mit Brügeln tractiren lassen / nach welchem diese
gleich einen Expressen (umb solche gewaltsame und widerrechtliche Proceduren der
Stadt Hamburg anzudeuten) abgefertiget / und erwartet man nun / was hierauff
weiter erfolgen möchte; Indessen solle dem Marenholtz den Käyserlichen Hoff zu
betretten / verbotten seyn. Den 2. ist ein Kriegs-Commissarius aus Ober-Ungarn /
welcher von dem Graff Caraffa in Sachen der Siebenbürg. Einquartirung hieher /
und dessen / was zwischen ihme / und denen Fürstl. Siebenbürg. Abgeordneten
hierin sals geschlossen worden / mit außführlichem Bericht überschickt worden /
per posta arrivirt. Der Herr Baron Batzendorff ist nicht allein Resident zu
Franckfurt / sondern auch zum Reichs-Hoff-Rath declarirt worden. Nachdem der
Herr Feld-Marschall Caprara den Angrieff der Vestung Mongatsch unter der untern
Palancka / in welcher die Rebellen die völlige Macht aus der Vestung herab
gezogen / und auffs eusserst sich wehren wollen / in eine Formal-Belägerung
(Mongatsch wird belagert.) verwendet / die
Rebellen hingegen allen möglichen Widerstand zu thun sich resolvirt / wie sie
dann mit continuirlichem schiessen das Käys-Lager zwar incommodiren / doch
keinen Schaden zufügen / zumahln die Unsrige dergestalten sich nunmehr
verschantzt und vergraben / daß sie von keinem Canon-Schuß beschädiget werden
können; so wäre biß dato die geringste Apparentz zu einer Ubergab nicht zu
vermercken / sondern die Teckelin der beständigen Hoffnung deß ihr versprochenen
Succurs lebet / welcher durch die im Marsch stehende Tartarn ins Werck gezogen
werden soll / derentwegen denen in Ober-Ungarn einquartirten Käys.
Befelchshabern alles Ernsts anbefohlen worden / nicht allein die Päß / durch
welche die Tartarn durchpassiren möchten / mit gnugsamer Macht zu belegen / und
den Durchmarsch zu verwehren / sondern auch der Türcken dahin collimirendes
Absehen / daß sie sedem belli jenseit der Theiß setzen wollen / zu verhindern /
welches zu ihrem mercklichen Vortheil wegen deß Proviants / so aus Siebenbürgen
und Wallachey ihnen ohne grosse Gefahr überbracht werden könte / gedeyen würde.
(Hr. Hertzog von Lothringen langt zu Wien an.) Den
5. seynd Jhrd Durchl. der Hertzog zu Lothringen allhier angelangt / dero
Gegenwart nun die eigentliche Einrichtung der nechstangehenden Campagne / und
der annoch erforderenden Kriegs-Requisiten nach sich ziehen wird. Den 7. frühe
ist ein Courrier von Venedig ankom [227] men / welcher für die 4000. Sachsen / so unter selbiger Republic diese
Campagne wider den Erbfeind dienen sollen / durch die Käyserl. Länder freyen Paß
begehrt / referirt auch / daß der Graff von Königsmarck der Republic zu Land
commandirender General mit 5000. Mann gegen Levante abgefahren seye. Zu
Stulweissenburg verfertigen die Türcken etlich 1000. Hacken / wie Tzakan, umb
bey erfolgender Belägerung die unsrigen zu incommodiren. Die verwittible Frau
Gräfin von Mannsfeld-Aya, so Jhr. Majest. deß regirenden Käysers Ertz-Hertzogl.
Kinder aufferzogen / ist mit nicht wenig Mitleyden deß Hoffs tods verblichen.
(Wie auch einige in Ofen gefangen gelegene Käys.
Fo???ragiers.) Dieser Tagen seynd einige von den Fouragierern / so
jüngsthin ohnweit Pest gefangen worden / von Ofen hierwider angelangt / welche
berichten / daß sie Zeitwährender Gefangenschafft zimblich wohl tractirt / in
dem Examine aber gefraget worden / wie starck die Christliche Armee dieses Jahr
würde zu Feld gehen? was für Oerther am ersten solten angegrieffen werden? und
ob keine Zuneigung zum Frieden sich zeigen thäte? Sonsten solle die Besatzung zu
Ofen / je mehr und mehr verstärcket werden / und die Türcken gleichfalls
ungemeine Präparatoria auff bevorstehendem Feldzug machen / und geht die Rede /
daß sie Lust hätten Gran zu belägern. Von Debrezin seynd einige Deputirte hier /
so wegen denen Contributionen ein und anders angebracht haben. Mit deß aus
Siebenbürgen an die dahier noch anwesende Gesandten mit der eigentlichen Antwort
über die zwischen den Käys. Commissarien / und ersterwehnten Gesandten / sowohl
wegen der (Gute Zeitung aus Siebenbürgen.)
Repartitions-Gelder / als dessen / was die ihnen vorgestelle Entzihungen von dem
Türckischen Joch und andere beschehene Vorschläg betrifft / beschlossene
Tractaten zurück sich eingestellten Courriers Ankunfft / hat man treffliche
Sincerationes selbigen Fürstens und Ständen über ein und andern Punct erhalten /
mit angefügter Hoffnung / daß alles das / was pro causa communi zum besten wird
befunden werden / an die Hand genommen werden solt.
(Käyserl. Ossiciers bekommen Ordre zu ihren Regimentern
sich zu verfügen.) Weiln von den vornehmsten Generals-Persohnen
begehrt worden / ihr Sentiment wegen der Operationen schrifftlich einzureichen /
selbiges auch bereits beschehen / so wird darüber der Schluß nun ehistens
erfolgen / unterdessen ist an selbige Ordre ergangen / sich bey ihren
Regimentern einzufinden / und alles in solchem Stand zu halten / damit selbe bey
ehist determinirender Zeit gehöriger Orthen abmarschiren können / und dörffte
das Rendezvous medio Maji vor sich gehen. Herr Graf von Kollonitsch Bischoff zu
Raab thut noch das Allmosen bey denen Kirchenthüren alles Fleisses vor die arme
in Türckey gefangene Christen samblen / wie er dann 42. zu Neu [228] heusel / und andern anligenden
Gräntzen gefangenen Christen- und Türcken-Kinder von 8. biß 12. Jahr alt /
erkauft / und anhero bringen lassen / selbige bey denen P. P. Jesuitern
vorgestellet / und nach jedes Belieben zum aufferziehen darvon nehmen lassen /
die übrige / so noch kleiner / seynd noch zu Raab in seinem Unterhalt.
(Einige Laqueyen werden gefänglich eingezogen und wegen
verübter vielen Insolentien der Vrbeder enthanptet.) Von denen sich
zusammen rotirten Laqueyen / so schon zum andernmahl grosse insonlentien allhie
in und vor der Stadt in denen Wirthshäusern angefangen / die Wirth exequirt /
sich voll gesoffen / vor der Stadt die Leuth geprügelt / und einen Fleischhacker
tödtlich verwundet / auch sogar mit der Wacht angebunden / und solche heraus
gefordert / seynd 9. von dem auf selbige außcommandirt gewesenen Rumormeister
gefänglich / worunter auch ein Anfänger eingebracht worden / die übrigen haben
sich mit der Flucht salvirt / und ist der Anfänger den 9. enthauptet worden /
welchem Actui die andern in Eisen geschlossen zusehen müssen / die Schrancken
waren mit 300. Mann umbfangen / etliche Thor / auch viel Gassen mit Ketten
gesperret / weiln die Laqueyen sich wieder zu versamlen / verlauten lassen /
wordurch noch ein grössers Unheil hätte entstehen dörffen. Am grünen Donnerstag
haben (Käys. Majspeisen am grünen Donnerflag 12. Arme
zimblichen Alters.) Jhro Käyserl. Majest. 12. Arme nachfolgenden
Alters gespeiset / der erste war 112. Jahr alt / der andere 102. der dritte 90.
der vierdte 86. der fünffte 85. der sechste 85. der siebende 84. der achte 83.
der neundte 82. der zehende 81. der eilffte 80. und der 12. 78. also daß sie mit
ihrem Alter 1084. Jahr zusammen gebracht. Den 10. ist allhier der Hr. Geolgius
Gubarsozi Ertz-Bischoff zu Colossa, Bischoff zu Neutra, und Groß-Cantzler deß
Königreichs Ungarn / gestorben / wer nun solche Dignitäten bekommen wird /
lehret die Zeit. Der Pabst solle Jhr. Churfl. Durchl. in Bäyern indulgirt haben
/ die Einkünfften der beyden Stiffter Freysingen und Regenspurg durante
minorennitate dero Hn. Bruders / theils zur Türckenhülff zu employren / und
anzuwenden / und solle schließlichen die dermahlige Käys. und Reichs Macht in
94000. Mann bestehen. Jh Durchl. Printz Louys von Baaden Käys. General über die
Cavallerie, wie auch verschiedene andere Generals und Officiers von denen
Auxiliar-Völckern / sowohl von Bäyern / als Brandenburg / seynd allhier
angelanget / umb wegen deß Marsches / Magazins und andern nöthigen Dingen alles
zu veranstalten. Weiln nun mit den Siebend. Deputirten die Sach über die neulich
von ihren Principaln überschickte neue Instrution, so weit überlegt / und
verglichen worden / daß man an dem gewünschten (General
Scherffenb. gehet in Siebenbürgen) Effect nunmehr nit zweifflet / als
haben Jhr. Käys. Majest. den Feldmarschall-Lieutenant Grafen von Scherffenberg
eylends nach Ober-Ungarn abgeschicket / und demselben anbefohlen / gleich in
Siebenbürgen nach [229] Clausenburg sich zu
verfügen / und mit selbigem Fürsten und Ständen ein gewisses zu schliessen / die
Anstalten zu concertiren, und ein Corpo von etlich 1000. Mann / zu welchen 5000.
Käyserl. Völcker stossen / und erwehnter (und Herr
Graf Cziacky zu den Hospodarn in der Moldau und Wallachey.)
Feldmarschall-Lieutenant das Ober-Commando über die völlige alldortige Armee
haben solt / zusammen zu ziehen / damit nun auch die Moldauische und
Wallachische Hospodari zu dieser Kriegs-Conjunction und Alliantz angefrischet
werden mögen / als haben Ihro Käyserl. Maj. den Herrn Grafen Cziacky, welcher
auch mit der Charge eines Käyserl. General Feldwachtmeisters ist begnadet worden
/ dahin expedirt. Den 16. waren Ih. Durchl. der Ertz-Hertzog Carl Joseph mit
dero Hofstat in dem Bratter / allwo der Hofzeltschneider biß 12.
unterschiedliche schöne Gezelt zum verkauffen auffgeschlagen gehabt / von
welchen auch Ihr. Durchl. einige vor sich und dero bemeldte Hofstatt ausgesucht
/ derselben sich bey Jagden und im Feld zu gebrauchen. (Ein Barbirer ranbet den Schatz zu Mariäzell.) Zu
Marioezell in Steyer / allwo grosse Solennitäten begangen werden / hat der
Schatzmeister aus seiner unterhabenden Schatzkammer den Geschmuck und andere
kostbare Kleinodien heraus genommen / und in sein Zimmer bringen lassen / umb
willens unser liebe Frau damit zu zieren / als er aber sich barbiren lassen /
und solches der Barbirer ersehen / indeme auch niemand anderer in dem Zimmer
gewesen / hat er ihme in währen dem barbiren die Gurgel abgeschnitten / den
Geschmuck zusammen gemacht / und sich von dannen weg begeben. Unter andern
Legaten / so der jüngst-verstorbene Ungarische Groß-Cantzlar gemacht hat / ist
auch begriffen / daß er in Geld und Getreyd 120000. fl. zu dem Türckenkrieg
verschafft habe. Von dem Käyserl. Gesandten in Polen ist den 20. ein Courrier
anhero angelangt / mit (Zwischen Polen und Moscau ist
ein genant Alliantz wider den Türcken im Vorschlag.) Bericht / daß an
selbigen Königl. Hof durch einen Expressen die erfreuliche Nachricht
eingelauffen / daß selbige Tractaten mit Moscau bereits so weit glücklich
avancirt wären / daß gegen Abtrettung aller Recht und Gerechtigkeiten / so die
Cron Polen und das Groß-Hertzogthum Littauen auff Smolensko und Kiovv, auch
deren dependentien cum an- & connexis hätten / die off- und
defensiv-Alliantz würcklich geschlossen / und also die ruptur wider die
Ottomannische Pforte declarirt wäre / mit dem Versprechen / also fort gehörige
Ordre zu stellen / daß gleich auff empfangene Bezahlung die Militz zum Marsch
fertig gehalten / und die Landschafft Crym angefallen werden solle / umb selbige
Tartarn zu vertilgen / seye auch zu Fortsetzung deß Kriegs ein allgemeine
Landsteuer ausgeschrieben / und von jedem Hauß 8. fl. begehrt worden; mehrere
specialia werden vielleicht ehistens können berichtet werden. Eodem dato ist ein
Officierer aus dem Lager vor Mongatsch ankommen / [230] mit Bericht / daß selbige Belägerung
nicht so von statten gienge / als man anfangs wol gehoffet / umb desto mehr
wegen der vesten situation, und mit Wasser erfülleten Grabens / welcher
unangesehen ein Theil abgestochen / durch (Die
Belagerung Mongalsch gebet nicht wohl von statten.) das Regen- und
zergangene Schneewasser wieder angefüllt worden / nicht weniger auch die
darinnige Besatzung gantz verzweifelt sich defendiret, und unter der Erden ihre
Wohnlöcher aus gegraben / damit sie vor den Bomben und Feuerkugeln sicher seyn
mögen / weilen nun die Zeit vergeblich / und ohne Hoffnung der Eroberung
erwehnter Vestung zugebracht würde / auch die selbstige Soldatesca dem General
Feldmarschall Lieut. von Scherffenberg überlassen werden solle / als dörffte
ehister Tagen die Belägerung auffgehoben / vorhero aber eine ernstliche und
endliche Versuchung / ob durch Einwerffung der Bomben die Belägerten zur Ubergab
möchten bezwungen / von den unsrigen gethan / und wann solches ohne effect,
wieder in eine Blocquada verkehrt werden. Aus Böhmen ist ein gute Anzahl
Constabler und Bombardirer anhero kommen / welche in Ungarn gehen: auch siehet
man in dieser Stadt viele Volunteurs oder Freywillige von unterschiedenen
Nationen / umb bey instehendem Feldzug unter der Käys. Armee wider die Türcken
zu dienen. Den 22. hat bey Hoff der Herr Graf von Sintzendorff mit der Frau
Gräfin Isabella von Jürstenberg / Hof-Dame bey Ihro Maj. der regierenden
Käyserin / Hochzeit gehalten. Als der Spannische (In
dem Käpf. Arsenal werden durch Entzündung deß Pulvers 5. Laboranten tödlich
verbrennet.) Feuerwercker Don Gonsales den 25. frühe in dem Käyserl.
Arsenal (allwo sonsten sein Laboratorium) Pulverstaub und andere Materialien
stossen lassen / hat sich unvermuthet ein Steinlein darinn befunden / und Feuer
gezündet / wordurch 5. von seinen Laboranten tödlich verbrennet worden / davon
nun einer gestorben / und war das Glück / daß es nit noch eine halbe Tonnen
gantz gekörntes Pulver / so unweit davon gestanden / ergriffen: obgedachter
Feuerwercker auch mit seiner Kleidung im Brand lieffe Hülff zu suchen in ein
Neben-Gewölb / allwo etliche Tonnen Pulver / Carcassen / und gefüllte Bomben
gelegen / wurde aber alsobalden zu Verhütung eines grössern Unheyls zuruck
gehalten / und dörffte schwehrlich diese Campagne seinen valeur erzeigen können.
Den 26. hat man 11. neugegossene / 3. viertel und halbe Carthaunen probirt /
welche wohl gehalten / und ehist mit anderer Munition nacher Ungarn abgeführt
werden sollen / allwohin den (Etlich 1000. Sandsäck
werden in Ungarn verführet.) 24. etliche 1000. Sandsäck / so der Jud
Oppenheim machen lassen / auff dem Wasser abgeführt worden / und schicket man
immer zu von allerhand Kriegs-Requisiten hinab. Uber Griechischweissenburg hat
man von Constantinopel so viel Nachricht erhalten / daß der Frantzösische
Ambassadeur einen prächtigen Einzug daselbst gehalten / und ob zwar derselbe
begehret / daß / [231] gleich wie er bey
seiner Anlendung die Stück aus seiner Galleren lösen werde / consequenter er mit
einer Gegenlösung von den Türcken beneventirt werden solte / hätte es doch der
daselbstige Caimaicam keines wegs zulassen wollen. (Grosser Aufruhr in Asta.) Daß die in Asta entstandene Revolta und
sedition zim̅lich angewachsen seye / diese aber zu dämpffen /
hätte der Groß-Vezier alsobalden einige Aga und Chiausen dorthin abgefertiget /
mit Befehl / den Marsch der Asiatischen Soldatesca alles Fleisses zu befördern /
jedoch über allen von dem jetzigen Groß-Vezier angewendeten Eyfer und Ernst
keine extraordinari Anzahl Kriegsvolck / welches in schlechtem Gesindel und
Kriegs-unerfahrnen Canaglien bestünde / hätte zusammen bringen können / auch
schwehrlich 10000. Mann bey gegenwärtiger Campagna mehr als in der verwichenen
werde in Ungarn stellen können.
Das andere Capittel
Tractiret von Ungarisch-Siebenbürgisch-Croatisch-Türckisch-Moldau- und
Wallachischen Geschichten.
(Ungarische Geschichten.) BEy diesem Capitel ist
im vorigen Monat erwehnet worden / wie daß auff expresse Käyserl. Ordre Herr
General Caprara die Blocquada von Mongatsch in eine formale Belägerung verändert
habe / nun fället ferner zu melden / wie diesen Monat hindurch selbige
Belägerung reuscirt seye / womit sichs folgender massen verhält: Nachdeme Herr
General (Ausführlicher Bericht von der Belagerung
Mongatsch.) Caprara sein Lager in etwas verstärcket / hat er die in
der Vestung mit continuirlichem Feuer-einwerffen über alle massen sehr
incommodiret / wie dann eine Bombe in den Saal / wo die Teckelin zu speisen
pfleget / gefallen ist / welche grosses Geschrey und lamentationes, auch eine
Brunst causiret / die doch bald wieder gelöschet worden ist / und obwolen die
Käyserl. den Graben vor der untern Palancka / so 14. Klaffter weit und breit /
und anderthalb Piequen tieff / bereits so weit abgezapffet gehabt / daß man
vermittels der bey handen gehabten Faschinen leicht darüber kommen können / so
hat doch das eingefallene Regen- und zerschmoltzene Schneewasser solchen fast
wieder angefüllet / und weilen über dieses die Belägerte von 2. andern inwendig
der Palancka habenden Wassergraben / den äussern beym Ablauff allzeit wieder
anfüllen können / auch über dieses / was den Einlauff der Was [232] ser zu verhindern Herr General
Caprara Nachts bauen lassen / solches diese deß Tags mit Stücken ruinirt /
beynebens ein grosse Batteri bey der Palancka auffgewolffen / dardurch den
Käyserlichen das Stürmen zu verwehren / als ist es mit der Belägerung etwas
langsam daher gegangen / absonderlichen da man Käyserlicher Seits das Volck
menagiren, und selbiges der darinn ligenden Rebellischen Rott nicht muthwillig
auffopffern wollen / gedenckende / daß dermaleins bey so starcker Garnison das
Proviant vergehen / und alsdann dieses verzweiffelte Gesindlein lindere Seiten
auffzuziehen die Hungersnoth wohl beqnemen werde. So viel von Belägerung (Grosse Pungersnoth im Türckischen Vngarn.)
Mongatsch. Sonsten melden Nieder-Ungarische Brieff / daß die Hungersnoth
Türckischer Seits dergestalten anfange zu wachsen / daß aus den vornehmsten
Plätzen die Besatzung immer sort desertire / wie dann dieser Zeit in Ofen
mehrers nicht als 4000. Mann / in Stulweissenburg 700. und in Canisa 1500.
befindlichen seyen. Den 3. ist ein Courrier durch Commorren passirt / der die
gewisse Nachricht eingebracht / wie daß der Herr General Mercy den 30. passato
mit ungefehr 5000. Teutscher und Ungarischer Soldatesca über die Theiß passirt /
und den Marsch gegen Chonot / welches zwölff Meil Wegs von Zollnock entlegen /
beschleuniget / den Ort / nachdem man mit einigem schwehren Geschütz über das
Eiß passirt / angefallen / und würcklichen belägert / sintemalen aber der
General Mercy durch (Hr. General Mercy tencontrirt die
Türcken glücklich.) Kundschafft so viel verstanden / daß die Türcken
zwey Meil Wegs nechst an einem Wald bey Ezoko in 600. Mann starck stünden / und
von Griechischweissenburg zu dem End dahin gerucket / daselbst der unter deß
Seraskiers Achmet Bassa Commando unweit Temeswar sich zusammen gezogenen
Trouppen zu erwarten / und nach beschehener Conjunction auff die unserigen loß
zu gehen / hat erwehnter General Mercy die Sach also disponirt, daß der General
Heußler unter Chonot mit 2000. Mann ungefehr stehen / und selbiges Schloß mit
schiessen beängstigen solte / er aber mit dem Uberrest Teutscher und Ungarischer
Reuterey unverweilt auffgebrochen / und den Marsch gegen deß Feindes Lager durch
gewisse heimliche Wege genommen / unversehens den Feind angefallen / geschlagen
/ und in die Flucht gebracht / 90. davon caputirt / und 30. der meisten
Officirer / darunter etliche Agen und Begen seynd / gefangen genommen / auch
mithin viel Proviant / Munition / und alles was im Lager ware / erobert / hoffte
auch mehr besagter General / daß dieser glückliche Streich nicht allein die
Türcken in grössere Confusion und Furcht stürtzen / sondern die Eroberung deß
belägerten Schlosses Chonot maturiren werde. Von Ofen hat man / daß der neue
Groß-Vezier intentionirt seye / sich persönlich nach Ungarn zu verfü [233] gen / und denen
Kriegs-operationibus beyzuwohnen / zu dem hätte gedachter Vezier das beym Pöfel
durch seine Sanffmuth erhaltenes Lob verlohren / und wären nunmehro von
desselben Grausamkeit viel Bassen / und (Der
Groß-Vezier läst 3. Asiatische Bassa enthaupten.) erst neulich 3.
Asiatische / welche ihre Trouppen nit complet nach Adrianopel gebracht /
enthauptet worden. Obwolen der Tartar-Cham sich excusirt, als ob er nicht nach
Ungarn abgehen könte / sintemalen die Pollacken allem Ansehen nach ihme in sein
Land einfallen / und wenigst den Paß und Repaß bey der Donau verhindern würden /
so ist doch dessen alles unangesehen demselben ernstlichere Ordre zugeschickt
worden / daß er sich unfehlbar in Ungarn stellen solle: Der Seraskier jenseits
der Theiß / Achmet Bassa ist nach Griechisch-Weissenburg abgereist / umb sich
daselbsten mit denen andern (Ein gefangener Türck zu
Caschau entleibet 5. Personen / und endlich sich selbsten durch einen
Pistolschuß.) Kriegshäuptern zu unterreden / und dieselbe zur
maturation der Kriegs-opetationen anzufrischen. Von Caschau vernimbt man / daß
sich allda diesen Monat ein erschröcklicher casus zugetragen / indeme ein Türck
/ der hiebevor schon Vice-Bassa zu Neuheusel gewesen / und von einem Kauffmann
zu Caschau vor eine gewisse Summa Gelds erkaufft worden / deme aber der
Kauffmann zu viele Freyheiten gegeben / also daß er sich mit Gewehr versehen /
welches er in seiner Kammer verborgen gehalten / hernach an einem Abend spat hat
er ein groß Gekrach und Gepolter gemacht / und da deß Kauffmanns Jung zu ihme
gelauffen / und die Kammer gröffnet / hat der Türck selbigen mit einem Pistol
erschossen; deme noch ein anderer gefolget / welchen er auch ermordet; worauff
die Wacht / so in der Gegend ware / herbey gekommen / da der Türck dann das
Fenster eröffnet / und mit 3. Schüssen 3. Musquetirer entleibet / und endlich
sich selbsten mit einem Pistol verzweifelt (Die
Türcken schlagen bey Nicopoli eine Bruck über die Donau.) erschossen.
Mit einigen Kundschafftern und Ungarn / welche von dem Teckely zu den unsrigen
übergangen / hat man Nachricht / daß die Türcken bey Nicopoli nit weit von der
so genanten ruinirten Trajanischen Brücken eine Brücken über die Donau bauen /
so schon fast fertig seyn solle / umb aus der Bulgarey ihre Völcker in die
Wallachey überführen / und ferners auff die Polnische Gräntzen oder in
Siebenbürgen / oder in Ungarn gegen (Der Teckely
schweiffet in Ungarn hin und der.) Temeswar marschiren lassen zu
können. Den Teckely anlangende / ist selbiger diesen gantzen Monat über mit
einer geringen Mannschafft in Ober-Ungarn hin und her gestreiffet / seine liebe
Getreue in Mongatsch eines gewissen und schleunigen Entsatzes vertröstend. Ich
habe ehemals gemeldet / wie daß Ih. Käys. Maj. (umb weilen sich die Siebenb.
Ständ wegen der Käys. Einquartirung so sehr beschwehret) eine gewisse Com̅ission an selbigen Gräntzen angestellet / die dann ihren Fortgang
erreichet / vermög eines Extract- [234] Schreibens aus Zigeth vom 1. April / welches also lautet: Seither 4.
Wochen ist der Käys. Rath und Ober-Kriegs-Commissarius von Kintzing auff den vom
Käys. Hof aus empfangenen Befelch allhie in der Maramorosch (Extract. Schreibens aus Zigeth.) mit einem
Siebenbürg. Abgeordneten in einer Commission umb in publicis zu conferiren, und
zugleich das Quartierwesen zu examiniren, und zu adjoustiren, begriffen gewesen
/ weilen aber von gegenseitigen Theil allerley nichtige und grosse Praetensiones
gemacht werden / die Bauren auch auff ihrer gethanen Aussag wegen der an unsere
Regimenter beschehener Abführung der Portionen verbleiben / hingegen die unsrige
auff ihrem Empfang beständigst verharren: Als ist darinnen wenig verrichtet
worden / und wird sich nunmehr obgedachter Käys. Ober-Commissarius innerhalb
wenig Tagen von hier zuruck nacher Zattmar begeben / umb der allda angeordneter
hochansehentlicher Käyserl. und Königl. Commission (wobey deß Herrn Gen.
Feldmarschall Leutenant Grafens von Caraffa Excell. so dann Herr Gen. Graf
Szaky, ingleichem ein Ungarischer Cammer - Rath Herr Centiboni und er Herr Ober
- Commissarius von Kintzing vor Assessores vom Käys. Hof denominirt) beyzuwohnen
/ und dieses Quartier-wesen und anders von den Siebenbürgischen Unterthanen
gegen die unsrige Soldatesca zu applaniren. (Herr Gen.
Baragozy legt die Stadt Zeghedebatur in die Aschen.) Nachdem sonsten
der Hr. Gen. Baragozy, so auff den Teckely commandirt war / selbigen nit
ertappen können / weil er sich in die Flucht begeben / als ist selbiger mit bey
sich gehabtem Götzischen Regiment und den seinigen auff die Stadt Zeghedebatur
loß gangen / und solche in die Aschen gelegt / auch mit 40. gefangenen Türcken
nach S. Job kom̅en. Der Hr. Gen. Scherffenberg ist bereits mit
9000. Mann effectivè und 4000. Hungarn gegen Siebenbürgen abmarschirt / zu
welchen 12000. Mann deß Fürsten Abbaffy stossen / und sodann etwas
hauptsächliches gegen den allgemeinen Erbfeind vornehmen (Der Groß-Sultan schicket scharpffe Ordre in Asia.)
werden. Der Groß-Sultan hat die Vornehmsten von seinem Hof in Asia zu denen
Gouverneurn selbiger Provintzien / und andern Häuptern von der Militze dortigen
Lands mit kostbaren Geschencken abgeschicket / umb solche zum Völcker schicken
zu bewegen / worzu aber das gemeine Volck sich nicht verstehen wollen / weilen
erst vor kurtzem so viele Bassen und Europoeische Türckische Officiers so
grausam ermordet worden; derhalben mit aller Strenge anbefohlen worden / daß von
3. Personen von einer Familia zwo obligirt seynd / das Gewehr zu nehmen / bey
Straffe lebendig vor seinem Hauß gespisset zu werden / wann sie deme
widerstreben thäten; Es haben aber die Malcontenten einen vorbesagten gesandten
Bassa offentlich strangulirt / und dessen Kopff auff einen Pfal gestecket. Mit
particulier-Schreiben aus Ofen hat man / daß den 20. de novo zu Esseck 5000.
Mann angelanget / umb sel [235] biges
Schloß und Stadt zu bevestigen. Mit Ende dieses Monats ist die Ofner Besatzung
auff 9000. Mann / wie nicht weniger die zu Erlau mit etlichen 1000. verstärcket
worden / massen allda besorget wird / von denen Christlichen Waffen attaquirt zu
werden. Der Groß-Vezier wird den 10. (Den 1. Aprill
ist die Ausrüstung der Türck. Völcker zu Adrianopel gescheben.) May zu
Griechischweissenburg erwartet mit denen Asiatischen Völckern / welche jedoch
über 50000. Mann nicht ausmachen werden / indem kein Bassa die ihme
auffgetragene Anzahl lieffern können. Den 1. April ist die Musterung besagter
Völcker bey Adrianopel / deren ein Theil gegen Morea / die übrige aber gegen
Ungarn zu marschiren beordert / gehalten worden.
(Croatische Geschichten.) Croatische Brieff
versichern / daß die Türcken auff dasigen Gräntzen wegen im̅erwährendes streiffen selbiger Lands-Einwohner in grossen Forchten leben /
welche zu encouragiren und wieder behertzt zu machen / hat der Türckische
Commendant zu Costainizza (welches eine Stadt so zim̅lich vest /
auff dem Fluß Vana gelegen / und mit braver und grosser Guarnison besetzt ist)
publiciren lassen / daß er vor jeden Christenkopff / so man ihm bringen würde /
50. fl. und vvr jeden lebendigen Christen / welchen man ihme zuführen (Die Türcken verlassen das Schloß Vranograck.)
werde / 75. fl. bezahlen wolte. Hingegen hat man Zeitung / daß die Türcken das
Schloß Vranograck jenseit deß Flusses Maja / 8. Meilen von Carlstatt / und 6.
Meilen von Bihitz gelegen / allwo vor einem Monat der Herr Graf Franciscus
Erdödy die Palancka abgebrand / verlassen haben / welches nun von denen unsrigen
Croaten besetzt seyn wird / wodurch unsere Gräntzen wieder auff etliche Meilen
erweitert worden. Ein Parthey von der Guarnison aus Belgrad hat in einem Wald
einige Türckische Kauffleut von Canisa überfallen / etliche niedergemacht / und
auch einige Janitscharen (Die Garnison von S. Georg
erobert das Schloß Orackowitz.) gefänglich zu Czachathurn eingebracht:
Ein andere Parthey von der Guarnison von S. Georg hat die Stadt Orachowitz
überrumpelt / glücklich erobert / 200. darinn niedergemacht / und völlig
abgebrand / auch 52. Türcken Man̅s- und Weibs-personen nebst
grosser Beut gefänglich zurück gebracht; Noch ein andere Parthey von der
Guarnison von Warasdein / Creutz / Carlstatt / und andern Orten mehr haben sich
(auff vernehmen / daß der Türck. (Der Bassa Funduck
wird beßlich geh???utzet.) Bassa Funduck mit 3000. zu Pferd und zu Fuß
Verovitiza attaquiren wollen) in 1600. starck conjungirt / und unter Herrn
Obrist Leutenant Mackar in schneller Eyl und Stille den Feind den 8. dito zu
Nachts überfallen / darvon 170. niedergemacht / die Köpff in Säcken / nebst 57.
Gefangenen / worunter 2. Aga / und 3. vornehme Diener deß Bassa Funduck ohne der
andern Beuten mit 36. Fahnen / Trommeln / Paucken / Pfeiffen / und anderm ihrem
Spiel glücklich zuruck gekehrt / und den Charfreytag wieder zu Warasdein
angelangt / und nicht mehr als zwey Mann verlohren / da [236] doch die Türcken und Bürgerschafft
viel stärcker als sie gewesen / gemeldter Bassa Funduck hat sich kaum im
Schlaffrock auff einem Pferd ohne Sattel (Viele Rätzen
begeden sich in Jh. Käys. Mal. Protection.) salviren können. Im
übrigen continuiren die Türckischen Wallachen oder Rätzen noch täglich ihre
Zuflucht unter Ihro Käyserl. Maj. Gehorsam zu nehmen / weilen sie denen Türcken
nicht trauen; Die Türcken von Busim umb sich nun gegen die Rätzen zu rächen /
haben 2. ihrer Dörffer abgebrand (Werden von den
Türcken verfolget.) / und von dannen das Vieh hinweg geführet / aber
die Rätzen haben denen Türcken vorgebieget / und ihnen alle Beuten wieder
abgenommen / einige niedergehauen / und zwey der vornehmsten Türcken / nemlich
Chor (Diese aber von jenen übel empfangen.) Agam
und Cherkinovvich gefangen bekommen / und gebunden / als Sclaven zu der
Christlichen Guarnison in Buzin geführet / und haben besagte Rätzen mit aller
Beute sich in das Christliche Gebiet salvirt. Der Croatische Protonotarius Herr
Illachsich ist den 6. mit einigen 100. Croaten von gemeldtem Buzin ausgangen /
umb einen andern Streiff in deß Feindes Lande zu thun / davon der Success
künfftig zu vernehmen seynd wird.
(Türckische Geschichten / laut Extract-Schreibens von
Constantinopel.) Belangend die Türckischen Geschichten / so wird aus
Constantinopel vom 1. dito geschrieben / daß die Rebellion in der Landschafft
von Natoliae zwar gestillet / jedoch ist selbiger Bassa mit einigen von seinem
Anhang / weilen sie dem Groß-Vezier davon nicht frühzeitig Nachricht gegeben /
erwürget worden. Mit der Post aus Siebenbürgen ist ein Courrier in 7. Tagen
daselbst zu Constantinopel angelangt / mit Bericht / daß die Siebenbürger der
Käyserl. Macht / so schon in ihrem Lande ist / nicht widerstehen können /
weßhalben der Groß-Sultan mit dem Groß-Vezier / dem Muffti / und andern Grossen
deß Hofs zu Adrianopel eine lange Conferentz gehalten hat. Der Groß-Sultan ist
vom Groß-Vezier und andern Vornehmen überredet worden / umb bey jetzigen
conjuncturen die grosse Spesen und Kosten zu erspahren / sich wieder anhero zu
erheben / und wie man vernimbt / solle der Auffbruch von Adrianopel den 1. dito
nacher Constantinopel beschehen / zu welcher Zeit der Groß-Vezier mit einer
starcken Armee / darunter die Asiatischen Völcker / welche man täglich erwartet
/ seyn sollen / nacher Griechisch Weissenburg marschiren will / zu deme auch die
2. Bassen von Boßnia und Arcigouina stossen sollen / wie er dann seinem Bruder
in Boßnia 40. Beutel mit Geld zugesandt hat / umb 2000. Albaneser darfür zu
werben / und (Der Polnische Resident wird über
vermuthen vom Groß-Vezier sehr w???ol tractirt.) bey sich zu behalten.
Der Polnische Resident ist von dem Groß-Vezier wieder in Freyheit gestellt / und
von diesem mit einem schönen Pferd und etlichen Stückern Tuch und Atlaß
beschenckt worden / der Hoffnung lebend / mit seinem König den Frieden zu
schliessen / wie dann besagter Resident in Gesellschafft deß Assam Satto, Bassa
von Caminieck / den 2. Martii von Adria [237] nopel nacher Pohln abgereist seyn wird. Die Pest thut
allhier noch viele Menschen wegreissen / auch werden die Lebens - Mittel täglich
theurer / weßhalben ein allgemeiner Auffstand besorget wird.
Der Herr Girardin Frantzös. Ambassadeur ist den 20. passato nach Adrianopel
verreist / umb bey dem grossen Herrn und Groß - Vezier Audientz zu haben / und
sagt man / daß er die Ehre haben werde / umb auff der Sopha zu sitzen / so sein
Antecessor Mons. de Quilleragues nicht erhalten hat; vor seiner Abreiß hatte er
bey dem Caimacan Audientz / worinnen er sich über einige Insolentien / so die
Türckische Schiffe unterm Commando deß (Den Frantzös.
Ambassadeur beschiebt alle Satisfaction.) Capitain Baba Hassan gegen
etliche Frantzösische verübet / beklaget / weßhalben man auch alsobald einige
Türcken umb besagtem Ambassadeur Satisfaction zu geben / in Ketten geschlossen
hat / und man nun deßhalben fernere Ordre von der Pforten erwartet. Indessen ist
besagter Schiffs - Capitain Baba Hassan am Bord deß Frantz. Ritters de Mene
gewesen / umb solche verübte Insolentien der Türcke̅ zu
entschuldige̅ / so wird auch berichtet / daß in allen Türck.
Häfen Ordre ertheilt worden / umb die Befehle / fo der Türck. Käyser in favor
der Frantzosen außgehen lassen / zu exequiren. Allhier ist ein Geschrey
erschollen / als ob wir mit dem König in Persien Ungelegenheit haben würden /
indessen aber schreibt der Bassa von Bagdat, daß man sich dessen gantz nicht zu
besorgen habe. Sonsten thut die Pforte alles / was sie nur kan / umb die neue
Werbungen vor Ungarn und Morea / jedoch mit geringem Success fortzusetzen. So
viel aus Constantinopel.
Das dritte Capittel
Haltet in sich / was im Römischen Reich hin und wieder passirt ist.
(Röm. Reichs Geschichten.) AUs dem Ober -
Sächsischem Cräyß hat man von der Churfürstl. Brandenburg. Residentz-Stadt
Berlin / daß Ihro Churfl. Durchl. von Potzdam auffgebrochen / und den 16. diß
wieder zu besagten Berlin (Ober-Sächfischer
Cräyß.) angelangt seye / bey welcher der Hr. Amts-Rath und Gen.
Quartiermeister rapport gethan / wie er nehmlichen mit einem gewissen Kauffmann
in Wien einen Accord gemacht / daß derselbe Magazinen aufrichten / und
allenthalben / woselbsten unsere Armee in Ungarn zu stehen kom̅e /
es seye an welchen Orthen es wolle / dieselbe mit Korn / Heu / Stroh / Brod /
Mehl / Zweyback und Geträncke vor einen gewissen Preiß die gantze Campagne durch
versehen / und [238] verpflegen soll / wovor
ihm alle Monat der Kosten in baarem Geld richtig und ungesäumbt bezahlt werden
solle. Alle Feuerwercker seynd nach Wien vorangangen / umb daselbst die zur
Artilleri gehörige Granaten / Bomben / (Chur-Brandenburgische Geschichten.) und dergleichen zu verfertigen.
Unsere Infanteri ist blau / die Artilleri braun / und die Cavalleri / sowohl
Reuther als Dragoner mit ledern Gollern bekleidet / 2. Soldaten bekommen eine
Zellt / und 1. Strosack; was die Mondirung der Officirer angehet / ist kaum zu
beschreiben / wie pompoß und überaus (Außrüstung der
Officier zum Vngarischen Marsch.) magnific sich selbige außrüsten. Die
Generals / Obristen / und andere haben lauter silberne Pferd - Geschirr. Die
Ober - Officirer der Granadirer haben an ihren Taschen gantz silbernes Blech /
die Unter-Officirer aber versilbertes Messing / und die gemeine Messinge. Die
Servise seynd überaus kostbahr / und trachtet je einer den andern darinn zu
übertreffen / in dem etliche sie gar von Augspurg und andern Orthen bringen
lassen; der Hr. General Schönick / weil er unpaß / soll von den Maul-Eseln
getragen werden. Er hat bey 300. Pferdte und etliche 30. Rüstwägen: Es soll
seine Equipage bey 3000. Rthl. kosten. Den 8. ist die Artilleri als zwey
zwölffpfündige / zwey 6. pfündige / sechs 3. pfündige Stück / 4. Böller / 2.
Haubitzen / nebst den gehörigen Kugel- und Rüstwägen vor das Leipziger Thor in
eine schöne (Die Artilleri wird nach dem Rendevous nach
Crossen geführt.) fronte gestellt worden. Den 17. ist besagte
Artilleri in folgender Ordnung auff das assignirte Rendezvous durch diese Stadt
nach Crossen marchirt. Erstlich ritte der Brücken-Meister / deme folgeten seine
Gesellen / und Handlanger zu Fuß mit ihren Aexten / darauff kam die Wacht /
ohngefähr 50. Mann vom Baarfusischen Regiment / hierauff der Hnn. Officirer
Handpferde: Erstlich giengen 2. Furier - Schützen / nach diesen ritte der (Zug-Ordnung.) Paucker / so ein Mohr / dessen
possirliche Minen und Habit lustig zu sehen war / welchen die Hnn. Officirer
solgeten: als nemblich der Hr. Obrist-Leutenant Bertram, Hr.
Ober-Feld-Zeugmeister Weyler / ein Hauptmann / ein Leutenant / 2. Stückfendrich
/ ein Ingenieur, ein Zeugwarter / ein Zeugschreiber / und ein Feuer-Werckmeister
/ diesen folgeten 10. Feuerwercker / ein Petardirer / 2. Corporale / alle zu
Pferd und gleich muntirt / mit Mußquetonner an der Seiten. Hierauff kamen die
Stücke mit ihren Constablern / und Handlangern / auff einem jeden Stück war ein
Zelt auffgebunden / deren sich die Leuthe im Feld bedienen sollen / es können
unter jeder Zelt 4. Mann ligen / und solcher seynd 1600. mit fortgeschickt
worden; Nach den Stücken die Böller und Haubitzen mit ihren gehörigen Affuiten /
Hebzeugen / wie auch den grossen Armbrust / woraus man mit sonderlichem Vortheil
3. und mehr 3. pfündige Granaten / bey 100. Schritt schissen kan: Ein
Feldschmied: hierauff folgten die Rüst und Bagage-Wägen: nach diesen ritte der
Feld [239] becker in seiner
weissen Becker-Schürtze / dem 3. seiner Gesellen in gleichem Habit folgten /
hernach die Kugelwägen: hierauff ein Tambour zu Pferd / so den Dragonermarsch
schluge / deme die Pulverkarren / und wieder ein Tambour / wie der vorige folgte
/ den Beschluß machte wieder ein Wachte von ohngefähr 50. Mann / Se. Churfl.
Durchl. nebst der gantzen gnädigsten Herrschafft sahen aus dero Gemach diß mit
an: der Hr Ober-Feld-Zeugmeister von Weyler war in grosser Gefahr / weil sein
Pferd zu kollern anfieng / und halsbrechende Sprünge mit ihm that / doch hielt
er sich so wohl / daß er fest fitzen blieb / und ihn das Pferd nicht vermochte
herab zu werffen / biß es selbst gantz mattloß mit ihm über ein hauffen fiel /
und also todt ligen blieb / er aber ohne Schaden ihm ein anders Pferd bringen
ließ / und seiner Ordnung folgte / dieser Schade ist von Sr. Churfl. Durchl. wie
sie es vernommen / mit 2. andern schönen Pferden ersetzt worden. Den 18. darauff
marschirte ebenfals die Guarde / ein außerlesenes wohlmontirtes Volck / die
Piquenirer haben eine Feder / eine Pistol / und ein klein Handbeil im Gürtel
stecken; Den 19. gieng deß General Lieutenants von Schöning Bagage forte Den 20.
deß Grafen von Donau / alles sehr prächtig und kostbahr. (Außführlicher Bericht von mufterung der
Chur-Brandendurgisch. Armee so Jh. Käys. Maj. in Vngarn wider den Erbfeind
zu hülff geschicket worden.) Den 22. folgten Ihro Churfl. Durchl.
nebst der gantzen hohen Herrschafft / worauff die Musterung der Armee / so
selbige Ihro Käys. Majest. in Ungarn wider den Erbfeind zu hülff schicken / den
27. diß vollzogen worden / worbey viel denckwürdige Dinge passirt: ungefähr umb
8. Uhr Morgens begaben sich Se. Churfl. Durchl. in Begleitung vieler Fürstl.
Persohnen / aller außwärtigen Ministrorum und Abgesandten / wie auch der gantzen
Hoffstatt nach dem Ort / allwo die Armee in einer schönen Vatallie gestellt ware
/ welches ein Meilwegs von Crossen / und anderthalb Meilen auff der Schlesischen
Gräntzen gelegen / Se. Churfl. Durchl. fuhren zwar nebst dero Churfl. Gemahlin
in einer offnen Calesche hinaus / als sie aber zur Armee naheten / begaben sie
sich zu Pferd / und ritten die gantze Linien / so ohngefähr eine halbe Teutsche
Meil sich erstreckete vorbey / mit einer allgemeinen grossen Freude der gantzen
Armee / als dieselbe ihren Vatter (wie ihn die Soldatesca nennet) mit einem so
Majestätischen und Martialischem Wesen im 67 sten Jahr seines Alters zu Pferd
sitzen sahe / daß den meisten vor Freuden die Augen übergiengen. Als Se.
Churfürstl. Durchl. 2. mahl die Linie passirt war / und alles wohl considerirt
hatte / verfügten sie sich nach der Artillerie / welche ebenmässig in einer
schönen Ordnung fast in der Mitte der Linie gestellet war / und liessen die
Brandenburg. und Reichslösunge zu erst von dem Geschütz / und dann von der
gantzen Armee geben / nachgehends liessen sie Hrn. Graffen Schaffgotsch /
welcher nebst den Grafen Prößkon / [240] Graf
Dünewald / und Baron von Berßdorff von wegen Ihr. Käyserl. Maj. sich dabey
eingefunden / einige rare Feuerwerck sehen / worunter man einige Granaten / so
ungemein weit geworffen wurden / wie auch gewisse Brandkugeln / welche nicht
außzulöschen waren / ungeachtet man gantze Fässer Wasser darauff goß / und viel
Erde darauff schüttete / admittirte / hierauff begaben sich Ihr. Churfl. Durchl.
nebst dero Illustren Gesellschafft an die Tafel / und liessen alle Anwesende /
welche sehr freudig und vergnügt waren ein so schönes Volck gesehen zu haben /
sehr herrlich und magnificq tractiren. Nach g???endigter Tafel begaben sich Se.
Churfürstl. Durchl. in ein an der Gezellt / liessen daselbst alle
Generals-Persohnen / und commandirende Officirer vor sich kom̅en /
und redeten dieselbe dieses ungefährlichen Innhalts (Der Churfürst hält ein schöne Red an die Officiers.) an: Daß nemblich
Se. Churfürstl. Durchl. sie erwählet hätten / ihnen die durch Gottes Beystand
erworbene Glorie ihrer Waffen zu Dienst Ihr. Käyserl. Maj. wider den Erbfeind
anzuvertrauen / sie wüsten alle / daß ihre Waffen / ohne eitlen Ruhm einen
Nahmen und Reputation in der Welt hätten / und trügen Se. Churfürstl. Durchl.
das Vertrauen zu ihnen / sie würden nichts thun / was dieselbe einiger massen
beflecken könte / dann sie ihrer Tapfferkeit und bravoure versichert / und dann
in so viel schönen Actionen ein Zeuge wären: sie recommendirten ihnen
insonderheit die Einigkeit / und wolten / daß durchaus keine Jalousie und
Zwytracht / als welche insgemein mehr Schaden verursachten als wann die
feindliche Waffen unter ihnen wären; sie wolten indessen / ob sie gleich nicht
mit dem Leibe bey ihnen / jedoch mit dem Gemüth gegenwärtig seyn / und vor sie
alle sorgen / damit ihnen nichts mangelte / und hätten Ordre gestellet / daß
denen Officirern ihr vollkommener Sold / denen gemeinen aber / ausser der
vollständigen Verpflegung / einem Reuther anderthalb Rthlr. und einem Fußknecht
1. Rthlr. an Geld monathlich richtig / ohne Abgang der Kleider-Gelder bezahlt
werden solte; sie recommendirten ihnen darneben / gute und scharffe Ordre zu
halten / und deß Landmanns auch deß Getraidigs auff dem Feld zu schonen / wie
auch alle Vorsichtigkeit zu gebrauchen / daß durch ihre schuld keine
Feuersbrunst entstünde / sondern möglichster massen verhütet würde: solten sie
allzeit ihre Devoir, und die wahre Glorie vor Augen haben: wann solches / wie
sie nicht zweiffelten / geschehen würde / solten sie sich alle ihrer beständigen
Gnade und Affection, wie auch einer genereusen und redlichen (Welche Hr. General Schö???ing in aller Vn)
Vergeltung versichert halten. Der General-Lieutenant Schöning / welchem Se.
Churfl. Durchl. das Commando gegeben / antwortete hierauff mit einer kurtzen /
aber wohl gefasseten Soldaten Rede / daß nemblich sie allerseits Sr. Churfürstl.
Durchl. dancketen / vor das gnädigste Vertrauen / [241] so dieselbe zu sie hätten / und vor
die Ehre / so sie ihnen thäten / sie zu dieser glorieusen Expedition zu
gebrauchen / sie wären alle bereit in einer so gerechten Sache / und vor die
Ehre und Reputation ihrer Waffen ihr Blut (terthänigkeit beantwortet.) mit Freuden zu vergiessen / und das Leben
auffzuopffern / dessen Se. Churfl. Durchl. festiglich könten versichert seyn:
was Se. Churfl. Durchl. wegen ihres Unterhalts gedacht / daraus erkenneten sie
mit unterthänigstem Danck ihre gnädigste und Vätterliche Vorsorge: sie hätten
sie jederzeit so genereus und wohl tractirt / daß sie deßhalben nicht wären
bekümmert gewesen. An Haltung guter und scharffer Ordre solte es auch nicht
ermanglen / und gleichwie sie alle bey so vielen Occasionen ihre Treue fignalirt
hätten / als verspreche er nochmahln vor sich und in ihrer aller Nahmen / daß
sie ferner als redliche Leuthe thun / und sich als tapfere Soldaten eines so
mächtigen Potentaten und genereusen Herrn verhalten wolten.
(Die Officirs werden zum Handkuß ad mittirt und
folgends entlassen.) Se. Churfürstl. Durchl. verstatteten darauff alle
Officirer zum Hand-Kuß / und sageten ihnen ein t???ndre Adjeu, wie solches
vollbracht / liessen sie sich vor den Gezellt tragen / und gaben Ordre / daß die
Armee nochmahln vorbey filiren muste / damit sie dieselbe in allen ihren
Gliedern confideriren könten / da dann alle insgemein / so zugegen und
insonderheit die Frembden / öffentlich bekant / und außgeruffen / daß sie die
Tage ihres Lebens keine schönere / und in allen Stücken besser muntirte / auch
mit so guter Equippage versehene Mannschafft gesehen hätten / dergestalt / daß
auch kein Soldat war / der nicht seine Augen auff Se. Churfürstl. Durchl.
richtete / und aus dessen Augen nicht eine Begierde zum fechten hervorblicken
liesse. Nachdem nun alles gethan / und Se. Churfürstl. Durchl. auff solche Art
ihre brave Soldaten congedyret hatten / kehreten sie wieder anhero / und ward
also diese Reveve mit der höchsten Vergnügung aller Anwesenden geschlossen. Die
(Sinn-Bild??? der Leib-Standa ten von der
Chur-Brondenb. Armee.) Leib-Standarten / so diese Völcker in Ungarn
mit sich nehmen führen nachfolgende Sinnbilder: und zwar die erste einen Berg /
der brennet / und würft Flammen / Steine und Schwefel von sich mit beygefügtem
Symbolo. Innata virtute: die andere Creutz und Schwerd werden vom Adler geführet
/ mit dieser Uberschrifft: Christo Duce prospera bella: die 3. das Chur-Scepter
mit etlichen von sich schissenden Blitzstrahlen / addito lemmate: Hostes terret,
sed fulcit amicos; die 4. eine Wolcke überzeucht den halben Mond / mit
beygefügter Inscription: Minuet tibi nubila lumen; die 5. eine Fackel zündet
einen Türckischen Bund an / mit der Uberschrifft: Non est Jucundior ignis; und
die 6. eine Hand zeucht umb den Säbel einen Circul. Addito lemmate: Justissimus
arma secundet. Sobald wie oben erwehnet die General-Musterung [242] ihre Endschafft erreichet / haben die
Chur-Brandenb. Völcker ihren Marsch über Schlesien nacher Ungarn angetretten.
(Sächsische Geschichten.) Von Dreßden aus der
Churfl. Residentz-Stadt in Sachsen hat man / daß den 17. die Musterung selbiger
Infanterie / so J. Käys. Maj. zu hülff nach Ungarn destinirt / bey Freyberg
vorbey gegangen / dan̅ den 19. darauff die Reveve von selbiger
Cavalleri bey Stolpe gehalten worden sey. Worauff die sämbtliche Völcker ihren
Marsch nacher Ungarn fortgesetzet haben.
(Das schöne Kloster Roßleben gehet im Rauch auff wie
auch Langenfeld und groß Rude-Stadt) Aus Thüringen wird berichtet /
daß am Charfreytag / das schöne Closter Roßleben / so wegen der Schulen allda
sehr berühmt gewesen / durch eine unversehene Feuersbrunst gäntzlich
eingeäschert worden / niemand weiß / wie es außkommen. Es lieget in der
Herrschafft Werthern unweit Wihe / und wenig Meilen von Erfurt. Ferners ist am
ersten H. Ostertag der schöne Flecken Langenfeld ohnweit Mühlhausen biß auf 15
Häuser gäntzlich abgebrandt / und darüber 4. Persohnen / auch 200. stück Schafe
/ ungeachtet das Feuer Abends umb 4. Uhr außkommen / jämmerlich verdorben / wie
es eigentlich sich entzündet weiß man an̅och nicht / doch wollen
einige die Schuld auff die allda ligende Soldaten / so in einem Hofe geschossen
haben solten / andere aber auff den Schäfer / so durch das Taback trincken Feuer
in das Stroh habe fallen lassen / werffen. So ist auch den 25. zu grossen
Rudestädt einem Fürstl. Sächs. Eisenachischem Ambt / anderthalb Meilen von
Erfurth / dardurch ein grosser Brand entstanden / daß etliche Knaben mit
Schlüsselbüchsen geschossen / darüber innerhalb 1. Stunden 30. wohlgebaute
Häuser / viel Scheuern / deren theils noch mit Geträyde angefüllet gewesen /
ingleichem viele Ställe und Viehe verlohrn gangen / das Ambthauß und Kirche
seynd zwar gerettet / die Schule aber und der Kirchthurn / so viel das
Holtzwerck belanget / eingeäschert / 2. von den Knaben seynd gefangen gesetzt /
und werden vermuthlich nechstens nacher Eisenach abgeholet werden. Der Schad
wird auff etlich 1000. Rthlr. geschätzet.
(Fränckischen Cräyses Geschichten.) Vom Fränck.
Cräyß hat man anders nichts / als daß den 1. diß zu Nachts deß Hn. Marggraffen
zu Onoltzbach Hochst. Durchl. an denen Kindsblattern zeitlichen Tods verblichen
seyn.
(Westphäl. Cräyses Geschichten.) Von
Westphalischem Cräyß bringen Brieff von der Stadt Cölln / daß den 3. der Hr.
Graff Ferdinand von Fürstenberg / so die Stelle seines Bruders deß verstorbenen
Printzen von Murbach hat / als Obrist Hoffmeister und erster Minister am
Chur-Cöllnischen Hof empfangen worden seye: den 4. seynd 100. Mann Käys.
Recrouten diese Stadt vorbey nach Ungarn marschirt / dahin auch täglich viel
wackere Herren / umb gegen die Türcken zu dienen gehen. Der Hr. Graff von Thaun
/ welcher Nahmens [243] Ihro Käys. Maj.
wieder als Ambassad. nacher dem Königl. Engellis. Hoff gehet / ist vor etlichen
Tagen allhier angelangt / welchen unser Magistrat mit Wein beschenckt hat. Man
sagt / ob hätte besagter Graff Nahmens Käys. Majest. von hiesiger Stadt einige
Geldhülffe wider die Türcken begehrt; er hat bereits seine Reise nacher Londen
fortgesetzet. Den 29. Martii zwischen (Das
Franciscaner Kloster zu Recklinghausen bre???et a???.) 12. und 1. Uhr
Nachmittag ist das Franciscaner-Closter zu Recklinghausen durch eine unversehene
Feuersbrunst innerhalb 6. Stunden sambt Kirchen und Schulen / nebst 108. dabey
stehenden Häusern und Wohnungen und allen Mobilien und Haußrath verbrandt. Den
erstbemeldten Käyserl. Recrouten seynd den 8. ein gute Anzahl Ingenieurs unter
Begleitung deß Käys. Gen. Commendanten der Minirer Hn. Libert von hier nach
Ungarn gefolget. Im Güllich- und Bergischen werden die Pfaltz-Neuburg.
Recrouten-Werbungen vor die Regimenter / so bey jüngster Campagne den meisten
Schaden gelitten / mit gutem Success fortgesetzet. Indessen hat sich der Landtag
zu Düsseldorff g???endiget / und ist der Chur-Printz zu Pfaltz den 17. bereits
(Zu Cöllen wird deß Güllichs Behausung
rasirt.) gegen Wien abgereist / umb dero Gemahlin die Ertz-Hertzogin von
Oesterreich abzuhohlen / sonsten ist im Sachen der ehdessen hier entstandenen
Revolta diesen Monat wenig passirt / ausser daß deß enthaupteten Güllichs schöne
Behausung völlig rasirt worden ist.
Aus dem Nider-Sächsischem Cräyß melden Schreiben aus den Lüneburgischen (Nider-Sächsischen Cräyses Geschichten.) / daß der
Hertzog von Zell die Action dero Abgesandtens Marenholtz zu Wien gegen die Hnn.
Schaffhausen und Müller / als Hamburgische Deputirte sehr übel deute;
Entzwischen werden an selbigem Hoff die Conferentien mit den daselbst anwesenden
Hnn. Gesandten wegen der (Der Pertzos von Zell haltet
verschiedene Conferentien wegen der Hamburgischen Differentien.)
Hamburgischen Differentien ohne unterlaß continuirt / und wird noch immer in
dieser Sach ein Accommodament verhoffet. Aus Italien hat man / daß Ihro
Hochfürstl. Durchl. der regirende Hertzog von Hannover mit einem Theil seiner
Hoffstatt nach Rom gangen / woselbsten sie einige Zeit sich divertiren werden /
dörffte also Sr. Durchl. Retour nach dero Erblande sich biß auff den Herbst
verziehen. Man beginnet dieser Orthen von neuen Aufflagen zu reden / wie dann
jetzo über die Quaestion quo modo deliberirt wird. Die starcke Nach???röste
ruiniren die Baumfrüchte / hergegen ist der Göttliche Seegen ausm Feld mit Lust
und Freuden anzusehen. Es wird ehister Tagen ein Minister von hier nach Leipzig
gehen / weiln daselbsten auch anderer hohen Potentaten Ministri erwartet werden
/ insonderheit Chur-Sachsen / Brandenburg / Cassel / Cölln sc. umb wegen der
Müntz ein gewisses Reglement zu schliessen.
|| [244]
Von Hamburg komt neues / daß auff Ankunfft deß Käyserl. Herrn Gesandtens Grafen
Herwardt zu Zell die Sach mit selbiger Stadt so weit gekommen / daß die
Lüneburgische Trouppen den 13. frühe umb 3. Uhr sich (Hamburg. Geschichten.) mit Sack und Pack aus Bergedorff / und den 4.
Landen wieder über die Elbe sich nach Hauß erhoben haben / ingleichem haben sie
auch das Ochsenwerder (Die Lüneb. quittiren die
Hamburg. 4. Landen behalten aber den Zollen. Spicker besetzet.)
quittirt / den Zollenspicker aber / und bunde Hauß / welches sie überaus wohl
forcificirt / annoch in Possession behalten / und sollen resolvirt seyn / bey
dero Quittirung selbige / wie auch alle übrige Schantzen totaliter zu demoliren.
Die Hamburgische Militz hat nun von allen denen verlassenen Landen wieder
Possession genommen. Den 17. ist ausser der Stadt Hamburg nahe fürm Thor am
Wallgraben / auff der so genanten Sr. Georgius Weyde ein grausamer Mord
beschehen / indeme ein Leinewebers Jung von 18. Jahren einen kleinen Knaben von
9. Jahren die Gurgel elendiglich abgeschnitten / nebst diesem hat nit weit von
besagter Stadt auff Dähnischer Jurisdiction eine Magd ihrer Halb-Schwester einem
Kind von anderthalb Jahren die Gurgel im freyen Feld abgeschnitten / so auch
gleich auff der That ertappet worden ist.
(Lübeckische Geschichten.) Aus Lübeck hat man /
daß den 3. deß Königlichen Dähnischen Residen Herrn Paulsen sein Stieff-Sohn /
Mons. von Hatten mit einem Gefolg von 20. Trauer-Carossen ins Holsten Thor
hereingebracht / die 4. Pferde vor dem Leichwagen waren biß an die Erden mit
schwartzen Tuch (Deß Königl. Däbnischen Residenten
Stieff-Sohn wird zur Erden bestattet.) überzogen / deßgleichen der
Sarg schwartz mit einem weissen Creutz / und an jeder Seite 3. Wappen / die 4.
Zippeln von dem Lacken wurden von 4. Persohnen getragen / und wurd also unter
Glockengeleut / und Brennung 12. Fackeln / wie auch einen grossen Gefolg der
Bürger umb halb 8. Uhr zum Thum beerdiget. Im übrigen befinden sich Königl.
Dähnische / Schwedische / Lüneburg. und Mecklenburg. Gesandten in dieser Stadt /
umb wegen einer gewissen hochwichtigen Sach etwas zu tractiren.
Das vierdte Capitel
Meldet von Königl. Frantzösisch-Spannisch- und Portugesischen Begebenheiten.
(Königliche Frantzösis. Geschichten.) MIt Brieffen
aus Pariß verlautet / daß nachdem die alte verwittibte Thurfúrstin von Pfaltz zu
Heydelberg gestorben / der Frantzösische Minister alldorten alle Güter und
Mobilien / so bey ihrem Hoff be [245] findlich gewesen / und sich über ein Million belauffen soll /
verarrestiret habe. Brieff von Genua melden / daß die instantien, welche unser
Envoye alldar wegen Abschaffung der Zölle / so seithero 4. Jahren auff die
Frantzösische Weine gestellet worden / biß dato noch vergebens gewesen seynd.
Der Bischoff von Chartres ist blind / taub / und stumm / der Ertz-Bischoff von
Rouan aber ist gantz kindisch geworden; und der Ertz-Bischoff von Alby ligt in
denen letzten Zügen. Der Herr Chevalier Colbert ist per posta nacher Provence
verreist / umb sein Schiff zu commandiren / welches unter deß Hertzogs von
Mortemar See-Armada ist. Brieffe von Marsilien confirmiren, (Die Algierer lauffen mit 30. Kriegsschiffen in die
See.) daß die Algierer mit 30. Schiffen starck in See gelauffen seynd /
und dörfften wohl mit denen Holländern den Frieden brechen. Von Livorno hat man
/ daß daselbsten 1200. Casaquen vor die Soldaten / wie auch Feuerwercke /
Carcassen / Bomben / und Canonen / umb mit ihren Officiers eingeschiffet zu
werden / verfertiget würden / umb folglich nach der Venetianischen Armada zu
seglen / und sich mit dieser zu conjungiren. Den 3. nahm der König eine
Purgation ein / und sahe selbigen Tags die Dames von dem Carousel mit ihren
Cavaliers vergesellschafftet aus dem Fenster vorbey passiren. Der Arrest auff
die Spannische Güter in Niederlanden continuiret noch (Zu Pariß wird deß Königs neu. auffgerichter Statue sebr grosse Ehr
erwiesen.) immer fort. Der Ort in dieser Stadt Pariß / woselbst die
Abbildung deß Königs / so der Hertzog de Fervillade auffrichten lassen /
gestellt ist / ist geöffnet worden: Besagter Hertzog ritte vor seiner
Regiment-Guarde voran / und als er an den Ort / woselbst die Statue auffgericht
war / gekommen / grüssete er dieselbe mit seiner Pickque / worinn ihm alle
Officierer folgeten: nach der Guarder erzeigte sich der Herr de Crequy,
Gouverneur dieser Stadt mit dem Provost der Kauffleuten / welcher eine Ansprach
thät / indessen wurden unterschiedliche Medaillen von Gold / Silber und Kupffer
unter die Umbstehende aus getheilet / so wurde auch eine prächtige Mahlzeit auff
dem Rathhauß gehalten / worauff viel Freudenfeuer angesteckt / und ein grosses
zuruffen von Vive le Roy gehöret worden. Mons. und Madame la Dauphine waren
ebenfalls / umb dieses zu sehen / von Versailles expresse anhero kommen / und
giengen deß Nachts umb II. Uhr erst wiederumb zurück. Man hat einen Courrier
nacher Madritt an Mons. Patouller, wegen der Negotien Interesse geschickt; und
solle Mons. Patouller ehistens wieder nacher Hauß kehren / wann er keine
positivè Antwort zur Satisfaction der Negotianten oder Handelsleuten bekommet.
Der König will haben / daß die Restitution deß Gelds / so zu Corunnes denen
Kauffleuten von Rissel angehalten worden / nicht durch Handen deß Päbstlichen
Nuntii in Spannien / sondern aus Befehl deß Königs in Span [246] nien beschehen solle. Der Herr
Bischoff von Straßburg ist mit drey schönen Abbteyen in Flandern vom König
versehen worden. Zu Sr. Malo ist (Hr. Bischoff von
Straßburg wird mit 3. nenen Abbteyen in Flandern verseben.) die
See-Equippage auff 45. Kriegsschiffe vergrössert. Der Cardinal de Boullon ist
von Avignon verreist / umb sich nach seiner Abbtey von Clugny zu begeben.
Hiesiger Hof wird wegen Absterben der alten verwittibten Churfürstin zu Pfaltz /
als Murter von Madame d’Orleans die Trauer anlegen. Madame la Dauphine ist
dieser Tagen etwas unpäßlich gewesen / befindet sich aber wieder besser / und
hat sie der König drey oder viermal besuchet. Die Deputirten der Cantons von
Zürich und Bern haben die in den Lucerner Thälern wissen lassen / daß sie keinen
Succurs von ihren Principalen zu erwarten hätten; unterdessen vernimbt man / daß
sie resolvirt seynd / sich gegen die Savoysche Völcker zu defendiren. Unser
Ambassadeur im Schweitzerland hat alldar zu wissen gethan / daß der König es vor
eine ruptur der Alliantz auffnehmen werde / daferne die Cantons resolvirten /
denen Feinden oder Rebellen von seinen Alliirten Fürsten Hülste zu leisten. Man
sagt / daß die Schweitzer diesen Sommer 2. Armeen von ihren Völckern machen
wolen. (Hr. Graf von Löwenstein wird zum Abbt von
Murbach erwählet.) Zum Abbt von Murbach im Elsas hat selbiges Capitel
mit Königl. Einwilligung zu solcher Würde den Herrn Grasen von Löwenstein
erwählet. Die Hertzogin von Boui lon ist den 25. nach Pontoise verreist / und
von dar ferner nach Orleans, umb sich von dem Herrn Gendron dem berühmsten
Oculisten in Europa curiren zu lassen. Seine Maj. will diesen Sommer 5. Läger
formiren lassen / als eines zu Guyenne, eines in Flandern / eines im Elsas /
eines in Burgund / und die Trouppen von deß Königs Hauß sollen in dem Ebenen von
Oville campiren, worüber noch 15000. Mann an den Fluß Eure commandirt werden /
und daselbst arbeiten sollen. An den Gouverneur zu Casal ist Ordre abgangen /
wann die Sache gegen die Protestanten im Savoyschen Lande zu Ende gebracht seyn
wird / die Königliche Völcker wieder in ihre vorige Quartier zu senden. Den 8.
ist die Gräfin von Roye nacher Dennemarck abgereist / umb ihren Eheherren dorten
zu finden / welche ihr Herr Bruder der Marschall de Duras eine Tagreise
vergesellschafftet hat. Die Marggräfin von Sr. Remy, der Hertzogin de la
Valliere Frau Mutter / ist den II. gestorben. Man sagt / daß die Algierer den
Holländischen Consul alldorten wissen lassen / daß den 19. Martii der Frieden /
welchen selbige Regierung mit denen General Staaten der vereinigten Niederlanden
gemacht hat / vor gebrochen gehalten werden solte. Der Admiral Papachino, der
beste Seemann / so dieser Zeit in Spanien ist / hat Ordre erhalten / die Anzahl
Schiffe / so selbige Cron diese Campagne in See bringen soll / zu besichtigen /
und dem Kriegs-Rath zu Ma [247] dritt
davon rapport zu thun. Man ist über die Geneuser auffs neue nicht wohl zu
sprechen / weil sie von neuem die Mißgunst gegen Franckreich in verschiedenen
Gelegenheiten bezeuget haben. Der Marq. de Courtenvaux, (Verschiedene Frantzös. Marquisen geben als volunteurs
in die Ungarische und Polnische Campagne.) ältester Sohn deß Mons. de
Louvois, so bereits einige Zeit zu Hamburg gewesen / gehet nach Polen / umb der
Campagne daselbst beyzuwohnen / und der Marq. de Sonvray sein Bruder ist zu Wien
bereits angekommen / von dannen derselbe ferner in Ungarn gehen wird. Der Marq.
de Torsy, Sohn deß Mons. Croissy Colbert befindet sich jetzund ebenfalls zu
Wien. Wie man vernimbt / hat unser Ambassad. zu Madritt / Mons. de Feuquieres
dem Spannischen Hof / und Mons. de Barillon zu Londen dem König von Engelland
declaritt, daß unsers Königs Seeflotte gegen die Gallionen / welche aus Indien
kommen / angesehen und destinirt seye / und daß Seine Aller-Christl. Majest.
dardurch die Satisfaction, so Spannien abgeschlagen hat / durch repressalien
suchen wolle / welche declaration der Hertzog von Estreés zu Rom dem Pabst thun
solle: jedoch solle dardurch der Stillstand (Die Stadt
Brugge offerins dem König in Spanien mit gewisser Condition 12.
Kriegschiff.) keines wegs beunruhiget noch gebrochen werden. Aus Flandern
wird geschrieben / daß die von Brügge Sr. Catholischen Majest. angebotten habe /
12. Kriegsschiffe auff ihren Kosten zu bauen / welche Se. Maj. wo sie wollen /
gebrauchen solten / daferne Se. Maj. derselben Stadt mit Ausschliessung aller
andern werde verwilligen / den Einkauff von der Spannischen groben und feinen
Wolle. Weilen man sonst täglich vernimbt / daß viele Protestanten sich aus
Franckreich weg / und daß sie sich in abgelegene Häfen und Schiffe begeben / so
hat man nun resolvirt / Wachten darbey zu (Der König
rühret 1600. Personen / so mit Kröpffen behasstet seyn / an.) stellen
/ und auff sie Achtung zu haben. Den 13. hat der König die jenige / so mit
Kröpffen behafftet gewesen / wohl bey 1600. Personen angerühret. Man sagt / daß
der Pater de la Chaise mit Erlaubnuß deß Königs ein Nonnen-Kloster vom Orden
Ignatio oder der Jesuiten in der Vorstadt zu Sr. Germain auffrichten werde / und
daß die Princessin von Conty die Stiffterin davon seyn solle. Unsere Flotte / so
in See lauffen soll / wird / wie man sagt / in 50. Kriegsschiffen / 8. Brandern
/ 12. Fregatten / und vielem ande-Fahrzeuge bestehen. Brieff von Genff vom 16.
dito melden / daß dorten ein Gerüchte lieffe / daß die Protestanten in denen
Thälern von Piemont / die Amnestie, welche ihnen durch den Hertzog von Savoyen
angebotten worden / angenommen hätten / durch welche ihnen werde zugelassen /
aus seinen Landen zu ziehen / und nicht wieder darein zu kommen / so lange sie
bey ihrem Glauben bleiben / und daß Se. Königl. Hoheit ihnen einige Zeit hätte
vergönnet / umb ihre ligende Güter / Kauffmannschafften / und Viehe / welches
sie mit wegführen sollen / zu verkauffen. Der Herr Marschall [248] d’Estié: Vice Admiral von Franckreich
ist den 12. dieses von Brest / nebst denen Schiffen / welche zu Rochefort
ausgerüstet worden / in See gelauffen / dessen Ordres werden geheim gehalten /
die er eher nicht eröffnen darff / bevoren (Der
Marschall d’Estree Vice. Adimiral von Franckreich gebet in See.) er
zweymal 24. Stunden lang im See gewesen seyn wird. Das Parlament von Grenoble
hat 2. Deputirte von Vornehmsten aus ihnen anhero gesandt / umb den König wegen
seiner Wiedergenesung zu complimentiren / und glaubt man / daß die andern
Parlamenter deßgleichen thun werden. Aus Normandey wird geschrieben / daß fast
täglich von den Neubekehrten einige abstürben / ohne das H. Sacrament von der
Römischen Kirchen zu empfangen / worauff sich dann zugetragen / daß eine sichere
Person Namens Pierre la Vasseur von Boulbeoq auff besagte Weise aus dieser Welt
geschieden / welchem die Richter an selbigem Ort den Leib auffschneiden / und
das Eingeweyd sambt dem Hertz vor die Hund / den Leichnam aber an einen
verächtlichen Ort ins Feld werffen lassen / als aber das Parlament von Rovan
hiervon Nachricht erhalten / hat selbiges besagien Richtern Ordre ertheilt / den
Leichnam zu begraben / und ihnen den Proceß zu (Ein
Schweitzerischer Abgesandter hat bey dem König Audientz.) überlassen.
Den 25. dieses hat der Herr d’Estavay, Herr von Mollondin, Rathsherr von dem
Canton von Solothurn / und Abgesandter von den 13. Schweitzer-Cantons bey Sr.
Königl. Maj. die erste Audientz gehabt / dessen Anbringen aber wird noch in
geheim gehalten. Unerachtet das Accommodament mit Spannien richtig / so sollen
doch die Spannische Güter in denen Niederlanden so lang noch in Arrest bleiben /
biß daß die unsrigen Satisfaction wegen der Sache von Mallaga haben werden. Es
wird nun fast eine gantze Gewonheit / daß die Weiber ihre Manner verlassen / wie
dann drey derselben von einem ansehnlichen Stand solches in kurtzer Zeit in
dieser Stadt gethan / einer aber davon ist Königl. Ordre ertheilt worden / daß
sie die Zeit ihres Lebens in dem Kloster Valde Grace zubringen soll. Der Herr de
la Chesney, deß Königs Hof-Juncker / empfieng einen Brieff von einem sichern
Priester / worinn er vermahnet wurde / sich kurtz zu Verlassung dieser Welt zu
proepariren / well seiner Tage gar wenig mehr wären / worauff er auch die
nechste Wochen gestorben / und eine betrübte Frau und Kinder hinterlassen / hat
/ und wird nun unterschiedlich / so wohl von dessen (4.
in 500. Renbekehrte / so ihren Gottesdienst auff protestirenbe Weiß in
offenem Feld gehalten / werden zer.) Todt / als der Propheceyung deß
Priesters geredet. 4. biß 500. von den neulich Bekehrten in Languedoc haben im
Feld unweit Payn sich versamblet / und einen gewissen Proponenten zu ihrem
Prediger angenommen / welcher vor ihnen geprediget / und denselben das Abendmal
gegeben / welche aber verfolget / und einige gefangen gesetzt / so jedoch
wiederumb durchgangen seyn / dann die Dragoner / so solche Gefangene verwahren
sollen / selbi [249] ge haben lauffen
lassen / man hat bey einem solchen Geflüchteten ein Zeichen von Bley gefunden /
wovon auff der einen Seiten ein Ancker / auff der andern aber ein Osterlamm
stehet / dergleichen Art von Zeichen pflegte einem (streuet / und theils gefäuglich angenommen.) jeden / welcher
examinirt / und sein Bekantnuß der protestantischen Religion in Franckreich
gethan / gegeben / und alsdann zu communiciren zugelassen werden / solcher
Zeichen hat man bey einem bekehrten Proedicanten einen gantzen Sack voll
gefunden. Von Lissabon wird geschrieben / daß daselbst zwey Ambassadeur aus Siam
arrivirt / welche anhero kommen wolten / um eine ewige Alliantz mit unserm König
zu machen / und assistenz gegen ihre Feinde zu suchen / sie bringen auch grosse
und considerable Proesenten vor den König mit. Ein sicherer Doctor Medicinae hat
vor etlich Tagen umb einer gar liederlichen Ursach wegen einem seiner
Mit-Collegen eine Maulschelle gegeben / und solches in einer offentlichen
Versamblung / weßhalben er durch die Schärpffe deß Königs Rechts / welche solche
Frevelthat in dem Reich verbietet / dahin condemnirt worden / daß er den
Beleidigten blossen Haupts um Verzeyhung bitten müssen / in Gegenwart eines
Proesidenten au Mortier, zwey Rathsherren von Hof / einem Notatio, seinen
Procureur, und einer gewissen Anzahl Doctoren / so der Beleidigte darzu erwählen
mag. Nachdem der König den 20. sich etwas auff der Jagd divertirt, ist (Der König wird etwas unpäßlich.) derselbe darauff
genöthiget worden / 2. biß 3. Tag das Bett zu hüten / und ist aus der Wunden
materie kommen / nachdem man eine incisie gemacht / und eine cantere an dieselbe
applicirt, die Herren Medici sagen aber / daß keine absonderliche Gefahr zu
besorgen seye / doch dörffte zu wieder Erlangung der vollkommenen Gesundheit
etwas Zeit erfordert werden. Aus Languedock (In
Languebock wollen die Reubekehrte nicht zur Beicht noch Communion
gehen.) wird geschrieben / daß die Neubekehrte daselbst auff das Osterfest
nicht haben zur Beicht und Communion gehen wollen / weßhalben der Intendant /
umb sie darzu zu verpflichten / allen Müllern und Beckern verbotten habe / kein
Korn vor dieselbe zu mahlen / oder Brod zu backen / es sey dann / daß sie einen
glaubhafften Schein vorzeigten / daß sie gebeichtet und communicirt hätten / und
wird daselbst wiederumb ein Regiment Dragoner erwartet / umb die jenige / so
nicht zur Messe gehen wollen / darzu zu zwingen / so soll auch der Intendant
daselbst 400. Zellen oder Gewölber in dem Castell von Saumieres gemacht haben /
umb die Weibs-personen / so nicht zur Communion gehen wollen / darein zu sperren
/ und werden die Männer / so sich dessen weigern / auff die Galleren gesandt.
|| [250]
Von dem Königlichen Spannischen Hof aus Madritt wird geschrieben / daß das
Engelische Schiff / welches die 800. Neapolitanische Soldaten oder reuende
Pantiten auffgehabt / zu Cadix angelangt / und soll seine (Königliche Spannische Geschichten.) Reiß nach
Flandern fortsetzen. Das Armament / so zu Cadix verfertigt worden / umb denen
Gallionen entgegen zu gehen / wird nun ausgeloffen seyn / und bestehet in 16.
Kriegsschiffen. Der Holländische Ambassadeur (Der
Holländische Ambassadeur thut öfftere instantien wegen der Subsidien, so man
selbiger Admiralität seit letztem Krieg schuldig verblieben.) hält
noch immer an / daß die Subsidien, welche diese Cron von dem letzten Krieg hero
der Holländischen Admiralität noch schuldig ist / möchten bezahlet werden. Der
Marq. Don Marco Antonio, gewesener Genuesischer Extraordinari Envoyé nebst Don
Alexander Grimaldo ist den 27. von hier verreist / umb über Franckreich nach
seinem Vatterland zuruck zu gehen. Der Baron d’Autel ist / weilen er das jenige
/ so er bey Hof gesucht / nicht bekommen hat / allhier geblieben. Man sagt / ob
dörffte der Graf von Palma wohl General-Commissarius von der Militze werden.
Uber die 14. Algierische Raubschiffe / von welchen man vor 10. à 12. Tagen
Zeitung empfangen hat / daß solche nahe bey der Strasse passiret seynd / und 4.
Holländische (Einige Algierische Randschiff nehmen 4.
Holländische weg.) Schiff weggenommen haben / hat man mit jüngstern
Brieffen von Cadix / daß noch 4. von denenselben sich bey Caep von St. Vincent
auffhalten. Das Decret wegen der Reforme von deß Königs Hauß ist nun publicirt
worden / wordurch der König jährlich 12. à 13. Millionen erspahren kan. Aus
Indien hat man Zeitung / daß daselbst in einem gewissen Hafen ein Schiff / so
Frantzösische Flaggen geführt / gewesen seye / und dessen Tieffung ergründet
habe. Wiewol man das arrestirte Schiff zu Corogne wieder frey gegeben hat / so
besorget man dahier doch / daß man mit Franckreich einige Händel bekommen möchte
/ umb desto mehr / weilen man von Cadix schreibet / daß die Frantzosen alle ihre
Güter von dan̅en weg bringen lassen / dergleichen auch von ihnen
in allen andern Spannischen Seehäfen beschiehet: Derohalben man von hiesigem Hof
neue Ordres gegeben hat / umb unsere Schiff eyligst auszurüsten. In dieser Woche
ist in deß Königs Rath wegen deß puncti von dem Zehenden der Kirchlichen
Einkünfften zum Succurs von Ih. Käys. Maj. gerathschlaget worden / worgegen sich
aber die Geistliche hart setzen / ob es nun erfolgen werde oder nicht / lehret
die Zeit. Von Cadix schreibet man über obiges / daß die Frantzosen etlich 100.
Meilen von Porto Velo in neu Spannien solten posto gefasset haben / ob deme also
/ stehet künfftig zu vernehmen. So fern die Fregatten / welche in Holland
gemacht werden / zeitlich gnug anhero kommen / wird man 19. Kriegschiff und 2.
Brander künfftigen Monat in See bringen / umb auff die Gallionen zu passen. Die
Flotte der Gallionen ist im [251] St. Cruis,
in der Insul von Madera / 5. Tagreiß ferne / von Cadix angelangt / und hofft man
/ sie werden ehister Tagen nacher Cadix glücklich ankommen. (Die Spannische Flotta der Gallionen langt glücklich in
der Insul Madera an.) Den 15. dito hat die Gräfin von Soissons nebst
ihrem Sohn dem Printz Eugenio von Savoyen bey Sr. Catholischen Maj. Audientz
gehabt / zu welcher sie aus ihrem Logament durch 3. Königl. Kutschen eingeholet
worden seynd. Den 16. dito ist besagter Printz zum Grand d’Espagne gemacht
worden / deß andern Tags ist er nacher Barcelone abgereist / umb daselbst zu
Schiff zu sitzen / und nacher Genua / und von dannen ferners über Venedig nacher
Ungarn zu gehen.
Das fünffte Capittel
Begreiffet die Königl. Engel-Schott- und Irrländische Geschichten.
(Engelländlsche Geschichten.) VOn Londen aus
Engelland melden Schreiben / daß den 5. selbiger Stadt Aldermann nebst 3. à 4.
Sherifs sich nach der Lymestraß begeben / umb einigen Arbeitsleuten / die
beschäfftiget waren / eine Capelle (Catholische
erhalten eine Capell vom König in Engelland: werden unter währendem
Gottesdienst von 200. Lehrjungen attaquirt / und der Priester
verjagt.) vor die Röm. Catholischen zu machen / das Werck zu verbieten: Es
haben aber die Arbeitsleut erwiesen / daß dieser Bau mit Verwilligung deß Königs
vorgenommen worden / worauff diese sich zur Ruh begeben haben / und den Kirchbau
fortführen lassen / der nunmehr so weit zur perfection gelangt / daß den 21. die
erste Meß darinn celebrirt worden ist / worbey die Römische in grosser Menge
erschienen / und alles glücklich zugangen / aber den folgenden Sonntag als den
28. dito / als besagte Catholische abermal dahin zur Meß giengen / haben sich
die Lehrjunge in 200. starck zusammen rottirt / in der Kirchen einen grossen
Tumult angefangen / und den Priester in währender Meß verjagt / und biß in
Cheapside verfolgt / so aber durch den Trambant gestillet / und von den
Lehrjungen einige gefangen genommen worden. Den 7. seynd allhier verschiedene
Juden getauffet worden. Der König hat den Sr. Thomas Grantham vor seine gethane
Diensten in Ost-Indien mit einer güldenen Ketten und Bildnuß regalirt. Uber die
400000. Pfund Sterlins / welche zum Unterhalt der Flotte destinirt seynd / hat
der König 600000. vor das Läger geschickt. Der Obrist Rumsey solle nach der
Insul St. Niclas bey Pleymuyden geführt werden / umb alldar / so lang er noch
leben wird / gleich wie vor diesem der General Major Lambert gewesen / gefangen
zu bleiben. Der abgefallene Prediger Slaugther hat den [252] 7. mit seiner Frau bey denen
Römisch-Catholischen com̅unicirt. Die Schiffe / worauff deß Lord
Dumbartons Regiment gewesen / seynd in Schottland angelangt. Eine gewisse Person
/ welche sich vor den Hertzog von Montmuth ausgegeben hat / ist in Irrland in
Verhafft genommen worden. Der König hat den Grafen von Stamfort / so wegen hohen
Verraths in dem Tour gefangen sitzt / perdonirt / und ist besagter Perdon den
13. dieses (Der Bischoff von Ely wäschet am Grünen
Donnerstag 54. armen Menschen die Füß.) bereits das Siegel passirt. Am
Grünen Donnerstag wusche der Bischoff von Ely 54. armen Menschen die Füsse /
welches sonsten gewöhnlich durch den König zu geschehen pflegte. Die Capellen
deß Königs / der Königin / und Königl. Wittiben seynd diese letzte Feyertagen
gantz voll Volck gewesen / umb die Ceremonien / so darinn geschehen / zu sehen.
Der Courrier / welcher die Brieff aus Holland vom 16. und 19. dieses von Harwich
anhero gebracht / ist (Die Holländische Post wird 12.
Meilen von Londen spolirt / und selbiger viel Geld abgenommen.) den
22. Abends 12. Meilen von hier / von 2. Männern zu Pferd beraubet worden /
welche nachdeme sie ihme sein valies abgenommen hatten / die Säcke / worinn die
Brieffe von Hamburg / Amsterdam und Rotterdam innen waren / mitnahmen / und ihme
erlaubeten mit seinen andern Brieffen seine Reise anhero fortzusetzen: in obigen
Säcken war ein grosse Quantität Gold / und wie man rechnet / über 5000. Pfund
Sterlins oder 20000. Königsthaler / so meistentheils / wie man sagt / denen
Juden von Amsterdam zugehörig gewesen ist. Indessen seynd den 23. die Säck mit
den geraubten Brieffen / welche man im Wald von Epping gefunden hat / in diese
Stadt gebracht worden; ingleichem hat man etliche von den Räubern gefangen / und
bey die 2500. Pf. Sterlins an Gold gefunden / die andern aber / so ein gleiche
Summa zu ihrem Antheil erhalten / hat man noch nit entdecken können. Der Graf
von Muray / so zum Lord Hoch-Commissario bey nechstsitzen dem Parlament in
Schottland ernennet worden / ist von hier dahin abgereist / deme der Hertzog von
Hamilton, der Ritter Lockart und Sr. Drummond innerhalb wenig Tagen folgen
sollen. Der König hat den Lord Dover zum Ober-Marschall über die Armee / so
diesen Sommer zu Honslowheath campiren solle / gemacht. Zu Folge deß
special-Befelchs von dem König kamen die Quackers den 21. in grosser Anzahl in
ihre ordinari Versammlungs-Plätze. (Der Hertzog von
Albermarle wird zum Gouverneur in Jamaica declaritt.) Der
Ertz-Bischoff von Jorck ist gestorben. Der Hertzog von Albermarle ist zum
Gouverneur von Jamaica gemacht worden. Den 24. überliefferten die
Brieff-Besteller vom Posthauß einige verrätherische Brieff an unterschiedliche
Gefangene in deß Königs Banck / welche darauff alsobald arrestirt und examinirt
worden / als aber die Officirer von dem Posthauß bezeugten / daß die Post solche
Brieffe warhafftig mitgebracht / wurden sie wiederumb frey gelassen. In gantz
Westen ist seither der letzten Session nur [253] eine Person wegen begangener Mordthat zum Tod verurtheilt worden /
unterschidliche aber producirten deß Königs Perdon, einige andere aber / deren
Nahme nicht expresse darinn benant ist / suchen solches durch ihre Freunde bey
dem Königl. Hoff zu wege zu bringen / und insonderheit die junge Mägdlein / so
dem Hertzog von Montmouth das Fähnlein praesentirt haben / und wollen einige /
daß der König diese Sach den Staats-Jungfrauen der Königin heimgestellt habe.
Die Kauffleut dieser Stadt haben den König durch ein Memorial gebetten / daß Ih.
Königl. Maj. die Discoursen, so wegen der Frantzös. Seerüstung lieffen / in
Consideration ziehen / und einige Schiff nach Cadix, oder wo es hin gehörte /
senden möchten / umb sorgen zu helffen / daß die Spannische Gallionen / worinn
sie mercklich interessirt wären / in salvo gebracht würden / worauff der König
geantwort haben soll / daß er von den Frantz. Desseinen gantz und gar nichts
wüste / wolte jedoch ihre gute Erinnerung nicht aus der acht lassen / sondern
trachten / sie schadloß zu halten / mit Recommendirung / daß sie das jenige /
was sie in dieser Sach in Erfahrung bringen würden / solches Ih. Maj. alsobald
anzeigen solten. Der Hof hat die Trauer wegen absterben der verwittibten
Churfürstin zu Pfaltz noch nit angelegt / weiln dieser Todsfall noch nit
notificirt worden. Der Hr. Pen soll nach dem Chur-Brandenburg. Hoff gehen / umb
daselbst wegen einiger Ländereyen / auf welchen Se. Churfl. Durchl. eine Colonie
von geflüchteten Frantzosen auffrichten wollen / zu tractiren. Den 5. Abends
gegen 9. Uhren / als der (Der Capitain Hamilton wird
von 3. Persohnen angefallen und getödtet.) Capitain Hamilton mit einer
bekanten Persohn / und desselben Frau nach seinem Hauß gieng / überfielen sie 3.
andere Personen / und trachteten die Frau von ihrem Mann weg zu bekom̅en / worauff der Capitain sie suchte abzuweisen / keine Gewalt zu
thun; er ward aber / als er noch anhielte / durch einen von denen 3. in seinem
einem Schenckel verwundet / und empfienge / ehe er seinen Degen außgezogen hatte
/ wie er wolte thun / noch 2. andere Wunden / davon er alsobalden starb: Ein
Soldat von seiner Compag. so eben darzu kom̅en / zohe seinen Degen
aus / umb den Tod seines Capitains zu rächen / wurde aber gefährlich verwundet:
die 3. Mörder hat man gefangen und in Neugatte gesetzt. Ein gewisser Hr. von
Qualität / welcher schuldig an Vergifftung einiger Personen in Franckreich seyn
solle / und sich vor einiger Zeit anhero reterirt hat / ist auff Befehl eines
Staats-Secretarii in Verhafft genommen worden. Der König hat zu der Collecta vor
die Protestanten / so aus Franckreich anhero geflüchtet 1500. Pf. Sterlings /
die Königin 200. und die verwittibte Königin 300. gegeben / so 8000.
Königsthaler in Teutschland außmachen. (Das Parlament
in Engelland wird diß in Octob. verschoben.) Das Parlament in
Engelland ist biß in den Monath Octobr. verschoben / aber das in Schottland soll
den 1. May st. v. sich versamblen. [254] Der
König hat Mons. Bridgeman einen Edelmann von seinem Hauß an die Friede-Richter
von Mittelsex und Londen gesandt / umb ihnen anzudeuten / daß sie mit der
Verfolgung gegen die Quacker einhalten sollen. Die (gelland wird biß in Octob. verschoben.) Reise deß Königs nach Chattam
und Schernesse soll unter andern auch darzu dienen / damit die Schiffe / so
equippirt werden / ehistens in See ablauffen mögen. Der Brandenburg. Capitain
Anthonii Buys, so seithero der gewesene Hertzog von Montmouth hingerichtet
worden / in Gefängnuß gelegen / ist von dem König pardonnirt und wieder auff
freyem Fuß gestellt worden. Zwischen dieser Cron und Franckreich sagt man / daß
ein Tractat (Tractat zwischen der Englischen
Ostindischen Compagni und der Regirung von Priaman.) wegen West-Indien
/ allein / wie die meisten meinen / zu Erhaltung der Ruhe selbiger Ends
geschlossen ist. Der Tractat zwischen unser Ost-Indianischen Compagnie und der
Regirung von Priaman und Ticolio oder Picos solle / sagt man / vornehmlich darin
bestehen / daß unsere Compagnie / wann sie einige 1000. Thaler deß Jahrs vor den
König von Archin auffbringt / eine considetable Vestung bauen mögen / und die
Impost auff den Pfeffer und andere Wahren / die aus oder in selbige Landen
gebracht werden / empfangen; daß die naturellen einig Volck / umb ihnen in
Auffbauung der fortresse zu helffen bestellen / und daß man im Fall der Attaque
einer dem andern mutuel Succurs leisten solle. Mit ehistem sollen die Privilegia
vor die Quacker nach allen Justitz-Höfen in diesem Königreich abgesand werden /
worinnen ordinirt wird / daß alle die jenige / so von ihnen gefangen sitzen /
ohne Bezahlung der Leibs-Straff in Freyheit gestellt / und ins künfftig keine
mehr von ihnen apprehendirt werden sollen. Der Hertzog von Nordhumerland ist mit
seiner Gemahlin nach Franckreich gereist / umb / wie man darfür hält / dieselbe
allda in ein Closter zu stecken / und sobald ihre Mutter davon Bericht erhalten
/ hat sie solches dem König geklagt / von selbigem aber zur Antwort bekommen /
daß / dafern sie vermeint recht zu haben / sie sich bey der Justitz deßwegen
anzumelden hätte. Sonsten kommen fast täglich sowohl neue Reformirte / als
Römische Bücher über die Controversien (Der Major von
Rochefter läft verschiedene Catholische Bücher verbennen.) theils mit-
und theils ohne Erlaubnus heraus. Und weiln dergleichen Der Major von Rochester
in Gent nicht allein geisseln / sondern auch alle Bücher / so sie bey sich
gehabt / verbrennen lassen / wie nun der König diese Sach empfinden werde / muß
die Zeit eröffnen.
|| [255]
POLITICO-HISTORICUM.
Das sechste Capitel
Sagt von Schwedisch- und Dähnischen Fügnüssen.
(Köndgl. ??? Dähnische Geschichten.) BRieff von
Coppenhagen bringen / daß alldar ein Soldat eine Dirne heyrathen wollen / so von
der fallenden Kranckheit bißweiln geplaget wird / die Hochzeit war bereitet /
und fehlte nichts mehr / als daß der Priester sie copulirte / gestalt die Gäste
bereits zugegen / und der Priester sein Ambt verrichten wollen / mittlerweile
schicken die Officirer hin / und lassen die Copulation verbiethen / weiln sie in
Erfahrung kommen / daß gedachte Dirne an sothaner Kranckheit zuweiln laborirte /
wie der Bräutigamb das vernom̅en / daß die Heurath nicht vollzogen
würde / hat er sich dermassen gegrähmet / daß er in eine Melancholey gefallen /
und sich nicht wieder zur Ruh und Fried geben wollen / biß er sich mit seiner
Mußquete erschossen.
(In dem Königreich Dennemarck wird ein Buß- und Bettag
gebalten.) Den 7. ist allhie in Dennemarck / wie auch in denen
Fürstenthümern Schlesewig / Holstein / und in den Graffschafften Oldenburg ein
Buß- und Bett-Tag gehalten und celebrirt worden / die darzu verordnete Texte
finden sich beym Esa. am 55. Cap. 6. und 7. Vers. beym Matth. am 3. im 8. 9. und
10. Vers. und dann im 67. Psalm von anfang biß zum Ende. Es hat ein Feuerwercker
allhie in seiner Profession treffliche Proben mit Werffung Granaten und Bomben
gethan / so alle glücklich abgangen.
Den 13. haben sich 2. Frembde mit den Degen auff der Gassen attaquiret / weiln
aber der eine keinen Stand gehalten / sondern gewichen / und dannoch von dem
andern auffs eusserste verfolget / ist er aus Desperation, ehe er sich todt
stechen lassen / in das Wasser gesprungen / und ersäuffen wollen / welcher
dannoch durch Geschwindigkeit einiger Bootsleute lebendit / (Gute Zeitung vom Däbnischen Gouverneur Mila aus
Weft-Indien vor dasige Compag.) aber voll Wasser seynde / wieder aus
dem Wasser gezogen worden. Der Königl. Dännemärck. Gouverneur Milan hat von St.
Thomas aus West-Indien anhero geschrieben / daß alles dorten in zimblichen gutem
Stande sey / und er Ihr. Königl. Majest. und der löbl. Compag. Bestes
nachtrücklich beobachten / und befördern wolle / worüber alle bißhero
herumbgelauffene böse Zeitungen von St. Thomas, und dessen Zustand wieder gantz
verschwinden / hoffet man also / es werde die Compagn. nunmehro durch gute
Obacht gedachten Hrn. Gouverneurs in auffnehmen kommen. Den 17. hat man allhie
so einen heissen Tag gehabt / als wann es mitten im Som̅er [256] gewesen. Den 23. aber dahingegen ein
so kaltes mit Schnee / Hagel / und Regen / auch mit Sturmwinden vermischtes
Wetter / als sonsten / mitten im Winter / so daß es auch starck gefroren /
welches den Gärtnern keine gute Zeitung bringet.
(Königl. Schwedische Geschichten.) Brieff aus
Stockholm melden / daß der Herr General Major Wangelin gestorben / welcher
sowohl von Ihro Königl. Majest. als jederman sehr betauert werde / dessen
Regiment und Commendantschafft in Stade haben Ihr Königl. Majest. dem Herrn
Obristen Welling conferiret, der Herr Obrister Mellin / Stättinischer Commendant
ist General-Major worden / und hat Herr Obrist Guttberg deß Herrn Wellings
Regiment wieder bekommen. Der Lieffländische Landtag hat sich zerschlagen / und
gehet Herr (Hr. General-Lientenant Bielcke wird zum
Gouverneur über die Hertzogthümer Bremen und Verden declarirt.)
Hasferder neuer Gouverneur gegen den May dahin. Der Herr General Lieutenant
Bielcke / welcher in Chur-Bäyerischen Diensten / ist von Ihro Königl. Maj. zu
Schweden zum General-Gouverneur über die Hertzogthümber Brehmen und Vehrden
declariret / und haben Ihro Königliche Majestät deroselben permittirt / alle
Campagnen zu thun / wann Ihr. Excell. nur deß Winters im Brehmischen
Gouvernament seye; In besagten Hertzogthümbern Brehmen und Vehrden ist von allen
Cantzeln ein Königl. Reduction-Mandat abgelesen worden / daß Krafft dessen alle
und jede / welche dergleichen Güter / so unter der Reduction nicht begrieffen /
so fort ohngesäumet bey der Königl. Regierung angeben sollen / vermuthlich wird
diese Publicirung in Pommern schon ergangen seyn. Die bißhero zu Carls-Cron
gelegene Schwedische Flotte hat Ordre bekommen / anhero zu segeln. So hat man
auch vorhin viel gesprochen von einigen 1000. Mann / so Se. Majest. dem Käyser
nach Ungarn zum Succurs zu senden resolvirt / welche aber nur in 1500 Mann
bestehen / dem vernehmen nach als ein Contingent wegen Pommern und Bremen /
diese Völcker sollen sich mit (Wißmar wird
unüberwindlich gemacht.) denen Chur-Brandenburg. Trouppen conjungiren.
Es wird im übrigen die Stadt und Vestung Wißmar dergestalt fortificirt / daß sie
gleichsamb inprennabel, und seynd bereits 5. Bollwerck in Defension, es dörfften
aber noch wohl einige Jahr hinlauffen / ehe alles zur völligen Perfection kommen
wird. Das kostbahre Magazin / welches von Steinen auffgerichtet / und darinnen
vor 2500. Mann Provision auff 2. Jahr ligen kan / wird diesen Sommer fertig.
|| [257]
POLITICO-HISTORICUM.
Das siebende Capittel
Schreibet von Königl. Polnisch-Moscowittisch-Türckisch- und Tartarischen Hoff-
und Kriegs-Händeln.
(Königl. Pohlnische Geschichten.) VOn Pohln
verlautet / daß 6000. Türcken und Tartarn / so bey Caminieck gestanden / biß
nach Czerlenizza gestreiffet / und haben selbigen Orth eingeäschert; davon ein
Trouppe von 30. Pferden bey Roarino kommen / deren einige gefangen worden / so
aussagen / daß sie noch ein Renfort von 30000. Mann erwarken. Aus Littauen wird
berichtet / daß selbiger Nation Armee bey Bresczic gemustert / und 20000. Mann
außerlesen Volck starck befunden worden. Der König hat erlaubet / daß die
Evangelische Kirch zu Wenyorans, welche lang geschlossen gewesen / wieder
eröffnet werden solle. Der General Mohila hat den vornehmen Partheygänger Palley
mit 1500. Cossacken aus Niemerow außcommandirt / umb auff die Tartarn und
Türcken ein wachtsames Aug zu haben.
(Außführüche Erzeblung von Einhobl- und Verrichtung der
Pobloischen Hnn. Abgesandten in Moscovien.) Aus Königsberg wird
geschrieben / daß man von der Pohlnischen Hnn. Abgesandten Verrichtung in
Moscovien daselbsten diese Nachricht habe / daß nachdeme selbige bey der Stolice
angelangt / sie den 6. Martii 3. Tage nach ihrer Ankunfft bey den Czaaren zur
offentlichen Audientz zugelassen worden / welches mit sonderlicher Magnificentz
zugegangen / indem die Hnn. Gesandten in der Czaaren Schlitten / so von rothen
Sammet / und kostbahren Futterwerck gewesen / in Begleitung unterschidlicher
Kneusen / und vieler vornehmen deß Hoffs auffgehohlet worden / wobey sich
etliche 1000. Strelitzen im Gewähr praesentirt; bey der Audientz haben sich die
Ezaaren sehr freundlich erzeigt / und beyde / ihrer Gewonheit nach / stehend
nach Ihro Königl. Majest. von Pohln Gesundheit gefragt / nach gehabter Audientz
sind denen Gesanden gewisse Commissarii zugeordnet worden / unter denen der
Kneeß Gallycyn / so einer mit von denen / welche albereits vorm Jahr mit den
Herren Pohlen tractirt / und der Ezaaren Cantzler seyn soll / welche sich dahin
erkläret / daß sie Ezaaren bey jetzigen der Sachen Beschaffenheit zwar mit der
Ottomannischen Pforten den Frieden offentlich nicht brechen könten / wolten aber
geschehen lassen / daß andere unter ihrer Bottmässigkeit stehende / und den
Türcken und Tartarn nahe [258] gelegene
Völcker / als Carcassen / Calmucker / und Cosacken den Türcken in der Ukraine
und auff dem schwartzrn Meer / wie auch den Tartarn in Erym kräfftige Diversion
machen / und diese sothanig von den Uberfällen / und Landes- Verwüstungen / in
Podolien und andern Provintzien abhalten solten / zur Continuation und
Reassumirung der vorm Jahr abrumpirten Tractaten / und zur Handlung über einen
ewigen Frieden wolten Ihre Ezaaren hiernechst gewisse Commissarien ernennen /
welche sich wider solten an die Gräntzen verfügen / und mit Ihro Königl. Majest.
von Pohlen Gesandten dieses Werck wider zur hand zu nehmen / auch zugleich
Ursachen anzeigen / wasdie Ezaaren bewogen / die Gräntzen in die 60. Meilen
weiter an Littauen außzurücken / worüber / daß es vorm Jahr wieder Recht und
Billigkeit geschehen / die Hrn. Hrn. Gesanden sich höchlich beschwäret. Nachdem
sonsten die Zeit herannahet / daß man sich ins Feld begeben / und (In Poblen rüstet sich alles zum Feldzug.) den
Feldzug Ihr. Köngil. Majest. vermehren solle / so ist meist alles / was bey Hoff
sich auffgehalten / umb sich darzu zu rüsten / und fertig zu machen / nach ihren
Häusern und Höfen abgefahren / und fahren noch täglich mehr ab / nicht allein
die Residenten / sondern auch Hoffleuthe / so daß nur einige zur Auffwartung
Ihr. Königl. Majest. zu Zolkievv verbleiben. Man hat erst kürtzlich allerhand
Relationes und Warnungen von der Horde Ankunfft gehabt / davon unterschiedliche
Informationen seynd / einige wollen / daß die (Berschiedene Relationes von Ankunst der Tartarn.) Horde bey Stry über
das Gebürg in Ungarn gehe / andere / daß sie von der Pforten beordret sind /
continuirlich in Pohlen einzugehen / umb die unsrige matt und müd zu machen /
auch hinderlich zu fallen / damit unsere Armee nicht zusammen kommen möge; diß
ist gewiß / daß die Ezemoryßken fast alle aus Caminieck außgangen / umb den
neuankommen den Bassa, der in Caminieck das Commando halten soll / einzuhohlen /
diese seynd unter Czemeliec eingefallen / und haben in der Vorstadt viel Lermens
gemacht / die Stadt solches merckende / haben sie viel Volcks salvirt / wiewohl
es doch ohne Schaden nicht abgegangen / wo sie sich nachdem hingewendet / hat
man noch keine gewisse Nachricht / nur daß mit ihnen der Sultan Galga sich
conjungiren soll. Ihr. Königl. Majestät vermeinen / daß sie so in etwas außruhen
/ und sich verbergen / als wann sie uns sicher machen wolten / so dann nach
ihrem Absehen / einen Einfall thun / und grossen Schaden thun möchten / über
verhoffen / welches GOtt verhüte. Ihro Königl. Majest. werden nunmehro nach
Lemberg gehen / von dannen weiters nach Stry und Zloezow / und dann so fort nach
dem General Feld-Lager / und ist der gantzen Armee anbefohlen / primo Maji sich
daselbsten einzufinden / so sie es nur möglich werden beweisen können.
|| [259]
Es wird ein groß Geld von denen / so seither Anno 1683. Edelleuthe geworden /
auffgebracht / und muß die Person 5100. fl. geben / oder müssen sich selb dritt
auff 3. Jahr lang ins Feld stellen / geben also die meisten Geld / (Die neue Edelleuth so nicht in Person mit zu Feld geben
müssen eine grosse Summa Geld erlegen.) und sind derer bey 2800.
Persohnen / welches etliche Millionen an Baarschafft außtragen wird. Zu
Crakowitz hat man einen Spionen / so ein abgefallener Reuß / und auff der Folter
noch 5. andere seiner Gesellen offenbahret hat / entdecket / welche von dem
Bassa zu Caminieck zu gleicher Zeit außgeschickt worden / und ein und anders
Vorhaben bewerckstellen sollen / davon man 3. nebst dem ersten zu Sgnyatino
gefangen / und wegen ihrer Verbrechen mit Pfeilen erschossen / und geviertheilt
hat. Der Hr. General Bohum (Einige Splonen werden mit
Pfeilen erschossen.) Capitain von deß Königs Schweitzer-Gardes ist zu
Warschau geftorben. Von Lemberg wird geschrieben / daß 2. Murren mit 3000. Mann
in der Wallachey ankommen / und wolten hier ins Land den Streiff thun / weiln
sie aber gantz abgemattete Pferde hatten / resolvirten sie die Beuthe in der
Wallachey zu machen / und haben an Menschen und Viehe ein ziemlichen (Die Garnison von Sn???arim machet gute Beuthë.)
Hauffen auffgetrichen / da aber solches die Unsrigen in Snyatim erfahren / haben
sie sich geschwind auffgemacht / und sind in aller Still unverhoffet auff den
Feind gekommen / denselben in der furie über fallen / bey 100. nidergehauen /
die andern zertrieben / 700. Schafe / 400. Ochsen / und in die 300. Pferde
abgeschlagen / auch viel gefangen: von den gefangenen Christen sind aber wenig
befreyet / dann die meisten durch den Feind nidergehauen seynd. Es haben aber
die Unsrigen kaum den Rücken gewendet / haben sich die Raub-Vögel wieder hervor
gethan / zu denen sich auch die am schwartzen Meer wohnende Budscaicker Tartarn
geschlagë / und unvermeeckt in geschwinder Eyl unter Caminieck geruckt seynd /
woselbst sie theils unter denen Stücken stehen / theils in selbiger Gegend
herumbschwermen / weßhalben sich unsere Völcker auffs neue aus den Quartiren
zusammen ziehen / sowohl auff den Feind ein wachendes Aug zu haben / als auch
demselben kräfftig zu währen / da er wieder zu streiffen sich erkühnen solte.
Der Päbstl. Nuntius wendet allen Fleiß an / Mund- und Kriegs-Munitiones herbey
zu schaffen / und hat zu dem Ende eine Million fl. von denen Päbstl. Geltern
voraus gezahlt. Aus (Die Differentien zwischen
Pe???ste- und den Türcken werden in der Güte auffgehoben) Persien
kombt / daß die Differentien wegen der Babylonischen Gräntzen zwischen Persien
und der Ottomann. Porten in der Güte abgethan / und die Türckische
Gesandtschafft schon wieder nacher Hauß gekehrt seye / zu welchem Accommodement
die grausame Pestilentz / so der Gegend grassiret / das meiste Ursach wäre. Die
Türckische Gesandtschaft habe auch gute Verrichtung bey dem grossen Mogol gehabt
/ und soviel zuwegen gebracht / im fall Persien den Krieg anfangen werde / in
Persien eine Diversion zu machen. Der P. Wal [260] lachowsky ist primo hujus expedirt / und mit 800. Ducaten
supplementiret / nimbt seine Reise wider nach der Pforte / umb sich zu bemühen /
den Hn. Residenten von dar zu eliberiren.
Den 2. ist der Königl. Hoff-Quartiermeister zu Reuschlemberg angelangt / vor die
Hoffstatt Logirung zu verschaffen / wie dann auch beyde Cron-Feldherren nebst
andern Senatorn alldar sich einfinden werden. Zu Crackau ist offentlich
außgeblasen und verbotten worden / daß ausser Lands biß auff weitern Königl.
Befelch weder Pulver noch Bley außgeführt werden solle. In Zollkiew haben Jhro
Königl. Majest. aus dero eigener Scatul an die Regimenter zweymahl 100000. fl
bezahlet / auch anbefohlen / die Bagagie und Wägen zu verfertigen / und parat zu
halten / umb das Proviant mit sich ins Feld zu führen.
Aus Moßcau ist den 6. dieses am Königl. Pohlnis. Hoff die Nachricht (Gute Zeitung aus Moscau wegen einer off- und
defenfiv-Alliantz mit der Cron Pohlen.) eingeloffen / durch einen
expressen Courrier, daß die Czaarn sich erkläret / mit Pohln eine off- und
defensiv-Alliantz gegen die Ottomannis. Porta einzugehen / und zu dem Ende schon
allen Officiers die nöthige Gelder hätten außzahlen / auch durch gantz Moscau zu
Fortsetzung deß Kriegs eine allgemeine Contribution und Beytrag nehmlich auff
jedes Hauß 5. fl. außschreiben lassen: und versprochen alsobalden ihre Militze
zusammen zu ziehen / und mit der grössestem Macht gegen Krim zu marschiren / umb
selbige Tartarn außzurotten; und seye der Krieg den Türcken schon angekündiget
worden; Hingegen tretten Jhro Königl. Majest von Pohlen umb solche Alliantz und
importantes Werck zu befördern / denen Moscowittern alle Rechten und
Gerechtigkeiten / so die Cron Pohlen und das Groß-Hertzog-thumb Littau auff Kiow
und Smolensko haben ab. Jhro Königl. Maj. haben mit dem Groß-Feldherrn
Jablonowsky und andern Generals eine Kriegs-Conferentz gehalten / und wie man
vernimbt / werden alle Völcker sich bey Sgnyatino versamblen / allwo eine Brücke
verfertiget wird / und solle deren Marsch geraden Wegs gegen Moldau und weiters
genommen (Der Cosackische Obriste Palley hanet 400.
Silvatische Tartarn niber.) werden. Der Cosackische Obrist Paley hat
in der Gegend Bar über 400. Silvatische Tartarn niedergehauen / viele gefangen /
und über 200. stück Rind-Viehe und viele Pferd erobert: von denen Gefangenen hat
man einen guten Theil nach Lemberg geführt / solche zu examiniren; Hingegen
haben die Tartarn / eine Parthey der Unsrigen in 2. Compagnien bestehend / so
Kundschafft einhohlen sollen / geschlagen / deren einige niedergemacht / und
gefangen.
|| [261]
Das achte Capittel
Redet von Italiänisch-meistens aber von den Venetianisch-auch wol Türckischen
Staats- und Kriegs.
Affairen.
(Benetian Geschichten.) BRieff aus Venedig
advisiren / daß Schreiben aus Corfu vom 14. passato daselbsten angelanget /
welche in sich halten / daß der Herr Capitain die gantze Armada gemustert / und
nacher St. Maura Lefcada und die benachbarte Städt geschickt habe / umb die
Quartieren zu raumen. Aus Dalmatia hat man / daß Herr Cavallier Cornaro
alldorten angelangt / und daß einige 100. Morlacken in die Provintz Licca
gestreiffet / und darinn 50. gefangene Türcken und einen Kopff bekommen haben.
(Der Printz von Hannover als General von dieser
Republic hat bey dem Senat Andientz.) Den 2. hat der Printz von
Hannover als General sich in den Durchleuchtigsten Rath begeben / deme eine
grosse Suite von Kriegs. Officiers gefolget / worauff er noch selbigen Tags
nebst seinen Völckern zu Schiff gesessen / welchem zum Unterhalt seiner 4000.
Mann 36000. Zecchini ausgezahlt worden seynd / und wie man sagt / wird dessen
Herr Vatter der alte Hertzog von Hannover nebst seiner Frauen Gemahlin ehistens
nacher Rom abreisen. Von denen Völckem / so der Hr. Baron Schomberg in
Teutschland geworben / seynd schon 200. Dragoner angelanget / und stehen deren
noch über 1500. unsern Udine und andern Gräntzen von dieser Republic. Mit andern
Brieffen von Corfu hat man / daß das erste Convoy mit denen 300. Mayländischen
Dragonern und dem Teutschen Regiment zu Fuß den ???4. passato daselbsten
angelanget ist: Daß der Herr Capitain General Morosini beschäfftiget ist / die
Artillerie / Lebensmitteln / Kriegs-Munition und Soldaten einzuschiffen / umb
nach dem Königreich Morea überführen zu lassen. Von Coron hat man vom 14.
Februar. Schreiben / welche melden (Aussag zweyer
übergangenen Mainotten in Morea.) / daß die Türcken in grosser Forcht
wären / und daß von Modon 2 Mainotten nebst ihren Familien zu gedachtem Coron
angekommen seyn / so berichten / daß in Modon und Navarino die Türcken keine
Belägerung ausstehen würden / und resolvirt seyen / wenn es darzu kommen solte /
die extremität nit zu erwarten / sondern gleich wie die zu Coron gethan / sich
zu ergeben. Den 6. hat man die Bomben von neuer invention probirt / deren eine
in das Meer geworffen wurde / und nachdeme sie etwann eine Minuten lang darin̅ ware / ist sie zersprungen / und hat wunderlichen effect gethan.
Den 8. spath ist eine Saicke von Zara dahier angelangt / mit welcher man
Nachricht hat / [262] daß die Morlacken auffs
neue einen Streiff in die Provintz Licca gethan / und biß nacher Grasätz / einen
Ort / so über 50. Meilen weit im Lande ligt / und einen vesten Thurn hat / und
wegen seiner situation considerabel ist / gerucket (Eine Parthey Morlacken streiffet in der Provintz Licca wol biß 50. Meil ins
Land.) seynd; die Türcken / welche darinn gelegen / haben nach wenigem
Widerstand die Flucht genommen / und den Ort verlassen / worauff die Morlacken
selbigen geplündert / und geschleifft / und hernach sich nebst reicher Beute /
2. Metallenen Feldstücklein / einigen Gefangenen / und etlichen Köpffen wieder
zuruck gezogen haben. In der Gegend Coron hätten sich 200. Türcken zu Pferd
sehen lassen / welche die Albaneser aus selbigem Platz überfallen / besagte
Türcken in die Flucht geschlagen / deren 20. gefangen / und diese nebst einem
Kopff und 16. Pserden in die Stadt zurück gebracht (Der
abgesetzte Groß-Vezier wird seines Schatzes beraudet.) hätten. Von
Adrianopel hat man / daß der abgesetzte Groß-Vezier eine ertichtete Kranckheit
angenommen / unterm Vorwandt / deßhalben eine Wahlfart nacher Mecha zu thun /
dahin er heimlich seinen Schatz überführen lassen / aber dieser Betrug wäre
durch seinen Successorem entdecket worden / welcher jenes Bediente in einen
Thurn setzen und foltern lassen / da dann diese den Ort / allwo ihr Principal
biß dahero 9000. Beutel / 4. Millionen Thaler werth und 200. Pferds-Sättel mit
Edelgesteinen besetzet / verborgen gehalten / offenbahret hätten / und suchte
man nun / den Rest von diesem Schatz zu entdecken / umb jhn darnach stranguliren
zu lassen. Es seynd bereits 400. Mann Hoch teutsche Völcker von hier
abgeschiffet worden / davon man noch 1000. gewärtig bleibt / so zu Nürnberg
geworben werden. Mit einem Schiff von Cyprus kommend vernimbt man / daß die
Türcken auff selbiger Insul nunmehro nicht weniger als die Griechen mit den
extraordinari Aufflagen beschweret werden / und deßhalben sehr nach dem Frieden
seufftzeten. Mit einer Saicke von Ragusa wild berichtet / daß in der (In der Stadt Serraglio verbrennen 300.
Kauffmannsläder.) Stadt Serraglio in Boßnia bey 300. Kauffmannsläden
verbrand / und daß die Commercien daselbst in gar schlechtem Gang seyen / so daß
männiglich das Ende deß Kriegs verlangete. Mit einer Poleta / so den 17. aus
Dalmatia allhier angelangt / hat man / daß die Morlacken / unerachtet deß
Schnees / mehrmalen biß gegen Singh gestreiffet / daselbst in einem Wald eine
Türckische Parthey angetroffen / geschlagen / deren einige erleget / und nebst
andern Gefangenen auch deß Com̅endanten von Singh seinen Sohn
bekommen haben. Gedachten 17. dito kame auch die Tartana St. Anna (Zu Alexandria grassirt die Pest.) genant / welche
den 17. passato von Alexandria abgereist ist / allhier an / mit Bericht / daß
dastlbst die Pest grassirte / und würde auch von Rossetto und Cairo geredet. Den
19. haben wir mit einem Expressen über Ottranto Schreiben empfangen / welche den
1. dieses Monats April zu Porto vitulo datirt [263] worden / mit Bericht / daß nachdeme der Capitain Bassa sich mit 6.
andern Bassen conjungiret / und sein Läger auff 10000. Mann zu Fuß und 2500.
(Der Türckische Capitain Bassa belagerl Chielafa
mit 10000. Manu.) zu Pferd vermehret / hat er denen Bauern in einigen
darumb gelegenen Dörffern bey Feuer und Schwerd anbefohlen / sich nach dem Lager
zu erheben / und die Vestung Chielafa wieder einnehmen helffen; Es hatte aber
der Herr General dell' Isole Cornaro etliche Tag vorhero Succurs / nemlich den
Sächsischen Obristen mit einigen seiner Völcker in Chielafa gebracht / wordurch
die Guarnison auff 1200. Mann vermehret worden: Als nun der Feind den Ort
würcklich belägert / und mit 6. groben Stücken Geschütz einige breche geschossen
/ hat der Capitain Bassa durch einen Brieff (so sehr moderatè, und bey denen
Türcken wegen ihres sonst habenden Hochmuths gantz ungewöhnlich ist) die Vestung
auffgefordert / deme aber der Herr Maria Gritti Extraordinari Procurator in
besagter Vestung zur Antwort gegeben / daß der Ort von allen nöthigen Sachen
wohl versehen wäre / sie auch in dem Platz Abschnitt und Bollwercker gemacht
hätten / und dannenhero die Venetianer den Ort nicht übergeben / sondern sich
bestens defendiren wolten / und hoffeten zu GOtt selbigen zu erhalten;
Inzwischen ware der Capitain General mit denen Galleren und Galeotten und alten
Völckern von hiesiger Republic den 30. Martii zu Porto vitulo angelangt / allwo
er alsobalden Kriegs-Rath gehalten / was zu thun seye / da dann beschlossen
worden / deß Feindes Trenchéen und Abschnitte / welche schon biß an den Fuß der
Mauer avancirt, und bereits die Palisada niedergerissen waren / zu attaquiren /
und anzufallen / worauff dann 3000. Mann und 2000. Mainotten commandirt wurden /
umb eine Höhe / welche der Feind zu seinem Vortheil hatte / zu erobern / und
alsdann den Feind von selbiger Seilen anzugreiffen / da inzwischen 800. Mann von
der Vestung einen Ausfall thun / (Rimbt aber noch vor
Auknufft deß Venetianischen Entsatzes schändlicher Weiß die Flucht.)
und deß Feinds Wercker ruiniren solten: Nachdeme nun solches bey Nacht
bewerckstelliget wurde / recognoscirte man Morgens mit anbrechendem Tage der
Türcken Läger / und befande / daß die Türcken deß Nachts ihre Trenchéen
verlassen / und schändlich die Flucht genommen hatten / denen aber die unsrigen
nachgesetzet / und nicht ferne davon 500. Türcken / welche obgemeldte 6. Stücke
Geschützes convoyreten / angetroffen / solche fast alle niedergehauen / und
gemeldte Stück erobert haben / von denen unsrigen seynd nur 10. tod geblieben;
hat also der Feind nach einer zehentägigen Belägerung den Ort verlassen. Den 15.
seynd abermalen Brieff aus Morea angelangt / welche confirmiren die jüngst wider
die Türcken erhaltene Victori / und berichten über das / was vorhero gemeldet /
noch ferner / daß der Bassa / (Und läft 150. von
denen) so diese Tückische Völcker vor Chielafa commandirt / 150. Vornehme
von [264] denen Flüchtlingen / weilen sie
nicht Stand gehalten / caputiren und hinrichten lassen. Als nun die Albaneser /
welches Griechen seynd / und in Morea wohnen / und sich in die Gebürge reterirt
gehabt / der Türcken Flucht (Flüchtlingen
hinrichten.) vernommen / seynd sie denen Mainotten und Soldaten entgegen
gelauffen / haben sie umbarmet / und geküsset / sie mit Kuchen / Wein und
Früchten / so selbige in denen Gebürgen verborgen hatten / beschencket / und
geruffen: Glück zu den Christlichen Waffen / es leben die Christen.
(Päbstliche Geschichten.) Von Päbstlichen
Geschichten melden die Brieff aus Rom / daß zu End verlittenen Monats endlich
das Consistorium bey grossem Zulauff deß Volcks wegen deß Pabsts Gegenwart
gehalten; die Cardinäle kamen einer nach dem andern zum Gehör / waren aber
vorhero durch die Ceremonienmeister gewarnet / ihre Rede kurtz zu machen / der
Pabst laß eine Lobschrifft / (Der Frantzös. Ambassad.
bedanckt sich bey dem Pabst für eine gemachte Lobschrifft auff seinen
König.) so auff den König von Franckreich über gegenwärtige Beschaffenheit
von dem Abbt Casoni gemacht worden / welcher / nachdem nun Stephano Pigratelli
gestorben / seinen Rock umbkehren / und sich mit den Frantzosen zu versöhnen
willens zu seyn scheinet / weßhalben der Frantzös. Ambassad. sich gegen den
Pabst bedancken lassen. Den 2. ist unsere gantze Militz cxercirt / und dem Marq.
Oddi Erlaubnuß gegeben worden / die jenigen / so ihme belieben / von denselbigen
auszulesen / und nach Levante zu senden.
(Savoysche Geschichten.) Von Turin aus dem
Hertzogthum von Savoyen wird geschrieben / daß daselbsten einige Deputirte aus
denen Lucerner Thälern angelangt / welche (Die Lucerner
Thal-Lent langen bey dem Hertzog mit einer Bittschrifft an.) eine
Bittschrifft im Namen aller Protestanten selbiger Orten an Se. Königl. Hoheit
den Hertzog übergeben / durch welches sie das eusserste Elend erklären / in
welches die Dragoner sie schon gesetzet hätten; sie sagen auch / daß die jenigen
/ welche sich in das Gebürg reterirt / solchez nit aus einem rebellischen Geist
gethan haben / sondern nur umb der Soldaten Grausamkeit zu entfliehen / welche
betrohen / die arme Leute eben wie in Anno 1655. beschehen / zu tractiren: In
Summa / sie protestiren und bezeugen / daß ihre Güter zu Sr. Hoheit disposition
und gutbefinden seynd / was aber die Freyheit und Güter ihres Gewissens
anbelangte / könten sie GOtt solcher nit berauben / als welchem sie gehöreten;
baten derohalben / daß Se. Königl. Hoheit die Gütigkeit und Milde haben / und
ihnen erlauben wolte / daß sie ihrer alten Freyheit und Privilegien geniessen /
und die Völcker / so gar grausam (Ingleichem
intercedirt die Schweitzerische Eydgnoßschafft vor selbige. Deß Per.)
hausen / von dorten wieder zuruck geruffen werden möchten. Ingleichem haben die
Schweitzerischen Herren Abgesandten im Namen der Evangelischen Eydgnoßschafft
bey Sr. Königl. Hoheit vor die Lucerner Thal-Leut intercedirt, denen der Hertzog
zur Antwort gegeben / daß er sich nicht in die Sachen / welche wegen der Religon
halber in ihren Landen vorgefallen / ein [265] gemischet hätte / und wolte mit der Eydgenoßschafft als
Nachbar leben / aber sie solten sich auch nicht einmengen in das / welches in
seinen Landen gegen seine Unterthanen beschehe / dieweil er dieser Oberherr seye
/ und Gehorsam (tzogen Antwort hierauff.)
geleistet haben wolle. Weilen nun weder die Abgeordnete von der Schweitz noch
der Thal-Leut Deputirte bey Sr. Königlichen Hoheit ???chtwas erhalten können /
als haben sich diese in defensions postur gesetzet / von ihrer bewehrten (Die Thal-Leut machen sich zur Gegerwehr gesast.)
Mannschafft verschiedene Detachements gemacht / und die Päß / dardurch man zu
ihnen kommen kan / damit besetzet / auch Schantzen auffgeworffen; ferner haben
sie / wie man sagt / 6. der vornehmsten Häupter der 6. Thäler / so allhier der
Religion abgeschworen / und die Römische Catholische angenommen / und bey ihrer
Zuruckkunfft alldorten ihnen ein Accommodament / die beeden Religionen zu
vereinigen / und Ihrer Königlichen Hoheit Befehl zu gehorsamen / vorgeschlagen /
und die grosse Gefahr / so ihnen / gleich wie im Jahr 1654. begegnen könte /
vorgestellet / aber nichts verfangen / sondern weilen sie geargwohnet / daß
besagte 6. vornehmste Häupter Verständnuß mit hiesigem Hof und der Religion
abgeschworen haben / solche der Verrätherey angeklagt / und innerhalb drey Tagen
ihnen den Proceß gemacht hätten / deme zu folg selbige als Verräther deß
Vatterlandes und der Religion gehencket worden / sie haben über dieses alle
Catholische (Jagen die Catholische Geistliche aus
ihrem Land.) Geistliche / die Jesuiter / Capuciner / und andere
Ordens-Personen aus ihren Dörffern verjagt / und in dero Kirchen wider deß
Hertzogs Verbott predigen lassen; als nun der Hertzog von Savoyen die
Halsstärrigkeit dieser Leut vernommen / hat er selbigen insgesamt einen Terminum
peremptorium (Der Pertzog setzet ihnen einen Terminum
peremptorium.) benennet / biß dahin sie entweder ihre Religion
changiren, oder ihre Güter verkauffen / und aus dem Land ziehen sollen / und
zwar ist den nechst an den Gräntzen Wohnenden der 21. den andern der 23. und
denen Weitentlegensten der 25. Monats-Tag Aprilis zum Ziel gesetzet worden.
(Läst seine Trouppen nach den Thälern warschiren /
denen er in hober Person folget.) Entzwischen hat den 12. unserer und
der Frantzös. Völcker Marsch nach denen Thälern seinen Anfang genommen / und
seynd täglich Trouppen dahin abmarschiret / denen den 15. das Leib-Regiment Sr.
Kön. Hoheit nebst dero Bagage auff 60. Maulthier geladen / wie auch ein Frantzös
Regiment Dragoner gefolget. Den 17. verreiste die Compagni du Guardie zu Pferd
nebst etlich und 40. Mauleseln mit Kriegs-Munition beladen / denen der Sr. Don
Gabriele von Savoia nebst dem Printzen von Masserano, dem Marq. Parella und
vielen Volonteurs den 19. gefolget; den 20. Nachts seynd Se. Königl. Hoheit
selbsten auff der Post nach Bricherasco mit dem Frantzösischen Ambassadeur
verreiset / worauff nachdem der denen Protestanten [266] gegebene Termin (ohne sich etwas zu
resolviren / oder Sr. Königl. Hoheit Clementz und Befelch zu unterwerffen) mit
dem 20. dito verstrichen / haben besagte Se. Hoheit Ordre geben / Sonntags den
21. selbige zu attaquiren / und durch Gewalt der Waffen zur raison zu bringen:
deme dann zu solg (Schlacht zwischen den Sapopschen und
Frantzös. Völckern eines / dann denen Thal-Lenten andern Theils.) die
Frantzösische Völcker zwischen dem 21. und 22. zu Nachts den Anfang gemacht / da
es dann zu einem blutigen Treffen im S. Martins-Thal gekommen / und biß 200.
Soldaten vom Landis. Regiment theils getödet und verwundet worden / darunter der
Major / und deß Obristen Bruder tod geblieben / die Hn. Hn. de Biron und Conteau
aber blessirt seynd / jedoch eroberte man eine Mühlen / worinnen theils
Protestanten sich verschantzet hatten / welche aber gefangen wurden. Den 23.
griffen die Piemontische Regimenter ihrer Seits an / und gewonnen alle Schantzen
im Thal von Angrogna biß nach Pratorno; hernach theileten sich gemeldte
Regimenter in 3. Attaquen / und als die 3. Brigaden zu ihnen gestossen waren /
eroberlen sie die andere Schantzen / so auff der Ebne an der Höhe deß ersten
Bergs waren / und der D. Gabriel von Savoyen lägerte sich gegen über deß Bergs
von Angtogna, und liesse die Völcker ruhen / und hatte in allen diesen Actionen
nur 5. Mann verlohren; Zu Eroberung besagter Schantzen hat die Artillerie das
meiste gethan / weilen die Protestanten sich darfür sehr geförchtet / indeme sie
zuvor darfür gehalten / es wäre unmüglich / daß man Stücke dahin führen könte.
Nachdem Se. Excell. eine Weile daselbsten stille gelegen / die Convoy mit Lebens
mitteln und Kriegs-Ammunition erwartend / seynd sie in die Gegend der andern
Schantze marschirt / und haben alles zum (Theils suchen
Perdon / und ergeben sich auff Guad unf Unguad.) Angriff fertig
gemacht / es kam aber ein Trommelschläger nebst noch einem andern aus der
Schantz / welche begehrten mit Sr. Excell. zu reden / und als ihnen solches
erlaubet wurde / sagten sie / daß die ihrige die Schantz verlassen hätten / und
liessen bitten / ihnen den Pardon und Passeporte von Sr. Königl. Hoheit zu geben
/ mit Anerbietung / sie wollen das Gewehr niederlegen; Inzwischen ruckte auff
der andern Seiten der Herr di Cattinal mit denen Frantzösischen Völckern und
Piemontern hinzu / da dann die Protestanten auffs neue noch andere denen
unserigen entgegen schickten / und suchten Pardon, und wolten sich auff Gnad und
Ungnad ergeben / so auch angenommen ward / und vernimbt man auch anjetzo / daß
sie sich ergeben / und den Posten velassen haben / welchen man mit einer Wacht
von 500. Dragoner besetzet / und die Protestanten gefangen genommen hat / welche
theils mit dem Leben bezahlen / und theils auff die Galleren gebracht werden
dörfften / deren bereits / wie man den 26. vernommen / biß 2000. in der unsrigen
Gewalt seyn sollen. 1200. Volonteurs von Mondovi, welche der Cavallier di [267] Ciglie commandirt / und gewohnet seynd
/ auff die Berge zu steigen / haben denen andern den Weg gewiesen / weilen sie
gegen die in denen Thälern von Natur Feinde seynd / also daß sie keinem einigen
Quartier gegeben / ja selbsten einem von denen unsrigen / weilen er einen langen
Bart gehabt / und sie (Es werden verschiedene
Officiers Savoyscher und Frantzös. Seits verwun det / welche der Hertzog in
die Hospithäler bringen lassen.) vermeynet / es seye ein Protestant /
den Kopff abgehauen haben. Der Herr di River hat einen Musquetenschuß in Arm
bekommen / der Herr Cavallier di Sr. Giorgio ist in einer Achsel verwundet / und
der Marschall der Dragoner vom Herrn Grafen Vervva in der Seiten blessirt. Ehe
man besagte Protestanten angegriffen / haben sie zweymal sich mit dem Herrn
Marq. Parella unterreden wollen / und begehret mit einem Schweitzerischen
Abgesandten / welcher dorthin gegangen wäre / zu sprechen / so ihnen aber nicht
erlaubet worden / worauff der Abgesandte den 23. wieder anhero gekommen / und
nebst dem andern von hier wieder nach seinem Lande abgereiset ist. Sr. Königl.
Hoheit seynd von Bricherasco zu Pferde allgemach der Brigada nachgefolget / und
seynd biß an Sr. Joannisberg gekommen / allwo sie zu Mittag gespeiset / und
hernach ihren Weg wieder zuruck genommen haben. Sr. Hoheit hat die Verwundeten
besichtiget / welche man in die Hospithäler gebracht / und Ordre gegeben /
selbige wohl zu verpflegen. Wie es nun ferner mit diesen Thal-Leuthen ablcuffen
möchte / werden die folgende Monat entdecken.
Das neundte Capittel
Stellet vor / was in denen 17. Niederländischen Provintien sich begeben hat.
(Polländische Geschichten.) AUs dem Grafenhaag
vernimbt man / daß die Hrn. General Staaten durch Ihro Deputirten bey dem
Königl. Frantzösischen Ambassad. Mr. d’ Avaux klagen lassen / daß nan zu
Bordeaux 2. Holländer / welche nit naturalisirt seynd / in Verhafft nehmen
lassen / und sich ihrer Güter / effecten und Brieffen versichert habe / unterm
Vorwandt / daß sie einigen Frantzös. Reformirten geholffen hätten / sich mit der
Flucht zu salviren / und hätten ihre Kinder in Holland geschicket / welches man
bey hiesigem Staat sehr zu Hertzen ziehet / und vor eine Contravention und
Ubertrettung der Tractaten achtet. Der Herr General-Lieutenant Spaen hat Namens
Ihrer Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg denen Hrn. Staaten von Holland erkläret
/ daß die Subsidien, welche besagte Provintz erlaubet zu erheben / [268] umb sich wegen deß zweyten Termins dem
letzten Vergleich zu solge bezahlt zu machen / erst im Monat Octobris fallen /
und zu reparirung der Vestungs-Gebäuen / von der Stadt Wesel / davon obgedachter
Herr General Spaen Gouverneur ist / angewendet werden sollen. Von Surinam ist
ein (Mons. von Som̅ersdick bemächtigët
sich einer Stadt in India.) Schiff angelangt / so Schreiben von Mons.
von Sommersdick / welcher Gouverneur dorten ist / mitgebracht hat / Inhalts: daß
er sich einer Stadt der Indianer bemächtiget / die er im Land entdecket hat /
wordurch er sie im Zaum halten kan / daß sie die Zucker-Plantagien der Christen
nicht können berauben. Von Rotterdam kombt Nachricht / daß das Schiff dieses
Namens von Guinee daselbst angelangt sey / und unter andern Gütern 642. Marck
Gold / 51000. Elephanten-Zähne / 8600. Pf. Wachß / und 24. Zibethkatzen
mitgebracht habe. Sonsten hat man nunmehr von allen Orten die confirmation
erhalten / daß die Algierer mit diesem Staat gebrochen / und bereits 3.
Seeländische Schisse weggenommen haben.
(Brüsselische. Geschichten.) Schreiben von Brüssel
bringen / daß weilen die Frantzosen allen ihren Benachbarten / durch ihre hin-
und her Marschen und Bewegungen auff (Selbiger
Gouvernent legt verschiedene Guarnisonen in die unbesetzte Plätz.)
denen Gräntzen Mißtrauen verursachen / als hat Sr. Excellentz unser Gen.
Gouverneur der Holländer Exempel nach / welche ihre Guarnison zu Mastrich
verstärcket / und mit Kriegs-Munitiones versehen haben / auch Guarnison in die
Stadt Vilvorde auff dem Canal von Antorff und in die Schantze der 3. Thürnen
eine Meile von Brüssel verlegt / allwo keine Guarnison / seithero der Stillstand
geschlossen worden ist / innen gelegen haben.
Das zehende Capittel
Handelt von Schweitzerischen Zufällen / wie auch von deme / was aus Asta / Africa
und America diesen Monat schrifftwürdiges eingekommen ist.
Aus dem Canton Bern wird geschrieben / daß selbige Gesandten / welche (Schweitzerische Geschichten.) zu Turin vor die
Piemonteser intercediren sollen / mit allen ihren kräfftigen Remonstrationen
keine andere Antwort erlangen kön̅en / als daß der Hertzog ihnen
vorgestellet / daß er ohne sein gantzes Land in Gefahr zu setzen / das heraus
gegebene Edict wider die Piemonteser nit verändern könne / und geschehen lassen
müste / was er nit gern wolte / und zwar umb so viel mehr / [269] weilen die in den Thälern wohnende
Leuthe die Waffen ergrieffen / etliche von den ihrigen / weil sie Catholisch
worden / hingerichtet / und dergleichen Insolentien mehr verübet / wordurch sie
sich aller Fürstlichen Gnaden unwürdig gemacht. (Die
Schweitzerische Gesandten intercediten im Ramen der Evangelis.) Diesem
aber allen ungeachtet / wolte Se. Königl. Hoheit in Ansehung der gedachten
Intercession und in Respect der löblichen Evangelischen Schweitzerischen Cantons
/ alles was vorgangen / nicht zum ärgsten auffnehmen / wo die Thal - Leuthe nur
nach dem Edict Gehorsam leisten (Cantons bey dem
Hertzog von Savoden vor die Verfolgte proteftirende Piemonteser.)
würden. Hierauff hatten die Abgesandten Permission ersucht / selber nach den
Thälern zu reisen / und der Sachen Zustand / Resolution / und Verantwortung der
armen Piemonteser zu vernehmen / in Hoffnung / daß sie bey ihrer Zurückkunfft
den Hrn. Hertzogen zu einiger Moderation deß Edicts würden bewegen können. Das
erste ward ihnen alsofort verwilliget / und alsobald dem Gouverneur der Thäler
Ordre gesandt / daß sie den Einwohnern / die nun auff die Berge gewichen /
Freyheit mit den Gesandten sich zu unterreden / vergönnen solten. Auff das
andere aber / hat Se. Hoheit sich erklärt / daß er ihnen bey ihrer Zurückkunfft
wiederumb Audientz geben wolle. Hierauff haben die beyden Gesandten den 22.
passato sich nach den Thälern begeben / also daß man nunmehr mit Verlangen nach
dem Außschlag der Sachen wartet.
Extract - Schreiben aus Tripoli in Africa von 18. April.
MAn hat den Admiral allhier / als er in den Rath kam / beym Kopff (Die Stadt Triyoli gerathet in einen Auffstand und läft
verschiedene Grosse hinrichten.) genommen / auf ein Pferd geschmiessen
/ und hinaus geführet / da dann etliche Reuther deß Bey seines abgesagten
Feindes ihn umb den Hals zu bringen / gefolget / als er aber vor das Thor kommen
/ haben ihn etliche Türcken umbringet / und wieder in die Stadt gebracht / allda
alles in Auffstand gerieth / und den Bey / wie auch den Thesaurier vor Verräther
außrieffen: gedachter Thesaurier und dessen Bruder sind kurtz darauff umb den
Hals gebracht / und ihre Häupter vor dem Königlichen Hause auff Pfäle gesteckt
worden. Der Vice - Admiral / der vormals der Stadt verwiesen / und nach Gerby
geschickt war / ist zum Bey erwehlet / und hat sein Gezelt / 600. Türcken bey
sich habend vor der Stadt auffgeschlagen. Den 15. Martii kamen 250.
Mahometanische Reuther dem neuen Bey aus dem Gebürg zu Hülff. Die folgende Nacht
seynd 70. Reuther auff erhaltene Kundschafft / daß 60. Reuther deß alten Bey
einen gewissen [270] Orth zu besetzen
trachteten / außgeritten / und haben dieselbigen geschlagen / dem General -
Lieutenant deß alten Bey / der sie commandirte / das Haupt abgeschlagen / und
mit sich in die Stadt gebracht; wenig Tag darnach ist der alte Bey mit 4000.
Reuther / einig Fußvolck und 700. Camelen vor diese Stadt kommen / und hat den
neuen Bey / welcher 400. Mann zu Pferd und 150. zu Fuß starck war / rings umbher
besetzet. Es seynd aber die Camele durch 3. Feldstücken in Confusion gebracht
und deß alten Bey meiste Macht geschlagen / er selbsten den Kopff verlohren /
wornach alles in Ruhe gesetzet / und in der Stadt mit Canonen und Mußqueten
Salve geschossen worden.
ENDE
Desz vierdten Theils.
|| [271]
THEATRI NOVI POLITICO - HISTORICI
Fünffter Theil /
Worinnen zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige
Begebenheiten / so sich im Monat Majo deß 1686sten Jahrs in der gantzen Welt
zu Wasser und Land ereignet haben.
Das erste Capitel
Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien / sowohl / als
in Böhmen / Mähren / Schlesien / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und
begeben hat.
V???Ermög Brieffen aus Wien haben sich Ihro Käyserl. Majest. den 2. May nacher
Neustadt erhoben / nachdeme anvor die Kriegs - Consultationes wegen
bevorstehender Campagne in Präsentz deß Hn. Hertzogs zu Lothringen / und anderer
Käys. (Käpf???rlicht??? Geschichten.) hoher
Ministrorum in vielen gehaltenen Sessionibus ihren endlichen Schluß erreichet
haben. Der Hr. Gen. Feldmarschall - Lieutenant Schärffenberg hat / nachdeme er
sein Corpo den 23. passato zu Unguar zusammen gezogen / [272] und selbiger Ends Rendevous gehalten /
sich damit nacher Zattmar / und so forthin nach Claussenburg erhoben / umb die
wanckende Siebenbürgische (General Scherffenb.
gebeti??? Siebenbürger.) Stände / welche noch würcklich mit denen
Türcken durch deß Fürsten Abbaffy geheimen Ministrum Thelesum tractiren lassen /
zu andern Gedancken zu erzwingen. Der Ingenieur Gründel hat von einer neuen
Invention Carcassen und Granaten aus ein kleinen Stücklein mit Patronen) unter
einem Feuer und Zündung geworffen / welche guten Effect gethan; zu denen aus
(Viel Becker / Maurer und Minirer geben in
Ungarn.) Mähren / Böhmen / und Schlesien vor einen Monath verschriebenen
Becker-Jungen / seynd biß dritthalb hundert Becker und Maurer durch den
Rumor-Meister allhier auffgesucht / und nachdem ein jeder mit einem Carbiner
versehen / den 1. dieses zu Wasser abgereiset / welche Maurer Backöfen
auffzurichten / nach Raab / Comorrn / und andere Orth in Neuheusel an selbiger
Vestung zu laboriren vertheilet werden sollen / nebst welchen auch viel Minirer
unterm Hauptmann Chauve noch vorhero in Beysein ihres Directoren Herrn Grafen
von Marsigli gethaner Proben nach gedachtem Ungarn abgeführt worden. Primo
dieses ist ein Courrier von den Chur-Brandenburgischen Auxiliar - Trouppen
allhier angelanget / so berichtet / daß der Rendevous derselben den 26. passato
bey Crossen / in Gegenwart deß gantzen Churfürstlichen Hofs vorgangen / und
deren Anzahl nebst der Artillerie Bedienten sich auff 8500. Köpff erstreckte /
und alles in außerlesener Mannschafft ohne die Volontairs / deren auch biß 100.
seyn würden / bestünde; von denen Chur-Sächsischen vernimbt man ein gleiches /
und daß die Disordren im Marsch zimblich abgestellt werden.
Den 4. ist das Montecucul. Courassier-Regiment aus ihren Quartiren hier vorbey
nach Ungarn auffgebrochen. Die Belägerung Mongatsch ist in eine Blocquirung aus
Mangel der Mannschafft und Pulvers auff (Zu Laybach in
Crain geschiehet grosses. Voglück durch einen Donner. streich.) gut
befinden deß Hrn. General-Feldmarschalln Caprara verwendet worden. Von Laybach
aus Crain wird geschrieben / daß den 28. passato Nachmittag gegen 4. Uhren der
Donner daselbsten in den Land-Pulverthurn geschlagen / darinn 500. Centner
Pulver / eine grosse Menge Lunden / Kugeln / Bley sc. ware / und geriethe
dardurch das Pulver in Brand / und sprengte mit grosser Ungestümmigkeit den
Thurn / mit allem in einem Augenblick in die Lufft / welches einem Erdbeben
gleich schiene / also daß die gantze Stadt zitterte / und bebete / viele Häuser
fielen übern hauffen / an andern wurden die Tächer und Fenster rui???irt / und
verdorben / mit unsäglichem Schaden in der Stadt; das beste war / daß es starck
regnete / dann dardurch wurden die fliegende brennende Lunden und anders in der
Lufft gelöschet. Bey solchem Wetter seynd doch nur 1. Student und eine Frau /
welche von einem Hauß / [273] so
niedergefallen / umbkommen / aber viele Persohnen / wiewohl nicht tödtlich
verwundet worden; von besagtem Thurn / stehet man anders nichts mehr / als die
Fundamenta und ist kein Stein auff dem andern geblieben / GOtt ersetze denen
Inwohnern diesen Schaden in Gnaden anderwärts. (Zu
Wien werden gute Anftalten zu künffliger Campagne gemacht.) Der
Käyserl. Hoff - Kriegs - Rath allhier unterlässet nicht / alles / was bey denen
Käyserl. Regimentern abgängig / zu veranstalten / massen sie Ordre dahin ergehen
lassen / umb bessere Wund - Aertzt und Feldschärer / als vor einem Jahr zu
verschaffen: Ingleichem werden unauffhörlich durch Herrn General Feld - Kriegs -
Commissarium Grafen von Rabatta alle tieffliche Vorsehungen zu seinem höchsten
Ruhm gemacht / damit auch diese Campagne (Viele Schiff
mit Getrait / Munition / Stücken und Volck gehen in Vngarn.) auff
allen Seithen kein Abgang seyn möchte: so gehen auch nicht allein viel Schiff
und Flöß mit Getraid / Munition / von allerhand Sorten Bomben / und Granaten /
sondern auch viele schwäre Stück von gantzen und halben Cartaunen / auch andern
Geschütz nunmehr täglich nach Ungarn / dahin den 10. das junge Lothringische
Regiment / so biß 1500. Mann starck / zu Wasser gefolget.
Sonsten hat man durch einen expressen Courrier die erfreuliche Nachricht erhalten
/ wie daß Hr. General Mercy bey Segetin wider die Türcken abermahln eine
herrliche Victori erhalten habe / darvon die Particularia im zweyten Capittel zu
lesen seyn werden. Dem Herrn Grafen Cziacki ist von Ihro Käyserl. Majest. das
Generalat in Ober - Ungarn allergnädigst verliehen worden / und der Graff
Baragozi ist mit denen bey St. Job gestandenen Ungarn von dannen nacher Hauß
gerucket / dahingegen verharren die von dem Teckely abgefallene Ungarn in der
beständigen Devotion, und Pflicht gegen Ihro Käyserl. Majest. und hat der
allhiesige Cardinal Bonvisius Päbstl. Nuntius, dem nechst dem Petnehasy
zugegebenen fürnehmsten Officier / eine reiche güldene Ketten zu Erkantnuß
seiner ersprießlichen treugeleisteten Kriegs - Dienste zugeschicket. Nachdem
sich Ihro Hochfürstl. Durchl. Herr Hertzog von Lothringen den 10. bey der
verwittibten Käyserin (Denen Ihro Durchl. Hr. Hertzog
von Lothringen in Persohn folgen / nebenst vielen Voluntairs.)
beurlaubet / haben sie sich nach der Neustadt verfügt / und nach vollbrachten
Urlaubs - Complimenten bey Ihro Käyserlichen Majestät den 25. hujus gegen Ungarn
abgereist / umb dem General - Rendevous persöhnlich beyzuwohnen / dahin nun alle
Käyserl. Regimenter und andere Auxiliar-Trouppen in vollem Marsch begrieffen
seynd; auch seynd viele / sowohl Frantzös. als Spannische (derer letzten in
allem über 300. seyn) und anderer Nationen / theils fürnehmer Voluntairs von
hier nach Ungarn abmarschirt; von denen jüngst verbrenten Laboranten deß
Spannischen Feuerwerckers seynd drey Persohnen gestorben / und seynd noch zwey /
auch der [274] Principal selber noch nicht
gar aus der Gefahr deß Lebens / zu allem Glück war das Gifft / so man über die
angezündte Materi selbigen Tags hat mischen wollen / noch nicht darbey / sonsten
wäre nicht allein Er Principal, sondern alle im Käyserl. Arsenal wohnende Leuth
von solchem Rauch umbgebracht worden.
Den 17. ist aus Spannien der Printz Eugenius von Savoyen per posta allhier
angelangt / welcher zu der Käyserl. Armee in Ungarn gehet / umb seine Charge /
als General-Wachtmeister zu exerciren.
(Die Chur-Bäyerische Völcker seynd zu Wien angelangt und
wieder nach Vngarn abmarchirt.) Den 18. ist ein Chur-Bäyrisch Regiment
Dragoner / nebst anderer Reutherey hier vorbey marschiret / und 70.
Schiffs-Gezeug voller selbiger Fußvölcker beladen / nacher Ungarn abgeführt
worden. Die Chur-Brandenburgischen und Chur-Sächs. Auxiliar-Völcker / davon die
ersten durch Schlesien / und den Paß Jabluncka, und die letztern durch Mähren
marschiret / seynd bereits auff denen Ungarischen Gräntzen angelanget / und
parat, umb sich auff dem General-Rendevous / welcher zu Ende dieses Monats
außgesetzt ist / einzufinden. Es seynd auch 2. Regiment. zu Fuß / und so viel zu
Pferd nacher Croaten im Marsch begrieffen.
(Denen der Churfürst in hoher Person nebst andern
Officiers folget.) Den 15. seynd Ihr. Churfürstl. Durchl. aus Bäyern
nebst dero Gemahlin dahier arrivirt / worauff sie sich nach der Neustadt erhoben
/ und nachdeme sie sich bey Ihro Käyserl. Majest. verabschiedet / haben selbige
den 25. in Begleitung deß Printz Louvis von Baaden (als welcher sambt dem
Feldmarschall Leßlie Ihro Churfürstl. Durchl. bey Dero Armee assistiren wird)
nach Ungarn erhoben. Eodem dato haben sich Ihr. Excell. Hr. Graf von Stahrenberg
unter einer starcken Suite auch dahin erhoben / umb unter der Haupt-Armee die
Infanteri zu commandiren / so ist auch abermahln ein sehr wohl mondirtes und in
wackerer Mannschafft bestehendes Courassier-Regiment / so Ihr. Churfürstl.
Durchl. in Bäyern von König in Schweden erkauffet / den 26. zu Wasser nach
Ungarn abgefahren. Den 28. ist die (Zu Wien wirb ein
Policey. Ordnung publicirt.) Publicirung der schon ein lange Zeit im
Werck begrieffenen Policey-Ordnung von der Nider-Oesterreichischen Regierung
vorgenommen / auch aus Befelch deroselben allenthalben / damit sich eine
jedwedere Stands-Person darnach zu richten wissen könne / affigirt worden / doch
soll selbige erst künfftig angehenden 1687. Jahrs ihren würcklichen Anfang und
weitern Fortgang nehmen.
|| [275]
Das zweyte Capitel
Tractiret von Ungarisch-Siebenbürg-Croatisch-Türckis-Moldauis- und Wallachischen
Geschichten.
(Vngarische Geschichten.) ICh habe in vorigem
Capittel erwehnet / wie daß die Belägerung Mongatsch wieder in eine Bloquada
verkehrt worden sey / dergestalt daß die nechst umb besagte Vestung ligende
Plätz mit Kayserlicher Mannschafft starck besetzet geblieben / mit dem Rest ist
Herr General Caprara (Hr. General Caprara rasirt
verschiedene Plätz.) auff Eperies / Barckfeld / und selbiger Orthen
marchiret / und vermög Käyserl. Ordre die Stück / Munition / Proviant / sambt
der Guarnison an sich gezogen / folgends selbige Plätz nebst den Berg-Schlössern
Regetz / Sachetar / und Turna rasiret / und darauff sich mit seiner
unterhabenden Mannschafft zum Rendevous nach Zollnock gewendet / von daraus Hr.
General (Hr. General M???cy erhä??? mehrmalen bey
Segetin eine herrliche Victori wider die Türcken.) Mercy denen Türcken
meh???mahln einen guten Streich angebracht / dann als der Teckely mit 1000.
Tartarn bey Segetin disseits und der Seraskier mit 4000. außerlesenen Türcken
jenseits der Theiß arrivirt / und allerseits noch mehrere Völcker erwartet / hat
indessen erwehnter Teckely von seinem Corpo 600. Tartarn commandirt / umb den
Unserigen einen Einfall zu thun / worauff selbige biß nach Ketzkehmet 10. Meilen
von Segetin herwarts gegen deß Herrn Feldmarschalln Baron Mercy Lager
gestreiffet / von dar vieles Viehe und biß 200. Bauern hinweggeführet / aus
welcher Action man schlosse / daß noch ein starckes Corpo im Hinterhalt stehen
müste. Deß andern Tags bekame der Herr Gen. Mercy von denen gehuldigten Bauern
Kundschafft / daß die Tartarn bey Segedin im Feld ohne Wachten und gantz
ohnversehen offen stünden / und obgedachtes Viehe und viele gefangene Christen
bey sich hätten / worauff S. Excell. nebst dem Hn. General Heußler beschlossen /
ein fliegend Corpus zu machen / und besagtes Läger / wobey sich der Teckely
befande / zu überfallen / und nahmen zu dem Ende / nebst 4. Regimentern
Curassierer und 2. Regimentern Dragoner / auch 1000. der besten Hussaren / und
500. Mußquetirer / welche man auff Bagage (Anmarsch
der V???srigen) Pferd setzte / umb desto besser fortkommen zu können:
mit diesem Corpo marschirte man den gantzen Tag und folgende Nacht / und kame
bey anbrechendem Tage an der Tartarn Lager / allwo sich die Unsrigen in
Ord [276] nung stelleten: der
Hr. General Heußler mit gemeldtem 1000. Hussaren gienge in vollem Galopp voran /
deme der Herr Obrist-Lieut. Graff von Hoffkirchen mit denen Styrum- und
Dünnewaldisch. Regimentern folgte / und den Rücken hielte / und mit den übrigen
Völckern folgte Hr. General Mercy: die Hussaren funden die Tartarn mehrentheils
in denen Baraquen (Viele Tartarn werden
niedergehauen.) oder Zelten schlaffend / und ihre Pferde auff der Weyde
loßgehen; und konten also in freyem Felde der Hussarn Geschwindigkeit nit
entfliehen / als welche viele Tartarn niederhaueten. Selbige Nacht waren 2000.
von dem Kern der Türcken über das Wasser gangen / (welches aber den Unserigen
unbewust) in willens folgenden Tags / nebst denen Tartarn einen Streiff zu thun:
als nun diese Türcken das grausame Geschrey und Allarn???en / kamen sie herzu /
denen Tartarn Hülff zu leisten; worauff der General Mercy denen Hussaren befahl
/ die in Confusion seyende Tartarn zu verfolgen / und er mit denen Dünnewald.
und Styrumischen Regimentern gienge gegen die Türcken / und schickte den General
Heußler mit 3. Regimentern fort / denen Türcken von hinten den Paß abzuschneiden
/ welcher sich dann zwischen solche und der Stadt postirte: welches dann ihme
also geglücket / daß (Die Türcken von General Heußler
in Confusion gebracht.) nachdeme der Feind von vornen dapffer
angegrieffen ward / selbiger in grosse Confusion geriethe und flohe / und wolte
sich auff der rechten Seithen in die Stadt retiriren; als aber die darinnen die
drey Regimenter unterm General Heußler sahen / welche schon mit denen Türcken
scharmutzirten / schlossen sie das Thor ihnen vor der Nasen zu / beförchtende /
es möchten die Christen zugleich mit denen Türcken in die Stadt tringen: hatten
also die Türcken (Und genöthiget in die Theiß zu
springen darinnen viele ersoffen.) vor ihnen die Mauren der Stadt
verschlossen / auff der einen Seithen die Theiß / auff der andern und hinter
ihnen die Teutschen / welche sie verfolgeten / wurden deßhalben gezwungen / ins
Wasser zu springen / in Hoffnung sich jenseits deß Flusses zu salviren; ersoffen
aber mehrentheils / im zusehen der Unserigen / also daß sowohl im Wasser als im
Niederhauen 1500. Türcken (Der Verlust wird Türck.
Seiten auff 1500. Mann geachtet.) und Tartarn todt geblieben seyn. Ein
Soldat zu Pferdt hat den Bassa, welcher obgedachte 2000. Türcken commandirt /
mit einem Carbiner erschossen / und dem Herrn General Mercy deß Bassa Pferd
geschencket / welches wegen seiner von lauter Goldreichen Außstaffirung auff
1000. Ducaten werth geschätzet wird. Der Seraskier sambt den meisten Officirern
hat (Der Seraskier / Teckely und Petrozzi salviren sich
kümmerlich.) sich in Segedin / der Teckely und Petrozzi aber / denen
es zum treffen noch zu frühe war / logirten ausser Sigeth in einem Franciscaner
Closter / und auff erhaltene Nachricht salvirten sich beyde gantz kümmerlich und
mit abermahliger grosser Gefahr aus Vortheil eines tieffen Grabens über die
Theiß / doch ist deß Teckely Leib-Pferd und dessen Flaschen-Keller mit To [277] kayer Wein gefüllet / weilen
er in besagtem Kloster frühstücken wollen / den unserigen zu theil worden: Man
hat über dieses das gantze Lager / sambt Stücken / Munition / Bagage und
Proviant erobert / womit und vielen andern reichen Beuten beladen das Mercysche
Corpo wieder zuruck nach Zollnock gekehret; unserseits werden 23. gemisset / so
tod geblieben / und seynd 25. verwundet worden / von Türckischer Seiten aber
haben die unserige nebst (300. werden gefangen
genommen.) den obberührten vielen Erschlagenen auch 300. gefänglich
angenommen / welche so viel ausgesagt / daß der Groß-Vezier durch einen
expressen Courrier von dem Groß-Sultan / nachdeme die Zeitung am Türckischen Hof
(Aussag derselben.) über den / durch die
Venetianische Waffen im nechst-verwichenen Martio der Türckischen Armee
zugefügten Schaden und erlittenen unglücklichen Streich / erschollen / von
seiner nach Griechischweissenburg angetrettenen Reise nach Adrianopel zurück
beruffen worden / und also die immerfort über die erschröckliche Unglücks Ruthen
/ unter dem Volck anwachsende consternation die Gemüther in die äusserste
Kleinmüthigkeit gesetzt hätte: Mit gedachtem Groß-Vezier wären alleinige 15000.
Mann von Adrianopel gegen Griechischweissenburg abmarschirt / welche aber von
6000. Janitscharen / so aus Constantinopel genommen worden / ehisten verstärcket
werden sollen / zu denen die Ungarischen Gräntz und Besatzungs-Völcker zu
stossen beordret (Die Leventzer und Vespriner Hussaren
streiffen glücklich.) seynd. Bey diesem Verlauff haben die Leventzer
Hussaren auch einen Streiff biß unter Ofen gethan / und in die 800. Ochsen
zusammen getrieben / welchen das Viehe abzujagen in die 70. Türcken nachkommen /
aber dergestalt beneventirt worden / daß ihrer viel auff dem Platz geblieben /
gedachte Hussaren / welche nur 40. Mann starck gewesen / und nicht mehr als zwey
Mann verlohren / seynd mit dem Viehe nebst 12. Gefangenen von den vornehmsten
Türcken wieder glücklich zuruck gekehret. Ingleichem haben die Vespriner
Hussaren 50. Stulweissenburgische Janitscharen / so Lebensmittel gesuchet /
ertappet / und alle biß auff 4. welche gefangen genommen worden / niedergesäbelt
/ von denen Hussaren seynd nur 6. blessirt / (In dem
Feuerwercks-Laboratorio zu Raab entstehet eine gefährliche
Feuersbrunst.) aber keiner getödet worden. In dem Feuerwercks-Laboratorio
zu Raab ist eine gefährliche Feuersbrunst entstanden / zum Glück aber / doch mit
einer höchst-periculosen Resolution hat der Ober-Hauptmann Muth nur mit etwa 20.
bey ihm in der Gefahr beständig gebliebenen Personen (indem die andere sich alle
salvirt) die halb verfertigte Carcassen in lauter Gewölber / und unter die Erden
reterirt / allwo auch sonsten eine grosse Menge schon fertiges Feuerw???rck ligt
/ auch niemand weiters verletzet ausser im leschen einem das Haar versenget
worden: der Thäter / so ein Sclavac, wird [278] aus Befelch deß daselbstigen Commendaten scharpff allenthalben
auffgesucht. Sonsten befinden sich auch in gedachtem Raab 2. von Ihr. Päbstl.
Heiligkeit von Rom ausgeschickte Patres Franciscaner von sonderbaren grossen
Wissenschafften im Feuerwerck / welche würcklich zu labotiren angefangen.
(Siebenbürg. Geschichten.) Aus Siebenbürgen hat
man endlich die eigentliche Nachricht von dem General Feldmarschall Lieutenant
Grafen von Schärffenberg dieses mehrern Inhalts vernommen / daß nachdem er
unweit Clausenburg mit seinem unterhabenden (Hr.
General Scherffenberg eröffnet dem Fürsten und Ständen seine
Commission.) Corpo angelangt / er dem Fürsten Abaffy sambt denen
Siebenbürgischen Ständen seine Negotiation eröffnet / und seine postulata
darüber formirt / auch eine endliche Resolution von denenselben cathegoricè
verlangt / und ob zwar dato er dieselbe annoch nicht überkommen / so werden doch
seinen unterhabenden Trouppen alle gehörige Lebensmittel und
Marsch-Nothwendigkeiten von denen Inwohnern herbey geschaffet / vermeldet anbey
/ daß (Herentgegen suchet der Türckische Seraskier
durch grosse Promessen selbigen Fürsten in Türckischer Devotion zu
erhalten.) der Seraskier / so jenseit der Theiß die Türckische Mannschafft
commandirt / auch an dieselbe Stände würcklich unterschiedliche Propositiones
gelangen lassen / welche endlich dahin collimirten, daß so fern sie von dem
Türckischen Reich nicht abweichen / und zu den Teutschen nicht übergehen / oder
mit ihren Soldaten zu denselben stossen würden / er alsdann ihnen die von Gyula
/ Lippa / und dem Bassa zu Wardein de facto usurpirte Dorffschafften wiederumb
zu restituiren, und dabey auff ein billiges den jährlichen Tribut moderiren
wolte / darüber er dann von dem Groß-Sultan bevollmächtiget wäre; Worauff aber
besagter Fürst nichts geantwortet. Ja man vernimbt im Gegentheil / daß nachdem
einige Türckische Trouppen selbigem Fürstenthum (den jährlichen Tribut
einzuholen) sich genähert / hätten die Einwohner / weilen sie nunmehro in
Käyserl. devotion, und man auch Käyserl. Seits selbiges Fürstenthum zu
beschützen versprochen / den Tribut nicht reichen wollen / sondern sich mit dem
Herrn General von Schärffenberg conjungirt / selbige angefallen / und eine
grosse Anzahl nieder gemacht / und die übrige in die Flucht getrieben / darauff
den Paß Hermannsburg attaquirt / und auch per Accord erobert / wovon aber
ehistens mehrere Gewißheit und Particularia erwartet werden.
(Croatische Geschichten.) Aus Croatien wird
geschrieben / daß Herr Johann Matthoeus Graf von Strasoldo / Käyserl. General
Wachtmeister / den 19. dieses den Vice-Capitain von Ogullin Herrn Georg
Christophel Hranillowitsch mit einer Parthey von 500. Mann auscommandirt / umb
ins Türckische Land gegen Brekovviza 2. Stunde von Biack zu streiffen; welches
dann besagtem Capitain dergestalt geglücket / daß er den 21. dito vor Tag
selbige kleine Stadt [279] unversehens
überfallen / gantz abgebrand / 15. Türcken niedergehauen / und 33. gefangen
genommen / auch 3000. Stück Schaafe und biß 400. Ochsen zur Beute bekommen / und
zurück gebracht hat: Gemeldten Tag commandirte (Die
Croaten streiffen glücklich ins Türckische) der Herr General Strasoldo
noch eine andere Parthey von 50. Mann mit 2. Woywoda aus / umb gegen Vranograz
zu recognosciren, von dannen diese mit 6. gefangenen Türcken / 160. Hämeln / und
30. Stücken groß Viehe / glücklich zurück gekommen seynd / sie haben alldorten
auch (Hr. General Strasoldo läft verschiedene
Wohnungen vor die Wallachischen Christen aufdanen.) 5. andere Türcken
enthauptet. Gedachter Herr General hat das Schloß zu VVudatsky noch mehrers
bevestigen / und daselbst 120. Häuser auffbauen lassen / umb darinn die
Wallachische Christen (welche aus Türckey dahin geflohen seynd) zu logiren:
Zwischen Sluin und Sckrad hat er auch noch über 200. Wohnungen vor besagte
Wallachen auffbauen lassen / welche in grosser Anzahl aus dem Türckischen
Territorio kom̅en / und sich der Christlichen Protection und
Schutz untergeben. Den 4. ist besagter Herr General (Gebet mit Tod ad.) gestorben / so wegen seiner treu-geleisteten
Dienste sehr betrauret wird / wer nun an dessen Stelle kommen werde / stehet
künfftig zu vernehmen. Der Herr Obrist-Lieutenant Macar von Caprainiz, so mit
600. Mann gegen Kutyevo einer Türckischen Stadt unter Walpo marschirt / hat
ermeldte Stadt überrumpelt / geplündert / und abgebrant / 300. Türcken
niedergehauen / und 60. gefangen / mit welchen er nebst guter Beute wieder
glücklich zuruck in Caprainiz angelangt ist.
(Türckische Geschichten.) Aus dem Türckischen
vernimbt man / daß den letzten April der Donner zu Maidan / welches die
Türckische Hauptstadt im Königreich Boßnia ist / eingeschlagen / und selbige
Stadt gantz eingeäschert hat; gemeldte Stadt ist ein reicher Ort / und hat
daselbst Eisengruben. Zu Essegg thun die Türcken an denen neuen Vestungs-Gebäuen
Tag und Nacht arbeiten / und haben mit vielen Schiffen eine grosse Menge
Proviant und Gewehr auff der Donau dahin gebracht / und wollen nun von besagten
Schiffen Brücken über die Donau / die Drab und Sau schlagen / umb die
Correspondentz frey zu haben / und sich auff allen begehenden Fall conjungiren
zu können. (Der Groß. Vezier läft 4000. Griechen
hinrichten.) Nebst diesem verlautet / daß deß Groß-Veziers menschliche
Art nunmehro in eine grausame barbarische crudelität sich täglich verkehre / wie
er dann in Griechenland über 4000. Griechen durch den Bechlerbeg / weilen sie
kein Gehorsam leisten wollen / theils darvon spiessen / theils decaputiren,
erwürgen / und auff andere Weiß hinrichten lassen; gedachter Bechlerbeg solle
auch mit seiner Militze gegen Albanien zu gehen / eben dergleichen Tyranneyen
(Stulweissenburg wird.) daselbsten zu
verüben / Ordre haben. Sonsten bevestigen die Türcken Stulweissenburg sehr
starck / wobey die gehuldigte Bauern unmensch [280] lich angetrieben werden / und ist Nachricht / daß sie zwar
viele grosse Stück und Munition / aber wenig Proviant bekom̅en /
auch gelte ein Sack Waitzen / was ein Mensch tragen kan / 4. biß 5. Ducaten /
übrigens aber wüsten (mehrers fortisicirt.) sie
vor Forcht nicht / was sie thun sollen / indeme sie Ordre hätten sich diß auff
den letzten Blutstropffen zu wehren. Von Adrianopel hat man Nachricht / daß den
17. passato der Janitscharen Aga mit seiner Militz von dannen nach
Griechischweissenburg abmarschirt / deme den 19. dito der Groß-Vezier nebst
andern Grossen nachgefolget sey. Im übrigen wird von allen (Griechisch. weissenburg gehet fast völlig im Rauch
auff.) Orten confirmirt, daß besagte grosse reiche und mächtige Türckische
Stadt Griechischweissenburg / sonsten Bellgrad genant / zwischen der Sau und
Donau / wo der erste in den letztern Strohm laufft / gelegen / meistentheils
sambt dem Schloß und 200. Magazin- oder Provianthäuser durch einen Donnerschlag
/ andere sagen durch ein aus einem Beckenhauß in der Lateiner Vorstadt
ausgekommenes Feuer / eingeäschert worden sey / und hat selbige Stadt dreymal
24. Stund an einander gebrand / und ist nichts als etwas vom Schloß und die
Vorstadt / allwo die Christen wohnen / sambt ihrer Kirchen / unversehrt
geblieben: es werden dey 4000. Häuser gezehlet / so völlig abgebrant sind. In
dieser grossen Stadt pflegeten die Türcken ihre Magazins auffzurichten / umb
alle darumb ligende Königreich daraus zu proviantiren / weilen sie sich gar wohl
darzu geschicket hat; Nun wird durch diesen Brand die Theurung und Brodmangel /
welchen die Türcken schon (Die Türcken schlagen unweit
Essegg eine Brücken über die Donau.) auff allen ihren Gräntzen haben /
noch grösser. Unterhalb Essegg heben die Türcken nun auch eine Brücke über die
Donau geschlagen / umb auff allen Seiten die freye communication zu haben: sie
thun auch alle Gräntz-Vestungen möglichst mit Völckern verstärcken / und
vermehret sich die Bestürtzung unter ihnen immer fort.
Das dritte Capitel
Haltet in sich / was im Römischen Reich hin und wieder passirt ist.
AUs dem Ober-Sächsischen Craiß kom̅t neues von der Churfürstl.
(Römihen Reichs Geschichten)
Brandenburgsischen Residentz-Stadt Berlin / daß den 7. der Churfürstl.
würckliche geheime Rath und Landes-Hauptmann in der alten Marckt Herr von
Kneseneck in hoher Gegenwart Sr. Churfürstlichen [281] Durchl. zum Proesidenten im Cammer-Gericht und Consistorio bestellt
/ auch vorgestellet worden. Es ist im Vorschlag / daß ein Fahrt gemacht werden
soll / nemlich von Colberg aus Hinter-Pommern biß nach Trepto / woselbsten (Chur-Brandenburgische Geschichten.) 2. Seen ligen
/ welche wie berichtet wird / durchzustechen schon beschlossen / damit der Hafen
grösser gemacht werde / und man derowegen von Trepto auff der Rege biß in den
Trahefluß fahren kan / weilen aber der Fluß (Von
Colberg biß Trepto ist eine Fahrt zu machen im Vorschlag.) Rege sehr
krumm gehet / so soll er von Raeßfeld biß Tramburg durchgestochen / und in die
Trahe gebracht / und bey Raeßfeld eine Schleuse geleget werden / dadurch das
Wasser nach Trepto und Tramburg zu leiten; von der Trahe fahren sie Kalies und
Driesen vorbey / und zu Landsberg in die Warte weiter herunter / aber zu Cüstrin
in die Oder / da sie auffwärts nach Franckfurt und Breßlau / wie auch von
Franckfurt durch den neuen Graben anhero / und also gar nach Hamburg fahren
können. Wann dieses Werck zur Richtigkeit gebracht / so werden die
Hinter-Pommerischen Städte / Colberg / Trepto / Schellin / Greiffenberg /
Regenwalda / und andere in grosses Auffnehmen und Handlung kommen / weilen die
Edelleute alsdann ihr Korn und andere grobe Wahren besser an andere Oerter
verführen können / und nicht gezwungen seyn / zu Land mit grossem Unkosten ihre
Sachen nach den grossen Städten zu bringen / wogegen die schwere Wahren zu
solcher Zeit den nechsten Weg nach Hamburg und andern Orten durch Colberg in
Schlesien / und andern weit entlegenen Ländern können gebracht werden / wordurch
der Zoll in Pommern / der Marck / und biß in Schlesien Ihr. Churfürstl. Durchl.
ein grosses eintragen wird.
(Der Landgraf von Hessen. Cassel langt zu Berlin
an.) Den 15. Nachmittag seynd deß Hn. Landgrafen zu Hessen. Cassel
Hochfürstl. Durchl. nebst dero Frau Gemahlin Durchl. und der Princessin von
Churland Durchl. hier angelanget / und seynd Se. Churfürstlich. Durchl. Seine
Chur-Printzliche Durchl. dero Frau Gemahlin Durchl. auch alle Chur-Princessinnen
/ Printzen / und andere anwesende Hochfl. Personen ihnen biß auff eine halbe
Meile entgegen gefahren / umb sie einzuholen / und ward (Dessen Einzug.) ein sehr schöner Einzug gehalten
/ als 1. marschirten vier Trompeter / ein Paucker / und die Churfürstl.
Trabanten-Garde vorn an. 2. Folgeten sechs und dreysig Kutschen. 3. Acht und
zwantzig Handpferde mit kostbaren Chabraquen. 4. Der Churfürstl. Pagen
Hofmeister mit denen Churfürstl. Pagen. 5. Der Ober-Hof-Marschall mit allen
Cavallieren und Chur-Printzl. Printzen. 6. Der Hr. Ober-Stallmeister. 7. Se.
Churfl. Durchl. mit deß Herrn Landgrafens Durchl. in einer schönen chamerirten
Chaise. 8. Ih. Churfürstl. Durchl. die Churfürstin mit der Fr. Landgräsin
Durchl. dero Chur-Princessinnen und der Fr. Marggräfinen Durchl. [282] in einer schönen Kutschen. 9. Noch
etliche Kutschen / welche auch mit Fürstlichen Personen besetzt waren. Beym
Einzug wurden alle die Stücke umb die Residentz dreymal gelöset / auch von der
Guarnison die behörigen Salven (Wird von
Chur-Brandenburg herrlich bewirthet.) gegeben. Die Burgerschafft war
auch auffgezogen / und gienge alles sehr magnifique zu. Deß andern Tags nach
vollbrachter Mahlzeit wurden Sr. Hochfürstl. Durchl. dem Herrn Landgrafen / wie
auch Sr. Durchl. dem Printzen von Mecklenburg die Laboratoria, allwo einige
Brandkugeln angesteckt wurden / das Stück-Gießhauß / bey welchem eine sehr
grosse Quantität Stückkugeln und Bomben in schöner Ordnung stehen / wie auch die
Rohr-Kammern und Zeughäuser gezeiget. Den 17. wurde in Gegenwart (und mit allerhand Divertissementen beehret.) aller
Hochfürstlichen Personen vor dem Leipziger Thor aus Böllern und Haubitzen auff
4000. Schritt Brandkugeln / wie auch mit dem Armbrust / und aus einer
Kammer-Büchsen Handgranaten bey 100. Schritt geworffen; es war auch eine
Batterie gemacht / welche durch Bomben und Granat-Cartetschen demolirt wurde.
Se. Chur-Printzl. Durchl. deß Herrn Landgrafen Durchl. deß Fürsten von Anhalt
Durchl. deß Printzen Philipp Durchl. schossen mit Stücken nach einer Scheibe /
und thäte Printz Philipp Durchl. den besten Schuß; als diß vorbey / fuhren sie
wieder zu Schlosse zum Mittagsmahl / und waren lustig. Den 20. seynd Se.
Churfürstl. Durchl. mit deß Hn. Landgrafen zu Cassel Hochsürstl. Durchl. (Reiset wieder nach Hauß.) nach Potzdam verreist /
und haben ein Stund von dar den 21. ein grosses Jagen gehalten / worauff den 24.
der Herr Landgraf von Hessen Cassel wieder nach Hauß gekehret ist. Aus Schlesien
hat man vom 30. passato / daß unsere Völcker nicht über das Riesengebürg /
sondern neben demselben (Se. Churfl. Durchl. erhalten
Rachricht von dero Völckern Marsch.) vorbey marschirt seyn / damit sie
sich desto weiter von einander theilen können / und dem Landmann nicht zu
beschwerlich seyn mögen; Es haben aber die Schlesischen Commissarien einen
Vortheil machen wollen / und deßwegen die Armee so kurtz einlogirt an einem Ort
/ da auff eine halbe vierthel und halbe Meil Dörffer gelegen / darüber der Herr
General Schöning sich gegen gedachten Commissarien sehr beschwehret / und
gedrohet / solches nicht allein Sr. Churfürstl. Durchl. zu berichten / sondern
es an Ihr. Käyserliche Majest. zu klagen / mit dem Beyfügen / daß wann sie
solche Quartier nicht erweitern würden / er solches durch seine Quartiermeister
selber wolte thun lassen / jedoch dabey versicherende / daß wann selbiges
geschehen müste / dannoch solche Ordre gehalten werden solte / daß kein (Derr General Schönig wird wegen gehaltener zu.)
Landmann darüber solte zu klagen haben / welches dann auch geschehen / und seyn
die Einwohner damit sehr wohl zufrieden / und können deß Herrn General Schönings
Commando und Conduite nicht genug rühmen / wie [283] dann die Bauern / so 70. biß 80. Jahr alt / frey heraus bekennen /
daß sie noch niemalen / so lang sie gelebet / einen solchen formlichen und
Christlichen (ten Ordre sehr gerühmet.)
Durchmarsch gesehen / und geben sie denen Soldaten / wann sie weg marschiren /
noch Vrod / und was sie sonsten haben / auff den Weg.
(In dem Chur-Rheinischen und Fränckischen Craisen thun
die Kiesel grossen Swaben.) Aus dem Chur-Rheinischen und Fränckischen
Craiß höret man leyder / daß diesen Monat hindurch selbiger Orten die Kiesel und
starcke Regengüß sehr grossen Schaden verursachet / indeme umb Mannheim in der
Pfaltz / und zu Klingenberg am Mayn Kiesel so groß als die Hünnereyer gefallen /
die an diesem letzten Ort etliche Tage gelegen / ehe sie völlig zerschmoltzen
seynd / und haben in selbigen umb seines edlen Weinwachses willen weilberühmten
Berg / wie auch zu Rollfeld / Eschau / und Schippach den Weinstock und Früchten
in Grund ruinirt / auch etliche hundert Eich- und andere Bäume aus der Erden
gerissen; Derglerchen ist zu Biestein und umb Neustadt an der Hart mit den
Früchten und dem Weinstock beschehen / welches auch das Ambt Craulheim den 15.
dito sehr hart betroffen hat / indeme durch ein urplötzliches Ungewitter
daselbsten sowohl Menschen als Viehe ersoffen / Häuser / Scheuren / und Släll /
sambt den Brücken weggerissen / die Weinberg meistentheils abgeflösset / Aecker
und Wiesen sambt den Gärten völlig überschwemmet / auch grosser Schaden an den
lieben Früchten geschehen / also daß in vielen Jahren alles in vorigen Stand
nicht wieder gesetzet werden kan.
(Der Westyhälische Craiß tractirt von denen Geschichten
der Stadt Cöln.) Aus dem Westyhälischen Craiß melden die Geschichten
von der Stadl Cöln / daß die Erben von denen Burgermeistern Cronenberg und Krebs
/ welche vor etlichen Jahren degradirt und abgesetzt worden / den Proceß wider
den regierenden Magistrat / welcher sie degradirt und in Arrest gesetzt hat /
und worinn der erste gestorben ist / gewonnen / und ist der Sentenz den 8. hujus
im vollen Magistrat verlesen worden / krafft welchem man sie wieder in ihre Ehre
einsetzen / allen Schaden und Unkosten gut machen und erstatten solle. Besagter
Magistrat hat nunmehr angefangen denen Käyserl. Herren Subdelegirten zu ihrer
Verpflegung wochentlich 120. biß 130. Reichsthaler zu bezahlen. Die 2. biß 300.
Mann / welche der Herr Graf Emanuel von Fürstenberg zu Lüttig hat werben lassen
/ umb das Regiment / welches er in Käyserlichen Diensten hat / damit zu
recroutiren / haben den 19. dito ihren Marsch nacher Ungarn fortgesetzet.
Hiesiger Stadt Magistrat hat 300. Mann von unserer Militze abgedancket. Den 30.
ist mit 7. so lang im Arrest gesessenen auffwickelischen Tumultuanten / welche
meist [284] Commissarii vor diesem von
unterschiedlichen Zünfften gewesen / und diese Stadt regiert haben / folgender
gestalt die execution auff dem Neumarckt / allwo ein neuer Kack auffgerichtet
worden / geschehen: Hanß Adam Josten / (3. von denen
Cölnischen Tumultuanten bekommen den Stauphesen zum Lohn.) Westhoven
und Pettermanns waren an einander gebunden / und durch den Pfaltz-Neuburgischen
Scharpffrichter aus Gülich gar hart zur Stadt hinaus gestrichen / und so ewig
mit dem zwey Stunden lang am Kack gestandenen Commissario Derichs Tubackskrämer
bannisirt / worauff man gleich andere deß Nachts aus den Bettern geholet / und
an deren statt in die Gefängnuß gelegt hat.
(Der Nieder-Sächsische Craiß handelt von den Geschichten
der Stadt Hamburg.) Aus dem Nieder-Sächsischen Craiß bringen Brieffe
aus Hamburg / daß unter andern / so in jüngster Bürger-Versamblung beschlossen /
3. aus den Dreysigern und 2. aus dem Rath erwählet / welche die Zellische Sach
vornehmen / wohin nun aus diesen fünffen die meiste Vota fallen / darbey soll es
bleiben / und dem Rath und Bürgerschafft angenehm seyn / so hat man auch im
Vorschlag gehabt / daß alle die jenigen / welche Carossen halten / einen Reuter
/ die aber Landereyen haben / einen Soldaten unterhalten sollen / es ist aber
diese Sach verschoben / und ausgestellt. Reisende von Lüneburg berichten / daß
unsere Gefangene theils nach Giffhorn / theils aber nach einem andern Ort bey
Hannover gebracht / so haben sie auch / die Lüneburgischen eine Schiffbrücke vom
Bundten-Hause nach ihrem Lande zu geschlagen / ingleichem eine Schantze von
fünff Bollwercken in der Gegend Wilhelmsburg in ihrem Lande gebauet. Den 8.
dieses ist dieser Gegend (Ein grosses Sturmwetter thut
an Teichen und Dämmen wächtigen Schaden.) abermalen ein sehr grosses
Sturmwetter eingefallen / welches an Teichen und Dämmen überaus grossen Schaden
gethan / und welche noch von dem jüngsten Einbruch nicht völlig reparirt gewesen
/ de novo überstiegen / und eingerissen / wie man dann leyder die betrübte
Nachricht hat / daß das Olde Land wieder unter Wasser stehet / und der
Braußbütteler Teich fast gantz weggerissen und ruinirt worden. Was sonst hin und
wieder vor Schaden geschehen / und was vor Leute in dem unterhalb Blanckenese
umbgeschlagenen Ever gewesen / davon ist noch keine Nachricht zu haben. Aus Zell
wird geschrieben / daß den 11. ein so grausames Wetter von Donner / Regen /
Blitz und Hagel gewesen / daß kein Mensch dergleichen erlebet / und meynte
jedermann / daß ein andere Sündfluth oder der Jüngste Tag darauff erfolgen
würde: endlich aber brach sichs mit solchem Regen / daß fast alle Häuser im
Wasser stunden. Schreiben aus Lübeck melden / daß den (Die Mecklenburgische contra Holsteinische) 15. die Mecklenburgische
contra Holsteinische Commission völlig verglichen liquidirt, subscribirt und
ratificirt, und weilen selbige in der Güte gehoben / sind die gegenwärtig
gewesene Königl. Schwedische Reuter aus Stade / wie [285] auch die Fürstl. Lüneburgische / so
widrige falls die Sache nicht veraccordiret würde / als Executores praesent.
gewesen wiederumb nach ihren Quartiren marschiret / die Hollsteinische
Edelleuthe / so an Ihr. Durchl. von (Commission wird
zu Lübeck völlig verglichen.) Mecklenburg Seel. Herrn Vatter am
Capital 90000. Rthlr. geliehen / von welchen die Interesse schier über zweymahl
soviel sich beloffen / haben von dem Mecklenburgischen Adel / welcher Ihr.
Durchl. caviret / nach geschehener Liquidation, jetzo 14000. Rthlr. empfangen /
vor das übrige sind ihnen die Fürstl. Aembter Verckenthien und Reckenthien von
Ihr. Durchl. verpfändet / die Gelter daraus zu heben / biß die Schuld erleget /
solte es aber ein Jahr manquiren / daß der gesetzte Termin nicht erfolgte / so
soll der Accord von nichts seyn / und diesem zu folge die Sache bey voriger
(Daselbft werden 3. Blinde sehend gemacht.)
Käyserl. Urtheilen der ergehenden Execution bleiben. Sonsten hat der hier
seyende berühmter Medicinae Practicus Herr Clauselius den 17. drey Blinde wieder
sehend gemacht / und hat deren noch mehr in der Chur: GOtt gebe ferner seine
Gnade.
Den 27. arrivirte allhier der Herr Bischoff von Eytin / Ihr. Hochfl. Durchl. von
Hollstein-Gottorff Herr Bruder / hatte wohl 8. biß 9. Wägen mit Equipagie bey
sich. Eodem dato hat ein Weibsbild ein Kind gebohren / und solchem Arm und
Beingen zerbrochen / selbiges in eine Schachtel geleget / und hat man es in St.
Marien Kirche gefunden / man weiß aber den Thäter oder Mörder nicht / es gehen
allerhand Praesumtiones, aber ohne Fundament. So hat man auch den 26. noch ein
ander todt ermordetes Kind gefunden.
Das vierdte Capittel
Meldet von Königl. Frantzösisch-Spannisch- und Portugesischen Begebenheiten.
(Königl. Frantzös. Geschichten.) PAriser Brieff
melden / daß der Abbt von Aury / welcher daselbst die Function, als
Inter-Nuntius, ohne erkannt zu werden / versehen hat / von dem Pabst zurück
geruffen worden / deßhalben er seine Abschieds-Audientz gehabt / welchen der
König mit einer schönen güldenen Ketten und Gnaden-Pfenning über 500. Rthl.
werth beschencket hat / worauff er wieder nach Rom abgereist ist. Der König hat
an Madame Gräfin von Quintin / so Römisch Catholisch worden / eine Jährliche
Renthe von 4000. Livres gegeben. Zwischen dem 1. und 2. dieses zu Nachts / als
die P. P. Capuciner in S. Honore Gassen / Morgens früh aus der Metten giengen /
sahen sie / [286] daß Feuer in der
Nachbarschafft außgekommen ware / weßhalben sie geschwind hinzulieffen / und
befunden / daß es im Stall deß Hrn. Pommier bey dem Louvre ware; besagte P. P.
bäteten / und halffen löschen / aber umbsonst / (In Hr.
Pommiers Stall komt Feuer aus wordurch viel schöne Pferd zu schanden gehen /
worbey auch ein Kistlein von 800. guldenen Louysen geraubet wird.)
dann der Stall brandte gantz hinweg / und konte man von 60. à 70. schönen
Pferden / kaum 16. oder 18. heraus erretten / welche doch mehrentheils wegen deß
Feuers und Dampffs blind worden seynd; über diesem Allarm wolte der Hr. Pommier
einige Sachen aus seinem Hauß salviren / und gabe seinen Haußrath dem ersten /
so ihm begegnete / umb solchen in Sicherheit zu bringen; unter andern gabe er
einem Mann / so einem blauen Rock anhatte / ein Kistlein / worinn 800. güldene
Louysen waren / aber dieser ist seithero nit wieder darmit zum Vorschein
gekommen; Bey diesem Brand hat man etwas sonderliches vermercket / indeme das
Feuer auff 4. Ecken zugleich auffgangen / und doch niemand darinn gewesen ist.
Mons. de Bonrepos ist aus Engelland allhier wieder zurück gelangt / und sagt man
/ ob hätte er alldorten einen Handels-Tractat zwischen Sr. Allerchristl. Majest.
und dem König von Engelland geschlossen. Den 1. diß seynd noch 4. grosse Schiff
und 3. Fregatten von Rochefort in See gelauffen / sich mit unserer Flotte zu
conjungiren. Der Marq. de Bellefond hat das General-Commando von gantz Guinnée
mit allen Dependentien / welches 40000. Livres Renthen einträgt. Die Völcker /
welche in Langedock seynd / marschiren nach der Seithen von Castres, allwo sie
diesen Sommer über campiren sollen; Es wird auch ein ander Läger in Sevennes,
und ein drittes auff der Seiten von Montaubon, (Der
Intendant von Languedock verbietet das Gewähr tragen in selbiger
Provintz.) im Vißthumb Lombes seyn. Das Gewähr tragen in Langedock ist
allen Persohnen (außgenommen denen vom Adel nicht) zu tragen verbotten / weiln
selbiger Intendant, ohnerachtet aller Mühe und Sorge / noch immer mit denen
neuen Catholischen einige Händel hat / und sie nicht zur Messe bringen kan. Die
Princessin von Conty hat das Hertzogthumb von Pentievre in Bretagne vor 1500000.
Livres gekaufft / welches hiebevoren dem Hauß Vendosme zugehörig gewesen ist.
Se. Allerchristl. Majest. hat durch einen Expressen von Madritt Nachricht
bekommen / daß der Spannische Hoff wegen der 500000. Rthlr. 350000. Rthlr.
anerbiethe / aber man wil hier nichts von der gantzen Summa abgehen lassen /
sondern vollkommen bezahlt haben. Der Marq. de Louvois liegt am doppelten
dreytägigem Fieber kranck darnieder. Der König läst zu St. Sire ein groß Gebäu
auffrichten / umb 300. (Der König läft ein Gebäu vor
300. Jungfrauen Adlichen Geschlechts uffrichten.) Jungfrauen / welche
Zeugnuß ihres Adels von 5. Geschlechten Vätterlicher Seits geben / darin zu
erhalten / man wird sie von 7. biß 14. Jahren alt annehmen / und alles / was zu
ihrem Stand nöthig ist / lehren; dieses Gebäw wird 1500000. Livres kosten / und
macht man eine Stifftung von 50000. [287] Rthlr. Renthen / zu ihrem Unterhalt. Den 15. dieses ist der Hr. Lillerod
Königl. Schwedischer Envoyé von hier nacher Brüssel abgereist. Der ältiste von
denen zweyen natürlichen Söhnen deß Königs von Engelland / so in Ungarn gehet /
hat den 16. dieses / von Sr. Allerchristl. Majest. Abschied genommen / welchen
Se. Maj. mit einem Bildnuß von Diamanten 3000. Rthlr. werth regalirt hat. Wie
die letzte Brieff von Cadix melden / seynd 4. Königl. Schiff im selbigen Hafen
gelauffen / denen etliche Tag hernach noch 7. andere gefolget / so einen solchen
Schrecken in der Stadt verursachet / daß alle Kauffleuthe mit ihren Gütern von
dannen weg flüchteten. Man hat in jede Generalität Commissarien gesetzet / umb
der flüchtigen Protestanten Güter sich zu versichern / und solche zu
verpfachten.
Unsers Königs Ambassadeur in Portugall Hn. Amelots Secretarius ist in 11. Tagen
Zeit von Lissabonn allhier angelangt / und andern Tags nach seiner Ankunfft
wieder dahin in wichtigen Geschäfften abgeschickt worden. Man hat 52. neue
Catholische von Roschelle / welche sich in einem Engellischen (52. neue Catholische / so sich in Engelland salviren
wollen / werden angehalten und gefangen eingesetzt.) Schiff salviren
wollen / ertappet / und mit dem Capitain theils nacher Rhé, und theils nacher
Oleron gefangen geführt. Man sagt / daß ein Englisch Schiff / als es vor Diepè
vorbey gesegelt / einige Canon-Schüsse gethan / und dardurch einige Häuser
beschädiget / und etliche Perfohnen getödtet habe. Man armiret eine dritte
Escadre zu Rochefort; deß Mons. de Pruilly zu Brest; auch wird an etlichen neuen
Schiffen zu Toulon gearbeitet. Der Hertzogin von Portsmuth Ställe seynd mit 8.
schönen grauen Pferden / dergleichen nicht in diesem Königreich gewesen /
verbrannt. Der Herr Antonius von Barillon Herr von Merangis ist am Schlag
gestorben.
Unsers Königs Escadre unter dem Marschall d'Estrée und dem Hertzog (Dergleichen wird mit 170. andern aus dem Delphinat
procediret.) von Mortemar haben sich auff der Höhe von Cadix
conjungiret. Hundert und siebenzig neue Catholischen aus dem Delphinat, so der
Gegend von Savoyen sich retiriren wollen / seynd ertappet / und nacher Grenoble
geführt worden. Von Bordeaux hat man / daß durch den Hagel und Frost der Ends an
denen Früchten und Weinbergen grosser Schaden geschehen.
Von Rouen hat man / daß alldorten ein grosse Feuersbrunst entstanden / wordurch
28. Wohn- und Back-Häuser verbrandt; Einige Backhäuser seyen mit Früchten
angefüllet gewesen.
Der Hertzog von Savoyen hat mit Hülffe der Frantzös. Völcker die Protestanten in
denen Thälern / gantz zum Gehorsam gebracht / die Frantzosen unter Commando deß
Hn. Catinat haben sie auff 3. Seithen bezwungen; der Commendant hat sie im Thal
St. Mortin angegriffen; der Sr. de Melac durch das von St. Germain / dieser
hatte 2. Detachement gemacht / [288] seines
commandirte er selber / und das andere Sr. de Villeville, allwo es scharff
hergienge / und wurden viele Leuthe getödtet und verwundet; der Sr. de
Villeville ward gezwungen / sich in eine Kirche zu retiriren / allwo er (Eine scharffe Rencontre zwischen den Frantzösis.
Völckern und Lucerner Thälern worbey diese letzte dem kürtzern
zieben.) sich über 5. Stunden lang gegen mehr als 600. Mann defendirte /
und hatte nur 32. Officiers bey sich / davon 14. getödtet und 7. verwundet
wurden. Alle diese Attaquen geschahen zu Nachts zwischen dem 21. und 22.
passato.
Den 23. dito mit anbrechendem Tage / stiegen deß Hertzogs Völcker auff den Berg
von Angrogne mit einigen kleinen Stücken Geschützes und Doppel-Hacken / und
trieben in kurtzer Zeit die Protestanten aus ihren Posten / so sie ohne Verlust
eines Manns eroberten.
Die Savoys. Soldaten haben daselbsten viele Männer / Weiber und Kinder
niedergemacht / und überall gebrandt. Auff deß Mons. de Villeville Seithen aber
/ seynd 50. Mann todt geblieben / und 200. verwundet worden / worunter der
Marquis de Beron von einer Mußqueten Kugel mitten durch den Leib / sein Vetter
Gautant in Arm / und Mons. de Villeville an zwey Orthen / aber nicht gefährlich
geschossen und verwundet seynd.
(Die Reubekehrte zu Diepe erklären sich vor selbigen
Intendanten zur reformirten Religion.) Man sagt / daß alle die
Protestanten zu Diepe / welche solcher Religion abgeschworen gehabt / in einem
Corpus, alle zugleich / vor dem Herrn Intendanten erschienen seynd / und ihme
gesagt haben / daß weilen sie das Laster / welches sie vor ihme wider Gott
begangen / erkandt / indeme sie aus Forcht und Zwang / die Reinigkeit seines
Dienstes verlassen hätten / sie nun auch wieder in seine Gegenwart kämen / umb
ihme eine weitläufftige Bekanntnus ihres Fehlers zu thun / und zu erklären / daß
sie doch allezeit reformirt in ihren Hertzen gewesen wären / und möchte ihnen
gleich begegnen und wiederfahren / was es wolle / sie doch in der Meynung ihrer
Religion / leben und sterben wolten.
Man fügt hinzu / daß nachdeme der Herr Intendant ihnen viele Bedrohung gethan /
er sie gefragt hat / ob sie das jenige / was sie sageten / unterschreiben wolten
/ damit er es nacher Hoff schicken könte / umb ihnen ihren Proceß zu machen /
haben sie einhellig mit Ja geantwortet / und auch würcklich unterschrieben / was
nun hierauff erfolgen werde / lehret die Zeit.
Die Savoysche Sachen seynd noch nicht gantz zu Ende / und seynd noch einige
Protestanten in dem Gebürge / so sich biß in den Tod wehren wollen. Der jenigen
Protestanten so in der ersten Furi / an Männern / Weibern und Kindern umbkommen
seynd / wild die Zahl über 13000. Menschen vergrössert / auff Savoyscher Seithen
aber 300. und von [289] Frantzosen sechs
hundert todt geschätzet. Man sagt / daß man an dem Hertzog von Mantua neue
Praetensiones mache / und dieser der mit Franckreich gemachten Tractaten sich
nicht werde loßmachen können.
(Franckreich machet neue Prätensiones an den Hertzog
von Mantua.) Von Turin hat man / daß auff den 6. 7. und 8. dieses man
die Gespannschafften von Babbi und Villors, angegrieffen / es seyen aber die
Angreiffer mit grossem Verlust repoussiret worden. Viele von denen Protestanten
/ hätten sich auff einem beschwerlich zukommenden Orth / Lon (Bey einem Angriff die Lucerner Thäler bleiben viele
Frantzosen und Savoyer todt und werden nicht weniger verwundet.) pra
de Las Tours, verschantzet: Als man ihnen aber eine General Ammistie,
vorgestellt / nebst der Gewissens-Freyheit / unter Beding die Wassen nieder zu
legen / so haben die leichtglaubigsten solches angenommen; wie nun die Soldaten
sie dardurch in ihre Gewalt bekommen / nahmen sie viel gefangen / und ermordeten
selbe ohne Unterschied / die übrigen aber / blieben in denen Gebürgen / und
defendireten sich dergestalt mit Steinen / daß viele von deß Hertzogs von
Savoyen Völckern / als auch von unsern Dragonern / getödtet worden; unter diesen
letzten seynd der Graff von Raivion und der junge Marquis de Bresle todt
geblieben.
Dem Grafen von Breßlin ist die Achsel außeinander / und die Herren Buricea und de
Tourville, seynd an ihren Wunden gestorben / auch kommen unsere Völcker zurück /
und hat der Hertzog von Savoyen nur ordonnirt / daß einige seiner Völcker / die
Pässe / als bloquiret halten sollen / worbey sie sich nicht allzuwohl befinden /
indem gedachte Protestanten / sich einer Convoy mit Lebens-Mitteln bemächtiget
haben / welche denen Savoyern zugebracht werden sollen. Nachdem sonsten der
Arrest vom 30. Aprill / (Die Aufflage auff die
sogenante Cattoni Leinwa??? wird umb ein merckliches ersteigert.)
wordurch der König befohlen hatte / daß alles Cattoni Leinwad / welches zu
Wasser und Land ins Reich kommen würde / zwey Reichsthaler vor jegliche zehen
Elln ohne die vorherige Aufflag bezahlen / und daß von jeglichem Pfund andern
Stoff aus Indien vier Gulden bezahlt werden solten / darin aber die Herrn von
Dünnkirchen nicht begrieffen gewesen; So haben Ihr. Majestät nun auch durch
einen andern Arrest vom 11. dieses verordnet / daß alle Cattoni Stoffen / welche
über Dünnkirchen / Messin / die Graffschafft Bourgogne und St. Malo kommen
werden / eben soviel bezahlen sollen / wodurch solche Wahren am Preiß die
Helffte ersteigert werden dörfften.
(Zwey neue Declarationes in Sachen der neuen
Catholischen.) Auf den 24 ward im Königl. Parlament eine Declaration
registrirt / durch welche die neue Catholische / welche trachten aus dem
Königreich zu flüchten / und die jenige / so ihnen darin directe oder indirecte
Hülff leisten / verdam̅et werden / wann es Manns-Personen seynd /
ewig auf denen Galeren zu verbleiben / [290] seynd es aber Weibspersonen / nachdem diese beschoren und rasiret worden /
sollen sie / so lang sie leben / in die Clöster eingeschlossen / und alle ihre
Güther confiscirt werden. Gemeldten Tag wurde auch noch eine andere Declaration
(werden in dem Parlament zu Pariß
registrirt.) registrirt / Innhalts: daß wann jemand / Mann- oder
Weibliches Geschlechts / so der protestirenden Religion abgeschworen hat /
kranck wird / und sich weigert und abschlägt / von denen Vicarien oder andern
Priestern und Pfarrern die Sacramenta der Römischen Kirchen zu empfangen / und
erkläret / bey der Reformirten Religion zu verharren / und darinn zu sterben /
und wieder von besagter Kranckheit gesund wird und geneset / sollen ihnen die
Richter den Proceß machen / und die Männer offentlich straffen / sie ewig auff
die Galeren schicken / und ihre Güter confisciren; die Weiber und Jungfrauen
aber auch offentlich straffen / sie einschliessen / und ihre Güther confisciren;
wann aber die Krancken / welche abgeschworen / und abgeschlagen / und sich
geweigert haben / die Sacramenta der Römischen Kirchen zu empfangen / und denen
Priestern und Pfarrern erkläret / daß sie in der Reformirten Religion verbleiben
/ und sterben wollen / und also gestorben seyn / solle man den todten Leichnamb
den Proceß machen / gleichwie im 22. Articul der Königlichen Ordonantz deß
Monats Augusti 1670. enthalten / nemblich solche schleiffen / auff die
Schindgruben werffen / und ihre Güther confisciren.
Von Nismes schreibt man / daß Madame de Basville einen Mißfall gehabt / und daß
der Hr. Intendant ihr Ehemann / einen Wollenstreicher habe hencken lassen /
weiln dieser von Hauß zu Hauß gangen wäre / und die jenigen zur Standhafftigkeit
ermahnet / welche der Religion noch nicht abgeschworen hatten / oder welche
solche Abschwörung bereueten. Auff der Cüste (Zu
Rochelle strandet ein Türckisches Schiff.) von Rochelle ist ein
Türkisches Raubschiff / so mit 20. Stücken Geschützes und 200. Mann versehen
ware / gestrand: der Capitain ist ein Frantzösischer und der Steuermann ein
Holländischer Renegat; Man hat von dorten nacher Hoff geschicket / umb Ordre zu
erwarten / wie man mit denen Gefangenen verfahren solle. Man hat Nachricht / daß
die Neubekehrte zu Castres alle ihre Güther verkauffen / welches die Forcht
vermehret / daß sie aus dem Königreich gehen wollen / weßhalben die Trouppen
auff denen Frontiren unterm Commando deß Mons. d' Vsson parat gehalten / und die
Pässe wohl besetzt werden. Die Rathsherren vom Parlement der Medicinischen (Die Raths???erren von dem Parlement der Medicinischen
Facultät wi) Facultät sind versamblet gewesen / wobey die Chirurgi
auch beruffen worden / in welcher Versamblung der Präsident eine herrliche
Ansprach an den König gethan / darinn Jh. Maj. vorstellend / daß die Reyse nach
Barege bey diesem heissen Wetter deroselben an Ihr. Gesundheit mehr schäd-als
nützlich [291] seyn würde / und wolten
sie viel künstlichere und kräfftigere Wasser zubereiten / als dieses von Natur
seye / dannenhero auch man hoffet / daß Ihro Maj. bald vollkommen werden
restituirt seyn / und ist männiglich voll Frewde / daß (derrathen dem König die Reiß nach Barege.) diese
Reyse nach Barege nicht vor sich gangen ist. Der Churprintz von Sachsen ist mit
einer grossen Suite von hier nach Engelland verreist. Der Hertzog de la Force
hat gegen jedermans Vermuthen Son̅tags den 26. Morgen in der Kirch
von Nostre Dame die Abschwörung seiner Religion gethan / und hält man vor gewiß
/ daß Mons. du Quesne, welcher schon gnugsam unterricht ist / deßgleichen thun
werde. Der Printz von Conti bleibt incognito zu Versailles, biß Ihro Maj. ihn
zum Ritter deß H. Geistes werden gemacht haben / und soll dieser Printz das
Halsband von deß Königs Händen empfangen. Brieff von Marsilien bringen die
Confirmation, daß die Alkierer mit den Holländern gebrochen / aber der Frieden /
den sie / wie der Ruff ergangen / mit den Engelländern sollen gebrochen haben /
ist im Gegentheil durch den Engl. Ambassad. so nacher Constantinopel gehet / und
zu Alkiers angeländet (Zu Marfilien langt ein Schiff
mit 230. Persohnen von Constantinopel an.) gehabt / auff das neue
wieder confirmirt / und ratificirt. In besagten Marsilien ist ein Schiff von
Constantinopel mit 230. Reusen / Moscowittern / Polacken und andern / so auff
denen Türck. Galeren Sclaven gewesen / und von solchen entflohen / nebst D.
Joseph Marchesi von Messina und 2. seiner Söhne / so von denen Unsrigen
unterhalten worden / angelangt.
Ferner seynd einige beglaubte Passagiers von Alexandria aus Egypten (Woselbst auch einige Passagiers von Alexandria aus
Egypten arrivirt.) allda arrivirt / welche mitbringen / daß zu groß
Cairo 2. Abyssinische Abgesanden angelanget / bey dem Bassa daselbst umb
Erlaubnuß anzuhalten / daß sie alter Gewonheit nach einen Abbuma oder
Metropoliten durch den Patriarchen von Alexandria creiren lassen / und denselben
als Primaten ihres Königreichs Abyssinien mit sich führen dörfften. Weil aber
die Caravana, mit welchen sie aus Abyssinien kommen / von den wilden Arabern
unterwegs beraubet / auch etliche von ihrer Suite nidergemacht worden / also daß
sie die grosse Präsenten / so der Bassa begehrt / nicht abstatten können / so
haben sie einen aus ihnen wieder zurück nach ihren König schicken müssen / umb
andere Präsenten / und mehr Mittel zu hohlen. Dessen Wiederkunfft die 2.
obgedachten Gesandten erwarten wollen.
(Deroselben Außsag von 2. Abyssinis Gesandten zu groß
Cairo.) Die Passagiers / so mit ihnen geredt / berichten / daß es gar
tapffere Leuthe wären / und von sehr annehmlicher Conversation, wiewohl sie ihre
Lands-Arten auch an sich hätten; sie trügen sonderbahre Beliebung mit den
Europäern zu conversiren / und fragten gar fleissig nach dem Zustand / Regiment
/ und Religion der Europäischen Potentaten; man wundert sich über den Bassa /
daß er bey gegenwärtigen Conjuncturen diese Leuth nit besser tracti [292] ret / und sich nicht fürchtet
/ ihren hohen Principalen durch ihre Auffhaltung zu offendiren / aber der
bekante Geitz dieses Manns ist daran Ursach.
(Königl. Spannische Geschichten.) Neues von
Madritt aus Spannien kombt / daß der Päbstl. Nuntius Ordre habe / umb das Geld /
so der Schatzmeister von der Apostolischen Cammer in Handen hat / nach Amsterdam
zu übermachen / nebst all dem jenigen / welches er biß in den Monat Julium
empfangen wird / und ist solches zum Succurs vor dem König in Pohln destinirt /
bestehend in 24000. Rthl. das aber vor dem Käyser ist viel considerabler. Weilen
Brieff von Cadix (Die Frantzös. Flot???a langt zu Cadix
an.) advisirt / daß den 12. dieses 18. Frantzösische Schiffe / und 3.
Branders welche zu Toulon außgerüstet worden / und 11. aus der Nord-See vor
selbige Stadt angekommen / von welchen 29. die Ancker vor dem Hafen fallen
lassen; und den Grund in verschiedenen Orthen von der Rhede durch (Setzet selbige Juwohner in grosse Forcht.) das
Bleywerffen ergründet dardurch jederman in grosse Forcht gesetzet / auch die
meisten Einwohner von dar Landwerts hinein geflüchtet; und die Frantzösische
Kauffleuth / nachdem sie ihre besten Sachen in Clöster / und bey ihre gute
Freund gethan / sich auff die Flotte von ihrer Nation begeben. Als hat man
hierauff allhier die Sach von denen 500000. Rthlr. welche (Worauff die Sach wegen den Indulte verglichen
wird.) die Frantzosen sagen / daß solche von unsern Gouverneurs in
West-Indien / ohnrechtmässig abgenommen worden wären / vollkommen verglichen /
und hiesiger Hof einen Expressen an den Marquis von Guastanaga / Gouverneur in
denen Niderlanden abgefertigt hat / umb ihme davon Nachricht zu geben / derselbe
hat auch Schreiben mit / umb in der Durchreise zu Pariß / dem Hrn. Baron Delval
solche zu überliefern / durch welche ihm anbefohlen wird / die Restitution der
Güter / die bey Repressailles von unsers Königs Unterthanen abgenommen worden /
zu sollicitiren; der Hr. Feuquieres Frantzösischer Ambassad. allhier hat dem
Consul von seiner Nation zu Cadix, wie auch dem Marschall d' Estrée davon
Bericht gethan / jedoch bleibt dieser letztere mit seiner unterhabenden Flotte /
noch vor besagtem Cadix ligen. Man hat ein Advis-Galliot nach denen Gallionen
gesandt / mit Ordre von hiesigem Hoff (Die verwittibte
Königin wird u???päßlich.) umb in Coronna zu lauffen / biß daß man
sihet / wohin die Frantzös. Flotte ihren Lauff nehmen werde. Die verwittibte
Königin befind sich etwas unpäßlich. Der Hertzog von Scalona und der Marq. del
Valtre haben sich nacher Alicanten begeben / umb von dar nacher Ungarn zu gehen.
Sonsten ist der Graff Charles Borromeo von Jh. Majest. denominirt worden Jh.
Päbstl. Heiligkeit den weissen Zelter zu praesentiren.
(Portuge??? Geschichten.) Von Lisabonna aus dem
Königreich Portugall hat man / daß in dem Memorial / so der Frantzös. Ambassad.
an Se. Königl. Majest. überreichet hat / Se. Excellentz versucht habe /
Restitution von 6. Millionen vor den [293] Succurs / den Franckreich an den König seinen Bruder währender Zeit deß Kriegs
mit Spannien gegeben hat; oder daß / so Se. Maj. diß Geld nicht baar habe / der
König sein Herr sich mit einem Seehafen / biß daß (Der
Frantzösische Antbassadeur überreichet dem König von Portugal ein Memorial
eines nachdencklichen Juhalts.) man solches Geld beysammen haben werde
/ vergnügen wolle / und daß / wann diese zwey Vorschläg nicht annehmlich / unser
König die Infantin in Franckreich zu verheyrathen geben möchte. Worauff unser
König geantwortet haben soll / daß der Aller-Christlichste König sich zu
versichern habe / daß ohne dessen Vorbewust und Gutbefindung er mit keiner
Princessin von einem Hauß (welches contrarien Interessen gegen die Cron
Franckreich habe) sich verheyrathen / noch seine eigene Princessin an ein
dergleichen Hauß vermählen werde; Unterdessen hat Se. Majest. allen
ausländischen Ambassadeurs, Envoyes, Residenten und Consuls lassen ansagen / daß
sie / jeder seiner Nation / könten zu wissen thun / daß fürohin nicht mehr als
sechs (Besagter Ambassadeur kündiget ingleichem denen
protestirenden Kaufleuten seiner Nation den Schutz auff / wo sie sich nicht
in Zeit von 8. Tagen zur Catholischen Religion bequemen.)
Kriegs-Schiffe zugleich auff die Revier sollen mögen kommen. Den 5. hat besagter
Frantzösischer Ambassadeur Mons. Amelot alle Frantzösische Kauffleute
protestirender Religion / welche allhier seynd / zu sich in sein Logement kommen
lassen / und ihnen erkläret / daß er ausdrücklichen Befehl von seinem König
hätte / sie aller Privilegien und Schutzes / so er allen denen von seiner Nation
zuwegen bringe / zu berauben / wann sie nicht die Römisch-Catholische Religion
annehmen würden / als worzu sich zu resolviren er ihnen mehr nicht dann 8. Tag
Zeit gebe. Hierauff aber soll ein sicherer reicher Kauffmann von Rochelle
Gottfried genant / ihme ein gar nachdenckliche und sehr scharpffe Antwort
gegeben haben / welche er aber gar theuer wird bezahlen müssen / massen ihn
solche ein gantz reich beladenes und nach Provence destinirtes Schiff kosten
dörffte. Man ist wegen der Strittigkeit / welche in Brasilien zwischen unserer
Nation und den Brasilianern entstanden / sehr bestürtzet. Ein voll geladen
Schiff mit Zucker ist allda verbrand. Im übrigen ist zu End dieses Monats der
Marschall von Schomberg auff einem Frantzösischen Schiff mit 60. Stücken
besetzet / arrivirt / umb sein Leben allhier zu endigen / er ist von dem König
sehr gnädig empfangen worden.
|| [294]
Das fünffte Capittel
Begreiffet die Königl. Engel- Schott- und Irrländische Historien.
(Königl. Engelländische Geschichten.) MIt Brieffen
von Londen aus Engelland kom̅t / daß der Hertzog von Albermarle
nicht allein Gouverneur von Jamaica, sondern auch Vice - Roy von West Indien /
und General ssimus von allen den Vestungen und Colonien von selbigen Quartieren
worden. Den 29. passato liesse der König den Lord Major und Aldermän̅er vor sich kommen / (Deß Königs Red ???
den Lord Major der Stadt Londen.) und fragte sie / ob sie glaubten /
daß die Bürgerlicht Authorität capabel seyn werde / die Stadt in Ruhe zu
erhalten / und im Fall solches nicht wäre / Se. Maj. resolvirt seyen / Ihre
Soldaten ihnen zu Hülff zu geben; Worauff der Lord Major antwortete / daß sein
Ansehen allein genug darzu seyn würde / worüber Se. Maj. sehr vergnügt zu seyn
schiene / und ermahnet den Major / daß er allzeit seine Vorsichtigkeit
bewerckstelligen solte / damit der Frieden in der Stadt erhalten werden möchte.
Den 2. erschien Mons. Hambden vor der Bar / und überreichte den Königlichen
Perdon / knyete so lang nieder / biß solcher gelesen war / und wurde darauff
auff freyen Fuß gestellet / ohne daß er wegen seines künfftigen Wohlverhaltens
Bürgschafft hätte leisten dörffen. Der Mons. Samuel Storey / gewesener
General-Commissarius deß Hertzogs von Montmouth / wurde ebenfalls frey (Der Postmeister überliffert einen von den Räubern / so
die Holländischt Post spolirt haben.) gelassen. Den 3. brachte der
Postmeister einen von den vornehmsten Anstifftern zu Beraubung der Holländischen
Post allhier ein / welchen er zu Marlborau in Wiltschire attrapirt, bey welchem
ungefehr 2000. Pfund an Gold gefunden worden; Indessen sagen einige / daß die
Juden den König bitten werden / daß keiner von disen Raubern möchte getödet
werden / weil das Levitische Gesetz und ihre Religion nicht zuliesse / daß
jemand wegen Dieberey zum Tod verurtheilet würde; Indessen wird gedachter Rauber
mit einer starcken Wacht verwahrt / umb selbigen vor deß Königs Banck (Die Kutsche von Harwich wird destehlen.) zu
bringen. Dessen ungeachtet haben den 4. dito abermalen 5. Kerles die Kutsche von
Harwich beraubet / und 152. Pfund in Frantzösischem Gold von denen Reisenden /
und darunter von Madame Montgommery 82. Pf. genommen. Die Königin hat güldene
Kleyder vor ihre Priester gekaufft / daran ein Elle 15. Pfund Sterlins oder 60.
Königsthaler kostet. Ihro [295] Maj haben
beschlossen / das Fort Tilbery hinfüro zu dero Magazin vor die Schiff-Flotte zu
halten / welcher Ort an der Tems recht gegen Gravesant über ligt / und dagegen
Gravesant gäntzlich zu demoliren. Auch lassen selbige ein Magazinhauß zu Chattan
/ so 600. Schuhe lang und 300. breit (In der Capellen
deß Chur-Pfältzischen Residenten ent???stehet ein nener Tumult.)
werden soll / auffrichten. Sonntags den 5. war abermal ein grosser Tumult in der
Capellen deß Chur-Pfaltzischen Residenten / und befunden sich damals vielmehr
unruhige Menschen dabey / als das erstemal / und glaubt man / daß sie darzu
angereitzet werden / nachdem man aber 10. biß 12. der vornehmsten davon
arrestirt / wurde wiederumb alles gantz still. Man hat sichere Zeitung / daß der
Lord Major von Bristol alle Englische / welche dorten eine Römisch Catholische
Messe gehört haben / gefangen hat setzen lassen. Der Graf von Salazar hat den 6.
dieses Audientz bey der verwittibten Königin / und den 7. dito bey der
Princessin Anna von Dennemarck gehabt. Die junge Person / welche / weilen sie
sich vor einen Sohn von dem Hertzog von Montmuth ausgegeben / in Holland
arrestirt / und nachgehends wieder loß gelassen worden / ist anhero kommen / und
hat dergleichen Sprach geführet / weßhalben er aus Befehl von unserm Lord Major
in Bewahrung und Verhafft genommen worden ist. 10. biß 12. Compagnien
Schottischer Völcker seynd zu Grenwich angelangt / und geben nach Pleymunden.
Den 14. passirten 7. Schottische Compagnien durch diese Stadt. (Auff Angeden deß Frantzös. Ambassad. wird durch deß
Scharf???frichters Händ ein gewisses Buch zu Londen verbrannt.) Auff
die Remonstration deß Frantzösischen Ambassad. hat man durch deß Scharffrichters
Hand ein Buch / genant: Klagten der Protestanten / welche grausam im Königreich
Franckreich unterdrucket werden / sc. verbrandt. Deß Grafen von Castelmaine
Secretarius ist von Rom allhier zuruck gelangt. Man rüstet 4. Kriegs-Schiffe aus
/ umb den Hertzog von Albermarle in Jamaique überzuführen / welchem der König
eine Compagnie Dragoner und einige Insanterie gibt / umb ihme an statt einer
Gardes in selbigem Lande zu dienen. Der Päbstliche Nuntius allhier hat ein groß
Hauß bey dem Kornmarck auff drey Jahr in Bestand genommen / und läst eine sehr
kostbare Liberey machen / umb seinen offentlichen Einzug herrlich und prächtig
zu thun. Der Hertzog von Northumberland ist auff einer Jagt nacher Flandern
gegangen / umb seine Gemahlin aus dem Kloster von dannen wieder anhero zu holen.
Dahier ist Zeitung / daß der Graf von Salisbuty, (Dem
Cantzler von Dublin in Irrland wird all???sein Silber gestohlen.)
welcher anjetzo in Franckreich ist / seine Religion verändert hat. Von Dublin in
Irrland schreibt man / daß selbigem Groß-Cantzler all sein Silbergeschirr
gestohlen worden seye. Den Obristen Rumsey und seine Frau hat man mit der Jagt
Isabella nach der Insul S. Nicolas übergeführet / allwo sie die noch übrige Zeit
ihres Lebens zubringen und endigen sollen. Die [296] Heyrath zwischen dem Grasen von Northampton / und Madamoiselle Fox
ist vollkommen geschlossen. Der Herr Gordon / Schottischer Edelmann / welcher
seithero 24. Jahren General-Lieutenant in Moscau gewesen / ist allhier angelangt
/ umb seine Freundschafft zu besuchen / und hat die Ehre gehabt / dem König die
Hände zu küssen; Er wird aber nicht lange allhier verbleiben / sondern innerhalb
wenig Tage???n in Schottland gehen / seine Güter zu besehen / und dann wieder
zurück nacher Moscau verreisen / weilen ihme von denen Czaaren kurtze Zeit
auszubleiben erlaubet / und biß zu dessen (Deß Printzen
von Dennemarck Gemahlin bringt eine junge Princessin zur Welt.)
Zurückkunfft seine Frau zur Geyssel gemacht worden ist. Den 22. hat die
Princessin von Dennemarck ein Princessin zur Welt gebohren / welche den 24.
dieses Nachmittags durch den Bischoff von Duresne getaufft / und Anna Sophia
genannt worden / worbey der Graf von Feversham Gevatter / und die Gräfin von
Roscomon und Madame Churchill Gevatterinnen gewesen. Das Parlament zu Edenburg
in Schottland hat den 9. dito das (Das Schottländische
Parlament komt zusammen / und delibenirt über deß Königs von dem Lord
Cantzler gethanen Vortrag.) erstemal zu sitzen angefangen / bey
welchen der Lord hoher Commissarius eine grosse Ansprach thate / und deß Königs
Brieff überreichte / worinnen Ihr. Maj. begehrt / daß denen von der Römischen
Religion einige Erleichterung möchte gegeben werden; Als nun das Parlament
darüber delibetiret, und daß besagter Lord dem Grafen von Perth gleich anfangs /
nebst dem Ertz-Bischoff von St. Andreas / und dem Bischoff von Edenburg sehr
ernsthafft davon avisirt / haben durch Wiedersetzung noch anderer Glieder mehr
die Bischöffe sich mit denselben confirmirt und erklärt / daß sie durch den Test
einen solennen Eyd versprochen hätten / der protestirenden Religion nicht allein
Zeit Lebens anzuhangen / sondern auch nicht darein zu consentiren, daß darinn
eine Veränderung geschehen solte / und daß solcher Test Zeit währender Sr. Maj.
Lords hohen Commissariats im Parlament formirt / und durch ihn approbirt werden
/ krafft dessen sie auch viel Conventiculn verstöhrt / und den Grafen von Argile
/ weil derselbe sich nicht darzu verstehen wollen / deß hohen Verraths schuldig
erkandt / und das sie darinnen nichts ohne offenbahre Brechung ihres Eyds
verändern könten / hierauff hätten auch einige Parlamens-Glieder in quaestion zu
ziehen beginnet / ob der Graf von Perth / Cantzler / als Römische ihr Ampt
könten behalten / indessen aber hätten andere von einem temperament zu reden
angefangen / und vorgeschlagen / daß man solchen Römischen / so von Ih. Maj. zu
Aemptern denominirt worden / Freyheit geben müste / sonsten aber niemand / umb
die Rechten nicht zu vernichten. Worvon mit nechstem ein mehrers. Indessen (Das Engllsche Parla.) ist hiesiges Parlament
(nachdeme sich selbiges den 20. versammlet gehabt / und im Oberhauß 25. und im
Unterhauß 130. Glieder erschienen) [297] durch den Lord Cantzler aus Königlichem Befelch biß den 2. Decembr???r s
nechsikünfftig prorogirt worden. Der Graf von Salazar Extraordinari Envoye deß
Marq. de Grastanaga, Gouverneur über die Spannische Niederlanden (ment aber wird prorogirt.) hat bey dem König und
der Königin seine Abschieds-Audientz gehabt Sr. VVilliam Clifton, der sich in
Franckreich auffgehalten / und die Hertzogin von Portsmouthen heyrathen sollen /
ist gestorben / und sein neuauffgerichtes Regiment dem Vice Admital Herbert
gegeben worden. Aus (Zu Dublin in Irrland wirden
1???4. Personen die Ohren abgeschnitten / weilen sie wider 4. von Adel
falsche Zeugnuß gegeben haben.) Dublin hat man / daß in der letzten
Session vor dem Richter Reinold (welcher nachgehends seines Ampts entsetzt) 4.
Edelleut durch 14. Zeugen beschuldiget seyn worden / daß sie mit dem Hertzog von
Montmouth correspondirt, und willens gewesen / selbigem dieses Königreich in
Handen zu lieffern / worauff besagte Edelleut begehrt / daß ein jeglicher Zeug à
part examinirt werden möchte / so auch geschehen / und hat man darauff aus den
Umbständen befunden / daß diese Edelleut ein gantzen Monat nach der Hinrichtung
besagten Hertzogs von Montmouth noch mit selbigem correspondirt haben sollen /
dannenhero man besagte Edelleut alsobald auff freyen Fuß gestellet / und die
Zeugen dahin condemnirt, daß ihnen wegen begangenen Meineyds die Ohren
abgeschnitten / und in der Pillory stehen solten / welches Urtheil auch an ihnen
also vollbracht worden. Der König hat dem Sr. Griffort???hs eine considerable
Summa Gelds geben lassen / umb die Rückstande an deß verstorbenen Königs
Bedienten zu bezahlen. Den 20. diß seynd 25. biß 26. Feldstücke aus dem Tour
nach dem Lager zu Honlowheath gebracht worden. Der König hat den Ritter Andres
zum Gouverneur (40. Röm. Catholische Büche??? werden
auff Königl. Permission ??? Engelland??? gedruckt.) von Neu-Engelland
gemacht. Der Doctor Obadiah Walter von Oxfort hat von Ihro Majest. Privilegia
erhalten / 40. Bücher von dem Römischen Official, Breviarien, Mariane,
&c. jedoch von jeglicher edition mehr nicht als 20000. zu drucken. Die
Benedictiner haben bey Ihro Königl. Maj. umb Erlaubnuß angehalten / eine
Procession in St. James zu halten / welches aber Ihr. Maj. auff ein gar
höffliche Manier ihnen abzuschlagen getrachtet / endlich aber ihnen solches
zugelassen / sie wolten aber nicht gut davor seyn / was ihnen deßhalben begegnen
möchte.
|| [298]
Das sechste Capitel
Sagt von Schwedisch - und Dähnischen Fügnüssen.
(Königl. Däbnische Geschichten.) MIt Brieffen aus
Christiania in Norwegen vernimbt man / daß den 21. passato daselbsten in deß
Lachmanns Hauß ein grosses Feuer auskommen / dergestalt / weil damals der Wind
starck gewehet / über 100. Häuser und unter andern die Kirche / wie nicht
weniger die Lateinische Schule / in wenig Stunden consumirt hat / man hält
darfür / als wann diß Unglück durch eine Magd gekommen / so bey dem Milchen
eingeschlaffen / und das blosse Liecht auff ein Stück Holtz gesetzet / es sollen
auch einige Leute mit verbrand seyn. Ihr. Königl. Maj. von Dennemarck haben
(Der König in Dennemarck läst zu Hamburg und andern
Orten einige 100. Matrossen werben.) Ordre gestellt / zu Hamburg und
selbigen Orten einige 100. Matrossen zu werben / wovon ein jeder Monatlich 5.
Rhlr. Gage und 2. Rhlr. Reißkosten nach Kiel empfangen soll / von dort nach
Coppenhagen zu transportiren, woselbsten den 12. ein grosser Allarm entstanden /
weilen ein Gerücht gegangen / daß die Schweden mit 60. Segeln in See / worunter
bey 38. Capital-Schiffe wären / und 2. Dähnische Kauffarbey-Schiff schon
genommen / und die Nordische Post angehalten hätten; die Trommeln wurden
deßwegen starck gerühret / man hat aber hernach befunden / daß es nur (Zu Coppenhagen werden die lange Paruquë und Halßtücher
verbotten.) ein falsches Spargiment gewesen. Indessen ist in
obgedachtem Coppenhagen bey hoher Straff verbotten / keine lange Paruquen / wie
auch lange Halßtücher zu tragen / sondern nur kurtze / und wird der Hof damit
den Anfang machen / deme die andern Grandes folgen werden. Sonsten ist in dieser
Stadt den 20. ein kläglicher und sehr nachdencklicher Fall geschehen / mit (Daselbst geschiebet ein kläglicher Zu???fall durch eines
Gärtners Frau / die listiger Weiß ihren Mann ermordet / und in einen Brunnen
wirfft.) deme es sich also verhält: Es hat eines Gärtners Frau aus
Boßheit ihrem Mann in der Nacht / wie er auff seinem Bette gelegen / und
geschlaffen / verschiedene Wunden gegeben / und ihn gar umbgebracht / die
geschlagene Wunden mit Wachß zugestopfft / und darauff in einen tieffen Brunnen
gewo???ffen / deß Morgens wie die Leut auffkamen / und Wasser aus dem Brunnen
holen wolten / funden sie den todten Cörper / die Frau lieff herumb / suchte
ihren Mann / unter dem Vorwandt / er hätte das hitzige Fieber / und wäre in der
Hitz ausgelauffen / wüste nicht / wo er geblieben / biß andere ihr es sagten /
es lege einer in dem Brunnen / sie solte zusehen / es möchte vielleicht ihr Mann
seyn / sie kam hin / und stellte sich sehr traurig [299] darüber / ließ ihn heraus ziehen / und
so fort kleyden / erkauffte einige darzu / die bekräfftigen solten / als wann
ihr Mann ein hitziges Fieber gehabt / und öffters in der Kranckheit nicht gewust
/ was er thäte / damit sie ihn ehrlich (Es wird aber
der Betrug entdecket / und das Weib zu gebührender Straff gezogen.)
begraben lassen / und die nachgelassene Güter behalten möchte / diß gieng so
weit von statten / biß ein ehrlicher guter Mann an Hand gab / man möchte doch
untersuchen / ob es so wäre oder nicht / da dann bald das contrarium befunden /
worauff die Frau sambt einigen aus ihrem Hause / und denen beyden Gezeugen
eingezogen worden. Den 24. seynd einige Schiff aus (Das Silder-Bergwerck in Norwegen komt in grosses Auffuchmen.)
Norwegen hier angelangt / welche Nachricht mitgebracht / daß daselbst das
Silber-Bergwerck / der Königsberg genant / nunmehro durch die vorm Jahr / von
Ihr. Königlichen Majest. selbst / eingerichtete allergnädigste Verordnung in
sehr guten Stand und Beschaffenheit gebracht sey / so daß durch dessen Trieb
Monatlich ein grosser Nutzen zuwegen gebracht werde; massen dann der
Administrator oder Berg-Herr daselbst zur Probe und Bezeugung gnugsamer
Versicherung solches Vortheils mit besagten Schiffen eine zimbliche Parthey
ungeweine Sandsteine / und gediehen fein Silber-Ertz heraus gesandt / und zu
einer Monatlichen grossen avantage, Ihr. Majest. Verheissung thun lassen /
dagegen man vor diesem nur Monatlich kaum vierhundert Reichsthaler daraus machen
können / da hingegen der Profit den vierten Theil höher gestiegen ist; und wie
berichtet wird / soll solches Bergwerck auff die Art und Weise / wie es im Hartz
und andern (Deßwegen der König von Dennemarck dem
Administratori, denen trembden Participanten und Bergwercks Interessirten
sehr grosse Freyheiten ertheilet.) wohl angeordneten Bergwercken in
Teutschland eingerichtet seyn; So haben zu dem Ende auch Ihre Königliche
Majestät solchen aus Teutschland dahin verschriebenen Bergleuten / dem
Administratori, denen frembden Participanten sowohl als einheimischen dero
Unterthanen / umb zu dessen Silber-Bergwercks fernern Trieb mit Ertheilung aller
deren Privilegien und Freyheiten / so jemals bey andern Bergwercken gegeben
worden / bey dem alten Herkommen und Ublichkeiten allerdings bewenden / auch
darüber eine Berg-Ordnung verfassen / und in Druck befördern zu lassen / auch
die Interessenten bey solcher Berg-Ordnung / Privilegien, Freyheiten und
Immunitäten allergnädigst zu schützen und zu mainteniren versprochen. (Die jüngsie Princessin von Augustusburg wird als
Abdatissin zu Itzehö daselbsten solenniter introduciret.) Aus dem
Holsteinischen kom̅t / daß den 3. die jüngste Princessin von
Augustusburg als Aebtissin zu Itzehö solenniter introducirt worden. Die ad hunc
actum verordnete Königl. Herrn Commissarii, als der Herr Stadthalter Graf Nanzau
und der Herr Cantzler Liliencron seynd aus hochgedachter Princessin Logiment in
einer mit 6. Pferden bespanneten Carosse voran / dann die Princessin nebst dero
Frau Mutter und 2. der Conventualinnen / so dieselbe abgeholet / in einer
ebenfalls mit 6. Pferden bespanneten Ca [300] rosse / weiter dero Herr Vatter nebst dem Herrn Ambassadeur
Terlon, und folglich dero Herr Bruder Printz Friederich sambt 2. andern Jungfern
/ nach der verstorbenen Aebtissin Behaufung gefahren / und also die Princessin
dorthin begleitet / woselbst die Einführung von hochgemeldten Herren
Commissariis bewerckstelliget worden; auff deß Herrn Cantzlers Liliencronen
gethane Oration hat der Herr geheimbde Rath Herr Grosche von Buchwald / nomine
der sämbtlichen Conventualinnen den schuldigsten Respect der Princessin / als
derer numehro allergnädigst vorgestellten Aebtissin / nebst abgestatterer
gratulation promittiret, und angelobet.
(Königliche Schwedische Geschichten.) Schwedische
Brieff von Stockholm bringen / daß auff Ihro Königl. Majest. Befelch in Schonen
unfern Lunden bey Lyngbi ein Lager vor vierzehen biß sechzehentausend Mann
ausgestochen worden seye / zu was intent, ist nicht zu ergründen. Unsere Völcker
im Stifft Bremen / so nacht Ungarn (1000. Mann
Schwedische Bölcker werden nach Ungarn wider den Erdfeind destinirt.)
destinirt, werden ehister Tagen von dannen auffbrechen / so in vier Compagnien
zu Fuß bestehen / als die vom Herrn Obrist-Lieutenant Bidahl / Capitain
Issendorff / Capitain Starck / und Capitain Vergel / ob di daselbst seyende
Compagnie Dragoner unterm Herrn Major von der Meden und Compagnie Cavallerie vom
Rittmeister von der Dürppen mitgehen / berichte künfftig / diese vier Compagnien
stossen zu denen aus Pommern kommenden vier Compagnien / werden dannoch nicht
stärcker als tausend Mann dahin gehen. Der Reichs-Truchses Herr Graf Magnus de
la Gardie ist am 26. Aprilis Mittags umb zwölff Uhr im 65. Jahr seines Alters an
einem Catharr Todes verblichen / worauff alle 3. Königl. Maj. umb der
hochbetrübten Fürstlichen Frau Wittiben (welche deß jetzt regierenden Königs
Herrn Vatters Schwester ist) dero Condolence zu bezeugen / zwey (Ein Moscowittischer Abgesandter langt zu Stockholm
an.) dero Cammer-Herren nach deroselben abgefertiget. Den 4. ist der
Moscowittische Abgesandte allhie angelangt / nachdem er durch den
Unter-Ceremonienmeister und Dollmetscher in einer Chaloupe von dem kleinen Zoll
an Land geholet worden / begleiteten sie ihn an die Königliche Carosse mit zwey
Pferden bespannet / welche zu solchem Ende am Schloß parat stunde / nebenst 4.
gesattelten Pferden vor dessen Gefolg / und brachte man ihn also nach seinem
Logament / die Stadt Hamburg genant; worauff er am 8. (Dessen Anbringen bey gehadter Königlicher Audientz.) hujus Vormittags
umb II. Uhr bey Ihr. Königl. Majest. Audientz hatte / und nebst den Complimenten
sein Creditiv einhändigte / worbey er über unsere zu der Gräntzscheydung
verordnete Commissarien klaget / als wann sie Ursach wären / daß solcher Tractat
nicht reussirte, dabey doch anhaltend / daß die Gräntz-Tractaten wieder möchten
angestellet werden. Den 22. früh war die Königl. Guarde beysammen / da der
bißherige Obrister Hast [301] fer
seinen Abschied nahm / und hergegen der Obrister Schwartlyf als Obrister / der
Major Pote als Obrister-Lieutenant und der Capitain Faltzburg als Major dem
Regiment wieder fürgestellt wurden / von deß Printzen Regiment / worüber der
Seel. Carl Graff Oxenstirn Oberster war / soll der junge Graf Carl Königsmarck
als Obrister von Ihr. Königl. Majest. benennet worden seyn; alldieweil deß Seel.
Reichs-Drotzen nachgelassene Gemahlin / die verwittibte Fürstin wegen ihres
Seel. Herrn annoch der Cron hafftenden Schulden / dero sämbtlichen Güter
abgetretten; Als haben Ihr. Königl. Majest. deroselben Lebenslang einen
Fürstlichen (Zu Carls-Cron werden 2. Spionen ertappet
so die Schwedische Flotta in Brand stecken wollen.) Unterhalt
verordnet und ihren Staat auffsetzen lassen. Zu Carls-Cron hat man 2. Spionen
ertappt / welche gesuchet / unsere Flotte in Brand zu stecken / dörffte ihnen
gar übel bekommen. Denen Hnn. Hnn. Lieffländern ist angekündiget / nach
Verfliessung 10. Jahren alle ihre Donations, Pfand / und gekauffte Güther
wiederumb an die Cron abzutretten / sie haben zwar einen Deputirten Namens Taube
anhero gesandt / und eine gar submisse und klägliche Supplicq an Ihr. Königl.
Majestät übergeben lassen / allein er soll gar schlechte Verrichtung gehabt
haben.
Das siebende Capittel
Schreibet von Königl. Polnisch-Moscowittisch-Türckisch- und Tartarischen Hoff-
und Kriegs-Händeln.
(Königl. Pohlnische Geschichten.) BRieff aus
Lemberg vom 1. dieses melden / daß bey Ihro Königl. Maj. jetziger Gegenwart von
den Herren Senatoren fleissig deliberiret werde / wie die bevorstehende Campagne
soll angegriffen werden / dem (Laut Brieffen ans
Lemberg soll in Caminieck grosser Mangel an Proviant seyn.) meisten
Vermuthen nach dörffte es dannoch Caminieck gelten / weilen in selbigem Land
laut gewisser Kundschafft grosser Mangel an Proviant seyn soll / und von den
Türcken viel weniger von den Tartarn nicht können secundirt werden / weilen
diese letztere dem Teckely zu secundiren von der Pforten beordret seynd / auch
ohne dem von den Moscowittern genug werden zu thun bekommen / welche ihnen
theils durch sich / theils durch die Callmucker Tartarn uns zum besten kräfftige
Diversiones zu machen versprochen / und nun [302] mehro mit ihnen geschlossenen pactis pacis perpetuae gemeß
sich verbunden haben / wiewohlen andere noch das contrarium besorgen / dahero
man die gute Gelegenheit sich dieses Orths zu bemächtigen / und dardurch die
Ukraine und Podolien ein vor allemahlen von den Türcken und Tartarn zu säubern
nicht unterlassen werde / worzu bey Ihro Königl. Majest. künfftige Gegenwart bey
den Armeen zu gelangen / destomehr Hoffnung ist / weilen auch bey dem Dniester
und Peuet viel Cziacken oder Fahrzeug zusammen gebracht werden / umb mit
selbigen die Ströme zu passiren / so ist gewiß genug daß der Feind in seinem
eigenen Land Gäste und mehr als vorm Jahr geschehen zu thun bekommen möchte.
Brieff aus Crackau vom 2. dieses geben folgendes: an unsere hiesige Stadt ist dem
Herrn Scarosta Befehl zukommen / daß das von dem Röm. Käyser bestelte Pulver und
Eisenwerck biß auff weitere Königl. Resolution (Der
Päbftl. Nuntius re mittirt an die Zaporowis. Cossacken eine grosse Summa
Gelds.) außgefertigt werden sölte; Der Päbstliche Nuntius hat an
unsere Zaporowische Cossacken grosse Summen Gelds remittirt / darmit sie auffs
ehiste auch mit ihrem Geschütz bey der Königlichen Armee erscheinen möchten. So
wil man auch alhier sagen / als ob unser Königl. Resident Hr. Proßki bey der
Pforten einen Frieden zu tractiren unterwegens begriffen sey / welches unsere
Herren Senatores vor einen Fallstrick außlegen / und alhier beschlossen worden
ist vor Außgang der Campagne keine Antwort zu geben; die Tartarn umb Caminieck
Podol???ki verstärcken sich fast täglich / hingegen nahen Gott lob unsere
Towarzißzen nunmehr an und herbey / und hoffen wir auf so vielfällige außgegange
Königl. Universalia, daß dem Feind schon wird resistirt werden können. Immittels
hat man aus Podolien gantz keine Nachricht / bloß was die Gefangenen / welche
Ihro Königl. Maj. aus dero eigenen Scatul eliberirt außsagen / daß sich der
Feind wider uns auffs stärckste (Ein neuer Bassa zu
Caminieck angelangt.) armiret. Aus Jaß wird geschrieben / daß der neue
Bassa nach Caminieck gebracht worden und mit ihme zugleich frische Horden und
Janitscharen angekommen.
Aus Moscau hat man von 24. passato daß die Abfertigungs-Brieff vor die Pohlnische
Herren Gesandten schon verfasset / dannoch ihnen angedeutet worden / noch zu
verharren / und sollen ihnen noch auff 8. Tag Zehrungs-Mittel gereichet seyn /
woraus noch einige Hoffnung geschöpffet wird / diese Verzögerung soll dahin
zielen / umb zuvor den neulich angekommenen Tartarischen Abgesandten anzuhören /
auch abzuwarten / was der Türckische (Ih. Königl.
Majest. erheben sich nach Jaworow.) Abgesandte beybringen wird umb
sich darnach zu richten. Ihr. Königliche Majest. haben sich von Lemberg nach
Jaworow erhoben / von dar unter 10. dieses nachgehends zuvernehmen stehet: gegen
die Ankunfft deß Hn. Groß- [303] Cantzlers /
welcher 2. Meilen von hier mit dem Podagra starck überfallen / haben sich schon
sowohl unterschiedliche Geist-als meltliche Herren Senatoren bey Sr. Königl.
Majest. eingefunden / in derer Präsentz gedachter Herr Groß-Cantzler von seiner
Ambassade in Franckreich rappert thun wird / soviel man penetriren kan / soll
die Hoffnung von einem Zuschub zum Türcken-Krieg nicht gäntzlich verlohren /
sondern noch etwas wiewohl nicht an Volck wegen ferne des Wegs wohl aber an Geld
zuerwarten seyn / wormit uns am besten gedienet / dann deß Volcks ohne das genug
im Land / auch soll man versprochen haben allen Fleiß bey der Ottomannischen
Pforten anwenden zu helffen vor diese Cron einen reputirlichen und profitablen
Frieden zuwegen zu bringen / welchen man aber disseits nicht anderst als
generaliter zu suchen gesonnen.
(Verschiedene hohe Officirs begeben sich nach Stry umb
gegen die Türcken zu invigiliren) Unterdessen wird unserseits alles
mit ungemeinem Eiffer zubereitet / deßwegen auch verschiedene hohe Officiers
sich von hier nach Stry erhoben umb daselbst gegen deß Feinds Desseinen mächtige
Anstalt zu machen / weilen dieser Orth an den Gräntzen von Rußland / Ungarn und
Wallachey liegt / der König solle Vorhabens seyn die uhralte Brücke über die
Donau Poes Trajani genannt zu repariren / damit die Armee dardurch in Ungarn und
Pohlen zugleich eine Passage haben wöge.
Der Groß-Feldherr hat zwar vor seiner Abreiß von Bußk nicht allein bereits
starcke Partheyen außgesandt / sondern auch an dem Mohila und die Cossacken
Ordre ergehen lassen / sich mit dem Polnischen Trouppen zu conjungiren umb den
besorglichen bösen Gästen kräfftiglich zu begegnen / weilen sich wieder einige
Tartarische Trouppen ohnweit Caminieck blicken lassen / also daß besorget wird /
daß sie einen starcken Streiff in Podolien und Pokutic thun werden / weßwegen
die armen Leuth auff dem Land das ihrige in verste Oerther zu falviren suchen.
Der Herr Unter-Cantzler wird sofort nach geendigten Judiciis sich nacher
Preussen erheben und darauff die Ambassade nach Venedig und Rom antretten.
Andere Brieff aus Lemberg vom 9. dieses referiren nachgehendes: biß dato hat man
Gottlob noch nichts von der Tartarn Einfall in unsere Gräntzen / (Die Lipker Tartarn fallen die Leut an und nehmen ihnen
ihr Vieh weg.) nur daß die Lipker an demselbigen die Leuth anfallen
und das Viehe wegnehmen. Unsere Völcker ziehen auch schon an unterschiedenen
Orthen zusammen / biß daß der Crakomski ein General Läger wird anstellen, der
Herr Cron-Feldherr / nachdem er mit Ihro Königl. Majest. etliche Tag in Jaworow
Conferenz gehalten / ist anhero kommen und den 8 wieder nach Stanißlawow
gegangen / damit er allda auff deß Feindes Dessein Achtung geben möge.
|| [304]
Hier ist starck bey hoher Straff außgeblasen / so sind auch die Königl.
Universalia ergangen / daß kein Frembder oder Kauffmann sich unterstehe zurück
zu gehen / diß zu Ihro Königlichen Majestät ferneren Verordnung. (Zu Stry werden unterschiedliche hohe Officies und
Käpseri. Ministri erwartet.) Man sagt / daß zu Stry unterschiedliche
Käyserliche Generals Ihro Königliche Majestät zu dero dahinkunfft auffwarten /
und mit deroselben deliberiren werden / wie sowohl an Pohln-als Käyserlicher
Seiten die Kriegs-Operationes, und an welchem Ort selbige am besten wider den
Erbfeind sollen vorgenommen werden / weil man bey dieser Campagne ob GOTT wil
selbigen gäntzlich zu ruiniren / und in Betrachtung deß zu End lauffenden
Termini der zwischen den hohen Alliirten gemachten Liga ihn allerseits zu einem
raisonablen Frieden und Verschreibung gewisser Conditionen zu zwingen oder auff
dem Fall er opiniatriren möchte von Prolongation sothaner Alliantz und
Continuation deß Kriegs zu handlen trachten werde.
Sonsten haben Ihro Königliche Majestät endlich zu Jaworow den 22. durch einen
Expressen von Dero Gesandten in der Moscau die erfreuliche Nachricht erhalten /
daß die ewige Friedens- und Alliantz-Tractaten mit selbigem Groß-Fürsten nunmehr
(Gott Lob) glücklich geschlossen seyn / die vornehmsten Puncta aber Vermög
eingelangter Abschrifft deß Instrumenti bestehen hierinn.
(Ib. Königl. Maj. erhalten zu Jaworow die erfreuliche
Rachricht von der geschlossenen Alliantz mit Moscau.) 1. Behalten die
Moscowitter Smolensko und Kiäw und Rippam / Borresthenis oder deß Flusses
Boristhenis jenseits biß an die See. 2. Geben sie dargegen vor die Pohlnische
Militze anderthalb Millionen Pohlnische Müntz. 3. Verwahren sie Moßcowitter
dieses Jahr die Herauskunfft der Tartarn und 4. sollen sie künfftiges Jahr Grimm
angreiffen. Sobald Ih. Königliche Majestät diese angenehme Zeitung vernommen /
haben sie sich so gleich nach Stry erhoben; Immittels an den Cron-Feldherrn den
Mohila und den Littauischen General Ordre ertheilt mit ihren Unterhabenden (Verfügen sich nach Stry.) Völcken zu dem
bestimbten Muster-Platz den Marsch also einzurichten / daß noch vor oder mit
Anfang küfftiges Monats die Campagne ihren Anfang nehmen möge.
Obwohlen sonsten von sicherer Hand advisirt worden / daß die Türcken unter Convoy
von 6000. Mann / 2000. Wägen mit Proviant / und 80. Camel mit Geld beladen /
nach Cammieck eingebracht / gehet doch allem Vermuthen nach nunmehr die
Königliche Intention dahin / selbige Ve [305] stung mit aller Macht anzugreiffen / und noch diese
Campagne mit Göttlicher Hülff unter dero Devotion zu bringen.
Extract-Schreibens aus Moscau vom 7. May.
ICh notificire hiermit die (Gott Lob) erwünschte Zeitung von dem (Moscowittis-Geschichten.) den 3. zwischen Pohln
und Moscau glücklich geschlossenen / dann den 6. von Ihren Czarischen Czarischen
Majestät. Majestät. selbst / und dem Pohlnischen Herrn Groß-Gesandten
confirmirten / und beschwornen Tractat / Vermög dessen mit der Cron Pohlen gegen
Abtrettung der Städte Smolensko / und Kiow mit allen ihren Dependentien ein
ewiger (Außführlicher Bericht von der zwischen Pohlen
und Moßcau geschlossenen off- und Defensiv-Alliautz.) Fried und darbey
ein off- und devensiv-Alliantz gemacht worden / daß nehmlich sie beyderseits
wider die Ottomannische Pforte feindlich agiren / auch kein Theil ohne dem
andern entweder einem Stillstand der Waffen / oder Frieden machen solle / zu
welchem Ende dann die Unserigen aus Moscau / Astracan, Casan, und Bulgarien mit
150000. Mann einen Einfall in die Tartarey thun wollen. So ist man auch gesinnet
/ den Graben von der Wolga in die Tanais außzuräumen / damit die Kahne und
Schuten auff der Wolga aus Moscau gantz herunter in die Tanais, und von dannen
in den Lacum Meotis kommen können / umb die alldasige Vestung Assow zu behaupten
/ und also in die Erym̅ische Tartarey einzufallen / die Vestungen
darinn zu besetzen / und wo möglich / sich deß schwartzen Meers zu verfichern.
Wann dieses geschiehet / so kan man nit allein gantz Moscau durch auff den
Wolga-Strohm herunter / sondern auch auff der Tanais nach gedachtem Lacu Meotis.
Proviant, und andere Sachen führen / und also in das schwartze Meer komen /
worzu die Pohln denen Unsrigen auff der andern Seiten helffen können / umb also
die Türcken von beyden Seiten zu incommodiren.
Sonsten bestehet der mit Pohln gemachte Tractat in folgenden 33. Puncten:
(Der gemachte Tractat mit seinen 33. Artienlen wird
hier ordentlich beschrieben.) Erstlich wird ein und andere Macht in
die alte Freundschafft und ewigen Frieden eingesetzt. Zweytens. Tittulen der
Monarchen werden von beyden Seithen gleichförmig verwilliget. Drittens. Wird die
von Pohlen an Moscau beschehende Abtrettung der Städte und Länder auffgerichtet.
Vierdtens. Die Cossacken sollen mit ihren von Pohln an Moscau abgetrettenen
Städten und Provintzen der Unterthän gkeit / [306] und deß der Cron Pohlen geschwornen Eyds erlassen seyn /
gleichmässig sollen auch die Cossacken mit ihren von Moscau an Pohlen
abgetrettenen Städten und Ländern / und deß denen Moscowittern geschwornen Eyds
erlassen seyn. 5. Die flüchtige Cossacken / so von einer Seithen zur andern
übergehen / sollen die Protection der Monarchen nicht geniessen. 6. Die Czaaren
sollen der Republic von Pohln anderthalb Million Pohlnische Gulden geben / wovon
die Helffte denen Pohlnischen Plenipotentiarien alsobald nach unterschriebenem
Tractat solle einehändiget / die andere Helffte aber bey der ersten Dieta erlegt
werden. 7. Die Städte und Länder am Ufer deß Boresthenis von Chiovia biß an den
Fluß Tasmin, so jenseith Czechrim lauffet / sollen nicht wiederumb aufferbauet /
und bewohnet werden / sondern biß zu weiterer Abhandlung zwischen denen
Monarchen rasirt bleiben / indeme die Pohlnische Plenipotentiarii hiervon keine
Vollmacht gehabt. 8. Die Städte und Oerther / so Moscau an Pohlen wieder giebt /
werden specificirt / umb alle Gelegenheit zu neuen Mißhelligkeiten zu benehmen.
9. Das freye Exercitium der Cathol. Religion in einer Vorstadt der Stadt Chiovia
und Smolensko, obgleich der Patriarch von Moscau darwider ist / bleibet. 10. Die
Czaarische Maj. Maj. verlangende die Christliche Religion in den Mahometischen
Provintzien einzuführen / verbinden sich durch Einrede deß Königs in Pohlen /
die Tartarn und Türcken zu bekriegen / Krafft deß mit Pohlen gemachten ewigen
Friedens / und der getroffenen de- und offensiven-Alliantz / jene vor allzeit /
diese aber so lang der Türcken Krieg währet / und verbinden sich die Czaaren /
noch dieses Jahr ein grosses Kriegs-Heer an den Orth zu schicken / wo die
Tartarn pflegen in Pohlen einzufallen / umb ihnen den Paß zu verhindern /
weiters befehlen sie denen Cossacken von Tonai, daß sie sich alsobald an das
schwartze Meer begeben / und die Türck. und Tartarische Städte anfallen sollen.
11. Sofern die Türcken Chiovia oder ein andere Moscowittische Stadt angreiffen /
solle der König in Pohlen verbunden seyn / mit einem Kriegs-Heer zu Hülff zu
kommen / ein gleichmässiges sollen auch die Moscowitte thun / sofern Leopoli
oder ein ander Pohlnische Stadt angegrieffen würde. 12. Die Czaarische Maj. Maj.
sollen der Pforten den mit Pohlen getroffenen Frieden zuwissen thun / und
alsobald den Krieg ankündigen / und obwohln die Türcken die gebührende
Satisfaction und Abtrettung an Pohln thun wolten / so solle doch ohne
Einwilligung aller / und eines jeglichen der Christlichen Confoederirten kein
Fried können geschlossen werden. 13. Gleichwie sich die Czaaren verbinden /
keinen Frieden mit denen Türcken ohne Einwilligung der Alliirten zu schliessen /
also verbindet sich auch der König in Pohlen. 14. Die Moscowitter verbinden [307] sich / Abgesandte an die König von
Franckreich / Engelland / Dennemarck / und Holland zu schicken / umb selbige
auch zur Conjunction der Waffen gegen die Türcken zu ermahnen. 15. Nachdeme mit
gemeiner Verwilligung der Alliirten der Fried mit denen Türcken wird geschlossen
seyn / so sollen die andern nicht zum Krieg verbunden seyn / so sern einer von
ihnen mit denen Türcken wiederumb auffs neue anfanget. 16. Weiln einige
Controversien wegen der Gräntzen zwischen Pohln und Moscau ohnerörtert bleiden /
so sollen deßwegen einige Commissarii abgefertiget werden. 17. Absonderlich
wegen der Dependentien von Chiovia sollen von ein und anderer Seithen Deputirte
ergehen. 18. Zwischen beyden Monarchen wird die Sicherheit der Commercien fest
gestellt. 19. Die zwischen denen Privat-Confinanten hafftende Schulden sollen
gegeneinander auffgehoben werden. 20. Sofern sich zwischen denen
Privat-Persohnen von ein und anderer Seithen Streit erheben / solle die Justitz
scharff administrirt werden. 21. Weiln die Commissarii die Mißhelligkeiten / so
sich erheben möchten / nicht schlichten können / so bleibt 22. alles biß zur
Decision der beyderseitlichen Monarchen außgesetzt. 23. Alle Confinanten /
sowohl von einer als andern Seithen sollen in Friede leben / sofern sich aber
Streit erregen würde / so sollen die kleinere Processen von den Palatinis, die
grössere aber von denen Commissariis beygelegt werden. 24. Denen Feinden eines
oder andern Theils soll keine Hülff noch einige Assistentz gegeben werden / auch
solle von keinem Theil deß andern Unterthan in Dienst können genommen werden.
25. Die Czaaren sollen alsobald in Gegenwart der Pohlnischen Abgesandten den Eyd
ablegen / welches der König in Pohlen auch in Gegenwart der Moscowittischen
Gesandten thun wird / so bald sie zur Dieta kommen. 26. Es ist von beyderseits
Abgesandten verglichen worden / wie es ins künfftig unter ihnen solle gehalten
werden. 27. Denen Kauffleuthen solle erlaubt seyn / wegen ihrer Handthierung zu
tractiren / und im Fall einiger Hindernuß solle ihnen Justitz wiederfahren / der
Brandewein aber und Taback solle nicht erlaubt seyn / wie vorhin in Moscau zu
führen. 28. Im Fall es sich begäbe / daß Pohlen jemanden durch Moscau oder
sonsten wodurch in Persien schicken wolten / sollen die Moscowitter diesem den
freyen Paß geben / welches Pohlen gleichmässig auch thun wird. 29. Weiln in
gegenwärtigem Krieg die Communication und Correspondentz hochnöthig ist / so
verbindet sich der König in Pohlen die Posten biß nacher Cadzin auff den
Gräntzen deß Hertzogthumbs Smoleneko zu unterhalten / welches die Czaaren biß
gedachtes Cadzin auch thun werden / und sollen nur die Czaarische und Königliche
Brieff frey seyn / die [308] andere aber alle
zahlen. 30. Es verbinden sich beyderseitliche Monarchen ihren Confoederirten und
Freunden parte von dieser conjunction zu geben. 31. So fern einer der
contrahiren den Monarchen zu sterben käme / solle sein Successor zu ratificirung
dieses Tractats verbunden seyn. 32. Im Fall in einer oder andern Cantzley
gegenwärtiger unterschriebener Tractat sich verliehre / solle doch darumb der
Tractat unverletzt seyn. 33. Dieser Tractat solle ewig und unverbrüchlich seyn /
ob schon ein oder anderer Monarch zu sterben käme. Amen.
Das achte Capittel
Redet von Italiänisch-meistens aber von den Venetianisch-auch wol Türckischen
Staats- und Kriegs-Affairen.
(Venetianische Geschichten.) VOn Venedig vernimbt
man / daß allda Brieff aus Dalmatia vom 20. passato angelangt / welche
referiten, daß nachdeme der Cavallier Janco und Sr. Bartolozzi mit ihren
Morlacken aus deß Herrn General (Die Morlacken unterm
Cavallier Janco flecken viel Türckische Dörffer in Brand.) Cornaro
Befehl die Mauern von der Vestung zu Grasatz diß auff die Fundamenta gesprenget
und geschleiffet / sie von neuem einen Streiff in das Türckische Land biß nacher
Paolowitz gethan / und selbige Flecken und Dörffer eingeäschert / und viele
Türcken niedergehauen haben; von besagten Morlacken ist keiner tod geblieben /
fondern nur einige verwundet worden. In besagtem Dalmatia hätte man Nachricht /
daß von der Porta dem Bassa von Boßnia Gelder zugesandt worden / umb 12000. Mann
zu besolden / und die Werbungen eylends fortzusetzen / und zu Scapia, allwo er
sich befindet / liesse er viel Stückkugeln und anders zur Artillerie verfertigen
/ dabey er Befehl haben soll / zu dem Bassa von Arcigovina zu stossen / umb zu
suchen / sich deß Thurns zu Narin und der Schantzen von Opus und (Deßgleichen thut der Haran Bassa von Sebenico Cala Ormar
üderrumpeln und den Ort schleiffen.) Duare zu bemeistern / und hernach
mit seinen Völckern gegen Ungarn zu marschiren. Mit Brleffen von Spalatro vom
28. passato hat man / daß der Haran Bassa Nachich von Sebenico, mit einer
Parthey gegen Gracou zwischen Clivano und Slamoz gelegen / ausgangen / und Cala
Ormar einen vesten Ort durch Verständnuß überrumpelt / die Guarnison
niedergehauen / die Häuser abgebrand / die Mauern niedergerissen / und nebst 33.
gefange [309] nen Türcken und
Weibern / auch 7. Pferde / 2. Fahnen / 1. Stück Geschütz / und einige
Doppelhacken erobert / und dem Disdar den Kopff abhauen lassen. Die Morlacken
von Poglizza haben Otoeche, 4. Meilen von Sing in Brand gebracht / und darinn
60. Tückische Häuser eingeäschert. Eine andere Parthey Morlacken unterm Commando
deß Grafen Classich und Capitain Steffan Goretin ist nach Vellin gerucket / hat
sich mit denen von Scardona und Zara conjungirt, und 7. S???laven gemacht / 12.
Köpffe bekommen / und hernach gegen B lag avancirt, allwo sie die Städte
Siplonat, Scovonaz und Secussia überrumpelt / und geplündert haben; im Zuruckweg
(Ein Parthey Morlacken rencontrirt die Türcken
glücklich / und macht gute Beut.) aber haben sie mit 200. Türcken zu
Pferde eine rencontre gehabt / selbige in die Flucht geschlagen / und einen der
ihrigen verlohren / und 20. Familien in dieser Republic Gehorsam und über 3000.
Stück Viehe mit sich zurück gebracht. Den 10. dito ist der Herr General St. Paul
auff dem Schiff St. Nicola nacher Dalmatia abgefahren / von dannen der Herr
General Crimadi bey jenes Ankunfft zu der Armada in Levante abschiffen solle. Zu
Corfu ist die Convoy mit denen Herren Contarini und Bembo, wie auch der Herr
General Königsmarck / und die Mayländische Dragoner angelangt. Uber (Die Türcken leyden an St. Josephs Tag grossen Schaden
an Volck und Schiffen auff dem Meer.) Smirne hat man Schreiben aus
Constantinopel vom 6. April von selbigen Kauffleuten empfangen / welche melden /
daß den 19. Martii an St. Josephs Tag ein solch grausam Ungewitter entstanden /
wordurch kein einiges Schiff im Hafen zu Constantinopel unbeschädigt blieben /
sondern wären entweder beschädiget / gescheitert / oder zu Grund gegangen / und
in dem schwartzen Meer seyen ein grosse Menge Saicken und andere Schiff zu
Schanden gangen / und schadhafft worden / und sollen über 200. Schiffe
gescheitert und zu Grund gangen seyn / der grosse Schaden und Anzahl der
ersoffenen Menschen ist unglaublich. Aus Morea vernimbt man / daß zu Modon alles
biß auff 500. Menschen wegen grossen Hungers gestorben / und 10000. Albaneser in
dieser Rupublic Gehorsam übergangen seyen / und daß die Mainotten in Levante 3.
Türckische Jagt-Schiffe genom̅en hätten. Ich habe kurtz vorhero
gemeldet / wie daß der Bassa von Boßnia auff expresse Ordre der Pforten den
Thurn von Narin zu attaquiren im Marsch begriffen / dem nun vorzukommen haben
die Christen gemeldten Thurn in die (Die Türcken
wollen die Schantz Opus attaquiren / können aber ihren Zweck nicht
erreichen.) Lufft gesprenget / und gegen die Schantz Opus sich
reterirt / als solches die Türcken innen worden / seynd 300. derselben in die
Gegend deß ruinirten Thurns gerucket / und haben sich verschantzet / umb denen
unsrigen das Aussteigen zu verhindern; der Bassa aber ist auf die andere Seiten
deß Flusses Narenta mit 2. kleinen Feldstücklein marschiret / umb besagte
Schantz Opus anzugreiffen / [310] und zu
beschiessen / deine aber der Herr General Cornaro zuvor gekommen ist / und den
Vortheil abgenommen gehabt; Inzwischen ist eine Parthey von Primorgie und Pogliz
in Morlacken / und Italiänischen Soldaten zusammen in 500. Mann bestehend /
avancirt / die Türcken anzugreiffen / in welchem Scharmützel dann von denen
unsrigen 18. tod blieben / und etliche verwundet worden / von denen Türcken aber
biß 50. umbkommen / und viele (Der Cavallier Janco thut
mehrmalen einen glücklichen Streiff in deß Feindes Land.) blessirt
worden seyn. Der Cavallier / Janco ist inzwischen mit 2000. seiner Morlacken
gegen Duare marschirt / diesen Ort zu verstärcken / als er nun solches
verrichtet / hat er in deß Feindes Land gestreifft / darinn 5. Dörffer
abgebrandt / viele Türcken niedergemacht / und nechst 200. Gefangenen auch
andere gute Beuten an Viehe / und 2000. Christen aus dem Türckischen in dieser
Republic Gehorsam mit sich zurück gebracht. Eine andere Parthey Morlacken hat
zwischen Clino und Sebenico die Schantze und Thurn Coroman überrumpelt / 50.
Türcken / so darinn in Guarnison gelegen / niedergehauen / den Ort eingeäschert
/ und 40. Türcken nebst ihren Familien und gemachten Beuten zurück nacher
Sebenico geführet. Von unserer Armada hat man Schreiben von dem 18. dieses / daß
sie sich zu St. Maura befindet / allwo der Herr Provediteur extraordinari
Justinianus gestorben / welche Charge der Herr General Morosini nun dem Herrn
Peter (Die so gemante Peraftinen brennen denen von
Ragusa auff einer Insul 200. Häuser ab.) Bembo gegeben. Die Perastinen
/ welche in Dalmatien denen unserigen zu Hülff kommen seynd / haben auff der
Insul di Mezzo, so denen von Ragusa zugehörig / 200. Häuser abgebrandt / weilen
zwischen selbigen Nationen ein unversöhnlicher Haß ist / meistentheils deßwegen
/ daß die von Ragusa dem Groß-Vezier ein Geschenck von 10000. Zecchinen gegeben
/ und dardurch erhalten haben / daß die Türcken alle ihre Wahren nach Ragusa
bringen / daselbsten sie ihren Handel-Platz (und nicht mehr wie vor diesem zu
Durazzo) auffrichten / welches den Perastinen Schaden bringt / die derohalben
auch mit ihren Schiffen nicht mehr nach Ragusa kommen. Die von Ragusa haben 3.
Abgesandten zum Herrn General Cornaro geschickt / umb denselben wegen seiner
Ankunfft in Dalmatien zu complimentiren / und dann zu klagen über den Schaden /
so ihnen von denen Perastinen und andern Unterthanen von dieser Republic
angethan worden. Es ward ihnen aber geantwortet / daß die Raguser vor einem Jahr
übel gethan / daß sie einige Perastinen enthauptet / und als Feinde mit ihnen
verfahren / ohne daß sie zuvor bey hiesigem Senat darüber geklagt hätten Unsern
von Cattaro haben die unsrige ein Bregantino von den Seeräubern von Dolcigno,
worauff 30. (Die Morlacken von Spala???o machen gute
Beut in dem Bossinischen Land.) Türcken gewesen / genommen. Die
Morlacken von Spalatro und andern Orten haben sich in 800. starck nach dem Fluß
Zettina in das Bossinische [311] Land erhoben
/ daselbst einen Ort Ottocho genant / dahin sich viele Türcken mit ihrer Haab
salvirt gehabt / bey Nacht überfallen / erobert / und viele Türcken
niedergemacht / die andern aber / so sich über besagten Fluß salviren wollen /
seynd ersoffen; besagte Morlacken kehrten wieder zuruck mit reicher Beute und
30. Pferden / und einigen Christen / so sie aus der Türckischen Sclaverey
erlöset haben / und als sie mit besagter Beute in der Gegend Scin anlangeten /
kamen 150. Türcken zu Pferd heraus / sie anzugreiffen / wurden aber mit einigen
Verlust zuruck getrieben.
(Päbstliche Geschichten.) Von Rom kom̅t / daß man daselbst Sonntags den 28. passato in S. Peters
Kirchen / weilen die Protestanten in Franckreich zur Röm. Kirch gebracht worden
/ das Te Deum laudamus gesungen / in der Stadt die Glocken (Die Toscanische und Päbftliche wider den Erbfeind
destinirte Squadra Gelleren baltet Randezvous.) geläutet / und vom
Castello mit Stücken Salve gegeben. Montags den 29. hat die Toscanische Squadra
Galleren / wie auch die Päbstliche / so mit Bootsleuten und Soldaten wohl
besetzet seynd / im Gesicht von Civita Vecchia Rendezvous gehalten / und darauff
ihre Reise gegen Levante fortgesetzet. Endlich haben die Carmeliter ihren
General erwählet / welche Würde der P. Martiale von Avignone, ein Mann von
grossem Verstand und Erfahrenheit überkommen hat / wordurch nun die
Strittigkeiten / die biß in drey Jahr lang die Provintzien von Franckreich /
Teutschland und Italien getheilet hatten / auffhören.
(Sicilianische Geschichten.) Aus dem Königreich
Sicilien wird geschrieben / daß nachdeme der Königl. Rath Don Pietro Cortes eine
seiner Töchter an den Marq. di Pontidatalo vom Hauß Alberti verheyrathet / er
selbige nach vollzogener Hochzeit nacher Pontidatalo auffs Schloß begleitet /
und weilen besagter Rath einige Commissiones zu verrichten gehabt / hat er seine
gantze Familie dorten gelassen: da dann inzwischen deß Herrn Cortes Sohn sich in
deß Marq. di Pontidatalo Schwester verliebet / und diese heyrathen wollen /
welches aber deß Marquis Schwester abgeschlagen / indeme sie sich schon mit dem
Baron (Der Baron di Monte bello begebet 9. grausame
Todschläg / und gebet flüchtig.) di Monte bello versprochen gehabt;
als nun besagter Baron von solchem allem Nachricht bekommen / und dem Matq. von
einiger Zeit hero sehr feind gewesen / hat er in seiner Jurisdiction über 200.
seiner Vasallen zusammen gebracht / ist damit in aller Stille bey Nacht in die
Herrschafft di Pontidatalo und in deß Marquis Hauß gefallen / und hat gedachten
Marquis ermordet / dessen Hertz der Mutter geschickt / und die Mutter hernach
auch nebst deß Marquis seiner Frauen umbgebracht / nach diesem deß Marq.
Schwester in Gegenwart deß Verliebten / nemlich deß Raths Cortes Sohn /
beschlaffen / und folglich den Buhler Cortes, auch nebst mehr andern / in allem
bey 9. Personen ermordet / deß Marquis Schwester aber mit sich hinweg ge [312] führt / und die Flucht
geuommen. Besagten Baron, wegen solcher grausamen unmenschlichen That / nun
auffzusuchen / hat der Vicc-Re dem Proesidenten Marq. Gerezelo 300. Mann
zugesandt / welche nebst mehr andern den Baron verfolgen / auch hat besagter
Vice-Re 200. Mann aus 3. Galleren steigen lassen / umb den Thäter überall zu
suchen; über dieses hat man 6000. Ducaten dem jenigen zum Recompens versprochen
/ welcher mehrgemeldten Baron der Justiz überlieffern werde.
(Savoysche Geschichten.) Bey den Savoyschen
Geschichten habe im vorigen Monat von einer Rencontre gedacht / so zwischen
selbigen und denen Frantzösischen Auxiliar-Völckern eines Theils / dann den
Protestanten in den Lucerner Thälern anderer Seits vorgegangen. Worbey gemeldet
/ daß der meiste Theil von den Protestanten in den zugängigen Thälern sich auff
Gnad und Ungnad ergeben haben / die übrige aber haben sich in die ungangbare
Gebürg und hohe Klippen reterirt / mit der endlichen vest gesetzten Resolution
lieber zu (Die Savoys. Frantzös. Völckerthun den
zweyten Angriff gegen die Protestanten.) sterben / als sich zu ergeben
/ worauff die Savoysche und Frantzösische Völcker sich in 3. Theil getheilt /
und den 7. dito den zweyten Angriff gethan / worbey man ein Schantz erobert / so
ein halbe Meil im Gebürg gelegen ist / welche man mit 200. Mann von der Guarde
besetzet / und sind in dieser Action zwischen 40. Soldaten tod und verwundet /
und der Ritter Philippi von 3. Kugeln in den Magen und einer in den Arm
geschossen worden / jedoch glaubt man nicht / daß sie tödlich seynd. Als nun der
General Marq. di Parella seinen Marsch ferner fortsetzen wolte / waren etwann
30. Protestanten / welche Feuer auff die unsrigen mit Büchsen gaben / und
nachdem (Welche sich auff die Berg reteriren / und
grosse Stein auff ihre Feind berunter wältzen / und viele verwunden.)
sie ein wenig zuruck gewichen / reterirten sie sich hinter einen Steinfelsen /
so mit Abschnitten und unaussprechlichen grossen Steinen umbgeben und versehen
war / welche Steine dann in einem Augenblick herab auff die unsrigen fielen /
und ist zu verwundern / daß von denen unsrigen mehr nicht als 15. gemeine
Soldaten / und der Graf Vagnone, so Lieutenant gewesen / tod geblieben / und der
Graf von Druse, deß Marq. Parella Bruder / so von einem Stein herunter geworffen
/ und der Sr. Mayno verwundet worden seynd / dem Grafen von Drulli ist eine
Schulter verrencket / der Sr. Bonnier hat einen Schenckel zerbrochen / so
nachgehends gestorben / und der Sr. Souille ist etwas gequetschet. Welche Action
verhindert / daß der Marq. di Parella den Marsch / umb den Gipffel deß Bergs zu
ersteigen / unterlassen hat. Entzwischen hat auff der andern Seiten der Herr
Marquis Dogliani, so durch einen andern Weg zum Parella stossen sollen / die
Pässe unüberwindlich gefunden / wegen der Eigenschafft deß unzukommlichen Landes
den Muth fallen lassen / und ist zuruck geblichen; jedoch hat man 150. von
besagten Pro [313] testanten gefangen
/ und noch andere flüchtige in 4. à 500. hin und wieder verstreuet Als nun
immittels Jh. Kön. Hoheit von der andern Action benachrichtiget / und darbey
deroselben umbständig vorgestellet worden / daß den übrigen Protestanten mit
Gewalt ferner nicht beyzukommen sey / weilen selbige sich auff das
unersteigliche höchste Gebürg und grausame Felsen / Klüfften (Der Hertzog von Savoyen gibt Ordre den Rost durch
Hunger zu bezwingen / immitiels aber selbige eng bloquirt zu balten.)
und Hölen reterirt / haben besagte Se. Königl. Hoheit Ordre gegeben / alle Päß
sehr genau zu besetzen / umb sie durch Hunger vollends zu bezwingen / und zu
ertappen. Dessen ungeachtet haben in der Gegend St. Martinsthal / wo die
Frantzosen das Commando geführt / selbige immer fort mit den Protestanten
scharmutziert / sie haben auch einige Felsen ersteigen wollen / seynd aber
einsmals übel angelauffen / indeme der Frantzös. protestirende Ingenieur Boris
(so sich umb verfolgter Rebellion willen aus Franckreich bey (Die Frantzosen lauffen übel an.) die Thal-Leut
reterirt) auff dem Gebürg eine Mine springen lassen / wordurch von den
geworffenen Steinen den nechst darbey postirten Frantzosenschr grosser Schade
zugefügt worden / doch haben diese nicht nachlassen wollen (Revangiten sich.) jene zu verfolgen / wie sie
dann den 20. einen Felsen erstiegen / und darauff 30. bewehrte Protestanten
massacriret, und viele Weiber und Kinder gefangen bekommen / weilen nun die Zahl
dieser Leut täglich abnehmen thut / hoffet man den Rest ehistens völlig zum
Gehorsam zu bringen.
(Mayländ. Geschichten.) Aus dem Mayländischen
vernimbt man / daß nachdeme dasiger neuverordneter Gouverneur Herr Graf von
Fuensalida von Spannien mit 2. Galleren zu Genua angelangt / seyen selbigem 6.
Deputirten von der Republic (Ein neuer Gen. Gouverneur
langt zu Mayland an.) mit einer Galleren biß nach S. Remo entgegen
gefahren / woselbsten sie ihn empfangen / nach der Stadt begleitet / allwo er in
deß Hertzogs von Oria Behausung von acht andern complimentirt worden / und sey
ihme von zeitwährender Anwesenheit von selbigem Staat unaussprechliche Ehre
widerfahren; Den 8. beschahe die Abreiß von Genua / und den 9. arrivirten Se.
Excellentz zu Alexandria / allwo sie sich einige Tag auffgehalten / und zu
regiren angefangen haben / wie dann dahin so gleich auff erhaltene Nachricht von
hier aus ein Cantzley-Secretarius und verschiedene andere Beambten nebst 2.
Staats- und Kriegs-Secretarien adgeschicket worden / worauff Se. Excell. sich
nach Pavia erhoben / allwo der Herr Graf von Melgar am Strand von Grauellone
nicht weit von Pavia selbige complimentirt / und in die Stadt begleitet haben.
Den 18. darauff seynd mehr-erwehnte Se. Excell. incognito anhero kommen / den
Kön. Pallast besehen / und alle nöthige Ordres gegeben / folgends zu Mittag bey
dem Hn. Gen. Feldm. Grasen von Lovigni gespeiset / allwo sich auch die Hn.
Grafen von Melgar / der Gen. über die Cavalleri und der Don Fern. Valdefe
befunden haben / nach eingenommenem Mittagmahl nahmen Se. Excell. ihren Ruckweg
nach Pavia / und [314] blieben so lang
daselbsten / biß der Pallast allhier völlig zugerichtet war / darnach hielten
sie ihren Einzug in diese Stadt mit grossem Pomp / unter Vegleitung eines
grossen Adels und unzehlichen Carossen / 3. Tag hernach gaben (baltet seinen Einzug.) Se. Excellentz die erste
offentliche Audientz / worbey sie Sr. Catholischen (Vnd
gibt offentliche Audientz / worbey er deß Königs in Spannien Bildnutz unter
einen Pimmel setzen lassen.) Maj. Bildnuß unter den Himmel setzen
lassen / und sagte zu denen / welche ihme zugegen waren / daß die jenigen /
welche ein gut Spannisches Gemüth hätten / soltens auch äusserlich und mit der
Kleydung bezeugen; welches dann verursachet / daß innerhalb wenig Tagen /
mehrentheils deß Adels / sambt denen vornehmsten Kriegs-Officiers / die
Frantzös. Mode und Kleyder / in die Spannische verändert / und sich Spannische
Hüte / Schuhe / Strümpffe / Degen und dergleichen gekauffet haben. Se.
Excellentz hat verschiedene Conferentzien mit denen versambleten
Staats-Ministren gehalten / welche eine imposta von 300000. Livres accordirt
haben / wegen Einquartirung der Soldatesca / in 3. Monaten zu bezahlen; hingegen
hat diese Stadt wegen deß Brods einige Erleichterung bekommen. Der Herr Hertzog
von St. Peter hat Sr. Excellentz unserm Gouverneur 8. schöne Spannische
Kutschen-Pferde geschenckt. Weilen sonsten die Frantzösische Völcker sich
disseits deß Gebürgs gezogen / als gibt solches in diesem Staat einiges
Nachdencken / weßhalben unser Gouverneur 35. Compagnien zu Pferd nacher Pavia
unter Commando deß Herrn Fernando Valdese hat marschiren lassen. Den 24. ist die
Musterung in allen Plätzen dieses Staats (19.
Compagnien zu Fuß und 5. zu Pferd werden reformirt.) gehalten worden /
worauff man über die vorhero cassirte noch 19. Compagnien zu Fuß und 5. zu Pferd
reformiret / wordurch dieser Staat jährlich umb 50000. Scudi erleichtert wird.
Se. Excellentz haben die 2. Compagnien von seiner Garde seinem einigen Sohn dem
Grafen von Culmenar conferirt, worauff selbige den 20. von hier abgereist sind /
umb die 2. Schantzen / welche bey der Brücken über den Po-fluß gemacht werden /
zu besichtigen. (Der Ertz-Bischoff von Pisa gibt 800.
Florentischen Soldaten die Benediction.) Von Florentz hat man / daß
der Ertz-Bischoff von Pisa 800. Soldaten / welche vor selbiger Stadt in
Schlacht-Ordnung gestanden / und der Hertzog auff denen Galleren und Galleotten
nach Levante schicket / den Segen gesprochen / und seyen den 5. darauff die
Galleren / und den 6. die Galleotten mit ihnen abgesegelt / umb zu Messina mit
andern sich zu conjungiren. Der Hertzog habe dem General Sebastiani 200.
Dupplonen gegeben / welcher noch über dieses alle Monat / so lang die Campagne
dauret / 200. Scudi Besoldung bekomme.
(Gennesische Geschichten.) Aus Genua wird
geschrieben / daß das Schiff / welches der Capitain Coratino gekaufft / daselbst
mit 70. Stücken Geschütz 350. Mann und auff 6. Monat Provision versehen /
Segelfertig lige / umb zu der Venetianischen [315] Armada abzulauffen. Der Spannische Consul hat eine von denen 4.
disarmirten Galleren gekaufft / solche zu der Sicilianischen Squadra zu
gebrauchen. Von Turin schreibt man anhero / daß der Hertzog von Savoyen (Der Spannische Consul kaufft eine von den 4.
disarmirten Galleren.) die Protestanten in denen Lucerner Thälern
geschlagen / deren biß 5000. sowol Männer als Weiber und Kinder theils nieder
gemacht / und gefangen hat / wobey jedoch 500. Frantzosen und 150. Piemonteser
auff Savoyscher Seiten tod geblieben seynd; aber die übrige Protestanten in
denen inaccessiblen und unzukommlichen Gebürgen thäten sich noch tapffer wehren
/ und wären entschlossen lieber zu steiben / als sich zu ergeben; der Hertzog
seye willens die eroberte Schantzen im Thal S. Martin / al Porto di Torno, und
in Angrogna, zu schleiffen; es wollen aber einige darfür halten / es möchten
sich die Frantzösische Völcker alldorten noch mehrers bevestigen / so bey denen
Benachbarten nicht geringe ombrage verursachen dörffte. (Die Frantzös. Flotta wird bey den Insuln Majorica und
Minorica gesehen.) Ein Englisch Schiff / so den 12. von Malaga dahier
angelangt / berichtet / daß ihme vor 10. Tagen bey denen Insuln Majorica und
Minorica die Frantzös. Flotta in 17. Schiffen bestehend / darunter 3. Pallandre,
begegnet seye / und ihren Lauff gegen Ponente gerichtet hätte. Es wird
confirmirt / daß die Algierische Seeräuber 40. Holländische Schiffe weggenommen
haben. Mit einem Schiff von Cadix ist der Bischoff von Messina anhero kommen /
welcher alsobald seine Reise nacher Rom fortgesetzt / und theils seiner
Bedienten und Bagage allhier gelassen hat / welche mit einem Englischen Schiff
auch innerhalb wenig Tagen nacher Sicilien wegreisen sollen. Aus der See kombt
Zeitung / ob hätten die zwo Galleren von Sardegna ein Türckisches Raubschiff
erobert. Den 15. hat der Herr Johann Baptista de (Mons. de la Rovere gehet als Genuesischer Resident nach Pariß.) la
Rovere seine Reiß nacher Pariß fortgesetzt / allwo er als Resident von hiesiger
Republic sich auffhalten solle. Von Genff hat man / daß in der Valey von Piemont
noch mehr als 3000. Protestanten in den Waffen stehen / welche beschlossen haben
/ ihr Leben theuer zu verliehren / ehe man sie überwinden würde. Die Bürger von
Genff halten sehr starcke Wacht / und (Die Stadt Genff
setzet sich in Defensions-Postur.) patrolliren stets eine Stund lang
rund umb selbige Stadt / und werden daselbst Deputirte von Zürich und Bern
erwartet. Was die Hn. Schweitzer belangt / so haben selbige in ihrer
General-Versamblung beschlossen / und versprochen / im Fall der Noth selbiger
Stadt zu assistiren / dannenhero sie sich auch in solchen Stand stellen / daß
sie ihr Wort halten können / man sagt / daß sie bereits eine Reveue gethan von
mehr als 100000. Mann / welche sie darauff in unterschiedliche Campementen
vertheilt / und unter andern eines in das Land von Vaux gelegt haben. Im übrigen
sagt man allhier vor gantz gewiß / daß dir Graf von Schärffenberg mit Brieffen /
so Ihro [316] Käys. Maj. mit eigener Hand
geschrieben / und welche er nicht öffnen solte / biß er in Caschau kommen /
abgefertiget worden / worauff er alsobald 7000. Teutschen und 4000. Ungarn nach
Maros in Siebenbürgen abschicken / welche sich daselbst mit 12000. Siebenbürgern
und 15000. Wallachen und Moldauern conjungiren / und eine grosse entreprise
vornehmen solten / und daß dieses dermassen still und heimlich tentirt würde /
daß es nur allein dem König in Polen / und denen Päbftlichen Nunti???s zu Wien
und in Polen (Die Morlacken thun grosse Progreffeu in
Dalmatien.) bekandt seye. Aus Dalmatien vernimbt man / daß die
Morlacken sehr grosse Progressen machen / ein Haupt derselben seye mit seinem
Volck biß unter Clim und Hieg avancirt, woselbst sie einen grossen Ort abgebrand
/ und eine gute Beut nebst 1100. Stück Viehe mitgebracht / welches daselbst die
Theurung deß Fleisches vermindern wird. Man schreibt auch / daß daselbst ein
grosser Uberfluß von Obst und Früchten dieses Jahr zu hoffen seye / welches
allda hochnothwendig / weil in selbiger Provintz bey 11000. Familien der
Morlacken / so Türckische Unterthanen gewesen / sich hin und wieder in die
Städte ausgetheilet / weßhalben das Land sehr volckreich worden / hingegen (Grosse Hungersnoth in den Türckischen
Provintzien.) befänden sich die Türckische Provintzien in einem sehr
erbärmlichen Zustand / weilen viel Leut aus Boßnia ihre eigene Kinder verkauffen
/ umb von solchem Geld sich zu unterhalten / einige ersäufften sich selbsten aus
Verzweifflung / weilen sie keine Lebensmittel hätten / und seye durchgehends in
Boßnia / Belgrado / Servien / Bulgarien und andern Provintzien eine
unbeschreibliche Hungersnoth / und hätten die Türcken alles Korn / so nur zu
finden / auffgesucht / und in die veste Städte gebracht. Von Rom (Hertzog von Mantua langt zu Rom an.) verlautet /
daß den 9. der Hertzog von Mantua nebst einem Gefolg von 10. Cavallieren und
andern Personen allda angelangt / welchen der Pabst durch seinen Obrist-Cämmerer
Hn. Magiascki complimentiren / und durch seinen Obrist-Hofmeister mit allerhand
kostbaren Weinen und Speisen regaliren lassen / hingegen habe gedachter Hertzog
denen Laqueyen / welche solche überbracht / 100. Dublonen / und dem
Obrist-Hofmeister eine güldene Kette und Brust-Bildnuß verehrt. Der Englische
Ambassadeur / so nach Rom gehet / ist allhier angelangt / hat aber die Visite
anzunehmen abgeschlagen. Von dem Collegio ist dem Herrn Christophoro Centurione
noch auff 4. Monat sicher Gelait verwilliget worden / so aber von dem kleinen
Rath (Der Frantzös. Consul kaufft 1000. Centner
Pulver.) noch approbirt werden solle. Der Frantzös. Consul hat allhier
1000. Centner Pulver gekaufft / welches zu Werffung der Bomben soll gebraucht
werden. Endlich ist das Schiff S. Rosa, wegen welchem hiesige Kauffleute lang in
Sorgen gestanden / mit reicher Ladung hier glücklich angelangt. Den 10. kam in
dem Schiff der Gülden Fließ genant Feuer in die Muni [317] tion-Cammer und ist gedachtes
Schiff durch den Wind eine Meile von Pierre d'Arena geführt / und mit allem /
was darauff gewesen / nebst 12. Schiffleuthen zu grossem Schaden dieses Orhts
verlohren worden.
Das neundte Capitel
Stellet vor / was in denen 17. Niderländischen Provintzien sich begeben hat.
(Holländis. Geschichten.) AUs dem Graffenhaag
vernimbt man / daß Ihro Chur-Fürstliche Durchl. von Brandenburg resolvirt habe
mit dero gantzen Hoffstatt diesen Sommer nacher Cleve zu kommen. So sagt man
auch / daß die Protestirende in denen Thälern von Piemont weder ihre Güther noch
(Die Lucerner Thäler seind eifferig in ihrer
Religion.) viel weniger ihre Religion verlassen wolten / sondern
resolviret / lieber ihr Leben zu verlieren; sagende / das seithero der Apostel
Zeiten die Einwohner das Evangelium nicht verlassen / sondern von Kind zu Kinde
selbiges rein und lauter erhalten hätten / und als sie solches zur Zeit der
Verfolgung nicht offentlich predigen dörffen / hätten sie es in denen Wäldern
und Höhlen verrichtet / und würde solches eine grosse Zagheit von ihnen seyn /
anjetzo das Land zu verlassen / welches nimmermehr das Liecht deß H. Geistes
verlohren hätte; Zumahlen ein solch Leben zu erhalten / welches ihnen / wann sie
einen so grossen Vortheil verlohren hätten / hernach nur verdrießlich seyn
würde.
(Graff von Colligni Frantzös. Gen. Lieut. gehet mit Tod
ab.) Aus Franckreich hat man / daß der Graff von Colligni,
General-Lieutenant der Königlichen Armeen / den 16. passato in seinem Schloß de
la Motte St. Jean in Burgund gestorben; dieser hat sich in unterschiedlichen
Occasionen / und sonderlich Anno 1664. in Ungarn gegen die Türcken / allwo er
die Königliche Auxiliar-Völcker damahls commandirt hat / berühmt gemacht.
(Die Ratificationes der geschlossenen Tractaten
zwischen) Den 3. dieses seynd die Ratificationes der geschlossenen
Tractaten / zwischen dem König in Schweden und diesem Staat / außgewechselt /
und bestehen selbige hauptsächlich darinn / daß die alten Tractaten auff zwanzig
Jahr verneuert / und ein neuer Articul de mutuis Auxiliis, welche [318] auff 6000. Mann und 12. Kriegs-Schiffe
extendiret seyn / hinzugethan worden. Weil die Seeräuber von Algiers mit diesem
Staat gebrochen / (Holland und Schweden werden
ausgewechselt.) als ist denen Convoyern der Smirnischen Flotte Ordre
gegeben worden / ihre Schiffe mit doppelten Stücken zu montiren / und auch die
Krigsschiffe selbsten mit gleicher Anzahl zu verstärcken / welche der Herr Graff
von Styrum commandiren / und auff einer gewissen Höhe die von Smirna kommende
Flotte abwarten solle. Eine sichere Person hat sich auff Ordre deß Königs in
Franckreich bemühet / und sich in allen Häffen erkundiget / wie viel
Orlogs-Schiffe dieser Staat außrüsten lassen wolte.
Nach dem sonst die Stadt Hamburg in Erfahrung kommen / daß der Hertzog von Zell
in Seeland einige Capers in dero Beschlag und Besoldung genommen / umb mit
selbigen dieser Stadt zurück kommende / und mit Waaren beladene
Kauffardey-Schiffe zu attaquiren; als hat der Magistrat allda die Herren Staaten
ersucht / dero Unterthanen in Seeland ein solches am möglichsten zu verbieten.
Den 8. hat der Königl. Englische (Der Englische Envoye
übergibt den Hn. General Staaten ein Memorial.) Envoye, Herr Skelton /
denen Herren General-Staaten im Nahmen seines Königs ein Memoral übergeben /
wodurch Se. Majest. an Ihro Hochmögenden dero Mißfallen wegen deme / daß die
Commissarii, welche die Banthamische Sachen vergleichen und abthun sollen / sich
unverrichter Dingen geschieden haben / bezeugen; und weilen nun die Differentien
anjetzo unter Ihro Königl. Majest. und Ihro Hochmög. Händen heimgefallen / als
hoffet man / daß dieselbige bald in der Güte accommodirt und beygeleget seyn
werden. Das Spargiment / ob habe sich die Frantzösische Flotte auff denen
Engelischen Cüsten sehen lassen / umb sich mit der Engelischen Flotte zu
conjungrien / und diesen Staat zu beunruhigen / thut gantz verschwinden; (Der Hertzog von Holstein langt im Haag an.)
wiewohl man nicht unterlässet / sich in gute defension zu setzen. Der Hertzog
von Hollstein / welcher in Chur-Brandenburgischen Diensten / ist allhier
angelangt. Den 4. ist der Herr von Amerongen vom Chur-Brandenburgischen Hofe /
und Tags zuvorn der Marquis de Varennes, welcher in Sr. Churfürstl. Durchl.
Diensten ist / allhier zuruck gelangt. Hiesige (Die
Burgerschafft daselbst thut den 1. Map ihrer Obrigkeit vor dero Logamenter
verschiedene Maphäume auffrichten mit nach.) Bürgerschafft hat der
alten Gewohnheit nach den 1. Tag May in dieser Stadt etliche Mäyen gestecket /
und zwar einen für die Herren Staaten von Holland mit diesem Wahl-Spruch:
Peragit tranquilla potestas, quod violenta nequit. Zu Teutsch ungefehr: Mit
Sittsam- und Gelindigkeit kan man mehr als mit Gewait außrichten. Einen andern
vor den Printz von Oranien / worunter diese Wort zu lesen: Haud ulli veterum
virtute secundus. Das ist: Er gibt denen Alten an Tugend und Tapfferkeit im
geringsten nichts nach. An einem andern / welcher für die Princessin gepflantzet
ge [319] wesen / war zu lesen:
Deas supereminet omnes; Sie übertrifft alle Göttinnen; Ingleichem war noch einer
für die Herren General Staaten gestecket / dessen Wahlspruch dieser war: AEterna
in foedera Uniti: zu ewiger Verbündnuß miteinander vereiniget.
(dencklichen Wahlsyrüchen. ???) Endlichen war der
fünffte für die Burgermeister der Stadt und den Obristen Rosa, worunter zu
lesen: In arma viros armis circumdatus omnes suscitat: Wer wohl mit Waffen
versehen ist / der machet auch jederman Lust die Waffen zu ergreiffen.
(Die Schweltzer schicken 900. Mann nacher Genffumb an
denen Fortificationen zu arbeiten.) Man sagt / ob hätten die
Schweitzerische Cantons noch 900. Mann von ihren Völckern nach Genff geschickt /
umb alldorten an denen Fortificationen zu arbeiten / und im fall der Noth / zur
Defension der Stadt dienen zu können. Es verlautet / daß die Frantzös Flotte
ihren Lauff gegen Portugall nehme / und daselbsten einige Prätensionen mache /
weilen die Cron Portugall / wie man sagt / mit Spannien wider Franckreich
concurrirt habe.
Brabandische Brieffe melden / daß die Frantzosen / unter Mons. de (Die Frantzosen formiren ein Lager zwischen der Sambre
und ber Maaß.) Montal, ein groß Lager / zwischen der Sambre und Maase
/ formiren / darzu 3000. Pferde aus dem Land von Artors stossen sollen.
Unsere Flotte ist noch nicht in See / aber alle Boots-Knechte und Equipages,
seynd schon im Texel, allwohin einige Commissarien von der Admiralität der
Indianis. Compagnie gehen / umb die Schiffe zu visitiren / nach welchem sie
unter Segel sich begeben sollen.
Nachdem Ihre Königliche Majest. in Engelland begehrt / daß alle dero Unterthanen
/ so wegen jüngster Rebellion sich in hiesige Provintzen reterirt, entweder
arrestirt und Ihro gelieffert / oder aber bannsirt werden möchten / so haben die
Hnn. Staaten bereits darein consentirt / jedoch daß sie solches vorhero den
General-Staaten communiciren wollen / und zweiffelt man (König in Engelland erhaltet von denen Hun. Staaten den
degehrten Areft seiner mit der Montdmonthischen??? Rebellion interessirten
und dahin geflüchten Unterthanen.) nicht / daß der König in Engeland
bey allen andern Potentaten deßgleichen begehren werde. Weilen unser am
Frantzös. Hoff residirender Ambassassadeur Mons. de Starenberg angehalten / daß
er von dannen möchte avocirt werden / so sind deßhalben einige zu Amsterdam im
Vorschlag gewesen / welche sich gleichfals der Ehre bedancken thun. Gantz Europa
ist im Harnisch / daß es 3. unterschiedliche Flotten in verschiedenen Meeren
sehen muß; So erwecken auch die Armeen im Elsas / in Flandern / Languedock und
anderswo / wie auch die Völcker / so der König in Franckreich bey Genff / im
Luycker Land / und an andern Orten hat / nicht geringe Forcht; Ingleichem
verursacht die Kriegs-Rüstung / so in Engelland, Dennemarck / und in Schweden
geschicht / einigen Argwohn / weil niemand zu sagen weiß / wohin dieselbe
angesehen ist / wird man also noch etliche Wochen warten müssen / biß wir den [320] den rechten Warheits-Grund erfahren /
unterdessen wird durch Schreiben versichert / daß die Englische Floite zum Theil
zu Verwahrung ihrer Küsten / Theils aber denen Galliotten / im fall sie solches
vonnöthen haben solten / entgegen gehen solle; und sprengen etliche
Zeitungen-Träger aus / daß die Spannier diesen Galliotten Ordre zugeschickt
haben / in nechsten besten Posten / wo sie sicher zu seyn vermeynen /
einzulauffen / damit sie der / Gefahr / wor innen sie stehen / entgehen mögen /
es ist aber dieses kein Glaubens-Articul. Das Memorial / welches der
extraordinari Engelländische Gesandte Herr Skelton den 10. dieses denen Hnn.
Staaten übergeben / ist geschehen / weilen sie die Englische Rebellen
auszurotten noch etwas tardiret / und anvor der Hnn. General-Staaten Sentiment
hierüber erwartet / das (Wellen aber der Arrest nicht
gleich gefolget üdergidt der Ambassadenr ein Memorial denen Hun.
Staaten.) Memorial lautet wie folget: Demnach sich viel Unterthanen meines
gnädigsten Königs und Herrn / so bey der letzteren Rebellion die Hände mit im
Spiel gehabt sich in diese Provintzien salvirt / worunter ein guter Theil von
dem General-Perdon Sr. Majestät außgeschlossen sind / so hat der Unterschriebene
Ordre erhalten / Ew. Hochmög. vorzutragen / daß Se. Maj. sich zu denenselben
gäntzlich versehen / sie werden / in Krafft der hiebevor getroffenen Tractaten
nicht allein ihren Schutz auffsagen / sondern sie auch aus ihren Provintzien und
gantzen Gebiet bannisiren.
(Franckreich setzet nene Odrigk itliche Personene im
Fürstenthum Oranien ein.) Man sagt / daß der Allerchristlichste König
neue Obrigkeitliche Personen zu Oranien eingesetzt??? habe / ungeachtet die
Stadt von langen Zeiten her freye Macht gehabt / selbige nach ihrem Belieben zu
erwehlen. Die Hnn. Staaten von Holland haben in ihrer letzten Versamblung
resolvirt / ihren Benachbarten nachzufolgen / und haben zu diesem Ende verordnet
/ daß die Stadt Amsterdam und Rotterdam die Außrüstung der Kriegs-Schiffe / so
(Die Hun. Staten wollen 24. Kriegschiff
außrüsten.) unter der Direction ihrer Admiralitäten seyen / unverzüglich
außrüsten sollen / und werden dieselben / wie man sagt / eine Flotte von 24.
Kriegs-Schiffen noch vor den 15. Junii auffbringen / ohne die jenige / welche
untern Commando deß Grafen von Styrum Segelfertig sind / man ist aber wegen deß
Gelds zu dieser Außrüstung noch nicht einig / indem etliche wollen / daß man die
Intressen der Provintz Holland darzu anwenden solle / welches in die 12.
Millionen außtragen würde / andere aber schlagen den zweyhundersten Pfenning
vor.
Der Englische extraordinar-Gesandte Hr. Skelton / und der Käyserl. Resident Hr.
Crampricht sind bey dem Printzen von Oranien zur Audientz (Zu Ibbenduyren??? in der Graffschafft Lingen ent.)
gewesen. Zu Ibbenbuyren in der Graffschafft Lingen / hat man vor etlichen Wochen
einen Brunnen gefunden / dessen Wasser treffliche Würckungen hat / umb in- und
äusserliche Schäden der Menschen zu heylen; dessen [321] Quelle entspringt zwischen denen
Bergen in einer annehmlichen Gegend / das Wasser ist heiß und wie siedend / von
einer Cristallinen Farb / mit (springet el???
heylsamer Bruunen.) annehmlicher Vermischung / als Himmelblau; die
Erfahrung bezeugt / daß die jenigen / welche eine halbe Maase / oder mehr
trincken / fühlen neue Kräfften / sowohl deß Hirns / als an andern Theilen deß
Leibes / und die jenigen / welche sich darinn baaden / werden von der
Wasser-Sucht und andern Geschwulsten curiret / und die welche böse Augen haben /
ja selbsten Inflammation / wann sie die Augen mit diesem Wasser waschen / werden
vollkommen geheylet.
(In Engelland wird an Ausrüstung selbiger Flotta zu
Chattam sehr erferig gearbeitet.) Das Geschrey / welches erschollen
als ob die Engellische Flotte im See seyn solte / davon wissen angelangte
Londische Brieffe vom 25. dieses nichts / sondern sagen hingegen / daß man
täglich an deren Außrüstung zu Chatam arbeite / und allen Zimmerleuthen in
andern See-Häfen Befelch gegeben worden seye / in dem zu Chatam zu arbeiten.
Dieses Staats Envoye Hr. Möring / so in Dennemarck gewesen / ist von dannen
alhier zurück angelangt und hat Ihro Hochmög. von seiner Verrichtung Anzeig
gethan. Es gehet ein Gerücht / daß die Sache wegen der Indulte noch nicht
verglichen seye / wiewohl die Spannische Brieffe das Gegentheil versichern.
(Der Engl. und Frantzös. Amdassaden??? geben
zugleich ein nach???ckliches Memorial an Ibro Hochmogenheit.)
Unterdessen verlanget jederman / ob und was die Frantzös. Flotte vornehmen
werde. Wie man vernimbt / so haben die Frantzösische und Englische Ambassadeurs
/ zugleich ein Memorial an Ihro Hochmög. übergeben / durch welches sie erinnern
/ daß im fall / wann die Flotten von beeden Cronen / durch Ungewitter auff ihre
Cüsten getrieben würden / man deßwegen keine Ombrage und Argwohn schöpffen
solte; welcher Bericht aber im Gegentheil verursachet / daß man in Seeland und
auff die übrige Cüsten / viele Stück Geschützes und gute Wachten hat auffführen
lassen. Nunmehr ist der Hr. Graff von Styrum nach dem Texel verreist / umb sich
auff die Flotte / welche er commandiren solle / zu begeben.
(Spannische??? Niederländ. Geschichten.) Von
Brüssel hat man / daß der Herr Marquis von Moncayo, welcher hiebevor Königl.
Spannischer Extraordinari Envoye in Holland gewesen / und nun zu dessen
Ambassadeur nacher Venedig ernennt worden ist / den 11. dieses von dar / mit
seiner gantzen Familie / seine Reise nacher Madritt zurück genommen habe / umb
dorten seine Instructiones zu empfangen / und ferners nacher Venedig zu gehen;
dessen ältester Sohn aber / ist in dieser Stadt geblieben / wird aber innerhalb
wenig (Marquis von Moncayo gehet???) Tagen /
nebst dem Signor de Baye, Capitain von der Cavol lerie / mit Erlaubnuß Seiner
Excellenz auch von hinnen nacher [322] Wien
abreisen / umb diesen Feldzug in Ungarn wider die Türcken zu dienen. Daß von dem
Frantzös. Ambassadeur in Portugall übergebenes Memorial / (Madrit und von dar nach Venedig.) wegen
Praetendirung 6. Millionen sc. hat den König in Portugal bewogen / daß er denem
frembden Ministris zu wissen thun lassen / daß Seine Majestät nicht dulten wolte
/ daß mehr als 6. Kriegs-Schiffe auff einmahl / sie seyen von Nation sie immer
wollen / oder was Vorwand sie hätten / in die Revier kommen sollen / und hätten
zu dem Ende / ihrem Commendanten von dem Tour und in andern Vestungen am
Meerbusem Ordres gegeben / auff die jenigen / welche darwider thun würden /
Feuer zu geben. Der (Vnd der Marquis de Vallers nebst
200. Personen nacher Ungarn.) Marquis de Vallers / deß Hertzogs von
Vejar / Bruder / ist aus Spannien anhero gekommen / umb in Ungarn zu gehen / und
dorten gegen die Türcken zu dienen / deme seine Frau Mutter / einen
Wechsel-Brieff / solchen in Wien zu empfangen / von 14000. Pistolen mit gegeben
hat. Er wird ehister Tagen von hier / nebst 200 / Personen / welche er auff
seine Kosten mit sich führet / seine Reiß nach dem Käyserl. Hoff fortsetzen.
Das zehende Capitel
Handelt von Schweitzerischen Zufällen / wie auch von deme / was aus Asia / Africa
und America diesen Monat schrifftwürdiges eingekommen ist.
AUs der Schweitz komt / daß 2. Edelmänner mit ihren Dienern auff (Schweitzer. Geschichten.) dem Weg nach Chur an
einem Busch / ein in weiß Leinwad eingewickeltes Kind sehen liegen / der eine
Edelmann befihlt dem Diener (Auff dem Weg nach Chur
begegnet zweyen von Adel ein nachdencklicher Znfall mit einem Kind.)
abzusteigen / und solches auffzuheben / und mit in das nechste Dorff zu nehmen /
der Diener dem Befehl seines Herrn zu gehorsamen / steiget herunter / als er
aber hinzu kombt / kan er es nit einmahl von der Erden bringen / die beede
Herren sich höchstens darüber verwunderend befehlen dem andern Diener auch
abzusteigen und jenem zu helffen / können es aber auch wie zuvor nicht einmahl
rühren / nachdeme sie nun lange gehoben / und gezogen haben / hebt das Kind an
und sagt / sie sollen es nur ligen lassen / sie würden es doch nicht
hinwegbringen können / daß wolte es ihnen nur sagen / daß dieses Jahr ein
köstliches und fruchtbahres Jahr würde geben / aber es würden sehr wenig es
erleben; als es nun dieses außgesagt / ist es vor ihren Augen verschwun [323] den; die beyde Hn. Hn. reiten
in höchster Bestürtzung fort / und als sie nach Chur kommen / zeigen sie es an /
darauff sie vor dem gantzen Rath eydlich verhöret worden / daß also an der
Gewißheit nit zu zweiffeln. Es sollen auch schon umb dieselbe Gegend in etlichen
Tagen viele hundert Personen gestorben seyn / wie dann dessen andere Freunde
mehr / von dar gebürtig / sichere Nachricht bekommen haben.
(Die 4. Evangelische Cantons balten eine Conferentz zu
Arran.) Sonsten ist zu Arrau von denen 4. Evangelischen Cantons eine
Conserentz gehalten worden; bey welcher ein junger Printz von Bareith / ein
Churfürstl. Brandenburg. Schreiben überlieffert hat / dessen Inhalt / in
Versicherung der guten Zuneigung und guten Intention Sr. Churfürstl. Durchl.
gegen die 4. Evangelische Cantons bestanden / deme auch einig Placards
beygeleget waren / welche das gute Tractament und Freyheit / so die
Frantzösische geflüchtete Protestanten / in Sr. Churfürstl. Durchl. Jurisdiction
und Landen / geniessen / bezeugten.
Den 5. dieses sind die Deputirten von Bern und Zürich / welche zum Hertzog von
Savoyen geschickt gewesen / unverrichter Sachen wieder zurück gelangt. Die
Intercessional-Proposition, so selbige vor die verfolgte Piemonteser bey Sr.
Königl. Hoheit dem Hertzogen von Savoyen gethan / lautet wie folget:
Durchleuchtigster Fürst und Herr sc.
(Die ???Intereessional-Proposition der Evangelis.
Eyogenoßschafft??? bey dem Hertzog von Garoyen vor die verfolgte Piemonteser
gebet ohne Frucht ab.) DIe Recommendation und Intercessionen / welche
gesambte Evangelische Ort der Eydgenoßschafft unsere Respective gnädige Herren /
für ihre Religions-Verwandte in denen Piemontischen Thälern Ew. Königl. Durchl.
Unterthanen / bey Ew. Königl. Durchl. Hrn. Praedecessoren glorwürdigsten
Angedenckens zu unterschiedlichen Zeiten sowohl durch Schreiben / als
Gesandschafften interponiret / seynd von denenselben jederzeit beliebet / und
niemahln unfruchtbahr gelassen worden. Derowegen unsre gnädige Herren auff
bedaurliches vernehmen / daß Ew. Königliche Durchl. jetzt gemeldten ihren
Unterthanen / die von vielen saeculis her genossene Religions-Freyheit zu
interdiciren / sehr starcke Gedancken gefast / haben sie kurtz verwichener Zeit
in guten Vertrauen auff Ew. Königl. Durchl. Clementz und Gütigkeit / durch ein
gründliches und bewegliches Schreiben für dieselbigen zu intercediren / aus
Christlichen Mitleyden und gemeinhabender Religion sich verpflichtet befunden.
Weiln aber Ew. Kön. Durchl. diß. Intercesion-Schreiben seithero ohne Effect
lassen wollen / haben sie zu [324] Bezeugung
ihres mehrern Respects gegen Ew. Königl. Durchl. und wie sehr tieff ihnen das
wider ihre Religions-Verwandte publicirte Edict zu Hertzen schneide / uns dero
Diener zu E. K. D. laut diesem Creditiv in Gesandschafft abgeordnet / umb
beforderst Ew. Kön. D. dero freundlichen Gruß zu hinterbringen / sie auch ihres
Respects nachbarlicher und Bundgenossischer Freundschafft zu versichern / und
Ihro zu Beförderung dero Staats-Interesse bey jeweiligen Anlässen ihre
Dinstwilligkeit anzubieten. Demnach E. K. D. auff das allerangelegentlichste zu
ersuchen / daß sie doch wolten die Einwohner der Valleés Evangelischer Religion
bey denen von E. K. D. Herrn Vorfahren / glorwürd. Angedenck. auff Intercession
und Recommendation so vieler Königl. und Fürstl. Ständen / auch auff unser
gnädigen Herren angelegentlichste Instantz und Vermittelung auffgerichteter
Assecurations-Patenten zu beständiger Geniessung ihrer Religion und Gewissens
Freyheit noch ferners zu mainteniren / und belieben zu lassen / gnädigst geruhen
/ zumahln gedachte Thal-Leuthe verhoffentlich wider obangezogene Patenten nichts
verfehlt oder gehandelt / welches sie dermahln erhaltenen Freyheit dißmahln
unwürdig und der angebohrnen Gütigkeit und Clementz ihres gnädigsten Fürsten
verlustig machen solte. Durchl. Fürst und Herr / die jenige hohe Potentaten und
Ständ / so hiebevor intercedirt / haben sich angeregter Intercessionen
vertröstet / unsere gnädige Herren haben auff selbige / und seithero erfolgten
Declarationen geruhet / so daß man in der gäntzlichen Zuversicht stehet / es
werden E. K. D. nicht zugeben / daß unter dero Namen / unter dero mildreichen
und glorwürdigen Regirung alle diese Transactionen / Concessionen / und Patenten
so uhrplötzlich enerviret / die Früchte aller voriger Vermittelungen unnütz
gemacht / die Absehen E. K. D. Praedecessoren / zu Erhaltung guter
Correspondentz und Freundschafft mit unsern gnädigen Herren Ew. Königl. Durchl.
besten Freunden und Nachbahrn hindan / dero eigne Land in Unruhe gesetzet / die
Gewissen ihrer Unterthanen durch Feuer und Schwerd gezwungen / ihr Leib und
Leben in Verzweifflung gestürtzt / und mehr angezogene Thäler mit Jammer / Elend
und Seuffzen erfüllet werden sollen. Wir bitten demnach Ew. Königl. Durchl. im
Namen unserer gnädigen Herren / so inständig als möglich / Sie wollen doch umb
dero eigenen Reputation / der lieben Justitz / dero Staat und Stands Ruhe / umb
der Christlichen Liebe / und umb so vieler armen unschuldigen / und in Himmel
schreyender Seelen willen mildreichere Gedancken abfassen / die execution ihres
Edicts suspendìren, zur Barmhertzigkeit dero Fürstl. Hertz neigen / so vielen
Blutvergiessen ihrer eigenen Unterthanen schonen / unserer gnädigen Herren so
trüngliche Fürbitt ansehen / [325] und zu
Trost ihrer armen Glaubens-Genossen etwas gelten lassen. Das wird das aller
gewisseste Versicherungs-Zeichen seyn / daß E. K. D. unserer gnädigen Herren
Freundschafft nicht minder als dero glorwürdigste Vorfahren gethan / in acht
halten / und sie dardurch verursachen / nechst höchster Danck-Erkantnuß bey
allen Vorfallenheiten mit angenehmen Dienstfälligkeiten ein solches zu
retribuiren. Und dieses ist / was wir im Namen unserer Herren Principalen / und
aus dero Befelch E. K. D. mit geziemendem Respect hinterbringen / Jh. Kön.
Durchl. und dero Durchleuchtigsten Hauß den köstlichen himmlischen Seegen
anwünschen / uns aber zu E. Königl. Durchl. hoher Benevolenz demüthigst
recommandiren wollen.
(Vermög Genffer Brieffen haben die Luterner Thäler von
denen Frantzös. und Savoyschen Völckern viele nieder gemacht.) Aus der
Stadt Genff wird vom 24. dieses advisirt / daß die Piemonteser Thal-Leut sich
noch wacker defendiren, und resolvirt bleiben / lieber mit dem Degen in der
Faust zu sterben / als sich zu ergeben / sie haben bereits sehr grossen Schaden
(wie man dann von 4000. Frantzosen und Savoyern Nachricht hat / die in
verschiedenen Treffen geblieben seyn) unter dero Angreiffern gethan / daß zu
Turin / Chambre / und andern Savoyschen Plätzen die vornehmste Familien die
Trauer / wegen ihrer Freunde / so umbkommen seynd / angelegt haben; Wie man sagt
/ sollen diese Thal-Leute durch verborgene Wege alle Zufuhr von Pulver und Bley
/ und Lebensmitteln aus dem Mayländischen bekommen (also daß sie nirgends keinen
Mangel erleyden) und die Savoyer auch gewarnet haben / sich wohl fürzusehen /
weilen sie mit nichts als mit vergiffteten Kugeln schiessen / wie man dann
versichert / daß wenig von denen Verwundeten wieder auffkommen.
Aus Asia / Africa und America ist mehrmalen nichts meldwürdiges eingangen.
ENDE
Desz fünfften Theils.
|| [326]
THEATRINOVI POLITICO HISTORICI
Sechster Theil /
Worinnen zehen Capitel Erzehlungs-weise wiederholen alle merckwürdige
Begebenheiten / so sich im Monat Junio deß 1686 sten Jahrs in der gantzen
Welt zu Wasser und Land ereignet haben.
Das erste Capitel
Erkläret ausführlich / was sich an dem Röm. Käyserl. Hof zu Wien / sowohl / als
in Böhmen / Mähren / Schlesien / Oesterreich und Steyermarck zugetragen und
begeben hat.
LAut Brieffen aus Wien / so waren Jh. Käyserl. Maj. den 30. passato zu Laxenburg
auff der Raigerpaitz / welche Ihr. Maj. die verwittibte Käyserin nach Baaden
(Käyserliche Geschichten.) auff ein
Mittagmahl und köstliche Maranda, wobey eine schöne Tafel-Music zu hören war /
eingeladen / nachdem haben sie sich wieder auff Neustadt erhoben; worauff den 1.
dito alle Cantzeleyen / und dero meiste Bedienten von dorten sich wieder [327] anhero begeben haben / denen den 5.
Ihro Käys. Maj. selbsten in höchster Person nachgefolget / also daß wir nunmehr
wider unsers allergnädigsten (Ihro Käys. Maj. langen
zu Wien an.) Käysers und Herrns höchst-erfreulicher Gegenwart zu
geniessen haben. Sonsten sollen nach Austheilung dieser Campagne beede Herren
Generalen Caprara und Starenberg bey Ihro Durchl. dem Hertzog zu Lothringen
(Austheilung der Generals-Personen bey allerseits
Armeen.) verbleiben / anderer Seits neben Ihro Churfürstl. Durchl. zu
Bayern Hr. General Leßle und Printz Louis von Baaden / gegen Ober-Ungarn die
Herren Generalen Caraffa / Heußler und Schärffenberg / und gegen Croaten Herr
General Schultz und Herr General Graf Philipp von Thun commandiren. Laut Poln.
Schreiben werden Ihro Königl. Maj. dero hochwichtige intentiones bey dem
Dniester der Soldatesca vor Augen stellen / aus welchen zu schliessen / daß
selbige Campagne mit der Hülffe Gottes sehr fruchtbar ablauffen werde. Es
verlautet / daß der Tartar-Cham sich starck zu Feld rüste / wohin aber ein und
anders Corpo zu gehen ausgetheilt / oder (Die Hussaren
von denen Gräntz-Vestungen in Vngarn streiffen glücklich ins
Türckische.) beordert werden möchte / ist annoch unbekandt. Die Hussaren
von Raab / Commorn / Vesprin / Pappa / und Tottis haben einen Streiff 4. Meilen
unterhalb Ofen und zwey Meil an das Türckische Lager gethan / und von dannen mit
etlich 1000. Stück Schaaf / in 700. Ochsen / und über 100. Pferd wieder
glücklich nach Commorn zurück gekommen / vom Feind aber weiter nichts
angetroffen / ausser die jenige / so das Viehe gehalten / welche sie theils
niedergehauen / theils gefänglich mit eingebracht. Der Spannische Feuerwercker
Sr. Gonzales rüstet sich ehistens nach Ungarn (allwo hin dieser Tagen abermalen
etlich 1000. Carcassen abgeführt worden) zu begeben / umb bey dieser Campagne
auch seinen valeur zu proestiren. Von denen Volonteurs selbiger Nation wird ein
Regiment von 8. Compagnien formirt. (Man bekom̅t Nachricht von der zwischen Polen und Moscau geschlossenen
Alliantz.) Endlich hat man durch den allhier arrivirten Käyserl.
Residenten am Polnischen Hof Herrn Schiemonsky die eigentliche Gewißheit der
würcklich zwischen der Cron Polen und Moscau geschlossenen Alliantz erhalten /
und ist nunmehro gewiß / daß die beede Czaaren die ruptur wider die Pforten
declariren, und selbiger den Krieg ankündigen werden. Durch den neulich aus
Schlesien zuruck gekommenen General Dünewald / welcher von Ihrer Käyserl.
Majest. umb der Chur-Brandenburgischen Auxiliar-Trouppen sehr langsamen Marsch
desto besser zu beschleunigen / dorthin geschickt / hat man soviel vernommen /
daß gedachte Völcker schwehrlich vor dem 15. hujus sich bey der Haupt-Armee
stellen werden / und weilen in denen mit Ihro Churfü???stl. Durchl. zu
Brandenburg auffgerichteten Tractaten expressè bedungen / daß gedachte
Regimenter allein unter deß Hertzogens zu Lothringen Commando stehen und agiren
solten / so bemühet man sich hiesiger Seits [328] dahin / wie man selbige disponiren möchte / daß / wofern Ihro
Hochfürstl. Durchl. die etwa bevorstehende Belägerung nicht selbsten führen /
sondern nur allein mit einer fliegenden Armee bedecken solte / deren dannoch der
halbe Theil zu der Belagerung gezogen werden möchte. Weil nun auch denen Türcken
kund gethan worden / daß der Christlichen Armee Absehen dahin gerichtet / bey
dieser Campagne mit aller force die Hauptstadt Ofen anzufallen (Ofen setzet sich in debörige defensions postur.) /
als bereiteten sie sich best-möglichste Gegenwehr herbey zu schaffen / inmassen
sie dann die Besatzung biß auff 12000. Mann der besten Janitscharen und Spahen
verstärcket / und umb mehrere Mannschafft durch unterschiedliche Chiausen sowol
bey dem Seraskier als Groß-Sultan angehalten. Der General Caraffa hat sich nach
eingezogenen ruckständigen Contributionen sowol von denen Debrezinern / als
andern umbligenden Orten mit seinem unterhabenden Corpo nach der Theiß auff
Zollnock begeben / umb alldorten nicht allein die vergangenen Winter hindurch
von der Käyserl. Militz conquestirte Orte zu behaupten / sondern auch auff allen
Fall dem General Schärffenberg alle möglichste Assistenz zu leisten. Den (Ein Hauptmann sambt seinem Diener wird in einem
Getraydacker tod gefunden.) 4. dieses ist ein gewesener Hauptmann /
Namens Michael von Schurtzenthal / ungefähr 22. Jahr alt / unweit hiesiger
Käyserlichen Favorita ausser dem Kärnter Thor jämmerlich und mit drey tödlichen
Wunden auff der Brust / auch andern Hieben in das Gesicht / sambt seinem Diener
/ welcher (weilen er vest gewesen / und der Mörder-Säbel ihme nur durch den Rück
gangen / er auch sich trefflich gewehret) mit Steinen grausam zerworffen gewesen
/ beede ermordet / und tod in einem Getraydacker gefunden worden / die Thäter
sollen so viel als schon bekandt seyn. Durch einen Expressen vom
Brandenburgischen Corpo ist Nachricht / daß selbige Vortrouppen allgemach in
Ungarn zum Vorschein kommen / und deren so langsamer Marsch verursachte die üble
Anstalten / weilen keine Brücken und Wege zu selbiger ihrer passage verfertiget
gewesen / und allererst durch ihre Zimmerleut und Commandirten haben gemacht
werden müssen. Die Sächsischen aber seynd Leopoldstadt schon passirt / und gehen
directè gegen Gran / umb welcher Gegend die Türcken mit etlich 1000. Mann von
Pest / unser Lager zu recognosciren / und was sie etwann sonsten von unserer
Armee erfahren könten / ausgangen / nach solchem aber sich wieder zuruck
begeben. (Die Schwäbische und Fränckische Craiß-Völcker
gehen nach Vngarn.) Die Schwäbische und Fränckische Crayß-Völcker in
2. Regimentern bestehend seynd den 5. zu Wasser arrivirt / den 6. einen Rasttag
gehalten / und den 7. so weiter nach Ungarn abgeführt worden; es ist ein
wohl-mundirte in 5000. zu Fuß und 1200. zu Pferd bestehende Mannschafft. Die
vorhero gemeldte zwischen der Cron Polen und Moscau geschlossene Alliantz [329] wird confirmirt / und haben sich die
Moscowitter einhellig dahin declarirt, gedachter Cron Polen in Ermanglung
anderer schleuniger Hülff 200000. Rhlr. zu besserer Fortsetzung deß Kriegs / biß
daß sie ihre Macht völlig zusammen bringen / gegen Einreichung der Landschafften
Smolensko und Kiovv baar zu erlegen. 2. Denen Erim̅ischen Tartarn
dergleichen diversiones machen zu lassen / damit Polen diesen Feldzug keine
weitere turbationes von ihnen haben möge / künsstiges Jahr aber wollen sie mehr
ernennter Cron mit ihrer völligen Macht wider den Erbfeind assistiren, zugleich
auch die Crimmische Tartarn durch ein besonderes Corpo bekriegen lassen / welche
offerten aller Orten überaus grosse Freuden verursachen. Die Mongatzische
Guarnison ist umb Lebensmittel zu suchen / aus der Vestung heraus geloffen /
weilen man aber umb selbiger Gegend einige Oerter wohl besetzt gelassen / (150. Rebellen ans Mongotsch geben zu den Käyserlichen
über.) als seynd dieselbe mit grossem Verlust repousirt worden;
Indessen seynd der Rebellen in 150. zu denen unserigen übergangen / welche alle
aussagen / daß in gedachter Vestung sehr grosser Abgang an Proviant seye. Der
schon eine lange Zeit in Caschau gefänglich gelegene vornehme Bassa ist endlich
gegen 50. gefangene Teutsche und so viel Ungarn ranzionirt worden. In Croaten
solle das Getrayd wegen unbeschreiblicher grosser Hitz in völligen Ruin zu
gerathen / in höchster Gefahr stehen / wie dann auch der Morast umb Canischa
völlig eingetrucknet / und ist in gedachtem Canischa die Theurung vermassen
angewachsen / daß ein Laib Brod / so allhier 2. Groschen / allda einen Rhlr.
kostet. Laut referirung aller der Orten ausgeschickten Kundschaffter haben sich
die in 30000. Mann zwischen Griechischweissenburg und Adrianopel gestandene
Asiatische und andere Völcker auff erhaltene Kundschafft der Käyserl. grossen
Macht völlig zertrennet / welche (Der Groß-Vezier
gebet von Bellgrad nach Adrianopel.) wiederumd zusammen zu bringen
schwehr fallen wird. Turch die geheime Correspondentz von Bellgrad wird nicht
allein die grausame alldorten von dem Donner entstandene Feuersbrunst confirmirt
/ sondern wird anbey berichtet / daß nachdem der Groß-Vezier dem zu Temeswar
annoch mit dem Teckely stehenden Achmet Bassa das Commando auffgetragen / und
sowol Ofen mit genugsamer Mannschafft als Essegg mit neuen
Fortifications-Wercken versehen lassen / wäre er zuruck nach Adrianopel
gekehret; und weilen bey dem Tückischen Hof ein allgemeiner Auffstand im
Archipelago besorget / als welches Land der meiste Theil von denen Christen
bewohnet werde / so seye er resolvirt / sich selbst dorthin zu begeben / umb
nicht allein allen besorgenden Tumult zu hintertreiben / sondern auch denen
Venetsanischen Waffen auff das beste zu widerstehen / [330] zu dem hätte gedachter Groß-Vezier
durchgehends der Christen schwehren Tribut auff ein merckliches erleichtert /
und hätte denselben durch ein offentliches Patent indulgiret, gleich denen
Türcken zu handlen und zu wandlen / auch denen Zahlversehern gemäß anbefohlen /
sie denen Türcken in Erlegung der Mauth gleich zu halten / dardurch er dann
nicht allein die Christen im vorigen Gehorsam zu erhalten / sondern dero
Gemüther zu gewinnen / und dieselbe von aller Auffruhr abzuhalien / sich
beflessiget. Den 6. dieses seynd 18. Regimenter bey Gran / die Sächsische und
andere Völcker aber noch (Deß Käysers Geburtstag wird
in schönster Galla zu Wien celebrirt.) bey Neuhäusel gestanden. Den 9.
ist Ihro Maj. deß Käysers Geburtstag / an welchem Sie das 46. Jahr ihres Alters
erreichet / solenniter celebrirt worden. Durch den von dem Herrn Feldmarschall
Lieutenant Grafen von Schärffenberg abgefertigten und den 15. hier arrivirten
expressen Courrier hat man so viel vernommen / daß ungehindert erstgedachter
General annoch keiner categorischen Resolution weder von dem Fürsten / noch von
denen Ständen in Siebenbürgen versichert worden / er dannoch mit seinem
unterhabenden Corpo biß in das Gesicht der Stadt Clausenburg gerucket / allwo er
von seinen ausgeschickten Kundschafftern erfahren / daß sich die Siebenbürgische
Militz auch unter Hermansstadt zusammen ziehe / was aber dero eigentliche
intention seye / könte er nicht ersinnen / dann ausser denen ihme zugeschickten
Vertröstungen er von selbigen Ständen weiters nichts erpressen können. Die
hiesige Siebenbürgische Gesandschafft aber hat den Käys. Hof versichert / daß
nun allbereit von dem gantzen Fürstenthum das Homagium Ihrer Käys. Majest.
praestirt und abgelegt seyn würde. Aus Polen melden die letztere Schreiben / daß
die Moscowittische Czaaren gleich nach geschlossener Alliantz einen Expressen an
Ihren bey der Ottomannischen Porten subsistiren den Gesandten abgefertiget / mit
Befehl / solche Alliantz dem Sultan zu hinterbringen / und ihm den Krieg / der
bey ihnen üblichen alten Gewonheiten nach anzukünden / und sich von dannen
herauswerts zu wenden. (Der fromme Capuciner ???.
Marcus de Aviano gehet zur Käyserl. Armee in Vngarn.) Der Capuciner
Herr Pater Marcus Avianus ist dieser Tagen auch von hier zur Käyserl. Armee
gereist. Ubrigens haben die Uberlauffer und etliche loßgemachte gefangene
Christen von Stulweissenburg nochmalen confirmirt, daß die daselbstige Vorstädt
durch eine unversehene Feuersbrust in die Aschen gelegt / und alles Proviant und
Fourage mit verbrannt worden / welches Unglück die darinnige ohne dem sehr
schwache Besatzung der Türcken dermassen bestürtzet / daß im Fall einer
Belägerung sie ohne grossen Widerstand sich ergeben würde. Den 10. hat man von
deß Spannischen Feuerwerckers eine grosse Menge von unterschiedlichen neuen
inventionen, Bomben / auch allerhand Sorten Granaten und Carcassen nebst vielen
an [331] dern zur Belägerung
erforderenden Nothwendigkeiten auff der Donau bey der so genanten Fahnstang nach
Ungarn abgeführet: Ingleichem seynd auch den 12. drey grosse geladene Schiffe
mit Proviant dahin abgeschifft worden. Vermög der zwischen Moscau und der Cron
Polen geschlossenen Alliantz und Verbündnuß wird die Soldatesca ersterer Nation
ehistens an den Fluß Dnieper / allda den Crimmisch- und Zaporischen Tartarn
Diversion zu machen / und den Herausmarsch zu disputiren gehen; die Dunstinische
Cossacken aber sollen an der Donau hinunter an das schwartze Meer gehen / und
nach beschehener conjunction mit denen noch übrigen Moscowittischen Völckern die
von denen Türcken am Ufer neu-auffgeworffene Vestungen (Ih. Maj. der Peter Czaar aus Moscauwill versöulich zu
Feld gehen.) demolliren, folglich in Crym einfallen / und alles / was
sie betretten / verheeren und verderben; Ihr. Maj. der Peter Czaar. will sich
selbst persönlich zu Felde begeben / und geben die Czaaren Ihro Königl. Majest.
in Polen zu diesem Türckenkrieg 500000. fl. gutes Geld: hingegen bleiben denen
beyden Czaaren die zwey Hertzogthümer Smolensko und Kiovv, wie auch die Ukraine
über dem Dnieperfluß; ingleichem was sie Moscowitter die Zeit hero in Littauen
abgezwackt haben / nebst der Gräntze biß hinein an das schwartze Meer auff ewig
vor eigenthümlich; über dieses soll auch kein Potentat ohne deß andern Vorwissen
und genugsame Ratification mit denen Türcken in keinen Frieden sich einlassen /
und wird auch auff alle Weiß und Mittel dahin getrachtet / Franckreich / Holland
und Engelland auch in diese Alliantz mit einzubringen. Nachdem Ihr. Durchl. zu
Lothringen bey der unweit Gran campirenden Käyserl. Armee / allwo auch das
Souchische Regiment ankommen / arrivirt / und die Völcker besichtiget / als
seynd dieselbige aus dem Lager gerucket / und sich hinwiederumb / nach langer
vorhero mit Herrn General von Starenberg gepflogener Unterredung nacher (Hr. Graf von Ladron gehet mit einigen 100. zu Pferd die
Türcken zu recoguosciren aus.) Commorrn erhoben. Obgedachter Herr
General von Starenberg hat unterm Commando Hn. Obr. Lieut. Grafen von Ladron
auff erhaltene Kundschafft / daß die Türcken abermalen mit 2000. Man̅ umb unser Läger in Augenschein zu nehmen / von Pest im Marsch
begriffen / alsobalden 100. Reuter / so viel Dragoner und Croaten / zu welchen
auch noch einige Ungarische stossen sollen / zu recognosciren ausgeschickt:
Indessen solle der Feind auch die Brücken bey Segerin passiren / sich mit denen
Ofner Türcken zu conjungiren / damit sie desto sicherer die Vestung Erlau mit
allen daselbsten abgangenen Nothwendigkeiten versehen möchten / welches aber zu
hintertreiben vom Herrn General Heußler best-möglichste Anstalten gemacht
werden. Von Zattmar kombt / daß einige Ungarische Partheyen von dar das
T???rckische Lager bey Großwardein recognosciret / und in selbigem kaum 1000. [332] wehrhaffte Mann gefunden / doch thäte
der Feind einen starcken Succurs hoffen / so dann bey Erlangung dessen einen
eussersten Versuch auff das Schloß St. Job zu tentiren willens seye / es ist
aber gedachte Vestung aller Nothdurfft nach / sowol mit genugsamer Mannschafft /
als auch allen andern (Zu Venedig thut eine
Feuersbrunst sehr grossen Schad en.) Angelegenheiten wohl versehen.
Aus Venedig hat man / daß daselbsten durch eine entstandene grausame
Feuersbrunst in 300. Häuser / nemlich die gantze Reyhe Häuser und Gebäue in der
Strassen Barbaria della Tavole, worinn alle Magazinen voll allerhand Gehöltz biß
an St. Justina Brücken / und weiter hinunter biß an die neue Fundamenta / theils
deß Hospitals / (Der Käys. nach der Armee adgeschickte
Obriste Hof. Cantzler Graf von Stratmann kom̅t mit guter
Verrichtung wieder zu Wien an.) die gantze Reitschule / und theils deß
Capuciner Closters / eingeäschert worden; dessen eine Wäscherin Ursach gewesen
ist / der Schaden / so an Holtzwerck geschehen / wird auff 300000. Ducaten / und
was an Gebäuen / Mobilien / und andern Sachen verbrannt ist / auff eine Million
geschätzet. Der Käyserl. Obriste Hof-Cartzler Herr Graf von Stratmann / so mit
Anfang dieses Monats von Ihr. Käyserl. Maj zur Generalität bey der Haupt-Armee
abgeschicket worden / ist den 14. wieder dahier glücklich angelangt / was dessen
Verrichtung gewesen / wird aus folgendem zu vernehmen seyn.
Extract-Schreibens de dato Wien vom 20. Junij.
Berichte / daß Ihro Käyserl. Maj. nachdem alle Generals schon von Ihro Maj.
Abschied genommen / und in die Campagne gangen waren / in der intention, daß
Stulweissenburg dem Schluß nach solte belägert und erobert werden / Ihro Maj. 8.
Tag hernacher vor sich allein das Werck weit???rs überlegt / und indem sie
considerirt, daß die Belägerung Stulweissenburg zum ersten nichts sonders
importire, und damit wenig im Königreich Ungarn könne gewonnen werden. Daß nach
deren Eroberung gleichwol die Armee würde ruhen / und diese Campagne weiters
keine Progressus machen wollen. 3. Die Belägerung auch sehr viel leyden würde /
indeme wenig Meil davon der Feind Ofen / und darin auff 20000. Mann Besatzung
hat / welche täglich die Belägerten inquletiren können. 4. Die gegenwärtige
Armee aber 60000. Mann starck / das Proviant wohl angeordnet / alle necessarien
mit aller Artillerie / Feuerwerck und Munition in solcher Menge im Vorrath ist /
daß man ein grosses werde ausrichten können. 5. Ofen [333] noch kein solcher Ort ist / der nicht
zu zwingen / wann man nur es recht angrieffe. 6. Obschon die Guarnison darinn
groß sey / doch dieselbe mehrentheils liederliches Gesindle / wenig Officier und
Bassen darinnen / und dieselbe (Ih. Käyserl. Maj.
geben Ordre Ofen zu attaquiren.) darzu noch sehr jung und unerfahren.
7. Der Feind keine sondere Macht dieses Jahr könne auffbringen / die Belägerte
zu succurriren. 8. Man die begangene Fehler wüste zu emendiren. 9. Man mit
stattlichen Miniers und Ingenieurs versehen sey; Also haben Ihro Maj. proprio
motu (Was selbige hierzn bewogen.) geschlossen /
daß Ofen solte belägert werden / durch dessen Fall gantz Ungarn könte in unsere
Hände wiederumb gebracht werden / und haben darauff dero Hof-Cantzlern Graf
Strattmann zur Generalität abgeschicket / derselben dero Resolution zu eröffnen
/ sie zur Einigkeit zu erinnern / und zu disponiren, daß sie wie ehrliche Leut
thun wollen / sonderlich Chur-Bayern / deme sonsten zugesagt ware / daß er ein
eigen Corpo führen solte / und dahero Ihr. Maj. besorgten / derselbe dörffte
davon nicht abstehen wollen / zu bewegen / daß er kein point de honeur daraus
machen / sondern dem publico zu lieb von seinem jure dißmalen abweichen wolte.
Gedacher Herr Graf kan (Die Käys. Gen. Personen
bezetzgen grossen Muth und unge. meine Courage zur Belägerung Ofen.)
nur nicht genug rühmen / wie freudig alle Generales Ihro Käys. Maj Befelch
übernommen / und mit was grosser Hoffnung und Muth sie die Belägerung angiengen;
Ich habe ein Diarium von Chur-Bayern gesehen / daß er schon den 15. Waltzen
vorbey / gerad auff Hattwann zugangen / den selbigen Ort wegzunehmen / und also
auff der Ober-Ungarischen Seiten solche Anstalt machen würde / daß von selbigen
kein Succurs könne hinein kommen. Der Hertzog von Lothringen ist den 16. dieses
schon ein Meil von Ofen auff der Unter-Ungarischen Seiten gestanden / 3.
Uberlauffer und ein Gefangener aus Ofen haben ausgesagt / daß die Guarnison
12000. Mann starck sey / welche sich nicht einbilden / daß es Ofen gelten werde
/ sondern vermuthen / es wäre nur ein finesse, und wir würden gähling auff Erlau
oder Stulweissenburg uns wenden. Der General Schärffenberg ist aus Siebenbürgen
zuruck beruffen / und beordert / an der Theiß stehen zu bleiben / damit / wann
etwann die Türcken auff der Ober-Ungarischen Seiten wolten den Succurs gegen
Ofen bringen / er es observiren / sie auffhalten / es berichten / so dann sich
zur Haupt-Armee ziehen; Der General Schultz mit seinen Croaten solle auff die
Essegger Brücken tentiren / was er kan / und vorstehen / wann der Feind etwann
eine diversion gegen Steyermarckt versuchen wolte / solte dann der Feind gegen
Ofen auff der Unter-Ungarischen Seiten gehen / so siehet die Haupt-Armee auff
selbiger Seiten ohne dem / die ihn beobachten wird / man wird [334] mit 30000. Mann alsdann ihme entgegen
gehen / und suchen zu schlagen / die Belägerung aber mit 30000. Mann continuiren
/ auff die Weiß / wie man es vorm Jahr mit Neuheusel gehalten. Die Belägerung
wird gantz regular geführt / und hinter sich circumvallirt, und das Volck auff
alle Weiß bedeckt / und geschonet werden / 2. Haupt-Attaquen wird man fuhren /
und eine kleine / die eine Haupt-Attaque wird an der Donau-Seiten / wo dem Ort
am besten beyzukommen ist / geführet werden. Der Churfürst (Cenereuse Antwort von Ih. Churfl. Durchl. in
Bayern.) aus Bayern / als der Stratmann die Proposition gethan / hat gar
generose geantwortet / das publicum seye ihm mehr als seine reputation, Ehr und
Leben angelegen / er suche seine Glory in einer vollkommenen submission gegen
Ihro Maj. weilen sie nun vermeynen / der Christenheit könne geholffen werden /
mit emportirung Ofen / so werde er gehorsamen ad omnem nutum, womit er allen
andern ein solches Exempel geben / daß keiner auff sich hätte kommen lassen /
den geringsten Schein zu geben / als wann durch seine praetension die gemeine
operation solte können gehindert werden / seynd also gantz einig / und wird GOtt
hoffentlich sich solches gefallen lassen / daß er ihre actiones wird mit
Victorien segnen; Die Chur-Brandenburgische werden die eine Haupt-Attaque führen
/ zu welchen noch 3000. Käyserl. Fußvölcker gestossen werden / dann man hat groß
Vertrauen und Hoffnung auff ihre Experienz, Conduite und Valeur.
Als Ihr Käyserl. Majest. Allergnädigster Will und Meynung (daß nemlich vors Erste
die Hauptstadt Ofen attaquirt werden solte) im Lager bey Bar???kan erschollen /
ist nicht außzusprechen / was die Soldatesca ins gesambt fur grosse
Freuden-Verzeugungen und courage hierzu erblicken lassen / also daß sie ins
gesambt versprochen / ihr Leben hierbey vor Ihro Käyserl. Maj. Und den
Christlichen Namen willigst auffzuopffern / wann nur dardurch besagte Stadt in
Ihro Maj. Handen wieder verfallen möchte. Den (Die
Käyserl. Armee bricht bey Barckan auff / und gehet vor Ofen.) 13.
geschahe der Auffbruch der völligen Armee über die Brücken gegen Gran. Den 14.
ist selbige bey Vicegrad arrivirt, welche den 15. ihren march ein Stund unter
Vicegrad fortgesetzet / und den 16. biß ein Stund vor Ofen angelangt. Den 17.
ist ein Rasttag gehalten worden. Den 18. hat sich die Cava??? Peri mit der
Infanteri conjungirt. Den 19. ist die Armee biß an die warme Bäder gerücket /
und den 20. ist der Orth völlig berennet worden; was nun in dieser denckwürdigen
Belägerung diesen Monat hindurch von Tag zu Tag vorgegangen / wird im andern
Capitel außführlich zu vernehmen seyn. Wir schreiten hier wieder zu den Käyserl.
Geschichten / und sagen ferner mit Brieffen von Wien / daß der Herr General
Caraffa dahin berichtet habe / daß sich die Türcken jenseit der Theiß starck
versammlen / und einen Anschlag auff [335] Zollnock haben sollen / weßwegen er dann auff den Nothfall Succurs begehrt /
widrigen falls protestirr, daß er einer andringenden grossen Macht mit seinen 4.
Regimentern nicht solte widerstehen / und gewachsen seyn können. Allhier ist der
Hertzog von Croy angelanget / so nun nach der Armee eylet / und seine (Viel Volunteurs kommen zu Wien an???.)
General-Feld-Zeugmeister-Charge dabey exerciren wird. Ingleichem seynd aus
Span̅ien der Hertzog von Vejar grand d' Espagne, sein Bruder
der Marquis di Valero, dessen Vetter und andere vornehme Herren anhero kommen /
umb als volontairs in Ungarn gegen die Türcken zu dienen. Hingegen ist (Hr. General Schultz gehet in Croatien.) der
General Schultz von hier nach Croaten auffgebrochen. Die Chur-Brandenburgischen
Vöcker seynd den 12. dieses Trentschin vorbey marchirt; Die in Mongatsch
bloquirte Rebellen beginnen nunmehro an Proviant einen Abgang zu leyden / und
wie die Uberlauffer aussagen / hätten sich selbige einhellig erkläret / biß auff
einen kleinen Termin sich annoch bey der Teckelin auffzuhalten / so fern dann
nun der versprochene Succurs nicht ankommen würde / seyen sie gezwungen / ihr
Glück anderstwo zu suchen / und weilen sie über vielfältiges Zusprechen zu
andern Gedancken nicht zu bringen wären / seye die Teckelin dahin bemühet / auff
allen Fall / so viel Mannschafft in Polen zu werben / als viel Ungarn weg zu
gehen willens wären. Der Teckely subsistirte annoch zu Temeswar. Herr General
Graf von Schärffenberg stehet noch mit seinem Corpo zwischen Bethlehem und
Clausenburg / deme die Sieben bürgische Landstände etlich 100. Metzen Habern
neben andern Victug???ien verschaffen lassen / und erwartet gedachter General
die Einantwortung einer importanten Vestung / zu Versicherung ihrer Treu / so
dann mit felbiger Militz aus dem Lande zu gehen / und ist von keiner conjunction
zu vernehmen. Den 20. haben Ihro Käyserl. Maj. abermalen einer Procession
beygewohnet / nach vollbrachter Andacht aber haben Sie Ihro Durchl. den Printzen
zu Pfaltz biß nacher Nußdorff begleitet / welcher nach eingenommein Mittagmahl
von dar / und nachdeme er sich von Ihro Majestbeurlaubet / in Begleitung einiger
Käyserl. Com̅issarien sambt dessen Hochfürstl. Gemahlin zu Wasser
nacher Regenspurg abgereist / von wannen sie sich nacher Heydelberg begeben /
und so ferner dero weitere Reiß nacher Düsseldorff (Ih. Hochfl. Durchl. der Teutschmeister reisen zu Wasser zur Käpserl. Armee
ad.) fortsetzen werden. Den 15. seynd Ihro Hochfürstl. Durchl. der
Teutschmeister zu Wasser zur Käyserl. Armee in Nieder-Ungarn mit 8. Schiffen
abgefahren. Es ist Nachricht / daß die Türcken / weilen sie vestiglich geglaubet
/ man werde Käys. Seits vor allen entweder Stulweissenburg oder aber Erlau
attaquiren / ihre Mobilien sambt Weib und Kindern auß erstgedachter Vestung
heraus / und nacher Ofen geflüchtel / welches ebenfalls drey von denen
Chur-Bayerischen erhaschte und gesänglich einge [336] zogene Türcken bestättigen / mit dem fernern Vermelden / daß der
Commendant in gedachtem Ofen abermah???n umb Succurs durch unterschiedliche
Schreiben angehalten / weiln sie Türcken nunmehro ihnen nichts gewe???ssers
einbilden können / als von der Christlichen Armee durch eine mehrmahlige
Belägerung angefallen zu werden. Laut Aussag einiger von dem Hrn. Castellan
Crakoweky als Polnischen Cron - Unter - Feldherrn Ihr. Königl. M???jest.
gefänglich nacher Stry überschickten Türcken und Tartarn / worunter einer deß
Sera???kiers Secretarius seyn und sehr viele Brieffe / so gar von dem Sulran bey
sich haben solle / seynd die Türcken und Tartarn meistentheils der zwischen
Moscau und der Cron Pohln geschlossenen Alliantz kund (Der Tartar Cham verbietet bey Lebensstraff daß sich von seinen Unterthanen
keiner aus dem Land degeben soll.) geworden / welches eine
erichröckliche Confusion und Schrecken unter ihnen causirt / also daß so gar der
Crim̅ische und Budziakische Tartar-Cham bey Leib und Lebens
Straff verbotten / daß sich nicht ein eintziger Tartar mehr aus dem Land begeben
solle / weßwegen auch der letztere seine in Ungarn stehende Trouppen zurück
beruffen.
Dem General Graff von Schärffenberg ist den 18. Ordre zugesand worden / daß
nachdem sich die Siebenbürg. Stände so weit erkläret / in 3. Plätze die Käys.
Guarnison einzunehmen / er gedachte Vestungen ohnverweilt mit gnugsamer
Besatzung belegen / mit allen andern Requisitis versehen / und darauff sich nach
der Theiß verfügen / mit dem Caraffischen Corpo sich conjungiren / sofort mit
gnugsamer Hand / und wann auch alle daselbst conquestirte Oerther mit allem
Nothwendigkeiten versehen / nach Pest sich wenden / über obgedachte
Schiffbrücken passiren / und in das Lager unter Ofen mit denen Unterhabenden
Trouppen stellen solle / damit gemeldte Belägerung nicht allein mit aller Macht
forigesetzet / sondern auch die Belägerer durch ein fliegendes Corpo von allen
feindlichen Uberfall bedeckt werden möchten.
(Die Ofner Türcken gerathen bey Erblickung der Christl.
Armee in grossen Schrecken.) Als die Ofner den 16. dieses die
Christlichen Armeen gegen Pest und Ofen sehen anmarschiren / seynd die Türcken
darinn in solche Bestürtzung gerathen / daß der Vezier weder mit Betrohung /
noch sonsten selbe zu armiren vermögt / biß er ihnen versprochen / daß er die
Extremität nicht erwarten / sondern bey anscheinender Gefahr zu Conservirung der
Mannschafft den Orth übergeben wolte. Indessen ist unsere Armee vor Ofen biß
58000. Mann verstärcket worden.
Von Griechischweissenburg hat man soviel Nachricht erhalten / daß nachdeme der
Moscowittische Gesande dem Groß - Vezier die Alliantz / so seine Czaaren mit der
Cron Pohlen wider, die Ottomannish. Pforten geschlossen / kund gethan / er
darauff auch alsobalden sich reißfertig gemacht / [337] ungeachtet ihme von dem Türck.
Gouverno nicht allein billige Satisfaction wegen der schon lang unterhabenden
Tractaten / die Gräntzscheidung betreffend / versprochen / sondern auch anbey
eine Verbündnuß wider die Cron (Der Moscowittische
Gesandte reiset ohnerachtet der angebottenen grossen Offerten von dem
Groß-Sultan eilends nach Hunß.) Pohlen und würckliche Hülffleistung
angebotten worden / wäre er doch von dort eylends adgereiset / mit der
außtrücklichen Beantwortung / daß man sich Türck. Seits gar nicht einbilden
solte / daß seine Czaarn / wann sie auch schon die mit Pohln würcklich
geschlossene Alliantz nicht eingegangen hätten / niemahln wider die Christenheit
mit dero Erbfeind in Tractaten sich eingelassen haben würden: auf diese so
unverhoffte Erklärung seye der Groß - Sultan alsobalden nach Constantinopel
gerücket / damit er sich nicht allein von der bevorstehenden Gefahr der
Pohlnisch. und Moscowittisch. Cossacken entziehen / sondern auch die alldortige
Einwohner durch seine Gegenwart von allem Auffruhr abhalten möchte. Der Groß -
Vezier hätte bey Adrianopel die Asiatisch. Völcker gemustert / weiln er aber
wider verhoffen eine sehr geringe Anzahl befunden / seye er annoch nit von
dannen auffgebrochen. Zu Griechisch - Weissenburg seyen zwar etliche Bassen mit
ihren unterhaben den Völckern angelanget / hätten aber expresse Ordre erhalten /
sich nicht über die Essegger Brücken zu begeben / damit das alldort in geringer
Quantität zusammen geführtes Proviant nit vor de Zeit auffgezehret würde. Weiln
man von Seiten deß Päbstl. Nuntii biß dahero beschäffliget gewesen / den Rest
der geistlichen Contributions-Gelder völlig zusammen zu bringen / so werden dem
Gen. Commissario Rabatta davon 200000. fl. zugestellet werden / und also die
Kriegs - Cassa nun bald in dem Stande seyn / die bevorstehende (Die Felb-Holpitäler zu Preßburg / Raab und Gran werden
in guten Stand gesetzet.) Außgaben bestreiten zu können. Wegen der
Feld - Hospithäler / so zu Preßburg / Raab und Gran auffgerichtet werden und
darüber der Herr Bischoff von Collonitsch die Ober - Inspection hat / ist auch
solche Anstallt gemacht / damit die Krancken und Blessirte eine gute Pflegung
haben sollen. Den 21. ist ein starcke in 130. Mann bestehende Compagnie von deß
Fürstl. Passg???uis Bischöfflichen Contingent hier angelangt / welche den 22.
nach Ungarn zu der Arnjee auffgebrochen / und wie man vernimbt / so ist auch ein
Königl. Schwedis Regiment von 100. Mann wegen deß Hertzogthumbs Pommern durch
die Marck - Brandenburg im würcklichen Marsch dahin begrieffen. Den 21. hat man
etlich beladene Schiffe mit Kißlingsteinen zu gedachter Armee umb selbige zu
Einwerffung bey der Belägerung Ofen zu gebrauchen / abgeführet. Weiln man
besorget / daß wegen beß trockenen Som̅ers frühzeitig an Fourage
mangeln möchte / als wird Vorsorg getragen / die Armee mit einer grossen
Quantität Habern zu versehen. Aus Pohln hat der Käyserl. Extraordinati Envoyé am
Königl. Pohln. Hoff durch eine Staffeta anhero [338] berichtet / daß selbiger Königl. Hoff besorget / fals das Corpo
unterm Hn. Gen. Schärffenberg in Siebenbürgen stehen bleiben solte / solches
leichtlich veranlassen könte / daß der mehriste Theil Türckischer Macht sich
dahin ziehen / und folglich Pohln in grosse Gefahr gesetzt werden möchte. Der
Hertzog von Sealona ist nebst einer grossen Gesellschafft den 23. auch nach
Ungarn abgereist / deme der Hr. Marq. de Castelmonigo den 24. gefolget. Ihr.
(Graff Johann Draßkowitz wird zum General
Wachtmeister in Croatien erklärt.) Käys. Majest. haben den Hrn. Grafen
Johann Draskowiß in Betrachtung seiner treugeleisteten Kriegsdiensten zum Gen.
Wachtmeister in Croaten allergnädigst ernennet. Obschon Ihr. Churfl. Durchl. aus
Bäyern / als dieselbe die Stadt Pest besetzet / und mit einer starcken Guarnison
sambt allen Nothwendigkeiten versehen / auch zu einer mehrern Fortification alle
Anstalten gemacht / hinderbracht worden / als ob die Türcken die Vestung
Hattwann auch abandonirten / hat doch der General Mercy / als welcher mit 6000.
Mann dorthin voraus geschickt worden / selbiges nit allein wohl besetzt befunden
/ sondern auch als er die Besatzung zur Ubergab ermahnen lassen / eine
abschlägige Antwort von derselben erhalten / also zwar / daß die alldort
inligende Türcken einen sehr grossen Ernst zur Defension erzeigen / darumb
gedachter General benöthiget worden / umb stärckern Succurs anzuhalten.
Den 25. seynd von dem Chur - Bäyrischen Hoff 2. Cammer - Jungfrauen in das
Königl. Kloster in beysein beeder regirender Käyserl. Maj. und (Die Hertzogin von Lothringen langt mit einer kleimen
Suite zu Passau an.) Ihro Durchl. der Churfürstin aus Bäyern
eingekleidet worden. Wie man vernimbt / so ist die Königin von Pohlen / als
jetzige Hertzogin von Lothringen / mit einer kleinen Suite von Inspruck zu
Paffau angelanget / umb alldorten dero Durchleuchtigste Frau Schwester die Ertz
- Hertzogin Maria Anna deß Chur - Printzens von Pfaltz Durchl. Frau Gemahlin /
bey dero Durchreise / zu sprechen / dann sie seithero vielen Jahren einander
nicht gesehen haben. Von denen Copreinitischen Gräntzen seynd 900. Croaten
außgangen / umb in das feindliche Selavonien zu streiffen; so ist auch eine
andere starcke Parthey von Carlstadt gegen den Unna - Strohm außgangen / von
deren Verrichtungen nechstens zu vernehmen seyn dörffte.
Aus Pohln von Stry verlautet / daß die Feldherren allbereit bey der Armee
angelanget / wohin auch bey Verlihrung deß Lebens alle Edelleuth / so in
Kriegs-Diensten stehen / citirt worden / und solle der König auch in etlichen
Tagen dahin auffbrechen; die Littauer seyn auch unweit von ihnen / der
Groß-Feldherr ist unterwegs erkrancket; die Königliche Abgesandte sollen
nunmehro nicht allein neben denen Moscowittisch. Commissarien / sondern auch
beyde Czaarn die Alliantz - Pacta beschworen haben / und wären auch würcklich
80000. Mann unter dem Commando deß Fürsten Golliczin als [339] primarii Ministri Herrn Bruder Fürsten
Portowsky auff ein gewissen Anschlag fortmarschirt. Aus Siebenbürgen wird
berichtet / daß daselbsten die völlige Militz auffsitzet / zu wessen Dienste /
seye unbewust / und weiln Herr (In Siebenbürgen gehet
die völlige Militz zu Feld.) General von Schärffenberg Claussenburg
besetzet / als scheinet es / daß die Sach vor die Türcken und den Teckely
daselbst gefährlich / vor die Christenheit aber vortheilig seyn werde. Sonsten
haben sich etliche 1000. Türcken / so bey Segedin gestanden / auff Vernehmen /
daß der Teckely geschlagen worden / zurück gezogen. Auff Befehl Ihro Durchl. deß
Hertzogen zu Lothringen hat der Commendant zu Leopoldstadt 10000. Pallisaden
machen lassen / welche auff der Waag biß nacher Comorra gebracht worden / und
von dorten auff der Donau biß nach Ofen geführt werden sollen; dahin auch noch
viele 1000. Schantzkörbe und Faschinen geschickt worden (Deß Königs in Engelland natürlicher Sohn Printz James
gehet als Volonteur in Ungarn.) seynd. Deß Königs in Engelland
natürlicher Sohn Printz James ist auch hierdurch nacher Ungarn gereist / umb als
Volonteur diese Campagne unter der Käyserl. Armee zu dienen / er hat eine grosse
Suite bey sich. Weiln nit allein die 10. Mörser / und 8. Stücke von neuer
Invention, sondern auch alle darzu destinirte Ingredientien / in die darzu
bereitete 20. Schiff eingeladen / als wird der Spannische Ingenieur Don
Gonsales, damit er auff die seinige inventirte Sachen selbst gute Auffsicht habe
/ mit denselben von hier auffbrechen / und gar nach dem Lager vor Ofen abführen
/ allwo er gleich bey seiner Ankunfft dieselbe auff 2. Batterien / so von denen
andern abgesondert / auffführen / und die Stadt / und derselben Einwohner darmit
infestiren wird. Den 29. seynd dessen Bedienten mit allerley Materialien
vorangangen.
Das zweyte Capitel
Tractiret von Ungarisch-Siebenbürg-Croatisch-Türckis-Moldauis- und Wallachischen
Geschichten.
BEy diesem Capittel werden wir das meist von Belägerung der (Vngarische Geschichten.) Königl. Ungarischen
Residentz-Stadt Ofen zu reden haben / es wird aber hoffentlich dem großgünst.
Leser nicht ohnangenehm fallen / wann ich diese Belägerung / als ein Werck von
so grosser Wichtigkeit etwas außführlich und in richtiger Ordnung hieher
verzeichnen werde / wor [340] mit
sichs also verhält: Nachdeme Ihro Churfürstl. Durchl. aus Bäyern zu End
verwichenen Monats bey dero Trouppen ohnweit Preßburg glücklich angelangt /
selbige in Augenschein genommen / haben sie sich so fort nach Com̅orn erhoben / und daselbst solang subsistiret / biß Ihro Durchl. der Hertzog
von Lothringen (nachdeme besagter Hertzog immittels von Raab auff der Post sich
nach Neustadt erhoben / daselbst grossen Kriegs-Rath gehalten / sich folgends
bey Ihro Käyserl. Majestät noch einmalen beurlaubet / darauff seine Ruckreiß
nacher Ungarn genommen / bey der Armee den 6. arrivirt / mit Herrn General von
Starenberg eine kleine Unterredung (Ihr. Churfürstl
Durchl. in Bäyern langen zu Comorren an wie auch Hr. Hertzog von
Lothringen.) gepflogen / und von diesem in seinem Gezelt tractirt worden)
wieder bey deroselben zu Commorrn angelangt seynd / woselbst beyde hohe Personen
so lang sich auffgehalten / biß allerseits Armeen von ihren Lagern so weiters
nach den assignirten Plätzen auffgebrochen seynd.
Den 6. stunde die völlige Käyserl. Armee eine halbe Stund dißseits Barkan / die
Churbäyrische / worzu von denen Käyserl. das Pacische Regiment beordret worden /
stunde 3. Meilen von uns gegen Com̅orrn zu. (Bericht von den Christlichen Völckern wo selbe im Anfang
Junii allerseits campiret.) Die Sächsischen campirten unweit der Waag
gegen Neuheusel / und theils von denen Churbrandenb. stunden gegen der Waag zu.
Der Hr. General Schärffenberg stehet mit 12000. Mann in Siebenbürgen. Herr
General Heußler stunde aber mit 3. Regimentern und etlichen Squadronen Hussaren
bey Zollnock. Hr. Gen. Caprara ist mit seinen Völckern aus Ober -Ungarn auch
angelangt / wie ingleichen der Gen. Mercy; der erste ist wegen Unpäßlichkeit
nach Preßburg gangen / umb sich daselbst curiren zu lassen. Den 7. seynd wir
noch stille gestanden / und weiln man diesen Abend Kundschafft erhält / daß aus
Ofen eine Parthey gangen / so seynd 1000. Pferd selbe zu rencontriren /
commandirt / welche diese Nacht außgehen.
Den 8. Morgends ruckte das Lager weiter die Donau hinauff gegen Commorrn zu / und
dieses deßhalben / damit man die Fourage etwas näher bey der Hand habe.
Den 9. hat man die Armee etwas weiters außeinander gehen lassen die Fouragiers
dardurch zu erleichtern. Dato ist Kundschafft eingelauffen / daß etlich 1000.
Türcken bey Segedin die Brücken passiren / und sich bey Pest setzen wollen.
Den 10. ist weiter nichts passiret / als daß man von dem Chur-Bäyeris. General
Rummel Nachricht erhalten / daß selbiger in seinem Herausmarsch aus Ober -Ungarn
mit einigen Trouppen / sambt der Artillerie dergestalten avanciret / daß er in
wenig Tagen in hiesiger Gegend zu stehen verhoffe.
|| [341]
Den 11. ist grosser Kriegs-Rath gehalten / und geschlossen worden / den Marsch
directè auff Ofen zu nehmen / und werden theils Regimenter bey Gran / theils bey
Commorren über die geschlagene Schiffbrücke passiren. (Es wird grosser Kriegs-Rath gehalten / und resolvirt recta für Ofen zu
gehen.) Die Parthey / die den 7. dito ausgangen / ist wieder zuruck
kommen / hat aber weder vom Feind was gesehen noch gehört / dahero diese Nacht
50. Hussaren und 30. Croaten gegen Ofen zu recognosciren ausgeschicket worden.
Den 12. Mittag seynd die ausgegangene Hussaren und Croaten wieder ins Lager
kommen / und haben 2. gefangene Türcken nebst 5. Pferden / (Aussag zweyer gefangenen Türcken.) so sie im
Fouragiren angetroffen / eingebracht / so viel man von ihnen vernimbt / solle
die Guarnison in Ofen in 14000. Mann starck von den besten Janitscharen und
Spahi unter deß Veziers Commando / welchem noch andere 6. Bassen zugegeben
worden / bestehen / und daß alle darinnige Inwohner / sowol Kauffleut / Armenier
/ und Juden / mit ihren Haab und Gütern sich anderwärtig salvirt hätten: an
Proviant wäre zwar kein Uberfluß darinnen / doch an Munition und
Kriegs-Instrumenten ein grosser Vorrath / der Feind soll noch nicht über 20000.
Mann zu Feld seyn. Heut ist Ordre ergangen / etwas näher an Barckan zu rucken /
umb morgen über hiesige Brücken gegen Gran über zu gehen.
(Die Käyserl. Armee passirt die Brucken zu Gran.)
Den 13. mit frühem Tage ist der Anfang über die Brücken gegen Gran zu passiren
gemacht worden. Die Chur-Sächsische haben darbey die Avantgarde gehabt / und hat
dieses selbigen gantzen Tag und Nacht hindurch gewähret; die Chur-Bayerische
seynd darauff gleich in unser Lager gerucket / und ist dabey ein Detachement von
4. Käyserlichen Regimentern gemacht / welche bey dem Chur-Bayerischen Corpo
bleiben / und Hatt. wann und Pest wegnehmen sollen. Unser Marsch wird gegen
Stulweissenbürg eingerichtet / umb den Feind zu veranlassen / ein Detachement
aus Ofen dahin zu schicken / ob sich aber dadurch die in Ofen bloß geben werden
/ wird sich zeigen. In der Insul St. Andreoe soll eine Brücke über die Donau
geschlagen werden.
(Langt bey Vicegrad an.) Den 14. ist bey
anbrechendem Tag die gantze Käyserl. Cavallerie gegen Vicegrad avancirt / weilen
aber die Pässe etwas eng / und man nicht nach Verlangen marschiren können / als
hat die Infanterie nebst der Artollerie unterm Commando Herrn General
Starenbergs zuruck bleiben müssen. Die Chur-Bayerische seynd auff der andern
Seiten der Donau gegen Waitzen marschirt / und ist alles so eingerichtet / damit
man auff den Nothfall einander secundiren könne.
|| [342]
Den 15. hat man den Marsch mit der Cavallerie biß eine Stunde unter Vicegrad
sortgesetzet / und folget die Infanterie jedesmals nach / die Vortrouppen haben
eine Türckische Parthey im Marsch angetroffen / welche aber (Trifft eine Tückische Parthey an.) nicht Stand
gehalten / und hat man bloß einen Gefangenen davon bekommen / so ausgesagt / daß
12000. Mann zu Fuß und 3000. zu Pferde guter Leut sich in Ofen befänden.
Den 16. hat man biß eine Stunde vor Ofen avancirt / und also den Ort ins Gesicht
bekommen.
(Haltet einen Rasttag.) Den 17. haben wir einen
Rasttag gehalten / weilen man nun darzu gnugsam Feld hat. Die Chur-Bayerische
marschiren auch in einer Fronte von der andern Seiten der Donau / und ist der
General Steinau mit 5000. Mann commandirt / Hattwann wegzunehmen / die übrigen
gehen gerad auff Pest zu. Dem vernehmen nach wird man vor Ofen 2. Attaquen und
zwar von Seiten deß Gerhardsbergs und von der Höhe / wo die warmen Bäder
gestanden / führen / eine unter direction deß Churfürstens aus Bayern / und die
andere unter dem Hertzog von Lothringen.
(Die Cavallerie conjungirt sich mit der
Infanterie.) Den 18. hat sich unsere Cavallerie mit der Infanterie
conjungiret / und hat sich diese eine Stunde disseits Ofen wieder gesetzt: die
Cavallerie aber an der andern Seiten / und zwar gegen Stulweissenburg sich in 3.
Theil getheilet / und Ofen rings mit Wachten eingeschlossen / im vorbey-Marsch
seynd unterschiedliche Stückschüsse heraus geschehen / so aber wegen der Weite
keinen Schaden gethan / ausser ein Handpferd ist erschossen worden: der Feind
hat bey dem Wiener Thor zu Pferd und zu Fuß sich zwar gezeiget / aber unerachtet
einige von denen unsrigen zim̅lich nahe an sie hinan geritten /
hat er sich doch nicht / wie er vor diesem wohl gethan / aus seinem Vortheil
begeben wollen / jedoch seynd 2. von ihnen und 1. Pferd erschossen worden.
(Kombt zu den warmen Bädern bey Ofen / und fasset
Posto.) Den 19. Junii ist das Lager wieder etwas näher und biß an die
warmen Bäder gesetzt worden / das Haupt-Quartier nebst einigen Regimentern zu
Fuß stehet eine kleine Viertelstunde davon / man erwartet nun die schwehre
Artollerie zu Wasser / und wird in wenig Tagen die Arbeit angehen. Ein (Der Commendant in Ofen ist ein Kauffmann / und trincket
sich täglich einen guten Rausch.) Janitschar / so heute übergelauffen
/ berichtet / daß der Vezier oder Commendant Abdy Achmann / von Profession
mehrers ein Kauffmann als ein Soldat / und sich täglich einen guten Rausch
trincket / 3000. Janitscharen / und 4000. andere Streitbare / so sambt Weib und
Kind in allem 10000. Köpff ausmachen / seynd darinnen / es sollen 2000. Mann
nach Erla und so viel nach Stulweissenburg aus Ofen commandirt worden seyn /
weilen die Türcken sich nimmer eingebildet / daß wir diesen Ort noch einmal zu
attaquiren uns unternehmen würden. Vor 2. Tagen habe der Vezier mit Ein [343] willigung seiner andern hohen
Officiers beschlossen / die untaugliche und junge Christen loß zu lassen / und
frey zu dimittiren, welches auch beschehen / (Beruffet
die Guarnison auff einen Platz zusammen / und ermahnet selbige zur tapffern
Gegenwehr.) nicht weniger hätte besagter Vezier die gantze Guarnison
auff einen Platz zusammen beruffen / und deß Groß-Sultans dahin lautende Ordre
ablesen lassen / daß ein jeglicher eine tapffere Gegenwehr thun / und von keiner
Ubergab bey Leib- und Lebens-Straffreden solte. Uber dieses habe der Groß-Vezier
dem Commendanten zu Ofen durch Schreiben bedeutet / daß der Groß-Sultan von
Adrianopel nach Constantinopel auffgebrochen / und er persönlich dißmalen in
Ungarn nicht kommen könte / sondern daß der Achmet Vassa als Seraskier
commandiren / auch dieser ein starcke Macht in (Beschreibung deß neuen Fortifications-Wercks in Ofen.) Ungarn
schicken werde. Das neue Fortifications-Werck in der Vestung anlangende / seye
ein grosse Cistern auff dem Platz erbauet / mit Wasser erfüllet / und mit einem
starck-bemauerten Gewölb eingefast / damit die Bomben nicht penetriren, und das
Wasser verderben möchten: an dem Ufer deß Donaustrohms seye ingleichem eine
lange starcke Mauer / welche mit unterschiedlichen Rondelen und Retiraden
bevestiget / biß an den Berg nicht weniger ein tieffer und breiter Graben auff
der andern Seiten gemacht worden / und an etlichen Orten / wo bey verwichener
Belägerung unsere Minen waren / contra Minen gelegt / mit untergrabenen
Ausfällen / also daß eine stattliche Vorsehung zur defension selbiger Stadt
gemacht / wie dann auch die meisten Dächer von denen Häusern hinweg genommen
worden / zumalen sie für gewiß verstanden / daß bey Formirung einer Belägerung
die Stadt durch Einwerffung der Bomben und Carcassen stets beängstiget werden
solle. So weit g???eng die Aussag deß zu uns übergeloffenen Janitscharen. (Ein Parthey Hussaren fängt einen Türckischen
Chiaus.) Eine Parthey Hussaren / so aus gewesen / hat einen Türckischen
Chiaus von 40. Türcken accompagnirt angetroffen / welchen sie dann sambt 30.
andern Gefangenen eingebrcht / die wenigste seynd theils entwischet / und theils
niedergehauen worden; besagter Chiaus kombt von Essegg / und hat Brieff nach
Ofen bey sich / woraus dann von dem Stand der Türckischen (Die Türcken abandoniren Pest / und reteriren sich mit
Sack und Pack in Ofen.) Armee ein und anders zu vernehmen seyn wird.
Von dem Chur-Bayerischen Corpo hat man heute Nachricht erhalten / daß die
Türcken in Pest dessen Ankunfft nicht erwartet / sondern den Ort verlassen / und
sich mit Proviant / Munition und Stück in Ofen salvirt / vorhero aber theils die
Mauern ruinirt / jedoch haben die Chur-Bayerische darinnen einen Aga mit 30.
Türcken / welche sich nicht in Zeit davon gemacht / ertappet. Eodem dato seynd
die schwehre Stück zu Wasser im Lager angelangt.
Den 20. seynd von gemeldten Stücken auff die gegen der Wasserstadt verfertigten
2. Batterien einige auffgeführet worden / selbige morgen spielen [344] zu lassen; an Schantzkörben und
Faschinen ist auch ein grosser Vorrath vorhanden / und thut der Donaufluß in
Zuführung aller Nothwendigkeit einen grossen Vortheil geben: die Schiffbrücke
bey der Insul St. Andreoe ist nun völlig perfectionirt / und wird an der Insul
St. Margaretha auch eine verfertiget / umb von allen Seiten secundiren zu
können. Es ist auch (Ein vornehmer Türckischer Officier
wird vor Ofen ertapp???t. Dessen Aussag.) dato im Lager ein Gerücht
erschollen / daß unsere Vortrouppen vor drey Tagen einen gewissen vornehmen
Türckischen Officierer / als er mit vielen Bedienten vor diese Stadt spatzieren
ge???i???ten / und von unserer Ankunfft gar nichts gewust / ertappet / und zu
dem Hertzog von Lothringen geführt haben / welcher offentlich ausgesagt / daß
die Besatzung in Ofen in 3000. Janitscharen / und 5000. andern Türcken effectivè
bestehe / welche alle sich auff das eusserste zu defendiren dem Commendanten
versprochen / als er vorhero mit der Besatzung diese Conditiones eingegangen /
wie daß nemlich er ihnen zu Anfang der Belägerung einem jeden 10. Rhlr.
auszahlen / einen schon lang im Arrest sitzenden Janitscharen frey heraus lassen
/ und die extrema, gleich wie die zu Neuheusel / nicht abwarten wolte.
Den 21. hat man angefangen die Trencheen gegen die Wasserstadt zu führen / und
avancirt die Arbeit unter faveur der Canonen zim̅lich. Die (Die Chur-Bayerischen passiren die Schiffbrücken / und
langen bey den Käyserl. vo??? Ofen an.) Chur-Bayer. marschiren über
die Schiffbrücke bereits herüber / und werden die Attaque / so sie vor 2. Jahren
gegen das Schloß geführet / diesesmal wiederumb fortsetzen: der Hertzog von
Lothringen hingegen wird an der Seite der Wasserstadt operiren, die
Chur-Brandenburgischen aber lincker Hand von der Wasserseiten. Diese Nacht haben
5. Türcken von Ofen aus sich über die Donau gesetzet / in Meynung / etwas von
denen Chur-Bayerischen zu bekommen / seynd aber von der Reuterwacht vermercket /
4. davon tod geschossen worden / der fünffte hat sich mit dem mitgeha???ten
Schiffe salvirt.
(Hr. General Palffy gebet aus Mangel Fourage mit der
Cavallerie gegen Stulweissenburg.) Den 22. hat sich die Reuterey
unterm Commando deß General Palffy mehrentheils gegen Stulweissenburg gesetzet /
wegen der Fourage / so bereits sehr genau zusammen gehet / desto besser
subsistiren zu können: 2000. commandirte Reuter aber allein hier stehen
geblieben / die Arbeiter zu bedecken; der Feind hat diese Nacht starck heraus
geschossen / worüber 9. von den unserigen tod geschossen und blessirt worden.
Den 2???. Auff eine von denen 2. Batterien seynd diese Nacht drey halbe (Die Maner in der Wasserstadt wird meistens
ruiniet.) und 3. viertel Carthaunen geführt / und dadurch in die Mauer an
der Wasserstadt Breche gelegt worden / mit solchem effect, daß selbige meistens
herunter ligt / es scheinet / daß der Feind nicht eben grossen Eyfer anwenden
wolle / selbige zu defenditen, indeme man fast nichts von Leuten / wol aber [345] eine grosse Menge Rinder und Schaafe
darunter gehen siehet / wird also ehistens ein Sturm darauff geschehen. Diese
Nacht seynd einige Tolpatschen und Ungarn zu Wasser Ofen vorbey gangen / und
haben sich 3. Meil weiter hinunter gesetzt / da sie dann 14. Tscheicken oder
Schiffe mit 500. Personen / so mehrentheils mit Weibern / Kindern und Mobilien
angefüllt gewesen / angetroffen / sich derselben bemächtiget / mehrentheils
davon niedergehauen / theils aber gefangen genommen / da es wieder reiche Beute
gesetzet; diese Geflüchtete sollen aus Pest gewesen seyn.
(Und folgends darinnen Posto gefast worden.) Den
24. Die Breche auff die Wasserstadt ist heute auff 20. Schritt breit geleget /
und darauff Nachts umb 10. Uhr gestürmet worden / und hat man ohne Verlust
einiges Manns darinnen Posto gefasset / indeme der Feind den Ort zeitlich
verlassen / und seynd nichts als etliche verhungerte Pferd darinnen gefunden
worden.
(Der Feind läst seine Stück tapffer hören.) Den
25. Diese Nacht hat man sich starck in der Wasserstadt eingegraben / vor deß
Feindes Stücken sicher zu seyn / es ist aber ungefähr eine Stückkugel in die
Approche vor der gemachten Breche gefallen / und dardurch ein Lieutenant nebst
5. Granatierern geblieben. Noch diesen Abend geschahe vom Feind mit 1000. Mann
ein Ausfall auff unsere in der Wasserstadt vergrabene Musquetirer / und hat es
ein zimlich hartes Gefecht gesetzet / unser Seits seynd etliche tod und blessirt
/ jedoch ist der Feind auch sich mit Hinterlassung 10. biß 12. Todten zu
reteriren obligirt worden / der Feind läst seine Canonen unausgesetzt hören /
und wo sie nur 2. oder 3. beysammen sehen / wird Feuer darauff gegeben / und ist
dem Comte de Marsille, so unsere Minirer commandiren sollen / auff solche Weiß /
indem er bey einem Ingenieur gestanden / der Arm entzwey geschossen worden.
(Thut starcke Ausfälle.) Den 26. Mittags hat der
Feind abermalen einen Ausfall in 2000. starck gegen die Wasserstadt gethan /
welches dann meists das Starenbergische Regiment betroffen / und ist dabey ein
Hauptmann nebst etlichen Gemeinen blessirt / und bey 20. tod geblieben / vom
Feinde wurden auch etliche und 30. tod geschossen.
Den 27. hat man weiter nicht avancirt / indeme man nur suchet / sich in seinem
Posto sicher zu stellen / und von den Ausfällen zu verwehrn / die Arbeit gehet
darumb etwas schwer her / weilen alles von vestem steinichten (Die Chur-Bayerische weiffen Bomben ??? die
Vestung.) Grund ist. Die Chur-Bayerische haben von Seiten deß Gerhardbergs
unterm Blockhauß eine kleine Batterie auffgeworffen / von welcher sie schon
einige leichte Bomben in die Stadt werffen. So bald die Chur-Brandenburg. werden
ankommen / und die Attaquen von allen Seiten recht eingerichtet seyn / wird sich
die Cavallerie noch weiter extendiren, und dörffte der [346] Hertzog zu Lothringen damit gegen
Essegg gehen / und dardurch dem General Starenberg die direction der Belägerung
überlassen werden. Der Ri???meister Budiani hat Relation erstattet von der
Action / welche die Hussaren und Heyducken den 23. dieses auff einige gegen Adom
über gelegener Insul (Ri???meister Budiani thut
Relation von der Action / so auff der Insul S. Margaretha mit denen aus Pest
geflüchteten Türcken vorgegangen. Die Ducaten werden Metzen und Hüttvoll
weiß getheilet.) St. Margaretha mit Schiffen geflüchtete Türcken und
Mobilien gethan / und sollen darbey 1000. Türcken niedergehauen / 30. aber
gefangen worden seyn; Ingleichem seynd auch bey 100. der schönsten Weiber /
worunter deß Vice-Bassa Weib selbsten seyn soll / welche bereits grosse Rantzion
gebotten / ins Lager gebracht / umb selbige zu verkauffen; die Beuten seynd
dergestalten beschaffen gewesen / daß die Ducaten gantz Metzen und Hüt voll
zusammen geschüttet und getheilet worden: über dieses seynd viel Scharlach /
seidene Zeug / rare Türckische Kleyder und andere kostbare Mobilien erbeutet
worden. Einige von unsern Dragonern seynd zwar auch mit dieser Parthey
commandirt gewesen / diese seynd aber etwas zu spät gekommen / jedoch ist ihnen
der dritte Theil der Beute zuerkandt: Man hat einen Bauren gefangen bekommen /
welcher Brieff nach Ofen bringen sollen / diese seynd von der Ottomannischen
Pforten an den Vezier und commandirende Officiers zu Ofen geschrieben / mit
Bericht / daß weilen ihr Käyser strangulirt / und man im Werck begrieffen /
seinen Bruder an seine Stell zu erwählen / (Es wird ein
Bauer gefangen / bey welchem man Brieff von der Ottomannischen Pforten an
den Vezier in Ofen lautend gefunden.) dahero bey solchem confusen
Zustand deß Ottomannischen Reichs keine starcke Militz nach Ungarn geschickt /
noch sie succurriret werden könten / sie solten sich doch bey allem diesem
Zustand als ehrliche Leut getreu und wohl verhalten. Von denen Chur-Bayerischen
wird eine Batterie verfertiget / von welcher sambt der zu Pest verfertigten der
Thurn am Wasser / so die Stadt und Schloß zusammen schliesset / beschossen
werden solle / durch welche Batterien auch die Schiffbrücke / welche der Feind
bey Verlassung Pest nur halben Theils abgetragen / auff die übrige aber Stück
gepflantzet / ruinirt werden solle / weilen selbige die Schiffarth von einer zur
andern Seiten hindert.
(Gute Anstalt im Käyserlichen Lager.) Den 28. ist
die Anstalt gemacht / daß in denen Trencheen jedesmal ein General Feldmarschall
Lieutenant nebst einem General Wachtmeister das Commando führen solle / womit
dann vorgestern durch den Teutschmeister / so ein Printz von Neuburg ist / nebst
dem General Wachtmeister Dieppenthal der Anfang gemacht worden / und werden
diese durch den General Feldmarschall Lieutenant Souches und dem General
Wachtmeister Thüngen alle 24. Stunden abgelöst. 2000. Mann gehen allzeit in die
Trencheen / und ligen jedesmal zugleich 6. Battaillonen in der reserve, auff den
Nothfall die andern gleich secundiren zu können / und wird es bey der [347] Chur-Bayerischen Attaque / wobey auch
die Chur-Sächsischen Trouppen stehen / von Seiten deß Schlosses eben auff
gleiche Weiß gehalten. Es wird ein lange Parallel-Linie gegen der Stadt über
400. Schritt lang vor (Die Chur-Sächsische Trouppen
seynd bey der Chur-Bayerisches Attaque.) dem Posto rechter Hand /
allwo der Angel ist / biß zu dem mittlern Thor gemacht / und die neue Batterie
mit Lauffgräben gegen 200. Schritt lang versichert / und ist etwas erweltert.
Beynebens hat man 13. schwere Stück auff das Rondel rechter Hand / und 4. auff
das Rondel lincker Hand sambt zugehörigen Schantzkörben umb deß Feindes Ausfall
und defension desto besser und füglicher verwehren zu können / gepflantzet. Der
Feind schiesset unauffhörlich mit Stücken / hebet auch an mit Bomben / Steinen /
und von dem grossen Rondel mit Granaten heraus zu werffen / womit sie dann
bißweilen zim̅lichen Schaden thun. Heut seynd 2. Compagnien
Passauische und Regenspurgische Völcker ankommen / die Chur-Brandenburgische
aber werden inner 4. biß 5. Tagen erwartet / welche nun bey Commorrn stehen /
und hat der General Schöning durch seinen General Adjutanten deßwegen die
notification an Herrn Hertzogen zu Lothringen thun lassen. Der General Dünewald
ist nun auch zu der Cavallerie gegen Stulweissenburg gangen / und wird selbigem
der General Caprara folgen / und darauff dieser das Commando über die Cavallerie
führen. Die Türcken (Die Türcken verlassen einige Ort
gegen Stulweissenburg.) haben etliche Ort gegen Stulweissenburg
selbsten verlassen / welche die unsrigen besetzet / und dörffte Palotta, wann es
sich nicht selbsten ergibt / mit Gewalt gezwungen werden / weilen man den
Fouragierern von allen Seiten Sicherheit verschaffen will. Die Bagage-Pferd von
der Armee sollen jenseits der Donau an den zwischen Neuheusel und Gran
assignirten Orten stehen bleiben / damit auch selbige mögen conservirt werden.
Den 29. ist durch die Arbeiter die Mauer umb das herunter Thor durchgebrochen
worden / und thät man diese gantze Nacht und Tag hindurch mit der Arbeit
fortfahren / und wurd alles dergestalten eingerichtet / damit man einander sehr
füglich secundiren könne / wobey dann der General Starenberg seine
circumspection sehen lässet: Die Communications-Linie von dem letzten und
mittlern Thor wird auch dahin gezogen / damit man bedeckter in die Batterie
gehen könne / man wird aber damit 2. oder 3. Tag zu thun haben; rechter Hand in
dem Lauffgraben unter der Batterie (Die Türcken thun
einen furiosen Ausfall auff die Chur-Bayerische.) wird ein Kessel auff
4. Mörser gemacht. Diesen Abend umb 5. Uhr geschahe auff die Chur-Bayerische von
3000. Türcken ein furioser Ausfall / worbey es dem Feind also geglücket / daß
70. biß 80. Mann theils blessirt / theils niedergehauen worden / und ist unter
den letztern Herr von Zwitterthal / Obrist-Lieutenant vom Steinguischen Regiment
/ die Confusion war dabey [348] zim̅lich groß: dem Printzen von Savoyen ist das Pferd unterm Leib tod
geschossen worden / und seynd einige andere in nicht geringer Gefahr gestanden.
Der Obrist. Lieutenant Hofkirchen ist endlich obligirt worden / mit seiner
Reuterwacht die Chur-Bayerische zu secundiren / worauff die Türcken sich
reterirt / sie haben zwar auch einige Blessirte und Todte bekommen / so sie aber
mit sich in die Vestung hinein geschleppet. Dato Nachts umb 10. Uhr hat man die
Prob von vorgemeldten 4. Mörsern gethan / so meistens guten Effect nach sich
gezogen / auch ist die gewöhnliche Ablösung durch den Gen. Souches und Thüngen
in den Trencheen geschehen.
(Die Schwäbische und Fränckische Craiß-Völcker langen im
Lager an.) Den 30. seynd die Schwäbische und Fränckische Trouppen auch
im Lager angelangt: Immittels avanciren die Chur-Bayerische mit approchiren und
Verfertigung der Batterien / und Kessels starck / indeme sie deren bereits 3. zu
Stand gebracht / und darauff unterschiedliche Stück gepflantzet haben / welche
aber nicht ehender als die unsrigen / und also mit gesambter (3. Rätzen gehen mit 150. Schaafen zu den Christen
über.) Hand spielen werden. Dato seynd 3. Rätzen mit 150. Stück Schaafen
zu uns heraus kommen / welche confirmiren / daß ein solche consternation unter
der Besatzung in der Vestung obhanden / daß so fern sie nicht ehistens secundirt
würden / der Ort unfehlbar in die Christen-Händ fallen würde. So viel vor dißmal
von der Belägerung Ofen / die Continuation folget im nachgehenden Monat.
Hiebey ein Extract-Schreibens aus Raab vom 15. Junii.
(Ein Franciscaner-Münch thut schöne Proben von einem
künfftigen Feuerwerck.) Der Franciscaner Münch hat zu Raab in
Gegenwart deß Hof-Cantzlers von seinem Feuerwerck schöne Proben gethan / die
erste Bombe / so er geworffen / hat sich tieff unter die Erde verschlagen / nach
einer guten Weile hat die Erde angefangen zu wülen / und hat selbe in die Höhe
gleich einer Mine geworffen / ist so dann in viel 1000. Stück zersprungen / die
andere hat ein grausames entsetzliches Feuer gemacht / daß sich niemand hinzu
getrauet / ist so dann in 2. Theil zersprungen / und hat jeder Theil 12. neue
Feuer gemacht / welche alle von sich geschlagen / daß niemand auff die Nähe sich
wagen dörffen. Die dritte Kugel warff er unter die Pallisaden / welche sich in
lauter kleine Theil zertheilet hatte / und hat auff einmal über 100. Pallisaden
angez???ndet / man hat die Leut hinzu gelassen zu löschen / es ist aber nicht
möglich gewesen das Feuer zu dämpffen / biß alles zu Aschen war / und
dergleichen mehr / innerhalb 14. Tagen will er 600. dergleichen fertig haben.
|| [349]
Die Vestung Mongatsch anlangende / ist diesen Monat die Blocquada daselbsten
völlig auffgehoben worden / ohne daß 3. nahe gelegene Ort noch besetzet
geblieben / und hat Herr General Caraffa die allda campirende Völcker völlig bey
Zollnock an sich gezogen / umb dem Feind desto gewachsener (Die Teckelin in Mongatsch bringet einen jungen Sohn
auff Welt.) zu seyn: Immittels vernimbt man von dar / daß die Teckelin
einen jungen Sohn zur Welt gebracht / und weilen die Ungarn von ihr meistens
ausgerissen / als hat sie der Teutschen Besatzung doppelten Sold reichen lassen
/ umb dieselbe zu besserer Verharrung und beständiger Treu gegen sie zu
animiren.
Aus Ober-Ungarn verlautet / daß der Bassa von Groß-Wardein mit 1500. Türcken zu
Pferd gegen St. Job gerucket / einigen Versuch alldorten (Der Bassa von Großwardein wird vor St. Job tödlich
bleffirt.) zu thun; nach dem er aber mit unsern Hussaren / so
daselbsten in Guarnison ligen / einige Stunden scharmutziret / und nichts
ausrichten können / hat er nach Hinterlassung 30. Todten sich nebst etlichen
Wägen voll Verwundeten / wie er dann selbst tödlich blessirt ist / wieder zurück
gezogen / und drohet ehistens mit einer grössern Macht dahin zu kommen.
(Siedenbürg. Geschichten.) Aus Siebenbürgen kombt
/ daß der Teckely in 3000. starck von Türcken / Tartarn und Ungarn bey dem
Fürsten Abbaffy den Paß durch sein Land nach Mongatsch zu gehen / begehrt /
nachdem er ihm es verweigert / hat er solchen mit Gewalt zu suchen vermeynet /
ist aber von der Fürstl. Militz zuruck getrieben / und ihme Teckely 300. Mann
zuschanden gemacht worden.
(Croatische Geschichten.) Aus Croaten hat man
neues / daß die Völcker deß Bani und andere National-Trouppen selbigen
Königreichs mit einigen 1000. Mann Teutschen (Ein
Türckisches Dorff ergibt sich in Käyserl. Schutz.) Völckern
verstärcket worden seyn. Eine Parthey selbiger Völcker hat wieder ins Türckische
gestreifft / und 800. Stück Viehe zurück gebracht. Sonsten seynd aus einem
Türckischen Dorff bey Walpo die Einwohner mit Weib und Kindern / Haußrath und
Viehe / nach Verovititza kommen / sich der unsrigen Schutz zu ergeben. Eine
Parthey von 800. Ungarn unterm (Die Guarnison von
Salawar überrumpelt die Türckische Stadt Muhacz) Generalat deß Hn.
Grafen Budiani / welche der Commendant und Capitain von Salawar Abbt genant /
geführet / hat von gedachtem Salawar / so 2. Meilen von Canischa ligt / einen
Streiff in das Türckische gethan / und den 28. passato vor Tag die kleine Stadt
Muhacz / an der Donau gegen der Essegger Brücken gelegen / überrumpelt; es hat
die darinnige Türckische Guarnison sich zwar tapffer defendiret / wurden aber
endlich gezwungen sich in die Donau zu begeben / und mit schwimmen zu salviren /
darinnen aber viele ersoffen seynd. Einige salvirten sich in ein klein Schloß an
der Donau / theils aber wurden gefangen / und die übrigen niedergehauen; woraust
die Ungarn den Ort gantz und gar eingeäschert / und viele Wägen mit Gesangenen
und Beuten beladen / mit sich zurück [350] gebracht haben; diese Gefangene confirmiren auch / daß zu
Griechischweissenburg 4000. Häuser nebst dem Schloß und sehr viele Speicher mit
Korn (und machet gute Beuthen daselbft.)
abgebrand seynd: und fügen hinbey / daß in Boßnia ein Corps d'Armeè zusammen
geführt worden / umb gegen Essegg zu marschiren / aber wegen Mangel der
Lebensmitteln viele außgerissen seyen / und selbiger Bassa also gezwungen worden
wäre / mit dem Rest solcher Völcker wieder zurück in (Der Donner schlägt in die Stadt Bihatz und bringt seldige zu Brand.)
Boßnia zu kehren / und sie in die Quartire zu verlegen / damit selbige nicht
Hungers stürben. So hat auch der Donner in die Stadt Bihatz geschlagen /
wordurch diese die Helfft nebst vielen Türcken verbrand worden. Daß die Vorstadt
zu Stulweissenburg den 27. passato abgebrant / continuirt / so aber die Türcken
nit selbsten angestecket / sondern es ist das Feuer ohnvermuthet außkommen /
dergestalten daß nit allein besagte Vorstadt / sondern auch ein guter Theil der
Stadt nebst vielen Proviant / und Fourage verbrand / und eingeäschert worden ist
/ welches bey der darinnigen Türck. Guarnison grossen Schrecken verursacht hat /
massen anjetzo solcher Orth fast ohne Mühe könte eingenommen werden.
Von der Türckischen Armee hat man dato keine Nachricht / obwohln bey Essegk
einige Bassen ankommen / die aber aus Mangel Proviants wider zurück gekehret;
bey solcher der Sachen Beschaffenheit dörffte keine grosse Macht gegen uns
heraus kommen / welches durch die verbrannte Magazinen (Von 4000. neugewordenen Türck. Soldaten gehen 3000. durch.) zu
Griechisch-Weissenburg verhindert wird. Die Furcht und Schrecken solle sich bey
denen Türcken auch vermehren / und ist dermassen eingewachsen / daß von 4000.
Mann / so in Albanien geworben worden / und nach Ungarn gehen sollen / mehr
nicht dann 1000. daselbst angelangt / die übrige die Flucht genommen hätten.
Den 26. passato seynd 600. Mann vom Bano Croatiae gegen das Türckische Schloß und
Stadt Bushìn, so 2. Meilen von Petrinia und 5. von Bihach gelegen / marschiret /
solche in 4 Stunden lang attaquiret; weiln aber der Orth auf einem steinigten
Gebürg gelegen / und wohl verbauet ist / und die Croaten kein grob Geschütz bey
sich gehabt haben / sind sie gezwungen worden / sich zurück zu ziehen; haben
aber alle Häuser ausserhalb der (Eine Parthey Croatë
bringet viel Viehe ein.) Stadt abgebrandt / 5. Türcken erlegt / und
einige andere gefangen / nebst 3000. stück groß und 1000. stück klein Viehe mit
sich zurück gebracht; Ingleichem haben sie ohne einigen Verlust 150. Wallachen /
als Männer / Weiber und Kinder anhero geführet. In Novi ist ein solcher starcker
Wind gewesen / daß deß Türck. Capitalns groß wohlgebautes Hauß von grund übern
Hauffen geworffen worden ist.
(Die Türcken demoli???en) Zwischen der Drab und
Sau haben die Türcken alle fesie Plätze demolirt / die Besatzung und Artillerie
aber nach Essegk überblacht / dabey alle [351] Christen / so zwischen beyden Flüssen wohnen / beordret worden / sich mit Haab
und Gut in Bosnia zu salviren / deren dann etlich 1000. so sich versaumbt /
nidergehauen worden / und thut der Feind alles / was unsern Leuthen zur (alle feste Plätz zwischen der Drad und Sau und
retiriren sich nach Essegk.) Subsistentz und Unterhalt dienet /
verderben. Eine von Carlstadt außgegangene Parthey Croaten / so unter Commando
deß Obristen Baron von Orsick biß an das Türck. Schloß Czazin, welches 10.
Meilen von gedachtem Carllstadt und 3. von Bihach ligt / gestreifft / ist den 6
dieses mit 80. gefangenen Personen / und einer grossen Anzahl groß und klein
Viche alldorten glücklich zurück gelanget / und hat nur 3. Mann verlohren.
(Zu Zagradia wird ein Landtag gehalten.) Den 6.
und 7. dito ist der Landtag in der Haupt-Stadt Zagrabia gehalten / und darauff
geschlossen worden / daß auff ersten Befehl deß Herrn Bani die Stände und der
Adel zu Pferd sitzen / und an Orthen und Enden / wohin sie der Hr. Banus
bescheidet / erscheinen sollen.
(Türckische Geschichten.) Von Constantinopel
kombt Bericht / daß Cara Ibrahim gewesener Groß-Vezier / nachdeme ihm alle seine
Güter abgenommen waren / den 18. Martii auff eine Galere gesetzet / und nacher
Rhodis geführt worden / umd alldorten / so lang er lebet / auff dem Schloß
gefangen zu bleiben: der jetzige Groß-Vezier hat ihme einige Gelder und ein
Zobel-Kleyd gesant / und der Groß-Sultan eine geringe Renthe zu seinem Unterhalt
zugelegt.
Der Frantzös. Ambassad. ist von Adrianopel / allwo er bey dem Groß-Sultan
Audientz gehabt hat / dahier wieder zurück gekommen. Mit Schreiden (In dem Türckischen drennen viele Städt ab.) aus
der Türck. Stadt Possega in Selavonien wird nochmahln der grosse Brand zu
Griechisch-Weissenburg / allwo der Donner eingeschlagen / mit diesen umbständen
confirmiret / daß daselbsten in allem 8678. Häuser / sambt vielen Menschen und
Gütern verbrand seyn / und nur das Haupt-Magazin / so abseits ligt / nebst der
Gassen / welche die Christen bewohnen / und ihre Kirchen übrig geblieben ist.
Ingleichem wird confirmiret / daß die Türckische und reiche Stadt Maydan in
Bosnia, item Zarayero, Banyaluka, und Novi alle biß auff wenig Gebäue
eingeäschert / und abgebrand seynd.
Das dritte Capittel
Haltet in sich / was im Römischen Reich hin und wieder passirt ist.
(Röm. Reichs Geschichten.) AUs dem Bäyerischen
Cräyß hat man von der Reichs-Stadt Regenspurg / daß Ihro Hochfürstl. Durchl. der
Herr Hoch- und Teutsch [352] meister /
wie auch Hr. Hertzog von Croy / ingleichem Hr. General Schomberg / wie nicht
weniger der Schwedische General-Lieutenant Bielcke, so anjetzo in
Chur-Bäyrischen Diensten ist / daselbsten durch nacher Ungarn abmarschirt seyn.
Der Schwed-Bremische und Burgundische Gesandte seynd den 1. dieses von dem
Craiß-Convent zu Nürnberg hier auch wieder (Der
Cräpß-Tag zu Rürnberg schlägt zu allerseits contento ans.) angelanget
/ und vernimbt man / daß sich selbiger so wohl zu Hülffleistung Ihr. Käyserl.
Majest. als sonst andern auffs beste geendiget / und gehen die Gesandschafften
nun von dar / nach Augspurg zu dem daselbst angestellten Conferentz-Convent. Ihr
Churfürstl. Durchl. in Bäyern haben an allhiesige Stadt ein gnädiges
Excitatorium, ratione der abschickenden Auxiliar-Völcker / dergleichen auch an
andere Stände dieses Cräyses beschehen / abgehen (Die
Stadt Regenspurg schicket ihr Contingent wegen deß Bäyrischen Cräyses nacher
Ungarn.) lassen / und den Orth der Samblung bey Gran benennet / dahero
man den 8. die Musterung derselben / so in 120. Köpfen bestehen / vorgenommen /
ihnen den bestellten Hauptmann prasentirt / und nach vorgelesenen
Articuls-Brieff selbige zum Fähnlein gewöhnlicher massen schwören lassen /
worauff sie nacher Ungarn abma schirt seynd. Den 17. ist deß Königs in Engelland
natürlicher Sohn Printz de Jame anhero kommen / und wieder nach Ungarn
fortgegangen.
(Chur-Brandenburg. Geschichten.) Aus dem
Ober-Sächsischem Cräyß wird von Berlin geschrieben / daß den 30. passato Nachts
ein Brand in dem Lager in der so genanten Hasenheyde / entstanden / worin̅en bey 300. Hütten verbrand / und haben die arme Leute (es seyn
Commandirte / so an hiesigem Vestungs-Bau arbeiten) nackend / und im Hembd davon
springen müssen / und wenig retten können, woher eigentlich dieser Brand
entstanden / hat man nit erfahren.
(Ein junger Hertzog von Mecklenburg verlodet sich mit
der Chur-Brandend. Princessin M???.) Den 5. Mittags haben Se.
Churfürstl. Durchl. zu Potzdam die zwischen der Churfurstl. Princessin Mariä /
und deß jungen Hertzogen von Mecklenburg beschehene Ehe-Versprechung durch ein
Hochfürstl. Verlöbnuß / und Außwechslung ansehnlicher und kostbahren Präsenten
in Gegenwart Chur- und Fürstlicher Personen / und vornehmen Ministern confirmirt
/ und seynd die Paucken / Trompeten / und allerhand Instrumental-Musicken gehört
worden / Ihro Churfürstl. Durchl. haben sich nach dero hohen Alter sehr erfreuet
und vergnügt bezeugt; gleich als diese Ceremonien vorgehen solten / kamen kurtz
zuvor Se. Chur-Printzliche Durchl. und deß Herrn Marggraff Ludwigs Durchl. mit
dero Frau Gemahlin Durchl anhero; der geheime Rath und Cammer-Präsident Herr von
Viereck that die Anwerbung / und Se. Hochfürstl. Durchl. der Fürst von Anhalt
antworteten (Ih. Charfl. Durchl. wird ein todte)
im Namen Sr. Churfürstl. Durchl. Sonsten hat man vor etlich Tagen aus dem Ambt
Sehrmund an Ihro Churfürstl. Durchl. eine todte Frucht von einem Elends-Thier
anhero geschickt / so einen Leib / 8. Füsse / und [353] 2. Köpffe gehabt. Es ist Nachricht
eingelauffen / daß die beyde Moscowitischr Czaaren auff Sr. Churfürstl. Durchl.
Zuschreiben mit Pohln eine (Frucht von einem
Elendthier mit 8. Füssen und 2. Köpffen zugeschickt.) ewige Verbindnüs
zu machen / und wider die Türcken off- und defensivè zu gehen resolvirt, auch
schon ordres an die ihrige dißfalls ertheilt hätten / sie anzugreiffen / welches
der Pohlnische Gesandte in Moscau an Se. Churfürstl. Durchl. geschrieben. Das
Schreiben / so Ihr. Churfürstl. Durchl. an die beyden Czaaren abgehen lassen /
bestehet in folgenden Worten.
(Copia eines Schreibens von Chur-Brandend. an die beede
Czaaren in Moseau / wodurch seldige zur Alliantz mit Polen wider den
allgemeinen Erdfeind Christlichen Ramens invitirt werden.)
Durchleuchtigste / sc. Unter vielen lobwürdigen Thaten / welche Ew. Ew. Czaar.
Czaar. Majest. Majest. Regirung berühmt / und glücklich machen / ist nicht die
geringste / daß Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Majest. so grosse Vorsorge vor das
Beste der Christenheit tragen / und solches so vielfältig spühren lassen; also
scheinet es / daß der höchste GOtt in gegenwärtigem Krieg / welchen die Röm.
Kayserl. Maj. Ih. Königl. Maj. in Polen / und die Republic Venedig wider den
Erbfeind Christlichen Namens mit vereinigter Macht führen / diesen Unglaubigen
seine Allmacht zu erkennen geben / und die Schmach und Verheerungen / welche sie
eine Zeit hero durch seine Göttliche Zulassung denen Christen angethan /
mächtiglich rächen wolle / wie dann die Christen in etlich 100. Jahren niemalen
so viele Glück und Sieg wider diesen grausamen Feind erhalten / als in kurtz
verwichener Zeit. Weilen nun bekandt / daß dieser Erbfeind Christlichen Namens
auch zum öfftern vormalen Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Maj. herrliche Reich und
Lande infestiret, und denselben allerhand Schaden und Ungelegenheit zugefügt /
auch zu besorgen / wann ihm hinkünfftige Zeit zu respiriren, und die geschwächte
Kräfften zu recolligiren gegönnet / er noch ferner / so wohl dem einen als dem
andern viele Unruhe und Schaden verursachen werde / so zweifeln wir keines wegs
/ Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Maj. werden diese von GOtt gezeigte herrliche
occasion nicht aus Handen lassen / umb sich zu einemmal der Gefahr / so man von
einem so mächtigen und grausamen Feind zu fürchten / zu entschütten / und ihre
Reiche und Lande wider denselben in eine beharrliche Sicherheit zu setzen. Es
kan solches vermittels Göttlicher Hülffe gar leicht und unsehlbar geschehen /
wann es Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Maj. gefallen möchte / mit Ihro Königl.
Majest. und der Republic von Polen einen / ewigen Frieden auff billigmässige
conditiones zu schliessen und zu bevestigen / und darauff einen Tractat / umb
den Erbfeind mit gesambter Hand anzugreiffen / zu treffen; weßhalben wir dann
nit unterlassen kön̅en / dieses hochwichtige Werck E. E. Czaar.
Czaar. Maj. Maj. aus getreuer Wolmeynung / und sowol zu dero eigenë Estaats
Sicherheit und Auffnehmen / als zu der gantzen Christenheit Besten auffs höchste
zu recommendiren; Insonderheit da wir vernehmen / daß höchst-besagte Ih.
Königl. [354] Majest. zu solchem Ende
eine ansehnliche Gesandschafft an Ew. Ew. Czaar. Czaar. Majest. Majest
abzuschicken / im Werck begriffen seyn / Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Maj. werden
sich dardurch die gantze Christenheit zum höchsten verbinden / ihren Thron und
Reiche wider einen so redoutablen Feind befestigen / und in Sicherheit setzen /
und sich dardurch bey der Nachwelt einen unsterblichen Namen machen. Wir unser
Seits werden darzu treulich helffen / gestalt wir dann entschlossen seyn / eine
ansehenliche Armee aus unsern besten Trouppen wider den Erbfeind nach Ungarn zu
schicken / und solcher Gestalt das Beste der Christenheit nicht allein mit gutem
Rath / sondern auch mit der That zu befördern. Wir wünschen schließlich / daß
der allmächtige GOtt Ew. Ew. Czaar. Czaar. Maj. Maj. bey langem Leben und
gesegneter glücklichen Regierung erhalten wolle. Geben Potzdam sc.
Den 10. haben Se. Churfürstl. Durchl. an deß alten Hertzogen von Mecklenburg
Durchl. den Hrn. Obristen von Perband geschicket / und deroselben wegen der mit
dero Hn. Sohns Durchl. und der Churfürstl. Princessin Maria Durchl.
geschlossenen Heyrath zu complimentiren. Den 16. ist (Die Hoff-Zeugschmitte zu Berlin gerathet in Brand.) der Gen.
Dörffling hier angelangt. Den 20. Abends zwischen 4. und 5. Uhr geriethe die
Hoff-Zeug-Schmiede allhier in Brand / welches Feuer dann so geschwind überhand
nahm / daß auch die Hoff-Stellmacherey nebst einem andern Hauß biß auff den
Grund abgebrand seynd: das Zeughauß / worinn bey 100. schöne metallene Stücke
stehen / welche Se. Churfl. Durchl. von dero Feinden nach und nach erobert /
stund in sehr grosser Gefahr / wurde aber durch starcke Gegenwehr und fleissiges
Wassergiessen noch erhalten. Von dem Oder-Strohm verlautet / daß man in selbigem
zu Breßlau beym (Im Obder-Strohm wird ein ungeheurer
grosser Fisch bey 8. Ellen lang wargenommen.) Sandthor bey der Brücken
einen ungeheuern grossen Fisch wahrgenommen / er soll ohngefähr über 8. Elln
lang seyn / man kan sich seiner noch nit bemächtigen / es gehet täglich viel
Volcks hinaus auff die Sandbrücke / umb ihn zu sehen / er wirfft zuweiln einen
grossen Wasser-Schaum von sich / sonsten kan man nichts sehen / wo er im Wasser
gehet. Die Brieff von Stettin bringen / daß allda mit einigen Fahrzeug 1500.
Schwedische Völcker angelangt; (Zu Stettin langen 1500.
Schwedische Völcker an.) Hingegen seyen an deren Plaß so viel Teutsche
Völcker / nach dem bey Löhtz unweit Demmin angestellten Rendevous / wohin die
Stifft Bremischen und andere aus denen übrigen Vestungen gezogenen Trouppen auch
schon in dem Anmarsch begrieffen / und den 18. hujus beysammen seyn sollen;
diese angelangte Völcker seynd alle wohl mundirt / und ist eine außerlesene
Mannschafft / auch vernimbt man von ihnen / daß sie mehr Lust nach Ungarn zu
gehen / als hier zu bleiben haben. Sonsten haben wir dieses Orths schon bey 14.
Tagen her eine gar truckene und warme Zeit gehabt / daß zu besorgen / [355] es werde denen lieben Feld-Früchten
höchst-schädlich seyn / dafern es lang continuiren solte. So klaget auch der
Landmann über viel Feldmäuse / welche (Grosse Klagen
wegen der Feldmäuß.) in grosser Menge sich einfinden / und grossen
Schaden verursachen / dergleichen Klagen kommen auch nun von nahe und ferne
gelegenen Orten ein. Jhr. Churfürstl. Durchl. Reyse nacher Cleve wild sehr
beschleunigt / indem alle Fuhrleuthe / sie mögen kommen / von wannen sie wollen
/ auffgehalten (Zu der Chur-Brandend. Reiß werden alle
Anstalten Gemacht.) werden / und müssen biß an Magdeburg vorspannen.
Den 30. gieng Jhr. Churfürstl. Durchl. von Potzdam ab / und blieben die erste
Nacht zu Ziegeser; sonsten aber werden sie nur wegen grosser Hitze deß Nachts
reysen. Der Marggraff wird nach Cassel gehen / und wie man sagt / der
Chur-Printz auf Zerbst / alle geheime Räthe bey 600. Pferden / und sonst viel
Vornehme gehen mit nach Cleve / von den Trabanten aber nur 50. und 6. Trompeter
/ wie gern Jh. Chur-Printzl. Durchl. auch mit gewolt / so hat dero
Durchleuchtigster Herr Vatter doch solches nicht zugeben wollen. Man hat von
solcher Reyse viele Praesumtiones, und vermeinen Estaats-Erfahrne / daß solche
weite / und von einem alten Herrn beschwärliche Reyse eine Politische Reyse sey
/ umb im Fall etwas wichtiges in der Nachbarschafft vorgehen solte / nicht weit
entfernet zu seyn.
(Schwäbische Crayß-Geschichten.) Aus dem
Schwäbischen Cräyß hat man von der Reichs-Stadt Augspurg vom 21. dieses
folgendes: Vor etwan 5. Wochen geschahe allhier ein erschrecklicher Casus, indem
der Obrist Wachtmeister von Oeckel / so von (Zu
Augspurg erschiest ein Cammerdiener seinen Herrn einen Obrist-Wachtmeister
in dessen Chaise tod.) München gebürtig und allhier vor die Republic
Venedig geworben / neben dero Frau Gemahlin in seiner eigenen Chaise mit einem
Pferd von seinem hinter ihm herreitenden Cammerdiener mit einer Pistohl mit 2.
Kugeln geladen jämmertich erschossen worden / daß er eine halbe Stund barauff
verschieden; Er war ein Herr von 27. Jahren / so wegen seiner Jugend und schönen
qualificirten Persohn wohl zu betrauren; der Thäter / nachdem er zwar
abgestiegen / und zur Chaise gelauffen / hat seinen in letzten Zügen ligenden
Herrn geküst / und gesprochen / ach! ist mein Herr geschossen / worauff die vor
Schrecken halb todte Frau Gemahlin gesagt / ach ihr Bößwicht / was habt ihr
gethan! worauff der Kerl gleich fort / und weiln die andern Diener umb Barbirer
und Hülff geruffen / ist er entkommen / daß niemand weiß / (Ein falscher Müntzer eingezogen.) wo er
geblieben. Auch sitzet allhier ein Müller gefangen / so eine Stund von hier
gewohnt / und sich auff falsche Müntz geleget / Bayerische Ducaten / und
Goldgülden / wie auch Augspurgische Gülden und 5. Groschenstück gemüntzet / und
hat solches zim̅lich lang getrieben / wird aber gewiß bald seinen
verdienten Lohn bekommen. In München ist auch ein Lieuten. sambt seiner Frauen
verbrannt worden / weilen sie viel Christenkinder mitgenommen / sol [356] che vor Türcken und Sclaven
ausgegeben / an Juden und ander Landstreichendes Gesindel verkaufft / und andere
lose Händel mehr getrieben. Diesen (Der Teufel dienet
einer Her vor eine Hedamme / und bekombt ihr Kind zu Lohn.) Tag ist
auch allhier ein Bayerisches Bauren-mensch verbrennt worden / so ein Hexe
gewesen / und ihr Kind umdgebracht / nachgehends solches dem Teufel vor seinen
Lohn gegeben / weilen er ihr vor eine Hebamme gedienet gehabt. Den 21. ist der
Schweden-Bremische Herr Abg???sandte allhier ankommen / und seynd damalen auch
beede Käyserl. Herren Abgesandten jeder besonders complimentiret und mit Habern
beschencket worden. Und weilen (Zu der vorseyenden
Confereutz in Augspurg langen verschiedene Gesandten an.) nun fast
aller Herren Abgesandten / welche man Käyserl. Seits verlanget / allhier
angelangt seynd / ausser daß der Chur-Sächsische Herr Hof-Marschall von Hauwitz
und die Hn. Hn. Schwäbische annoch erwartet werden / auch bereits den 20. und
21. mit den Hn. Hn. Fränckischen Deputirten wegen einer gewissen Alliantz
Conferentz gehalten worden / als hofft man ehistens einen guten Schluß.
(Ober-Rheinische Craiß-Geschichten.) Von dem
Ober-Rheinischen Craiß hat man aus Straßburg vom 28. Junii / daß der Proesident
Canon zu Offenburg jenseit Rheins / 3. Meil von dieser Stadt arrivirt / und soll
/ so bald er vom Frantzösischen Hof Paßporten empfangen hat / anhero kommen /
umb ferner nach Pariß zu gehen / und zu sehen / wie weit er das projectirte
Accommodement zwischen der Cron Franckeich und dem Hertzog von Lothringen seinem
Herrn Principaln bringen (Vnweit Straßburg wird ein
Schlang eines Manus dick und 3. Mannslang tod geschossen.) kan;
indessen sagt man / daß Jhro Majest. mehrentheils dahin incliniren sollen / umb
dem Hertzog ein aequivalent zu geben / dafern derselbe alle seine praetensionen
auff besagtes Hertzogthum renunciiren würde. Reisende von besagtem Straßburg
melden / daß sich allda den 20. ein halbe Viertelstund von der Stadt eine grosse
Schlange / eines jungen Manns dicke und 3. Manns lang / gefunden / und tod
geschossen worden; wie auch daß ein Soldat vom Teufel mit grossem Geschrey
geholet worden seye.
(Wefiphälischen Craises Geschichiten.) Bey dem
Westphälischen Craiß vernimbt man aus Cleve vom 15. Junii folgendes: In dem
Luxenburgischen und der Grafschafft Chimay ist auffs neue verbotten worden /
kein Graß zu mähen / woraus zu vermuthen / daß dannoch eine Versamblung von
vielen Trouppen vor der Hand seyn müste. Die Fortificationes zu Wesel seynd nun
mehrentheils zur perfection (Im Clevischen fliegende
Armee auffgerichtet.) gebracht / ausser daß noch eines und das ander
verändert werden soll. Es wird in diesem Land eine fliegende Armee auffgerichtet
/ auff alles zu vigiliren, und werden Jhre Churfürstl. Durchl. gegen medio Julii
allhier erwartet.
(Cölnische Geschichten.) Cölnische Brieff bringen
/ daß weilen das gemeine Volck allda auff den Zünfften einige Jahr hero viele
motus und Händel mit ihrem votiren, [357] und
so die Majora gemacht / auch sich theils bey Erwählung der Rathsherren mit Gelo
haben currumpiren, andere täglich in Wein tractiren lassen / (Die Herren Subdelegirten samdt dasigem Stadt-Magistrat
fahren fort in dieser Stadt alles wieder in alten und ruhigen Stand zu
setzen.) umb mit ihren votis also selbigen tractirenden Herren
beyzufallen / als hat der Magistrat allhie nicht allein / sondern auch die
Herren Subdelegirten vor gut befunden / daß ins künfftig nur die jenige / so die
grosse Burgerschafft haben / auff den Zünfften Vota activa und passiva haben
sollen. Die jenige / so mit dem Plündern die kleine Bürgerschafft / wie der
hingerichte Güllich ihnen dazumal placidirt, erhalten haben / werden sich auch
nun anderst qualificiren müssen / die jenige / so sich übel bewust / und
deßhalben sich von hier weg begeben / werden erster Tagen durch offentlichen
Trommelschlag citirt werden / gegen die dann nicht erscheinende wird nach Form
deß Rechtens verfahren werden. Alle die jenige / so von den abgesetzten
Rathsherren und Commissa???s bestrafft worden / auch deren Häuser geplündert /
und noch nit alles restituirt worden / sollen aus Käyserl. ergangenem Decreto
allen erli???tenen Schaden specificiren, welchen die ernennte Abgesetzte / so
das Plündern und sonsten die geschehene Executiones placidirt und exequirt, wohl
werden 3. Sonnen und (3. Regenbogen werden am Himmel
gesehen.) gut machen müssen / so doch noch unbekant ist. Am 10. dieses
Morgens zwischen 4. 5. und 6. Uhren hat man dahier 3. Sonnen und 3. Regenbögen
am Himmel gesehen / deren Bedeutung ist GOtt bekandt. Man hat aus O???dre der
Herren Subdelegirten nun einige Tage hero wieder etliche allhier in Hafftung
nehmen lassen / deren einige / als der Herr Jacob Mitz zuviel geschwätzt /
andere beym Plündern gewesen; von denen 22. Ausgewichenen und aus Käyserl. Ordre
wieder hieher citirie thun sich bereits einige einstellen; den andern lang
Gesessenen solle auch der Rede nach bald abgeholffen (Aus Gnäd. Befelch Ih. Käys. Maj. werden zu Cöln bey den Pasamentierern die
Mühlftühl abgeschafft / und die dar-auff fabricir te Wahren vor confiscabel
erkandt.) werden / deren doch keine mehr am Leben sollen gestrafft
werden. Den 20. hat ein Ehrsamer Hochweiser Rath dieser Stadt ein von Jhro
Römisch. Käyserl. Maj. allergnädigst ausgelassenes Mandat offentlich publiciren
und affigiren lassen / daß alle bey den Pasamentierern höchst-schädlich
eingeschlichene Mühlstühle / oder so genante compendiose Stühle respectivè
abgeschafft / auch deren darauff fabricirte Wahren gleich zu Franckfurt /
Nürnberg / Augspurg / Hanau / und andern Reichs- und Handels-Städten schon vor
einigen Monaten publicirt worden / confiscabel erkant / wie weniger nit deren
Einführ- und Verkauffung hinfüro ernstlich verbotten seyn und bleiben sollen.
Der Herr Bischoff von Straßburg ist nach Kayserswerth und Rheinbergen verreist /
umb dorten die Vestungs-Gebäu zu besichtigen. Man hat eigentlich vermeynt / es
werde allhier mit einigen an Geld unvermögenden in Arrest sitzenden Bürgern die
execution durch den Güllichis. Scharpffrichter (so doch allemal 50. Rhir.
praetendirt, welche er dann auch jüngst er [358] halten) vorgangen seyn / weil aber der Chur-Trier. Herr von
Anathan unpäßlich / und Pfaltz-Neuburgischer Seits auch einige Herren absent
gewesen / als ist selbige noch auff 8. Tage lang differirt worden / indessen
seynd doch einige nach geleisteter gnugsamer caution loß gelassen worden. Die 3.
Namens Jhr. Churfürstl. Durchl. zu Pfaltz ins Clevische unlängst abgereiste
Herren Deputierte wegen Beylegung einiger Strittigkeiten zwischen den
Catholischen und Reformirten befinden sich annoch allda / ohne daß man annoch
wisse / wie alles werde beygeleget werden.
(Nieder-Sächsische Geschichten.) Bey dem
Nieder-Sächfischen Craiß hat man aus dem Holsteinischen vom 16. Junii folgendes:
Zu Husum ist vor 5. Wochen eine Frau sambt ihren 2. Töchtern (davon die eine ihr
kleines Kind gottloser Weise in einem heissen Ofen verbrannt) flüchtig geworden
/ und seynd nach Flenßburg / von (Eine Frau mit 2.
Töchtern gehet flüchtig umb gewisser Vnthaten wegen / werden aber
erhaschet.) dannen aber zu Schiffe auff Fehmern gereiset / woselbst sie
sich eine Zeitlang incognito auffgehalten / weilen sie aber das Gewissen
geplaget / und ingleichem vernommen / daß man geschehener action halber 3.
Weibsbildern nachsetzete / sind sie der Gefahr zu entgehen übern Fehmarischen
Sund passirt / und haben sich in der Stadt Oldenburg etliche Tage auffgehalten /
woselbst dann die Mutter geblieben / die 2. Töchter aber auff Lübeck reisen
wollen / als sind diese beede den 14. biß ein halbe Meil von Lübeck zu
Schwartzau auff Bischöfflichem Eytinischen Grund und Boden von den Nachsetzern
verfolgt worden / daselbst sie beede ins Wasser gesprungen / seynd aber ertappet
/ die eine hatte den Leib bereits halb voll Wasser gehabt / die andere aber wäre
auff dem Wasser wie eine Ente geschwommen / sitzen an oberwehntem Ort gefangen /
biß auff weitere Ordre / und dörfften schlechten Lohn empfangen / die jenigen
aus Husum / so sie verfolget / haben der Arssage nach bereits über 100. Rhlr.
Unkosten angewandt / und haben Ordre gehabt / nicht eher wieder zukommen / biß
die Personen verarrestiret / als seynd sie jetzt froh / und haben den Armen 5.
Rhlr. verehret / daß sie der grossen Last und Mühe befreyet.
(Wahrer bericht wegen transport ???ger Schwedischen
Völcker.) Aus dem Mecklenburgischen ist nachstehendes vom 5. dito
eingekommen: Das Spargiment / so eine Zeitlang von dem Schwedischen transport
gewesen / bestehet nicht in so viel 1000. Mann / als geredet werden wollen /
sondern es seynd vor etlichen Tagen mit 5. Fregatten nur 1600. Schwedische
Völcker / so zu Carlscron embarquirt worden / wie auch eine zim̅liche Quantität Pulver / Bley / Lunten / und andere Kriegs-Ammuntion, unter
denen Obristen Weinholtz und Jordan zu Wißmar arrivirt / und wie man sagt /
sollen solche nach dem Stifft Brehmen / umb dortige nach Ungarn commandirte
Trouppen abzulösen / marschiren; es werden aber noch bey [359] 400. Mann aus Schonen stündlich
erwartet / weil Ihro Käyserl. Majest. umb den Schwedischen Succurs durch dero in
Stockholm residirenden Envoyé kráfftig anhalten lassen.
Von Zell wird gemeldet / daß Ihro Hochfürstl. Durchl. sich nach Weinhauß erhoben
/ umd daselbst die Brunnen-Chur zu gebrauchen. Man sagt / daß über vorige
Cavallerie noch einige reducirt werden solle. Im Hannoverischen hat man ein
Judenhauß / welches über Gewonheit einige Tage versperret gewesen / eröffnet da
man dann befunden / daß dessen Frau nebst 2. kleinen Kindern im Bette die Gurgel
abgeschniten gewesen / man hat diese That dem Juden selbst beygemessen / weil er
sich nirgends finden lassen; als man ihn aber nach einigen Tagen in einem Holtz
tod gefunden / da ihm der Kopff mit einer Axt eingeschlagen / und über das
etliche tödliche Wunden gehabt / siehet man also wohl / daß solches von andern
Mördern geschehen / die man biß dato noch nit ausforschen können.
(Hamburg. Geschichten.) Brieff aus Hamburg welden
/ daß die Sachen zwischen selbiger Stadt und Ihro Durchl. dem Hertzog von Zell
anjetzo in gutem Stand zu seyn scheinen / wie dann alle unsere Gefangene
(nachdem wir vorhero den bißher (Die Lün???gische
differentien mit dieser Stadt ftehen auff gutem Fuß nmb verglichen zu
werden.) allhier in Arrest gehaltenen Lüneburgischen Capitain
relaxirt) ohne Rantzion auch wieder loß gelassen / welche dann / wie jüngst
gemeldet / hier angekommen / sie waren bey 160. Mann starck / und marschirten
als disarmitte Gefangene Glieder-weise die Börse vorbey / so will man auch sagen
/ daß die Güter wieder frey kommen. Es ist gewiß / daß der am Zellischen Hofe
negotiirender Käyserl. Abgesandter hierzu nicht wenig contribuiret hat / und ist
er annoch fleissig im Werck begriffen / solche Sache vollends zu vergleichen /
biß dahin aber dörfften die Lüneburgischen das Mohrburg mit seinen Dependentien
wohl behalten. Man köpfft / rädert und henckt allhie wie man will / so geschehen
doch immer mehr Unglücksfälle und Mordthaten / wie dann dieser Tagen ein
Engelsmann von einem vornehmen Bürger biß auff den Tod verwundet wurde. So hat
auch eine auffm Hamburger Berge wohnende Schneiders Frau / welche mit ihrem Mann
einigen Streit gehabt / aus grossem Zorn und Rachgier / wiewol eines andern Kind
/ zu Altona die Kehle abermal abgeschnitten / welche dann auch so fort in Altona
ergriffen / weilen dorten das delictum geschehen / wiewol sie unter hiesige
Jurisdiction (Der König in Dennemorck lässet Tönning
und Fried???richstadt fortificiren. ???) gehöret / daselbst eingezogen
worden. Aus Dennemarck continuirt, daß Th. Kön. Maj. ultimo Junii in Holstein
seyn wollen / und haben Se Maj. nicht allein resolvirt / Tönningen und
Friederichsstadt wieder fortificiren zu lassen / sondern auch schon würcklich
den Anfang damit gemacht. Die Königl. Schwedische Völcker seynd ben 10. im
Stifft auffge [360] brochen / und
haben ihren Weggleich nach Pommern fortgesetzt / woselbst sie sich mit denen
andern conjungiren / und dann ihren Marsch nach (Im
Kupffer-Bergwerck in Schweden fällt ein Schacht ein wobey über 500. Personen
umbkommen.) Ungarn nehnem werden. Stockholmische Brieffe melden von
einem grossen Unglück / so bey dem Kupffer-Bergwerck geschehen / indem ein
Schacht eingefallen / womit über 100. Personen umbkommen / und lebendig begraben
worden / so wäre auch der Schaden an sich selbst von nicht geringer Importanz.
Der Moseowittische Abgesandte hätte seine Abfertignng bekommen. Der Königl.
Dähnische Envoyé Mons. Stockfleeth wolte sich auch wieder von dannen nach Hause
begeben; ingleichem auch der Herr Rumpff / welcher schon viel Jahr Holländischer
Resident zu Stockholm gewesen / resolviret wieder nacher Holland zu kehren /
diese beede Herren dörfften aber vor Th. Kön. Maj. Wiederkuntfft von Werm- und
Ingermanland dero Reise nicht antretten. Ih. Königl. Maj. von Engelland haben
von Hrn. Sylm Rathsverwandten allhier / aus dessen Stutterey ein Spann
weißgelber Pferde für 2000. Rhlr. kauffen lassen / welche sehr rar / und
ehistens transportirt werden sollen. Man hat unterschiedliche Brieffe von
Stockholm (Wegen deß grossen Brandes / so zu Stockbolm
in Schweden vorgangen / lauffen verschiedene Zeitungen ein.) vom 9.
dieses / welche zwar einhellig von einer grossen und erschröcklichen
Feuersbrunst / welche am 8. hujus auff dem Norder Mallm gegen Mittag umb 10. Uhr
entstanden / so biß den andern Tag bey 24. Stunden lang gewähret / auch noch im
Brand gestanden / wie die Brieffe abgegangen / sie variiren aber sehr an der
Zahl / und wovon sieses Unglück eigentlich seinen Anfang genommen / einer
schreibt / es seye von einer Brandweinbrennerey / ein anderer von einem Brauer /
und noch ein anderer in einem verschlossenen Hause / worinnen keine Leute
gewesen / hergekommen; die Zahl der eingeäscherten Häuser wird auff etlich 100.
ja gar 2. à 3000. dergrössert / so daß noch nicht recht eigentlich zu wissen /
wieviel die Summa derselben seye. Es seynd zwar an selbigem Ort viel höltzerne
Gebäue / dennoch seynd auch der Gegend schöne und considerable Häuser / wovon
man mit künfftiger Post gewisse und ausführliche Nachricht erwartet. Immittels
vernimbt man / daß in denen abgebrandten Häusern viel von der Guarde / und fast
die gartze Montirung derselben mit consumiret, worüber solche dem Campement zu
Königsöhr nicht beywohnen werden; der Rede nach sollen einige Personen / welche
man wegen dieses Brandes in Verdacht hält / apprehendiret seyn / Gelt ersetze
einem jeden seinen erlittenen Schaden reichlich wieder / und bewahre die gantze
Christenheit für dergleichen bösen Begebenheiten. Man hat nun Brieffe / daß Ihr
Hochfürstl. Durchl. von Holstein Gottorff incognito zu Antwerpen angelangt /
woselbst Ihro Durchl. dero ältesten Printzen (so am Brüsselischen Hofe) erwarten
/ sich mit selbigem zu abouchiren. Daß de [361] roselben von Th. Königl. Maj. zu Dennemarck die beyden
Aembter Tremsbüttel und Steinherst abgenommen worden / solches erstreckt sich
nicht wegen ihrer praetension, sondern dero Herrn Bruder Printz Georg / welcher
/ wie man sagt / Ihro Durchl. eine grosse Summa Gelds verschossen / auff welches
Capital von Anfang biß dato kein Ioteresse bezahlet worden. Weilen (Denen Juden werden in Hawburg auf der Börse Oegen und
Stöck zu tragen verbotten.) nit allein allhier in Hamburg sowohl von
Frembden als gar denen Juden Degen und Stöcke an der Börse getragen worden /
wordurch allerhand Unordnung mit eingeschliche / so hat ein Hochw. Rath
vermittels affigirten Mandats / allen Juden / sowol Portugesen als Hochteutschen
/ welche auf der Börse negotiiren, und Kauffmannschafft treiben / bey
Arrestirung ihrer Personen und anderer hoher Straffe verbotten / keine Degen
noch Stöck zu tragen / sondern sollen sich in Bürgerlichem Habit auff der Börse
finden lassen. Der Käyserl. Ambassad. Herr Graf Herward hat sein Creditiv dem
Magistrat insinuiten lassen / und wird er in selbigem als Commissarius
declarirt, wie nun die Sache weiter angefangen wird / muß man erwarten. Die
Tractaten zwischen Polen und Moscau wider den Erbfeind den Türcken sind nunmehro
Gott Lob zum gewünschten Schluß kommen / und hat das gemeine Interesse viel
gutes davon zu hoffen.
(Lübecker Brieff.) Schreiben aus Lübeck geben /
daß Jh. Durchl. der Hertzog von Holstein-Gottorff incognito von dar über Dreßden
nacher Wien reisen / dero gantze Equipage wurde wieder von dar weggeführt. Die
Hn. Hn. Räthe / so nicht mit Jh. Durchl. weggereiset / seynd wieder nacher
Hamburg gegangen. (Der zu Lübeck wegen Enileibung
eitzes Kanffgesellen gefangen gesessener Lieutenant wird zum Tod
condemnirt.) Passagiers von besagtem Lübeck bringen / daß deß über Jahr
und Tag selbiger Frohnerey gesessenen Lieutenants nach den Universitäten wegen
deß im Mertz 1685. erschossenen Kauffgesellen hinversandter Process endlich ein
solch Ende gewonnen / daß er soll decollirt werden / welches Urtheil von E. E.
Hochw. Rath confirmirt worden / und ist den 16. vor Mittag umb ungefehr halb 10.
Uhr demselben die praeparation zum Todt durch den Herrn Actuarium ordentlichem
Gebrauch nach angekündiget worden / worauff dann jezt die Herren Geistlichen
fleissig zu ihm gehen / und soll die execution mit ehistem geschehen; wie ihm
der Todt ist angekündiget worden / hat er sich bedanckt / und gesagt / wann ers
dann verdient hätte / wolte er gerne sterben / und sich also bereit machen / in
kurtzem Gottes Angesicht zu schauen.
|| [362]
THEATRUM ŃOVUM
Das vierdte Capittel
Meldet von Königl. Frantzösisch-Spannisch- und Portugesischen Begebenheiten.
(Königl. Frantzösische Seschichten.) Von der
Königl. Frantzösischen Hauptstadt Pariß hat man / daß die Wachten auff denen
Gräntzen seynd verdoppelt worden / umb das Flüchten der Protestanten zu
verwehren. Aus Portugall hat man (Der Marschall von
Schomberg langt zu Lissabonna in Portugal an.) vom 13. passato / daß
der Marschall von Schomberg mit seiner gantzen Familie zu Lissabona angelangt
ist / und sein Logament eine Meile von besagter Stadt genommen hat. Daß der
Vice-Admiral d’ Estrees den 5. dito im Gesicht deß Hafens von Lissabona mit
einer Escadre von 8. Frantzösischen Kriegs-Schiffen / und 2. Braudern vorbey
gesegelt / und eines von gedachten Schiffen in den Hafen eingelauffen ist / und
dem Frantzösichen Ambassadeur daselbst ein Paquet Brieffe überbracht hat. Von
Cadix hat man vom 17. May / daß die Frantzösische Galleren bey dem Hafen von
Barcelonne, und 29. unserer Schriffe noch vor dem Hafen zu Cadix ligen /
weßhalben dorten noch alles in Allarm seye / wiewol sie nichts tentiren, fondern
nur einige Erfrischungen und süß Wasser haben und kauffen wolten. Der
Genuesische Envoyé, so in Spanien gewesen / und vor einigen Tagen allhier
angekommen ist / hat von Sr. Aller. Christl. Maj. Abschied genommen / und ist
darnach in aller Eyl nach Marseille vetreist / umb sich auff die Gallere / womit
der Marquis de Rovere bestimbter Genuesischer Envoyé an hiesigem Hof überkombt /
und welche Ordre hat / auff ihn zu warten / (In
Franckreich wird ein Mittel erfunden güldene und silberne Zeug auff die Art
wie in Indien zu machen.) einzuschiffen. Mons. de Beau Lieu, deß Herrn
Indret Sohn / hat / wie man sagt / ein Mittel erfunden / güldene und silberne
Zeuge auff die Art / aber viel schöner / als in Indien / güldene und silberne
Zeuge auff die Art / aber viel schöner / als in Indien / zu machen; er hat davon
einige zum König gebracht / und Freyheit darüber gesuchet / und ist der einige /
welcher daran kan lassen arbeiten / und das Gold und Silber / daß er darzu
gebrauchet / vermindert nichts vom Werth. Der Holländische Ambassadeur Hr. vor
Hemskirchen / welcher zu Madrit in Spannien gewesen / ist / nachdem er 7. Wochen
unter Wegens gewesen / nebst seiner Gemahlin und Gefolgden (Die Cathol. Cantons in der Schweitz) 1. dieses
allhier angelangt. Aus der Schweitz schreibt man / daß die Catholische Cantons
sich zu Lutern versamblet haben / 1. umb einige Strittigkeiten / welche zwischen
der Stadt Costantz und denen Einwohnern am [363] Bodensee obhanden seynd / zu vergleichen. 2. Umb einen alten Zanck
/ so zwischen der Stadt Bagers und denen Bundenern obschwebet / zu vertragen.
(haten eine Tagsatzung zn Lucern.) 3. Umb
einen Gesandten nacher Mayland zu schicken / selbigen neuen Gouverneur zu
complimentiren. 4. Einige kleine Strittigkeiten zwischen denen Einwohnern zu
Glaris zu befriedigen / und 5. umb zu deliberiren wegen deß Succurces / welchen
man im Fall der Roth der Stadt Genff zuschicken und geben wolte: man hat auch
dorten resolvirt, sich deß freyen Rheinpasses zu versichern. Und was den letzten
Punct den Succurs wegen Genff betrifft / haben die Catholische Cantons eben
einen solchen Schluß gemacht / gleich wie die protestirende Cantons in ihrer
Versamblung zu Baaden gethan haben. Von Madritt hat man / daß die 500000.
Rhlrumb an hiesige Cron wegen der Indulte zu erlegen / schon parat seynd /
ehistens (Ein Algierischer Räuber strandet auff der
Cüsten von Nieder-Bretagne.) ausgezahlt zu werden. Es ist wieder ein
Algierischer Räuber / so ein Holländischer Renegat / com̅andirt /
mit 20. Stücken Geschützes / 4. Stein-Stücken / 130. Mann versehen / und darauff
noch 20. Sclaven / auff der Cüsten von Nieder-Bretagne gestrandet. Die Frau
Hertzogin von Portsmuth / welche sich in 3. Monat lang in Bretagne auffgehalten
/ ist von dannen den 20. per posta allhier angelangt. Den 24. als am Fest deß H.
Joannis deß Tauffers ist das Te Deum laudamus und ein Salve Regina in Musie in
der Theatiner Kirch gesungen worden / allwo der Päbstliche Nuntius das hohe Ambt
gehalten / zur Dancksagung der vollkommenen Gesundheit deß Königs. Von Genua hat
man / daß daselbsten der Herr Vincenzo Gropallo, einer von denen zweyen im
Pallast residirenden Senatorn 70. Jahr alt gestorben / wie ingleichem auch der
älteste Sohn deß Herrn Fiesco von 14. Jahnren mit Tod abgangen. Es hat ein
sichere Dame von Qualität Ordre empfangen / sich von Hof zu reteriren. So hat
man auch einen gewissen Banquier in das Fort l’ Eveque gebracht / weil derselbe
eine considerable Summa Gelds an die Protestanten / so sich von hier reterirt /
übermacht hat / und 2. Mägdlein von der Reformirten Religion in seinem (Fürst Adolph leistet dem König das Homagium wegen deß
Hertzogthums Zwetzbrücken.) Hauß verborgen gehalten. Der Fürst Adolff
hat das Homagium betreffend das Hertzogthum Zweybrücken / von welchem der König
in Schweden ihme die Investitur geweigert / bey Ihro Königl. Mojest. abgelegt /
und sagt man / daß besagter Fürst mit seiner gantzen Familia sich in diesem
Reich niederzulassen bemühet seye. Mons. de Louvis ist den 20. von hier
abgereist / umb die Werck an der Eure zu besichtigen. Madame de la Haye,
Gemahlin unsers Ambassadeurs zu Venedig ist allhier wieder angelangt. Weilen man
nun mit einem Expressen aus Spannien Zeitung bekommen hat / daß die differenzien
wegen der Indulte vollkommen verglichen seynd / so sagt [364] man / daß Se. Majest. Ordres an dero
Intendanten zu Rissel und Maubege gesandt hat / umb die Arresten auff die Güther
der Spannischen Unterthanen in denen Niederlanden abzuthun / und wieder frey zu
machen. Von Rochelle verlautet / daß auff St. Martins Cüsten ein Türckischer
Rauber mit 44. Stücken sey gewesen / auff dem Schiff habend 500. Man̅ / und 200. Selaven / die er erst kürtzlich gefangen bekommen
hat. Den 24. (Ih. Königl. Maj. verfügen sich nach
Versailles.) seynd Se. Königl. Majest. nebst Mons. dero Herrn Bruder /
mit dero gantzen Hof nach Versailles gegangen / unter Wegs aber seynd Se. Maj.
und Mons. denen 30. à 40. Gardes gefolget / gantz allein nach St. Cloud gekehret
/ allwo sie mit einer herrlichen Collation von der Marggräfin von Concierge
tractiret worden seynd. Dieses Jahr sollen schon biß 250. Personen in der Saone
ersoffen seyn. Der Holländische Ambassadeur Herr von Stahrenberg hat bey dem
König Audientz gehabt. Madame de Montespan (Der
Chevallier de Chaumont kombt von seiner Reiß aus Siam wieder zuruck.)
ist kranck. Der Chevallier de Chaumont ist von seiner Reise von Stam / allwo er
nur 13. Monat gewesen / allhier wieder zurück angelangt; er hat die Ambassadeurs
/ welche der König von Siam in Franckreich sendet / zu Brest gelassen. Von Rom
wird geschrieben / daß der Pabst annoch resolvirt seye / die Promotion der
Cardinäle vorzunehmen / bey welcher occasion dann der Printz Renaldo d’Esté
unfehlbar den Cardinalshut bekommen / und der Jesuit / Beichtvatter deß Königs
in Engelland / zum Bischoff wird gemacht werden. Sonsten hat man dieser Tagen
allhier observiret, daß die Hitze dieses Jahrs bereits in den 88. Grad gewesen /
da sie das vorige Jahr nicht über den 82. gelauffen ist. Brieff von Marsilien
(Zu Marstlien langt ein Schiff von Tunis mit
verschiedenen Sclaven an.) bringen / daß den 16. allda eine Barque von
Tunis angelangt / mit welcher 7. Sclaven gekommen / als Heinrich Peterssen von
Horn / so 13. Jahr ein Sclave gewesen / Johann Dircks von Amsterdam mit dem
Schiff St. Anna Anno 1681. genommen / Schiffer Tonnies Jansen / Heinrich David
von Hamburg / Peter Jansen von Langeroc / in selbigem Jahr mit dem Schiff
Bonifacia, Schiffer Aryß Simonson vom Haag / Wilhelm Bert von Stralsund genommen
mit Schiffer Jolle Jollesen / Hanß Piet von Drontheim genommen / mit Schiffer
Wilhelm Cram / Jacob Sybrands von Christianstadt mit dito Cram / welcher nebst
noch einem Christlichen Sclaven Clauß Thombsen von Horn / und 2. Türcken eine
k???hne Action gehalten / diese 10. Personen / so mit dem Bey / welcher Tunis
belägert / (Welche die Ursach ihret Erledigung
umbständig triehlen.) sich verstunden / haben ihre Dinge wohl wissen
wahrzunehmen / daß sie ein Castell bey Porto Fatina ligende / worinnen sie in
Guarnison gewesen / erobert. Die Türck. oder zum wenigsten die Africanische
Belägerungen gehen nit als mit den Christen. Die Guarnison deß besagten Castells
stunde nach [365] ihrer Gewohnheit auff die
Berme / oder Fuß deß Walles / und gieng / umb Coffe zu trincken / biß auff 12.
Mann / so heraus verblieben / ausser die 10. so die Pforten verschlossen /
attaquirten die 12. Türcken / und machten sie nider / nachgehends verfügten sie
sich auff dem Wall / und löseten starck das Geschütz auff das Casteel Porto
Fatina, wie auch auff 2. andere Fortressen / und continuirten mit dem schiessen
starck / daß bemeldte Stadt und die 2. Fortressen sich übergaben / das erste
Casteel / welches sie übermeisterten / war den 25. April / und die Stadt mit den
2. Fortressen ergab sich den 1. May / welche forcirt wurden durch benanten Bey
Succurs / so auff das grausame Canoniren aus dem Lager kam / durch welche
Emportirung er jetzo Meister deß Hafens von Tunis ist / und die Stadt keine
Zufuhr haben kan / ein ander Casteel wird miniret / vor welche Action dieser Bey
besagten Christen ihre Freyheit wieder gegeben / von welchen 7. allhier in der
Infermerey seyn / der 8. aber Claus Tames / nachdem er auch seine Freyheit hatte
/ hat den Türck. Glauben angenom̅en / und ist in Dienst geblieben.
(Kön. Svan. Geschichten.) Von dem Königl.
Spannischen Hof aus Madrit wird advisirt / daß von dem Marschall d’ Estreé ein
Expresser allhier arrivirt / mit Bericht / daß er keine Ordre habe / die
Spannische Küst zu verlassen / ehe und bevor alles wegen der 500000. stück von
Achten abgethan seye / worauff der Marq. de los Balbasos dem Marq. de Feuquiers
alsobald nach Pariß abgesand / mit Vermelden / daß Se. Cathol. Maj. solche Summa
zu erlegen übernommen / und ist hierauff die Militz / so beordret gewesen nach
der See-Küsten zu / alsobald wieder contramandirt worden. Verschiedene
Portugesen haben sich freywillig angebotten / auff der Spannis. Flotta zu dienen
/ und moviren sich viel Trouppen (Die Svan. nische
Flotta langt zu Cadix an.) aus selbigem Reich nach Algarben und der
Seeküsten. Indessen scheinet / daß der Marschall d’ Estreé wegen Ankunfft
unserer Flotta / welche hinter den Punctual biß in der Bey an den Punt von Cadix
avancirt ist / keine sonderliche Ombrage schöpffe. Man erwartet allhier noch
einen Courrier von Pariß / mit welchem man verhoffet die Gewißheit zu vernehmen
/ daß alles werde beygelegt (Der Printz von Chimay
Vice-Re von Ravarra gebet mit Tod ab.) seyn / weil man die vollkommene
Bezahlung versprochen hat. Weiln der Printz von Chimay zu Pampelona, so die
Hauptstadt seiner Vice-Royschafft in Navarre / gestorben ist / als dörffte wol
der Marquis de Conflans, welcher vorhin ad interim alldorten regirt hat / solche
Charge bekommen. Den 5. zu Nachts hat die Hertzogin von Seno, deß Hertzogs von
Medina Coeli Tochter / eine junge Princessin zur Welt gebohren. Don Carles
Tatto, General von der Strematurischen Cavall. hat Ordre empfangen / mit 400.
Pferden nach Cadix zu marschiren. Don Tespasien de Gonzaga General über die
Andalisische Cüsten hat Befehl die Guarnis. Zu Gibraltat und in andern Seehäfen
zuverstärcken / um frem̅de Anländung verhindern zu können. D???r
Graf von Cerny General [366] von der Cüsten
Malaga hat auch Ordre seiner Seits gute Wacht zu halten / und im Nothfall Don
Gonzaga Hülffe zu leisten. Cartagena ist von allem zu einer Gegenwehr versehen.
Der Marschall d’ Estreés hat den Hafen zu (Der
Marschalld d’ Estreé eröffnet den Hafen zu Cadix.) Cadix eröffnet /
und allen Nationen erlaubet / ein und aus zu gehen / umb ihre Handlung / wie
vorhin treiben zu können; die Kauffleuthe / welche auff der Frantzös. Flotte
gewesen / seynd wieder zu Cadix eingekommen / ihre Handelschafft zu treiben.
Der junge Marquis de Feuquiers ist von deß Mons. d’ Estreé See-Armade anhero
gekommen / umb den Frantzös. Ambassad. seinen Hn. Vatter (In dem Königreich Portugall wird die Außführung von
selbiger Woll verbotten.) zu sehen. Aus Portugall hat man / daß
daselbst ein Verbott publicht worden / daß bey grosser Straffe niemand keine
Woll aus selbigem Königreich führen solle; Indem der König haben wil / daß man
solche an Rasch / Sarsches und andern Zeugen (als welche man sonsten aus
frembden Landen hat kommen lassen) verarbeiten und gebrauchen solle / wann aber
mehrere Wolle vorhanden / als man verarbeiten könte / erlaubt seyn solte / den
Uberfluß zu verkauffen.
Das fünffte Capitel
Begreiffet die Königl. Engel-Schott- und Irrländische Zufäll.
(Kön. Englis. Geschichten.) BRieff aus der Königl.
Englischen Residentz-Stadt Londen sagen / daß das Lager zu Honslovvheath nunmehr
völlig formirt seye. Der Graff von Tyrconnel ist den 6. nach Irrland abgereist /
umb alldorten die Armee als erster General zu commandiren; den 2. als am H.
(In denen Strassen um Wittal und St. James werden /
viel getruckte Lidellen außgestrenet gefunden.) Pfingst-Son̅tag Morgens hat man in den Strassen umb Witthal / S. James und
verschiedenen andern Plätzen dieser Stadt sehr viel getruckte Libellen
außgestreuet gefunden / intitulirt: Ein demüthig und Cordat-Adress an alle
Protestanten im Läger; wordurch der Author starck gegen die Römisch-Catholischen
herausfähret / und sucht denen Protestanten einzuschärffen / die Nachfolge / so
durch jener Außbreitung entstehen könte / und daß sie nichts sucheten / als die
protestirende Religion gantz außzureuthen. Man hat viele Mühe angewendet / umb
den Author zu finden / und 1000. Pfund Sterlins versprochen / dem jenigen zu
geben / welcher den Buchdrucker davon entdecken wird / auch hat man einige
Personen / so sie außgegeben / gefangen genommen: In unserm Lager seynd viel
Krancke / sowohl Officiers / als gemeine Sol [367] daten / und seynd hiervon 40. in wenig Tagen gestorben.
Ihr. Königliche Majest. haben der Frantzös. Kirchen von Londen ihre Privilegien
/ welche ihr durch eine Acta deß Parlaments bey Regierung der Königin Elisabetha
gegeben worden / confirmirt. Der Milord Gray ist in alle seine Güter / Ehren und
Würden / wieder eingesetzt worden. Zwischen dem Lord Major und einigen
Kriegs-Officiern seynd grosse Uneinigkeiten entstanden / und weiß man noch nicht
/ wie solche werden verglichen werden.
(Der König gehet nach St. James.) Den 12. gieng
der König nach St. James, woselbst die Meß mit grossem Pracht / und nach
derselben eine Procession gehalten wurde / deßgleichen auch bey der Königl. Frau
Wittib in Sommersets Hause geschechen. Weiln denen Quackern nun die Freyheit
gegeben worden / ihre Religion zu üben / so glaubt man / es werden die
Römisch-Catholischen ein gleichmässiges suchen. Man sagt / daß der Graff von
Castelmaine umb den Vorgang vor andern Ambassadeurs zu Rom zu haben / den
Caracter als Ambassad. von Obeissance oder Gehorsam annehmen werde. Weiln es
scheinet / daß das Parlament von Schottland den Punct, die Römisch-Catholischen
betreffend (Das Parlament in Schottland wird
prorogirt.) / nicht ferner einwilligen wil / als ist Ordre dahin
gesandt / umb solches und zwar / wie man sagt / biß auff den 25. Octobris
nechstkünfftig zu prorogiren / und auffzuschieben / wie auch den Bischoff von
Roß von seinem Bißthumb zu entschlagen. Der Graff von Dauby bleibt noch
unpäßlich / weßhalben er seine Reise nach Holland einstellen muß. Der Graff von
Carberrie ist gestorben.
Aus Irrland wird geschrieben / daß biß 20. Persohnen auffs neu in deß Königs Rath
gebracht worden / daß auch unter der Militze grosse Veränderung geschihet / und
niemand / als Römisch-Catholische zu dergleichen Aembtern erwehlet worden.
(Die 24. Kriegsichiffe so in Engelland außgerüftet
werden gelangen zu ihrer Perfection.) Die 24. Kriegsschiffe / welche
man in hiesigem Königreich außrüstet / seynd mehrentheils fertig. Der so genante
Miles Prance ist aus dem Gefängnuß von Gatehouse vor den Hoff gebracht / und
daselbst wegen begangenen Maynaids in eine Straff von 100. Pfund condemnirt
worden / doch soll er über dieses den nechstkünfftigen Monat zu Palace Yard, den
3. auff der Beurs und den 8. wiederumb vor Charingeros in der Pillory stehen /
und über dieses von Neuggte biß Tyburn gegeisselt / auch so lang im Gefängnuß
behalten werden / biß alle Executiones an ihm vollbracht seyn.
|| [368]
Das sechste Capittel
Sagt von Schwedisch- und Dähnischen Fügnüssen.
AUs der Königl. Dänischen Residentz-Stadt Coppenhagen wird geschrieben (Kön. Dähn. Geschichten.) / daß den 3. H.
Pfingsttag daselbst ein Mann seine Fraw (der er wegen ihres Alters gerne das
ewige Leben gönnete) zu erst (Ein Mann schlägt seine
Frau todt und machet Minen als ob sie sich erhencket hätte.) todt
geschlagen / nachgehends auffgehenckt / und sich gestellet / als wann sie selbst
diese That gethan hätte. Nachdem aber die Fraw abgekleydet / und genau
besichtiget worden / hat man befunden / daß sie blau geschlagen sey / und
unmöglich solcher gestalt sich erhencken können. Man hat den Mann so fort in
gefängliche Hafft gebracht / die Fraw aber ist abgenommen / und gekleidet
worden: sie soll mit ehistem ehrlich begraben werden / wie es dem Mann ergehen
werde / wird sich bald außweisen. So soll auch ein anderer seiner Frauen die
Gurgel mit einem Messer haben abstossen wollen / welches demselben mißlungen;
der Thäter soll auch deßfalls arrestiret seyn.
Die jüngst in dem Holländer Dorff auff der Insul Amack nechst dieser Stadt
entstandene Fewersbrunst hat 24. Häuser consumirt / wobey auch (Eine seltzame Geschicht begidt sich zu Helsignör.)
3. biß 4. Persohnen verbrand seynd. Zu Helflgnör hat den 27. passato ein
daselbst wohnender Handwercksmann deß Morgends umb 8. Uhr einige gute Freund bey
sich / wie er nun selbe verabscheidet / gehet er in seinem hinter dem Hause
gelegenen Lustgarten spatziren / und wolte daselbst ein junges Bäumlein an einer
Planckwerck befestigen / da dann ein Gespenst / wo nicht gar Beeltzebub ihn
dermassen gezauset / daß er gantz blutrünstig unter dem gantzen Gesicht sich
befunden / auch über dieses hernechst über ein Stachet-Werck in einen Kühestall
geführet worden / woselbst ihn endlich solcher Geist verlassen / und sich mit
weiter an ihn vergreiffen wollen / ist also dieses ein merckliches Exempel.
In gemeldtem Helsignör seynd Ihro Königl. Majest. von Dennemarck (Der König in Dennemarck laugt daseldsten zu Wasser an
und besicht auff dem Schloß Croneuburg) den 13. mit 8. neuen Schiffen
zu Wasser angelangt / woselbst Sie auff dem Schloß Cronenburg die 3. Bollwercker
besahen / die Soldatesca war auff den grünen Hoff gestellt / welche Ihro Königl.
Majest. durchgesehen / selbige waren sehr schön montirt / und gesielen Ihrer
Maj. dem König sehr wohl. Nachdem sie den 14. Mahlzeit gehalten / reyseten Ihre
Majestät ferner nach Friderichsburg / und blieben daselbst biß den 17. Unter
diesen 8. [369] neuen Schiffen war eines die
Sackpfeiffe benahmet / welches über 600. Mann vom Königl. Leib-Regiment zu Fuß
innen hatte / diese Völcker wurden gar geschwind ans Land gesetzet /
marschireten also fort durch die Stadt / und so (die
neue Forti???cations-Werck.) wieder zurück nach Coppenhagen / selbige
Völcker können hinden nebst dem Ruder / woselbst eine Thür gemacht worden /
eingehen / und ist gantz bequem dicht unter Land zu gehen und Völcker ans Land
zu setzen.
Den 14. seynd 2. Brandenburg. Kriegs-Schiff bey Helsignör durchpassiret /
woselbsten den 15. ein hart Donner- und Regenwetter gewesen ist. Ihro Königl.
Majest. haben Sr. hohen Excellentz von Güldenlöw einen Mund-Pocal 3000. Rthlr.
werth verehret / worinnen alle die jenige Klippen / so höchstgedachte Ihr.
Königl. Majest. in Norwegen persönlich überstiegen / eingegraben. Den 26. seynd
besagte Königl. Maj. von Coppenhagen nach dem Hollsteinischen abgereist.
(Königl. Schwedis-Geschichten.) Aus der Königl.
Schwedischen Residentz-Stadt Stockholm wird advisirt / daß den 6. Ihro Königl.
Maj. von Schweden von dar nach Jempterland abgereist / dato Mittags speiseten
sie zu Löffstaholm bey dem Herrn (Jh. K. Maj. reisen
nach ???mpterland.) Präsidenten Lilien-Cron / höchstgedachte J. K.
Maj. werden vor dero Rück-Reise keine Musterung in Helsing-Land vornehmen /
sondern solches erst im Jempter-Land verrichten / woselbsten auch ausser Frossô
noch eine andere neue Schantze angeleget werden solle / weßfalls der Hr. Genaral
Quartiermeister Dahlberg per posta nachgereiset; man meint auch / es werden J.
K. M. dero Weg auff Fahlum zunehmen / und den Schaden / so der Kupfferberg
daselbst durch Einfall eines Pfeilers jüngst genom̅en / besehen /
wordurch alle die neuen von dem Italiäner angegebene / und kaum in Brauch
gebrachte Inventiones ins Stecken gerathen dörfften. Die K. Fr. Mutter hält sich
gegenwärtig in dero Leibgeding auff / und reiset von einem Orth zum andern und
wollen J. K. M. Widerkunfft zu Stromsholm erwarten. Jh. Majest. die regirende
Königin (welche wieder gesegnetes Leibs gehet) sind nebst der jungen
H???rrschafft annoch hier / gedencken aber der Rede nach / auch eine Reise nach
Upsahl zu thun / auf jetzige Reise ist der Hr. Berghielm und nicht Hr.
Wallerstädt mit J. K. Maj. Sie haben demselben das Gut Erichsund (welches
ehemahls der Seel. Graff Carl Oxenstirn gehabt) Donations-Weise gegeben.
(In Stockholm wird ein neue Zoll-Ordnung publicirt /
worvon hierbey C???pia folget.) Den 15. ist allhier ein neue
Zoll-Ordnung angeschlagen worden / nachfolgenden Innhalts: Wir Carl von Gottes
Gnad. sc. Thun wissend / daß von langer Zeit / und viel Jahr zurücke / recht
wohl bedächtlich verordnet gewesen / daß der grosse See-Zoll vor einkommende
Wahren recht solte bezahlt werden / mit specie Rthlr. und Ducaten / oder Gold
und Silber in naturâ, außgerechnet zu vorgedachte̅ Müntzsortens
Werthe nach desselben Schrott [370] und Korn
/ welches befunden / vor ein nutz- und dienliches Mittel Silber im Reiche zu
verschaffen. Nun aber auff eine Zeitlang aus sonderlicher Consideration denen
Traffiquirenden zugelassen worden / selbigen Zoll mit Schwedischer Silbermüntz
zu bezahlen / wodurch obgemeldtes wohlmeinentliches Absehen verschwunden. Also
haben wir aus Königl. und gnädiger Vorsorg / umb Silber-Müntz im Reich zu
verschaffen / daraus nit allein der Handel befördert / der Unterthanen
Auffkunfft / sondern auch viele andere nützliche und Bequemlichkeiten
herfliessen / und sich verursachen / uns veranlasset gefunden / durch dieses
offene Placat und Befehl zu verordnen / daß hiernechst (Vermög deren alle Zöll vor einkommende Wahren mit species Rthlr. oder
Ducaten oder Gold und Silber in naturâ sol???en bezahlt werden.) alle
Zöll vor einkommende Wahren sollen bezahlt / und erlegt werden / in specie
Rthaler und Ducaten / oder Gold und Silber in naturâ außgerechnet zu vorgenantem
Müntz-Sortens Werthe / nach dessen Schrott und Korn / ingleichem in Ducaten /
Loviser / Englische Cronen / Schaffhäuser-Lowen und Creutz / nebst Bern- und
Holländ. Thalern: ein guten Ducaten gerechnet zu 77. ein drittel Oer
Silber-Müntz / ein Frantzös. Lovis zu 62. zwey drittel Oer Silber-Müntz. Doch
weil wir hiebey wohl können nachdencken / daß in dem Handel / welchem wir in
Gnaden zugethan / auff alle Manier zu befördern / einige Beschwerlichkeit sich
verursachen solte / wann obgenante Verordnung nun stracks solte werckstellig
gemacht / und seinen Anfang nehmen / indem die Traffiquirende ihre Messures
gerichtet; Nachdem nun vor Zeiten üblich / und nit nach dem vor vielen Jahren
vergönten Zulaß mehrgedachten Zoll mit Schwedischer Silber-Müntz zu clariren /
und solcher gestalt nit einst gedacht an Herbeyschaffung von spec??? Rthaler /
Ducaten / Gold oder Silber in naturâ, oder oben specificirte Müntz-Sorten. Als
ist nun resolvirt / daß diese Veränderung erstlich primo Augusti ihren Anfang
nehmen soll / als wird folches zu dem Ende hierdurch publicirt / auff daß
niemand hernacher vorgeben mag / daß er davon nichts gewust / sondern ein
jedweder sich darnach wisse zu richten / un̅ seine Sachen darnach
zu stellen / auch sich von solchen Müntz-Sorten versehen / damit der Zoll soll
erleget werden. Auch wiewohl in unserm letzten Müntz-Placat von uns ward
verordnet / daß in allem das 1681. Jahrs-Placat solte / nebst unser An. 1683.
gegebenen Erklärung gehalten werden / und verbleiben in voller Krafft / wollen
wir doch aus sonderlichen Ursachen dasselbige hiemit in so weit haben verändert
/ daß ein von unser im Reiche geschlagene Carolin soll gelten 20. Oer
Silber-Müntz / sollende ein jedweder so etwas / entweder in naturâ oder von oben
specificirte Müntz-Sorten läst einkommen / frey stehen / dasselbige in solche
doppelte / gantze oder halbe Caroliner auffzumüntzen / zu obgenanten Werth /
auch das [371] Quantum, so einen jeden
beliebet. Hiernach alle / denen es angehet / sich zu richten / sc. Datum
Stockholm den 15. May 1686.
Carolus. (L. S.)
(Zu Stockholm bey einem Brandenwein-Brenner entstehet
ein schreckliche Feuersbr??? wordurch grosser Scha??? geschiehet.) Den
18. ist allhier ein groß Unglück geschehen / indeme am Lagersland bey dem
Packmarckt in einem verschlossenen Hause / da die Leuthe verreiset gewesen / bey
einem Brandweinbrenner ein urplötzliches Feuer auskommen / so von Glocke 10. biß
umb 9. Uhr bey 20. Stund unauffhörlich dergestalten abscheulich gebrannt / daß
selbiges fast die gantze Gemeinde von St. Jacob / und die Helffte von St. Clara
weggenommen / und alles vom Packmarckt biß an den Heumarckt in die 40. Quartier
oder 1900. Häuser in die Aschen geleget / nebst 2. schönen Kirchen / so gantz
mit abgebrandt; Es ist hierdurch ein unersetzlicher Schaden geschehen; Es werden
bey 150. Menschen gezehlet / so in diesem Feuer mit verbrandt seynd / viel seynd
gar elend beschädiget und ihrer Haab und Güter beraubet worden. Ein vornehmer
Herr so ein Podagricus gewesen / ist auch mit verbrandt / welcher wegen deß
Feuers grosser Furie nicht hat können gerettet werden. In Summa das Elend und
der Jammer der abgebranden und trostlosen Leute ist mit keiner Feder zu
beschreiben / indem man die eine Parthey hie / die ander dort mit etwas
gerettetes Gut / die dritte aber Mann / Weib / und Kinder gar nackend und bloß
winßlen und sitzen sihet. Der Brandorth sihet einer Verwüstung gleich / und hat
man unter den Steinhauffen den 20. noch Feuer gefunden. Bey Ihr. Königl. Majest.
Widerkunfft wird man auff eine Brandsteuer vor diese arme Leuth bedacht seyn /
unterdessen haben Ihr. Majest. die regirende Königin sich viel dieser elenden
Leuthe höchstrühmlich angenommen; es war sonsten ein greuliches Feuer und hatte
es das Ansehen / als wolte alles über und über gehen / daß es aber so geschwind
überhand genommen / ist dahero veranlasset / daß die Königl. Garde / so bey
dergleichen Begel enheiten die beste Rettung zu thun pfleget / eben zu solcher
Zeit auff Ladigsarts Felde exercirt worden / welchen Ihr. Majest. die regirende
Königin nebst der hohen jungen Herrschafft mit beywohneten / und obgleich solche
fort nach der Stadt marschirt / war sie doch vom scharmutziren und Travailliren
gantz abgemattet und müde / daß sie nicht viel außrichten konten / man hat an
unterschiedlichen Orthen Feuer angelegt gefunden / daher man versichert ist /
daß es von Mordbrennern geschehen / weßwegen schon 20. Persohnen eingezogen
worden.
|| [372]
Sonntags den 23. wurden allhier in der Teutschen Kirchen nach der
Nachmittags-Predigt / 2. von denen Türck. Kindern getaufft / welchem Actui
sowohl als der Predigt / Jh. Maj. die Königin nebens Jh. Kön. Hoheit und (Es werden 2. Türckische Kinder getauffet worvon der
Actus hier außführlich beschrieben wird.) der Princessin beywohneten;
Der Hr. Magistrauch / welcher die Tauff verrichtete / bereitete sich also darzu
(nachdem die geistreichen Lieder / Kombt ihr schnöden Adams-Kinder / und / Komm
H. Geist Herre Gott / gesungen worden) daß er vorhero den schönen Spruch: soviel
eurer getaufft sind / die haben Christum angezogen / erklärete / und darauff das
Verlangen referirte / so diese Kinder / als von 7. à 8. Jahren hierzu befördert
zu werden / von sich spühren lassen / und hielte ihnen darauff einige Fragstück
vor / worauff sie fein deutlich in bereits erlernter Teutscher Sprache
antworteten: Wieviel sind Götter? einer in 3. Personen; wer sind die? Gott
Vatter / Sohn und H. Geist; können Juden / Türcken und Heyden auch seelig
werden? Nicht als durch die Tauffe / und den Glauben an Christum; wer bistu? ein
Sünder / und dergleichen schöne Fragen mehr: Endlich aber / wiltu allzeit bey
diesem Glauben bleiben? wiltu getaufft seyn? Ja; wie wiltu heissen? worzu der
Knab geantwortet / Alexander Gott Lob / das Mädgen aber Theodora Amalia, da
bißhero der Knabe Betscher und das Mägdlein Oschmina geheissen; die Tauffpathen
waren der Hr. Reichsmarschall Steenbock / der Hr. Graf Nostiz und andere Grandes
von Hofe / unter andern auch die Priester / so diese Kinder mit unterrichtet /
als Hr. M. Bezelius, und Mons. Vult; auff der andern Seithen waren; die Frau
Gräfin Pontus, die Frau Gräfin Königsmarck sc. Insgesamt 15. Gevattern zu beyden
Taufflingen. Die ältisten Weiblein sind etwas hartnäckichter / und bedörffen
noch weitläufftigern Unterricht / ehe sie getaufft werden / ohngeachtet die eine
/ eine Renegadin ist / so in Neuheusel von Lutherischen Eltern gebohren / und
hernach zum Türck. Greuel verführet worden.
Man höret leyder von nichts als morden und Unglücks-Fällen / wie dann ein
leichtsertiges Weib aus Verzweifflung / daß sie ihres Lebens ihrem (Ein Weib schneidet ihrem eigenen Kind die Kehle
ab.) Vorgeben nach müd und überdrüssig / ihrem eigenen Kind von 3. Jahren
zu erst mit einem Messer die Kehle abgeschnitten / und hernach mit einem Beil
den Kopff gar abgehauen hat. Ein gleiches böses Exempel hat sich unweit
Gottenburg zugetragen / woselbsten ein Baurweib / welche mit einem Soldaten
zugehalten (Ein ander Weib backet ihrem Mann einen
Pfa???enkuchen) / ihrem verreisenden Mann einen Pfannenkuchen mit
gifftigem Mercurio gebacken / und ihn gebetten / daß er solchen / als welche
Speise sich nit lang halten könte / erst verzehren möchte / welches er dann auch
gethan / nachdem er einige Meilen gereist / ist er todt zur Erden gefallen / und
also sein Cörper nach Hauß gebracht worden / da dann dieses gottlose Weib nit
weniger als ihre Kin [373] der sehr
geweinet / gleichsam als ob ihr von seinem Tod nichts bewust wäre; die Magd aber
/ umb die Kinder zu stillen / holet jedem Kind ein Stück von solchem Kuchen /
unwissend / daß solcher also zubereitet sey / 2. sterben also (vermischt mit gifftigem Mercurio, und befördert ihn
also zum Tod nebst 2. Kindern.) fort daran / das dritte aber / so den
Bissen durch ein angekommenes Brechen von sich gegeben / bleibet am Leben / die
Magd verkündiget der tyrannischen Mutter / wie die Kinder tod zur Erden gefallen
/ diese leichtfertige Mutter fragt / wie das zugegangen / bekam von der Magd zur
Antwort / sie hätten nichts als ein Stück von dem Kuchen genossen / darauff die
Frau mit grossem Fluchen ausg fahren / warumb sie den Kindern davon geben?
weilen eben damals 3. Bauren dabey gewesen / haben sie selbige so fort derowegen
gefangen genommen / da sie dann alles bekandt. Es ist wiederumb ein grosses
Schreiben von Jh. Czaar. Maj. an Jh. Königl. Maj. angekommen. Dieser Tagen ist
auch wiederumb ein Schiff zu Calmar von Stapel abgelauffen / hat aber seinen
Namen noch nit erhalten.
Das siebende Capittel
Schreibet von Königl. Polnisch-Moscowittisch-Türckisch- und Tartarischen Hoff-
und Kriegs-Händeln.
(Kön. Poln. Geschichten.) POlnische Brieff aus
Lemberg vom 30. passato melden / daß am Ende abgewichenen Monats aus allen
umbligenden Plätzen Nachricht eingegangen / welche alle vom Feind einhellig
lauten / dergestalt / daß die Tartarische Horde (welche den neuen Bassa sambt
vielem Proviant in Caminieck convoyret) aller Orten herumb streiffel / wie sie
dann bey unterschiedlichen Städten an Menschen und Viehe viel weggenommen / sind
auch unter Bialocierkievv zu zweymalen eingefallen / in dero Gegend viel Schaden
(Die Tartarn thun grossen Schaden.) verübet
/ aber in den Vorstädten konten sie nichts üben / dann man hat sie so weit nicht
kommen lassen / massen die Besatzung aus gefallen / viel derer erlegt / viel
gefangen / und glücklich zurück gebracht. Dieselbige Gefangene referiren, daß 9.
Murtzen in 1500. ordinirten Völckern dazu geordnet sind / damit dieselbe mehrern
Schwarm an sich ziehen / und aller Orten / wo sie nur immer können / alles
verheeren und verwüsten / wie sie dann schon darzu guten Anfang gethan / und
viele Plätze ruinirt haben / dahero das Volck aus den Städten das ihrige
verlassen / und sich hinter den Dnieper salviren [374] und begeben müssen. Aus Raluck sind gleichfalls (welcher Ort sich
allemahl noch so wohl gehalten) alle Einwohner weg gegangen / und die Stadt
(Deßwegen aller Orten Klagen ein. kommen.)
wüst gelassen / wo dieses biß an die Ernde continuirt / wird der Feind nach
seinem Belieben können streiffen / wie er will / und wird dardurch Niemirow und
Bialocierkiew in Ge???fahr stehen / dann ihnen an Brod und Victualien mangelt /
wie auch schon hinter dem Dniester ihnen nichts zugeführet wird. Aus Sratanow
haben gleichfalls die Karakasker Cossacken Bericht gethan / daß die Horde sie
unverhofft überfallen / und auff 500. Pferde mitgenommen. Aus der Wallachey ist
auch diese gewisse Nachricht / daß ein Bassa in Caminieck beordert auff Cicorza
zu gehen. Von der Bialogrodischen Horde mit seinen Beyständen seynd 2. Schwarm /
einer von den Budziacken / der andere aus Moldau / auch sonst ein gewisses Theil
nach Caminieck gegangen. Der Hospodar ist den 7. dieses aus Jaß gegen den Bassa
ausgangen / woraus leicht abzunehmen / daß er deß Feindes Freundschafft suchet.
Unsere Parthey / so aus Snyatin unterm Commando Hn. Eßmund gegangen / ist biß
unter Jaß gewesen / und den 7. dieses glücklich zurück kommen / und gute Beut
von etlich 100. Stück Wiehe mitgebracht. (Die
Moscowitter schicken 20. ihrer besten Regimenter gegen den Fluß
Boristhenem.) Zu Folge der mit Moscau geschlossenen Alliantz haben die
Czaaren schon 20. ihrer besten Regimenter gegen den Fluß Boristhenem marschiren
lassen / umb denen Tartarn den Durchmarsch zu verwehren / und versprechen / noch
in diesem Jahr Ozow / eine Vestung / welche die Türcken am Fluß Tan̅is im Einlauff deß schwartzen Meers erbauet haben / zu attaquiren / umb
dadurch denen Zaporis. Cossacken die passage in selbiges Meer zu verhindern. Der
Succ???urs / welchen der neue Bassa in Caminieck gebracht / ist nit so groß /
wie man gesagt hat / sondern hat nur in 800. Wägen mit Lebensmitteln / und
einigen Cameelen mit Geld beladen / umb selbige Guarnison zu bezahlen /
bestanden. Schreiben von Königsberg vom 5. dito bringen folgendes: Nachdeme
(Die Littauische Armee haltet Randevons bey
Brescie.) die Littauische Armee bey Brescie Rendevous gehalten / und
effective 15000. Mann starck befunden worden / campirt selbige annoch
dasel???bsten / is ein schönes auserlesenes Volck / die Infanterie auch
dergestalt beschaffen daß es eine Lust ist selbige anzusehen / die universalien
bey selbigem seynd zwar??? allbereit vor 14. Tagen ankommen / man kan aber noch
nicht vernehmen daß sie schon im Marsch begriffen / zu der Polnischen
Haupt-Armee zu stossen / welches aber nicht lang mehr wird dauren / weil
nunmehro mit Moscau alles richtig / auff welche Tractaten die Herren Littauer
bißhero grosse reflexion (Dem Cron-Feldherrn werden
einige gefangene) gemacht. Brieff aus Lemberg vom 10. corrente bringen
/ daß zu Ihro Gnaden dem Herrn Cron-Feldherrn etliche Tartarn / so aus der
Corvoy der Zufuhr nach Caminieck sind gefangen worden / eingebracht / mit
Be [375] richt / daß von
dieser Zufuhr nur etliche 100. Wägen in Caminieck eingegangen / ein neuer Bassa
ist nur mit 2000. Mann einkommen / bey diesem (Tartarn
zugeführt.) Begleit sind nur 4000. Mann von der Horde gewesen / sie
sind über Verhoffen dem guten Vorhaben der unsrigen zuvor kommen / dann da man
sich erst schickte / die Convoy zu bewillkommen / haben sie sich unter dessen
gar geschwind hinein gemacht / die Orde / nachdem sie sich bey Oßhog
geschwencket / ist forgegangen. Andere Zeitung / so eben diesem Herrn Wojewoden
gebracht / melden / daß der neue Bassa denen Barischen und Medsiborsichen
Besatzungen Ordre ertheilet / daß sie aus diesen particular-Oertern ausziehen
sollen / worauff sie auch beyde Schlösser durch Minen gesprenget / und nach
Caminieck eingezogen / scheinet / daß sie ihnen selbst nicht getrauen. Nachdem
Ih. Kön. Maj. den 2. aus Stolitze von denen Herren Abgesandten völlige Nachricht
erhalten / daß mit denen Czaaren ein ewiger Friede geschlossen / und den andern
Tag hat sollen beschworen werden / haben sie (Ih.
Königl. M. ???j. befinden sich in Jaworow / und machen Anstalt zur
Campagne.) so fort denen Cossacken hinter dem Dniester und Kalmucken auf
das schwartze Meer zu gehen befohlen / wider die Dunaische Cossacken. Ihro
Königl. Maj. sind überaus lustig in Jaworow / und sind so viel begieriger zu
dieser Campagne / massen er bald nach dem Lager nach den Feyertägen auffbrechen
wird / wie dann auch schon etliche Wägen mit grossen Lasten voraus gehen. Ihr
Gnaden der Herr Wojewoda Rusky der Cron Groß-Feldherr ist noch in Lemberg. Den
3. sind von hier etliche Stück Geschütz / und auff die 60. Wägen mit Kugeln und
Pulver ausgegangen. Es wird auch täglich Proviant zum Dniester geführet / auch
werden Czayken / Pramer und Trafften gebauet / es sind etliche 1000. Leute / die
dabey arbeiten.
P. S. Es kombt vom Herrn Castellan Krakovvsky vom 4. Bericht / welcher
bekräfftiget / daß der gewesene Bassa von Caminieck selbst mit der Orde
ausgangen / aus Nicoviwitz und Bar die Leute auszuführen / und haben ihre Städte
geschleiffet. Eben derselbe Bassa gehet mit der Orde zurück nach dem Dunay zu /
da er mit dem Seraskier einer Menge Volcks soll vorgestellt werden. Unsere
Reuterey machte sich fertig hinter ihnen zu gehen / daß sie ihn etwa hinter der
Bukowina ergreiffen möchte / GOtt gebe / daß es glücklich von statten gehe.
(Die Türcken verlassen Bar und Miedziboz / und
reteriren sich in Caminieck.) Sonsten continuirt / daß die Türcken die
Vestungen Bar und Miedziboz verlassen / das Geschütz / Munition und Proviant von
dannen hinweg / und nacher Caminieck geführet / und in der ersten ein Bollwerck
gesprenget haben: und sagt man / daß Königl. Ordre ergangen / Polnische
Guarninison in obgedachte beede Plätz zu verlegen / und daß man mit allem Ernst
an denen ruinirten Wercken und Brechen solche wieder auffzubauen / arbeite. [376] Mit unsern Kundschafftern hat man
Nachricht / daß als die geschlossene Alliantz zwischen Polen und Moscau in Crimm
kund worden / solches grosse Bestürtzung verursachet / und der Cham seine
ausstreiffende Tartain zurück habe ruffen und anbefehlen lassen / ohne seinen
Befehl nit von denen Gräntzen sich zu erheben. Del alte Bassa von Caminieck ist
nach der Donau abgereist / umb Völcker zusammen zu bringen / deme eine gute
Parthey nachsetzet / wo es müglich ihn zu ertappen. Aus der Wallachey hat man /
daß der Moscowittische Ambassadeur bey der Ottomannischen Porte unvermuthet
seinen Abschied genommen habe. Ih. Kön. Maj. haben sich von Stry wieder nach
Jaworow erhoben / und halten mit denen anwesenden Senatoren täglich wegen der
jetzigen Angelegenheiten der Republic Rath / und wie der Feldzug möchte
beschleuniget / auch dem Feind nicht mehr Raum sich zu stärcken geben werden /
selber hat etwas Proviant in Caminieck geworffen / das meiste aber stehet noch
bey dem Dniester / weil es der darzu commandirte Bassa nicht getrauet
uberzubringen / indem der Castellan von Cracau drey starcke Partheyen ausgesandt
/ diesen Vögeln auffzuwarten. Abermahlige Schreiben aus Königsberg vom 14. dito
melden / daß sich zu Warschau (Der Hr. Unter-Cantzler
sambt dem Ermländischen Bischof werden nach Hof beruffen.) jetzo
befinden beyde Herren Cantzler / es ist aber der Herr Unter-Cantzler und
Ermländische Bischoff nach Hof entbotten worden / und soll Ihr. Kön. Maj.
überall auch so gar in das Lager folgen / dahero die Abreise nach Preussen und
folgends die Ambassade nach Venedig und Rom / wo nicht gar eingestellet / doch
aber in den Herbst möchte verschoben werden. Im Gegentheil wird der Herr
Groß-Cantzler auff Königl. Ordre die Judicia in Warschau halten / woselbst
unterschiedliche Fracht-Wagen mit Kleydern und Gewehr beladen aus Preussen nach
Lemberg durchpassiret seynd. Brieffe aus Jaworow vom 5. sagen / daß dato Ihro
Königl. Majest. zu dem (Der König empfähet zu Jaworow
vom Päbstl. Nuntio die Benediction, und gehet zu Feld.) Feldzug von
dem Päbstl. Nuntio die Benediction empfangen / und hat hiebey der Bischoff von
Caminieck Herr von Dänhoff eine vortreffliche Oration gehalten / und Ihro Maj.
zu vorstehender Campagne Glück gewünschet / es seynd auch bereits die schwehre
Wägen alle voran / daß Ih. Maj. heute noch 3. Meil Wegs von hier abreisen wollen
/ und nehmen mit sich den Przemistischen / Luckinischen und Caminieckischen
Bischoffen / dann den Herrn Woywoda Braclavvsky, Czeniehovvsky, Castellan
VVilensky, Littauisch. Hof-Marschall / Cron - Unter - Cantzler / und
Unter-Schatzmeister / man glaubt aber / daß etliche bey Ihro Maj. der Königin zu
Stry / oder wo sie residiren wird / verbleiben werden. Noch andere Brieff aus
Lemberg vom 13. dito haben nachstehendes mitgebracht: Nach eingeführtem Proviant
in Caminieck gibt es nichts neues / vielleicht hat die Parthey / so hinter dem
Se [377] raskier (welcher mit
der Horde von Caminieck nach der Dunay zuruck gekehrer) zu gehen beordert
gewesen / dem eylenden fliegenden Feind nicht nachkommen können / und dannenhero
nichts ausgerichtet; die Cossacken haben gleichwohl mit ihren gewöhnlichen
verborgenen Fünten etwas zuwege gebracht / dann erstlich haben sie ein Theil
Türcken / so sich von dem Volck getrennet / überfallen/etliche niedergemacht /
gute Beute bekommen / und (Die Cossacken fangen deß
Tartar-Chams an den Seraskier lautende Brieff auff / und überschicken
seldige dem König.) 4. Gefangene Ihro Kön. Maj. zugeführet / darnach
haben sie deß Chams Brieffe an den Seraskier auffgefangen / und Ihro Kön. Maj.
zugeschickt. Nachdem der König am Pfingstdienstag sich von Jaworow auffgemacht /
hat er zu Grobno Nachtläger gehalten / und gehet bey wenigen Meilen nach Stry.
Ihr Gnaden Herr Woywoda Rusky ist den 7. nach dem Lager abgereist / so unter
Haran zuck stehet. Es müssen Ihro Kön. Maj. was cylends im Sinn haben / dann es
hat Herr Woywoda VVilensky 2. Reuter abgehen lassen / damit er eylen möge / im
Fall er die Gelegenheit / weil Ih. Königl. Majest. mit dem Volck eylet / nicht
versäumen wolle. Abermalige Brieff aus Königsberg vom 21. geben / daß es
nunmehro mit dem ewigen Frieden zwischen Ih. Kön. Maj. von Polen und den
Moscowittischen Czaaren seine völlige Richtigkeit habe / dahero die hostilitäten
zwischen diesen und denen Türcken allbereit angehen / gestalt die Donauische
Cossacken / welche schon längst mit Verlangen auff diese Gelegenheit gewartet /
das schwartze Meer mit ihren Czaicken gantz unsicher machen / und alle passagie
auff demselben gesperret haben / so daß daher den Türcken keine Zufuhr zukommen
kan / welches in Constantinopel / woselbst der Mangel an Victualien ohne das
groß genug ist / noch mehr confusionen wird verursachen. Hiebey folgt ein
Extract-Schreibens aus Cracau vom 18. Junii.
(Die Littauische Armee langt an den Reussischen
Gräntzen an.) Jüngste Brieff brachten aus Reusch-Lemberg und Stry /
daß die Littauische Armee bereits an denen Reussischen Gräntzen angelangt sey /
dahero der König resolvirt hat / bey der Armee das Fest Corporis Christi mit
einem solennnen Umbgang zu celebriren, folglich mit der Armee gegen dem Dniester
sachte fortzurucken / und der Littauer zu erwarten. So hat auch der König alle
von denen Päbstlichen Geldern auffgerichtete Magazinen besichtiget / und grosse
Vergnüglichkeit hierüber bezeuget / weilen mit der Hülffe Goltes unsere Armee
dieses Jahr keine Noch wird anstossen dörffen / was aber Ihro Königliche Majest.
eigentlich vor desseinen habe / ist gantz geheim. Hingegen hat man sichere
Nachricht aus Caminieck / daß unter denen Türcken die Proersentz unsers Königs
grosse consternation verursache / und deßhalben der Bassa noch umb mehr Proviant
und 3000. Janitscharen geschrieben / [378] auch alle Tartarn / so viel er bekommen können / zu sich nacher Caminieck
gezogen. Aus Moscau seynd Brieffe eingelauffen / daß nicht allein unsere
Abgesandten nebst denen Moscowittischen Commissarien / sondern auch beede
Czaaren bereits die Alliantz-Pacta beschworen hätten / massen auch würcklich
50000. Mann unterm Commando deß Fürsten Gallizken als Primi Ministri Herrn
Bruders und Fürstens Hostlanaoskis auff einen gewissen Anschlag (Wegen der geschlossenen Alliantz mit Moscau wird in
Polen ein Danck-Fest gehalten.) fortmarschirt wären / dahero umb
solcher nun richtig geschlossenen Alliantz halber Gott dem Allmächtigen zu Ehren
künfftigen Son̅tag allhier und in der gantzen Cron Polen
solennissimè ein Danck - Fest gehalten werden wird. Die jüngst - gemeldte bey
denen gefangenen Türcken gefundene Brieff haben nur Principalieter diesen Inhalt
/ daß die Bassen und vornehme Officierer von der zwischen Moscau und Polen
getroffenen Alliantz nichts halten / auch denen andern durchgehends solches
beybringen / und versichern solten / im Fall auch etwas daran wäre / die Pforten
hieran sich gar nicht kehren dörffte / wir hingegen hoffen zu GOtt / daß dieses
der Christenheit zu einem Auffnehmen / und dem Bluthund zu einem grossen Schaden
gereichen wird / zumalen von Reusch-Lemberg schon zum zweytenma confirmirt wird
/ daß sich sehr viel Cossacken bereits zu Ih. Kön. Maj. Diensten versamblet
hatten. So hat auch gestrige Post von Ih. Königl. Maj. auch dem Groß-Feldherrn
die letztere scharpffe Universalia mitgebracht / worinnen bey Verliehrung deß
Lebens alle Edelleute / welche in Kriegsdiensten stehen / zur Armee titirt
weiden.
Extract aus deß Hn. Bischoffs von Liffland Poplavvsky, am H. Pfingsttag bey
grosser Versamblung der Herren Senatorn, Reichs-Officianten/und von Adel / als
den 2. Junii 1686. in der Warschauischen Pfarr-Kirchen gehaltenen Predigt.
(Der Bischoff von Liffland invitiret die Chu fürsten von
Sachsen und Brandenburg zu ??? Christli???.) Zu dieser Alliantz und
Vereinigung mit der Röm. Catholischen Kirchen wird mir auch freystehen /
einzuladen euch Durchleuchtigste Churfürsten zu Brandenburg und Sachsen / die
ihr allemal mit sonderbarem Eyfer entweder selbsten in höchster Person / oder
doch mit einer ansehnlichen Armee mit Ihr. Röm. Käyserl. Maiest. Und denen
andern Catholischen Potentaten wider den allgemeinen Erbfeind der Christenheit
euch vereiniget ge [379] habt / euch
noch biß dato vereiniget. Du insonderheit Durchl. Churfürst zu Brandenburg / der
du billig eines unsterblichen Namens würdig / und gewiß ein rechtes Kleinod und
Zierrath Principum hujus Saeculi zu nennen bist / auch denen in Europa
regierenden Potentaten sowol an grosser Renomm???é, als herrlichen Victorien
nicht das geringste nachgibest. Du / sage ich / Durchleuchtigster Churfürst /
hast fürnehmlich durch willfährige Schickung zu allen Feldzügen dey währendem
diesem Türckenkrieg deiner nicht minder (Lod deß
Churfürsten von Brandenburg.) ansehnlichen als tapffern Hülffs-Völcker
/ und was das meiste / durch deine hohe persuasion, durch welche die
Moscowittische Czaaren zu der mit hiesiger Cron Polen geschlossenen Alliantz und
ewigen Frieden gebracht worden / dich und die gantze Christenheit / welche sich
darob sehr erfreuet / hoch verdient gemacht. GOtt der Allerhöchste erhalte dich
bey solchen herrlichen Thaten / und langem Leben / er bevestige deinen Thron /
und segne dich mit allem Churfürstlichen Wohlwesen / und über die unvergängliche
Cron / welche er dir vor solchen Dienst (den dir die gantze Christenheit
nimmermehr genug verdancken kan) im Himmel zubereitet / kröne er dich in diesem
H. Kriege mit herrlichen Triumphen / und immerwährenden Siegs-Palmen.
Aus Zollkiew hat man vom 7. daß Ih. Königl. Maj. gleich nach dero (Der König in Polen lässet Bar und Miedzibocz
besetzen.) Ankunsst zu Stry / Bar und Miedzibotz besetzen lassen / welche
die Türcken verlassen / und Pulver unter die Schlösser gesetzet / allein die
Minen sind ohne effect der Orten abgangen. Die Moscowitter haben auch einen
guten Anfang gemacht / und auff dem Czamber eine starcke Parthey Tartarn
geschlagen / so Proviant holen wollen. Nach Johannistag werden die in Jaworow
noch anwesende Officiers und Cavalliers der Armee bald folgen / wiewohl die
meisten mit ihrer Bagage schon fort sind. In Bask seynd 3. Türcken eingebracht /
bey welchen viel Brieffe vom Türckischen Käyser / auch vom Vezier an den Bassa
nach Caminieck gefunden worden / was aber in den Brieffen gewesen / kan man noch
nicht wissen / weil die Türcken alsobald zu Ih. Majest. geschicket worden: sie
berichten auch / daß der Vezier mit grossem Pracht ins Lager zu marschiren
begriffen gewesen / aber schon wieder zurück nach Adrianopel gekehret sey; die
Türcken sollen keine grosse Macht nicht können auffbringen / es soll auch ein
erschröcklicher Hunger in ihrem Lande seyn; der Seraskier / welcher nach Polen
ordinirt ist / stehet auff Budzack. Man sagt / daß der Moldauische Hospodar
4000. Man̅ zu Pferde in Bereitschafft stehen habe / zu der
Polnischen Armee zu stossen; (Mons. de Louvois aus
Franckreich ältester Sohn langt in Polen an.) und Hoffet man auch
dergleichen von dem Wallachischen Fürsten. Deß Mons. de Louvois ältester Sohn
aus Franckreich ist mit einer starcken Suite [380] und schöner Montirung bey hiesigem Königl. Poln. Hof angelangt /
umb als Volonteur diesen Feldzug bey Sr. Kön. Maj. sich gebrauchen zu lassen.
Durch die nun vierfache Alliantz wird der in 2. Worten bestehende Verß /
Conturbabuntur Constantinopolitani, eine starcke Würckung haben.
Extract-Schreibens aus Stry vom
19. Junij.
Weilen es etliche Tage hero sehr starck geregnet hat / und das Regenwetter
continuirlich angehalten / wollen J. K. Maj. noch das Fest S. Johannis allhier
celebriren, und gleich darauff zur Haupt-Armee sich begeben / zumalen auch die
Hn. Littauer Versicherung gethan / bey Us zie sich ehistens mit unsern Völckern
zu conjungiren / allwo auch der Cron-Feldherr bereits (Ihr. Kön. Maj. geden Ordre Caminieck zu berennen.) ein bequemes Läger
hat aus zeichnen lassen. J. K. Maj. aber haben bereits Ordre gegeben / Caminieck
Podolsky zu berennen / und alle excursiones, wie auch Kundschafften / zu
verhindern. Aus ver Wallachey seynd auch von dem Hospodar / und verschiedenen
vornehmen Hn. Officierer allhier angelangt / welche sich alle dem König
submittiren, und von der wegen der Teutschen Waffen / auch getroffenen
Moscowittischen Alliantz in Türckey entstandenen alteration viel zu sagen wissen
/ welches man aber hier in keine consideration ziehet / sondern Ih. Kön. Maj.
bleiben dabey / ihre intention auszuführen / weil sich wider alles verhoffen
unsere Cossacken schon zu Felde proesentiret. Die 500. Centner Pulver / welche
Se. Churfürstl. Durchl. von Sachsen Ih. Kön. Maj. in Polen zu jetzigem Feldzug
wider die Türcken geschencket haben / seynd zu Lemberg angelangt. Aus Volhinien
ist der Bischoff Szumlansky allhier angelangt / mit Bericht / daß in selbigen
Landen von denen Moscowittischen also genanten Zaparowiß und Tanayschen
Cossacken in 30000. starck Musterung gehalten worden / und schon gegen
Boristhene marschirt wären / umb denen Tartarischen Horden die passage zu
verhindern. Brieff aus Moscau melden / daß alle Völcker wider die Türcken zu
marschiren beordert worden / und nur 2. Regimenter zu Gardes der Czaaren in
selbigem Reich geblieben wären. Der Cossacken Gen. Mohila (Der General Mohila gehet gegen Jasso und schlägt die
Tartarn.) hat einige Völcker aus der Guarnison von Snyatina zu denen
seinigen genommen / und ist gegen Jasso gangen / allwo er eine grosse Parthey
Tartarn geschlagen / von welchen er eine Standarte und einige Gefangene anhero
zu Ih. Kön. Maj. in Polen geschickt hat. Den 29. dieses werden Se. Maj. von hier
nach dem Lager abreisen.
|| [381]
Aus Moscau ist Nachricht eingeloffen / daß bereits die Czaaris Gesanden umb wegen
der getroffenen Alliantz alle Richtigkeit zu pflegen / anhero zu reisen /
unterwegens sind / vermuthlich aber dörfften sie schwärlich zur Armee gelassen
werden. Ingleichem daß die Moscowitter bereits etliche 1000. Schiffe mit
Proviant zu Wasser nacher Krzemenzyck abgeführet / von welchem ihre Soldatesca
unterhalten werden soll / allwo sie auch Ordre an die Cossacken ergehen lassen /
daß selbige auff die Tartarische Gräntzen rucken / und einige Excursiones in deß
Feindes Land thun sollen. Aus Bialocierkiew seynd Schreiben eingelauffen / daß
der Obrist Palley aus denen wüsten Feldern angelanget / und mit seinen
unterhabenden Cossacken / deren 500. gewesen / die (Blutige Schlacht zwischen den Cossacken und Tartarn.) Stadt Orakowa
angefallen / und daselbst die Vorstadt geplündert / verbrennet / und viel
Janitschar. Weiber und Kinder nidergesäbelt / auch etliche 1000. stück Vihe mit
sich weggenommen. Worauff sich die Janitscharen in praesidio mit etlich 1000.
Tartarn conjungirt / denen Cossacken nachgesetzet / und nach langwirigem
Scharmützel / bey welchem viel Tartarn geblieben / haben die Cossacken das Feld
raumen / und alles Viehe / biß 200. Pferde im Stich lassen müssen. Gemeldte
Schreiben versichern dabey / daß der Cossack. Gen. Mohila mit seinen Völckern
bereits nacher Caminytz Podolsky im Marsch begrieffen sey / mit welchem sich der
Castellan Chelmsky mit etlichen leichten Fahnen conjungiren / und dem Feinde die
Excursiones verhindern sollen.
Extract-Schreibens aus Moscau den 5. Junii.
(Moscowitt. Geschichten.) Den Tartarischen
Envoyé, welcher mit seinem Volck allhier ein Zeitlang in dem Gefängnuß gewesen /
hat man wieder frey gemacht / mit Ordre / daß er dem Cham seinem Herrn solle
bedeuten / daß Ihro Czaar. Majest. (Der Tartarische
Envoyé wird seiner Gefangenschafft entlassen und nach Hauß geschickt.)
einen ewigen Frieden / mit der Cron und Republic von Pohlen gemacht / und
resolvirt haben / ihn dessen Effect und Würckung fühlen zu lassen / daferne er
nicht abstehet / die Christen überall zu beschädigen. Die Hnn. Hnn. Shemeritoff,
Sadayoff, und Pretasi werden in kurtzem von hier / nach denen Käyserl. und
Pohlnischen Höfen abreisen / die 2. erste als Ambassadeurs / und der letzte als
Secretarius, und wann die Sachen an beeden besagten Höfen verrichtet / solle der
letzte nach Venedig gehen. Der Hr. Patrick Gordon, welcher bey Anfang dieses
Jahrs nach Engelland verreist / ist zum General über???die Fußvölcker erwehlet
worden / und solle solche gegen die Crimmische Tartarn commandiren / zu dem Ende
er aus Engelland zurück entbotten worden ist.
|| [382]
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