|| [ID00001]
Ein Christliche Predigt / Gethan zu Wolffenbüttel den 8. Septembris, Als die
Leich des Weilandt Hochwürdigen / Durchleuchtigen / Hochgebornen Fürsten vnd
Herrn / Herrn HEINRICH IVLII, Postulirten Bischoffen zu Halberstadt / vnd
Hertzogen zu Braunschweig vnd Lüneburg / etc. vnsers allerseits gewesenen G. F.
vnd Herrn anhero gebracht / vnd in der F. Schloß Kirchen niedergesetzt.
ICh bin beyde dein Pilgrim / vnd dein Bürger / wie alle meine Väter.
WIr haben langzeit Hertzlich gewünscht vnd gebeten / das wir einmahl vnsern
gnädigen lieben Landeßfürsten vnd Herrn müchte̅ auß frembden
Landen wieder zu Hauß kriegen: Da haben wir nun S. F. G. Den Verstandt aber vnd
die meinung hats gleichwol mit vnserm Wunsch vnd Gebet im geringsten nicht
gehabt / den̅ wir haben gewünscht vnd gebeten / S. F. G. möchten
lebendig ankom̅en / vnd S. G. hertzliebe Gemahlin / Junge Herrn
vnd Frewlein / vnd Landt vnd Leut mit seiner ankunfft höchlich erfrewen / so
werden sie vns jetzo Tod zugeführet / vnd ist trawrigkeit vnd betrübniß / wo man
sich hinkehret vnd wendet. Das mag wol heissen: Homo proponit, sed Deus
disponit. Der Mensch setzt jm et was für / aber Gott versetzt es / vnd macht es
anders / Den̅ wir haben vns den Herrn in vnsere Gedancken vnd
Hertzen jm̅er lebendig mit frewden fürgesetzt vnd eingebildet / so
kömpt Gott / kehret es vmb / vnd setzt vns
|| [ID00004]
denselben in der that Todt für / mit
Schmertzen vnd Weinen. Vnd wen̅ mans recht bedenckt / wem solte es
nicht schmertzen? Wer wolte nicht drüber Weinen? Den̅ die
hochlöbliche Landeßfürstin hat dran gehabt jhr Heupt / den̅ der
Man̅ ist des Weibes Heupt / schreibt Paulus zun Ephes. 5. das
hat sie verlohren / vnd ist in den betrübten Witwen Standt gerahten: Junge Herrn
vnd Frewlein haben dran gehabt jhren Herrn Vater / dessen sind sie beraubet /
vnnd zu Einsamen Waisen worden: Landt vnd Leut haben dran gehabt jhren
jrrdischen Gott / den̅ Oberkeiten werden im 82. Psalm Götter
geheissen / den haben sie zugesetzt. Vnd das sonderlich zubeklagen / wenn ja S.
F. G. hetten sterben sollen / wie den̅ kein Mensch lebt / der
nicht den Todt solt sehen / im 89. Psalm / so were es noch etlicher massen
hingangen / so sie in seiner hertzlieben Gemahlin armen gestorben / welches
nicht geschehen / vnnd so Junge Herrn vnd Frewlein (die jhren lieben Herren
Vater zum theil in etlichen Jahren / zum theil gar nicht gesehen) im letzten
vmbs Bette hergestanden / vnd Väterliche Vermahnung vnd Segen / wie Salomo
Davids Sohn / im ersten Buch der Könige am 2. angehöret vnd empfangen / welches
verblieben / vnnd so Landt vnd Leut auffgewartet / welches jhnen nicht hat
wiederfahren können. Was sol ich viel sagen? Es ist gar ein jämmerlicher vnnd
sehr beweglicher Fall. Weren wir nu Heyden / die von Gott nichts wissen / vnd
keine Hoffnung haben / so möchten wir drüber
|| [ID00005]
vngedultig werden vnd murren. Aber wir
sind Christen / darumb sollen wir vns billig drein schicken / vnnd mit Gott zu
frieden seyn / den̅ wir wissen ja / das nicht ein Sperling an die
Erden falle ohn den Himlischen Vater / vnd alle vnsere Haer auff vnserm Heupt
gezelet seyn / Matth. 10. Wir wissen auch / das GOtt die Menschen lasse sterben
/ vnd spreche / Kommet wieder Menschen Kinder / im 90. Psalm: Ja / das daß beste
vnd fürnembste ist / so wissen wir / das daß sterben / welches im Herrn
geschicht / in der offenbarung Johannis am 14. kein Schade / sondern Gewin̅ sey / zun Phil: 1: Denn da wir hie Pilgrim vnd Walfarthsbrüder
seyn / so lang wir leben / so kommen wir durch den Todt aus der Pilgramschafft
vnd Walfarth ins rechte Vaterlandt / vnd seyn bey dem HErrn allezeit / 1. Thes.
4. Damit hat sich auffgerichtet vnd getröstet der Hertzog des Israelitischen
Volcks David / vnd wir sollens auch thun. Vnnd weil vns der Trost in verlesenem
Sprüchlein aus dem 39. Psalm wird fürgehalten / vnd sich auff diesem Fall / da
vnser gewesener gnädiger Fürst vnnd Herr aus der Walfarth als ein Pilgrim wird
zu Hauß gebracht / wol schicket / Als wollen wir dasselbige im Nahmen Gottes
kürtzlich zu erklären für vns nehmen / vnd erstlich bedencken / das David zu
Gott sagt / Er sey sein Pilgrim. Zum andern / das er spricht / Er sey sein
Bürger.
Gott gebe vns darzu seinen heiligen Geist / vmb JEsu Christi willen / Amen.
|| [ID00006]
Vom Ersten.
DAs erste Stücklein stehet in seiner Sprach in dreyen wörtern. Das erste Wort ist
Pilgrim. Das hat Lutherus seliger gedechtnuß im 2. Buch Mosis am 20. Cap.
gegeben Frembdlinger / vnd im 119. Psalm / Gast / vnd haben so die drey Nahmen
Pilgrim / Frembdlinger vnd Gast / einen verstandt vnd meinung / wie es sich auch
in der That nicht anders verhelt / denn ein Pilgrim ist ein solche Person / die
an dem Ort / da sie ist / frembd vnd gleich ein Gast ist. Vnd wil nu David damit
zuverstehen geben / ob er wol hie auff Erden zu Jerusalem seinen stattlichen
Sitz habe / so gehöre er gleichwol da nicht zu Hauß / sondern sein Vaterland sey
an einem andern Ort / Jerusälem aber vnd seine Königliche Burg / ja das gantze
Landt habe er Gastweise innen / vnnd werde einmahl als ein Pilgrim vnnd
Frembdlinger müssen auffbrechen / davon ziehen / alles hintersich lassen vnd
sterben / vnd alßdan werde er erst zu Hauß kommen / dahin er gehöre.
Das ander Wörtlein ist / Ich bin dein Pilgrim. Das wird offt im Ebreischen
außgelassen / aber hie hats David ohn allen zweiffel aus erheblicher Vrsach
hinzusetzen wollen / nemblich sich selbst damit zuerinnern / auff seine eigne
Person zu sehen / den̅ es pflegt gemeinlich so herzugehen / das
wen̅ etwas gesagt wird / das vns nicht mit ist / wirs auff
andere Leute ziehen /
|| [ID00007]
vnd vnser drüber
vergessen / aber das thut er nicht / sondern nennet sich so wol als alle seine
Väter / vnnd schleust sich selbst mit in die Zall der Pilgrim / Frembdlinger vnd
Gäste. Er mag auch wol hohen Potentaten / die sich offt für andern bedüncken
lassen / sie werden nimmermehr darnieder liggen / wie david selbst / da es jhm
wolgangen / die gedancken seyn kommen / im 30. Psalm / haben wollen einen Wanck
geben / das sie in sich sollen schlahen / vnd gedencken / habe er / der
Gewaltige König vnd Mann nach dem Hertzen des HErrn / sich für einen Pilgrim
müssen außgeben vnd halten / so haben sie sich viel weniger außzuwerffen / vnd
mögen deßwegen jhr leben vnd all jhr thun desto besser darnach anstellen.
Das dritte vnd letzte Wörtlein ist: Mit oder bey dir. Lutherus hats verdeutschet
dein / Ich bin dein Pilgrim. Das ist auch sehr mercklich / vnnd kan verstanden
werden auff dreyerley arth vnd weise: Eins / das David so ein Pilgrim mit oder
bey Gott gewesen / das er jmmer mit vnd bey Gott seine Gedancken gehabt / vnd es
mit jhm gehalten / wie es Christus so gebraucht hat Luc: am 11. Wer nicht mit
mir ist / der ist wieder mich: So ist David nicht wieder Gott in seiner
Wallfarth gewesen / sondern mit jm / den̅ Hertz / Sin̅ / Gedancken vnnd Muth / jhm jmmer nach Gott gestanden / wie den̅ ein ander Weltlicher Pilgrim / auch jmmer mit den Gedancken bey vnd mit den
seinen zu Hauß ist.
|| [ID00008]
Darnach kans verstanden werden / das David so ein Pilgrim mit oder bey Gott oder
Gottes Pilgrim gewesen / das jhm Gott in seiner Wallfarth allezeit mit seiner
Gnad bey gestanden / sich seiner als seines eignen Frembdlings angenommen / vnnd
mit Trost / Hülff vnd Raht jhn nicht verlassen habe / wie er im 23. Psalm sagt /
Ob ich schon Wander (nemblich als ein Pilgrim) im finstern Thal / fürchte ich
kein Vnglück / den̅ du bist mit oder bey mir / dein Stecken vnd
Stab trösten mich. Endtlich kans verstanden werden / das Gott mit dem David ein
Pilgrim gewesen / denn wen̅ vnser zween seyn / vnnd ich sage / ich
bin mit dir frembdt vnd ein Gast / so versteht sichs / das wir beyde frembdt vnd
Gäste seyn: Nu spricht aber David / Ich bin o Gott ein Pilgrim mit dir / so seyn
sie beyde Pilgrim zusamen. Vnd das ist nicht vnrecht / den̅ was
die Gleubigen seyn / das ist Gott mit jhnen / werden sie verfolget / so wird
Gott mit jhnen verfolget / in der Apostel Geschicht am 9. Saul / Saul was
verfolgstu mich? Seyn sie Arm / so ist Gott gleich Arm mit jhnen / seyn sie
Gäste / so ist Gott ein Gast mit jhnen / seyn sie Hungerig / Dürstig / Nacket
oder Gefangen / so ist Gott mit jhnen Hungerig / Dürstig / Nacket vnd Gefangen /
Wie Christus Matth. 25. dasselbe am jüngsten Tage bekennen wird. Das ist der
dreyer Wörter verstandt im ersten theil.
Hieraus lernen wir nu / geliebte im HErrn / was wir für Leute in dieser Welt seyn
/ vnd wo für wir vn
|| [ID00009]
ser Leben
ansehen vnnd halten sollen: Wir seyn Pilgrim / Frembdlinge vnd Gäste vnd vnser
Leben ist eine Pilgrimfarth / Walfarth vnd Gasthauß. Das ist lang vor dem David
der fromme Jacob nicht in abreden gewesen / denn da er von Pharaone vmb sein
Alter gefragt worden / im ersten Buch Mosis am 47. hat er geantwortet: Die zeit
meiner Wallfahrt ist hundert vnd dreissig Jahr / wenig vnd böß ist die zeit
meines lebens / vnd langet nicht an die zeit meiner Väter in jhrer Wallfahrt.
Vnd zun Hebreern am 11. Cap. werden die Heiligen aus dem alten Testament
angezogen / vnd wird gesagt / diese alle haben bekandt / das sie Gäste vnd
Frembdlinge auff Erden sind. Vnd in der ander Epistel an die Cor. am 5. Cap.
lesen wir auch davon: Dieweil wir im Leibe wohnen / so wallen wir. Vnd 1. Pet.
am 2. Ich ermahne euch als die Frembdlingen vnd Pilgrim. Damit stimmen auch
vberein die alten Kirchenlehrer: Cyprianus schreibt / Vnusquisque cum nascitur,
hospitio hujus mundi suscipitur, ein jeglicher wenn er geboren wird / wird von
oder ins Gasthaus oder Herberge dieser Welt auffgenommen. Vnd Ambrosius / Non
incolae, sed accolae sumus terrae hujus, Wir seyn nicht Einwöhner / sondern
beywöhner dieser Erden. Vnd Augustinus / Haec vita est tabernaculum
peregrinantium, diß leben ist eine Hütten der Pilger. Ja den Heyden hats
allerdings die Erfahrung gelehret / daher sie diß Leben ein Gasthoff oder
Wirthshauß genant haben / als Cicero sagt / Ex
|| [ID00010]
vita ista discedo, tanquam ex
hospitio, non tanquam ex domo. Commorandi enim Natura diversorium nobis, non
habitandi dedit. Ich schreite aus diesem Leben als aus einer Herberge / nicht
als aus einem Hause / denn die Natur hat vns hir einen Gasthoff gegeben / etwas
drinnen zuverharren / nicht aber gar zubewohnen.
Das wir aber Pilgrim / Frembdlinge vnd Gäste seyn / vnnd vnser Leben ein
Pilgrimschafft / Wallfarth vnd Gasthaus / das hat vnter andern drey erhebliche
Vrsachen / die wol werth seyn / das man jhnen nachdencket / vnd sie recht
anlegt. Die erste Vrsach ist / Wie ein Pilgrim vnd Frembdling nicht bey den
seinen im rechten Hause vnd Lande ist: Also seyn wir auch nicht bey den vnsern
im rechten Hause vnd Lande. Dahin sihet Paul. in der 2. Epistel an die Cor. im
5. Cap. Dieweil wir im Leibe wohnen / so wallen wir dem HErrn. Im Grieschischem
wirds baß außgetrückt / , wir seyn ausser dem Hause vom
HErrn. Damit wird gnugsam angedeutet / das vnsere Pilgrimschafft vnd Wallfahrt
vrsprüngklich daher komme / das wir nicht im rechten Hause seyn. Nu hat Gott
zwar hie auff Erden sein Haus / die Kirch / 1. Timoth. 3. Darinnen er als
Haußherr oder Haußwirth sein Fewr vnd Herd hat / Esa. am 31. In welchem wir von
Natur mit Gott nicht seyn / wie zun Ephes. am 2. bekandt wird / Aber das Haus
Gottes wird eigentlich an obgemeltem Ort nicht gemeinet / Denn Paulus der ein
Glied der Kirchen vnd drinnen
|| [ID00011]
war /
redet von sich selbst mit / er sey ohn das nicht mit Gott im rechten Hause / vnd
derwegen ein Pilgrim. Was er aber für ein Haus verstehe / ist leichtlich
abzunemen auß nachfolgenden Worten / da er spricht / wir haben lust daheimen im Hause zu seyn bey dem HErrn. Worauß offenbar /
das er den Himmel vnd das ewige Leben meine / denn das ist das rechte Hauß
Gottes / lauth Christi bekendniß Joh. am 14. In meines Vaters Hause sind viel
Wonungen. In dem Hause / wens recht zuginge / solten wir billig mit vnd bey Gott
seyn / aber daran mangelt es vns. Dessen haben wir ein fein Bild im ersten Buch
Mosis am 3. da lesen wir / das Gott vnsere erste Eltern nach seinem Ebenbilde in
rechtschaffener Gerechtigkeit vnd Heiligkeit habe erschaffen vnd ins Paradiß
gesetzt / das sie dasselbige als sein Hauß bawen vnd bewohnen solten / auß
welchem sie würden einen freyen Gang gehabt haben / so sie nicht gefallen weren
/ zum Himlischen ewigen Hause Gottes: Aber in dem sie gesündiget vnd von Gott
gewichen / hat sie Gott außgetrieben vnnd für den Garten Eden den Cherubim mit
einem blossen hawenden Schwerd gelegt / zubewaren den Weg zum Baum des Lebens /
vnd mit dem zugeschlossenen Irrdischen Paradiß ist auch zugleich das Himlische
zugeschlossen worden / das kein Mensch von sich selbst gen Himmel fahren / vnd
in das rechte Hauß Gottes dürch seine Kräffte vnd vermügen kommen kan / wie
Christus Joh. am 3. bezeuget.
|| [ID00012]
Diese Vrsach sollen wir vns darzu zu nütz machen / das wir vns vnsers Fals vnd
Sünden dabey erinnern / denn wie Mißhändler aus jhrem Hause vnd Lande von wegen
jhrer bösen thaten verwiesen vnnd verfestet werden / so sind wir auch als
Mißhändler von wegen vnser Vbelthat aus dem rechten Hause vnd Lande von Gott
verwiesen vnd verfestet / vnd weren werd / das wir in Ewigkeit verwiesen vnd
verfestet blieben: Wie aber jene / in dem sie aus jhrem Hause vnd Vaterlande so
wallen vnd wundern gehen / sich offt hintern Ohren kratzen / vnd jhnen leid
lassen seyn / das sie sich in solch Vnglück gestürtzt / vnd mittel vnd wege
suchen / das es mit jhnen wiederumb zum andern Stand kommen möge / wie wir ein
schön Exempel am verlornen Sohn haben / der auch seines Vngehorsams vnd Sünde
halben war ins Elend geraten Luc. am 15. aber wieder in sich schlug vnd sprach /
wie viel Taglöner hat mein Vater / die Brod die fülle haben / vnd ich verderbe
im Hunger? Ich wil mich auffmachen vnd zu meinem Vater gehen / vnd zu jhm sagen:
Vater ich habe gesündiget in den Himmel vnd für dir / vnd bin fort nicht mehr
werd / das ich dein Son heisse / mache mich als einen deiner Taglöner / vnnd
machte sich auff vnd kam zu seinem Vater: So sollen wirs vns ebener massen
lassen leyd seyn / vnser Hertzen drüber zureissen Joel 2. vnd Mittel vnd Wege
suchen / das es mit vns anders vnd besser müge werden / damit wenn wir ja hier
ausser dem Hause Gottes so lang
|| [ID00013]
müssen
vnd sollen Pilgrim seyn vnnd wallen / so lang wir im Leibe wohnen / wir
gleichwol mit Gott ins rechte Hauß wieder kommen mögen / wen̅ vnd
so bald ein mal das wallen ausser dem Leibe angehen wird / in der 2. Epistel an
die Cor. im 5. Cap. Das ist die erste Vrsach.
Die ander ist / Wie ein Pilgrim vnd Frembdlinger muß mancher Pfützen die Augen
außtretten / vnd offt in einen sawren Apffel beissen / vnnd sich bald von
Mördern vnd Reubern anrennen lassen / bald Hitze vnd Kälte / Regen vnd Wind /
Hunger vnd Durst außstehen / vnd viel ander Vngemach vnd Vngelegenheit vor lieb
nehmen: Also gehet es vns auch / das wir deßhalben rechte Pilgrim vnd
Frembdlinge seyn. Es rennet vns Gott wol selbst an in vnser Wallfarth / vnd
stellet sich als wenn er vnser Feindt were / da ers doch im Hertzen gleichwol
gut mit vns meinet / Wie dem Gottseligen Jacob wiederfahren ist / im ersten Buch
Mosis am 32. Ein Mann / wird gesagt / welcher sich hernach selbst Gott nennet /
Rang / oder wie in seiner sprach stehet / steubet mit jhm / den̅
es nicht ein geringer / sondern ein hefftiger Kampff gewesen / das sich ein
grosser Staub hette mügen erheben / vnd vmb sie dicke vnd finster werden / oder
das sie sich im Staube mit einander gleich getummelt / vnd bald dieser / bald
jener oben vnd vnten gelegen. Hiob klagt auch drüber / im 30. Cap. Gott sey jhm
verwandelt in einen grausamen.
|| [ID00014]
Der Teuffel aber der Ertzmörder vnd Lügner / lests sich sonderlich in vnser
Wallfarth sawr werden / vns zuverschlingen / Luc. am 22. Der Sathanas hat ewer
begeret / das er euch möchte sichten wie den Weitzen. Vnd 1. Petr. 5. Ewer
Wiedersacher der Teuffel gehet vmbher wie ein brüllender Löwe / vnd suchet
welchen er verschlinge. Darzu schlegt in vnser Walfarth heuffig zu / der Welt
Haß vnd Verfolgung / vnnd wie das gantze leben mit allerley Vnglück / Trübsal /
jammer vnd Noth / als mit einer Sündfluth vberschwemmet / wie in Gottes Wort
außführlich auffgezeichnet ist: Jacob sagt Gen. 47. Wenig vnd böß sey die Zeit
seines lebens. Assaph im 73. Psalm: Ich bin geplaget täglich / vnd meine straffe
ist alle morgen da. Mose im 90. Psalm: Wenn vnser leben köstlich gewesen ist /
so ists Müh vnd Arbeit gewesen. Hiob am 5. Der Mensch wird zu Vnglück geboren /
wie die Vogel schweben empor zufliegen. Vnnd 7. Cap. Muß nicht der Mensch jmmer
im Streidt seyn auff Erden / vnnd seine tage sind wie eines Tagelöners? Syrach
am 40. Es ist ein elendt jämmerlich Ding vmb aller Menschen leben / von
Mutterleibe an / biß sie in die Erden begraben werden / die vnser aller Mutter
ist. 2. Tim: 3. Alle die Gottselig leben wollen in Christo JEsu / müssen
Verfolgung leyden. Daher wird diß leben vnsere Wallfarth genant im 84. Psalm /
ein Jammer oder Thränenthal / den̅ wie vor zeiten die Eltern jhre
Kinder im Thal Benhinnom / Jerem. am 7. Durchs Fewr ha
|| [ID00015]
ben gehen lassen / darüber das
Thal voll Jammers / Thränen / Winseln vnd Wehklagen der armen Kinder worden:
Also lest Gott seine Kinder in dieser Welt vnd Pilgramschafft durchs Fewr der
trübsal gehen / beym Syrach am 2. Vnd speiset sie mit Thränenbrot / vnd träncket
sie mit grossem maß voll Thränen / im 80. Psalm. Das die Welt von Thränen /
Winseln vnd Wehklagen der Kinder Gottes gantz voll ist. Das hat bedacht
Augustinus / vnnd derwegen geschrieben / Quid est diu vivere, nisi diu torqueri?
Lang leben ist nicht anders als lang gequelet werden. Das hat bedacht der wilder
Mann / der vom König Mida gefangen worden / vnnd sol deßhalben gesagt haben:
Optimum esse non nasci, aut natum quàm citissimè mori, Das beste sey / nicht
geboren werden / oder bald nach der Geburt sterben. Das hat auch bedacht
Heraclitus / davon man meldet / das er darumb jm̅er geweinet /
weil er gesehen / das die Welt so voll jam̅ers vnd vnglücks
were.
Diese Vrsache sol vns darzu dienen / das wenn Creutz vnd Noth in vnser Wallfarth
vns zu handen kömmet / wie es sich täglich findet / wir vns nicht allzusehr
drüber zusuchen machen / vngedultig werden / vnd murren / wie vnsere arth ist /
sondern gedencken / weil vnser leben eine Pilgrimschafft vnd Wallfarth / so
könne auch vnser zustandt vnd gelegenheit hier nicht besser seyn / als anderer
Pilger vnnd Wallfartsbrüder ist / vnd deßwegen vnsere Seele in gedult fassen /
wie Christus vermanet Luc. 21. Fasset ewer Seelen mit gedult.
|| [ID00016]
Vnd Paul. Rom: 12. Seydt gedültig in
allem Trübsal: Denn es ist ein köstlich ding gedültig seyn / vnnd auff die
hülffe des HErrn hoffen / in Klagliedern Jer: am 3. Cap. So bringt auch Gedult
Erfahrung / Erfahrung bringt Hoffnung / vnnd Hoffnung lest nicht zu Schanden
werden / Rom. 5. Vnd die Gedult sol in vns vermehren / das vor vns die grossen
Heiligen in jhrer Pilgramschafft härter sind mitgenommen als wir / denn etliche
haben Spott vnd Geisseln erlitten / darzu Bande vnd Gefengnuß / etliche sind
gesteiniget / zuhackt / zustochen / vnnd durchs Schwerdt getödtet / etliche sind
vmbher gegangen in Peltzen vnnd Ziegenfellen / mit Mangel / mit Trübsal / mit
Vngemach / vnd sind im elendt gegangen / in den Wüsten / auff den Bergen / in
den Klüfften vnd Löchern der Erden / zun Hebr. am 11. Die Gedult sol auch in vns
vermehren / das vns alles Jam̅er vnd Elendt in vnser Wallfarth zum
besten gereicht / denn denen / die Gott lieben / dienen alle ding zum besten /
zun Röm. am 8. zum Gebet / denn wen̅ Trübsal da ist / so sucht man
Gott / vnd wen̅ er sie züchtiget / so rufen sie engstiglich / Esa.
26. Cap. Zur Auffmerckung / den̅ Anfechtung lernt auffs Wort
mercken / Esai. 28. vnd Psalm 119. Ehe ich gedemütiget ward / jrret ich / nu
aber halte ich dein Wort: Es ist mir lieb / das du mich gedemütiget hast / das
ich deine rechte lerne. Zur Züchtigung / das man nicht verloren werde / wenn wir
gerichtet werden / so werden wir vom HErrn gezüchtiget / das wir nicht sampt der
|| [ID00017]
Gottlosen Welt verdampt werden /
1. Cor. 13. Wie wir auch singen / Darumb schickt Gott die trübsal her / das
vnser Fleisch gezüchtiget werd / zur ewigen frewdt erhalten. Insonderheit sol
auch die Gedult in vns vermehren / das vns Gott in allem jam̅er
vnd elendt vnserer Wallfarth nicht verlest / sondern bey vns ist / vnd hilfft
vnser schwachheit / den̅ wir sind nicht vnsere / sondern seine
Pilger / Ich bin dein Pilgrim / sagt David: So war Gott mit Abraham als mit
seinem Pilgrim / in seiner Wallfarth / da es jhm vbel ging / vnd war sein Schilt
vnnd sein sehr grosser Lohn / Gen. 15. Mit Jacob / im selben Buch am 32. Ich bin
mit dir / vnnd wil dich behüten / wo du hinzeuchst: Mit Mose / in seinem andern
Buch am 3. Cap. Ich wil mit dir seyn. Vnnd ist eben so wol mit vns / Esa. 43.
Ich habe dich erlöset / Ich habe dich bey deinem Nahmen geruffen / du bist mein.
Den̅ so du durchs Wasser gehest / wil ich bey dir seyn / das
dich die Ströme nicht erseuffen: Vnd so du ins Fewr gehest / soltu nicht brennen
/ vnd die Flamme sol dich nicht anzünden / denn ich bin der HErr dein Gott. Vnd
im 91. Psal. Ich bin bey jhm in der Noth / ich wil jhm heraus reissen vnnd zu
ehren machen / Ich wil jhn settigen mit langem leben / vnd wil jhm zeigen mein
Heyl. Derwegen sollen wir vns alles jam̅er vnd elendt / das vns in
vnser Pilgramschafft wiederfehret / so wenig verdriessen vnd zu wieder seyn
lassen / das wirs vielmehr für den heylsamen Kelch Gottes halten / vnnd es mit
Danck erkennen / wie David im 116. Psal. Das ist die ander Vrsach.
|| [ID00018]
Die dritte vns letzte ist / wie ein Pilgrim vnnd Frembdlinger in frembden Landen
keine bleibende stätte hat / sondern davon muß / so haben wir als Pilgrim vnd
Frembdlinge in dieser Welt auch keine bleibende stätt / sondern müssen davon vnd
sterben: zun Hebr. am 13. Wir haben hie keine bleibende stätt / sondern die
zukünfftige suchen wir. Im ersten Buch Mosis am 3. Du bist Erden / vnd solt zur
Erden werden. Josu. am 23. Siehe / ich gehe Heute dahin / wie alle Welt. Im 89.
Psalm / Wo ist jemand der da lebet / vnd den Todt nicht sehe? Syrach am 14.
Alles Fleisch verschleist wie ein Kleidt / denn es ist der alte Bundt / du must
sterben. Rom. 5. Der Todt ist zu allen Menschen hindurch gedrungen. Vnd Hebr. 9.
Den Menschen ist gesetzt einmahl zu sterben / dawieder hilfft keine frömmigkeit
/ sonst were der fromme Hiob nicht gestorben / darwieder hilfft keine Weißheit
noch Reichthumb / sonsten were der Weise vnd Reiche König Salomo nicht gestorben
/ darwieder hilfft keine schönheit / sonst were der schöne Absolon nicht
gestorben / darwieder hilfft keine stärcke noch macht / sonsten were der starcke
vnd mächtige Simson nicht gestorben. Davon pflegt man zu singen / Dem Reichen
hilfft doch nicht sein Gut / dem Jungen nicht sein stoltzer Muth / er muß aus
diesem Meyen / wenn einer hett die gantze Welt / Silber vnd Golt vnd alles Gelt
/ doch must er an den Reyen. Dem Gelerten hilfft doch nicht sein Kunst / der
Weltlich Pracht ist gar vmbsonst / wir müs
|| [ID00019]
sen alle sterben. Vnd das wirs
ja gleuben / das wir als Pilgrim keine bleibende stätt haben / so wird vnser
leben gar vnbestendigen vnd fast nichtigen dingen verglichen / einem Winde / der
da hinfähret vnd nicht wieder kömpt / im 78. Psalm. Einer Wolcken vnd Nebel / im
Buch der Weißheit am 2. Einem Schatten / im 1. Buch der Chron. am 33. Einem
Leuffer / Schiff vnnd Adeler / beym Hiob am 9. Einem Dampff / Jacob. 4. Einem
Strom / Schlaff vnd Geschwetz / im 90. Psal. Einer Blumen vnd Graß / Esa. am 40.
Vnser Leib aber selbst wird deßhalben eine Hütten oder Zelt genant / in der 2.
Epist. zun Cor. am 5. Cap. Vnser jrrdisch Hauß dieser Hütten wird zubrochen. Vnd
dasselbige in frischer gedechtnuß jm̅er zubehalten / so haben die
heiligen Väter in Hütten gewohnet / vnd sind mit den Gottseligen gedancken
vmbgangen / wie sie jhre Hütten abbrechen würden / so würde auch Gott die Hütten
jhres leibes abbrechen / vnd einmahl ein ende damit machen.
In der Pilgrimschafft ist nu zwar einem jeden Pilgrim seines lebens ziel von Gott
gesetzt / wie im Hiob am 14. bekandt wird / der Mensch hat seine bestimpte zeit
/ die zahl seiner Monden stehet bey dir / du hast ein Ziel gesetzt / das wird er
nicht vbergehen. Vnd beym Syrach am 17. Cap. Gott hat den Menschen geschaffen
aus der Erden / vnnd macht jhn wieder zur Erden / vnd bestimpt jhnen die zeit
jhres lebens: Vnd am 37. Cap. Ein jeglicher hat eine bestimpte zeit zu
|| [ID]
leben: Aber keiner kan wissen / wie lang er zum Ziel / ehe
ers erreiche / zeit habe / im Prediger Salo: am 9. Cap. Der Mensch weiß seine
Zeit nicht / sondern wie die Fisch gefangen werden mit den schädtlichen Hamen /
vnnd wie die Vogel mit einem Strick gefangen werden / so werden auch die
Menschen beruckt zur bösen Zeit / wen̅ sie plötzlich vber sie
felt.
Diese Vrsach sollen wir darzu gebrauchen / das wir nicht so verpicht vnd
verstürtz seyn auff diß leben / vnd was drinnen ist / als auff Gelt vnd Gut /
Ehre vnd Herrligkeit / Wollust vnd Frewde / den̅ wie wir hie keine
bleibende stätt haben / so können wir derer dinge auch nicht allezeit vnd ewig
geniessen / sie folgen vns auch nicht nach im Todte / wie im 49. Psalm
geschrieben stehet / die es aber drauff setzen / vnd jhr Hertz dran hangen / die
vergessen drüber jhrer seligkeit / vnd fallen in Versuchung vnd Stricke / vnnd
viel törichter vnd schädtlicher Lüste / welche versencken die Menschen ins
verderb vnd verdamniß / 1. Tim. 6. Wie die exempel der ersten Welt / des
Geitzhalses Luc. 12. vnd des Reichen Man̅s Luc. 16. vnnd anderer
mehr außweisen: Sondern wie kluge Pilgrim vorsichtiglich wandeln / vnd was jhnen
an jhrer Reise hinderlich ist / meyden / also auch wir / in der 1. Petr. am 2.
Cap. Ich ermane euch als die Pilgrim vnd Frembdlinge / enthaltet euch von
fleischlichen Lüsten / welche wieder die Seele streiten / vnd führet einen guten
Wandel vnter den Heyden / auff das die / so von euch Affterreden / als von
V
|| [ID00021]
belthätern / ewer gute
Werck sehen / vnd Gott preisen / wens nun an den Tag kommen wird. 2. Cor. 5. Wir
fleissigen vns / wir sind daheimb oder Wallen / das wir Gott wolgefallen.
Daneben sollen wir vns auch an dem / was vns Gott gibt / genügen lassen / wie
Pilgrim am geringen sich genügen lassen vnnd zu frieden seyn / wie auch die
Heiligen gethan haben / zun Hebre: am 11. Sie haben sich genügen lassen vnd
bekandt / das sie Gäste vnd Frembdlinge auff Erden seyn. Es ist ein grosser
Gewin̅ / wer Gottselig ist / vnnd lest jhm genügen / den̅ wir haben nichts in die Welt bracht / darumb offenbar ist / wir
werden auch nichts hienaus bringen / wen̅ wir aber Narung vnd
Kleider haben / so last vns genügen / sagt Paulus 1. Tim. 6. Für allen dingen
aber / weil die zeit vngewiß / wen̅ wir einmahl als Pilgrim aus
diesem leben müssen auffbrechen / so sollen wir allezeit darzu gefast vnd bereit
seyn in warer bußfertigkeit / das wir nicht mit den fünff thörichten Jungfrawen
/ Matth. 25. zu kurtz drüber kommen / Luc. am 12. Lasset ewer Lenden vmbgürtet
seyn / vnd ewre Lichter brennen etc. Amos 21. Hütet euch / das ewre Hertzen
nicht beschweret werden mit Fressen vnd Sauffen / vnd mit Sorgen der Narung /
vnd komme dieser Tag schnell vber euch / den̅ wie ein Fallstrick
wird er kommen / vber alle die auff Erden wohnen. So seyd nu Wacker vnd Betet /
das jhr wirdig werden müget / zu entfliehen diesem allen / das geschehen sol /
vnd zu stehen für des Menschen Sohn. Matth. 24. Wachet /
|| [ID00022]
den̅ jhr wisset nicht
welche Stunde ewer HErr kom̅en wird. In der offenbarung Johan. am
16. Siehe ich kom̅e als ein Dieb / Selig ist / der da Wachet / vnd
helt seine Kleider / das er nicht bloß wandele / vnd man nicht seine Schande
sehe. Weil vns aber der Teuffel dasselbige jm̅er aus dem Sin̅ wil schlagen / das wir hie Pilgrim seyn / vnd keine bleibende
stätt haben / vnnd davon müssen / so sollen wir täglich Gott bitten vnd ersuchen
/ er wolle es vns in vnsere Hertzen ruffen / vnd vns lehren / wie des Davids
Gebet gewesen im 39. Ps. HErr lere mich das / daß ein ende mit mir haben muß /
vnd mein leben ein Ziel hat / vnnd ich davon muß: Vnd Mose im 90. Psalm: Lere
vns bedencken / das wir sterben müssen / auff das wir Klug werden. Wers so macht
vnd anschlegt / der wird gewißlich seiner Pilgrimschafft Jammer / Trübsal vnd
Elendt / bringen zum guten seligen endt / vnnd wol außgewesen seyn. So viel vom
ersten theil.
Vom Andern.
DAs Ander Stücklein wollen wir auch nach gelegenheit der zeit mit nehmen. Im
Ebreischen hat David nur ein einiges Wörtlein / welches Lutherus Bürger
verdolmetsch hat. Das kömpt von einem Wörtlein / das so viel als wohnen vnd
bleiben heist: Im 15. Psalmen / Wer wird bleiben auff deinem heiligen Berge? Im
2. Psalm wirds von Gott
|| [ID00023]
selbst
gebrauch: Gott wohnet im Himmel. Vnd wil damit David so viel sagen / ob er schon
hie in dieser Welt dieses lebens halben ein Pilgrim sey / so wisse er doch gewiß
/ das er dort in jener Welt des ewigen lebens halben ein Bürger sey / vnd werde
bey Gott ewig wohnen vnd bleiben / vnd so hoch jhn seine Wallfarth im Fleisch
betrübe / so hoch erfrewe jhn wiederumb im Geist das Bürgerrecht des ewigen
lebens.
Hie wird vns nu / geliebte im HErrn / gewiesen / das nicht allein eine
vergengliche statt vnd diß zeitliche leben sey / sondern es müsse auch seyn eine
vnvergengliche statt vnd ewiges leben / den̅ solte nur allein
diese vergengliche stätt vnd zeitlich leben seyn / so hette David sich auch
allein für einen Pilgrim müssen erken̅en / den̅
dieses lebens halben sind wir nicht mehr als Pilgrim: In dem er sich aber
zugleich für einen Bürger außgibt / vnd zwar für einen bleibenden Bürger vnnd
Einwohner / so muß ein andere stätt vnd ewiges leben seyn / darinnen er das
Bürgerrecht oder Bürgerschafft gehabt / das kan nicht triegen / wie wenig es
triegen kan / das ein Wandersman / der ein Pilgrim vnd Bürger ist / nicht
anderswo ein Vaterlandt sol haben / darinnen er Bürger ist / vnd zu Hauß
gehöret.
Nu lassen sich aber viel Leute bedüncken / das habe keinen Streidt / vnnd sey
niemand der die bleibende stätt vnd ewiges leben in zweiffel ziehe / darumb man
dasselbige nicht beweisen / noch viel Wort davon machen dürffe. Sehr gut vnd zu
wünschen were es / das
|| [ID00024]
es sich also
verhielte / aber wie zu jederzeit Leute gefunden werden / die es für ein Gedicht
gehalten / vnnd nicht gegleubet / als die rohe Leut im Buch der Weißheit am 2.
Festus in der Apostel geschicht am 26. Die Saduceer Matth. 22 Hymeneus vnd
Philetus in der 2. Epist. an Timoth. 2. Cap. Pabst Paulus tertius / der kurtz
für seinem Todt gesagt / Nu werde ich zwey dinge erfahren / die ich nicht
gegleubet / ob ein GOTT sey / vnd ein ewiges leben: Also findet man der Epicurer
noch auff den heutigen Tag hin vnd wieder / die es nicht für war halten / wie
Petrus davon geweissaget in seiner 2. Epistel am 3. Cap. In den letzten tagen
werden Spötter kommen / die nach jhren eigen lüsten wandlen werden / vnd sagen /
Wo ist die verheissung seiner Zukunfft / den̅ nach dem die Väter
entschlaffen sind / bleibet es alles / wie es von anfang der Creaturen gewesen
ist: Ja das mehr ist / es stutzen bißweilen wol hierinnen die frommen / denn
machts jhnen gedancken / ob ein Gott sey / wenn sie sehen / das es so wunderlich
in der Welt zu gehet / wie solte es jhnen keine gedancken machen / ob ein ewiges
leben sey? Darumb ist beweißthumb darvon hoch von nöhten: Die heilige Schrifft
aber gedencket der jmmerwerenden stätt vnd des ewigen lebens mit außtrücklichen
Worten / zun Hebre: am 13. Die zukünfftig stätt suchen wir / beym Propheten
Daniel am 12. Viele so vnter der Erden liggen / werden auffwachen / etliche zum
ewigen leben / Matth. 25. Sie werden gehen in das
|| [ID00025]
ewige Leben. Vnd Joh. 10. Meine Schafe
hören meine Stim̅e / vnd ich kenne sie / vnd sie folgen mir / vnnd
ich gebe jhnen das ewige Leben. Das sind nicht vergebliche Menschen Wort /
sondern warhafftige Gottes Wort / darauff man sich darff verlassen. Gott hat
auch die vnvergengliche stätt vnd ewiges Leben damit war gemacht / das er Enoch
lebendig drein genommen / im 1. Buch Mosis am 5. Vnnd Eliam dahin im Wetter mit
fewrigen Rossen vnd Wagen geholet / im 2. Buch der Könige am 2. Vnd Christum gen
Himmel ins ewige Leben nach verrichtem Werck der Erlösung Menschliches
Geschlechts / hat fahren lassen / Marc. 16. Darzu kommen die Gesichte vnnd
Erscheinungen / darinnen der bleibende stätt vnd ewiges Leben / Esaiae /
Ezechieli / Danieli vnd andern gezeiget / wie auch den dreyen Aposteln / die
Christus mit sich auff den Berg genommen in seiner Verklerung / aus der klarheit
vnd herrligkeit des ewigen Leben Moses vns Elias erschienen seyn / vnnd mit
jhnen geredt haben / Matth. 17. Vnd Johannes hat in der offenbahrung am 21. Cap.
das ewige Leben / die heilige Stadt / das newe Jerusalem von Gott aus dem Him̅el herab sehen fahren / als eine geschmückte Braut jhrem Man̅. Vnd Paulus ist in die bleibende Stadt ins ewige Leben / das
Himlilische Paradiß entzückt worden / hat vnaußsprechliche Wort gehöret / die
kein Mensch sagen kan / vnd ist wiederkom̅en / vnd hats vns
verkündiget / wie in der 2. Epistel an die Cor. im 12. zu lesen. Zugeschweigen
des
|| [ID00026]
zeugniß der Märterer / welche / so
keine vnvergengliche stätt vnd ewiges Leben were / würden verkürtzt seyn / vnd
würde jhnen jhre Hoffnung zu schanden seyn worden / die doch nicht lest zu
schanden werden / zun Röm. am 5. Cap. Vnd zu geschweigen der Gütigkeit vnnd
Barmhertzigkeit Gottes / die aus Gnaden alles gute / auch einen Trunck kaltes
Wassers in Christi Nahmen gegeben / nicht wil vnbelohnet lassen / Matth. am 10.
Welches hie offt verbleibet / aber dort est recht geschehen wird. Derwegen an
der bleibenden stätt vnd ewigen leben im geringsten kein Mensch zu zweiffeln
hat.
In derselbigen Stadt vnd ewigen Leben seyn wir nu rechte Bürger. Das meinet David
/ wen̅ er sagt / er sey Gottes Bürger. Paul. bekennet es auch zun
Phil. am 3. Cap. Vnser Wandel , vnser Bürgerrecht oder
Bürgerschafft ist im Himmel / von dannen wir auch warten des Heylandes JEsu
Christi des HErrn / welcher vnsern nichtigen Leib verkleren wird / das er
ehnlich werde seinem verklerten Leibe / nach der Wirckunge / da er mit kan auch
alle ding jhm vnterthänig machen. Vnd Ephes / 2. schreibt er / So seyd jhr nu
nicht mehr Gäste vnd Frembdlinge / sondern Bürger mit den Heiligen vnd Gottes
Haußgenossen. Zu derselben Bürgerschafft aber haben wir vns selbst nicht
wiederumb verholffen / sondern allein vnser HErr vnd Heylandt JEsus Christus /
der ist deßhalben vom Himel kommen / wie das Nicenische Symbolum meldet /
propter nos homines & propter nostram salutem, de
|| [ID00027]
scen dit de caelis, & in
carnatus: Ist ein Pilgrim worden / das er vns zu reichen Bürgern müchte machen /
In der 2. Epist. an die Cor. im 8. Cap. Ihr wisset die Gnade vnsers HErrn JEsu
Christi / das / ob er wol Reich ist / ward er doch Arm vmb ewrent willen / auff
das jhr durch seine Armuth Reich würdet: Dahero singt die Kirche: Er ist auff
Erden kommen Arm / das er vnser sich erbarm / vnd in dem Himmel mache Reich /
vnd seinen lieben Engeln gleich: Vnnd hat die Bürgerschafft für vns sehr thewr
gewonnen / nicht mit Silber vnd rotem Golt / sondern mit seinem thewren Blut /
vnd mit seinem bitter Leyden vnd Sterben / in der 1. Petr. am 1. Wisset / das
jhr nicht mit vergenglichem Silber oder Golt erlöset seyd / sondern mit dem
thewren Blut Christi als eines vnbefleckten Lam̅es. Vnd zur
vergewisserung / damit man an dem Bürgerrecht nicht zu zweiffeln / so ist er
hienauff gefahren / vnd hat nicht als ein Erbe für sich / sondern als ein
Erlöser vnd Seligmacher für vns possessionem apprehendirt, vnnd es eingenommen /
beym Propheten Micha am 2. Cap. Es wird ein Durchbrecher für jhnen herauff
fahren / sie werden Durchbrechen / vnnd zum Thor aus vnd einziehen / vnd jhr
König wird für jhnen hergehen / vnnd der HErr fornen an. Johannis am 12. Wenn
ich erhöhet werde von der Erden / so wil ich sie alle zu mir ziehen. Im 14. Cap.
In meines Vaters Hause sind viel Wohnungen / wens nicht so were / so wolte ich
zu euch sagen / ich gehe hin / euch die stätte
|| [ID]
zu bereiten /
vnd ob ich hinginge euch die stätte zubereiten / wil ich doch wieder kommen /
vnnd euch zu mir nehmen / auff das jhr seydt wo ich bin. Im 20. Cap. Ich fahre
auff zu meinem Vater vnnd zu ewren Vater / zu meinem Gott vnd zu ewrem Gott. Diß
Bürgerrecht gehet schon alhie in der Kirchen an / den̅ albereit
vnsere Nahmen geschrieben werden in das Buch Gottes / hie ist Christus der Weg
darzu / Johan. 14. hie ha ben wir auch den Wagen darzu / das Predigampt / Ezech:
1. Daher Paulus sagt zun Ephes. am 2. Cap. In Israel / das ist in der Kirche /
sey Bürgerschafft / vnd am selbigen Orth stehet vor her / Da wir todt waren in
Sünden / hat vns Gott sampt Christo leben dig gemacht / vnd hat vns sampt jhm
aufferwecket / vnd sampt jhm in das Himlische Wesen gesetzt. Aber im Himmel ists
vns recht beygelegt / vnd wird vns behalten biß an den jüngsten Tag / da wirs
alßdan recht in der That einnehmen vnd besitzen werden / vnd wird sich da alles
recht endern vnd wandeln / den̅ da wir hie als Pilgrim nicht mit
Gott im rechten Hause seyn gewesen / so werden wir alßdan mit jhm in das rechte
Hauß ins ewige leben kommen / vnnd jhn von Angesicht zu Angesicht anschaweu / in
der 1. zun Cor. am 13. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem tunckeln
Wort / den̅ aber von Angesicht zu Ange sicht / jetzt erkenne ichs
stückweise / den̅ aber werde ich er kennen / gleich wie ich
erkennet bin. In der 1. zun Thessal. am 4. Wir werden bey dem HErren seyn
alle
|| [ID00029]
zeit. Da wir hie als
Pilgrim groß Creutz / Trübsal vnd Vngemach außgebadet / so werden wir alßdan
alles leydes reichlich ergetzet werden / Im 126. Psalm / Die mit Thränen seen /
werden mit frewden erndten. Sie gehen hin vnd Weinen / vnnd tragen edlen Samen /
vnd kom̅en mit frewden / vnd bringen jhre Garben. Zun Röm. am 8.
Ich halte es dafür / das dieser zeit leyden nicht werth sey / der Herrligkeit /
die an vns sol offenbaret werden. In der 2. zun Cor. am 4. Vnser Trübsal die
zeitlich vnd leicht ist / schaffet eine ewige vnd vber allemaß wichtige
Herrligkeit. In der offenbahrung Johannis am 7. Sie wird nicht mehr Hungern noch
Dürsten / es wird auch nicht auff sie fallen die Sonne / oder jrgend eine Hitze
/ den̅ das Lamb mitten im Stuel wird sie Weyden vnd leiten zu den
lebendigen Wasserbrunnen / vnd Gott wird abwischen alle Thränen von jhren Augen.
Da wir hie als Pilgrim keine bleibende stätt gehabt / so werden wir alßdan eine
gewisse / feste / bleibende vnd ewige stätt haben: zun Hebre. am 11: Abraham
wartet auff eine stätt die einen Grundt hat / welcher Bawmeister vnd Schöpffer
Gott ist. Vnd 2. Cor. 5. Wir wissen / so vnser jrrdisch Hauß dieser Hütten
zubrochen wird / das wir einen Baw haben von Gott erbawet / ein Hauß nicht mit
Händen gemacht / das ewig ist im Himmel.
Das ander stücklein sollen wir nu recht zu vnserm besten anwenden / Anfenglich
darzu / weil wir im Himmel Bürger seyn / das wir auch Himlisch / als Bürgern
|| [ID]
des Himmels gebüret / Wandlen. Das wirs aber in dem Wandel
recht treffen / so sollen wir auff vnsere Mitknechte / Brüder vnd Mitbürger die
liebe H. Engel sehen: Die wandlen also / das sie sich in allen dingen nach
Gottes willen vnd befehl richten / im 103. Psalm. Nach dem willen vnd befehl
Gottes in seinem Wort geoffenbahret / sollen wir vns auch in allen dingen
richten. Denn wir lesen Matth. am 7. Cap. Es werden nicht alle die zu mir sagen
HErr HErr / ins Him̅elreich kommen / sondern die den willen thun
meines Vaters im Him̅el. Der Wille aber Gottes an vns ist / das
wir Busse thun / vnd an Christum gleuben / in der 2. Epist. Petr. am 3. Gott wil
nicht / das jemand verloren werde / sondern das sich jederman zur Busse kehre.
Vnnd Joh. 6. Das ist der wille des der mich gesand hat / das wer den Sohn siehet
vnd gleubet an jhn / der habe das ewige leben: Die Engel vnsere Mitbürger
wandlen auch also / das sie Gott jmmer loben vnd preysen / Esa. am 6. Wir sollen
auch allezeit Gott loben vnd preysen / vnd wen̅ wir desselben
keine Vrsach mehr hetten / so were es mehr als gnug an der einigen / das er vns
in vnd durch Christum das Bürgerrecht wieder geschencket hat: Darumb sollen wirs
machen / wie vns Paul. Ephes. am 5. vermahnet: Werdet voll Geistes / vnnd redet
vnterander von Psalmen vnd Lobgesengen vnd Geistlichen Liedern / Singet vnd
Spielet dem HErrn in ewren Hertzen / vnnd saget Danck allezeit für alles Gott
vnd den Vater in dem Nahmen vnsers HErrn
|| [ID00031]
JEsu Christi: Die Engel vnsere Mitbürger wandlen auch also: Das sie in
Heiligkeit vnd Gerechtigkeit Gott dienen: So sollen wir auch Gott in Heiligkeit
vnd Gerechtigkeit als Him̅elsbürger dienen / Luc. am 1. Das wir
erlöset aus der Handt vnser Feinde / jhm dieneten ohne furcht vnser lebelang /
in Heiligkeit vnd Gerechtigkeit die jhm gefellig ist: zun Ephes. am 4. Leget ab
nach dem vorigen Wandel den alten Menschen / der durch Lüste in jrrthumb sich
verderbet / ernewert euch aber im Geist ewers Gemühts / vnd zieht den newen
Menschen an / der nach Gott geschaffen ist / in rechtschaffener Gerechtigkeit
vnd Heiligkeit: Ja die Engel vnsere Mitbürger wandlen also / ob sie wol auff die
Menschen auff Erden warten / das sie den̅och allezeit sehen das
Angesicht des Vaters im Himmel / Matth. 18. vnd jmmer jhre Augen / das ich so
rede / jhnen nach Gott vnd dem Him̅el stehen: In dem sollen wir
jhnen auch folgen / das / ob wir wol hie auff Erden seyn vnd seyn müssen / so
lang es Gott gefelt / gleichwol jmmer nach Gott vnd den Himmel vnsere Augen vnd
Hertzen stehen: Im 123. Psalm / Ich hebe meine Augen auff zu dir / der du im
Himmel sitzest. Siehe / wie die Augen der Knechte auff die Hände jhrer Herrn
sehen / wie die Augen der Magt / auff die Hände jhrer Frawen: Also sehen vnsere
Augen auff den HErrn vnsern Gott / etc. zun Collos. am 3. Seydt jhr mit Christo
aufferstanden / so sucht was droben ist / da Christus ist / sitzend zur rechten
Gottes / Trachtet nach
|| [ID00032]
dem was droben
ist / nicht nach dem das auff Erden ist. In diesen vnd dergleichen dingen
beruhet ein Himlischer Wandel / darumb wir als Himmelßbürger damit zu jederzeit
sollen zuthun haben vnd vmbgehen.
Darnach sollen wirs auch darzu anwenden / das wir vns desselbigen Himlischen
Bürgerrechts oder Bürgerschafft zu jederzeit von Hertzen trösten vnd erfrewen /
wie den̅ daher reicher trost vnd frewde kömpt / denn es kan das
Creutz so schweer nicht seyn / noch der Todt so herb vnd bitter / wenn man an
das Bürgerrecht in warem Glauben gedencket / man muß dadurch erquicket werden.
Sehet an die Heyden / was hats ge. macht / das sie auch in geringem Vnglück so
vngedultig / zaghafftig vnnd kleinmütig seyn gewesen? Was hats gemacht / das sie
mit Zittern / Zagen / Weinen vnd Wehklagen / ja wol mit brüllen sind von hinnen
gefaren / wie Virgilius vom Heyden sein Buch beschleust: Vitaque cum gemitu
fugit indignata sub umbras? Das hats gemacht / das sie von dem Bürgerrecht des
Himmels nichts gewust / darumb sie weder sich selbst haben trösten können / noch
von andern getröstet werden. Wiederumb was hats gemacht das die sieben Söhne
sampt jhrer Mutter im 1. Buch der Maccabeer am 7. grosse Quaal vnd Pein getrost
vnd frölich außgestanden? Der Apostel Paulus mit lust vnd frewden seiner
Auffopfferung vnd Schlachtung erwartet? Ignatius großmütig sich den Thieren hat
vorwerffen / Vnd Laurentius vnerschrocken sich hat braten lassen? Vnd
|| [ID]
andere Märterer mehr mit singen vnd Beten in den Todt seyn
gangen? Es hats gemacht / das sie der Bürgerschafft des ewigen Lebens seyn gewiß
gewesen / vnd nicht gezweiffelt / sie kemen nu recht aus der Pilgrimschafft zu
Hauß / vnd würdens ewig wol haben / wie an obgedachtem ort im Buch der Maccabeer
zu vernehmen.
Derwegen sollen wir in allen anliegen jm̅er das Bürgerrecht für vns
nehmen / mit rechtem waren Glauben vns an JEsum Christum / der es erworben /
fast halten / zu seinem Tryumphs Wagen vns finden vnd anfassen / vnd alle
Trawrigkeit vnnd Hertzeleidt damit vberwinden: Ja die frewde von wegen des
Bürgerrechts im Himmel / sol alle frewde vber andere dinge auff Erden
vbertreffen / wie vns Luc. am 10. zuverstehen wird gegeben: Da kommen die
Siebentzig Jünger / die Christus hatte außgesandt / vnd seyn von Hertzen frölich
/ das jhnen auch die Teuffel in seinem Nahmen seyn Vnterthan gewesen: Aber
Christus spricht zu jhnen / darin frewet euch nicht / das euch die Geister
Vnterthan sind. Frewet euch aber / das ewer Nahmen im Himmel geschrieben sind.
Darüber sollen wir vns auch allezeit frewen / das ist Gott angenehm vnd
gefellig.
Zu letzt / sollen wirs gleichsfals darzu anlegen / weil wir allererst am jüngsten
Tage im Himmel zur rechten possession vnnd besitz des Himlischen Bürgerrechts
werden kommen / das wir den̅ mit Hertzlichem
|| [ID00034]
verlangen des tages abwarten / vnd vns
darnach sehnen. Luc. 21. Wen̅ dieses anfehet zu geschehen / so
sehet auff / vnd hebt ewer Heupter auff / darumb das sich ewer Erlösung nahet.
2. Cor. 5. Wir sehnen vns nach vnser behausung / die vom Himmel ist / vnnd vns
verlangt / das wir damit vberkleidet werden: Wir haben lust ausser dem Leibe zu
wallen / vnd daheimen zu seyn bey dem HErrn. Haben doch die Kinder Israel / da
sie im Babylonischen gefengnuß gewesen / ein Hertzlich verlangen nach jhrem
Vaterlande gehabt / vnnd Tag vnd nacht darnach geseufftzet vnd sich gesehnet /
so sollen wir ja vielmehr aus diesem Gefengnuß des sündtlichen vnd elenden
lebens / ein Hertzlich verlangen nach dem Tage haben / daran wir wieder ins
rechte Vaterlandt werden kommen / vnd ewiglich die rechte freyen seyn: Verlangt
doch gleichfals einen andern Wanderßman nach den seinen / wen̅ er
aus ist: Wie solte vns nicht vielmehr nach dem vnsern verlangen / nach vnserm
Himlischen Vater / vnd allen guten freunden / die für vns hingefahren seyn? Ja
wartet doch das engstiglich harren der Creaturen auff die offenbarung der Kinder
Gottes / vnd sehnet / vnd engstet sich jm̅erdar / zun Röm. am 8.
So ists ja billiger / das vnser die wir die Kinder Gottes selbst seyn /
engstigliche harren auff vnsere offenbarung warte / vnnd wir vns mit jhnen
sehnen vnd engsten jmmerdar. Vnnd so offt vns vom jüngsten Tag vnd Christi
zukunfft geprediget wird / das er bald kommen werde / sollen wir mit Jo
|| [ID00035]
hanne aus der offenbarung am
22. beten / Amen / Ja kom̅ HErr JEsu. Mit solchem verlangen vnd
sehnen bezeugen wir / das vns an der Bürgerschafft des ewigen lebens gelegen /
vnnd hoch drumb zuthun sey. Darumb wirs nicht sollen vnterlassen. So viel auch
vom andern Stück. Haben so nach gelegenheit der zeit zweyerley vernommen /
Erstlich das wir Gottes Pilgrim seyn / vnd worzu vns dasselbige diene. Zum
Andern das wir auch Gottes Bürger seyn / vnnd worzu wir dasselbige sollen
anlegen. Gott im Himmel gebe / dar wir vns darnach richten.
HIerauff solte nu billig ein außführlicher bericht geschehen / von vnsers
gewesenen Gnädigen Fürsten vnd Herrn Leben vnnd Sterben / wie Gottes Wort selbst
gedencket der Regenten / vnd wie sie gelebet haben / vnd gestorben seyn / nicht
mit stillschweigen für bey gehet. Weil aber dasselbige eigendtlich gehöret in
die rechte Leichpredigt / die gelibts Gott den 4. Octobr. wird gethan werden /
als wollen wir nicht weitleufftig drinnen seyn / damit derselben das jhre nicht
genommen werde: Sondern anfenglich eine geringe vergleichung zwischen David dem
Hertzog vber Israel / 2. Samuel. 5. der diesen Spruch durch eingeben des H.
Geists gered / Vnd zwischen dem Hertzog zu Braunschweig vnd Lüneburg / vnsern
gewesenen Gnädigen Fürsten vnd Herren anstellen / vnd darauff besehen / wie
dieser Text auff S. F. G. zu ziehen.
|| [ID00036]
David betreffent / so ist der ein armer Sünder gewesen (den̅ weil
wir in Sünden empfangen vnd geboren werden / so fangen wir da billig an) vnd hat
nicht allein die Erbsünde an sich gehabt / sondern auch würckliche Sünde /
den̅ andere feyle vnd mängel für beyzugehen / so hat er sich
vom Zorn vnd Rachgierigkeit vbereylen lassen / 1. Sam. 25. Hats mit der Bathseba
vnd Vria gröblich versehen / 2. Sam. 11. Vnd ist zu leichtgleubig gewesen / da
der Verleumbder Ziba den Mephiboseth zur vngebür angegeben / in demselben Buch
am 16. Cap. So ist auch vnser gewesener Gnädiger Fürst vnd Herr ein armer Sünder
gewesen / nicht allein nach der Erbsünden / sondern auch nach den Würcklichen /
vnd was wollen oder können wirs verhelen? Grosse Potentaten haben neben jhren
grossen Tugenden / auch gemeinlich grosse mängel vnd gebrechen an sich.
Wiederumb aber hat auch David viel guts geschaffet vnd außgerichtet. Er hat
durch Gott den rechten ware̅ Gottesdienst in seinem Lande erhalten
vnd fortgesetzt: Das hat vnser gewesener Gnädiger Fürst vnd Herr hochlöblicher
gedechtnuß auch gethan / den̅ nu in die 24. Jahr vnter S. F. G.
Schutz das heilige Göttliche Wort rein vnd lauter gepredigt / vnd die
hochwürdige Sacramenta nach der einsetzung Christi verreicht vnd außgespendet
worden: Haben auch S. F. G. zu Praag mechtig darzu geholffen / vnd von dannen
hieher an die Regierung geschrieben / das in Religion vnd Kirchen sachen nichts
sol geendert
|| [ID00037]
werden / darauff sie ein
fleißiges wachends Auge haben sollen. Dafür wir dem Allmechtigen vnd
Barmhertzigen Gott nicht gnugsam dancken können / denn das ist der höchste
Schatz den wir hie auff Erden können haben / dadurch vns zur seligkeit
verholffen wird. David ist auch nach dem frieden außgewesen / das seine
Vnterthanen möchten in Ruhe sitzen / vnnd hat einem jeden Recht vnd
Gerechtigkeit geschaffet / 2. Sa. 8. Gott lob vnd danck / wir haben vnter vnsers
Gnädigen Fürsten vnnd Herrn Schutz auch zimblich Recht vnd frieden gehat / vnd
ob wol etliche Jahr her Vnruhe mit vntergelauffen / vnd dasselbige von
Verächtern der Herrschafften / wie sie Petrus nennet / 2. Cap. 2. S. F. G.
zugemessen worden / so hat sichs doch viel anders befunden / das nemblich
schuldig dran seyn gewesen vnd noch auff den heutigen tag schuldig dran seyn /
S. F. G. halstarrige / vngehorsame vnd rebellische Vnterthanen / wie sie auch
deßhalben rechtmessiger weise in die Acht erkläret / welches vnter andern ein
gnugsamb zeugniß ist S. F. G. Vnschuldt. David ist gleichfals ein rechter
Gnädiger vnd Wolthätiger Herr gewesen: Wer denselben Ruhm vnserm gewesenen
Gnädigen Fürsten vnd Herrn wolte entzihen / der thete der warheit selbst vnrecht
/ S. F. G. haben nicht wol Nein sagen können / welches viele / die es wol am
wenigsten verdient / wol gewust / vnd vber die maß / jhre oculos wie man sagt /
mit genom̅en. Vnd in Sum̅a / wer sich bey S. F. G.
nicht geschemet / der hat sich genehret vnd
|| [ID00038]
wol versorget / wie der augenschein
bey etlichen außweiset. Mit was Gewissen aber es von jhnen geschehn / lasse ich
sie verantworten / vnd wie es den jhrigen gedeyen werde / weil sie mehr jren /
als jres Herren Nutz / wieder jhr Pflicht vnd Eydt gesuchet / wird die zeit
geben. David ist ein rechter kluger vnd hochverstendiger Herr gewesen: Wer wil
das nicht sagen vnd bekennen von vnserm gewesenen gnädigen Fürsten vnd Herrn?
Man hat sich vber S. F. G. hohen Verstandt vnd fürtreffliche Gaben des Gemüths /
nicht gnugsam verwundern können / wie S. F. G. nicht allein hochgelarte Leute /
sondern auch hohe Potentaten vnd Herrn zu jederzeit haben zeugniß müssen geben.
Solte ich weiter in der vergleichung fort fahren / würde ich noch viel zu
erzehlen haben / wil aber geliebter kürtz halben / vnd weil es hernachmals nicht
wird verschwiegen werden / abbrechen. So nun gantz Israel vrsach gehabt / vmb
David jhren Herrn Leyt zu tragen / da er mit Todt abgangen / so haben wir traun
vrsach Leydt zu tragen vmb vnsern gewesenen Gnädigen Fürsten vnd Herrn / vnnd
lassen vns S. F. G. tödtlichen abgang billig zu Hertzen gehen. Der Vater des
Vaterlandes ist gestorben / billig beweinen wirs als Kinder / Der Hirte ist
geschlagen / billig beklagen wirs als Schäfflein / Der grosse Baum des Landes
ist gefallen / billig betrawren wirs / als die Narung / Schatten vnd Ruhe
drunter gehabt haben. Das ist die vergleichung der beyden Potentaten.
|| [ID00039]
Den erklerten Text aber anlangent / so kan derselbigesehr wol auff S. F. G.
gezogen werden / den̅ wie wir alle Pilgrim auff Erden seyn /
darum̅ das wir nit mit Gott im rechte̅ Hause
seyn / vielvnglücks müssen leyde̅ / vnd hier kein bleibende stätt
haben: Also hat vnser gewesener G. F. vnd Herr / in die zahl der Pilgrim / derer
vrsachen halben auch gehöret / de̅ S. F. G. hier nicht mit Gott im
rechten Hause gewesen / sondern haben dem HErrn gewallet: Haben auch so viel
Vnglücks müssen für lieb nehmen / das sie fast keinen guten Tag darbey gehabt /
wie jedermen̅iglich / der vmb S. F. G. gewesen / bekandt ist: Vnd
was haben S. F. G. nu etliche Jahr durch vnd durch mit seiner Erb: vnd Landstadt
/ die S. F. G. vorlengst auch im Recht zu erkand / außgebadet? Wo bleibt aber
das andere vnd vbrige? Darzu ist kom̅en / das S. F. G. hie kein
bleibende stätt gehabt / vnd allerdings nicht im Vaterland / sondern zu Praag an
frembden örten als ein rechter Pilgrim im 49. Jahr seines alters den Geist
auffgeben vnnd verschieden. Wie wir aber Bürger seyn im Him̅el in
der jm̅erwerenden Stadt Gottes / vnd das Bürgerrecht nach der
Seelen / so bald wir im HErrn sterben / einnehmen: So zweiffeln wir nicht / S.
F. G. Seele habe schon das Bürgerrecht im Him̅el eingenommen /
den̅ S. F. G. am Sonnabent / den 17. Julij / da sie den
Dinstag drauff gestorben / sich (wie wir berichtet werden) von Hertzen zu Gott
bekeret / ein recht Christlich vnd Gottselig bekendniß gethan / das H.
hochwürdige
|| [ID00040]
Abendmahl empfangen / vnd
sich dem HErrn JEsu / der das Bürgerrecht erworben / befohlen. Vnd das gehöret
zur seligen hinfarth.
Der Allmechtige Gott verleihe S. F. G. Cörper an jenem grossen Tage eine fröliche
Aufferstehung: Tröste daneben S. F. G. hinterlassene Witwe in jhrem
hochbetrübten Witwenstande / vnd die Herrn vnnd Frewlein dieses hochlöblichen
Hauses als Waisen / sämptlich vnd sonderlich / vnnd wie er allezeit ein Richter
der Witwen vnd Waisen ist / so wölle ers hier auch jetzo seyn / so wirds kein
Noth haben. Wolle auch vnsern gnädigen angehenden Regierenden Landeßfürsten vnd
Herrn mit dem H. Geist regieren / vnnd ein Gottseliges vnd gehorsames Hertz
geben / das S. F. G. bey dem einmahl erkanten vnd bekanten Wort Gottes vnd
rechtem gebrauch der Hochwürdigen Sacramenten bleiben / vnd sich von bösen
Leuten nicht einnehmen lassen: Das auch daneben S. F. G. sein Volck recht
richten / vnd verstehen mögen / was gut vnd höse ist / wie Salomo bittet / 1.
Reg. 3. Beschere S. F. G. darzu Leute / die Redtlich / Gottfürchtig / Warhafftig
/ vnnd dem Geitz feindt seyn / wie sie Jethro beschreibet / Exod. 18. Das wil
hochnötig seyn: Gebe im gantzen Lande / auch da sie bißanhero noch nicht gewesen
/ getrewe vnnd willige Vnterthanen: Erhalte S. F. G. bey langwiriger gesundtheit
vnd bestendigen gutem Regiement / auff das wir vnter S. F. G. Schutz vnd Schirm
ein stilles vnd geruglich leben führen mögen in aller Gottseligkeit vnd
Erbarkeit / vmb JEsu Christi / vnsers Erlösers vnd Seligmachers willen /
AMEN.
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