Transkription

Tempe Historica Das ist Historischer Lust- und Schau-platz
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TEMPE HISTORICA Das ist Historischer Lust- und Schau-platz Darin unterschiedene Felder Fünffhundert anmuthiger und wolrichender Blumen nützlicher und merck würdiger Geschicht enthalten / Welche nicht allein in Predigten / son dern auch andern gemeinen Reden so wol in publica als privata conservatione gebrauchet und von manniglichen mit grossem Nutz können gelesen werden Durch ein ordentliches Register der vornehmsten Sachen eingerichtet und mit Fleiß aus vornehmen berühmten Autorn zusammen getragen Von L. Johann Walthern / Super. ??? im Hoff Zufinden Bey Johann Ludwig Neuenhan / Buchhändl. in Jena. Gedruckt Bey Gottfried Mintzeln / Im Jahr 1669.
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Dem Hoch-Edelgebornen / Gestrengen und Vesten Herrn Daniel Georgen von Watzdorff / Uff Berga / Lichtentann / Wurtzbach / Schmiedebach / Oßla und Reuth / Hoch-Fürstlichen Brandenburgischen Rath und Hauptmann zu HOF / Meinem großgünstigen Herrn und Patrono
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Dann Denen ebenfals Hoch-Edelgebornen / Gestrengen / Vesten / auch Groß-Mannvesten Der Hochlöblichen Ritterschafft Herren DEPUTIRTEN, Wie auch Derselben sämptlichen Wol-Adelichen Mit-Gliedern In der Hauptmannschafft HOF / Meinen großgünstigen hoch geehrten Herrn
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ICH hab mir zwar nicht vorgenom̅en gehabt diese aus aller hand Autoribus zusam̅en getragene Historien public zu machen / und in öffentliche̅ Druck heraus zu geben. Indem Ich aber von unterschiedene̅ Freunden darum ersuchet worden / hab ich mich dar zu bereden lassen / ungeachtet ich wol weiß / daß der jenige / welcher Bücher schreibet / sich vieler Leute Urtheil unter gibt. Denn da heist es: Laudatur ab his, culpatur ab illis Einer lobts / der ander tadelts. Ja auch das jenige / was am allerbesten gemeinet / bleibt von dem Momo nicht unangestochen / noch beredet. Wer kan aber allen recht thun? Der sol noch gebohren werden. Man [ID00012] thue nur / was an sich selbsten recht ist / und laß andere reden / muß man doch die Hunde auch bellen lassen / wen̅ man sonderlich an einem fremden Ort vorüber gehet. So wil Ichs auch machen. Daß aber E. E. Hoch-Edel. Gestr. Gestr. Ich dieses schlechte Büchlein dedicire und ihrem Schutz unterwürffig mache / geschicht aus keiner andern Ursache̅ / als weil deroselbe̅ Gunst und sonderbare Gewogenheit ich zeithero verspühret / und mir darbey bekant ist / daß etliche unter Ihnen dergleiche̅ Geschichte zu lesen Beliebung trage̅. Bitte dieses mein Unterfange̅ groß günstig auf zunehmen / und mir weiter mit Favor beygethan zuverbleiben / sich versichrende / dz vor dem Herrn Haupt man̅ un̅ einer löblichë Ritterschafft Deputir [ID00013] te, auch alle un̅ iede derselben einverleibte Wol-Adeliche Mitglieder / ich Morgens und Abends zu beten / ihnen auch möglichste Dienste zu leisten / nicht aussetzen werde. GOtt steh uns allen bey in allem unserm gutem Vorhaben nach seiner unendlichen Gnade / AMER. E. E. Hoch-Edel-Gestr. Gestr. des Herrn Hauptmanns und einer Hochlöblichen Ritterschafft Deputirten und sämptlichen Wol-Adelichen Mit-Gliedern. Geschrieben in besagter Stadt HOF den 8. Aprilis des 1668ten Jahres. Treuer Vorbitter bey GOTT und Dienstgefliessener Johannes Walther / SS. Theol. Licentiatus Past. & Superintendens der Hoch-Fürstl. Brandenburgischen Stadt HOF in Voigtlande / auch des Gymnasii daselbst Inspector.
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Günstiger lieber Leser ES hat Herr D. Laurenbergius etliche hundert Historicu zusammen getragen und herausser geben / welches Buch Er Acerram Philologicam nennet. Weil Ich dann solches selbsten als ein nützlich Werck befnnden / als hab Ich eben nach seinem Methodo dergleichen Geschichte / welche Ich zwar anfänglich nur vor mich colligiret, auff unterschiedliches Ansuchung / auch in Druck fertigen wollen / nur daß das Register anders und nach dem Alphabet eingerichtet ist / also / daß man ein iewedere Materiam, ob sie gleich von mir ohne Ordnung / wie Ich sie gelesen / zusammen getragen worden / unter ihrem gewissen Titul alsobalden finden kan. Hoffe / daß ob gleich die Redens-Art nicht schön aus poliret, alldieweil mein Vorhaben eben so wenig gewesen / die Teutsche Sprach zu lehren / als des Herrn Laurenbergii, es werden doch die Sachen / so in diesen Historien enthalten / und bey ei [0] nem Autore sonsten beysammen nirgend zu finden sein / nicht unannehmlich zu lesen stehen. Leben wol / günstiger lieber Leser / deute alles zum besten / erwarte auch nach dieses Historischen Spatziergangs Außgang / wenn er dich vergnüget / ehestens desselben Fortgang.
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ET prodesse volunt, & delectare Poetae: Illud & historicus praestat utrum??? bonus, Si leg it Historias, simul & moralia subdit, Id quod in hisfactumest, Vir Vener ande, libris. Theiologum tantum mirum est, non scriberesacra Fortè aliqui dicent. Non ego miror idem, Hic modus ipsius Verbum tradentis lovae ect; Doctus & indoctus sic sua quisque capit. Fausto igitur populis protrude hoc omine mundi, Et cultum docto pectore profer opus. Te non ambitio, Te non amor urget habendi. Contemto, colitur pen na liber??? foro. Inde haut ulla Tibi nevere oblivia Parcae; Nasci mortalem, non voluêre mori. In diß Sonnet übersetzet. ES wil belustigen den Leser / und ihm nutzen Ein dichtender Poet; und dieses gleichfals thut / Der schreibt Historien; Deßwogen er beruht Hiezu zu setzen fluchs die Lehren / und zu butzen Dadurch sein schönes Werck. Ihr Wehrter / geht nicht hutzen / Und thut der gleichen auch. Solt aber nicht der Muth Was geistlichs bringen her? Das ists. Durch diese Brud Bedient ihr iederman: Darauff könt ihr ietzt trutzen. So hats GOtt selbst gemacht. Drumb gebt mit guten Glück /
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Was Ihr gesamler ein / heraus. Der Neib erstickt! Kein Ehrgeitz ist bey Euch; So kan euch auch verderben Kein Geld / Gold / noch Geschenck. Im lesen habt ihr Lust / Vnd schreiben; und darumb wird Euer Nam bewust Der Nach-Welt immer sein / und nimmermehr nicht sterben. von M. Thomas Friedrich Zobel / des Hoch-Fürstl. Brandenburgischen Gymnasii zum Hoff Rector. UNd wer es mir erlaubt / dein Tit??? anzuweisen / Du güldnes Büchlein du / und dich nach Würd zu preisen / So wolt ich frey un̅franck dir fage̅ ins Gesicht Man fänd Historien / deins gleiche̅ aber nicht. Die nackte Warheit selbst die würde auch beken̅e̅ / Daß man dich Wurtzel fest mit Fug und Recht durfft nennen Ein irrdisch Paradieß mit Rosen überdeckt / Da ein Ergötzligkeit die andre stets erweckt / Ein Wohnhaus aller Lust / ein Sitz der Nutzbarkeiten / Die sich bey tausende̅ biß an die Stern verbreitë / So schön als selbst Matut in ihrë Golde stutzt / so überschön hat dich dein Künstler außgeputzt.
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So lang das Musen-Volck wird kluge Bücher schreiben / Wird den Historien gantz unverrücket bleiben Ihr unerstorbner Ruhm: Biß an der Götter-Hauß / Wird man ihr Nutzbarkeit vollmündig preisë raus. Die Zunge̅ Königin hat schon auf ihrem Wagen Ihr Cedern hohes Lob durchs runde Rundgetragë Mit ihrer Rosenhand ist längst geschrieben an Ihrlob / wo Titan selbst sind seine Silber Bahn Homers Histori Buch vo̅ Trojens Jam̅er Kriege̅ Das uberwund und bund den / der da kont besiege̅ Bey nah die gantze Welt: Drauff war so sehr verliebt der Macedonisch Princ / als ob ihm wer ëtdiebt Sein tapfer Mavors Hertz. Er kunde sich ergö???ë In sein’ Historien mehr als in allen Schätzen Die Peru und Japon und Zdumaa trägt Vnd die Pactolus ie in seinem Strande hegt. Homeers Historien wust Er sich so zumachen Zu nutze̅ / daß er kund dë Rest der Kunst verlachë Gleich als Schulfüchserey. Homerus war der Grund / Den in Statisterey der Princ gebrauche̅ kund. Die rechte Krieges Kund ließ er sich daraus lehre̅ Vnd pflegte ihn darob als einen GOtt zu ehren. Der gleichen thät vor Zeit das weise Griechen Land / Das des Herodoti Historien erkandt
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Von solcher würd zu sein / daß auch darvon erklungen Die Olympischen Spiel / sie wurden laut gesunge̅ / Es war nur Ambrosien / nur lauter Neckter-Wein / Was in dem Schau. Tonneel Herodotus bracht ein. Thêdorus Goza sagt: Vnd würde mit entrissen Mein raster Bücher-Schatz / so wolt ichs endlich müssen / Wenn nur Plutarchus bleibt / so leb ich schon vergnügt / Weil in Historien die Perl der Künsten liegt. Historien die sind der Schatz der Ewigkeiten / Die klügste Feder kan ihr lob nicht gnug bedeute̅ / Kein ding verewigt sich: Was nicht der Feder Gunst / Der späte̅ Nach-Welt sagt: Vmbsonst ist alle Kunst. Marpesisch Marmelstein wird durch die Flamm bezwungen / Der trotze Felß im Meer wird durch die Zeit gedrungen Zu beugen sein Genick. Der Rost / die Zeit / die Schab / Bricht aller Helden Ruhm und ihr Gedächtnüß ab. Durch die Historien bleib alles unversehret / Das ungeborne Kind wird schon dadurch gelehret Der höllisch Lasterpful wird in unsauß getilgt / Die güldne Tugend Straß wird uns fast eingemilcht. Der Finsternüß kan man durch sie sich so entreißë Daß Kindes Kindes Kind mit Fingern uns muß weißen:
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Mit Amaranthen Ruhm bezeigt von uns die Schrifft / Daß dieser habe das zu seiner Zeit gestifft. Damit ich aber kurtz mit einem Wort beschliesse / Man weiß / daß sich der Nutz mit vollen Strohm ergieße / Von schön Historien / dort wo Latona steht / Und wo der Phaeton in seim Porphyr hergeht. Der kan den Nahmen nicht eins glehrten Mannes führen / Den nicht Historien in seiner Rede ziere̅ Marck / Sie sind der Musen Seel / sie sind der Musen Der Rest ist plackerey / und nur Smackloser Quarck / Sie mache̅ uns gewand / sie schleifen unsre Sinne̅ Durchsie wird Anck er fest beglückt / was wir begin̅e̅ / Wir spiegeln unsvoraus an ander Leute Glück nnd brechen in der Zeit derbösen Zeiten Tück. Der große Walther dan̅ hat weißlich außgelesen Der Künste Hertzgeblüt / die Seel / und funfftes Wesen / Sein sußbekärnder Mund / sein Gnadbestirntes Aug! Sein Kunstgeübter Geist er funde / was da taug Der dreymahl dreyen Schaar / und allen Phoebus Schulen Ein Buch / da reiche Freud mit Nutzbarkeitë buhlen / Drumb wird auch Himmel hoch von jedermann gepreist. Sein unverdroß???er Fleiß / sein nngemeinerigeist Zu schuldigen Ehren und dienstbezeugung verseu??? fertigte dieses seinem hochg. Hr und Patrono. Ad. Meyer, Con-R. des Gym. zum HOF
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I.
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Der Rachgierige Mohr. VOn einem Spanischen Edel-Mann / Namens Don Riviere, in der Insul Majorea wohnhafft / melden glaubwürdige Historici, daß er unter andern seinen leibeigenen Knechten einen Mohren gehabt / über welchen er sich einsmals sehr grimmig erzürnet / und ihn so unbarmhertzig mit Peitschen tractiret / daß der arme Sclav bey nahe gestorben wäre. Nach dem er aber wieder auffkommen / und von den Schlägen genesen war / sahe er fleissiger auff die Hände seines Herrn / und stellete sich / als wenn das Gemüth / und die Begierde demselben zu dienen / nun vielfertiger und grösser wäre / als vorhin. Riviero hatte eine Vestung / darein war nicht mehr / als ein Eingang / der mit einem tieffen Graben und einer Zug-Brücken auffs beste verwahret war. Wenn die Brücke auffgezogen war / hätte man den Ort nicht zwingen können / es were denn grosse Heers-Krafft / und daß grobe Geschütz gebrauchet worden. Denn er hatte das Meer / welches biß unten [2] an den Felsen / darauff die Vestung erbauet / sich erstreckete. Als eines Tages Riviero etwas weit von seinem Wohn-Hause / auff die Jagt geritten war / ersahe der Mohr Gelegenheit und bequeme Zeit sich zurechnen. Denn die Ehegemahlin deß Riviero, welcher ein Hauß im nechst daran gelegenen Dorff hatte / gieng mit ihren Kindern auff die Vestung spatzieren / daselbst frische Lufft zu schöpffen / und sich umbzusehen / wie die Schiffe auff dem Meer daher spielten. Da lieff der Mohr hernach / und zog die Brücke auff. Ergrieff die Frau / und band Sie an einen grosen Kasten / unten in einem Saal / bey einem kleinen grünen Bette / und verschloß ihre drey Kinder / die Sie mit sich genommen / in eine Kammer / nahe dabey. Darnach schändet er sie gewiffenlosser weise: Vnd als auff ihr und der Kinder Jammer-Geschrey die Dorff-Leute hinlieffen und den Riviero holten / eilete dieser zwar auffs schnelleste herbey; Allein der Mohr fragte weder nach seinen Drohworten / noch Bitten und Flehen / sondern warff das älteste Söhnlein / etwan von sieben Jahren / zu einem Fenster herab / auff den Felseu / daß es so geschwind zerschmettere / als es fiel. Der elende Vater fiel gleichsam in Verzweiffelung; Versuchte doch den grausamen Mohren zusänfftigen und zu erweichen / damit er die übrigen erretten möchte. Der Mohr stellere [3] sich auch / als wenn er ihm seiner Bitte gewähren wolte / jedoch mit dem Bedinge / daß Riviero ihme selbst solte die Nasen abschneiden / zu bezeugung und erstattung deß Schimpffs und der Unbilligkeit / die er unlängst seinen Sclaven, den er so übel tractiret / angethan hätte. Was solte da der gute Vater thun? Ob schon dieser Bößwicht sich rühmete / er hätte sein Weib geschändet: Ob schon auch der grausame Mord deß ältesten Söhnleins vor Augen war; Dennoch weil er verhoffete / mit solcher seiner Verstümmelung etwas zu erlangen / schnitte er ihm selbst die Nasen ab. Darüber lachete und frolockete der Mohr / und an statt / daß er hätte an seiner Furi und Unsinnigkeit etwas nachlassen sollen / spottete er dessen allen / was er zugesaget hatte / ingleichen auch der Einfältigkeit des Herrn: Ergrieff alsbald die andern zwey kleine Kinder / bey den Beinen / stieß ihnen die Köpffe etlichmal wieder die Mauer / und warff sie darauff den ältesten nach / herab auff den Felsen. Er achtete ferner so wenig das Schreyen des Volcks / so diesem schrecklichen Spectacul zu gelauffen war / als seines Herrn / sondern ergrieffe die Edel-Frau / erwürgete sie in aller gegenwart / und stürtzete ihren Leichnam von der Vestung herab. Als solches geschehen / schaumete er vor Unsinigkeit / wie ein Besessener / und stürtzet sich selbst / mit dem Kopff [4] voran auff den Felsen / gegen der Seite deß Meers / zerschmetterte sich in Stücke / und endete damit sein verfluchtes Leben / zum höchsten Mißfallen deß Riviero, welcher nicht einmal die Seinigen erretten / noch den Un-Menschen seinen Verdienst nach / abstraffen konte. 1. Ist ein schrecklich Exempel eines Rachgierigen Menschen / vor welchen Teufflischen Laster sich billig jederman hütten soll. 2. Sollen Herren und Frauen hieraus lernen / daß sie ihre Dienst-Bothen nicht allzu hart halten / oder / wie die Schrifft redet / gar zu bitter gegen sie seyn. 2. Der Heidnische Scribent / Plutarchus / erzehlet eine solche Historiam. ALs auff eine Zelt der Minervae Tempel erbrochen ward / hat man darinnen eine ledige Flaschen gefunden; Darüber sich jederman verwundert; was doch solches bedeuten möchte? Bald aber fieng einer unter den Volck an / und sprach? Ich halte dafür / die Kirchen-Räuber haben cicutam, das ist / einen Gifft-Tranck / bey sich gehabt / Damit / wenn sie / in solcher That / ertappet würden / sie denselben / in Wein zu sich nehmen / und also eines jähen Tods sterben möchten. Weil aber niemand zu ih [5] nen kommen / und sie / in ihrem Kirchen-Raub verstöret / Haben sie den Wein allein / ohne den Gifft-Tranck / außgesoffen / und die Flaschen weggeworffen. Durch diese Rede machte sich der unbesonnene Mensch verdächtig; Wurde gefragt: Woher er so gute Nachrichtung hätte? stockete in der Antwort / und gab also damit zu verstehen; daß er selber mit unter den Kirchen-Räubern / gewesen sey. Weßwegen er seinen verdienten Lohn empfieng. 1 Ein jedweder handele auffrichtig / denn doch eine böse That außbrüchig wird. 2. Man soll in Reden nicht unbedachtsam heraus fahren. 3. Doctor Martin Luthers und D. Deckeno Gespräch / von ihren beyden Namen. DOctor Deck sagte einmal zu D Martin Luthern / wann ich das R. ans curem Namen Lutherus heraus nehme / so heisset es Lutheus / das ist der Kotthige. Lutherus antwortete aber fluchs drauff: Lieber Doctor Deck / So nehmet dann mein R. nur hinweck / Und setzet es zu eurem Namen DEER / So heisset es ein natürlicher Dreck. 1. Wer einen andern beschimpsfen will / wird offt am meisten beschimpffet.
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2. Seinen Namen lässet sich niemand gerne angreiffen und beschimpffen. 4. Eine gefangene Christin betet in der Türckey ihre Frau gesund. ES wurde eine Christliche Weibs-Person / aus Luca in Welschland bürtig / von den Türckischen See-Räubern gefangen / und einer fürnehmen Türckischen Frauen verkaufft / welche selbige / eine geraume Zeit / für eine Auffwärtherin gebrauchte / gar ehrlich hielte / und in ihrer Christlichen Religion gantz nicht irr machte. Solche Türckin fiel in eine langwührige Kranckheit / von welcher sie / durch keine Artzney / genesen konte. Derowegen redete sie endlich ihre Auffwärtherin also an: Ich weiß / daß du eine Christin bist / und erkenne / daß du mir nun viel Jahr redlich gedienet habest: bey welchem Dienst / du auch von mir ehrlich / und nicht wie eine leibeigene Magd / sondern wie eine Freundin / bist gehalten worden. Weil ich denn allezeit gespühret habe; daß du deinen GOttes-Dienst / bey mir / in meinem Hause / fleisig verrichtet / und zu deinem Christo eiverig geseuftzet / geflehet und gebeten hast: So habe ich die Hoffnung / du werdest / durch dein Gebet / bey Ihme / so viel wohl erhalten können / daß Er mich / von dieser meiner schmertzlichen Kranck [7] heit erlöse / und wiederumb gesund mache. Die Auffwärtherin betet instendig zu ihrem Heyland JEsu Christo / und erlanget von Ihme diese Gnad / daß die Türckische Frau allerdinge gesund wird. Worauff sie ihre Auffwärtherin nicht allein loß lässt; sondern ihr auch einen stattlichen Zehr-Pfenning / und ihr eigenes junges Enenckelein mit gibt: Daß es in dem Christlichen Glauben mögte aufferzogen werden. 1. Des Gerechten Gebet vermag viel / wenn es ernstlich ist / Jac. V, vers. 16. 2. Durch Kranckheiten und Creutz werden ihrer viel zum Guten angesühret. 5. Ein Schulmeister in Engeland wird umb des Evangelii willen / verbrannt. HErr Philippus seliger hat solgende schöne Historiam zum öffternmal zu erzehlen pflegen / daß nemblich ein Schulmeister in Engeland / ein gelehrter und gottseliger Mann / nach dem er Christlicher Wolmeinung einen Päbstischen Pfaffen / wegen einer gottlosen Predigt / in Schrifften zu Rede gesetzet / bey dem Könige in Engeland Heinrico VIII. angeben / und zum Feuer als ein Ketzer verurtheilet worden; Da er nun gerichtet solte werden / hat des Tages zuvor einer seiner guten Freunde Ihn in [8] Gesängniß besucht / und ein köstlich Gebackens / welches in Engeland Pasteten genennet wird / Ihm zu essen bracht. Da nun diese zweene gute Freunde zum letzten mal mit einander gessen / und gemeldter Gesangener und zum Feuer verurtheilter etwas gieriger das Gebackene oder Gebratens / so eben heiß gewesen / angriffen / hat er die Finger / so er etwas verbrennt / zurücke gezucket / und mit lächledem Munde gesagt: Lieder GOTT / kan ich jetzo nicht leiden / daß ich die Finger ein wenig verbrenne / wie werde ich morgen thun / wenn ich gantz und gar verbrennet sollen werden ? Hat hernach angefangen / und mit grosem Christlichem Ernst gegen demselben seinem Freunde / von dem Elende dieses trübseligen Lebens / von den grossen Wolthaten / welche der Sohn GOttes mit seinem bittern Leiden und Sterben uns erworben / und von der grossen unüberschwenglichen Ehre und Herrbigkeit in jenem Leben / so allen frommen Kindern GOttes verheissen ist / etc. nach der lenge geredet. Des andern Tages da man Ihn in den Hoff geführet / und das endlichs Urtheil über Ihn gesprochen solte werden / hat der König ihn in eigener Person angesprochen / und für die Füsse werffen lassen / ein Bündlein Reiß-Holtz / welches in Engelland die jenigen / so verbrandt sollen werden / zur Wahlstadt ihres Todes tragen müssen / den eben Ihm die Wahl gegeben / entweder steinen Irrthumb und Ketzerey [9] zu wiederrussen / und also sein Leben zu fristen / oder aber / da Er auff der Ketzerey bestehen wolte / das Büschlein Reißig und Feuer / etc. Da solches erwehnter Schulmeister vernommen / ist er auff die Knie gefallen / hat den König vor solche ihm erzeigete Gnade unterthänigst gedancket / und für aller Welt öffentlich dahin sich erkläret / daß nehest GOTTer keines Menschen auff Erden Auseben und Autorität höher achte / auch keinen Menschen auff Erden mehr ehre und liebe / denn seinen Herrn und König: Jedoch könne und solle er GOTT in Himmel nicht schmehen und unehren / mit verleugnung seiner ewigen alllein seligmachenden Warheit / deren Er durch den heiligen Geist in seinem Hertzen überzeuget / und gewiß / für deren Offenbahrung und Erkäntniß Er dem Sohne Gottes in alle Ewigkeit dancken wolte: Hat demnach das Büschlein Reißig für ihm liegende erwischet / dasselbe gehertzet und geküsset / und gesagt: Odu aller liebstes Büschlein / mir ist lieber / daß du mich durch das Feuer und zeitlichen Todt aus diesem elenden Leben hinweg räumest / denn daß ich wieder meinem allergnädigsten GOTT und Vater im Himmel wissentlich handeln / und das theuer Rosinfarbe Blut / seines lieben Sohns / so für mich armen Sünder vergossen ist / durch verleugnung seiner Göttlichen / und durch den heiligen Geist mir offenbarten Warheit / schänden / und mit Füssen tre [10] ten solte. Hat also das Büschlein Reisig / nach Landes Brauch / zu der Wahlstadt getragen / und nach dem Er das Volck zu gebührender Ehre gegen ihrem Herrn Könige / und zur Liebe der Gottseligkeit und Warheit nach der lenge vermahnet / hat er mit grossen Muth und Bestendigkeit die Marter erlitten / und nach dem er mit heller Stimme den Sohn GOttes angegeruffen / und Psalmen gesungen / ist Er endlich vom Feuer und Dampff erstocket worden. 1. Dieser Schulmeister ist mit Freuden in das Feuer gangen / aber den höllischen Feuer entgangen / und hat erwiesen / daß man GOTT mehr zu gehorsamen schuldig sey / als den Menschen / wenns gleich Könige und grosse Potentaten seyn. 2. Wol dem! Welcher also geduldig umb des Glaubens willen leidet / der wird nach der Marter dermaleins die Marter-Eron davon tragen.

6.
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Eines Bauren Tochter wird zur Fürstin gemacht / und wol probiret. BEy Käyser Adriani Zeiten hat ein vornehmer Fürst in Italia zu Salerno Hoff gehalten / welcher bey sich beschlossen / unverheyrathet bleiben / und sein Leben mit [11] Jagen und anderer Fürstlichen Kurtzweil zu beschliesen / welches seinen Unterthanen grossen Kummer und Nachdencken gegeben / derowegen sie gar offt an ihn supplicirten / auch Ihm allerley zu Gemüthe zogen / damit sie Ihn zu freyen bewegen wolten / auff daß nicht seine Herrschafft nach seinem Tode ohne Erben in frembde Hände kähme. Auff eine Zeit antwortet der Fürst seinen Unterthanen und sprach: Lieben Freunde / daß ihr meinetwegen so sorgfältig seyd / nehm ich zu Danck an / denn ihr mich fast dadurch zwinget / darzu ich von Natur keine Lust habe / denn ich gedenck nur dieses / das gar schwerlich eine Frau zufinden ist / die sich gantz und gar nach ihres Mannes oder Ehegatten Willen und Gewohnheit richter / das Wiederspiel pfleget viel gemeiner zu geschehen / nun glaub ich nicht / daß unter der Sonnen ein schwerer und herber Ding seyn kan / dann wenn ihr Zwey zusammen kommen / welch in Sitten und Gewonheit einander ungleich seynd / könnet ihr mir nur eine geben / die mich hertzlich liebet / und mir auch wohl gefält / ob sie gleich kein Geld hat / so will ich solches / als eine sonderliche Freundschafft von meinen Unterthanen annehmen / aber ich halte es von euch für eine Thorheit / denn Vater und Mutter möget ihr bißweilen wol kennen / aber ihre Kinder nicht / denn die Kinder gar offt einer andern Natur sind / als Vater [12] und Mutter gewesen / doch weil ihr mich mit dieser Ketten binden wollet / will ich euch des zu Willen werden / und damit ich mich weder über euch nach jemand anders nicht zu beschwehren habe / denn über mich selbst alleine / so wil ich mir selbst eine suchen / die mir am besten gefället / und sage das / welche ich mir außersehe / daß dieselbe / von euch als eine Fürstin empfangen und geehret werde / sey gleich wer sie wolle / Reich oder Arm / denn ich will auff ein wohlgezogen Hertze sehen / oder ihr sollet sehen / über wem es hinaus gehen werde. Die erbarn Leute / seine Unterthanen / sprechen: Gnädiger Herr / wenn ihr nur eine Ehelichet / wir wollen in allen Dingen willig seyn. Nun hatten kurtz vor der Zeit dem Fürsten eines Bauren Tochter sehr wol gefallen / der nicht gar weit vom Schlosse im Wald wohnete / welche ihm in seinen Gemüth sehr schön und züchtig dauchte / mit der vermeinet Er ein züchtiges Leben in Lust und Freuden zuführen. Auff solches ließ Er an cinem Tage in der stille ihren Vater zu ihm fordern / welcher ein sehr armer Mann war / und gedachte gegen ihm / wie daß Er gesonnen seine Tochter zu einem ehelichen Gemahl zu nehmen. Der gute Mann wuste nicht / wie er daß verstehen solte / ließ ihm doch in Einfalt solches wolgefallen. Auff dieses forderte der Fürst alle seine Blut- und andere Freunde / zu sich / und spricht: [13] Lieben Freunde / es ist euer / so wol auch mein Gefallen / mir einen Ehegatten zu erwehlen / darneben habet ihr mir auch zugesaget / solche / Sie sey gleich wer sie wolle / wann sie nur mie gefält / in allen Ehren zu halten / nun ist die Zeit kommen / daß ich mir eine schöne Jungfrau / nicht allein / die den blosen Namen einer Jungfrau führet / sondern die warhafftig rein und unbefleckt ist / nicht weit von hinnen / ausersehen / und erwehlet / will auch in kurzen Beylager mir ihr halten / darumb seyd darauff bedacht / daß ihr mir eine fröliche Hochzeit helffet machen / und Sie mit Freuden entpfahet: Die erbarn Leute liesen ihnen solches sehr wohl gefallen / und sprachen: Gnädiger Herr / was wir euch zugesaget / wollen wir ehrlich halten / fienge̅ bald an / rüstete̅ sich auffs tapfferste zu einer ehrlichen Hochzeit / damit an nichts kein Mangel gospüret würde. Der Fürst lud zu solchem Beylager alle seine Bluts-Freunde / Bekandte und Verwandte / ließ auch viel herrliche Kleider / von Gold / Silber / Seiden und Edelgesteine / auff eine Jungfrau in der größe / als Sie war / zurichten. Da nun der ernante Tag kam / und jederman mit seufftzen verlangete die neue Braut zusehen / rüstete sich der Fürst mit vielen Pferden / und er laß ihm die vornehmste Gesellschafft aus / ihme zu Ehren / da aber wolte ein Jedweder mit reiten / und nicht der letzt seyn. In solchem präch [14] gem Zuge / kamen sie nicht weit / da traff Er die Jungfrau mit ihren armen Vater in einem kleinen Dörfflein in einem Hause mit Stro gedecket / an / daß Sie gleich mit grosser Eyl von einem Brunnen mit einem Kruge Wasser kam / begierig zu sehen / was vor tapffer Volck im Dorff vorüber züge / so wol die neue Braut. Als sie aber der Fürst sahe / ruffte Er sie zu ihm / und sprach / Helena / wo ist dein Vater / dem sie mit grosser Scham und gefärbtem Angesicht antwortet / und sprach: Gnädigster Herr / mein Vater ist im Hause / der Fürst stieg vom Roß / gebot jederman / daß sie sich nicht verrucken solten / und gieng allein in daß Häußlein / darinnen Er der Jungfrauen Vater fand / zu dem sprach Er in beysein der Jungfrauen: Mein Jacob / ich bin her kommen / deine Tochter Helenam zu einem Gemahl zu nehmen / doch will ich vor erst an ihr hören / ob sie auch meine eheliche Haußfrau seyn / und sich befleisigen / nach meinem Willen zu leben / und in allen meinem Gebot folgen / ja auch wegen alles des / was ich begehre oder an ihr thete / sich gar nicht betrüben / sondern alle mein Wesen / Beginnen und Fürnehmen ihr gefallen lassen / und solches alles / was ich von ihr begehre / mit Freuden ohne sauer sehen willig verrichten: Dieses alles sie zu thun gar willig war / und sich alsbald gantz und gar seinen Willen untergab. Auff solches nahm sie der Fürst bey der Hand / [15] und führete sie aus dem Hause / in beysein alles Volcks / und vermählete sich öffentlich mit ihr / daß sie es alles sahen / und nahm sie zur Ehe / vor ihren Augen. Nach dem befiehlet Er ihr / sie soll sich nackend abziehen / daß sie bald that / darnach zog er ihr die stattlichsten Kleider selbst an / satzte ihr eine güldene Crone auffs Häupt / daß sich jederman verwunderte / was der Herr vor Grillen im Kopff hette. Nach dem sprach er zu seiner Gesellschafft-Liebe Herren und gute Freunde / daß ist die / welche ich zu einem ehelichen Gemahl haben wil / wo sie anders auch mich für ihren ehelichen Mann erkennen will / und kehrete sich zu ihr und sprach: Helena / gefalle ich dir auch zu einem Mann / deß Sie ein wenig bestürtze ward / doch mit gefärbtem Angesichte in grosser Scham zu ihm sprach: Ach mein Herr / ich bin willig und geschickt / euer Begehren zu erfüllen / aber E. G. zur Ehe zu haben / bin ich gar nicht würdig / der Fürst sprach: Weil ich dich darvor erkenne / so laß deinen Willen allezeit dem meinen weichen / steckte ihr hiermit dem schönsten King an ihren Finger / setzte sie auff einen schönen Wagen / und führete sie mit ihm in seine̅ Fürstlichen Pallast / da man grosse Freud und Hochzeit anrichtete / als ob es eines Fürsten Tochter gewesen. Die junge Braut war nicht anders anzusehen / als ob sie zugleich semht den Fürstlichen Kleidern hohes Stan [16] des/ und von jugend auff in grossen Fürstlichen Höffen were erzogen worden / denn Sie war trefflich und außbündig schöne von Angesicht / und holdseliger Sitten / wol proportionirter und formirter Leibs-Gestalt / daß auch ihres gleichen zu der Zeit im gantzen Lande nicht zufinden war / es traff auch ihre Schöne und Tugend alle überein / daß sich auch jederman / hoch verwundern muste / der sie zuvor bey Schaafen in geringer Kleidung gekennet. Zu dem war sie auch dem Fürsten sehr gehorsam und unterthänig / so wol gegen des Herrn armen Leuten / demüthig / mild und diensthafftig / derwegen Sie von vielen Leuten ward lieh gehalten / und war jederman wol mit Ihr zu frieden. Kurtz darnach befinder Sie sich Schwanger / und bringet eine schöne Tochter zur Welt / darob der Fürst grose Freude hatte / bedachte aber bey sich / wie Er seiner Frauen Gedult probieren wolte / fi??? an Sie mit Worten zu stechen / und machte sich gar betrüber / und sprach zu ihr: Ach daß Gott erbarm / wie hoch beklagen meine arme Leute / daß ihr nicht Edel und so von gar geringer Geburt seyd / in dem sie sehen daß ihr auch Kinder traget / und zumahlen eine Tochter gebore̅ habet / deßwegen sie stets murmeln. Da die Frau des Herrn Rede vernahm / sprach Sie: Ach gnädiger Herr / thut mit mir / was Ihr Ehre / Autz und Freude habet / ich bin allezeit [17] willich von euch zu leiden / was ihr wollet / wan ich nur nach euren gefallen thun könte / denn ich weiß Gott lob gat wol / daß ich der empfangenen Ehre nicht würdig bin. An solcher Antworttrug der Fürst grossen gefallen. Nicht lange darnach gab Er ihr zu verstehen / wie seine Leute und Vnterthanen ihre Tochter nicht leiden wolten / bericht darneben seinen Diener einen heimlich / weß er sich verhalten solte / die Frau nur zu versuchen / der kam von wegen seines Herrn zu ihr mit greulichem Angesichte / und sprach: Frau ihr werdet gedult haben / den̅ ich muß meines Herrn Befehl verbringen / wo ich nicht wil sterben / der mir gebeut / daß ich euere geborne Tochter wegtrage / aus der Welt vertilge. Da die züchtige frau das vernahm / hertzlich sehr erschrack / und gläuber es gäntzlich / daß das Kind zu töden vom Fürsten befohlen wehre / nahm sie das Kind bald aus der Wiegen / hälset und küsset es / und gab ihn dem Seegen mit dem heiligen Creutze / und reichet es dem sauersehenden Knecht seine Arme / und sprach demütiglich zu ihm: Nun so̅ nimb hin das kleine unschuldige Blut / und verbringe unsers Herrn Befehl / doch bitte ich dich durch Gott / daß du es ja nicht den Vogeln unter den Himmel / vielweniger den Hunden wollest zu essen geben / es wehre denn meines Herrn ausdrücklicher Befehl. Der Knecht nahm das [18] Kind / sagte kein Wort / und gientz mit demselben hinweg / zeigete auch dem Fürsten alle Wort an / die sie zu ihm gesaget / daß dem Fürsten die Augen über giengen / ließ ihm doch solches alles sehr wohl gefallen / und verwunderte sich über ihrer grossen Beständigkeit / und übergab das Kind seiner Muhmen zu Bolonien / und bath sie freundlich / daß sie ihm das kleine Kind ehrlich anferziehen / und keinem Menschen sage wer sein vater oder Mutter wehre / welches sie denn auch mit grossem fleiß in Zucht und Ehren aufferzogen. Nach dem aber nicht lang ver gieng / daß die Fürstin von ihrem lieben Herren wiederumb schwanger ward / und als die Zeit kam / einem schönen jungen Sohn zur Welt brachte / des sie von gantzen Hertzen froh worden. Da aber der Herr ihre grosse Freude vermerckete! nahm Er ihn für auf ein neues Ihr Hertz mit Pein / Leyd und Schmertzen zu probienen / und kam eines Tages zu Ihr / als ab Er gar betrübet und wehemütig wehre und sprach: Ach meine hertzliebe Helena / sind der Zeit / als du diesen unsern Sohn gebohren / hab ich von meinen Vnterthanen gar keine Ruhe gehabet / denn sie sagen / ihr Leyd sey gar zu groß wegen deines neu gebornen Sohns / der von groben einfeltigen Samen ist / und solte darnach nach meinem Tode jhr Herr werden / und mein Erbe seyn. Darumb habe ich sorge / wil ich anders im friede mit jhnen stehen blei [19] ben / daß ich diesem unserm Sohne thun muß / als ich mit der Tochter gethan habe / damit ich mich nichts ängers befahren darff. Ja auch / daß ich dich lassen muß und mir eine andere nehme / die nicht von so groben bäurischen Sitten / sondern von hoher Fürstl. Geburt sey. Da die gute hoch betrübte Frau jhres Herren Rede vernam / sprach sie mit gedultigem und demütigem Gemüth zu Ihm: Ach lieber Herr / thut nach eurem gefallen / bedencket nur nicht mich / sondern euren Nutz und bestes / was euch zu frommen gelanget / und bekümmert euch umb mich gar nichts / denn mir kan in der Welt nichts höhers wiederfahren / als euren Willen in allem zu verbringen. Durch solche Wort giengen nichts mercken / sondern schickte bald darnach den vorigen ersten Knecht / und ließ das Kind abfordern / mit gleicher vermeldung; solches zu töden / und schickte es auch gen Bolonia zu seiner Muhmen. Die gute Frau war in aller Gedult / machte nicht viel Wort / als zuvorn bey wegnehmung der Tochter / welches dem Fürsten doch seltzam vorkam / und wunderte sich zum höchsten wegen der Frauen Beständigkeit / und sprach bey ihm selbst: In der gantzen Welt hat solches wolkeine Frau gethan. Es wuste aber kein Mensch nicht anders / denn sie weren getödet / daß er auch deßwegen gar zu bösen Reden gesertzet ward / auch vor einen [20] unweisen Mann gehalten / und trug jederman wegen der Frauen groß Mitleiden: Sie ab er ließ niemals keine Vngeberde mercken / denn nur ihrem Herren in allem zu gehorsamen. Nach etlich viel Jahren / als sie nicht weiter empfangen könte / nahm er Ihm zum letzten mahl für ihre Gedult zu prüfen / und sprach zu seinen guten freunden gar offt in jhrem Beyseyn / Er wolte die Helena nicht weiter erkennen / denn Er hette in seiner Jugend unrecht gethan / daß er eine Bettlerin geheyrahtet / Er hoffe der Bapst würde mit Ihm dispensiren, ihr Vrlaub zu geben / und eine andere zu nehmen erlauben / die gleiches Standes / gleiches Adels und Reichthums were. Welcher Reden halber er von seinen Freunden / offt und sehr gestraffet ward / Er aber gab kein ander antwort / denn Er wolt hierauf beruhen / wenn dann solches auch von andern Leuten ihr vor Ohren kam / sprach sie: Ach ich betrübe mich deßwegen gar nichts / der Herr weiß am besten was ihm gut ist / ich habe mir solche Gedaneken niemals eingebildet / daß er mich stets behalen werde / sondern wolgedacht / daß ich wieder zu meinem Vater kommen werde / seine Schaafe zu hütten / ich dancke nur Gott / daß er noch lebet. Bald darnach stalte sich der fürst / als ob ihm Briefe aus Rom vom Bapst kommen weren / machte dieselben auff / und laß sie in gegenwertigkeit vieles Volckes / die denn nicht [21] anders gläubeten / denn dem were also / Helenam zu verstoffen / und eine andere zu heyrathen / drumb ruffet er sie zu sich in beysein alles Volcks / und sprach: Helena du wirst nicht weiter an meiner Seiten schlaffen / siehe / mir ift vom Pabst zugelassen / weil meine Vorfahren von hohen Stande / mächtige und prächtige Herren gewesen / deime Vorfahren aber sind alle Bauren und von Bauren herkommen / mir eine zu ehelichen die mir gleich ist / und dich deinem Vater mirder Beysteuer / die du zu mirgebracht / wieder überantworten. Da die züchtige Frau thres Herren Rede vernam / steng sie nicht mit kleiner Pein ihres Hertzens an erbärmlich zu weinen / wandte ihre weise Hände / mit gar kläglichen wehemütigen Gebärden / daß es einen Stein in der Erden hette erbarmen mögen / doch mit sonderlichen verborgenen Bewegungen / damit man ihren innerlichen Kummer nicht recht mercken solte / ließ sich auch ihre freundlich Natur bald überwinden und sprach zu ihm: Ach mein adler Herr / ihr solt gläuben / daß ich meine schlechte Geburt wol stets erkennet habe / und daß ich eures hohen Geschlechts und Standes gar nicht würdig bin / viel weniger euer Gemahl zu sein / habe euch auch niemaln mein eigen geschätzer / sondern diß Glück von GOTT erkennet / habe micht des in meinem Hertzen / noch eusserlichen Geberden nicht erhoben / sintemahl es in eurem Gefallen ge [22] standen / wie lang ihr mich behalten wollet / darumb nehmet nun hin eurem Ring / damit Ihr mich zwar ehelichen vermählet. Daß Ihr aber saget / ich soll gehen wie ich aus meines Vaters Hause kommen bin / daß wisset ihr wol / daß ich nackend kam / und ihr saget damahln / Ihr begehret mich nichts anders / drumb seyd Ihr mir auch nichts schuldig: Düncker euch aber nun / daß der Leib der euch Kinder empfangen und getragen hat / vor allem Volck nackend zu Hause gehen / und gesehen werden sol / so wil ich euren Befehl auch erfüllen / doch bitte ich euch durch GOTT / ihr woller wegen meiner Jungfrauschafft / die ich rein und unbefleckt zu euch gebracht habe / Ihr mir dieselbe aber nicht wieder geben könnet / dafür ein schlechtes Hembde geben / damit der Leib / der sich stets nach eurem Willen und Beginnen gerichtet / nicht von Jederman bloß gesehen werde. Der Fürst konte über solchem Worten sich des weinen gar kümmerlich enthalten / doch gegen ihr er sich gar frembd stalte / und sprach: Nun in GOttes Namen / so nimb ein Hembde mit dir / und gehe heim zu deinem Vater. Viel tapffere Leut aber / die gegenwertig waren / kundten sich dieser grossen Vnbarmhertzigkeit nicht gnugsam verwundern / und sprachen: Er solte Ihr doch einen Rock und Zehrung mitgeben / damit sie / als dieda etliche Jahr seine eheliche Hauß-Frau gewesen / nicht so [23] schand und armselig aus seinem Schlosse gienge / im blosen Hembde / barhäuptig und baarfuß von jederman gesehen würde. Es war aber aller erbaren Leuten bitten vergebens / und gieng diese elende Frau so gar erbärmlich und armselig in ihres Vatern Hauß / welcher sich auch stets dieses Handels besorget hatte / deßwegen er ihre alte abgelegte Kleider auffgehoben / welche ihr der Fürst ausgezogen / dieselben im Nothfall widrumb zu gebrauchen / die brachte der armselige Vater mit grossem weinen herfür / die sie auch bald anzog / und schickete sich wie zuvorn in der jugend zu väterlichen Diensten mit stetem bestem Gemüth / und bedachte den Vhrsprung des bösen und unseligen Gelücks. Als nun der Fürst seinen Willen gegen der frommen Helenen recht verbracht / gab er Jederman zu verstehen / wie er eines Marggraffen Tochter ehelichen wolte / ließ alsbald grosse Hochzeit und Freude anrichten / und schickte eines Tages nach seiner vorigen gehabten Helenen / und sprach: Helena du solt wissen / daß ich mir eine andere erwehlet / welche nun muß Fürstlich gehalten werden / weil du denn alle Gelegenheiten in meinem Schlosse weissest / so ordne alles sein ordentlich an / ich lade auch alle erbare Frauen aus der Stadt zu solcher Hochzeit / und wenn die verbracht / so gehe wieder heim deinem Vater / allein siehe / daß du mir meine neue Braut recht ehrest / wie [24] einer Fürstin gebühret. Die gute Frau solches alles zu thun sich willich erboth / und sprach: Allerliebster Herr / ich bin stets bereit / ewren Willen in allem zu verrichten. Als nun die Hochzeit angieng / kam sie ihrem armseligen einfältigen Gewändlein / doch mit frölichen züchtigen Geberden / empfing die neuankom̅ende Braut / sampt allen Bürgers Frauen sehrfreundlich / der Fürst aber / der nun in solcher Zeit seine Tochter / und den Sohn von Bolonia / welche er mit Helenen gezeuget / und niemand nicht anders wuste / denn das sie in der Jugend getödet wehren / heimbringen lassen / reitet mit seiner Landschafft der neuen Braut entgegen / und war dieselbe seine Tochter nur 13. Jahr alt / die allerschönste Jungfrau / die damahln zu finden gewesen / daß sie jederman nur mit Lust zusehen begehrte / und von allem Volck so vol von der Helenen / lieblich und höflich empfangen ward / da hat jederman den Fürsten zu rede gesetzt: Er solte doch wegen so viel frembter Herrn / sein voriges Gemahl nicht so armselig in den bösen Kleidern gehen lassen / es brechte ihm keine Ehre / aber es war alles umbsonst bey Ihm. Nach dem mann nun zu Tische gesessen / und die Jungfrau oder neue Braut von jederman zum höchsten wegen ihrer Schönheit gerühmer ward / auch der Fürst seiner gedultigen Frauen Gehorsam gnugsam geprüfet / ruffet er sie zu sich [25] und sprach: Helena was bedüncker dich / wegen unser schönen Braut??? Sie sprach: Ach gnädiger Herr / wol und gut. Ist sie mit Tugend so gezieret / wie ihr eusserlicher Leib mit Schönheit / so möget ihr euch wol vor den seeligsten Herrn auf der Welt rühmen / allein ich besorge / solche Hertzen Püffe / als ich hab ausstehen müssen / wird sie / als ein zartes Mensch / nicht ertragen können. Da nam sie der Fürst bey der Hand / satzte sie ihm an seine Seite / und sprach: Helena mein hertzliebes Gemahl / nun ist meine Zeit aus / darinnen ich dich geprüfet. Weil ich dich denn ohn allen Wandel befunden / so soltu nun hinfort alleine mein liebes Gemahl seyn und bleiben / und wil dir zu eine Stunde wiedergeben alles / daß ich dir zu unterschiedenen mahlen / mit betrübten Gemüth genommen / und will dich frölich wieder ergötzen / und zu eigen geben / alles / was mein ist / und siehe / nimb hin mit frölichen Hertzen / diese Jungfrau / die du vor meine Braut gehalten / es ist warhafftig dein und meine leibliche Tochter / deßgleichen alda ihr Bruder / ist unser beyder Sohn. Die Frau in solchen reden bald nicht wuste / wie ihr geschah / ob sie tod oder lebendig wehre / doch mit Hertzens Freude sie beyde in ihre Arm empfingen / und sprach: Ach nun were ich ob Gott woll / alle meines Elendes / wieder ergetzer / und ward alsbald in die Kam̅er geführet / zog ihre Kleider an / und [26] ward gleich eine neue Hochzeit in grossen Freuden verbrach Etliche lobete̅ den Fürsten / die andern schändeten ihn wegen seiner Vnbarmhertzigkeit. Er ließ aber alsbald ihren arme̅ Vater holen / räumete ihm grosse Fürstl. Güter ein / und hielt ihn forthin in grossen Ehren / als seinen leiblichen Vater. Nachmals gab er seine Tochter dem Grafen von Saals / und lebten die zwey / der Fürst mit seiner Helenen / so in grosser Liebe und hertzlicher Ehefreundschaft / daß stets war unter ihnen / ein Hertz / ein Wille / ein Begierde und ein Verlange / zeugten auch noch einen jungen Herrn mit einander. 1. Lernet hier wie das Glück offt mit denen Leuten pfleget zu spielen. 2. Lernet auch ihr Weibs-Personen Sanfftmuth / Geduld und Gehorsam gegen euere Ehemänner.

7.
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Dänisches Reichs Glücksee igkeit. POntanus am 659ten Blat erzehlet nach gesetzte Geschicht / wie nemlich auf eine Zeit / vom Käyser / der König in Europa Gesandten weren zusam̅en beruffen worden / und als unter ihnen ein Streit vorgefallen / welcher unter den Königen den vorzug habe / nemlich / welcher von rechtswegen für den für treflich [27] sten und reichsten were zu achten; Da habe der Dänische Gesandte endlich gesagt: Wenn deß allermächtigsten und reichsten Königs in gantz Europa alle Schätze und Landgütter zu feilem Kauff ausgelegt / und alles aufs theuerste verkaufft / und umb solches erlöstes Geld hingegen hültzerne Näpff / oder runde tieffe Schüsseln / aufs allerwolfeilste erkaufft würden; so könte doch der König in Dennemarck alle solche Geschierr / wa??? deren auch unendlich viel weren / von dreyerley unterschiedlichen Sorten frisch gefangenen Fischen füllen und zieren. Mit welchem dann / nach aller deren / so verhanden waren / beyfall / er deß Dänischen Reichs Glückseeligkeit höher als aller anderer Güter zu achten erwiesen habe; seye ihm auch / nach dem Frantzösischen Gesandden / so dem Käyser zur Rechten gestanden / der nechste Ort gegeben worden. Es erinnert gleichwol dabey unser Pontanus, daß heutiges Tags / durch das gantze Königreich solcher Fischfang und Menge nicht mehr sey. 1. GOtt gibt einem Lande mehr denn dem andern. 2. Welches Land von Gott reichlichen gesegnet worden / das hat ursach ihm desto mehr Danck zu sagen. 8. Eine greuliche That / wie ein Ehemann sein Eheweib 2. Mördern verkauffet.
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ANno 1650. ohnweit Vpsal in Schweden gieng ein Bauer ins Holtz / diesem folgeten 2. Räuber / ihn umbzubringen / er bat umb sein Leben / das ward ihm mit dieser condition geschencket / daß er ihnen ein schwanger Weib verschaffen solte / wofür sie ihm setzo alsbald 100 Reichsthaler erlegen / und / wen̅ er das Weib darstellete / noch 100. Thaler versprachen. Der Baner wuste / daß sein Weib schwanger war / zeigete ihr die empfangenen hundert Reichsthaler / vorgebend / daß er einen Garten verkauffet hette / die Käuffer aber zu sehen / solte sie mitgehen: der Frauen war nicht wol zu muthe / gieng doch mit / im gehn aber kam sie ihres Bruders / der ein Schütze war / Hauß vorbey / sagte zu ihrem Mann / er solte nur fortgehen / sie wolte solgen / entdeckte unterdessen ihrem Bruder den Handel / und wie ihr das Hertz so schwer were / der Bruder ließ sie fort gehen / folgete aber mit einer geladenen Büchse nach. Wie nun der Mann das Weib brachte / zahlten jene beyde alsobalden die noch versprochene hundert Reichsthaler / damit gieng der Mann seinen Weg / die Räuber aber zogen die Frau gantz nackend aus / bunden sie an einen Baum / und w???tzten die Messer / in solchem schrye die Frau so viel sie mochte / da kam der Bruder / schoß den einen zu boden / des erschrack der ander / der ward zu tod??? geschlagen / machte seine Schwester wie [29] der loß / und der quasi Ehemann ward nach Vpsal gebracht. 1. Das leidige Geld machet auch zwische̅ den allerbesten Freunden feindschaft / darumb hüte sich 2. Ein jedweder für den Geitz und Geldsucht. 9. Ein Hofprediger / welchem erst wegen seiner scharffen Predigt getrohet wurde / wird vom fürsten höflich tractiret. VOr etwan viertzig Jahren predigte H. D. J. W. mit einem Theologischen Eiver / wieder die / an dem Fürstlichen Hose seines gnädigen Fürsten und Herrn / Herrn L. L. zu Hagenau graßirende Laster. Solches brachten die Hoff-Leute ihrem Herrn so verdrießlich und schmählich vor / daß er sich hochvermessete solchen Pfaffen zu verschimpfen / und hart genug zu tractiren. Ließ ihn derowegen nach Hof beruffen / als wenn er zur Tafel kommen solte: der Diener aber / der ihn forderte / warnete ihn / er solte nicht kommen / weil Ihr Fürstl. Gnaden eine solche Vngnad auff ihn geworffen hetten. Allein H. D. J. W. sagte: Ich wil nichts desto weniger kommen / und sehen / was man an mich begehren werde? Was geschicht? Er kombt / [30] und gehet / mit gebührender Ehrerbietung hinein. So bald nun der Fürst seiner ansichtig wird / empfing er ihn gar gnädig / läst ihn mit zur Tafel sitzen / gehet mit ihm auf das allerglimflichste umb / beschenckt ihn / und läst ihn wiederumb / nach geendeter Fürstl. Tafel nach Hause führen: daß sich alle Hoffleute nicht gnugsam darüber verwundern konten. Das heist: Gott nimbt den Fürsten den Muht: und ist schrecklich unter den Königen auf Erden. Wie Assaph in dem 76 Psalm singet. 1. In seinem Ambt soll niemand / sonderlich aber ein Prediger nicht feig oder zaghafft seyn. 2. Gott weiß der Fürsten und aller Menschen Hertzen zu lencken. 10. Ein Bischoff zu Cracauwecket einen Toden auf. HErr Martin Cramer im 4. Buch de Orig. & rebus gestis Polonorum pag. 89 erzehlet nachfolgende Geschicht. Herr Stanißla Bischoff zu Cracau in Pohlen hat ihm den Polnischen König Poleßla / weil er ihm seines Ambts erinnert und von der Ehebrecherey und andern bösen Thaten abgemahnet zum Feinde gemachet. Es hatte aber er Stanislaus in dem Lublinischen Gezirk / das [31] Dorff Petravin / von einen Bolonischen Rittersman / Nahmens Petrick / gekaufft. Vnd weiln solcher / nach empfangenen Geld dafür / allbereit verstorben; so hat der König seine / des Petricks Blutsverw ande angestellet / daß sie den besagten Bischoff / wegen ihrer entzogenen rechtmässigen Erbschafft / vor Gericht laden solten. Dieser beklagde Bischoff nun erwecket den Petrick / von den Toden / und stellet ihn für den Königlichen Richter-Stul; der dann bekennet / daß er das Dorff verkaufft / und den Werth darfür gäntzlich empfangen habe. Als sie von dannen abscheiden / thut der Bischoff dem Petrick die Wahl auff / ob er wieder in das Grab gehen / oder länger auff dieser Welt leben wolle? Aber Petrick sagt / er begehre vielmehr in den Himmel / und das ewige Leben / davon er nicht mehr weit were / wann ihme das wenige / so noch wegen seines geführten Lebens zubüssen / und leiden / übrig / auff seine / des Bischoffs Vorbitte nachgelassen würde. Als nun der Bischoff darein gewilliget / ist Petrick wieder zu Grab gangen / und gestorben. Endlichen / nach dem gedachter Stanislaus den besagten König zur Busse vergebens ermahnet / und ihn darzu ???n Bann gethan hatte / so ist er von ihme / dem König / den 8 Mayen / deß 1079 Jahrs / in Sanct Michaelis Kirchen / so über der Weichsel / auff einen jehen Felsen / in Gesicht des Cracauischen Schlosses gelegen / umbgebracht / und zehen Jahr hernach in ??? [32] tes Schloß / und in der mitte desselben Kirchen begraben worden; er aber / der Boleßla / ist hernach in Vngarn geflohen / allda er ihme selber im Jahr 1081 den Todt angethan; wiewol andere seinen / des Königs / untergang anders erzehlen; wie Cromerus dabey erinnert. Matthias von Mechow / der Artzney / etc. Doctor / und Dommher zu Cracau / so ein gutes vor dem Cramer seine Polnische Chronik verfertigt / beschreibt oberwehnte Geschicht auch in 2. Buch / am 19. Capitel / 47. und solgenden Blat / und nennet den Ort Plotravin / den Verkäusser oder Edelmann / Petern / mit dem Zunahmen Piotreck / und sagt / daß der H. Stanislaus versprochen / solchen Verkäuffer / innerhalb vier Tagen / zu bestätigung der Warheit vor zuführen / welches der König / und die Beysitzer / für ein Aberwitz gehalten / und der bestimbten Zeit erwartet haben. Der H. Stanislaus aber habe am vierdten Tag seine Bischoffliche Kleider angezogen / und in beysein der Geistlichkeit / und Menge des Volcks / des Peters / so schon vor drey Jahren gestorben war / Sarck eröffnet / und sich auff die Erden gelegt / und gantz eyferig gebetet / und als er in der Pfarr-Kirchen S. Thomas des Apostels / zu besagten Piotravin / von dem Gebet auffgestanden / mit seinem Bischoffs-Stab / deß Peters / Aschen angerühret und gesagt: Stehe auff Peter / im Namen des Vaters / und des Sohns / und des H. Geistes / der Warheit Zeug [33] niß zugeben; Der auch alsobalden sich auffgericht / und gestanden seye: Der Bischoff aber ihn aus dem Grab bey der Hand geführt / und von dannen für den König / so zu Gericht gesessen / gebracht: Der mit den Beysitzer darüber so bestürtzt worden / daß sie nichts reden können: Aber der von den Toden erweckte Peter habe seinen Befreunden einen starcken Verweiß geben / daß sie den heiligen Mann / nemblich den Bischoff / also leich???sertig / und schmählich hetten anfallen dörffen. Vnd hetten sie beyde darauff / in Begleitung einer grossen Menge Volcks / sich wieder nach Piotravin begeben. Im übrigen er auch mit dem gedachten Cromer übereinstimmet. 1. In Kauffen und Verkauffen soll man ehrlich handeln. 2. GOTT lässet offtmals Wunderwerck geschehen / die Wartzeit an Tag zubringen. 11. Ein Weib so ihrem Mann entlauffen / kömbt wieder zu ihm. ALs Zantho des AEsopi Herren sein böses Weib weggelauffen war / und Zanthus sich deßwegen sehr gremete / sprach AEsopus ihm ein Hertz ein / sagte: Ist es euch denn so viel umb das Weib zu [34] thun? seyd getrost / ich will verschaffen / sie soll eylig wieder kommen. Er band Hüner / Gänse / und Tauben umb den Halß / gieng in der Gasse / da er wol wuste / das die verlauffene Frau inne war / ruffte laut: Habet ihr nicht Hüner und Gänse zu kauffen. Er ward in das Hauß darinnen die Frau war / geruffen / und gefraget / was er denn mit den Hünern und Gänsen wolte? Er gab zur Antwort: Morgen will mein Herr mit einer andern Hochzeit machen / weil ihm die vorige entlauffen. Ich meyne jener kam das lauffen an / und eilete / biß sie wieder zu ihrem Herren kam. Wie das Weib wieder kam / wolte Zanthus für Freuden ein Panquet anstellen / sagte derowegen zu AEsopo: Er solte außgehen / und kauffen das beste das auff dem Marckt were / AEsopus gieng und kauffte lauter Zungen / denn er sprach: Das were das bes???e / es ward auch nichts anders gespeiset als lauter Zungen / das verdroß dem Zantho / und sagte den andern Tag zu AEsopo auß Zorn: So gehe nun / und kauffe das allerschlimmeste / AEsop???s gieng und kauffte wieder Zungen / sagte: Das were das schlimmeste.
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1. Weiber können von Männern nicht besser gebändiget werden / als wenn sie sich stellen als liebten sie andere Weiber. 2. Die Zunge mag man wol recht brauchen / denn sie ist das beste und böseste Stück. 12. Eines Kaufmans Wittib wendet 7000. Gulden auf Artzney / hilfft nichts / heyrahtet aber und wird gesund. IN der See Chronica lese̅ wir eine wunderschöne Historia / wie das zu Fliesingen in Seelandt eines reichen Kauff-Herrn Hauß-Frau / nach Abgang Ihres Herren / siebenzehen Jahr sey kranck und krätzig gewesen / diese hat auff ihren Leib (dieweil sie sehr reich gewesen) in die sieben tausend gülden zur Artzney auffgewendet / aber doch alles vergeblich. Endlich lässet sie ihr einen Doctorem von Rostock mit grossem Kosten erfordern / dieweil er sehr berühmt gewesen / dieser aber / als er alle Eigenschafft ihrer complexion erkundiget / wil Er ihr keine Artzney eingeben / sondern ermahnet sie zu Heyrathen / weil ihr aber solches einer erbarn Frauen zu thun schwer vorkam / in dem sie jetziger Zeit keinen wüste / der in solcher Leibes Schwachheit ihrer begehrte / da hat derselbe Doctor gesagt / weil sie so viel gewaget / und ihn einen so fernen Weg bemühet / so wolte Er auch nicht weg / biß Er ihr einen Ehegatten / ob Er [36] ihr schon von Person nicht allerding gefallen möchte / zu ordnen werde. Diese gute Frau / als sie der Gesundheit vertröstet wird / stellet ihren Willen in den seinen / in diefer Sache zu schaffen / wie es ihm beliebet / dieweil sie offt so gar herbe Artzney habe einnehmen müssen / dafür sich denn gemeiniglich ihre gantze Natur zum hefftigsten dagegen entsetzet / und habe doch keine besserung dadurch empfunden / drumb wolte sie in diesen Sachen auch stille halten / und ihn schaffen lassen. Was geschiehet? der vorermelter Docter bekümmert und bemühet sich zum hefftigsten / als immer müglich / damit er ihr einen Ehegatten / der ihr auch etlicher massen annehmlich oder lieb seyn möchte / zu wege bringen könte / kan aber nirgent antreffen / das auch paßirte / sondern muß entlich aus Noht einen Boßgesellen / oder Schisknecht / zu solchem Handel an sprechen / und ihm diese Heyraht wunderlich antragen / welchen er auch zu vor aus seinem eigenen Beutel schön kleidet / damit er auch gegen dieser tapfferer Fraue̅ (ob sie schon auch damals wegen langer Niederlage nicht schön aussehe /) etlicher massen bestehen möchten. Was geschihet? sie hat zwar in grosser Traurigkeit ihren Willen darein gegeben / sie kan aber in ihrem Hertzen zu diesen Menschen keine Neigung haben / daß sie auch deßwegen ihren Medicum gar vor einen Narren helt / weil er solche Händel angefangen. Das ichs aber kurtz erzehle / so hat sie keine Lust gehabt / sondern [37] ist wie ein Schein gegangen. Als dieselbe aber bald nach gehaltenem Beylager linderung empfindet / hat sich ihre Kranckheit immer bey mehlichen verlohren / und ist noch ehe / denn als der Docter von ihr geschieden / gesund und frisch worden / hat auch nachmals den vorgedachten Boßknecht hertzlich lieb bekommen / und demselben Medico fünffhundert Gülden verehret. 1. Kranckheiten werden offtermals durch wunderliche Mittel curiret / darumb 2. Verständiger Medicorum Raht nicht zu verachten ist.

13.
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Ein Vater und Sohn könnens mit ihren Esel der Welt nicht recht machen. ES wird geschrieben von einem Vater und Sohn / welche einen Esel gehabt / und mit solchen über Land gereiset. Da hat nun weder der Vater noch der Sohn / noch der Esel der Welt recht / oder zu Sinne thun können. Da der Vater den Esel reit / da dochte es nicht. Da er den Knaben ließ drauff sitzen da dochte es aber nicht. Da sie beyde drauff saßen / tadelt es die Welt auch. Da sie neben den Esel beyde zu Fuße giengen / da [38] theten sie thörlich. Da sie darnach den Esel trugen / waren sie der Welt noch grössere Narren. Letzlich erseufften sie den Esel / gleichwol halff es nicht. Denn die Welt tadelte es noch viel mehr / und die Leute scholten auffs hefftigste auff sie / daß sie so unbarmhertzige Menschen weren. 1. Die Welt weiß alles zu tadeln. 2. Lebe du nur also / daß man dich mit recht nicht tadeln kan. 14. Ein Beer führet eine Jungfrau weg. JOhannes Saxo, Johannes Magnus und Olaus Magnus, beede Ertz-Bischoffe zu Upsal in Schweden schreiben / daß einsten in Schweden / nahe an einem Gebürg / oder Wild nüß / ein vornehmer reicher Mann gewohnet / der eine trefflich schöne Tochter gehabt / Welche / gegen Abend / neben etlichen andern Jungfrauen / hinaus auffs Feld spatzieret / und gespielet. Zu folchen sey unversehens ein schrecklich ungeheurer Beer aus der Wildnüß kommen / seinen Raub zu suchen. Es seyen aber die andern Jungfrauen alle entkommen / ohn allein erwehnten reichen Mannes einige Tochter / Welche der Beer erhaschet / und mit sich in seine Höle genommen. Da nun die elende Jungfrau sich [39] besorget / sie würde von dem Beer zerrissen und gefressen werden / habe sich derselbe gantz nicht wilt / sondern so freundlich! als er gekönt / gestellet / und an ihr verübet / was sie am allerhefftigsten betrübet / aber von ihr nicht verwehret werden können: habe ihr auch / von seinem Raub / allerley Speise zugetragen / und sie / von einem vorüberrauschenden Bächlein trincken lassen. Hierauf habe sich die Jungfrau auf schwerem Fuß befunden / und für Aengsten / nicht gewust wo sie hinaus gesolt. Es seyen aber über etliche Monat / nach verlierung der Jungfrauen / Jäger in die Wildnüß kommen / welche diesen Beeren gefangen / und erschossen: Bey welchem Jagt Gesehrey die Jungfrau sich aus der Wildnis / herfür gemacht / und durch der Jäger Hülse / wiederum mit höchster Verwunderung zu ihren Eltern gebracht worden: Denen sie allen Handel erzehlet / und zugewöhnlicher Zeit einen schönen Sohn gebohren / welcher / für andern Kindern mehr nichts besonders gehabt / als daß er über dem Leib etwas haariger / als andere gewesen / und ein überaus starcker Mann worden. Welcher nachmahls Trugillum, einen fürtreflichen Helden / Trugillus Ulfonem, einen hochberühmten Mann / und Ulfo Svenum gezeuget / Der König in Dennemarck / und ein Stamm-Vater nachfolgender Könige in Dennemarck / und in Schweden worden. Ob nun gleich solche Historia / wie eine Fabel lautet: so [40] weis man doch / noch heutiges Tages / in dem Königreich Portugall / daß sich eine noch viel seltsamere Geschicht / solches Jahalts / habe zugetragen. 1. Jungfrauen sollen nicht weit ausspatzieren / sondern fein zu Hause bleiben. 2. Auch die grimmigsten Thiere werden durch schöne gestalt besänfftiget. 15. Ein Aff nimbt ein Weib mit sich. ES wurde in demselbigen Königreich / ein Weib / wegen einer grossen Vbelthat / in die wilde und wüste Schlangen-Insul relegiret und verwiesen. Wie sie nun / von den Schiffleuten allda ausgesetzet wurd / fieng sie ein erbärmbliches Geschrey an: Worüber eine überaus grosse menge Affen / und unter denselben ein besonders grosser herfür gelauffen kamen. Solcher grosser Aff nahm sie mit sich in seinem Dusch / ließ sie / durch die andere kleinere Affen / mit aller Lebens-Nothurft versehen: Sie aber überkam von ihm / (weil sie ihn nicht abhalten konte) nach einander zween vernünfftige Söhne. Es be [41] gab sich aber / nach vier Jahren / daß ein Schiff aus India zurück kam / und in solcher Schlangen-Insul frisch Wasser / aus einem allda bewusten Brunnen / die Leute holen wolten. Uber derer Ankunft krochen die Affen alle in ihre Locher / das Weib aber bekam ein Hertz / und lieff / mit grossen Geschrey / zu den Schiff-Leuten / welche sie alsobald zu sich nahmen. Die verlauffene und verborgene Affen vermerckten solches / lieffen hauffen weiß zu dem Ufer: Vnd der grosse Aff schwam mitten ins Meer / nahm das eine Söhnlein von zwey Jahren / und hielte es empor / in Hofnung / die Mutter solte sich dadurch zum umbkehren bewegen lassen. Als sie aber fort fuhren / warff er dieses ins Meer: holete das andere Söhnlein von drey Jahren / und hielte es / im Meer / auch in die höhe / mit betrohung / als wolte er es auch ersäuffen. Ob nun die Schiff-Leute umbkehren / und es / von ihm / abholen wolten / trauete er doch nicht / da sie etwas näher zu ihm kamen; sondern nahm es / mit grossem heulen und schreyen / und warf es gleichfals in das Meer. Solches ist / bey der [42] Wiederkunsft in das Königreich Portugall / umständiglich erzehlet / und das Weib / wegen der Beywohnung des Affens / zum Feuer verdammet / aber von dem Päpstischen Gesandten alda loßgebeten / und in ein Kloster gethan worden. 1. GOtt weiß die Vbelthäter und Vbelthäterin wol zur Straffe zu ziehen / Aber 2. Auch wiederumb / wann sie Busse thun / aus Nöhten zu erretten. 16. Eine̅ Altvater zu Schweinfurt wird ein Gesicht gezeiget. WIr lesen beym Culpiniano von einem from̅en Altvater zu Schweinfurt / welcher vom Gott dem HErren viel wunderbarlicher Offenbahrungen gehabet. Auff eine Zeit betet er fleißig / GOtt wolle etlicher andächtigen Jungfrauen Hertzen bewegen / daß sie sich freywillig in das allda neu gestiffte und wohl angerichte Jungfrauen Kloster begeben möchten / und darinne ihren lieben GOtt und Schöpffer in Heiligkeit und Reinigkeit dienen / darmit sie alle weltliche Dinge hindan setzen / und sich ihrem Bräutigam [43] Christo allein untergeben. Als nun in der Haupt-Kirche ein öffentliches Gebet alldar / dieses Inhalts geschehen war / gehet gedachter Alt-Vater auff dem Kirchhofe / da das meiste Volck fürüber gieng / hub seine Augen / Händ und Hertz seufftzende gen Himmel / und bath ihm zu offenbahren / ob es unter den hauffen auch viel solcher geistlichen Jungfrauen geben möchte? da war ihm in Gesichte vorkommen / wie mehrentheils Bürgers Töchter und Jungfrauen eine güldene Schnur in Händen gehabt / da das andere Theil oder Ort derselben die heiligen Engel denen Jungen Gesellen und Bürgers Söhnen in die Hand gegeben / und hetten dieselbigen heiligen Engel sich dessen gleich gefreuet / daraus dieser fromme Altvater verstanden / daß man nicht allein / im Jungfrauenstande / sondern auch in Ehelichen Leben Gott dienen und gefallen könte / und daß die lieben Engel in denselben Diensten und Zusammenbringung so wol geschefftig weren / als in Einweyung geistlicher Personen / daraus ein jeder schliessen soll / daß sein Stand / da er in der Furcht Gottes einen [44] Ehegatten begehret / von GOtt geliebet / und seinen Engeln befördert wird. 1. Ehelich zu werden mißfället GOtt und den Heil. Engeln nicht / sie helffen solch Werck vielmehr befördern / als hindern. 2. GOtt offenbahret seinen Willen offt auf sonderbahre weise. 17. Ein Sohn gehet mit seiner Mutter in die Rumpel-Metten. EIn unerfahrner der geistlichen Sachen / aber gleichwol einer rechtgläubigen Religion / kahme mit seiner Mutter von der Alpen oder Viehewaide an einem hohen (oder wie man sagt) Grünen Donnerstag in der Charwochen / in die Rumpel-Metten / allwo man nach gewöhnlichen Kirchen Gebrauch / zu derselben Zeit aus gewisser Vetrachtung / zu jedem Ende eines Psalms / eine Kertze oder Liecht ausleschete / zu dem allerletzten Psalm aber / nach jedem gesungenen Verß allezeit eine ausgelescht wurde; Da sahe dieser albere Mensch dem Spiel lang zu; Endlich sprach er zu seiner Mutter: Mutter / es wird nichts guts werden aus diesem Ding / das merck ich / es wird gewiß [45] bald an ein Rauffen gehen: Nicht / sagt die Mutter / es ist also der Brauch / umb solche Zeit; Weil man aber je länger je mehr auslesehete / je mehr er sich förchtete / sagt nochmahlen / es gehet mir vor / es gibt Händel ab / dann man leschet alles nach und nach / bey dergleichen bin ich mehr gewesen / da es also hergange̅ / (meynt in nächtlichen Heimgärten und Würths oder Bier Häusern) wann manns also gemacht / daß nichts als Rauff Händel erfolgt. Ich grieff zu meiner Wehr / (hatte einen grossen Säbel bey sich) nicht / nicht / sprach die Mutter / laß die Possen bleiben / du hörest wol / so ists der Brauch. Unterdessen wurde auch die letzte außgelescht / und da mann darauff zu rumpeln / oder ein Gethöß zu machen anfieng (zur Betrachtung der Ungestümmigkeit der Jüden / als sie Christum unsern HErrn gefangen) springt dieser alsbald mit ausgezuckter Wehr / von seinen Ort auff / Holla / Holla / wem trifft es / über wem geht es / schrie er überlaut / daß er viel Leut vor Forcht aus der Kirchen triebe / er auch nicht weniger aus der Kirchen eylte / vermeynend / das Gezänck würde draussen [46] angehen. Den andern Tag / als den Charfreytag / kompt er wieder / und sieht in der Kirchen unsern HERRN noch gantz blutig im Grabe liegen / sprach also: Sehet jetzunder / hab ich nicht gesagt / es werde also gehen / haben die Schelmen diesen guten Menschen gar zu todt geschlagen / wohl mir / daß ich mein Wehr (oder Säbel) bey mir hatte / wer weiß / wie es mir ergangen. Ist wahrhafftig und kein Mähre / oder Schimpff. Also siehet man / wann die Eltern ihre Kinder nicht in die Kirchen gewehnen / was sie hernach vom geistlichen Gebrauch / oder Gottes-Dienst wissen. Vnd also besser den Brauch der Wirths-häuser als Gotts-Häuser erfahren. 1. Eltern sollen ihre Kinder fleißig zu Kirchen halten / damit sie den GOttes dienst und Christliche Ceremonien erlernen. 2. Junge Leute sind einfältig und doch offt hitzig darbey. 18. Was einer Magd begegnet / welche in der Andres Nacht gebetet. EIne freche Magd in dem Henneberger Lande betete / und begehrte ihren zukünfftigen Buhlen zusehen / da ist ihr der [47] Teuffel / in Gestalt eines Feuer-Klumpens / erschjenen / und hat sie in dem Bette der gestallt gedruckt / daß sie fast vor Schrecken und Schmertzen gestorben. Solcher Feuer-Klump ist ihr alle Nacht / wenn sie zu Bett gehen wollen / erschienen / auff ihren Kücken gefallen / und hat sie jämmerlich geängstiget / biß sie gestorben. Man hat zwar an dem Gebet nichts ermangeln lassen: Es hat aber doch GOTT diese zietliche Straffe / andern zur Warnung / nicht weg nehmen wollen. Hat also das arme vexsündigte Mensch damit zu frieden seyn müssen / daß sie / von der ewigen höllischen Plage / durch wahre Buß / und lebendigen Glauben / befreyt geblieben. 1. Mann soll sich vor Aberglauben und Abgötterey hütten. 2. GOTT lässet die jenigen nicht ungestraffet / welche seinen Namen mißbrauchen / denn Er will seine Ehre keinen andern geben / Es. XLII. v. 8.

19.
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Ein Käyserl. Gesandter / weil Er von den Türcken vom Pferde geschlagen wurde / bekümmerte sich zu tode. IM Jahr Christi 1569. ist zu Constantinopel / aus Bekümmerniß / der Käyserlich Gesandte / Albrecht von Wüß / ein Niederländer / verschieden; welcher einsmals Nach- [48] Mittags / Ergötzungs halber / durch die Stadt geritten / und als ihme ungefehr der Muphtis, welcher bey den Türcken für den Hohenpriester ihres Mahometischen Aberglaubens gehalten wird / begegnete / nicht vom Pferde / weil ihme diese Gewohnheit unwissend war / gestiegen / und dahero von den Janitscharen / welchen diesen Türckischen Pabst in grosser Anzahl begleiteten / vom Pferde herunter gerissen / und mit Fäusten schmählig empfangen worden Er hat zwar diese grosse / ihme / als einem Gesandten / wieder aller Völcker recht angethane Unehr / zu straffen / gar hefftig beym Türckischen Käyser Selim / und seinen Bassen getrieben / aber nichts erhalten / weil sie sagten / daß die Janitscharen solches ihnen selbsten würden gethan haben / wann sie diesem ihrem höchsten Priester die Ehre nicht erzeiget hatten: Deßwegen / so ist er / der Gesandte / weiller solche Schmach nicht erdulden / dieselbe auchnicht rächen kunte / nicht lang hernach gestorben. 1. Lernet hier / was Bekümmernüsse und Gemühts. Kranckheiten verurschen können. 2. Alle Priester-Feinde sollen auch an abgöttischen Völckern lernen / wie sie Geistliche ehren sollen. 20. Alphonsus tröstet einen sterbenden Edeiknaben.
|| [49]
VOn Alphonso, den Könige in Atragonia, schreibet Panormitanus, daß er an seinem Hofe unter andern Aufwärtern einen Edelknaben gehabt / welchen er hefftig / und fast als seinen eigenen Sohn geliebet / derselbe fällt dermaleins in eine gefährliche Kranckheit / der König gehet selber zu ihm und besucht ihn / und als er vermercket / daß er sich für dem Tode entsetzet / und nicht gerne sterben will / tröstet er ihn mit gantz freundlichen und leibreichen Worten: Mein Sohn / sagt er / fürchte dich nicht so sehr für dem Tode / denen jenigen / welche Christlich und gerne sterben / ist der Tod ein Anfang zum Leben. Vnd zwar zu einem solchen Leben / welches keinem Vnglück unterworffen. Also tröstete der König Alphons??? seinen Edelknabe̅. 1. Grossen Herren ist nicht verboten / sondern stehet ihnen wohl an / daß sie ihren Dienern mit Trost und Vnterricht zu statten kommen. 2. Vor dem Todt soll man sich nicht allzusehr fürchten. 21. Dem GOtt hilfft ist am besten geholffen. ZWene Blinden lagen vor eines König-Saal / der eine rief / O wie ist dem so wol [50] geholffen / dem der König hilfft! Der ander rief / O wie ist dem so wol / dem GOtt hilfft. Der König ließ 2. Kuchen backen / und in dem einen etwas Gold / daß der Kuchen schwer würde / gebet darbey / man solte dem den schweren Kuchen geben / der geruffen: Wie ist dem so wol / dem der König hilfft / und dem andern Blinden den leichten Kuchen / das geschahe. Die Blinden fragten einander / was jeder bekommen / der eine sagte / ich habe einen schweren Kuchen / der ander sagte / und ich einen leichten / jener vermeynte / der schwere Kuchen were nicht gar gebacken / und tausch ete mit den andern / denn er gedachte / Brodt kennete man bey der leichte / und Käse bey der schwere / also bekam der den Kuchen mit dem Golde / der geruffen hatte: O wie ist dem so wol / dem Gott helffen wil. 1. Das rechte Glück kompt von Gott. 2. Manchem ist ein Glück bescheret / er kan sich aber nicht darein schicken. 22. Von einem armen Gesellen zu Bamberg. DOctor feucht schreibet / daß zu Bamberg ein Rademacher Gesell / der gar nichts in Vermögen gehabet / ein armes Mägdlein geheyrathet / so nichts am Gut / er ???uch nicht Zehen Gulden vermogt / daß er het [51] te können Meister werden / dem schleger ein Kürschner Geselle (dem von seinen Eltern viel angestorben war / für zwey hundert Thaler vor seine Jungfrau zugeben / daß er nur von ihr ablassen wolte / und ihm dieselbe einreumen / dann damals / wann er Geld hette / könte er wol heyrathen / wer ihm gestele / wer ihm lieb were / könte auch Meister werden / und sich ehrlich nehren / da saget dieser Rademacher: Was ist zweyhundert Thaler: Ist mir doch meins Jungfrau lieber als gantz Bamberg / und was dazu gehöret / körden wir aber beysammen nicht reich werden / so wollen wir arm bleiben / und wil ich einem Meister arbeiten / und was ich erwerde sie dadurch ernehren / und wollen doch / bey dem mühseeligen Zustande / einander hertzlich lieb haben / bis in Todt / und nach dem Tode in jenem Leben. Hieraus siehet man / was die Liebe für Art und Eigenschafft an ihr habe. 1. Die rechte Liebe sichet nicht auf Reichthumb. 2. Der Mensch soll auch sein Hertz nicht an Reichthumb hangen / dann an Reichthumb ists nicht allezeit gelegen. 23. Macarius bringet eine bezauberte Tochter wieder zu recht.
|| [52]
JAn lieset in der alten Väter Leben / von S. Macario, wie zwey Eheleut zu ihm kommen / die hatten eine schöne Tochter / welche der Teuffel also bezaubert hatte / daß sie und jederman ihre Tochter für eine Kuh ansahen. Darumb brachten sie dieselbe zu S. Macario in die Wüsten / und klagten ihm / daß ihre Tochter were ein Jungfrau gewesen / und nun durch Zauberey zur Kuhe worden / und bathen ihn / daß er wolte Gott bitten / daß sie wieder ihre vorige gestalt kriegen möchte. Da sprach er / wie ist euch so geschehen? Sehe ich doch nichts anders denn eine schöne gesunde Jungfrau. Darumb muß es ein lauter Gespenst seyn / daß der Teuffel euch bethöret / und die fünff Sinne betreiget. Zu letzt sprach er Gebet über sie / und ließ die Eltern auch beten / da höret solch Gespenst auf / daß sie und andere ihre Tochter wieder sahen / wie zuvor. 1. Der Teuffel pfleget denen Leuten oftmals ein Geplerr vor das Gesicht zumachen. 2. Mit dem Gebet kan man den Teuffel am besten vexiren. 24. Zwey von Adel ein Teutscher und Italianer nehmen zu gleich einen Diener an.
|| [53]
ZWey arme von Adel / ein Teutscher und Italiener wolten die Länder besehen / nahmen einen Diener auff / mit diesem Geding / daß Wochen weiß einer umb den andern / den Diener solte beköstigen. Der Italianer war sehr genau / und fraß sich kaum einmahl satt; Der Teutsche aber ließ sich wol tractiren. Wann der Welsche die Eyer aus der Schalen meistentheils hatte ausgedunckt / nahm er die lehre Schalen / und sagte zu seinem Diener pel a questo. Der Teutsche Edelman aber gab dem Diener in seiner Wochen ein groß stüek Rindfleisch / und sagte zu ihme / nim du das. Der Diener wolte dem Welschen nimmer auffwarten / und begehrt seinen Abschied. Der Welsche Edelman verwunderte sich / und fragte ihn: warumb er dann ihme nimmer wolte dienen? geb ich dir doch zu essen / wie der Teutsche; der Diener antwortete: Was? Ein eintziges nimb du; das ist besser / als 20. pel a questo; gieng also seines weges / und sprach: Dem Teutschen wil ich allein dienen. Der wer ein Narr / der schissen wolt / Ob schon das Schiff wer voller Golt / Solt aber gehen zu stücken / Also teutsch Hertz / und welsches Maul / Ein starcker Mann und lahmer Gaul / Zusammen sich nicht schicken.
|| [54]
1. Dienern und andern Gesinde soll man ihre Gebühr geben. 2. Teutsche seyn doch aufrichtige und guhtthätige Leute. 25. Von Friderico mit dem Anbiß und Friderico dem freudigen. 1. Fridericus mit dem Anbiß wurde darumb also genennet / DEnn als seine Frau-Mutter Margaretha / Käyser Friderici 2 eheleibliche Tochter / von ihrem ungetreuen Ehegemahl Albrechten / Landgrafen in Düringen / ohn all Schuld und gegebene Vrsach verkieset / und einen Eseltreiber / sie heimlich zu erwürgen / übergeben worden / der sie aber verwarnet / Vnd sie sich bey eilender Nacht in die flucht begeben müssen: Ist ihr nichts unter allen so gar schmertzlich vorkommen / als dieses / daß sie 2. kleine Kinder Fridericum und Dicemannum in der Wiegen hinderlassen / und sich von ihnen scheiden müssen. Alldieweil es aber vor dißmal anders nicht seyn können / als ist sie zu den Kindern in die Schlaff-Kammer heimlich gelauffen / und hat dem ältesten / gleich als in einem Liebsgrimm mit den Zähnen ein Biß in Backen gegeben / daß er überlaut angefangen zu schreyen / (und sich vom andern / dem sie [55] gleiches Liebszeichen geben wollen / müssen ablassen) ja daß das Blut hernach gangen / und er das Liebszeichen die zeit seines Lebens im Backen behalten / und davon Fridericus admorsus der angebissene Fridericus heissen müssen. II. Fridericus der Freudige aber ist genennet darumb. Denn er hat sich in Lieb und Leid / die gantze Zeit seines folgenden langen Lebens / je und allezeit so freudig und großmütig erzeiget / daß sich zum allerhöchsten darüber zuverwundern / und kaum ein Potentat in Historien zusinden / der mehr Creutz und Wiederwertigkeit freudiger und großmütiger / als dieser Fridericus erduldet und ausgestanden. Er hat dulden und leiden müssen / daß seine fromme unschuldige Mutter ins Elend gejaget / und darinnen / vor grossen Kummer / alsobald im andern Jahr / zu Franckfurt am Meyn gestorben / Anno 1269. Er hat dulden und leiden müssen / daß sein unartiger Vater ihm und seinem Bruder / als sie zu Jahren köm̅en / so wol als der Mutter unbillig und unverschuldet feind worden: Jhnen zu Verdrieß Land und Leute / den mächtigen Potentaten / Käysern / Fürsten und Städten / muthwillig verkaufft / verpfändet / verschencket / vererbet / und ihm und diesen Landen viel [56] blutige / und in die dreyßig Jahr werende Kriege / muthwillig verursachet. Ja / Er hat dulden und leiden müssen / daß er darüber bey vielen / auch den höchsten Potentaten und Käysern selbst / nicht nur in schändliche und unbillige Verdacht deß Vngehorsams / sondern auch in die Acht und in Leibs und Lebens Gefahr kommen. Inmassen er auf heimliches Anstisften des Käyser Albrechts / zu Altenburg auffm Schloß / vor Käyserlicher Tafel / von einen Meuchel-Mörder überfallen / aber durch Gottes und seines getreuen Meißnischen Leibdieners Hülff / (so sich / über und vor ihn / in stücken zerhauen lassen) wunderbarlich davon kommen / dagegen aber sein lieber und getreuer Bruder Dicemannus mit der Haut bezahlen müssen / do er nechst folgendes Jahrs Anno 1307. in der Christ-Nacht zu Leipzig / in Sanet Thomas Kirch / auff vermuhtliches Anstiften / eines Käyserl. Kriegs-Obristen Philippen von Nassau / bübisch erstochen worden. Aber solche und unzehliche viel andere Schmach / Plag und Vngemach / hat er gantz freudig erlidten: In allen so schweren und gefehrlichen Kriegen freudig gestritten: Alle seine Feinde / und unter denselben zweene mächtige Käyser / als Käyser Ludwigen und Käyser Albertum nach einander freudig und glücklich überstritten: Den gedachten und vermuhteten Bruder Mörder / [57] den Grafen von Nassau / wie ers ihm gedreuet / doch in offener feld-Schlacht / vor Luka / mit eigener Ritterlicher Hand freudig erleget / Vnd das Meuchle Mörderische Schwäbische Kriegs-Heer zu unterschiedenen mahlen / so freudig ausgefenstert und geputzet / daß man noch heut zu Tage / von unglütkseligen Leuten / und denen die einbüssen / das freudige Sprichwort führet und saget: Es gehet ihnen wie den Schwaben vor Luka. In Summa: Er hat aller seiner feinde Vntergang gesehen: Vnd dreymahl mehr Lande / als Er und die Seinigen zuvor gehabt / überkommen / dieselben auch noch über eine geraume Zeit in Ruhe / Friede und mit höchstem Ruhm und Ehren / gantz freudig besessen / freudig regieret / und seine hertzliebste Vnterthanen (die in allen Historien das Zeugnüß haben / daß sie allezeit / treulich bey ihm gestanden) vor aller Gewalt / freudig beschützet. In massen er auch unter andern / Eilenberg / als es von Eberhardo / eim Fürsten zu Anhalt sollen belagert werden / (Anno 1290.) gantz freudig vertreten: Dem feinds zwischen Wittenberg und Torgau / so bald er auff der Elb daher gezogen kommen / ein Schlacht gelieffert / in 4000. ab geschlagen / und ihn selbst den Anhälder mit 5000. Mann gefangen / ehe denn er Eilenberg gesehen / auch nicht ehe loß gelassen / biß er sich mit 16. Marck Goldes rantioniret und gelöset. Aus wel [58] chem und derogleichen unzehligen freudigen Heldenthaten er dann nicht unbillig den unsterblichen Titul der Freudigkeit erlanget und hinder sich verlassen. 1. Der Mutter-Liebe ist gegen die Kinder sehr groß. 2. GOtt gibt manchem auch in grösten Creutz und Wiederwertigke ???mmerdar einen freudigen Muht.

26.
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Graff Ludwig von Ladron ersticht sein Pferd und streitet zu Fuß. ISthuanfius gedencket im 13. Buch des Ibrahims, daß diß Jahrs 1537. nach der schändlichen Flucht des gewesenen Feld Herrn / Johann Katzianers / (den er allenthalben Cocianum nennet) und in Stichlassung des gantzen anfehnlig???en Kriegs-Heers von unterschiedlichen hertzhafften Völckern / bey Esseck / ehe mann mit den Türcken einmal zu schlagen kommen / die gebliebene Fuß-Knecht / Graff Ludwig von Lodron / ermahnt habe daß sie / wegen der Reiter Flucht / nicht verzagt werden solten: Da dann einer auß den teutschen Lands-Knechten geantwortet habe: Ja / mein frommer Ladron / ihr unterstehet euch leichtlich / ander die Flucht als übel anständig / und unehrlich / zu wiederrathen / der ihr mit sechs Füssen / (dann er auff einem trefflichen / und abgerichten Pferde gesessen) mehrers / [59] und geschwinders / als wir / die nur 2. Füsse haben / lauffen könnet. Als solches der Graf verstanden / seye er vom Pferde gestiegen / und habe solches mit seinen. Degen durchstochen / und zu den Soldaten / die er Brüder genant / gesagt: Er woll sich auch zweyer Füsse gebrauchen / und gleiche Gefahr mit ihnen zu Fuß außstehen; habe auch die übrige siene Pferde / etlichen der seinigen und andern / so verwundt / theils auch kranck wahren / außgetheilet; und seye er endlich von den Türcken gefangen / und weilen seine Wunden nicht geheilet / oder er mit andern gefangenen nach Constantinopel nicht geführt werden können / von ihnen umbgebracht / und daß abgeschlagene Haupt dem Käyser Solyman dahin geschicke worden. Der Kotzianer aber / oder wie man ihn ins gemein nennet / der Katzianer / habe sich nach Hauß in Crain begeben / von dannen er auff Wien beruffen / und daselbsten eingelegt worden / aber aus der Gefängnüß / als er die Wächter betrogen / entkommen. Man sagt / schreibt er am 217. Blat / daß ein fürnehme Frau / in zweyen silbern Flaschen / ihme heimlich Seiler geschicket / und darüber Wein gossey habe. Er hat sich hernach auff daß Schloß Costanitz / an einen festen Ort / in Croatien gelegen / welchesselbig Zeit den Graffen von Zerin zuständig / begeben unter dem Fürwand / daß er daselbsten vom Graff Johann Herberg erlangt hette; in der Warheit aber damit er füglicher entrinnen / und geschwinder von [60] solchem naheden Ort zu den Türcken / mit welchen er allbereit zu handeln angefangen / übergehen könte. Es ist ihme aber des Graffen Johannis Bruder / Graff Niclas von Zrin / oder Zerin / (so hernach zu Sigeth vitterlich / sein Leben gelassen) vorkommen / und weil er vom König Ferdinanden heimlich Befehl bekommen / ihme entweder zu fahen / oder hinzurichten / so ist es auch / als er er / der Graff Niclas / sich dahin verfüget hat / geschehen / und sein Kopff nach Wien geschickt worden / welchen daselbst seine Schwester; Herrn Vlrichen von Aitzing Gemahlin / begraben hat. Seine Gütter alle aber / so er in Crain / und Land-Steyer / hatte / bekamen seine drey Söhne / Balthasar / Wolffgang / und Johannes. Vnd daher die jenigen unrecht daran sein / welche nicht ohne Schmach des besagten Graff Niclaßen von Zrin / sagen dörffen / daß seine / des Katzianers / Herrschafften an ihne / den Graffen / deßwegen / als vom König ihme gegeben / kommen seyen: So hat auch er ihn nicht mit eigener Hand / wie theils vermeynen / umbgebracht / sondern es habens zween Soldaten / aus Croatien bürdig / so in seine / des Kazieners / Kammer / von ihme / dem Graffen geschickt worden / gethan / und ist er unterdessen unter den Schloß-Thor verblieben / damit kein Aufflauff entstunde. 1. Kriegs-Officirer sollen bey ihren Soldaten Leib und Leben zusetzen / und [61] es nicht besser als sie zu haben begehren. 2. Soldaten hingegen und gemeine Knechte sollen bey ihren Officirern redlich stehen / und mit solchen standhafftig fechten.

27.
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Von Decalisano und Phaenicia. Doctor Mauritius Brand / ein vornehmer Historicus erzehlet nachgesetzte Geschicht weitläufftig. DEcalisanus ein Arragonischer junger Graf ist mit schmeller / hitziger / übermäßiger Liebe in puncto gegen eine Sicilianische Jungfrau / Phoenicia genant / eingenommen worden. Denn nach dem der König in Sicilia / welchem dieser junge Graf gedienet / ein herrlich Pancket angerichtet / unter andern auch die gedachte Jungfrau sampt ihren Eltern darzu erfordern lassen / welche zwar eines uhralten hohen Adelichen Geschlechts / aber an Gütern nicht fast reich waren / doch von männiglichen in gutem Ansehen gehalten / wegen ihrer Tugend / Zucht / und Erbarkeit. Als nun obgedachter Grafe der Holdseligen Tugendreichen Phänicia fünckelder Aeugelein / sampt ihrer wunderbahren Schöne / auch züchtigen / schamhafftigen [62] und anmuthigen Geberden sahe / und wie manchen Liebes-Blicke sie auff ihn schiessen ließ / wol in acht nahm / da war sein tapffers Gemüth micht so. Männlich / daß er sich in Liebe gegen ihr hette meßigen können / ungeacht / daß sie damals erst von sechzehen Zahren gewesen. Der wolgeplagte Graf / so zuvor ein freyer Held / auff nichts anders als Ritterspiel und dergleichen Königliche Hofedienste gesonnen / ward je länger je mehr geängstiget / sonderlich da er am Abendtantze ihrer holdseligen Geberden / Adelichen neigens / und höfflicher Reverentz wahr nam / dadurch sein Hertz in Liebe so verwundet war / daß er auch des Nachts weder Rast noch Ruhe haben könte / darumb er ihm auch gäntzlich fürnahm / ohne ihre Gegenwertigkeit / nicht länger zu lehen / ungeacht / daß er am Stande und Vermögen höher als sie gewesen. Als er nun offt ihr zu gefallen manchen vergeblichen Gang vor ihres Vatern Hauß fürüber spatzieret / auch seine Geberde / Gesicht und farbe wol ausweisete / wornach sein Hertz begierig were / zweiffelte ferner das keusche Jungfräuliche Hertz auch nicht mehr / welche an gleichem Fieber kranek lag / daß es anders nicht / als in Ehren / von ihm gemeinet were / wolte es doch aus Schamheit niemand offenbahren / dachte ingleichen / was könte mir höhers begegnen / als wenn sein Hertz mit reiner / keuscher / züchtigen und Ehelichen Liebe [63] mich meynete. Als nun der Graf auf eine Zeit Gelegenheit fand / mit ihr heimlich in ihres Vaters Hause zu reden / sprach er: Ach mein höchster Schatz / mich hat hertzlich verlanget / euch meines Hertzen heimlichkeit zu offenbahren / denn meinen Kummer kan mir niemand wenden / als Jhr. Das zarte Jungfräulein verkehret ob vieser Reden gar offt ihre Farbe / gab doch mit ihren Geberden so viel zu verstehen / daß sie mit ihm an gleicher Kranekheit des Hertzens lege / fieng derhalben mit sonderbahrer Liebligkeit an / und sprach: Ich habe bey mir gäntzlich beschlossen / daß kein Mensch auff Erden meines Hertzens / oder Leibes / theilhafftig werden sol / als der jenige / welchen der hohe barmhertzige Gott nach seinem göttlichen willrn / mir vor einem Herren und Ehegemahl aussersehen hat / und auch mir von meinem geliebten Herrn Vatern darzu gerathen wird / jedoch wolte Ich viel tausendmallieber den Todt erwehlen / als in unehrliche Anmutung willigen / zwischen uns aber ist beständige Liebe nicht zu hoffen / sintemahl ihr am Stande und Vermögen unserm Geschlecht weit vorzuziehen seyd / darumb ist kein Eheliche Verbündnüß unter uns zu vermuhten / welches er anders / als sie es meinete / verstund und auffnahm. Derwegen fügte sich dieser Trostlose und elende Herr in sein innerstes Gemach / da er sich an ein Bette legete / und allda kläglich [64] sein wiederwertiges Glück bedachte / auch mit überflüßigen Thränen sein in Leib verwundtes Hertz (das Amor ihn zu einem Knecht gemacht) betrachtet und sprach: Ach was vor ein lebendiger Flamm distilliret eine solche Fluth durch meine Augen / damit zu bezeugen meine Pein und Leyden / wo ist denn nunmehr meine Stärcke? Wo ist meine Tapfferkeit? Wo ist mein freudiges Gemüth? Ja / wo ist meine Vernunfft und mein selbest Erkäntniß? Ach Amor, Amor, falscher und betrüglicher Amor, wohin / worein hastu mich geführet? Weßhalben hastu mich in Liebe gesteeker / gegen der / die doch mein nicht achtet? O du schöne holdselige Zungfrau / du Blum und Kron / Ja du Außbund aller keuschen Zungfrauen / warum liebe ich dich / die du mich doch hassest. Aber ach! was hassen? Nimmermehr thut sie solches / sondern lieber ihre Zungfräuliche Schamheit / so hoch / und helt etwan ihre Liebe gegen mir verborgen / Ach Phönicia / du keusches / Adeliches / Tugenthafftiges / auch reines und frommes / ja beständiges Hertz / du / du frist mir mein Hertz im Leibe; du hilffst mir zum Grabe; du benimmest mir alle weltliche Freudigkeit / helf mir Gott Vater / Sohn und Heiliger Geist / daß dein schöner keuscher Leib / mir kürtzlich in meine Arm und Eheliches Bette zugeführet werde / wo aber nicht / so wil ich zehenmahl lieber todt seyn / als leben: Dein wil ich [65] seyn / und du solt / ob Gott wil / mein seyn. Mit solchen und dergleichen vergeblichen Worten / (du solt seyn eine Herscherin und Gebieterin aller meiner Güter) brachte er manche gantze Nacht weg / biß er endlich / durch einen vornehmen vom Adel seine Werbung an der Zungfrauen Eltern bringen ließ / welche es auch willig annahmen / und alsbald darauff ihrer Tochter dieses Christliche fürnehmen anmeldeten. Das keusche und Tugendhaffte Zungfräulein aber höret ihres geliebten Vatern Meynung mit niedergeschlagenen Augen / und Zungfräulichen züchtigen stillschweigen an. Jhre Eltern gaben auch gegen dem Abgesanten so viel zu verstehen / daß sie nach kurtzer Zeit sein Ehrliches und Christliches Suchen nicht wüsten abzuschlagen / wofern sein Hertz (wie er fürgebe) mit beständiger Liebe recht eingenommen were. Dieser Legat thut ihm solches bald zuwissen / daher denn sein in keuscher Liebe brennendes Hertz sich etlicher massen zu Frieden gab / und beobachtete die Stunde / in welcher die Phoenicia ihm an die Hand gegeben / und ehelichen beygeleget werden möchte. Vnter aber war ein vornehmer Ritter am Hofe / Herr Gironte genant / welcher diese obgedachte Jungfrau wegen ihrer Freundlichkeit / Demuth / und Verstandes / neben der anmuthigen Schönheit / gleicher massen hochliebte. Als dieser Ritter nun erfuht / daß sei [66] ne Geliebte dem Grafen albereit zugesaget / gebe ich einem jeden Liebhabenden Hertzen zu bedeneken / wie Jhm zu Sinn gewesen. Vngeacht / daß er zuvor mit dem Grafen hertzliche vertraute brüderliche Freundschafft gehalten / so fast er doch alsbald einen solchen heimlichen Neyd gegen Jhm / fiel auch in solche Schwermütige Gedaneken / daß er von Tag zu Tag abnam / auch in tödtliche Kranckheit zu nahen begunte. Diesem Ritter Girontem, war bekandt ein Edelmann / der zu allen Vntugenden abgerichtet / auch darneben ein spitzfindiger und listiger Mensch war / daß er männiglichen mit feinem heuchlerischen Schein und Worten zu betriegen wuste / diesen sprach der Rirter an / ihme beständigen Rath mitzutheilen / ob er nicht wüste / dieses Eheliche Liebes-Band zutrennen oder zu scheiden / und einen Wiederwillen unter ihnen anzurichten? O sprach dieses Welt-Kind / sey du nur zufrieden / dieser Sachen ist wol Rath / diese angefangene Liebe kan ich bald hindern / gieng derhalben alsbald zum Grafen / stalt sich sehr diensthafft gegen ihm / und sprach mit wehemütigen Geberden Ach! sol mich nicht jammern / daß euer Gnaden sich mit einem so geringen Mägdlein vermählen wil / denn so bald ich es erfahren / ist mir mein Hertz im Leibe erkalt / denn mir lang zuvor all ihr Thun und Vorhaben wol bewust ist / denn sie eine lange Zeit zuvor einem [67] andern ihre Jungfrauschafft auffgeopffert und demselben übergeben / das daran E. Gn. dem höchsten Lust un̅ gefallen zu tragen vermeynet / dennso wahr ists / als das heilige Evangelium / das fast alle Wochen zwey oder dreymahl / ein junger von Adel / mein gar guter Freund / dem ich sein Glück uneröffnet wohl gönnen solte / da mich nicht auch die grosse Gunst zu Euer Gnaden dazu bewegete / sich heimlich zu ihr findet / der mich auch schon gebeten / heute gegen Abend ihm Gesellschafft zu leisten / wie ichs biß anhero wol gewohnet / da mir aber Ew. Gnaden hierinnen nicht Glauben geben wolte / bin ich erbötig / wofern es Ewer Gnaden gefelt / und mir an Eydesstadt solches verheissen / daß Ew. Gnaden der keines / weder dem Liebhabenden vom Adel / noch seiner Gesellschafft zu offenbahren gedeneket / so wil Ew. Gnaden ich an Ort und Ende bringen / da ihr Augenscheinlich sehen / hören und erkennen sollet / wie alle Sachen beschaffen / auch spüren / daß die / so Ew Gnaden vor ein rein Mägdlein halten / eine solche nicht sey / daß auch ein ander der Kirschen mit Freuden geneust / die Ew. Gnaden zu brechen gedencket / und daß sie ihren Jungfräulilichen keuschen Leib einem andern zu unehren übergeben hat / daß also Ew. Gnaden keine reine Jungfrauschaft an ihr zu hoffen / und daß sie in Warheit keine Jungfrau mehr sey / wird Ew. G. Augenscheinlich erfahren / den̅ dazu be [68] weget mich weder Feindschafft noch Haß gegen Phaenicia, ja weder Gifft noch Gabe als alleine / daß Ew. Gnaden ich zu unterthänigen Treuen meyne und bewogen bin / etc. Schmertzlichers und müheseligres het dem Edle̅ Grafen nichts fürkommen konnen / als daß Er ein solches von seinem verhofften Ehegatten hören müste / Er bezeuget auch solches genugsamb mit vielfältigem verwandlung seiner Farben / und vermochte in langer weile kein Wort zu reden / daß er auch woldem Batto zugleichen / von dem die Poeten fabuliren, daß er aus übermäßiger grosser Liebe in ein Stein sey verwandelt worden. Als er nun nach langem tieffen seufftzen / ein wenig zu ihm selbst kam / fieng er mit schwacher Stimme und gleich zitterende an zu reden / und sprach: Mein Freund / ob wol meine Hertzen Freude in den grösten Schmertzen ist verwandelt worden / jedoch thue ich mich gegen euch gantz freundlich bedancken / denn ihr damit gnugsam zu verstehen gebet / wie hoch euch meine Ehre und Wohlfahrt angelegen / doch bitte ich euch umb die Freundschafft willen / die ihr zu mir traget / solches Augenscheinlich zu eröffnen / damit ich ihr salsches untreues Hertz recht erkennen möge / dan̅ ich sie höher als mich geliebet / und für ein züchtiges Mägdelein gehalten habe. Billich aber mag ich mich schemen und schelten lässen / wegen meiner Einfalt / daß ich mich [69] so weit habe einführen lassen / und betriegen durch eine umbschweiffende Fantasey der Liebe / und bloß gesehen auff den Schatten der Schönheit / der doch nicht länger wehret / als eine liebe Blume. Als er das gesagt / wolt er weiter fortfahren / das Weibliche Geschlecht zu schmehen und zu vernichten. Der Lügner aber fiel ihm ins Wort / und sagte: Wo es Ew. Gnaden gefällig / wolle dieselbe auff den Abend umb zehen Vhr in den Garten / so hinten am Hofe des Lionati, der Jungfrau Vater gelegen / sich verfügen / und allde sich an einen Orth verbergen / biß Ew. Gnaden alle Sachen gewiß und Augenscheinlich selbst sehen werden / sol mir sehr wohl gefallen. Auff solchen Beschluß nahmen sie Abschied / und gieng ein jeder an seinen Orth. Als der Ritter aber solches erfuhr / wuste er nicht / wie er seinen ehrlichen Legaten genugsam danekbar seyn solte / staffirte auch ferner auff diesen Rath und Angeben einen Diener mit güldenen Ketten / Federbüschen und andern trefflichen Kleidern also aus / daß es sich ansehen ließ / Er were einer von den fürnehmsten Junckern des gantzen Sicilia, gab dem auch gnugsam bericht / wie und was er sich verhalten solte. Der traurige Graf zog ihm diese Dinge so hoch zu Gemüthe / und ward in seinem Hertzen so geängstiget / daß er an keinem Ort nicht bleiben könte / achtet auch weder Gesellschafft / Essen oder Trincken / sondern er [70] warter mit furchtsamen Gemüht den einschleichenden Abend und unselige Stunde / in der er solches Augenscheinlich befinden werde. Nun war in diesem Lustgarten ein Hauß / welches nicht bewohnet ward / darinnen ein groß Fenster / und gleich gegen über eine dicke verwachsene Haselstauten für / darein verfügt er sich / denn er da alles in acht nehmen / ihn aber niemands sehen könte / allda er bey sich selbst bedachte / ach sol und kan es auch wol möglich seyn / daß Phoenicia solte einen andern mehr lieben als mich. Soll sie denn durch Bitte eines Liebhabers überwunden werden. Phoenicia soltu denn mich deinen getreuen und wahren Liebhaber also betriegen? Hab ich doch von dir nichts begehret / denn was dir zu hohen Ehren gereichen möchte Ich kan auch nicht glauben / daß meine Braut also gehandelt haben sol / ich höre denn / daß sie es selbst bekennet. In solchem hörete er ein Gerausch / vernahm auch / daß etlich über die Mauren in den Garten stiegen / sahe auch einen / so herrlich und prächtig bekleidet / der mit ernsten Worten zu seinem Diener sagte: Bald lehne die Leiter an / damit Phoenicia sicher herab steigen kan. Dem traurigen Grafen vergieng hören und sehen / da der Nahmen Phoenicia gedacht ward / da sie doch nur einen jungen Edelman̅ mit schönen Weibs-Kleidern an ihre gestalt angethan hatten / zu dem sprach der Ritter:
|| [71]
Komm her du liebe Phoenicia ins grüne Graß / laß uns der Liebe pflegen baß / Ach du mein allerliebster Pfand / die Liebe ist das Stärckste Band. Wer kan nun bey solchem des traurigen Grafen Hertz beschreiben / wie es gezappelt und geängstiget gewesen? Wann er auch nicht so hoch vereydet / so were Er freylich in Todt mit ihnen gegangen / ungeacht / daß er übel mit Waffen versehen gewesen / sie aber mit lange̅ Schweinspiessen / Kappieren und Pantzern wohl verwahret waren. In solchem schmertzlichen hören aber wuste er nicht / was er fürnehmen solte / speyete sich selbst an / daß er gesonnen gewesen / mit Phoenicia sich zu vermählen; Er verwandelte auch zugleich seine Liebe / die er zu dem unschuldigen Jungfräulein getragen / in einen solchen Haß / und dachte was wiltu dich so hoch bemühen / umb eine Frucht / die ein ander mit Lust bricht? Trage doch nach solchem Obst kein Verlangen: Gieng in solchem Kummer heim zu Hause / vermochte aber keinen Schlaf in seine Augen zu bringen. Auff künfftigen Morgen aber / ließ der traurige Grafe seiner Liebsten Phoenicia die versprochene Eheliche Treu wieder aufsagen / weil er von ihr gehöret und gesehen / solche that / die er / so ers nicht selber gesehe̅ / nicht hette glauben können / weil sie ihm den̅ Schmertze̅ / Leyd / Schimpff / Hohn [72] und Spot / ihre Jungfräuliche Ehre einem andern übergeben hette / so solte sie auch mit demselben ihr Leben zubringen / ließ ihr auch daneben den gantzen Handel / was er gesehen / offenbahren. Phaenicia das keusche fromme und unschuldige junge Hertz / als sie hörete / mit was sie unschuldiglich bezüchtiget / konte sie vor grossen Schmertzen keinen Thränen lassen / verlohr ihre schöne Farbe / daß sie auch gantz tödlich erblichen / zur Erden in eine Ohnmacht niedersanck / sie ward aber bald auff ein Bette geleget / und allda lang für todt gehalten. Es wurden auch verständige Aertzte beruffen / und ward nun überall laut / derhalben auch viel aus ihrer Freundschafft kamen / sie zu trösten / aber sie verblich unter ihren Händen / daß auch die Medici kein Zeichen des Lebens mehr sahen. Nun war eine Tugendreiche hoch erfahrne Frau / des berühmten Lionati Brudern Gemahl bey ihnen / die nahm der verblichenen Jungfrauen schnoeweisen Leib / wusch den mit warmen Waffer / auff daß er (nach Gewohnheit derselben Landen) fein reinlich zur Erden bestattet würde. Als nun gedachte Frau in der Kammer den zarten Lilgenweisen Leib des erblichenen Jungfräuleins mit dem laulichten Wasser zu waschen begunte / geschah ein wohldenckwürdiges Wunder / denn das geliefferte Blut ward zutrieben / und begunten die verschwundene Geister sich wieder zu regen / über [73] welchem diese Frau nicht wenig bestürtzet / rieff Jhre Eltern ingeheim / zeiget ihnen / wie das Jungfräulein ihr fast verlohrnes Leben wieder empfangen hatte / dadurch jhrer Eltern Hertz (wiewol zu erachten) Freudenvoll worden. Weil aber jederman durch das gemeine Geschrey nicht anderst wuste / dann sie were todt / ward fürs beste angesehen / nach dem sie in einen solchen öffendlichen Spott kommen were / wolten sie solcher Zeit ihren Lauff lassen / und die Jungfrau heimlich an einen andern Ort schaffen / biß etwan der gerechte GOTT ihre Vnschuld an Tag bringen möchte. Schickten derhalben an einem Abend die edle Jungfrau in einer verdecktem Senfften zu ihres Vatern Bruder / der ledige Sarck aber / ward mit herrlichen Ceremonien zur Erden bestattet. Vnter des kan kein Mensch das traurige und wehe mütige Hertz des Graffen beschreiben. Dieweil er nie keinen am Hofe noch anderswo sehen könte / welcher dem Jungen wolgeputzten Edelman hette gleich gesehen / darumb ihn fast eins zwey dauchte. Nicht lang darnach / kam der falsche Ritter / der dessen Vhrsach war / in solche schreckliche Angst seines Gewissens / daß auch seine verhaffte Braut des Todes darüber war / nahm ihm auch zum öfftern für / selbst Hand an sich zu legen / auß grosser Angst seines zaghafften Hertzen / offenbahret auch dem Grafen den gantzen Handel / und daß ihn zu [74] solchem fürnehmen die übermäßige grosse Liebe veruhrsacht hatte / mit hoher Bitt (weil er ein Mörder worden) der Grafe wolle ihn entleiben / damit er seines grossen Hertzenleids abkäme. Der Edle Grafe / der diesen seinen Spieß-Gesellen hertzlich liebte / und als seinen angebornen Bruder achtet / kam auffs neue wider in solchen Kummer / daß er ihm gleich falls den Todt wünschete / der Ritter nahm Hut und Mandel ab / und gab ihm das Rappier in die Hand / und sprach: Ach sey doch unverzagt / und suche mit meiner Wehr das falsche Hertz in meinem verfluchten Leibe / denn ich bin Treuloß / auff daß mit meinem Blut besprenget werde das Grab derer / welche ich mit meiner falschen Zunge ermordet habe / (denn diese offenbahrung geschahe bey ihrem Grabe) weil wir nun beyde sie umb ihren Jungfräuliche̅ Glimpf gebracht / und zu Mördern worden seyn / ich aber fürnehmlich der rechte uhrsacher bin / darumb ach mein Bruder / so verzeug nicht mir mein Recht zu thun / und mir also aus meiner Hertzen-Angst zu helffen. Der wehemütige Graf aber hätte selber nicht geblut / wenn man ihn schon geschnitten / gieng derwegen alsbald zu der Jungfrauen Vater / zeiget ihm mit weinender Stimm den gantzen Handel an / welches sich der Alte sambt alle den seinen höchlich freuete / daß GOtt der HErr ihre Vnschuld so wunderlich an Tag bracht. Auff solches baht [75] der Jungfrauen Vater den Grafen / Er wolte ihm doch die Bitt gewehren / und ohne Sein Vorwissen sich ja nicht zu vereheligen gedencken / welches er ihm mit Hand und Mund kräfftig zusagte. Der Vater thät alsbald seiner Tochter solches heimlich zu wissen / und ward nun beschlossen nach etlicher Zeit / daß dieser Graff seines Brudern Tochter ehelichen solte / welche der Phaenicia, gleich und ähnlich sein solte / unter des aber war ihr ein Name Lucillia gegeben. Der Graff wendet vor / daß er zwar ihm gäntzlich für genom̅en / ewiglich umb seine verlohrne Phaenicia zu trauren / und kein ander Weibs-Bild zu berühren / doch eurentwegen wil ich mein Gemüth endern / und stallt ihm frey diese Heyrath in seinem Abwesen zu stifften / sonderlich / weil sie seiner zuvor vertrauten Geblüt und Freundin wäre / er wuste aber nicht / daß es die rechte Phaenicia war. Auff solches ward diese neue Ehe nach zweyen Jahren fürgenommen / die Freunde rüsten sich alle zur Hochzeit / zogen mit den Bräutigam an diesen Orth. Als nun der Graffe diese außbündige schöne Jungfrau / sambt ihren anmuthigen Geberden ansahe / verwunderte er sich zum Höchsten wegen ihrer zierlichen proportion, holdseligen und tapffern Wandels / und sprach bey sich selber: Hat den die liebe Phaenicia ein solch Eben-Bild nach ihr gelassen / wenn ich nicht bey ihren Begräbniß gewesen / [76] und ihren Todt gesehen / so wer ich im Zweiffel / ob sie es nicht leibhafftig were / und umb der willen / soll sie mir so hertzlich lieb sein / gleich wie Phaenicia. Als nun diese Jungfrau zu reden verursachet ward / konde sich der Graffe in gleichem nicht gnugsam verwundern / ihrer bescheidenen vernünfftigen Antwort und Jungfräulichen Zucht und Schamheit / die Jungfrau aber / das keusche Hertz / da die auffsteigende Röthe ihr Milchweiß Antlitz einer schönen Purpurfarben blühenden Rosen gleich macht / fieng Jhn freundlich anzulachen / und mit solchen anmuthigen Liebes-Blick ihn anzuschauen / daß sie ihm Hertz / Muth und Blut bewegete / dadurch sie den Graffen nicht alleine seltzame Vermuthungen machte / sondern rührte ihm sein Hertz also / daß ihm gleich das wallende Blut hupffet / und auff solches fiel er Jhr umb den Halß / nahm ihre Schneeweise Hand / und sprach: Ach das ist mein gewünschtes treues verlohrnes Hertz und hochliebester Schatz / die mir GOTT der Allmächtige nach seinem Göttlichen unerforschlichen Willen ersehen hat / der regieret und verendert offtmals die menschlichen Gedancken / mit der Zeit / und richtet die am Ort und Ende / da sie offt selber nicht gemeinet hetten. Ja er ward darüber so Freuden voll / daß ihn dauchte / es wolte ihm die Seele außgehen / und dancket GOtt von Hertzen / daß er die verlohrne Phaenicia wieder [77] hätte. Auff solches umbfiengen diese zwey keusche liebhabende Hertzen einander in Ihre Arme / waren auch darauff als bald zusammen gegeben / und hielten Hochzeit in grossen Freuden / lebeten auch nachmals mit einander in solcher beständigen unauff hörender Liebe / daß unter ihnen beyden stets nur ein Hertz und ein Wille gespüret ward / daß auch keines wieder das andere in wenigsten gewesen / in solchen lieblichen Freuden-Bande lebten sie beysammen 32. Jahr. GOTT der HERR segnete sie auch mit drey Leibs-Erben. Als aber der Graff nach den Willen GOTTes von dieser Welt abgeschieden / ist sie mit hertzlichem Wehklagen in kurtzer Zeit ihm nach gefolget. 1. Die Liebe machet grosse Freude und verursachet auch grosses Hertzeleid. 2. Der Teuffel / und die es mit ihn halten / könnens nicht leiden / wenn zwey Personen einander auffrichtig lieben / Aber GOTT der HERR weiß ihnen schon zu steuren / und bleibet doch Aufrichtigkeit un̅ Redligkeit am lengsten / die Falschheit aber und der Betrug kömbt endlich am Tag. Darumb handele ein jedweder nur redlich.

28.
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Ein Edelmann probirte seines Dieners Treue.
|| [78]
EIn Edelmann sprach von seinem Diener so groß / wie er ihm so getren were. Die Frau wolte seine Treu probiren / baht ihren Juncker / er möchte sich stellen / als wolt er auff die Jagt reiten / solte aber bald widerkommen. Wie der Juncker weg war / bath die Fran den Diener oder Knecht / er solte zu ihr ins Bette kommen / er ließ sich bereden / in dem kompt der Juncker die Treppe herauff / sie spricht: O potz tausend der Juncker kompt / ducke unter / der Juncker fragte / ob sie den Knecht probiret hette? Ja sagte sie er ist wohl ein loser Schelm / (hielte den Knecht unter dessen unter der Decke fest / daß er nicht entlauffen kunde) wie das / fragte der Juncker? Ja / ja fagte sie / er hat mich auff den Abend in unsern Garten bescheiden / da wil er mir was sagen. Nun weiß ich guten Rath / ihr solt auffn Abend meine Kleider anziehen / und thun als wenn ichs were / da werdet ihr sehen / was ihr für einen treuen Diener habet: Zu dem Knechte / der sie wol deponiret hatte / sagte sie: Du solt hingehen / und den Juncker empfangen. Der Juncker kam in Frauen-Habit daher / gezogen / der Knecht sprach: Kombt Ihr? Ja / sprach der Juncker. Der Knecht fasset den Prügel / schlug auff dem Juncker / und sagte: Du lose Hure / bistu meinen ehrlichen Juncker nicht getreuer. Der Juncker voller Schmertzen / schrie laut: Halt Clauß / ich bins. Ja / sagte er / das weiß ich wol / daß du lose Hure es bist / und schlug weidlich zu. [79] Der Juncker kam zu der Frau / die fragte ihn wie ihm wiederfahren? Ja / sagte er / ihr solt da gewesen seyn / so solt ihr erfahren haben / daß ich einen getreuen Knecht habe. 1. Weiber List ist groß / und sie sind gar betrüglich. 2. Darumb hat der weise Mann wol gesagt: Traue auch der nicht / die in deinen Armen schläfft. 29. Einem Elephanten wird vo̅ einem Knecht sein Futter bezwacket. IN Syrien hatte ein fürnehmer Herr einen Elephanten: Dem der Diener / von der bestimpten Maaß Gersten / allezeit die Helffte abstohle. Als aber einsten der Herr dabey war / und der Diener das Maaß den Elephanten voll gab / sahe der Elephant den Herrn unbeweglich an / fraß / von der Gersten / mehr nicht / als ihm vorher war gegeben worden / stieß das andere mit seinem Rüssel hinweg / und ließ es unberühret: Daß sein Herr daraus den vorgegangenen Betrug gnugsam ermessen konte. Auff so unvermuthete weise kan GOTT das Böse kundbar machen. Derowegen keiner dencken solle: Sein Unrecht [80] werde vertuscht bleiben; dieweil es Menschen nicht gesehen haben. O ! GOtt / der auch in die heimlichen Winckel siehet / und aller Menschen Gedancken erkennet / weiß tausenderley Mittel / deine verborgene Sünd und Schande zu entdecken. 1. Knechte und alle Menschen sollen treulich handeln / denn GOTT der HERR weiß sonsten die Untreu wol an Tag zu bringen. 2. Dieb stahl wird doch endlich / und solte es auch durch unvernünfftige Thiere geschehen / offenbar. 30. Johannes Baptista Castaldus, verordnet in seinem Testament ohne Gepräng begraben zu werden. JOhannes Baptista Castaldus, bey 80. Jahren ungefehr alt ist zu Meyland / in seinem Vaterland / gestorben / und bey der Nacht / ohne alles Gepräng / begraben worden / dieweil er solches in seinem Testament verordnet / und dafür gehalten hatte / daß vortrefflichen Männern / die durch ihre tapffere Thaten ihnen einen unsterblichen Namen zu wegen gebracht / solche Eitelkeiten / die man vielmahls bey den Begräbnissen anstellet / nit von nöthen weren. Ihme mögen vielleicht / bey den jetzigen Kriegen / es theils haben nachthun wollen; Die auch gewolt / daß [81] man sie ohne Gepräng zu ihrer Ruhestadt bringen solte; so auch mit etlichen bey der Nacht geschehen ist: wie wol andere dafür gehalten / daß es nicht zu vermeydung des Ehrgeitzes / sondern ersparung der grossen Vnkosten / geschehen. 1. Mit Toden Leichnamen soll man nicht prangen. 2. Die Seeligkeit hanget an keinem herrlichen Begräbnüß. 31. Wie ein Fuchs einem Bauer gedancket. DEs Fuchs wurde einsmals von den Jagt-Hunden sehr verfolget / kam endlich zu einem Bauern / und bath ihn / er wolle ihm dißmahl auß der Noth helffen. Der Bauer sprach: Gehe geschwind und verstecke dich in meinem Stadel; Als nun die Jäger mit ihren Hunden kamen / und nach dem Fuchs fragten / antwortet der Bauer: Er hette keinen gesehen; mit der Hand aber / und mit den Augen zeiget er auff seinen Stadel / welches doch die Jäger nicht in Obacht genommen / und giengen also fürüber. Der Fuchs / welcher alles gesehen / macht sich gleich auß dem Staub; der Bauer schalt ihn auß / [82] und sagte / du undanckbarer Fuchs / warumb gehest du so still darvon / und danckest mir nicht? Da sprach der Fuchs / ich wolt dir gern dancken / wann die Hände und Augen mit der Rede überein gestimmet; Aber wann ich ja etwas sagen soll / so wünsch ich deiner Zung alles gutes / aber die Hände wolt ich / daß sie dir abgehauen / und die Augen auß gestochen würden. 1. Hier wird die Falschheit der Welt gar statlich abgebildet. Denn bey vielen heist es: Mel in ore, felin corde: Verba lactis, nil in factis: Gute Wort und falsche Treu / ist heuer nicht worden neu. Darumb 2. So lasset uns listig seyn / nach der Vermahnung Christi / wie die Schlangen / doch ohne Falsch / wie die Tauben. 32. Eines Apotheckers Frau zu Wien stirbt plötzlich / als sie ihres Mannes wagen / Diener und Hündlein siehet. ELeonora Hn. Abraham Heins / Apotheckers zu Wien / eheliche Haußfrau / als Ihr Herr mit seinen Dienern nach Stuckerau gefahren / lässet er sich bey gute̅ Freunde̅ etwas längers / als sein Brauch gewesen / auffhalten / und schicket seinen Wagen / den Diener und das Hündlein zurück / welche anzeigen sollen / daß e???ürde gar [83] frühe mit dem Herrn von Buchheim hernach gefahren kommen. Der unbehobelte Mensch / der auch ein wenig getruncken / kömmet mit Weheklagen / als ob es nicht recht zugienge / heim. Da die Frau das Hündlein siehet / auch wol wuste / daß der Herr ohne dem Diener und Hund nicht aussen bliebe / sprach sie / wo denn der Herr bleibe? Osprach er / er ist in der Donau ertruncken / auff solche Wort fället sie in so schneller Erschreckniß in Ohnmacht / und stirbt sampt der Frucht / ehe man ihr zu Hülffe kommen konte / ligt in Sanct Stephans Kirchen begraben. 1. Schrecken kan grosses Vbel und auch gar den Todt verursachen. 2. Die Diener und Knechte sollen nicht so plump / sondern fein Vorsichtig seyn. 33. Keyser Rudolphi II. Kleinodien. DEr löbliche Käyser Rudolphus II. hat einen Rubin gehabt / so gros / wie ein klein Hüner-Ey / welchen er aus seiner Fräul. Schwester Königin in Franckreich / Erbschafft bekommen / so umb 60000 Ducaten kaufft worden / wie Boethius meldet. Er hat einen Bezoar gehabt / so gros als ein Gantz-Ey / und wol etwas grösser / daraus er ein Becherlein machen lassen. Er hat einen solchen Schatz von Edelgesteinen gehabt / daß dergleichen bey keinen Po [84] tentaten zu finden / hat lassen einen Tisch von lauter Edelgesteinen so köstlich besetzen / daß dardurch Bäume / Wälde / Wasser / Blumen / wilde Thiere und andere schöne Formen repraesentiret / dergleichen Werck nicht in der Welt zu sehen / und wol das achte Wunderwerck der Welt zu nennen / wie Anshelmus Boethius dessen Leib Medicus schreibet. Er hat eine newe Keyserliche Krone machen lassen / so von Diamanten / Perlen / Rubinen dermassen besetzt / daß sie über etliche 100000. Goldgülden geschetzt. Vnter / andern ist daran eine Perle gewest / so groß als ein Muscateller Birn / so gekaufft umb 30000. Gold-Gülden. Sehet das sind grosse Schätze / grosse Güter / aber es ist alles vergänglich / alles gantz Eitel Ecel. 1. & 12. Es ist alles Erde wie August. es nennet. Vnd also nennet dort der Syrische Feld Häuptmann Naeman sein Silber und Golt / daß er mit sich hatte / Erde / 2. Reg. 5. Aber dort werden wir ewige himmlische Güter haben / himmlische Schätze / Matth. 6. die nimmer abnehmen / Luc. 12. 1. Weltliche Schätze sind eine Gabe Gottes und billich hoch zu achten. 2. Die Himmels-Schätze aber sind allen Welt-Schätzen weit vorzuziehen.

34.
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Eine neue Fabel Esopi / neulich verteutscht gefunden / vom Löwen und Esel.
|| [85]
DEr alte Löw ward kranck / und fordert alle Thier zu sich / seinen letzten Reichstag zuhalten / und seinen Erben / den jungen Löwen / an seine statt zum Könige zu setzen / die Thiere kamen gehorsamblich / nahmen des alten Löwen letzten Willen an. Als aber der alte Löw starb / und herrlich bestettiget ward / wie sichs eim König gebühret / theten sich etliche untreue / falsche Rähte des alten Königs herfür / welchen doch der alte König viel guts gethan / und zu grossen Ehren geholffen hatte / die sucheten nun ein freyes Leben zu haben / und nach ihrem gefallen im Reich zu regieren / und wolten keinen Löwen mehr zum Könige haben / und spracheu auch / Nolumus hunc regnare super nos, zeigeten an / wie ein grausam Regiment die Löwen bißher geführt hetten / wie sie die unschuldigen Thier zurissen / und fressen / daß niemand sicher für ihn seyn könte / wie es denn zu geschehen pflegt / daß man alles guten schweiget / und allein das ärgeste redet von den Oberherrn. Es ward aus solcher Rede ein grosses Gemurmel unter allen Ständen des Reichs / etliche wollen den [86] jungen Löwen behalten / aber der mehre Theil wolten einen andern auch versuchen / zu letzt fordert man sie zusammen / daß man nach der meisten Vollwort wehlen solt und die Sachen stillen. Da hatten die falschen untreuen Räthe den Fuchs zum Redner gemacht / der das Wort thun solt / für des Reichs Ständen / und seine Instruction und Unterricht gegeben / wie er solte den Esel fürschlagen. Es war zum ersten zwar dem Fuchs selbst lächerlich / daß ein Esel solt König seyn / aber da er hörete ihr Bedencken / wie frey sie könten unter dem Esel leben / und möchten ihn regieren wir sie wolten / ließ ihm der Schalck solches gefallen / und halff treulich dazu / sassete die Sache / wie er sie wolt hübsch fürbringen. Vnd trat auf für des Reichs Ständen / reuspert sich / und hieß stille schweigen / fieng an zu reden von des Reichs Noth und schweren Sachen / trieb aber die gantze Rede dahin / daß der Könige schuld gewest were / und machet das Löwen Geschlecht zu nichte / daß der Hauffe gantz abfiel. Da aber ein zweiffelt ward / welches Thier zu wehlen seyn solte / hieß er abermal schwei [87] gen und hören / und gab deß Esels Geschlecht für / und brachte wol eine Stunde zu über dem Esel-Lobe / wie der Esel nicht stoltz oder Tyrannisch were / thet viel Arbeit / were gedultig und demütig / ließ ein ander Thier auch etwas seyn / und stunde nicht viel zuhalten / were auch nicht grausam / fresse die Thier nicht / ließ ihm an geringen Ehre und Zinse begnügen. Als nun der Fuchs mercket / daß solches den Pöfel kutzelt und gefiele / da thet er den rechten Zusatz und sprach / über das / liebe Herrn / haben wir zu bedencken / daß er vielleicht auch von Gott dazu verordnet und geschaffen sey / das konte man wol daran mercken / daß er ein Creutz ewiglich auff dem Rücken trägt. Da der Fuchs des Creutzes gedacht / entsatzten sich dafür alle Stände des Reichs / fielen zu mit grossem Schall / nun haben wir den rechten König funden / welcher kan beyde weltlich und geistlich Regiment verwesen. Da preiset ein jeglicher etwas am Esel / einer sprach / er hette feine lange Ohren / die weren gut zum Beicht hören / der ander sagt / Er hette auch eine gute Stimm / die wol töchte in die Kirchen [88] zu predigen und zu singen. Da war nichts am gantzen Esel / daß nicht Königlicher und Bäpstlicher Ehren werth were. Aber für andern Tugenden leuchtet das Creutze auf dem Rücken / also wurd der Esel zum Könige unter den Thieren erwehlet. Der arme junge Löw gieng elende und betrübt / als ein verstossener Wäyse aus seinem Erblichen Reich / biß daß sich etliche alte / treue / fromme Räthe (den solcher Handel leid war) sein erbarmeten / und besprachen sich / wie es eine lästerliche Vntugend were / daß man den jungen König so schändlich solte lassen verstossen seyn / sein Vater hett solches nicht umb sie verdienet. Es müste auch nicht gehen im Reich wie der Fuchs und seine Gesellen wolten / die ihren Muthwillen und nicht des Reichs Ehre suchten / sie ermaneten sich / und baten die Reichs-Stände zusammen / sie hetten etwas nöthiges fürzubringen. Da trat der Elteste auff / das war ein alter Hund / ein treuer Raht / des alten Löwens / und erzehlet mit schöner Rede / wie solche Wahl des Esels were zu jach und übereilet / und dem Löwen grosses Unrecht geschehen / es weh [89] re nicht alles Gold was da gleisse. Der Essel / ob er schon das Creutz auff dem Rücken trüge / konte wol ein schein / und nichts dahinden seyn / wie alle Welt durchs gleissen und guten Schein betrogen wird. Der Löw hette viel seiner Tugend mit der That beweiset / der Esel aber hätte keine That niemals gethan / darumb solten sie wol zusehen / daß sie nicht einen König erwehleten / der nicht mehr denn ein geschnitzt Bild were / welches auch wol ein Creutz tragen könte / und wo ein Krieg sich erhübe / wüsten sie nicht / was sie das eitele Creutz helffen könt / wo nicht mehr dahinden wehre. Solche ernste / dapffere Rede des Hunds bewegte er omnes. Dem Fuchs und den untreuen Räthen ward bange / gaben für / was im Reich beschlossen were / solt bleiben / aber es bewegt gleichwol den Hauffen / daß der Esel nie nichts mit der That beweiset hatte / und möchte das Creutz sie wol betrogen haben / und konten doch mit der Wahl nicht zurücke. Endlich / da der Hund auff die That so hart drang / ward durch seinen Fürschlag bewilligt / daß der Esel solte mit dem Löwen umb das Reich kämpffen / wel [90] cher gewönne / der solte König seyn / sie köntens jetzt nicht anders machen / weil die Wahl im Reich geschehen were. Da kriegt der junge Löwe wieder ein Hertz / und alle fromme Vnterthanen grosse Hoffnung. Aber der Fuchs hieng den Schwantz mit seinen Gesellen / versahen sich nicht viel Ritterlichs Kampfs zu ihrem neuen Könige / es wolte denn fartzens gelten / oder Diestelfressens. Der Kampff-Tag ward bestimmet / und kamen alle Thier auff den Platz / der Fuchs hielt fest bey dem Esel / der Hund bey dem Löwen. Den Kampff ließ der Esel den Löwen wehlen / der Löw sprach / wolan / es gilt / wer über diesen Bach springet / daß er keinen Fuß naß machet / der soll gewonnen haben / es war aber ein grosser Bach. Der Löwe holet aus / sprang überhin / wie ein Vogel überhin flöge. Der Esel und Fuchs dachten / wolan wir sind zuvor auch nicht Könige gewest / wagen gewinnet / wagen verleuret / er muste springen / un̅ sprang / platzsch mitten in den Bach / wie ein Bloch hinein fiele. Da sprang der Löw herumb am Ufer / und sprach: Ich meyne ja / der [91] Fuchs sey naß. Aber nun siehe doch / was Glück un̅ List vermag? Dem Esel hatte sich ein klein Fischlein im Ohr unter dem Wasser verwirret und verfangen / als nun der Esel aus dem Bach kroche / und die Thier sich des sprungs wohl zulacht hatten / siehet der Fuchs / daß der Esel den Fisch aus dem Ohre schüttelt / hebt an und spricht / nun schweiget und höret; Wo sind sie nun die das Creutz verachten / daß es keine That könne beweisen? Mein Herr König Eselspricht / er hette auch wohl wollen über den Bach springen / seines Creutzes Tugend zu beweisen / so es der Löwe und ander Thier wol ohn Creutze thun / sondern er sahe im sprung ein Fischlein im Bach / da sprang er nach / und das seines Creutzes Wunder desto grösser were / wolt ers nicht mit dem Maul oder Pfoten / sondern mit den Ohren fahen / solches last dem Löw auch thun / und sey darnach König. Aber ich halte er solt mit Maul und allen vieren Klauen nicht einen Fisch fahen / wenn er gleich darnach gienge / schweig denn wenn er springe. Der Fuchs machet mit solchem Geschwätz abermal ein Getümmel / und das Creutz [92] wolt schlecht gewin̅en. Den Hund verdtoß das Glückübel / aber vielmehr daß der falsehe Fuchs mit seinen Fuchsschwäntzen den Hauffen also narrete / fieng an zu bellen / es were schlumps also gerathen un̅ kein Wunder. Damit aber nicht ein Auffruhr würde / durch das Gebeiß des Fuchs und Hunds / wards für gut angeschen / daß der Löw und Esel alleine an einen Ort giengen und daselbsten kämpffeten. Sie zogen hin zu einem Holtz / ins Reichs Geleit und Friede / es gilt / sprach der Löwe / welcher das behenteste Thier fänget. Und er lieff zum Holtz hinein und jagt biß er einen Hasen fähet: Der faule Esel dacht / es wil mich das Reich zuviel Mühe kosten / solt wol keinen Friede haben mit der weise / legt sich auff den Platz nieder in der Sonnen / und / lechtzet mit der Zungen heraus für grosse Hitze / so kommet ein Rabe / und meynet / es sey ein Aaß / setzt sich auff seine Lippen und wil essen / da schnapt der Esel zu / und fähet den Raben. Da nun der Löw kommet frölich gelauffen / mit seinem Hasen / findet er den Raben ins Esels [93] Maul / und erschrickt. Kurtz / es war verlohren / und beginnet ihm nun selbst zu grauen für dem Creutz des Esels / doch verleiß er das Reich nicht gerne / und sprach: Lieber Esel es gilt noch eines umb guter Gesellen willen / aller guten Ding sollen drey seyn / der Esel thets wol die helfft aus Furcht / weil er allein mit ihm war / und nahm es an. Der Löw sprach: Jenseit dem Berge ligt eine Mühle / wer am ersten dahin kommet / sol gewonnen haben / wiltu unten hin / oder über den Berg lauffen? Der Esel sprach / lauf du über den Berg / der Löw / als im letzten Kampff / lieff was er Leibs lauffen konte. Der Esel bleib still stehen und dacht / ich werde doch zum Spott / und mache nur müde Beine / so ich; lauffe so mercke ich wol / der Löw gönnet mit die Ehre nicht / so wil ich auch nicht umbsonst arbeiten. Als der Löwe über den Berg kommet / so siehet er einen Esel für der Mühlen stehen / Ey / (spricht er) hat dich der Teuffel bereit hergeführet / wolan noch einmal zu rück an unsern Ort / da er aber wieder hinüber kommet / siehet er den Esel aber da stehen / und muste dem Esel gewonnen geben und bekennen / daß mit dem Creutz nicht zu schertzen ist. Also bleib der Esel König / und regieret sein Geschlecht biß auff diesen Tag gewaltiglich in der Welt unter den Thieren.
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1. Falschheit und Vntreu ist heur nicht neu / und wird durch Falschheit un̅ Schmeichlerey manchem das jenige entzogen / was ihm von Rechts wegen gebühret. 2. Der plumpeste und ungeschickte hat vielmahls das beste Glück / wie denn das Sprichwort lautet: Der gröste Narr kriegt offt die beste Pfarr.

35.
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Ein ruchloser Mensch will sich dem Teuffel ergeben / der wil ihn aber nicht annehmen. In dem Leben des Kirchenlehrers Basilii lesen wir: Daß ein ruchloser Mensch sich dem Teuffel gantz und gar übergeben wollen; Wen̅ er ihm / sein Leblang / Geld gnug geben wolte. Der Teuffel habe ihn nicht wollen annehmen; sondern gesagt: Es ist bey euch Christen / weder Treu noch Glaub: so ist auch euer Christus so gnädig und barmhertzig / daß er euch bald wiedernm zu Gnaden annimt. Der verstockte Mensch aber verzeihete sich alles Anspruchs an dem Herrn Christo / und unterschriebe sich noch darzu dem Teuffel / mit seinem Blut; Da ihm aber / etliche Jahr hernach / sein Gewissen auffwachte: Gieng er zu dem heiligen Ertzbischoff Basilio, und klagte ihm [95] seine eusserste Noth / mit vielem Weheklagen; welcher ihn mit der Barmhertzigkeit GOttes tröstete / und es / durch das Gebet / so weit brachte; daß der Teuffel die Hardschrifft muste bringen. Darumb sündige zwar keiner auf die Barmhertzigkeit Gottes / dieweil der Todt alle Augenblick auff uns wartet / und uns mitten in begehung der Sünden kan wegweisen / für das unerträgliche Zorn Gericht GOttes: Hat aber jemand gesündiget / auf welche Art und Weise es auch mag geschehen seyn / so verzage er nicht an der Barmhertzigkeit Gottes. Denn wer kan seine grosse Barmhertzigkeit erzehlen: Man kan sie weder wehren / noch mehren: Denn sie ist so groß / als Er selber ist / und gehet über alle Welt. 1. Nichts grössers ist als die Barmhertzigkeit Gottes. Wo auch die Sünde bey einem Menschen ist mächtig worden / da ist die Gnade und Barmhertzigkeit GOttes viel mächtiger worden. Aber niemand sündige auff solche Barmhertzigkeit. Dieser Trost gehöret auch nicht vor die Gottlosen / sondern nur vor die / so zerschlagenes Hertzens sind. 2. Der Teuffel fürchtet sich auch vor einem gläubigen Christen und vor dem barmhertzigen gnädigen GOtt.
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36 Vom Scanderbassa den die Läuse gefressen. DEr Scanderbassa Türckischer Landvogt in Bosna ulteriori, oder Hercegonina, oder im Hertzogthumb Sancti Savae, zu Varbosania, ein Trape zuntiner / ist deß Jahrs 1499. in der Gegend Friauls / und Görtz / im Antritt deß Welschlands eingefallen / und über selbiger Orten sehr tieffe Wasser / Tiliaventum, Natisonem, Sontium, und Liquentiam, unversehens gesetzt / und hat biß an das Aglarische Gebiet / mit unglaublicher Geschwindigkeit gestreifft und geraubt / und viel Menschen / sonderlich Polacken und Vngarn / so nach Rom zum Jubel-Jahr des folgenden Jahrs reisen wolten / entweder umbgebracht oder gefangen. Aber es hat dieser Tyrann und Verläugner des Christlichen Namens / der Freude ob diesem Sieg nicht lang genossen. Dann er bald hernach in eine häßliche Kranckheit gefallen / daß an seinem gantzen Leib Läuse herfür kommen / die ihme die Aertzte / so er aus Italia beruffen / nicht vertrieben / noch ihm Hülff schaffen kunten / und Er also darüber seine gottlose Seele ausgespyen hat. 1. Tyrannen bekommen endlich ihre Straffe / darumb hüte sich ein jedweder vor Tyranney. 2. GOtt wieß schon / wenn / wie und wen Er straffen soll.
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37. Ein Weib weinet Blut. Strigenitius über die Passions Historiam S. Lucae gedencket eines Weibes / einer Adelichen Wittwe zu Erfurt / die Blut geweint / alß ihr Sohn umb einer Verbrechung willen eingezogen worden / und gerichtet werden solte; Sie nahm sich ihres Sohnes hefftig an / bat / man wolte ihme doch das Leben schencken / alß sie aber nichts erhalten kunte / und man den Sohn für ihrem Haus fürüber führete / daß er gerichtet werden solte / weinere sie Blut / daß ihr die blutigen Zähren aus den Augen heraus drungen / und die Wangen herab floffen. 1. Der Eltern Liebe ist groß gegen die Kinder. 2. Es ist fast kein Betrübnüß zu vergleichen mit dem / welches die Eltern entpflnden / wenn es ihren Kindern übel gehet. 38. Was einer / so bey Rahtsherren umb Dienst angehalten / vor Antwort bekommen / und was Er so dann gethan. EIner hielte bey allen Rahtsherren umb einen Dienst an / jeder gab ihm gute Vertröstung / wie sie aber zusammen kamen / ward doch ein ander erwehlet / dennoch bath er den gantzen Raht zu Gaste / weil er aber wenig Ver [98] mögen hatte / schickte eiu jeder ihm ein Essen zu / daß sie mit einander bey ihm lustig seyn kunten / er aber goß alle Speise in einen Kessel zusammen / und trug es ihnen also vor. Sie fragten dessen Vhrsach / da sprach er: Sie hetten es mit der Wahl auch also gemacht / wie er gute Vertröstung bekommen / da sie aber zusammen kommen / were nichts gutes daraus geworden. 1. Gleich wie die Speisen / wenn eine jedwedere in ihrem Topf gelassen wird gut seyn / wenn man sie aber unter einander schüttet und einen Mischmasch daraus machet / wenig taugen: Also haben ihrer viel gute Meynungen / wenn sie allein seyn / wann sie aber mit andern vermenget werden / kan man sie leicht verderben. 2. Mancher Mensch weiß eine Sache zu gedeneken und einem andern wieder gar artig zu bezahlen. 39. Zwey Junge Gesellen ruffen den GOtt Jupiter zugleich umb Ehegatten an. IN des alten Abts ???ohannis Tristenii Historia lesen wir / daß zweene junge Gesellen zu gleich den GOtt Jovem umb künfftige Ehegatten angeruffen haben / der eine Arcelaus hat gebeten / er wolte ihm geben eine schöne freundliche / die da holdselig im Reden / [99] züchtig in Geberden were / auch lieblich und wolgestalt / der and er Amphilotus genant / hat von seinem GOtt begehret / eine mit vielen Gelde und grossem Vermögen / mit solchen Worten / weil wolgestalt des Leibes nur eine klein wehrende Gabe der Götter were / die doch bald unversehens auch ohne Menschlichen willen sich wiederumb verlieren thete / Reichthum aber / wenn mans nicht muthwillig durchbrechte / allezeit wehrete / sich auch zu mehren pfleget / drumb wolte er lieber das bestendige / denn das bald vergängliche wehlen / weil die Göttin sonsten keinen unterscheid / als die Gestalt der eusserlichen Haut an den Menschlichen Cörper verenderten / sonsten weren noch alle Gliedmassen gleich. Auff solch Gebet ist ihm zur Antwort worden / er soll sich auff den Abend in seinem Stall finden lassen / da würde ihm ein Gesicht erscheinen / sein gehoffter Schatz und das er bey Reichthumb und grossen Gelde sein Leben würde zu bringen und beschliessen. Als er sich auff ernante Zeit mit einem Diener allda eingestellet / kömmet ein groß ungeheuer Thier und bringet ihm einen langen Sack voll Geld / wirfft ihm den auff den Halß mit solchen Worten / weil die unsterblichen Götter allen weltlichen Dingen haben eine Ersättigung und genügung thun können / als allein den Geitzigen nicht / drumb solte er diesen Sack mit Gelde zur Zehrung aus diesem Leben neh [100] men / und hat nach solchem Worten / welche ihm erschrecklich waren vorkommen / sein Leben beschlossen. Der ander aber / welcher durch sein Gebet einen Ehegatten begehret / mit der er ihm ein freundliches Leben zu erhalten gewünschet / der hat ein wunder schön Hertz / wie er jhm die denn in seinem Hertzen gewünschet und eingebildet / erlanget. Durch welches auch die Erbarn Heyden gelehret haben / daß man in Heyrathen bestendige Liebe zu erhalten / mehr auff Zucht / Erbarkeit / Schönheit und Wolgestalt sehen sol / denn auff Gelt und Gut / denn dadurch werde die Liebe stets erfrischet / erneuret / und gleichsam wieder auffgerichtet / und bestendig erhalten. 1. In Heyrathen soll man mehr auff Tugend sehen / und daß man möge eine liebreiche Ehe überkommen / als auff Reichthumb. 2. So pflegt es Geitzhälsen zugehen / daß sie zwar Geld und Guth gnug haben / aber desselben weder sat noch frohe werden / und wenn sie sterben / müssen sie alles zurück lassen / man leget ihnen keinen Sack mit Golde in ihren Sorgk zum Haupten. 40. Ein Mann bezahlt den Balbierer doppelt / der jhm sein geschlagenes Weib geheilet.
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ES hatte einer über die massen ein böses Weib / welche er auff eine Zeit tapffer abschmieren / und gefährlich verletzen thäre; schaffete doch / daß sie mit Fleiß / auch nicht ohne grossen Vnkosten wiederumb curirt ward. Das Weib sprach zu ihrer Frau Nachtharin und andern Freunden; was gilts mein Mann schlägt mich nimmer / dann er siehet ietzt was vor Vnkosten mit seinem schlagen er ihme verursacht habe. Der Mann wurde das innen / und als sein Weib wiederumb zu voriger Gesundheit gelanget / läst er den Appotecker und Balbierer in sein Haus kommen / und bezahlt sie in beysein seines Weibes / nicht allein mit Danek / sondern gab ihnen noch so viel als die erste Chur gekostet / und sprach: Nehmet hin das Geld / dann ich weiß / ich werde auffs nechste euer wiederumb bedürfftig seyn. 1. Bösen harten Weibern muß man wieder hart seyn und sie nicht lassen zum Haupten wachsen / oder Meister spielen. Denn der Mann / nach Ausspruch der Schrifft / ist des Weibes Haupt. 2. Vielmals kan man mit einer vernünftigen Vorsichtigkeit grosses Unglück verhüten / wie allhier dieser Mann mit bezahlung des Appote [102] ckers und Valbierers / seines Weibes Boßheit gesteuret / und ihr zur Besserung Anlaß geben. 41. Wie ein Schwartzkünstler den andern betrüget. KEyser Friederich / Maximiliani Herr Vater / lies einen Schwartz: Künstiger zur Mahlzeit laden / und macht durch seine fürwitzige Geschickligkeit und Kunst / daß der Schwartzkünstiger Ochsenfüsse und Klauen an den Händen bekam / und da er überm Tische saß / hieß ihn der Käyser / er solt essen. Er aber schemete sich / und verbarg die Klauen unterm Tische. Endlich / da ers länger nicht konte bergen / muste ers sehen lassen / da sprach er zum Käyser / ich wil E. K. Maj. auch etwas machen / da sie mirs erlaubet. Da sagte der Keyser / Ja / da machte er mit seiner Zauberey / daß ein Lermen draussen ward / für des Käysers Gemach. Vnd da der Käyfer zum Frnster hinaus fahe / und wolte erfahren / was da were / da krieget er am Haupte ein groß Gewechs und Hirschhörner / daß er den Kopff nicht konte wieder zum Fenster hinein bringen / da sprach der Käyser: mache sie wieder ab / du hast gewonnen. Vnd saget darauff D. Martinus, das gefellt mir wohl / wenn ein Teuffel den andern vexiret / daraus schliesse ich / daß ein Teuffel stärcker ist denn der ander.
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1. Durch Gottes Verhängnüß kan der Teuffel viel zu wege bringen. 2. Der Teuffel betreuget / wird aber offtmals durch einen andern wieder betrogen. Keiner traue nur diesen bösen betriegerischen Geist.

42.
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Einem from̅en Mann werden Gottes Gericht gezeiget. VAlerius Herberger setzet in seinem sechsten Theil Magnalium Dei nachfolgendes: Es sey vor zeiten ein frommer Mann gewesen / der habe GOtt immer gebeten / er wolte ihn doch wissen lassen / aus was Vrsachen er seinen liebsten Kindern so viel Widerwerdigkett liesse wiederfahren / zu dem sey auff Gottes Befehl ein Engel kommen / der habe gesaget / auff / komm / wandere mit / ich wil dir Gottes Gerichte zeigen. Erstlich reisen sie durch einen wüsten Wald / da hat ein Löwe einen alten Gott ergebenen Waldbruder zurissen. Da spricht der fromme Mann: Diesen heiligen Vater habe ich gar wol gekennet / es war ja ein Hertzen Mann / der nichts konte / als beten und fromm seyn / wie gehets denn zu / daß Gott dieses Elend über ihn verhenget hat? Zum andern / kommen sie zu einen Mann / der wohnet über einem Wasser / auff einem hohen Felsen / der ist vor Zeiten fromm gewesen / und ist der Frömmigkeit überdrüssig worden / und hat [104] die Welt lieb gewonnen. Der Engel thut ihm eine gute Predigt / und vermahnet ihn / er sol sich nicht der Frömmigkeit lassen gereuen Da spricht der Wirth: Ich bin lange gnug from̅ gewesen / ich habe aber nichts davon gebracht / ich sehe doch wol / daß es alles verlohren ist / was man vom from seyn sagt / je ärger Schalck / je besser Glück / darumb gedencke ich forthin mit der Welt zu heulen / und gute Nachtbarschafft zu halten / fromm seyn ist die schwerste Arbeit / un̅ hat in der Welt den geringsten Lohn. Der Engel saget: Lieber Man̅ / du must nicht allein aufs zeitliche / sond???n aufs ewge sehen / wiltu die ewigwehrende Freude umb eine so kurtze verdamliche Wollust verkäuffen? Ey käuffe das Rebelhündlein nicht so theuer. Wie blutsauer bistu den HErrn Christo worden / zum Himmel zu erlösen / und du wilt dich so leichtfertig umb diesen grossen theuern blutsauer erworbenen Schatz bringen: Moment aneum quod delectat, aeternum quod cruciat. Der Wirth schlegt in sein Hertz und spricht / GOtt sey mir armen Sünder gnädig: GOTT sey Lob und Danck / der mir diesen frommen Gast hat bescheret / der mich jrrends Schäflein wieder zu recht bracht hat / ich wils nicht mehr thun. Weil er so beichtet / ergreifft ihn der Engel / wirfft ihn ins Wasser und ersäufft ihn. Zum dritten kommen sie zu einen Wirthe / der thur ihnen alles guts / und setzte ihnen zum Willkommen einen sielbern Becher für / diesen Becher stilt der [105] Engel / giebet hinter der Thür gute Nacht / und reiset davon. Zum vierdten kommen sie zu einem Kraut-Junckern und Marterhansen / der kan nichts als fluchen und schelten / der fragt nichts nach ihnen / beut ihnen auch keinen bissen Brodt / keinen Trunck / wollen sie nicht auf der Strassen liegen / so müssen sie im Miststall verlieb nehmen. Des Morgens dancket der Engel diesem Schnautzhansen gantz freundlich abe / und schencket ihm den Becher / welchen er voriges Tages gestohlen hatte. Zum fünften / kommen sie zu einem reichen Manne / der that ihnen alles gutes / und weil sie eines unbekanten Weges ziehen wolten / giebt er ihnen sein einges Söhnlein mit / daß es ihnen die rechte Strasse zeige / da nun das liebe Kind sie auff die Landstrasse gebracht hatte / da ergreiff es der Engel mit dem Kopffe / verdrehet ihn das Genicke / und erwürgts und wirffts in eine Gruben. Da kan sich der gute Mann nicht mehr halten / sondern erzürnet sich / und spricht: Ey du bist kein Engel / du bist der leidige Teuffel / du Mörder / du Dieb / wer hat mich mit dir besalbet: Ich wil nicht mehr mit dir wandern / du kehrest alles umb / troll dich in Abgrund der Höllen. Da spricht der Engel: Bistu nicht der Mann / der Gott so offt gebeten hat / er wolle ihm seine Gerichte offenbahren? Ey das seyn nicht Gottes Gerichte (spricht der fromme Mann) du bist ein Mörder / du bist [106] ein Dieb. Drauff bricht der Engel loß und saget: Höre Mensch / lästere GOtt nicht seine Gerichte / was geschehen ist / das ist alles aus Gottes Befehl und hochwichtigen Vrsachen geschehen / ob du es schon nicht verstehest / so weis doch Gott alles wol / wo zu es gut ist / laß dir sagen: Der erste Wald-Bruder hat offt GOtt gebeten / er wolte ihn lassen einen Märtyrer werden / weil JEsus Christus sein Blut für ihn vergossen habe / so wolte er Christo zu Ehren sein Blut gerne wieder vergiessen / nun ist er auff diese weise für GOtt ein Märtyrer worden / und ist selig / denn für GOtt ist kein Vnterscheid zwischen einem Tyrannen und wilden Löwen. Der ander Mann ward vor Zeiten fromm / und ließ sich zu letzt die Welt verführen / nun bracht ich ihn zum Erkäntniß seiner Sünden / und in seiner Beichte warff ich ihn ins Wasser / seine Seele ist gen Himmel gefahren / sie ist selig / denn er hat Gott gebracht ein demütiges / bußfertiges Hertz / mit dem Bluts-Tröpflein JEsu Christi besprenget / hette er sollen länger leben / so wäre er wieder in seine Boßheit gerahten / und darinnen verdammet worden / diesem allen bin ich zuvorkommen. Der dritte war ein fromm Mann / Gott hatte ihm bescheret / daß er konte aus einen Silbern Becher trincken / denselben braucht er zur Hoffarth / und der Becher war ihn so ins Hertz gebildet / daß er ihm allzeit im Gehet vorkam / [107] nun had ich ihm denselben weggenommen / daß er mit Ruhe beten / und Gott dienen könte. Der vierdte war ein Höllenbrandt / der hat kein Theil am Himmel / drumb gab ich ihm den Becher dazu / daß er seinen Himmel hier habe / wie der Reiche Mann im Evangelio. Der fünffte war vor Zeiten ein sehr milder Herr / denn er hatte kein Kind / und wuste nicht wem er würde das seine lassen / da ihm aber GOtt einen Sohn hatte bescheret / fieng er an zu geitzen / nun habe ich ihm den Sohn erwürget / daß er nicht seines Geitzes halben ewig zum Teuffel fahre. Das wolgezogene Kind ist in seiner Tauff-Vnschuld in Himmel gefahren / der Vater wird nun den Himmel desto lieber haben / und armen Leuten guts thun / und endlich auch selig werden. Wie düncket dich / kanstu die Gerichte GOttes auch tadeln? Freylich thut Gott nichts ohn Vhrsach. Wiederfähret dir liebes andächtiges Hertz was schmertzlichs / so gläube gewiß / Gott siehet / daß es dir sol zur Seeligkeit dienstlich seyn / hat dich doch GOtt lieb genug / das bezeugen alle Bluts-Tropffen JEsu Christi / ist doch GOtt auch mächtig gnugsam / wenn dir was anders gut were / so würde er das Vnglück / das dir so wehe thut / wol können abwenden. 1. GOttes Gedancken sind nicht unsere Gedancken / und seine Wege seyn nicht unsere Wege- Darumb
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2. Sollen wir nicht schliessen: Diesen gehet es wol / derowegen ist er fromm und GOtt vor andern lieb: Diesen ab er gehets übel / derowogen ist er ein gottloser Mensch und Gott ist ihm feind. 43. Zwey müssen sich selbst einen Galgen bauen und daran erhencken. VItoudus, Großhertzog in Lithauen / hat in preußischen Krieg / des Jahrs 1410. zweyen Lithauern / welche eine böse That begangen / anbefohlen / daß sie ihnen selber einen Galgen auffrichtcten / und ein jeder sich mit seinen eigenen Händen daran henckte; welches sie auch / nach zwar wilder / aber Ländlichen weise / gethan / und einander selbsten gescholten / daß sie mit ihrem Verzug des Fürsten Zorn gegen sich entzündeten; Als welcher sie noch mit einer härtern Straff belegen könte; Wie Cromerus im 16. Buch am 384. Blat hievon zu lesen. Und dieses solle noch heutigs Tags / bey den Leibeigenen Leuten in der Lithau gebräuchlich seyn / welchen Gehorsam aber andere Völcker ihren Herren schwerlich der gestalt leisten würden.
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1. Hieraus ist zu lernen / was Leibeigene Knechte vor furcht vor ihren Herren haben / und daß sie ihnen auch mit dem Leben zugehorsamen verbunden seyn. 2. Wir aber haben Gott zu dancken / daß wir dergleichen Leibeigenschafft nicht unterworffen / und daß wir Christliche gnädige und gütige Obrigkeiten haben. 44. Geistliche Anfechtung eines frommen Pfarrers. VOr hundert und mehr Jahren / lebete ein frommer Pfarrer / der oft klagete / daß / wenn er GOtt loben / anruffen / predigen / und die heiligen Sacramenta austheilen solte / ihm ein rechter Eckel und Vnlust ankäme; daß er lieber GOtt schänden / und lästern / als ihm dienen wolte. Ich habe / sagt er / zwar ein Abscheu dafür / und erschrecke von gantzem Hertzen: Jedoch weil es nun in die dreyßig Jahre wehret / so besorge ich mich / GOtt werde mich einmahl uhrplötzlich wegnehmen und ewiglich straffen. Der gute Mann schrieb deßwegen an Lutherum, und begehrte Trost von ihm / dem Lutherus antwortete: Es komme her von dem höllischen Ertzbübischen Läster-Geist / und sey bey ihm / dem Pfarrhern / passio, non actio, das ist / ein Leiden / und keine würckliche Sünde. Denn es geschehe gäntz [110] lich über und wieder seinen Willen. Darumb / gleich wie er andere Kranckheiten des Leibes / und Beschwerligkeiten des Gemüths / leiden müste: Also solte er auch dieses innerliche Leiden mit Gedult / vertragen / sich dessen trösten / daß der Satan nicht gottlose Welt-Kinder / sondern ausserwehlte Gottes-Kinder also plage und bedencken / daß Gott selber! uns oft unvermerckt / durch seinen Geist / in uns verrichte / was zur Seligkeit vonnöthen ist. Bey solchem Trost ist der angefochtene Mann biß an sein seliges Ende verblieben. 1. Der Teuffel pflegt frommen Leuten am meisten zuzusetzen / und sie in Anfechtung zu führen. 2. Aber man soll denselben wiederstehen / seine Noht und Beschwernüß nach dem Exempel dieses Geistlichen endern / und sonderlich verständigen Geistlichen Personen entdecken / und bey solchen Raht und Trost suchen. 45. Faustina Käyser Marci Antonii Gemahlin liebet einen Fechter. ALs der fürnehmste Käyser Marcus Antonius des auch obgedacht / vermercket und innen worden / daß sein Gemahl Faustina einen Fechter heimlich lieb gewonnen / daß man sich zu besorgen [111] hatte / sie werde von Sinnen kommen wegen der grausamen Lust und hitzigen Vegierde / die sie zu ihm trug / als ließ gedachter Käyser (welcher doch vor sich selbst ein sehr gelehrter / erfahrner und hoher verständiger Herr / ja ein vortreflicher Philosophus war) weit und fern viel gelehrte / in allerley Künsten hocherfahrne Leut zusammen convociren, daß sie ihm Raht mittheilten / wie man doch das Feuer / welches sie allgemach verzehret / könte und möchte ausleschen. Aber nach vielen Rahtschlägen / ward endlich geschlossen / und dem Käyser dieser Raht gegeben / daß man den jenigen / welchen die Königin Faustina so hefftig lieb hatte / solte heimlich tödten / und ihr von seinem Blut zu trincken geben / welches auch alsobald geschehen. Diß remedium war wol gut / denn sie verließ alsbald alle Affecten und Begierden / aber so gewaltig und kräfftig konte es gleichwol nicht seyn / (wie Julius Capitolinus davon schreibet) daß nicht Antonius Commodus, welchen sie hernach überlang mit ihrem Herrn zeugete) ein greulicher Tyrannischer Bluthund ward / daher er denn dem [112] Fechter auch mehr ehnlicher / denn dem Vater (wegen steter Einbildung) gewesen / daher er auch stets mit den Fechtern umbgangen / und mehr zu ihrer Gesellschafft Lust gehabt / denn zu andern Dingen / und daher kompt es auch / daß offt ein Kind gar aus dem Geschlecht geräht / und niemand darinnen ehnlich wird / nemlich von frembden Gedancken und steten Einbildungen. 1. Die Liebe ist ein sehr gewaltiges Ding / das sich nicht bald überwältigen läst. 2. Sie fällt aber von hoben Personen eben so wol auff geringe. 46. Einer heist Peter. EIn Reich und Tugendsames Fräulein / nach dem sie sich entschlossen in ein Jungfrauen Closter zu gehen / wurde sie von ihren Eltern und andern guten Freunden auff einer Gutschen biß an das Closter begleitet; Vnd nach dem sie von allen Vrlaub genommen / und einem jeden ein Memorial oder Denckz eichen hinterlassen / kompt sie endlich zu ihrem Kutscher / und spricht: Begehrt ihr auch etwas von mir / gleich als andere gethan haben / es seye auch was es wolle / ich wills euch zu meiner Gedächtnüß geben. Der Kutscher antwortet: Liebe Fr???u / ich heisse Peter. Die Jungfrau [113] sprach / das weis ich gar wol / begehrt ihr nur etwas / etc. Als nun nach vielen bitten der Kutscher nicht anders antwortete / als: Ich heisse Peter / ich heiß Peter; Fragte die Jungfrau endlich / warumb denn er nichts von ihr begehren wolle??? Der Kutscher ein arglistiger Gesell / fürchtete sich / es möchten in wenig Monat mit dieser Domasell recht kauff werden: Sprach noch einmahl: Liebe Frau / ich heisse Peter / begehr auch nichts anders / als daß ihr meines Nahmens niemahlen wollet vergessen; Dann es wird die Zeit kommen / daß ihr sagen werdet / der Teuffel hat mich in das Closter geführet. Sprecht nicht also / dann ich heisse Peter / und ob ich zwar die Fräulein in das Closter geführt / so wolt ich doch meinen Tauff-Nahmen nicht gern verändern lassen / und solle mir dieses / so fern ihr mirs zu halten versprecht / ein guter Scheidweg seyn. 1. Kloster-Leben zuführen ist gar ein schweres Leben / darumb ein jedweders / das sich darein begeben wil / wol prüfen soll / ob er auch der Welt absagen könne. 2. Es gibt arglistige Leute auch unter gemeinen Volck / wie dieser Kutscher gewesen.
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47.
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Von einem Lautenisten und Türckischen Geiger. WIe ein Türckischer Gesandter in Franckreich kam / gab ihn der König nebenst andern / auch einen Lautenisten zum Auffwarter / der stimmete lange auff der Laute / spielete endlich / aber nicht lange / da sprang die Quinten oder kleine Seite. Der Türck hieß seinen Mohren mit der Geige / die nur zwey Seiten hatte / kommen / der spielet ungestimmet weg. Der Türck sagte: Die Laute gemahnet mir (oder kompt mir für) als ihr Christlichen Potentaten / es hat grosse Mühe / ehe ihr zusammen stimmet / endlich springet doch noch wol der eine ab / meines Mohren Geige ist meinem Herren gleich / der stimmet niemals / und spielet doch jmmer. 1. Grosse Herren thun ein ander Ehr an / wenn sie zusammen kommen und 2. Führen offt feine nachdenckliche Reden. 48. Eines Geldmachers Todt und Vegräbnüß.
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ALs zu Pariß ein vornehmer Rath seinen Könige trauren sahe / darumb daß er im Kriege seinen Vorraht am Gelde verthan / und gleichwol noch Krieg zu führen willens war / gab er dem Könige diesen Raht / er solte auf Korn und alle Wahren / so die Bauren zu Marck führten / auch in die Mühlen brächten / und heraus nehmen 2. oder 3. Pfenninge setzen / und das 2. oder 3. Jahr einnehmen / die Schatz-Kammern würden wohl wieder voll werden. D. Röberus in der Hällischen Landtspredigt. Promp. Hondorffii fol. 399.) Da der König nun willig folgte / und über dem grossen Gelde / so es jährlich trug / gar froh und lustig ward / erfolgete unter Bürgern und Bauren ein grosses Wehklagen / und wündschten dem Erfinder und Angeber dieser Beschwerung den Todt / Teuffel und Hölle / darüber endlich dem Reichmacher und Rathgeber das Gewissen auffwachte / bat dem König solches wieder abzuschaffen / aber er konte nichts erhalten / denn die grosse Summa / so es ???ährlich trug / gesiel dem König zu wohl. Darüber nagete und bieß der böse Gewissens-Wurm diesen Rath [116] geber also / daß er für Traurigkeit kranck ward / und starb. Er befohl aber an seinem Ende / daß sein todter Leichnam solte am Marck in eine offene Kloack geworffen werden / auff daß / wie er mit seinen schweren Rath / jederman Beschwerung zugefüget hatte / also sein Leib mit jedermans Kothe beschweret würde / und es ist auch also geschehen / denn also meynet er vielleucht seine Sünde zu büssen. 1. Ein jedweder hüte sich für bösen Schlägen / damit er armer Leute Seufftzen nicht auf sich lade / denn solche nützen vorwar nicht. 2. Das böse Gewissen wachet endlich auff / un̅ läst einem nicht ruhen / sondern bringt ihm endlich wol gar zur Verzweiffelung. 49. Eine Magd wil sich an ihrer Frauen rechnen / welche ihr eine Maulschellen geben. IN Nieder-Sachsen am Hartz / gab eine Adeliche Frau ihrer losen Magd eine Maulschellen. Solches verdroß die Magd so sehr / daß sie Tag und Nacht darauf dichtete / wie sie sich an ihrer Frauen rächen möchte. Als sie nun einsten ver [117] merckte / daß der Juncker unlustig und murrisch were / sagte sie ihme / wie die Frau mit dem Reit-Knecht buhlete. Der Juncker wird darüber so entrüstet / daß er alsobald sein unschuldiges und unverhörtes Eheweib erstechen will. Allein Gott lenckete noch der losen Magd Hertz; daß sie flugs dem Juncker die Warheit bekennete / und sagte: Sie hätte nicht vermeinet / daß der Juncker so streng verfahren solte: Denn sie wegen empfangener Maulschelle mehr nicht gesucht / denn daß ihre Frau nur wiederumb hette wacker sollen abgedroschen werden. Dadurch blieb die fromme Frau beym Leben und in Ehren / und die leichtfertige Magd wurde mit härtern Schlägen / und mit Schimpf und Spott / ausgejaget. 1. Ein loses Maul kan bißweilen viel zu wege / und Leute in Schimpf / in Leib und Leben bringen. 2. Gott kan den unschuldigen wol schützen / und weis auch der jenigen Hertzen zu lencken / die einen unschuldig angeben / daß sie die Warheit selbsten an Tag bringen und bekennen müssen.
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50. Liebe eines Jünglings gegen ein Steinern Bild. WAs die Liebe vermag / hat man erfahren an einem reichen jungen Gesellen in der Stadt Athen / denn als daselbst ein treflich schön künstlich Bild / wunder artig aus einem schönen Marmelstein / in gestalt einer wolformirten Jungfrauen / (der Veneris) zugerichtet / und an einen öffentlichen Platz in der Stadt Athen gesetzet ward / so hat dasselbe wunderschöne liebliche Bild ein junger Gesell so inbrünstig grausamb lieb gewonnen / daß er es auch fast nimmer aus den Augen ließe / sondern blieb stets bey ihm / hertzete und küssete es / als wann es eine lebendige Creatur gewesen / und wann er wieder von dem Bilde weg ging / und es aus dem Gesichte verlohr / weinete er bitterlich / daß es auch wol dem allerhertzsten zu Mitleiden und Erbarmung beweget hette. Darumb es freylich wahr / daß wann ihm ein Menseh etwas hart einbildet / sonderlich in der Liebe / so ist es nicht leicht aus dem Hertzen zubringen / daher ihn den auch letzlich die grosse Liebe so er zum Bilde [119] trug / dahin bewegete / daß er an den Rath des Orts supplicirete, und denselben ansprechen ließ / sie wolten ihm doch solches Bild / so theuer als sie jmmer wolten verkauffen / auf daß ers möchte mit ihme in seine Behausung nehmen / welches man ihm gantz und gar abschlug / und nicht gestatten wolte / dieweil es ein gemein Werck war / und sich auch ihre Gewalt nicht so weit erstreckte / umb welcher Ursach wegen der junge Gesell zornig unwillig und ungedultig worden / ließ eine schöne güldene Krone / mit sambt andern köstlichen Kleidern und Schmuck zurichten / und satzte diesem Bilde die Krone auff sein Haupt / zog ihm die schöne Kleider an / und besahe es alsdann und hielte es so groß / daß sich der gemeine Pöfel / so fürüber gieng / an seinem vergeblichen fürnehmen ärgerten / derwegen ihm von einem Rath daselst bey Leibes Straff verboten ward / des Orts zu meiden / da ist er darauf nach weniger Zeit vor grossen Kummer und Elend gestorben. 1. Die Liebe ist ein seltzames Ding / und wenn sie einmal auf etwas fält / nicht bald wieder abzuwenden.
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2. Es ist alber und ungeräubt / daß man unlebhaffte Dinge als lebende / ja noch wol mehr lieben und ehren wil / derowegen dieser Jüngling das steinerne Bild zu meiden gar recht angewiesen worden. 51. Ein Schwartz Künstler stellet einem seine verstorbene Liebste wieder. ZU Bononien sind gewesen zween Studenten / dergleichen denn auch zu Erfurt geschehen ist / unter denen einer eine Jungfrau also sehr lieb hatte / daß er auch schier darüber were Wahnwitzig worden. Da sprach der ander / von dem er nicht wuste / daß er ein Schwartz-Künstler war / wiltu sie nicht hertzen / und in die Arm nehmen / so wil ich machen / daß sie soll zu dir kommen. Da der es zusagte / brachte er mit seiner schwartzen Kunst zuwegen / daß die Jungfrau zu ihm kam. Und da sie in die Stube zu ihm hinein gieng / wie es denn ein sehr schön Mensch war / empfing er sie so freundlich / und redet mit ihr / daß der Schwartzkünstler jm̅er sorg hatte / er würde sie hertzen. Und da der Student für grosser Liebe sich nicht enthalten könte / her [121] tzet er sie / da fiel sie nieder und starbe. Da sie nun also todt lag / erschracken sie sehr; Da sprach der Schwartzkünstler: Nun müssen wir das eusserste versuchen / und machte / daß der Teuffel sie wiederumb heim trug / und thet was sie zuvor im Hause gethan hatte / sie war aber sehr bleich / und redet nichts. Nach dreyen Tagen giengen die Eltern zu den Theologen / und fragten sie umb Rath / was man doch mit ihr thun solt? Da dieselbigen nun sie hart anredete̅ / weich der Teuffel von ihr / und flohe / und der todte Leib fiel stracks darnieder / mit einem grossen Stanck. Denn das Vlut ist eine Ursach einer guten Farben und die lebendigen Spiritus kan der Teuffel nicht machen / sondern Gott ist allein der Schöpfer. 1. Aus dieser Historia ist zu lernen: Wie der Teuffel durch Gottes Verhängnüß so viel kan zu wege bringen. 2. Wie ein starcker Glaube und andächtiges Gebet solchen dennoch überwinden und vertreiben kan. 52. Ein armer Student vertrauet Gott und wird reich
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Auf der Vniversität Leipzig ist ein armer Student gewesen / der sich bey seinen Sclavischen Zustand / nun nichts / denn umb sein studiren. bekümmerte; und als er von seinen guten Freunden gefragt wurde: Wo er doch endlich hinaus wolte? Mit lachen den Mund antwortete: Da laß ich meinen GOtt für sorgen: Wer weiß / wo ein armseliger Mammons-Knecht sitzet / und das Geld bewacht / davon mir ein mahl ein Partickel werden soll? Was geschah? Er kam nicht lang hernach in einen ansehnlichen Stand / und zu einem ehrlichen Außkommen; und tröstete offt mit seinem Exempel seines gleichens arme Studenten / daß sie nur Gott vertrauen / und ihres studierens fleißig abwarten solten; Das Geld / dessen sie möchten benöthiget seyn / werde schon / auff Besehl deß Obersten himmlischen Hauß-Vaters / von seinen untern Haußhaltern / wie wohl gemeiniglich wider ihren willen / zusammen gezehlet / das sie überkommen solten. 1. Ein jedweder bleibe nur in seinem Beruf / und warte desselben fleißig ab / vertraue darneben seinem GOtt der wird ihn schon wissen zu ernehren. 2. Mancher Geitzhalß muß einen armen Schätze samlen / das Geld zusammen zehlen und bewahren / welches hernach der andere verzehret und sichs davon wohlgehenläst.
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53.
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Einen Francißcaner Münch so auf der Cantzel gesticuliret, wirds verboten. CHytraeus im 8. Buch meldet / daß ein Franciscaner Münch sich im Jahr 1521. in Gegenwart des Käysers in Predigen zu Worms / so ungeberdig gestelt / und offt gebuckt / daß sein Leibstrick zu einem Loch der Cantzel heraus gangen: Daher Hertzog Christian von Hollstein und hernach König in Dennemarck / deß Nahmens der Dritte / so damaln 18. Jahr alt gewesen / einen Knopff an den Strick gemacht / daß sich der Mönch / seiner gewohnheit nach / nicht wieder auffrichten können; dessen endlich der Käyser / als er / daß solches kein Lutheraner / sondern der junge / damaln noch Päbstische Fürst / gethan / erfahren / selber lachen muste. 1. Wie sich einer hält / so hält man sich wieder / darumb 2. So geschicht sich närrisch und übelgeberdenden Leuten nicht unrecht / wen̅ man sie vexiret. 54. Historia von Henrico Hertzogens aus Burgund Sohn / und Leonoren Königs in Engeland Tochter.
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ES hat im Jahr Christi 1235. ein alter Hertzog in Burgund Hof gehalten / mit Nahmen Fridericus, welcher mit seinem Gemahl Kunigunda ein einigen Sohn gehabt / Henricum genant / welcher ein treflicher schöner Mensch gewesen / der in allen Fürstlichen Tugenden und Ritterspielen vor den fürnehmsten gehalten worden / zu dem sprach ein alter vom Adel: Mein Herr Heinrich / ihr seyd ein tapfferer junger Fürst / ihr soltet euere Zeit an Könige und Fürsten Höfe zubringen / da könt ihr auch mit der Zeit einen schönen Buhlen erlangen / den ihr an euers Vatern Hofe schwerlich überkommen werdet / und ich sage fürwar / daß der König in Engeland eine aus dermassen schöne holdselige Tochter hat / derer gleichen jetziger Zeit in der gantzen Welt nicht zusinden ist. Als das der junge Herr hörete / kam ihn gleich eine Freude ins Hertz / nahm ihm von Stund an vor / Vater und Mutter freundlich zu gesegnen / und in Engeland ans Königes Hoff sich in Dienst zu begeben / damit Er diese ernante Jungfrau nur sehen möchte / rüstet sich alsbald mit grossem Betrübnüß seiner Eltern / mit vier Pferden auff die Reise / wante vor / er wolte in Franckreich / und ward ihm von seinen Eltern ein treflicher Schatz von Gold und Edlen Gesteinen mit auff den Weg gegeben / zoge hiemit auff Parieß zu / sahe was für Hoff-Zucht allda gehalten ward / darnach rei [125] set er durch Franckreich auff Engeland / da er dann alsbald erkundigte die Art und Gewohnheit des Landes / sahe sich aber vor allen Dingen nach der schönen Jungfrau des Königes Tochter umb / der zugefallen er diese ferne Reise auff sich genommen. Als er ihr aber nach etlichen Tagen ansichtig ward / dachte er / ach mein Gott / der Edelmann hat gewiß nicht übel berichtet / sie ist ja tausendmal schöner / als er mir anzeiget / rüstet sich alsbald mit etlichen schönen Pferden dem Könige zu dienen. Ja er hielte sich auch derentwege̅ übrrall im Rennen / Stechen / Copybrechen / Ritterlich und tapffer / daß er von jederman gerühmet und gelobet ward / seine Ankunfft aber thät er niemand offenbahren / sondern gab sich vor einen Edelman aus Franckreich aus. In solchem seinem wolverhalten und treuen Diensten sahe ihn offt gar fleißig an Leonora / des Königs Tochter / und dachte bey ihr selbst / ach Gott / daß dieser schöne Mensch nicht von Fürstlichen Stamm soll gebohren seyn / Gott hat doch ja nichts an ihm vergessen / gieng auch mit ihren Jungfrauen gar offt an ein Fenster am Schloß / daß sie ihn nur sehen solte / und dachte Tag und Nacht an ihn / biß auff eine Zeit / da offenbahrte sie ihre heimliche Hertzen Gedancken einer alten Kammer Frauen / die sie vor stille und verschwiegen hielt / welche es ihr doch hefftig wiederrieth. Die Jungfrau aber sprach / wo sie ihr nicht dazu [126] wolte helffen dienen / daß sie mit ihm zu reden kömmen möchte / so wolt sie sich willig in den Todt geben. Als die alte Kammer Frau solches hörte / mit was Liebe die Jungfrau gegen dem Jünglinge umbfangen war / sprach sie: Ach mein schönes und tugendhafftes Jungfräulein / weil ihr ja auff euer Meynung beständig bleibet / so wil ich in einem stillen dazu helffen / was mir möglich / jedoch bitte ich euch / daß euere Liebe nur züchtig sey / mit Worten und Geberden. Gieng darauff bald / und sahe sich nach den Ritter umb / den sie gleich in der Kirchen / sein Gebet zu thun / antraf / dem wincket sie / und zeiget jhm alle Sachen der Jungfrauen halben an / der alsbald auch in solchen Freuden bestürtzet ward / daß er fast nicht wust / was er für Wort gegen der Frau brauchen solte / und gab ihr zum Botenbrodt eine Hand voll Kosenobel und sprach: Grüsset die Edle Hochgeborne Jungfrau meinetwegen freundlich / und last sie darneben wissen / daß ich in keiner andern Vrsach von meinen Eltern ausgezogen bin / den̅ ihre Lieb und Gunst zu erlangen / sie sol sich auch zu mir nichts anders versehen / als was Zucht und Erbarkeit erfordert / da uns auch Gott und das Glück solches wird vergönnen / so saget Jhr / daß ich ihr meine Liebe / ja Leib Ehr und Gut verspreche / auch keiner andern mehr zu dienen / dann ihr allein: Daß sie aber mein Geschlecht zuwissen begehrte / sol sie alsdann von [127] mir wol erfahren / sonst lasse ichs keinen Menschen in diesem Lande wiessen / wendet ihr nur Fleiß an / daß mir heimlich zusammen kom̅en / und bringet der Edlen Jungfrau zum gewissen Pfande auffrichtiger Liebe diese Kette̅ / welcher von seinem Halse nahm / die ihm seine hertzliebe Frau Mutter zu letzt gegeben hatte / und eines grosses Schatzes werth war. Hierauff die alte Herr Heinrichen anmeldete / daß sie die Jungfrau und ihn den künfftigen Morgen in ihr Gemach fordern wolte / doch in Zucht und reiner Liebe. Herr Heinrich sprach: Saget der Jungfrauen / daß sie ihr Gemüht unwandelbar halten sol / und von mir unbefleckte kensche Liebe in Ehren gewarten / und wenn ich wissen solt / daß es ihrer Ehre entgegen seyn solte / wolte ich ehe mein Leben lassen / und jämmerlichen in der Lieb sterben. Als die alte Kam̅er-Frau wieder kam / gieng ihr die Jungfrau entgegen und sprach: Bringet ihr gute oder böse Zeitung / die saget mir bald: Sie fieng an und saget ihr alle Sachen / und gab ihr damit die güldene Kette mit dem Kleinot. Da die Jungfrau das sahe / wehre sie vor grossen Freuden fast von sich selber kommen / doch endlich sprach sie / hab ich nicht gesagt / seine Gestalt und Wesen gab es / daß er von hohen Stamme seyn muß. Denn wie vermochte ein schlechter Edelmann ein solch Geschenck zu thun: Nun wil ich mich vor die glückseeligste auff der gan [128] tzen Welt achten. Den künfftigen Morgen kam die Alte wieder / und er folget ihr von fernen nach / und kam also in das ernante Gemach / daß sein kein Mensch innen war. Als sie Ihn aber sahe / stund sie auff / gieng ihm entgegen / fieng an und sprach: Seyd mir GOtt willkommen Edler Herr Heinrich. Er dancket ihr mit züchtigen Worten und grosser Keverentz / und sprach: Ach Edles Hochgebornes Jungfräulein / ich weiß nicht wie ich es Gott verdancken sol / daß ich mit E. Gn. in geheim zu reden komme / welches ich fast vor unmüglich gehalten Sie sprach: Ja / Edler Herr Heinrich / wan̅ euer Verlangen nach mir gewesen were / wie mein hoffen zu Euch / so weren wir schon lang zusammen kommen und fiengen also an / nach der Länge von grosser Liebe zu reden / und bath ein jedes das andere frey und ohne Scheu sein Hertz zu offenbahren / welches auch geschah / allhier aber zu erzehlen zu lang wurde. Fürnemlich offenbahret er ihr seine Ankunfft / Geschlecht und alle Gelegenheit / und wie er nur von hören sagen aus grosser Liebe gegen ihr einen solchen fernen Weg kommen were / Ihre Hulde und Gunst zu erlangen / und daß er ehe zehenmahl sterben wolte / denn ihr etwas anmuthen / daß wieder Zucht und Erbarkeit were / nahm damit nach eine Kette von seinen Halß / und schenckte sie der Jungfrauen / und sprach: Von euch nimmermehr zu weichen / [129] weder in Liebe noch Leyd / weder in Trübsal noch Freude / ja in wohl und Wehe beständig zubleiben / in aller Noht / soll mir Gott helffen. Und saßen also in lieblichen Reden einen gantzen Tag beysammen / der sie kaum eine halbe Stund gedaucht. Da sie aber von einander scheiden sollen / da fieng ihr beeder Creutz an / und bathen einander mit züchtigen Worten wider an bemelten Orth zukommen. Das trieben sie gar offt und lange / biß ihnen das Glück auch wiederwertig war / dann durch das offt zusammen kommen / kam es für der Jungfrauen Vater / der seiner Tochter deßwegen hefftig zu wieder war / sie aber blieb auff ihrer Meynung beständig. Als ihnen auch ferner fast alle Mittel heimlich zusammen zukommen verschrenckt waren / nahm Ihm Herr Heinrich vor / heim zu seinen Eltern zu reisen / und that ihr das zu wissen. Als sie das hörete / konte sie weder essen noch trincken / fiel ihm umb den Halß / fieng an gar kläglich und bitterlich zu weinen / daß es hette mögen einen Stein erbarmen / und als sie das hatte eine Zeit getrieben / fieng sie wieder an zu reden / und sprach: O mein Edler Herr Heinrich / kan es ja nicht anders seyn / dann daß ihr weg wolt / so nehmet mich mit zu euren Eltern / daß ich sie auch sehe / denn wen̅ ich Elende ohne euch seyn sol / so muß ich sterben. Als Herr Heinrich die kläglichen Wort vernahm / sprach er: Ach mein aller???rebste [130] Jungfrau Leonora / ich habe euch warlich lieder denn mich selbst / Ihr sehet daß wir hie ferner nicht hiemlich zusammen kommen können / wollet ihr euren Vater und Mutter verlassen / so sey euch zugesaget / bey meinen Ritterlichen treuen Verheissungen / daß ich die Blumen der Liebe nicht brechen wil / so lange biß uns Gott ehrlich zusammen hilfft / gab Ihr damit seinen schönen Ring / zur anzeichung und Gedächtniß beschlossener reiner Liebe / wurden also mit einander eins / daß auf die künfftige Nacht Herr Heinrich die Pferde solte heimlich zurichten / zwey darauff sie ritten / und das dritte Speise und Tranck / auch etliche güldene Kleinodien zu tragen / damit sie in acht Tagen nicht dürfften in eine Herberge einkehren. Da es nun ein wenig vor Mitternacht im ersten Schlaff war / kam er mit seinen drey Pferden an bestimpten Orth in einen Garten / daraus ein Pförtlein gieng / sassen nach viel freundlichen küssen und hälfen auff / und ritten davon. Als sie aber mit den drey Pferden durch die Pforten kamen / und die Jungfrau die allerschönsten Ketten / Ringe und Kleinodten / von Gold und Edlem Gesteine / eines Fürstenthumbs werth mit ihr genommen / säumten sie sich nicht / und ritten die gantze lange Nacht den Wälden und Heyden zu. Wie nun der Tag anbrach / vermissen des Ritters Diener die drey Roß im Stalle / sampt ihren Herren / und nahm sie groß Wunder / dacht [131] doch keiner dahin / daß er gar weg seyn solt. Als es auch über die Zeit ward / daß die Jungfrau pflegt aufzustehen / gieng eine Kammer Jungfrau zu ihrem Bette / wolte sehen was sie macht / ob sie kranck / oder sonst lange schlieffe: Wie sie hin kam / fand sie niemand / auch das Bette noch unverwirret / da gieng sie bald / und saget es den andern / die erschracken alle sehr / dann es wuste niemand von den Dingen / brachtens auch alsbald vor die alte Königin / die kam gelauffen / und fand das es also wäre / lieff eilend mit Weinen und Klagen zu dem Könige / welcher auch kam und diß in Augenschein nahm / bedachte sich nicht lange / und gebot an seinem Hoff auff. Mitler weil kam die Botschafft / wie daß Herr Heinrich auch nicht verhanden were / da sprach der König: Nun wolauff alles was reiten kan / und suchet in allen Landen / so lang biß sie antroffen werden / und wenn ich sie bekomme / so müssen sie eines sämmerlichen Todes sterben. Man kam auff allen Strassen / fand aber keinen Ritter noch Jungfrau / und kam also ein Theil heut / das ander Morgen / eines theils über sechs / sieben und neun Tage / brachten aber keine gute Post / darumb der König sampt seinem Gemahl hertzlich betrübet waren / wegen ihrer schönen und allerliebsten Tochter / als eines einigen Erben des gantzen Reichs. Herr Heinrich reit mit seiner hertzlieben Jungfrau [132] Tag und Nacht alle krumme Strassen / daß sie nicht abstiegen biß auff den dritten Tag / derhalben sie Krafft und Mattloß waren sampt den Rossen / eileten nur dem Strom des Wassers zu / und kamen also in einen wilden Wald / hart am Meer gelegen / da stiegen sie ab / und schlugen ihre Roß ins Graß / und nahmen auch ihre Speise / satzten sich nieder / aßen und truncken / so gut als sie es hetten. Wie sie nun gessen hatten / kam der schönen Jungfrau Leonora ein Schlaff in ihre zarte Augen / daß sie sich des nicht erwehren kunte / und sprach: Ach mein Herr Heinrich / ich bitt / jhr wolt mirs ja nicht verargen / ich muß ein klein wenig ruhen / oder schlaffen. Der Edle Herr nahm seinen Mantel / legte jhn der Jungfrau unter Jhr Haupt und sprach: Ach hertzliebe Jungfrau / schlaffet gar wol ohn alle Sorgen und Gefahr / ich wil euer Gnaden treuer Hüter seyn. In dem entschlieff die Jungfrau. Der Kitter gieng zu dem Rossen / darnach zur Jungfrau und wieder zu den Rossen / endlich als er sahe daß sie so gar sanffte schlief / gieng er angestat des Meers in gar schweren Gedancken / wie denn einem / der was grosses vor sich hat / pfleget zu geschehen / sonderlich in unruhigen Sachen / und sahe also in das hohe Meer und dachte: Ach wenn wir nur bald auffs Wasser kommen könten / so solte mirs Hertz schon nicht so schwer seyn / da stund ein kleines Schiflein / das gehörte den Fischern [133] zu / welche des Nachts pflegten zu fischen / darein trat er ohn gefehr die Zeit zu vertreiben / gieng an das ander Ende hin und her / und machte es loß / und wolte am Vfer ein wenig hin und her mit dem Schifflein spatzieren / vor die lange weile / fahren / biß seine Jungfrau wieder erwachte / und sahe immer in das hohe Meer / ob er etwan eines Schiffes möchte gewar werden. Als er in solchen grossen schweren Gedancken stehet / kompt so ein grausamer erschrecklicher Zwirbel-Wind / und führet das Schifflein weit vom Vfer so hatte er gar nichts bey sich / damit er das Schifflein hat lencken / regieren oder bewegen können / sondern muste jhm nu seinen Lauff lassen / und trieb ihn also der Wind auff das hohe grausame wilde Meer. Herr Heinrich war so sehr erschrocken / daß er in solchem ängstlichen Schrecken nicht wuste / wo er war / fiel also vor grossem erschrockenen Hertzen in das Schiff / gleich als ob er rod were. Als er sich denn ermunderte / und wieder zu ihm selber kam / richtet er sich wieder auff / sahe aber nichts umb sich als Himmel un̅ Wasser / besann sich ein wenig / und sprach mit weinender Stimme: Ach mein Gott / wo bin ich / un̅ gedachte nur an seine schlaffende Jungfrau / und wann ers bedachte / wolte er für Hertzenlied ins Meer springen; In solchen jämmerlichen Gedancken kömpt ein Raub-Schiff daher / das wolt von Allgier auff Spannien zu [134] streiffen / ob ihnen ein Raub möchte werden / sahen das kleine Schiflein auff dem Meer umbfahren / dachten es hette sich etwan von einem grossen Schiff abgerissen / fuhren dazu und sahen darinnen den Edlen Herren gantz verblichen und krafftloß / den fragten sie / wie er daher käme: Er antwortet mit nidriger Stimm / er were spatzieren gegangen / und in das Schifflein getreten / daher ihn der Wind so schnell weggeführet / und bat sie / sie wolten jhn doch / wo er were / berichten? Sie antworten: Er were nicht weit von Alkaier / da der grosse Türckische Käyser Hoff hielte. Ach GOTT gedachte er / bin ich doch wol hundert Meilen von meiner lieben Jungfrau / die ich so elendlichen entführet habe / und bath sie umb Gottes willen / ob sie ihn nicht etwan an dieses Land / welches er jhn nante / führen wolte / dessen sie nur lachten / und nahmen jhn gefangen auff ihr Schiff. Er aber sorget in solcher Hertzen. Angst nicht vor sein Leben / sondern nur vor seine im Walde schlaffende Jungfrau / erkonte es aber in keinem Wege endern / sondern muste es GOtt befehlen. Als sie aber eine weile auf den Meer herumb fuhren / und nichts antraffen / lendeten sie wieder zu Alkair an / wurden Raths und schenckten den Edlen gefangenen Herrn den Türckischen Käyser an seinen Hoff. Die schlaffende Jungfrau aber / welche des [135] übrigen wachens nicht gewohnet war / schläffet etwas lange. Als sie erwachet / sehe sie umb sich / und vermerckt ihren Herren nicht / wuste auch nicht / daß sie so lang geschlaffen / hatte / gedachte aber / Er ist etwan zu den Rossen gegangen / munterte sich also auf / blieb ein weil sitzen / hörte aber nichts / zu letzt stundt sie auff / und sahe umb sich / da war niemand denn die drey Rosse / die giengen im Grase / sie gieng hin und wieder ein kleines Weglein / vermeinte / es were Herr Heinrich etwa spatzieren im Walde gegangen / je länger sie aber suchte / je weniger sie fand / zu letzt fieng sie an zu ruffen / zu schreyen und kläglich zu fragen / aber da ward niemand / der Jhr Antwort gab / und konte die schöne zarte Jungfrau wol mercken / daß er nicht da verhanden war. Sie fieng an mit so kläglichen und jämmerlichen Geberden jhm zu ruffen; Sie wandte Ihre Schneeweise Hände / und rauffte jhr Goldgelbes Haar aus / mit unaus sprechiichen Geschrey / dann bald sprach sie: Ach mein hertzlieber Herr Heinrich / wo seyd ihr doch hinkommen? Wie habt jhr mich arme und elende / euere Liebe / so euch lieber als euer Leben zu seyn ihr öffters betheuret / können an diesen wüsten Orthe alleine lassen / in Jammer und Trübsal / und ich habe Euch doch weit mehr geliebet als meinen eigenen Leib? Ach mein GOtt / wo seyd Ihr hinkommen? Wie habt jhr doch mein verges [136] sen können? und ich habe euch vor meine einige Zuversicht und gröste Hoffnung gehalten; Ach ich glaube wol / daß Euer Hertz nicht wird dabey gewesen seyn / mich in diesem wilden Walde so jämmerlich zu verlassen: Ach wo seyd ihr doch jmmermehr hinkommen? Daß doch Gott erbarm / was haben wir gethan? Warumb haben wir so grosse Hoffnung gesetzt auff solche unbeständige Sachen? Ach Herr Heinrich / mein einiger Trost und Hoffnung / wenn ich euch doch nur einmahlnoch sehen solte: Ach hette ich doch nicht geschlaffen / so were ich wielleicht wo ihr seyd / es were im Todt oder im Leben / es gienge uns doch beeden wol oder weh / wie der liebe Gott wolte / wenn wir nur beysammen wären. Mit solchen Worten und Gedancken / auch mit kläglichen Geschrey / gieng sie zu den Rossen / vermeinte / es werde Herr Heinrich sich irgend mercken lassen / fiel aber vor grossem Jammer und Hertzenleid nieder in das grüne Graß. In dem nahete sich die finstere Nacht herzu / da begriff die Leonora erst ein neues Leyden und heimliche Furcht / denn ein jedes bedencke es bey ihm selbst / eine solche Hochgeborne Jungfrau des gantzen Engelandes / sitzet allda in einem wilden Walde / unter einem hauffen wilder Thieren / die von Jugend auff Mägde und Diener wol zehen vor einen gehabet / die ihren Vater und Mutter von Hertzen ist lieb gewesen / doch [137] kan Ihr hie nichts helffen / weder Haab noch Gut / weder Zucht noch Frömmigkeit / ja weder Tugend noch hoher Stand; Die da war gewohnet / in seidenen Betten bey aller Sicherheit zu liegen / die lieget jetzunder im Grase / von aller Welt verlassen / ohn alle Verwahrung / unter dem freyen Himmel / in GOttes und des wandelbaren Glücks gewalt / etc. Als sie aber in solchem weinen und klagen war / kam sie ein tieffer Schlaff an / darinnen lag sie biß der helle Tag wieder kam / da sahe sie wieder umb sich / vermeinte jhr hertzallerliebster werde unter des seyn wiederkommen / aber da war nun ferner kein Hoffnung mehr / denn je lenger sie umb sich sahe / je weniger sie ihn merckte. Da fieng sie wieder an auffs hefftigste zu weinen und zu klagen / und ihrem lieben Herrn Heinrich zu ruffen / und sprach: Ach mein Edler Herr Heinrich / wo ist euer tapffer und mänlich Hertz? Wo ist euer Adeliche Tugend? Wo ist euer frommes und stattliches Gemüht? Wo ist eure grosse und tapffere Verheissung / die Ihr gegen mir gethan habet? Jetzt last ihr mich in Jammer und Elend / mitten in Trübsal / Angst und Noht / bestehen. Wie habet Ihr doch ein solches Hertz haben können / mich aus dem Hause meines Vatern zuführen / und in der grösten Noth / und am allerärgsten Ende zu verlassen? Ach die Schuld wird gewiß nicht euer seyn / es ist doch ja kein solch [138] falsch Hertz in eurem Leibe. Ach mein Herr Heinrich / wo seyd ihr doch hinkommen / seyd ihr lebendig oder todt? last michs doch wissen / seyd ihr todt? So sol nim̅ermehr keine Fröligkeit / ja weder Essen noch Trincken in meinen Mund kommen. Ach verhalt mir nicht euren Zustand / das bitt ich von Hertzen. Redete also den halben Tag mit jhr selbst / gab ihr auch Rede und Antwort / biß ungefehr nach Vesperzeit / da stund sie in solchem Worten und Gedancken auff / gieng zu ihren Rossen / zoge jhnen die Zähme von ihren Köpffen / und ludt ab die Kleinodien und Edelgestein / so viel sie zu ertragen vermochte / und sprach zu ihren Kossen mit weinender Stimme: Nun geh et hin / wo euch der liebe GOtt hinleitet / ihr habet euren Herren verlohren / den helffet suchen / so wil ich auch von euch / und so lange das Elend bauen / biß sich Gott wider über mich erbarmet. Satzte jhr also für / sie wolte nach der Grafschafft Burgund ziehen / vielleicht erführe sie etwan wo jhr lieber Herr hinkommen were / gieng also durch den Wald / in Jammer und Elend. Wie sie über drey Stunden gangen war / kam sie zu einer armen Pilgrin / welche im Walde wohnete / welches sie sehr froh ward / daß sie einen Menschen fand / die baht sie umb Herberg diese Nacht und fragte / ob sie nicht auff den Morgen an ein Pordt kommen möchte / da die Schif anlangeten. Die alte Frau weisset sie in ein klein [139] Städtlein / da sich ein Arm aus der See hinstrecket / und ob die Jungfrau die Pilgerin bate / ihre graue Kleider / vor die jhrige zu geben / ward doch solches von der Alten für ein Gespött angenommen. Nichts destoweniger ließ ihr diese Edle Jungfrau schlechte graue Pilgers-Kleider machen / zoge sie an / und fuhr mit Schiff-Leuten in verhülleten Angesicht in Franckreich / ob sie etwas von jhrem einigen Trost erkundigen möchte / nach mals in das Hertzogthumb Burgund. Als sie aber nichts hören und spüren konte / nahm sie ihr vor von der Welt zu scheiden und ihr Leben in Trauren und Klagen zubeschliessen / gab sich bey den alten Fürsten an / sie were ein Wäißlein / eines Kauffmans Tochter / und wolt in ein Kloster / darinnen Tag und Nacht Gott dienen; Ihre Meynung aber und Intent war im Land Burgundien zu verharren / biß sie von jhrem hertzliebsten verlornen Herrn Heinrich etwas erfahren möchte / welches auch geschab. Denn als fünff Jahr verlauffen / machet sich Herr Heinrich von seinem Herrn loß / mit starcker Verheissung sich wieder einzustellen / wenn er seine Eltern besucht hette Als er nun mit grossem Freuden und Froloeken seiner Eltern zu Hause kömmet / und diese Jungfrau im Kloster es erfehret / was da für Freude Ihr Hertz überhäufte / stelle ich einem jedem zu bedencken heim. Damit sie sich offenbahren / und ihren hertzliebsten Herrn Heinrich ihrer [140] aus gestandenen Noth und geführten Wandels berichten / auch hingegen den Zustand seines Abscheidens von ihr / unter der Zeit gefürten Lebens verständiget werden möchte / erhielt sie durch Bitt und Gaben / daß eine Gasterey im Closter angerichtet ward / dazu de Hertzog sampt seinem Gemahl und einigen Sohn persönlich erschienen / zu Tische sassen / da ihnen fürstlich zu Tische gedienet ward. Als sie nun bey auffgetragener Speiß guter Ding waren / ward der junge Herr von der Abtissen erinnert / S. F. Gn. wolt sich doch nicht beschweren anzumelden / wie es sich die Zeit / weil er aussen gewesen / verlauffen hette / als diß Herr Heinrich hörete / gieng jhm ein Stich durchs Hertz / und dachte bey diesen grossen Freuden an seine im Wald liegende Jungfrau / daß jhme die Augen übergingen mit tieffen Seuftzen / welches die gegenwertige Jungfrau wol vernahm; und fieng nach solchem Herr Heinrich an und sprach: Ihr solt wissen die Vrsach meines ersten Abschieds allhier / daß mich dazu bracht hat / die Liebe einer ungesehenen Jungfrauen / deß Königes Tochter in Engelland / welche mir so treflich gerühmet worden / derentwegen ich sie zu sehen begehrte / und des gewehret ward. Erzehlte darneben alle Sachen / wie sichs zugetragen / und als er / wie er sie hette im Walde verlassen / vermelden solte / fieng er gar bitterlich an zu weimen / daß [141] alle die am Tische sassen / ihm trösten musten / doch auch neben jhm voll traurens waren / wie dann die schöne Jungfrau Leonora auch mit ihnen von Hertzen weinen muste / daß der Hertzog und sein Gemahl genug zu trösten hatten. Als er sich ein wenig wieder erholte / zeigete er weiter alle Sachen an / wie es ihm ergangen / und sprach: Nun hat mir GOtt alles wiedergegeben / was mein Hertz begehrte / Vater und Mutter / Land und Leut / Haab und Gut / noch muß ich mit Elend und Traurigkeit mein Leben zubringen und beschliessen / dann ich kan nimmermehr frölich werden / biß ich erfahre / wo die ist hinkommen / die mich in der Welt (nechst GOtt) am liebsten gehabet. Als solches die Jungfrau höret daß er sie noch stets und hertzlich liebete / nahm sie Erlaubnüß / und gieng vom Tisch in ihre heimliche Kammer / kleider sich gantz fürstlich / legte die Kloster-Kleider beyseyd / und ließ ihr schönes Goldgelbes Haar hangen / nach Art der Engelländer / zierte sich mit der Ketten / welche ihr Herr Heinrich geschencket hatte / und trat also in den Saal / darinnen der Hertzog und sein Gemahl / auch Herr Heinrich / sampt andern Herren / Frauen und Jungfrauen / Rittern / Edel-Leuten und Knechten sassen. Als sie diese wunderschöne Jungfrau sahen / verwunderte sich ein jedes von Hertzen / wo her sie kähme? Wie aber Herr Heinrich auch seine Augen auff Sie [142] wante / stund er auff gantz ungered gieng Ihr entgegen / un̅ fiel vor ihr nieder auff seine Knie / empfieng sie gantz freundlich / und bat sie hertzlich umb Gottes willen / daß sie ihm verzeihen solte / daß er also were von ihr gewichen / denn seyn Wille were ja nicht dabey gewesen. Sie schöne Jungfrau / welche zuvor alle Sachen wohl vernommen / hub ihn auff von der Erden. Herr Heinrich nahm sie bey der Hand / führete sie zu Vater und Mutter / und sprach: Ach mein Herr Vater / ach meine hertzliebe Frau Mutter / das ist die Jungfrau / davon ich erst gesagt habe / die ich aus ihres Vatern Hause geführtes / und so elendiglich / ja so erbärmlich hinter mir in Trübsahl gelassen / die so viel meinetwegen biß ins fünffte Jahr erlitten hat / die / eben diese solt ihr mir zu einem Ehelichen Gemahl geben / diese ist stets in allen meinen Sachen mein Bekümmerniß und auch Freude gewesen. Des grossen und unverhofften Falles musten sie sich alle verwundern / die es sahen und hörten. Der Hertzog stund bald auff sampt seinem Gemahl / emsieng sie mit grossem Freuden. Der Fürst gab sie alsbald seinem Sohn an die Hand / zu einem Ehelichen Gemahl / emsieng sie mit grossem Freuden. Der Fürst gab sie alsbald seinem Sohn an die Hand / zu einem Ehelichen Gemahl / und alle Herren und Frauen / auch Jungfrauen stunden auff / wünscheten dem Jungen Herren und seiner. Jungfrauen viel Glück. Darnach saß man wieder zu Tisch / und verbrachten die Mahlzeit mit grossen unaussprechlichen Freu [143] den / und ward sie auch zu erzehlen vermahnet / wie es ihr ergangen war / biß sie wär daher kommen: Solcher Erzehlung hörten sie alle mit Lust und Freuden zu / verwunderten sich göttlichen Schutzes und Versehung / und sprachen: GOtt hett in der gantzen Welt zwey Menschen nicht wunderbarlicher zusammen bringen können / auch die so schön / züchtig und Gottsfürchtig weren / als die zwey. Nach dem Essen wurden sie Rahts / und fuhren in grossen Freuden wieder in die Stadt. Da wurden sie erst ehrlich mit grossen Froloeken von der gantzen Burgerschafft angenommen. Kurtz nach solchem ließ der alte Hertzog Hochzeit-Brieffe ausschreiben / an alle Fürsten und Grafen weit und fern / auch dem gewaltigen Könige in Franckreich. Es ließ auch Herr Heinrich seinen Schwäher den König in Engeland auff die Hochzeit laden / schrieb Ihm auch jhr beyder groß Vnglück / und wie wunderbahrlich sie wieder zusammen kommen weren / mit hoher Bitt / solches an Ihn ja nicht zu rechnen / daß er Ihm seine Tochter so elendiglich entführet hette. Als der König sambt seinem Gemahl vernahm / daß Ihre einige Tochter noch am Leben / und der sie entführet / von so hohen Stande war / liessen Sie alsbald allen Zorn / Vnmuth und Wiederwillen fallen / danckren GOTT / daß Sie [144] sie noch am Leben were / kamen zum Beylager / war also allerseits grosse hertzliche Freude und Wonne / und lebten nachmals diese zwey in so grosser unausprechlicher Liebe beysammen / daß der Autor dieser Historien setzet / Er vermöge die grosse Liebe / die sie beyde zusammen getragen / mit der Feder nicht zubeschreiben. Es ist auch nach Abgang des alten Königes dieser Herr Heinrich König in Engeland worden. GOtt der Allmächtige hat auch verliehen / daß diese zwey im Hertzen recht liebhabende Person en drey Leibes-Erben in grosser Liebe mit ein ander gezeuget / und beysammen gelebet 27. Jahr / drey Monden / und soll die junge Königin nur fünff Wochen nach Ihrem hertzlieben Herren gelebet haben. 1. Glück und Vnglück stösset uns Menschen in dieser Welt vielfältig zu handen- Aber denen die GOTT lieben müssen doch alle Dinge zum besten dienen / schreibe Paulus Rom. IIX. v. 28. Diese vorgesetzte Historia gibt dessen allen beweis. Darumb lieber Mensch: Im Glück erheb dich nicht / in Vnglück aber verzag auch nicht. 2. Hier haben wir ein Exempel zweyer beständig liebhabender Personen. Diese sind nicht von Flandern / daß sie geben einen umb den andern / wie das gemein??? Sprichwort lautet.
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55.
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Ein Edelmann verspricht einer die Ehe und helts nicht / s???bet mit ???tern und ersticht sich selbsten. EIn Edelmann N. von Gräffendorff hatte einer jungen Adelichen Wittib die Ehe versprochen / und sie darauff beredet / daß sie seines fleischlichen Willens gelebet. Da er aber / bey 4000. Gulden werth / von ihr bekommen / ließ er sie / als ein unzüchtiges Weib / sitzen / und versprach einer andern Jungfrauen die Ehe. Aber es kam bald darauff die Reu / der nagende Wurm des Gewissens / die Fühlung des Zorns Gottes / und die Furcht der ewigen Höllenpein / daß er sich nicht wolte trösten lassen. Was geschicht? An seinem ersten Hochzeit-Tag stehet er gegen die Nacht von seinem Gästen auff / reit nut seinem Knecht hinaus aufs Feld / und sagt voller Schrecken zu ihm: Siehe! ich sehe viel Reuter dort herkommen: Fällt mit zittern vom Pferd / und ersticht sich selbst. 1. Mit Eheversprechungen läst sichs nicht schertzen / und strafft GOtt mehrentheils die jenigen / die brüchig werden.
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2. Das böse Gewissen ist gar ein übels Haupt-Küssen: Es hat manchen zur desperation und Verzweiffelung gebracht / wie auch aus diesem leichtsinnigen Edelman zu ersehen. 56. An Kirchen und Hospital-Gütern soll man sich nicht vergreiffen. ZU Mansfeld in Preussen hat ein Kirchen-Vater oder Pfleger / der Kirchen / an Geld / Silberwerck und andern / viel entwand / nach seinem Todt hat man sein Gespenst an vielen Orten gesehen; Als sein Weib gestorben / ist sie über das Dorff nach dem Hegenwald gefahren / und hat erbärmlich / gleichsam / als wanns ihre Stimme were / geschryen / wo soll ich nun bleiben? Dasselbige Kirchen-Gut / wo es nur hingekommen ist / hat es überall das Feuer verzehret / Hauß und Hoff mitgenommen / ohn allein an einem Ort / da ist gleichwol wenig Seegens dabey gewesen. Derhalben wer Glück und Gottes Segen haben wil / der hüte sich vor Kirchen-Gütern / auch für der Armen und Spitals Gütern / denn sie haben die Art der Adler-Federn / so die andern Federn verzehren / von [147] welchen nachfolgende Fabel zu mercken: Es war einmal ein Adler / der macht Freundschasft mit einem Fuchs / und vereinigten sich bey einander zu wohnen. Als nun der Fuchs sich aller Freundschafft zum Adler versahe / da hatte er seine Junge unter dem Baum / darauff der Adler seine junge Adeler hatte. Aber die Freundschafft weret nicht lang / denn alsbald der Adler seinen Jungen nicht hatte Essen zubringen / und der Fuchs nicht bey seinen Jungen war / da flohe der Adler herunter / und nam dem Fuchsen siene Jungen / und führet sie in sein Nest / und lies sie die jungen Adler fressen. Da nun der Fuchs wieder kam / sahe er / daß seine Jungen hinweg genommen waren / klagets derhalben dem Obersten Jovi / daß er Jus violati hospitii rechnen / und diese Injuriam straffen wolte. Nicht lang darnach / da der Adler wiedrumb sienen Jungen nicht zu essen zu geben hatte / sahe er / daß man an einem Ort im Felde dem Jovi sacrificirte. Derhalben flohe er dahin / und nahm fluchs einen Braten vom Altar hinweg / und brachte denselbigen seinen jungen Adlern ins Nest / und flog [148] wieder hinweg / und wolt mehr Speiß holen. Es war aber am Braten eine glüende Kohle hangen blieben / dieselbige / als sie ins Nest gefallen war / zündet sie das Nest an / und als die jungen Adler nicht fliegen kunten / da verbranten sie mit dem Nest / und fielen auff die Erde. Und sagt D. Luther darauff / daß es pflege also zu gehen / denen / so die Geistlichen Güter zu sich reissen / die doch zu Gottes Ehren / und zu erhaltung des Predigampts und Gottes Diensts gegeben sind / dieselbigen müssen ihr Nest und Jungen / das ist / ihre Rittergüter un̅ andere weltliche Güter verliehren / und noch wol Schaden an Leib und Seel dazu leiden. 1. Hüte sich demnach ein jedweder vor Geistlichen Krichen / Schul / Hospital und Allmosen Geldern. Denn vorwahr es gedenet solch Gut nicht: Es kompt nicht auf den dritten Erben / ja es bringet / wie Herr Lutherus gesaget / wol gar umb Leib und Seel. 2. Durch Fabeln / wenn sie recht angeführet werden / kan man eine Sache fein erkleren / wie denn durch diese Fabel wol erkleret wird / wie grossen Schaden bringet / wenn man sich an Geistlichen Gütern vergreiffet.
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57. Ein alter Greiß siehet dem Käyser lange nach. ALs Käyser Tyberius an die Elbe in Meissen kam / und die Hermundurer damals für Furcht entflohen / trat ein alter ehrlicher Mann / grosses Ansehens in einen Kahn / und baht die Römer ihm zu erlauben / daß er jhren Herren durffte anschauen. Als er nun lange schweigend mit hoher verwunderung den Tyberium angesehen / sprach Er: Ich / O Käyser / hab durch deine Gnade / Gunst und Zulassung heute die Götter selbst gesehen / und habe die Zeit meines Lebens keinen gluckseligern Tag gewünschet und erlebet / gab dem Käyser die Hand und fuhr mit grosser Freude davon / und sahe auch im rückfahren / so lang er kunte den Käyser an. Dergleichen wird von einem alten Deutschen auch geschrieben / welcher über den Reyhn fuhr Julium Caesarem zuschauen. 1. GOtt der HErr hat in grosser Potentaten Angesicht sonderliche gravität und authorität / darüber man sich verwundert / und die man fürchtet / geleget / wie dieser alte Greiß [150] denn von dem Käxser saget / Er habe die Götter selber gesehen. 2. Es ist eine Glückseligkeit / wie dieser alte Greiß sagt / bey einem grossen Herrn einen Zutritt haben und in Gnaden stehen / aber man muß solcher nicht übel brauchen / und auch sehen / daß man die Gnade nicht verschertze. 58. Von einem reichen Kauffmann / der in seiner Kranckheit GOttes Gericht lernet erkennen. MAn lieset eine denckwürdige Geschicht / die sich auff eine Zeit mit einem vornehmen Handelsmann zugetragen hat / derselbige hatte den Brauch an sich / daß / wann Leute zu ihm ins Gewölb kamen / er sie nicht allein für sein Person mit allerley falscher Waar und Gewicht angeführet / sondern auch seine Söhne zu dergleichen Handel und bösen Stücken abgerichtet hat. Was geschicht? Auff eine Zeit greifft ihn Gott mit einer gefährlichen Kranckheit an / die ihn dermassen zugesetzt / daß er sich auch seines Lebens verziehen / sonderlich aber bracht ihm der Teuffel ein schwartzes Register / und hielt [151] ihm für / wie er Hauß gehalten / und mit was Titul er so viel Geld und gut zusammen bracht hätte / trieb ihm auch einen solchen Angsischweiß aus / daß man an ihm gnugsam zu kühlen hatte. GOTT gab Gnad auff das gemeine Kirchen-Gebet / so für ihm geschehen / daß er des Lagers wieder auffkommet und geneset: Da er nun wieder in sein Gewölb kam / war er viel ein andere Mensch / als zuvor! und gab alle Waaren umb einen leidlichen und billichen kauff. Die Söhne sahen den Vater etlichmahl zu / verwunderten sich / und sagten: Lieber Vater / wie kompt ihr auff diese weise / daß ihr ietzo die Waaren so wolfeil gebts Wisset ihr euch nicht mehr zuerinnern / was ihr uns vor diesem für eine Lehre gegeben / wie wirs machen solten / wann wir wolten reich werden / wie kompts denn / daß ihr selbsten solchem nicht nachkommet? O lieben Söhne / sprach der Vater / ich bin an einem Ort gewesen / da hab ich erfahren / wie es zugehet / wann mann vor Gottes Gericht Red und Antwort geben muß / wolte GOTT ich hätte es nicht gethan! Lässet darauff ein brennendes [152] Wachs-Lichtlein herzu bringen / und sagt: Wolan! liebe Söhne! haltet ein wenig einen Finger in diß brennende Licht; Das wolte aber keiner thun / dann sie forchten sich vor dem Brand. Darauff thut der Vater eine Vermahnung an sie / und spricht: Lieben Söhn / fürchtet ihr euch vor einer brennender Wachs-Kertzen / und möget nicht einen Finger drein stecken / gedenckt / wie mir muß zu Muth gewesen seyn / da der brennende Zorn GOttes in mein Hertz leuchtete / und mir so angst und bang machte / daß man gnugsamb an mir zu kühlen hatte. Gedencket / wie viel heisser und unträglicher wird die Flamm des Höllischen Feuers seyn / die alle Gottlose in Ewigkeit brennen wird. Damit hat er sie von dem Bösen zurück / und zu dem guten an sich gezogen. 1. Anfechtung lehret auffs Wort mercken / und kan Gott der HErr sonderlich durch Kranckheiten / wenn er jhnen solche zuschicket / zur Erkäntnüß der Sünden bringen. 2. Wenn bey einem das Gewissen auffwachet / so macht es angst und bange / wie wir sehen an diesem Kauffmann / dessen Gewissen auch eine zeitlang schlieff / aber dennoch [153] auffwachte und ihn ziemlichen zu paaren wieb.

59.
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Von Sanck. Johanne Chrysostomo. ES war ein Pabst zu Rom / der reit eines Tages und viel ritten mit ihm. Nun hatte der Pabst eine Sitte / daß er sich offt vereinet und sein Gebet sprach: Das thät er aber / nnd da er an der Einigung war / da höret er eine Stimme jämmerlichen schreyen. Da gedacht er ihm / O weh / was ist die klägliche Stimme / und reit fürbaß / da schrey es aber kläglichen / da gedacht er ihm: Ich muß je innen werden / was das sey / und kehret sich gegen der Stimme / die er höret / biß er ihr nahe war / und da er nichts sahe / da sprach er wieder sich selber: Wie ist dem / daß ich höre und nichts sehe? Das düncket mich wunderlich / und sprach da: Ich gebiete dir bey Gott / daß du mir sagest / was du seyest. Da sprach die Stimme gar jämmerliche: Ich bin ein arme Seele / O weh mir immer! Denn ich bin also lange nicht ohn Pein gewesen / als ein Augenbräm zu der andern möcht kommen Also groß ist mein Feg-Feuer. Da der Pabst das höret / da wiener er sehr / und sprach: Sag mir arme Seele / ob ich dir nicht heiffen möge? Die Seele sprach: Nein. [154] Da sprach er: Das ist mir von Hertzen leid. Nun hat mir Gott viel Gewalts verliehen / daß ich die Sünder mag binden und entbinden / darum sage mir / ob dir jemand helffen möge? Da sprach die Seel: Mir ist heint etwas kunt gethan worden / da hab ich Hoftnung auff; Denn es ist ein seliger Mann zu Rom / der hat eine gute Frau / die ist heint eines Kindes schwanger worden / das wird seelig / und wird Johannes heissen / und wird ein Priester / und wenn der Priester seine sechzehende Messe hat / so werde ich arme Seele erlediget von meiner Pein. Vnd saget ihm / an welcher Gassen der Mann und die Frau saßen / und wie sie hiessen. Damit schied der Pabst von ihr / da schrey die Seele als vor. Darnach kam der Pabst zu dem Gesinde / und durfft ihn niemand fragen / wo er gewesen war; Da reit er trauriglich wieder ein gen Rom / und sandte nach demselbigen Mann und nach seiner frauen / und emfing sie gütlichen / und sprach zu der Frauen: Liebe Frau / du must seelig seyn; Mir ist von dir kund gethan / daß du heinte ein Kind empfange̅ / das soll Joh. heissen / und das Kind wird heilig. Da sprach die Frau: Das kan ich nicht wissen / Gottes Wille werde an mir vollbracht. Da sprach der Pabst: Ich bitte euch beyde / wenn das Kind geboren wird / daß ihr mich das lasset wissen / so wil ich es täuffen / und wil mich des Kindes unterwinden / und wil fürbaß sein Vater seyn. Vnd da [155] das Kind gebohren ward / da entbot man es den Pabst / da war er gar froh / und entbot seinem Caplan: Daß er mit ihm zur Tauffe ritte / und täufften es / und hiessen es Johannes / und nam die Ammen und das Kind an seinen Hoff / und besahe das Kind offt / und da es sieben Jahr alt war / da ließ man es zur Schule gehen / da lernet es gar übel / da spotteten sein die andern offt / des schämet er sich gar sehr / und gieng alle Tage in eine Kirchen für unser Frauen Bilde / und bat sie mit Ernst / daß sie ihm hilffe / daß Er wol lernete. Eines Tages betet S. Johannes aber für dem Bilde mit Andacht / daß er wol lernete / da ruffet ihn unsere liebe Frau hinzu / und sprach: Küsse an meinem Mund / so lernestu alle Kunst / und wirst baß gelehrt / denn jemand auff Erden. Da furcht er sich gar sehr / und durffte es nicht thun. Da sprach unsere liebe Frau aber: Gehe her sicherlich zu mir mit meinem Geleit. Da gieng er hinzu / und küsset unsere liebe Frau an ihren Mund / und sauget daraus alle himliche Künste / daß er fürbaß von GOtt / und von allen Dingen baß und alles wol redet / als kein Lehrer. Vnd da er aus der Kirchen gieng / und in die Schule kam / und wolt lernen / da kunte er mehr / deu̅ die andern alle mit einander. Da lachten sie alle und sprachen: Wie ist dir geschehen / daß du also wol gelehrt bist / und das man vor mit harten Schlägen nicht in [156] dich kunte bringen / und kanst nun mehr denn wir alle? Da sahen sie ihn an / und sahen / daß er einen guldenen Reiff umb seinen Mund hatte / und das Gold lenchtet als ein lichter Stern / von rechter Klarheit. Da fragten sie ihn: Wie ihm geschehen wäre? Von wannen ihm der güldene Ring kommen wäre / den er umb den Mund hatte? Da sagt er ihnen wie ihm geschehen were: Vnd fürbaß lerneten sie von ihm. Denn es kunt niemand seine Kunst / und also hiessen sie ihn fürbaß Johannes mit dem güldenen Munde / und sprachen: Du heissest billich also / denn du redest güldene Worte / die gehen dir aus deinem Munde. Also trug er den Keiff weiler lebet / und blieb ihm auch der Nahme also. Nun hatte der Pabst S. Johannes garlieb / und wo eine Pfründe ledig ward / die heiß er ihm verleihen. Da ward er gar reich / und lebete Tugendlich und Heiliglich. Darnach heiß ihn der Pabst schier zum Priester weihen / durch der armen Seelen willen / daß sie davon getröstet würde. Vnd da er sechzehen Jahr alt ward / da weihet man ihn zum Priester; Da hieß ihn der Pabst bereiten zu der ersten Messe / und sprach: Man solt nicht länger säumen / denn ihm ward leid umb die arme Seele. Da sang S. Johannes die erste Messe mit grosser Andacht / und gedacht ihm unter der Messe: Ach HErr ich bin noch zu jung / und ist sehr wieder [157] GOtt / daß ich jetzunder ein Priester soll sein / und mit Gott soll umbgehen / und sprach: Herr / es ist mir leid / daß mann mich also schier zum Priefter geweiher hat. Denn ich bin nicht würdig / daß ich dich mit meinen Kindlichen Händen handeln soll / das muß mich immer renon. Vnd sprach: Ich weiß wol / daß zeitlich Gut der Seele schadet / darumb so will ich arm durch GOtt seyn. Was solt das Guth / das wieder GOtt were? Davon will ich / alsbald wir gessen / in den Wald gehen / und will darinnen seyn / dieweil ich lebe. Vnd dieweil er Meß sang / da gedacht er ihm: Ach were die Meß aus / und daucht ihm die Meße gar lang / und da die Meß aus war / da giengen sie mit Freuden zu dem Tische / und empfingen den jungen Priester gar schön / und hatten alles da genug / das sie haben solten. Da man nun gessen hatte / da thät S. Johannes / als er ihm gedacht hatte / und stahl sich heimlich von ihnen / und legte böse Kleider an / daß man ihn nicht erkennete / und nahm Brodt mit ihm / und gieng in den Wald / darinne war er manchen Tag / daß er Lützel-Ruhe pflag; Vnd da der Pabst innen ward / und die andern Herren / daß sie ihn verlohren hetten / da war ihnen gar leid / und suchten ihn überall / und nahm sie groß Wunder / wo er hinkommen were. Da gieng S. Johannes lang in dem Wald / und hat GOtt / daß er mit seinen Gnaden mit [158] ihm were / und ihn vorsehe. Da sahe er einen kleinen Vrsprung / und gieng bey dem Wasser / ward gar froh / und kam zu einem holen Stein / und unter dem Steine gienge das Wasser hin / da gedachte er ihm: Hier soll deine Wohnung seyn / und das kleine Wasser war gar lustig. Vnd nahm da Graß und Rinden / damit decket er seine Zelle / und machete eine Thür daran / für die Thiere. Vnd da er das Brodt gessen hatte / da suchte er Kraut und Wurtzel / deß nehret er sich / und aß Laub und Graß / und sahe offt auff zu Gott / und lebet gar kümmerlichen / biß er innen ward / welche Wurtzel gut war. Vnd diener Gott Tag und Nacht mit beten / mit fasten / mit wachen / und mit viel anderer guter Vbung. Zu den Zeiten war ein Käyser der hatte Gott lieb / der hat gar ein schöne Burg / darinnen war seine Frau und sein Gesinde / und die Burg lag für dem Walde / darinnen S. Johannes war. Vnd eines Tages gieng des Käysers Tochrer für den Hag / in dem Sommer / mit vielen schönen Jungfrauen / durch Kurtzweil / und wolten die Blumen und den grünen Klee schauen. Da kam ein grosser Wind unter die Jungfrauen alle / da furchten sie sich gar sehr / da war der Wind also groß / daß er deß Käysers Tochter nam / und führet sie hoch auff von den Jungfrauen in dei Lufft / daß sie nicht wusten / wo sie hinkom̅en wär. Dawar ihnen gar leid / un̅ sprachen: Was wollen wir den Käyser für Ant [159] wort geben? Vnd da sie heimkamen / da fragte sie der Käyser: Wo seine Tochter wäre: Da sagten sie ihm: Es hette sie eine Windtsbraut hingeführet. Da war ihm gar leid. Darnach ließ der Wind die Jungfraue bey dem holen Stein nieder / bey Sanct Johannes Zelle / daß ihr nie kein Leid geschah. Da stund sie vor dem Stein wol gekleider / mit einer Krone und Gewand / und wust nicht wo sie hin solte / und sahe sich überall umb / ob sie jemand sehe. Da sabe sie S. Johannes Zelle / und sie sahe hinein / da sahe sie ihm an seinen Gebet / liegen auff der Erden / als Er offt thät. Da ward sie gar froh / und ruffte mit lauter Stimme / und sprach: Lieber HErr / last mich durch GOtt hinein. Da erschrack S. Johannes / und stund auff / und sahe sich umb. Da ruffet sie ihn aber / und bat ihn fleißig / daß er sie einließ / da schweig er stille. Da sahe sie aber hinein / und bat ihn zu den dritten mahl / daß er sie einließ / und sprach: Ich sehe wol / daß du ein Christe bist / darumb soltu mir helffen. Verlöhre ich mein Leben hier / so were es deine Schuld / und fressen mich die Thiere / sol klag ich es am Jüngsten Tage über dich / so müssestu am Jüngsten Tage für Gott darumb zur Buffe thun. Nach dem / als die Jungsfrau lange schrey / da gieng er zu der Thür / und da er sie sahe / da thät er ihr auff / und fraget sie: Wer sie were / und wie sie darkommen were: Da sprach sie: Es [160] ist Gottes wille / und sage dir nicht mehr. Do gedacht er ihm: Verläst sie ihr Leben hier / so bin ich schuldig daran / und ließ sie in die Zelle geben / und machet einen strich in die Zelle mit seinem Staba / und sprach zu ihr: Bistu in dem Theil / so wil ich in den andern Theil seyn / und komme nich über den Kreiß zu mir / und bete mit Fleiß. Da sprach sie: Das wil ich gern thun. Vnd sie schlieff gar wenig / und hätte nicht gemaches. Da der Tag kam / da gedacht sie ihr: Was esse ich heut: Nun hat mein lieber Wirth nichts / daß er mir geb; Ich werde hier Kummer leiden müssen. Da stund S. Johannes auff / und beter mit grosser Andacht. Da stund die liebe Jungsfrau auch auff / und lernet seine gute Sitten. Da sprach er: Wir wollen miteinander gehen nach Speise. Das thäte sie. Aber ihre Speise war nichts anders den Kraut / das aßen sie manchen Tag für den Hunger / migrosser Demütigkeit / und beteten / und wacheten / und dieneten unsern Herrn mit grossen Fleiß. Die Vbung neidet der Feind / und trug ihnen beyden Haß / und rieth ihnen / und gab ihnen bösen Rath / und schaffet / daß S. Johannes über den Kreiß zu der Jungfrauen gieng / in ihr halb Theil / und umpfing sie lieblichen zu umfangen / und gewan grosse Liebe zu ihr / und machet / daß die Jungfrau in grosse Sünde fiel durch seinen Willen. Darnach gewunnen sie beyde grosse Reue umb ihre Sünde / und war [161] jhnen leid / daß sie die Sünde wieder GOtt gethan hatten. S. Johannes sprach wieder sich selber: Was ich gutes gethan habe durch Gott / das ist nun alles verlohren. Da sprach die Jungfrau: Ach / ich habe meine Ehre verlohren / O wehe / HErr / daß ich die Sünde je begieng / und Gott meinen HErren damit erzürnet hab / das ist mir von gantzen Hertzen leid. Eines Tages hernach / da gedachte ihm St. Johannes: Solt die Frau länger bey mir seyn / ich würde mehr sünddigen / und führet sie auff einen hohen Stein / und stieß sie hinab / und gieng wieder in seine Zelle / und sprach: Ach ich unseeliger Mann! Nun hab ich einen Mord an der guten Frauen gethan. Nun hätte sie der Sünde nie gedacht / häte ichs an sie nicht gebracht / und habe ihr nun ihr Leben genommen. Die Vntreu und die Sünde wird GOtt ewiglich an mir rächen / und er gieng aus dem Walde / und gedacht ihm / er wolge Gott jmmerdar dienen / es wäre doch alles verlohren / und sprach: HErr GOtt / du hast mein vergessen. Doch gewann er eine Hoffnung zu GOtt und gedacht: Ich wil beichten Vnd kam zum Pabste gen Rom / der sein Todt war / und sprach zu ihm: Lieber Vater / ich bin ein grosser Sünder / und beichtet alle seine Sünde mit grosser Reu. Da erkant ihn der Pabst nicht / und sprach zorniglich zu ihm: Gehe aus meinen Augen. Du hast bößlich an der Frauen gethan / und ist doch [162] alles deine Schuld. Das war ihm gar leid / und gedacht ihm: Ich wil an Gott nicht verzweiffeln. Vnd ging wieder in den Wald in seine Zelle / und nahm ihn eine Busse für / und gedacht ihm: Gottes Barmhertzigkeit ist grösser denn meine Sünde. Vnd sprach: Herr / empfahe die Busse gnädiglich von mir auff. Denn ich will auff Händen und Füssen gehen / biß ich deine Gnad erwerde / und wenn ich meine Sünde gebüsset habe / so laß mich das innen werden von deinen Gnaden. Vnd kroche zu Hand auff allen Vieren / als ein Thier in dem Walde / und wenn er ruhen wolt / so kroch er in seine Zelle / und kroch manches Jahr nach seiner Nahrung / daß er sich nich auffrichtet / und sein Gewand verfaulet schier von ihm / und ward rauch überall an seinem Leibe / daß ihn niemand erkennen mochte. Da er nun funffzehen Jahr in dem Walde gewesen war / da gewann die Käyserin ein Kind / der der Wind eine Tochter hingeführet hatte / und da man dasselbige Kind täuffen wolte / da sande der Keyser nach dem Pabst / und nach vielen Bischoffen / und da der Pabst und die Bischoffe und ein groß Gesinde darkam / und das Kind tauffen wolte / da nahm der Pabst das Kind auff die Hand / da sprach das Kind: Ich wil von dir nicht getaufft werden. Da sprach der Pabst: Thue mir kunt deinen Willen / ob ich dich tauffen soll??? Da sprach das Kind a [163] ber: Ich will von dir nicht getaufft werden. Da erschrack der Pabst gar sehr / und sprach: Höret alle / das Kind verspricht sich selber. Was bedeuten diese Ding? Vnd sprach zu den dritten mahl: Kind / wiltu die Tauffe von mir empfahen? Da sprach es aber: Ich will von dir nicht getaufft werden. Ich will von S. Johannes dem heiligen Manne getaufft werden / Gott wird ihm schier aus dem Elende hersenden. Da gab der Pabst der Ammen das Kind wieder / und kam wieder heim zu der Frauen / und fraget: Wer der Johannes were / der das Kind tauffen solte? Da wuste niemand nichts von. Da hieß der Käyser die Jäger zu Walde reiten / daß sie ihm Wild zu dem Täuffen und zu dem Hofe fiengen. Vnd da der Jäger fast eine Meile reit / da höret er die Hunde fast bellen / da reit er zu ihnen / da sahe er ein greuliches Their für ihnen / das kant er nicht. Da gedacht er ihm: Nun bistu also greulich gestalt / daß ich dich nicht darff bestahn du möchtest mich leicht gerreissen; Ich will ehe lehr heimfahren Darnach gedacht er ihm: Komm ich zu meinen Herren leer heim / so wird er gar zornig. Vnd nahm GOtt zu einen Helffer / und bestund das Their allein / das lag für ihm still / da warff er den Mandel über ihn / und band ihm alle vierzusammen / und war gar froh / da das Their also zahm war / und nahm seinen Gürtel und band [164] es hinden auff das Pferd / und führet es seinem Herrn auff die Burg. Da kamen viel Leute dar / und wolten das wunderliche greuliche Their sehen / da kroch es unter die Banck / da kam des Käysers Amme auch dar mit dem kleinen Kindlein / und sprach: Zeiget mir das Their; Vnd waren auch viel Ritter und Frauen da / die wolten es sehen. Das kam einer mit einer Stangen / und stieß es für die Banck / da lieff es wieder hinunter. Da stieß ers aber herfür / da lieff es aber wieder hinunter. Da stieß ers zum dritten mahl herfür / da stund es stille. Da sprach das neugeborne Kindlein: Johannes mein Herr / ich soll die Tauffe von dir empfahen. Da sprach er: Ist es Gottes Wille / und sind deine Worte war / so sprich es noch einsten. Da sprach aber das Kind: Mein lieber Herr / was bittestu? Ich will von dir getauffet werden. Da ruffte S. Johannes unsern Herrn mit Andacht an / und sprach: HErr / thue mir aus des Kindes Mund kunt / ob ich meine Sünde gebüsset habe? Da sprach das Kind: Johanges / du solt froh seyn / denn Gott hat dir deine Sünde vergeben Darumb stehe auff / und tauffe mich in den Nahmen GOttes. Da stund er auff von der Erden / und zu Hand siel das Kraut und der Moß von ihm / daß an seinen Leibe gewachsen war / und ward sein Leib also schön / als einem jungen Kinde. Da brachte man ihm [165] Kleider / die legte S. Johannes an. Da empfingen ihn der Pabst und die Herren alle. Vnd taufft das Kind mit grosser Andacht. Darnach bat ihn der Pabst / daß er zu ihm nieder sässe. Da sprach S. Johannes: Lieber Vater kennestu mich nicht? Da sprach der Pabst: Nein. Da sprach S. Johannes: Ich bin dein Dodt / den du täuffest / und liessest mich zur Schule gehen / und gabest mir viel Pfründen / und weihetest mich gar jung zum Priester. Vnd da Ich meine erste Messe sang / da gedachte ich mir: Es were nicht zimlich / daß ich GOtt handeln solt in meinen Kindlichen Händen. Vnd da ich die Messe gesungen hatte / und gessen hatte / da ging ich in den Wald / darinne hab ich viel ungemaches erlitten. Vnd saget ihm alle Dinge / die ihm geschehen waren / und wie es ihm mit der Jungfrauen ergangen war / als er ihm vorgebeichtet hatte. Da das der Käyser höret / da ward ihm sein Hertz schwer / und gedacht ihm: Es ist vielleicht meine Tochter gewesen. Vnd sprach: Möcht mich jemand zu dem Stein weisen / da die Frau ihr Leben verlohr / daß wir doch ihre Gebeine finden / und es zu der Erden bestetigten. Da sprach S. Johannes: Könte der Jäger an die stätte kommen / da er mich fand / so wolt ich ihm den Stein wol weisen. Da sprach der Jäger: Ja wohl. Da ritten sie mit einander in den Wald / und reit S. Johannes zuförderst / [166] biß zu dem Stein / da sahen sie alle mit ihren Augen die Frau lebendig / und wohl gesund. Da sprach er zu ihr: Warumb sitzestu hier allein in dem Stein? Da sprach sie: Kennet ihr mich nicht? Da sprach er. Nein. Da sprach sie: Ich bin die Frau / die zu deiner Zelle kam / und die du von dem Steine stiessest. Da sprach er: Wer halff dir / daß du noch lebest? Da sprach sie: da behütet mich Gott von seiner Güte / daß mir kein Leid geschah. Vnd war die Frau also schöne / als sie vor war / und ihre Kleider auch. Daß wundert ihn sehr / und hieß sie mit ihm gehen / und führet sie zu ihrem Vater und zu ihrer Mutter / denen war sie wolbekant / und empfingen sie frölich / und dacketen Gott / daß sie ihre Tochter funden hatten. Da fraget der Käyser die Tochter: Weß sie gelebet hatte? Da sprach sie: Es ist GOTT kein Ding unmöglich zu thun. Mir thät weder der Wind / Regen / Schnee / Hitze noch Frost / noch Durst / auch hungert mich nicht. Ich sage euch nicht mehr. Nach dem da reit der Pabst wieder heim / und sprach zu ihm: Lieber Dodt / ich will deinem Vater und deiner Mutter entbieten / daß du wohl gesund kommen seyest. Vnd sandte seine Diener zu ihnen; Ich sage euch liebe Mähre / daß euer Sohn Johannes wohl gesund kommen ist. Da wurden sie gar froh / und giengen zu ihm / und empfingen ihn mit grossen Freuden. Da sprach der Pabst dar [167] nach zu ihm: Lieber Dodt / wie viel hastu Meß gehalten: Da sprach er: Nur eine. Da sprach der Pabst: O Weh der armen Seele / die also lange grosse Pein leidet! Da sprach er: Vater / was meinestu mit der Rede: Da sagte ihm der Pabst / wie jämmerlichen er die Seele in dem Wald hörete schreyen / und wie sie gesprochen hette: Es ist eine Frau heint eines Kindes schwanger worden / das soll Johannes heissen / und wenn das Kind sechzehen Messen singet / so werde ich arme Seele erlediget von der Pein. Deß tröstet ich mich / lieber Dodt / das mir Gott hette kunt gethan. Darumb so zog ich dich alsbald auff die Priesterschafft / daß der armen Seele geholffen wurde. Darumb so komm ihr noch zu Hülffe. Da sprach er: Vater / ich will thun / was du wilt. Da sprach er: Du solt alle Tage Messe sprechen / biß daß ihr sechzehen werden / so wird der Seele geholffen. Das thät er mit Ernst. Da ward sie von aller ihrer Pein erlöset. Darnach machte ihn der Pabst zu einem Bischoff / und sande ihn auff seyn Bistthumb. Da war er demüthig / und dienet GOtt mit Fleiß / und prediget also susse Wort / daß man ihn Johannes hieß mit dem güldenen Munde. Darnach ward er von seinem Bistthumb vertrieben / und kam in eine wilde Wüsteney / da schreib er viel von GOtt / und wenn ihm die Dinten zerran / so schreib er aus seinem Munde / so wurden es ei [168] tel güldene Buchstaben. Darumb heist man ihn Johannes mit dem güldenen Munde. Vnd da ihn Gott von dieser Welt wolt nehmen / da ward er siech / und starb seliglichen. Nun bitten wir den lieben heiligen daß er uns erwerbe das ewige Leben / Amen. 1. Ist ein lauter Mährlein und Pabstisches Gedicht / und sich zu verwundern / daß man viel Leute / nicht nur gemeine / sondern auch vornehme Standis-Personen solche ungegründete erdichtete Dinge zu glauben überreden kan. 2. Lernet hieraus der Papisten Art / wie man mit den Leuten verfährat. Es ist wol wahr / wie jener schreibet: Wenn es länger wehren sollen und D. Luther den Leuten nicht die Augen geöfnet und das Liecht geputzet / so hetten die Päbstischen Lehrer es noch dahin bracht / daß man aufihr begehren hette. Heu und Stroh gessen.

60.
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Ein Kauffmann muß dem Mahler auch die gemahlte Narren-Kappen mit bezahlen. ES ließ sich ein Kauffman zu Antorff von einem Mahler abcontrofeynen / mit diesem Beding: Daß in fall das Bildnüß ihme nicht gleich / er nicht schuldig seyn solle / dasselbe umb gemachten Preiß [169] der 12. Reichsthaler / zu behalten. Als nun der Mahler das Bildnüß künstlich und wol gemacht / und den Kauffman deß Gelts zu viel taugte; Sprach er zu dem Mahler: Guter Freund: das Bild mag ich nicht haben / weil es nicht kentlich; Was geschicht? Der Mahler nimbt sein Gemähl ohne wiedersprechen zurück / mahlet dem Kauffmann eine Narren-Kappen auff den Kopff / und setzte dasselbe unter andern Bilder auff den Boden / und als jederman deß Kauffmans Bildnüß erkennete / wird der Kauffman genötiget zuvermeydung ferners Schimpfs / nicht allein sein Controfey umb bedingtes Geld / sondern auch die Narren-Kappen absonderlich zu bezahlrn. 1. Es gibt arglistige Leuthe unter den Mahlern. 2. So gehet es her in der Welt / offt wil man an etwas gar zu wol thun / und muß es doch zu anderer Zeit theuerer bezahlen. 61. Polter-Geistei so D. M. L. geplaget haben zu Wartenburg in seinem Pathmo. ANno 1546. als D. L. zu Eißleben war / erzehlete er diese folgende Historien: Wie ihn der Teuffel zu Warten [170] burg geplaget hatte / und sprach: Als ich Anno 1521. von Worms abreisete / und bey Eisenach gefangen ward / und auff den Schloß Wartenburg in Pathmo saß / da war ich fern von Leuten in einer Stuben / und konte niemads zu mir kommen / denn zween Edle Knaben / so mir des Tages zweymahls Essen und Trincken brachten. Nun hatten sie mir einen Sack voll Haselnüsse gekaufft / die ich zu Zeiten aß / und hatte denselbigen in einem Kasten verschlossen. Als ich des Nachts zu Vette gieng / zog mich in der Stuben aus / thet das Licht auch aus / und gieng in die Kammer / legte mich ins Bette / da kömpt mirs über die Haselnüß / hebet an / und gnitzet eine nach der andern an die Balcken mächtig hart / rumpelt mir am Bette / aber ich fraget nichts darnach. Wie ich nun ein wenig einschlieff / da hebets an der Treppen ein solch gepolter an / als würffe man Fesser die Treppen hinab / so ich doch wol wuste / daß die Treppe mit Ketten und Eisen wol verwahret / daß niemandts hinauff konte / noch fielen so viel Fasse hinunter / ich stehe auff / gehe auff die Treppe / wil sehen was da sey / da [171] war die Treppe zu / da sprach ich: Bistu es / so sey es / und befahl mich dem HErrn Christo / von dem gesehrieben stehet: Omnia subjecisti pedibus ejus, wie der 8. Psalm saget / und legte mich wieder nieder ins Bette. Nun kam Hans von Berlichs Frau gen Eisenach / und hat gemerckt / daß ich auff dem Schloß were / hette mich gerne gesehen / es konte aber nicht seyn. Da brachten sie mich in ein ander Gemach / und hatten dieselbe Fran von Berlichs in meine vorige Kammer geleget / da hats die Nacht über ein solch Gerümpel in der Kammee gehabt / daß sie gemeinet hette / es weren 1000. Teuffel drinnen. Aber das ist die beste Kunst / ihn zu vertreiben / wenn man Christum anrufft / und den Teuffel veracht / das kan er nicht leiden. Mann muß zu ihm sagen: Vistu ein Herr über Christum / so sey es / den̅ also sagte ich auch zu Eisenach. 1. Der Teuffel pfleget die Leute durch sein Geplerr zu schrecken un̅ ihnen offt Angst und bange zu machen / aber durch fleißiges Gebet kan man ihn überwinden / derowegen
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2. So rüste sich nur ein jedweder mit solchem und halte sich mit wahren Glauben an Christum / so wird er schon müssen weichen und ihn zu frieden lassen. 62. Gefecht des Königes in Schweden und General Tilli einem Spiel vorgestellet. IM Jahr 1631. haben die Catholische Geistliche zu Hildesheim ein Spiel gehalten / darin sie den König aus Schweden / und General von Tilli / auff Pferden reitende / also einführten / daß dieser mit jenem kämpffen und ihn überwinden solte. Es hat sich aber das Wiederspiel begeben. Dann als der Tilly den König / daß er also auff den Teutschen Boden kommen / hart zur Rede gesetzt hatte / und darauff zur Wehr greiffen / und mit ihme schlagen wollen / sey jener ihme zu geschwind gewesen / und hab ihn mit der Piskol ins Gesicht geschossen / daß er übers Pferd hinab gefallen / darüber ein grosser Tumult entstanden / also / daß das Freuden-Spiel / schier in ein Trauer-Spiel verwandelt worden were / und hatten verständige Leute / es für ein sonderliche Bedeutung künfftiger unglücklicher verrichtungen / des Grafen Tilly / wieder den König in Schweden gehalten: 1. GOtt pflegt vielmals eine Sache anders zu richten / als wir Menschen es uns ha [173] ben vorgenommen. Denn seine Gedancken sind nicht unsere Gedancken / und seine Wege sind nicht unsere Wege. 2. Offimals wird etwas in Schertz vorgenommen / und hernach in Ernst erfüllet / wie wir aus diesem Comädien Streit zu erlernen haben. 63. Zwey getreue Freunde. NIcolaus wohnete in Portugall / Francißcus in Franckreich / diese beyde handelten viel Jahr mit einander / und hatten einer den andern nicht gesehen / durch Brieffe machten sie so feste Vertraulichkeit als Brüder: Francißcus wolte sich in ehelichen Stand begeben / un̅ verlobte sich an eine schöne Dame / in dem diese beyde in solcher Liebe lebten / nam ihm Niclaus vor / seinen Freund den Francißcum heimzusuchen / kam derowegen in Franckreich / gab sich kunt / daß er Niclaus aus Portugall were / deß sich Francißcus auffs höchste erfreuete / und ihm / so viel möglich / zu gute that. Ricolaus sahe einsmals deß Francißci Liebste über Essens recht an / sprach des andern Tages zu Franeißco: Mein Hertzen-Freund / ich muß was klagen / wegen unser langgepflogenen Vertrauligkeit / scheue ichs nicht zu offenbahren. Was ists sagte Francißcus? Mein Freund / sagte Niclaus / ich bin über die massen in deine Liebste verliebet / daucht mich [174] auch / so ich sie nicht bekomme / ich müste sterben. Francißcus sagte: So lieb hab ich dich / so sie ihren Willen drein geben will / meinen folstu haben. Francißcus erzehlte seiner Liebsten des Nicolai Anliegen / sie gab zur Antwort: So ihr (Francißcus) euren Willen drein geben könnet / meinen soll er denn auch haben. Also bekam Nicolaus die Liebste / und zog mit ihr gen Portugall. Nach diesem hatte Francißcus weder Stern noch glück / muste fast betteln gehen / machte derowegen einen Schluß / in Portugall zu ziehen / in Meynung / bey Nicolao seinen Freunde seinen Auffenthalt zu haben. Wie er aber in Portugall kam / scheuete er sich mit so zerrissenen Kleidern zu ihm zu gehen (denn Nicolaus war in der Zeit Raht- und Richt-Herr geworden / herbergete derowegen des Nachts in einem Keller / bey eines Kauffmanns Hause / deß Tages gieng er betteln. Nun trug siehs zu / daß in demselben Hause da er nahe vor lag / einer die Nacht umbgebracht wurde / man suchte den Thäter / und grieff diesen in dem Keller an / dieser vermeynte / seinen elenden Leid dadurch abzuhelffen / und sagte / er wäre der Thäter / ward derowegen fürs Gericht geführet / da ihm sein Vrtheil gesprochen wurde / daß er morgen als ein Vbelthäter abgethan werden solte. Nun war an diesem Ort Sitte / daß die 2. Stadt-Richt-Herren den armen Sünder zwischen ihnen hinaus führen musten / wie nun den morgenden Tag der Proces geschahe / sahe Ni [175] colaus / der eine Richter / den armen Sünder unterschiedlich an / als solte er das Gesichte kennen / deßgleichen blinckete der arme Sünder zu Zeiten mit den Augen nach Nicolao dem Richter / als wolte er sagen / lieber Gott / kennestu mich denn nicht. Wie sie fast an den Ort / da die Execution geschehen solte / kamen / fragte Nicolaus / ob er nicht aus Franckreich? Antwort Ja. Ob er nicht Franciscus hieß? Antwort Ja. Halt / sagte der Richter Herr Nicolaus / dieser ist der Thäter nicht / sondern ich / ich wil sterben. Franciscus sagte: Nein dieser ist es nicht / ich bin der Thäter / ich wil sterben. Dieses wehrete so ein weile / biß endlich der rechte Thäter aus dem Haussen sprange / alle Vmbstände erzehlete / daraus zu spüren war / daß er der Thäter sein muste / dem denn auch sein Recht wiederfuhr. Nicolaus und Francißcus aber wurden für dem gantzen Rahe geführet / da sie erzehlen musten die Vrsach / warumb einer für den andern hätte sterben wollen / da denn die Shrsach offenbahret / Francisco grosse Gaben gegeben / und er wieder heim gesand wurde. 1. Vmb einen treuen Freund / wenn Er recht treu ist / ist es ein edeles Ding. Ein treuer Freund ist mit keinen Geld noch Gut zu bezahlen. Ein treuer Freund ist ein Trost des Lebens / schreibt Syrach Cap. VI. v. 15. 16. 2. Heutiges Tages wird man schwerlich sol [176] the Freunde finden / da einer dem andern nicht nur allein seine Liebste cediret / sondern auch da einer vor dem andern zu sterben williget / wie dieser Franciscus und Nicolaus gethan. 64. Geitz thut nicht gut. ES lebeten die zweene Brüder Meun und Tuum, Mein und Dein geraume Zeit friedlich neben einander / so bald sie aber der Frau Avaritiae des Geitzes zwo Töchter liebeten / und jener (Meum) den Neib: Dieser (Tuum) aber die Hoffart ehelichten / stenge̅ sie / nach der Politicorum Aussage / Krieg und Streit im Reiche an / jene / Frau Invidia der Neid / zoge seine Freundin den Zorn an sich / diese aber / Superbia, Frau Hoffart / hatte jhre Muttter den Geitz / eine Wurtzel alles Ubels / mit ihrem gesamten Hoffstabe zur Seiten / daher / hey nahen / das gantze Teutschland zu einer verheerten Stadt gemacht worden. 1. Freylich hat das Meum und Tuum in der Welt viel Streit angerichtet / und werden darüber auch die besten Freunde noch jmmer zu Feinden. 2. Es hüte sich ja ein jedweder vor Geitz / [177] Hoffart und dem Neid / wie auch vor dem Zorn / denn alle diese Dienge thun kein gut / sondern stürtzen den Menschen ins Verderben hinein. 65. Treu eines Knechtes. EIn Exempel einer sonderbahren Knechtes-Treu gegen seinem Herrn lesen wir unter andern auch in den Kirchen-Historien / so sich zugetragen zu Thessalonio. Käyser Theodosius, der ältere und erstere dieses Nahmens / hatte daselbsten / wegen eines erregten Auffruhrs und begangenen Mordts / eine starcke Execution angestellet / und befohlen / daß eine gewisse Zahl der Auffrührer über die Klinge springen und erwürgt werden solten; Nun war in solchem Hauffen auch ein Bürger begriffen / und mit den andern zur Schlachtbanck hingeführet / nicht ohne grosses Hertzeleid der Seinigen / wurde aber davon errettet auff diese weise: Als die Gefahr seines Herrens ein Knecht gesehen / eilete er hinzu / bate umb das Leben desselben / und weiln es anders nicht als durch seinen eigenen Kopff erkaufft und erhalten werde̅ möchte / gab er sich willig für seinem Herren dar / und liesse sich also der Knecht tödten / damit der Herr frey ausgehen / und das Leben behalten möcht. Diß war Frömmigkeit / diß war Treu und Redligkeit eines Knechts [178] gegen seinem Herrn / die sich auch biß ans Ende und in dem Tod herfür thate und sehen liesse. 1. Dergleichen Knechte wird man heutiges Tages wenig finden / es wehre nur zu wünschen / daß das Gesinde sonsten ihren Herren und Frauen getreu wären / wenn sie gleich vor solche sich nicht tödten liessen. 2. Christus hat gegen uns Menschen noch mehr gethan / der war ein HERR und ließ sich vor uns / die wir seine Knechte und Mägde sind / tödten und Creutzigen.

66.
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Wie ein Jüngling eines Kauffmans zu Meyland geitzige Frau bezahlet hat. ZU Meyland hat sich diese warhafftige Geschicht zugetragen. Eines armen Kauffmanns / jedoch erharn auffrichtigen Mannes Sohn / dessen gleichen an Schönheit und tapfferkeit in der gantzen Stadt kaum zu finden war / freyete umb eines fürnehmen reichen Bürgers Tochter / welche auch wunder schön / daß ihres gleichen kaum zu finden. Was geschiehet / diese ???etzternante Jungfrau beklagte nur stets des tapffern Gesellen Mangel am Gelde / daß er so arm wäre / und sprach: Ach! [179] GOtt hat ja an diesem schönen Gesellen nichts vergessen / wie stehet ihm doch alles so wol und zierlich an / auch wan̅ er doch nicht so arm were / so wolt ich leben und sterben bey ihm. Seine Tugend / Schönheit und Tapfferkeit aber vermochte diese Jungfrau in keinen wege zu gleicher Liebe zu reitzen oder zubewegen / deßwegen er auch ablassen muste / und mit Seufftzen sehen / welche grosse Liebe sie zu einem alten Kauffmann truge / der ein Witwer war / welches diesen Jungen Gesellen neues Hertzenleid und grosse Schmertze̅ bracht / daß er sehen solte; einem andern geniessen / darnach er Tag und Nacht gestrebet / und der ihm an Person garungleich wäre / und nur bloß wegen des Geldes den Vorzug vor ihm hette / vermöchte sie aber keine Stunde aus seinem Gemühte zu bringen / sondern quelet sich Tag und Nacht ihrenwegen / mit vergeblichen Gedancken / seufftzete mit Thränen zu GOtt / daß der ihme auch nicht Geld bescheret / weil ohne dasselbe weder Tugend noch Erbarkeit etwas nütze were. Was geschichet? Sein Herr / bey dem er als ein Kauffmanns Diener treulich gedienet / stir [180] bet ohne Erben / und beseheidet diesem Jüngling zweytausend Gülden / durch welches er nicht wenig erfreuet ward / fehet auch bald an vor seine Person zu handeln. Kurtz darnach / begegnet jhm seine alte Bulschafft / welche den alten Kauffmann geehliget / und sprach zu jhm: Ja mein Herr Peter / es ist keine Stunde ich dencke an Euch / wenn euch unser HErr GOtt diß bescheret hette / als ich noch eine Jungfrau / kein Mensch in der Welt hette mirs erwehten sollen euch zu nehmen. Da sprach der Jüngling: Das Gott erbarm / ist euch denn nur alles am Gelde gelegen? Wir wolten ohne das wol mit Gott und Ehren eine ehrliche Nahrung vor uns bracht haben / Ach / sprach sie: Ihr könnet wol erachten / mein Vater lesset mir alle Tage über fünfftausend Thaler / ohne andere Güter / wer waget so viel gern auff eine Person / die nichts hat / denn wer Reich ist / der bleibet gerne Reich? Osprach er / liebe Frau Sara / ihr solt es gewiß davor gehalten haben / daß ich das eure desto fleißiger wolte angewendet / und euch hertzlich geliebet haben / ja aus grosser Liebe / wolte [181] ich euch zu retten durch ein Feuer seyn gelauffen. Ach dencket ihr / sprach sie / daß mich mein Herr bey seinem grossen Gut / nicht auch hertzlich liebet? Das mag wol seyn / sprach dieser / wir aber wären fast in gleichem Alter / auch ohne beschwer der Stiff-Kinder gewesen / nun wann nur das seyn könte / ich wolte mir in der Welt keine grössere Glückseligkeit wünschen / denn daß ich einmahl von euch der Liebe geniessen solte. Sie sprach darauff / das kan geschehen / reuet euch nur Geld nicht / es kan euch wiederfahren / nach eurem begehren / nur daß jhr mir zuvor gewisse zusaget. Solches versprach er ihr bey Treu und Ehr / darauf forderte sie zwey hungert Gulden von ihm / welche sie nöthig bedurffte ohn wissen ihres Herren. Da der Jüngling dieser Frauen Geitzigkeit vernahm / ward er gleich in Traurigkeit bestürtzet / daß alle ihr Sinn und Gemüthe nur bloß nach Gelde stunde / und er hatte ohne diß zu vorn so viel auff sie gewaget / weil sie noch Jungfrau gewesen / und fast gleich einen heimlichen Groll gegen ihr / und dachte hin und her / wie er ihre Geld-Begierligkeit möchte erfüllen. Ei [182] nes Tages aber kam er wol gemuth zu ihr / und saget ihr zu / solch erfordert Geld in abwesung ihres Herren zu bringen / er hat ihn aber eine List ausgesunnen / wie er sie betriegen / und mit Geld erfüllen wolte. Als sie ihm nun wissen ließ / wie ihr Herr in 5. Tagen nach Parieß / wegen seines Handels verreissen würde / daß er alsdenn unverhindert kommen / und das Gelt mitbringen solte / sein begehren aber würde ihm mit Lust erfüllet werden / die gantze Zeit über biß ihr Herr wiederumb zu Hause kähme. Als macht sich dieser Jüngling ein Tag zuvor auff die Reise / und wartet ihres Herren in einem Städtlein Gursch genant / drey Meilweges von Meyland / und sprach ihn an / er wolt ihm doch zweyhundert Gulden vorreichen / nur auff drey Tage / biß er zurück kähme / wolt ers bald seiner Hausfrauen wieder zustellen / denn jhm allda ein guter Kauff vorkähme. Dieser aufrichtige ehrliche Mann leihet ihm bald zwey hundert Gulden / ehe aber noch dieser junge Kauffmann zu Hause kömpt / hat sie schon allbereit ihn etlichmahl suchen lassen. Als er diesen Vericht einnimmet / gehet er zu [183] ihr / und fordert seiner guten Gesellen einen mit / und spricht in beyseyn desselbigen zu ihr: Meine hertzliebe Frau Sara / es hat mir vor weniger Zeit euer Herr zweyhundert Gulden zu meinem Nutz geliehen / die wil ich euch an statt eures Herren wiederumb zustellen / thue mich auch / gegen ihm und euch gar freundlichen bedancken / zehlets damit in gegenwart seines Beystandes auff den Tisch. Die Frau nahm das Geld mit Freuden gezahlt / versiund aber seine Meynung nicht / sondern gedacht / er brauchte nur die vergeblichen Wortwegen des so bey ihm war / damit er ihren anschlag nicht mercken / oder zu bösem Verdacht Ursach gebe / und sprach: Ja sie hette ein wissen darum / sie wolte es ihrem Herren wol zustellen / so er auch was weiters bedörffte / solte es ihm unversaget seyn / und nahm das Geld vom Tische in beyseyn des andern / und trug es in ihrem Kasten mit Freuden / damit dieser / der bey ihm war / keine böse Vermutung darauff haben solte / welcher auch alsbald darnach seiner Wege gienge. Als die Frau wieder kam / und jhm allein befand / nahm sie ihn [184] mit Freuden in ihre Kammer und ward mit ihm nicht allein denselben Tag und dieselbe Nacht frölich / sondern die gantze Zeit über / so lange als ihr Herr aussen war / und lebete mit ihm nach alle seiner Lust und Hertzen Begier / in unaussprechlicher Liebe / und ließ jhm mit freundlichen Willen geniessen / alles das / was er begehrte. Als sie aber eine lange Zeit in Freuden und Lust mit einander gelebet / und funffzehen Wochen umb waren / kam ihr Herr zu Hauß / den sie gar freundlich annahm / mit Anmeldung / wie hertzlich sie nach ihm verlanget / und wie langweilich ihr die Zeit in seinem Abwesen gewesen wäre. Als aber der vorgedachte junge Kauffmann erfahren / daß er heimkommen sey / nimbt er eben denselben / der beym auszahlen gewesen / mit sich zu dem Herren / der ihm das Geld geliehen / der gleich bey seiner Frauen an der Seiten saß / und von einem gebratenen Huhn assen / und sprach: Mein Herr Daniel / die zweyhundert Gülden / welche jhr mir geliehen / hab ich euer Haußfrauen / in beyseyn dieses ehrlichen Gesellen wiedrumb zugestellet / auch eben dasselbe Geld / daß ihr mir [185] zugezehlet / denn einander war mir in Kauff gefallen / daß ichs nicht anlegen kunte / der Herr wandte sich zu seiner Frauen / und sprach: Habt ihrs empfangen / wie daß ihr mir denn nichts gesaget? Sie erschrack über allemassen / ward Feuerroth / und sprach mit heller Stimme: Ich hab es vergessen / muste doch Schande halben gehen und es herab holen. Da ward ihre Hoffnung und Gedancken gar verwandelt / und gieng dieser also unangesprochen darvon / und gab die Frau ihrem Ehemanne den bösen unerbarn Gewinn ihrer Unzucht / und muste sich damit zahlen lassen / und hat also der listige gescheide Liebhaber die geitzige unzüchtige Frau zu seinem Willen gebracht / und hat das umb Geldes wegen genossen / darzu er ohne Geld sein lebenlang nicht kom̅en wäre / jhrer Liebe würde er auch ohne desselben nicht theilhafftig worden seyn / aber umb Geld bekömpt er ihren Leib / nach seinem begehren. 1. Hier kan man die Vntreu und Geldbegierigkeit etlicher Weiber erlernen / und zugleich auch an dem Jüngling / wie die Kinder dieser Welt listig seyn. 2. Vntreu schlägt gar offt seinen eigenen Her [186] ren und Frau / wie man an dieser untreune Kauffmans Frauen zu ersehen hat. 67. Von Polycarpi des alten Kirchen-Lehrers Tode. ALs Polycarpus der alte Kirchen-Lehrer solte verbrandt werden / und allbereit der Holtzhauffen angezündet war / wie Eusebius im 4 Buch am 15. Cap. hiervon schreibet / da stehet der alte grauhäuptige Mann von 90. Jahren in den Feuerflammen mit seinen Händen gen Himmel erhaben / und thut mit heller Stimme sein Bekäntniß von unserm HErrn JEsu Christo / lobet und dancket GOtt / daß er würdig geachtet und erfunden werden / den Todt zu leiden umb der Bekäntnüß Christi willen / die Flammen aber des Feuers breiten sich aus wie ein Schiff-Segel / darein bleset der Wind / und webet sie von des heiligen Mannes Leib hinweg / daß sie ihn nicht beschädigen noch brennen müssen / sondern unverletzt lassen / wie die drey Männer / Sadrach / Mesach / und Abednego / im glüenden Ofen zn Babel unversehret erhalten wurden / Daniel. 3. Der Hencker aber und andere stehen da und verstarren gleich / als sie das Wunderwerck sehen. Der Tyrann befiehlt dem Hencker / er solle Polycarpum im Feuer erstechen. Da solches geschicht / fleust das Blut so häuffig von ihm / daß das Feuer davon auslischt.
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1. GOtt weiß die jenigen / so umb seines Nahmens willen leiden / nicht allein behertzt zu machen / sondern auch zu schützen / wie wir an Polycarpo dem Märtyrer erlernen. 1. Auch zu der Zeit kan Gott Wunder thun / wenn Er die Seinen durch den Märtyrer Todt zu sich rufft. Denn war das nicht ein Wunder / daß das Blut / welches aus Polycarpi Leibe floß / ein so grosses Feuer auslöschete? 68. Artus König in Britannien hat Lust zum Ritterspielen. IN den Historien lieset man / daß umb das Jahr Christi 470. in Britannien regieret habe König Artus, der zu allerley Ritterspielen Lust gehabt / und ein treffliches darauff spendiret habe / sey auch so ein tapfferer Held gewesen / daß er in einem Streit mit Sachsen und Schotten / durch seine eigene Faust vierhundert und sechzig der Feinde erlegt. Derowegen auch fast alle Könige und Fürsten in gantz Occident ihre Kinder und Adel / an seinem Hoff geschickt / männliche und rittermäßige Thaten daselbsten zu sehen und zu lernen. Vnd wer die seinen an dieses Königes Hoff hat bringen können / der hat es für ein groß Glück und sonderbahre Ehre geachtet.
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1. GOTT gibt manchem Glück und Sieg. Wol dem der ihn nur vertrauet 2. Helden sol man hochhalten und nicht verachten / denn der Helden Muht kömpt von Gott her.

69.
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Von Amadei Hertzogs aus Subaudia Jag???ehunden. ALs Amadeus Hertzog aus Subaudia einsnals von etlich Fürstlichen Abgesanden gefraget worden: Ob Er auch gute Jagt Hund hette? Ja freylich / antworttete Er / die sind viel köstlicher den Eure. Da nun die Herren solche begehreten zuschen / hieß er sie morgen wiederkommen. Vnterdessen samlete er einen grossen hauffen arme Leute / dieselben stellete Er ihnen für und sprach: Das sind meine Jagd-Hunde / (nicht / daß GOttes Ebenbild an den Menschen dadurch verschändet wurde / sondern vielmehr anzudeuten / es were bey weiten besser / der lieben Armuth nothdürfftige Gaben zu-als mit dem Hertzen von ihnen ab- und bey den nichts werthen Jagd Hunden übermäßig anzuwenden / wie es die folgenden Wort mit sich bringen) die sind mir tausendmal lieber als Euch alle euere Hunde / auff die Ihr so viel waget / Ich hoffe viel besser Wildpret durch sie zu erjagen / denn ihr elenden Leute.
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1. An diesem Amadeo sollen sich alle grosse Potentaten bespiegeln / und nicht mehr auff Hunde und ander Viehe / als auff Menschen / halten. 2. Sie sollen sich auch nicht allzusehr in den Jagen vertieffen. Denn Jagen ist zwar zulässig / und Fürsten und Herren als eine Lust zugönnen. Aber der Mißbrauch muß abgeschaffet werden. 70. Von dem bösen Weibe Xantippe. DEr weltweise Heid / Socrates, hatte ein exemplarisch böses Weib / an der Xantippe über welches sich Jederman beschwerete; aber er im geringsten nicht: wie aus diesem wenigen Händeln zu vernehmen. Es hatte Socrates den fürtrefflichen Alcibiadem zu Gast: Xantippe aber wurden darüber läunisch / und risse das Tischtuch / und alle Speise her ab: Deßwegen sagte Alcibiades zu dem Socrate: Ach mein Socrates! wie kanst du doch solche Boßheit erdulten? Socrates antwortete: Ach mein Alcibiades? Wie kanst du doch deiner Hännen alles zu gut halten; die dir gleichwol offt über den Tisch ???eucht / Gläser zerbricht / und alles verderbet? Alcibiade??? [190] sagte: Warumb das nicht: denn sie legt mir Eyer. Socrates sagte hinwi???derumb: Legt dir deine Henne Eyer; ey wolan! so bringt mir meine Xantippe Kinder / die höher zu achten sind / denn alle Eyer. Xantippe fuhr mit ungestimmen Murmeln fort; daß Alcibiades darüber zum Socrate sagte: Wie kanst du doch solches murmeln vertragen? Socrates antwortete: Must du doch das knarren an dem Brummen-Rad / für deiner Thür vertragen. Mein Weib ist mir eine gute Schul / die mich / zu Hause / dermassen in der Gedult und Sanff???muth übet; Daß ich hernach draussen desto glimpfflicher bin / mit andern Leuten zu handeln. Xantippe wolte einsten nicht auffhören / ihren Ehe-Herrn / in dem Hause / zu schelten / zu nagen und zu plagen / daß er endlich bewogen wurde / heraus zu gehen / und sich auff einen Stein / für der Thür / zu setzen. Solches mißfiel der Xantippe auch / und goß die Kammer-Scherben auff dem Socratem hinaus. Socrates entrüstete sich darüber gantz nichts; sondern sagte nur: Ich habe mir es wol eingebildet / daß / nach solchem Donnern und Plitzen / ein Platzregen kommen würde. Auff eine andere Zeit / riß die Xantippe ihrem Herren / dem Socrati, auff der öffentlichen Gassen / seinen Rock von dem Leib. Die Zuseher sagten zu dem Socrate; Warumb schlägst du doch dieses dein heilloses Weib nicht? Socrates antwortete: Ja freylich! Ihr habt gut sagen / vom schlagen. [191] Ich schlüge sie einmal; so schlüge sie mich zweymal dargegen: und ihr würdet uns beede darüber spöttlich außlachen; Ich aber würde meine Xantippen damit nicht besser / sondern nur ärger machen. 1. Wenn GOTT einen Mann mit einem bosen Weibe straffet / ist die Gedult das allerbeste Mittel dafür / wenn solche nur in aller Männer Gärten wachsen wolte. 2. Socrates hat besser gethan / daß er seiner Frauen nachgeben / als daß Er sich und sie denen Leuten zum Spot gesetzet durch Rauffen und Schlagen. 71. Wie ein sterbender Pfarrer seine Frau getröstet / und wie sie GOTT nach seinem Tode gesegnet hat. ZV Lübeck war ein armer Diaconus oder Capellan / in grosser Dürfftigkeit und Armuth / also / daß / als er gestorben / er dem Weibe mehr nichts verlassen / als Libros ac Liberos, Bücher und Kinder: (welche auch gemeiniglich frommer Geistlichen beste und liebste Schätze sind /) und nicht so viel verhanden war / daß er davon ehrlich zur Erden hette ge [192] bracht und bestattet werden können: Es hatte sich aber begeben / daß derselbe kurtz vor seinem Absterben das Weib / als es für dem Bette gestanden und bitterlich geweinet / getröstet und gesagt hatte: Mein liebes Weib / gib dich zu Frieden / sorge nicht für deine Kinder / Gott hat einem jeden tausend Gülden beygeleget: Sie haben an Gott einen reichen Pfleger und sind wol versorgt: Diese Wort verstunde niemand / sondern wurden geachtet / als ob sie der Mann aus Schwachheit deß Haupts / und als ein Sterbender aus Abwitz geredet. Was geschicht aber? Nach beschickter Leiche / schiessen etliche fromme Leut- und Priester-Freunde zusammen / und verehren der armen Mutter und jhren Kindern eine milde Almosen / davon sie ein weiß Krämlein anfänget / handelt auffrichtig und ehrlich / betet mit den Kindern fleissig / und helt sie zu Gottes-Furcht und allen Christlichen Tugenden: Kriegt einen Zuschlag von guten Leuten / daß ihr jederman gerne abkäufft / und in wenig Jahren so viel mit GOtt und guten Gewissen / wuchert und gewinnet / daß sie ihre Wäyßlein ehrlich fortbringet / und ihnen noch ein reichliches einsamlet und zu rück leget. 1. Gott verläst die Seinen nicht / sondern weiß sie wol zuernehren / wol dem nur / der Ihm vertrauet und ehrlich und auffrichtig handelt.
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2. Sterbende Leute reden offtmals nicht vergebliche blosse Worte / sondern / ihre Reden treffen vielmals gar genau zu. 72. Von dem Adelichen Geschlecht der Löser / wo es herkommen. ANno 1294. ist ein Fürst von Sachsen von seinem Feinde gefangen worden / und hat ohne schwere Rantion nicht können gelöset werden / da hat einer von Rehfelt / mit Nahmen Magnus, ein kecker und muhdiger Held / mit etlichen so ihme treulich beygestanden / seinen Herrn mit gewapneter Hand aus der Gewalt seines Feindes / ohne einigen Entgeld / erlediget / welches der löbliche Fürst / als eine sondere Treu und Wolthat / also vergolten / daß er ihme den Nahmen Löser gegeben / dieweil er mit seinem Helden-Muth und Tapfferkeit Ihn von seinem Feinde erlöset / auch das Erb-Marschallen Ambt zu Sachsen / sampt der Graffschafft Pretsch / wie es damals gewesen / verliehen / und damit begnadet. Es hat sich auch dieser Magnus, und seine Nachkommen lange zeit geschrieben die Löser von Rehfeldt / welches hernach / nunmehr über hundert Jahr verblieben / und diß Geschlecht allein den Nahmen Löser behalten / und gebraucht hat / und sind heutiges Tages noch / von der Linien deß [194] Magni Bruder die von Rehfeld / in Schlesien / wie sie sich denn auch gleiches Wapens gebrauchen. 1. Es kömpt Vasallen und treuen Dienern zu / daß sie bey ihren Herren und Obern Leib und Leben auffsetzen und wagen. 2. Herren hingegen sollen die Treue ihrer Diener nicht unvergolten lassen. 73. Aripertus gehet in Bauer-Kleidern herumb und forschet / was die Leute von jhm und seinen Richtern halten. ARipertus der Longobarder König / dieweil er wuste / daß man bey Hoff selten die Warheit hörete / entweder wegen der Fürsten zärtlicher Ohren / die lieber Liebkosende / als warhaffte Sachen hören; oder wegen der Vnterthanen Vnart selbsten / welche lieber mit deß Fürsten Glück / als mit dem Fürsten selber reden: Deßwegen hat er gemeine Kleider angelegt / und ist in solchen bey der Nacht / in den Städten herumb gangen / hat nach geforschet / was die Leute so wol von ihme / als seinen Richtern / hielten und klagten. 1. Es ist zu loben an diesem König / daß Er selbsten erkuntschaffet / wie es in seinem Lande zugehet. Denn Könige / Fürsten und Herren sollen ein Auge auff ihre Vn [195] terthanen haben / und darauff bedacht seyn / daß es in ihren Ländern möge recht zugehen. 2. Ein grosser Herr darff sich nicht schämen gering und zu schlechten Leuten zu halten / wenn Er dardurch in seinem Lande und Gebiet Nutzen schaffen kan. 74. Ein Pfarrer bittet einen Schultzen zu Gaste. EIn Pastor hatte den Schultzen zu Gaste gebeten / sagte derwegen zu der Köchin / sie solle ein paar Hüner braten / die Köchin hatte den Knecht zum Bräutigam / der muste die Braten wenden / dieser ???unckete zu Zeiten in das abgedruppete Fett / das schmeckete ihm so wohl / daß er nolens volens endlich bewogen ward / die Hüner anzugreiffen. Die Magd wolte den Bräutigam gern bey Ehren erhalten / erdachte alsobald einen Ranck. Der Schultz kam an / die Köchin hieß ihn Willkommen und sagte: Mein lieber Schultze / mich jammert euer. Wie das? fragte er / sie sprach: Ich habe gehöret / ihr habet unserm Herrn einsten was zu wieder gethan / als hat er sich fürgenommen / nach dem ihr wol gegessen und getruncken / wil er euch beyde Ohren abschneiden. Der Schultze sagte: So mag er sein Gastgebot allein behalten / und gieng zum Hause aus. [196] In dem dieser weggieng / lieff die Köchin zur Stuben hinein / rieff den Herren / und sagte / wie der Schultze in die Küche gekommen / beyde Hüner von Spieß genommen / und zum Hause ausgangen / der Pastor lieff zu der Haus-Thür / rieff dem Schultzen nach / und sagte: Nur eins / nur eins (scilicet solte er wieder geben) der Schultze aber sprach: Nein / ich wil sie beyde behalten / (meynete seine Ohren) und gieng nach Hauß. 1. Hieraus können wir erlernen die Listigkeit der Weiber / welche bald etwas aussinnen / und zugleich auch 2. Was die Liebe verursachet. Hette diese Köchin ihren Bräutigam nicht lieb gehabt / sie würde diesen Fund nicht erdacht haben. 75. Klägliche Geschicht von den 5. Söhnen PythI. HErodotus schreibet / daß ein reicher Fund-grüber / Phythius mit Nahmen / fünff Söhne gehabt. Als nun Xerxes dieselben / in seinem Heerzug / wieder Griechenland mit sich nehmen wolte / bat er nur umb den jüngsten / daß er zu Haus verbleiben möchte / aber der König erzürnet sich so hefftig darüber / ließ solchen alsobalden in stücken zerhauen / und zu beyden Seiten aufhängen / daß alles Kriegs- [197] Volck zwischen den Stücken durchziehen muste / zur forchtsamen Abscheu den andern Soldaten. Weil er aber mit seiner grossen Armada vor Themistocle ufn Meer geschlagen wurde / und mit wenigen nacher Haus anlangende / bemelte Pythii Söhne auch mit in der Schlacht umbkommen waren / verschloß sich der Vater / sambt seinem Weib / lebendig in ein gewölbtes Grab / liessen sich alle beyde in solchem speisen / und starben darinnen vor Leid / wie Calius Rhodoginus meldet. 1. An Xerxe haben wir ein Exempel eines Tyrannischen Mannes / weil er stracks den Sohn / der ihm nur verwegert worden / ließ in Stücken hauen. 2. An Pythio aber und seiner Frauen haben wir ein Exempel grosser Liebe / so Eltern gegen ihre Kinder tragen. 76. Christen treiben mit ihrem Gebet die Türcken von einer Belägerung ab. DA man zehlet 1480. hat der Türcke die gewaltige Insul Rhodis belägert / und der massen bedrengete / daß von Menschlicher Hülffe keine Rettung vorhanden gewest / denn die Türcken nicht allein aus grossen Stücken schossen / sondern auch aus Mörscheln viel grosser Stein geworffen / daß davon die [198] Insul oben in der Lufft gleich bedeckt / und etwas finster oder dunckel ward. Da nun alle Menschliche Hülffe ausgewesen / findet sich das arme verlassene Land- und Stadt-Volck zu hauffe / und gehet die betrübte Burgerschafft durch die Gassen der Stadt / ruffet und schreyet: O du getrener GOtt / der du Himmel und Erden aus nichts gemacht / und allezeit die Stoltzen gedamüthiget / und dein Volck mit dem Schutz deiner Engel versehen hast / stehe auft und hilff uns durch JEsum Christum / deinen einigen Sohn / erlöse uns von diesem Feinden des Creutzes Christi / gedencke nicht unserer Sünde / sondern deiner Barmhertzigkeit / auff daß die Vngläubigen nicht sprechen / dein Sohn JEsus Christus unser Heyland sey kein GOtt. Auff solches schreyen und Seufftzen / Heulen und Weheklagen / habe sich plötzlich die Hülffe vom Himmel erzeiget / daß die Feinde in ein Schrecken gejagt worden / und die Belägerung plötzlich verlassen haben. Solche Macht hat der Christen Gebet / wenn es mit Ernst geschicht / und Gott mit hertzlicher Andacht dadurch ersuchet wird. 1. Darumb lasset uns nach der Vermahnung des Apostels beten ohne unterlaß / und sonderlich in Nöthen zu Gott ruffen / so wird Er uns erhören. 2. Wenn Menschen Hülffe aus ist / so gehet Gottes Hülffe an. Aber Gott wil umb seine Hülff ersuchet seyn.
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77.
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Einer hat drey gute Freunde / worunter der beste / den er vor dem geringsten achtet. WIr lesen beym alten Kirchen Lehrer Damascen???, es sey ein Mensch gewesen / der drey gute Freunde gehabt / von denen er zweene überaus sehr geliebet / den dritten aber wenig geachtet. Auff eine Zeit begiebt es sich / daß derselbe Mensch in Leibes und Lebens, Gefahr kömbt / da gehet er hin zum ersten Freund / und bittet ihn / er wolle Ihm doch zu Hülffe kommen / der Freund entschuldiget sich / wirfft ihm ein Kleid zu / und läst ihn darin vor Gericht wandern / als er zum andern kömmet / erlanget er nicht mehr Trost / als daß derselbe ihn eine weile zum Richterstuel begleitet / und wieder davon gehet. Der dritte Freund aber / wird nicht allein sein Gleitsmann / sondern nimbt sich auch seiner Sachen gantz getreulich an / redet ihm vor Gericht das Wort / daß alles wider gut wird. 1. In der Noht erkennet man Freunde und ist ein treuer Freund nicht mit Golde zubezahlen. 2. Christus ist unser treuer und bester Freund / der gehet mit uns vor Gericht und vertrit und verbitt uns bey seinem himmlischen Vater.
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78. Der Teuffel läst eine Wir thin beschlagen. ZV Schwartzenstein / eine halbe Meile von Rastenburg in Preussen / seyn zwey grosse Huffeysen in der Kirchen aufgehängt / und ist die gemeine Sage / daß eine Bierwirthin allda gewesen / so das Bier gar übel den Luten zugemessen / die hab der Teuffel des Nachts für die Schmitten geritten / und den Schmied mit ungestümm auffgeweckt / ihm sein Pferd zu beschlagen: Die Krügerin oder Wirthin aber den Schmid / als ihren Gevattern / gebeten / nicht so geschwinde mit ihr fortzufahren / welche der Schmied für ein Pferd angesehen / und deß erschrocken / und lang gezittert / denn er die Stimme erkant; unter deß habe der Lahn gekrehet / da sey der Teuffel verschwunden / die Krügerin aber seye hernach lang kranck gelegen. Solte aber der Teuffel jetzund alle Bierschenckerin / so da übel das Bier messen / beschlagen lassen / würde das Eysen gar theuer werden. 1. Jederman hüte sich für unrechten Maaß / Ell / Scheffel und Gewicht / denn es bleibet von Gott nicht ungestrafft / läst er es nicht durch den Teuffel auff solche masse straffen / wie dieser Wirthin geschehen / so geschicht es doch auff andere weise.
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2. Satan ist ein böser Feind / und ein Herr / dem nicht wol zu dienen / denn er pfleget endlich gar übel zu lohnen / wie diese Wirthin / die ihm auch gedienet / erfahren. 79. Democritus soll deß Darii Gemahlin wieder lebendig machen. WAn schreibet vom Dario den berühmten Könige in Persia / da ihm sein Gemahl / in der Blüet ihrer Jugend / mit Tode abgangen / daß er sich deßhalben / weiln er sie hertzlich lieb gehabt / gar nicht hat wollen / noch können zu frieden geben. Derowegen die nechst verwanten des Reichs darauff gesonnen / wie sie doch zu abstillung oder minderung deß Königes grossen und schmertzlichen Leides ein Mittel erdencken möchten. Weiln dann in Griechenland / derer Zeit ein fürtrefflicher weiser Philosophus war / genant Democritus, wegen seiner grossen Geschickligkeit / Weißheit und Kunst / in grossen Ansehen und Beruff / hielten sie als Heyden dafür / ihme wehre die Kunst offenbahret / das Leben den Verstorbenen wieder zu geben. Als derselbe nun / durch ansehnliche Bitt / sich bewegen lassen / und ankommen / auch von Königlicher Würde selbst / weßhalben er gefordert / verstanden / daß er nemblich / durch seine hochberühmte Kunst / [202] die verstorbene Gemahlin / ihm wieder zum Leben erwecken solte / mit angeheffter reichlicher Verheischung / der milden und Königlichen Belohnung. Da hat der weise Philosophus anfänglich allerley zierliche Reden eingeführet / das bekümmerte Königliche Hertz zu sänfftigen / und zu trösten / und seine unterthänigste Dienste angeboten. Endlich aber hat er sich auf die Häupt Sache erkläret / daß nemlich die Kunst einen Verstorbenen wider lebendig zu machen / so gar schwer nicht sey / wenn er nur die Stück / so er darzu bedörffte / und nicht in eines jeden Vermögen wären / mächtig werden könte. Darauff der König / in voller / (wiewol vergeblicher) Hoffnung entzündet / den Philosophum heisset kühnlich die Stück / so er nohtwendig bedürffte / forderen / denn hieran er nicht sparen wolte / wen̅s gleich sein halbes Königreich kosten solte. Da antwortete der Philosophus und weise Mann: Es wolte ihm der König dreyer seiner Vnterthanen Namen verschaffen lassen / die sämbtlich das dreysigste Jahr ihres Alters erreicht hätten / daß ihnen dieselbige gantze Zeit ihres Lebens / nach ihrem Wunsche gerathen / und nie der geringsten Wiederwertigkeit / darüber sie hetten mögen zu klagen haben / begegnet wäre. Denn so bald er derselben allezeit glückhafften dreyer seiner Vnterthanen Namen / wes Standes sie auch gewesen / auff der [203] verstorbenen Königin Sarck schreiben würden / so solte sie geschwind / und unausbleibend wiederumb lebendig werden / und ihrem Herren dem Könige / wie zuvor beywohnen. Hat damit anzeigen wollen / daß / gleich wie dieses dem Könige unmöglich were / solche Leute / die kein Vnglück und Creutz / die Zeit ihres Lebens erfahren hetten / zu wege zu bringen: Also sey es auch ihm unmöglich / mit aller seiner grossen berühmten Kunst und Geschickligkeit / einigen todten Menschen wieder lebendig zu machen. Ließ also den betrübten König / weil ers selber besser nicht wuste / mit aller seiner grossen Kunst und Weißheit / des besten Trosts unberichtet / und Trostloß: Ohn allein daß er mit seiner gegebenen Antwort nur zu verstehen gab: Ferendum esser, quod muiari non possit, was nicht zu endern wäre / müsse man in Gedult tragen und überwinden. 1. Weise Leute führen weise Gedancken / können aber auch nicht alles ins Werck setzen / was von ihnen begehret wird. 2. Die Kunst Tode auffzuwecken kan niemand als Gott in Himmel und sein Sohn JEsus Christus / und durch wen sie solche Kunst verrichten wollen. Sonsten müssens auch die Klügsten wol bleiben lassen.
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80. Von einem erzwungenen Eydschwur / welchen ein Apotecker ablegen müssen. ANno 1567. ist ein Apotecker von Wittenberg / mit Namen Caspar Pfreund gen Leipzig auff die Oster-Messe gezogen / und wie er Mittwochs vor einer Materialisten-Buden gestanden / kompt ein Student mit Nahmen Goldstein / eines Sencklers Sohn von Leipzig / und zeiget dem Herrn Apotecker an / wie sein Gevatter / M. Schönberg von Wittenberg / einen Schenckel zubrochen / und bitte sehr fleißig / daß er zu ihm kommen wolle / auff daß er möge seines Raths gebrauchen. Der Apotecker gehet aus grossem Mitleiden alsobald mit / und führet ihn Georg Goldstein in die Nicol-Strasse / in das Hauß / so seines Vaters gewesen war / welcher aber verstorben. So bald der Apotecker ins Hauß eingehet / höret er / als wenn ein Krancker ächtzet: und eylet derowegen zur Stuben hinauff. Aber er findet keinen Gevattern; sondern drey andere Studenten: Alesium; eines [205] Doctoris sohn von Leipzig / Zachariam Strademan / eines Kürßners / auch von Leipzig / und Mathusalem Töpffer / eines Goldschmieds Sohn / von der Naumburg; welche sich aber verkappet hatten / daß der Apotecker keinen gekant. Und diese überfallen alsobald den Apotecker / und legen ihm einen Knebel ins Maul. Er fordert aber Kreiden / und schreibet auff den Tisch hin / daß sie doch sagen wolten; was sie von ihm begehrten? und daß sie ihm den Knebel wolten wegnehmen: auf daß er sich könte mit ihnen unterreden. Wie sie ihn nun also gefangen / daß er ihnen nicht möchte entweichen; so beschweren sie sich über ihn / daß er zu Wittenberg / in seinem Bürgermeister Ampt / etlichen Unmündigen um etliche Gelder unrecht thun lassen / und solches wolten sie jetzunder rächen: und forderten ihm hergegen ab 3600. Gulden / die er ihnen gereden solte zugeben; oder solte fur ihren Händen sterben. Wie sich aber der Apotecker entschuldigte / sie aber keine Entschuldigung annahmen / sondern aufs angeforderte Geld drungen / und der Apotecker für Gewalt [206] bath; fiengen sie an / ihn zu besuchen / und funden 40. Güldene Ring / die sie alle nahmen / darzu ohngefehr einen halben Gülden am Geld: Und ward nach solcher Beraubung / der Apotecker in einen tieffen Keller gebracht / und über einen Tisch angeschlossen. Darauff lassen die Studenten / aus der Garküchen holen gesottens und gebratens / darzu Vier und Wein / und Paschkalen; schicken auch den Apotecker in den Keller gnug Essens und Trinckens / und geben ihn den Georg Goldstein zu / daß er jhn zutrincken / und versuchen solte / ob er jhn nicht mit guten Worten dahin hereden könte / daß er / das angeforderte Geld den Studenten zu geben angelobe. Wie aber der Apotecker sich für und für wegerte / und sich beschwerte über diß unbillig ungerechte Vornehmen / so ward / gegen den Morgen im Hauß gehöret / als wenn ein Wagen rasselte mit vier Rädern. Da sprach Goldstein: Herr Apotecker / ich weiß wol was diß rasseln bedeutet. Jetzt ist der Wagen kommen / darauf man den Herrn umbgebracht / in ein Vaß einspünden / und führen wird an einen Orth / da sein lebenlang [207] niemand erfahren wird / wo er hinkommen sey. Darumb bitte ich den Herren / er wolle umb seines Lebens Frisiung willen / diesen Studenten so viel Geld immer hinwilligen. Weil nun der Apotecker / über solcher Rede / gleichwol kleinmütig und verzagt gemacht würde / erkläret er sich / daß weil es nicht anderst seyn könte / er ihnen so viel Geld gereden solte / und schwur deßwegen ihnen ins gesamt / gab ihnen so viel Geld gereden solte / und schwur deßwegen ihnen ins gesamt / gab ihnen auch seine Handschrifft darüber / daß er wolle / so bald er in seine Heerberge gelassen wird / sich bemühen / daß er ihnen sechshundert Gülden ausrichtete / und alsbald zuzehlete; die hinterstellige drey tausend wolte er ihnen / auff nechst folgenden Leipziger Marck lieffern. Auch wolte er ihrem Begehren nach / solches keinen Menschen / sein Lebenlang / offenbahren. Als nun das schweren geschehen / und die Handschrifft gefertiget ward; geben sie ihn alle Ringe / biß auf einen: Damit aus den Ringen ihre Sachen nicht offenbahr würde; Und darauff führet ihn verkappet / ehe es Tag wird / der Goldstein aus dem Hauß weg / in eine frembde Gassen / und läst ihn daselbst an einer Ecken stehen. Als [208] er nun allein ist / und Raum hat / sich unter dem Angesicht frey zu machen; Gehet er in seine Heerberge / daß eben das Haus gewesen / da noch heut zu Tage die 12. Apostel angemahlet seynd am Schuster-Gäßlein: Und hat darzumahl darinnen gewohnet D. Brembach / zur selbigen Zeit regierender Burgermeister zu Leipzig. Dieser fraget bald / wo der Apotecker die vergangene Nacht gewesen / und man sey es an ihm ungewohnet / daß er über Nacht aussenbleibe? hätte auch nicht bestallung gemacht / daß man ihm auf den Abend das Haus offen lassen / oder aber ihm einen Diener nachschicken solle. Er will aber gar nicht berichten / wo er gewesen / sondern bittet allein den Herrn Burgermeister / daß er ihm / entweder aus seinem Beutel / oder von Rathswegen / 600. Gulden vorsetzen wolle / derer er noch müsse vor 12. Uhren allerdings mächtig seyn. Dessen wundert sich D. Brembach noch mehr / wozu ers so geschwind brauchen wolle / denn er ja guten credit bey allen Kauff Leuten habe / und könne / ohn Geld / allein auff seinen guten Glauben / in Leipzig alle Händel anstellen. [209] Als er aber nichts aus ihm bringen kan / läst er ihn aufs Rahthauß fordern. Allda ward im sitzenden Rath von ihm begehret / daß er berichten wolle / wo er vergangene Nacht gewesen / und worzu er so geschwind 600. Gulden bedürffe / die ihm denn von Rahtswegen gerne solten gezahlet werden? Weil man aber besorge / es stecke was darhinter / so bitte man ihn / daß er von sich sagen wolle / was ihm denn die vergangene Nacht wiederfahren? Als er aber nichts melden will / spricht auch einmahl: Er habs verschwore / daß ers keinem Menschen entdecken wolle / so wird der Churfüst von Sachsen / Hertzog Augustus, deß Handels in Unterthänigkeit berichtet: Der denn eben dazumahl den gefangenen Fürsten von Gotha durch Leipzig führete. Churfürstliche Durchläuchtigkeit schickete die Geistliche zum Apotecker / darunter denn D. Pfeffinger / so zu Leipzig Superintendens gewesen / daß sie ihn dahin vermögen solten / auf daß er bekennete / was ihm wiederfahren? Wo er gewesen? und wozu er das Geld brauchen wolle? Da er aber durch diese Personen / sich auch nicht will persuadiren lassen / läße [210] jhm der Churfürst zuentbie then / daß er mit nach Dreßden genommen / und allda / in ein schärffer Examen eingestell werden solte. Weil nun der Apotecker besorget hatte / er möchte zu Dreßden Peinlich befragt werden / hörete auch / daß D. Pfeffinger wolte sein gethanes Juramentum auf sich nehmen / und am Jüngsten Tage dafür Reehenschafft geben / so hat er hierauf alle Sachen berichtet. Wie nun um 12 Uhr Georg Goldstein kompt / die 600. Gulden zu empfangen / warten zween Rahts-Diener im Hause gegen über auf / nehmen den Goldstein über der Geldzehlung gefangen / und führen ihn in deß Raths Verwarung Unterdessen haben die andere Studenten ihre Studenten-Jungen in die Gassen gehen heissen / zu erfahren / wie es dem Goldstein gehen möchte? Als sie ihn nun sehen aus dem Hauß gefangen führen / berichten sie es bald / und setzten sich die drey andere Studenten auf eine Kutschen / die sie unter dessen auf alle Vorsorge bestellet hatten / und fuhren aus der Stadt davon. Folgenden Freytag wird Goldstein vor deß Churfürstens Gemach / auf dem Marck [211] mit dem Schwerdt gerichtet / und da über eine Zeit Alesius auch zur Hafft bracht worden in / weil er eines vornehmen Doctoris Sohn / hat man ihn auff 90. Jahr relegirt, Stademan ist in einem Papisten Kloster Abt worden; Den Mathusalem aber hat ein Herr zu Zips in Ungarn / wegen betrieglicher Alchemisterey / hencken lassen. Was anlanget den Apotecker / hat er sieben Jahr / nach dieser Trangsal gelebet / und hat sein Sohn berichtet / daß es seinem Vater für und für zu wieder gewesen / daß er das gethane Juramentum nicht gehalten / denn er hätte viel lieber wolle so viel Gelds den mörderischen Studenten auszahlen / und solches sein lebenlang verschwiegen halten / denn daß er / was er mit schwören und gegebener Handschrifft betheuret / umb D. Pfeffingers zusprechen / und deß Churfürstens von Sachsen betrolicher Anordnung willen / brechen müssen. Man sagt auch für glaubwürdig: Daß / ob wohl der Apotecker ein geehrter wolhabender Mann gewesen / habe er doch / von derselbigen Zeit an / kein Gluck mehr ge [212] habt / sondern seine Nahrung sey zurück gegangen. Also können wohl Prediger von Sünden absolviren / daß sie zum ewigen Leben nicht Schaden bringen: Aber für Gottes zeitlichen Straffen (väterlichen Züchtigungen) können sie nicht gut seyn. 1. Gezwungene Eydschwür ist man nicht schuldig zuhalten / jedoch ist es besser / wenn man dergleichen gar nicht ablegen darff. 2. Gott ist wunderbahr in seinen Gerichten. Wer weiß / wie und an wem es dieser Apotecker verschuldet / daß ihn GOtt in solches Vnglück hat lassen gerahten? Darumb handele ein jedweder recht / Gottes Straffe bleibt nicht aussen.

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Wie einer dem Frauen Zimmer satisfaction geben. EIn Keuscher und andächtiger Cuortisam oder Hof-Zuncker / hatte einsmahls in Beyseyn vieler Cavaliren / das Freuen Zimmer sehr verachtet / und ihr arglistige Betrigerey an den Tag gethan / welches der Princeßin sambt ihren Dames und Damoisellen sehr mißgefallen / darum stelten sie obgemelten Hof Junckern nach / ihn in ihre Klauen oder Ge [213] walt zu bekommen / welches auch durch List einer alten Hoff-Meisterin geschehen; Vnd als sie nun den armen Tropffen nackend ausgezogen / und an eine Seule gebunden / umb ihn mit eigenen Händen zustraffen; Sprach er: Wohl-Edelgeborne Dames / ich bekenne / daß ich etwas zu viel von dem Frauen-Zimmer auf geschnitten; Bitte aber allergnädigst / es wolle mir die gröste Hur / die unter euch ist / den ersten Streich thun; als er dieses gesagt / haben die Damoiselles einander angesehen / gantz bestürtzt und schamroth worden / und den armen Courtisan zu frieden gelassen. 1. Weibes Personen sollen sich Cavallier zu schimpffen nicht unterfangen / denn wenn sie sonsten von solchen wieder geschimpfet werden / müssen sie es haben. 2. Ein Wort zu rechter Zeit geredet kan offt viel nutzen und wircken. 82. Eines Büttners Frau läst sich vor ihrem Mann richten. EIn Büttner zu Brün ist mit seinem Gesellen einem / in Abwesung der andern in grossen Zanck gerathen / daß der Meister das Bindmesser nach ihme geworffen / und in die Seiten so hart droffen / daß er bald todt darüber blieben. Als das seine Haußfrau siehet / führet sie so gar eine elende Klage / fället ihren [214] Ehemanne umb den Halß / und spricht: Er solle es auff sie legen / vielleicht könte er ihr davon helffen / wo aber nicht / so wolte sie auch / vor ihm sterben. Es gelchicht also / sie wird von den Gerichten in das Gefängnüß geführet / sie beruhet darauff / er hette sie an ihren Ehren geschertzet / so were sie in Zorn beweget worden / und ihn unversichtiger weise getroffen. Ihr Mann aber mühet sich vergebens / den̅ sie wird des andern Tages als bald gerichtet / und mit dem Gesellen begraben. Bald darnach ist ihr Mann in solche zweiffelhafftige Gedancken gerahten / und niemals frölich worden / biß er solchen seinen Kummer endlich auch seiner guten Freunde einem vertrauet / und ist noch ehe das Jahr umb gewesen / vor Hertzenleid gestorben. 1. Hier haben wir ein Erempel der Ehelichen Liebe / wie die so groß ist / daß auch die Frauden Mann beym Leben zu erhalten / ihr das ihre nehmen lassen. 2. Wir haben aber auch ein Exempel eines bösen Gewissens an dem Bitner / welches / wenn es auffmachet / so läst es dem Menschen keinen Fried noch Ruhe. 83. Etliche Diebe tragen Kasten oder Truhen bey Nacht aus einem Hause / und werden von Wächtern darumb bestossen.
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ALs die Nachtwächter in einer fürnehmen Stadt des Nachts durch die Gassen giengen / und etzliche Gesellen antraffen / die grosse Truhen oder Kasten aus einem Hans trugen / fragten sie wohin: Jene gaben zur Antwort / in ihr Hauß were die Pest gekommen / ihr Herr wolte anders wo hinziehen. Sie fragten warumb es denn in dem Hause so still were / und niemand weinete. Resp, Es were jetzo männiglich erschrocken / daß sie den Schaden / darein sie diese Zeit gerathen wehren / nicht zu Hertzen nehmen / aber Morgen solten sie nur für über gehen / würden sie heulens genug hören. 1. Diebe und Spitzbuben können gar geschwinde etwas erdencken / und zu ihrem Behuff den Leuten vorschwatzen. Klippern gehöre zum Handwerck / pflegt man in Sprichwort zu sagen. 2. Christus hat recht gesagt: Die Kinder dieser Welt sind klüger / denn die Kinder des Liechtes in ihrem Geschlechte / Luc. 16. 84. Ob der Pabst das Käyserthum auf die Teutschen gebracht? DIeser Streit / ob der Pabst das Käyserthumb auff die Teutschen gebracht / ist albereit vor fünthalb hundert Jahren stattlich erörtert worden. Denn als Pabst [216] Hadrian, zween Cardinäl / an Käyser Friederich den ersten / Barbarossam genant / abgeschicket / und in den Brieffen schriebe / der Käyser habe sein Reich und Gewald vom Römischen Pabst / dieses aber durch den Reichs Vice-Cantzlern Reinholdum, einen Fürsten-Raht / vorgetragen wurd / haben die anwesenden Fürsten sich hefftig darüber entrüstet / und erinnert / wie die Päbste hiebevorn dergleichen auch sich gerühmet / ja Famos Schrifften gleichsam in ihren Pallästen angeschmieret hette̅ / welches aber ihnen nicht einzuräumen sey / und haben sich mit scharffen grausamen Blicken gegen die Päbstliche Abgesandten vermercken lassen. Da nun der Cardinal einer sahe / daß die Fürsten des Reichs hierüber unlustig / fragete er / woher dan̅ der Käyser sein Reich habe / wann er es nicht vom Pabst habe? Vber diese Worte hat Otto Pfaltzgraff und Beyerfürst sein Rappier ausgezogen / und dem Cardinal eines auff die Hauben geben wollen. Nach dem sich auch die Päbstlichen Gesandten eilend haben aus dem Staube machen müssen / hat Käyser Friederich des Pabsts beginnen / durch offene Patent / der gantzen Christenheit entdecket / sein fürgeben / als ob er den Käyser erhaben zum Reich / eine Vocem nefandam, & omni veritate vacuam geheissen / das ist / ein schändliches / unerbares / ertichtetes / und erlogenes Fürgeben / unter andern auch in seinem Außschreiben nachfolgende [217] Wort gesetzet: Wir thun hiermit kund / wer da saget / daß wir die Käyserliche Krone als ein Geschencke oder Wohlthat vom Pabst haben / der thut und redet zu wieder Göttlicher Ordnung / und der Lehr Petri / ist auch würdig / daß er für einem Lügner gehalten werde. 1. Hier sieher man / wie der Pabst und sein geschorner Hausse sich überheben und gerne Regenten in der Welt seyn wolten. 2. Grosse Herren und weltliche Obrigkeiten thun wohl daran / daß sie über ihrem Stand halten / aber nur nicht zu weit sollen sie auch greiffen / denn Gott mnß auch gegeben werden was Gottes ist. 85 Von einem Weiber Freund Herren Heinrichen von Mayntz. EIn sonderbarer Weiber Freund ist gewesen Herr Heinrich ein Thumherr zu Mäyntz / Teutscher Poet / und wieder anrichter der uhralten Meister Singer-Kunst: Welcher sonderlich viel schöne Lieder / zum Lobe des weiblichen Geschlechtes / hat auffgesetzt / und singen lassen. Dannenhero er Herr Heinrich Weiber Lob genennet worden. Als er nun im Jahr Christi 1317. am Abend vor Sanck Andresen [218] Tage / zu Mäyntz gestorben / ist er von den fürnehmsten Frauen der Stadt in einer herrlichen Procession zum Grabe getragen / und sein Grab mit dem besten Wein begossen worden / daß solcher in der gantzen Kirchen herumb geflossen. Es haben auch die Frauen / eine zeitlang / alle Kurtzweil in der Stadt verboten / keine Hochzeit halten lassen / und ihn ein halbes Jahr beklaget und betrauret. 1. Weiber und Frauen-Zimmer soll man billich ehren / und wer solches ehret / wird von ihnen wiederumb gechret / wie wir aus dieser Geschicht erlernen können. 2. Es scheinet als ob diese Weiber in excessupecciret, indem sie nicht allein sich Obrigkeitlicher Gewalt angemasset / und alle Fröligkeit verboten / sondern auch noch darbey so verschwenderisch gewesen / und den guten Wein so unnöhtig vergossen. 86 Die Bibel ist das beste Buch. EIn weiser Jurist hat in seiner Kranckheit vor seinem Abschied bekant / nun rfahre er / was es nütze Gottes Wort von Jugend auff aus wendig lernen. Denn [219] er hette das 53. Capitel Esaiae in der Jugend auch auswendig lernen müssen / dafür wolte er jetzt nicht nehmen aller Welt Schätze / Geld und Gut. Diß Capitel tröstet ihn mehr den alle andere Bücher / die gegen diesen Capitel weder Krafft noch Safft hetten. Also auch ein verständiget Medicus hat die Bibel allen andern Büthern vorgezogen. Denn als er von etlichen angelassen wurde / warumb er der H. Bibel sich so fleißig annehme? Er solte seines Hippotratis und Galeni warten / und der Religion sich nicht also annehmen / was er als ein Artzt damit zu thun hette? Gab er zur Antwort: Auff Hippocratem und Galenum bin ich nicht getaufft / sie werden mir auch nicht beystehen / wenn ich einmahl sterben soll / sie dienen mir und andern Leuten nur zu diesen Leben / darumb muß ich mich umb etwas höhers annehmen / so ich will selig werden. 1. Am Ende erfähret man recht und wenn es zum sterben kömbt / was GOttes Wort vor Trost bey sich führe. Darumb ein jedweder dasselbe lieb und werth haben / und fleißig lesen / studieren und lernen sol. 2. Juristen und Medici / wenn sie wollen gu [220] te Christen seyn / sollen nichts minder / als andere Leute fleißig in der Bibel lesen. Denn das gilt in allen Ständen. Wie einer lieset in der Bibel / So stehet am Hause sein Giebel. 87 Ein Bauer trägt Contribution in eine Stadt. EIn Bauer solte die Contribution in die Stadt bringen / unter wegens kam ein Reuter zu ihm / nahm ihm das Geld / der Bauer baht / er möchte ihm doch ein Loch durch den Hutschiessen / damit er Beweiß hette / daß der Reuter bey ihm gewesen were / wie das geschehen / baht er / er möchte ihm noch ein Loch durch den Rock schiessen / das geschach auch / wie nun der Bauer sahe / daß beyde Pistolen gelöset waren / hielt er des Reuters Pferd im Zaum / fassete den Reuter bey dem Fuß / und warff ihn von Pferde herab / nahm ihm das Geld wieder / behielt das Pferd / und bracht also seine contribution reitend hin / worüber er gelobet ward. 1. Bauren sind verschlagene Leute / wenn sie gleich schlecht in Kleidung auffziehen und sich einfältig stellen. 2. Gar vielmals kömpt Schalck über Schalck / wie wir hier an diesem Bauren und Soldaten lernen können.
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88 Ein weiser Mann sagte: Es sey kein Vnterschied zwischen Leben und Tod. THales Milesius, einer aus den sieben der Allerweisesten in Griechenland / da er gefraget wurde / was er von dem Tode hieltes? Sagte er: Es sey kein Unterscheid zwischen Leben und Tode / sondern eines so gut als das andere: Dieweil es beydes natürlich. Da aber einer ferner fragte: Warumb er denn nicht stürbe / weil er eins wie das andere hielte? Eben darumb / sagte er: Dieweil eines so gut als das andere ist: Denn wennich mich nach dem Tode sehnete / so würde ich damit zu erkennen geben / daß der Todt besser als das Leben sey. 1. Weise Leute führen weise verständige und merckwürdige Reden. 2. Hat dieser weise Mann / der doch ein Heyde gewesen / Tod und Leben gleich geachtet / vielmehr sollen wir Christen dergleichen thun / und uns mit Paulo resolviren: Leben wir / so leben wir dem HErrn / sterben wir / so sterben wir dem HErrn / darumb wir leben oder sterben / so sind wir des HErrn / Rom. 14.
|| [222]

89.
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Wie Babylas der Märterer gestorben. ALß Babylaß / ein gewesener Bischoff zu Antiochia drithalb hundert Jahr nach Christi Geburt / in der grossen Verfolgung (da der alte fromme Chaeremon mit seinem Weib gen Himmel soll genommen seyn worden) mit seinen 3. Söhnen unter andern auch zur Marter geführet ward / baht er die Heydnische Verfolgere / sie wolten doch seine Kinder / vor ihm umbbringen / damit sie sich nicht über seinem Todt entsetzen und kleinmütig werden möchten. Der Bitte ward er gewehret: Mitler weil betete er ihnen vor und sprach ihnen tröstlich zu / wie dort die Mutter der 7. Söhne 2. Maccab. 7. Da sie nun dahin waren / sprach er getrost / aus dem Esa. 8. 18. Siehe / hie bin ich / und die Kinder / die mir der HErr gegeben hat / zum Zeichen und Wunder in Israel. Vnd gieng drauf frölich seine eigene Marter an / und bahte abermahls die Feinde / ob sie ihn noch einer Bitte gewähren / und seine Ketten / damit er gleich einem Vbelthäter / gefesselt war / mit in das Grab geben und beylegen wolten: Die Peiniger fragten ihn: Was er damit machen wolte: Sie werden mir (antwortet er) viel schöner anstehen für den Augen meines Erlösers / als Joseph seine güldene Kette / die [223] jhm König Pharao verehret. 1. Buch Mos 41. 42. Damit wil ich am Jüngsten Tage prangen / und wieder meine Wiedersacher für GOtt treten. Kniet darauff nieder / untergiebt sich der Marter / und spricht eben diese Valetwort / ex Psalm. 116. v. 7. 8. 9. Revertere, anima mea, in requiem tuam, quoniam Dominus benefecit tibi. Sey nun wieder zu frieden meine Seele / denn der HErr thut dir guts. 1. Mit der gleichen freudigen Geist pflegt GOtt vielfältig aus zurüsten die / so umb seines Nahmens Ehre willen leiden. 2. Wol dem / der also freudig und in vertrauen zu seinem GOtt stirbt / den wird der Todt nur zum Schlaff und Eingang zum ewigen Leben. 90. Ein starcker Mann gibt sich in Ober-Ungarn vor einen Propheten aus / und wird geköpffet. ANno 1572. ist in Ober-Vngarn ein neuer Drophet / nahmens Gregor Charachond / zu genant der schwartze aus dem Städt???ein Nagibania / so man Lateinisch Rivulum Dominarum heist / entstanden / zu welchem / als er sich in der Stadt Debretzen aufhielte / viel Leute lieffen / weil er vorgab / wie er von [224] GOtt ein Erlöser aus der Türckischen Dienstbarkeit gesand were. Er war ein starcker vierschrötiger Mann / der ein Huf-Eisen entzwey reissen / und ein neues gar dickes Pflugeisen mit einem Pfeil durchschiessen kunte. Welches denn das einfältige und thörichte gemeine Volck / nicht seinen / sondern göttlichen Kräfften und Hülffe / zuschriebe. Aber nach dem von den Türcken theils seiner Anhänger / beym Castell S. Nicolai, welches vom Fluß Bala den Nahmen hat / häßlich empfangen wurden / und er den Stadtrichter zu Debretzen auffzuhencken befohlen / so ward er gefangen / und ihme der Kopff abgeschlagen. 1. Falschen Propheten geschicht garrecht / wenn sie dergleichen Lohn empfahen. Drumb 2. Sage doch nur keiner / Gott hat mich gesandt / wenn er keinen Beruff hat / denn gewiß es helt den Stich nicht: Es kömpt doch endlich alles an des Tages-Liecht / und bleibt nicht ungestrafft. 91. Käyser Sigißmundus erweiset seinem Diener / daß das Glück von GOtt komme.
|| [225]
KEyser Sigismundus hat einem seiner Diener ad oculum remonstrit, welcher sich bedüncken ließ / sein Herr liesse nicht sehen / daß er in Geschencken und remunerationibus justitiam distributivam exercirte, in dem er gemeiniglich dem gab / der zuvor hatte / wo aber nichts war / er auch nichts dazu thete. Darumb als einsmals des Käysers Pferd ins Wasser stallete / gab ihm der Diener einen Stich / und sagte: Das Pferd hat seines Herren Art / indem es (nach unsern Fränckischen Sprich wort) Wasser in den Mäyn trägt. Der weise und löbliche Käyser aber / als er die Rede erfahren / gab die sanfftmütige Antwort: Sis asinus quemcunque asinum sors aspera fecit. Ich kan nicht für dein Vnglück / sondern GOTT und das Glück wollen dir nicht besser. Zum Warzeichen ließ er zwo Büchsen machen / gleicher gröse und Farben: Deren eine mit Bley / die andere aber mit Gold gefüllet / und dem Schmähler verdeckt zugestellet wurde / daß er eine davon zum Käyserlichen Präsent erwehlen solte. Die Wahl that den Goldbegierigen Menschen sehr wehe / und wehlet lang / biß er endlich zu griffe / und die Büchse / mit Bley gefüllet / erwischete / und damit selber sein Vnglück remonstirte. Vielleicht hat der Tropff vergessen mit Nehemia zu beten: Gedencke meiner / mein GOtt am besten.
|| [226]
1. Herren thun gar nicht übel / wenn sie mit ihrem Gesinde offt gelinde und nicht nach der Schärffe verfahren / wie diesen Käyser gethan / welcher seinen Diener wegen seines losen Maules wohl hätte können straffen lassen / aber es doch nicht that. 2. Freylich kömpt alles von Gott / Glück und Unglück / wen̅ wir uns nur recht darein schicken und GOtt in Glück und Unglück vertrauen können. 92. S. Martinus ist gewohnet auff den Rücken zu liegen. SAnct Martinus hat eine Gewohnheit gehabt / auff dem Kücken zu liegen / und über sich zu sehen. Deßwegen ihn seine Freunde straffeten / und remonstrirten, daß es nicht gesund were / und verursachte auch wol den Schlag: Gestalt es denn nicht ohn ist / und die Erfahrung neben der Vernunfft und Phantasia bezeuget / daß es besser ist / auff der Seiten / als auff dem Rucken zu liegen: Dennoch aber wuste Martinus seine rationem Theologi???amrationi Philosophicae entgegen zusetzen und zu replicirn: Es ist einem Christen tausendmahl gesünder den Himmel / als die Erde anzuschauen.
|| [227]
1. Wann einer gottselige Gedancken hat / soll er sich von der Welt davon nicht lassen abwendig machen / was sie auch vor scheinbahre rationes anführen / wie allhier Martinus bey seiner Gewohnheit blieben. 2. Ein Christ soll trachten nach dem / das droben ist / und nicht nach dem / das auff Erden ist / denn unser Wandel / schreibt Paulus / ist in Himmel. 93. Ultra Nubila. VOn Pasqualio Zicogna, einem Venetianischen Hertzogen meldet AEgidius Sadeler in seiner Symholographia, daß er an statt eines Symboli jhm habe einen Storchen mahlen lassen (wie Er dann auch seinen Geschlechts-Nahmen von den Storchen gehabt) welcher zwar sehr hoch / aber doch unter den Wolcken schwebet / hiernieden aber ein Schiff / so mit vollen Seegel auff dem Wasser oder Meer daher fähret / mit der übet diesem Sinnbild verzeichneten Vberschrifft: Ultra nubila, über den Wolcken; Wormit dann / wie Anshelmus de Bocol solches erkläret / dieser Hertzog so viel andeuten wollen / daß / ob schon jemand es in dieser Welt hochbringe / und manchmain [228] groß Reichthumb / viel Geld und Gut überkomme / zu hohen digniteten / Ehren und Würden gelange / doch ein solcher Mensch bey weitem noch nicht recht glückseelig zu schätzen sey / alldieweiln / wie ein Storch unter den Wolcken / ein Schiff auff dem Meer noch allerley Vnglücks-Fällen unterworffen / also hette ein solcher Mensch bey seinem habenden Reichthumb / Geld / Gut / Ehr und Herrligkeit / und was dergleichen eiteles mehr ist / sich doch noch jmmer allerley Vnglücks-Fälle / die ihme da und dort leichtlich zu Handen stossen können / zu befürchten: Aber Ultra nubila heisse es / das ist / nicht unter / sondern über den Wolcken / oder / wie wir Schrifftmessig davon reden möchten / droben im Himmel findet man beständiges Glück / den besten Reichthumb / die höchste Ehr und Herrligkeit. Vnd freylich erklären wir solches Sinnreiches Bild und nachdenckliches Gemähl auff Theologische weiß also / daß wir sprechen: Ultra nubila. 1. Alle Christen sollen himmlisch gesinnet seyn / daß sie sagen: ultra nubila, über den Wolcken. Denn in Himmel ist unser Schatz / wo aber unser Schatz ist / soll auch unser Hertz und Sinn seyn. 2. Es ist freylich nicht ohne / ehe wir kommen ultra nubila, sind wir allerley [229] Wiederwertigkeit unterworffen. Denn gleich wie die Meeres-Wellen sind / Vnd der ungestümme Wind / Also ist allhier auff Erden / Vnser Lauff voller Beschwerden. 94 Die Heyden haben sich wieder den Todt nicht trösten können. VOn dem für trefflichen Römer Catone schreibet Cicero: Daß er wieder den Todt sich getröstet habe / mit der Unsterbligkeit der Seelen: Derwegen er auch / da er sich selbst entleiben wolte / zuvor das Büchlein Platonis, daß er von der Seelen Unsterblikeit geschrieben hat / fleißig gelesen. Aber auch dieses war für jhm kein beständiger Trost. Denn erstich wuste er nichts von der Aufferstehung des Leibes. Darnach so zweiffelte er mitten in seinem vermeinten Trost noch / ob es auch gewiß / daß die Seele unsterblich sey. Wo nun ein Zweiffel ist / da ist keine Gewißheit: Wo keine Gewißheit ist / da ist auch kein beständiger Trost / und gehet nach dem Sprichwort: Vitague cum gemitu fugit indignata sub umbras. Welches [230] auch dem Ciceroni selbst wiederfahren. Denn ob er wol am allervernünfftigsten unter allen Heyden hievon geschrieben / so hat ers dennoch selbst nicht practiciren können. Denn da er sahe / daß er dem Tode nicht entgehen könte / fieng er an zu ruffen: O me nunquam sapientem! Omnes dii me deseruerunt. 1. So gehets auch den allervortrefflichste / welche nichts von GOtt wissen / oder den rechten Gott nicht erkennen und an Ihn glauben. Seelig aber sind die Toden / die in dem HErrn sterben. 2. Der beste Trost in Sterbens Nöhten muß aus GOttes Wort geschöpffet werden / sonsten ists umbsonst und gefehlet 95. Königs Alphonsi Ehrerbietung gegen seinen Herrn Vater / König Ferdinandum. VOn König Alphonso melden die Historien / daß / als Er seinen Herrn Vater König Ferdinandum, der eine Reise zu Ihm genommen / einholen wollen / und er gewar worden / daß Er Leibes Vnpäßlichkeit halber sich auff einer Senfften führen lassen / Er so bald vom Pferde herunder gesprungen / und den Herrn Vater zu Fuße begleitet hab / bereit [231] sich haltende / wo es von nöthen / jhn auff seinen Armen und Schultern zu tragen. Vnd ob wohl der Herr Vater ihn vermahnet / gleich wie andere neben herreitende grosse Herrn thäten / zu Pferd zu sitzen / so hat Er doch demüthig geantwortet: Andere möchten sehen was ihre Gelegenheit geben wolte / seines theils könte ers über sein Hertz anderer gestalt nicht bringen / denn daß Er ihn / als König und Vater / und zwar als einen krancken Vater / zu Fuß begleite. Der gleichen gehorsame Treu / und treuen Gehorsam / Er auch bey des Herrn Vaters letzten Ende erwiesen: Denn als erwehnrer Ferdinandus König in Aragonien, Cavalonien, Valentz, Navarra, Sicilien. und Castillen, benanten Alphonsum anredete: Ich weiß / und wil auch / daß die Königreiche / welche ich durch Gottes Gnade jnnen gehabt / dir / als dem ältesten unter deinen Brüdern / anfallen sollen: Allein ich wolte gerne / daß das jenige Theil / welches wir von Spanien haben / Castillien genant / deinem Bruder Johanni / dem nechsten nach dir / wo du mit zu frieden wehrest / bleiben solte; Das begehr ich / woltest du nicht ungleich vermercken / und wo du es auffnehmen wilst / bitte ich dich noch darzu drumb. Worauff Alphonsus zur Antwort geben: Ich bescheide mich so viel / lieber Herr Vater / daß die Königreiche / und alles das eurige mir gehören / doch andere gestalt nicht / [232] als durch euere Zuneigung und Wolthat. Darumb so hab ich jederzeit mehr euren geneigten Willen in acht gehabt / werde auch denselben noch ins künfftig höher achten / als gleich den Vorzug meines Alters. Vnd so jhr nach eurem hohen Verstande vermeynt / daß als dann den Königreichen werde besser gerathen seyn / so mein Bruder Johannes zum Reichs-Nachfolger von Euch geordnet un̅ hinterlassen würde / bin ichs hertzlich wohl zu frieden. Ja ihr möcht ihn zum Erben über alles einsetzen / non aliter, mihi credas velim, voluntati per me tuae usque ad postremum spiritum parebitur, quâm divinae ich versichere euch Eurem Willen werde ich in Gehorsam / biß an meinen letzten Seufftzer / anderst nicht nachleben / als dem Willen GOttes selbst. Worauff Ferdinandus repliciret: Macte esto pietate & obedientia fili. Gesegnet seystu / mein lieber Sohn / deiner Treu und Gehorsambs halber / und hat ihn hierauff mit übergehenden und thränenden Augen von sich gelassen. Alphonsus aber hat nach des Herrn Vaters Todt / 17000. aureos, auff Begräbnüß Vnkosten gewandt / zu keiner geringen Anzeig seiner beharrlichen Kindes-Treu und Liebe / welche Gott dermassen vergolten und gesegnet / daß kein reicherer noch gewaltiger / kein Glück noch sieghaffterer / kein weiserer noch gelehrterer / König weder zu seiner Zeit / auch lange zuvor und hernach nicht gewesen / [233] als Alphonsus: Wie dann sein Sohn / König Ferdinandus zu Neapolis sich auch hören lassen: Er habe keine grössere Freude gehabt / als da Er seines Herrn Vaters / so lange Er im Leben geblieben ersprießlichen Rahts habe geniessen können; und nun hab Er kein grössers Leid / als daß Er desselben darben und mangeln müsse: Mit welchen Worten Er dann auch seine Reverentz und sehnliche Liebe gegen seinen Herrn Vatern bezeuget gehabt. 1. Ist ein denckwürdig Exempel einer Kindlichen Ehrerbietung und Gehorsams. Alle Kinder sollen sich an diesem Königs Sohn bespiegeln / und gegen ihre Eltern gleiche Liebe / Ehrerbietung und Gehorsam erweisen / so wird der in vierdten Gebot gesprochene Segen an ihnen erfüllet werden. 2. GOtt regieret auch Fürsten und Fürsten und Könige Kinder ihre Hertzen / daß sie Fürstliche und Königliche Gedancken haben / wol nur alle denen / die sich von jhm regieren lassen. 96. Was Bischoff Martinus vor eine Rede gebrauchet / als er sterben wollen.
|| [234]
MAn lieset von Martino einem gottseeligen und andächtigen Bischoff zu Tours in Franckreich / daß / als derselbe im 81. Jahr seines Alters / in ein gefährlich und recht tödtlich Fieber gefallen / und die umbstehenden geklaget und gesaget: Ach Vater! Wem befehlt ihr uns verlassen? Wolt ihr von uns scheiden? Es wird uns und eurer Kirchen sehr übel gehen; Habe durch dergleichen wehemütige und Hertzbrechende Wort allerdings bewogen / Er Gott inständig angeruffen und geseufftzet: Domine, si populo tuo adhuc sum necessarius, non recuso laborem, fiat Voluntas tua, das ist / HERR / kan ich noch bey deinem Wolck einigen Nutzen schaffen / so weigere ich mich keiner Arbeit / allein dein Will geschehe. Und nach deme er bey nahe in den letzten Zügen gelegen / und seine Jünger hefftiglich geweinet / fort gefahren und gesagt: Nec mori timeo, quia boni Domini servus sum; nec vivere recuso, si vobis adhuc necessarius sum. Das ist / zu sterben fürchte ich mich nicht / denn ich bin eines guten Herren Knecht; weigere mich auch nicht länger zu leben / wofern [235] ich euch länger nöthig und nützlich seyn kan. 1. So solls billich seyn. Wir sollen uns zum Leben und Sterben bereit halten / und uns Gottes Willen unterwerffen / wie er es auch mit uns zu machen gemeinet ist. 2. Ster bende Leute reden offt nachdenckliche Wort / die nicht in Wind zuschlagen / sondern wol in acht zu nehmen sind.

97.
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Von dem kleinen Thierlein Mustela, welches den Vasilisken tödtet. PLinius schreibet in seinen naturalibus / wie daß ein kleines unansehnliches Thierlein / Mustela / eine Wiesel / oder Eydex / mit Nahmen sey / welcher sich an den Basilißken mache und desselbigen Meister werde. Dieses Thierlein verwahret sich erst mit Nießung des heilsamen Rauten-Kräutleins / krieche hierauff zu dem Basilisken in seine Höle / jage ihn heraus und rödte ihn; Bliebe aber nicht lang bey dem ertödten gifftigen Wurm stehen / sondern lauffe alsbald der Rauten wiederumb nach / und erfrischet sich mit derselben / damit ihm das in erlegung der allergifftigsten Schlangen empfangene Gifft nicht / noch zum Hertzen trette. 1. Der weise GOtt hat viel in die Natur geleget / worüber man sich billich zu verwundern hat.
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2. Dieses Thierlein kan gar artig auff Christum gezogen werden / denn der hat auch / nach dem Er sich zuvor mit der edelen Rauten deß Worts Gottes wohl verwahret / in elender Gestalt den höllischen Basilißken getödtet / und so dann nicht lange geblieben. 98. Woher der Rauten-Krantz ins Sächsische Wapen kommen. DIe Hertzogen zu Sachsen prangen noch heutiges Tages in ihrem Wappen mit dem Rauten Kräntzlein / darzu sie also kommen. Im Jahr Christi ???180. ward Bernhardus II. ein Fürst von Anhalt zu Würtzburg vom Käyser Friderico zu einem Churfürsten von Sachsen gemacht. Da that Bernhardus dem Keyser einen Fußfall / und baht ihn / er wolte ihm sein Wappen in etwas verbessern / damit zwischen ihm und seinen Vrüdern ein Unterscheid were. Da ergreifft der Käyser sein Rauten-Kräntzlein / daß er damals in der Sommer Hitz auff dem Haupt trug / und warffs dem Bernhardo die Quer auf [237] den Schild / damit belohnet der fromme Käyser dem tapffern Rittersmann Bernhardo seine Helden-Thaten. 1. Grosse Herren halten nicht unbillich viel auff ihre Wappen und prangen mit denselben / und 2. Es ist eine grosse Gnade / wenn einem Fürsten / Grafen / Herrn oder Edelman sein Wapen verbessert wird. 99. Von Salomonis Garten-Schlüssel. DIe Juden fabuliren in ihrem Talmund / daß Salomon / welcher wohl mit recht der erfahrneste Botanicus der Welt heissen möchte / einen Garten-Schlüssel gehabt / den hab er einsten seinem getreuen Mund-Schencken / als er einen Todes-Engel hinter ihm stehen sehen / gegeben / mit dem Befehl / seinen geheimen Garten zu eröffnen / und darinnen ein sonderbahres Kraut abzubrechen / welches die Krafft / den Todt entweder auffzuhalten / oder gar zu vertreiben / haben solte. 1. Dieses von Salomonis Garten-Schlüssel ist nur ein Gedicht und Jüdisches Fabel. Werck / allein es ist ein solches Kräut [238] lein / welches die Krafft hat den Todt zu vertreiben / das heist Fides, das wächst in Gottes Garten / darzu hat die Christliche Kirche den Schlüssel. 2. Es sind offt Gedichte / welche von Jüden und weisen Heyden gemachet / die nicht zuverwerffen / sondern gar schön können gebrauchet werden. 100. Ein Weib gebähret mit grossen krachen und platzen. WIr lesen in den Historien / daß einsmals ein Weib etzliche Tage gekrancket un̅ mit der Geburt umb gangen / und wiewohl das Kindlein mit seinem Leidelein halb von der Mutter in die Welt gewesen / habens doch die Weiber nicht von ihr bringen können / sondern haben mit grossen krachen und platzen / davon jederman sich entsetzet und erschrocken / einen grausamen Büchsenschuß hören aus der Gebärerin Leib fahren / dem alsobald brennend und stinckend Feuer / wie Pech und Schwefel gefolget / welches das Kind und die Wehemutter übel verbrandt. Das Feuer und der übelriechende Broden ist in der Stuben auff und abgefahren / als wolte [239] er das Hauß / und alles was darinnen war / anzünden und verbrennen. Dieses Kindlein ist nicht lange am Leben blieben; aber der Mutter / wie die Historia meldet / hat es gleichwol nichts geschadet. 1. Gleichwie Kinder zeugen und gebähren an und vor sich selbsten ein grosses Wunderwerck ist / und / wo nicht so viel Kinder gebohren würden / besser würde beobachtet werden; Also läst GOTT der HERR bey Kinder Geburten offt auch noch andere Wunder vorgehen. 2. Dieses Weib hat zwar wunderbar gebohren / alldieweil sie mit Krachen und Platzen gebohren / aber viel wunderbahrer hat Maria geborn / denn die hat gebohren / und ist eine Jungfrau blieben / die hat nicht einen blossen Menschen / sondern zugleich auch den Sohn GOttes gebohren. 101. Was vor Wunder geschehen / da etzliche mit dem Abendmahl nicht gebührende umbgangen. EIn von einem bekehrten Jüden gezeugeter Mensch / als er zu Cöln / in Oster-Feyertagen / den Leib des HERRN empfan [240] gen / hat die Hostiam mit heim genommen / nnd / weiß nicht wozu / brauchen wollen. Es wird ihm aber Angst / und begräbts auffm Kirch-Hoff; ein Priester siehets / suchet / und findet in dem Gräblein ein Kindlein / eilet zur Kirchen / es vielleicht zu tauffen / ist ihm aber untern Händen verschwunden / Trithemus in Hirsaugiensi Chronico. Anno 1345. stohlen etliche eine Hostiam cum ferculo, aus der Kirchen omnium sanctorum, do sie befinden / daß das ferculum nicht von Golde / werffen sie beydes an der Stadt Cracau in einen pfulichten Teich / der angefangen zu brennen und zu leuchten Tag und Nacht. Der Bischoff doselbst schreibet eine dreytägige Fasten aus / gehet im Process hin und findet die Hostiam mit dem ferculo, tregts an seinen Ort / und läst Casimirus II. eine schöne Kirche / Corporis Christi genand / von lauter Ziegeln dahin bauen. Ist auch eine neue Stadt Casimiria genand / dahin gebauet worden. Cromerus lib. 12. Ein Jude Jonathan kaufft zu Brüssel / von einem Pfarrer zu S. Catharinen etliche consecrirte Hostias, gibt sie seinem Weibe auffzuheben. Das Weib gibt Sie ihrem Sohne Abraham / der sticht Sie mit Messern / da läufft Blut raus. Das Wunder wird offenbar / die Mutter bekehrt / der Jude aber Abraham / ist auff Anordnung VVenceslai Hertzogs in Braband / mit seinen adhaerenten vor S. Catharinen Kirche lebendig verbrand / und die [241] Hostien in der hohen Stiffts-Kirch Gudulae auffgehaben word / Ludovicus Guicciardinus indescriptione Germaniae inferioris. Etliche Hirten legen auffn Felde Brod auff einen Stein / singen die Verba Coenae, lachender weise / sehen alsbald liegen blutig Menschen Fleisch / und sind sie stracks des jehlichen Todes gestorben / Hermannus Gigas einer mit Nahmen Marcus läst das gesegnete Brodt in Schoß fallen / wird eine Schlange drauß / die beist ihn / biß er Busse thut / Saxo. Sub Athanasio dem 35. Käyser Henrico bringet ein Münch in reichung des Abendmals Gifft bey / wird sterbe kranck / und empfindets / spricht in Gedult: Calicem vitae dedisti mihi in mortem. Den Kelch des Lebens hästu mir zum Todte gegeben / O Weh einem solchen Menschen! 1. Hieraus sehen wir die verstockung der Gottlosen / und die Feindschafft der Juden / so die tragen gegen JEsum / den sie gecreutziget haben. Wir sollen / heilig umbgehen mit dem heiligen Werck / Priester und Communicanten; denn es stehet drauff Leben und Todt / Fluch und Seegen / Verdamnüß und Seeligkeit / und solches in Ewigkeit. 2. Bespiegelt Euch demnach an diesen Exempeln alle ihr Sacraments Verächter / und jrret euch ja nicht / denn GOtt läst sich und seine Werck nicht spotten.
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102. Ein Jüngling wird vor Liebe in einer Nacht grau. HErr Doctor Sigemund Selden gedencket / daß bey seiner Zeit an Käyser Caroli V. Hofe / ein junger Edelman sey bey einer schönen Jungfrau im Bette gefunden worden / welche einer Vrsachen halben nicht haben können Ehelich zusammen geben werden. Als nun dieser ergrieffen / und ins Gefängnüß geleget / ist er in einer Nacht gantz und gar grau worden / wegen der Liebe Schmertzen / daß er nun vermeinet der Liehe gantz und gar beraubet zu seyn / und als Käyser Carl dieses mit leiblichen Augen gesehen / thut Er Anordnung / daß diese Liebhabende Personen ehelich zusammen gegeben werden / kein Vhrsach anzusehen / damit sie unverhindert der Liebe geniessen möchten. 1. Vmb die Liebe ist es ein hefftiges Ding / sie ist starck wie der Todt / nach Salomonis Ausspruch Cant. 8/6. Das beweiset das Exempel dieses Jünglings / welcher in einer eintzigen Nacht vor Liebe grau worden. 2. Junge Leute sollen sich vor der Liebe hüten / zumaln wenns noch nicht Zeit ist / daß sie lieben sollen. Es ist wohl bald geschehen / daß man sich in der Liebe Netz verwickelt / [243] aber man kan sich nicht so bald wiedrumb draus wickeln. Amor animi arbitrio sumitur, non depenitur, pflegen die Lateiner zu sagen. 103. Ein Bildhauer wil einer Frauen sein schönstes Bild verehren. EIn vortrefflicher Künstler und Bildhauer Praxitele / hat einem Weibe / Phryre genant / versprochen / er wolte ihr das schönste Bild / daß er in feiner Kunst-Kammer hätte / verehren. Nun wuste sie lange nicht / wie sie erfahren solte / welches das schönste / und ihm / dem Meister am liebsten wäre / inmassen er ihrs selbsten nicht sagen wolte / endlich erdacht sie einen solchen List: Sie lieff ihn an / ausser dem Hause / nach dem er eine geraume Zeit nicht daheim gewesen / erschreckte ihn mit der bösen Zeitung und sagte: Es were in seinem Abwesen Feuer auskommen / und seine Wohnung sambt der Werckstatt verbronnen. Darüber erschrickt er / und im Schrecken fieng er an zuruffen: Ach das Bild Cupidinis! Da merckte dis Weib / das müste das theuerste und wertheste Stück seyn / und erinnert ihm seines Versprechens. 1. Weiber-List / pfleget man wohl in Sprichwort zu sagen / uber alle List / [244] solches erweiset dieses Weib / in dem sie durch ein außgesonnenes Stucklein von dem Bildhauer heraus locket / was sonsten niemand von ihm erfahren konte. 2. In Schrecken fährt oftmals ein Wort heraus / das sonsten wol in Hertzen blieb / wie das Exempel dieses Bildhauers bezeiget. 104. Einer Marggräfin zu Meissen träumet / ein Engel bringe ihr einen bittern Trunck. Von Frau Agnes Marggraff Heinrichs zu Meissen andern Gemahlin wird erzehlet / daß / als sie auff dem Schloß Scharffenberg / sehr kranck darnieder gelegen / Ihr im Schlaff geträumet / als ob ein Engel mit einem güldenen Becher auff sie zugienge und Ihr daraus zutrüncke: Da sie nun denselben angenommen / daraus getruncken und gekostet / wie er mit sehr bittern Wein ein geschencket war; Hätte sie gesaget: Ach wie ein bitter Trunck ist dieses: Darauff der Engel geantwortet: Ja / liebe Fürstin / der Trunck ist bitter / [245] es wird aber eine grosse Süssigkeit darauff folgen: Dann diese Vitterkeit wird Gott selbst absüssen / und sey die Fürstin darauff gestorben und selig eingeschlaffen. O deß seligen Truncks! O deß seeligen Sterbens! O des seligen Wechsels. 1. GOTT läst einem Menschen offt etwas / Glück oder Vnglück in Traum andeuten / wie nicht allein aus diesem / sondern viel andern Exempeln zu erlernen. Darumb 2. Träume nicht allezeit zuverachten / wiewohl auch auff dieselben nicht allezeit zu bauen ist.

105.
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Ein Schein hat eine Schweins-Vlasen mit Gelde gefressen. Ein Bauers-Mann in Westphalen hatte sein Geld in einer Schweins-Blasen verlohren / und deßwegen eine Zauberin befragt / die deßwegen mit ihrem Geist in einem Stadel geredt / der Ihr geantwortet / daß das Schwein es sambt der Schweins-Blase auffgefressen: Sie aber solte zum Bauern sagen / sein Weib hette daß Geld entwendet / und verzehre es mit ihrem Anhang / dem Pfaffen in dem Dorff. Es hat aber solches ein armer Taglöh [246] ner / So im besagten Stadel geschlassen / als er darüber erwacht / gehört / und es dem Bauer angezeigt: Der alsobalden des Schwein geschlachtet / und sein Geld wieder gefunden, und ward hierauff die Her lebendig verbrennt. 1. Diesem Bier ist recht gegeben worden / denn Hexen und Zaubergesinde gehören auff dem Scheiter Hauffen. 2. Man siehet aus dieser Geschicht / nicht nur allein / was der böse Feind vor ein Gast ist / und wie er denen Menschen zu schaden gedencket: Sondern auch / wie Gott über die Seinen hält / und vielmals eine Sache wunderlich weiß an Tag zubringen / Wie leicht hette des Bauren Weib bey ihrem Mann können in Verdacht und Vnglück kommen / wenn Gott nicht den Taglöhner auffwachen lassen. 106. Von einem Graven von Gleichen / der zwey Eheweiber gehabt. ZV Erffurt / in der Peters-Kirchen auf dem Berge / liegt Graff Ludwig von Gleichen zwischen zweyen Eheweibern / die er auff einmahl gehabt: Derer Bildnussen / auff dem Grabstein zu sehen find. Er bekam sie aber beyde auf folgende weise. Es zog Käyser Friederich / der erste dieses Nahmens / im [247] Jahr Christi 1189. mit grosser Heeres Krafft / in das gelobte Land / dasselbe wieder einzunehmen / und die Christen aus der Türcken Hand zu erretten. Er sturb aber unter wegs / zu Hidrunt / in klein Armenien. Nach jhme wurde zum Obersten Kriegs-Haupt erwehlet Hertzog Leopold von Oesterreich / und wurden viel Städte deß Züdischen Landes / als Zoppen / Zerusalem / Ptolemais / Nazareth von den Christen / aus der Türcken Gewalt / weggenommen / daß der Türckische Käyser Friede suchen muste. Znzwischen spatzirete einsten Graf Ludwig von Gleichen / mit wenigen Bedienten ausser der Stadt Ptolomais / wurde von den Türcken gefangen / und weil er sich nicht zu erkennen geben wolte / den andern Gefangenen / in knechtischer harter Dienstbarkeit / gleich gehalten. Zn jhn verliebte sich / wegen seiner Schönheit und Tapfferkeit / die ihm aus dem Augen heraus leuchtete / eines Türckischen fürstens überaus schöne Tochter. (Derer Bildnüß ich / schreibt Herr Dillherr zu Nürnberg / vor 20. Zahren in Türingen / auf dem Schloß Drackendorff / eine halbe Meil wegs von Jehna / mit verwunderung gesehen habe) selbige thät ihm / verborgener weise / viel guts / und zeigete Ihm an: Wenn er sie wolte heyrathen; so wolte sie ihn davon helffen. Der Graff berichtete; Er habe schon ein [248] Weib / und zwey Kinder mit ihr gezeiget: Zedoch verhoffe er / von den Pabst so viel zu erhalten / daß er sie (welches sonst den Christen nicht zugelassen) neben seinem vorigem Gemahl / behalten dörffe. Darauff ziehen sie / mit wenigen vertrauten Auffwärtern / davon / und kommen zu Venedig glücklich an. Von dannen reiset der Graff auff Kom / erlangt Päbstliche Einwilligung / zeucht ferner mit seiner Türckin in sein Haymath / wird / nach gelangter gnugsamer Erkundigung der geleisteten Treu / von seiner vorigen Gemahlin / auff das allerfreundlichste / neben der Türckin / angenommen: und leben beede Eheweiber / biß an ihr End / in höchster Ruhe / Fried und Vertrauligkeit 1. Dergleichen Sclavische Dienstbarkeit loß zu werden verursachet einen offt zu etwas / so er sonsten nicht thete. 2. Dieses ist ein rares Exempel / und sich sonderlich zu verwundern / daß beyde Eheweiber sich beständig also mit einander vertragen / welches sonsten selten geschehen / massen auch die beyden Schwestern / Lea und Rahel / Jacobs Weiber / jmmer mit einander gezancket.
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107. Von Cipselo / welcher sich wie ein Löw und Lamb erwiesen. Zv Corinth war ein vornehmer Mann Ection, der mit Labda seinem Weibe eine geraume Zeit eine unfruchtbare Ehe hatte / darumb er das Oraculum nach Heydnischen Mißbrauch consulirte, ob er dann kein Kind in seiner Ehe zengen würde? Der Propheten Teuffel antwortete / ja er würde einen starcken trotzigen Löwen erzeugen. Als Labda des Kindes geneset / fürchten die Chorinthier / es dörffte der trotzige und starcke Löw einen grimmigen und tyrannischen Regenten bey ihnen bedeuten. Demselben Vnheyl vorzukommen / schicken sie 10. Männer aus / die solten die vermeinte junge Bestiam tödten. Als diese zur Kindbetterin eingehen / wunschen sie ihr Glück zu jhrem jungen Sohne / und begehren denselbigen zu sehen. Die gute Mutter bedanckt sich / und gibt ihnen das unschuldige Kind hin zusehen / gantz ohn / daß sie sich dergleichen fürhabenden Meuchel-Mordts beförchtete. Das Wochen-Kind lächelt und stellet sich so freundlich / daß einer dem andern solches in die Arm giebet / und doch keiner übet das Hertz bringen kan / das liebe Hertzlein umbzubringen / sondern gehen alle 10. wiederumb unverrichteter Sachen davon. Als [250] sie aber zur Thür hinaus kommen / straffen und schämen sie sich selbsten untereinander / daß sie allzumahl so Mämmisch und weichblöd sich erzeiget / und den anbefohlenen Kinder Mordt nicht vollbracht: Werden darüber Sinnes / wieder umb zu kehren / und die Frevel-That zu exequirn. Das hörete die lauschende Kindes-Mutter / und stecket eilend ihr Söhnlein ins Bettstroh / daß die Männer desselben durch alle Wunder nicht können finden / und ob den Handel bestürtzt abermal unverrichteter Sachen davon gehen. Das Kind aber wurd heimlich erzogen / Cipselus genennet / und nachmahls 30 Jahr zu Corintho ein ernsthaffter / gestrenger Regent / gegen die bösen ein Löw / gegen die frommen aber ein Lamb / starb entlich in guter Kuh / und bliebe von den bösen Buben ungetödtet. 1. Was GOtt wil erquicken / kan der Teuffel und kein Mensch erstieken. Er kan auch zornigen Leuten und Tyrannen ihre Hertzen regieren / daß sie denen nicht Schaden zufügen dürffen / welche er in seinen Schutz genommen / wie wir ein klares Exempel an diesem Kinde haben / welches die trotzigen Corinther müssen ungetödt???lassen. 2. GOtt der HERR kan mit diesem Cipsele gar artig verglichen werden. Denn gegen die Frommen ist Er auch ein Lamb / gegen die Bösen aber ein Löw.
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108. Hoffarth wird gestrafft. MAuritius Rachelius, weyland Senior des Ministerii zu Gustran / gedenkt in einer sonderlichen davon gehalten Predigt / einer schrecklichen Historien / so sich / im Jahr Christi 2584. zu Spondau / in der Chur Brandenburg / begeben., Daß / nemlich / als daselbst ein grosser Hoffart im Schwang gegangen / und insonderheit die grosse und breite Schleifstein-Krägen gantz überhand genommen / und kein Predigen mehr abhelffen können / durch Gottes gerechtes Verhängnüß / der Teuffel / in gestalt eines reichen Kramers / für die Stadt kommen / und allerley stattliche Krägen feil gehabt / da denn ein grosser Zulauff worden / und viel Kauffens gewesen. Wie viel aber solche Krägen gekaufft hatten / wurden hernach leiblich von dem Teuffel besessen: Biß sich GOtt auff inständiges Hauß- und Kirchen-Gebet / über sie erbarmete / dem Teuffel steurete / und die besessene von ihrer Quaal erledigte. Worauff sie ernste Busse gethan / und ihre grosse und [252] breite Schleifstein-Krägen / auff öffentlichem Kirchhoff / verbrennet. 1. Alle hoffärtigen sollen sich dieses Exempel lassen zur Warnung gesaget seyn / und mit den Kleidern / als welches nur Sünden-Teekel seyn / ja nicht stoltzieren und prangen. 2. Wir erlernen hieraus / was der Teuffel / wenn GOtt verhängt / vor Macht hat / daß er auch die Leute leiblich besitzet. Dem lasset uns / nach Petri Vermahnung im Glauben fest wiederstehen. 109 Ambrosius will bey einem nicht bleiben / dem es all zuglücklichen gehet. VOn dem heilgen Bischoff und Kirchen-Lehrer Ambrosio lieset man / daß er einmal auff der Reise bey einem reiche̅ Vorwercks Herren eingekehret / und zum Wirth gesprochen habe: Lieber Freund / wie gehts euch? Sehr wohl / antwortet der Wirth ich habe Geld und Gut vollauff / die Böden sind mit Korn wohl beschüttet / die Keller sind voll Wein / Ich habe schöne und gesunde Kinder / ja es ist mir die Ziet meines Lebens nichts wieder [253] wertiges zu handen kommen. Als solches Ambrosius höret / erschrickt er / und sagt zu seinen Gefehrten / schicket euch bald wieder zur Reise / und lasset uns aus diesem Hause gehen / denn hie wohnet GOTT gewieß nicht / als welcher ist ein Vater der elenden und betrübten. Was geschicht? So bald er mit seinen Gesellen heraus kömbt / thut sich der Erd-Boden auff / und verschlinget Hauß und Hoff / Wirth und Gäste / und alles was darinnen war / und vermelden die Geschicht-Schreiber / daß noch heutiges Tages die Vestigia des Orts gesehen werden. 1. Alle die da gottselig leben wollen müssen Verfolgung leiden / schreibet der Apostel. Wem es derowegen stets wol gehet / un̅ wer kein Creutz hat / wie dieser Wirth keines gehabt / der ist gewieß kein liebes Kind GOttes. 2. Helliger Leute und Priester Reden sind wol in acht zu nehmen / denn sie sind selten vergebens. Das Exempel des Kirchen-Lehrers Ambrosil bezeuget solches / und könten dergleichen noch viel angeführes werden.
|| [254]
110. Wie hertzhafft der Thebanische Kriegs-Fürst Epaminondas gestorben. Als der tapffere Held und Thebanische Krieges-Fürst Epaminondas, in der berühmten Feld-Schlacht bey Mantinea, von den Feinden / den Lacdaemoniern / erkant / und in derer vollen Zudrang / und eigener ritterlichen Gegenwehr / mit einem Wurff-Spieß / dermassen war verwundet wordë / daß er wohl bey sich gemerckt / wann daß Eysen oder Waffen aus dem Leibe würde raus gezogen werden / die Seele auch so gleich mit außziehen würde, Hat er dasselbe so lange in sich stecken lassen / biß daß er von seinen Leuten und treuen Hülffs-Leistern / dieser zweyer zuwissen begehrter Dinge / nemblich: Ob einmal sein Schild noch gantz: Dann ferners: Ob die Feinde überwunden weren / vergewissert worden? Welches als er es beedes nach Hertzens-Wunsch vernonmen / hat er sich gegen die umbstehende großmütig hören lassen: Non finis, commilitones meae vitae, sed melius & altius initium adveniet, nunc enim vester Epaminondas nascitur, quia sic moritur: O Ihr Brüder / Jetznahet sich / nicht das Ende / sondern ein weit besserer und herrlicherer Anfang meines Lebens herzu; Euer Epaminon das wird so nach erst gebohren / nun er auff eine solche weise stirbt: Inmassen sein Heroischer Abschied also von Valeriê Ma [255] ximô beschrieben wird; welchem Cornelius Nepos auch dieses beybringt / daß er vor seinem Ende gesaget habe: Satis vixi, invictus enim moriorgnug gelebet / sintemal ich als ein unüberwindlicher Vberwinder sterbe. Herrliche Wort / wann Epaminondas solche als ein Bunds-Genoß Gottes geredet hette / und als ein Bunds-Genoß GOttes gestorben were. 1. Was rechte Helden sind / die erweisen sich auch im Tode Mannhafft und unerschrocken. 2. Christen sollen dieses sonderlich beobachten / denn ein jedweder unter denselben kan in der Krafft Christi / wen̅ er stirbt / gläubig sagen: Satis vixi, invictus enim morior, Gnug gelebet / sintemahl ich als ein unüberwindlicher Uberwinder in meinem HErrn JEsu sterbe.

111.
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Auff Predigten soll mann fleßig studiren VAn lieset bey dem Erasmo von dem berühmten Redner Demosthene, daß er dem weisen und verstendigen Mann Epicli habe fürgehalten: Warumb er allezeit so fleißig studire / wann er irgend [256] enie Oration oder Predigt solle zu dem Volck halten? Darauff Ihm dieser zur Antwort geben: Erubescerem optimo jure, si tantae multitudini consulens dicerem ex tempore, Ich müste mich ja billich schämen / wann ich ohne sonderbarem Bedacht und vorherge gangenen studiren reden solte / da ich doch gemeiniglich aufftrete / mit meiner Oration oder Rede einer gantzen Gemeine zu dienen. 1. Dieses sollen alle Prediger in acht nehmen / und wenn es die Noht nicht erfordert / ja nicht ex tempore aufftreten und predigen / sondern zuvor fleißig auf ihre Predigten studieren. Denn gewiß man lehret viel nützlicher / ist auch viel behertzter zum Reden / wenn man studieret und auff eine Sache gedacht hat / als wenn man hersaget / was einem ins Maul kömpt. Da sind denn nichts als scopae difsolutae, und solche Dinge / die sich auffeinander und zu einander nicht schicken. 2. Es sollen aber ihnen dieses nicht allein Prediger / sondern auch Schul-Lehrer lassen gesaget seyn. Denn de paribu??? he ist es / par est ratio,
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112. Eines Hertzogs von Sachsen heimliches lachen / über einer Lothringischen Fürstin Nase. SEbastian Brant und D. Wigelius rühmen unter andern hohen Tugenden an Hertzog Wilhelmen zu Lothringen auch dieses trefflich wol. Als ein Fürst aus Sachsen zu ihm kom̅en / den er als einen lieben Freund wol tractiret / auch über Tisch mancherley seltzame Reden von Heyrathen und andern vorgefallen / da siehet der Hertzog aus Sachsen des Fürsten Gemahl über Tisch an / welche gar unförmlich gewesen / und über aus eine grosse scheußliche Nase / und weite schwartze Augen gehabt / und dencket bey sich selbst: Ach! der gute Herr ist wol nicht selbest zur stelle gewesen / im Anfang der Häyrath / kan sich auch des Lachens nicht enthalten / bitter derwegen umb Verzeibung / daß sie ja nicht wollen meynen / als ob ihm an der Taffel was seltzames fürkommen. Die Fürstin aber bewegt sich im Zorn / und gehet mit weinen vom Tische. Der Lothringer will durchaus wissen / was solches lachen in sich habe / dieser Fürst aus Sachsen spricht: jhm sey ein Abentheuerliche abwesende Sachen eingefallen / man wolle es ja nicht übel verstehen / oder annehmen; Als aber in nach forschen nicht nach gelassen wird / und der [258] Hertzog von Lothringen es hochbetheuerte / daß es jhn durchaus nicht verdrissen solte / ob es schon sein Gemahl (wie ers denn Augenscheinlich verstunde) angienge. Da sprach der löbliche Fürst aus Sachsen: Ich muß doch bekennen / und wundert mich nicht wenig / weil ihr (ohne Heucheley) so ein schöner Junger Fürst seyet / wie ihr doch diese Jungfrau habet können lieb haben. Darauff jener geantworter und gesagt: Ja es ist mir sehr offt auch von meinen besten Freunden vorgehalten worden / daß ich mir so eine unformliche Person erwehlet habe / nun weiß GOtt in hohen Himmel dem alle unsere Gedancken unverborgen sind / daß mich auch heute noch deucht / sie habe die aller schöneste Menschliche proportion an ihr / unter alien schönen Leuten auff Erden / wüste auch nicht / wie ich eine liebhaben könte / wann sie nicht in solcher gestalt und Form / mit solcher Nasen / und grossen schwartzen Augen gestalt were / ja mir gefället über die masse alle jhre Gestalt / Sitten und Weise / ob sich schon ewer Liebe wegen derselben hoch verwundern / und solche wol vor eine greuliche heimlich gehalten / so habe ich mir sie doch vor schön eingebildet / und lasse mir auch solche meine Meynung keinen Menschen erleiden / ein anderer möge lieben was er will / ich liebe sie vor alle andere Weibsbilder in der gantzen Christenheit / und sprach weiter: Man rühmet bey unser [259] Zeit die Hertzogin zu Saphoien / das solte / wie jederman saget / die schöneste in aller Welt seyn / sie ist mit ihren Herren offt an meinem Tisch gewesen / auch zuvor als sie eine Jungfrau und unverheyratet war / hab sie auch anderwo / so wol an ihres Vatein Hofe gesehen / noch sage ich auff meineim Eyd und Gewissen / wenn mir der Hertzog zu Saphoien wolte zwo Tonnen Goldes zugeben / daß ich mit ihm tauschen solt / weil sie im gleichen Alter / und solche Wechselung auch vor allen Völckern in der Welt vor billich und recht erkandt würde / auch keiner Fürstlichen Redligkeit zu wieder wäre / daß ich doch solches in keinem Wege thun wolte / so war ich hoffe seelig zu werden: Ja ich könte ohne mein liebes Ehegemahl (die ich vor ausbündig schön halte) nicht recht frölich seyn. Darzu möchte ich auch gerne wissen / wie nur eine müste gestalt seyn / daß ich sie so lieb haben könte / als meine hertzliebe Margaretham / die allein ist eine Zierde vor meinen Augen / ohne sie begehre ich auch nicht zu leben / und halte sie / wie gedacht / in meinem Hertzen vor schön / es thur mir auch gar nicht zorn / wann sie andere vor greulich und ungestalt halten / sondern dancke dem lieben GOtt dafür / daß sie sonst keinem / als mir allein / wolgefället / darumb trachtet jhr wol keiner heimlich nach / ich darff mich auch gar nicht befürchten / daß ich von ihr Erben bekommen möchte / die [260] einem andern Vater zugehöreten / und mich nur vergebens Vater nenneten und mein Land erbeten / und GOtt wüste was Geblüts oder Naturssie wehren / wie in der Welt gar offt und gemein geschiehet / daß mancher einem andern einen Schlaffgenoß vorhelt / und ihm noch darzu seine Kinder erzeucht. Dieser Sorgen bin ich Gott Lob sicher und überhaben. 1. Hier siehet und erlernet man / daß die Liebe ja so bald auff etwas häßliches / als auff etwas schönes fält / und zugleich auch 2. Daß gleich wie nach Meynung der Metaphysicorum das Bonum ist entweder in se oder alicui, also auch das Pulchrum. Denn obwohl diese Lotringische Fürstin an sich selbsten nicht schön war / so war sie doch in den Augen ihres Herrn die allerschönste. 113. GOtt ist die beste Festung / ohne Ihm sind alle hohe Mauren und Thürme nichts. DIe Mauren der Stadt Jerusalem sind fest und ansehlich gemeiniglich auff 25. oder 30. Ellenbogen hoch / und 20. El [261] lenbogen dicke gewesen: Die Mauren des eussersten Vorhoffs am Tempel / welcher auff dem Berg Morija stunde / sind aus dem Thal Cedron in die Höhe zu rechnen 400. Ellenbogen hoch gewesen / darauf erst noch hohe Thürme / die Zinnen des Tempels genandt / gestanden so sehr hoch / daß / wer da hinab gesehen hat in das tieffe Thal / dem ist das Gesicht vergangen: Die Mauren zu Babel sind nach Strabonis Bericht in Vmbkreiß 12. Teutsch Meilen / in der Höhe 200. Ellen / und in der Dicke so breit gewesen / daß 2. Wagen darauff einander haben ausweichen können / oder nach Diorisiculi Meynung fast 3. Welsche Meilen hoch / und so breit gewesen / daß 6. Wagen an einander haben fahren können / allermassen sie auch unter die 7. Wunderwerck der Welt gerechnet worden: Aber die Hierosolymitanische und Babylonische Mauren sind ihren Einwohnern eine schlechte Sicherung gewesen / sie sind verheeret und zerstöret / Eulen haben in ihren Pallästen gesungen / Drachen und Strauffen haben da genistet / Esa. 13. Daher was ein Geisteyveriger Theologus saget: An alle Festungen gehöre dieser Reim: Hilft Gott / uns ist hiermit ungeholffen / das wird wol diß an der Welt Ende bleiben: GOtt ist die einzige wahre und unüberwindliche Stärcke sonst nichts / Er ist der rechte Protector & defensor wie Lyra das Wort Mauer im vorangezogenen 2. Cap. Zachariae erkläret.
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1. Niemand verlasse sich ja auff Festungen / Pasteyen und hohe Thürme / denn alles was Menschen Hände machen / das können sie auch wieder niederreissen. Aber 2. Der Name deß HErrn ist ein festes Schloß / und wer GOtt auff seiner Seiten hat / der kan mit David über die Mauren springen. 114. Welches Anaxagoras vor die glückseeligsten Leute gehalten. VOn Anaxagora, dem berühmten Philosopho, meldet dorten Val. Max. l. 7. cap. 2. als Er einsmaln gefragt wurde / welches die allerglückseligsten Leute wären / daß Er deme / so solche Frag proponiret / geantwortet: Nemo sanè ex iis, quos tu felices existimas, sed is, quem tu miserum credis: O! keiner unter denen / die du für glückseelig achtest / sondern die du meynen soltest / daß sie die aller unglückseligste wären / sind die allerglückseligsten. Ist trauen eine sehr bescheidene und hochvernünftige Antwort / zumaln von einem Heyden. Solte mich / [263] als einen Christen und Knecht Gottes ein weltsüchtiger Mensch fragen / welches die seeligsten Leute wären? Wüste ich ihme in Warheit (aber in Christlichem Verstand) auch nicht besser zu antworten / als daß ich mit Anaxagora sagte: Nemo sanè ex iis, quos tu felices existimas, sed is, quem tu miserum credis, O! keiner unter denen / die du für glückselig achtest / sondern die du meynen soltest / daß sie die aller unglückseligste weren / sind die allerglückseligsten. 1. Die rechte Glückseligkeit muß nicht nach dem eusserlichen Ansehen geurtheilet werden. 2. Das zeiget auch Christus an / wenn Er von seinen Aposteln / welches doch arme einfältige und mehrentheils bey der Fischerey erzogene Leute wahren / saget: Seelig sind die Augen / so da sehen / das ihr sehet / Luc. 10. 115. Ein Prälat bekömpt von seinem Narren eine Maulschellen. EJn vornehmer Prälat solt an einem grossen Fest die Vesper anfahen / und nach dem man das Vater unser in der stille gebetet / fieng der Prälat die Vesper an zu fingen / [264] Deus in adjutorium, &c. Der Chor antwortete / wie gebräuchlich / Domine ad juvandum &c. Welches als es des Prälaten Narr mit verwunderung gesehen / schlug er den Prälaten an den Halß / und sprach: Das Geschrey hast du gemacht. 1. Narren hält man off???mals etwas zu gut / so einem andern nicht geschehe. 2. Wenn man ernstliche Sachen tractiren wil / so soll man keine Narren dazu nehmen. Hette dieser Prälat es bedacht / und den Narren zu Hause gelassen / so wehr ihm keine Maulschellen zu theil worden. 116. Von künstlichen Wasser Orgeln. ES hat sich in der Welt ehedessen jmmerein scharffsinniger Kopff nach dem andern gefunden / dadurch die Edle Orgel-Kunst von Zeit zu Zeit gewachsen und zugenommen. Die Historien Schreiber können ihre Federn nicht gnugsam erfüllen / wann sie die grosse Geschickligkeit eines Venetianischen Priesters Georgii, welcher von Balderico einem Grafen aus Vngarn / dem Römischen Käyser Ludovico Pio, als ein sonderlicher Künstler commendiret worden / beschreiben wollen / daß derselbe Organum Hydraulicum, oder eine Wasser-Orgel / gemacht habe / welche durch das Was [265] ser gestimmet worden ist. So lieset man auch mit höchster Verwunderung von Gilberto, einem Bischoffe zu Remis, welcher im Jahr Christi 997. aus Ertzt / oder Meßing eine Orgel verfertiget / durch Hülffe der Mathematischen Kunst / die nur eine aneinander gegossene Keyhe Pfeiffen gehabt / und von des warmen Wassers Krafft ihren Klang von sich hat schallen lassen. 1. Die Künste steigen heut zu Tage sehr hoch / und machen ihre Meister berühmt. 2. Aber das sind die besten Künstler / welche ihre gröste Kunst in der him̅lischen Weißheit suchen / und in Erkennung solcher erweisen.

117.
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Von Paßporten / so man in der Moßkaw den Toden gibt. IN der Moßkaw soll man denen Toden Paßporte solches Inhalts geben: Wir N. N. Bischoff und Priester allhier / N. bekennen und bezeugen hiermit / daß dieser gegenwertige N. bey uns / als ein rechter greigischer Christe gelebet / und ob er wohl bißweilen gesündiget / hat er doch / siene Sünde gebeichtet / die Absolution, und das H. Abendmahl / empfangen / zu Vergebung seiner Sünden. Er hat auch GOtt / und seine Heiligen / recht geehret / gefastet / und gebetet / wie sichs gebühret. Hat sich auch mit [266] mir N. Als seinem Beichwatter / in allem wol verglichen / daß ich ihm seine Sünde gäntzlich vergeben / und auff ihn nichts zu sprechen habe / darumb wir Ihm diesen Beweiß mit gegeben haben / S. Petro / und andern Heiligen / zu zeigen / damit er ungehindert möge zur Thür der Freuden eingelassen werden. 1. Das sind elende Paßporte / die keinen werden sicher Gleid im Himmel machen. Das beste Paßport ist: Ich glaub / daß mein HERR JEsus Christ / für all mein Sünd gestorben ist / und etc. 2. Lernet hier / wie man die armen einfältigen Leute äffet / und solcher Dinge überredet / die gantz keinen Grund in der Schrifft haben. 118. Eine Bauers-Frau schicket ihrem Mann Zehrung ins Paradiß. EJner Bauer-Frauen war ihr erster Mann gestorben / sie hatte zum andernmal wieder gefreyet / derselbe ander Mann war im Felde beym Pfluge / unterdessen kam ein Paedagogus, oder Schüler / bat umb ein stücklein Brod / die Fraufragte / wo er her käme? Er sagte von Pariß. Sie meinte Paradiß / fragte den Schüler / wat macket min erste Männ? [267] Kenne gy em? Antwort. Ja wol / er ist noch wol auff / aber er hat nichts zu verzehren / und ist übel bekleidet. Die Frau spricht: O kamet in / gy gode Fründ / kenn gy minen Männ / (gab diesem Essen und Trincken und Zehr-Geld / vor ihren Mann aber auch Geld / und ließ ihn gehen.) Der ander Mann kam zu Hause / die Frau lieff ihm Freuden entgegen / sagte: Männ / ick hebbe Post gehat von minem ersten Männ. Antwort. Du hest dickden Düfel. Frau / jä Männ / hier wat ein Gades Kind / te tam uten Paradiß / de kende em wol / de säde / he hätte nichts tho vertören / ick hebbe em wat mede geschickt. Antwort / du häst dick den Düsel schickt / wo gieng de Kerl hen? Frau / da na dem Holte. Der Mann nahm ein Pserd / und ritte ihm nach / der Schüler sahe / daß ihm einer mit dem Pferde nacheilete / vermuthete nichts gutes / warff den Vündel übern Zaun / und satzte sich von ferne nieder / der Mann kam geritten / fragte diesen / ob nicht einer mit einem Packen dahin gangen were? Dieser sagte ja / er were allererst da übern Zaun gestiegen / würde nicht weit seyn / nun konte [268] der Mann mit dem Pferde nicht übern Zaun kommen / bat derowegen diesen / daß er ihm das Pferd ein wenig halten möchte / das geschahe. Wie nun der Mann über den Zaun gestiegen war / und ins Holtz gieng / unterdessen holte der Schüler sein Päcklein wieder / satzte sich auffs Pferd / und ritte also nach dem Paradiß zu / der Mann kam wieder / war sein Pferd auch loß worden / die Frau sprach: Wo hei gy ju Pferd laten? Antwort. Ey / ick sah dat de Gades-Mann mit dem Paken nicht fort kamen kunte / drum gaff ick em dat Pferd mit / (durffte nicht sagen / daß er auch betrogen were.) 1. Diese Bauers - Frau ist eine einfältige Frau gewesen / heut zu Tage dürffte man dergleichen schwerlich antreffen. 2. Narren muß man die Kolben lausen / hat dieser Schüler gedacht / und ist ihm eben so groß nicht zu verargen gewesen / weil man ihm das Geld und Pferd an praesentiret / daß er beydes zu sich genommen. 119. Kinder sind dem Kräutlein Sardonia zu vergleichen
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ERasmus in seinen Adagiis, (editlone novissimâ) sub titulo Risus, meldet / daß in der Insul Sardinia ein Kräutlein / vornemblich an den Brun̅quellen wachse / welches auch von derselben Insul den Namen hat / daß es genennet wird Sardoa, oder Sardonia, und ähnlich sein soll dem appio oder appiastro, das soll diese Eigenschafft an Ihme haben: Wenn es gessen und genossen wird / ist es süsse / lieblich und anmuthig zu nehmen / Aber nach der Kost machet es solche Schmertzen / daß es alles Geblüt im Leibe beweget / die Adern und Mund zusammen zeucht in eine sonderbahre und wiedrige Form und Gestalt / ist auch tödlich / wo dem Menschen nicht balde wieder gerathen und geholffen wird. Sind nicht die Kinder eine solche Sardonia? Wann sie uns GOTT giebet / sie erhält / sie auffwachsen lässet / daß wir meinen Trost und Freude an ihnen zu haben und zu erleben / da ist Christlichen Eltern nichts liebers / nichts anmuthigers / nichts erfreulicher / und heisset aus dem Menandro: O filii! filiae! quantum Philtrum estis humanae menti. O ihr Kinder! O Jhr Kinder! was seyd ihr doch dem Menschlichen Gemüthe vor ein starcker Liebes-Trunck. Dargegen aber wenn solche Kinder durch den zeitlichen Todt wieder abgefordert und hinweg genommen werden / bricht den Eltern das Hertz / und fühlen sie in allen Adern / in allen affecten, an dem Gemüth / an dem Willen und Geist eitel Schmertzen.
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1. Dieses ist die purlautere Warheit / die jenigen aber / welche keine Kinder gezeuget / könnens nicht gläuben / oder ihnen einbilden. 2. Ihr lieben Eltern / wenn euch GOtt kinder gibt / so ziehet sie fein wol / sonsten werden sie euch noch ehe Sie sterben zur bittern Sardonia, wie Jacob / wie David und andere Väter mehr erfahren. 120. Von der Jungfrauen Dorothea. DOrothea / nach ihrem Namen eine Gabe GOttes / ist eine Jungfrau gewesen voller Glaubens / Liebe und Hoffnung / darauff sie gefliessen und geneiget war / GOttes Gebot zu halten / und umb der Ehre seines göttlichen Namens willen / alles Wiederwertige zu leiden. Jhr Vater ein Edler Römer und guter Christ / wendet sich zur Zeit des schweren Creutzes aus Italien sambt zweyen Töchtern Ehreste und Caliste in Cappadoeien Land / in die Stadt Caesarea, wolte die blutige Verolgung fliehen / und kam eben mitten dar [271] ein. Daselbst ward Ihm die Dritte Tochter / diese Dorothea gebohren / welche die Eltern sonderlich wol in Christlicher Religion und Tugend erzogen. Die ersten zwey hatten zwar etwas bitters gelitten / waren aber von selbigen Leiden überwunden / also daß sie den Glauben verleugneten / und der Abgötterey zu fielen. Als nun Dorothea auch erwachsen war / begunt sie der Ambtmann zu Caesarea, Fabricius (oder Sapricius) lieb zu haben hette ihr gern einen Mann gegeben / damit sie zum Unglauben käme / er fordert sie zu sich / und fraget was er wolte / sie bekant aber daß sie eine Christin were. Und als ihr darauff geboten ward den Heydnischen Götzen zu opffern / verantworttete sie sich mit GOttes Wort gar schön / nemblich / daß man GOTT in Himmel allein anbeten und ehren soll / verfluchte darzu alle Götter / die weder Himmel noch Erden gemacht haben. Dannenhero ob man gleich auff sie gedrungen / so gabe sie dennoch nichts drauff / sondern tröstet sich mit der H. Schrifft / und wapnet sich zur vorstehenden Marter.
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Als aber mit aller Schärffe nichts außgerichtet ward / bestellete man Ihre zwey Schwestern / damit sie die standhafftige Dorothea zum Heidnischen Unglauben bereden solten / es geschach aber vielmehr / daß Dorothea dieselbigen ihre 2. Schwestern beredet / daß sie wie drumb aus dem Unglauben zum wahren Glauben und GOttesdienst / traten / deßwegen sie auch auff Fabricii Befehl gegriffen und verbrennet worden; Die Dorotheam aber peinigte man auff mancherley weise mit Reisen / mit Liecht brennen / und dergleichen. Endlich ergieng über sie das Urtheil: Dorothea die stoltze Dirn / und Verächterin der Götter / soll mit dem Schwerdt gerichtet werden / dafür dancket sie dem HErrn Christo / der sie hierzu gewürdiget. Im aus führen / spricht sie ein Scholasticus oder Advocat spöttlich an / mit Nahmen Theophilus und bittet / sie wolte ihm etwas von wolriechenden Rosen aus dem Paradeiß oder Garten ihres großgerühmten Bräutigams schicken / dieses wird ihm zugesaget / und gehalten. Denn als Dorothea vom Scharffrichter Frist zu beten [273] erlangt / ordnets GOtt / daß ein sch???nes Knäblein etliche Rösen und Aepffel in einem Körblein zu ihr gebracht / welche sie dem Theophilo zu überbringen befohlen. Nach dieser Wunder-Geschicht ward Dorothea enthäuptet / Theophilus aber ward durch Ursach dieses Wunderzeichens bald gläubig / und ein Christen-Genoß / bekennet auch / daß Christus sey der erste Gott / mit den gemachten Göttern sey es eytel Lügen und Betrug. Uber dieser plötzlichen Bekehrung Theophili entsatzt sich jederman / sonderlich weil er zuvor hart wieder die Christen getobet hatte. Nach dem er aber die Ursach seiner Bekehrung angezeiget / ließ ihn Fabricius als einen Ubelthäter angreiffen / auffhängen / spannen und mit Liechten brennen / und endlich mit dem Schwerdt enthäupten. 1. Nicht nur allein alle die den Nahmen Dorothea führen / sondern auch alle Christen sollen beständig an ihrem Christo hangen / und sich von dessen Liebe nichts scheiden lassen. Denn wer umb seines Nahniens und Ehre willen hier sein Leben / oder etwas anders verläst / der solls dorten hundertfältig überkommen / und [274] darzu das ewige Leben ererben / wie Christus darauff vertröstet / Marth. 19. 2. Ob gleich Weibes-Personen schwache Werckzeuge sind / so ist doch die Krafft Gottes in denselben auch mächtig / wie wir an diesem Jungfräulein Dorotheen erlernen können. 121. Ein kreisendes Weib erwürget sich selbsten / als sich bey ihr die Geburts Schmertzen finden. ES melden die Historien von einem Weibe / die zwar eine getauffte Christin war / daß dieselbe / als sie schwanger gewesen / der Teuffel also verblendet / daß sie sich hefftig vor den Schmertzen entsetzet / daß sie sich öffentlich verlauten lassen / wo ihr unser lieber Gott in der Geburt nicht bald würde helffen / und sie entbinden / so muste sie sich vor grosser Angst tödten / und das hat sie auch gethan. Denn da allgemach die Schmertzen herzugenahet / und etliche Frauen bey ihr gewesen / da hat sie sich selbst erwürget mit einem Schleyer / ehe es jemand gewahr worden. 1. Hier siehet man / was der böse Feind vor ein Gast ist / und wie er denen Leuten / sonderlich zu der Zeit nachstellet / wenn sie in Noht gerahten. [275] Darumb ist uns das liebe Gebet von Nöhten. 2. Sonderlich sollen schwangere Weiber des Gebets nicht vergessen / und Morgens und Abends zu Gott ruffen / daß er sie und ihre Leibes Früchte durch seine heilige Engel wieder den Teuffel beschützen wolle.

122.
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Was eine Adeliche Frau denen Jesuiten auff ansuchen vermachet. EIne Edelfrau lag auf dem Todt / und wurde von den Herren Jesuiten vermahnet / weil sie eine ansehnliche Erbschafft hinterliese / daß sie doch möchte eine Summa von 1000. dicke Thaler an ihr Kloster legiren, und solche durch den anwesenden Notarium in ihrer Praesentz corroboriren lassen; Ob zwar diese Adedeliche Dame ungern daran gewolt / hat sie dannoch auff inständiges remonstriren fructus bonorum operum, relaxationes expurgatorio & anticipationis beatitudinis &c. müssen ja sagen: Woraus der Notar. die Feder gespitzet / und derselben Dinten zu trincken gegeben: (Notar.) So [276] vermach ich unsern Pfaffen / (Nobiliss. cum voce tremulante) So vermak ick usern Papen / (Notar.) dausend dicke Thaler / (Nobiliss.) dusend: O wo stekt my et in de Syde / ick känt nit seggen! Die Herren Patres sehen / daß sie ungern von dem Gelde wolte legiren, haben nachmaln sie vermahnet / GOtt die Ehre zu geben / und da sie ja das Geld wolte zusammen behalten / so möchte sie doch von der grossen Schäfferey dem Kloster das vierdte Theil ihrer Schaffe vermachen / welches sie endlich gewilliget: (Notar.) So vermache ich unsern Pfaffen / (Nobilss.) So vermakick usern Papen / (Notar.) den vierdten Theil meiner Schaffe / (Nobiliss.) en vortel von enem Schape? Womit die Herren Jesuiten seynd abgespeiset worden / und schamroht mit sampt dem Notario davon gangen. 1. Hier siehet man / was die Jesuiten im Schilde führen / und warumb es ihnen zu thun ist / nemlich umbs Geld / nicht aber umb der Leute Seeligkeit. Wer es nicht besser gewesen / sie hetten diese Adeliche frau in Sterbens-Nöthen auff Christum gewiesen / als daß sie in ihre Güter eingewiesen seyn wolten.
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2. Ob es wohl ein löbliches Werck ist / wenn Sterbende Personen / zumahl die es haben / etwas ad pias causas verschaffen / so hat doch diese Adeliche Frau gar nicht unrecht gehan / daß sie die Geldpresser so abgewiesen / daß sie schamroht müssen davon gehen. Wenn nur Fürsten und grosse Herren / wie auch alle andere Leute dergleichen theten / so würden diese Seelen-Verführer mit ihrem Kram endlich wol müssen einlegen. 123. Ein Mann zu Basel bringet aus Eiversucht seine Frau umb / das ihm aber gereuet / also daß ihm aber gereuet / also daß er sich selbsten auch vom Hause herab stürtzet. ZU Basel / war ein paar Ehevolck / das hatte einander Hertzlich lieb. Solches verdroß den Teuffel / der sich bemühete / solche Liebe zu trennen / oder zuzerstoren / und gebrauchte sich / bey dem Ehemanne / dieser Gelegenheit. Das Weib hatte den Knecht ein par alter Hosenbänder / die der Mann weggeleget / geschencket; welches der Teuffel dem mann also einbildete / als wen̅s die Frau / aus Liebe gegen dem Knecht [278] gethan hätte / welches doch falsch war. Der Mann schicke an einem Sontag alles Haus-Gesind in die Kirchen / und bleibt er / sambt seinem Weibe / allein zu Hauß / welches der Mann / mit einem Grimm / anklagte / daß sie an dem Knecht hienge. Die Frauentschuldigte sich aufs allerbesie / aber da galt bey dem eyversichtigen Mann keine Entschuldigung; Sondern er erstach sie alsobald. Darauff reuet ihm geschwind die That / schreibet einen Brieff / darinnen er den begangenen Mordt bekennet / bindet ihn an den Arm / und stürtzte sich von dem Hause herab. Dieses war der Lohn seiner unzeitigen Eiversucht. 1. Eheleute sollen sich hieran bespiegeln und dem Teuffel / welcher sonderlich dem Ehestande feind ist / nicht zu viel einräumen / sondern fein eines das andere lieben / eins dem andern treu seyn / und auch eines mit des andern Schwachheit geduld tragen. 2. So machts Satan: Wenn die Sünde begangen / so mutzt er sie denen Leuten erst auff / und ist jmmer darauff bedacht / wie er in eine andere stürtzen möge.
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124. Wie die Beredsamkeit von den Alten durch Herculem vorgebildet worden. ES schreibet Johannes Pierius Valerius l. 33. p. 39. hierogl. daß wann die Galli vor Zeiten vim Eloquentiae durch ein sonderbahres Sinnen-Bild wollen vorbilden und anzeigen / so haben sie den Herculem gemahlet / als einen alten tapffern Rittermessigen Helden / umbgeben mit einer Löwen. Haut und einem gespanneten Bogen in der Hand / welcher sich / mit seinem Angesicht zu rucks wante / hinter ihm her war ein grosse Menge Volckes / aus seinem Munde giengen unzehlich viel subtiler güldener Kettlein / die sich an der Zuhörer Ohren legten / mit welchen er die Leute / ohne alles wiederstreben gelencket / und gezogen / wohin er gewolt / daß sie ihm nach gefolger. 1. Ist ein schönes Sinnbild / wordurch die Beredtfamkeit wird angedeutet. Der Redner muß ein tapfferer unerschrockener Mann seyn / der eine Löwen Haut umb / das ist / einen Löwen-Muht hat: Er muß den Bogen spannen und seine Rede wohl formiren / und so dann muß Er zurück aus die Zuhörer sehen: Die güldenen Kettlein zeugen auff die vortrefflichkeit der Rede-Kunst; die subtiligkeit der Kettlein / [280] daß ein Orator oder Redner nicht muß mit der Thür ins Hauß fallen / sondern gelinde und gute Wort brauchen: Daß aber die Kettlein denen Leuten werden an die Ohren geleget / damit wird an die Hand geben / daß ein Redner seine Rede deutlich und vernehmlich muß vorbringen / daß sie denen Zuhörern in die Ohren falle / und sie solche verstehen können. Wann dieses alles in acht genommen und practiciret wird / so kan Er die Zuhörer ziehen und lencken / wohin Er will. 3. Weise Leute haben weise Gedancken geführet / und sind gar scharffsinnig jederzeit gewesen. 125. Philo hat sich gefreuet / wenn er gelehrte Leute gesehen / aber betrübet wenn solche mit Todt abgangen. Rühmlichen wird dem sonst sehr hoch berühmten und gelehrten Philoni nach geschrieben / daß Er / in erwegung / wie so gar nöthig zu einer Republic oder Stadt glücklichen Zustand und Regierung / gelehrte und erfahrne Leute sein / vornemblich habe zu sagen pflegen: Er freue sich nicht allen vom Hertzen / sondern achte auch die jenige Stadt und Hauß vor andern glückselig / in welchem er sehe einen gelehrten verständigen und auffrichtigen Mann regie [281] ren und wohnen: Gegen über aber / werde Er aus der massen bestürtzet und betrübet / wenn Er erfahren müsse / wie daß einer unter denenselben / durch den zeitlichen Tod / aus diesem Leben dahin gerissen und entnommen worden were; und zwar dieses nicht so wol umb derer willen / welche die Schuld der Natur allbereit bezahlet / als wol der jenigen / so annoch vorhanden und hinterblieben. Denn jenen / spricht Er / komme solches zu handen / durch Ordnung und Gesetz der Natur / und were nichts mehr den billig daß solchen Leuten nach einem wol und erbar geführten Leben / zu seiner Zeit ein rühmliches Ende / und seliger Tod begegnete; Diesen aber / als welche durch jener Abschied / eines grosen Trostes / und unfehlbaren Schutzes beraubet / schwebete gewisser nicht vor Augen / als überhäuffige Gefahr und Vnglück: Zumaln wenn nicht der gütige GOTT / gleich wie an einen Citronen- oder Pomerantzen Baum an welchem / so die nunmehr reiffe und zeitige Früchte abgefallen / oder abgenommen worden / nach und nach sich andere an derer Stelle finden und sehen lassen / also auch an den lieben Regent- und Kirchen-Baum andere dergleichen vornehme Leute / an der hingewichenen Stelle / einsetze und verordne. 1. Freylich ist es eine Anzeigung des zornigen GOttes / und daß einem Ort eine Straffe bevor stehet / wenn gelehrte und demselben nützliche Leute sterben / wie [282] solches mit vielen Exempeln könte dar???gethan und erwiesen werden. 2. Vnd darumb hat man desto mehr Vrsachen gelehrte Leute zu betrauren / und GOTT umb abwendung der Straffe und daß Er die verledigten Stellen wie. der mit tüchtigen Personen ersetzen lassen wolle / zu bitten. 126. Straff eines jungen Gesellens / so vier Jungfrauen geäffet. DOctor Feucht / so wol der hochgelehrte Jurist / Doctor Schinborn / gedencken in ihren Schrifften / daß zu Nürnberg ein tapfrer Gesell / eines vornehme̅ Geschlechts etliche Jungfrauen also habe mit der Nasen herumb geführet / und es ihr dreyen recht und redlich im Namen GOttes zugesaget / und keiner nichts gehalten. Als er aber die vierde auffzureden vermeinet / wendet sie ihm seine zuvor gehabte Gewonheit vor / da soll er diese Wort gebraucht haben: wofern er eine ander / als sie / nehmen würde / so solte GOTT geben / daß er den Halß breche / ehe und zuvor er mit einer andern Beylager hielte. Auff welche standhafftige Reden diß fromme Hertz auch seinen Worten glaubet / und es ihm gäntzlich zugesaget / nimmet auch zum Ehe-Pfande güldene Arm-Bänder von ihm an. Was ge [283] schicht aber kurtz darnach: Als ihm eine bessere Gelegenheit / als diese / vorkombt / setzet Er seine zuvor offt gethane Zusage wieder zurück / und übersendet der vor gedachten Jungfrauen ihre Vngerische Gülden und Ringe / lässet Jhr dancben anmelden / es sey nicht sein Ernst oder rechte Meinung gewesen / sie solt wol erachtet haben / daß er sie nicht heyrathen würde / darumb solt sie ihre Sachen behalten / und ihm die Seinigen wieder zustellen / was es auch vor Vrsach habe / sie nicht zu ehelichen / das hette seinen Orth / sie solte es zu wissen sich auch nicht unterstehen / sondern solt schweigen / oder wolt ihr einen Spott anthun / damit sie nicht leichtlich geheyrathet würde. Was geschicht? Diß fromme redliche Hertz frisset diese Schmach mit grosser Gedult in sich / mit hertzlichen Seufftzen zu Gott / solche ihre angelegte Schmach zu rechnen / und ihre Vnschuld zu retten / welches auch geschehen / denn als er nachmals mit seiner neuen Braut (welches die fünffte gewesen / mit der er sich verlobet) vom Tantz-Saal gehen wil / und wird ihr zweyer gewahr / mit welchen er sich zuvor versprochen hat / thut er neben seiner Braut einen solchen hohen Freudensprung in die höhe / gleich als wolt er sagen / nun sehet euer Hertzenleid an / in dem ich nun so ein schön Mensche überkommen habe. In solchen Freudensprunge aber hat er ihm etwas im Leibe zer [284] sprenget / daß man ihn hat von Tantzboden heimtragen müssen / ist auch in so grosse schmertzliche Kranckheit gerahten / und in unauffhörenden Wehetagen gelegen / biß ins fünfre Jahr / ja er hat niemals seine neue Braut / als ein Bräutigam berühren können / sondern allezeit in hefftigen Schmertzen und schwerer Pein alle die ermahnet / so zu ihm kommen seyn / den lieben GOtt neben jhm zubitten / daß Er ihm doch die grosse Leichtfertigkeit / welche er an mancher Jungfrau begangen / gnädiglich verzeihen wolte / weil er dadurch auch manch züchtig Hertz geärgert und betrogen / auch viel feiner Leut Kinder geäffet und jämmerlich vexiret hette. Ja es melden ehegedachte Autores / daß er in solcher langwehrender Kranckheit alle seinen Vorrath / was er von seinen / so wol auch von ihren Eltern empfangen / durch suchung allerley frembder Aertzte verzehret hat / daß er auch so arm worden / und von heyderseits Freundschafft das Allmosen nehmen müssen / und doch grosse Noht darbey erlitten / und als er nach vielen Schmertzen sein Leben geendet / ist sein Ehegehülff / welche doch sehr Reich gewesen / in grosse Armuth gerathen / daß sie eine Kragen-Wäscherin / oder Tagarbeiterin werden müssen. 1. Jederman / sonderlich aber junge Leute / welche bißweilenleichtsinnig seyn / oder von [285] Flandern / wie man redet / welche einen (eine) geben umb den andern / sollen sich an diesem Exempel bespiegeln. Mit Eheversprechung läst sichs vorwar nicht schertzen. GOtt ist ein Stiffter deß Ehestandes / und bleibt dessen Straffe nicht aussen / wenn man mit der Ehe spielet und leichtsinnig handelt. 2. Auch dieses Jungen Mannes Ehefrau wird von GOtt gestrafft / daß sie in Armut geräht / weil ihr ebenfals nicht gebühren wollen einen solchen Menschen zu nehmen / wie ihr nicht wird unwissend gewesen seyn / welcher sich mit andern albereit versprochen gehabt.

127.
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Eine schwangere Frau gelüstet ihren Mann zu fressen. DIe Historien erzehlen mit vermunderung die schreckliche und abscheuliche Lust eines schwangern Weibes zu Brettenburg im Jahr 1533. welche gelüstet hat / ihren Mann zu fressen / und weil sie ihr selbst nicht wehren noch sich auffhalten können / des Nachts ihme die Kähle abgestochen / und alsbald den lincken Arm und Seiten biß auff den Nabel abgefressen / das übrige eingesaltzen / darauff drey lebendige Kinder geboren / welche auff Erkäntnüß der Obrigkeit de???greulichen Handels halber / zu ewiger Gefängnüß verurtheilet worden.
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1. Ist ein denckwürdiges und sehr schreckliches Exempel. Alle Weiber / wenn sie schwanger gehen / sollen fleisig beten und GOTT anruffen / daß Er sie nicht in solche und dergleichen Versuchung gerathen lasse. 2. Es muß eine grosse Lust und ungläubige Begierde bey schwangern Weibern sein / wie aus diesem und vielen dergleichen andern Exempeln erhellet. 128. Apions des Grammatici Gedicht von der Jüden güldenen Esels-Kopff. ES hat Apion der Grammaticus von den Jüden gedichtet / als solten sie im Heiligthumb zu Jerusalem / einen güldenen Esels-Kopff / der viel Geldes werth gewesen / gehabt / und demselbigen ihre GOttes-Dienste geleistet haben. Solche Gedichte wiederleget Josephus der Geschichtschreiber der Jüden / und zeiget darneben an / was bey den Jüden und andern weisen Leuten Esel heissen / nemblich die / welche die Bürden tragen / so ihnen auffgeladen ist / und wenn sie zu den Krippen gehen und essen / oder ihr auffgelegte Arbeit nicht verrichten / so muß [287] man sie tapffer schlagen / dieweil sie zu schweren Lästen und ander Arbeit in nothwendigen Sachen gebraucht werden. 1. Freylich sind alle die jenigen / wenn sie gleich noch so geehret und vornehm seyn / in diesem tertio, was die Arbeit betrisft / Esel zu nennen / und dürffen sich dieses Namens nicht schämen. Denn es heist doch Sis asinus, quemcunque asinum sors aspera fecit. 2. Man muß nicht alles glauben / oder den Buchstaben nach verstehen / was geschrieben gefunden wird. 129. Extract eines Brieffes des Heiligen Ignatii aus seinem Gefängniß an die Asiatische Kirchen. VOm dem Antiochenischen Bischof Ignatio meldet Eusebius / daß / da er bereit in Verhafftung gewesen / er an etliche Asiatische Kirche̅ Brieffe abgeschickt / und unter andern diese Wort geführet: (quid mihi conducat, ego novi. Nunc incipio esse Discipulus, nihil visibilium moror, nihil invisibilium, ut JEsum Christum acquiram. Ignis & crux incursus bestiarum, dissipatio ossium, [288] convulsio membrorum, totius corporis commolitio ac supplicia Diaboli in me veniant, modo JEsum acquiram) was mir vorträglich sey / das weiß ich wol; jetzt fang ich an / ein rechter Jünger zu sein; Ich frage nichts nach sichtbarn / noch nach den unsichtbarn / nur daß ich JEsum Christum erlange. Es mag kommen Feuer und Galgen / es mögen die wilden Thiere auff mich loß gelassen / meine Gebeine hin und her zertreuet / meine Gliedmassen zerzerret / und mein gantzer Leib zerquetschet und zermalmet werden / und was für Teuffels Marter mehr über mich kommen mag / ich frag nach allem nichts / nur damit ich zu Jesu Christo gelange. 1. Ist eine schöne und recht Christliche resolution / welche mit des Apostels Pauli Meinung gantz übereinstimmet Phil. III. v. 8. 2. So solten wir alle gesinnet sein / das wehr weit besser / denn alles wissen und aller Welt Güter besitzen. 130. Von Graffens Tylli Tod. DEr Königlichen Schwedischen Historien-Schreiber Vogislaff Philip Kemnitz berichtet von dem alten und hochbe [289] rühmten Generalen / Herrn Johann Gerilas / Graffen von Tylli / im 4 Buch / am 310. und 311. Blat / daß er beym Rein / als der König aus Schweden Anno 1632 so starck ihme zugesetzt hatte / am rechten Schenckel ober dem Knie / mit einer dreypfündigen Kugel tödtlich verletzet worden sey / den man nehrlich / und mit grosser Noht / in einer Senffte fortbringen können: Dann er so matt und schwach gewesen / daß man zu unterschiedlichen mahlen stille halten müssen / und vermeinet / es würde ihm die Seele unterwegens ausfahren. Gleichwol habe sein Leben noch etliche Tage erhalten / da er endlich in Ingolstadt / nach dem ihme vier Schiefer außm Beine genommen worden / nach außgestandenem unsehlichen Schmertzen Todes verfahren. Seine letzte Wort sollen gewesen seyn: man solle Regenspurg in acht nehmen; würde Regenspurg verlohren / so würde der Käyser / wegen seiner Krone / in Gefahr stehen. Darauff er noch zweymahl / Regenspurg / Regenspurg geruffen / und also verschieden Im übrigen gibt er ihm ein herrliches Lob / und daß er wol unter die vornehmsten Kriegs Häupter unserer Zeit zu rechnen sey. 1. Sterbende Leute / sonderlich wenns Helden und Gelehrte seyn / pflegen offtmals vor ihrem Tode noch nachdenckliche Reden zuführen. 2. Der Todt verschonet auch der streitbar [290] sten Helden nicht / sondern sie müssen eben so wohl mit ihm / als andere / wenn ihre Lebens-Vhr ausgelauffen ist. 131. Käyser Theodosius wird durch Trauer-Gesänge besänfftiget. Als Käyser Theodosius über das Volck zu Antiochia, umb deßwillen / daß sie ihm in einer Auffruhr Seulen niedergerissender massen ergrimmet / daß er ihnen mit einander die allergröste Marter / Pein und Todt trohete / hat der Bischoff zu Antiochia Flavianus, die Knaben / so vor des Käysers Tisch singen müssen / etliche Traur-Psalmen / darin er Gott umb Linderung der Straff angeruffen / gelehret / daß sie dieselbige vor deß Käysers Tafel gesungen / dadurch er dann versöhnet / und allen Groll und Zorn aus seinem Hertzen fallen lassen. 1. Tyrannen können ehe mit Gelindigkeit / als mit Wiedersetzligkeit überwunden werden. 2. Die Music und Singe-Kunst hat einen treflichen Nach druck der Menschen Hertzen zu bewegen.
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132 Ein Münch predigt wieder den Pabst und Cardinäle und wird gelobet. ALs im Jahr Christi 1480. ein Münch / Nahmens Robertus Delirio, für dem Pabst und für den Cardinälen zu Rom predigen solte / und ihren überschwenglichen Pracht sahe; und warnahme / wie der Pabst von 6. starcken Männern getragen / und von männiglich angebetet wurde / und man sich nun nieder gesetzer hatte / und erwartete; was dieser Münch hersagen würde: fieng er ohne einige Vorrede an: Pfui dich / Petre Pfui dich / Paule und speite bald zur rechten / bald zur lincken Hand auß / und gieng darauff hinweg / und ließ sie / in ihrer Verwunderung / beysammen sitzen. Wie nun etliche gedachten / der Münch wäre unsinnig worden; oder in eine Ketzerey gefallen / daß er solche Läster-Wort ausgestossen: Wolte man selbigen gefangen nehmen. Er hatte aber / unter den Cardinälen / noch einen guten gönner; welcher so viel erhielte / daß man ihn / in gegenwart etlicher weniger Cardinälen / verhören solte: Welches geschah. Denen antwortete der Münch: Daß er gar auff eine andere Materiam hätte studieret gehabt / derer inhalt er erzehlete. Als er aber gesehen / in welchem Pracht der Pabst und die Cardinäle da [292] hergezogen / und betrachtet; welche ein arm / schlecht und müheseeliges Leben die Apostel / derer Stadthalter sie wehren / geführet: habe er ihm keine andere Rechnung machen können; als daß entweder die Apostel müsten unsinnig gewesen seyn / welche / auff einen so harten und rauhen Weg / in den Himmel gewandert / oder daß der Pabst / und die Cardinäle / müsten den nechsten Weg zur Höllen lauffen. Was wolten sie mit ihm anfangen? Er hatte die Warheit geredet / und konte / ohne grössers Aergernüß / nicht gerödet werden. 1. Ist gar warhafftig und wol geredet von dem Estat / welchen der Pabst und seine Cardinäle führen / und muß eines unter diesem seyn. Endweder die Apostel / welche in so elender Gestalt aufgezogen / müssen nicht auff dem Himmels Weg gangen seyn / oder der hoffärtige gralende Pabst und seyn Anhang müssen denselben nicht betreten / oder es müssen zwey / und zwar gantz ein ander contrare Wege in Himmel führen / welches wieder die heilige Schrifft ist. 2. GOtt läst offtmals grossen Leuten durch geringe un̅ einfältige die Warheit sagen / ja wenn Er es haben wil / [293] so muß auch gar die Eselin zu Bileam reden / Num. XXII. 133. Käyser Maximilianus l. hat gesagt / es wehren drey Könige in der Welt. Käyser Maximilianus der erste dieses Nahmens / sol auff eine Zeit gesagt haben: Es wären drey Könige in der Welt / Er der Käyser / der König in Engelland / und der König in Franckreich. Er were ein König der Könige / denn / wenn er gleich seinen Fürsten etwas aufflegete / da es ihnen gefiele / so theten sie es / wo nicht so liessen sie es. Zeigete damit an / daß ihm die Fürsten niemals gehorsamb weren gewest / sondern theten / was und wie sie wolten. Der König in Engelland were ein König der Leute / denn was er ihnen aufflegete / das theten sie gerne / und hetten ihren Herren lieb / wie gehorsame Unterthanen. Der König in Franckreich aber were ein König der Esel. Dann alles was er die seinen hiesse / das musten sie thun / wie die Efel / dem müsten seine Fürsten gehorsamb seyn.
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3. Nicht allein diese drey Könige / sondern alle Käyser / Könige / Fürsten / und andere Potentaten und Herren sollen stets bedencken / daß noch ein ander König und Herr in Himmel ist / welcher auch jhnen zu gebieten hat / und / wenn sie nicht pariren wollen / grosse Gewalt und vielerley Mittel hat / sie zum Gehorsam zu treiben. 2. Es ist freylich ein unterscheid unter Königen und Fürsten / und derer Regierung. Denn nicht alle regieren auf einerley weise / finden auch nicht alle bey ihren Vnterthanen einerley Gehorsam. 134. Ein Studiosus wil das Evangelium von guten Hirten predigen / den heist Lutherus von Predig-Stuel steigen. IN des seeligen D. Lutheri Tisch Reden findet man / daß ein Studiosus sich im Predigen exerciren wollen / und hatte das Evangelium gehabt vom guten Hirten / spricht derowegen etlich mal: Ich bin ein guter Hirte / (und thut als wen̅ er husten müste /) ech hum, ich bin ein guter Hirte / ech hum, und kan nicht weiter kommen / D. Luther spricht laut in der Kir [295] chen: Komm nur herab / du bist noch kein Hirte / sondern noch ein Schaaf. 1. Predigen ist ein GOttes Werck / und mögen / sonderlich junge Leute / ihnen nicht allzuviel zutrauen / sondern zuvor fleißig auff die Predigten studieren. 2. Was vornehme Theologi thun / darff nicht stracks ein jedweder Pfarrer auffn Dorffe nachthun. Denn es würde sich gar übel schicken / wenn ein Zunger Student in der Predigt erwas stockte / und der Pfarrer auff dem Lande / zumaln wenn er auch nicht viel vergessen hätte / wolte ihn gleich heissen von dem Predigtstuel steigen.

135.
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Mutter / Tochter und Eydam sind alle loser Haar. EIn junger unverehlichter Mann hatte ein Mädgen von gleichen Alter geheyrathet / weil er nun lediger Weise viel Stürtzen zerbrochen / meynte er / möchte wieder bezahlt werden / wann er in Ehestand käme. Als er nun die erste Nacht zu seiner Liebsten ins Bette kam / sprach er schertze weise gegen sie: Schatz / ich habe eine Tochter / sie ist nun übers Jahr / die hab ich sehr lieb / als ist mein Will / daß ihr sie gleichfalls lieb und werth haltet. Darauff gab sie zur Antwort: Vnd [296] ich habe einen jungen Sohn / ohngefehr von anderthalb Zahren / wann diese beyde zu ihren Zahren kommen / können wir zwischen ihnen eine Heyrath machen. Er ward darüber sehr ungedultig / und klagte es auff den Morgen ihrem Vater und sprach: Eure Tochter hat mich betrogen / denn ich habe vermeinet / ich wolte eine reine Jungfrau bekommen / so hat sie mir gesagt / sie hette ein Kind / begehre sie deßwegen nicht zu behalten. Der Vater redet ihm zu / sagte er solte sich zu frieden geben / vielleicht hette sie solches aus Kurtzweil geredet; Nein / nein sprach er / es war ihr rechter Ernst. Der Vater sagte / ich weiß einen Rath / ich wil die Mutter zu ihr senden / die soll sie fragen / und wir beyde wollen hinter der Thür stehen / und anhören / was sie sagen / welches also geschahe. Die Mutter gieng zu der Tochter / und fragte / ob sie solches zu ihrem Mann aus Schertz oder aus Ernst gesagz: Die Tochter antwortete: Ich habe es aus rechtem Ernst gesagt / ist auch die Warheit. Die Mutter fragte: Hastu denn ein Kind gehabt? Ja freylich / sprach sie. Warumb hastu es denn deinem Mann gesagt? Sie antwortet / hat er mir doch das seine auch gesagt. Da sprach die Mutter: O du Närrin! Ich hatte wol drey Kinder gehabt / als ich deinen Vater nahm / und hab es jhm doch mein Lebtag nicht gesagt. Die so vor der Thür stunden / höreten dieses alles an / ver [297] wunderten sich über solche Rede. Endlich sagte der Vater zum Tochter Mann: Was sollen wir thun / wir müssen uns gedulden / es scheinet wol / man könne keine Tochter so kriegen / als sie von der Mutter kommen ist. 1. So gehet es in der Welt her: Ein Schalck lockt offtmals einen andern Schalck heraus / so kömpt denn Schalck zu Schalck / ja auch wohl Schalck über Schalck. 2. Wer mit loser Wahr begabet wird / muß Gedult haben und solche behalten. 136. König Philippus der III. in Spanien beichtet und verachtet alles zeitliche. MEteranus meldet von König Philippo den dritten in Spanien / welcher den 21. 31. Mertzen / deß besagten 1621. Jahres / zehen Tage vor dem Ende des gemachten Stillstands mit den Niederländern / gestorben / daß Er / der König / den 29. gemelten Monats gebeichtet / und mit seinem Veichtvater von vielen Sachen geredet / deren wegen sein Gewiessen sehr beschwert war. Unter andern hab er gesagt / ach wie [298] seelig wäre ich / wann ich diese 22. Jahr / so ich regieret, in einer Wüsten und Einöde zu gebracht hette / es ist doch alles Wesen dieser Welt eytel und nichts: Die königliche Hochzeit / welche in wehrendem Leben herrlich un̅ lieblich / ist in der Todesstunde gantz bitter und beschwerlich. Unterweilen sagte Er / er finde nichts / darauff er sich wolte verlassen / als die unendliche Barmhertzigkeit Gottes. Valde nach seinem Tode / hat man sein Testament geöffnet / in welchem er unter andern / verordnet / daß man 40000. Messen für ihn thun solte / neben noch andern Wercken der Liebe und Gottseeligkeit. 1. Freylich ist es nicht ohne / Könige / Fürsten / und grosse Potentaten leben in einem gefährlichen Stand. Denn wem von Gott viel anvertrauet ist / der hat auch viel zu verantworten. 2. Wol aber dem / welcher sich mit diesem Spanischen König / wenns zum sterben kömpt / allein auff die Barmhertzigkeit GOttes verläst. Das andere / als die Seelen-Messen / so er verordnet / und dergleichen / ist lauter gauckel Werck / und taug für GOtt zu nichts.
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137. Ein Knecht soll einen Wind-Hund dem Richter bringen / bringet ihn aber dem Scharfrichter. DEr Amptmann zu Krumfelde hatte den Richter aus der Stadt auff dem Schloß zu Gaste / nach langem Zechen bath der Richter den Amptman / er möchte ihm einen Windhund verehren / das sagte ihm der Amptman zu. Des Morgens sahe der Amptman frühe aus dem Fenster / rieff den Pförtner / sagte: Andreas / bringe den weissen Wind den Richter hin / und sage / ich lasse ihm einen guten Morgen zu entbieten. Andreas aber verstund unrecht / und brachte den guten Wind zum Scharfrichter. Der Scharffrichter meynete / der Hund tüge nicht mehr / nahm eine Keule / und schlug ihn ans Ohr / daß er da lag. Wie die Mittags-Mahlzeit geschahe / und der Pförtner über der Gesinde Tisch mit war / fragte der Amptman: Andreas / hastu den Hund hingebracht? Antw. Ja. Was sagte der Richter / war er ihm auch lieb darzu? Antw. Ey wat wöl em leve wesen / he schlok em flux vörn Köp. Amptman / wo hast du den Hund hingebracht? Antw thom Scharprütter / etc. (das was ja wol bestellt.) 1. So gehts gar offt: Herren befehlen [300] und die Knechte richten den Befehl anders aus. 2. Darumb sollen Diener und Knechte fein vorsichtig seyn / und ehe noch einmahl fragen / als daß sie einplumpen und ihrer Herren Befehl nicht recht ausrichten. 138. Der Römer extremum Salve & Vale, an die Verstorbenen. VOn den alten Römern melden Rosin. l. 5. antiqu. Rom. c. 39. wie auch Alexander ab Alexandro l. g. gen. dier. c. 21. Und dann Barnabas Brissonius l. 8. de formulis & solennibus populi Romani verbis, daß sie bey ihren Leichbegängnissen unter andern auch diesen Gebrauch gehabt / daß sie / wann sie jetzt von einander gehen wollen / dem verstorbenen noch zu guter letzt haben das extremum salve & vale also zum wenigsten dreymal pflegen zuzuschreyen: Salve, salve, salve. Vale, vale, vale, Gott grüsse / Gott grüsse / Gott grüsse / Gott gsegne / Gott gsegne / Gott segne dich / welches aber / wie Varro Logistorio darüber glos [301] siret, nicht in der Meynung geschehen / als / wenn sie dafür gehalten / daß es ihren Verstorbenen etwan nach dem Todt in einem [Greek words] (oder eingebildeten Orth) noch wol ergehen könte. Dann sie ja kein Aufferstehung der Toden / noch ewiges Leben gegläubet / sondern gemeynet / wann der Mensch sterbe / so sey alles aus mit Ihm / 1. Thessal. 4. Sondern / daß sie nur / ob sie schon nimmermehr einander wieder sehen würden / doch zu guter letzt ihre affection gegen die Verstorbene auff solche weiß öffentlich bezeugen wollen. 1. Verstorbene soll man ehrlich zur Erden bestatten / wie auch die Schrifft haben wil. 2. Sonderlich aber ists ein feiner Christlicher Brauch / daß man sich mit denselben letzet / und das: Nun gsegn Euch GOtt der HErre mein / oder dergleichen bey Beerdigung der Seinen singen läst / in welchem Gesang dann auch enthalten / daß man wolle wieder zusammen kommen / dergleichen Glauben die Heyden nicht haben. 139. Die lasterhaffte Welt.
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DIe Welt ist gesitt wie jener Wolffs Magen zu Syracusis der Philoxenus, welcher Mutter allein auff ein Sitz einen sehr grossen Fisch Polypum biß auff den Kopff aufgerieben hatte / welcher ihm so gedeyete / daß er Todtkranck wurde / und als er vermerckte / daß er die Erde darüber keuen muste / trotzig sprach: Afferte reliquum Polypi, ut satur ad inferos descendam, gebt mir das übergelassene auch folgend her / damit ich satt hinunter fahre: Also weil mancher siehet / daß man ihm nichts von gerichten mit in die Erde giebet / will er vorher / desto mehr sich anfüllen / solt ers gleich in der Höllen erst verdauen / was er hier gefressen hat. Vieler ihr Wunsch ist / und das achteten sie vor ihre grosse Ehre / wann sie solche Sauffhelden seyn könten / wie Marcus Cicero, der auff einen Hub / sechs Kannen / oder wie Novellius Torquatus, der auff einen Satz neun Kannen Weins zu sich nehmen können. Vieler ihre Freude wers / wann sie das unglückselige Glück haben / und jmmerdar leben könten wie Proculus der unzüchtige Mensch / welcher sich berühmen dürffen / daß er in 15. Tagen hundert / im Kriege gefangene / Sarmatische Jungfrauen beschwängert gehabt. Pfuideß stinckenden Ruhms / der mehr schweigens als redens werth gewesen were / O der Viehischen ja Höllischen Brunst!
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1. Viel rühmen sich der Laster / ist aber gar ein schlechter Ruhm. Es were besser sie lebeten also / daß sie sich der Tugend rühmen könten. 2. Christen solten sich dieser Welt nicht gleich stellen / denn ob sie gleich in der Welt sind / so sind sie doch nicht von der Welt. Darumb soll es mit ihnen heissen: Sursum corda, empor mit den Hertzen: Trachtet nach dem / das droben ist. 140. Eine Wirthin ist nicht zu bereden / daß sie ihren häßlichen Mann hasse. DZobel ein Käyserlicher Legat gedenckt / daß er mit einem jungen Fürsten gen Augspurg kommen / da sey im Hause ein wunderschöne Wirthin gewesen / welche einen sehr greulichen heßlichen Mann anzusehen gehabt / der junge Fürst beklagt sie / daß so ein schön Mensch mit einem heßlichen Manne ihre Zeis verzehren solte / und fraget sie darauff / wie ihr damals gewosen / als sie gehenrathet / und wiewol ihr sein wird / wann sie mit einem schönern in Freuden leben solte. Denn was könte bey diesem vor Lust und Freude seyn? hat ihr darauff etliche [304] Goldgülden in die Hand gegeben / und gesaget / sie solte befinden / was bey geraden jungen Leuten / für ergötzlichkeit zu gewarten were / da hat sie geantwortet: Ach mein gnädiger Herr / auff unehren nehm ich kein Geld / noch Verehrung an / begehre auch nichts weiters zu wissen / denn an meinem greulichen Manne hab ich alles daß / was mir GOtt zu haben vergönnet und erlaubet hat / und ich könte in meiner Einfalt auch nicht wissen / wie einer seyn müste der mir besser als mein Mann gefallen solte. 141. Ein andere dergleichen Historia. HErr D. Selden gedencket / gleichsfals seiner Wirthin zu Regenspurg / die / ob sie wol sehr schön / jung und reich gewesen / so hat sie doch einen greulichen pucklichten / und darzu alten Mann geheyrathet / zu dieser hat einer gesaget / mein hertze Jungefrau / darmit ihr erfahret / was es vor eine Gelegenheit und Zustand mit jungen / gesunden frischen Leuten habe / so halt euch nur eine Stunde bey mir auff / was gilt es / ihr werdet über euren Mann ferner mehr Klage führen / als bißhero geschehen. Als er nun lange Zeit mit ihr sich beredet / hat diese vernünfftige Frau darauff gesaget: Ach mein Herr / halt mich doch nicht für so leichtfertig / sondern ihr sollei wissen / daß mir mein Mann in solcher greu [305] lichen gestalt und einfältigen Kleidung nicht wenig / sondern gar weit besser (als ihr in euer schönen Gestalt und Kleidung) gefallet / und ob er schon im ansehen was einfältig / und euch nicht gleich seyn scheinet / so könte mir doch nicht möglich seyn / einem andern / ob er schon weit schöner were / zu lieben / ja was ihm an Gestalt mangelt / das hat ihm Gott der HErr an gesunden Gliedmassen / und am Verstand / eingebracht / hat ihn also mit spöttischen Worten abgewiesen. 1. Aus diesen beyden Historien lernen wir / wie die Liebe so bald auff etwas häßliches / als auff etwas schönes falle. 2. Darneben so sollen auch Ehelcute daraus studieren / daß sie einander treu seyn / und sich keines / weder der Mann noch das Weib / wieder Ehre zu handeln / von jemand / wer der auch sey / soll verleiten lassen.

142.
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Calani Hertzhafftigkeit. CAlanus, der Indianische Gymnosophist, wann er erst Abschied von Alexandrô und seinen Obersten genommen / und von wolrichenden Cedern / Cypressen / Myrrhen / Lorberbäumen und Sträuchen [306] einen Holtzhauffen gemacht / laufft er hin und wieder / Springt mitten auf den gemachten Hauffen hinauff / betet die Sonne seiner Gewonheit nach an / immittelst die Macedonier (denen er sein Gebet zum Zeichen des ansteckens gegeben) das Holtzwerck anzünden müssen / auff welchem er so lang im Feuer unverbrandt stehet / biß daß ihm die Seele ausfähret / zum Zeichen eines unerschrockenen freyen Muths gegen den Todt / wie beym Aeliano l. 5. c. 6. Weleher Lebens Ausgang wie er von jetztbenanten Historicô vor gantz lobwürdig geschätzet wird / also dem Alexandro M. Ursach gegeben / gleich als mit Zerstaunung zu sagen: Calanus habe weit mächtigere Feinde überwunden / weder der Alexander selbst: Den̅ er habe nur mit sterblichen Menschen gekrieget / mit Porô, Taxilâ und Dariô; Calanus aber mit der Arbeit und dem Todt selbsten. 1. Freylich ist der jenige vor einem Held zu achten / welcher mit dem Tode sich unerschrocken in Streit einläst. 2. Christen kön̅en sich als der gleichen Helden erweisen / und nicht nur allein mit dem Tode kriegen / sondern auch denselben in der [307] Krafft Christi überwinden und wieder ihn siegen. 143. Wie der Teuffel die Leute betrügen und Kinder zeugen kan / Item von Wechsel-Kindern und Kielkröpffen aus Lutheri Tisch-Reden Cap. 9. fol. 105. DOctor Martinus Luther sagte / daß er selbst von Hertzog Johann Friederich Churfürste̅ zu Sachsen / eine Historia gehört hette / daß ein Geschlecht von Adel in Deutschland gewesen / dieselbigen wären gebohren von einem Succubo, denn so nennet mans / wie denn die Melusina zu Lutzelburg / auch ein Succubus, oder Teuffel / gewesen ist. Es were aber also zugangen: Ein Edelmann hat ein schön jung Weib gehabt / die war ihm gestorben und auch begraben worden: Nicht lange darnach / da lieget der Herr und Knecht in einer Kammer beyeinander / da kömpt deß Nachts die verstorbene Frau / und lehnet sich über des Herren Bette / gleich als redete sie mit ihm. Da nun der Knecht sahe / daß solches zwier nach einander geschahe / fraget er den Junckern / was es doch sey / und ob ers auch wisse / daß alle Nacht ein Weibsbild in weissen Kleidern für sein Bett komme: Da [308] saget er / nein / Er schlaffe die gantze / Nacht aus / und sehe nichts. Als es nun wieder Nacht ward / gibt der Juncker auch acht drauff / und wachet im Bette / dakompt die Frau wieder vor das Bett / der Juncker fraget / wer sie sey: und was sie wolle: Sie antwortet / sie sey seine Haußfrau. Er spricht: Bistn Doch gestorben und begraben. Da antwortet sie / Ja sie habe seines Fluchens halben / und umb seiner Sünde willen sterben müssen / wolle er sie aber wieder zu sich haben / so wolt sie wieder seine Haußfrau werden. Er spricht / ja / wenns nur seyn könte / aber sie bedinget aus / und vermahnet ihn / er muste nicht fluchen / (wie er denn einem sonderlichen Fluch an ihm gehabt hette) denn sonst würde sie bald wieder sterben. Dieses saget ihr der Mann zu / da blieb die verstorbene Frau bey ihm / regierte im Hause / schlieff bey ihm / isset und trincket mit ihm / und zeugete Kinder. Nun begiebt sichs / daß einsmahls der Edel-Mann Gäste krieget / und nach gehaltener Mahlzeit / auff dem Abend / das Weib eine̅ Pfefferkuchen / zum Obst / aus einem Kasten holen solte / und bleibet lang aussen / da wird der Man̅ schellig / und flucht den gewöhnlichen Fluch / da verschwindet die Frau von Stund an / und war mit ihr aus. Da sie nun nicht wieder kam / gehen sie hinauff in die Kammer / zu sehen wo die Frau bliebe: Da liegt ihr Rock / den sie gehabt / halb mit den Ermel in dem Kasten / das [309] ander Theil aber heraussen / wie sich das Weib hat in Kasten gebückt / und war das Weib verschwunden / und sieder der Zeit nicht gesehen worden. Das thut der Teuffel / er kan sich in einer Frauen und Manns gestalt verkehren. Jam est quaestio: Ob das rechte Weiber seyn? Vnd obs rechte Kinder seyn? Davon sind das meine Gedancken / daß es nicht rechte Weiber seyn können / sondern es sind Teuffel / und gehet also zu: Der Teuffel macht ihnen ein Geplerr für die Augen / und betreuget sie / daß die Leute meynen / sie schlaffen bey einer rechten Frauen / und ist doch nichts / deßgleichen geschichts auch / wenns ein Mann ist / denn der Teuffel ist kräfftig bey den Kindern deß Vnglaubens / wie Sanct Paulus saget. Wie werden aber die Kinder gezeuget: Darauff sage ich also / daß diese Söhne sind auch Teuffel gewesen / haben solche Leiber gehabt / wie die Mutter. Es ist warlich ein greulich schröcklich Exempel / daß der Satan so kan die Leute plagen / daß er auch Kinder zeuget. Also ist es auch mit dem Nixen im Wasser / der die Menschen zu ihm hinein zeuge als Jungfrauen und Mägde / mit solchen er darnach zuhält / und Teuffels-Kinder zeuget. Denn sonst Kinderzeugen allein ein Göttlich Werck ist / und da muß unser HErr GOtt Schöpffer seyn Denn wir nennen ihn ja allzeit Vater / und muß auch die conceptio per constituta media, & per homi [310] nes in einem momento geschehen / denn er gebrauchet zur Schöpffung die Menschen / als ein Mittel / und durch dieselbige / wirckt er allein / und nicht durch den Teuffel. Darumb so müssens gestohlene Kinder seyn / wie denn der Teuffel wol Kinder stehlen kan / wie man denn biß weilen wol Kinder in Sechswochen verleuret / oder müssen Supposititii seyn / Wechsel-Kinder / die denn die Sachsen nennen Kiel-Kröpff. Wechselbälge und Kiel-Kröpffe / leget der Sathan an der rechten Kinder statt / damit die Leute geplaget werden Etliche Mägde reisset er offtmals ins Wasser / schwengert sie / und behelt sie bey ihm / biß sie des Kindes genesen / und leget darnach dieselben Kinder in die Wiegen / nimbt die rechten Kinder draus / und führet sie weg. Aber solche Wechselbälge sollen / wie man saget / über 18. oder 19. Jahr nicht leben. Anno 1541. hat D. Luther dieser Historien auch über Tisch gedacht / und daß er den Fürsten von Anhald gerathen hette / man solte den Wechselbalck / oder den Kielkropff / (welches man darumb so heist / daß es stets kielt im Kropff) erfäuffen. Da ward er gefraget / warumb er solches gerathen hette? Antwortet er darauff / daß er gäntzlich dafür hielte / daß solche Wechsel Kinder nur stück Fleisch / ein massa Carnis seyn / da kein Seel innen ist / denn solches könne der Teuffel wol machen / wie er [311] sonst die Menschen / so Vernunfft / ja Leib und Seel haben / verderbet / wenn er sie leiblich besitzet / daß sie weder hören / sehen / noch etwas fühlen / er macht sie stum / taub / blind / da ist denn der Teuffel in solchen Wechselbälgen / als ihre Seele. Es ist eine grosse Gewalt des Teuffels / daß er unsere Hertzen also gefangen hel???nd sprach: Origenes hat die Gewalt des Teuffels nicht gnugsamb verstanden / da er in den Gedancken gewesen ist / daß am Jüngsten Tage die Teuffel von der ewigen Verdamniß erlöset werden. Ach sagt er / es ist eine grosse Sünde deß Teuffels / daß er sich wissentlich wider GOtt seinen Schöpffer setzet. Vor acht Jahren war zu Dessau eins / das ich D. Martinus Luther gesehen und angegriffen habe / welches 12. Jahr alt war / seine Augen und alle Sinn hatte / daß man meinet / es were ein recht Kind / dasselbige thet nichts / denn daß es nur fraß / und zwar so viel / als jrgend 4 Bauren oder Drescher: Es fraß / schieß und seichet / und wenn mans angrieff / so schrie es: Wenns übel im Hause zugieng / das Schaden geschah / so lachet es / und war frölich / giengs aber wol zu / so weinet es / diese zwo Tugenden hatte es an sich. Da sagt ich zu den Fürsten von Anhald / wenn ich da Fürst oder Herr were / so wolte ich mit diesem Kinde ins Wasser / in die Molda / so bey Dessau fleust / und wolte das Homicidium dran wagen. Aber [312] der Churfürst zu Sachsen / so mit zu Dessau wart / und die Fürsten zu Anhalt / wolten mir nicht folgen. Da sprach ich: So solten sie in der Kirch die Christen ein Vater unser beten lassen / daß der liebe GOTT den Teuffel weg nehme / das thäeo man täglich zu Dessau / da starb dasselbige Wechsel-Kind / im 2. Jahr darnach. Also muß es da auch seyn. Es hat einer sonst von den Succubis und incubis fein geschrieben / daß es nicht seltzam / und sind die Succubi Weiber / welche mit dem Teuffel zu thun haben / der denselbigen alten Huren und Wettermacherin die Lust büsset / wie die Melusina zu Lützelburg / auch ein solcher Succubus und Teussel gewest ist. In Sachsen / bey Halberstadt / hat ein Mann auch ein Kielkropff gehabt / der seine Mutter und sonst 5. Mumen / gar außgesogen / und über daß viel gefressen hat / und seiner seltzam begunt: Diesem Mann haben die Leut den Rath geben / er solte ihm zur Wallfahrt gen Hakelstadt / zur Jungfrau Maria geloben / und daselbst wiegen lassen: Diesem folget der Bauer / und trägen ihn dahin in einem Korbe / wie er ihn aber über ein Wasser träget / und auff dem Stege oder Brücke gehet / so ist ein Teuffel unten im Wasser / der russet ihn zu un̅ spricht: Kielkropff / Kielkropff. Da antwortet das Kind / so im Korbsaß / und zuvor nie kein Wort geredet hatte / ho / ho / des ward der Bauer un [313] gewohnet / und sehr erschrocken. Darauff fraget der Teuffel im Wasser ferner / wo wiltu hin? Der Kielkropff sagt: Ich wil gen Hackelstadt zu unser lieben Frauen / und mick laden wiegen / dat ick möge gedien. Wie solches der Bauer höret / daß das Wechselkind reden kan / welches er zuvor nie von ihm vermerckt / wird er zornig / und wirfft das Kind also bald ins Wasser mit dem Korbe / darin ers truge. Da waren die zween Teuffel zusammen gefahren / hatten geschrien / ho / ho / ho / mit einander gespielet / und sich überworffen / waren darnach zu gleich verschwunden. Solche Wechselbälge und Kielkröpffe suppo??? nit Sathan in locum verorum filiorum. Vnd plaget die Leute damit / denn diese Gewalt hat der Sathan / daß er die Kinder auswechselt / un̅ einem für seyn Kind einen Teuffel in die Wiegen leget / das dem nicht gedeyet / sondern nurfrist und sauget. Aber man saget / daß solche Wechselbälge und Kielkröpff über 18. oder 19 Jahr nicht alt werden. Diß geschicht nun offt / daß den Sechswöcherin die Kinder verwechselt werden / und die Teuffel sich an ihre statt legen / und sich garstiger machen / mit scheissen / fressen und schreyen / denn sonst andere zehen Kinder / daß die Eltern für solchen Vnflätern keine Ruhe haben / und die Mütter also ausgesogen werden / daß sie nicht mehr stillen können. Vnd als D. Luther über Tisch [314] gefragt ward / ob man auch solche Wechselkinpflegte zu täuffen: Da antwortet er: Ja / denn mann kennet sie nicht bald im ersten Jahr / sondern man kennet sie allein an dem / wenn sie die Mütter also aussaugen. Es saget D. Luther darauff: Last uns den Teuffel nicht also verachten / er ist warlich ein Tausendkünstiger / sehet / wie er den armen Knaben übereilet hat / der sich hie in Ambrosii Keüters Haus / Anno 1538. am 5. Tag Decembris / zu tode gefallen hat / der doch ein frommer und fleißiger Student war / aber als er auff den Abend umb 4. Vhr / oben im Hause stehet / fället er plötzlich herab / und stirbt. Diesen Tuck kan der Teuffel auch frommen Hertzen beweisen. 1. Diese und dergleichen Geschichten sollen Eltern vermahnen / daß sie fleißig beten / und sollen sonderlich Kind-Betterin auff ihre Kinder fleißig acht haben und haben lassen. 2. Der Teuffel ist ein arger Feind / von dem die Christliche Kirche gar recht singet: Groß Macht und viel List / sein grausam Rüstung ist / auff Erden ist nicht seines gleichen. 144. Der Arianische Käyser Valens will sich nicht warnen lassen / sondern ziehet wieder GOTT in Krieg.
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ALs Valens der Arianische Käyser in Orient in Krieg außzog wieder die Griechen / lieff der heilige Mann Jsaac / welcher nicht weit von Constatinopel in der Wildnüß wohnete / dem Käyser für dem Weg / und fiel des Käysers Pferde in Zaum / und warnete Ihn / er solte daheim bleiben / und spracht mit lauter Stimme: Wo wil??? hin ziehen / weil GOTT dein Feind ist? denn er hat das wilde Volck wieder dich erwecket / weil du seine Diener / die ihn recht ehren / vertrieben hast. Darumb / bistu Klug / so laß abe / als denn wird GOTT diesen Krieg auch wol stillen. Gib den Christlichen Gemeinen ihre Lehre / und den Schäfflein Christi ihre Hirten wieder / so wirstu ohne alle Mühe den Sieg erhalten. Wo du aber meine Ermanung verachtest / und darüber in Streit dich begiebest / wirstu ersahren / wie schwer sey wieder den Stachel zu lecken / und du wirst nicht wieder kommen / noch dein Kriegs-Volck erhalten. Der Käyser antwortet zorniglich; Ich wil wieder kommen / und darzu wenn ich wiederkomme / dich ernstlich zur Straffe nehmen / umb deine lügenhafftige Weifsagung. Aber es feilet den Käyser / und er ward geschlagen / und als er für dem Feinde flohe / in einem Hirten-Häußlein verbrand / daß er jämmerlich umbkam. 1. Also gehet es endlich allen Tyrannen und Christen Verfolgern: Sie nehmen ein Ende mit Schrecken Dar [316] umb lasset euch weisen Ihr Könige / und lasset euch züchtigen ihr Richten auff Erden. 2. Niemand unterfahe sich ja wieder GOTT auff zulehnen / denn Er ist uns allen gar zu hoch gesessen: Er ist der HERR starck und mächtig / der HERR mächtig im Streit. Wil man wieder Ihn / so kan Er alle seine Feinde auch nur mit einem Wincken in einen Klumpen schlagen und zerschmettern.

145.
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Von einem grundbösen Weibe zu Basel. ZU Basel hatte ein ehrlicher Mann ein grundböses Weib / welches er einsmals etwas hart anliese / worüber sie / aus dem Hause / über Land zu ihren Freunden lieff / und auff das hefftigste über ihren Mann flagte. Es ertrunck aber / eben zu derselben Zeit an dem Ort / wo der Mann wohnete / ein Weib / das eben / wie daß entloffene Weib / bekleidet war / und unter dem Gesicht nicht konte erkennet werden / weil es von den Steinen sehr zerstossen war. Der [317] Mann wird befraget: Wo seyn Weib sey Er antwortete: Er wisse es nicht. Darüber kömbt er in einen Verdacht / wird eingezogen / peinlich gefragt / gestehet / aus Grausamkeit der Marter / daß er sein Weib ersäuffe habe / wird vom Leben zum Tod verurtheilet / und hingerichtet. Nach diesem kömbt das entloffene Weib wieder / und will sich mit dem Mann versöhnen / aber er war unschuldiger Weise hinweg gerissen worden / und muste das gottlose Weib in unauffhörlicher Verachtung leben. 1. Hier mögen alle böse Weiber ein Exempel nehmen / und sich gehorsam gegen Ihre Männer anstellen. Denn offtmals die Reue sonsten hernach kömpt / wenn nehmlich die Männer sterben / daß sie sich gerne gegen ihnen gebührende bezeigen wolten / aber so dann ist es zu lange geharret. 2. GOTT nimbt offtmals einen frommen Ehe-Gatten dem Bösen zur Straffe hinweg / und meynets mit dem Sterbenden nicht böse / wenn er auch gleich eines gewaltsamen Todes sterben muß. 146 Ein Bettelmann wird vor einen Fürsten angezogen und außgeben.
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WIe die Stadt Pariß groß ist / also ist auch die Betriegerey groß drinnen. Etliche Lackeyen mieteten eine Kutsche mit sechs Pferden / fiengen einen Bettelmann auff / dem thaten sie schöne Kleider an / der muste ihr Herr seyn / zogen also in einem vornehmen Gast-Hoff ein / gaben vor / es were ein teutscher Fürst / er der Fürst aber muste nicht von der Stube kommen / denn einer hielte die Schildwache vor der Thür / die andern waren in der Stadt bekandt / lieffen / der eine hie / der ander dort / zu Goldschmieden / Kauffleuten / und dergleichen / holten kostbare Wahren ein / vorgebend der Fürst wolte alles kauffen und bezahlen / die Kauffleute wolten gern Geld kauffen / traueten den Worten: Wie sie nun ein ziemblich Gut zusammen hatten / gaben sie den Wirth zu verstehen / der Fürst wolte morgen früh auff ein paar Meilen außfahren / durffte gegen Morgen Mittag keine Speise für ihm zurichten lassen / biß Abends / der Wirth ließ sich auch betriegen. Des Morgens frühe / da der Fürst noch im Bette lag / nahmen sie ihm die Kleider weg / liessen anspannen und fuhren davon Denselben Tag blieb es stille / den andern Tag wolte der Wirth sehen / ob sie auff der Stube nichts liegen gelassen / gieng hinein / und auch in die Kammer / sand in der Stube nichts / das frembden Leuten zustund / in der Kammer aber / fand er den Fürsten im Federn liegen. Die Kauffleute kamen auch / wollten bezahlet seyn. [319] Der Fürst stund auff / hatte aber weder Hosen noch Wammes anzuziehen / klagte / wie er zu dieser Fürstlichen dignität gekommen / damit aber kunte keiner bezahlet werden / einer ward noch mehr den der ander unwillig / huben Knüttel auf / und jagten den Fürsten zum Hauß hinaus. 1. Die Betrügerey ist groß in der Welt / und geschicht doch mehrentheils nur umb das Geld. Dieser Wirth und Kauffleute hatten vielleicht den Sin̅ / den vermeinten Fürsten und Seine Diener umbs Geld zubringen und zu übersetzen / und sihe / sie wurden selbsten betrogen und umbs Geld gebracht. Denn 2. Also gehet es her: Schalck kömbt doch immer über Schalck / und mag ein jeder wol sein witzig / den die Wel??? ist vorwahr heut zu Tage sehr spitzig. 147 Polnische und Liefländische Gesandte werden von Fischern nach Reval zu Fuß bracht. SAlomon Henning gewesener Fürstlicher Churländischer Rath und Kirchen Visitator, wie er sich nennet / [320] schreibt in seiner Lieffländisch-Churländischen Cronic / zu Leipzig in folio gedruckt am 27. Blat nachfolgende Geschicht: Anno 1561. am heiligen drey König Tag / haben sich etzliche Polnisch-Lieffländisch-Meisterische Gesandte aus Schweden auffgemacht / und seind in grimmiger bitterer und eussersten Kälte abgereiset. Diese Gesandte haben aus Fynland / über Eyß / nach Reval (in Lieffland) sich begeben wollen / und haben vor ihr Geld acht Fynische Fischer gedinget / welche / als denen der Cursus bekandt / die Gesandten nach Reval zu Fuß bringen sollten. Dieselben haben ein klein Fischer-Böthlein / ungefehr 3. oder 4. Klaffter lang / mit genommen / und bey sich hero auff dem Eyse gezogen und geschleppet / auff jeder halben vier Personnen / damit es weder zur Rechten / noch zur Lincken Seiten / wenden / und fallen konnte Wann sie nun auff der See / wie offt geschehen / einen Bruch gefunden / so offen / und nicht wol zugelegt gewesen; Haben sie das Böthlein hinein gestosse̅ / sich sämbtlich darein gesetzt / und so lang sich durch ???eeyset / und gearbeitet / biß man wieder an [321] hart / und fest Eyß / so wol hat tragen können / gelanget / da seyn dann die Gesandten so fort zu Fusse weiter spatzieret; Die Fischer aber bey ihren Bothe bleiben / und nach gezogen. Ja man hat bißweilen auff der See grosse zusammen getriebene Eyß-Hauffen / oder Scholwer / wie sie genannt / funden / die auch wol ein paar Faden hoch gewesen. Da hat man Noth und Leiden gehabt / ehe man selbst hat überkommen / und das Both überbringen mögen / sonderlich in solcher harten / geschwindeu Kälte / da sich die armen Leute durchaus nicht behelffen / und zugreiffen konten. Ja / wann einer ein Königreich gehabt / hertzlich gern die helfft vor eine warme Stube geben. Item / daß noch mehr ist / wann die Fischer mit dem Bothe etwa an einen Ort kamen / da die See fein gleich / und glat zu gelegt war / und was Windes mit hatten / so zogen sie Ihr Segel auff dem Bothe auff / ließen den Wind darein stossen / der trieb es auff glatten Eyse / so schnell / und behend fort / als immer die Vauern auf beyden Seiten darbey fort lauffen / und halten konten / daß wan also auffm Eyse vor vollen Winde ge [322] segelt. Diß Spatziern hat also zwey gantze Tage / und eine auslange Winter Nacht gewehret / in solcher grausamen / unsäglichen Kälte / daß die Gesandten auch aller ihrer Speise und Geträncke / nicht auff einen einigen Bissen oder Trunck / geniessen können / biß sie / durch Gottes Gnade / die Insul Norgen / drey weg Sees von Reval erreichet / und darauff benächtiget. In welcher Nacht sich so ein starcker Ost Nord Osten Wind erhaben / daß er alles Eyß / zwischen Fynland und Reval / abgetrieben / und die See gantz klar worden. Weren sie etliche Stunden länger auff der See blieben / hätten sie die langweilige / mühtselige und gefährliche Reise / endlich mit den Halse schliessen / und weiters büssen müssen 1. In dieser Welt ist freylich ein Jam̅erthal / Angst / Noht und Mühe gnug überall / welches auch diese Gesandten wohl erfuhren / indem sie nicht nur allein grosse Gefahr / sondern auch grimmige Kälte ausstehen / und offt darzu mit haben werden arbeiten müssen. 2. Vortheil sind zu allen Dingen guht / wer solche nur recht zu gebrauchen weiß.
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148. Leibliche Eltern bringen auß Geld-Begierigkeit ihr Kind umb. ANno 1618. kam zu Leipzig eines Gastwirths Sohn / welcher 23. Jahr aus gewesen / einmal / die Seinigen heimzusuchen / wieder zu Hause / kehrete bey seinen noch diese Zeit lebenden Eltern (doch ihnen unwissent / daß es ihr Sohn war) ein / bat umb Herberge / und gab ihnen 300. Reichsthaler in Verwahrung / besuchte hierauff seine in der Zeit ausgesteuerten Schwestern / und ludt dieselben mit ihren Männern den andern Tag zu ihn in seine Heerberge bey seinen Eltern zur Mahlzeit zu kommen / wobey er sich über Essens seinen Eltern kund thun wolte / gieng hierauff von seinen Schwägern und Schwestern wol gesegnet wieder heim / und ward zur Ruhe gewiesen. Nun beliebte den Eltern das verfluchte Geld / fasseten einen Muth / und brachten umb deß vergänglichen Silbers willen ihr eigenes Kind umb. Den folgenden Tag kamen die eingeladenen Schwestern und Schwäger / fragten nach den angekommenen Gast / ihren Bruder und Schwager. Wie dieses der Vater hörete / daß es sein Sohn gewesen wäre / gieng er heimlich hin / erhieng sich. Die Mutter / die mit Hand angeleget / und diese That ihren Töchtern nunmehr offenbahret hat [324] te / erstach sich / und die Schwestern sprungen vor Bekümmernüß in einen Brunnen / und ersäufften sich. Also brachte der leudige Teuffel umb des losen Geldes willen / Eltern und Kinder / nicht allein umb Leib und Leben / sondern auch / fürnemlich die Eltern / umb Leib und Seeligkeit / welches ein erschreckliches Exempel. 1. Solche Dinge kan das Geld und der leidige Geitz verursachen / darumb hüte sich jederman vor dem Geitz / denn er ist eine Wurtzel alles Ubel / 1. Tim. VI. vers. 10. 2. So machts der Teuffel / erstlich reitzet er die Leute zur Sünden / darnach wenn sie gesündiget haben / mutzt er ihnen die Sünden auf / treibt sie zur Verzweiffelung / und stürtzt aus einer Sünde in die andere. 149. Exempla wie sich Juristen bestechen lassen. EIn Metzger oder Fleischhauer hatte einen Advocaten / ihm in seiner Sache wol zu dienen / einen Ochsen verehret / ein Kirschner aber / der sein Wie derpart war / hatte eben selben Advocaten eine [325] Marterne Schauben / welche mehr werth war / als der Ochß / verehret. Als nun der Advocat vor Gerichte nicht redete / wie der Metzger gerne gehört hette / sprach Er: Prill Ochse / Prill. Darauf antwortete der Kirschner: Ich hab ihm schon ein Futter fürgeben / daß ihm das Prillen vergehet. Eine arme Wittfrau verehrete einem Richter / ihr ihm favorabel zu machen / eine sette Ganß / von gegentheil aber hatte Er etzliche Fuchs-Bälge bekommen. Da nun der Richter der Wittfrauen nicht wolte beylegen / sprach sie: Herr Richter / gedencket doch an die Ganß. Was Ganß? sprach der Richter / der Fuchs hat sie schon längst gefressen. Der Teuffel gesegne sie ihm / schreibt hierüber ein Theologus, da er dieses Exempel anführet: Die Federn werden ihm auf der Seelen verbrennen / und das Fett in der Höllen schmöltzen. Eben auff dergleichen weise hat ein Müller das Recht wieder einen Bauren erhalten. Denn sie sind auch beyde zu einem Procurator kom̅en / den hat nun der Bauer ein Fäßlein mit Oehle bracht und gebe [326] ten / er möchte ihm doch in seiner Sache so dienen / daß er solche erhielte. Wol sprach der Zu???ge???trescher / deine Sache ist gut / setze nur das Oelfläschlein nieder / ich will der Sachen schon recht thun. Kaum war der Bauer aus dem Hause / da kam der Müller mit einem fetten Schwein und begehrte eben dergleichen. Was geschicht? Das Schwein läufft über den Hauß-Tennen / verschüttet und stöst des Bauren hingesetztes Oelfläschlein umb. Rahtet / welcher das Recht gewonnen? Ich weiß / jhr werdet sagen der Müller. 1. Das sind solche Exempla / dergleichen täglich fürkommen. Aber es solte nicht geschehen. Was gewissenhaffte Richter und Advocaten seyn / die thun dergleichen nicht / sondern gedencken / daß dermahleines ein Gerichts Tag werde gehalten werden / an welchem man auch diese ihre böse Stück wird richten. Die aber das Gewissen an Nagel hängen / schlagens in Wind und dencken nur darauff / wie sie das Geld von den Parteyen bekommen mögen. 2. Endert Euch ihr ungerechten Richter / und ihr Gewissen losen Advocaten / sonsten möchte der Segen / den euch der Theolog??? [327] geben wahr werden / und euch die Sache dermaleins / die ihr mit unrecht nehmet / auff der Seelen verbrennen.

150.
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Von Creutz-Orden / wenn er eingesetzet worden. IM Jahr Christi 1189 / als Käyser Friederich I, Barbarossa genant / mit vielen grossen Herrn ins gelobte Land einen Zug gethan / hat in demselben ein sonderbahren Creutz-Orden dem Teutschen Herrn Friederich Hertzog in Schwaben / erst gemelden Käysers Sohn / auffgerichtet. Die Ordens-Brüder trugen ein schwartzes Creutz auff einem weissen Mantel / giengen einher mit niederhängenden köpffen / und blossen Füssen / in den Händen trugen sie ein kleines hültzernes Creutz / und musten schweren / daß sie mit Leib und Seel / Gut und Blut / Mariae und dem Creutz sich opffern wolten. 1. Christus der Hertzog des Lebens hat den rechten Creutz-Orden unter seinen Christen auffgerichtet / und muß ein jedweder / der in solchem Orden ist / nicht zwar ein höltzern / jedoch sein Gewissens Creutz tragen / wie er solches selbsten haben wil und befiehlet: Wer mein Jünger seyn wil / der nehme seyn Creutz auff sich und folge mir nach / Marc. IIX und Luc. IX.
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2. Vnd gleich wie ein Hirt seine Schaase kennet an dem Zeichen / welches er ihnen hat aufgeschlagen / also erkennet Christus uns seine Christ-Schäflein auch an dem Creutz-Zeichen. 151. Eines Grafen unbilliges begehren an eine Adeliche Frau. SPangenberg gedencket / daß ein Manßfeldischer Graf einen vom Adel lange Zeit im Gefängnüß gehalten / sey auch kein / Mittel der Entledigung zu finden gewesen / dessen gefangmen Haußfrau / laufft und bittet täglich mit gefaltenen Händen / wehemütigen Geberden und heissen Thränen / vor ihren hart gefangenen Herrn / weil sie aber jung und sehr schön gewesen / hat ihr der Graffe diesen Weg vorgeschlagen / wofern sie in geheim eine Nacht sich bey ihm aufhalten würde / und seinen Willen pflegen / so solte alsbald ihr Ehemann dieses Gefängnüß entlediget werden. Diß züchtige Hertz nimmet Bedenck-Zeit / sinnet hin und her / wil es doch nicht allein behalten / sondern offenbahret es durch ein Gegitter ihrem Ehegatten. Als er diesen schmertzlichen Handel vernimmet / wil er für Wehemuht gar aus der Haut fahren / jedoch verbeut ers ihr gar hart / und spricht / daß er lieber sterben wolt / denn seinem Feinde dieses vergönnen / hoffe zu [329] GOtt / der werde wol ohne diese Mittel ihm heraus helffen. Als sich aber die Zeit noch verzeigt / nimpt ihr gedachte Frau vor deß Graffen Lust in der stille ein genügen zu thun / welches als es geschehen / wird ihr Ehemann aus dem Gefängnüß / ohne alles Mittel / frey loß. Als nun jhr Herr zwar dießfalls in Argwohn kommen / ers aber nicht gewiß wissen konte / offenbahrte sie es ihm einmahl aus grosser Liebe / darüber er in solche Wehemuht gerathen / daß er sich mit seinem eigenem Schwerdt erstochen. Kurtz nach diesem / ist sie aus grossem Hertzen-Leid gestorben. 1. Hier siehet man / was der Huren Teuffel kan zuwege bringen / wie er nicht nur allein darauff gehet / daß er die Leute zur Hurerey / sondern auch zu Mord und Todtschlag verleitet. 2. Man fiehet zugleich auch / was rechte eheliche Liebe vor eine Wirckung hat. Dieses Adeliche Weib hat zwar nicht aus böser Lust / sondern ihren Mann aus dem Gefängnüß zu bringen / dem Grafenzu willen gelebet. Aber die Eheliche Liebe hat darauff bey ihr und ihrem Mann den Tod gewircket. 152. Ein schlechter recompens eines Docters / welchen ein Hoffmarschall zu einer Schuld geholffen.
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EIn Doctor in einer bekandten Reichsstadt hatte an einem Fürstlichen Hofe tausend Reichsthaler zu fordern / hielte derentwegen bey dem Hoffmarschall / mit Versprechung einer stattliche̅ Verehrung / umb Beförderung an. Dieser hilfft ihm zum Gelde / darvor verehrt ihm der Doctor zum Recompens einen Stab gar gringen Werths. Solchen ließ der Marschall zum schimpflichen Gedächtnüß mit Silber beschlagen / und folgende Wort darauff stechen: Hic est Baculus ille, Quem dedit Doctor Hille, Pro Thaleris mille. 1. Dieser Doctor muß ein rechter Geitzhalß gewesen seyn / weil er vor einem solchen grossen Dienst so einen schlechten recompens gegeben. 2. Derowegen ist ihm gar recht geschehen / daß ihm dieser Marschalck wieder beschimpffen lassen. Den Vndanckbarn soll man ihre Vndanckbarkeit unter die Augen stellen. 153. Einer wird seines Kleides wegen seines Dienstes entsetzet.
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ALs einsten der hochlöbliche Fürst / Hertzog Wilhelm von Sachsen / an seinem Hoff / einen Edelmann hatte / der sich in Kleidern sehr leichtfertig hielte / und Er ihm sagte: Lieber! gehe hin zum Schneider / und laß dir / an statt deinen zerfetzten und zerlumpten Hosen / auff meinem Unkosten / ein ander Kleid machen; Der Edelmann aber antworttete: Nein! sondern ich kleide mich meines Gefallens: Sprach der tapffere Herr: Darumb tauchstu an meinen Hoff nicht. Worauf er alsobald mit Schimpf und Spott weichen müssen. Ein andere dergleichen Geschicht wird reseriret. ES ist in den Historien bekant Eberhardus Barbatus, ein weiser und gottsfürch tiger Fürst in Schwaben-Land. Zu solchem kam ein Student / und hielte bey ihm umb einen Pfarrdienst an: dem der Furst erstlich nicht übel geneiget war. Als aber der Wind ungefehr deß Studentens Mantel wegbließ / und er seine närrische Hosen sahe / wieß er ihn mit grosser Ungnad hinweg / und schlug ihm alle Beförderung ab.
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1. So gehts: Kleider können offtmals zu Ehren und auch ins Verderben bringen. 2. Ein jedweder kleide sich fein seines Standes gemeß / und sey sonderlich darauff bedacht / daß er ein fein erbar und nicht ein liederlich und leichtfertig Kleid trage. 154. Käyser Caroli V. löbliche Antwort. ALs Carolo V. von Antonio Levâ und andern Obersten Alexandri und Julii Caesaris Exempel für gehalten worden / un̅ / daß er nicht wie jene sich des Siegs zu vermehrung Käyserlicher Hoheit und Gewalts / wie es billich solte und könte geschehen / gebrauchete / hat er geantwortet: Diese Heydnische Potentaten haben nur einen Zweck gehabt / nemblich die außbreitung ihres eigenen Namens; ein Christlicher Potentat aber müste nicht so viel auff seine Ehre und Namen / als zu förderst auff der Seelen Heyl und Seligkeit sehen: Das ist eine weise / Christliche und löbliche Antwort gewesen. 1. Fürsten und grosse Herren sollen Fürstliche Gedancken / Christliche Fürsten aber Christ-Fürstliche Gedancken haben. 2. Es wehr zu wünschen / daß alle Potentaten zu förderst auff die Ehre [333] GOttes und der Seelen Heyl und Seeligkeit sehen. Aber wie daß geschieht / davon mag die Erfahrung eine Lehrmeisterin seyn. 155. Landgraff Ludwig des Eisern Sohn will wissen / wie es umb seines verstor benen Vaters Seele stehe. IN Johann Bangens Anno 1599. in 4 to zu Mühlhausen gedruckten Thüringischen Cronick / ist nachgesetztes zu finden. Als Land-Graff Ludwig der eyserne Anno 1173. gestorben / hette sein hinterlassener Sohn / auch Ludwig genant / gern erfahren / wie es umb seines Vaters Seele beschaffen were / obs ihr wohl oder übel gienge? diß vernam ein Reuter an seinem Hoffe / der war arm / und hatte einen Bruder / der war ein Pfaffe / und ein Schwartz-Künstler / den bate der Reuter / daß er von dem Teuffel erfahren wolte / wie es umb des eysern Land-Graffen Seel stehe? Der Pfaff lud den bösen Geist / der ihn auff seinen Halß sitzen ließ / und ihn in kurtzer Zeit vor der Höllen Pforten führete; da er gar grausame Pein / auff mancherley [334] weise / sahe / und hörete. Es rieff aber ein anderer / Teuffel / und fragte wer ist der / den du auff dem Halße hast? Da antwortete dieser; es ist unser Freund / dem hab ich geschworen / daß ich ihn nicht verletzen / sondern ihm des eysernen Land-Graffen Seel zeigen wolle. Da hub der Teuffel von einer Gruben einen glüenden Deckel / da ein Teuffel auff saß / und hatte ein Ertzin Posaunen / damit blieb er in die Gruben so sehr un̅ schrecklich hart / daß dem Pfaffen dunckte / die gantze Welt bebete davon. Und nach einer Stunde / fuhr es so voll Flammen / Rauch / Funcken / mit schwefflichten Gestanck daraus / da kam der Land-Graff auch mit gefahren / und gab sich dem Pfaffen zu schauen / und sprach: Hie bin ich armer Land-Graff / etwan dein gewesener Herr / und wolte GOTT / daß ichs nie worden were / ich muß allhie grosse und schwere Pein leiden. Da sprach der Pfaff / ich bin zu euch / von eurem Sohne / gesand / daß ich erfahren solte / wie es umb euch gethan sey / ob er euch mit etwas helffen möchte? der Land-Graff antwortete: wie es mir gehet / das hastu gesehen / doch soltu wissen / [335] wenn meine Kinder den Gottes-Häusern / Stifften und Klöstern / ihre Erbe und Güter wieder geben / die ich zu meiner Herrschafft mit Unrecht gebracht / daß were meiner Seel ein grosse Hülffe. Da sprach der Pfaff: Herr / sie glauben mir diese Rede nicht. Da sagte er ihm ein Warzeichen / daß niemand wuste / dan̅ seine Kinder. Also ward der Land-Graff wieder in die Gruben gethan / und der Teuffel führet den Pfaffen wieder heim / und wiewol Er bey Leben blieb / jedoch verlohr er seine natürlich Farbe / denn er war allezeit gelb und bleich / daß man ihn kaum erkandte. Die Wort / so ihm der Land-Graff / oder der Teuffel / beneben den Warzeichen erzehlt hatten / offenbahret er des Land Graffen Erben; aber es war wenig nutze / dann sie wolten die Güter nicht wieder geben / und Er ward ein grauer Mönch zu Vockeroda. Welches dann der Innhalt dieser Geschicht ist / dabey gleichwol an Rand stehet / Fabula. 1. Es scheinet auch dieses einer Fabul ähnlicher / als einer warhafften Geschicht zu sein / nicht darum / als ob in der Höll keine Quaal were / oder die [336] jenigen / so geistliche Güter mit unrecht an sich ziehen / nicht solten in die Hölle kommen: Sondern wegen der andern Dinge / so allhier erzehlet worden / und sonderlich lautet es gut Papistisch / daß das wieder geben der Güter die verdamten Seelen könne erretten. Dem ist nicht also. Ex inferno nulla redemptio, heist es / ex purgatorio etiam non, quia purgat???rium nullum datur, 2. Ob aber wol mit Vnrecht an sich gezogene Güter nicht aus der Höllen erretten können / wenn man solche gleich wieder gibt / so soll man doch / sonderlich Geistliche und Kirchen-Güter nicht mit Vnrecht an sich ziehen / oder wenn es geschehen / dieselben wider geben / ehe man stirbt denn dardurch kan man verhüten / daß man nicht in die Höllen kommet. 156. Der gelehrten Italiänerin Olympiae Fulviae Moratae letzte Schrifft an Coelium Secundum Curionem. DIe gelehrte und dem Evangelio Christi eyferig beygethane Italiänerin Olympia Fulvia Morata, als sie Anno Christi 1555. im 29. Jahr ihres Alters tödtlich kranck war / wie sie dann [337] auch desselbigen Lagers gestorben / schrieb sie zu guter letzte an ihren guten Freund den Caelium Secundum Curionem, Professorem zu Basel (welcher hernach ihre Scripta zusämmen getragen und aus gehen lassen) diese Wort: Vale optime Caeli, & si de obitu meô tibi renunciatum fuerit, ne doleas: nam ego scio tunc demum me victuram cupióque jam dissolvi, & esse cum Christô. Lebe wohl mein frommer Caeli, und wann ihr die Zeitung von meinem Absterben bekompt / so trauret nicht; denn ich weiß daß ich alsdann erst leben werde; Und ich begehre albereit schon jetzo auffgelöst und bey Christo zu seyn. 1. Ist eine schöne und recht Christliche Absegnung gewesen / welche mit den Worte̅ Hiobs. c. XIX. und Pauli Phil. 1, gantz übereinstimmet. Denn Hiob versichert sich auch eines andern Lebens und Paulus begehrt auch auffgelöst und bey Christo zu seyn. 2. Alle Menschen / wohr zu wünschen / daß sie auch dergleichen Gedancken führeten / wenn ihnen Kranckheit und endlich gar der Todt zusetzet.
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157.
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Von Käyser Theodosii Aepfel / welchen Er seiner Gemahlin der Eudoxiae verehret. ES bekam auff eine Zeit der Käyser Theodosius einen schönen grossen Apffel / den er seiner Gemahlin / der Eudoxiae verehrete. Solche hörete / daß der fürtreffliche und hochgelehrte Mann / Paulinus kranck were / und schickte ihm solchen Apffel durch eine unbekandte Person zu. Paulinus weiß nicht / von wem eigentlich der Apffel herkommen / und schickt ihn / als eine sonderbahr-schöne Frucht / dem Käyser Theodosio, Der Käyser fragt seine Gemahlin: Wo sie den Apffel habe hingethan? Sie erschrickt / und betheuret / aus grosser Furcht / heftig / sie habe ihn gessen / hierüber kam der Käyser in eine Eyfersucht / und ließ den unschuldigen Paulinum auff seinen Siegbette umbbringen; Die gute Käyser in entflohe / und starb aus Kümmernüß zu Jerusalem / im Jahr Christi 421. 1. Hier siehet man / wie die Eyfer sucht bey Eheleuten viel vermag / und es heist recht: Der Eyfer ist fest / wie die Hölle / wie Cant. IIX. v. 6. geschrieben siehet. 2. Man siehet auch zugleich / wie oft ei [339] nem unrecht geschicht. Darumb sonderlich in Sachen / die Leib und Leben antreffen / man sich nicht übereilen soll. 158. Käyser Sigißmundi weise Rede. KEyser Sigismundus hat gesagt: Daß einer ein Fürst oder grosser Herr gebohre̅ oder erwehlet werde / geschehe durchs Glück; Daß aber einer gelehrt / tapffer und Mannhafft sey / geschehe durch Fleiß / Tugend und göttligkeit des Gemühts. Inmassen eben dieser Käyser D. Georgio Fiscello, welchen Er mit Adelichen Wappen und Freyheiten beehret / auff dem Synodo zu Basel / da dieser in die Rahtstuben kommen und zweiffelhafft gewesen / ob er sich noch unter die Doctores, oder aber auff die Richterbanck setzen solte / sich doch endlich zum Adel gesetzt / diese Wort geredet: Ihr thut unweißlich: Wisset ihr nicht / daß ich kan in einem Tag 1000. Adeln und zu Rittern machen / aber so mächtig bin ich nicht / daß ich in 1000. Jahren einen Gelehrten machen kan. AEneas Sylv. l. 4. comment. in Panormit. 1. Es ist die purlautere Warheit / was dieser vernünfftige Käyser gesaget / und wird der Adel-Stand jmmer vorgezogen / auch wol [340] von denen jenigen / welche die Wahl haben sich zu den Gelehrten / oder Adelichen Personen zuhalten / die wollen lieber Edel / als gelehrt geachtet seyn. 2. Ein kluger Mann ist mit dem Stand / darein ihn GOtt gesetzt zu frieden. Vnd was ist es endlich? Wenn wir todt seyn / so sind Adeliche und Unadeliche / Gelehrte und Ungelehrte Köpffe einander gleich / und kan man keinen von dem andern unterscheiden. 159. Von einem Spanischen Mönch. EIn Spanischer Mönch nahmens Dominicus Jesus Maria ist von Käyser Ferdinanden dem andern mit einer köstlichen Cron von Perlen / gen Rom / der Jungfrauen Maria zu verehren / geschickt worden / den aber Pabst Gregorius XV. Anno 1621. zum König in Franckreich / als er eben im Krieg wieder die Hugenoten begriffen war / und sein Volck deß Herren von Plessis Mornay, gewesten Gubernatorn zu Saumor, (der nichts wieder den König gethan / auch ihme gemelte Stadt und Schloß / ohn einigen Wiederstand eröffnet) schönen Haußraht und Kleinodien geraubt und seine fürtrefliche Bibliothec die er von vielen Jahren her mit grosser Mühe und Vnko [341] sten gesamblet hatte / zerrissen / zum Fenster auff die Gaß hinaus geworffen / mit Füssen zertreten / und mit Wägen darüber gefahren: und noch darzu ihme der König das Gubernament genommen / und ihn / der seinem Herren Vater lang treulich gedienet / und nun mehr alt war / seinem Läger nachzuziehen geheissen / gesandt hat. Vnd hat dieser Mönch dem König / in Gottes Nahmen / hart eingebunden / daß er die Ketzer in seinem Königreich zum eusersten verfolgen / und ausreuten müste / so lieb als ihm seiner Seelen Seligkeit were. Wo er hin kam / thet man ihm bey nahe göttliche Ehr an: Die Leute hielten es für ein sonderbahres Glück / wann sie den Segen von ihm empfangen konten: Wer ein Läplein von seinem Rock konte bekommen / der meynete er hette einen grossen Schatz: Von Pariß kam er nach Cölln / alda / wer seine Hand küssen konte / achtete sich so glückselig / als wann er den geküst hette / dessen Nahmen er führte: Man brachte zu ihm viel Stumme / Taube / Blinde / Lame / und die mit andern Kranckheiten behaftet waren / aber es wolte keine Krafft von ihm ausgehen. Dem Churfürsten zu Cölln / der ihn auch mit grosser Ehrerbietung empfangen / schenckte er zur Danckbarkeit seinen Wanderstab. 1. Dahin gehen noch jmmerdar des Pabsts und seines A hangs Rahtschläge / wie [342] nehmlich die Ketzer (dardurch perstehen sie uns Lutheraner nebens den Calvinisten) mögen auffs eusserste verfolget und ausgerottet werden. Aber Gott geher doch noch jmmer eine andere Bahn / wenn sie es auch auffs klügste greiffen an / und macht ihre Anschläge zu nichte. 2. So hoch bringens die Päbstler bey den ihren / daß man auch ein Läplein von ihren Lausigten Münchs-Kappen / und den Stab / damit sie offt die Hunde weggejaget / hoch und für ein Heiligthumb helt. O Einfalt! O Alberkeit. 160. Eltern Fluch bekleibet gern. CAEsarius gedencket einer erschröcklichen Historien / daß eine Mutter ihrem Sohn offtmahls / daß ihn der Teuffel hinweg führe / gewünschet. Endlich sey der Sohn vom Teuffel in die Lufft hinweg geführet und nimmer gesehen worden. Man hat Exempel / daß zu Nürnberg eine Mutrer ihrem Sohn in Zorn gewünschet: Gehe hin / GOtt gebe / daß du nimmer wieder zu mir kommest. Darauff der Knab ins kalte Bad gangen / und noch desselbigen Tags in der Donau ertruncken Man hat Exempel / daß eine Mutter für einem Crucifix niedergefallen / und gesprochen: Ich bitte [343] dich HErr JEsu Christe / dessen Bildnüß ich allhie anschaue / daß du mit dem wilden Feuer meines Sohns Leib anzünden wollest. Kaum hat sie das Gebet ausgesprochen / da ist der Sohn in seinem gantzen Leibe erhitzet und schreyet: O mater, mater, preces tuae exauditae sunt! O Mutter / Mutter / dein Gebet ist erhöret und wahr worden / und ist an dieser Plag am dritten Tag hernacher gestorben. Man hat Exempel / daß eine Mutter ihrem Kind gewünschet / daß dir der Teuffel in Leib fahre / da so bald der Teuffel ins Kind gefahren / und es ist wahnwitzig und tobend worden. Man hat Exempel / daß eine Mutter zu ihren ungerathenen Sohn / als er mit zweyen Fingern das Maul auffgerissen / und der Mutter gespottet / in Zorn gesagt: Ey daß GOtt gebe / daß du am liechten Galgen das Maul also auffsperren und flennen müssest / daß bald darnach er im Diebstal ergriffen / an Galgen gehencket / und eben also das Maul / wie gegen seiner Mutter geflennet. Man hat Exempel / daß ein Spannischer Soldat eine ehrliche vom Adel in Gellern zum Weib genommen / und als sie schwangers Leibs / er aus Grimm wieder sie gesagt: Du trägst einen lebendigen Teuffel im Leib / durch welchen ich diese Wehr hinstechen will / darauff sie eine scheußliche Mißgeburt in Teuflischer Gestalt gebohren. Man hat Exempel / daß ein schwanger [344] Weib / so Diebstall begangen / und darüber sich verschworen / wo sie das gestohlen / so wolte sie / daß GOtt gebe / daß die Frucht / so sie in ihrem Leib trüge / kein Wort reden könte / und ihr lebtag stumm bliebe Darauff sie einen Sohn geboren / so die Tag seines Lebens stumm geblieben / welcher lange Zeit am Fürstlichen Hof zu Cassel gewesen. Die Histori / so sich mit dem Knaben zu Freyberg in Meissen begeben / dem sein Vater / als er ihn aus geschicket / und der Knab etwan sich lang gesäumet / und stehen blieben / gewünschet / daß er sein Lebtag da stehen / und nimmermehr von dem Ort kommen möge / welcher auch 7. gantzer Jahr am selbigen Ort stehen blieben / ist bekant. 1. Mercket diß ihr bösen Eltern / und hütet euch / daß ihr euren Kindern nichts böses wünschet. Vngluck kompt uns für sich selbst / mehr dann zu viel / auch manchem Hauß-Vater und Mutter lieb und angenehm ist / zu Hanß / wann wir schon nicht dasselbige uns und andern wünschen. 2. Merckts aber auch ihr Kinder / und seyd euren Eltern gehorsam / damit sie nicht aus Zorn beweget ein oder den andern Fluch wieder Euch gehen lassen. Denn fürwar / fürwar / dergleichen ist euch nicht gut. Des Vaters Segen / haben die Alten gefagt / bauet den Kindern Häuser / der Mutter Fluch aber reist sie wieder nieder.
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161. Ein Soldat citiret seinen Obristen vors Jüngste Gericht. IM Jahr Christi 1606. hat ein Teutscher Soldat / der sonsten von Natur lustig und voller seltzamer Schwencke war / bey Aufführung der Wacht / zu seinen Gespanen gesagt: Lieben Brüder! die Wacht kömt abermahl an uns: Wolte GOtt! daß auch einmahl der Both mit dem Geld kommen möchte. Nun wurde solche unachtsame Rede dem Obersten fürgetragen / welcher dieselbe / als eine Anstifftung einer Empörung / aufnahm. Hierüber wurde der arme Tropf in Eisen und Banden geschlossen / gepeiniget / und folgends zum Strang verurtheilet. Der Soldat / der von keinem bösen fürhaben wuste / bath mit Seufftzen und Flehen wieder die Strenge dieses unverinutheten Uhrtheils / konnte aber nichts erhalten. Wie er nun solte auffgeknüpffet werden / schrie er den Obersten / mit diesen Worten an: Du Oberster! nach verfliessung dreyer Wochen / must du für GOtt / wegen meines unschuldigen Bluts / Re [346] chenschafft geben / der Oberste aber antworttet: Lapp! Dergleichen Bedrohung must du einem forchtsamen Hasen / nicht aber einem tapffern Cavalier / für sagen. Nur fort mit dir zum Galgen / du auffrürischer Kopf! Als nun nach seinem Todt drey Wochen verflossen / und der Oberste / bey der Nacht / runden gieng / fiel er über einen Steg in das Wasser / und ersoffe alsobalden. 1. Die Citationes / welche für GOttes Gericht geschehen / sind gar streng / ein jedweder hüte sich / daß ihm dergleichen nicht werde / man hat mehr / als dieses Exempel / daß citirte haben erscheinen müssen. 2. Sonderlich aber soll man arme nicht drucken un̅ ihne̅ unrecht thun / den̅ Gott siehets und höret ihr Seufftzen / und werden gewiß die jenigen / welche solche unrechts wege betreten / dermahleins dafür müssen rechenschafft geben. 162. Vom Pabst-Esel / welcher zu Rom in der Tüber gefunden worden. DA man geschrieben nach Christi Geburt 1496. Jahr / ist zu Rom in der Tyber ein [347] greulich Thier todt gefunden worden / das hat einen Esels-Kopff gehabt / die rechte Hand ist gleich gewesen einem Elephanden Fuß / die lincke einer Menschen-Hand: Der rechte Fuß wie ein Ochsen Fuß / der lincke wie ein Greiffen Klaue. Bauch und Brust wie ein Weib / an dem Halse / Armen und Beinen hat es Schupen gehabt / auff dem Hintersten eines alten Mannes Kopff / und einen Drachen Kopff / der das Maul auffgesperret / als wolt er Feuer ausspeyen. Dadurch ist das gantz Pabstthumb / mit allen seinen Gliedmassen / von Häupt biß auff die Fuß-Solen gar artig abgebildet und fürgemahlet worden. Daher hat mans auch genent / den Pabst Esel / und hat der Herr Philippus Melancthon, im Jahr 1523. eine feine Deutung drüber gemacht / welche in den Büchern D. Lutheri zu finden ist. 1. GOtt ist wunderbahr in seinen Wercken / und deutet offtmals etwas an durch ein Ding / darauff niemand gesonnen / wie allhier das Pabstthumb durch dieses Tyber-Thier abgebildet worden. 2. Derowegen sollen wir nicht alles in Wind schlagen / wen̅ ein oder das andere ungewöhnlicher weise geschicht.
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163.
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Ein Prediger bittet umb Friede / oder / daß GOtt der Soldaten Vitte wolle gewehren. EIn Prediger baht nach gethaner Predigt / GOtt wolle doch einmahl Frieden bescheren / und von den Soldaten abhelffen / oder / da GOtt sein Gebeth nicht erhören wolte / so solte er doch der Soldaten Bitte er hören. Nach geschehener Predigt ließ der Commendant Herr Steffen zur Mahlzeit bitten / fragte ihn / was er doch damit gemeynet? Was doch der Soldaten Bitte wäre? Er sagte: Herr Oberster / das wisset ihr wohl / sie sagen und bitten ja jmmer: Hole mich der Teuffel / wann solches nun geschehe / so würden die Soldaten bald dünne und Frieden werden. 1. Was hat der Oberste machen wollen? Der Pfarrer hat ihm die Warheit gesaget / darumb hat Er jhm nichts anhaben können. 2. Manchem dürfft es aber wol verdrossen haben / zumahln wenn Er die böse Gewohnheit zu fluchen selbsten hette mit an sich gehabt. 164. Wie ein Sohn seines blinden Vaters gespottet.
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ZV Wormdit / einem Städtlein in Preussen / ist ein armer blinder Mann gewesen / dem sein Sohn nach dem Allmosen hat umleiten müssen. Aber wenn er Fleisch krieget / so fraß ihm der Schalck solches auff / und gab dem Vater nur das Brod; aber der Vater roche / daß Fleisch auff dem Brodt gewesen war / und fragte nach dem Fleisch. Einsmals führet der Schalck seinen Vater für den Schlagbaum / und sagt: Vater / da ist ein Gräblein / da springet über / der Vater meynet / es sey also / springet nach seiner Gewohnheit / springet aber wieder den Schlagbaum / daß er wieder zurück prallet. Da schilt der Vater den Sohn umb solches verrätherischen Stückes willen. Der Schalck saget; Ja Vater / könt ihr das Fleisch riechen / ey könt ihr denn nicht auch den Schlagbaum riechen. 1. Ein gottloser Bub ist dieses gewesen. Ein Auge / das den Vater spottet / das müssen die Raben am Bach aushacken / und die jungen Adler fressen / schreibt Salomon Prov. XXX. v. 17. 2. Ihr Kinder bespiegelt Euch und spottet eurer Eltern nicht / sondern ehres Vater und Mutter / so werdet jhr lange leben / und es wird euch wohl gehen.
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165. Von Alexandri wunderbarlichen Pferd. MAn schreibet und saget viel von Alexandro dem grossen und mächtigen Könige in Macedonia, was derselbe für ein selzames und wunderbarliches Pferd solle geritten / un̅ zu seiner Königlichen Pracht gebraucht haben / welches man Bucephulon, das ist / Ochsenkopff geheissen. Dasselbe sol nicht allein ein seltzames Ansehen und Gestalt / sondern auch eine wunderliche Art an ihme gehabt haben. Wenn es mit der Königlichen Decke nicht gezieret gewesen / so hats auch wol von seinem Stallmeister sich bereiten lassen / so bald man ihm aber den Königlichen Pferdeschmukk und Sattel auffgeleget / hat es sonsten keinen Menschen auff sich kommen lassen / noch leiden wollen / denn allein den König Alexander / und ist unter demselben so zierlich und prächtig gangen / daß sich männiglich / ders gesehen / darob verwundern müssen / daher sol auch sein leiblicher Vater / König Philippus, da sein Sohn diß Pferd das erste mahl geritten / und er gesehen / wie sichs so prächtig gestellet / gesagt haben: Lieber Sohn / such dir einander Reich / das Königreich Macedonia wird dir viel zu klein und enge seyn.
|| [351]
1. Die Natur hat auch offtmals unvernünfftigen Thiere̅ etwas eingepflantzet / daß man daraus schliessen möchte / sie wehren mit Vernunfft begabet. Wer hette anders schliessen sollen / wiel dieses Königliche Pferd ausser der Königlichen Decken sich auch von andern / mit derselben aber / allein von dem König Alexandro reitten lassen? 2. Was zum Häcklein werden will / pfleget man in Spriehwort zu sagen / das krümmet sich in der Jugend; Das hat sich auch an Alexandro dem grosen erwiesen / welcher in der Vlüte seiner Jugend das grosse Pferd / so stoltz und tapffer reiten können / daß sich sein Vater nebens allen andern darüber verwundern müssen. 166 Ein Soldat soll D. Justum Jonam umbs Leben bringen / thuts aber nicht. IN dem Sächsischen Käyserlichen Krieg zu Halla wurd von denen Papisten ein Capitän D. Justo Jonae in sein Hauß ein [352] surieret / der befehlcht / daß er den frommen D. auffopffern und umbs Leben bringen solte Aber was solte geschehen? D. Jonas thut ihm alles liebes und guts / tractiret ihn so wol / als er kan / gewint damit dem Capitän sein Hertz ab / daß er in sich selbst gehet / dem Doctor zu seinem Abzug ein stück Gold verehret / und zeiget Ihm an / was über Ihn beschlossen? Er aber / nach dem er seine Frömmigkeit und Redlichkeit gesehen / hab solches nicht vollenden können / noch wollen. 1. So weiß der HERR die seinen / die Gottseligen / aus der Versuchung zu erlösen / 2. Pet. II. 9. Denn der HERR merckets und hörets / und ist für Ihm ein Denckzettel geschrieben / für die / so den HERRN förchten / und an seinen Namen dencken / Malach. III. 16. 2. Hier haben sich die Papisten abermals verrathen / wie sie nach der Lutheraner Blut dürstet / GOTT aber hat erwiesen / daß Er der Menschen Hertzen in seiner Hand habe / und sie lencken könne / wie Er wolle. Denn da hat ja dieser abgefertigte Capitain mit D. Justo Jona nicht anders als freundlich reden dürffen.
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167. Wie die Polter-Geister einen Pfarrer in seinem Hause geplaget / und was Doctor Luther solchen zubegegnen vor einen Raht geben. ES kam zu D. M. Luther ein Dorff Pfarrer / von Spitz / hart bey Torgau wohnend / der klaget ihm / daß der Teuffel des Nachts ein Poltern / Stürmen / Schlagen und Werffen in seinem Hause hette / daß er ihme auch alle seine Töpffe und hültzern Gefäß zerbrochen / und er keinen Fried für ihm hatte / dan̅ er würffe ihm die Töpffe und Schüsseln am Kopffe hin / daß sie auff Stücken sprüngen / plaget ihn / und lachet seiner noch darzu / daß er offtmals deß Teuffels Lachen hörete / er sehe aber nichts. Diß Wesen und Spiel hette der Teuffel ein gantz Jahr lang angetrieben / daß sein Weib und Kinder nicht mehr im Hause bleiben wolten / sondern wolten stracks heraus ziehen. Da sprach D. M. L. Lieber Bruder / sey starck im HErrn / und sey deines Glaubens gewiß / weiche diesem Mörder dem Teuffel nicht / leide und dulde seinen eusserlichen Spiel und Lermen / auch den geringen zeitlichen Schaden / daß er die Töpffe und hültzerne Schüsseln zerbricht / denn er kan dir doch an der Seel und Leib nichts thun / das hastu bißher in der That also erfahren / denn der Engel deß [354] HErrn hat sich umb dich her gelagert / der schützet und behütet dich / darumb / laß den Teuffel jmmerhin mit den Töpffen spielen / du aber bete zu Gott / mit deinem Weibe und Kinderlein / und sprich: Trolle dich Sathan / ich bin Herr in diesem Hause / und du nicht. Also soll man zum Teuffel sagen / wenn er von sich sebst kombt / und man ihn mit unsern Sünden nicht hat zu Gaste geladen / oder einen Bothen geschickt / denn spreche man: Ego authoritate divina hic sum Paterfamilias, & vocatione coelesti Pastor Ecclesiae, durch Göttliche Macht und Befehl / bin ich in diesem Hause ein Herr / und ich habe einen himlischen Beruff / daß ich Pfarrer in dieser Kirche sey. Deß habe ich Zeugnüß vom Himmel und auff Erden / darauff poche ich. Aber du Teuffel schleichest in diß Hauß / als ein Dieb und Mörder / und bist ein Bößwicht und Mörder / warumb bleibstu nicht im Himmel? Wer hat dich in diß Hauß geladen? Also singe ihm seine Lytaney und Legenda / und laß ihn seine Zeit spielen. Als ich Anno 1521. zu Martburg über Eisenach im Pathmo / auff dem hohen Schloß / mich enthielte / da plaget mich der Teuffel auch offt also aber ich wiederstund ihm im Glauben und begegnete ihm mit dem Spruch: GOtt ist mein GOtt / der den Menschen ge [355] schaffen hat / und hat dem Menschen alles unter seine Füsse gethan / hastu nun darüber was Macht / so versuche es? 1. Den Teuffel kan man nicht besser / als mit Gottes Wort und Gebet / und wenn man auff sein Ampt und Beruff pochet / und sich mit Glauben an GOtt hält / abweisen / wie D. Luther hier lehret und mit seinem eigenen Exempel practiciret hat. 2. Kömpt dir nun / lieber Mensch / derselbe auch auffgezogen / und will dich schrecken / so streite nur wieder ihn mit diesen Waffen / er wird schon müssen weichen und dich zu frieden lassen. 168. Von Käyser Nerone / welcher sich in der schönen Poppaeae Haar verliebet. WIr lesen von dem Römischen Käyser Nerone, daß er die Poppaeam (welche sonst von andern Sabina Poppaea geheissen wird) ihrer Schönheit halber überaus sehr geliebet / insonderheit umb ihrer goldgelben Haare willen. Denn [356] er solche ihre goldgelbe Haar nicht allein absonderlich zu zehlen pflag / sondern er gab auch jedwedern Haar einen sonderlichen Namen / damit er sie nennen kunte; Ja er machte auch ein sonderbahres Gesang von denselben. Auch war diß noch nicht gnug / sondern er ließ dieser seiner Buhlin auch einen gantz guldenen Kamm machen / damit sie diese ihre Haar kemmen konte / und wann jrgend eines von ihren Haaren ausfiel / ließ ers bald in Goldfassen / und der Göttin Junoni auffopffern / nach Römer Art / welche alle das jenige / was ihnen sehr lieb war / den Göttern auffzuopffern pflagen. 1. So gehets: Die Liebe fällt offtmals auff seltzame Dinge. Was sind doch Haar? Solche Dinge sinds / davon wir einen Eckel haben / wenn sie in Speisen gefunden werden. 2. Wir lernen hier / daß grosse Herren auch Menschen sind / und Menschliche Affecten / Gebrechen und Fehler an ihnen haben. 169. Papistische Fabel von Schutz-Engel.
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DER Papist suchet Trost bey seinem Schutz-Engel / welchem die blinden Leute abentheuerliche Dinge beymessen / wie er nemlich dem Sterbenden beystehe / ihn biß an den letzten Todes-Kampff stärcke und mancherley weise secundire; nach dem Todt seine Seele zum Himmel führe / oder / dafern sie noch nicht allerdings gereiniget ist / in das Feg-Feuer begleite / sie daselbst nach und nach tröste / biß sie gar gereiniget / und er sie von dannen mit sich in den Himmel hebe. Aber diß narrirn sie ohne Bestand und Grund der Schrifft. 1. Daß Gott seine Engel uns zu beschützern geben / ist nicht zu leugnen; Aber daß ein jedweder Mensch seinen sonderlichen Schutz-Engel haben soll / kan aus der Schrifft nicht erwiesen werden. 2. Derowegen so halten wir dieses vor ein Päbstisches Gedicht / wie sie auch vom Feg-Feuer und andern Dingen fabuliren und ohne gnugsamen Beweiß schreiben. 170. Frage Königs Alphonsi an einen Dominicaner Münch vom Abendmahl.
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DEr löbliche König Alphonsus hat auff eine Zeit mit einem Dominicaner Münch / welcher viel von der Verwandelung deß Brodts im Abendmal in dem Leib Christi gesagt / ein Gespräch gehalten. Herr / sagte dieser König / es hat einer in einem gantz güldenen Gefäß / darein sonst nichts kommen ist / eine gesegnete Hostiam verschlossen / in selbigen hat er nach einem Monat ein Würmlein gefunden / nun ist das Würmlein nicht aus dem Golde gewachsen / auch viel weniger aus der blossen Gestalt deß Brodts / welches euren Vorgeben nach in den Leib verwandelt worden / darumb folget / daß es aus dem Leib Christi / deß Sohns Gottes müsse gewachsen seyn / was aber wesentlich aus Gott geboren ist / das Gott / Pfalm 2. v. 7. Darumb müssen wir das Würmlein für einen Gott halten / responde si potes, antwort wann du kanst / aber es stehet darbey: obticuit monachus es konte der Münch keine Antwort geben / referente Sauberto postillâ Emblematica p. ???. p. 307. 1. Also gehts / wens man eine falsche Mey [359] nung vor sich hat / und einen scharffen accuraten Opponenten überkompt / so muß man schweigen / wie auch die Jüden schweigen musten und dem HERRN JEsu offt kein Wort mehr antworten konten. 2. Ob aber gleich die Papisten mit diesem und andern Gründen / in dieser und andern controversien / eingetrieben werden / daß sie schweigen müssen / oder doch nichts / so zur Sache sich schicket / antworten können / so bleiben sie doch bey ihrer Meynung / und das ist aller Ketzer Art. Sie werden aber darumb dermahleins nur schwerere Verantwortung haben.

171.
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Von Bildnüß den Peuster genant. ZV Sondershausen / in der Herrn Grafen von Schwartzburg Schloß / ist ein gegossen hohles Bild / in der grosse eines 6 oder 8. jährigen Knabens / von einem unbekanten Metall / so in dem Heydenthumb lang vor einem Abgott gebraucht / und verehret worden. Wann man dasselbe Bild voll mit Wasser füllet / und am Munde / wie auch oben auff dem Kopff / da es ein Loch / wie eines Daumendick / hat / fest zumachet und verpflöcket / hernach ü [360] ber ein starckes Kohlfeuer setzet / und tapffer zubläset / also / daß das Wasser inwendig siedet / so fängt das Bild an eusserlichen sehr zu schwitzen / dann zu schäumen / und zu brausen / als ein gewaltiger Wind / biß es endlich die Pflöcke mit einem grossen gewaltigen Knall heraus stösset / und damit viel Feuer auff 2. Schritt / und weiter / von sich speyet / und solch Feuer auswerffen so lang fortsetzet / biß das Wasser inwendig gantz verzehret ist. Was solch Feuer von Holtz / oder andern dergleichen / antrifft / zündet es so balden an: Wo es aber auff Stein oder Erde fällt / beflecket es solche gantz weiß / wie Schwefel / oder Kreyde / und gibt solches Feuer einen fast unleidlichen Gestanck / und schwartzen dicken Rauch. Was auch solcher Rauch von lebendigen Gewächsen / und sonderlich wann es in einem Gemach angezündet wird / ergreifft / das verdirbet alles mit einander. Ob nun vielleicht etliche sonsten in Wasser haltende Materi / durch Kunst und Zauberey mit unter das Metall gegossen seye / ist unbewust. Vnd solches Bilde solle der Päuster genennet werden. 1. Durch Kunst kan man grosse Dinge zuwegen bringen / und wird offt etwas vor Zauberey gehalten / so doch durch Kunst geschicht / wie sonderlich ex Opticis exempla könten angeführet werden.
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2. Der Teuffel aber ist auch ein grosser Künstler / und geschicht offt etwas durch ihn und seine Zauberey / das man vor Kunst hält / oder in der Natur gegründet zu seyn vermeinet. 172. Das Creutz machen hilfft nicht / sondern der gecreutzigte JEsus / wenn Er in Hertzen durch den Glauben leuchtet. UNsete Vor-Eltern haben den gecreutzigten JESUM hoch gehalten und geachtet / also / daß sie nichts angefangen mit Worten oder Wercken / es hat der Gecreutzigte müssen darbey sein. Wann sie auffgestanden / und aus ihren Kammern gangen / haben sie sich mit dem Creutz gezeichnet; ist ein schweres Wetter kommen / haben sie das Creutz für sich gemacht; haben sie ein Leib Vrodt angeschnitten / haben sie ein Creutz gemacht; haben sie ein Trinck Geschirr machen lassen / haben sie ein Crucifix unten an Boden gemacht / damit sie in Speiß und Tranck sich des gecreutzigten Christi erinnert. Wann sie gähnen wollen / haben sie dem Mund mit dem Creutz bezeichnet. Wann das ohne Aberglau [362] ben und Abgötterey geschehen / ists nicht unrecht / es heist aber / wie man von S. Elisabetha schreibet / alß sie in ein Kloster kommen und gesehen / daß die Schwestern ein Crueifix an die Wand mahlen thäten / Sie gesagt: Liebe Schwestern / das wirds nicht außmachen in eurem Christenthumb / daß Christi Creutz von der Wand leuchtet / es muß in euren Hertzen abgemahlet sein / darumb sehet zu / daß der Gecreutzigte in eurem Hertzen leuchte durch den Glauben. 1. Die Alten haben viel gute Gebräuche gehabt / wennfie nur von andern nicht mißbrauchet würden. So bald aber auch zu dem allerbesten Ding der Mißbrauch kömpt / so heist es Usus habet laudem, crimen abusus habet. 1. So solts freylich seyn: Den gecreutzigten JEsum solten wir in unsern Hertzen tragen / was wir auch vorzunehmen uns unterfangen. Der Meinung ist auch Paulus wenn Er schreibet / Er begehre nichts zu wissen / ausser Christum den gecreutzigten. 173 Begierde zu sterben eines Megalopolitanischen Bürgers.
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JEner Megalopolinitanischer Burger in Arcadiâ, mit Namen Corcidas / sagte auff seinen Kreiß-Bette / er begehrte mit allem Willen zu sterben / sintemal er wisse und hoffe / daß er nach seinem Tode werde bey den fürtrefflichsten Leuten seyn / aus den Philosophis, beym Pythagora; aus den Historicis bey den Hecateo; aus den Musicis beym Olympo, aus den Poëten bey dem Homero, und darauff ist er gestorben: Das ist ein süsser Traum gewesen / von einem erbarn Heyden. Aber ein Christgläubiger Mensch hat eine bessere Gewißheit; Daher auch Seine Freudigkeit zu sterben auff viel bessern Grunde ruhet: Er sehnt sich nicht bey Pythagora, Hecataeo, Olympo oder Homero zu sein / welche ausser Christi Erkäntnüß nicht des zeitlichen nur / sondern gantz und gar des ewigen Todes gestorben seyn; sondern das ist sein Wunsch / das ist seine Lust / daheime zu sein bey dem HERRR / die Welt zu verlassen / und zu dem himmlischen Vater zugehen. Darnach seufftzet er mit Augustino: O Domino moriar ut te videam: nolo vivere, volo mori; dissolvi cupio, & esse cum Christo; mori defidero, ut videam JEsum: Ich will sterben / O HERR damit ich dich sehe / leben will ich nicht / sterben will ich / ich begehre auffgelöst / und bey Christo zu seyn: Mich verlanget zu sterben / damit ich meinen Heyland sehe: Darumb betet er mit Bernhardo:
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Me solve tandem vinculis Istis, ut evolem tuam Beatus ad praesentiam. Löß HErr! mich von den Bandé auf / Daß ich eylfertig fahr hinauff / Zu leben dort mit dir zu hauff! 1. Wer in solchen Gedancken und Glauben stirbt / der fehlt des Himmels nicht / hat sich auch vorm Tod nicht zu fürchten / oder / wenn er kömbt / zu trauren. 1. Kein Heyde aber / auch kein irrigerin der Lehre / so ferne er bey seinen Irrthumen beharret / und solchen nicht entsaget / kan freudig sterben unddergleichen Trost fassen. 174. Eines Englischen Cardinals Hoffarth und grosse Pracht. MAn schreibt von einem Cardinal in Engelland / der einer geringen Ankunfft gewesen / und also hoch empor kommen / daß ers mit Hoffarth und grosser Pracht / auch seinem Herrn / dem König in Engelland zuvor gethan. Der soll den [365] Brauch gehalten haben / wen̅ er von seinem Könige Legation weise in Franckreich ist verschickt worden / und in einer bestimbten Stadt und Ort ankommen / daß er den Rossen für seinen Wagen / allewege / hart vor der Stadt / die Strenge abhauen lassen / und haben 14. tapffere Männer aus seinen Trabanten / also mit ihren Leibern / Ihn in die Stadt / biß vor die Burgk / darinnen Er herbergen solte / ziehen müssen. 1. Dieses ist eine grosse Hoffart gewesen / und mögte man wol sagen: Was erhebt sich doch die arme Erde und Asch? 2. Ein jedweder hüte sich vor Hoffarth / den GOTT den Hoffärtigen bald stürtzen / hat Er nicht verschont der Hoffärtigen Engel / viel weniger wird Er verschonen unser / wenn wir seyn stoltze hoffertige Bengel. 175. Fabel wie eine alte Beer-Mutter ihre Jungen Beeren unterwiesen. WAnn hat etwan vor Alters in der Schuten der lieben Jugend eine feine artige Fabel erzehlet / von einer alten Beer-Mutter / wie dieselben ihre jungen Beeren unterwiesen / ehe sie solche hat wandern lassen / und [366] gebeten / daß sie sich ja fleißig hüten solten / darmit sie nicht etwan einem Manne möchten zu nahe kommen / der sie röden und umbringen möchte. Wie nun die jungen Beeren jhre Mutter fragen / was dann ein Mann vor ein Thier sey So führet sie die alte Mutter auff einen hohen Berg / unter welchem ein Weg in einem grossen Walde gieng / in deß kommet ein alter Mann im Walde daher gehuncken / krumm und gebükkt / da erschrecken und fragen die Jungen / ob das ein Mann sey? Nein / spricht die Mutter / es ist ein Mann gewesen / aber nun nicht mehr / der thut euch nichts. Bald kommet darauff ein Jüngling etwan von 16. Jahren / da fragen sie abermahls / ob dann dieses ein Mann were? Da antwortet sie / nein und spricht / er sol noch zu einem Manne werden. Endlich kommet ein junger starcker freudiger Mann daher geschritten / der gehet trotzig herein / leget seine Axt an einen Baum / und fället ihn darnieder / daß er kracht und prasselt / da spricht die Mutter zu ihren Jungen / sehet das ist ein Mann / da gilt es auffsehens / vor einem solchen müst ihr euch fürchten / hüten und vorsehen. Darmit haben die lieben Alten / unsere liebe Vorfahren / andeuten und zu verstehen geben wollen / daß einer zu vor seine Jahr und Männliches Alter soll erreicht haben / ehe Er in Ehestand trete / darmit er mit Ehren kann ein Mann genennet wer [367] den / und auch wisse / was einem Manne eigene und gebühre / und wie er mit Vernunfft und Bescheidenheit seiner Ehegemalin / so wol der gantzen Hauß-Nahrung vorstehen soll / darmit nicht aus Kindheit (die von GOTT dem HErrn gebotene Liebe) in Lappenwerck verwandelt werde. 1. Ist eben dieses / was vor diesem die Spartaner auff 3. Choren gesungen. Der erste / da lauter alte Leute gewesen / hat geruffen: Wir waren vor diesem streitbahre Helden. Der ander / als junge starcke Männer: Was ihr gewesen / das sind wir jetzt / wers nicht wil glauben / der wags mit uns / wir wollens ihm darthun. Der dirtte / als lauter Junge Knaben: Was diese sind / das gedencken wir zu werden. 2. Wer ein Mann ist / der halte sich auch Mannbar und nicht Mämmisch / Weibisch oder Kindisch. Denn viros virilia decet. 176. Von der Esels-Figur zu Straßburg im Münster.
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ZU Straßburg soll oben im Münster / gegen dem Predigstuck über / eine solche Figur in Stein ausgehauen seyn / wie daß ein Esel für dem Altar siehet und lieset Meß. Hinter ihm stehet ein ander Esel / der hat ein Duch für ihm / und hat doch kein Maul / das Buch aber helt ihm eine Katze. Diese Figur ist länger als für dreyhundert Jahren also außgehauen und an den Ort gesetzt worden. Was meynt ihr aber / daß der Meister / der solche gemacht / oder erstlich angegeben / damit habe wollen anzeigen? Diß L F. daß die Meß-Pfaffen grobe Esel weren / deßgleichen die / so das seligmachende Wort Gottes aus den Evangelien und Episteln predigen solten / wären auch Esel / hetten kein Maul / keine Gaben zu lehren wie sichs gebühret / könten dem gemeinen Manne die heylsame Lehre nicht fürtragen / welche sie auch selbst nicht verstunden. Durch die Katze / so das Buch hält / hat er bezeugen wollen / die Heucheley und Gleißnerey der Münche / welche gemeiniglich sich beym einfältigen Volck wunderlich können bey [369] schmeicheln / und sind doch solche Thierlein die forne lecken und hinten kratz en 1. Diese Figur bildet Münche un̅ sonderlich der Zesuiten Humor stattlich an. Denn die ersten sind mehrentheils grobe ungeschickte Esel / die andern aber lassen sich mit den schmatzen den und kratzenden Katzen stattlich vergleichen. 2. Die Mahler / wie sie von guten nach sinnen sind / also treffen sie offtmals eine Sache sehr wohl / und geben mit ihrer Kunst manchem eins an ein Bein / daß ers fielet.

177.
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Daß wir noch alle so lüstern seyn als Adam und Eva gewesen / wird aus nachfolgender Geschicht erwiesen. EIn Fürst hatte einen alten Vnterthanen / der klagte / er könte Alters halben nicht mehr Herrendienste thun / der Fürst sagte: Nun / komm hie auff meinen Hoff / haue nebenst deiner Frauen Holtz / und trage es in die Kuche / laß dir Essen und Trincken darinnen geben / und sey mit diesem Dienst zu frieden. Dieser war zu frieden / aber nicht lang. Einsmahls klager er seinem Weibe: Wenn Adam und Eva nicht gesündiget hätten / so dürfften wir ja nicht so arbeiten. Dieses hörete ohn [370] gefehr der Fürst / ließ Mann und Frau vor sich fordern / fragte / warumb sie über Adam und Eva geklaget hätten? Der Mann wolte zwar erstlich läugnen / sagte doch hernach / wenn Adam und Eva nicht gesündiget hätten / so dürften auch wir nicht arbeiten / ist das nicht wahr / Herr??? Fürst / nun damit Adam und Eva nicht Schuld haben / so solt du und dein Weib hie oben auff dem Schloß bleiben / wil dir Stuben und Kaminer geben / und alle Mahlzeit sechs Essen lassen auffsetzen / aber das sechste soll allemahl zugedeckt bleiben / so bald du aber dasselbe auffdecken / und davon essen wirst / soltu wieder an deine Arbeit gehen. Acht Tage lang hielten sie dieses / endlich aber kam die Wollust / die Frau sagte zum Mann: Ey Vaer / ick mökte glicksehr gern wethen / war in der sössen Schöttel were? Der Mann sagte: O Fruwe / sühstu nit / wat wy vor gute Tägge upper stets hebben / lath dat Dinck blyfen. Vber zwey / und endlich über drey Tage / fodert die Frau wieder an / der Mann ließ sich bereden / und machet die Schüssel auff / da sprung eine lebendige Mauß heraus / dabey sind sie verrathen worden / daß sie die Schüssel auffgedecket / und das Fürsten Gebot übertreten / und haben wieder an ihre Arbeit gehen müssen. 1. Also gehets / gute Tage können wir nicht vertragen / sondern werden bald lüstern darbey.
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2. Dieses / wie auch unserer ersten Eltern Exempel / soll uns aber anmahnen / daß wir mehr auff Gottes und unserer Obern Gebot / als auff unsere lüsternde Natur acht haben. 178. Straff eines Mutter-Mörders. IN der Stadt Neaples war eine viertzig-Jährige Edele Weibs-Person / von ehrlichen Geschlecht / und tugendlich geführten Leben / welche im Wittibstand / gleich an dem Mitlern Theil ihres Leibes zu schwellen angefangen / auch der Bauch sich also erhoben / daß ihre zweene leibliche allbereit erwachsone Söhn / anders nicht vermeint gehabt / als ob jrgend / durch fleischliche Wollust / sie solche Geschwulst empfangen htäte / und darvon mir einem Kinde schwanger gienge. Sie betrübten sich dar auff und wurden endlich / durch des bösen Feindes Anleitung / ihrem Geschelcht von vermeintem Schimpff und Schande / abzuhelffen / dahin bewogen / daß / mit einstimmung deß einen / der ander seine leibliche Mutter / durch einen Schlag / jämmerlich ermordet / so auff dem Lande / und ihrem Adelichen Erbsitz / geschehen ist; Von dannen sie sich gantz heimlich wieder in die Stadt Neaples begeben ha [372] ben. Als der Todtschlag ruchbar / und solcher den Söhnen angezeiget worden / haben sie sich gantz kläglich gestellt / und alsobald die Mutter besichtigen zu lassen begehrt. Das Gericht befindet den tödtlichen Schlag / und stehet in den Gedancken / als ob die Mutter / zu Abhelffung ihrer vermeynten öffentlichen Schande / mit dem beygelegten eisernen Keil sich selbsten erschlagen hätte. Sie wird daher auffgeschnitten / aber kein schwangerer / sondern nur ein Wassersüchtiger Leib gefunden: Deßwegen sie auch ehrlich begraben worden. Acht Tag hernach stirbt auch der eine hinterlassene Sohn / aus grosser Betrübniß seines Hertzens: Dem andern aber / so den tödtlichen Schlag gethan / wachet in der Einsamkeit auch das Gewissen auff / er gehet selbst hin zu dem Gericht / bekennet seine Schuld / und bitter umb das Recht; so er auch erlangt hat. Vnd wurd ihm erstlich seine rechte Hand abgehauen; hernach wurde er mit einem höltzernen Schlegel / wie ein Ochß vor das Haupt geschlagen / davon er zu Boden siel / aber noch lebte / weiter ward ihm das Hertz aus dem Leibe gerissen / und zweymal auff den Mund; folgends das Haupt abgeschlagen / und der Leib in vier stück getheilet / welche biß auff den Abend / an einem daselbst auffgerichten Holtz hängen blieben / aber / wegen der Adelichen Freundschafft / so dann begraben worden seyn.
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1. Hier siehet man / wie der Teuffel die Leute verleitet / daß auch Kinder sich an ihren leiblichen Eltern vegreiffen / und mördliche Hand anlegen. O Boßheit! O unmensehheit! Thut doch dergleichen kein unvernünfftiges Thier / daß es dem jenigen das Leben nehme / so ihm das Leben gegeben. 2. Man lernet aber zugleich auch / was es vor ein Ding umb das Gewissen sey / wie das kan auffwachen und die Leute dahin treiben / daß sie bekennen müssen / was sie wol nimmermehr zubekennen gedacht hetten. Darumb nehm ein jedweder seiner wohl waar. Ein böses Gewissen / ist gar ein unsanfftes Haupt-Küssen. 179. Von des Ammonii Esel. ES melden die Historien von dem Ammonio, dem gelehrten Philosopho und Schulmeister zu Alexandria, welcher deß Origenis Praeceptor gewesen / daß er unter andern seinen Discipeln auch einen Esel gehabt / der ihme in die Schule nachgefolget / und alle Tage mit in seine Lection gangen ist. Solches aber hat nicht die Meynung gehabt / als [374] könte und wolte er den Esel gelehrt machen / sondern er hat seine Schüler hiemit etwas anders erinnern / und sie auffmuntern wollen / daß sie fleißig studiren solten / damit sie nicht grobe Esel bleiben möchten / beyde in Studiis & moribus. Daher denn auch noch heut zu Tag in etlichen Schulen der Brauch ist / daß die / so im studieren nachläßig / oder in Geberden grob und tölpisch sind / mit auff gereckten Fingern einen Esel verkauffen / oder auch wol einen Esels-Kopff tragen müssen. 1. Die Jugend zu unterrichten braucht grosse Mühe / und muß ein Schul-Lehrer auff mancherley weife die Sache anfangen. 2. Offtmals helffen dergleichen Vorstellung??? bey der Jugend mehr als Schläge 180. Von der Schlangen Amphisbena / oder Cenchritis. PLimius, der alte wolbekante Naturkündiger / gedencket einer sonderbahren Schlangen-Art / so von ihm Amphisbena, von andern aber Cenchritis genant wird / welche nicht allein einer wunderseltzamen Gestalt / daß ihr sonsten kein Thier [375] zuvergleichen / sondern auch ihr Gifft artig verbergen / und durch varietät oder Verwandelung darneben betriegen / und es einem heimlich beybringen können. Wie nun Epiphanius der berühmte Kirchen-Lehrer mit derselbigen die Gottschändige Ketzer / die Manicheer / verglichen: Also können wir heutiges Tages eben so mit gutem Fug die Jesuiten sonderlich vergleichen. Denn sie sind die wunderbahre seltzame Amphisbena, der sonst kein andere seiten zu vergleichen: Sie sind die rechte Schlang Cenchritis, so sich in allerhand Form verstellen / ihr Gemüth heimlich verbergen / mit zweiffelhafftigen falschem Gemüth und intent, jetzo mit der Schrifft und aus der Schrifft reden / bald aber / ehe dann mann sichs versiehet / ihr Gifft / aus giessen / der H-Schrifft zuwieder lehren / die Articul des Glaubens verfälschen / und dardurch viel Seelen heimlich vergifften / verleyten und verführen. 1. Das befindet sich warhafftig an den Jesuiten und noch viel ander böses mehr. Darumb hüte sich ein jedweders vor diesen bösen Leuten. Denn es heist: Semper latet anguis in herba.
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2. Sonderlich sollen Eltern / welchen GOtt Kinder bescheret / solche in acht nehmen / damit sie von diesen schmeichelenden Schlangen nicht mögen vergifftet werden. 181. Von einer gefangenen Christin / in welche sich der Turckische Käyser perliebet. DOctor Stephan Braun gedencket in seiner Constantinopolischen Historien eines Welschen Graffen / dessen zwar auch D. Starck in seinem Keisebuch fast mit der gleichen Worten melder / wie daß derselbe junge Herr sampt seinem Gemahl / so wol ihrem Herrn Vatern und vielen Blutsverwandten nach Spanien zur Krönung auff der See gefahren sey / sind aber alle sambt unversehens gefangen / und nach Constantinopel gebracht / allda dem Türckischen Käyser präsentiret worden / welcher alsbald sonderliche Neigung gegen dieser neu ankommenden schönen Frauen in seinem Hertzen empfunden hat / auch alsbald gesonnen / wie er ihrer Liebe und Gunst geniessen / oder theilhaffrig werden möchte. Derwegen kurtz darnach gibt er Ihr durch andeutung so viel zu verstehen / daß er ihres Leibes begehre / welche Anmuhtung aber diese Christliche Frau / als ein züchtig Hertz / mit grosser Gefahr und Standhafftigkeit Ihm [377] gäntzlich abschluge / und wolte solche Freundschaft von ihme in keinem Wege annehmen nach darein willigen. Als sie aber sahe / wie daß Er mit Gewalt gegen Ihr fahren wolt / hat sie ihre Weibliche Ehre / mit einem Messer zu retten ihr gäntzlich vorgenommen / ist aber übel augelauffen / denn sie darauff alsbald vom Tyrannen zum Feuer verurtheilet worden / und hat in solcher elenden Heimführung der Christen-Feind besohlen / ihre Freundschafft nach der Reyhe / durch welche sie hingeführet solln werden / zu stellen / weil sie aber unter ihrer Gesellschafft einen känstlichen Mahler gehabt / als hat Er im solchen sein Meisterstück üben wollen / und solchen Trauergang sehr künstlich abgemahlet / und der verlassenen Freundschafft zurücke geschicht / in solcher gestalt. Erstlich hat er etliche Bluts Freunde gar traurig und erbärmlich gemahlet / ihren Bruder aber noch trauriger und Wehemütiger / den Vater aber hat er ohne alle Geberde in tieffen Gedancken / und mit niedergeschlagenen Augen abconterseit, ihren Ehemann aber hat Er mit verhültem Angesicht / ohn alle Geberde angestrichen / mit welchem dieser Künstler gleich hat zu verstehen geben wollen / daß er in seinem Kopff und Pinsel nicht so viel habe / daß er vermöge recht anzudeuten / den grossen Schmertzen / den ein Ehegatte in seinem / Hertzen befindet / wenn das Noth leidet / oder durch [378] den Tod soll getrenner werden / etc. wie dann auch fast dergleichen Historia Cicero erzehlet und einführet. 1. Uber Ehr und Redligkeit soll man fleiff und fest halten / sonderlich sollen Eheleute zuschauen / daß sie nicht brüchig werden / denn Gott hat ernstlich geboten: Du solst nicht Ehebrechen. 2. Mahler sind Künstler und Sinnreiche Leute / und können durch ihre Gemälde viel andeuten / und manchem / ob sie gleich nicht reden / etwas sagen / daß er es verstehet. 182. Ein Student / der die Erste sitzen läst und eine andere nimbt / wird unsinnig. ES gedencket Herr Celichius in seinen Schrifften eines jungen Studenten, welcher sich mit einem wol gezogenen tugendreichen Mägdlein versprochen und verlobet hatte / welches zwar arm gewesen / aber doch fromm und züchtig / als er aber nachmals zum Kirchen-Ambt beruffen / und sich ôrdiniren lassen / schläget Er [379] die zuvor gehabte Liebe in Wind / wird anders Raths / läst das arme Mägdlein sitzen / und bewirbet sich umb eines reichen Mannes Tochter / die Ihm auch vertrauet / und Ehelich beygelegt worden. Weil er aber an dem vorgedachten Jungfräulein Eydbrüchig und Treuloß worden / und die versprochene Treu und zugesagte Liebe so bald vergessen / strafft ihn GOTT so schnell / daß er in ersten Nacht (als er zum ersten mahl beygelegen ist) rasend und unsinnig worden / und hat ihn der Teuffel leibhafftig geplaget / daß ihm auch durch keine Mittel ist zu helffen gewesen. 1. Hier siehet man / wie GOTT die treulosen zu straffen weis. Darumb ein jedweder sich zu hüten hat / daß er nicht möge Treuvergessen seyn. 2. Sonderlich aber soll man sich in Heyraths-Sachen wol in acht nehmen / und beyleibe mit Ehe-Versorechung nicht spielen / oder liederlich umbgehen. Denn der den Ehestand gestifftet / will auch über demselben halten / und die jenigen / welche wieder Versprechen handeln / nicht ungestrafft lassen.

183.
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Friderici Barbarossae Mönchs-Seule.
|| [380]
PHilippus Theophrastus Paracelsus schreibet / in seiner Kärndrischen Cronick / daß Käyser Fridericus Barbarossa eine grosse Kirchen mit allerley steinern Seulen gezieret gehabt. Unter denselben Bildnüssen aber ist eines gewesen / wie ein Mönch / welcher einen Gürtel umb den Leib gehabt / und ein blosses Haupt / über welchem mit so viel Buchstaben geschrieben gewesen LUTHERUS. Vnd das ist unser Lutherus seliger / welcher freylich die Kirche GOttes als eine rechte Seule gezieret hat. 1. Offtmals bezeuget einer etwas wieder Willen und wissen / wie dieser Bildhauer gethan / welcher nichts von Luthern gewust / Lutherus ist auch demals nicht geboren gewesen. 2. Hieraus sihet man aber / wie GOTT eine Sache kan kund machen / und wie auch Feinde müssen zeugnüß geben / wenn Ers haben will. O wol nur allen denen / die auff Ihm trauen! Er weiß die Seinen schon ans Liecht zu bringen / und auch zu beschützen. 184. Ein Obrister / welcher von seinem König mit einem Stock geprügelt wird achter den Schimpff unaestimirlich.
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ES hat der Königliche Obrister Friedling den Parlamentischen / die Stadt Reading in Engelland / im Jahr 1643. übergeben / den der König zu Oxfort selbsten mit einem Stock geprügelt / da dann besagter Obrister ihme ins Gesicht gesagt / daß dieser Schimpff grösser were / dann daß der König ihme Satisfaction geben / oder darfür gnug thun könte; begehrte deßwegen des Königs-Gnad / ihn alsobald auffhencken zu lassen: und ob Er zwar zu hencken verurtheilet worden / haben jedoch die meisten Befehlchshaber und Soldaten ihr Leben darbey auffsetzen wollen / ihme beym Leben zuerhalten / weil er in wehrender Belägerung Reading / wie ein ehrlicher Commendant / oder Gebietiger / gethan hette; stehet in der Franckfurtischen Herbst-Relation deß 1643. Jahrs / am 59. Blat. 1. Cavallier aestimiren ihre Ehre hoch / wie dann dieser Obrister gemeinet / der König / als ein grosser Herr / könne ihm wege̅ angethanen Schimpfs nicht Satisfaciren. Wann es ein anderer gethan / so hett Er gewiß mit ihm Kugeln wechseln / oder den Degen messen müssen. 2. So gehets unter den Menschen her. Was thut aber GOtt? Der sitzt in [382] Himmel und lachet dergleichen Pral-Hansen / und der HERR spottet Ihr. 185. Von eines Edelmanns Chrysauri Ende. DIe alten Patres gedencken eines vornehmen Edelmanns / mit Nahmen Chrysaurus, aus der Provinz Valeria bürtig / welcher vor der Welt ein geschickter Mann gewesen / aber von Jugend auff voller Laster / in allerley Wollust des Fleisches und andern Sünden ertiefft. Als er nun das Maaß seiner Sünden erfüllet / und ihn GOtt auf sein Siegbett gelegt / und durch den Todt beginnen zu schrecken / da hab er gesehen schwartze Geister für ihm stehen / die mit Gewalt auff ihn zugedrungendaß / sie ihn wegführten / darüber er hefftig erschrocken / gar verblasset / mit Zittern und Zagen und grossen Geschrey umb Hülff geschrien. Da nun sein Sohn mit Nahmen Maximus, und sein Gesinde hinzugelauffen / dem Vater zugesprochen / hab doch es bey ihm nichts verfangen wollen / sondern / da die hösen Geister je länger [383] je mehr gantz grimmig nach ihm gegriffen / hab er kläglichen geschryen. Ah! indutias vel usque manè, Ach gebt mir doch nur Frist / biß auff Morgen / aber vergebens / denn er also mit brüllen und grillen zum finstern Stern ins Zetterland gefahren. 1. So gehts mit den sichern trostlosen Schlemmern / und rohen Welt-Rappen her: Daß / wenn man mit dem alten Bernhhardo ruffet: Ubi sunt amatores mundi & contemptores DEI? Wo sind die Creaturliebende Mundus Kinder / so die Welt geliebet / und GOTT verachtet / da heist es dann: Comederunt, biberunt, riserunt, in bonis dies suosduxerunt; & in puncto ad infernum descenderunt, Sie haben gelebet nach der Sodomitischen Hauß-Postill / in Fraß und Quas / in Schlemmen / demmen / springen / singen / lachen und krachen / aber in einem Huy und Augenblick sind sie der Höllen zugetrabet. 2. Hüte sich deßwegen ein jeder für dem Sünden-Trab / damit er nicht auch fort auff der Post der Höllen zu marsieren müsse. Denn GOTT ist zwar langmütig und siehet eine weile zu / aber wenn das Sünden-Maaß voll ist / so streicht Er ab / und läst den Sünder so dann / welchen Er durch Lehrer und Prediger offt hat lassen zur Busse anmahnen / durch die Teuffel in den Sack hinein stecken und zur Höllen tragen.
|| [384]
186. Historia von einer verliebten Jungfrauen aus dem Platone. PLato / ein fürnehmer grigischer Philosophiu zu Athen / gedencker einer Edlen Jungfrauen / welche gegen einem jungen Gesellen / in grosser Liebe entzündet gewesen / hat aber von ihren Eltern nicht erlangen können / denselben zu Ehelichen / und sind ihr ferner alle Mittel zusammen zukommen / gäntzlich verschrencker worden / derwegen diese züchtige Liebhabende aus Vnmuth und Hertzen-Leide in einem tieffen Brunnen gesprungen / welches von der Nachtbarschafft gesehen / und ein grosser Zulauff worden / welche alsbald in beyseyn ihrer Eltern die Todte Jungfrau heraus gezogen / gar erstart und verblichen / man rieff und schry / da war aber kein Odem noch Leben zu spüren / ja daß auch die Mediciz die dazu erfordert worden / kein Zeichen deß Lebens mehr sahen. Durch das gemeine Geschrey ward dem obgedächtem Jüngling auch geruffen / welcher mit tieffen Seuftzen / Weinen und Weheklagen der erblichenen Jungfrauen Schneeweisen Leib / in seine Arme schloß / und mit erbärmlicher Stimme in ihre Ohren schrey: Ach mein einiges Hertz / Ach meine hertzliebe Cornelia! Ach unser Hoffnung ist nun aus und verlohren. Als er diese jämmerliche Rede verbrachte / [385] geschah ein woldenckwürdiges Wunder / daß das geliefferte Blut sich zertheiler und die verschwundenen Geister sich wieder zu regen begunten / sie blickte ihn freundlich an / begunt auch ihre Arm wieder zu regen / und schloß den einen umb seinen Halß / erseufftzete tieff / und fienge̅ beyde mehlinge̅ an mit einander zu reden / sollen auch noch lange Zeit in Freud und Lust im Ehestande nachmahlen mit einander gelebet haben. 1. Hier siehet man abermals / was die Liebe vermag. Denn dieser Jungfrauen kunte auch durch die Medicos nicht geholffen werden / die gegenwart und Zurede ihres Liebsten aber halff ihr. 2. Darumb hüte sich ein jedweders vor Liebe / und liebe sonderlich das jenige nicht / so ihm nicht werden kan. Den̅ es ist kein grösserer Schmertz / als Liebes Schmertz. 187. Weissagung von Doctor Luthern / welcher dem Pabst an seinen Schmerbauch greiffen sollen. HIeronymus Savanorola der beständige Märtyrer JEsu Christi / hat im [386] Jahr Christi 1483. verkündiget / es sey einer vor der Thür / der gebohren werden soll / welcher dem Pabst künfftig an seinen Schmerbauch greiffen / und ihm die Kron niederlegen werde. Eben diß Jahr / als der theure Märtyrer S. Savanorola solthes gesaget / er sey vor der Thür / siehe / da wird geboren zu Eißleben der hocherleuchte Mann Gottes Herr D. Martinus Lutherus Heiliger Gedächtnüß / daß also auch das Jahr von der Geburt Lutheri seeligen angedeutet worden ist. 1. Diese und dergleichen Historien müssen die Papisten auch wieder ihren Willen lesen. 2. Ob aber gedachte Papisten gleich Lutherum vernichten / so ist Er doch ein heiliger Gottes Mann gewesen / und hat den Pabst warhafftig an seinen Schmerbauch gegriffen und ihm seine Crone wackeln gemachet / Effectus testatur de causa, was dürffen wir weiter Zeugnüß. 188. Von dem reichen Dario / welcher auch sterben müssen. WO ist Darius der letzte König der Perser: Wo sol er seyn: Er ist dahin ge [387] fahren wie ein Schatten / ob er schon der reichste und prächtigste Monarch auff Erden gewesen. Denn von ihm schreibt Chares Mitylenaeus, daß er zum Haupten in seiner Schlaffkammer ein Gemach gehabt / darin allezeit fünffmahl tausend Talent gediegen Gold / und das Gemach sey genent cervical regium, des Königs Haupt-Küssen. Zu den Füssen sey ein ander Gemach gestanden / darin allezeit gelegen drey tausend Talent gediegen Silber / solches sey genennet scamnum suppedaneum Regis, deß Königs Fußbanck. In der Kammer des Königs sey gestanden ein güldener Weinstock / von den allerköstlichsten Edelgesteinen gemacht. Was hilfft ihn diese Herrligkeit? Er fuhr dahin wie ein Schatten / und verdoret wie ein Graß. Den̅ er endlich mit Händen und Füssen gebunden / und als er sich seinen Verräthern nicht ergeben wollen / ist er mit Pfeilen erschossen worden. 1. So gehts. Es hilfft kein Reichthumb / Geld / noch Gut / Kein Kunst / noch Gutzst / noch stoltzet Muht / Kein Krautfürm Todt gewachsen ist / Mein frommer Christ / Alles was lebet sterblich ist. 2. Nehmt doch dieses in acht Ihr Reichen / und hängt eure Hertzen nicht an den Reichthumb / welchen Euch GOtt hat lassen zuwerffen.
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Wer GOtt vertraut / Hat wol gebaut In Himmel und auff Erden / Wer sich verläst / Auff muß der Himmel werden. 189. Von Pabst Clemente. PAbst Clemens trat auch in die Fußstapffen seiner Vorfahren / und wuste nicht wie er wieder Lutherum gnug wüten und toben solte. Von diesem Clemente wird in einem Comment über die Artickel der Parisischen Magistern gelesen / daß er ein Huhr-Kind / Zauberer / Gifft-Kopff / Todtschläger / Hurenwirt / Sodomit / Meineydiger / Rauber / Gottesdieb / und aller Laster Künstler gewesen sey. Von diesem Papst schreibet D. Luther selbst also: Er war ein grosses Hurenkind berüchtiget / seiner eignen Schwester natürlicher Sohn und das Sprichwort saget / daß Huxen Kinder glückselig seyn. Auch saget man in Italia / er sey seyn lebenlang nicht getaufft worden. Darumb ist er vor allen andern am würdigsten gewesen Pabst zu seyn zu dieserzeit / darinn kein fromm Man sol Pabst noch Cardinal seyn sondern die ärgsten Buben auff Erden gehören jetzt zu solchen Ständen / wie sie selbst bekennen / daß zu Rom sey die Grundsup [389] pe der ärgsten Buben auff Erden. Vnd daselbst spricht er auch: Pabst Clemens septimus, mein dritter Caiphas, der hatte unter seinem Vetter Leone decimo, deß Hoffmeister er war / alle das Geld gestohlen / das Julius secundus hinter sich ließ / das sol gewesen seyn über die 50 Tonnen Goldes / wie die sagten / so darumb gewust haben / und vergiffter darzu viel Cardinäl die er groß Geldes verdacht hette / und da er Pabst war / trieb er solche Schinderey in Welschland / das unleidlich war / und ward darüber auch mit Gifft ins siebende mal heimgesucht / denn sechsmal hatte er überwunden / doch also / daß ihm alle Zähn / Nägel und Haar des gantzen Leibes abgiengen / daß er ein schlecht klump Fleisch anzusehen war / denn man saget / er sey auff Gifft zu geben und vertreiben der höchste Kunstreichste Meister / zu der Zeit / auff Erden gewesen / ohn das zu letzt / (wie man spricht) keiner so böß ist / es kömpt ein böserer über ihn / ward auch nach seinem Tode ausgegraben von erlichen / Ihm die Nasen / Ohren und Gemächte abgeschnitten / früh Morgens für seinem Grab liegend funden / mit dem Titel: Perduellio maximus, der grössest Bösewicht: Sonst wird von ihm gemeldet / daß er an der Läusesucht gestorben sey / wiewol etliche wollen / daß er noch endlich durch Gifft sey hingerichter worden.
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1. Höret ihr heiligen Väter / ihr Päbst??? zu Rom / was ihr vor ein stattliches Lob habt. Will denn Christus solche Stadthalter haben? Hat Petrus seinen Stuel solchen Vößwichtern bereitet? 2. Es ist alles glaublich / was von diesem Clemente geschrieben wird / und aus denen Historien zu erweisen. Die heutigen Päbste sind nicht einer Haar besser / nur daß mancher den Schalck mehr verbergen / und mit seinen Bubenstücken leiser gehen kan.

190.
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Was der Ketzer Memonius von der Ehelichen Liebe geschwärmet. Nach Christi Geburt im Jahr 1221. ist ein Ketzer entstanden / Memonius genant / welcher auch einen Anhang bekommen / welche man die Memonnentiner genennet / derselbe vom Teuffel getriebene Mensch hat öffentlich vorgeben / daß Lieb haben im Hertzen von GOtt nicht geschaffen sey / sondern habe sich mit andern Menschen gefunden / und darff un [391] verschämpt die Eheliche Liebe eine Teuffelische Einbildung oder zufälliges Wesen / und eingebildete Meynung / welches durch anmutige Vorbildung / oder liebliche Gestalt geschehen / und ins Menschen Hertz komme / freventlich nennen. Ja / es hat auch gedachter Schwermer zwischen der Ehelichen und unzüchtigen Liebe keinen UNterscheid gehalten. Dieser von Teuffel regierte Mensch ist aber kurtz darnach durch Gottes Wort / und der heiligen Altväter Einstimmigkeit / sampt seinem Anhang gedämpffet und verworffen worden / wie Epiphanius nach der länge meldet. 1. Von der Ehelichen Liebe soll man nicht leichtfertig / sondern züchtig und GOttes Wort gemeß urtheilen. 2. Der Teuffel erwecket zwar jm̅er Leute / welcheisein Reich wollen helffen mehren / aber Gott erwecket hingegen wieder andere / die dem Teuffel und seinen Anhang müssen steuren und wehren. Vnd heist so dann: Es ist ein stärckerer bey / für und mit uns / als die jenigen sind / so wieder uns seyn. 191. Im Ländlein Bizacio ackert man mit einer alten Frau und Esel.
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DLinius schreibet / daß es in dem Ländlein Bizacio in Africa gar feiste Acker haben sol / die sind so hart und zehe / wenns eine weile trucken gewesen / daß man sie gar nicht umbackern kan / da man gleich viel starcker Ochsen an einen Pflug spannet / so es aber regnet / daß das Wasser durchs Erdreich dringet / wird der Boden gar mürb / da spannen sie denn an die ein Seiten einen Esel / und an die andere ein altes Weib / die pflügen daher ohne sondere grosse Arbeit. 1. Ist ein wunderbahres Anspannen / wenn es bey uns geschehe / dürfften viel Leute drüber lachen / mancher dürffte auch wol sein Weib / zumaln wenn sie nicht allein alt un̅ ungestalt / sondern auch darzu noch keuffend und böß / freywillig mit lassen anspannen / und über das dem Esel noch die Wage geben / daß die Frau nur tapffer ziehen muste. 2. Aber meynet ihr nicht / daß es nicht Weiber gibt / die ihren Männern dergleichen gönnen / und wol zu ihrem Behuf anführen möchten / daß dem Mann / und nicht dem Weibe / zu ackern anbefohlen?
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192. Von dem Brauch / da man saget / es ist nicht viel zum besten. ES ist eine gemeine Sage unter uns Deutschen / daß wenn man Gasterey hat / nach der Mahlzeit / auch wohl in wehrender Mahlzeit man allzeit: Es ist nicht viel zum besten gewesen nehmet so verlieb. Da doch manchmaln so viel der abgetrage̅ oder weggeschicket wird / daß man noch einen gantzen Tisch voll damit speisen könte Solches nicht mehr zu thun / höre folgende Geschicht: Ein Fürst ritte in der Jagt / eilete dem Wild nach / kam also von seinen Dienern / und war im Walde ein Tag und Nacht verirret / endlich kam er vor eines Kohlbrenners Hütte / fand den Köhler in der Thür stehen / sprach: Glück zu Mann / was hastu zum besten: Der Köhler sprach: Ick hebbe Gott und alle mein Tag (genug) wol / sagte der Fürst / so gib her was du hast. Der Köhler gieng / und kam wieder / hatte in der einen Hand ein stück Brodt in der andern einen Teller mit Saltz / der Fürst nahm und aß / denn er war hungerig / er wolte auch gern dankbar seyn / aber er hatte kein Geld bey sich / (den grosse Herrn tragen selten Geld bey sich) löset derwegen den einen Steigbögel ab / der war von Silber / und gab solchen den Köhler / bath / er möchte ihm nun wieder auff den rechten [394] Weg bringen / welches geschahe. Wie nun der Fürst heim kam / sandte er Diener aus / die musten diesen Köhler holen / welcher denn den ihm gegebenen Steigbögel wieder mit brachte / der Fürst hieß ihn willkommen / und zu Tisch sitzen / auch getrost seyn / es solte ihm kein Leid wiederfahren. Vnter Essens fragte der Fürst: Mann / es ist diese Tag ein Herr bey dir gewesen / siehe herumb / ist derselbe hiermit über der Taffel: Der Köler: My dücht / gy sind edt wol sülverst / zog den mit gebrachten Steigbögel hervor / und sagte weiter: Wil gy woer dit Dinck wedder hebben: Der Fürst: Nein / das sol dir verehret seyn / iß nun und mache dich lustig. Wie nun die Mahlzeit geschehen / und man auffgestanden war / gieng der Fürst zu dem Köler / schlug ihn auff die Schulter / und sagte: Nun Mann / nimb so verlieb / es ist nicht viel zum besten gewesen. Da zitterte der Köhler / der Fürst wolte wissen warumb: Köhler: Er durffte es nicht sagen. Fürst / Er solt es sagen. Köler: O Herr / also gy säden / edt wäre net velethom besten west / da stand de Döfel achter juw. Fürst Ist das wahr / so wil ich auch sagen was ich gesehen: Als ich vor die Hütte kam / und dich fragte / was du zum besten hettest / und du sagtest / Gott und all genug / da sahe ich einen Engel Gottes hinter dir stehen / darumb aß ich von dem Brodt und Saltz / und war zu frieden / wil auch nun inskünfftig nicht mehr sagen / daß nicht viel zum besten gewesen sey.
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1. Diese Geschicht vermahnet uns / daß wir sein gnügsam und mit denen Gaben / welche Gott bescheret / und wenns auch nur ein Stück Brodt wehre / zu frieden seyn sollen. 2. Es ist auch ruhmens würdig an diesem Fürsten / daß er diesen armen Köhler / der ihn gespeiset / wieder gutes gethan / und ist allen grossen Herren zur Nachsolge auffgezeignet. 193. Von einem beißigen Türckischen Pferde. MIchael Borius / der Becabanischen Besatzung Leutenant und Ibrahim / ein Türckischer Rittmeister zu Palanea / wolten mit einander kämpffen. Weiln aber der Türck ein solches wildes Pferd mit sich gebracht / welches geschlangen und gebissen / und was es vom Feinde / es war gleich Mensch oder Pferd / erwischt / ohne zerreisen nicht von sich gelassen; So ist daher aus dem Duell / oder Kamp nichts worden. Und als die Türcken wieder abzogen / so haben die unsern / wieder zu gesagte Treu und glauben ihnen nachgeeilet / un̅ sie umbgebracht / wiewol der besagte Ibrahim end [396] lich noch entrunnen / doch also / daß er das besagte Pferd / so Kestenbrauner Farbe war / im Stiech ließ j auff welches sich / nach etlichen Tagen / aus des Palffi Befehl / Johannes Draßcovitz / zu versuchen / ob die Sach also sich verhielte / gesetzt / und mit einem andern Reuter kämpffen wolte; so hat dieses Roß denselben / weil es ihn vor einen Feind gehalten / mit den fordern Füssen von seinem Pferde herunter geworffen / und mit den Zähnen / und grausamen beissen / alsobalden umbgebracht; also / daß der Draßcowiß / der auff solchem sitzen geblieben / mit allem was er dargegen vorgenommen / nichts ausrichten / und deß andern Todt verhüten können. 1. Ist etwas sonderliches von einem Pferde / wenn mancher Obrister dergleichen hette / dürffte er sich damit groß und stoltz machen / und 2. Wer wolte ein solches Pferd nicht lieb haben? Es beschützet ja den Reuter Leib Leben und waget hingegen das seine. 194. Was Scipio dem Metello fargeworffen.
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DEr edle Römer Scipio AEmilianus sagte auff eine Zeit im Zorn zu dem Cajo Metello / wenn seine Mutter fünffmal solte geborn haben / so würde sie doch allzeit einen Esel geboren haben / wolte darmit ihme und seinen Brüdern fürwerffen und auffrücken / daß sie so gar träge / faul / und unverständig / und darzulangsam weren zu allen Dingen. 1. Diß kan und mag mit Warheit von allen Menschen Kindern auch gesagt werden / wenns müglichen were / daß ein jeder nicht allein fünffmal / sondern auch noch viel öffter / und mehrmahl / von seiner Mutter könte geboren werden / so ist und bleibet Er doch von Natur / ein grober / unverständiger Esel in göttlichen / in Glaubens - und Religions Sachen. Denn der natürliche Mensch vernimbt nichts vom Geiste Gottes / es ist ihm eine Thorheit und kan es nicht erkennen / schreibt Paulus I. Cor. II. vers. 14. 2. Nicht allein aber in geistlichen Dingen sind wir alle plump und gantz untüchtig und ungeschickt / sondern es gibt auch in Welt - Dingen albere Leute / von welchen diese Wort Scipionis nicht unförmlich können gebrauchet werden.
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195. Ein Italienischer Kauffmann will lieber Päbstisch / als Lutherisch glauben. DEr Jesuit Gregorius de Valentia rühmet einen Kauffmann zu Placentz welcher gesagt: Er wolle lieber die Päbstisch / als Lutherische Lehr annehmen. Und daß darumb / weil er die Päbstisch fein kurtz fassen könte / als / wann er sage / was der Pabst sage / wenn er leugne / was der Pabst leugne. Wann er aber ein Lutheraner werden wolte / da müst er erst den Catechißmum lernen / und lang in der Schrifft nachforschen / welches er nicht thun könte / weil er auff die Italienische Schiff zu warten / und bey denen / was für Wahren aus frembden Landen ankommen seyen / Nachfrag haben müste. Und setzt der Jesuit hinzu: Deum nihil habiturum quod intremendo illo judicio opponere possit, sol. 107. Es werde GOTT nichts haben / spricht er / daß er an jenem erschrecklichen Gerichts-Tag ihm werde entgegen setzen können. 1. Alsoschertzen und spotten zwar Welt und Geld gesinnete Leute. Aber GOTT [399] läst sich nicht spotten / bey dem und für dem ist nicht der beste Glaube / welches der leichteste ist / sondern welcher in seinem Wort gegründet ist. 2. Ja / Ja / du guter Kerl / verlaß dich nur darauff / daß GOTT dem nichts werde dermaleins können entgegen setzen / wer da geglaubt hat / was der Pabst geglaubt. Er wird dir gnug entgegen setzen. Es heist: Der gerechte wird seines Glaubens leben / Hab. II. Rom. I. 196. Ein Jüngling zu Athen weinet / als ihm seins Liebste wurde beygeleget. WIr lesen / daß zu Athen ein reicher Geselle / eines vornehmen Philosophi Tochter gehenrathet / und grosse Liebe zu ihr getragen / als sie ihm aber ehelichen versprochen / oder zugesaget / hat Er kläglich anfangen zu weinen und zu Jämmern. Als Er aber deßwegen gefraget ward / hat er in grosser Traurigkeit diese Wort gesagt; Ich bedencke bey dieser grossen Liebe / so wir zusammen tragen / die grosse Vnbeständigkeit in dieser Welt / daß nicht allein Ich / sondern ihr viel neben mir auch möchten hertzlich lieb haben / und solche Liebe in schneller Zeit verlassen müssen / dan̅ wann ich bedencke / so ist über 80. Jahr kein Mensch unter uns allen in der Welt / so allbereit liebhaben / welcher in solcher schnell hinlauffen [400] der Zeit auch noch lieb habe̅ könte / sondern müssen wieder unsern Willen das jenige hinder uns verlassen / das uns so hertzlich lieb ist. Ach wehe der schnellen hinlauffenden und Vnglück seligen Zeit / welche wir nicht auffhalten können und auch keins das an der mit seinem Leben nicht zuretten vermag / ob Er schon gerne wolte / denn auch das recht Lieb gehabte kan sich über den Lauff der Natur nicht auff halten lassen. 1. Dieser Jüngling hat der Sache wol nachgesonnen. Denn freylich müssen wir alles endlich zurück lassen / auch das jenige / was uns in der Welt am allerliebsten ist. 2. Jedoch haben wir Christen vor den Heyden diesen Trost / daß unsere lieben hinderlassenen dermahleins werden zu uns kommen / derowegen singen wir bey unsern Leichen. Beständig bleibt im Glauben / Wir werden in kurtzer Zeit / Einander wieder schauen / Dort in der Seeligkeit.

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Wie es ein Vater gemacht / welcher seinen Kindern alles übergeben / daß sie ihm gutes gethan. ES hat ein reicher Mann grosse Kinder gehabt / die da von ihm verehlicht [401] waren / den über gab er alle seine Güter. Als er aber nun gar arm / waren ihm die Kinder ungewogen / daß keines vor dem andern den Vater hatte wollen auffnehmen / und erhalten. Der Vater erdachte aber eine List / und berieff seine Kinder / zeiget ihnen eine Lade / oder Kisten / und gab einen andern eine̅ Schlüssel darzu / damit sie nicht in die Kiste kommen könten / in welche Kisten er aber einen grossen Hammer oder Keule / und ander schwer Ding verschlossen hatte / und sagte zu den Kindern: Lieben Kinder / wen̅ ich nun sterbe / so solt ihr die Kisten auffsperren / da werdet ihr beschrieben finden / was ich einem jeden / sonderlich der mich am grösten geliebet / vermacht und testiret habe. Es soll von solchem Schatz vor meinem Ende keines etwas bekommen. Umb solches willen wolt ein jedes Kind den Vater bey sich haben / und thaten ihm eines über das andere grosse Förderung und Ehre. Als nun nach seinem Tode die Kisten geöffnet war / funden sie den schweren Hammer / daran geschrieben ware: Den Menschen / der seinen Kindern bey Leben sein Haab und Gut übergiebet / soll man mit diesem Hammer / [402] oder Keulen zu todt schlagen / wann er ihm nicht auch so viel Güter behält / davon Er seinen Auffenthalt haben möche. 1. Dieser Vater hat die Sache weißlich angefangen und darneben allen Eltern eine gute Lehre geben. Denn es nicht rahtsamb / daß Eltern vor ihrem Todt alles den Kindern zuwenden und sich darmit ihnen unterwürffig machen / es pflegt mehren Theils an seiten der Eltern übel abzulauffen. 2. Was ehrliche Kinder seyn / die thun ihren Eltern gutes weil sie leben / welche sie aber lassen Mangel leiden / wenn es ihnen Gott bescheret / die wären wehrt / daß man sie auch mit einer Keulen zu tode schlüge. Allein GOtt hat vor dergleichen geitzige Raben - Rinder schon dorten eine Keule beylegen lassen. 198. Von einem Priester Feinde in Preussen. HEinrich Reffle von Richtenberg / der 30. Hochmeister in Preussen / so Anno 1470. erwöhlet worden / 7. Jahr regiert / den Geistlichen streng gewesen / und Dietrichen von Cuba / Samlendischen Bischoff / verhungern lassen / darumb / daß Er groß Gelt mit [403] Ablaß gesamlet / damit zum Land auß: und ihn den Hochmeister / vorm Pabst verklagen wolte / redete diese letzte Wort / für seinem Ende: Auf / Harnisch her / sattelt die Gäule / die Pfaffen haben mich vor Gottes Gericht geladen / ob ich mich erwehren könte. 1. Das ist eine trotzige / ja recht Gotteslästerliche Rede gewesen: Trotzig / weil sich dieser wider die Geistlichen so hochmütig hören lassen / Gotteslästerlich aber / weil er für GOttes Gericht und also mit GOtt fechten wollen. 2. Keiner reibe sich nur an einen Geistlichen / er mag auch seyn wer er wolle / denn er wird wenig außrichten. Gott weiß seine treue Diener schon in Schutz zu nehmen / wie viel Priester-Feinde aber haben Unglück erfahren / und sind von Gott / daß es männiglichen erkennen können / gestrafft worden. 199. König Wenceßlaus ziehet die Göttliche der Menschlichen Hülffe vor.
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AENeas Sylvius schreibt von König Wenceslao in Böhmen / als ihm einsmahls sein gantzes Kriegsheer erlegt / er selbst auch im Krieg gefangen / und in seiner Gefängnüß gefragt ward / quo animo esset, wie ihm zu Muth wäre? Da hab er zur Antwort geben / Nunquam meliori. Es sey ihm nie besser als jetzt zu Muth gewesen: Dann / sagt er / cum omnibus humanis praesidiis vallatus essem, vix de Deo cogitandi spacium dabatur, nunc illis omnibus exutus, Deum solum cogito, & in eo spem omnem colloco, qui me, sat scio, non deseret, sed invocantem exaudiet. Da ich allendhalben mit Menschen Hülff umbgeben / da hab ich kaum so viel Raum und Zeit gehabt / daß ich an Gott dencken konte / nun ich aber aller Menschen Hülff beraubet / dencke ich an GOtt / und setze auff jhn allein meine Hoffnung / welcher mich / wie ich wol weiß / nicht verlassen / sondern / wann ich ihn anruffe / ethören wird. 1. So gehets freylich her; Anfechtung lehret auffs Wort mercken / Noht beten / und / wenn es einem Wiederwertig gehet / GOtt suchen.
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2. Wol nur dem der GOtt vertrauet und jhn zum Helffer annimbt. Er hilfft gewiß / und ist auch der allerbeste Helffer. 200. Pausanio / welcher eine Jungfrau geschändet / wird deßwegen von einer Abgöttischen Statua der Tod geweissaget. PAusanius, so sonsten ein hoch berümbter Fürst gewesen / hat auff eine Zeit zu Pizantio, jtzt Constantinopel genant / eine junge Tochter geschändet / und folgends umbgebracht / da ward ihme / von einer Abgöttischen Statua angezeigt und geweissagt / daß er / dieser Vnthat halben / in kurtzer Zeit wurde des Todes de sterben / welches ihm denn auch also begegnet und wieder fahren / und hat also der böse Geist / und unzweiffelichter Anstiffter dieser schändlichen That selbst (welches nicht wenig zu verwundern) aus der Abgöttischen Bildnüß / diesem Gottlosen Pausanio, seine Straff angesagt und verkündiget 1. Es hüte sich ja ein jedweder vor solcher Sünde. Denn Jungfrauen schänden ist selten ungestrafft blieben. Solte es manchem hier so seyn hinaus gange̅ / so hat er seine Straffe / welche viel grösser seyn wird / dort zugewarten.
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2. So machts der Teuffel / wenn er die Leute zum Sünden gereitzet / so straft er sie hernach selbsten / oder deutet ihnen die Straffe an / wie er diesem Jungfrau Schänder und Mörder durch die Abgöttische Statuam, darinnen er gewohnet / den Todt andeuten lassen. 201. Der Teuffel sitzt Doctor Luthern nicht in Hertzen / sondern in Nacken. HErr Johann Lichtenberger hat geweissaget / es würde ein Mönch kommen / der würde die Religion scheuren und Pantzerfegen / demselben Mönch hat er einen Teuffel auff den Nacken gemahlt / nun macht sich Lutherus einmahl über Lichtenbergers Buch / und wil es verdeutschen / D. Justus Jonas kömpt darzu / und fraget / was er vorhabe? D. Lutherus sagets / da spricht D. Jonas / warumb wolt jhr ihn deutschen / ist er doch wieder euch? Lutherus fraget Uhrsachen: D. Jonas saget: Lichtenberger saget / ihr habt den Teuffel / nun habt ihr ja keinen Teuffel. [407] Da lächelt der Herr Lutherus, und spricht: Ey Herr Doctor / sehet nur das Vild ein wenig besser an / wo stitzt der Teuffel? Er sitzt nicht dem Mönche im Hertzen / sondern auff dem Nacken / ey wie fein hat ers troffen / im Hertzen / da wohnet mein Herr JEsus / da soll mir der Teuffel nun und nimmermehr hinein kommen / aber ich meyne er sitze mir auf dem Nacken / durch Pabst / Käyser / und grosse Potentaten / und alles was in der Welt wil klug seyn. Kan er nicht mehr / so macht er mir im Kopff ein abscheuliches sausen. Wie GOtt wil / er mag mich eusserlich plagen / es ist GOTT Lob und Danck / nur ein ausgestossener / ausgeworffener Teuffel / wie Christus redet / der Fürst dieser Welt wird jetzt ausgestossen. 1. Ist eine treffliche schöne Rede deß Herrn Lutheri gewesen / woraus sein scharffsinniger Theologischer Heroischer Geist gnugsam abzunehmen. 2. Gleich wie aber der Teuffel Luthero in Nacken gesessen durch die mancherley Anfechtung / so er von dessen Werckzeugen gehabt / also habens andere fromme Christen nicht besser / er sitzt ihnen auch [408] in Nacken / und schleicht ihnen aller Orten nach. Ein jedweder sehe nur / daß er mit Luthero auch JEsum möge in Hertzen haben und behalten. 202. Socrates redet allezeit einerley von einerley Sachen. SOcrates / welcher für den allerweisesten Menschen von dem Abgott Apolline zu Delphis ausgeschrien worden / hat diese Gewohnheit an sich gehabt / daß er allzeit einerley von einerley Sachen geredet und gelehret / und demnach / als seiner alten Schüler einer mit Nahmen Hippias zu ihm kam / und von jhm etwas neues zuhören begehrte / gab er ihm ein kurtzen Bescheid / und sagte: [Greek words], Eadem iisdem, sicut iisdem literis nomen scribo, wie ich / sagt er / meinen Nahmen allzeit mit einerley Buchstaben schreibe / also lehre ich auch allezeit von einem jeden Ding mit einerley Worten zu reden und zulehren. 1. Ist nicht übel gethan. Denn ob es wol heist varietas delectat, so heist es doch auch wiederumb / wie Paulus redet / daß ich euch jmmer einerley schreibe / macht euch desto gewisser.
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2. Hier wird doch nicht verboten / daß Praeceptores in Schulen sonderlich ihren Discipulis nicht solten etwas neues proponiren, sondern Socrates hat nur das haben wollen / daß man von einerley Dingen einerley reden soll / zweiffels frey wenn man von denenselben definitivè reden und sie accuratè beschreiben will. 203. Von Doctor Türcken. ES ist vor etzlichen Jahren ein Jurist gewesen / mit Nahmen Doctor Türck / ein greulicher Feind des heiligen Evangelii / durch D. Luthern wiederumb gereiniget von deß Pabsts Vnflat / dieser hat der Lutherischen Christen im Deutschen Kriege lästerlich pflegen zu spotten / mit diesen Worten; Wo sind nun die / so bißher haben gesungen: Ein feste Burg ist unser Gott: Die feste Burg ist nun zurissen / und ich wil darzu helffen / daß sie soll weiter zurissen werden. Wie er sich auff solche lästerliche Trohnngen wil auffmachen / an die Oerter / da er vermeinte mehr Vnglücks wieder die Lutherischen zuerregen / und bereit gestiefelt war / und zur Reise geschicket / wird ihm seltzam / daß er sich in den Stieffeln muß niederlegen / ist aber in der Meynung / es soll [410] die Angst die ihn ergriffen hatte / fürüber gehen / wie aber die Noht hefftig zunimpt / schicket er nach den Aertzten / so sich verwundern seiner Kranckheit / welcher Vrsache sie nicht können verstehen noch anzeigen: Da er aber in seinem Bette lieget / siehet er umb sich herstehen einen hauffen Teuffel / derwegen er seine Finger an die Wand schläget / sich zu halten / rufft und schreyet überlaut / man wolle ihn halten / damit er von den Teuffeln / die er leibhaftig sehe / nicht lebendig weggeführet werde. Als ihm aber mit Ach und Weh / mit schrecklichen plerren und brüllen die Seele ausgegangen / benget ihm eines Fingers lang so schwartz als eine Kohle zum Halse heraus seine Läster-Zunge damit er gesaget hatte: Wo sind nun die jenigen so bißher gesungen: Ein feste Burg ist unser Gott: Vnd stintkt sein todter Leib so übel und faul / daß man nicht umb ihn seyn können. Er stirbt aber zu Leipzig auff den Sonnabend nach Trinitatis / da man den folgenden Sontag predigte das Evangelium von reichen Fresser und armen Lazaro / aus dem 16. Capitel Sanct Lucae. Derhalben sagten die Bürger zu Leipzig: Es were D. Türck vom reichen Mann in die Hölle zu Gaste geladen / dahin er gefahren were. 1. In diesem Exempel solten sich billich die Papisten und alle Verfolger der [411] Lutheraner bespiegeln / und vor Gott fürchten lernen / sed surdis narratur fabula. 2. D. Türck hett es auch nicht gedacht / daß er in so ein heiß Quartier kommen solte / aber er ist es innen worden. Wer sich nicht wil warnen lassen / kam dahin auch gelangen / es ist Platz gnug verhanden.

204.
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Wie die Heyden ein verthulich und prächtig Weib in einem Gemählde abgebildet. DIe Heyden haben etwa ein feines Gemählde gehabt / da sie einen Mann haben mahlen lassen / der Seile machet / und drehet / und nur darauff trachtet / wie er derselben viel bereiten und zu wege bringen möchte / aber hinter ihm stehet eine Eselin / die friesset und verschlinget alles auff / was der Seiler gemacht und gedrehet hat. Damit haben sie wollen anzeigen und zu verstehen geben / was es für ein schädlich Ding sey in der Haußhaltung umb ein verthulich und prächtig Weib. Die nimbt alles hinweg / was der Mann mit grosser Mühe und Arbeit erworben und zusammen gebracht hat. Ein solcher Mann [412] kompt nicht fort / was er in vielen Tagen erworben / und in langer Zeit seinem Halse abgesparet hat / das verschlingt die Eselin auff einmahl / und frissets und versäuffts / oder gibts in einer Stunde für schändliche und stinckende Hoffart dahin. 1. Die Heyden haben die Ihren durch allerhand Gemählde von Lastern abund zum Tugenden angemahnet. 2. Freylich ist es umb ein verthulich Weiß ein schändliches und dem Manne und einem gantzen Hauß Wesen sehr schädliches Ding / darumb eine jedwedere Frau sich der Sparsam- und Haußhältigkeit befleissigen soll. 205. Einer klagt bey seinem Schwehr über sein Weib / daß es jhm nicht Farbe halte / und bekömpt die Antwort / er soll sie nur lassen 60. Jahr alt werden / so werde sie sich schon endern. EIn Junger von Adel hatte sich an eine überaus schöne Junfrau verheyrathet / muste aber mit Schmertzen vernehmen / daß sie ihm nicht getreu were / wuste also nicht wie er solches ändern möchte. Da gieng er [413] zu seinem Schwieger Vater / und klagte ihm sein Hauß-Creutz / sagte auch darbey / daß / woferne sie von solch bösen Beginnen nicht abstehen wurde / der sie verlassen wolte. Der Vater sprach ihm zu: Lieber Sohn / ihre Mutter hat es eben so gemacht / und ich habe es nicht wehren können; Nun sie aber ihr 60. Jahr erreicht / hat sie es gleich wol von ihr selbst nach gelassen / eben so wird ihre Tochter auch thun / wann sie ihr Alter erreichen wird / ihr müsset Geduld mit ihr haben / sie wird sich mit der Zeit bessern. 1. Es war tröstlich zu hören / mancher Mann dürffte die Geduld bey seiner Frauen mit einem guten Brügel suchen. 2. Was Ehrliebende Weiber seyn / die begehren dergleichen Geduld von ihren Männern nicht / sondern verhalten sich demnach / was sie bey der Trauung vor dem Angesicht Gottes in versamleter Gemeine zugesaget und versprochen. 206. Von einer Comädia / welche zu Madrit gespielet worden. ALs deß Königs in Engeland Jacobi Sohn Carolus / welcher domals noch Printz zu Walles war / sich zu Madrid auff hielte / [414] hat es sich einmahl zu getrageen / daß eine Comädi / in gegenwart deß Königs in Spanien / und seiner / deß Printzen / gespielt worden / welche dahin gerichtet gewesen / daß der Printz solte von der Keformirten Keligion abwendig gemacht werden. Es wurden 2. krancke Personen eingeführt / der eine war Catholisch / der ander ein Protestirender. Der Catholisch war / hat auff seinem Todtbett gebeichtet / sich mit dem letzten Oel schmieren lassen / und das H. Sacrament empfangen. Aber der Protestirende starb / da kamen etliche Teuffel / und führten ihn in die Hölle. Als aber der Catholische den Geist auffgab / da kamen Engel / die ihn in den Himmel führen wolten. Da sie aber mit einander hinauff fahren solten / fiel der Himmel ein / und brach der Catholische sein Bein / darüber der König betrübt ward / aber der Printz / der bey dem König saß / fieng an zu lachen. Der König sprach zu ihm: Bruder / wie möcht ihr über ein solch Vnglück lachen?) Der Engelländische Printz antwortet: Ich lache nicht deß Vnglücks wegen / sondern es ist mir etwas lächerliches eingefallen. Der König wolte wissen / was es wäre? Darauff sagte der Printz: Ich hab darumb gelacht / dieweil ich gesehen / daß die Teuffel den Protestirenden besser bewahret haben / dann die Engel den Catholischen: Dann dem Protestirenden kein Leyd wiederfahren / aber dem Catholischen [415] ein Bein gebrochen worden. Doch ist mir leyd / daß dem guten Mann / der uns mit seinem Spiel hat erlustigen wollen / ein solcher trauriger Vnfall begegnet ist. 1. Es gehet offimals so zu / daß GOTT ein Ding anders läst hienauß lauffen / als wirs vermeinen. Hier dachten die Catholiken Ehre ein zulegen / und dar zuthun / daß ihre Religion die rechte / und andern weit vorgienge / aber GOtt ließ sie zu Schanden werden / daß sie sich selbst schemen musten. Vnd 2. Wer hette über dieser Sache / ob es gleich ein Vnglück war / deß lachens sich enthalten können / wenn er gesehen / wie die verlarvirten Teuffel ihren Toden besser bewahrer als die Engel? 207. Von Dem Thier Camelopardalis. VOn dem Thier / Camelopardalis genant / schreibet man / daß es einen Hals habe wie ein Pferd / Füsse und Schenckel wie ein Rind / einen Kopff wie ein Camel / Flecken wie ein Tygerthier oder Parder Also sind deren viel / wann du ihre eusserliche Tracht ansiehest / solstu meinen / sie seyen die aller heiligsten / wann du sie reden hörest / solstu mey nen / du hörrest einen gewaltigen Politischen Hoff-Schrantzen: Wann [416] du ihr Leben betrachtest / soltestu befinden / daß sie im Hertzen und in Wercken arge Schälck und Buben seyn. Diß ist heut zu Tag fast gemein unter den Menschen-Kindern / welche mehr Schein und Falschheit / als Werck und Warheit fürgeben. Daßwol Keyser Friederich des Nahmens der dritte beym Anea Sylvio gesagt: Inter mortales nemo est, qui non aliqua ex parte fictus fucatus??? sit. Vnter allen Menschen auff Erden ist keiner nicht / welcher nicht am wenigsten mit einen Fuchsfleck gefüttert sey. 1. Christen sollen nicht so seyn / sondern bey ihnen soll fein Hertz und Mund / das innerliche und der euserliche Schein über einstimmen. Denn 2. Den Heuchlern / welche sich von auffen mit Schaffs. Bältzen oder Fuchs Bälgen behängen / inwendig aber reissende Wölffe / oder Löwen sind / ist beyde GOTT und Menschen feind. 208. Ein Edelman ist utrius??? generis. MAn lieset in der Burgundischen Chronic daß einer von Adel der utrius??? generis, oder beyderley Geschlechts gewesen / eine wunder schöne Jungfrau eines vornehmen Geschlechts geheyratet und 23. Jahr in grosser Lieb und Treu ihr bey gewohnet / diesen ihren Kum̅er [417] hat sie gar keinen Menschen / ja auch ihrer leib lichen Mutter auß Schamheit nicht offenbaren wollen / ob ihr schon wegen der Vnfruchtbarkeit / von allen Menschen / auch von ihres Mannes eigenen Freunden grosse Schuld gegeben worden. Was geschiehet? Sie wird durch Beyschlaff eines andern vom Adel Schwanger gebieret einen Sohn / dadurch wird sie von ihren Ehe-Mann loß gesprochen / verhäyrathet sich aber wiederumb / und zeuget mit dem andern 5. Kinder. Diese Frau ist von jederman nicht wenig gelobet / und wegen verschwiegenheit sehr geliebet worden. Eben ein solch Exempel hat sich vor 2. Jahren auch zu Brüssel im Niederlande begeben / welche dergleichen Kummer 31. Jahr verborgen gehalten. 1. Ein Weig / das schweigen kan / ist eine Gabe Gottes / schreibt Syrach der Weise Mann Cap. XXVI, v. 17. Dieses Weib hette zwar wohl ihres Mannes zustand / sonderlich den nechsten freunden offenbahren mögen / aber sie hat es doch nicht gethan / und ist ihrer Verschwiegenheit wegen zu loben gewest. 2. Manches Weib plaudert nicht allein alles aus dem Hause / sondern verschweiget auch dem Manne kein Wort / das ist ein schändlich Ding / und der Mann muß sich ihrer schämen wie abermals Syrach schreibt Cap. XXV. v. 25.
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209. Ein Ferbergesell wirfft einen Lehrjungen in einen siedenden Kessel / und gibt sich selbsten wiederumb zur Straffe an. Für wenig Jahren hat sich zu Wien in Oesterreich begeben / daß ein Ferbe-Gesell den Lehrjungen in einen heissen siedenden Kessel geworffen / darumb daß er jhm ein Pfirsing genommen / der ist zwar auch davon kommen. Aber Er hat nicht weit gehen können / sondern ist bald umbgekehret / wegen seiner Gewissens-Angst / und hat sich auch gutwillig bey der Obrigkeit angeben. 1. Das böse Gewissen / wenn es auffwacher / machet den Leuten Angst. 2. Darumb hüte sich ein jedweders und thue nichts böses / und wenn ihn der Teuffel zu sündigen wil anreitzen / so gedencke er stets an das Gewissen / welches / nach begangener Sünde / sein Ankläger seyn wird. 210. Von Obristen Zeckler. NIcolaus Ist huansius, wie Martin Zeiler schreibet / soll in fünfften Buch seiner Vngeri [419] schen Historien erzehlen / daß Georgius Siculus, zugenant Dosa / und von den Teutschen Georg Zeck geheissen / aus dem Städlein Daluoco so unter der Zäckler / oder Siculorum in Siebenbürgen Städelein das geringste / bürtig / zu Griegisch Weissenburg ein Kittmeister gewesen / den Alim aus Epiro, der Reiter / so die Türcken Beslias nennen / Obristen zu Samandria / ausgefordert / ihme in einem sonderbahrem Kampst überwunden / und umbgebracht / zuvor aber ihme seine rechte Hand / so mit einem Pantzer verwahrer gewesen / in einem Hieb abgehauen habe. Als der Pabst denen / so wieder den Türcken Waffen ergriffen / verzeihung aller Sünden; Denen aber / so zu beschützung der Christlichen Religion ihr Leben ehrlich liessen / die ewige Seeligkeit versprechen thate; Da haben sich sehr viel mit dem Creutz zeichnen lassen / deren Obrister besagter Zäckler worden; dem Türcken wenig / aber wol dem Vngarland / und insonderheit dem Adel / so die Bauren aus dem Krieg gern wieder nach Hauß gebracht hetten / grossen Schaden zugefüget / daher der König Vladißlaus und der Ertzbischoff und Cardinal zu Gran / Thomas Bacocius / verboten haben / daß man niemand mehr mit dem Creutz zeichnen solte. Nichs desto weniger ist dedachter Siculus Zeck / oder Zäckel / fort gefahren / hat diese grosse / aber ungemauerte Stadt Chanadinum eingenommen / ge [420] blündert / und den Bischoff allda / Johannemi Chaquium, eines alten Adelichen Geschlechts / nach vielen Schlägen / und Pein / in seinem Priesterlichen Habit / oder Bekleidung / mit einem gar spitzigen Zaunstecken / so ihme durch das Gemächt gestossen worden / umbbringen lassen. Er hat auch keines Edelmans verschonet; und ist unter andern / Stephanus Telegoinus, ein Mann hohen Adels und Würden / so in dem Königlichen Raht / wieder verkündigung deß Pabst Ablaß / gewesen / und solche wieder rathen / auff seiner Reise / den Bauren in die Hände kommen / da ihme dann durch seine Scham / auff deß Zäcklers Befehl / Strick oder Seiler gezogen / und Er damit an einen hohen Galgen gehenckt / und nach ihme mit Pfeilen und Kugeln / biß er umbgebracht / geschossen worden ist. Darauff hat dieser Zeck die Themeßbar belägert / darinnen Stephan Bathori zu gebieten hatte / deme aber bey zeiten Graff Johannes von Zips / Vayvoda / oder Fürst in Siebenbürgen / (wie er sonsten sein Freund nicht war / aber dißmals / wegen des Vatter-Lands / seinen besondern Wiederwillen gegen ihme auff die Seiten satzte /) zu Hülff kommen ist / und einen grossen Sieg erlangt hat. Der besagte Zäckler ward gefangen / und mit ungefehr 40. seiner Diener / den Zügeunern / die deß Vayvoden Läger gefolgr hatten / übergeben / welche sie 15. Tag hunger leiden lassen / [421] daß sie / ausser 9. gestorben seyn. Vnterdessen sie aus unbereitem Eisen einen Königlichen Thron zugerichtet / auff welchen sie den Zäckler nackend gethan / und ihm eine Eiserne Cron / wie sie aus dem Feuer gangen / gläntzend auff das Haupt gesetzt; hernach die obbesagte vom Hunger aus gemergelte und halbtodte??? überbliebene / so den Schatten der Menschen gleich gesehen / herbey gebracht / und ihnen befohlen / daß sie deß Georg Zäcklers / ihres Herren / Gliedmassen / so von dem glüenden Eisen angegriffen zitschen / und einen Geruch eines angebrenden oder versengten Dings / von sich gaben / mit ihren Zähnen anfallen / und die angebiessene Stücke verschlucken solten. Welche als sie / ausser dreyen / es / aus Furcht deß Todes gethan / ledig gelassen worden seyn. Als er Georg dergestalt hingericht worden / so ward sein übriger Leichnam geviertheilt / und die Stück nach Ofen / Pest / Stulweisenburg / und Großwardein / oder Varadin geschickt / und daselbsten an die Galgen gehenckt. Die übrige Gefangene seyn auch auff klägliche weise umb ihr Leben gebracht worden. Vnd helt man darfür / daß in diesem Krieg / in unterschiedlichen Treffen / auff die 60. tausend Menschen umbkommen; so geschehen im Jahr 1513 und 14. 1. So gehet es endlich denen Tyrannen / sie werden mit gleicher Müntz bezah [422] let. Weil dieser Zeckler tyrrannisch gehandelt / so wird mit Ihm auch wie drumb tyrran̅isch verfahren. Das heist poena talionis. 2. Nehmt hier ein Exempel alle die ihr mit Menschen so unmenschlich umbgehet / und bessert euch / GOTTes Straffe wird sonsten nicht aussen bleiben. Der Poet schreibet gar warhafftig: Per quod quis peccet, per idem punitur & idem.

211.
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Vrtheil von München Johann Käyserbergs. JOhannes Käyserberg / welcher ein Päbstischer Doctor und Prediger zu Straßburg im Münster / darzu auch beym Käyser Maximiliano dem ersten in grossen Ansehen gewesen hat ein solches Vrtheil von den München gefället daß die schwartzkuttichte Münche weren der Teuffel selbst / die weißkuttigten weren des Teuffels Mutter / die Aschenfarbigten aber weren deren beyder Zucht und Kinder. 1. Dieses Urtheil / wenn man der Münche Glauben und Leben betrachtet / ist nicht übel gafället.
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2. Darumb sich ein jedweder vorzusehen / damit er seine Kinder nicht in die Münchs-Kutten stecke. Denn ihr Stand ist in GOttes Wort nicht gegründet. 212. Eine Heydnische Jungfrau liegt ein gantz halb Jahr vor Liebe mit dem Angesicht auffblosser Erden. BEda der alte Lehrer erzehlet / daß eine Jungen Gesellen so übermäßig lieb gahabt / daß sie aus grosser Liebe und Vegierde zu jhm ein gantz halb Jahr / alle Nacht in dem Tempel Jovis mit dem Angesichte auff blosser Erden gelegen / und stets mit weinender Stimme zu den Göttern geseufftzet / sie wolten bey ihr das angezünte Feuer entweder zur Natürlichen Würckung kommen lassen / oder aber solche Stralen der Liebe / welche sie die unsterbliche Götter in ihr inflammiret und angezündet / dämpffen und löschen / damit sie doch wieder zu ihrer natürlichen Ruh kommen möchten. Dabey gnugsamb zu bedencken / daß auch die blinden Heyden / so [424] von dem rechten GOtt der die Liebe in Menschlichen Hertzen inflammiret oder angezündet hat / nichts wissen / doch dahin gesehen haben / daß solches von GOtt herkommen müsse. 1. Es ist ein starckes Ding umb die Liebe / welche zwar belieblich wird angenommen / aber nicht so bald wiederumb abgeschaff et. 2. Hütet euch derowegen jhr Jungen Leute / und rennet durch unvorsichtiges Lieben nicht so in euer eigenes verderben. 213. Churfürst Friedrichs Trau̅ von Luthero. HErr Bruder / sagte Churfürst Friederich zu seinem Bruder / Ich muß erzehlen / was mir diese Nacht geträumet hat / möchte gerne seine Bedeutung wissen / Jch habe den Traum so eigentlich und wolgemerckt / und ihn mir so tieff eingebildet / daß mich dünckt / ich könne ihn nimmermehr vergessen / wenn ich auch tausent Zahr leben solte / denn er mir dreymal nach einander vorkommen / doch jmmer verbessert. Hertzog Johannes hat gefraget / war es denn ein guter oder böser Traum? Wir wissen das nicht / GOtt weiß es / sagt der Chur-Fürst. Hertzog Johannes saget weiters; Herr Bruder / E. L. setze nur nicht [425] viel darauff / wenn mir etwas träumet / so bitte ich allewege unsern HErrn Gott / er wolle es alles zum besten schicken / oder schlage mir sonsten solchen Traum aus Sinn / so gut ich kan / wiewol ich auch diß bekennen muß / daß mir viel Träume / beydes gur und böse seynd vorkommen / welches ich hernach allererst verstanden habe / aber gemeiniglich in schlechten geringen Händeln: Es sage E. L was war denn der Traum? Churf. Fried. spricht: Als ich mich auff dem Abend zu Bette legete / zimlich matt und müde / war ich bald über dem Gebete eingeschlaffen / und hatte bey dritthalbe Stunde fein sanfft geruhet: Als ich nun erwachte / und ziemlich munter war / lag ich und hatte allerley Gedancken / biß nach zwölffen in Mitternacht / gedachte unter andern / wie ich allen lieben Heiligen / und neben mir mein Hof-Gesinde / zu ehren / fasten und feyern wolte / betet auch für die lieben Seelen in Fegfeuer / und beschloß bey mir ihnen auch zu Hülffe und Zusteure zukommen in ihrer Glub / hat den leiben Gott umb seine Gnade / daß Er doch mich / meine Räthe und Landschafft in rechter Warheit wolte leiten / und zur Seeligkeit erhalten / er wolte auch allen bösen Buben / die uns unser Regiment sauer machen / nach seiner Allmacht wehren. Nach Mitternacht war ich bald nach solchen Gedancken wieder eingeschlaffen / da träumet mir / wie der Allmäch [426] tige GOtt einen Mönch / eines feines erbaren Angesichts / zu mir schickete / der war Sanet Pauli des lieben Apostels natürlicher Sohn / der hatte bey sich zu Geferten / aus GOttes Befehl / alle liebe Heiligen / die solten dem Mönch vor mir Zeugnüß geben / daß es kein Betrug mit ihm wehre / sondern er wehre ein Gesandter GOttes / und ließ mir GOtt gebieten / ich solte dem Mönche gestatten / daß er mir etwas an meine Schloß-Capelle zu Wittenberg schreiben dörffte / es wurde mich nicht geräuen: Jch ließ Ihn durch den Cantzler sagen / weil mich GOtt solches heist / und er auch sein gewaltig Zeugnüß hätte / so möchte er schreiden / was ihm geboten wäre / darauff fehet der Mönch an zu schreiben / und macht so grobe Schrifft / daß ich sie hier zu Schweinitz (denn an diesem Orte ist der Churfürst damals gewesen) erkennen kunte: Er führte auch so eine lange Feder / daß sie biß gen Rom mit dem andern Theilreichte / und einen Löwen / der zu Rom lag / mit dem Sturtz in ein Ohr stach / daß der Stürtz wieder zum andern Ohre heraus gieng / und strackte sich die Feder ferner / biß an der Päbstlichen Herrligkeit dreyfache Krone / und stieß so hart daran / daß sie begunte zu wackeln / und wolte ihrer Heiligkeit vom Häupte fallen / wie sie nun also im Falle ist / deucht mich / Jch und E. L. stunden nicht weit davon / Jch strackte auch meine Hand aus und wolte sie [427] helssen halten / indemselben geschwinden Zugreiffen / erwachte ich / und hielt meinen Arm in die Höhe / war gantz erschrocken / und auch gornig mit auff den Mönch / daß er seine Feder nicht bescheidener führete. Als ich mich aber recht besann / war es ein Traum / ich aber war noch voll Schlaffs / giengen mir die Augen wiederumb zu / und war fest eingeschlaffen / ehe ich das recht gewar worden / ist mir dieser Traum zum andernmahl widerkommen: Denn ich hatte wieder mit dem Mönch zuthun / und sahe ihm zu / wie er jmmer fortschreibe / und mit dem Sturtz der Feder stach er jmmer weiter auff den Löwen / und auff den Papst / darüber der Löw so greulich brülte / daß die gantze Stadt Rom / und alle Städte / deß Heiligen Reichs zulieffen / zu erfahren / was da were. Es begehrte Päbstliche Heiligkeit an die Städte / man solte doch dem Mönche wehren / und sonderlich mich dieses frevels berichten / weil sich der Mönch in meinem Lande auffenthielte / darüber erwachte ich zum andern mahl / verwunderte mich / daß der Traum wiederkommen war / leiß michs doch gar nichts anfechten / bat aber Gott / er wolle Päbstliche Heiligkeit vor allem Vbel behüten / und schlief also zum dritten mehl wieder ein. Da kam der Mönch mir zum drittenmahl vor / wir bemüheten uns sehr / dieses Mönchs Feder zu brechen / und dem Pabst hinweg zu leiten / aber [428] je mehr wir uns an der Feder versuchten / je mehr sie starte und knarte / als wenn sie Eisen were / sie knarte so sehr / daß es mir in Ohren wehe that / und durchs Hertze gieng / wurden endlich also verdrossen und müde darüber / daß wir abliessen / verborge sich auch jmmer einer nach dem andern / und besorgeten uns der Mönch möchte mehr können / denn Brodt essen / er möchte uns auch etwa einen Schaden zufügen. Nichts destoweniger aber / ließ ich den Mönch fragen / woher er doch zu solcher Feder kommen were / und wie es zugienge / daß sie so zehe und feste sey? Er ließ mir sagen / sie wehre von einer Böhmischen alten hundert Jährigen Ganß / einer seiner altern Schulmeister hette ihn darmit verehret und gebeten / weil sie sehr gut wehre / er wolle sie zu seinem Gedächtnüß behalten / und brauchen / er hette sie auch selbst temperiret / daß sie aber so lange wehret / und fest wehre / komme daher / daß man ihr den Geist nicht nehmen / noch die Seele / wie mit andern Federn geschicht / heraus ziehen könte / darüber er sich denn selbst zum höchsten verwunderte. Bald hernach kömpt ein Geschrey aus / es wehren aus der langen Mönchs-Feder unzehlich viel andere Schreibfedern hier zu Wittenberg gewachsen / und es sey mit Lust anzusehen / wie sich viel gelehrter Leute drumb reissen / wie sich viel gelehrter Leute drumb reissen / und meinen Theils / diese neuen Federn / werden mit der Zeit auch so groß [429] und lang werden / wie dieselbe Mönchs-Feder / und es werde gewißlich etwas sonderliches / auff diesen Mönch und auff seine lange Feder folgen. Da ich nun gäntzlich im Traum bey mir beschoffen / mich je eher je besser mit dem Mönche in eigener Person zu unterreden / da wachte ich endlich zum dritten mahl auff / und war jetzt Morgen worden / wundert mich sehr über den Traum / gedacht ihm nach / uu̅ bilder mir ihn wol ein / wie er nach einander mir war fürkommen / zeich nete mir bald die fürnehmsten Stück zum Gedächtnüß auff / bin gäntzlich der Meynung / dieser Traum sey nicht ohne Bedeutung / weil er mir so offte ist vorkommen / und bin bald willens meinem Beichwater denselben zu offenbahren / doch hab ich ihn E. L. vorhin auch wollen wissen lassen / E. L. und Cantzler / sagen mir jhr Bedüncken davon: Hertzog Johannes sagte: Herr Cantzler was düncket euch? Von Träumen ist nicht allemahl viel zuhalten / doch seynd sie auch nicht allemahl gäntzlich zu verachten / wenn wir hier einen verständigen frommen und von GOtt erleuchteten Joseph oder Daniel hetten / der könte es treffen. Der Cantzler spricht: Ew. fürstl. Gnaden etc. wissen daß man pfleget zu sagen / Jungfrauen / gelehrter Leute / und grosser Herren Träume haben gemeiniglich etwas hinter sich / allein was es sey / wird man allererst weise noch etzlicher Zeit / [430] wenn sich etwa Händel zutragen / daraus man denn also vermutung nimmet / und spricht / sihe / darauff hat gewißlich euer Traum gewiesen / wie Ew. fürstl. Gnaden. viel solcher Exempel werden bekant seyn: Sonsten spricht Joseph / Träume aus zulegen stehet Gott zu / und Daniel saget / Gott allein kan verborgene Ding offenbahren / darumb befehlen E. fürstl. Gnab. etc. nur diesen Traum dem lieben GOtt / die Mönche haben offt bey grossen Herren viel Vnglück gestifftet / an diesem Traum vom Mönche ist diß das beste / daß er von Gott gesand ist / und zu schreiben Befehl hat / daß auch alle Heiligen seine Zeugen seyn / es wäre denn daß der Teuffel / unter einem guten Schein / sein Spiel haben wolte / E. fürstl. Gn. wird am besten wissen / den Sachen nach zudencken. Hertzog Johannes Spricht / ich halte es mit euch Herr Cantzler / denn daß wir uns lange drüber grehmen und martern sollen / ist nicht zu rathen / Gott wird alles / so dieser Traum von jhm herkompt / wissen zu seinen Ehren zuschicken / und uns zu seiner Zeit die rechte Deutung mit zu theilen / oder so es ein böses bedeut / abzuschaffen. Hertzog friederich Churfürst antwortet / das thu der getreue Gott / allein daß ich deß Traumes nicht vergesse / ich habe wohl bey mir meine Gedancken / und Außlegung / aber die behalte ich noch zur Zeit alleine / doch wil ich sie auffzeichnen / es wird vielleicht die [431] Zeit hernach geben / ob ichs recht werde troffen haben. Vnd das ist der herrliche schöne und wunderliebliche Traum / welchen Chur-Fürst friederich / wie zuvor gemeldet / die Nacht zuvor / eher Lutherus wieder Tetzeln geschrieben / gahabt hat / und wenn wir nun gefragt werden / was dieser Traum bedeute? So können wir ihn ohn alle Mühe außlegen: Durch den Mönch eines erbaren Angesichts / ist verstanden worden Lutherus / der den Pabst allzusehr die Krone wackelnd gemacht / daß er aber Pauli deß Apostels natürlicher Sohn genen̅et wird / geschicht darumb / weil er den Artickel von der Rechtfertigung deß armen Sünders vor Gott dem Allmächtigen / daß Er alleine durch den Glauben an Christum aus lauter Gottes Gnade / und Barmhertzigkeit gerecht und seelig werde / eben mit solchem Eyfer wieder das Pabstthumb getrieben / als Paulus wieder seine Werckheiligen: Die lange feder von der hundertjährigen Böhmischen Ganß weiser auff Johann Huß (denn Huß heist auff Böhmisch eine Ganß) der vor hundert Jahren zu Kostnitz auff dem Concilio wieder Treu und Glauben / als ein Ertz Ketzer verbrand worden / welcher denn diese Propheceyung hinder sich verlassen: Heut bratet Jhr eine Granß / über 100 Jahr wird kommen ein Schwan / den werdes jhr wol ungebraten lahn: Welches denn also ergangen / denn da 100. Jahr nach Johann [432] Hussens Tode umb seynd / da trit Lutherus / als der Schwan auff / seinen Evangelischen Schwanen Gesang zu singen / welcher auch so lieblich geklungen / daß die gantze Welt ist drüber erfreuet worden: Daß man aber die Feder nicht zu brechen kan / kömpt daher / weil ihr der Geist nicht kan genommen werden / das ist / weil der heilige Geist mit im Spiele / der nicht allein Luthero / solches Werck anzufahen / einen freyen Helden-Muht geben / sondern weil ers auch selber getrieben und biß an den Jüngsten Tag treiben wird. Vnd da mögen auch heut zu Tag unsere Wiedersacher / und zwar sonderlich die Papisten und Zesuiten / ihren Rachen wieder uns auffsperren / sie mögen alle auff einen Hauffen Zusammen treten / und mögen versuchen / ob sie Lutheri Schreib-Feder möchten zubrechen können / so wissen wir doch gewiß / daß sie es nimmermehr werden ins Werck richten können / denn der Geist / der in dieser Feder steckt / wird sie alle zu boden schmeissen. 1. Es bleibt darbey / ob gleich auff Träume nicht allezeit zu trauen / so sind sie doch auch nicht allezeit zu verwerffen und haben wir so wohl in / als ausserhalb der Schrifft / mehr als dieses Exempel / daß GOtt denen Leuten durch Träume etwas sonderliches angedeutet und sie in ein und dem andern gewarnet.
|| [433]
2. Sonderlich pflegt GOtt Potentaten und grossen durch Träume offtmals zuvor zuverkündigen / was Er vorhat / und ist das der beste Raht / wer Träume hat / daß er bete und Gott umb abwendung alles Unglücks ersuche.

214.
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Der Teuffel belohnet Schatzgräber. ZU Dromitten in Waldauischen haben vor etzlichen Jahren / in der Osternacht / etzliche wohnhaffte Männer in einem Garten Schätze graben wollen / und wie sie nun fast so weit kommen seyn / daß sie den Schatz auffheben sollen / verstellet sich der Teuffel in deß Mannes / dem der Garten war / gestalt / als komme der Haußwirth selbst / und habe ein Rohr auff der Schultern tragend / durch den Zaun guckend / als ob Er schiessen wolle / sich stellende. Diese erschracken sehr / vermeynten / Erwürde sie kennen / und solches bey der Obrigkeit offenbahren / verlassen den Schatz / nehmen die Flucht / und lauffen alle mit einander in eines Haußwirths / der da mitgewesen war / [434] Stuben. Der Sathanas folget ihnen in voriger gestalt nach / und hält mit ihnen ein gräulich Gezänck / und wirfft sie von einer Vanck zu der andern / die Nacht durch / biß daß der Hahn zum erstenmahl krehet / da verläst er sie. 1. Ein solcher arger Gast ist der Teuffel / wen̅ man nicht auff seinen Wegen gehet. Wer weiß was diese Schatzgräber noch sonsten / bey hebung dieses Schatzes / vor Aberglaubische Dinge vorgenommen? 2. Derowegen ein jedweder Gott vor seinem besten Schatz achten und umb solche verborgene Schätze sich unbemühet lassen soll. Denn wer Gefahr liebt / der geräht nicht nur allein darein / sondern kömpt auch wol gar darinnen umb. 215. Eine trefflich über Keuschheit haltende Frau. VOn Blanca Lubea der streitbaren Heldin / lieset man in Italiänischen Historien / daß / da jhr Mann in Belägerung ihres Vaterlands wieder den Feind umbkommen / sie auch / als sie endlich gefangen / und zu Acciolino dem Tyrannen geführet / und er wegen jhrer Schönheit gegen ihr in unzüchtiger Liebe entzündet / habe sie weder durch gute [435] noch böse Wort jhren Willen in seinen zugeben / können bewogen werden. Als deßwegen ihr aber mit Gewalt zugesetzet worden / hat sie sich oben zum Fenster hinab gestürtzt / vermeynend / dadurch die Ehr / mit verliehrung ihres Lebens zu erhalten. Ob sie aber sich wol tödtlich durch solchen fall verletzet / so ist sie doch beym Leben blieben / und hat sie der Tyrann aufheben / verbinden und heylen / folgends vor sich fordern / und von seinen Dienern anbinden lassen / und also seines Willens mit jhr gepflogen. Darüber sie sich nachgehends so hoch bekümmert / daß sie den Stein von ihres Mannes Grab auffgehaben / sich zu ihm niedergelegt / den Stein auff sich niederfallen lassen / der sie erschlagen / und also sich selbst bey ihrem Ehemann begraben. 1. Gleichwie an dieser Frauen die Keuschheit zu loben / und auch dieses ihr zu unsterblichen Lobe aufgezeichnet worden / Also ist 2. Hingegen die unzüchtig und mehr als Viehische Begierde an dem Tyrannen zu schelten / ist ihm auch solch sein böses beginnen zu ewiger Schande auffs Pappier bracht worden. Alle unzüchtige mögen sich an diesem Exempel bespiegeln und endern.
|| [436]
Thomas Aquinas wird Bos mutus genannt. THomas Aquinas, weil er jmmer stille schwiege und nicht viel redete / da er noch in die Schule gienge / wurde von seinen Schulgesellen Schertzweise nur genant Bos mutus ein stummer Ochß. Aber sein Schulmeister sagte / da Er merckte / was der Knab für einen Kopff zum studieren hatte: Wenn der Ochß einmahl wird anfahen zu brüllen / so wird er mit seinen brüllen die gantze Welt erfüllen. 1. So pflegt es herzugehen / mancher junger Mensch wird von den Welt Kindern verachtet / wenn er nicht mit machet / wie sie es machen. Aber es steckt offt mehr hinter dem / der sich eingezogen hält / als hinter andern die des tollen Mannes stattlich zu lauffen wissen. 2. Weise Leute / und sonderlich Schuel Lehrer / die stets mit der Jugend umbgehen / könen von den Naturen am besten uhrtheilen. 217. Anthidius Ertz-Bischoff zu Bisantz läst sich vom Teuffel nach Rom tragen.
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LOis Gollut in seinem ersten Buch am 26, Capitel / und 53. Blat / in dem Register der Ertzbischöffe zu Bisantz in Hochburgund / schreibet: Daß der Heilige Anthidius / auch Ertzbischoff daselbsten / als er durch offenbahrung jnnen worden / daß der Pabst sich gar grob übersehen / den Teuffel gezwungen ihn in einem Tag nach Rom zutragen / da er die Päbstliche Heiligkeit ihres Sündenfalls erinnert / und nach dem er sein Geschäfft verrichter / hab er eben auff diesem Pferde wieder umbgekehret. Vnd daher / wie man sage / soll es kommen / daß der Pabst / wan̅ ein Ertzbischoff von Bisantz gegen seiner Heiligkeit gehet / von seinem Sitz auffstehet / und daß man ihn / vor andern / nennet den Würdigen von Bisantz / oder Besancon. 1. Auß dem Pferde kan man abnehmen / was dieser Bischoff vor ein heiliger Reuter müsse gewesen seyn. Das heist wohl recht den Teuffel außtreiben durch Beelzebub Luc. XI. v. 15. 2. Es hette dieser Bischoff wol auff andere weise können gen Rom kommen / was hat er des Teuffels Hülffe brauchen dürffen? Aber so gehts / wenn man dem Teuffel in Glauben hofieret / so offerire??? er bald seine Dienste auch in Leben. 218. Gemälde in der Barfüsser Kirchen zu Padua.
|| [438]
Es schreibt D. Johannes VVelfius in seinen denckwürdigen Historischen Geschichten / daß zu Padua in Welschland in der Barfüsser Kirchen nachfolgend Gemähl unter andern zufinden. Erstlich sey gemahlet Christus am Creutz hangend / neben dem das Bild Mariae / mit entblösten Brüsten / an deren einer sie ein junges Kindlein saugend halte / vor ihnen ein kniender Münch / aus dessen Mund nach der rechten seiten dem Crucifix zu / diese Wort geschriben: Hinc vulnere pascor, das ist / aus dieser Wunden werd ich ernehret. Nach der Marien / zu deren rechten Brust / senen geschrieben diese Wort: Hinc ubere lactox, das ist / aus dieser Brust werd ich gesäuget Aber aus seinem Mund zur der Erden zu / seyen diese Wort geschrieben: Quo me vertam nescio, Ach ich weiß nicht wo aus / wo ein! 1. Siehe / so gehts endlich mit den Papisten hinaus / wann sie lang an Christi Blut und Marien Gut / zweiffelhafftig gehangen / so heists doch endlich / Quò me vertam nescio. ach ich weiß nicht wo aus noch ein! Vnd wird nochmals war gemacht der Zweiffel-Reim / welcher in einer vornehmen Stadt am Necker auch in einem Barfüffer Closter oben am Gewölb / neben einem Wappen / darein das Creutz Christi mit seinen Nägeln / Ruthen / Peitschen / Dornen-Kron / Schwamm / Spär [439] und Uberschrifft gemahlet geschrieben: Ichleb / und weiß nicht wie lang / Ich sterb / und weiß nicht wann / Ich fahr / und weiß nicht wohin / Mich wundert daß ich frölich bin / 2. Wir Lutheraner / die wir uns allein zu Christo halten / habens weit besser als die Papisten / denn wir können freudig und ohne eintzigen Zweiffel sagen: Ich leb / und weiß nicht wie lang / Ich sterb / und weiß nicht wann / Ich fahr / und weiß Gott Lod / wohin / Mich wundert / wenn ich traurig bin. 219. Von Astigii Tyranney gegen Artabanum. Als auff eine Zeit der Astigius auch eigendlich hatte erfahren wollen / was die rechte Liebe were / und wie weit sich die selbe erstreckte / fraget er deßwegen seinen getreuen Hoffrath / den Artabanum, weil er ihm nun lange Zeit mit treuen Diensten were behafft gewesen / ob er auch etwas auff der Welt so lieb habe / als ihn / den König? Dieser sagte / nechst seinem Ehegatten wis [440] se er nichts / daß ihn erfreuen könte / als des Königes Gnade und Gunst. Ob solcher Reden wird gedachter Astigius beweget / befiehlt mit Ernst diesen zu tödten. Als es dessen Gemahl mit Schmertzen erfähret / bittet sie mit Thränen vor ihren Ehmann / als sie aber durch ihr groß bitten nichts erlangen kan / erbeut sie sich willig vor ihren Mann zu sterben / der König nimbt solches an / damit er aber diese Liebe zutrennen möge / und auch gewieß erfahre / ob sie in solcher Liebe beständig bleiben wolte / läst er ihr etliche Gliedmassen abschneiden / dieselben kochen / und ihrem Mann zu essen fürsetzen / welcher solches auch gessen / doch unwissende; Er läst ihr anmelden / daß ihr Mann von ihrem Fleisch gessen habe / und solches begehrte / welches sie doch nicht abschrecket / sondern leidet den Tod willig und gedultig für ihren Ehemann. Nachmals hat dieser heidnische Tyrann de Frauen Ehemann so lange wollen gefangen halten / und Ihm nichts zu essen geben lassen / diß er sein Ehegenossen / welche sich so willig für ihn in den Todt gegeben / zuvor gekochet / gar auffessen solte / als ers aber innen worden / hat er [411] es gar nicht essen wollen / und ist vor grosem Kummer und Hertzleid gestorben. Daraus der König geschlossen / daß eheliche Liehe der andern weit vorzuziehen sey / dann er wol bedacht / daß für ihm nicht leicht jemand willig sterben möchte. 1. Es ist auch nicht anders / die eheliche Liebe ist die gröste Liebe / darumb sagt auch die Schrifft / es werde ein Mann Vater und Mutter verlassen / und an seinem Weibe hangen. 2. Dieser König Astigius muß ein schrecklicher Tyrann gewesen seyn. Was hat ihn bewogen / diese Eheleute / welche einander hertzlich geliebet / so zu quälen? Nicht anders / als daß Ihn der Mann / welcher doch sein treuer Diener gewesen / nicht mehr als sein Eheweib lieben wollen. O Tyranney! 220. Gemählde von der heiligen Dreyfaltigkeit / welches auff Lutheri Geburtszeit gedeutet. Im Pabsthumb hat man ein schönes Gemälde gehabt / der heiligen Dreyfaltigkeit / da denn über einer iedern Person besondere Wort gestanden: Als über der Person Gottes des Vaters sind diese Wort gestanden: Dile [442] xite, discas diligere me; über der Person des Sohnes GOttes hat man diese Wort gelesen: ex me dignitas tua: über der Person GOttes des heiligen Geistes / hat man gefunden die Wort: Mundata es caro, noli amplius peccare, Wenn man allhier die Wort so über der mittleren Person GOttes des heiligen Geistes / hat man gefunden die Wort: Mundata es caro, noli a???plius peccare, Wenn man allhier die Wort so über der mittleren Person / als nemblich dem Sohne GOttes / gefunden worden ansihe??? / und die Zahl-Buchstaben heraus nimbt / machets gleich 1517. in welchem Jahr Lutherus vor Christi Ehre zu streiten angefangen. 1. Ist ein schön Gemälde / und guten Andenckens wol würdig. Freylich hat uns GOTT zuvor geliebet / und sind wir Ihn wieder zu lieben verbunden. Freylich kömbt alle unsere Würdigkeit von Christo / dem Sohne Gottes her. Billig ist es freylich / daß / weil wir gereiniget sein von Sünden / durch das Blut Christi / wir uns der Sünden enthalten. 2. Ob wohl aus der Buchstaben Zahl nichts gewisses zu schliessen / so gibt doch dieses / was allhier gesagt worden / ein feines Nachdencken / denn Lutherus ist der Mann gewesen / welcher diese Lehre von der Liebe des Vaters / [443] des Verdiensts Christi und wie und warumb wir ein Gottsecliges Leben führen sollen / von denen Päbstischen Irrthumen wieder gereiniget hat.

221.
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Des Alt-Vaters Agathonis Gedult und Lanckmütigkeit. IN Beschreibung des Lebens der Alt-Väter / wird eines frommen alten Vaters / so Agatho genennet / gedacht / welcher so langmüthig und gedultig gewesen / daß er auch auff die allerschmählichste Schmach-Reden sich nicht bereden lassen. Drumb als einmal einer zu ihm kam / und sagte: Lieber Vater / man sagt von dir / daß du ein grosser Verläumb der seyest. Schwig er still: Ein anderer aber / so darbey stund / setzet hinzu / ja man sagt auch daß du ein Ehebrecher seyest. Da gab er zur Antwort: Dieses und dergleichen laß ich den Tag verantworten: Mein Gewissen gibt mir Zeugnüß / daß ich unschuldig bin: Euch sag ich Danck / daß ihr mir das angezeiget / dann eben darmit führet ihr mir zu Gemüth / daß ich eben so wohl / als ihr und andere / für Gott ein armer Sünder bin.
|| [444]
1. Dieser Alt-Vater hat uns allen lehren wollen / daß wir nicht Scheltwort mit Scheltworten sollen vergelten / sondern als Christen offt etwas vertragen und uns / wen̅ der Verleumbder die Zunge wieder uns brauchet / deß guten Gewissens und der Vnschuld trösten. 2. Ob solches zu thun nun gleich schwer ist / so stehet doch Christen besser an / daß sie schweigen / als wiederschelten / wenn sie gescholten werden / so hats der HERR JEsus auch gemachet. 222. Eine ehrliche Frau zu Meyland will in das böse Ansinnen eines Bürgers Sohns nicht willigen. Zv Meyland war eines vornehmen Bürgers Sohn / welcher eines stattlichen alten Kauffmans Haußfrauen / so wunder schöne / jung / seuberlich / züchtig und wohlgestalt formiret war / eine lange Zeit heimlich nach geschlichen / sie zu seinen Willen zu bringen / ihr auch bey Treu und Ehr verheissen 200. Ducaten zu geben / wo sie ihre Liebe zu ihn richten würde / mit anmeldung / daß er nichts liebers wünschen wolt / denn daß sie nur die grosse Liebe / welche Er zu ihr trüge / etlicher massen wissen solte. Diese erbare Frau sprach: Mein [445] Herr N. daß ihr mich recht lieb habt / das sehe ich von Hertzen gerne / darumb ich euch billich wiederumb lieb habe / aber in solchem unsern Liebhaben / wollen wir kein unzüchtig Werck / wellches wieder Ehre gehet / fürnehmen / und weil Ihr mich recht lieb habet / so werdet jhr mir ja nicht Schande oder Spott gönnen / viel weniget mich in solche Sünde führen / dadurch ich zum Teuffel in die Hölle kom̅en möchte / ja wo wolt ich wegen meines Gewissens bleiben / wann ich gegen meinem Manne / ob er schon alt ist / eine solche Schande üben solte? Ich wolte ehe zehenmahl sterben / denn solches thun / billich soltet ihr mich umb solcher Vnkeusch heit wegen hassen. Daß jhr mich aber wegen solcher greulichen Sünde wollet lieb haben / das ist gar erschrecklich. Da der unzüchtige Geselle jhre Meynung vernahm / sprach er: Euch muß weltliche Freude gar nicht lieb seyn: Es were nicht gut / wann ein jede Frau alles so weit bedencken wolte / ihr sollet glauben / daß es ja tapffere Frauen in unser Stadt hat / welche solches alles mit Lust annehmen und begehrten / wenn ich ihnen so viel / als euch / versprechen wolte. Da lieget nichts an / spricht diese Erbare Frau gegen jhm / ich darff vor niemand in die Hölle fahren / daß sie aber ein tapffer Gemüth haben sollen / die solches thun / das ist nicht / denn ein Mensch / das einen ehrlichen Blutstropffen im Leibe hat / meidet solche Sa [446] chen / und lässet ihm in der Welt nichts so lieb seyn / als Treu und Ehre / nicht allein wegen eines ehrlichen Nahmens / sondern auch wegen der Straffe Gottes. Vnd weiset ihn also mit Spott und Schanden von ihr abe. 1. Diese Frau hat ein rechtes ehrliches Gemüht gehabt / und ist grosses Lobes würdig / daß sie über Keuschheit gehalten / und ihrem Mann nicht treulos werden wollen. Wir möchten aber wol fragen: Novem hodie ubi? 2. Der Jüngling ist ein rechter Lock-Vogel gewesen / welchen der Teuffel auff den Vogelhert der Welt gesetzet / es ist aber sein unterfangen nicht rühmlich / sondern sehr schändlich. 223. Mania wil nach ihres Mannes Tode die Gütter nicht lassen andern verbachen. UNter den Persichen Satrapa Pharnabaze saß eine Heldin genant Mania des Xeni Gemahl / da ihr Herr mit Tode war abgangen / wolte Pharnabazus einem andern die Lehn einthun / da solches Mania ward angekündiget / machte Sie sich auff zum Pharnabazo und sprach ihn Männ [447] lich an / und sagte: Mein Mann hat dir allezeit Treu bewiesen / zu rechter Zeit seine gebührende Zinse erlegt / und ist dir in allen Dingen gehorsam gewest / weil ich denn nicht weniger gehorsam bin / und alles noch thue / was mein Mann zuvor gethan hat / wie ich mich auch dessen erbieten thue / warumb wiltu mich denn abtreiben / un̅ meinen Sitz einem andern einräumen? Thue ich aber nicht / was dir gefält / und mir wol stehet / so hastu Zeit genug mich abzusetzen / und einen andern mit zu belehnen. Aus solcher Rede ward Pharnabazus bewogen / da er ein solch Männlich Hertz an dem Weibe vermerckte / daß er sie in Ruhe sitzen ließ / und verhielt sich das Weib so tapffer in allen Dingen hernach / wie ihr Mann vor ihr hatte gethan / daß auch Pharnabarus Ihr unter ihren Besitz gab die Städe Carissam, Hanaxilium und Colonas. Sie zog mit Pharnabazo in dem Streit / und verhielt sich darinnen rühmlich und wol / aber sie ward vom Midia / ihrem Tochtermanne / mit ihrem Sohne von 17. Jahr alt / da er zu ihr auff guten Vertrauen und Glauben in ihre Bett-Kammer gieng / erschlagen / da sie 40. Jahr alt war / und nam er zu sich ihr Geld und Baarschafft / sambt etlichen Städten / welches ihm alles wieder abgetrieben ward / und ließ Maniae an baarem Gelde hinter sich so viel / daß mann damit 18000. Kriegs-Leute ein Jahr über konte besolden und bezahlen.
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1. Das ist nicht nur allein ein hertzhafftig / sondern auch verstäntig un̅ Hauß hältig Weib gewesen / die es vielen Männern zuvor gethan hat. 2. Wenn alle Weiber also genaturet weren / wie diese gewesen / dürffte man ihnen keine Curatores und Kriegische Vormünder setzen. 224. Ob die unvernünfftigen Thiere / oder die Menschen / klüger seyn? DA auff eine Zeit an des Alphonsi, Königs in Arragonien und Sicilien Hoffe / etliche über dieser Frag mit einander zu Rede kamen / ob die unvernünftigen Thiere oder Menschen klüger und gescheider weren? und allerley / das an den unvernünfftigen Thieren hoch zu loben / und damit es dieselben vielen Menschen weit zuvor theten / auff die Bahne gebracht wurde / sagte endlich der König darauff. Es sey solches den unvernünfftigen Thieren entweder von Natur eingepflantzet / oder von Gott sonderlich gegeben / so halte ichs gäntzlich dafür / es sey ihnen umb kei [449] ner andern Ursachen willen mitgetheilet worden / denn daß die Menschen / so ein schändliches und böses Leben führen / dafür schamroth werden sollen / wenn sie sehen / daß es ihnen die wilden und unvernünfftigen Thiere zuvor thun / und sie in vielen Stücken von ihnen überwunden worden. 1. Ist eine sehr vernünfftige und merckwürdige Rede von einem Könige gewesen. 2. Alle Menschen sollen billich also leben / daß niemand Vrsach habe zu sagen: Dieses Thier e. g. dieser Ochß / dieses Pferd / dieser Hund und dergleichen / ist klüger als dieser Mensch. 225. Ein Bauer hat zwölff Tonnen Geld und ist doch ein Geitzhalß. Zu Nielasw alde in Seewerder war zum Zeiten des Hochmeisters Conrads von Jüngingen ein reicher Bauer / der eilff Tonnen voll Geldes hatte / und die zwölffte war schon über die Helffte. Der Hochmeister verschuff / das man Ihm die aus seinen Schatz füllen muste / auff daß Er sagen könte / Er hette einen Bauren / der eine Last Geldes vermöchte. Die Tonnen waren alle neu / und in der Grösse / als jetzunder die feyn / da man das grobe Saltz einthut: Das Geld war Pfenning / Schilling / und Groschen / kein Gold [450] wolt er nicht nehmen: Wenn er einmal wolte zum Bier gehen / nahm er drey Keeß / wenn er die vertruncken / gieng er zu Hauß / sagte / er möchte das liebe Geld nicht anrühren / litt ehe Kummer; wie hiervon nicht allein D. Henneberger sol. 336. seqq / sondern auch Caspar Schütz / in der Preussischen Cronick lib. 3. fol. 107. b. seq. mit mehrern zu lesen. 1. Das heist ja recht: Je mehr der Geitzige hat / je mehr er haben will. 2. Aber wol hat man zu dem Bauer sagen mögen: Du Narr / wes wird das alles / deine 12. Tonnen Geldes / worden seyn? Gewieß wird man ihm davon nicht auch nur ein weniges haben mit ins Grab geben. Wer weiß / ob er nicht auch / wie es vielfältig pfle get her zugehen / hat lachende Erben gelassen? 226. GOTT kan man auch mit Gedancken nicht betriegen. VOn Thalete dem alten hochberühmten Philosopho schreibet Laertius; daß / als er einsmals gefragt worden / ob auch der Menschen Wercke die Götter bettregen könten??? hab er darauff gantz ver [451] nünffig und wol geantwortet: Imò ne cogitata quidem: Ja wol / es mögen auch der Menschen Gedancken die Götter nicht betriegen. Welches er dann zu dem Ende gesagt / damit wir nicht nur allein reine Hände / sondern auch reine Gemüther haben solten / weil wir glauben / daß auch unsern heimlichen verborgenen Gedancken ein Himmlisch Göttlich Wesen zugegen sey. 1. Haben die Heyden / welche doch den rechten GOTT nicht erkennet / von ihren Göttern also semiret, warumb sollen wir nicht vielmehr dergleichen thun / die wir aus der Schrifft versichert / daß GOTT auch siehet / was in dem Menschen ist? 2. Gut wehr es / daß wir dieses alle glaubten / so würden manche Sünden / die in heimlichen Winckeln geschehen / unterwegen bleiben. 227. Historia ovn einem verliebten Jungen Gesellen zu Breßlau. SIgismundus Suevus gedencket in seiner grosfen Chronica eines reichen jungen Gesellen zu Breßlau / eines fürnehmen alten Geschlechts / wie daß derselbe auff eine Zeit mit den Semigen nach dem Brieg auff eine Hochzeit gezogen / da ihm dann unfehr ein überaus schöne [452] Zungfrau aus dem Fürstl. Frauen-Zimmer / welche auch auff der Hochzeit gewesen / fürkommen sey / welche ihm so schnell sein Hertz eingenommen und überwunden / daß er fast nicht gewust / wie ers anstellen solt / damit er ihrer Liebe möge geniessen und theilhafftig werden / bringet es derwegen mit vernünfftigen und züchtigen Worten an die Jungfrau / welche fast auch an gleicher Kranckheit lag / und weils in Ehren geschah / ihr hertzlich wol gefiel / und bald auff den alten Hertzog solches schube / der Jüngling aber erklärete sich darneben / wofern es nicht gehen könte / daß er all sein Gut und Vermögen / auch seine 2. Dörffer umb ihren Leib geben wolte / welches bald für den löblichen Fürsten daselbst gebracht ward / der nahm solches vor bekant an / und wolte diesen probieren / ob er auch / wenns treffens gülte / würde beständig bleiben / und wand jhm ein / daß er solches nicht im Schertz annehme / sondern sol sich zuvor gar wol bedencken / ob es ihn denn auch nachmals reuen möchtes? Soll auch darneben in acht nehmen / wo mit er sich hinfort mit seiner Braut nehren wolte / wenn all das Seinige / was er von seinen Eltern ererbet / und zur Nahrung haben solte / weg were / seine verhoffte Braut könte ihm nichts erwerben / denn sie were allda in Fürstl. Frauen Zimmer grosse Arbeit ungewohnet / sie solten wohl zusehen / daß sie mit einander nicht an den Bet [453] telstab gedeyen möchten / dabey denn die Liebe nicht lange tauren würde / sondern bey grossem Armuth ein Ende nehmen. Sie wenden beede für / daß sie als dann / wo nicht Fürsten und Herrn / doch gemeinen Leuten dienen wolten / und bey schwerem und müheseligen Dienste ein ander doch hertzlich lieb haben / wie Jacob seine liebe Rahel auch bey schweren sauren Dienste bey den Schaff-Hütten auff dem Felde hette leib behalten. Auff solches läst ihm der Hertzog durch Siegel und Brieffe hoch bekräfftigen / daß Er weiter nichts haben und behalten solte / als gemelte Jungfrau / läst nachmals Hochzeit anstellen / und sie ehelich zusamman geben. Etliche Zeit nach der Hochzeit läst er sie wieder vor sich fordern / fraget sie beede in geheim / ob sie der Handel auch gereuet / oder ob ihm das jenige auch lieber wäre / als die erkauffte Braut / er saget nein / und wenn er noch einmahl so viel haben möchte / als zuvor / so wolte ers zweymahl willig für sie geben / ehe er sie lassen wolte. Als nun der löbliche Fürst solche Beständigkeit an diesen zweyen Personen vermercket / räumet er ihnen alßbald alle das jenige wieder ein / was er / der Jüngling / zuvor gehabet / und verehret sie darneben mit einem grossen Heyrath-Gute / weil die Jungfrau zuvorn arm gewesen / und in jhrer Jugend / als ein armes Waißlein / zu Hofe war auffgenommen worden. Solches ist geschehen im [454] Jahr 1332. bey Käyser Heinrichs Zeiten / wie diese Historiam der vortrefliche Herr Sigismundus Svevus in seiner grossen Welt-Chronica / die nun hinfort in öffentlichen Druck wird zu finden seyn / gar weitläufftig erzehlet / daraus sie kurtz gezogen. Ich muß diß auch dabey gedencken / sagt der jenige / aus welchem diese Geschicht genommen. Als nach langwieriger Zeit / der vorgedachte löbliche Fürst nach Breßlau kommen / schicket er in abwesung ihres Herren nach dieser Frauen / stelt sich gar wehemütig / zeiget ihr an / wie daß ihr Herr gar eine böse That mit einer andern in unehren habe fürgenommen / und were nach strengen Recht / was er verschuldet / schon lange mit ihm procediret worden / wenn man seiner (deß fürsten) nicht geschonet / und seiner Zukunfft erwarten wollen. Diese hoch betrübte Frau kan erstlich solches nicht gläuben / als sie aber deß Fursten Ernst und Beständigkeit vernimme??? / bitter sie mit nassen Augen und tieffen Seufftzen umb Gottes willen / er wolte es doch so weit helffen bringen / daß sie seinet wegen den Todt leyden möchte / der Fürst saget / sie sol das nicht thun / weil er ein solches verbrochen / und auch an jhr gesundiget hett. Ach / sagte sie / mit tieffen Seufftzen / hat ers ja gethan / so wil ich aus hertzlicher Liebe willig die Straffe für jhn leyden. Nach solchem sprach der offtgedachte Fürst / nun erfahr ich erst / was die Liehe [455] sey / und was sie kan / daß eins auch aus Liebe für das andere den Todt zu leyden willig ist. 1. Ist ein rares Exempel / und behaltens wolwürdig / auch nicht allein zum Nachsinnen / sondern auch zur Nachfolge auffgezeichnet. Aber wo sind heutiges Tages dergleichen Liebhaber? 2. Rechte Liebe soll beständig seyn / sonderlich unter Eheleuten / daß man sich nicht nur liebet / wenn man gesund / und noch jung und schön ist / sondern auch wenn man schwach und kranck / darzu alt und ungestalt wird.

228.
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Doctor Käyserbergers Rede von den Mönchen. DOctor Johannes Geiler / Käyserberger genant / Prediger zu Straßburg / der im 1510. Jahr / am zehenden Tage des Mertzmonats / gestorben hat nicht allein viel Mißbräuche im Pabsihumb gestraffet / sonder auch offtmals von der folgenden Reformation meldung gethan. Insonderheit hat er pflegen zu sagen / es würde einer kommen / den unser Herr Gott [456] sonderlich darzu würde erwecken / daß er die rechte wahre Religion wieder an den Tag brächte. Hat auch von Hertzen gewünschet / daß er nur den Tag möchte sehen / daran solche Reformation würde angehen. Sonst wird von diesem Käyserberger geschrieben / daß er von den Mönchen / wie in der 211. Historia auch gedacht worden / ein solch Sprichwort gebraucht haben soll: Die schwartzen Mönche sind Teuffel / die weissen deß Teuffels Mutter / die andern aus beyden vermischt. Von den Franciscanern hat er gefragt: Wer sind die / welche herein gehen / beschoren als die Narren / mit verdeckten Angesicht / als die sich vorschalckt haben / und mit Stricken gebunden / als die Diebe? ??? Es sind die Franciscaner oder Varfüsser. 1. Recket eure Ohren her / ihr Heiligen Brüder / und mercket auff / was vor Vrtheil von Euch gefället werden? 2. Es ist aber nichts erdichtet / sondern alles die Warheit und nur noch zu wenig geredet. 229. Von Käyser Sigmunds Gemahlin Geilheit.
|| [457]
VOn Barbara Käyser Sigismunds Gemahlin schreibet AEneas Sylvius, daß sie ein geil / unverschämbt und unzüchtiges Weib gewesen / drumb da jhr Herr / der Käyser / tods verfahren / und jhr einer das Leyd geklaget / darunter sie neben andern ermahnet / daß sie dem Turteltäublein nachfolgen / und eins einsambs eingezogenes Wesens seyn solle / habe sie gantz leichtfertig ihm zur Antwort geben. Si me ratione carentes volucres imitari jubes, cur non potius passeres proponis? Wann du wilt / daß ich den unvernünfftigen Thieren nachfolgen soll / warumb hältestu mir nicht viel mehr die Spatzen / als die Turteltäublein vor? 1. Was die Spatzen oder Sperlinge vor geile Vögel sind / ist bekannt. Weil nun diese Käyserin lieber denen geselligen Spatzen / als einsamen Turteltäublein nachfolgen wollen / hat sie damit Ihre Geilheit verrahten. 2. Es ist ein schändliches Ding umb die Geilheit / die endlich auch bösen Lohn gibt / ein jedweders hüte sich dafür. 230. Ein Vater gibt seinem Sohn der Mutter wegen eine Maulschellen.
|| [458]
ANdreas Presbyrer Ratisponensis berichtet in seiner Chronic von den Hertzogen in Beyern / zum Jahr 1435. Vnd am 133. Blat / daß dem Pfaltzgraff Ludwigen / deß Käysers Ruprechts Sohn / auff Einwilligung seiner Gemahlin / durch die Rähte die Verwaltung seiner Güter / wegen seiner allzu grossen Freygebigkeit / entzogen worden. Er seye zwar ein Mann Lobens werth gewesen / aber der bey Heiterem Gesicht wenig / oder gar nichts gesehen. Eines Tags / wie er Andreas von einem andern berichtet worden / habe gedachter Fürst Ludwig / als er in der Kirchen war / in beysein des Volcks / seinen Sohn / so noch ein Knab / zu sich ber???ffen / und demselben ein grosse Maultaschen geben. Der Sohn hab den Herrn Vater gefragt / was er ihme Leyds gethan / daß er ihn also schlage??? Darauff der Vater geantwortet / mein Sohn / ich will / daß du bey dieser Maulschellen ingedenck seyest der Schmach / so mir von deiner Mutter angethan wird. 1. Dieses ist nicht löblich gehandelt gewesen. Was hat der Sohn vor die Mutter gekont? Vnd so je der Vater den Sohn der Schmach / so er von seiner Mutter gehabt / hette wollen lehren eingedenck seyn / hette Er wol ein ander Denckmahl / als dieses / geben können. 2. Grosse Herren fehlen auch / denn sie sind auch Menschen.
|| [459]
231. Wie ein Prediger-Feind an seinem letzten Ende in Angst gerathen. DOctor Simon Pauli schreibt / daß ein vornehmer Mann zu Rostock gewesen / wo etliche Prediger unschuldiger weise vertreiben helssen. Als er nun auff seinem Sieg-Bette gelegen / dem Tod fast nahe / hab er schreckliche Angst und Schmertzen in seinem Hertzen / wegen Erkäntnüß seiner Sünden / gefühlet / welche er aber doch nicht bekennen wollen / darumb er einen Prediger zu ihm fordern lassen / welcher / weil er wol gewust / wie es umb ihn beschaffen / und wo ihn der Hertz-Schuh am meisten gedrucket / ihn zum fleißigsten nicht allein zur gemeinen Bekäntnüß aller Sünden sondern vornemblich auch deren Sünde in specie, die ihm auffm Hertzen gesessen und so herben Angst-Schweiß außgetrieben / vermahnet und darüber hart auff ihn gedrungen habe. Da er aber nicht mit heraus / sondern / bey der gemeinen Beicht verbleiben / darneben dem Prediger daß Psalter-Büchlein / fo er bey sich auff dem Bett liegen gehabt / geben und gebeten / daß er ihm daraus etwas vorlesen wolte / und er ihm den Psalter mit seiner Hand offen überreichet Sihe. da hat es sich begeben / daß er in dem darreichen eben den 32. Psalm unversehens auffgeblättert und dem Daumen auff die Wort gehalten.
|| [460]
Denn da ichs wolte verschweigen / verschmachteten meine Gebeine durch mein täglichs Heulen / etc. Als diß der Prediger gesehen / hat er sich darüber zum höchsten verwundert / ihm den Daumen ergriffen / denselbigen auffs Buch gedruckt / daß er ihn nicht weg thun können / und gesagt: Sehet ihr / Herr / was für Wort ihr mir zeiget / die ich euch lesen soll? Leset ihr sie selbst / da der Patient sie nun zu lesen angefangen hat / hat der Prediger zu Ihm gesagt / diß sey durch sonderliche schickung GOttes geschehen / daß er ihm eben solche Wort zeigen müssen / daß er sie ihm vorlesen solle / und dannenher Vrsach genommen mehr an ihn zu setzen / ihm daß Gewissen schärffer zu rühren / und desto eyveriger zur Vekäntnüß eben der Sünden / die Ihm auff dem Gewissen sasse und also ängstigte / anzumahnen / welches er auch mit mehren Vmbständen aus eben dieses Psalms-Worten müglichster Treu verrichtet. Was solt geschehen? Als ihm der Pfarrer dieses alles vorprediget / wird der Patient bitterlich weinend / daß ihm die Thränen die Backen häuffig herunter lauffen / und spricht: Ach ich fühl es / das meine Gebeine verschmachten und meine Krafft verdorret und verzehret wird / drumb daß ich meine Missethat gern verschwiegen und für den Leuten micht entschuldigen wolt: Es will nicht anders sein / ich muß bekennen / wo ich nicht gar verzehret sein will. Beken [461] ne derhalben für GOTT / für seinen Engeln im Himmel / und für euch seinem Diener / daß Ich daran gesündiget / daß die Prediger vertrieben sind. Kan auch leiden und bitten umb GOttes Willen / daß nicht allein Ihr / sondern alle andere Prediger / von allen Predig-Stülen / der Gemein anzeigen / daß ich meine Sünd auch bekand hab. Denn ich sehe / daß David / Paulus und andere ihre Sünde auch in öffentlichen Büchern bekand haben. Vnd setzt D. Pauli hinzu / da er diß Bekäntnuß also vollendet / habe Er gesagt: Sihe / wie ist mir nun so wol / vor dem / als mir zuvor war! Nun bin ich mit meinem Gewissen zu frieden / dancke GOTT / daß es so weit mit mir kommen ist. Sey darauff / als er das Nachtmal auff diß Bekäntnüß gebraucht / nach wenig Tagen ruhig im HErren seelig entschlassen. I. Siehe! so ists diesem Sünder gangen: Schlag das Evangelium am Mariae Magdalenae Tag in genanter Fest-Postill D. Simon Pauli auf / wirstu mehr Umbstände finden. So gehets auch noch andern Sündern / wann sie ihre Sünden verschweigen wollen. Drumb hastu gesündiget / bekenne dein Sünde / bereue deine Sünde / denck an deine Sünde / fliehe hinfüro die Sünde / so wirstu [462] gewiß darfür gesichert seyn. 2. Sonderlich aber hüte sich ein jedweder und reibe sich ja nicht an Prediger / denn die seufftzen wieder die / so sie beleidigen / und das ist niemands gut / wie der Apostel schreibet. 232. Ein Mann lässet vor sein Maulhängisches Weib in der Kirchen bitten. DAgister Heinrich Mollerus Lutherischer Predicant zu Edenburg in Oesterreich / gedencket in seinem Ehebüchlein einer wunderlichen bekehrten sauersehenden Frauen unter seinen Zuhörern. Es war allda zu Edenburg ein vornehmer tapfferer reicher Bürger gewesen / welcher eines stattlichen Kauffmans Tochter zu Lintz gehäyrathet / welche zwar schön und reich gewesen / aber doch gar einë störrischen / stöckischen Kopff gehabet / der gar leicht etwas gewesen / daß sie in 3. 4. oder 5. Tagen / auch wol länger kein Wort gerdet / Er habe gleich / als jmmer möglich gewesen / jhr freundlich zugesprochen / auch durch allerley Mittel / und die allerfreundlichsten Wort / sie wiederumb begütigen wollen / das aber alles nicht geholffen / welches diesen frommen Herren nicht wenig gekräncket hat. Was ge [463] schiehet? Als sie auff eine Zeit in 14. Tagen kein Wort weder gegen das Gesinde / noch den Herrn / geredet / da Er ihr doch die besten Wort gegeben / schicket er vor der Predigt zum obgedachten Pfarrern ein Briefflein / neben einem halben Thaler / mit freudlicher Bitte / vor seine Haußfrau eine Vorbitt zu thun / wegen der Sprachlosigkeit / denn sie allbereit über 14. Tage kein Wort reden können / weil er dann alle natürliche Mittel gebraucht / wisse er nun ferner nichts / denn das liebe Gebet. Der Pfarner verrichtet solches aus sonderlichem Mittleiden / und leget viel Wort darauff / daß niemand glauben könte / was vor eine Edle Gabe Gottes die Sprache were / ermahnet seine Zuhörer zum ernsten Gebet / und nennet die Frau öffentlich mit Nahmen / die sitzet in der Kirchen / hette vor Angst ihres Hertzens unter solchem langen Gebet und Reden zuspringen mögen / lauffet auch weinende aus der Kirchen / führet solche erbärmbliche elende Klage über jhrem Mann / daß er ihr einen solchen unableschlichen Spott bewiesen habe. Als er auch heim kömmet / und solche erbärmliche Wort von ihr hört / daß es ihr nicht so hefftig wehe gethan / wann er sie mit einem Messer erstochen hette / sprach er / mit gefaltenen Händen: Ach Gott sey Lob und Danck / daß ich deine Menschliche Stimme von dir höre / diß Geber ist ja kräfftig gewesen / etc. und setzet obgedachter Au [464] tor, daß es nachmahls unter diesen beyden Personen so eine gewüntschte / freundlich und friedliche Ehe worden / daß man auch ferner keinen Wiederwillen an ihr vermercket hat. 1. Wenn dieses Mittel allzeit helffen wolte / dürffte mancher nicht nur einen halben / sondern wol einen gantzen Reichs-Thaler / oder noch mehr zum Pfarrer schicken / nicht aber / daß seine Frau redend / sondern stumm möchte werden. 2. Denn ein käuffend und beissend Weib mag dem Mann wol ein nagender Wurm in Hertzen seyn. 233. Ein Bruder ersticht den andern / und meldet sich aus rührung des Gewissens bey der Obrigkeit selbsten zur Abstraffung an. IM Joachimsthal hat sichs bey Menschen Gedencken zugetragen / daß ein Vruder den andern / der Gelt bey sich getragen / in einem Walde erstochen. So offt aun der Thäter durch den Wald gangen / hat er allezeit eine Stimme gehört / die geschrien: Vruder-Mörder / Brudermörder. Dadurch ist er in solch schrecken sei [465] nes Gewissens gerathen / daß er nicht Ruhe haben können. Hat sich derowegen selbst bey der Obrigkeit angegeben / und gebeten / man wolt ihm doch sein Recht thun / damit er der Angst seines Gewissens loß werden möchte. 1. Ja wol ist kein beissiger Wurm / als der Gewissens wurm / er naget und plaget und läst nicht ab / biß er den Menschen gantz mirb machet und zur Verzweiflung bringet. 2. Ein jedweder hüte sich / daß er dergleichen Wurm in sein Gowissen nicht bekommen möge.

234.
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Von Schlangen / welche Den Kindern in den Mund kriechen / und von den Müttern wieder heraus gezogen werden. OLaus Magnus schreibet / wie man das Geträyde im Winter / da die Nacht lang ist / in Schweden und der Orten / beym Feuer ausdresche / und die Mütter / im Sommer / zur Heu- und Erndzeit / ihre Kinder mit sich nehmen / und in den Wiegen an die Bäume binden / damit sie vor den Schlangen und schädlichem Gewürm / so in solchen Landen in grosser Anzahl verhanden / sicher seyn mögen / weiln man noch in [466] Gedächtnüß habe / daß die Schlangen denen auff dem Boden schlaffenden Kindern in den Rachen geschloffen / daß man nur den Schwantz von ihnen / ausser deß Mundes / hat sehen / und sie bey solchem gar hart hat heraus ziehen können. Vnd wann solches geschiehet / sagt er / so reiben die Mütter der Schlangen Schweiff mit einem warmen und linden Tuch / so sie gemachsam darumb thun / biß sich die Schlang wieder von der Keelen deß schlaffenden Kinds herfür giebt / darauf sie denselben ein wenig Tiriacks (den sie von den frembden Kauff-Leuten erkauffen / und stätigs bey der Hand haben) in den Mund geben / damit das Gifft / so die Schlang möchte da gelassen haben / also balden von der Gurgel und Hertzgrüblein gebracht werde. 1. Gleich wie GOtt der HERR den Leuten pflegt Noht und Unglück zuzuschicken / also pflegt Er auch alsobalden wieder darbey Mittel zu weisen. Denn er ist ein GOtt der gerne hilfft. 2. Die Feindschafft / welche sich in Paradeiß zwischen den ersten Menschen und der Schlangen angesponnen / wehret noch auff dem heutigen Tag.
|| [467]
235. Hieronymi von Prag unerschrockener Todt. JOn Hieronymo von Prag schreibet Poggius Florentinus, Apostolischer Römischer Secretarius, daß / da Er sollen verbrennet werden / und et den Hencker das Feuer von hinden her anzünden sehen / er zu ihm gesprochen / hie gehe her und zünde das Feuer für meinen Augen an / denn wo ich das Feuer geförchtet / so wolte ich hieher nicht kommen seyn. Setzet hinzu / es habe Mutius nicht mit solcher Beständigkeit die Händ verbrennen lassen / noch Socrates mit solcher freudigkeit Gifft zu sich genommen / als dieser Hieronymus deß Feuers Flamm aus gestanden / hab den Todt nicht allein verachtet / sondern auch begehret / daß man ihn billig für dem andern Catonem halten solten. 1. Dergleichen freudiger Muht kömpt von GOtt her. Denn von Natur ist der Tod / und zwar ein solcher gewaltsamer Tod / wenn der Mensch noch gantz gesund und starck ist / allen Menschen erschrecklich. 2. Ob gleich viel Heyden sich im Tode auch [468] hertzhafft erzeiget / so hat doch ihre Hertzhafftigkeit keinen solchen grund / als der Christen. Denn nicht sie / sondern wir Christen können uns versichern / daß Christus dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Liecht bracht hat durch das Evangelium / wie Paulus schreibet II. Tim. I, v. 10. 236. Einer vornehmen Person gehet eine Heyraht zurück / bekömpt aber eine bessere. ABraham Hosemann schreibet: Es ist eine hohe vornehme Person noch am Leben / welchem sein vornehmen in der Heyrath zurück gangen / welcher mirs damahls noch in meiner Jugend mit weinenden Augen klagte / in dem er sich bedüncken ließ / daß jhn GOtt der HErr müste gantz und gar verlassen haben / dieweil ihm diese Jungfrau / auff welche er alle seinen Fleiß / alle seine Gedancken / und sein baar Geld gewendet hat / nun wer also abgeschlagen worden / welcher sich auch damahls so jämmerlich stalte / daß es einen Stein erbarmen mögen / weil er gäntzlich geschlossen / daß es nicht möglich seyn könte / das gedachte Jungfrau / welche er von Hertzen liebte / und die sich gegen ihm wiederumb verlauten lassen / das sie [469] in der Welt sonst keinen als ihn zu lieben vermochte / zurück gehen konte. Als nun / wie gedacht / der Vnmuht so groß bey ihm war / habe ich ihm die Meynung S. Augustini vorgehalten / daß er gäntzlich glauben solte / unser HErr GOtt habe nicht alleine eine schönere / sondern auch noch mit viel lieblichern Tugenden (weder diese) gezierete / vor ihm behalten / den̅ unser HErr Gott hat viel Töchter / und gibt nicht einer alles allein / sondern ihm sind die Naturen und Complexionen der Menschen besser bewust / als uns: Er alleine weiß / ob die empfangene / oder auffsteigende Liebe auch möchte beständig bleiben / denn bey manchem ist nur eine schnell hitzende leichtfertige Liebe / die sich bald endern kan / bey dem andern aber nicht also / sondern ist offt so beständig / daß es den Todt darüber liedte / soches weiß Gott am besten / wie es denn neben andern der vorgedachte Herr / welchem ich in meiner Jugend diesen Trost einbildete / in der That und in der Wahrheu befunden hat / dann Er kurtz darnach so eine wunderschöne / außbündige und anmutige Jungfrau bekam / die der vorigen weit vorzuziehen / welche nicht alleine ihn lieb / gewan / sondern auch stets lieb hielt / und lieb behalten hat / biß auff Dato. Solches ist geschehen zu der Zeit / da wir noch beyde junge Gesellen waren / und mit einander zu Jungfrauen giengen / wie offt hat unter des zu mir gesaget / [470] weiler gesehen / welche eine Jobs-Plägerin jene / welche vor die schönste und allerfrömste auff der Welt gehalten worden war: Wenn ich in der Welt HErr GOtt nichts zu dancken hett / welches ich doch fug und zu thun auch schuldig bin / so vermöchte ich ihm dennoch nicht gnugsam zu verdancken / daß er nur dieselbe Heyrath zu rück gehen ließ. Ach wie hett mir mit dem bösen untüglichen Menschen geschehen sollen??? 1. GOtt weiß besser / was uns gut ist / als wir selbsten / lasset uns auff jhn nur unser Vertrauen setzen. 2. In Heyrathen denckt mancher / er muß diese Person / welche er ihm eingebilder / haben / aber es ist und soll nicht seyn. Sind doch der Weibs-Personen nicht ein Hand / sondern ein gantzes Land / ja mehr als ein Land voll. Derowegen soll man GOtt zuförderst umb Rahfragen und nicht der blinden Liebe allzusehr nachhangen. 237. Weissagung von einem Eremiten / welcher des Pabstes dreyfache Crone antasten sollen.
|| [471]
IN Römischen Hoff hat man lange Zeit uvor diese Weissagung und diese gemeine Rede gehabt / daß ein Eremit oder Einfiedler kommen / und des Pabst dreyfache Krone antasten würde. Dieser Rede hat D. Johann Staupitz / Augustinianorum Provincialis, etliche mahl gedacht / und gegen Herrn Luthero gesagt: Ich meinete / es folte etwa ein Einsiedler seyn / der aus dem Walde oder Einöde zu uns käme: Aber nun sehe ich / daß ein Augustiner Mönch dadurch verstanden werde / weil des Augustini Orden Eremitarum (das ist / Einsiedler) Orden genennet wird. Vnd da dieser Staupitz dem Luthero angekündiget / daß er Doctor solte werden / Lutherus aber sich dessen verwegert / hat Staupitz mit Ihm geschertzet und gesaget: Es läst sich ansehen / unser HERREGOTT werde bald viel in Him̅el und Erden zu schaffen bekommen / darumb wird Er viel jünger un̅ arbeitsame Doctores habe müssen / durch die er seine Händel verrichte / ihr lebet nun oder sterbet / [472] so darff euch Gott in seinem Rathe 1. Gott hat von seinen Wercken manchmal und auf mancherley weise zuvor weissagen lassen. 2. Gelehrter und verständiger Leute Reden soll man nicht in Wind schlagen / sondern denselben fleißig nach sinnen. 238. Schmachreden lassen sich mit dem Meerrhier Muraenavergleichen. PLinius schreibt von dem Meerthier Muraena, daß wenn man es schon mit einem Knüttel schlägt / so kan mans nicht erschlagen / man schlag so starck und so lang auff es zu / als man jmmer wolle / aber so bald mans ein wenig mit einer ferula und schwancken Spießruthen trifft / so ists dahin. Also sind Ehrenrürige Schmachwort und bose Schandreden / so einem unschuldigen Ehrliebenden Hertzen angehängt werden / anders nichts / als eine Spißruthe / dardurch ihm das Hertz getroffen / und gleich das Leben benommen wird. Das kombt nun daher / weil / wie die Juristen recht disputiren, fama & vita, Gerücht un̅ Leben / ingleichem Paß mit und neben einander stehen. Wie nun / wenn man einem Menschen an das Hertz oder Leben greiffet / er [473] sich freylich dargegen krümmet: Also / wenn man einem sein Ehr und guten Namen nimbt / beschmitzet / verschmähet und verschändet / so muß freylich einem solches recht schmertzen / und er sich dagegen krümmen. Dessen haben wir ein denckwürdig Exempel / dessen Ferronus meldung thut / an einem Aquitano, welcher / da er von Carolo dem VIII. dieses Namens / König in Franckreich gefragt wordë / was man ihm verehren musie / wann er seine Treu und Glauben / so er ihm biß dahero in vielen grossen ihm anvertrauten Sachen bewehret / zu rück setzen solte? zur Antwort geben: Non tuo regno, non orbis imperio, adduci possim, non omnium thesauris; contumelia tamen & stomachosa injuria possim: Darzu köndt ich weder durch dein Reich / noch der gantzen Welt Reich / noch aller Schätze bracht werden: Aber durch Schmachwort und schandlose injurien wäre ich darzu leicht zu bringen. Ja es kombt offt / daß sich ihrer viel deßwegen zu todt grämen / wann sie geschmähet werden / oder wol gar umb das Leben bringen / wie dann Poliargus gethan / welcher / wie AElian, schreibet / deßwegen / daß er in einer [474] Comaedia ein wenig agirt worden / sich selbst stranguliret, und umbs Leben bracht. Dergleichen auch Lycambes Patrius gethan. Denn als Archilochus der Poet / umb deßwillen / daß er ihm seine Tochter nicht zur Ehe geben wollen / ihm mit gifftigen Versen schändtlich außgemacht / ihm solches so nahe zum Hertzen gangen / daß er sich mit seinen Töchtern selbst erhengt. So schreibt Plutarchus, daß eben solches einem jungen Gesellen den Pythagoras vor andern Leuten aus gemacht / begegnet. Nihil enim saevius, nihil violentius amaris, asperisque sermonibus, quorum vulnera tantò difficilius curantur, quantò faciliùs proferuntur, Valer. Episcop Den̅ es ist nichts grausamers / nichts gewaltigers / als bitter böse Stachel-Reden / deren Wunden / umb so viel desto schwerer geheilet werden / je leichter und geschwinder sie aus gossen werden. Nichts desto weniger aber so gehets ins gemein in dieser Welt also zu / daß man mit den Frommen und Gottseeligen die Paßion spielet. 1. Freylich sind Schmachreden die jenigen Pfeile / welche einem ehrlichen Gemuht das Hertz spalten.
|| [475]
2. Aber / lieber Mensch / befiel in dergleichen Fällen nur dem HERRN deine Wege / und hoffe auff jhn / Er wirds wohl machen.

239.
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Wie Antisthenes die Athenienser gelehrt verständige Leute in Raht zu nehmen. WIr lesen von dem Antisthene, daß er auf eine Zeit denen zu Athen den Rath gegeben habe / sie sollen die Esel so wol als die Pferde zum Acker oder Feld-Bau gebrauchen / da aber dieselben drauff sagten / der Esel töchte nicht darzu / daß man damit ackern solte / gab er ihnen zur Antwort: Was jrret das / weil ihr in euren Regiment solche Haupt-Leute und Rahtsherren habt / die noch nie gelernet haben / wie sie regieren sollen / sondern es ist gnug darzu / daß sie von euch erwehlet sind: Wolte damit zu verstehen geben / es were viel ungereimter Ding / dem das Regiment befehlen / der nicht wüste / wie er regieren solte / als wenn man einen Esel an stadt eines Pferds in Pflug spannen wolte. 1. O eine nützliche Rede! O ein guter Raht! Ins Regiment soll man geschickte und tichtige Personen nehmen / sonsten wird eben so wenig Nu [476] tzen geschaffet werden / als wenn man Esel wil neben die Pferde in Pflug spannen. 2. Regenten aber sollen auch zuschauen / daß sie nicht Esels-Natur mögen an sich haben / daß sie nicht mögen ungeschickt / daß sie nicht mögen faul und verdrossen seyn. 240. Ein ungelehrter Edelmann will von einem Epigramma essen. EIn Fürst hatte einen reichen / aber ungelehrten Edelman zur Malzeit / unter andern essen hatten sie ein Gehackels (da Leber und Lunge mit schöner Gewürtz unter einander bereitet war.) Nun trug sichs zu / daß ein frembder Studiosus ein Epigramma gemacht / und solches dem Fürsten hinein sandte / vermeinende dadurch ein Viaticum zu erwerben. In dem der Fürst daß Epigramma durchlaß / langte Er unterschiedliche mahl in die Schüssel / da das Gehäckels inne war / und sagte darbey: Das ist ein herrlich Epigramma. Der ungelahrte Edelmann sahe den Fürsten an / bildet ihm nicht anders ein / das Essen / das Gehackels / würde Epigramma genant. Wie dieser Edelman zu Hause kam / forderte er seinem Koch auff / sagte: Ich meinte du werest ein erfahrner Koch / wenn hastu [477] mir einsten ein Epigramma gemacht? Der Koch: Großgünstiger Herr Juncker / ich weiß nicht was Epigramma ist / habe auch mein Tag nicht davon gehöret / wie mans zurichtet. Der Juncker: Ey / so gehe zu des Fürsten Koch / der wird dir sagen / was er uns gestern gespeiset hat / denn der Fürst lobte es ja selber / und sagte / daß es ein herrlich Epigramma were. Der Koch machte sich hin / fragte des Fürsten Koch / was er doch gespeiset / da kein Herr Juncker mit zur Taffel gewesen were? der Koch sagte ihm alle Speisen / die er gehabt hätte / dieser sagte: Ey / ey / daß seind ja alle solche Speisen / die ich ehmals auch wol gespeiset / es muß gewiß noch ein anders gewesen sein / es solte ja / sagte mein Herr Juncker / Epigramma heissen. Bey diesem Gespräch befunden sich des Fürsten Pagen oder Edel-Knaben / umb daß Frühestück ein zunehmen / diese Pagen wurden zu Hoffe zugleich mit informiret, hatten auch dem Fürsten zu Tische gedienet / wie ihm das Epigramma zukommen war / verstunden den Handel bald / und fingen an laut zu lachen / sagtens ihren Hoffmeister / der Hoffmeister den Räthen / die Räthe dem Fürsten. Der Fürst befahl man solte den Herrn Junckern noch eins bitten / ein solch Gehackels wieder machen / und einen frembden Jungen ein Pappier üder die Mahlzeit also wieder praesentiren lassen / dieses alles geschahe. Wie der Fürst das Pappier empfieng / langete er abermals in das Gehackels / und sagte immer dazu / das ist ein [478] herrlich Epigramma, sahe immer starck auff das Pappier / wolte / und wolte auch nicht den Junckern ansehen / der Juncker aber sahe einen nach dem andern / und auch das Gericht an / war so böß / er hette bersten wögen. Endlich brach der Fürst loß / und sagte: Was meinest du sey das Epigramma, das Gericht oder dieses Pappier? Run siehest du / wie übel der daran ist / der nicht studieret hat / drumb laß deine Kinder / nicht wie du thust / so hin auffwachsen / daß sie hernach bey Gesellchafften nicht wissen / ob sie verkaufst oder verrathen / gleich wie jetzo du / da dir dein viel erspartes Geld gleichwol nicht aus dem Traum helffen kan. 1. Ist eine seine Lehr vor Edelleute / welche meinen / es sey schon gnug / wenn ihre Söhne nur die Füsse lerne über die Pferde hengen. Weit gefehlt. Wer ein rechter und dem Vaterland nützlicher Edelmann seyn will / der muß mehr lernen / nemblich / gute Künste und Sprachen muß er studiren / die weisen zur Tugend an / und geben dem Adelichen Stand direchte Zierath. 2. Das erweget / Ihr Jungen von Adel. Is verè nobilis est, quem nobilitat ipsa virtus. Reiten / spielen / stu [479] chen / allerley Uppigkeit treiben / kan auch einander / wenner gleich nicht geadelt ist. 241. Von eisern Magen Petri Corogii. PEtrus Corogius hat einen sehr wundersamen gantz eisern und alles verzehrenden denckwürdigen Magen gehabt / daß er / wenn es der König / als der noch jung gewesen / begehrt / lebendige Mäuse / der Katzen abgehauene Schwäntze / und auff der Gassen liegende / von Eyter / und Würmen abscheuliehe todte Hunde / ohne alles entsetzen / oder erbrechen zu essen / und zu verdauen pflegte. Mit ihme ist das alte Adeliche Geschlecht der Coroger abgestorben / welches vor Zeiten / bey regierung des Königs Andreas / deß ersten / als die Ungarn sich der Christlichen Religion nicht achteten / den heiligen Gerhard greulich umbgebracht haben solle; Dessen Warzeichen man dahero genommen / dieweil desselben Nachkommen / wann sie in dieses Heiligen Capell / so auff dem Hügel gegen der Stad Ofen gegen über gestanden / freywillich / oder sonsten / gegangen / sich nicht enthalten können / daß sie nicht gehling ein Leibwehr angekommen / und sich heßlich mit ihrem eignen Koth besudelt haben solten. Vnd hat besagter junge König Ludwig / offt die Prob / [480] an diesem seinem Peter / nicht ohne vieler Leute Gelächtet / und zugleich auch verwunderung gekommen. 1. Es steckt viel in der Natur / das wir nicht wissen / und ist immer eine stärcker / auch zu vielen Dingen geschickter / als die andere. 2. Wenn nun GOtt der HErr eine gute Natur gegeben hat / der soll sie nicht mißbrauchen / und zum Guten / nicht aber zum Bösen anwenden / wie denn dieser Corogius gar unrecht gethan / daß er sei ne gute Natur mit hineinschluckung dergleichen heßlichen und unverdaulichen Dingen so geschwächet. 242. Rudolphus Hertzog in Frießland will nach seinem Tode beym grossen Haffen seyn. RVdolphus Hertzog in Frießland war durch fleißiges Anhalten des Bischoffs Volfronii dahin beredet / daß er von seinem Heydnischen und gottlosen Leben abstehen / den Christlichen Glauben annehmen / und sich täuffen lassen solte. Da er nun schon einen Fuß in das Wasser gesatzt hatte / hielt er stille und fragte: Wo der gröste Hauffe seiner Vorfahren hinkom̅en weren: Ob sie in Him̅el oder in der Höllen müsten seyn: Darauff antwortet ihm der Bischoff / Er könne wol erachten / weil [481] sie ohne Erkäntnüß Christi gelebt / und in Vnglauben und gottlosen Wesen gestorben wären / daß sie in der Höllen seyn müsten. Als der Hertzog das hörete / trat er wieder zurück / und ließ die Tauffe anstehen und sprach: Wolan / wo der gröste Hauffe bleibet / da bleib ich auch / ich wil lieber vielen / denn wenigen nachfolgen. 1. Ist eine treffliche Gottlosigkeit / und wird dieser Hertzog gewiß in ein warmes Quartier gefahren seyn. 2. Richt wo der gröste / sondern wo der beste Hauffen bleibet / da wollen wir auch bleiben. Woferne wit aber dahin gelangen wollen / so müssen wirs nicht mit der Welt und dem grösten Hauffen halten / sonsten mit den gläubigen und besten Hauffen. Denn wer gläubt / verstehet recht / und beharrlich / biß ans Ende / der wird seelig / wer aber nicht gläubet / der wird verdampt / sind Worte deß HERRN JEsu / Marc. XVI. 243. Wie zu Rom disceptiret worden / wer unter den Göttern für dem besten au halten / und wie er zu nennen?
|| [482]
Dan lieset in den Historien / daß zu Zeiten deß Käysers Vespasiani zu Rom in vollem Rath disceptiret worden / wer unter de̅ Göttern für dem besten zu halten / und mit was für einem Nahmen er zu nennen seye? Da nun etzliche gestritten / man solte jhn nennen potentem, bellacem & Martem, ein allmachtigen / gewaltigen Kriegs-GOtt / darumb / weil seine Macht / Stärcke und Gewalt niemand umbkehren möchte: Etliche / man solle ihn Deum divitiarum, einen reichen GOtt nennen / weil alle Ding dem Geld und Reichthumb unterthan weren. Etliche / man soll ihn Deum scientiarum, ein weisen Gott nennen / weil er alles wüste und kennete / hab derselbigen Nahmen keiner ihne̅ gefalle̅ wollen. Als sie nun nicht gewust / was sie endlich hieraus schliessen solten / sihe / da sey bey ihnen gestanden ein Jüngling / welcher Gottes Bild abcontrafehet an seinem Hals hangen gehabt / welches er einem jeden so bald gezeiget. Es seye aber solches mit aus gebreiteten Armen abgebildet gewesen / auff dem rechten Arm habe gestanden PROMITTO, ich verheisse / oder sage zu / auff [483] dem lincken Arm EXPECTO, ich warte; Seine Seite sey ihm eröffnet gewesen / daß man ihm ins Hertz hinein sehen können / darin geschrieben gestanden / REMITTO, ich verzeihe und vergebe / umb das Gemähl aber herumb sey gleich als ein Epigraphe geschrieben gewesen; DEO CLEMENTIAE dem gnädigen GOtt / oder dem GOtt der Gnaden. So bald sie nun diß Bild haben gesehen / haben sie alle anfahen zu sagen: Das sey deß rechten / wahren / lebendigen GOttes Bild / den wolten sie allein erkennen und anbeten / ut qui probis felicitatem promitteret, improbos ad poenitentiam expectaret, injurias in se admissas libenter remitteret, cuique nomen DEO CLEMENTIAE foret, als welcher da den Frommen Glück und Segen verhiesse / der Gottlosen zur Vuß und Bekehrung erwartete / die Unbilligkeiten / so ihm begegneten / gern verzeihete / und dessen Nahm der GOtt der Gnaden were. Diß ist nun wohl etwas gewesen / aber es haben die blinden Heyde̅ nicht wissen kön nen / warumb GOtt der sündigen Menschen ihre Buß erwartete / alles verzeihe / [484] und Deus Clementiae, ein GOTT der Gnaden seyn wölle: Solches lehret uns allein das Evangelium / das mahlet uns unsern Gott ab mit aus gebreiten Armen / auff deren rechten stehet venite ad me omnes, kompt her zu mir alle / die ihr mühefelig und beladen seyd / etc. Matth. XI, 28. Auff dem lincken: totâ die expando manum: Ich recke meine Hände aus den gantzen Tag / etc. Esa. LXV, 2. In seinem eröffneten Hertzen aber: Sic Deus dilexit mundum &c. Also hat GOTT die Welt geliebet / etc. Joh. III, 16. Umb desselbigen Rand herumb / diß Gnaden Symbolum: Vivo ego, nolo mortem peccatoris, so wahr als ich lebe / will ich nicht den Todt des Sünders / etc. Ezech. XVIII, 32. und XXXIII, 11. Das ist allein der rechte Deus clementiae, der Gott der Gnaden / der uns liebe in seinem Geliebten / umb desselbigen Willen alles gutes thut / und sonderlich all unser Sünd und Missethat / aus pur lauter Gnaden verzeihet und vergiebet. 1. Nicht besser könte Gott uns zu Nutz abgebildet werden. Denn wenn Er han [485] deln wolte mir uns nach unsern Sünden / und uns vergelten nach unsern Missethaten. So müst die gantze Welt vergehn / Vnd könnt kein Mensch für jhm bestehn. 2. Lasset uns aber zu diesen gnädigen und barmhertzigen GOtt nur allezeit / wenn wir in Noht gerabten / unsere Zuflucht nehmen / so werden wir Barmhertzigkeit und Gnade erlangen.

244.
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Ein Schuster stöst seine Frau in den Brunnen / weil Er das Geld nicht mit jhr bekommen / so er gehoffet. IN der Mährischen Chronica wird eines Schusters gedacht / der eine schöne Jungfrau geheyrathet / mit der er gehoffet hatte groß Geld zu bekommen / und da es fehl geschlagen / hat er sie in einen Brunnen geworffen / und ein Geschrey gemacht / als ob sie ins Wasser hinein gefallen were / und hat darnach eine heßliche geehlichet / die groß Gut vermocht / der er aus Liebe offenbahret / was er jhrentwegen gethan / und daß sie jhm zehenmahl lieber / als zuvor die schöne gewesen / welche aber [486] nachmals im Zorn diese That hat offenbahret / als er sie die Stiegen hinabgeworffen / und ist jhr Mann derentwegen gerichtet worden. 1. Niemand / wenn er heyrathen wil / freyhe nach Geld und Gut / denn es ist darumb gar ein verführisch Ding. 2. Niemand offenbahre auch Heimligkeit seinem eigenem Weibe. Denn Weiber schweigen nicht allezet / zumahl wenn sie zornig werden. 245. Von der Esels Verwandelung. DAn sagt viel von der Esels Verwandelung / und der alte Lehrer Augustinus schreibet / es sey bey seiner Zeit / in den Alpen / oder Weltschen Schnegebürgen / sehr gemein gewesen / daß sich Zäuberin gefunden / welche die Wanders-Leute / so fürüber gereiset / in Lastbahre Thiere verwandelt / und wenn sie derselben eine Zeitlang gebraucht / darnach wiederumb zu Menschlicher Gestalt sollen gebracht haben. 1. Das ist die allergrenlichste und schrecklich sie Verwandlung / da wir armen Menschen / durch den Fall / das Bild Gottes verlohren / und den unvernünftigen Thieren gleich worden sind / daß [487] wir nun in Gottes Sachen grobe Esel / lastbahre Thiere / und noch darzu gebunden und gefangen find. Das sollen wir erkennen und bereuen / und uns desto mehr nach dem HErr Christo söhnen und umbsehen. 2. Ob sonsten der Teuffel und dessen Werckzeug vernünfftige Menschen in unvernüfftige Thier / als Wölffe / Schweine / Esel und dergleichen / natürlich / leiblich / und warhafftig verwandeln können / daran ist noch sehr zu zweiffeln. Viel halten diese Sache nur vor ein blosses Blendwerck und Gauckeley. 246. Der Teuffel mutzet einem Bauren hoch auff / daß er einen Topf mit Milch verschüttet. IM Dorff Jorgenan in Preussen / wie Caspar Henneberger bereichtet / ist vor Zeiten ein frommer Bauer / Merten Lencke genant / so auch ein Kirch-Vater mit / und gutes Vermögens gewesen / der hats einmahl versehen / und sich voll getruncken / und in trunckener weise einen Topff oder Hafen voll Milch / doch nicht mit Willen / verschüttet / das hat ihm der Teuffel so hoch aufgemutzet / und so eine grausame Sünde daraus gemacht / weil Er Gottes theure Gaben / derer er nicht wür [488] dig gewesen / schändlich umbgebracht / und zu nichte gemacht / darumb Er verlohren seyn muste / daß man auch gnugsam an ihm zu trösten gehabt. 1. Das ist deß Teuffels Art / daß er aus einer Mucken einen Elephanten machet / und / wenn wir auch nur geringe Sünden begehen / uns solche Brillen vorhelt / daß sie uns dardurch recht groß vorgestellet werden. 2. Aber nur zu Christo Zuflucht genommen / der hat vor alle / vor kleine / mittelmäßige und grosse Sünden genug gethan. Wenn wir dahin Zuflucht nehmen / so kehren wir des Teuffels Perspectiv umb / und sind die Sünden klein und ferne von uns / die uns der Teuffel groß und nahe fürstellet. 247. Von bösen Gewissen. ALs Nero der Tyrann seine Mutter die Agrippinam umbs Leben bringen lassen / hat er ob dieser Mordthat / wie Svetonius von jhm schreibet / nimmer ein ruhig Gewissen haben können / unangesehen der Rath und die Bürger zu Rom / deßgleichen die Römischen Soldaten und Kriegsknechte ihm deßwegen / [489] hierdurch seine Traurigkeit zubenehmen / glück wünscheten / und solche seine That billigten und rühmeten; sondern er hat offt selbst bekennet / daß seiner Mutter Gespenst ihn ängstige und plage / und in deren Gestalt die Höllischen Geister mit Schlangen und feurigen fackeln schrecklich abblaueten. Hat sich auch durch Zauberey-Werck solche Geister zu versühnen unterstanden / aber nichts ausrichten können / biß er endlich aus Verzweiffelung selbst Hand an sich gelegt / und ihm mit einem kalten Eysetz zum Hertzen zu geräumet hat. 1. So weit bringet endlich ein böses Gewissen / ein jedweder hüte sich / daß er dergleichen nicht bekommen möge. 2. Sonderlich vergreiffe sich ja niemand an Eltern / denn solche Sünden beissen in Gewissen viel hefftiger / als andere. 248. Ein ander Exempel von bösen Gewissen. DA Theodoricus der Gothen König zween fromme redliche Männer den Symmachum und Boëtium seine vornehme treue Räthe / Tyrannischer weise erwürgen lassen / da deucht ihm einsmals / als ihm ein grosser Hecht-Kopff wurde über dem Essen vorgesetzt / er sehe da [490] vor ihm das Haupt Symmachi / welches Ihm grimmig ansehe / und ihm GOttes Rach dräue / darüber fiel er in so grossen Schrecken / daß er sich zu Bettleget / und nach wenig Tagen dahin starb. 1. Ist abermals eine Warnung vor einem bösen Gewissen / gewiß / gewiß / er ist gar ein unsanfftes Haupt-Küssen. 2. Tyrannen haben sich hier auch zu bespiegeln / bey welchen sich mehrentheils verletzte Gewissen finden. O daß wir alle möchten klug werden / und sich ein jedweder vor bösen Dücken und Stücken hütten. Vorwar: Omnia DEus cernit vindex, conscientia verò, quando peccatum comissum, semper adest index. 249. Ruderich ein König in Spanien beraubet einer Jungfrau ihre Ehre / und kömbt darüber umb sein Königreich. RUderich der Göttische deutsche König in Hispanien / hatte einen Landvoigt / den Er des Reichs Geschäffte halben verschickte / und offt gebrauchte. In seinem abwesen aber hatte er seine Tochter / welche er hertzlich lieb gehabt / wieder ihren Willen und groß Bitten bezwungen / denn sie eine wunderschöne Jungfrau und auch schon einem andern in der Liebe zum Ehestande angeknüpffet gewesen / damit er aber [491] diese gewesene Jungfrau bey Muth und Willen / oder desto öffter wider zukommen / bewegen möchte / hat er ihr aus seinem Königlichen Schatz erlaubet Gold mit zunehmen / so viel sie tragen möchte / welches sie aber abgeschlagen / und gesagt: Sie habe ihre Ehre und Jungfrauschafft höher gehalten / als seinen gantzen Königlichen Schatz / die habe er ihr wieder alle Billigkeit geraubet. Als aber ihr Vater zu Hause kommen / thät ihm seine Tochter die Schande offenbahren / die der König in seinem Abwesen mit ihr getrieben / das hat dem Vater so bekümmert und betrübet / daß er auch allerlen wege / solches zu rechnen / für die Hand genommen / und als er mit Fug seinen billigen Zorn am Könige nicht außlassen konde / brachte er bey den Saracenern einen grosen Zug der ungläubigen Völckern zu wegen / die führet er in Hispannien / erschlug den unzüchtigen König Ruderich / welcher seine Tochter geunehret hatte / sambt seinem Sohn dem jungen König / und kam also daß gantze Hispanische Königreich in der Saracener Hand / Macht und Gewalt / und waren zu beyden Seiten erschlagen / über die sieben mahl hundert tausend Mann / umb der einigen salschen Liebe willen / solches ist geschehen / Anno 714. und haben die Saracenen, Hispanien / über die sieben hundert Jahr innen gehabet / biß Ferdinandus / welchen man den Catholischen König genennet hat / deß hochlöblichen Käysers [492] Caroli V. Groß-Vater von der Mutter her / dieselbigen wieder außgetrieben / bezwungen und überwunden hat / wie solches weitläufftig beschreibet Johannes Magnus / Item Sebastian Münster in der Welt-Beschreibung. 1. Was thut die Vater-Liebe gegen die Kinder nicht? Und was verhenget GOTT nicht wieder Ehren-Räuber und Jungfrau-Schänder? Hette dieser Spanische König dem Mägdlein ihre Ehre gelassen / so wehr Ihm auch sein Königreich blieben. 2. Es gedencke ja keiner / daß es ihm vorgenossen werde hinaus gehen / wenn er ehrlicher Leute Kinder schimpffieret. Jungfrau Schänder / Kirchen Räuber und Prediger Verächter / die hat GOTT allezeit zur Straffe gezogen / wie viel Exempla könten angeführet werden. 250. Was sich vor der reformation in der Thum-Kirchen zu Meissen zugetragen. ALs man zahlte nach Christi unsers lieben Herrn / Erlösers und Seligmachers Geburt 1537. Sonnabend nach inventionis [493] Sanct Stephani / den 4. des Monats Augusti / hat er Stephanus Hofmann der Fürstl. Capellmeister und Glöckener / an statt des einen Caplans von der Grabatria mit der einem part der Chor-Schüler / die man Grabbaten nennet / umb Seigers zwölffe zu Mitternacht die Station angefangen / und erstlich Metten mit ihnen gesungen / und wie sie denn auff dieser Station mit dem Gesange / die weil sie Zeit gnug haben / nicht eylen dürffen / ist er Stephan unter den laudibus, welche sie zwischen zweyen und dreyen gehalten / aus der Capell in die Thumb-Kirchen vor das Crucifix neben dem Chore gegangen / un̅ sein Gebet thun wollen / als er dahin kommen / hat sich umbs Chor ein rauschen und knistern erhoben. Da ist er alsbald vor dem Crurifiix aufgestanden / und umbhergegangen / und gesehen / was da vorhanden sey / hat aber nichts gesehen noch gefunden / und bald auff das ist ein grosser Schlag geschehen / daß er hart erschrocken und wiederumb in die Capell zum Grabbaten geeilet und sie gefraget / ob sie etwas gehört hätten? Da haben sie ihm zur Antwort geben / daß es eine̅ grossen Schlag im Chor gethan habe. Also und darauff haben sie die laudes complirt, und ein wenig pausirt, in dem hat es wiederumb auff der Borkirchen angehoben zubrechen / nicht anders / als wolte es alle Schloß und eiserne Thüre vor dem Heiligthumb zuschlagen und erbrechen / darvon sie [494] alle erschrocken / und mit Laternen und Stillmeß-Stangen / dieweil sie nicht anders gemeynet es seyn Diebe vorhanden / auffgewesen / haben den Chor auffgeschlossen / und seynd hinauff zum Heiligthumb gestiegen. Als sie dahin kommen / haben sie niemand gesehen noch gehöret / seynd nach dem wiedrumb in die Capell gegangen / und haben allda Prin und Tertz gesungen. Nach der Tertz hat es noch sehrer denn zuvor angehoben zubrechen / also und dergestalt / als wolt man eine grossen gewalrige eysern Thür auffbrechen / von diesem brechen seynd sie abermals erschrocken / und gäntzlich dafür gehalten / es müsten Diebe vorhanden seyn / derhalben haben sie auch die beyde Knechte auff dem Thürmen geruffen und auffgeweckt. Nach dem die Knechte zu ihnen kommen seyn / hat man einen Grabbaten forne in der Kirchen zu einem Hüter / unter die grosse Orgel gestalt / ob sich jemand in der Kirchen verborgen hette / und hinaus lauffen würde / daß er darauff achtung geben solte / die andern seyn alle sämbtlich in der Kirchen im Chor und Sacristia umbher gegangen / und in allen winckeln gesucht / ob jemands verhanden were / sie haben aber niemand gesehen noch gehört. Dieweil sie aber in der Sacristi gesucht / ist ein grosser rauschender Sturmwind über Bischoff Bennen Grab herkom̅en / durch die Kirche zur Fursten Capelle̅ hinaus / mit einem gros [495] sen Schall / als fiel ein grosser Stein aus dem Gewölbe / auff einem eysernen oder kupffernen Leichstein / daß auch der / so auff der Hut gestanden / erschrocken und darvon entlauffen ist. Darnach am Tage Sanct Laurentii den 10. Augusti / ein Quartal vor Zwölffen zu Mitternacht / hat es abermal sechs gewaltige schläge / wie mit einem grossen Steine / und langsam / immassen der Seiger schlägt / an die Thür / welche aus dem Schloß in die Kirche gehet / geschlagen / nach diesem ist es kommen / als gienge einer mit einem grossen gebund Schlüsseln / und wolte etwas auffschliessen / und haben die jenigen / welche es gehört / nicht anders vermeinet / es sey der Schlösser / ist aber nichts gewesen. Item in diesem Jahre ist in der Fürsten Capelle bey Nacht etwas vor den Grabbaten gleich wie ein großer Klotz nieder gefallen / darauff in der Kirchen alsbald ein grosser Büchsenschoß gefolget / welchen ihr auch viel ausserhalb???er Kirchen gehört haben. Vnd auff diese und andere Prognostica ist endlich diereformation deß Stiffts Meissen gefolget: Wie derselbe Catholicus in gedachtem Scripto solches weitleufftig beschreibet / und da ist erfüllet worden / was Hertzog Georg zum öfftern gegen seine Geistlichen sich verlauten lassen / in dem er gesagt: Reformamini, Reformamini, werdet ihrs nicht thun / so werden wir??? Fürsten thun.
|| [496]
1. GOTT pflegt offtmals solche und dergleichen Vorboten voran zuschicken / sonderlich wenn Er etwas wichtiges vor hat. 2. Soll man derowegen nicht alle Anzeigen in Wind schlagen / wie die sichern ruchlosen Welt-Kinder thun / die immer sagen: Es hat noch lange keine Noth / sondern wenn sich dergleichen ereignen / soll man fleisig beten und ein bußfertiges Leben führen.

251.
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Wie Themistocles bey dem König Admeta zu Gnaden kommen. DA Themistocles von den Lacedemoniern vertrieben / fuhr er in die Insul Epirum zu der Molosser König dem Admeta, der sein heff???ger Feind gewesen. Als er aber nicht einheimisch / hat ihn die Königin unterricht / wie er sich in deß Admetae Weise schicken / und bey Ihm zu Gnaden kommen möchte. Sie lehret ihn / er soll bey einem Altar im Vorhoff des Schloß stehen / des Königs jüngsten Sohn in seine Arme nehmen / denselbigen / wann der Vater aus der Kirchen komme / zeigen / und bittey / daß er ihm umb dieses seines Sohns willen wolle gnädig seyn. Weil dann nun diese weise durch des Sohns willen die allerheiligste Weise / wie Thucidydes, der diese Historien beschrieben / redet / damals gewest / sihe / so hat den Themistoclem umb deß willen Admetas zu Gnaden angenommen / und geschützet.
|| [497]
1. Wollen wir bey GOTT / welchen wir wegen unser Sünden feindlich beleidiget und erzürnet / unsern einigen ewigen König versöhnet werden / siehe / so müssen wir seinen einigen ewigen Sohn in den Schoß unsers Hertzens nehmen / Ihm demselbigen mit den Armen des Glaubens vorhalten / und bitten / daß Er umb deß willen gnädig seyn / unser Gebet erhören / und unser Schreyen zu ihm kommen lässen wolle. Wann wir das thun / so bricht Ihm / eben wie König Admetae, das Hertz / kan nicht vorüber / muß sich unser erbarmen / und uns Gnad beweisen. 2. Gleich wie aber der Gnade bey GOtt überkömbt / welcher Ihm seinen eingebornen Sohn auff des Glaubens Armen fürträgt / und nicht soll verlohren werden / Joh. 3. Also ist der / so an diesen Sohn nicht gläubet / schon gerichtet und ewig verdampt. 252. Das Buch Interim hat den Schalck hinter Ihm.
|| [498]
IN Sachsen und Seestädten ist das Buch Interim genant übel ankommen und weidlich außgemustert worden. Denn nicht allein etliche Theologi zu Magdeburg hefftig mit Schreiben sich darwieder gelegt / sondern die Erbare Städte / Lübeck / Hamburg / Lüneburg / haben stracks im selbigen Jahr / durch die Superintendenten und Pfarrern / ihr Bekäntnüß und Erklärung auffs Interim stellen / und zu Magdeburg öffentlich drucken lassen. In welches Buchs Vorrede / diese Wort zu finden: Das Interim ist ein Eingang zu allem Verderben an Leib und Seel / der greulicher darauff erfolgen wird / als man noch zur Zeit nicht sehen / oder bedencken kan / der Nachdruck wird der gestalt seyn / daß es Christen viel besser were / jetzund in rechter Bekäntnüß der Warheit Christi zu sterben / als mit behaltung unsers Leibs und Guts / den zukünfftigen Verderb und Greuel anzusehen / etc. Es ist auch so weit dieser Oerter mit dem verfluchten Interim kommen / daß man Hund und Katzen darnach genant / und auff Bretspielen gespielet / geflucht und gesungen: Seelig ist der Mann / der GOTT vertrauen kan / der willigt nicht ins Interim, denn es hat den Schalck hinter ihm. Dessen ungeacht / hat ein unverschambter Lügenschmied etc Florimundus Remundus genant / [499] ohne Grund / und wieder die Warheit schreiben dürffen / das Interim sey fast in gantz Sachsen / und vielen Reichs Städten / gegen Norden gelegen / als zu Hamburg / Lübeck / Lüneburg / Magdeburg / Hall / etc. angenommen / welches eine feiste dicke Lügen ist. 1. Freylich ist es nicht anders: Das Interim hat den Päbstischen Schalck und Gifft hinter ihm / darumb hüte sich ein jeder vor diesem verführischen Buch. 2. Wie kan es auch anders seyn? Qualis causa, tatis est effectus. Nun ist der Papisten Natur mehr als zu bekant / darumb können sie / als arge Bäume / nicht andere / als arge Früchte bringen. 253. Von einem Priester zu Kühne Walde. ZV Kühne Walde ist ein Priester gewesen / welcher deß Evangelii überdrüßig und sat worden / und sich zu den Papisten begeben. Wie er nun auff einem Sontage vor den einfältigen Bauers Leuten wieder GOtt und seinen Nahmen greuliche Lästerung ausschüttete / hat er unter andern auff solche Maß und Weise sich bedinget: Wenn deß Luthers Lehre recht were / so wündse und wolle er / daß ihn der Donnet von Himmel herab in die Erde schlüge und zerschmetterte.
|| [500]
Darauff hat sich nach etlichen Stunden ein überaus schwartz und gefährlich Gewitter angelassen / und wie es mit Krachen und leuchten angegangen / ist das Herrlein in die Kirche / das Gewitter mit der Glocken Geleute / oben hin und fürüber zu scheuhen / gelauffen / und wie er vorm Altar seine Priesterliche preculas mimmert / und pater nosterlein simmert / hat ihm das leuchten zu den Fenstern hinein also erschrecket / und dermassen getroffen / daß er davon von seinen Kräfften kommen / und in Ohnmacht gesuncken / wie man ihn aber gerieben / gerüttelt und erquickt hat / und in die Pfarr bringen wollen / siehe / da kömpt der Donner vom Himmel schmeisset zwischen den Trägern auff den Baals Pfaffen oben durch den Schedel hinein / und reisset durch seinen Leib unten am heimlichen Ende wieder heraus mit aller Menschen Verwunderung. 1. Das ist ein denckwürdiges Exempel / woraus klar erhellet / daß Gott nicht will verspottet seyn / und sein Evangelium verachten lässen. 2. Ach! daß alle Papisten dieses bedächten / sie würden ehrerbietiger von D. Luthers Lehre reden / und säuberlicher mit den Lutheranern umbgehen. Aber sie sind und bleiben verstockt und mögen sich Gottes Langmuht nicht lassen / zur Busse leiten.
|| [501]
254. Herrn Johann Löwenklauens Historia von 2. liebhabenden Personen. HErr Johann Löwenklau gedencket zweyer liebhabenden Personen / zu Constantinopel / welche ans Türckischen Käysers Hofe gewesen / und ihre Verbündnüß vom Käyser haben erlangen sollen / der fragte beyde Personen / ob sie dann auch ein ander beständig und hertzlich liebhaben? Sie sagen beyde ja / da saget er ihnen zu / daß er sie wolle zusammen lassen / wofern ein jedes ihm wolle fünff Finger und fünff Zehen lassen ablösen / damit er sehe / ob die Liebe auch von Hertzen gehe / da erbeut sich als bald der Jüngling Er wolte ihm sieben Finger und alle zehen Zehen ablösen lassen / damit seine Jungfrau mit desto gnädiger Straffe hindurch käme / und nur drey Finger verlieren dürffe / die Türckische Jungfrau erbeut sich in gleichen für jhrem Liebhaber alle Glieder zu lassen / damit die Verliehrung seiner Gliedmaß ihm nicht an seinem Dienst möchte verhinderlich seyn. Der Türckische / Käyser Solyman nimbt solches an / läst sie zusammen / und frölich Beylager halten / und die Liebe einander erzeigen gantzer drey Wochen / nachmale aber sie beyde wieder vor sich fordern / und fraget / ob sie einander auch noch so lieb haben / als [502] zuvor: Sie sagen beyde ja / und sie hetten auch nun / als sie einander erkennet / lieber denn zuvor / auch so lieb / daß nun ein jedes für das andere willig stürbe. Da hat / der Türcke erstlichen lassen der Ifr. alle Finger un̅ Zeenen ablösen / und sie gefraget / ob sie noch beständig sey / da hat sie in grossen Schmertzen und Weheklagen geschrien / Ach / ja / ja. Nachmals hat er in gleichen ihrem Bräutegam alle Gliedmassen lassen ablösen / und sie beyde so verstümmelt mit grossem Weheklagen lassen vom Schloß wegführen. Damit hat ihm der greuliche Tyran wenig schaffen können / jedoch dabey erfahren / was die Liebe sey / was sie für Art und Eigen, schafft an ihr habe / ja das kein näher und stärcker Verbündniß sey / als unter zwey rechtliebhabenden Personen. 1. Ist abermals ein Exempel einer grossen Liebe / und kan damit erwiesen werden / was rechte eheliche Liebe vermag. 2. Ist aber auch ein Exempel eines rechten greulichen Tyrannen. Was hats diesen Käyser geholffen / daß er beyde Personen so zerstümmeln lassen? 255. Wie ein Prior zu Reinhartsborn seelig gestorben.
|| [503]
HErr Doctor Menius schreibt auff eine Zeit an Herrn Doctor Luthern / wie ein Prior zu Reinhardtsborn so sein sanfft eingeschlaffen were / denn als er kranck gelegen / und etliche juntze Brüder bey ihm wacheten / sprich der Prior, ach wie druckt mich die gantze Welt und alle Creaturen sind wieder mich. Ach Vater / spricht der Münch / seyd ihr doch viel frömmer gewesen / als unser keiner. Ja / sagt der Prior, diß bestehet alles nicht vor GOttes Angesicht / etiam perditè vixi, aber Christus der gecreutzigte / der ist mein Testament und Gerechtigkeit / darauff lischet der gute Prior aus wie ein Liecht / da saget D. Luther / das ist auch einer so im Bapstumb seeliger gestorben ist. Mathesius in vita Lutheri. 1. Es ist zwar nicht zu läugnen / daß unter einfältigen Leuten in Pabstumb und bey den Cakvinisten auch seelig sterben. Allein es ist gar eine gefährliche Sache darum. Gott ist gnädig / aber der Teuffel läst nicht allezeit zu / daß man sich der Gnade Gottes / die mancher offt verschmähet hat / versichern kan / darumb ein jedweder seiner beyzeiten wahr zu nehman. 2. Kein besser sterben vorwahr ist / als auf den gecreutzigten JEsum sterben. Wol nur dem / der sich am letzten Ende mit wahren Glauben in seine Wunden einschleist.
|| [504]
256. Von Thoma Scoto. ALesius schreibet von Thoma Scoto diese Historiam: Derselbe war des Königes zu Schotten nechster Rath / und vero hetzte den König am allermeisten / daß er die Evangelischen Prediger vertreiben solte. Da er nun hat sterben sollen / hat er anders nichts gesaget / denn er sey verdampt und verlohren. Da nun die Mönche für das Bette kommen / und ihn getröstet / hat er geantwortet: Schweiget nur stille / ich habe des Narrenwercks vor wol mehr gehört / habe aber nicht gegläubet / daß ein GOtt / Teuffel / Höll / oder Himmel sey / habe auff euer Lehre so viel gehalten / als auff der Evangelischen / umb Geld und Gut ist mirs zu thun gewesen / und darumb habe ich eure Bischoffe gefordert / und den König beredt / euer Wiederpart zu vertreiben / darumb könnet ihr mir mit euren Messen und vigilien nicht helffen / denn ich bin verdampt / und hat mich der Teuffel schon angefasset / daß er mich in Abgrund der Hollen führe / und da ewiglich ohne auffhören umb mein Verdienst peinige und martere / ist also auch dahin gefahren.
|| [505]
Und schreibet Alesius daß der König dieselbe Nacht durch allerley Träume sey erschrecket worden / und da er des Morgens auffgewacht / sol er alsbald nach dem Scoto gefraget und darneben gesagt haben: Ich weiß daß er gestorben ist / und ich weri???e ihm bald nachfolgen / welches denn auch geschehen. 1. Hier siehet man / was es vor ein böses Sterben gibt / wenn einer böse gelebet. Weil dieser / sonst zwar gelehrte Mann / der von GOTT noch seinem Sohn / noch auch von Himmel etwas gehalten / so ist er endlich verzweiffelt / und an ihm war worden / was Christus saget: Wer nicht glaubt / wird verdampt. 2. Wenn nicht nur allein in Pabstthumb / sondern auch bey unsern Welt und Geldsichtigen Leuten diesem und dergleichen Exempeln fleissig nach gesonnen würde / mancher würde ein ander Leben führen / und würde auch endlich bey Vielen ein sanffterer Todt folgen. 257. Von r. leiblichen Brüdern / einem Weisen und einem thörichten. DRexelins erzehlet eine feine Legend / die sich mit zweyen leiblichen Brüdern / einem wei [506] sen und einem thörichten / begeben hat. Diese wurden auff eine Zeit mit einander Raths eine Reise für zunehmen / und als sie sich auff das Feld begeben / kamen sie zu einer Wegscheid / und wusten nicht welchen Weg sie gehen solten. Dem thörichten Bruder gefiel der schöne ebene Weg / dem Weisen aber der rauhe und harte / den hielt er für sicherer. Da sie nun lange mit einander gezancket / wolte endlich der weise Bruder lieber weichen / den̅ sich länger also zerhadern. Darüber fallen sie beyde unter die Räuber / werdeu von denselben gefangen / mit Stricken gebunden / und jeder in ein absonderlich Gefängnüß geworffen. Als sie nun für dem Richter gesühret werden / verklagte der verständige Bruder den Thörichten / und gab Ihm die Schuld / weiln er ihm weichen müssen. Der thörichte hingegen beschuldigte den Weisen und sagte / er hette es besser verstehen und ihm nicht folgen sollen. Der Richter hörere sie beyde nach der länge / endlich fällete Er ein solch Vrtheil: Ihr habt beyde Schuld. Der Thörichte / denn er hette den Weisen billig folgen sollen: Der Weise / denn er hette den Thörichten nicht weichen sollen. 1. Dieses Gedicht läst sich gar artig auff des Menschen Seel und Leib ziehen / und die Seele dem Klugen / den Leib aber dem Thörichten Bruder vergleichen / und wenn der Mensch verdampt wird / sein diese beyde Brüder Schuld daran / die [507] Seele / weil sie dem Leibe nicht gewehret / der Leib aber / weil er sich nicht hat wollen wehren lassen. 2. Ein Jedweder sehe zu / daß er nicht nur allein klug und weise sey / sondern auch die Klugheit brauche / und sich von dem thörichten und lüstern Fleisch nicht verführen und betrüben lasse.

258.
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Von Francisco Spira. FRanciscus Spira bürtig von Citadell, ein erfahrner Jurist hat sich zu der seligmachenden Lehr des Evangelii bekennet / ist aber darnach wiederumb zu rück getreten / darauff er alsbald in Verzweiffelung gefallen / hat für und für sich verlauten lassen: Er were aus gerechten Urtheil GOttes verdampt: Er sey schon in der Höllen / da leide er ohn unterlaß Pein und Marter. Er habe gesündiget in dem heiligen Geist / welche Sünde ihm nimmermehr verziehen würde / das Verdienst Christi / und alle Barmhertzigkeit GOttes gehe ihn Ewiglichen nicht mehr an / auch gesaget / er werde ein solch schrecklich Ende nehmen / Seines Wiederruffs halben / auff daß er den Außerwehlten ein Exempel sey. Und ist also [508] dieser Spira mit Ach und Wehe dahin gangen. 1. So gehets endlichen denen jenigen / welche die erkante Evangelische Warheit wieder besser wissen und Gewissen verleugnen / daß sie verzweiffeln / und sich der Gnade GOttes und des Verdiensts Christi nicht trösten können / und darinnen bestehet eben die Sünde wieder den heiligen Geist. 2. Warnungs Hauß stehet am längsten. Ein jedweders stelle sich dieses Exempel für / sonderlich aber die jenigen / welche wissentlich / nur umb schändlichen Gewinsts willen / bey unrechten Religionen bleiben. In fine videtur cujus toni, wie dieser Franciscus Spira mit seinem ewigen Schaden erfahren. 259. Ein Liebhaber ein Fantast. EIn heidnischer Philosophus saget / wer einen recht liebhabenden Menschen stehet / der stehet / auch einen Fantasten. Denn / spricht er / ein solcher Mensch will im Sommer erfrieren / im Winter verbrennen / da macht Er ihme bald ein Paradeiß / bald eine Hölle / kömpt es ihm aber an (spricht Er) daß er die Jenige rühmen / loben und preisen will / welche ihm so hart anlieget / und umb derer willen Er so viel Marter und Pein leidet / da weiß er alles auch über die [509] massen zu rühmen / da ist nichts an ihr / das ihm nicht trefflich wolgefället / wenn es auch gleich ein grosser Mangel were / so kan er solchen vor Liebe nicht sehen / ja da sind ihre Haar nichts anders / denn gelbes Gold / ihre Augen / brennende Sternen / ihr Mund wie Corallen / ihre Zehne wie Perlen von Orient / ihr Halß weisser den Milch / und was des Dinges mehr ist / daß also ihr gantzer Leib nichts anders / denn ein Schatz des Himmels / und der Natur ist / welchen sie allein dem jenigen / so es zu theil wird / vorbehalten hat. 1. So sehr kan die Liebe die Leute einnehmen / daß sie lieben und das jenige vor schön halten / was doch an und vor sich selbsten nicht schön / auch von andern nicht liebens würdig geachtet wird. 2. Ein jedweder hüte sich vor dergleichen Liebe / denn sie ist wie ein hitzig Fieber / so die Menschen nicht allein gantz außzehret / sondern auch verursachet / daß sie anfahen zu fabuliren / wie die jenigen thun / die in grosser Hitze liegen. 260. Von Straff eines Entheiligers des Oster-Tags.
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ANno 1573. sein wol in 13. Wochen keine Predigten zur Georgenburg in Preussen gehalten worden. Endlich ward den Leuten angezeiget / daß auff den Ostertag ein neuer Prediger allda sein würde / jederman solle sich zur Kirchen finden. Aber ein Biener / so da Schaden an beuten / oder Bienstöcken / in Wäldern von Mardern / empfangen hatte / gehet darfür hin / und will die Immenstöcke vermachen / daß die Mardern nicht mehr hinein kommen mögen / steigt so auff den Ostertag / mit seinem Steichzeug hinauff. Als er droben ist / verstarren ihm die Hände / und verstummet / daß er kein Wort reden kan / kombt mit Mühe herab / und zu Hauß / mit den Händen verlamet / und krum mit den Armen / liegt biß an den dritten Tag / da kombt ihm die Sprache wieder / bekennet alles / wenn / und wie es ihm wiederfahren sey / und stirbet bald darauff. 1. Dieses Exempel soll uns das dritte Gebot zu beobachten anweisen. Gedencke Mensch des Sabbaths / daß du ihn heiligest. 2. Sonderlich aber soll man an solchen heiligen / Fest-Tagen sich nicht gelüsten lassen / [511] den GOttes dienst zu versäumen / zumaln / wenn man / wie hier geschehen / zur Feyer wird angemahnet. 261. Judicium und Vrtheil Königs Ferdinandi von Luthero. Ferdinandus von GOttes Gnaden / Römischer / Ungerischer und Böhmischer König / etc. EHrsame / Gelehrte / Andächtiger / wiewol wir vor der Zeit / als wir in unsrer Jugend in Deutschland ankommen / und uns erstlich in Fürstliche und folgend / durch gnädige verleihung deß Allmächtigen / Königliche Regierung begeben / ob denen dazumaln / und folgenden ausgegangenen Schrifften und Lehren kein gefallen gehabt / sondern / etlicher / unserer Praedicantsn und Beichtväter Bericht nach / dieselbe für Ketzerisch / Verführisch / und heiliger Römischen Kirchen Satzungen und Geboten wiederwertig und ungemeß geacht: So haben wir doch verschienener zwey Jahr / so viel unsere treffliche obliegende Geschäffte / davon wir je zu Zeiten uns wenig Weil abgebrochen / erleiden mögen / unterfangen / in etlichen deinen Büchern / und fürnemlich aus gelegten Psalmen / die auff Königlich und Fürstlich Regiment meistes theils gerichtet / zu lesen.
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Darneben ist auch mit eingefallen / daß unsere Beichtväter einer / Parfüsser Ordens / den wir mit aus Hispanien gebracht / unlängst in GOttes verschieden / der uns kurtz vor seinem Abschied zu ihme gefordert / und bekennet / wie er un??? bißhero verführet / und den rechten Weg der Seeligkeit nie gewiesen habe / mit höchster bitte / ihm umb Gottes willen gnädiglichen zu verzeihen / und nun hinfürder mit unseren von Gott verliehnen Königreich / Fürstenthümern und Landen / das seligmachende Evangelium / so durch dich fleißig und treulich gelehret und an Tage gegeben wird / unverzüglich anzunehmen / auch unsern allerliebsten Herrn und Bruder / den Römischen Käyser / dahin zu leiten und bringen / daß dergleichen von seiner Majestät und Liebe auch geschehe / wolte er desto frö???licher und lieber sterben. Zu dem / so sind wir von dem wolgebornen und Edlen / unsern Räthen / und deß Reichs lieben getreuen Offling / böhmischen Cantzler / und Andreas Vngnad / beyden Frey-Herren / so deine Predigt vergangenen Herbst zu Torgau angehöret / darbey auch mündlich Gespräch und Vnterrede / mit dir gehabt / verständiget / wie du dazumahl einen Christlichen Sermon / und insonders der Werckhalben / gute Vnterschiede gemacht / auch ihnen sonst / von wegen deiner Lehr / worauff die gegründet sey / vernünfftig Bescheid gegeben habest. Aus dem und andern Christlichen [513] Bewegnüssen / bevorab / weil wir den Pabst und seine Gelehrten / die du ihrer Ordnung / Lehr und Lebens halben / als wir zum Theil aus deinen Schrifften erkundiget / in vielfältige Wege / ernstlich und beschwerlich angetastet / wieder dich so kleinmütig / un̅ wie wir wol melden mögen / unverfasset und unerlanglich spüren / sich unser Königlich Gemüt / welches vorhin gegen dir ungnädig gestanden / gemildert / un̅ / Gott sey in Ewigkeit Danck / dahin gewendet hat / daß wirniemahls deine Lehr / so fern daß du bey Göttlicher Biblischer Schrifft beständiglich verbleibest / und darzu nichts auffrührisch / oder wieder Christum mengest / wol leyden und dulden mögen. Denn wir leyder jetzt befinden / daß der Pabst und die seinigen bißhero das ihre gesucht / und uns Sprew für Korn ausgeteilet und verkauft haben. Drumb wir bedacht seyn / in wenig Tagen / dieser und anderer trefflicher Sachen halben / zu Hochgedachter Kayserlichen Majestat / unserm allerliebsten Herrn und Bruder / eine ausehnliche Botschafft / die dein Evangelio geneigt ist / in Hispanien / abzufertigen / und die Dinge berürts unsers Berchtvaters seeligen / Bericht / Bitte / und auch unserm / aus deinem Büchern erkundigten und gefasseten Verstand nach / mit seiner Majestät. und Liebden fleißig handeln / und ermahnung thun lassen / ob wir seine Lieb / welches uns gar nicht zweiffelt / [514] dahin auch bewegen möchten / und im Fall / wo es seiner Majestät und Lieb unerheblich / als denn nichts destoweiger / ungeachtet deß Pabst fürhabendes Concilium, als Römischer König / einen gemeinen Reichstag / an gelegenen Mahlstatt aus zuschreiben / und uns mit den Ständen des Heiligen Römischen Reichs / Städt / dein und anderer Schrifftgelehrten Rath / göttlichem und billichem ermessen nach / deß Glaubens / göttlicher Religion halben / einmütiglich und endlich vereinigen und vergleichen. Solches wolten wir dir / in der Warheit desto stattlicher zu wercken und zu vollführen / gnädiger Meynung nach nicht bergen. Geben in unserer Tyrolischen Graffschafft in unserer Stadt Insbrug / den ersten Monats Tag Februarii Anno etc. im sieben und dreysigsten / unserer Reiche / deß Römischen im siebenden / und der andern im zwölfften Jahre. 1. Solte das nicht ein herrlich Zeugnüß seyn / welches der löbliche König dem Herrn Luthero geben hat? wie denn über das von demselben gemeldet wird / daß er D. Chytraeum in Oesterreich von Roßstock außgefordert und eine Lutherische Kirchen-Ordnunge anzurichten auffgetragen und befohlen / wie er ihm denn nach verrichter Arbeit einen schönen hohen [515] vergülten Credentz verehret hat. 2. Allein was hilffts? Wenn gleich Gott der HErr Christlichen Potentaten das Hertz rühret / daß sie die Irrthum in Religions Sachen sehen / so feyren doch die falschen Lehrer in Pabsthumb nicht / sondern bemühen sich höchstens das angezündete Glaubens-Liecht wiedrumb aus zuleschen / wie denn die Jesuiten hierzu von Teuffel abgefertiget werden / und ihre Personen gar stattlich praesentiren. Der jenige / welcher stärcker ist als der starcke gewapnete / wolle den Bößwichtern steuren / und grossen Herren in ihre Hertzen geben / daß sie doch diese böse Leute / welche keinen andern / als den Höllen Weg führen / mögen aus den Ländern jagen. 262. Opffer so kein Hertz gehabt. PIerius Valerianus referiret von Julio Caesare und AEliano Pertinace, daß die Opffer / die sie den unsterblichen Göttern geopffert / kein Hertz gehabt. Als nun die Priester darüber [516] erschrocken / und die Augures oder Warsager gefragt / wie sie das verstehen sollen? Haben ihnen dieselbigen zur Antwort geben: Sacrificium hoc nullum esse, vita carere, Diis displicere, diß Opffer sey nichts nutze / es habe kein Leben / und mißfalle den Göttern. Eben das können wir von unserm Gebet auch sagen: Alles Gebet (welches das geistliche Opffer / so wir GOtt bringen) ist nichts nutz / wann es kein Hertz hat / wann es nicht von Hertzen gehet / wann es nicht aus Glauben an JEsum Christum geschiehet / welcher ist das Leben deß Glaubens. Wo das Hertz ist / da ist Leben. Wo des Glaubens Hertz ist / da ist geistlich Leben. Was ohn Hertz ist das ist todt / was ohn Glauben ist / das ist Sünde / Rom. 14. ult. vers. 1. Wollen wir derowegen GOtt ein angenehmes Opffer bringen / so müssen wir jhm bringen unser Hertz / und zwar ein zerknirschtes / zerschlagenes und glaubiges Hertz. 2. David wuste dieses wol / darum schreibt er in LI. Psalm vers 19. Die Opfer / die GOtt gefallen sind ein geängster Geist / ein geängstes und zuschlagen Hertz wirstu GOtt nicht verachten. 263. Von zwey Christlichen Weibespersonen.
|| [517]
CAspar Brusch in seiner Beschreibung des Füchtelbergs schriebt unter andern am 11 Blat / daß zu Eger (nemlich im Jahr 1542) eine fromme Christliche Wittib gewohnet / Frau Catharina Junckerin / derer Kunst und Geschickligkeit so groß / daß sie auch wol einem hohen Theol. solt zu schaffen geben haben. Dan̅ sie alle Bücher / so nun lange Zeit von der Religion Sachen geschrieben seynd / so fleißig durchsuchet / und gelesen hat / daß ich gäntzlich dafür achte / sie seyen ihr bekanter / dann etwan denen selbst / die solche Bücher geschrieben haben. Bey / und umb gemelte Wittib / ist stets / und lebt aufs einträchtigst / ein anders / über die massen erbars und gelehrtes Weib / Frau Margaretha Güerin / eine vom Adel / aus deren von Pincha / (so zu Elsterberck in Meissen wohnhafft / und eines fast alten Herkommens seynd) Geschlecht / geborn / welche nicht allein der Teutschen / sondern auch Lateinischen Sprachen kundig ist. Zu welchen zweyen ehrlichen / und alles Lobs würdigen Matronen / so ich noch eine find / die sich auch dermassen Kunst / Tugend und Erbarkeit / befliesse / also / daß ihrer drey würden / dürffte ich sie warlich die drey Charites, oder Gratias, von denen die Poeten schreiben / wie sie Göttinnen der Holdseeligkeit / und Freundligkeit weren / auch ohne scheu nennen / so Gottseeligen / heiliges und ehrlichen Wandels / seynd sie / so nur von hohen / heiligen und gelehrten Sachen re [518] den; Item so gar freundlich und einträchtig / leben sie mit einander. 1. Das ist ein schöner Weiber Schmuck / viel schöner / als wenn Weibes Personen in Atlaß / Sammet und Seiden hereiner prangen! und sich mit güldenen Ketten / Perlen und Edelgesteinen behängen. 2. Ihr Frauen und Jungfrauen befleißiget euch dergleichen Schmucks auch. Lieblich und schön seyn ist nichts / ein Weib das den HERRN fürchtet / soll man loben / schreibet Salomon Prov. XXXI. V. 30.

264.
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Verliebter Jüngling und Jungfrau aus dem Plinio. PLinius der hocherfahrne Philosophus gedencket in seinen Natürlichen Historien eines jungen Gesellen / welcher unversehens zu einer schönen Jungfrau kommen sey / und als er sie recht angesehen / von Stunden an so grosse und unaussprechliche Liebe empfunden / daß er vor Angst und Freude nicht gewust / wo er daheim sey / und in seinem Hertzen gewünschet / entweder / mit ihr ewig zu leben / oder ohne sie bald zu sterben: Gedachter Jungfrau aber sey als [519] bald auch also / (wie dem Gesellen zu Muth gewesen / und von Hertzen gewünschet / mit ihm zu leben und zu sterben / etc. Da habe er (gedachter Naturkündiger) alsbald nach ihren Geburtsstunden nach forschung gethan / und Augenscheinlich befunden / daß beyde Personen in gleichen Stunden / doch in unterschiedlichen Jahren / geborn seyn / da beyde Saturnus mit Marte vereiniget / zu gleiche und überein getroffen / auch gleiche und grosse Zusammenfügung der Sonnen V???neris & Mercurii in cuspide secunda gehabt / etc. Dann er schleust / als ein Weltweiser Heyde / daß das Gestirn / welches einem zur Welt neugebornen Menschen in seiner Geburts-Stunde scheinet oder wallet / Glück / Wohlfarth / Liebe und Leyd bedeuten sol 1. Es ist nicht zu verneinen / daß das himlische Gestirn nicht solte einen Einfluß auch in den Menschen haben. 2. Aber man muß daraus keine necessität und Nohtwendigkeit schliessen. Es bleibt darbey: Astra inclinant, sed non necessitant: Astra regunt homines, sed Deus astra regit, 265. Alte Leute / so sich bey guten befunden.
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JOhannes Petrus Maffejus gedencket in seinen Indianischen Historien im 9. Buch eines alten in Ost Indien / welcher 335. Jahr alt gewesen / und noch vor wenig Jahren gelebt / hat einen Sohn gehabt / so 90. Jahr alt gewesen / derselbige / ob er wol weder schreiben oder lesen / noch einen Buchstaben gekennet / hat er doch die alte Geschichten / so zu seinen Zeiten sich zugetragen / so richtig zu erzehlen wissen / daß er am wenigsten nicht den beschriebenen Annalibus zu entgegen gefehlet und gejrret. Sind ihme auch / wie er ferner schreibt / die Zähne zu unterschiedenen mahlen aus gefallen und wieder gewachsen / und da ihm sein Bart etliche Jahr greiß und schneeweiß gewesen / hab er sich endlich wieder entfärbet / und seye allgemählich wider schwartz worden So schreibt Olaus Magnus, daß die Mitternächtigen Völcker gemeiniglich in die 160 mehr und weniger Jahr / erleben. Stimmer mit dem zu Levinus Lemnius, so in seinem Tractat von den verborgenen Wundern der Natur / gedenckt / wie er von einem beglaubten Schiffman gehöret / daß er zu Stockholm in Schweden / da König Gustavus regieret / auff eines alten Mannes Hochzeit gewesen / welcher 100. Jahr alt / und ein Weibs-Person genommen von 39. Jahren / mit welcher er noch Kinder gezielet. Gedenckt in gleichem Buchananus in seiner Beschreibunge deß Schottlandes eines mit Nahmen Lorentz Hett [521] lands / welcher im 100. Jahr seines Alters ein Weib genommen / und da er 140. Jahr schon alt / dannoch auffs Meer zu fischen herumb gefahren. 1. Ein ehrliches Alter ist eine grose Gnade GOttes / und hat der jenige Gott zu dancken / der mit Ehren alt wird. Wem aber GOTT in der Helffte seiner Jahre weg raffet / das ist ein Zorn Zeichen. 2. Wiewol auch etliche bald vollkommen werden / und GOTT wolgefallen / und eben darumb eilet Er mit solchen aus dem Leben der Sünder. In Summa / es heist: Klugheit unter den Menschen ist das rechte graue Haar / und ein unbeflecktes Leben ist das rechte Alter / wie im Büchlein der Weißheit stehet / cap. IV. 266. Ein Sacrament Verächterin verzweiffelt. ANNO 1595. den 12. Jenner / ist ein Holländerin / so vor dem Kueiphoff zu Königsberg in der Vorstadt gewohnet hat / welche die gantze Zeit / die sie mit ihrem Manne daselbst gewohnet / nie zu GOttes Tische gewesen / endlich [522] als sie damals schweren Leibs / darzu gegangen / GOTT auch für solchen theuren Schatz gedancket / und als sie zu Hause in Bet-Büchlein gelesen / gedacht / wenn ihr Mann zu Hauß käme / wolle sie ihn bereden / daß er auch deßgleichen thue. In deß kombt ein unbekandter Vogel / mit seltzamen Klauen in die Stuben geflogen / der sich umb die Frau hergehalten darüber sie sich hart entsetzt / der Magd befohlen / den Vogel zu greiffen / und zum Fenster hinaus zu schmeissen / welches geschehen. Aber der Frauen ist eine grausame Angst ankommen / hat auch ihr eingebildet / Sie hette das Sacrament nicht zur Seeligkeit / sondern zum verdambnüß empfangen / solte auch nicht gläuben / daß es war were / was der Pfaff saget / solte auch nicht dencken / daß sie seelig werden könte / wo sie mehr zum Sacrament gienge 1. GOTT behüte uns alle für solchen Vögeln / und argen Gedancken. 2. Soll uns aber GOTT behüten / so müssen wir die heiligen Sacramenta nicht verachten / lästern und schändë / sondern sie fein brauchen / worzu Sie eingesetzet / und uns zuselben devot und andächtig einfinden. 267. Einer beschläfft eines andern Braut / und wachsen zur Straffe in seinem lebendigen Leibe Maden.
|| [523]
ALbertus Krantz / so wol Hilbertus in seiner Cronica gedencken / wie daß am Käyser Caroli Magni Hoffe ein junger Edelmann sich zu einer Braut am Schlosse / die da erst beyliegen solt / in gestalt ihres Bräutigams gefunden / und die Honigsüsse Liebe mit ihr gepfleget / auch die Thür zuvor wol verwaret / damit der rechte Bräutigam nicht nein kommen solte. Als derselbe aber kömbt / und vermeinet / mit seiner hertzlieben Braut frölich Beylager zu halten / zeiget ers bald dem löblichen Käyser an / welcher auch persöhnlich mit gehet / und solches Augenscheinlich befindet / da lässet der Räyser diesen unzüchtigen Menschen wegen solcher Verbrechung / in einen tieffen Thurm sencken / wil ihn also am Leibe und nicht am Leben straffen Was geschicht? Diesem wachsen aus GOttes Zorn und grosser Unruh seines Gewissens / lebendige Würm und Maden im Leibe. Als solches angezeiget ward / sprach der fromme Käyser; sehet zu lieben Herrn / wenn wir nicht straffen wollen / wie kan GOTT straffen / der quälet den Leib viel hefftiger / als die weltlichen Gerichte / darumb lasse ein jeder [524] dem andern seine Braut und Kammer-Gesellen nnbeschnaubert. 1. Ist ein Warnungs-Spiegel / darinnen sich alle unzüchtige Huren-Hängste beschauen können. 2. Wolte GOTT / daß sich nur alle durch dieses und dergleichen Exempel warnen liessen. Aber Es ist so sicher / blind die Welt / Das sies nicht sicht und nichts drauff hält. 268. Der Donner schlägt dem Marien Bilde das Kind von dem Arm / und S. Petrus Bilde den Schlüssel aus der Hand. IM Jahr 1517 hat sich zu Rom ein groß Donnern und Blitzen erhoben / und zwar also / daß das Wetter jenseid der Tyber zwey Bilder Christi / und dem Marien-Bild das Kind auff dem Arme hinweg geschlagen / daher ein gemein Geschrey erstanden / Maria hette ihren Sohn gen Himmel geschickt / damit er nicht auch zum Cardinal (weil an demselben Tage der Pabst viel neue Cardinäl gemacht) möchte gemacht werden: Ja eben dazumahl hat der Blitz S. Peters Bild den Schlüssel aus der Hand geschlagen: welches alles die Römer dafür ge [525] halten / daß das Pabstumb sich zum Untergang neigen würde / und ist auch dazumahl unter andern diese Prophecey öffentlich angeschlagen worden / regnum illud desolabitur: Diß Reich wird zerstöret werden. Vnd das ist das Jahr in welchem Lutherus wieder daß Pabstumb und Tetzels Ablaß zu schreiben angefangen. 1. Sind ziembliche Anzeigungen wieder das Pabstumb. Aber wer achtet es? 2. Ich halte dafür / wenn gleich GOTT selbsten durch eine vernehmliche Stimme von Himmel redete und sagte: Des Pabstes Lehr ist unrecht / man würde doch solchen Worten an Päbstischer Seiten eben so wol nicht glauben geben / un̅ die antichristische Greuel abschaffen. 269. Die Nacht ist zur Vbung der Gottseligkeit sehr gut. ERasmus gedenckt in seinen Apophtheg. eines / so Scopelianus geheissen / welcher / weil er des Nachts nicht schlaffen können / dieselbig zu studieren und meditiren am bequembsten gehalten / und deßwegen zu sagen pflegen: O nox beata! nam tu sanè maxima ex parte consors es sapientiae Deorum! O du selige Nacht! du bist fürwar mehrentheils der Götter Weißheit [526] theilhafftig. Damit angedeutet wird / daß die meiste Ubung der Gottseligkeit und dannenhero entspringenden göttlichen Weißheit bey der stillen Nacht verrichtet werde / daran sollen alle betrübte Vigilanten gedencken / und wo sie nicht schlaffen können / die Nacht zu ihrer geistlichen Meditation und Andachten gebrauchen / damit sie auch der Göttliche Weißheit hierdurch fehig werden mögen. 1. Das erwegte König David wol / darumb schreibt er: Wenn ich mich zu Bette lege / so dencke???ch / HERR / an dich / wenn Ich erwache / so rede Ich von dir Psalm. LXIII vers. 7 und Psalm CXIX. vers. 55. HErr / Ich gedencke des Nachts an deinen Nahmen / und halte dein Gesetz. 2. Alle Christen solten also gesinnet seyn. Denn wol dem / der da redet vom Gesetz des HERRN Tag und Nacht. Er ist wie ein Baum gepflantzet an den Wasser-Bächen / der seine Frucht bringet / zu seiner Zeit / und seine Blätter verwelcken nicht / and was er macht / das geräth wol / sagt abermals David / Psalm. 1. v. 2. 3. 270. Von Gepräng des Pabsts.
|| [527]
WEnn der Pabst des Käysers / der Könige und der Herrschafft Venedig Botschaffter Anbringen höret / so läst er zwar dieseiben auff einen Stul / so keine Lehne hat / sitzen; Aber solches muß mit unbedecktem Kopff geschehen; Er aber / der Pabst / sitzt allezeit unter einem Schirm / in einem roth sammenden Sessel / und hat die Füsse auff einem Tuch von Sealat. Alle andere Abgesandten / und Diener der Fürsten / müssen stehen / und gehet bißweilen der Pabst / wann er sie anhöret / auff und ab; oder leihet sich an etwas. Wann Frauen zimmer zur Audientz kommet / so läst er demselben Küssen von rothen Tuch legen / darauff zu sitzen. Pabst Clemens der achte / hat solchem auch / im hinweg gehen / aber in einem andern Losament / eine Collation, oder Schleck-Essen / etc. von dem köstlichsten Confect / oder Zuckerwerck / und dergleichen aufftragen lassen. 1. Hier judicire, wer judiciren kan / ob der Pabst des HERRN JEsu Stadhalter und des Apostels Petri Nachfolger sey? Wo hat sich Christus / wo hat sich Petrus / also gehalten? 2. Man kan auch daraus schliessen / daß die Päbste dem Frauchzimmer vor andern müssen wol gewogen seyn. 271. Ein Deutscher wil in Spanien Ablaß holen.
|| [528]
EIn feiner Held aus Deutschland kömbt in Spanien gen Compostel zu S. Jacob, da sprich ein alter Veicht Vater zu ihm / (als er merckt / daß er ein Deutscher sey) lieber Sohn / das hettestu zu Hauß viel besser finden können / was du hier wilt holen. Ich habe eines Augustiner Mönchs (Lutheri) disputation gelesen aus Deutschlande / der beweiset aus klarem Grunde göttliches Wortes / daß man waren Ablaß und Vergebung der Sünden einig und allein holen solle in den Wunden und Verdienst JEsu Christi. O bleib darbey / laß dich nichts anders bereden. 1. Dieser ist wol ein rechter Israelit gewesen / und hat ein auffrichtiges Lutherisch Hertz gehabt. 2. Vielleicht mögen noch wol viel unter denen Papisten also gesinner seyn / nur daß Sie / wegen der guten praebenden / mit der Sprache nicht herausser wollen /

272.
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König Herodis Gemahlin wil lieber mit Ihm ins Elende ziehen / als im Lande bleiben. ALs der Käyser Caligula König Heroden gen Lugdun in Franckreich ins Elend [529] verweisete / und Agrippae Herodis Schwager die Regirung übergeben / so har er der Königin / weil sie Agrippä Schwester war / Gnade angebotten / und Ihr ihre Schätze und Gut wollen lassen / daß sie beym neuen regierenden Könige im Lande bleiben / und neben dem / ihre Königliche Hoffhaltung führen solte / da hat sie mit nassen Augen und tieffen Se???fftzen darauff gesaget: Ja Herr Käyser / du redest / als deiner Majestät wol anstehet / aber mich hindert daran die Eheliche Liebe / daß ich die angebotene Gnade nicht annehme / denn ich halte es nicht vor billig / daß ich den nun im Vnglück verlassen sollen / dem ich beygewohnet in seinem Glücke / und den ich im Wohlstand geliebet / den kan ich im Elend nicht verlassen / denn an ihm habe ich das höchste Gut. 1. So sollens alle Eheleute machen / es soll heissen in Leyd und Freud / in Glück und Unglück / uns soll nichts scheiden / als der Todt. 2. Wer anders gegen seinen Ehegatten gesinnet ist / und nur bey ihm hält / wenns wol hergehet / der vor keinem treuert Ehegatten zu achten. 273. Wie bey den Alten ungewisse und gewisse Hoffnung sey angedeutet worden.
|| [530]
DIe Alten / wenn sie die ungewisse Hoffnung wollen andeuten / haben sie einen gemahlet / der ein Aahl beym Schwantz mit einem Händen gehalten / denn einen solchen ist unmöglich / daß er ihn in der Hand / wegen seiner schlüpfferigkeit / erhalten könne: Wann sie aber die gewisse Hoffnung andeuten wollen / da haben sie einen Aahl gemahlet / so mit einem Feigenblat umbwickelt / welches / weil es rau / macht / daß man das schlüpffericht desto besser halten kan. 1. Also die da auff Gott hoffen und harren / mit blossem Händen ohne sein Wort und Verheissung / die halte den Ahl beym Schwantz / erlangen nichts / ihr Hoffen und harren macht sie zu Narren: Welche aber auff den HErren hoffen / auff sein Wort und Verheissung / sihe / die halten den Aahl mit dem Feigenblat deß Glaubens / sie werden zu schanden werden. Wann dann unsere Hoffnung soll gewiß seyn / mussen wir das Feigenblat deß Glaubens haben / müssen auch zusehen / daß uns durch den leidigen Teuffel der Ancker der Hoffnung nicht aus unserm Hertzen entzucket werde 2. Mercket dieses und hoffet auff den HErrn / lieben Leute / gründet aber eure Hofnung sein auff den Glauben / denn ohne Glauben ists unmöglich GOtt zu gefallen / wie [531] der Meister der Epistel an die Hebräer schreibet Cap. XI, v. 6. 274. Von L. gottlosen Menschen und Mördern. ANno 1361. ist der Fasten Gert Birnbaum / ein Boßknecht / aus Sachsen bürtig / über einen Mord betroffen worden / der soll bekant haben / daß er 700. seine Tage ermordet habe / nicht umb Geldes / oder Guts willen / sondern hübsche Leute / wie sie im Todt gestalt / zu sehen: Etzliche auch / daß ihm aus den Augen kämen / und er einen grossen Namen möcht kriegen / daß er kühner Mann sey gewesen. Hat weder beichten / noch es ihm leid seyn wollen lassen. Derhalben sind ihm Arm und Bein entzwey gestossen / und ist er lebendig mit Ketten auff das Rad gebunden worden. Drey Tag hat er gelebt. Wann er zu Reu und Buß vermahnet ist worden / hat er gesagt: Ja es reue ihn / daß er nicht mehr ermordet habe. Diesem Mörder ist ein Jüngling zu Dantzig / so reiche Eltern gehabt / nicht fast ungleich gewesen / welcher Anno 1481. wegen eines Diebstals / hat sollen gehangen werden / aber von dem Guardian um grauen Kloster daselbst / weil er ihn bey der heiligen Tauffe gehoben / erbeten worden; Deme dann dieser Jüngling hernach also gelohnet / daß er [532] jhme von hinden den Kopff von einander gehauen. Als er nun bekommen / und deßwegen gerichtet werden solte / waren das seine letzte Wort / wolte GOtt / daß ich alle diese / so mich vom Galgen gebeten / auch also ermordet hätte. 1. Das sind recht verstockte Leute gewesen / welche der Teuffel fest an seinen Strick gebunden gehabt. 2. GOtt behüte vor dergleichen Thaten / Reden und Sinn einen jedwedern Christen Menschen. 275. Eine Gräfin läst ihren Herren durch einen andern Graffen umbbringen / bekompt aber dafür ihre Straff. BEy Käyser Heinrich des Vierdten Zeiten hat ein Pfaltzgraff zu Sachsen im Osterlande / auff der Burg Schliplitz Hoffgehalten / mit Nahmen Friederich / welches Gemahl Frau Adelheit / eine geborne Marggräffin von Städten / falsche Liebe in ihrem Hertzen / und den Graffen Ludwig zu Dürignen heimlich lieb gehabet / und durch solche unordentliche Liebe so weit verführet worden / daß sie sich auch einer bösen That unterwunden / wie sie ihres Herrn möchte loß / und dagegen dem Graffen Ludwigen / zu welchem sie Lust und Liebe trug / zu theil werden / beschied derhalben [533] denselben Graffen zu sich / und machte nach vielen Vnterredungen mit ihm einen Anschlag / wie er ihren Herrn aufs förderlichste solte umbbringen / und danach sie zur Ehe nehmen / und gab ihm fein die Anleitung: Er solte auff einem benanten Tag in ihres Herrn Gebiete bey dem Schloß Schliplitz jagen / so wolle sie ihren Herren bereden / und dahin bringen / daß er sich solte unterstehen / ihm solches mit Gewalt zu wehren / alsdenn möchte er seine̅ Vortheil ersehen / und ihn umbbringen / das geschach also. Der Graff kam auff eine bestimpte Zeit / erschallet sein Horn / und jagde freudig nach gemachten Anschlage / der Pfaltzgraff saß im Bade / welches ihm sein Gemahl hätte zurichten lassen. Da sie nun gewisse Kundschafft hatte / wie es allenthalben gelegen / läufft sie schnell und stürmiglich zu ihrem Herrn und spricht / er sitze allda / und warte deß Leibes Wollust / und lasse darüber seiner Herrschaft eine Freyheit nach der andern abstricken / es sey auch forthin fast kein Bauer so geringe / er unterwinde sich etwas an sich zuziehen / daran sey Er schuldig / mit seiner Nachläßigkeit / jetzund sey der Graff von Düringen auch allda / und jage jhm freventlich auf dem seinen / er solte doch zu solchem nicht stille schweigen / viel weniger es nachgeben / und viel andere Reden brauchte sie mehr / darüber der Pfaltzgraff / der fromme Herr / durch sein Gemahl beweget ward / eilete aus dem Bade / und [534] warff nur einen Mantel über sich / und fiel also ungerüster und unbewehret auff seinen Hengst / und rennet Graffen Ludwigen nach mit etlichen Reutern / und strafft ihn mit harten Worten / der Graffe aber wendet sich zorniglich / und stach ihn mit seinem Schwerd als bald todt. Also ward der Pfaltzgraffe / der gute fromme Herr / mit grossen Trauren und Klagen seiner Freunde begraben / zu Bontzig in Münster ander Saal. Es hat aber diese unzüchtige Hurenliebe nicht lang gewehret / denn als sie auff eine Zeit in grossen Freuden zu Bette mit ein ander gehen / und nachmals wunderbarlich Reden fürgefallen / hat der Graff ihr den untreuen Handel an ihrem Herrn fürgehlten / und daß er sich auch eines solchen zu ihr zuversehen hätte / darauff die aus unbedachten Muth geantwortet: Wenn sie einen Mangelan ihm befinde / so möchte ihr das Hertz auch abgewendet werden / solches hat er so unfreundlich auffgenommen / daß er ihr noch ehe Tag worden / Gifft beybracht hat / davon sie nach wenig Tagen elendiglich mit grossen Schmertzen und Angst deß Gewissens abgescheden ist / daß sie auch keinen Trost hat annehmen wollen / sondern an GOttes Gnade verzagt. 1. Huren-Lieb bringet solchen Lohn und stürtzet viel nicht nur allein in zeitliches / sondern auch ewiges Verderben.
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2. Woher ists wohl kommen / daß diese Gräffin an ihrem letzten Ende keinen Trost hat annehmen wollen? Das böse Gewissen ist auffgewacht / und hat ihr die Treue / so sie ihrem ersten Gemahl schuldig gewesen / aber gebrochen / vorgestellet. Ein jedweder sehe nur / daß er ein gutes Gewissen behalte. Denn böse Gewissen bringen böses sterben. 276. Ein Blutrothes Creutz wird am Himmel gesehen. Im Jahr Christi 1517. nach dem Lutherus eine kurtze Zeit zuvor seine Theses wieder Tetzeln angeschlangen / seynd die drey Fürsten zu Sachsen / Fridericus, Johannes, Johannes Fridericus in der Christnacht bald nach Mitternacht / aus dem Closter zu Weymar gangen / und da haben sie daselbst gleich über dem Schloß an dem hellen Himmel ein blutrothes Creutz gesehen / welches gar helle geleuchtet hat. Dadurch der grosse GOtt ohne Zweiffel hat zuverstehen geben wollen / daß jetzo die feelige Zeit wiedrumb da sey / da nicht mehr von Francisco und seinen Wunden / sondern einig und allein von dem neugebornen Christ-Kindlein / oder von dem gecreutzigten Cristo [536] JEsu und seinen rothen Blutstropffen / als in welchen unser Seelen Heyl und Seeligkeit bestehet / geprediget werden solle: Ja anzeigen hat GOtt durch diß Creutz wollen / daß die Hertzogen und also Chur und Fürsten zu Sachsen umb des Evangelii willen viel Creutz würden müssen ausstehen / wie denn auch Chur Fürst Johann Friederich ein güldenes Creutz auff seinem Kücken mit aus Mutterleib sol gebracht haben / und daß auch die Hochlöblichen Chur und Fürsten zu Sachsen / bey dem Evangelio steiff und fest gehalten / und sich von demselben durchaus nicht haben wollen abwendig machen lassen / das ist gnugsam bekant: Vnd werden es die löblichen Chur und Fürsten zu Sachsen dermaleins am Jüngsten Tage Kuhm haben vor vielen andern / welche dem Evangelio sich nicht wiedersätzig gemacht haben. 1. GOTT gibt offtmals ein und das andere Anzeigen / welche nicht in Wind zuschlagen / oder zu verachten seyn. 2. Weil alle Christen Creutzträger seyn / so sollen sie nach dem Exempel der löblichen Chur- und Fürsten zu Sachsen auch beym Creutz / das ist beym gecreutzigten JEsu / halten. 277. Democriti Urtheil von der Menschen Zustand.
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Als einmal Democritus, einer aus den alten heydnischen Philosophis gefragt ward / was er doch von dem Zustand der Menschen allhier auff Erden guts hielte / hat er geantwortet: Miseram esse homini fortunam, cum bona quaerentibus vix obtingat, mala autem non tantùm, non quaesita, sed extra omnem etiam expectationem, Es sey ein elender Zustand der Menschen / weil / wann sie schon nach etwas gutes streben / dasselbig schwerlich erlangen / da hergegen ihnen Unglück vollauff auch mehr dann sie immersich versehen können / allenthalben begegne. 1. Ist vernünfftig und recht warhafftig geredet. Denn es ist und bleibt doch alhier ein Jammerthal / Angst / Noth und Trübsal überal. 2. Wol dem nur / der GOTT liebet und vertrauet / dem muß alles un̅ auch die Trübsal zum besten dienen / wie Paulus schreibet / Rom. IIX. vers. 28. 278. Anthimi eines Bischoffs Rath / so er Euphrasiae geben
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ANthimus Bischoff der Kirchen zu Nicodemien / als Euphrasia / eine schöne unverletzte Zier der Jungfrauschafft / welches Ehren-Lob ihr Nicephorus gibt / umb deß willen / daß sie die Götzen nicht verehren wollen / unzüchtigen Schand-Wuben zu Schänden übergeben wurde / und ihr im hinführen Anthimus ungefehr begegnete / sie ihn frangte / was sie unter diesen beyden thun solle / ob sie sich Schänden lassen / oder ehe sie das thete / sich selbsten umbringen solle / er zu ihr sagte; mein liebe Tochter Euphrasia, es ist wol die keusche / reine Jungfrauschafft / die allerschönste Gabe: aber viel grösse / und herrlicher ist das Gebot des Glaubens. Vnd demnach / so es nicht sein kan / daß du beydes behalten könnest / halte ich dafür / du soltest dahin streben / daß du nur diene Seele unbefleckt behaltest: Daß du nemblich / wann du dien Gemüth in wahrem Glauben befestiget / deinen Leib die böse Buben Schänden / und unehrn lassest. Welchem treuen Rath / wo sie gefolget / hette sie besser und Christlicher gethan / als daß / Sie dem zu wieder / sich / umb erhaltung der leiblichen Keuschheit willen / umbs leben / durch besondern List / bringen lassen. Fast dergleichen von einer Alexandrinischen Matronen ist bey Eusebio zu lesen. 1. Gewalt leiden ohne Bewilligung / das macht und bringt keine Schand dan̅ es ist ein Passio, ein Leiden / und nicht [539] ein Actio, eine Verübung. 2. Die jenigen demnach / die sich mit Gewalt müssen Schänden lassen / die leiden zwar Schand / aber sie thun keine Schande / und das wieder ihren Willen / und Velieben / darumb so ists besser / so übel leiden / als Ubel thun und Keuschheit zu erhalten / ihm selbsten das Leben nehmen.

279.
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Von Pabst Leone dem X. PAbst Leo ver Zehende dieses Namens / unter welchem Lutherus das Pabstthumb zu stürmen angefangen / hat wieder Letherum gewütet und getobet / seine Bücher zu Rom verbrandt / und sich nicht anders gestellet / gleich als wenn er ihn mit Haut mit Haar fressen wolte. Aber endlich soll ein Welscher Marggraff Ihm ein Welsch Süplein haben zurichten lassen / und da er dasselbe gessen / ist ihm bald wehe worden und gestorben. Und das ist der Epicurer, welcher gegen dem Bembo sich verlauten lassen / daß das Evangelium von Christo nichts anders sey / als eine Fabel und Gedicht. Von diesem Pabst schreibet [540] Hutterus: Leo X. Decem Leones, Er heisse billich der Zehende Löw / denn zehen Löwen weren in ihm. Von diesem Leone wird gemeldet / daß / da er im Jahr 1521. am Christ-Tage aus seinem Gemach gangen die erste Meß zur Metten zu halten / soll gleich hinder Ihm ein überaus schön gebauet / Marmelsteinen Dach eingefallen seyn / und soll seiner Trabanten viel erschlagen haben. Item da er im 1517. Jahre auf einem Tag ein- und dreysig Cardinäl gemacht / soll sich zu Rom ein grosses Ungewitter von Donnern und Blitzen erhoben haben / welches auch in die Kirche geschlagen / und das Kindlein IEsum aus dem Schoß Maria der Jungfrauen / und die Schlüssel aus S. Peters Händen geschlagen haben soll. Welches denn Jederman also außgeleget / daß es des Römischen Stuels Fall bedeuten würde / welches denn auch geschehen ist. Und hat Staupicius Lutherum vermahnet / er solte sich nicht fürchten für dem rugituleonis, dem grosen Brüllen des Löwens / hat darneben angezo gen die Wort aus dem 91. Psalm. Du wirst treten auff dem jungen Löwen und [541] Drachen / etc. und weil dieser Leo absque crux & lux dahin gangen / hat ihm Sannazarius diese Grab-Schrifft gemacht. IN LEONEM X. PONT. MAX. Sacra sub extremà, si fortè requiritis horâ, Cur Leo non potuit sumere? vendiderat. 1. Es gehet vor einem heiligen Vater wol hin. Andere Päbste / seine Nachfolger / sind nicht umb ein Haar besser. 2. Wenn man nur die Augen wolte auffthun / und die rechte Brillen des Worts GOttes brauchen / darneben fleisig inquiriren, so würde man gewieß in Pabstthumb hinter solche Dinge kommen / derer Man in Ewigkeit nicht vermuthet. 280. Wer heyrathen wil / soll die Sache mit GOTT anfahen. DAß man die Heyrathen mit GOTT soll anfahen / hat auch des Königes Admeti Ehegemahl in der Heyrath wol bedacht / und sehr vernünfftig den Abschied von sich gegeben. Den̅ als umb Sie in ehren bey ihrem Vater geworben / und es mun auff sie geschoben ward / sprach Sie: Ist sein Hertz mit den Göttern versöhnet / (wie ich hoffe) so sols wol ja seyn / damit [542] wir nicht allein anfahen einander hertzlich zu lieben / sondern damit auch solche Liebe biß in Todt beständig bleibe / denn ehe ich mich zu lieben Ihm ergeben / so hab ich solches vor allen Dingen gesucht / wo es zu suchen ist / nemblich bey den unsterblichen Göttern / die haben auch nun in mir das Feuer angezündet / welches ich hoffe biß an den Tod brennen sol. 1. Ist das nicht eine vernünfftige Rede von einer Heydin? warlich / warlich manch Christen Mensch möchte von dieser lernen / wie man sich in Heyrathen verhalten solte. 2. Haben sie ohne consens, ihrer Götter / da sie doch nicht recht gewust haben / wer sie sind / keine Heyrath anfangen wollen / oder darein willigen / Ach! so last uns vielmehr den rechten GOTT ehren und anruffen in allen Sachen / welche wir wollen / daß sie sollen glücklich / und mit Freuden zu Ende schreiten / sonderlich weil uns GOTT der HERR so gnädige Hülffe zusaget / und auch durch seinen Sohn solches wiederholen lässet / daß alles / was wir aus Christlichem Hertzen begehren / uns wiederfahren soll. Zu dem weil [543] GOTT der HERR ohne das geneigter zu geben ist / als wir zu nehmen sind / wie S. Hilarius redet / Ach so last uns getrost in allen unsern Anliegen auff GOTT hoffen und bauen. 281. Von einer künstlichen Toden-Larve. PEtronius, da er das Gasimahl des Trimalcionis beschreibet / gedencket unter andern / daß / als sie da gesessen / gessen und getruncken / und sich über die stattliche herrliche Tractation verwundert / da sey ein Diener kom̅en / und hab eine silberne Toden Larve herfür gebracht / welche so künstlich und geschmeidig mit allerley Gelencken und Gewerben gemacht / daß sie sich auff alle Seiten und Ecken umbdrehen können. Als er solche einmahl oder drey über den Tisch hin geworffen und durch seine Fugen und Gewerben es unterschiedliche Formen geben / da hab Trimalcio anfahen überlaut zu seufftzen: Heu, heu, nos miseros quàm totus homuncio nil est! Sic erimus cuncti postquam nos auferet orcus
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Ach leider / leider / des Elend Wie nichts ist doch der Mensch behend! Eben so werden wir alle seyn / Wann wir kommen zum Grabhinein. 1. Wenn wir nur alle solche Gedancken stets führeten und bedächten / daß wir sterben müsten / und allhier keine bleibente Stett hetten / so würden wir desto weniger übels thun und sündigen. 2. Wer ist aber so gefinnet / daß er jmmer mit Sterbens-Gedancken umbgehe? Vnte???hunderten / ja unter tausenden nicht einer. O böse / böse! Es wehr besser / daß wirs alle thäten. 282. Ein Weib rechnet ihres Mannes Todt an Käyser Ottone III. REyser Otto dieses Nahmens der III. welcher doch sonst gar ein frommer Ritterlicher und glückhafftiger Herr gewesen / hat sich doch falsche Liebe Lassen einnehmen und verführen. Denn als er Rom eingenommen / und Gescentium des erweckten Auffruhrs halben hatte tödten lassen / da versuche [545] sich des verstorbenen Gemahl / wie sie ihres Herrn Todt (weil er ihr hertzlich lieb gewesen) rechnen möchte / schicket sich derowegen zum schönesten / gehet für den Käyser / etwas von ihm zu bitten. Als aber der Käyser ihre schöne anmutige Gestalt und freundliche Geberde sihet / wird er als bald in grosser Liebe gegen ihr entzündet und angereitzet / daß er ihr wieder Gottes Gebot unzüchtige Liebe ansinnet / solche willigte sie alsbald mit frölichem Gesicht und Hertzen / dann (wie vor gesagt) war es ihr nicht umb des Käysers Liebe zu thun / sondern ihres lieben Mannes Todt dardurch zu rechnen. Als aber der Käyser nun etliche Zeit Lust und Kurtzweil mit ihr getrieben / nach alle seinem Willen / und nun wiederumb in Deutschland ziehen wolte / gab sie ihm zu letzte gar ein schön baar Handschuch / darein inwendig / Gifft genehet / von aussen aber sehr wohl rochen / mit Bitte / Er wolle sie ihr zugefallen tragen / welches Er mit allen willen aus Einfalt that. Als er sie nun auff dem Weg anzog / sich darbey seiner schönen und freundlichen liebhabenden Buhlschafft zu erinnern / kroch ihm unvermerckt das Gifft in alle Gliedmassen / daß er bald todt kranck ward / und nach vielen grossen Schmertzen auff dem Wege starb / ehe er in Deutschland kam / wie Albertus Krantz in seiner Chronica solches weitleufftig einführet.
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1. Hier siehet man / daß Gott an keinem Menschen unzüchtige Liebe wil ungestrafft lassen. 2. Ist aber die Frage / ob diese Frau recht gethan / nicht nur allein / daß sie ihren Leib dem Käyser in Unehren unterwürffig gemachet / sondern auch daß sie ihm durch Gifft das Leben genommen? Und die Antwort drauf-Nein: Sie hat nicht recht gethan / sondern sie hette die Sache und Rache Gott befehlen / und ihren Widwen Stand in Keuschheit verführen sollen. 283. Wunderwerck / das sich zugetragen bey Zeiten deß Pabsts Calixti. IM Jahr 1122. bey Zeiten des Pabsts Calixti, welcher fürgeben / daß niemands der Römischen Kirchen solte wiedersprechen / Ursach / wie Christus kommen sey zu thun den Willen seines Vaters / also sollen alle Christen thun den Willen ihrer Mutter der Römischen Kirchen / hat sich diß Wunderwerck begeben und zuge [547] tragen / daß der Mond gar keinen Schein gegeben / als ob er gar verloschen und ausgedilget wäre: Frühe am Ostertage hat sich der Himmel auffgethan / da hat man ein Creutz und ein Liecht gesehen / das Son̅ und Mond übertroffen / länger denn eine Stunde / man hat auch einen Durchleuchtigen Mann mit einem Creutz am Himmel gesehen. 1. Dadurch GOtt ohne Zweiffel hat anzeigen wollen / daß ob gleich der Mond / das ist / die Kirche / sich jetzo muste verdunckeln lassen / so wolt er doch mit der Zeit einen erleuchten Mann erwecken / welcher das rechte Liecht wiederumb solte herfür bringen. 2. Welches auch geschehen / und ist Lutherus der von GOtt erleuchtete Mann gewesen / welcher das Liecht des Evangelii / so in Pabsthumb ziemlich verdunckelt worden / wiedrumb herfür gezogen und gebutzet / daß auch durch die Gnade Gottes noch hell brennet und brennen wird / und solte dem Pabst / allen Jesuiten und Päbstischen Pfaffen drüber der Bauch zerbersten.
|| [548]
284. Von Sesostre dem König in Egypten / welcher sich von vier gefangenen Königen auf einem güldenen Wagen führen liesse. VIta humana est veluti circulus quidam rerum humanarum, qui sua ratione non permittit eadem agere semper fortunatè schreibet Herodotus. Das Menschliche Leben ist eben wie ein Circul-Rad Menschlicher Dinge / welches mit seiner stätigen umbdrehung nicht nachgiebet / daß es allen und jeden allezeit glücklich und wol ergehe. Dessen haben wir eine denckwürdige Geschicht an Sesostre dem König in Egypten / der hatte überwunden vier Könige / welche er bey sich gefangen hielte. Wann er ausziehen wolte / ließ er sich führen auff einem güldenen Wagen / welchen die vier gefangene König ziehen musten. Als aber einer aus den gefangenen Königen offt zu rück sahe und das Rad anschauete / fragt jhn Sesostres / warumb er das Rad also ansehe? Da gab er zur Antwort: Intuens rotae volubilitatem, in qua citò ea quae summa fuerant fiunt ima, cogito de fortuna nostra, indem ich dieses Rads geschwinde umdrehung ansehe / daran das / so jetzt obe̅ / bald wider unten / erinnere Ich mich unsers Glücks. [549] Welches dem Sesostri so nahe zu Hertzen gangen / daß er sich über sie erbarmet und sie loß gelassen. Gleiches Exempel finden wir bey dem Pomponio Laeto, als Justinianus der Käyser Gelimerem den Wenden König gefangen / mit seinem Weib und Kind an Ketten geschmiedet / in offenem Triumph zum Schauspiel geführet / und endlich für dem Käyser bracht / da hat der gefangene König überlaut gelacht / und als jederman vermeinet / er würde etwa von Schmertzen seiner Sinnen beraubet seyn / da hat er gesagt / Se ridere humanae fortunae vicissitudinem, ut qui modò Rex fuerit, jam serviret, Er lache des Menschlichen Glücks Vnbeständigkeit / daß er / welcher auch ein König gewesen / jetzo nun ein Knecht seyn und dienen müste. 1. Ach freylich ists also: Fortuna volubilis errat: vitrea est, optime cum splendet, frangitur. 2. Wann wir Menschen es doch nur bedächten / und uns des Glücks / wenn uns Gott solches gönnete / nicht übernehmen / sondern jmmerdar erwegten / wie bald das Glücks Rad könte umbgedrehet und das oberste zu unterst gekehret werden. Im Glück / lieber Mensch / erheb dich nicht / Im Unglück aber verzag auch nicht.
|| [550]

285.
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Vom Pabst Adriano dem Sechsten. ADrianus der sechste dieses Namens verhieß den Fürsten durch Schrifften / Er wolle Fleiß ankehren / daß der Römische Hoff / so zu vielem Ubel grosse Ursach geben / am allerersten gebessert würde / aber es war ein gleissenerischer Schein / denn Er Lutheri Lehr auch hefftig verfolget: Zugleicher weise aber wie man zu sagen pfleget / daß ein rasender Hund über neun Tage nicht lauffe / also ist er in dem andern Jahr seines Pabstthumbs eines argwöhnigen und verdächtigen Todes gestorben. Und von diesem Adriano hat Sannazarius diese Verß gemacht. Classe, viris???ue potens, domitoque Oriente superbus Barbarus in Latias dux quatit arma domos In vaticano noster latet: hunc tamen alto, Christe vides coelo (proh dolor) & pateris!
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1. Ist abermals ein Pabst ein Heuchler und Schmeuchler gewesen. 2. Dergleichen Art sind sie alle / die nemblich in Schaafs-Kleidern kommen / aber darunter den reissenden Wolff verborgen tragen. 286. Dionysii Tyranney gegen einen Liebhaber. MAn lieset in Historien / wie daßder greuliche Tyrann Dionysius habe erfahren wollen / was doch eigendlich die Liebe sey / fraget deßwegen seinen getreuen Diener einen und spricht: Er solle gerade zugehen / und ihm eigendlich anzeigen / wann ihm ein freyer Wunsch erlaubt werde zu bitten / was ihm lieb were / daß er bitten wolte / daß ihm auff der Welt am allerliebsten were / daß ihn auch künfftig am meisten erfreuen möchte / wann er schon dagegen das / was er zuvorhin hette / verlieren sollen? Dieser gehet gerade zu / und spricht: Was er habe / daß werde er sich wohl nicht verzeihen / und wehre ihm doch seine Hauß-Frau lieber als das gantze Königreich / und alle Königliche Schätze. Wie / sagte der Tyrann / bistu nicht gegen mir mit Lieb ver [552] bunden? hastu nicht geschworen / mir gehorsamb und treue zu seyn? Ja freylich / sagte dieser / aber daß habe ich dir nicht zugesaget / was ich meiner Braut verheissen / sie zu lieben / als mein eigen Hertz / ja auch höher als mich. Darüber erzürnet sich der König / und will sehen / wie lange solche Liebewerde bestand haben / lässet alsbald desselben Hauß Frau gen Hoffe bringen / und befiel???t Ihm mit Ernst / alsbald seiner Fraunen / Arme und Ohren abzulösen / oder soll des Todes darüber seyn. Als er aber solches in keinem wege thun will / läst ihm der Tyran (aus Gnaden / wie er vorgab) zu / ein empfindlich Glied vom ihrem Leib zu schneiden; Dieser sagte / er wolte zehen mahl lieber sterben / denn seiner Frauen den allergeringsten Leibes-Schmertzen bey bringen oder zufügen. Endlich / als er mit Gewalt darzu bezwungen ward / nam er daß Messer / mit welchem er seine Hauß-Frau zerstümmeln solte / und erstach denselben gewaltiger / nathmals auch sich selbst / der Tyrann aber ließ alsbald des Toden Hauß-Frau in Stück zuhauen / doch aber hat er dabey eigendlich erfahren / welch ein Hertzen-Bund die Liebe sey / und [553] daß kein näher Verbündnüß kan gefunden werden / als die Eheliche Liebe. 1. Was trotzestu denn / du Tyrann / daß du kanst Schaden thun / hette man allhier wol sagen mögen / aus dem LII. Psalm. Was hats ihm denn geholffen / daß Er diese beyde Eheleute umbs Leben bracht / und ihre Liebe getrennet? GOttes Straffe wird gewieß nicht sein aussen blieben. 2. Eheleute sollen aus diesem Exempel erlernen / wie sie einander lieben und meinen sollen. 287. Von einem Grabstein zu Tarracon. ZU Tarracon hat man einen alten Grab Stein gefunden / welcher nach Rom geführet / darauff ein Bild gehauen / eines Jünglings / so auffm Rücken aelegen / zu dessen Haupt gestanden ramus florescens, ein lustiger grünender oder blühender Ast / zu denen Füssen aber ramus marcescens, ein dürrer faulender Ast / und darbey diese Verß zu Latein geschrieben: Adspice, quàm subitò marcet, quod floruit ante! Adspice, quàm subitò, quod stetit ante, cadat!
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Nascentes morimus finis???ue ab origine rapit, pendet, Illa eadem vitam, quae inchoat, hora Ach sieh! wie dürrt doch diß so bald / Welchs eben vor grünt mannigfalt! Ach sich! wie elend ligt doch diß / Welchs vor so fest gestanden ist! Wir sterben / wann wir werdn geborn / Im Anfang ist das End verlorn. Die Stund so uns das Leben bringt / So bald wiedrumb zum Tode rint. 1. Sind wol in acht zunehmende Wort / die sonderlich junge Leute und der Welt ergebene sollen bedencken. 2. Allein / wer glaubt unsern Predigen? Wer glaubt auch den Grabschrifften? ob gleich die Sache täglich mit Exempeln bestärcket wird. 288. Wie der Ablaß-Krämer Johann Tetzel gestorben.
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JOhannes Tetzel / welcher den Ablaß herumb getragen / ist doch selbst ohn Ablaß dahin gefahren. Denn nach dem er gehört / daß Lutherus und Eccius zu Leipzig eine Disputation mit einander halten solten / ist er heraus gefahren und gesager: Das walt der Teuffel: Darauff er denn in eine gefährliche Kranckheit gefallen / und ob ihn gleich Lutherus getröstet / hat doch nichts helffen wollen / sondern ist mit Ach und Weh dahin gefahren. Vnd von dieses Tetzels Tode schreibet Fröschelius also; Tetzel starb auch unter dieser Disputation, unter ihrem / der Mönche Salve, wie sie heraussen in der Kirchen das Salve regina misericordiae singen / da hub der Mönch zum ersten mahl an zu lauten / und zum andern mahl / als der Tetzel im letzten Zug lag / und als die Mönche anhuben zu singen: sub tuum praesidium confugimus, sancta Dei genetrix, du hub man an zum drittenmahl zu lauten; als er seinen Geist auffgab / da lieffen die Mönche hinein / als wäre der Hencker mit einer Ruhten hinter ihnen daher / gleich umb sechs Vhr und an dem Tage / da Doctor Martinus Luther angefangen hatte wieder den Pabst zu disputiren, dadurch ohne Zweiffel bedeutet ist / daß sich der Tetzel und Mönche mit ihrem Pabst für dem Martin Luther verkriechen müsten / und begraben / und zugescharret werden. Solches alles hab ich selber gesehen.
|| [556]
1. Wie gelebt / so gestorben / pflegt man zu sagen / das ist an Tetzeln wahr worden. Er ist ein Lotterbub und Verfuhrer gewesen / darumb hat ihn der Teuffel endlich dahin geführet / wohin er begehret und auch gehöret. 2. Alle Ketzer und wissentliche Sünder mögen hier eine Warnung nehmen / sonsten werden sie auch von diesem Quartiermeister in dergleichen Quartier geführet werden. 289. Ambrosii Judicium von Ehestand. ALs der alte Kirchen-Lehrer S. Ambrosius von dem löblichen Käyser Theodosio gefraget worden / ob die Eheliche Beywohnung zweyer Personen auch ein Dienst und Ordnung GOttes were? da hat der fromme Bischoff darauff geantwortet und gesagt: Nichts hat GOtt dem HERRN ehe gefallen / und selbst geordnet / denn züchtig vergattung zweyer ehelichen Personen / denn zu diesem Ende hat er den ersten Ehe-Personen seinen Geist eingeblasen / dadurch ihre Hertzen in der Liebe anzuzünden / und zu inflammiren. Vnd solche von GOTT eingepropffte Liebes-Flamm erhelt er auch in allen züchtigen Hertzen / biß ans Ende der Welt.
|| [557]
1. Hier vernehmen wir ja klar / daß eine rechte eheliche Liebe allein von GOtt dem HErrn / dem rechten Geber alles Guten herkömmet. 2. Wilstu demnach / lieber Mensch / du seyst Mannes oder Weibes Person / in heiligen Ehestand treten / so ruffe zu förderst GOTT umb gedeyen an / sonsten wirstu es nicht treffen / wenn du aber befindest / daß du es nicht troffen hast / die Schuld niemand anders als dir / weil du deinen Ehestand nicht gebührende angefangen hast / geben dürffen. 290. Wie man krancker Leute warten soll. EIn denckwürdiges Exempel lesen wir von S. Bernhardo, als derselbe mit Schmertzen gesehen / wie zur Zeit der bösen Seuche / die krancken Leute von Jedermänniglichen verlassen worden / hat er zwölff junge Männer zu sich genommen / und sie gelehret / wie sie neben ihm den krancken dienen solten / daß solcher Dienst nicht den Menschen / sondern GOTT selbst geschehe. Da er sie nun dessen beredet / ist er mit ihnen von Hauß zu Hauß gegangen / hat die gesunden ge [558] tröstet / die krancken gestärcket / den Dürfftigen gedienet / die Toden begraben / und mehr bedacht der Krancken Wolfahrt / denn sein zeitlich Leben / solches hat ihm GOTT reichlich vergolten / indem er ihn unter den Schutz seiner Allmacht genommen / daß er unversehret geblieben / und einen unsterblichen Namen dadurch erlanget. 1. Daß laß dir auch zu Christlicher Nachfolge gesagt seyn / wenn du auff angefochtene un̅ melancholische Hertzen bestellet bist / daß du sie nicht unchristlicher weise verlässest / sondern wol verwahrest / und ihrer auffs treulichste wartest / in gewisser Hoffnung / GOTT werde dir deine angewendte Treute und Fleiß wol bezahlen / und in der letzten Noth allergnädigst Hülffe verschaffen. 2. Das will die heilige Schrifft auch haben. Wo du kanst / da hilff den Dürfftigen / vermahnet der alte fromme Tobias seinen Sohn den jungen Tobias / Tob. IV. vers. 8. Nehmet euch der Heiligen Nothdurfft an / befielet Paulus / Rom. XII. vers. 13. Veschwere dich nicht die Krancken zu besuchen / denn umb deß willen wirstu [559] geliebet werden / schreibet Syrach / c. VII. vers. 38.

291.
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Junger Regenten-Spiegel. CHristian Hoheburgk in seinem ausgangenem Christ-Fürstlichen Jugend-Spiepel hat allen jungen Regenten / und denen / so die Regierung bedienen / oder schier künfftig bedienen möchten / zur höchstnöthigen Erinnerung / aus der H. Schrifft / und glaubwürdigen Historien / zusammen getragen. Der schreibet nun / unter andern / also: Junge Fürstl. Herrschafft sol wol / und Christlich erwegen / daß von sonderbahrer Gnade GOttes sie also über andere erhoben / sindemahl sie es nirgend wormit verdienet / daß sie eben von Fürstl. oder hohen Eltern / vor andern / so gering Herkommens sind / gebohten. Ein Zeichen eines wolerzogenen Herrns ist / in bedrachtung dieser Gnaden Gottes / von / und durch welche er ist / was er ist / sich demütig im Hertzen / Geberden / Worten und Wercken / halten. Ein Christ-Fürstl. Hertz ist mehr Lob und Danck schuldig vor so grosse hohe Gnade / durch welche er über viel gesetzet / als etwan ein gemeiner Mann / oder geringern Stands-Personen. Er hat so zu reden / zehen Pfünder in Leiblichen / da jener nur eins empfangen. Junge Herrschafft kan [560] nicht besser / zum Lobe / zum Danck / und zur wahren Gottesfurcht angereitzet und auffgewecket werden / als wann sie täglich mit dem Heil. Könige David betrachtet diese Gnade GOttes / durch welche sie ist / was sie ist / daher die alten Teutschen Fürsten und Regenten / allezeit vor ihrem Tauff-Nahmen geschrieben haben / von GOttes Gnaden wir N. wann junge Herrschafften viel mehrern Gefahren unterworffen / in deme auff einer Seiten allerley Mittel zur Hoffart / Vbermuth / Pracht / Saufferey / sich mit den Jahren ereignen / und die angeborne Erbsünde / mit der Natur auffwächset: Andern Theils / Sathan durch allerley Liste / ja durch Fuchschwäntzer / und dergleichen / ihnen hefftigern zusetzet / als andern / in Erwegung / wann er solche Personen gefället / sie als grosse Bäume / viel kleine mit sich fällen können. So müssen / in reiffer Beobachtung dieser ihrer Gefahr / zu der Gnade / und Barmhertzigkeit GOttes / allein sie ihre einige Zuflucht nehmen. Wil auch aus Gottes Gnaden sie alles seyn / und haben / sollen sie auch von Jungend an / angewiesen werden / hinwiederumb ihren armen Leuten Gnade zu erzeigen: Dann dahero heissen Sie gnädige Herren. Es stehet aber die Gnade hierin / daß ein junger Fürst / I. allen Nothleidenden Armen / sonderlich armen verlassenen Wittiben [561] und Waisen / Gnaden und Hülffe / beweisen sol. 2. Mit freundlichen Geberden / und Worten / sich gegen seine Vnterthanen erzeigen. 3. Leichtlich vergeben und vergessen. 4. Die Supplicationen oder Bittschrifften der armen Leute gnädig annehmen / selbst durchsehen / gnädig antworten / bald befördern / und gnädige Ausrichtung ertheilen. 5. All zu grosse schwere Laste der Vnterthanen entweder auffheben / oder doch lindern. 6. Ein sonderlich gnädig Aug auff die frommen Armen / und die / so in ihrer Nahrung nicht zu recht kommen können / werffen / und solche nicht verlassen. Ferners soll ein junger Christlicher Fürst vor allen Dingen die Rechte des HErrn lernen aus dem Worte des HErrn / seine Lust daran haben Tag und Nacht / mehr als andern eiteln Büchern. Gericht und Gerechtigkeit / soll ohne Vnterscheid der Personen / von ihme beliebet / und geübet werden. Es sollen junge Regenten in ihrer Jugend also lernen / daß sie selber sehen und erkennen / was recht oder unrecht sey: Von Jugend an der rechten Weg wandeln in aller Gottseligkeit / dem rechten guten Geist sich ergeben / das rechte Recht lieben: Absonderlich selbst in ihren eigenen Leben / und Regierung / alles unrecht hassen / fliehen und meyden / und recht thun lernen von Jugend auff. Sie sollen Christlich / bedachtsam / und vorsichtig seyn. Damit alles zu GOttes Ehr / auch [562] der armen Leute Nutz und frommen gereiche / und darinnen den H. Geist mit zu Rath ziehen: Anderer Regenten Exempel ihnen vor Augen stellen / wol / und mit langwürigen / reiffen / Rath / beobachten / was / wie / warumb / mit wem sie etwas anfangen / und mit was Mittel sie selbiges vo / führen wollen? Auch sollen sie nicht allein auff das gegenwertige / sondern auch auf das Zukünfftige sehen / und keine gute Gelegenheit lassen vorbey gehen; sich auch nach der Zeit des Orts / und der Person Gelegenhiet und Zustand / Christlich richten und schicken: Nicht einem jeden / nicht leichtlich / nicht zu viel glauben; auch ihren Rath und Meynung nicht einem jeden offenbahren. Sehen / und nicht sehen / hören / und nicht hören / und nicht alle zugefügte Vnbilligkeiten zu Boltzen dreiben / sondern der Zeit / deß Orts / und anderer Vmbständen / sich klüglich erinnern. Vnd ist ein solch dissimuliren Christlich / weil es zum Zweck hat die Christliche Gedult / die Ehre Gottes / Friede und Ruhe deß Gewissens und der Vnterthanen. Redligkeit / und Auffrichtigkeit ist weyland der alten Zierde gewesen: Daher sie die redliche Teutschen genennet worden sind; heisset in Latein Sinceritas, welcher Tugend sich die Herren / von Jugend auff / gegen Freund und Feinden / befleissen sollen. Es wird ferners von den Regenten erfordert / daß sie sich Christtreulich und Mit [563] leidentlich / gegen ihr arme Vnterthanen / sonderlich zu diesen betrübten Zeiten / da sie vorhin nicht nur erschöpfft / sondern fast gar zu boden gerichtet seyn / erzeigen. Junge Herrschafften sollen / vor allen Dingen / ihnen lassen diß Latein gesagt seyn / daß so gewiß / und genau / ihre Diener ihnen müssen Rechnung thun / wie treulich sie gehandelt / eben so genau / und so gewiß auch sie / wegen ihrer Haußhaltung / dermaleins Rechnung thun werden müssen. Da wird es nicht heissen: Ich hab es nicht besser verstanden / ich hab es durch meine Leute gethan / sondern da wird es heissen / warumb hastu es nicht gelernet in der Jugend / damit du es besser verstündest / und nicht also andern in die Hände sehen dürffest? Warumb hastu deine Jugend mit fressen / Sauffen / Faullentzen / Jagen / Fechten / Reiten / zugebracht / und nicht gedacht / wie du die Kunst / treulich zu regieren / als dann lernen möchtest? O wie mancher Herr wird ewig trauren / daß er seine junge Jugend so übel zugebracht / und nicht dari??? in gelernet / wie er treulich hette regieren sollen. Es sollen die Regenten auch treulich mit Gericht und Gerechtigkeit verfahren / und gedencken / daß sie also treu darinnen seyn / als wann GOtt selbst dazu gegen / wie dann warlich er zu gegen ist: Sie sollen alle Verträge / Zusagen / Privilegien / Hand und Siegel / etc. treulich / auch mit ihrem eigenen Schaden / halten: Es [564] solte allen jungen Herren zeitlich vorgehalten werden / daß sie Wittiben und Wäysen / Hauß-Armen / Nothleidenden / Frembden / treulich mit Raht und That beyspringen / ohne alle Geldspendierung / und lange Heydnische Processe / solchen ohne das hoch bekümmerten Personen treulich aushelffen: Sie sollen ihre Vnterthanen mit schweren unnöthigen Contributionen nicht plagen: Keine unnöthige Kriege / umb Personal-Jujurien / Titul / ein Hand voll Landes / oder Sandes / Ehre oder reputation willen / anfangen: Neu unnöthige Zöll / Schatzung und Dienst ihren Vnterthanen / wieder Zusage / häuffig nicht aufflegen: und zu ihrer / der Herren Religion / mit Gewalt nit zwingen: Sie solle sich von Jugend an vor gottlosen Leuten / als vor Flucher / Säuffer / Spieler / Schandierer / Possenreisser / Hurer / Ohrenbläser / Fuchsschwäntzer / und dergleichen / hüten / und solche nicht umb sich / und an ihrem Hoffe / leiden. Junge Herrschafft soll auch gewarnet / werden vor hoch und stoltzmütigen Räthen / und Dienern / die nicht ein Härlein von der reputation, Titul / Ehre / wollen ablassen / ob schon das Land dadurch solte zu grunde gehen: Ach wie schädlich seynd solche Räthe und Diener einem Fürsten! Ein Regent solle auch selbsten demüthig seyn / nicht nach grössern Tituln / und mehr Landen / streben da er doch mehr zu regieren / als er / nach Gottes [565] willen / verrichten kan: Solle freundlich seyn / und die Leute fein bescheidenlich wieder grüssen / mit freundlichen Geberden / und Worten / ja mit der That / antworten. Dann es ein Zeichen eines hochmüthigen Hertzens / nicht wieder grüssen: Er solle in Kleidungen Demuht blicken lassen. Den jetzigen König in Dennemarck / Christian den Vierdten / hab ich / sagt Christian Hoheburgk / allhie / am 61. Blat / offters in viel geringerer Kleidung gesehen / als seine Diener. Es sollen junge Regenten auch dahin angewiesen werden / daß sie umb treue Diener sich bewerben sollen; welche nicht ihren / sondern ihres Oberherren Nutzen in allem suchen: Die der armen Leute Schaden getreulich vorbringen und befördern: Die dahin trachten und rathen / daß Recht und Gerechtigkeit gehandhabt werde: Die bey ihrem Dienste kaum ihre Nohtturfft haben: Die ihren Obern treulich wiederrathen / was schädlich ist: und die Gunst und Gnade des Obern zwar hoch / aber GOttes Gnade und ihr Gewissen / höher achten. Sie sollen auch / in Erwöhlung ihrer Diener / auff den Verstand / und Geschickligkeit / und nicht auff hohes Herkommen / sehen: Es sollen die Regenten / in ertheilung deß Rechts / keine Person ansehen / nicht Geschenck und Gaben nehmen / noch die jhrigen nehmen lassen: Sie sollen die zu milden Sachen einmahl gewidmete Güter nicht an sich [566] ziehen / damit nicht Gottes Zorn erwecket werde; wie das wol ein grosse Vrsach deß Zorns GOttes über Teutschland seyn wird. Sie sollen auch ihr eigen Einkommen nicht ungebührlich verschwenden / nit losen Leuten / die es nicht verdient / geben / nicht auff unnöthige Gebäu / Pracht / Hunde / Pferde / etc. wenden: Sie sollen selbst halten die Gesetze / so sie gegeben / so viel ihre Person / Hoffhaltung / und Regierung betrifft: Sich enthalten vor vielem Sauffen / von Vuzucht / Wildheit / Frechheit / und allem Ergernüß; von allzuvielen Jagen / von allzu vielem Spielen; von allzu vielem Hofgesinde / welche nur zur Pracht / Jppigkeit / und nicht zur Regierung dienen: von allem Vberfluß in Kleidungen / von übermässigen Zorn / und in Summa / sie müssen sich selbst / und jhre Adamische Lüste / bestreiten und besiegen. Sie müssen auch nachforschen / was für ein Zustand zu Hofe / in den Städten / auff den Dörffern / im Lande / seye: Ob die Zucht blühe / ob die Gestetze im Schwang / ob im geistlichen Rath / in der Kammer / Cantzley / etc. alles richtig und gebührlich verrichtet werde? O hätte man in Teutschland so gewachet / solte nicht das grimmige Feuer deß blutigen Kriegswesens so lange Jahr gewütet haben. Ferners ist der jenige Regent recht gottselig / welcher 1. vor seine Person GOtt für Augen hat. 2. Seine Gemahlin / Kinder / Räthe / Beambten / [567] Diener / zur Gottseligkeit ermahnet / mit Worten und Exempeln. 3. Alle Boßheit an seinen Unterthanen / nach fleißiger Erforschung / exemplarisch / zur besserung vieler abstraffet. 4. Kein Ansehen der Personen / oder Standes darin verübet. 5 Sonderlich auch die Thore seiner Lande weit / weit / eröffnet / dem HErrn JEsu. 6. Sorgfältig ist / daß fromme Exemplarische Lehrer in Kirchen und Schulen werden beruffen / und der gemein evorgestellet. 7. Auff die Jugend / und ob die Zucht daselbst gebührlich gehandhabt werde in Kirchen und Schulen / ein wachendes Aug hat. Item / ob die Lehrer auch ihren nottürfftigen Ehrlichen Unterhalt haben: Oder / ob die so das Wort des HErrn lehren sollen / deß Ackerbaus abwarten / und sich mit Ochsen und Kühen / bekümmern müssen: 8. Keinem einigen seiner Vnterthanen / sein Erb / an Häusern / Aeckern / Gäten / Wiesen / etc. unter jrgend einem schein / abspricht / oder absprechen läst. 9 Mit und von dem Gebet alles / es sey klein oder groß / in seiner Regierung anfanget / und nicht allein vor licht / und die Seinigen / sondern auch vor seine arme Leute / eifferig / und innig betet. 10. Alle jrrige / Auffrürrische Gotteslästerer gebührlich zu Rede setzen. 11. Vornemlich nach dem löblichen Exempel deß Regenten Davids / alle Gottlosen im Lande vertilget / das ist / die jenige / so wieder GOttes Gebot handeln / straf [568] fet / als die Säuffer / Flucher / Allomodische / Spieler / Schandirer / Vnflähter / Wucherer Diebe / Vngerechte / etc. und solche Gesellen mit gewissen Straffen beleget / und solche Straff-Gelder den Armen gibet: Er soll aber im Straffen die Mittelstrassen gehen / straffen aus Liebe der Gerechtigkeit / das Schwerd der strengen Gerechtigkeit netzen mit dem Oel der Gnade und Bermhertzigkeit / nicht eher / als aus hoher Noht zur Straffe sich bewegen; auch ihme es hertzlich Leid seyn lassen / wann er Ampts und Gewissens halben straffen muß. 1. Sind seine nützliche Reguln / wen̅ sie nur von allen Regenten fleißig in acht genom̅en und denenselben nachgelebet würde / so würde es offtmals besser umb manches Gewissen und des Landes Wohlfahrt stehen. 2. Aber da ist der Teuffel / der sonderlich grosser Herren abgesagter Feind ist / geschäfftig / und weiß schon Leute abzufertigen / welche ein und das andere / so nützlichen wehre / dissuadiren. Solchem Regenten Teuffel und ihren Schupen sollen sich Fürsten und Herren steiff opponiren, und ihre Ohren mehr auff GOtt und sein Wort lassen gerich seyn / als [569] daß sie selbe dergleichen persuasionibus zum Vösen und der Uppigkeit darleihen.

192.
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Ein Fürst kan seine Gemahlin nicht zu Zorn reitzen / ob er Ihr gleich unverschuldet 2. Maulschellen gibt. AVentinus gedencket / daß der Hertzog Guelphuß soll gesaget haben / er möchte gern wissen / womit er sein Gemahl zu Zorn oder sauer sehen reitzen könte? Habe auch eine hohe Wette darauff angeschlagen. Als der Hertzog Leopold aus Oesterreich darauff geantwortet / es were nichts seltzames / ein Weibes-Bild zu Zorn zu bewegen / sprach dieser / nein er wisse daß ihn Sein Gemahl recht liebe / und lasse gegen ihm keinen Zorn fahren / wenn sie gleich sterben solte / hat auch gesagt / damit dieser sehen soll / daß seine Meynung nicht falsch sey / will ers in der That erweisen. Als nun gebraten Schöpsen-Fleisch auff den Tisch kömbt / spricht der Fürst / habe ich doch verboten / man soll kein Schweinen Wilpret mehr aufftragen / da will ihn sein Gemahl recht berichten und spricht / er jrre sich / es sey von Schöpsen-Fleisch / da giebt er ihr eine Maulschellen / als ob sie es besser / als er verstehen wolte. Ey / sprach sie mit lachenden Munde / es mag doch wohl Wilpret seyn / mein hertzer Herr / ich habe nicht recht gesehen / [570] welches der Oesterreichische Fürst wol heimlich verstanden / und weil es eine grosse Wette gegolten / hat er ihme schon verspielet gegeben. Nachmals besielet dieser gedachte Bäyrischer Fürst im Zorn / seines Ehegemahls Bruder solte denselben Tag vom Hoffe ziehen / und wer nur vor ihn bitten werde / der soll eine Mauschellen bekommen / diß fromme Hertz will zwar nicht bitten daß er bleiben solte / sondern nur / daß er nicht spö???tisch bey Sonnenschein / als ein Ubelthäter weichen dörffte. Auff solches giebet er ihr einen Backenstreich / daß sie zur Erden sinckt. Als sie auffstehet / fället sie ihren Herren umb den Hals und spricht: Ach er ziehe viel lieber heut / als morgen / was gehet mich der Handel an E. G. verstehen die Sachen besser als ich / durch welches Er die Wette gewonnen / und erlanget hat. Diese gedachte Fürstin hat auch nachmals ihrem Herren in Belagerung Wißmer eine halbe Meilen auff dem Rücken getragen / als sie beym Käyser erlanget / daß eine jede Frau ihren besten Schatz / mit sich tragen möchte / da sie von Gold und Silber oder andern Weiber-Schmuck ihre Ehe-Männer genommen. Ob nun der Käyser damit gleichwol nicht zu frieden gewesen / so hat ihm doch die grosse Weiber Treue beweget / daß er es mit Weinen angesehen und geschehen lassen / wie in meiner Oesterreichischen Cronica alles nach de Länge zn lesen ist.
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1. Was meinet ihr wol? Solte es heut zu Tage dergleichen geduldige und gehorsame Weiber noch viel geben? Es wehre zu wünschen. 2. Aber leider / Ich besorge / es möchte auch die geringste Bürgers / oder Bauers-Frau nicht leiden / was diese Fürsten gelitten. Was Maulschellen unverdienet einnehmen und leiden? oder dem Mann in unrechter Sache recht geben? Können doch viel nicht schweigen / wenn gleich die Männer recht hahen und sie schweigen heissen. Was ist es denn Wunder / wenn das böse Weib das Schwert stets will in dem Munde führen / daß sie der sonst fromme und vernünfftige Mann zu Zeiten auff die Scheiden klopffet? 293. Der Englische Cantzler Thomas Morus kan durchaus nicht beweget werden etwas unrechtes zu rathen. Der fürtreffliche Mann und Engeländische Groß-Cantzler Thomas Morus, als er durch aus nicht konte bewegt werden / daß er seines Königs un [572] ehlichen Heyraths-Handel gut hiese / ist er gefänglich eingezogen / darauff seine Frau angestifftet worden / daß sie ihn in der Gefängniß solte heimsuchen / ob vielleicht Sie durch Bitt und Anhalten ihn erweichen konte daß Er sich eines andern besinnete. Die Frau war gut zu dem Handel / und damit sie ihren Herrn beredet / hebt sie an mit der Zungen und mit nassen Augen zu bitten / als der GOtt bittet; Redt ein weil / weint ein weil / läst auch nicht nach auffs höchst und umb GOttes Willen zu bitten / er wolle doch auch Weib und Kind / und sich selbst besser bedencken; Er hab noch viel Jahr zu leben / wann er sich nicht selber ins Verderben wöll stürtzen. Da sie nun wol darzu weinet / und viel vom längern Leben einwendet: Wie lang dann (sagt Morus) meinst du wol / mein liebe Aloysia / möcht ich noch leben können? Sie aber sagt: O mein Herr / gar gut ein zwantzig Jahr. Morus antwortet wiedrumb: So wilt du dan̅ / höre ich wol / daß ich die gantze Ewigkeit mit zwantzig Jährlein soll vertauschen? Warlich / mein Aloysia, du gebst eine böse Krämerin ab: Wann du hettesi gesagt / [573] zwantzig tausend Jahr / so wär es etwas gewest / und hette deine ungeschickte Red ein wenig ein Färblein gehabt. Aber / eben diese 20. tausend Jahr / (wann ich schon noch so lang leben könte) was seynd sie doch gegen der gantzen unendlichen Ewigkeit? Mein / was seynds? Etwas kleines und kurtzes; ein Pünctlein / ein Augenblick / Nichts. Derohalben / meine Frau / so will ich die Gefängnüß und alles Ubel / So noch über mich soll gehen / lieber mein Leben lang erdulden / als daß ich soll an der seligen Ewigkeit / den wenigsten Schaden leiden. 1. Dieses ist ein Christlicher und Gewissenhaffter Mann gewesen / zu wünschen were / daß nicht nur allein alle Menschen / sondern auch vornehmlich Fürstliche und grosser Herren Räthe also gesinnet wehren / so würde es in manchem Lande besser stehen. 2. Aber wie pflegt es an manchen Fürsten Hoff zugehen? Nach den Worten Michae: Was der Fürst will / das spricht der Richter / daß er ihm wieder einen Dienst thun soll. Die Gewaltigen rathen nach ihren Muthwillen / Schaden zuthun / und drehens / wie sie wollen. Der beste unter ihnen ist / wie ein Dorne / und der Redligst / wie ein Hecke. Aber wenn der Tag deiner [574] Prediger kommen wird / wenn du heimgesucht solt werden / da werden sie denn nicht wissen / wo aus Mich. VII. v. 3. 4. 294. Ein Päbstischer alter Pfaff zu Forchheim predigt Gotteslästerlich wieder das Abendmahl und wird vom Teuffel geholet. ANno 1557. am Grünen Donnerstage zu forchheim / in des Bischoffs von Bambergs Lande / nach dem man an diesem Tage vom Hochwürdigen Sacrament deß Altars prediget / ist ein Geistlicher / welcher Alters halben nicht allein gehen können / an Krücken von 2. Diaconis auf die Cantzel geführt worden. Der hat den Text Sanct Pauli I. Corinth. XI, vom Nachtmahl deß HErrn vor sich genommen / und den auff die Bäpstische Irrthumb gezogen / und ausgeleget / die eine gestalt / und die Messe hefftig vertheidigt / und gesagt: Paule, Paule, ist dem also / wie du lehrest / und ist es unrecht / sub una specie zu communiciren / so höle mich der Teuffel / und sich zum Volck gewand und gesaget: Wo deß Pabsts Lehre nicht recht were / wolle er des Teuffels seyn / und ihme seine Seele zum Pfande setzen. Vber solcher Gotreslästerung / der er viel in der Predigt getrieben / hat sich das Volck sehr entsetzet. Bald ist ein krachen / knarren und brechen in der Kir [575] che worden / als wolte sie über einen Hauffen fallen. Da hat sich ein langer schwartzer Mann sehen lassen / von dem ist ein grosser Wind gangen / daß sein brausen in der gantzen Kirchen erschollen / der hat den gottlosen Pfaffen vom Predigstuel geführet / daß noch auff diesen heutigen Tag niemand weiß / wo er hinkommen ist. 1. Ist gantz nicht zu verwundern / daß GOTT diesen Lästerer wiederfahren lassen / was er ihm selbsten gewünschet. 2. Ein jedweder hüte sich vor GOttes-Lästerung / denn vorwahr / GOTT läst sich nicht spotten / oder mit Ihm schertzen. 295. Arialdi eines Diaconi zu Meyland schmehliger Todt. ARialdus ein Diacon zu Meyland / von hohem Adel / so des Marggraffens dieser Stadt Bruder gewesen / und ein sehr heiliges Leben geführt / der auch den Ketzern / und andern lästerlichen Menschen / starcken Wiederstand gethan / ist endlich zum Tod geführt worden / allda ihme die Ohren abgeschnitten / die obern Lefftzen gestumlet / die Nasen abgehauen / die Zung aus dem Rachen gerissen / die Augen ausgestochen / die rechte Hand abgehauen / des andern zu geschweigen. Dieser [576] heilige Mann / hat in einen gantzen verwüsten / verderbten / und zerstümleten Leib die Seel erhalten / und gar sein Leben verlohren / damit er das Leben erlangte / Anno Christi 1066. 1. Wenn er auff den Glauben und das Verdienst Christi gestorben / nicht aber auff seine Werck und sein heiliges Leben / so ist er wohl gefahren. 2. Denn es macht allein der Glaub gerecht / die Werck aber sind nur der Nech sten Knecht / dabey wirn Glauben mercken. Wer aber nicht glaubt / der ist unzweifflich verdampt / wie Christus sagt / Marc. XVI. vers. 16. 296. Handlung und Actus der Degratation und verbrennung der Christlichen dreyen Ritter und Märterer / Augustiner Ordens geschehen zu Prüssel / Anno M. D. XXIII. prima Julii. ES sind von den München Augustiner Ordens / so zu Antorff vertrieben sind / drey derselben an viel Orten gefangen gewest / um Christlicher Warheit willen / ihnen etliche Artickel fürgeworffen / die zu wiederruffen / aber ihr keiner das zu thun bewilliger-Nun haben andere Münche und Geistliche so viel durchs Geld / mit den Regenten gehandelt / [577] auch geben dem Pabst / daß ein Mandat von Rom kommen ist / darinnen der Pabst alle die / so auff dieser Meynung und Lehr deß Evangelii sind / verurtheilet hat zu verbrennen. Auff solches haben die am Hofe zu Brüssel / die Münche für Recht lassen bringen / und jhnen fürgehalten etliche Artickel die sie wiederruffen sollen. Vnter diesen zweyen haben am meisten gerührt / daß Pabst nicht Macht habe einem seine Sünde zu vergeben / zu binden / oder entbinden / sondern allein GOtt / denn der Pabst sey so wol ein sundlicher Mensch / als andere Menschen / und sonst haben sie die andern Evangelischen Artickel alle wiederruffen sollen. Da sind sie fest gestanden / und gesagt / nein / sie wolten Gottes Wort nicht verläugnen / sondern viel lieber umb deß Chirstlichen Glaubens willen sterben. Da hat man ihnen gesagt / sie müsten verbrennë. Das sind sie gantz sinnes gewest / und gesagt / sie sind froh / daß ihnen Gott die Gnade gegeben hat / daß sie umb deß Christlichen Glaubens willen sterben sollen. Da ist einer unter diesen dreyen gewest / der hat vier Tage Friest gebeten / sich zu bedencken / zu wiederruften oder nicht / den hat man wieder in die Gefängnüß geführet. Die zween aber haben sie genommen / und ihnen allë Kleider / als solten sie Meß gehalten haben / angelegt / und allda einen Altar aufgerichtet / dabey sind Bischoffe und andere geistliche Prälaten gewest / haben [578] da den zwey München die Weihe abgenommen / und ihnen andere Kleider / dem jünsten einen gelben / dem andern einen schwartzen Rock angethan / und darnach dem Gericht zu Brüssel überantwortet. Darnach dieselben frauen Margaretha Käys. Maj. Schwestern Räthen überantwortet / die haben sie genommen und dem Hencker mit Stricken gegebë. Da sind vier Beichtväter mit ihnen gangen / als der Kerkermeister von Cölln / prediger Ordens / un̅ ein frau en Bruder Münch von Brüsseln / und sonst andere zween Münche / diese vier sind neben ihnen gangen / ihnen viel zugeredet / daß sie wiederruffen solten. Aber sie lobeten GOtt / daß er ihnen die Gnad geben hätte / umb seines Worts willen zu sterben. Als sie nun zum feuer kommen sind / und die vier Beichtväter geweinet / da haben die zween gesagt / sie dürften nicht umb sie weinen / sondern umb ihre Sünde. Sagten weiter / weinet über das grosse Vnrecht / so ihr die göttliche Gerechtigkeit also verfolget / und sind damit gantz frölich mit lachenden Munde ins Feuer gangen. Da man ihnen nun die Röcke hat aus gezogen / hat einer den andern fast wohl getröstet / und sind mit einander ins Feuer gangen. Da haben die Beichtväter sie noch eins gefraget / ob sie noch nicht in den Christlichen Glauben wolten? Sagten sie / wir glauben an GOtt / auch eine Christliche Kirche / aber euer Kirchen glauben [579] wir nicht / und sind also wohl eine halbe Stunde im Holtz gestanden / biß man das hat angezündet / dieweil haben sie stätigs gesagt / sie wolten in dem Nahmen Christi sterben. Da haben die Beichtväter ihnen zu geschrien / sie solten sich bekehren / oder sie führen zum Teuffel und würden auch in des Teuffels Nahmen sterben. Darauff antworteten die zweene / sie wolten umb der Evangelischen Warheit willen sterben / als fromme Christen. Darnach so hat man das Feuer angezündet / da haben sie anders nicht geschrien / denn / O Domine Jesu Fili David, miserere nostri. O JESU / ein Sohn David / erbarm dich unser. Vnd die Strick umb jhre Leibe sind ehe verbrennet / denn sie erstickt sind. Da ist der eine allererst im Feuer auff die Knie gefallen / die Hände zusammen geleget / und geschrien / HErr JESU / ein Sohn David / erbarme dich unser. Darnach sind sie beyde verschieden / und gar zu Pulver verbrennet. Dieser Actus hat bey vier Stunden gewäret. Darnach auff den dritten Tag hat man den dritten Mönch / der ihm ein Bedacht genommen gehabt / auch verbrennet / und mit ihme gehandelt / wie mit denen andern. Der ist fast ein gelehrter Mann gewest / welcher auch bey dem Holtzhauffen eine lange Predigt gethan. Vnd ist darnach an die Marter gangen / und da sie [580] das Feuer angezündet haben / hat er noch geprediget / biß das Feuer und Flammen über ihn aus geschlagen hat / und ist also auch seliglich zu GOtt verschieden. 1. Hier erkennet man an einem Theil der Papisten Boßheit und tyrannisches Beginnen / wie sie mit den reinen Evangelischen Christen verfahren. 2. Am andern Theil aber Gottes Werck / wie Er die Leute durch seinen Geist kan hertzhafftig machen / daß sie auch zum Feuer mit Freuden gehen / und sich umb seines Nahmens und der Evangelischen Warheit willen verbrennen lassen. Derer Lohn wird dermahleins gewiß groß in Himmel seyn.

297.
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Von D. Fabern. D. Faber, etwa gewesener Käyserl. Majest. Beicht-Vater / und Hoff-Prediger / Bischoff zu Wien / und Coadjutor zu Neustadt / der sich Schrifftlich und Mündlich wieder das Evangelium legete / und alles versuchte / da er auff seinen Tod-Bette lag / und von etlichen gerröstet ward / er solte auff GOttes Gnade und Barmhertzigkeit vertrauen / wante er sich von ihnen / und [581] sprach: Es ist zu spat / es ist zu spat: Vns solche Wort hat er zum öffternmal wiederholet / und ist also in Verzwelfflung dahin gefahren. Vnd von diesem Faber und Ecken soll Carolus V. ein solch Vrtheil gesället haben: Vnser Bruder Ferdinandus helt vom Faber und vom Ecken viel / und achtet sie auch groß / und sie sollen den Christlichen Glauben vertheidigen / einer ist alle Tage Truncken / der andere ein Hurentreiber und ein Narr. Sonst wird von diesem Faber auch gemeldet / daß er in einer öffentlichen Predigt diese Wort ausgespien: Ehe ich den Lutherischen Glauben wolte annehmen / ehe wolte ich den Türckischen GOTT annehmen. 1. Ey ein schöner Beicht-Vater / man solt ihn / nach dem Sprichwort / nicht vernaschet haben. Sollen nun die Türcken einen bessern Glauben / als wir Lutheraner / haben? 2. Es ist aber diesen Mann wiederfahren / wie er gegläubet hat / nemblich / er ist verzweiffelt / und sein gerade zu in die Hölle gefahren. 298. Varumb die Griegischen Frauen auff ihren Häuptern Schuh getragen?
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SEbastian Franck schreibet in seiner Cronica / daß die Griegischen Frauen auff dem Häuptern Schuh-Solen tragen / die Reichen von Sammet und Seiden / die Armen aber von Vaumwollen / zum Zeugniß / daß sie erkennen ihren Ehe-Männern Unterthan zu seyn. Und schreibet jetzt gemelder Autor, von Leonora Käyser Friederich des III. hochlöblichster Gedächtniß Tugendreichen Ehe-Gemahl / daß sie Jhrem Herren so gehorsamb gewesen / auch Ihme zu gefallen keinen Wein getruncken / denn als ihr die Aertzte und Physici riethen / daß sie in Teutschen Landen / da es von Natur kälter / als in ihrem Vaterland were / Wein trincken müste / wofern sie gesund bleiben / und nicht unfruchtbar seyn wolte / da hat sie solches an den Käyser gelangen lassen / weil sie dessen von Jugend auff gewohnet / Er hat ihr aber durch AEneam Sylvium sagen lassen / so ferne sie ihn lieb habe / solle sie sich des Weins enthalten / darauff sie geantwortet / sie wolte ehe gar sterben / denn daß sie solte im allerwenigsten wieder ihres lieben Herrn Befehl und Willen thun. 1. Von unsern Weibern in Teutschland wird eben nicht begehret / daß sie sollen Schu [583] he auff den Häuptern tragen / wenn Sie nur den Gehorsamb in Hertzen tragen / und in Werck erweisen / so kan man sie von dem Schuhe tragen leicht befreyen. 2. Diese Käyserin Leonora muß ein sonderlich gehorsames Hertz gehabt haben / daß Sie auch ihre Gesundheit dem Gehorsamb gegen ihren Gemahl dem Käyser nachgesetzet / ja lieber sterben / als wieder ihres Herrn Willen Wein trincken wollen. Manche versoffene Weiber dürffen lieber ihre Männer / als die Weln und Bier-Kannen müssen. 299. Von der schmähligen Marter und Todt des Käysers Andronici. IM Jahre nach der Geburt Christi / tausend ein hundert / fünff und achtzig / ist Andronicus, Käyser in Orient / in dem dritten Jahr seines Käyserthumbs / von Isaacio Angelo, überwunden / ihme zwo schwere eyserne Ketten an den Haltz gelegt / mit Fußschellen und Banden beschwert / mit grausamen Schmach-Worten empfangen / und wol herdurch gelassen worden. In diesem Ornat und Schmuck hat mann ihn zum Isaacio geführt / allda ihme dietyran̅ische Wüterey fürgeworffen / und verwiesen worden / war auch Jederman frey / mit ihme umb zugehen / wie man gewolt hat. Das ist denen ein rechter Lust ge [584] wesen / welche durch ihn verbittert / sich jetzo an ihrem Feind haben rächen können: Geben Ihme Maultaschen / zerbläuen ihme den Rücken gantz schmählich / und beitschen in wohl / rauffen Ihme den Bart aus / ziehen ihn beym Hare̅ umb / schlagen Ihm die Zähne̅ aus: Darauff wird er auff öffentlichen Plaß geschläifft / Jederman zum Gespött fürgestellt / wird auch so gar von den Weibern mit trucknen Fäusten rein und wol abgeblaut: Darnach haut man ihme die rechte Hand ab / und wird also mutiliret und gestimlet in ein öffentliche Diebs- und Mördergrubn gestossen / ohne Speiß und ohne Tranck / ohne einigen Menschendienst / Hülff oder Handreichung: Nach wenig verwichnen Tagen / wird ihme ein Aug ausgestochen. Demnach er also schändlich zugericht / nur mit einer Hand / und nur mit einem Aug scheußlich außgesehen / haben sie ihme ein gestutzt / gemutzt / gar kurtz / und elend Röcklein angelegt / mit geschornem biß auff die Haut glattem Haupt / gantz Ehrloß / rückling / und hindersich auff ein schebiges Camel gesetzt / ihm ein Cron aus Knoblauch geflochten / zum Gespött auff den Kopff gesetzt / gaben ihme den Schweiff des Camels für ein Scepter in die lincke Hand / wird also Triumphierlich über den Marckt / mit langsamen Pomp / und Pracht geführt: Da ist das muthwillige Volck / sambt den leichtfertigen / und unsaubern Pöfel aus verbittertem Gemüth / mit Macht auff ihn gedrungen / und das wenig [585] ste Bedencken nicht gehabt / daß er erst vor wenig Tagen Käyser gewesen / mit Käyserlicher Cron geziert / von Jederman gelobt / geehrt / hoch gehalten / und angesehen worden: Ja sie selber mit geschwornem Eyd / ihrem Glauben / Treu und Gutwilligkeit / gegen ihme verpflicht und verbunden. In dieser Furi und Bustunigkeit / war kein Mangel an Wehr und Waffen / da waren etliche mit Brügel und Kolben versehen / die schlugen ihn auff daß Haupt: andere schoben ihm Koth und Vnrath in die Nasen. Andere waren gefast mit Schwammen von Menschen Koth und anderer Thier angefüllt / die haben sie ausgedruckt / geprest / und ihme ins Angesicht / gefprützt: Andere hetten Bratspieß / die stachen sie Ihm in die Seiten: Andere warffen mit Steinen / andere mit Koth zu: Diese nennten ihneinen wüthigen Hund / andere einen Narren und Tölpel: Ein Schamloß Weiblein nahm ein Hafen aus der Küche̅ voll mit wallen dem siedheissen Wasser / und als der Käyser auff dem Camel fürgeritten / hat sie ihme das siedig Wasser über den Kopff gegossen / und also ungütig gezwagen. Niemands war der seinen Muthwillen an ihme nicht ersüllet / und stillet. Also ist er endlich mit höchstem Gespött dem Theatro, und Schau-Blatz zugeführt worden / stracks von dem Camel herunter gerissen / und zwischen zweyen Teulen an den Füssen auffgehenckt worden / der schon viel Marter Vbels ohne Zahl ausgestanden / sich aber [586] in allem durchaus einen tapfferen Mann und rechtschaffenen Christlichen Helden erzeigt. Kein Mensch hat da hören / noch vernehmen können / daß er ein eintziges Ach oder Wehe gesagt / viel weniger gejammert / geweint / noch geheulet hette / noch auch mit Anklag / dem Glück / oder Vnglück einige Schuld geben: Welches ihn auch nichts geholffen hette. Angefangen hat er / mit GOtt seine Rechnung zu machen / umb verzeihung seiner Sünden zu bitten: Dann er allein diese einige Wort stätigs wiederholet: HERR erbarm dich: HERR erbarmt dich. O armer Andronice, der du so viel leiden müssen! O seliger Andronice, der du es gedultig gelitten und übertragen / auch erkennet hast / daß die Sünden also müssen außgesöhnt und gebüst werden. Es hat aber das wütige Volck / nach dem er schon bey den Füssen auffgehänckt / ihme noch nicht verschonet / so lange ein Leben in ihme gewesen: Das gestutzte Röcklein haben sie Ihme von Leib weggerissen / mit gespielt / wie der Hund mit der Katzen / dasselb zerlumpt / daß kein Trumb beym andern blieben. Ein frecher und toller Gesell wischs herfür / und sticht ihn mit den Schwerdt durch den Bauch / biß auffs Ingeweid hinein. Zween andere haben ihre Wehren an ihme probirt / welche schärffer seyn möchte / haben also mit Macht bey der Hände ihre Wehre̅ rücklings durch seinen Leib gestochen. Allda der armselige Käyser seine gestümmelte rechte [587] Hand / schwerlich gegen dem Mund gebogen / damit er / wie ihrer viel vermeint / das warme Blut / so wegen der frischen Wunden noch heraus getröpffelt / saugen möchte: Also erbärmlich hat er das Leben geendet. Nach etlich Tagen / ist er von dem schändlichen Galgen herunter geworffen / und unter dem Theatro, oder Schau-Binnen / anderst nicht als wie ein Vieh in ein Gewöblein geschoben worden / biß daß ihn etlich freundlichere Menschen / an einen andern Ort getragen / doch hat Isaacius nit zu gelassen / daß Er solte begraben werden. 1. So gehts: Das Glück spielet mit uns Menschen / wie mit einem Ball: Offt wirffts einen hoch / bald fällt er wieder nieder. War dieser Käyser nicht hoch erhaben? Aber er muste doch endlich so grosse Marter ausstehen / und gar eines schmähligen Todes sterben. 2. Wol dem / welcher sich in Glück nicht erhebt / und auch in Unglück nicht verzaget. 300. Was sich zwischen Doctor Spangenbergern und einem jungen Schreiber zugetragen.
|| [588]
CYriacus Spangenberger schreibet von einem jungen Schreiber nachfolgende Historien: Es ist nechst Mertini zehen Jahr gewesen / daß ich Cyriacus Spangenberger / Prediger im Thal Manßfeld / nicht weit von hinnen / in ein Closter kommen / die Nacht allda meine Herberge zu nehmen / und folgendes Tages etliche Antiquiteten zu besichtigen. Da ist ein junger Mensch / ein Schreiber / nach gehaltener Mahlzeit / auff anstiftung eines frembden Abts / und dann auch eines Westphalischen Priors / an mich gewachsen / und unter andern gesaget: Wir Lutherischen hetten die feinen Christlichen Hymnos und Psalmen aus der Kirchen geworffen / und dargegen Huren und Buben Lieder eingeführet und auffgerichtet Da ich ihm nun drauff glimpfflich antwortete / solche Aufflage wiederlegte / auch endlich baht / er wolle mir doch solcher böser Lieder eines / die wir in unsern Kirchen haben solten / nahmhafft machen / ist er mit grosser Vngestimme / und vielen verdrießlichen Worten herausgefahren / und gesagt: Das Lieb: Nun freut euch lieben Christen gemein / etc. were ein recht Hurenlied / ein Buben Lied / ein gottloß Lied / ein Teuffels Lied / und was er nur böses und gifftiges nennen kundte / welches mich (Cyriarum Spangenberger) nicht wenig beweget Da ich ihm aber gewarnet / er wolte nicht wieder [589] sein Gewissen die Warheit lästern / GOtt wird ihn sonst gewißlich schrecklich straffen / hat solches nicht mehr an ihm geholffen / denn daß er gesaget: Ja / er wolte / daß ihn Gott straffte / wann es nicht ein solch loses Lied were. Darauf ich gesprochen: Nun wolan / Gott lässet seiner nicht spotten / Galat. 6. Vnd wird sich ehe ein Jahr umbkömpt / wo nicht Busse geschicht / schrecklich sehen lassen / und zu dieser Muthwilligen Lästerung nicht stille schweigen. Solches redet ich dazumal mit betrübten / aber doch gantz eyferigem Hertzen / und wolte mir diß Orts ohne Gefahr nicht gebühren mehr zureden / oder mich hefftiger wieder diesen Lästerer / einzulassen. Aber es ward dieses auch zum schändlichten verlachet / verspottet und verlästert. Das muste ich also Gott in sein Gerichte heimsteilen und befehlen. Hernach ehe das Jahr umbgewesen / und sich dieser Mensch weiter in das Bapsthumb hat stecken wollen / dafür ihm doch seine Mutter / eine gute fromme Wittfrau / treulichst und zum fleißigsten verwarnet / er aber nicht gefolget / und gottlosen Baals-Pfaffen zu Dienste / auff einer Reisse gewesen / ist er auch nicht weit von hinnen Wahnwitzig und unsinnig worden / oder vielmehr in Verzweiffelung gefallen / also / daß er nichts von GOtt / noch von dem HErrn Christo hat hören wollen. Vnd ob ihm wohl rechtschaffene Praedicanten zugeordnet worden / [590] sie ihn doch mit grosser Mühe und Arbeit / kaum dahin bereden können / daß er ein wenig stille worden / und sich zufrieden gegeben / aber es hat sich zugetragen / da man vermeinte / es were nu alles wieder gut worden / hat er / als man sichs nicht vermuther / sich selbst übern Haltz / in einen Brunnen gestürtzet / doch hat man ihm auch heraus geholffen. Vnd hat GOtt auff frommer Christen Fürbitte / (wie dieses Orts auch für ihn das gemeine Gebet dazumahl geschehen) Gnade gegeben / daß er zur Erkäntniß seiner Sünden / und wieder zu recht kommen. 1. Solt es auch wohl der Teuffel selbsten ärger machen können / als es dieser gottlose Bube gemacht? Der das schöne Lied / worinnen das gantze Werck der gerechtfertigung des Menschen herrlich enthalten / ein Huren- und Vuben-Lied / ein gottloß Lied / ein Teuffels Lied genennet / und noch darzu gesagt; Er wolte daß ihn Gott straffe / wenn es nicht also wehre. Ich meyne es sey ihm sein Wunsch wahr und er gestraffet worden. 2. Was vermag der Fluch und Eyffer treuer Prediger und Diener Christi nicht? Hat sich nicht GOtt / auff andeuten seines Dieners Herrn Cy [591] riaci Spangenbergers / diesem Jüngling schrecklich gezeiget? Ein jedweder nehm ein Exempel und reibe sich nicht an GOtt und seine Diener. Vorwahr es gibt gar bösen Lohn.

301.
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Der geitzige Troilus wird durch einen Traum veranlasset freygebig. DEr Alexandrinische Partiarch Johannes, ein sonders gottseliger Man̅ besuchte die Krancken embsig / und nahm einsmahl einen Gespan Troilum den Bischoff / welchem die Pfenning lieber wahren / als die Krancken Leute / mit sich. Diesem sagte Johannes heimlich in ein Ohr: Ich bitt / sprach er / lieber Vater / lasset uns den Freunden Christi helffen. Darauff der listige Troilus die Kranckheit seines Gemüths artlich zu verbergen / alles Geld / welches sein Diener / andere Sachen einzukauffen / mit sich genommen / den Armen zu geben befohlen. Nicht lang darauff grieffe ihm ein Fieberlein an / welches Ihme der Geitz gemacht. Diß ist dem Alexandrinischen Bischoff zu Gehör kommen / der [592] hette die gründliche Ursach dieser Kranckheit leichtlich verstanden / und hat alsobald eben so viel Silbers / als viel neulich unter die Armen außgetheilet worden / mit sich zu dem Febricitanten gebracht. Und demnach er eine weil mit ihme geredt: Es ist neulich / sprach er / nur mein Schertz gewesen / da ich ein Allmosen für die Krancken begehrt / weil mein Diener nichts bey Handen gehabt. Und da sihstu / daß ich dir die hergeliehene Philips Thaler getreulich wieder gib / und dir Danck sage! Troilus siht da das paar Geld / und alsobald hat das gehlinge Fieber nach gelassen / die Hitz abgenommen / und sich alles zu guter Besserung geschickt: Derwegen er schon ziemlich wol auff / sich aus dem Bett gemacht / zum Imbiß / oder Mittag-Essen gangen / zu Tisch gesessen / und nach eingeraumbter Speiß / weil es schon nach Mittag / in seiner Behausung zu Ruhe gethan / angefangen zuschlaffen: Und süssiglichen zu pausieren: Mitten im Schlaff traumt ihme / und sicht ein mächtig grosses und herrliches Hauß / und an der Vorwand ob der Thür / diesen Titul: Ein ewige Ruhe und Wohnung des Bischoffs Troili.
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Der Traumende erfreuet sich: Aber gleich sicht er was anders / das ihme betrübt: Einer komt daher mit etlich andern Werckmeistern / der schafft mit Ernst: Thut / spricht er / diese Uberschrifft des Hauses hinweg / und setzt mir diese an die statt: Eine ewige Wohnung und Ruhe / Johannes des Ertzbischoffen zu Alexandria / gekauft umb dreysig Pfund Silber. An diesem Traum hat sich Troilus entsetzt / und nicht für vergebens gehalten / ist darauff aus einem geitzigen / und unmilden / viel freygebiger worden / sonderlich gegen die Armen; so viel hat diese ewige Wohnung / ob sie schon nur im Schlaff gesehen worden / bey diesem Troilo vermöcht. 1. Freylich ist der Geitz der Weg / so zum verderben führet / wie diesem geitzigen Troilo im Traum gezeiget worden. Darumb ihr Geitzhälse last ab den Mammon zu dienen / dann ihr könt nicht zugleich auch GOtt mit dienen. 2. Hingegen aber wer gerne Allmosen gibt / und sich deß Dürfftigen annimbt / der bauer ihm eine Stuffen im Himmel / wenn sein Allmosen geben aus rechtem Glauben entspringet.
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302. Wie Churfürst Johann Friederich die Prediger zu Augspurg getröstet / als sie Käyser Carl der V. aus dem Lande verjagte. ALs der Römische Käyser Carolus V. die Prediger zu Augspurg / weil sie das heilose Interim nicht annehmen wolten / jhres Dienstes entsetzete / mit dem ernsten Befehl / sie solten sich aus dem Land packen / hat der beständige Churf. Hertzog Johann Friederich / nach der entsetzten Prediger einem geschicket / und da er vernommen / daß ihnen der Käyser das gantze Kömische Keich verboten / hat der löbliche Churfürst angefangen bitterlich zu weinen / daß ihm die Thränen mildiglich über die Backen geflossen: Ist aufgestanden / und in ein Fenster gegangen / doch aber sich balde wieder umbgewand / und gefraget: Hat er auch den Himmel verboten? Nein / sprach der Prediger. Ey / so hats keine Noth / sagte der Churfürst: Seyd getrost / der Himmel muß uns bleiben: GOtt wird wol ein Land finden / da ihr seyn Wort werdet predigen kön̅en. Nahm seine Sattel Tasche / und sprach: Hierinnen ist alles / daß ich jetzt auff Erden habe / daraus wil ich euch einen Zehrpfennig verehren / den theilet mit euren Creutz-Brüdern / Ich bin zwar auch ein armer [595] gefangener Fürst / aber mein GOtt wird mit wol wieder etwas bescheren. 1. Ist eine Heroische und Christ-Fürstliche That dieses löblichen Churfürsten gewesen / welche denen entsetzten Priestern nicht wenig Trost geben haben. 2. Alle Exulanten sollen auch gedencken: Ist uns doch der Himmel noch nicht verboten / wenn uns gleich dieses oder jenes Land diese oder / jene Stadt verbotten wird. 303. Doctor Fischers Judicium von Lutheri Postill. DOctor Fischer schreibet in der Vorrede seiner Postill von Lutheri Postill also: Es haben viel Hocherleuchter geistreicher Männer Postillen gemacht / aber des theuren Mannes D. Luthers leuchtet den andern allen vor / als die helle Sonne den Sternen. Denn er erkläret nicht allein die heilige Schrifft trefflich schön und gewaltig mit reichem Geist / sondern er trift auch genau die Gedancken und Anliegen der Menschen / all sein Schreiben lebet / hat Hände und Füsse Krafft und Safft / wie wir sagen. 1. Ist ein herrliches und warhafftiges Judi [596] cium, welches die Papisten / wenn sie anders nicht wieder Gewissen reden wollen / selbsten nicht verwerffen können. 2. Man lese nur Doctor Luthers Schrifften / lese sie aber mit Fleiß und bedacht / so wird man den sonderbahren Geist / welchen der Mann gehabt / bald verspüren. 304. Von der Rohrdommel. WAs die Kohrdommel für ein Vogel sey / sind die Gelehrten nicht einig. Die 70. Dolmetscher nennen ihn Pellican / andere ibin oder Plateam. Hieronymus aber [Greek words], wird zu Deutsch Ohnvogel genant / von welchem Plinius und andere Naturkündiger schreiben / daß er ein Waffervogel / grösser als eine Ganß / kleiner als ein Schwan / mit weiß / schwartz und grauen Federn besprenget / so sich halte an den fliessenden Flüssen und saltzigten Wassern und Fischweyern / habe eine̅ langen Schnabel mit einem grossen weiten daran hangenden Kropff / wie ein Beutel oder Sack / mit welchem er seine Nahrung in den Wassern und tieffen Sumpffen suche. Wann er dann nun den kröpffigten Schnabel mit dem Hals in das Wasser stecke und blase / mache solches ein erschröcklich Geschnätter / eben als wann man in eine Schalmey oder Krommhorn blase / und weil solches ein Geschrey gebe. gleichwie ein E [597] sel zu schreyen pfleget / werde er deßwegen / wie Berottus schreibet / [Greek words], welches eigentlich so viel als Eselsgeschrey heisset / genennet. Dieser Vogel hält sich mehrentheils in Egypten auff / in den einöden Wüsten / am Wasser Nilo. 1. Es sind vielleicht noch viel Creaturen von GOtt geschaffen / die uns noch nicht alle bekant / König David aber saget von allen und jeden: Wunderbarlich / HERR / sind deine Werck / und das erkennet meine Seele wohl / Psalm. CXXXIX. v. 14. 2. Alle erschaffene Dinge aber / sie mögen auch seyn so gering als sie wolle̅ / müssen GOttes Lob helffen ausbreiten / wie dann die alten Teutschen gereimet: Es ist kein Gräßlein so klein / Es zeiget von Gott dem Schöpffer seyn. 305. Doctor Luthers Rede von der Deposition. JOhann Mathesius Prediger in Joachims-Thal in Beschluß der ???. Predigt von Doctor Luthern schreibet: der auch in [598] der 12. Predigt am 135. b. Blat berichtet / daß gedachter D. Luther auff eine Zeit etliche von diesem Thal zu Gast gehabt / so ihre Kinder deponiren, oder ihnen die Bachanten-Hörner abstossen lassen / die er / D. Luther selber ledig gesprochen / und für Studenten erkläret / und gesaget habe: Das ist nur eine Kinder Deposition, wenn sie erwachsen / und in Kirchen / Schulen / Regimenten / den Leuten dienen / werden sie ihre Pfarr-Kinder / Schüler und Bürger / erst recht deponiren und vexiren. Doch braucht man die vexation, daß die Kinder von Jugend angewohnen / etwas zu leiden / wer nichs leiden un̅ verhören kan / der dienet nicht zum Prediger und Regenten. 1. Ist wol und nachdencklich von der Deposition geredet / alle / die dergleichen actuidepositionis beywohnen / solten an diese Rede Lutheri gedencken. Denn 2. Ich meyne es wird an manchem war / und kömpt jhm zu Hauß und Hof / wenn er in ein öffentlich Ambt tritt / was Doctor Luther von deponiren gesaget. 306. Vergleichung / die ein Mönch von Pabst / Calvino nnd Luthero geben.
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ALs dermaleins ein Mönch Lutheri gedacht / hat er in öffentlicher Predigt zwischen dem Pabst / Calvino und Luthero eine solche Vergleichung angestellet / in dem er gesaget Der Pabst were zu vergleichen einem Hecht im Wasser / welcher die andern Fische fresse / die er nur bekehme: Calvinus were zuvergleichen dem Aal / welcher so schliepffrig ist / daß man ihn nicht bald fassen kan / drumb auch die Calvinisten in jhrem Wappen drey L. L. L. Lästern / Liegen / Leugnen / führen: Lutherus aber / hat er gesaget / were zu vergleichen dem Stockfisch / denselben blauete man wie man wolte / so bleibe er doch ein harter Fisch / also bliebe Lutherus auch beständig bey seiner Meynung / man greiffe es mit ihm an wie man wolle / freundlich oder unfreudlich. Ein ander sol gesaget haben: Papisten / Platten-Kopff / Jesuiter Teuffels-Kopff / Calvinischer Spitzkopff / Lutherischer harter Dickkopff / weicht nicht. 1. Siehe / eine feine Abbildung / die in der Warheit bestehet. 2. Also müssen auch die jenigen / welche wie der Gott un̅ sein Volck sind / oftmals die Warheit reden / und dürffen [600] nichts anders sagen / als ihnen GOtt befielet / wie wir das Exempel auch an Bileam haben. 307. Der Liebe Vrsprung ist nichts leicht zu erforschen: UBer diesem Stück und Argument / was eigentlich die Liebe sey / haben jhnen vernünftige Weltweise Leute trefflich die Köpffe zubrochen / und sich so hart deßwegen bemühet zu erkundigen / und aus der Natur eigentlich zu erforschen / was doch die Liebe / oder recht im Hertzen liebhaben sey / daß es auch den Menschen so unversehens darf einnehmen und gefangen halten / was es doch vor ein Wesen seyn müsse? Derhalben auch / wann man ihren Fleiß recht ansiehet / den sie von Anfang der Welt / wegen dieser Sachen geführet / man sich gleich hoch verwundern muß / daß die Heydnischen Philosophi ausser Gottes Wort / durch Regierung jhrer Vernunfft / so weit kommen seyn / ob sie auch schon gleich nicht alle einer Meynung seyn / sondern es auff mancherley Weise gesuchet / jedoch haben etliche derselben sehr vernünfftig und bescheiden aus natürlichen Vrsachë davon zu reden wissen. Aristides ein sehr alter Philosophu???, hat mit speculiren und Nachsinnen / wovon die Liebe herkommen / 46. Jahr zubracht / und beken [601] net doch auff seinen Alter / daß er weniger wisse / als da er angefangen diesen Dingen nachzusinnen. Empedocles ein vortrefflicher Philosophus. hat etliche Jahr (wie er selbst bekennet) bloß und allein diesem Handel / was eigentlich die Liebe sey / nach gesonnen / auch allen Fleiß in guten Künsten unter deß beruhen lassen. So hat auch Aristoteles seinen Discipeln diesem Nachsinnen (was die Liebe sey) mit Fleiß obzuliegen befohlen. 1. Es ist besser / daß man sich der reinen auffrichtigen Liebe gegen GOtt und seinen Neben-Christen befleißige / als daß man mit vielen speculiren und vergeblichen Nachforschen / was eigendlich Liebe sey / die Zeit zubringe. 2. Wie man aber GOtt und den Nechsten recht lieben soll / werden wir in der Schrifft gelehret / nemlich Gott von gantzen Hertzen / von gantzer Seelen / von allen Kräfften / und von gantzem Gemüht / seinem Nechsten aber / als sich selbsten. In diesen zweyen Geboten hanget das gantze Gesetz und die Propheten / spricht Christus Matth. XXII. V. 40.
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308.
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Das Menschliche Leben wird mit einem Würffel-Spiel verglichen. PLutarchus vergleicht unser Leben einem Würffel-Spiel / im selbigen / was für Augen fallen / stehet nicht in unser Gewalt / aber die gefallen sind / stehen bey uns / daß wir darnach unsere Steine oder Spiel recht disponiren un̅ setzen. Also wie es mit unserm Leben und Tagzeit ergehen werde / das stehet nicht in unser Macht und Gewalt / sondern in GOttes Händen allein. Aber was uns nach des Lebens Würffel für Zeit begegnet / da sollen wir mit zusehen / daß wir dieselbig wohl anstellen / und deren recht gebrauchen / damit sie also angestellet werde / daß wir den letzten Stein ziehen und gewinnen. 1. Daß dieses geschehe / sollen wir in acht nehmen / daß wir unser gantzes Leben in Unschuld und Gottesfurcht zubringen / damit / Gott verkürtze uns dasselbige / wie er wolle / uns an dem ewigen nichts abgehe. 2. O Ihr Menschen bedencket dieses wohl! Ihr müst es aber bedencken / weil das Spiel noch wehret / denn sonsten ist es vergebens und zu lange geharret.
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309. Geschicht von Cochläo. COchlaeus ist Hertzog Georgans zu Sachsen Theologus gewesen / ein rechter Feind der Warheit und Gerechtigkeit / derselbe nennet Lutherum einen Wechselbalck / Item sagte / er were von einer Bade Magd gebohren. Auff dem Reichstage zu Worms Anno 1521. Woltë er mit Luthero / wenn er sein Käyserlich / des Reichs und der Churfürsten Gleit auffgebe / und sich dessen verziehe / zum Feuer disputiren, Aber ein wohlgebohrner Grafe / oder stattlicher Edelman deß Nahmen übergange̅ wird / sprach zum Kochlöffel: Gott gebe dir Sanct Velten / was hast du mit dem Gleit zu schaffen? Packe dich / und komme hieher nicht mehr / du grober und grosser Bauerlöffel. Dieser Löffelschnitzer sagte auch / Lutherus ist ein Monstrum, das ist / ein solch Thier / dem sieben Köpffe aus seinem Halse gewachsen sind. Darauff ein Junger Marggraff geantwortet / und gesaget: Wie wollen die Papisten den Lutherum eintreiben / weil er nun sieben Köpffe / und zuvor / da er nur einen Kopff hatte / allen Papisten ist unüberwindlich gewest? 1. Wer wolte glauben / daß dieser Cochlaeus wol solte gefahren sein / schreibt der Autor, aus welchem diese Historia genommen?
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2. Man muß offtmals die Narren reden lassen / warumb wolte man es nicht auch einem groben bäurischen Koch-Löffel vergönnen? Aber weil man den Narren auch antworten soll / damit sie sich nicht lassen klug düncken / so hat dieser Graff gar recht gethan / daß er den Kotzlöffel gesagt / Er solte sich umb daß Gleit unbekümmert lassen. 310. Ein Bürger von Straubingen will mit seiner Frau gefangen seyn. IN Bäyrischen Geschichten wird gemeldet / wie daß / als die Hunnen Beyern durchstreiffet / un̅ über all grossen Schaden gethan sich ein Bürger von Straubingen sambt seiner Ehegemahlin in eine Steinklufft verborgen / als aber dessen Haußsrau sehen wolte / ob sie fast vorüber weren / wird ihr alsbald einer von den Feinden gewahr / steiget von seinem Roß / bindet sie an / und führet sie davon. Da ihr Ehemann dieses siehe und höret / eylet er gar grimmiglich dem hellen Hauffen nach / in dem er sie aber durch nichts erlösen kan / so bittet er nur / daß sie ihm sambt ihr zugleich mit nehmen / und an einen Ort verkauffen wolten. 1. Dem ist neben seinem Ehegehülffen die [605] Gefängniß und Dienstbarkeit lieber gewesen / denn ohne ihre Gegenwert igkeit / die öffentliche Freyheit. 2. Alle Eheleute sollen dergleichen thun / daß sie in Leid und Freud / in Glück und Unglück bey einander halten. 311. Wie bey wehlung des Römischen Pabsts außgeruffen wird. WEnn der Römische Pabst eligirt wird / so gehet vor ihm her der Magister Ceremoniarum und hat zwey Rohr in der Hand / in der einen ein brennend Liecht / die ander mit Werck umb wickelt / die zündet er an / und rufft zum dritten mahl: Pater Sancte, sic transit gloria mundi. O heiliger Vater / so vergehet die Ehr der Welt dahin. 1. Ist kein übler Brauch / daß man sich dieser Nichtigkeit erinnert / wenn nur der Pabst und sein Hauff offt daran gedächten. 2. Aber es ist zu besorgen / daß es selten geschehe Die Wort hört man nach Gewohnheit mit an / läst sie aber / wenn sie zu einen Ohr eingehen / zum andern bald wieder hinaus. 312. Von Latomo.
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LAtomus ist ein trefflicher gelehrter Mann gewesen / ein Doctor Legum oder Juris, wie man das nennet / und hat zu Lutheri Zeiten gelebet / er hat auch wol verstanden / daß des Lutheri Lehr / die rechte und wahre Lehre sey / und daß sie allein weise aus der Heiligen Schrifft den rechten Weg zur Seeligkeit. Hat aber dasselbe vorsetzlich nicht wissen wollen / sondern den Papisten zu gefallen / von denen er grosse Gunst und Geschenck bekommen / sich hefftig mit Worten und Schreiben wieder Lutherum / und alle so ihm verwand / mit grosser Sicherheit geleget / und nie gedacht / daß er einmahl sterben solte. Derwegen weil er so sicher / und seine Sünde / die eine Zeitlang geschlaffen / nun auffwachten / wie von Cain geschrieben stehet / ist er eylends zu Cölln in greuliche erschreckliche Anfechtung gefallen / daß er wieder GOtt / seinen Sohn und den heiligen Geist / hefftig gesündiget / die helle Warheit umbsonst / freywillig und umb Geldes willen verfolget / hat angefangen zu zittern und zagen / und alsbald nach den gelehrtesten Leuten geschickt und gesaget: Ich Latomus hab übel gethan / und GOttes Wort vorsetzlich helffen verfolgen / und wissentlich dasselbe wieder mein Gewissen gethan / und in den heiligen Geist gesündiget / welches mir nimmermehr weder hie noch dort verziehen wird / daß ich des Teuffels bin mit Leib und Seel / und bin seinem Reiche schon zugeeignet und eingeleibet in diesem Leben / und ihr seher nicht mehr Latomum, [607] als einen Menschen / sondern als einen lebendigen Teuffel / und so ihr recht sehen köndet und auffgethane Augen hettet / so würdet ihr solches an meinen Händen und Füssen befinden / daß es nicht mehr Menschen Hände / sondern Teuffels Klauen und Klappern. Vnd da sich darüber alle / die gegenwertig gewest seyn / hart entsetzet und sehr erschrocken / darauff einer auß grossem erschrecken / der seiner guten Gesellen einer / und ein Doctor Theologiae ein Thumpfaff / angefangen hat / ihn auß göttlicher Schrifft zu trösten: Ey lieber Larome, es ist keine Sünde so groß / die Gnade GOttes ist viel grösser / erhebet euer Hertz zu GOtt dem Allmächtigen / und bittet derwegen umb Gnade und Verzeihung. Darauff Latomus geantwortet hatte / er wüste wohl andere viel herrlicher schöner Sprüche / könte ihm aber keinen nütze machen / wolte auch keiner hafften / er were gelehrt genug / und wüstets sehr wol / aber da feylete es / daß kein Glauben noch vertrauen zu GOtt da were. Auff welches der Doctor geantwortet / desto besser were es / weil ers selber wüste / so were doch bey GOtt nichts unmügliches; Dargegen Latomus geantwortet / auß grossem Eyffer / daß were ihm dennoch unmüglich / wenn er gleich GOtt were / daß er jemand auß der Hellen reissen könte. Vnd letzlich saget er / das ihr aber sehet / daß ichs auß vollen Munde geredt habe / so wil ich mich nieder thun und darauff sterben / und nehmet ein Ex [608] empel an und von mir / habe auch derhalben nach euch geschickt / auff daß ihr von der Verfolgung abstündet. Vnd ist also nach diesen Worten eylends greulich mit grossem Geschrey gestorben / und hat also unmenschlich gesehen / daß sich jederman für seinem Angesicht gefürchtet hat. 1. Da siehet man was vorsetzliche / wissendliche Sünden / die man wieder Gewissen und besser Wissen begehet / vor schreckliche Würckung haben. Der Trost wil letzlich nicht hafften / wenn man gleich Trost-Sprüche weiß und vorbeten höret. Der Teuffel läst die application nicht machen / und Gott hat von dergleichen verstockten Sünder Hand abgezogen / und / weil er sich erstlichen selbst verhärtet / ihn aus gerechten Gericht ebenfals verhärtet. 2. Ein jedweder bespiegele sich an diesem Latomo, und sündige ja nicht / wie er gesündiget hat / denn dieses / wenn man die rechte Lehre erkennet / und doch wieder Gewissen läugnet und verfolget / und in solcher Boßheit verharret / wie Latemus gethan / ist eben die Sünde in den heiligen Geist / welche weder in diesem noch in jenem Leben vergeben wird. 313. Die ärgste Marter eines Verliebten.
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ALs der König zu Babylon den vortreflichen Philosophum Apollonium gebeten / er wolte Ihm doch die allergröste, Marter und Plage anzeigen / die er immer erdencken und erfinden möchte / damit er einen jungen Edelman straffen / peinigen und züchtigen könte / welchen er / der König / selbst bey einer seiner Edlen Jungfrau in grosser Liebe liegend gefunden hette / hat dem König gedachter Philosophus also geantwortet: Die allergröste Plage die ich dir anzeigen kan / damit man ihn peinigen / straffen und züchtigen möge / ist diese / daß du ihm sein Leben fristest / un̅ nicht töstöst / den̅ da wird man alsbald sehen wie das Feuer der Liebe von Tag zu Tag / je länger je mehr (wie es denn allbereit hat angefangen) so sehr bey ihm entbrennen und zunehmen wird / ja die Marter / die er leidet / wird so groß und hefftig seyn / daß man auch keine grössere Schmertzen erdencken noch erfinden könne / weil diesem Schmertzen kein peinlicher Tod zu vergleichen ist / ja er wird sich auch mit so viel innerlichen Gedancken beschweret finden / biß daß er sich zu letzt selbst mit solchen Liebes-Flammen gar ver [610] zehren / und gleich wie eine Fliege am Liecht verbrennen wird / das auch sein Leben kein Leben mehr / sondern ein rechter langwieriger schmertzlicher Tod / und dar zu viel grausamer sein wird / denn so er durch den aller-Blutgierigsten Tyrannen oder Hencker / so immer seyn möchte / hingerichtet würde / den̅ es ist kein herberer Kampff / als die Liebe / und kein Schmertzen ist dem zu gleichen / wie auch an Käyser Carls Diener zu sehen / welcher in einer Nacht im Gefängniß grau worden. 1. Dieser Philosophus mag aus Erfahrung / oder seiner grossen Wissenschafft nach / geredet haben / so hat er doch die Warheit geredet. Denn das Liebes-Feuer brennet so hefftig / daß es mit keinem Wasser mag gelöschet werden. 2. Es brennet aber die Liebe nur desto hefftiger / wenn man das jenige / so man liebet / nicht geniesen kan. Darumb ist freylich dieses der recht verliebten gröste Marter und Pein wann man Ihnen zusammen zukommen wehret. 314. Einer wil sich nicht selbst zu tode hungern.
|| [611]
ERasmus gedencket in seinen Apophthegmatibus eines Rhodiesers / welchem / weil er zu dapffer geredt / von einem Tyrannen sein Hände abgehauen / sein Gesicht scheußlich verwundet / und er darzu noch in eine Grube geworffen / darinnen er / wie ein Wild thier zur Schmach un̅ Schand gespeiset und gehalten ward. Als nun derselbige von seinen guten Freunden ermahnet / daß er sich selbst todt hungern / und ihm der Schmach abhelffen wolte / hat er sich dessen gewegert und gesagt: Cuncta homini, quoad vivit, speranda sunt, ein Mensch / so lang er lebet / soll alles hoffen. 1. Er hat recht gethan / denn sich selbsten durch Hunger umbs Leben bringen / wehr wieder das sünffte Gebot gehandelt. 2. So ists auch der Natur gemesser gehandelt / denn die liebet allezeit mehr das Leben / als den Tod / also gar / daß wenn der Mensch noch so alt und ungestalt / noch so Kranck und gebrechlich wehre / so würde er / der Natur nach / doch immer ehe zum Leben / als zum Tode wehlen.

315.
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Von der Insul Malta in Cicilien.
|| [612]
???Alta ist eine Insul zwischen Europa und Affrica. In der Apostel Geschicht am 28. Capitel wird sie Me???ite genant. Ist unterschiedlich / vor Christi Geburt / und auch hernach regiert worden. Vnd seynd ihre Herren eine Zeitlang die Cartaginenser / und König Phalaris neben andern gewesen / biß sie an die Kömer kommen / bey deren Regierung S. Paulus / als er einen Schiff bruch erlitten / hieher gelangt ist. Folgends haben die Griechische Käyser sie beherscht / biß Almala Remeia / der Saracenische König zu Maroco / sie bezwungen. Im Jahr Christi 1090. bemächtigte sich derselben Rogerius, König in Sicilien; wie sie dannoch / so viel die Geistliche Botmäßigkeit anbelangt / unter deß Bischoffs zu Palermo in Sicilia Obergerechtigkeit gehörig ist. Sonsten aber ist sie der Zeit den Johannitter Herren / oder Rittern Sanct Johann Ordens von Jerusalem / zuständig / als welchen Käyser Carl der 5. König in Spanien / und Sicilien / Anno 1529. solche zu eigen geschencket hat. Begreifft in sich 75. Welscher Meilen / nemlich in die länge 45 / der breite nach aber bey 30. ist rings an dem Meer / wie auch auff den Höhen / mit festen Wacht Thürmen / neben ihren ordentlichen Besatzungen / und Wehrlichen Notturfften / bewahret. In übrigen hat die Natur / an unterschiedlichen Orten / insonderheit aber gegen Mittag und Africa zu / diese Insul also befesti [613] get / daß es mit Menschlichen Sinnen und Händen schwerlich hätte verbessert werden können. Es hat Malta zwey Städre / Valleta und Givita vechia: Zwey Haupt Vestungen / il Castello disant’ Angelo vittorioso, und il Castello disant’ Elmo, zur Beschützung der Stadt Valleta, und des Valletischen Haupt Meerhafens: Vnd auch zwey kleine Städlein / Sanct Michael / und il Borgo. An erlichen Orten / sonderlich aber auff der Seiten / gegen dem Königreich Sicilien / hat es unterschiedliche schöne und von Natur wohl verwahrte Meerhäfen: Gegen Mittag und der Africanischen Haupt-Landtschafft / hat sie nichts dergleichen / deßwegen schwerlich daselbst anzulenden ist. Es sollen in dieser Insel bey die 60. und darunter theils grosse / wolerbaute Dörffer seyn, Fast bey jeglichem Dorff ist ein starcker Wachthurm / welcher einem Ritter / so den Titul eines Capitäins führet / sambt etlichen jhme zugeordete Kriegs-Knechten / zu beschützen verdrauet und anbefohlen. Die Landschaft dieser Insul ist gantz gebirgig / welcher Grund und Boden ein lauter Felsen / (gar weißlicht / etwas gelind / und nachgebend / daß man ihm schneiden kan /) sonst ziemlich erbauet: Hat einen feinen Fruchtwachs so von Jahren zu Jahren sich verbesserlicherzeiget / davon gute Hoffnung entspringet / es werde mit der Zeit / auff das wenigste der Bauersman sein stücklein Brodts / und dürff [614] tige Nahrung von der Insul haben können / da sie sonst aus dem Königreich Sicilien muß versehen werden / von Früchten wachset in der Insul / über das Korn und Gersten / nur in etlichen Dörffern / etwas von Oel und Wein: Ingleichen wachsen hin und wieder Flachs / Kümmel / Pfeffer / Baumwollen / die edlesten Rosen und Violen. Es beweiset auch die Natur daselbst ihr sonderbahres Meisterstück / nemlich in stellung etliches aus den Felsen herfürkommen der Felsichten Gewächs / derer theils in gestalt einer Natterzung / die andere wie Schlangen Augen / Zähne / und dergleichen / für bisse / und Beleidigung gifftiger Thiere / gut seyn / auch in hitzigen Kranckheiten merckliche Hülffe beweisen sollen. Die Kinder in dieser Insul tragen vor gifftigen Thieren keinen Abscheu / und spielen mit Scorpionen / und andern dergleichen / und empfinden von solchem gans keine Verletzung. Die Schlangen / Nattern / und andere gifftige Thiere / sollen keinen Auffenthalt in dieser Insul haben / und da gleich etwas von dergleichen hinein kommet / doch bald seine Giffts Krafft verlieren. An Gehöltz und Wäldern / wie auch wilden Thieren / ist / ausser deß Großmeisters Wildgarten / nichts in der Insul zu finden / bißweilen werden in den Ackerfeldern Füchse und Hasen / ingleichem allerley Art / und Farben frembder Vögel gefangen. Sonderlich aber werden die Stoß-Falken allen andern in der [615] Christenheit vorgezogen. Von zahmen Thieren haben sie / wegen Mangel der Fütterung / wenig: Zu den Winters-Zeiten gibt es nur etwas kühle / abet nicht durch dringliche Winde / und an statt deß Eyses / oder Schnees / subtile Regen: In Sommerszeit regnet es gar nicht / sondern in der Nacht fällt der Himmels Thau / wie ein subtiler Regen auff das Land / und erfrischet solches / da sonst deß Tages fast unerträgliche Hitze. Ist sonst eine Volckreiche Insul / welcher Anzahl Einwohner über die 20000. Seelen / und sechstausend wehrhafftiger Männer / geschätzt wird. Von welchen der mehrer Theil gar lebhafft / gesund und starck / daß sie insgemein das 80. Jahr ihres Alters / und noch darüber / zu erreichen pflegen. Das Landvolck ist ein verschlagenes / böses und arglistiges Volck / nicht eyferig in der Christlichen Religion und Glauben / muß von den Rittern in zwang / und guter Zucht gehalten werden / damit sie dem Feind die Insul nicht verrathen können: (und daher ist auch in dieser Insel eine Inquisition:) sind gute Kriegsleute / werden von den Ritterlichen Hauptleuten unterrichtet / und jmmer fort zur Arbeit / und Werck des Leibes angetrieben. Es wohnen auch viel Mohren und Mörin in der Insul / und gebrauchet man sich in solcher ins gemein der Africanischen Sprach: Das Weibsvolck gehet mit niedergeschlagenem Angesicht / gantz verdeckt. [616] Der Malteser Nachbauren sind von Christen / die Sicilianer / welches Königreich 60. Meilen von Malta / ablieget: Ausser der Christenheit aber der Africaner / Saracenen / und barbarische Einwohner der Städte / Tunis / Tripoli / Algieri / Biserta / Mahometa / etc. die nicht über 200. Welscher Meilen von Malta abliegen. Obgedachte Haupt-Stadt dieser Insel / Vallete / hat von den 48. Großmeister dieses Ritterlichen Ordens / Johann von Valleta / der sie bald nach der im Jahr Christi 1565. ausgestandenen Türckischen Belägerung / gantz neu / von grund aus / zu bauen angefangen / den Nahmen / liegt gleich an dem Meer / und auff einem Felsen / in der Mitte ziemlich hoch / also / daß von derselben Höhe die ordentliche Strassen sich etwas tieff / bitz zu den Meer hinab / unterziehen. Stösset aller Orden an das Meer / ausser gegen Sanct Antonio; daselbst ein Stadtgraben / von 20. Schuh an der Höhe / der weite aber bey 30. Es hat diese Stadt ein ziemlich gesunde Lufft: (aber doch darneben etwas scharff / und sonderlich offenen Wunden / oder übel heylsamen Schäden / gantz Lebens gefährlich) wie auch gutes Wasser / und frische Brunnen: Gibt ausserlesen schön Gebildetes Weibes Volck in dieser Stadt. In der Haupt Kirchen zu Sanct Johann Baptista / ruhen die Großmeister / Fürsten zu Malta / und Gosen / und darunter Alophius de VVigna court, [617] ein Frantzoß / deme Keyser Ferdinand der Ander den Titul Serenissimi oder Fürstl. Durchleuchtigkeit / gegeben / und der Anno 1622. gestorben ist. Ihme hat Antonius de Paula, auch ein Frantzos / im Großmeisterthumb gefolgt / umb dessen Zeiten über die dreytausend Ritter dieses Ortens sollen gewest seyn / deren die meisten bey der Insul Malta / die übrigen an unterschiedlichen Orten der Christenheit sich auffgehalten haben. Die andere Stadt dieser Insel / nemlich civita vechia, von den Einwohnern Medina genant / liegt etliche Meilen von der obgedachten Stadt Valleta / auff einem Berge / und ist eine Mittelmässige / zwar alte / aber / jetzigem Ansehen nach / fast gantz erneuerte Stadt / so mit Mauren und Pasteyen ziemlich verwaret / auch inwendig mit feinen Gebäuen versehen ist. Kan / wegen der allerseits hohen Lage / sich wol beschützen und nicht angegriffen werden / gleich ausserhalb civita vechia, in der Vorstadt / darinnen etliche Klöster liegen / ist sonderlich / unter andern / zusehen Sanct Paulus Thumkirche / an welcher die mittelste Thür alsobald etliche Staffeln hinab zeiget zu der Höle Sanct Paulus / la Grotta di san Paolo genant / in welcher er eine zeitlang seine Wohnung solle gehabt haben. Fünff Welscher Meilen von der Insel Malta liegt noch ein andere Insel Gozo, auff Teutsch Gosen / von den alten Glaucos, Gaudos, Gaulus. [618] Gaulos, und von den Einwohnern heutigs Tages Gaudico genant. Solle Clauda seyn / deren in der Apostel Geschicht am 27. Capitel v. 16. gedacht wird. Hat nur ein einigs befestigtes Städlein / auch Gozo oder Gaudico geheissen / etwas auff der Höhe von dem Meer abliegend / in grösse der Stad civita vechia, in Malta: sonsten aber etliche wenige Dörffer / und kleine Flecklein / wie auch unterschiedliche Meyerhöffe. Wegen des Edlen Bodens übertrifft sie / an Fruchtbarkeit / die Maltesische Landschafft. Derselben Vmbkreiß erstreckt sich auff 30. Meilen / gehört unter die hohe Obrigkeit deß Großmeisters zu Malta / welcher Durch einen Groß Creutzer / so den Titul eines Obristen Hauptmans führet / solche regieren lässet / und dieselbe auch von Käyser Carl dem fünfften zu einem Geschenek bekommen. Die Inwohner reden Saracenisch / seynd aber Christen. Nechst dieser liegt noch ein andere mit einverleibte Malteser Insul Cuminie oder Cumino genant / so nur ein einiges Gebirge / oder Inselberg / wieder feindliche Einbrüche ziemblich verwahret / auch mit Krigs-Volck besetzet. Vnd dieses ist die kurtze Malthesische Beschreibung. 1. Muß vorwahr eine vornehme Insul und darinnen kein böses Land noch übel zu wohnen seyn.
|| [619]
2. GOtt der HERR hat die Welt sehr weißlichen erschaffen / und jmmer ein Land vor dem andern mit etwas sonderliches begabet. 316. Einem von Adel beliebt seine Vlattersiüp pichte Schwartze vor Andern. ABraham Hoseman schreibet in seiner wahren Abcontrafactur der rechten ehelichen Liebe also: Als vor wenig Jahren nicht weit allhier von meinem Vaterlande / ein vornehmer von Adel / eines trefflichen berühmten Geschlechts / geheyrathet / hat er mir nach vollbrachten Beylager geschrieben / er wehre der Hoffnung gewesen / Ich würde ihm und seiner liebe Braut etwas zu Ehren und Wohlgefallen gestellet haben / ich solte befunden haben / wie er sich gegen mir würde danckbar verhalten haben / weil ihm seine Braut hertzlich lieb were. Darauff berichtete ich ihm / daß ich darzu williger dann willig gewesen were / Ich hette aber solches zu langsam erfahren / auch der Braut Tauff-Namen nicht eigentlich wissen können / Er solte ihm aber nun auff der Welt nichts liebers seyn lassen / sondern es vor die gröste Freude halten / daß er von GOTT so mit einer frommen / Tugendreichen / schönen Ehe-Gemahlin versehen und aus Gnaden mit begabet were. [620] Darauff er zu rücke mir wieder antwortete: was die zwo Haupt-Tugenden / Zucht und Frömmigkeit anlangete / da hette ich nicht gefehlet / was aber ihre Schönheit betreffe / da irrete ich nach ander Leut Vrtheil gar weit / entweder ich schreibe es aus Spott / und vexirte Ihn / oder wolte Ihm etwas heucheln / und schreib weiter; Mein Herr Hosemann / ich habe in solcher Heyrath auff der gantzen Welt keinen Menschen auff meiner Seiten gehabt / der darein consentiret hette / unter allen meinen Freunden sind sie gar darwieder gewesen / und sagten / es were kein heßlicher Mensch zu finden / als sie were / darumb wolte mir Niemand darzu rathen / nun deuchte mich / wann Sie mir nur in meinem Hertzen wol gefället / so were es eben genug / so sehe ich wol / sie hette auch meinen Blut-Freunden gefallen sollen / weil sie nun dieselben nicht vor schön erkennen / haben sie auch meine Hochzeit gemieden / nun muß ich wol erkennen / daß solche gestalt / wie sie hat / nicht einem Jeden belieben mag / sie gefället mir aber wol / ob sie schon einen greulichen Mangel am Gesichte hat / wegen des / da sie in der Jugend geblattert / und etwan dieselben zurieben hat / daß man tieffe Narben siehet / und ist darneben bleich / hat schwartze Haar und Augenbramen / wolt ichs ihr doch dargegen wol bekommen haben / die schön Rößlicht / weiß und roth gewesen / sie haben mir aber nit gefallen wollen / diese aber ob sie schon gelb und bleich / auch tieffe Blatternaben am Gesichte hat / [621] die ist mir hertzlich lieb / wer hat den ausser mir sonsten umb ihr Gesichte viel zu schaffen? Mich deucht wann sie mir gefället / es were eben genug / oder soll und muß ich mich denn auch nach einem andern richten / und zur Ehe nehmen / was ihme gefället? Habe ich mich doch umb andere nichts bekümmert / wenn und wo sie geheyrathet / ob sie schwartz oder weiß / fromm oder schön gewesen / derwegen laß ich mir an meiner Schwartzen (wie man mir sie hönischen nennet) gar wol gnügen / und dancke darneben GOTT / der mir so ein treu / fromm / auffrichtiges Hertz an die Seiten bescheret hat. 1. Dieser von Adel hat recht geschrieben: Wenn ein Weib ihrem Ehemann gefällt / so ist sie schon schön gnug / andern darff sie nicht gefallen. 2. Was haben sich demnach frembde Leute darumb zu bekümmern / ob eines Weib schwartz oder weiß / ob sie groß oder klein? Sie thäten besser / wenn sie den Odem von anderer Weiber Gestalt und Statur zu reden eine heisse Suppen zu blasen anwendeten / oder dafür ein Vater unser beteten.

317.
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Der Verdampten Zustand durch einen feurigen Stein und Leinwad / welche kein Feuer verzehret / abgebildet.
|| [622]
SOlinus thut meldung von einem Stein in Arcadia (der Asbestos genennet wird) welcher / so bald er das wenigste Füncklein von einer Flammen empfahet / fast unabläßlich feurig bleibt und brennet. Daraus man in den Götzen Tempeln / und Herren-Begräbnüssen / Amplen gemacht hat: Dessen auch der heilige Augustinus Meldung thut. Allda ich noch beysetze / Plinium, Volaterranum, Dioscoridem, und andere mehr / welche Wunder-Ding erzehlen / von einer besondern Art / und Geschlecht der Leinwath / so mit vielerley Namen genennet wird / als Aßbestinisch / Charistisch / Indianisch / ja lebhaffte Leinwath. Nun diese Leinwath / wird nicht allein vom Feuer nicht verzehret / sondern gewaschen und gesäubert. Derwegen dann etliche Todten-Cöraper der Könige / so auff einem Scheiterhauffen haben sollen geworffen und verbrennet werden / in solche Leinwath seynd eingewickelt worden / damit / wann sie zu Aschen worden / ein Unterscheid zwischen ihnen / und anderer Aschen seyn möchte. Aus dieser Leinwath / hat Nero ein Handziwe [623] hel / oder Tischtuch gehabt / welches höher geschätzet worden / als Edelgestein und Gold. Da sehen wir dann / was die Natur für ein Wegweiserin und Meisterin sey / die uns mit dem Finger darauff zeiget / wie sie mitten im Feuer / ihrem Todt nicht finden konne. 1. Also werden auch alle Verdambte brennen / un̅ nicht verbren̅en / durch ein ewiges brennen un̅ braten / daß sie leiden / können sie nie verzehret werden / in diesen Flammen werden sie den Todt suchen / und nicht finden. 2. Aber darinnen bestehet der Vnterschied / daß das Feuer die Verdampten nicht saubert und reiniget / wie diese Leindwad vom Feuer zugleich mit gewaschen / gesaubert und gereiniget wird. 318. Wie Bulcanus zwey gute Hertzens-Freunde zusammen geschmiedet. BEym Platone wanderten zween vertraute Freunde mit einander / zu welchen sich unterweges der Götterschmiedt Vulcanus gesellet / eine zeitlang mit ihnen reiset / und weil es ihre sonderbahre Correspondentz und Verträuligkeit [624] mit Lust ansihet / erläubt er ihnen eine Gabe nach ihrem Wolgefallen von ihm zu bitten. Darauff begehren sie / er wolle sie nur zusammen schmieden / damit sie eine Person / und nimmermehr von einander getrennet würden. 1. Dieses ist zwar nur eine Fabel und Gedicht / wird aber dadurch angedeutet / daß gute Freunde durch die Freundschaft fest sollen gleichsam aneinander geschmiedet seyn / und sich nicht leicht sollen trennen lassen. 2. Aber wie geht es heut zu Tag her? Es mag leicht ein rauhes Windlein wehen / so verwehet es die Freundschafft / und sonderlich pflegt das meum und tuum gar offtmals auch die besten Freunde zu trennen. 319. Des Olympii grosse Gedult. ES erzehlet Joannes Moschus, wie Olympius der alte / und sonders gedultige Mann / in dem Kloster Gerasmi, am Jordan / allerley Beschwernüssen gantz gedultig übertragen / in Ansehung der ewigen Dinge. Vnd da einest ein geist [625] licher Ordensmann / so über Landgangen / als ein Gast zu ihme kommen / und ihme mit verwunderung fürgeworffen: Mein Olympi, wie muß es doch nur ein Ding seyn / daß du in diesem Kefet / in so schwerer Hitz / unter so vielen geschwader Mücken / und Schnacken bleiben kanst? Antwort Olympius darauff / Sohn / sprach er / das seynd leichte Sachen: Dieses leide ich / damit ich der unleidenlichen und ewigen Marter und Pein entgehen möge: Die Mücken leid ich / damit ich den unsterblichen nagenden Wurm entfliehen möge: Diese Hitz kan der leichtlich tragen / der das ewig Feuer fürcht: Ob dann schon diese Ding mich etwas beschweren / und an ihnen selber verdrüßlich / so wehren sie doch nur eine Kurtze Zeit / und werden ein End haben / jene aber gar keins. 1. Dieser Mann hat auff Papistisch gemeinet mit dem zeitlichen Leiden das ewige abzuwenden und den Himmel zu ver dienen. Aber weit gefehlt Weder mit thun / noch mit Leiden können wir GOtt seinen Himmel abverdienen. Dieser Zeit Leiden ist nicht wehrt der Herrligkeit / die an uns soll offenbahret werden / schreibt Paulus Rom. IIX. v. 18.
|| [626]
2. Wir Lutheraner wissen aus Gottes Wort einen andern und richtigern Weg / der gen Himmel führet / das ist der Glaubens-Weg / von dem sagt Christus: Alle die an den Sohn GOttes glauben sollen nicht verlohren werden / sondern das ewige Leben haben / Job. III. v. 16 320. Hilarilus machet den Teuffel in einem Camel Thier zuschanden. DEr böse Feind hatte vorzeiten ein Camel-Thier besessen / und als er in demselbigen zu dem H. Hilario kommen / hat er gantz ungestümb und grausam angefangen zu wüten / als wolte er den Heil. Mann gleich also dahin verschlucken. Zu dem sagte Hilarion: Ich kenn dich / O Teuffel / du erschreckest mich mit dieser grossen Bestia gar nicht: Du bist mir ein Ding / und gild mir gleich / du kommest unter einem Fuchs-Beltz oder Camel-Haut zu mir. Darauff das schöllig Camel gleich vor ihme zu boden gefallen / also alle grausamkeit in eine lächerliche Sanfftmuth ausgangen. 1. Auff solche masse kan man dem Teuffel am besten wiederstehen / wenn man ihn ver [627] achtet / und sich nicht von ihm schrecken läst. 2. Aber darzu gehöret ein starcker Glaube / der wil sich nicht bey allen Menschen / sonderlich in der Versuchung und Anfechtung sinden. 321. Wie der Teuffel gepredige. Lotherus schreibt / er habe in seiner Jugend eine Historia gehört / wie einmahls der Prediger sey plötzlich kranck worden / als Er jetzo hat sollen predigen. Da sey ein Mann zu thin kommen / und habe sich erboten für ihm zu predigen / und habe eilend die Blätter im Buche umbgeschlagen / und eine Predige gefasset / hat aber so köstlich und ernstlich geprediger / daß die gantze Kirchen weinen müssen. Am Ende hat er gesagt: Wolt ihr wissen wer ich sey? Jch bin der Teuffel / und habe euch darumb so ernstlich geprediget / auff daß ich euch desto billiger und härter verklagen könne am jüngsten Tage zu eurem grossen Verdamnüß. Ob diese Historia war sey oder nicht / wil Doct. Luther nicht schliessen / sagt / er lasse es in seinen Würden / das wisse er aber wohl / daß sie der Warheit nicht unehnlich sey / und von der Hauptsachen recht rede / nemblich / daß der Teuffel wohl könne das Wort / die Ampt und [628] Sacrament Christi haben und geben / denn Er sich in einen Engel des Liechts / und in die Majestät GOttes selbsten verstellen könne. Strigenicius 12. conc. irin. Emanunt. ex 6. tom. Luth. von den Winckelmessen. 1. Jst der Teuffel so arglistig / so sollen wir ihm besser auff die Garn achtung geben / und recht erkennen lernen. 2. So derlich aber sol man fleißig beten und GOtt anruffen / daß Er uns wieder diesen starcken und listigen Feind wolle beschützen. 322. Eine verliebte Rittermeßige Person. LIne Rittermessige Person verliebte und verlobte sich auf eine Zeit in eines vornehmen von Adel Tochter / als es der Vater vermerckt / begibt er sich von dannen auff ein ander Schloß / und alldagibt sich ein anderer an / der Jungfer auff den Dienst zuwarten / zu dem ihr Vater auch beliebung trug. Sie berichtet solches eylfertig ihren Liebsten / auff Mittel zu deneken / wie er sie erledigen möcht: Der macht sich auff mit etlichen inwillens sie zu entführen; Auff dem Weg wird er von einem Tropp Reuter gefangen und verwahrlich [629] gesetzet / dieweil er aber stets traurig / befragt ihn der Commendant der Vestung / was ihm anliege? Dem eröffnete er sein gantz Hertz. Der Commendant läst ihm bey Trauen und Glauben verheissen / jnnen 14. Tagen sich bey ihnen wieder einzustellen; Der Liehhaber zeugt fort / und bringt mit List seine Liebste / mit all ihren Geschmeid und Schmuck dahin; stellt sich wieder mit seinem Schatz all da ein / und wollen auch das begehrte Rantzion-Geld / so vorher beschlossen / bezahlen; aber weiln der Commendant sein und ihre Treu vermerckt / schenckt er es ihnen. Ehe sie der Liebste von dannen geführt / hat er anheissig werden müssen / sie nicht zu berühren / biß solches jhrem Vater vorher were notificirt worden / so auch alles geschehen / und hernach ihr Vater seinen Consens darein geben müssen. 1. An diesem Liebhaber finden sich drey Tugenden / erstlich die Beständigkeit gegen seiner Liebsten / darnach die Treu und Glaube / so er dem Commendanten gehalten / und dann die Redligkeit / daß er eine auffrichtige und keine Huren-Liebe gehabt.
|| [630]
2. Der Commendant ist auch zu loben / daß er diesen liebhabenden Personen zu sammen geholffen. 323. Schlangen sollen zuvor ihren Gifft weglegen / wenn sie trincken wollen. Ausustinus schreibt von einer Art Schlangen / welche / wenn sie zu einem Brunnen wanderen wollen zu trincken / so pflegen sie zuvor / ehe sie darzu kommen / alles Gifft evomiren und auszuspeyen. Ein jeder Christ / wann er zu beten gehen wil / soll alles Sünden Gifft / Geiffer und Unrecht ablegen / damit er ihm selbsten nicht darmit sein Gebet vergiffte. 1. Dieses sollen auch beobachten Prediger / wenn sie auff die Cantzeln steigen / Schul-Lehrer wenn sie in die Auditoria gehen / Regenten wenn sie gericht sitzen wollen / und alle Menschen ins gemein / wenn sie Jhr Ambt verrichten / daß sie den Gifft der privat affecten und Eyffer zu vor weglegen. 2. Wie es aber von vielen / in allen Ständen / wird inacht genommen / davon läst man die täglichte Erfahrung reden / und wird einem jedwedern seyn Gewissen der beste Prediber seyn.
|| [631]

324.
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Von Doctor Ecken. DOctor Johann Ecken gibt Lutherus ein solch Zeugnüß. D. Eck ist ein gelehrter Mann / und in disputirn wieder GOtt / und wieder die Göttliche Warheit / geschwinde und hirzig: Aber wenn er den Pabst mit Predigen verdeitiget / und Rom wil hoch hinan bringen / so ist D. Eck / eine Ecke / oder stehet D. Eck in Winckel / er kan auch mit schreiben nichts ausrichten. Denn er ist ein Neutralist / und eine solche Sau / die da aus zweyen Trögen frisset / das ist / er hält es mit dem Pabst / aber es ist ihm nicht Ernst / er wolte wol auch gern Lutherisch seyn / und nach dem ersten Gebot sein Gewissen bewahren / und die Römischen Abgörterey fahren lassen / aber er möchte umb seyne Thumereyen kommen. Darumb trägt er auff beyden Achseln / und spricht: Jch wolte daß alle Mönche und die Nonnen auch alle aus den Klöstern lieffen / aber mit solcher weise / wird man GOtt nicht narren noch betriegen. Jtem es schreibet Lutherus von Ihm also: Er sey homo totus gloriaceus, glorianus, gloriensis & gloriosus. Diese Eck hielt mit Luthero zu Leipzig eine disputation. Aber so vie er angere er / daß sie jhm seinen Nahmen enderten / und Jecken hiessen. Nun trieb er sein Wiederspre [632] chen also eine zeitlang / und da Anno 1530. die Augspurgische Consession übergeben ward / ist er zu dem Cardinal Compegio kommen / und angezeiget / dieweil er viel Arbeit hette von wegen der Römischen Kirchen / daß er jhm doch dargegen eine Verehrung thun wolte. Darauff sagte ihm der Bäpstiche Legat eine Pfründezu / deß ward er noch froh / un̅ meiner er hette es gewiß. Da aber der Cardinal vier hundert Gül???den zur Verehrung kriegete / versagete er die ledige Pfründe einem andern / und Eccius muste hernach sehen. Das verdreust den D. sehr / und kömmet zu den unsern / was sie jhm doch jährlichen geben wolten / wenn er von den Papisten zu ihnen trete / denn also hette Compegius mit ihm gehandelt. Da soll ihm 1000. Gulden geboten worden seyn. Aber er ist gleichwol Päbstisch blieben / und wie er nun auff sein Todt-Bette kompt / wird das sein letztes Gebet / daß er spricht: Hetten wir nun die 1000. Gulden. Also ist er auch dahin gefahren / zu seinen Vätern in Abgrund der Höllen. 1. So sind viel Papisten gesinnet. Es ist ihnen mehr umb das gute Einkommen / als umb die Ehre GOttes und Fortpflantzung der seeligmachenden Lehre zuthun. 2. Aber GOTT wird sie dermaleins [633] wie diesen Ecken und neutralistischen Jecken außspeyen / anders haben sie sich nichts zu versehen. 325. Ein Neopolitanischer Bürger schwimmet seiner gefangenen Frauen nach. FUlgosius erzehlet eine wunderschöne Historiam von einem Neapolitanischen Bürger / daß / als derselbe mit seiner Hauß-Frauen an das Ufer des Meers spatzieren gangen / ist sie ihm von den Mohren gefangen / und alsbald in ein Raub-Schiff geführet worden / da Ihr Mann solches gesehen / ist er alsbald ins Meer gesprungen / dem Raub-Schiff eylend nach geschwimmet / und als er vor dem Obersten solches Raub-Schiffs geführet worden / und er die grosse Liebe des Mannes gegen seiner Frauen gesehen / als er sich auch erbotten / vor sie willig zu sterben / oder nur bey ihr gefangen zu bleiben / hat er sie beyde ohne alle Entgeldniß loß gelassen. 1. Jst ein Exempel einer grossen ehelichen Liebe / derer sich billich alle Eheleuter befleissen sollë. 2. Aber wie pflegt es offtmals zugehen? Mancher Mann / auch manche Frau / dürfften [634] ihren Ehegatten gerne ins Wasser weisen / daß sie darinnen möchten schwimmen lernen / oder / wenn sie solches nicht lernen könten / ertrincken / daß Nachschwimmen aber liesen sie wol bleiben. 326. Wie ein Gottloses Welt-Kind durch das Wachen einer eintzigen Nacht bekehret worden. ES erzehlet Benedictus Renatus, daß ein leichtfertiger / und gottloser Mensch ein rechter Welt-Vogel / mit Namen Fulco, welcher deß Fastens und Wachens nicht gewohnt / und wie er in andern Sachen ihme selber nichts mangeln noch abgehen lassen / also auch im schlaffen. Jedoch hat er eine einige Nacht antroffen / darinnen er der gute Gesell / nicht also schlaffen noch schnarchen können / wie sonst: Ein so ungewohnliche Entsatzung deß natürlichen Schlaffs ist ihn ankommen / daß er zum wachen genöthiget worden: Da kehret er sich hin und her / von einer seiten auff die andere / da will kein Schlaff kommen. Leiden hett er mögen / daß es Tag were. Da hebt der Wind deß HErrn an zu wehen / ob wol in unbekandter Landschafft / dann der guten Gedancken in diesem Menschen sehr wenig waren. Wolan / dieses vendrießliche Wachen treibt ihn dahin / dahin er allerley zu gedencken anfäht: [635] Da fält ihm ein / lieber / was woltest du zu Lohn nehmen / und also zwey oder drey Jahr an einander liegen in der Finste???müß / ohne einigen bekandten Freund / nur in einer leidelichë Kranckheit / ohn alles Spielen / Gasterey und Kurtzweil / in diesen Banden / so lauter gute linde Pflaumfedern seynd / doch aber ohne Freud / die man beym Essen / Trincken und Schauspielen haben kan? Nun ist ja gewiß / daß ich weder Siegel noch Brieff / noch eintziges Privilegium auffzulegen hab / daß ich allein also befreys werde außgehen / und ohne streiche davon kommen: Jm Beth schwach und kranck werd ich müssen liegen / ich wolle oder wolle nicht / es were dann / daß ich gehling und unverfehens sterben solte / und vom Todt hingerissen würde / das wölle GOtt nicht (da erhebt sich der gute Wind und gute Gedancken) was werd ich aber für ein Bett haben nach dem Todt? Der Leib muß erfaulen unter der Erden: Also siehe ich / daß es mit anderen / ja mit allen nach dem Todt zugeht. Wie wirds aber mit der Seel stehen und zugehen in der andern Welt? Nicht alle Verstorbene / glaub ich / werden an einem Ort zusamm kommen. Wo werden dann diese / wo jene hinkommen? Seynd nicht ausserhalb deß Himmels / flammen und Feur / darinnen man kan gereiniget und purgirt werden? Ist nicht auch ein Höll? Ach was für ein Beth werden die Verdambten dort haben? Wie viel Jahr müssen sie in demselben liegen? In welchen [636] Jahr nach ihren Anfang / werden diese Flammen auffhören? Gewiß und wahr ist es / daß Christus den Gottlosen nicht nur trohet / daß er sie ins ewige Feur schicken wolle / sondern schickt sie mit der That darein: Allzuklar / und all zu gewiß ist die Sach. So müssen sie dann Ewig in den Flammen brennen? So werden dann tausendt / und wiederumb tausent / und wiederumb tausend Jahr nicht klecken / zu außlöschung der Sünden dieses so kurtzen Lebens? So werden sie dann in Ewigkeit die Sonn nicht mehr sehen / den Himmel nicht / GOtt nicht / sondern ewig arm seyn? Ach! Ach! In diesen solchen Gedancken ist er so gar vom Schlaff bracht worden / daß er anderst nicht / als jmmer wachend verblieben / und so weit kommen / daß die Nachfolgende Tag und Nacht / diese Betrachtung und Gedancken der Ewigkeit / von ihme nicht außgesetzt. Dieser so schwehren Gedancken / und verdrüßlichen Würm des Gemüths begund er sich zu entschüttë: Hat aber nicht kont. Dieses langweilige Wesen / nagen und klagen deß Gewissens hat allein etwas nachgelassen / wann er seiner Gewohnheit nach / die Zeit mit Spielen / Trincken / Gesellschafft / und Gastereyen zugebracht / und unter die Bursch gerathen / so bald er aber allein / und zu ihm selber kommen / da ists wiederumb angangen. Da hing die Ewigkeit in seinen Gemüht / die trieb ihm eines, [637] treibens. Endlich nimbt er ihme für / sein Leben zu verendern / und sich umb ernstiliche Besserung anzunehmen. Was / sagt er ihme selber / thue ich armseliger Mensch allda? Ich geniesse der Welt / und geniesse ihr doch nicht Ich leide viel wieder meinen Willen: Vieler Sachen muß ich manglen / die ich gern haben wolt: Ich bin in der Dienststbarkeit / und ein Knecht / wer lohnt mir? Ich hab ja bißher gar leicht können sehen / was der Welt Lohn und Danck ist / nach dem schon einer lang dienet. Vnd gesetzt / daß ich in solchem Wollust schwimmen könte / die mein Hertz begehren / und wünschen möchte / wie lang würde das wehren? Bin ich doch meines Lebens nicht eines Tags sicher: Dieses probieren die Verstorbene / die mann täglich zu Grab trägt. O Ewigkeit / wann du nicht werest! O Ewigkeit / wann du ausserhalb deß Himmels bist / und man dich schon in das allerbeste Pflaum und Feder-Beth legte / so bist du unlustig / herb und bitter: Hart gehet es zu (die Warheit zu sagen) sich von denen Dingen abzuziehen / deren wir gewohnt haben. Schwer kompt es an / sich von täglicher guten Tractation im Essen und Trincken / und lieber Gesellschafft abzusondern. Wann wir uns aber lang wehren / besinnen und auffhalten so kompt uns der Tod vor / und raffler diß alles mit sich hinweg Was hälst du dann dich lang auff? Sollest du dir nicht mit löblicher Dapf [638] ferkeit einen ehrlichen Gewalt anthun? Wolan es muß anderst herssen / od er ich wil kein Mensch seyn. Dieses Leben ist mir all zu kurtz / und die Ewigkeit all zu lang. Einen neuen Paß muß ich jetzo an mich nehmen / und gantz in ein ander Haut schlieffen / das muß seyn / und kein anders / so fahr ich dann fort. Wie er gesagr / so hat er gethan. Stracks hat er sich in der Cistercienser Orden begeben / heilig gelebt / und seelig gestorben. 1. Gleich wie GOttes Wercke wunderderbar sind / also kömpt auch offt mancher wunderlich zu seinet Bekchrung / wie dieses böse Welt-Kind durch ein ungewöhnliches Wachen darzu veranlastet wird: 2. Man mercket gar eigend lich / daß diese Historia von einem Papisten geschrieben / alldieweil er des Fegfeuers und Ordens Leute mit gedencket. 327. Ein Calvinischer Studiosus / welcher GOTT und Luthers Lehre schimpffet / stirbt gehling. ZV Wittenberg hat ein frommer Mann diese Reimen an sein Hauß schreiben lassen:
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GOttes Wortund Luthers Lehr / Vergehet nun und nimmermehr. Wie nun vor etlichen Jahren der Calvinißmus daselbst sich vermercken lassen / da hat ein Calvinischer Studiosus diese Reim auff das aller unflätigste mit Koth und Vnflach beworffen. Aber was geschicht? Da er solgenden Tages vor das Thor spatzieren gehet / strafft ihn GOtt / daß er alsbald zu Boden gefallen und deß gehlingen Todes gestorben. 1. GOtt läst sich und sein Wort nicht spotten / es reibe sich nur niemands an Ihn. 2. Dergleichen Exempel wirstu eben in diesem Buch mehr finden. Laß dir / lieber Leser / solche ja wol zur Warnung dienen. 328. Daß Lutheri Lehre keine Neue sey / hat Adolphus Bischoff zu Merseburg erwiesen. ES gedencket der alte Camerarius, in Beschreibung deß Lebens Fürst Georgens von Anhalt / so zu Lutheri Zeiten die Lehr deß Evangelii angenommen / und selbsten in der Person geprediget hat / einer disputation, so sich etwa zwischen Adolpho damahligen Bischoff zu Mer [640] seburg / und andern der Papistischen Religion zugethanen über dem Articul von der Rechtfertigung deß Sünders vor GOtt im gemeinen Gespräch / erreget und melder / als etliche unter andern unser Evangelichen Lehr von demselbigen Articul / als eine neue Lehr verwerffen und verdammen wollen / habe er Bischoff Adolph geantwortet / Was? wolt ihr sagen / diß sey eine neue Lehr / wisset ihr nicht / daß in Psalmen stehet / Non justificatur in conspectu tuo omnis vivens, für dir ist kein lebendiger gerecht / da er den allgemeinen Außsprug omnis vivens kein lebendiger / zum dritrenmahl wiederholet / und also den wi???derwertigen das Maul damit gestopffet hat. Hiemit bewehrende / daß Lutheri Lehr nicht eine neue / sondern die rechte uhralte Prophetische Lehr seye / so einmütiglich bestettige / daß kein lebendiger Mensch / er sey so heilig / als er jmmer wolle / mit seinen Wercken und Verdienst vorm Gericht GOttes bestehen / und dadurch gerecht und selig werden könne. 1. Das ist eine Rede von einem Papisten selbsten / was dürffen wir weiter Zeugnüß? Das Testimonium ab hoste ist nur gar zu gültig. 2. Ist aber dem also / je was verketzert und verdammet man uns Lutheraner denn also in Pabsthumb?
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329.
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Wie wir Teutschen frembde reden wollen und offt eindölpeln. HEutiges Tages befleißigen sich die Teutschen dahin / wie sie ihrer uhralten edler teutschen Namen nur loß werden könten / und neue Frantzösische / Italiänische / Hebreische / Griechische / Namen / überkommen mögen. Und wie mancher wolte sich gern verschwören / daß er kein Teutscher were / wann ihn nur nicht / wie Petrum, seine eigene Sprach verriethe. Und meldek ein Autor die Ursachen / warumb die alten Teutschen Namen abkommen seyen / er ist / auch im angehenden / mit den teutschen Poeten nicht zu frieden / daß sie ihren Vulschafften / und Vielgeliebten / so frembde Heydnische Namen geben / als wann unsere teutsche Sprach auch solcher teutschen Namen nit vermöglich were / und sey es eine schlechte entschuldigung / wann mann die Gewohnheit / und den Gebrauch für ein Deck-Mäntelein anziehen und gebrauchen wolle. Dann solches vielmehr ein Mißbrauch / und Ungewohnheit zu nennen. Mit den Zunahmen gehe es gleicher [642] Gestalt daher / welcher vor diesem / mit seinem Zunahmen / Schuhmacher genennet worden / der schäme sich jetzund dessen / wöll lieber ein Sutor genennet werden. So muß es ein Geringverständiger seyn / der / wann er ein Briefflein zusammen flicken / und bringen kan / nicht am Ende desselben / Datum oder Signatum in Eil / etc. oder einen Schuld-Zettel (conto nennen es die Frantzösisch: Italiänisch: Lateinisch: und Spannische Teutschen) verfertigen / Laus Deo adi, &c. den 1. Decembris, nahm Er / den 22. Augusti, Item / Dito nahm Sein Schneider / etc. setzen solte. Es belustigten sich auch gemeine Leute damit / und wann sie nur ein frembd Wort erschnappt haben / so muß es an allen Orten auch gantz ungereimbt / herhalten / wie jene Jungfr. gethan / die gesagt / der H. ist ein braver Coujon, vermeinend darmit gar wolgered zu haben. Lächerlich ist es / wann man dem gemeinden Mann Lateinisch reden höret / da er ihme einbildet / er müsse ja reden wie die andern / daher kombt das Suppelzieren / für Suppliciren, Rezettel für Recess, Despectiv für perspectiv; er famulirt / für fabulirt [643] schon / kombt nimmer auff; Er ist von grosser Impudentz für Importantz; repetit für recepisse; Er hat kein Apotheck für Apetit; Er hat sich probiren lassen / für purgiren, Vogel Syrup für Viol Syrup. 1. So schön kömbts herausser / wenn man eine Sprache reden will / die man nicht verstehet. 2. Darumb so rede sein ein Jedweder / wie ihm der Schnabel gewachsen ist / das ist am allerbesten / behält auch am besten bey Ehren. 330. Ein junger Mann läuft aus dem Kriege seiner Frau zu helffen / die einen Schenckel zerbrochen. MArcus Curtius schreibet / daß ein junger Mann von ehedessen in Kriegs-Bestallung Alexandri Magni gewesen / und habe im Feld-Lager erfahren / daß seine Haußfrau einen Schenckel zerbrochen / und sehr übel auff sey da habe er in schnellem Erschreckniß / aus Vnbedacht / seinem Schild / Helm und Pantzer von sich geworffen / und auff heim geeilet / auch keine Gefahr weder Schläg noch Schwerd geschenet / sondern hat nur vermeinet siener Frauen zu helffen. Er wird aber in der Flucht von andern ertappet / und vorn König gebracht. Als er nun ernstlich gefraget wird / warumb er seinem Herrn so treuloß [644] worden / wendet er in Demuth vor / daß er aus so schnellem Erschrecknüß / an sonst nichts dencken können / denn nur wie er seiner Frauen helffen möchte / er hette darumb an Königlichen Diensten nicht nachlässig sein wollen. Als ihm aber vorgehalten ward / daß ers durch Erlaubniß hette erlangen können / da sprach er seufftzende: ach daß ich nicht mehr Jahr habe erleben sollen / damit auch mein Verstand vollkommen worden / da fraget ihn der König / wie viel Jahr er alt were? da antwortet er: da ich mein liebstes Hertz (damit meinet er seinen Ehegatten) bekam / war Ich 17. Jahr / und sind nun 25. Wochen. Da hat der König ihn alsbald loß gegeben / und wiedrumb seine Dienste verrichten lassen / daraus nun dieses zu schliessen / das Witz vor Jahren nicht zu kommen pflege. 1. Es ist nicht ohne / Verstand kömbt freylich vor Jahren nicht / und sonderlich übereilet sich ein junger Mensch gar bald / daß er unverständlich handelt / wenn Schrecken / oder die Liebe / oder wol alle beyde / wie allhier geschehen / darzu kommen. 2. Herren und Kriegs-Dienste gehet allem andern vor / welches Alexander Magnus diesem jungen Menschen in seinem Vortrag zu verstehen geben wollen. 331. Wie Justus Lipsius der gelehrte Mann gestorben.
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ANno 1606. den 22. Aprilis ist gestorben Justus Lipsius, seiner Geschückligkeit nnd Schrifften halber / ein namhaffter Mann / der hat ihme selber mit Augusto offtermaln einen leichten und sanfften Tod gewünscht / darzu auch ein freyes und unerschrocknes Gemüth / in solcher angehender Noth. Welche beyde Begehren ihme nach seinem Wunsch wiederfahren. Dann er in vier Tagen die wichtige Arbeit des Sterbens verricht / zu welcher Zeit er nichts anders gehandelt / als nur vom Tod / und vom Sterben. Also / daß er die gantze Zeit nit ein eintziges Wort / weder seines Schreibens / noch Studirens halber gered hette. Und als ihm einer in Geheim und Still in die Ohren sagte / was er zu guten Trost von den Stoicis für reiche Materi hette: Dieses / sprach er / ist ein Eytelkeit / und strecket seinen Finger aus gegen der Bildnüß Christi am Creuß / so zu nechst bey Ihme gestanden. Das ist / sagt er / die wahre Gedult. Und als nun die Kranckheit angefangen überhand zunehmen / ist das seine erste Sorg gewesen / sich mit den heiligen Sacramenten der Buß / des Fronleichnambs [646] Christi / und letzten Oelung zu reinigen / zu Stärcken / und zu versehen / sich mit dem Gebet / und Fürbitt andächtiger Leut / anhebig und inbrünstig zu befehlen: Erhebt seine Augen / und sterbende Händ über sich gen Himmel / und betet also: O Mutter Gottes stehe deinem Diener bey / der jetzo mit der gantzen Ewigkeit zu kämpffen / und zu ringen hat / und verlasse mich nicht in dieser Stund / an welcher das ewige Heil meiner Seel hanget. 1. Dieser gelehrte Mann hat zwar einen guten Anfang zu seinem Tode gemacht / indem Er sich zu dem gecreutzigten JESV gewendet / und sein Vertrauen auff Ihn gesetzet / aber so bald als Er die andern Abgöttische Päbstische Dinge / die Busse / so er vor ein Sacrament helt / von Fronleich. nam Christi / die letzte Oehlung darzu thut / und darneben sich auff die Vorbitt der heiligen verlüst / auch selbsten die Mutter Christi Mariam umb Hülffe anruffet / so gehet er irre und fehlet des rechten Weges. 2. Denn mit GOTT heist es. Alleine mein / sonsten laß es eben so bald gar seyn. 332. Von Doctor Peucern.
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JErckens wehrt ists / was sich mit Peucero in seiner verwahrung zu Leipzig begeben und zu getragen / und wird solches von Selneccero und Schiltero beschrieben mit folgenden Worten: Demnach D. Peucer ungeacht so vielfältiger Christlicher deutlicher Erklärung und Beweisung / auch ernstlicher gedruckten unsere Erklärung und Beweisung / deutlicher Verwarnung sich nichts richtigs erklären / auch die angebotenen gedruckte unsere Erklärung dieses Artickels zu lesen und zu betrachten / nicht annehmen wollen / auch nicht nachlassen / das Christliche Concordien Buch ungereumbter Eutychianischer Lehr in diesem Articulo, in andern aber anderer Irrthumb zu beschuldigen / und aus der dextra Dei nur einen finitum locum zu machen sich unterstanden / und Christo nach seiner Menschlichen Natur die Allmächtige Gewalt zu negiren / die Welt und Creaturen stracks abzusprechen / mit diesen Worten / wie kan eine finita Creatura tantam molem totius mundi gubernirn? Ich wil das nimmermehr gläuben / und er doch vermahnet worden / er solle nicht also mit der rechten Gottes spielen / daß sie jhn nicht dermaleins an Seel und Leib treffen möchte / hat es der HErr Christus alßbald mit ihme also geschickt / daß er still geschwiegen / und doch mit starrenden Augen uns angesehen / und endlich gesaget: ich kan nicht mehr reden / und so bald [648] darauff / als schlüge ihn der Donner dar nieder / vom Stuel auff die Erden gefallen / also daß er mit Ezechiele / dessen Beruff er zuvorn jhme Enthusiasticher weise applicirn wollen / daß Eris mutus, wahrhafftig practicirt / und wir uns besorget / daß er vor unsern Augen sterben würde / also daß wir jhm an Christum unserm Allmächtigen Heyland / der zu rechten Gottes sitzt / zugedencken eingeschrien / darzu er (ja doch) gesagt / aber alsbald auff unser Bitt von dem Land-Knecht und Trabanten auffgehaben / und in ein Bett getragen worden / welches alles unser HERR Christus nicht ohne Vrsach eben dazumal geschehen lassen / sondern daß er die hohe und grosse Majestät Christi / welche er dazumal weder erkennen / noch bekennen wollen / in der That fühlen und erfahren möchte / und dadurch nach dem Exempel des Apostels wider den Stachel zu lecken bey zeiten abzulassen bewogen würde / wie ihm hernach selbst errinnerung von uns gethan worden / etc. 1. Das heist / wie der Prophet saget / laß ab von dem Menschen / der Odem in der Nase hat / denn ihr wist nicht wie hoch er geachtet ist. Und wenn unsere Wiedersacher die Calvinisten ihnen diß einige Exempel recht für die Augen stelleten / so würden sie ohne zweiffel wieder die Majestät des Soh [649] nes GOttes nicht so viel grosse und erschreckliche Lästerungen ausschütten / als wohl zu geschehen pflegt / aber wir stellens in ihre Verantworttung. 2. Sonderlich soltens die jenigen bedencken / welche in die Lutherischen Predigten gehen und darinnen ja so deutlich die Calvinische Irrthumb wiederlegen hören / daß es nicht deutlicher seyn könte / sie auch selbsten / wo sie anders GOtt die Ehre geben und die Warheit bekennen wollen / gestehen müssen / daß die Lutherische Lehre recht / und die Calvinische unrecht sey. Welche sich aber bey solchen hellen Liecht nicht bekehren und zum rechten Glauben treten wollen / derer Verdamnüß wird nur dermaleins desto grösser seyn. 333. Der ungesunde Ort Caumes. ES liegt eine Stadt in Caria / Nahmens Caumes / der Lufft nach / ein ungesundes Ort. Als Stratonicus ein Spielman und Kurtzweiler die Innwohner allda angesehen / reimet er deß Homeri Verß auff sie:
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Diß seynd oben Menschen wie Blätter an Bäumen. Anzuzeigen wie sie alle so bleich und übel aus sehende Leut wären. Als aber solches den Caumern verschmahet / daß er ihrer Stadt den Tadel geben / als wers so ein ungesundes Ort / sagt Stratonicus wiederumb zu ihnen: Wie dörfft ichs ein ungesundes Ort! heissen / so doch auch die Todten darinnen umbgehen können? Mit welchen Worten er sie noch besser getroffen dann vor. 1. Spiel-Leute sind kurtzweilige Leute / reden doch offt die Warheit. 2. Die Warheit aber hören die Leute nicht gerne / sondern verdreust sie / man muß aber wegen solches Verdrusses nicht schweigen. 334. Ein Jungfrau Schänder kan keine Ruhe haben PAusaius war ein Edler Fürst in Griechen-Land / der siener Thaten halber ein herrlich Lob. Aber da er zu Constantinopel ein Edeles Jungfräulein geschändet und darnach umbgebracht / hat er nimmermehr keine Ruhe haben können / das Bild der Jungfrauen ist ihm jmmerzu erschienen / hat ihm im Traum erschröcket / ja / einsmals hat eine Seule angeredt: Poena luenda tibi est, affert injuria cladem.
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Du kanst der Straffen nicht entgehen / Es muß dir noch dein Recht geschehen. Wie er dann endlich in einë Götzen Tempel eingemauret / und Hungers sterben müssen. 1. So gehts allen Ehebrechern. Die Steine auff der Gassen / die Seulen in der Kirchen schreyen sie an / Poena parata est. Die Straff wart auff / Wart du nur drauff. 2. Darumb hüte sich ein jedweder so wol vor andern / als auch vor solchen Sünden / welche GOtt im sechsten Gebot verboten hat / handele dargegen ehrlich / und lebe keusch und züchtig.

335.
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Von einem Soldaten / welcher JEsum den gecreutzigten an den Juden rechnen wollen. ANno 1350. trug sichs zu / daß bey den Baarfüsern zu Eger / ein Minorit / nach [652] Gewohnheit / am grünen Donnerstag die Passion predigete. Es war aber bey gemeldter Predig / ohn alles Gefehrd / ein unsinniger / und vielleicht deren Sachen / (davon man prediget) unerfahrnet / und unverständiger Kriegs-Mann. Und nach dem dieser höret / daß JEsus Christus / der einige Sohn GOttes / ein GOTT / und Mensch / ohne Sünd / so ein Heiliger / und unschuldiger Mann / so eines schmähligen bittern Todes wer von den treulosen Juden umbkommen / welches denn der Münch auffs beste / und höchste mit vielem Geschrey auffmutzete / und heraus striche. Durch diese Unbilligkeit ist der Kriegsmann also bewegt / und erzürnet worden / daß Er in Summa das unschuldig Vlut JESU Christi hat rächen / und von der Juden Händen fordern wollen. Ist also in der Predig einem Altar zugesprungen / hat von dem ein Crucifix erwischt / und mit grosser Stimm / auff gut Lanßknechtisch / die Gemein / (so bey der Predig war) ermahnet / und gebeten / so sie wöllen solchen unschuldigen Tod / und solche an den from̅en Christum gelegte Schmach helffen rächen / so [653] wolle er ihr treuer Führer / und Hauptman seyn. Da aber das Gepöfel / (welches ohn das den Juden / von denen es lange Jahr war übel geplagt worden / gram und feind war) solche Reden und Vermahnung des Kriegsmans hörete / und vernahm / williget er bald darzu / folgt dem Lands-Knecht mit Hauffen nach. Was ein jeder im Sturm erwischte / war seine Wehr / und Schwerdt / überfielen also die Juden / schlugen die alle zu todt / nahmen / und theileten ihre Güter unter sich. Die Bücher / (so auch noch vorhanden) gaben sie einem erbarn weisen Rath zu bewahren. Also wurden die von Eger ihrer Juden loß / und wiewol diß alles angefangen ward / und geschach / ohn Bewust eines Ersamen Raths / musten sie doch den König zu Böhem / etlich tausend Gülden zur Straff geben. 1. Hier siehet man / wie der gemeine Pöbel leicht zu bewegen ist. 2. Ob wol die Jüden dieses und noch viel ein mehrers verdienet / daß sie den HERRN JEsum so übel mit gefahren und unschuldig gecreutzigt / so war doch weder dieser Soldat / noch der gemeine Mann sie abzustraffen verordnet / und ist von dem König in [654] Böhmen die Stadt Eger wegen dieses Auffruhrs nicht unrecht zur Straffe gezogen worden. Denn Auffruhr ist auff keinerley weise zu dulden. 336. Was von Leuten / so jung zusammen heyrahten / zuhalten sey. LErnet ihr jungen Gesellen schreibt Herr Abraham Hoseman / und erwartet eurer Zeit der Männlichen Jahr / wandert ein wenig aus / versucht euch etwas / und freyet nit / biß ihr die Kinder-Schuhe zerrissen habet / denn Witz kombt vor Jahren nicht / haben die lieben Alten gesaget. Etliche haben ihn fein bekandt gemacht / das Lutherus saget / frühe auffstehen und frühe freyen / soll niemand gereuen. ja wenn mans recht verstünde / er meynet damit nüchtern freyen mit wol bedachten Raht / und nicht in trunckner weise / dann wann einer der noch ein Kind ist / soll ein Mann genennet werden / wie wolte er doch den seinigen vorstehen? Mancher aber dencket Er sey ein Mann / wenn er nur tapffer im Hause herumb stürmen und schlagen kan / und das thun solche Kinder am allerehesten / denn die Liebe / ob sie schon in so jungen Leuten anfänglich sehr groß und hitzig ist / so wäret sie doch nicht / denn sie hat noch nicht Wurtzeln bekommen können / es dienet auch nicht zu langen Alter / wann son [655] derlich ein junger Geselle so jung freyet. Es ist bey unser Zeit ein vornehmer Fürst in Römischen Reich gewesen / der hat etlicher hohen Vrsachen halben geheyrahtet / und Beylager gehalten in 14. Jahr seines Alters / das Fräulein aber im 12. Jahr was dieser seelige Herr allezeit gegen seinen Räthen vor Klage geführer / habe ich in meiner Oesterreichischen Chronica weitläufftig neben vielen andern dergleichen Exempeln / angezogen Die Alten ehrlichen Teutschen haben zu sagen pflegen: Ein Junger Geselle solte Noth wegen zehen Jahr älter seyn als die Jungfrau. In gemeinem Bauren Sprichwort saget man: Der Geselle im Schwade / die Jungfer im Bade / das ist / wenn es recht seyn solte / so müste der Geselle schon Korn / Graß und andere Früchte umblegen können / weil seine Jungfrau / so ihm künfftig solt zu theil werden / noch in der Bade-Mulder lege. Jeremias Kramer gedencket über das 22. Capitel Genesis, daß auff eine Zeit zu Worms / in seinem Vaterlande / solche Vnordnung sey gemein worden / daß manche Gesellen nicht 14. oder 15. Jahr erreichen können / eher sie geheyrathet haben / da habe ein Erbar Rath allda ein ernstes Gesetz geordnet und gemacht / daß keiner mehr hat heyrathen dörffen / er sey denn auffs wenigst 22. Jahr alt gewesen / und die Jungkrau 17. Jahr. wieder solche Ordnung hat jener an sein Vaterland geschrieben / wel [656] cher / weil er noch ein Schüler auff der Schulgewesen / geheyrathet hat / nachmals aber zu Kirchen-Diensten befördert worden / derselbe erweiset aus der Aertzte und Physicorum Meynung / neben vielen Exempeln von jungen Leuten / die aus Kindischer Meynung zusammen kommen / da ein Knabe 13. oder 14. Jahr alt gewesen / das Mägdlein 11. oder 12. Jahr / welche durch solche Kindische Vergattung empfangen und gebohren / führet darneben aus der Schrifft / und andern Scribenten Beweiß ein / daß / da auch GOtt im Paradiß den Gegen über Eheleute gesprochen / nicht nur alte Leute dadurch hat wollen verstanden haben / sondern in gemein gesaget / seyd frunchtbar und vermehret die Erde. Zeucht auch mit vielen Worten das Exempel von Käyser Caroli V. Leibschützen Johann Warnern an / da sein Vater 13. Jahr alt gewesen / und die Mutter in der Empfängnüß nur 10. Jahr / und sey doch ein starcker behertzter Mann worden / das lassen wir zwar alles allhier ungefochten / denn es träget sich in der Natur wol anders Ding zu / wie dann die vernünfftigen Aertzte hiervon wunderschön zu reden wissen / und auch der Herr Sarcerius in seinem Buche von Ehesachen solcher Exempel viel anzeucht / wir reden hier aber / daß Witz nicht vor Jahren kommet / und ein solcher nicht weiß / wie er seine Haußfrau halten sol / und seiner Nahrung vorzuste [657] hen / und daß die Liebe bey solchen Leuten selten beständig bleibet / so groß als sie sich bey solchen Kindern anläst / so schnell verleschet sie / doch wird hie keinem nichts vorgeschrieben / denn man muß bißweilen Zeit und Gelegenheit ansehen / nur daß es nicht gar zu gemein werde / daß Kinder zusammen heyrathen / daß auch bißweilen hohe Stände / und Geschlechter in der Welt erhalten werden / darff nicht allezeit langer verzug solcher Personen eingewand werden / wir reden nur von gemeinem Bürgerlichem Wesen. 1. Wenn diese Vermahnung von jederman ???acht genommen würde / würden nicht ihrer viel / ehe sie noch von der Schulen / oder aus ihrer Eltern Häusern ziehen / sich verplempern. 2. Die Reühe aber kompt bey manchem offt zu spät hernach / und muß er / wenn er wiederkommet / behalten / was er sich genommen hat / ehe er weg gezogen / GOtt geb es sey ihm lieb oder leid. 337. Die zehen tausend unsterblichen Persianer. DArius der König in Persia / so wegen erlittener Niderlag wol bekandt / hat in seinem Kriegs-Heer zehen tausend Persianer gehabt / die er dieser Ursach halber unsterb [658] lich genennet (wie es Caelius Rhodiginus erkläret) nicht darumb / daß sie gar nicht sterben würden (dan̅ wo seynd solche Leute zufinden?) Sondern darumb / daß / so offt einer aus diesem Heer entweders erschlagen / oder sonst gestorben / stracks ein anderer in ihre stell auffgenommen worden / damit also die Anzahl nie gemindert würde / und nie mehr / noch weniger / wehren als zehen tausend. Also hat auch Darius seiner Fantasey nach / ein muster der Vnsterbligkeit / und ewigwehrenden Kriegsheers erdacht / welches aber eine sehr kurtze Ewigkeit gewesen / weil er / und sie alle / längst hindurch. Als Xerxes aus Asia Griechenland zu bekriegen / und unter seine Gewalt zubringen (wie Herodotus erzeh???et) zwey Kriegs-Heer auff dem Land / und zu Meer mit sich ausgeführet / nemblich drey und zwantzig hundert tausent / siebenzehen tausent / und sechshundert / ausserhalb deren / welche beyden Kriegsherren auffzuwarten bestelt worden. Er Xerxes aber auff einem hohen Berge diese alle vor seinen Augen gesehen / hat er auff solchem Anblick die Zähren vergossen / und gelagt / daß er darumb zu weinen bewegt worden / daß über funfftzig oder sechzig Jahr / aus so viel hundert tausend starcker und ausserlesener Männer kaum einer auff Erden werde zu finden seyn. 1. Wir dichten uns selber für Ewigkei [659] ten / wie und was wir jmmer wollen / derweilen aber sterben wir alle dahin / und verfliessen wie das Wasser in die Erde hinein. 2. Dort ist die rechte Ewigkeit / wenn wir dahin kommen / so wirds keines sierbens mehr geben. Wol dem! der in die seelige / und nicht in die verdamliche Ewigkeit einsegelt. 338 Damasceni Schüler bringet seinen Praeceptor durch Nachmahlung seiner Hand-Schrifft umb seine rechte Hand. DAmascenus hat keinen Schüler / der ihme seine Hand-Schrifft so art- und eigendlich nach mahlen können / daß man eine Faust für die ander nicht hat erkennen mögen. Dieser schreib in Damasceni Namen wieder den Käyser Valentinianum an den Persischen König / das wurde dem Käyser zugeschickt. Darauff dann Damascenus vorgefordert / und / weil es seiner Handschrifft allerdings ähnlich / ist ihm die rechte Faust abgehauen worden. 1. Mit Brieff und Siegel läst sichs nicht schertzen. Gleich wie man wieder sein Lebenreden kan / also ists auch [660] bald wieder dasselbe geschrieben. 2. Dieser Schüler hette vielmehr verbühret gehabt / daß man ihm die Hand abgeschlagen / als der Praeceptor / denn er nicht allein fälschlich gehandelt / sondern auch an seinem Lehrmeister untreu worden / und gutes mit bösen vergolten. 339. Actiolini schreckliche Gefängnüß. ACtiolinus ein Tyrann zu Padua / wie Paulus Lovius erzehlet / hat viel Gefängnüssen gehabt / aber so schändlich und schrecklich / daß in denselben der Tod ist für die geringste Marter / und für eine solche Gnade gehalten worden / daß die Gefangne offt lang darnach müssen schreyen und warten. Wer in einen solche̅ Kercker ist gestossen worden / den hat man alsbald mit schwehren Ketten umbhengt / und mit Hunger / Durst / Gestanck / Frost / fein langsamb anheben zu tödten und umb zubringen. Diese Gefangne empfanden ja freylich wol / wie weh es thät sterben. Da musten die Lebendigen bey den Toden wohnen / dann man ließ [661] der faulen stinckenden Toden-Cörper und Aaß gantze Hauffen zusammen kommen / daher ein so unleidentlicher Gestanck entstanden / das man wol sagen kund / hie werden die Lebendigen von den Toden umbgebracht. 1. Wann wir aber wollen die allerscheulichste / aus diesen Gefängnüssen / mit der Höll vergleichen / so werden wir befinden / daß sie ein herrlicher Pallast / ein lauters Paradeiß / dargegen zurechnen ist. Alles Vbel / alle Plag und Marter / in Actiolini Gefängnüssen / war noch leidentlich / war kurtz / war zeitlich / im Todt hets alles ein End. Aber im Schatzhafen der Berdampten / in diesem Kercker GOttes / in der Höll / da ist kein eintziger Trost / kein Hoffnung / kein Außgang / kein End / kein Todt / und ist doch lauter Todt / da ist alle Marter unerhört / und unleidentlich. Warlich hat Cassiodorus recht gesagt: Gleich wie kein Mensch versteht / was da sey die ewige Belohnung / also fast und begreifft niemand / was da sey die jmmerwehrend ewige Straff. 2. Durch Abbildung dergleichen Gefängnüssen mag sich ein jedweder die Höllen Pein einbilden und vor solcher lernen hüten und vorsehen.
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340.
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Wie man unter Toden lebet. ALs Zeno seinen Abgott gefragt / wie ???r sein Leben am besten anstellen solt? Ist ihm zur Antwort worden: Wann er den Toden gleichfärbig würde / oder wen̅ er mit den Todten seine Gemeinschafft hette: Das ist / wie es Suidas auslegt / wann er der alten weisen Schrifften durchlese. Bey Büchern wohnen / heist unter Todten leben. Und diese Conversation mit den Todten ist das beste Leben. 1. Ursach / denn man darff sich nicht befahren / daß solche Tode einem nach dem Leben stehen / oder / wie es bey den Lebendigen hergehet / Heucheley und Fuchsschwäntzereyen gebrauchen. 2. Diesem aber ungeachtet / so wollen doch ihrer viel lieber bey den lebendigen / als bey den Toden leben. Quilibet sua gaudeat sententiâ, Er lebe nur Christlich. 341. Eine Königin in Engeland beweiset ihre Unschlud / indem sie auff glüenden Pflugscharen gehet.
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EDuardus III. König in Engeland / weil seine Mutter bey ihm verklaget ward / als hielte sie es mit Camto / dem Könige in Dennemarck / welcher damals des Königes in Engeland abgesagter Feind war / ingleichem / als trachtete sie ihren Kindern nach dem Leben / ja auch / als gebrauchte sie sich heimlich mit dem Bischof zu Vintonien Vnkeuscher Liebes Werck / deßwegen / (sag ich) nimpt Ednar dus ihr alles was sie hat / und ihr vom Vater zum Leibgedinge vermacht war / wirfft beydes sie / und den Bischoff ins Gefängnüß. Die Königin tröstet sich ihres guten Gewissens / und führet GOtt zum Zeugen ihrer Vnschuld. Als sie aber damit nichts erhalten konte / erbot sie sich / ihre Vnschuld mit einem Zeichen wahr zu machen. Auff angeserzten Tag lest sie ihr etliche Pflugscharen im Feuer glüend machen / und gehet auff denselben die Quer und Länge mit blossen Füssen unversehret. Als solch Wunderwerck GOttes der König sahe / fiel er seiner Mutter zu Fusse / bath ihr alles mit Thränen ab / den jenigen aber / die sie so fälschlich angegeben / ließ er die Köpffe abreiffen. 1. Es kan offimals einer Person unrecht geschehen / daß sie fälschlich angeben wird / darumb sonderlich grosse Herren nicht all zu geschwinde verfahren sollen.
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2. Dieses ist eine gefährliche Sache gewesen / und dürffte ein ander / der es wolte nachthun / die Füsse verbrennen. Es heist duo (& etiam duae) cum faciunt idem, non est idem. Gott wil nicht eines jedem Unschuld durch Wunder am Tag bringen / sondern haben / daß man jhm die Sache und Rache befehlen soll. 342. Einer wird von einem Man̅ an Kindes statt auffgezogen / dafür erwürgt er ihn. ZV Eisenach hat ein frommer Mann einen Jungen auffgezogen / ihme auch alle seine Güter beschieden. Da er aber dam Buben zu lange lebete / erwürget er ihn / und meynet / dieser gestalt könte er eher zu besitzung der Güter kommen / verhoffte auch / es solte nicht außkommen / daß ers gethan hette. Da er nun davon läufft / und eine zeitlang aussen bleiben wil / daß man meynen sol / es sey von jemands anders geschehen / ists ihm nicht möglich gewesen von der Stadt zu kommen / setzet sich unter eine Treppen beym Thor / und wird eingezogen. Da wacht das Gewissen auff / bedencket die grosse Vntreue / die er an dem frommen [665] Manne / der ihn zum Kinde auffgenommen / und ihm alle seine Güter bescheiden hatte / begangen / und kömpt in ein solch Schrecken / daß er weder höret noch siehet / und ihm kein Mensch ein Wort abgewinnen kan / hat gesessen wie ein Stock und Plock / und sich nicht gereget. Der Herr Philippus Melanchton, und Justus Menius sind zu ihm kommen / und haben versucht / ob sie jhn trösten köndten / hat aber kein Wort geantwortet / sie auch nicht angesehen / sondern da gesessen / als wenn er taub / stumm / und kein Leben in ihm were. Nach etlichen Tagen aber ist er als aus einem tieffen Schlaff auffgewacht / da er denn berichtet / daß er in solchen schweren Gedancken / und in solcher Höllen-Angst gewesen / daß er nicht gewust wo aus oder ein / hat sich trösten lassen / und nichts anders begehret / denn daß man ihm sein Recht thun / und bald davon helffen wolte. 1. Ist ein Exempel eines grossen Undancks und Untreu / dafür jederman gewarnet seyn soll. 2. Man lernet auch all hier zugleich / was es vor ein unerträgliches Ding umb ein böses Gewissen sey / und wie der Hund / welcher unter der linckë Brust liegt / und bey manchem offt schläfft / wenn er auffwacht / zu bellen pfleget.
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343. Wie daß Bettmachen auff die Weiber soll seyn kommen. ES ist nicht praesumirlich / schreibt einer an einem Ort / daß Adam und Eva viel Mühe auffs Bettmachen gewendet / weil sie wenig Betten mögen gehabt haben: In deme Sie Gärtner gewesen / auff Laub geruhet / unter den Bäumen gelegen seyn / und die Aepffel in den Mund haben fallen lassen. Ja / Eva soll ihrem Adam in diesem Fall folgender massen betrogen haben / wie er zu ihr auff die Freyht gekom̅en / und gefragt was sie zum Braut-Schatze hätte? Da soll sie aequivocè gesaget haben: Tausend Thaler und ein Vettgen mit Lobe: Da der gute Adam gemeint / sie hette gesagt: Tausend Thaler und ein Lobwürdiges Bettgen: Sie aber hat gemeinet draussen weren etliche leere Thaler / da hette sie ein Bettgen mit Laube gefüllet / (daussen / dicunt Francones, pro draussen. Loobe? i. e. cum Dei gratiâ, &c. wie etliche in Gewonheit haben zu reden) Daß sie nun aber Teutsch soll geredet haben / haben andere vor mir über flüssig erwiesen / oder haben sie ja noch hernach mit der Zeit Betten bekommen / so weiß ich vielmehr eine andere Historia / welche behauptet / daß Adam sich hat müssen belieben lassen / das Bette alle Abend zu machen / und zwar anfänglichen eine lange weil / biß er was klüger geworden / und seine E [667] vam folgender massen dabey gekriegt: nemblich sie hatten sich vorher eine ziembliche Zeit gezancket umb das Bette machen; Vnd war die Sache und der Abscheid dahin gerathen / daß wer auffm Abend das erste Wort sagen würde / der solte es sein lebelang immer fort machen: Was geschicht? Sie setzen sich beyde nieder; und sehen einander an / wie ein paar nasse Katzen; Eva saß auff der Treppen / und Adam auff einem holen oder der Treppen / und Adam auff einem holen oder unbewundenen Stuel / also daß (weil er weite Schluder-Hosen vom Engelischen Bocke zu bereitet / anhatte /) unten heraus seine antepraedicamenta, das ist ein Zippel vom Felle / durch solchen Stul hing: dens elben ersahe eine Ziperzacke / und sprang eylends darnach hin; Vermeinende / es wäre eine Ratte: Doch wie sie Unrath / und keine Ratte vermerckete / spie ete sie dennoch gar lange darmit / biß auch bißweilen hinein; Also / daß es dem guten Patenten zwar schmertzete / doch aus Vorsätzligkeit und Verstockheit kein Wort verlohr oder sich rührete: Biß endlich Eva auß Vngedult von der Treppe hervor sprang / die Katze weg staubert / und sie mit Worten schalt / sagende: Hey! Ich will lieber mein Lebetage das Bette machen / als daß du Rabenaß mich meines Trösters berauben solst: Drüber Adam lachete / und drüber herwar / oder sie vielmehr übers Bette / un̅ machete es zum erstenmal / und hat es also gar schandloß auff unser Geschlechte gebracht / wiewol wir uns wenig drumb [668] hudeln; sondern die Brüerey den Mägden anbefehlen; Welche mehr Zeit darzu haben als wir: Wir zerrantzen es lieber / und gehen davon / als daß wir uns der Mühe nehmen solten / es wieder zu rechte zu legen / und ins Geschicke zu bringen. Vnd so viel vom Betten / welches Eva eine lange Zeit anfänglich nicht verrichtet hat. 1. Dieses ist ein kurtzweiliges Gedicht / woran sich aber niemand ärgern soll. 2. Ich muß es bekennen / daß man wol etwas nützlichers schreiben können / aber der jenige / so es geschrieben / hat vielleicht auch seine Ursachen gehabt / wiewol er ziemblichen grob Pfeffer-Kuchen mit untergebrocket. 344. Die Kürtze des Menschlichen Lebens mit einer Blume und Vogel verglichen. ES ist eine Blume die bleibt nur zween Tag. Bey dem Fluß Hipanis ein Vogel / der lebt länger nicht dann nur einen Tag / sondern eben den Tag da er anfängt zu leben / hört er auch auff zu leben / und gehet mit der Sonnen nieder / durchlaufft also das jüngste / mittle / und höchste Alter auff einem Tag Zu Morgens kombts aus / zu Mittags bleibts / zu Abends wird alt und fält umb. Vnd das noch wunderlicher an diesem Geflügl / so ver [669] fiehet es sich mit Speiß und Proviant auff diesen eintzigen Tag so fleisig / samb wolt es so alt werden / als ein Rab oder eine Schnee-Ganß. 1. Diesem Thierlein ist gar ähnlich deß Menschen Leben / daß bey dem Fluß der immerdar fliessenden Zeit umbschwebet / so ist es auch viel fliegender als kein Vogel / und geschwinder als kein Pfeil: und hat doch aller Sein Pracht offt gleich auff einem Tag ein Ende / ja wol auff eine Stunde / oder nur etliche Augenblicke. 2. Was bilden wir uns dann zu hundert und mehr Jahren ein / so wir doch oft ein kürtzers Leben / als eine Blume oder Schatten von den Blumen haben? Oder: wo noch etwas kürtzer und eyteler ist als ein Schatten? Was erhebt sich denn die arme Erd und Asche? Ist doch der Mensch ein eytel schändlicher Koht / weil er noch lebet / schreibt Syrach cap. X. vers. 9. 10. 345. Wie eine Gottlose Mechelburgische Väurin gestraffet worden. EIne Mechelburgische Bäurin wird einst gefragt / von ihrem Pfarrer / warumb Sie nicht in die Kirchen gieng? gab sie zur ant [670] wort / sie müste lang in die Kirche gehen ehe sie einmal satt davon würde; Darauff Er sie weiter gefraget / ob sie auch zu des Herrn Abendmahl gieng? hat sie gesaget / was Abendmahl? wegen solcher Gotteslästerlichen Reden / laufft ihr der Teuffel / als eine Mauß unter den Rock / und verbrennet sie / daß sie schwartz wird an der Haut / und ist endlich in der Lufft darvon geführet worden. D Simon Pauli in der Fest-Postill. 1. O Ihr Worts und Sacraments-Verächter! bespiegelt euch an diesem und dergleichen Exempeln. 2. Denn vorwar / GOTT läst sich nicht spotten / wer Ihn / sein Wort / Sacramenta und Diener verachtet / den will Er wiedrumb verachten / und nicht allein verachten / sondern auch ernstlich straffen. 346. Marsilius Ficinus / nach dem er gestorben / sagte seinem guten Freunde Michaeli Mercato wieder / wie es nach dem Tode hergieng. ES erzehlet der fürtrefliche Hochgelehrte Cardinal Caesar Beronius, wie zween gar Gelehrte weitberühmbte / fromme Herren in Welschland / Michael Mercatus der älter / und Marsilius Ficinus, sehr gute [671] Freund mit einander gewesen / in dem sie sich beede mit der Philosophia gewaltig erlustiget / und sonderlich auff deß alten weisen Heydens Platonis Schrifften viel gehalten haben. Nun hab es sich begeben / daß sie an einem Tag ihrem Brauch nach / starck und lang mit einander disputirten / wie es doch dem Menschen nach dem Todt und Ableiben ergienge / was einem jeden in der andern Welt zu gewarten / wo doch die Seel deß Menschens hinreisete? Zu dem Ziehl und Intent haben sie auch etwas aus Platonis Büchern auff die Bahn gebracht / und schier darauß wollen probieren und schliessen / was uns der Christliche Glaub / als gewiß und über gewiß fürhält. Da sie nun tieff in diesem Gespräch hineinkommen / seynd sie endlich auff diese weiß der Sachen eins worden / daß sie einander / als die vertrauteste Brüder / bey Handreich steiff und kräfftiglich versprochen / so viels GOtt zulasse / daß welcher aus ihnen beyden vor dem andern sterben solte / er alsbald dem andern / der noch bey Leben / zuwissen thäte / wie es mit ihm in jener Welt stünde. Diesen Pace hahen sie also mit einander beschlossen / daß sie beyde darauff angelobt und geschworen / sie wollen dem / wo es anderst könte seyn / gantz getreulich nachkommen / seynd also von einander gangen. Nicht gar lang darnach / als Michael Mercatus in aller früh / auff seiner Philosophischen speculation tieff in Gedancken saß / [672] hört er unfürsehner Sach daß ein geschwinder Reuter / gegen seinem Hauß eilends daher ritte / und vor der Hauß-Thür still hielten / hört auch zu gleich / wie er überlaut auf der Gassen ausschrye: O Michael, O Michael, vera, vera sunt illa O Michael, O Michael, jene Ding seynd war / war seynd jene Ding. Da nun Michael Mercatus mit grosser Eyl und Verwunderung das Fenster auffgethan / sahe er gemelten Reuter auff seinem Schimmel wiederumb fortreiten; schrye ihm zwar starck nach / der Reuter aber ließ sich nicht auffhalten / und ist also verschwunden. Ob dieser seltzamen Bothschafft hat sich der Herr Mercatus gewaltig entsetzt / dann er wust nicht / daß sein alierbester Freund Marsilius Ficinus todts verfahren. Da er nun dessen gafleissige Nachfrag gehalten / hat er befunden / daß Marsilius Ficinus eben an dem Tag / ja eben in der Stund zu Flotzentz gestorben / in welcher er sich also vor dem Hauß auff einem weiffen Pferd hat sehen und hören lassen. Drauff er Michael Mercatus, so dieses selbst gesehen und gehört / ob er wol schon vor dem / ein frombs / eingezogens / gottseligs Leben geführt / und in hohen Künsten keinem nichts bevorgeben / dannoch von der Zeir an / hat er sich alles Philosophirns und aller weltlichen Künsten / gantz abgethan und entschlagen / die eintzig wahre recht Christlich Weißheit nahm er für sich / war [673] der Welt aller abgestorben / studieret allein in der Ewigkeit und betrachtung ewiger Güter. Hat also von gemelter Stund an / die gantz übrige Zeit seines Lebens in dem allein zubracht / wie er sich zu dem künfftigen / ewigen / jmmerwehrenden / unsterblichen Leben recht bereitet / daher er dann einen so außbündig frommen / gottsfürchtigen / Christlichen Wandel geführt / daß man jhn wol vor eine̅ Spiegel deß Tugendhafften Lebens hat halten können: So viel hat bey ihm vermöcht die recht Christliche Philosophia und Weißheit vom unsterblichen Leben und der Ewigkeit. 1. Wolte GOtt / daß wir dieses alle erwegten. Denn vera, vera, verissima sunt omnia, quae de aeternitate, de coelo & inferno, de gaudio coelesti & cruciatu infernali dicuntur? Das ist: Es ist alles war / was von der Ewigkeit / von Himmel und Höll / von der Himmlischen Freude und Höllischen Pein gesaget wird / und 2. Dürffen wir darzu keines / der von Toden wieder zu uns komme und solches andeute. Wir haben Mosen und die Propheten / lasset uns nur dieselben hören.
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347.
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Das Menschliche Leben ist eine Galgen-Frist. THomas Morus / eine Zierd des gantzen Engellands / gab diese Gleichnüß / daß ihme niemand selber langes Leben verheissen solle: Zugleich wie einer / der aus der Gefängnüß zum Galgen gefährt wird / wann schon der Wegetwas weit ist / hat er doch nicht desto kleinere Sorg an Galgen umb deß er langsamer dahin kompt / und ob er schon starcke Füß / frische Augen / und starcks Hertz hat / ob ihm schon Essen und Trincken noch wol schmäckt / ängstigt ihn doch daß er schon auf dem Weg ist. 1. Wir alle seynd jetzt schon auff dem Weg zum Gericht / und seynd doch nur etliche wenig Schritt dahin. Die Sterbenden haben uns nicht gar verlassen / sondern seynd nur vor uns hingangen. 2. Darumb ihr Menschen alle bereitet Euch / auff daß ihr bestehen möget vor dem Richter / der auff dem Throm seiner Herrligkeit sitzet. Fraget aber jemand / wie man sich bereiten soll? Dem antwortet der HERR JEsus: Wachet und betet.
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348. Ein Zimmer-Gesell will geschickter seyn den sein Meister. ES berichtet Nicolaus Helduaderus in Sylv. Chronol. part. 2. pag. 27. daß im Jahr 1514. ein hinckender Meister und Zimmermann / zu Koppenhagen in Dennemarck / von seinem Knecht / der geschickter seyn wolte / verspottet worden: Der Meister seye auff einen Balcken hinaus gangen / habe zu eusserst seine Axt in denselben geschlagen / und dem Knecht befohlen / er solt ihm solche holen / der Knecht aber sey herab gefallen / und hab darüber den Halß gebrochen. 1. Da hats eintroffen / daß der Jünger / oder Gesell / nicht über seinem Meister gewesen. Denn die Lehrmeister behalten sich doch jmmer etwas bevor. 2. Junge Leute sollen sich nicht erheben über die Alten / sonderlich über die / von denen sie jhre Kunst gelernet haben / wenn sie auch gleich selbe besser verstünden / als ihre Lehrmeister. 349. Von des Landpflegers Pilati Tode.
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ALs Käyser Tiberius erfuhr / daß Pilatus Christum creutzigen lassen / der doch so viel göttlicher Wunderwerck geübet / und so vielen Menschen ohn alle Medicament und Artzney / in einem Huy und Augenblick geholffen / und dessen Hüffe er in seiner harten Niederlage gerne gebrauchet / ward er sehr zornig auff ihn / citirte ihn gen Rom / und da er aus seinem Bekäntnüß vernahm Christi Vnschuld / fällete der Käyser wiederumb ein ernstes Vrtheil eines schändlichen Todes über ihm. Als diß Pilatus hörete / fiel er in Verzweifflung / und erstach sich selber im Gefängnüß / damit er nicht öffentlich dörffte gerichtet werden. Darauff der Käyser gesprochen: Verè mortuus est morte turpissimâ. Er ist warhafftig des schändlichen Todes gestorben / weil er ihm selber das Leben genommen / und ein Mörder an seinem Leibe worden ist. Befahl derwegen ihm einen Stein an Halß zu binden / und den verfluchten Cörper in die Tyber zu sencken. So bald diß geschah / hörete man ein überaus wunder seltzam Spiel der Teuffel. Bald zuckten sie den Cörper empor in die Lufft mit Gräß und heßlichem Geschrey; Bald wurffen sie ihn wieder hinab ins Wasser / und erregten beynebenst solche grosse Sturmwinde / und überlauffung des Wassers / daß man sich der Stadt Vntergangs besorgen muste. Drumb führeten sie den Cörper weit hinweg / und stürtz [677] ten ihn in einen sehr tieffen Dümpffel deß Rhodams. Aber es erhub sich wiederum ein schrecklich Vngestüm / daß niemand sicher wandeln und handeln köndte / darumb man denselben abermahl heraus zog / und ihn bey der Stadt Losanna in die Erde vergraben wolte. Darüber die bösen Geister auffs neue tobeten / also daß jederman in grossen Furchten stund. Nahmen also zum vierdten mal den Cörper / führeten den auff das Schweitzer-Gebürge / und wurffen ihn in eine tieffe Gruben oder Sumpf am Berge / Fracmont genant / so zwischen der Stadt Lucern und unterwalten liegt / in einem dicken finstern Walde. Welcher Sumpff noch heute Pilatus See genennet wird / und ist mit starcken Schrancken wohlverwahret / damit niemand leichtlich hinzu kommen / und etwas hinein werffen könne / dann / wie man glaubwürdig berichten wil / so bald jemand aus Frevel hinzugehet / Pilati dabey gedencket / oder einen Stein und Holtz hinein wirft / sollen sich schreckliche Vngewitter erhehen / und das Wasser also toben / über schiessen und fliessen / daß es Menschen / Viehe und Früchten grossen Schaden thue / und Städte und Dörffer im Thal verderbe. 1. Ist das nicht eine Rache / die GOtt sehen lassen wieder Pilatum, der unrecht Urtheil gesprochen hat / also daß [678] auch die Teuffel seinen toden Cörper fast nicht haben wollen? 2. Ach! richtet recht / ihr Richter auf Erden / daß der Ober-Richter in Himmel nicht dürffe drein sehen und noch einmahl richten / es wird euer sonsten eben so schlecht gewartet werden / als des Pilati. 350. Was Verleumbdung vor ein Laster. DOctor Trobenius ein vortrefflicher hochgelehrter Mann / hat in offenen Predigten und seinen Schrifften von sich lauten lassen / daß er selber ehe vor einem bitten wolte / der sich umbgebracht hett / als vor einem / der stets geneiget were seinem Neben-Christen abwesende zu schimpfiren / sein Thun zum argen zu deuten / und all sein Vorhaben auffs gifftigste auszulegen / damit er nur mit Lügen und Lästern oder falschen Verleumbden denselbe̅ (zu demer ein Heckel hat) möge in Verdacht bringe̅: Ja / es sagt der ehe gemelte Schribent / daß ein solch Waschmaul dem Teuffel in sein Handwerk falle / weil derselbe von Anfang der Welt ein Lügner und Lästerer gewesen sey / endlich schleust er / daß es doch zuletzt einem solchen Ehren-Diebe wol gehe / sondern es fange [679] sich hier in diesem Leben alles Elend gemeiniglich mit ihm an / und weret auch so lange / biß daß er zu seinem Lehrmeister / von dem er das Handwerck gelernet / kömmet / und ist wol war / dann wann ein solch Verleumbder und Läster-Maul einer Person übel verwand ist / so läst er sonst alle Sachen beruhen / und sinnet nur dem nach / wie er demselben möge einen Brand schieren / oder einen Spott anhängen / dann da kan alles auch / was an manchen gelobet wird / dem andern übel gedeutet werden / und ist / wie Syrach saget / gar ein schändlich Ding umb einen Dieb / aber ein Verleumbder / ein Wäscher / ein Lügner / ist zehenmal ärger / denn solche Läster-Mäuler können selten war reden / sondern dencken nur dahin / daß sie an statt des guten etwas böses erdencken / derhalben reden sie gar selten von einer Sachen das beste / oder / wie sie an ihr selbst ist / sondern wenn sie einem zu Rede kommen / so muß der dritte auch dabey seyn / da hat denn der gethan / das hat diese geschafft / das nimpt der vor / das beginnet diese / und wird dann gar offt solch Ding vorwahr gehalten und ausgegeben / da sein Tage nichts dran gewesen / und wird gleich durch solche Lästerung manch fromm unschuldig Hertz zur Banck gehauen / und muß jämmerlich solchen Läster-Mäulern über die Zungen springen. Käyser Ferdinandus Hochlöblichster Gedächtnüß / hat gar offt zu seinen Käthen zu sa [680] gen pflegen / wann einer abwesende auff den andern nichts guts redet / da mag man gewiß dencken / daß an ihm selbst nichts guts / auch keine gute Natur an ihm zu hoffen sey / mein Praeceptor (spricht er) sagte allezeit zu mir / ich solte mich ja vor solchen Leuten hüten / die da pflegen einem andern übel nach zu reden / denn solchen Vögeln were durchaus nichts zu trauen / was sie einem andern thäten / das werden sie mich auch nicht erlassen (sie sielten sich gleich gegen mir so andächtig wie sie wollen) wann sie von mit kommen. 1. Es ist also / daß Läster-Zungen mehr stechen als Natter- und Schlangen-Zungen / und daß sie schärffer sind / als schneidende Schwerter. 2. Wol aber! Der mit seiner Zungen nicht verleumbdet / und seinem Nechsten kein arges thut / und seinen Nechsten nicht schmähet / schreibet König David / Psalm XV. v. 3. 151. Wie ein frommer Mann zu Freyberg den Teuffel abgewiesen. VErnehmet was jener fromme Mann zu Freyberg gethan. Als der Sathan in Priester-Kleidern zu ihm kommen / Pappier und Dienten mit sich gebracht / begehret von [681] dem Patienten / er soll ihm alle seine Sünden erzehlen / die er sein lebtag gethan ??? Darwieder hat der arme Mann eine Zeitlang hefftig gestritten: Wie nun der höllische Notarius unabläßlichen anhält / da erinnert sich der Krancke in wahrer Bußfertigkeit seines HErren Christi / denselben hält er den Teuffel vor / darauff hat derschwartze Notarius Pappier und Dienten-Faß von sich geworffen / und ist darvon geflohen. 1. Das ist ein recht Evangelisches Kunst-Stück / daran du die Zeit deines Lebens zu lernen hast / damit / wenn das böse Stündelein der Anfechtung kömpt / du dem Teuffel starcken Wiederstand thun und alles wol außrichten / und das Feld im Glauben behalten mögest / Eph. 6. 2. Viel bewehrter ist dieses den Teuffel zu vertreiben / als alle Beschwerung und Gauckeley / welche die Papisten vornehmen. Ach! der Teuffel fürchtet sich vor Worten und Wercken nicht. Aber der Mann / welcher JEsus heist / der kan ihn zwingen / versagen und bändig machen.
|| [682]
352. Einem reichen schicket Gott auff sein Bitten 3. Bothen / die ihm seinen Tod verkündigen. EIn reicher Mann bat GOTT inniglich / er wolte ihm doch / ehe er stürbe / sein Ende wissen lassen / denn ist ein Engel erschienen / vermeldet / GOTT habe ihm seine Vitt erhöret / und wolle ihm für seinem End drey Bothen schicken / die sein Todes-Stündlein andeuten solten; Auff eine Zeit begegnete ihm ein grosser Unfall / daß er auff dem Meer kaum dem Tod entgehen kunte; Zum andern fiel er unter die Räuber / bat GOTT ernstlich umb Rettung / sagte wahre Buß zu / aber es erfolgte nicht; 3. wurd er schwach und kranck / und geriethe ins Alter / besserte sich aber gantz nicht / und als er merckete / daß er diese Welt gesegnen würde / wolte er mit GOtt noch expostuliren, er hätte ihm nicht gehalten / was er ihm versprochen hätt / da erschien ihm ein Engel wieder / und sagte ihm daß die drey Bothen alle wären da gewesen / aber er hette sich nicht bekehren wollen / drümb müste er nun fort / und were verdampt. Strig.
|| [683]
1. Noch immerdar schickt uns GOTT Bothen zu / die uns den Tod andeuten / das sind die Kranckheiten / das Creutz und die Wiederwertigkeiten / aber wir nehmens so wenig in acht / als dieser Reiche. 2. Weil wir denn so sicher leben / so dürffen wir mit GOTT dermaleins auch nicht expostuliren / wenn wir sterben / oder uns verwundern / warumb der Tod offt kömpt / da man sich seiner am wenigsten versehen hat. 353. Ein Verächter des Worts GOttes zu Hamburg stirbt in Verzweifflung. LUtherus schreibt / daß zu Hamburg ein sonderer Verächter des Worts / und des Heiligen Evangelii gewesen / der viel verführet / und hat mit nichten von seinem Irrthumb können gebracht werden / dieser ist letzlich in die höchste Verzweiffelung gefallen / daß er auch durch GOttes Wort mit nichte hat sich können trösten / und auffrichten lassen / und gesaget / seine Sünde weren grösser / denn daß sie ihm möchten vergeben werden / denn er hätte ihr viel verführt. Ist also mit Gewalt aus seinem Hause gesprungen / im Mittag / und sich in einen Brunnen verstürtzt. Als aber das Wasser nicht tieff gnug ihn zuversäuffen / und das Volck zugelauffen / ihn aus dem Brunnen zu ziehen / hat er sich selbst ins [684] Wasser gedaucht und ersäufft. Also hat sich auch ein Lästerer der Warheit zu Basel aus seinem Fenster verstürtzt. 1. So gehts: Welche GOTT lästern / nehmen endlich ein Ende mit Schrecken / und fahren gemeiniglich mit Leib und Seel zum Teuffel. 2. Last euch doch warnen ihr bösen und dencket jmmer an die Wort Königes Davids: Warumb soll der Gottlose GOTT lästern? Psalm. X. vers. 13.

354.
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Ein 60. Jähriges Weib bringet der Göttin Veneri den Spiegel wieder. WAn lieset in Comicis von einem alten 60. Jährigen Weibe / die hat der Veneri (der Göttin der Liebe) ihren Spiegel wiederbracht und auffgeopffert / und als sie gefraget / warumb sie das thue? hat sie zur Antwort gegeben / er were Ihr nichts mehr nütze / denn sie könne dasschöne Angesicht / welches sie vor 30. 40. oder mehr Jahren darin gesehen / nicht mehr wieder finden / noch ersehen / sondern so offte sie hienein sehe / finde sie allezeit ein alt runtz [685] liches und ungestaltes Angesichte / daß auch von Tage zu Tage immer heßlicher würde / daß ihr selbest davon ein Grauen ankähme / darumb wolte sie dessen nicht mehr gebrauthen. 1. Hierbey ist zu mercken / daß die Zeit alle Ding an Menschen endert / und daß desselben schöne Gestalt nicht allein durch Alter / sondern auch anderer Vnfälle halben letzlich abnehmen kan / und was menschliche Schönheit ein unbeständig Wesen sey. 2. Wenn dieses alle Hoffärtigen / und die allzu sehr auff ihre Schönheit und Gesundheit bochen / bedächten so würden sie sich anders anstellen und demüthiger erwetsen. 355. Pachomii Schlaffen / oder vielmehr wachen. PAchomius hat nach viel außgestandener Arbeit in der Einöde / eine neue weise zu schlaffen / vielmehr zu wachen / soll ich sagen / erdacht. In funffzehe̅ Jahren hat er keine̅ Schlaff zugelassen / daß er sich in seiner Hütten hette niedergelegt / sondern hat sich mitten in der Hütten oder Zell / also nieder gesetzt / daß er umb sich herumb gar nichts gehabt / noch haben wöllen / daran Er sich hette können stützen / oder anlehnen / sondern frey in der Mitte geblieben / damit nichts umb ihn we [686] re / daran sich der Rücken / oder die Seiten hette steuren mögen / sondern hat sich also verwahret / daß / wann je der Schlaff ihn überwinden wolte / er ihn nicht liegend / noch lieblich kosent / sondern wehrhafft und widerständig überwinde / als der nit wöllen überwunden werden. Was für ein Leiden und Marter der heilige Mann mit dieser seiner unveränderlich fürgenommen Wach außgestanden / mag ein jeder leichtlich erkennen / ders versuchen will: Jedoch hat er diesen so schweren Kampff wider den Schlaff gedultig / und beharrlich außgestanden / weil er durch Hoffnung den sussen himmlischen Schlaff / und ewige Ruhe in seinem Gemüth gekostet / und empfunden. Dahin / und so weit hat Pachomium die Betrachtung der ewigen Ruhe gebracht / daß er auff dem Boden liegen / und die Erden zum Bett haben / für das beste Wolleben geachtet. 1. Es ist vergeblich / weder mit Wachen / noch mit Schlaffen / noch einigen andern Werck verdienet man den Himmel / sondern aus Gnaden / wie der Apostel schreibet / wird man seelig. 2. Thun derowegen die jenigen viel besser / welche essen / trincken un̅ gutes muths seyn / in dem HERRN / in ihrer Arbeit / denn das ist ihr Theil / wie der weise Salomon sagt Eccl. V, v. 17. [687] Als die ihren Leib so wehe thun und damit GOTT seinen Himmel abzuverdienen meynen. 356. Plötzlicher Tod Alphonsi Johannis des Königs in Portugall Sohns. Im Jahr 1491. hielt Alphonsus Johannis deß Andern Königs in Portugal Sohn / seines Alters bey 16. Jahren / ein hochverständiger Fürst / auff welchen männiglich grosse Hoffnung hätt / Hochzeit mit Isabella / König Ferdinands in Hispanien Tochter / die aller Königreich ihres Vatters einige Erbin war. Die Hochzeit ward mit unaussprechlichem Pracht / Triumph / Freudenfesten / Turnicren / Königlichen Taffeln gehalten / und war ein solcher Pracht und Uberfluß / daß auch die Kuchel-Buben in güldenen Stücken auffzogen / und ihnen Sammet und Seiden zu schlecht war. Aber / ach leider / es waren noch nicht sieben Monat vergangen / da der elende Jüngling am Gestad bey dem Fluß Dago ein Pferd getummelt / das ihn abgeworffen / davon ihm das Haupt zerschmettert / und er halb todt zu nächst in ein Fischer-Häußlein / darinnen er samt zweyen Dienern kaum Ort und Platz hätte / getragen worden. Allda legt man ihn auff einen Strohsack und stirbt. Deß Jünglings [688] Vatter der König sampt der Königin kommen eylends dar / sehen das elende Spectacul / wie sich der grosse Pracht so bald in Trauren verkehrt / und wie ihres Sohns blühende Jugend / Keichthumb und Tugend / als auffgeschoffene Rosen / so vom Wind niedergeblasen / jetzt alles mit einander ins Grab eingescharret müste werden. O Vhrplötzlicher Sturm! O gäher Fall! O traurige Veränderung! 1. Wie das Liecht vom Wind vergehet / So ist unser Leben / sehet. 2. Wol demnach! Welcher stets bedencket / daß er sterben müsse / der ist vor recht klug zu achten. 357. Exempel dapfferer Gemüter / so sich vorm Tode nicht entsetzet. ALs Ninachetus Stadthalter zu Malaca / in India / seines Ampts entsetzt worden / thät ihme / als der umb die wahre Ehr und Tugend keine Wissenschafft hatte / solches dermassen schmertzen / daß er alsbald aus Aloe und andern wolreichen den Holtz eine̅ Scheiterhauffen zurichten liesse / darbey er in Gold und Edelgestein bekleidet / mit köstlicher Tapetzerey auff ein zubereitete Cantzel stige / un̅ dem Volck von seinem versehnen Ampt und gantzem sei [689] nem Leben geprediget / sonderlich was er zu dem allerschweresten den gefangenen Portugalesern erwiesen / und er doch jetzt / ohne alles sein verschulden / seines Ampts und Würdigkeit entsetzt werde / welches er dann mit höchstem Schmertzen klage. Nach solchem verfluchte er der Portugaleser jhr Thun und Lassen / Handel und Wandel [so wehe thut die Schmach / die dem Menschen in entziehung der Würden geschicht] und wirfft sich selbst mit großmütigen Verachtung deß Todts / von der Cantzel in den brennenden Scheitterhauffen herunter. Ein gleiches Exempel von Verachtung deß Todts erzehlt auch Elianus / was Calanus für ein End genommen / und spricht / ist wol zu loben / oder wie ein anderer sagen möcht / wol zu verwundern. Solches war also beschaffen; Calanus ein Indianischer Weltweiser / nach dem er sich vom grossen König Alexander und den Macedoniern / ja gar vom Leben scheiden wolte / richtet er am schönsten Platz zu Babylon einen Scheiterhauffen von Ceder / Cypreß / Lorbeerbaum und anderm wolriechen dem Holtz auff / und nach seiner gewöhnlichen Ubung stieg er mitten auff den Scheitterhauffen / allda ihn die Sonne / so er anbetet / starck anschiene. Darauff er den Macedoniern befohlen / den Scheitterhauffen anzuzünden. Mitten in solchem Feuer stunde Calanus unbewöglich / fiel auch nicht umb / biß ihm die Seele aus gienge. [690] Alexander verwundert sich sehr ob solcher Großmütigkeit / und darumb sol er auch gesagt haben: Calanus hab grössere Feind überwunden / als er überwunden habe. Dann Alexander hat mit König Poro / Taxila / Dario gestritten / Calanus aber mit Mühe und Arbeit und mit dem Todt. 1. So haben zwar ihrer viel des Todes Bitterkeit vertreiben / und einen unsterblichen Namen hinter sich lassen wollen. 2. Aber ein gutes Gewissen und der Glaub an Christum sind weit besser. 358. Ein geitziger will mit einem Stabe / darein er das Geld gethan / 100. ???. bezahlen. ZV Franckfurt an der Oder ist für Jahren ein alter geitziger Mann gewesen / welcher einem hundert florenen schuldig war. Vnd da Er ihm zahlen solte / sagte er / daß ers ihm gegeben hette. Da ihme aber von Gerichten aufferleget ward / daß er auff folgenden Gerichts-Tag die Sache mit einem Eyde betheuren solte / ließ er ihm unter des (als ein alter Mann / der sonsten stets am Stäblein gieng) einen holen Stab machen / verspindete die hundert florenen darein / kam auff bestimb???en Tag für Gerichte. Vnd weil der an [691] der / dem er schuldig war / neben ihm stund / bath er ihn / daß er ihme / weil er den Eyd thete / Seinen Stab halten wolte. Darauff that er den Eyd / daß er deme sein Geld warhafftig in seine Hände überantwortet hette. Der Tropff meynete das Geld im Stabe / von welchem der ander nichts wuste. GOTT aber endete die List wunderbarlich. Da der alte Geitzhalß nach gethanen Eyde will heimgehen / und unten am Rath-Hauß zur Thür heraus tritt / entgleitet ihm der Fuß / daß ihme der Stab aus der Hand springt / und gleich unter den Mühl-Wagen (der ohne Gefehr für- über fuhr) fält / und daß eine Rad drüber gehet / zerbricht der Stab / daß das Geld heraus fält. Sigismundus Svevus in seinem Geitz wagen. 1. O weh der armen Seelen / welche der Geitz ins Verderben gestürtzt! Hat dieser Geitzige vermeynet / er habe nicht unrecht geschworen / weil er seinem creditori das Geld mit dem Stab in die Hände geben / so ist er betrogen gewesen. Verba enim juramenti non secundum intentionem jurantis, sed juramentum imponentis sunt intelligenda, Das ist: Die Wort eines Eydschwures sind nicht zu verstehen / wie sie der außleget / welcher schweret / [692] sondern wie sie der verstehet / der Ihm den Eyd auffleget. 2. Weil aber GOTT die Sache selbsten offenbar gemachet / so ist dieser Geitzhalß auch vor der Welt zu schänden / und ungezweiffelt von der Obrigkeit darneben gestrafft worden. 359. Wie GOTT dem Käyser Theodosio wieder seine Feinde geholffen. THeodosius, der fromme Käyser / da er einsmahls den Christen-Feinden in öffendlichen Feldzug unter Augen gezogen / ihnen eine Schlacht zuliefern / und Gefahr gnug darüber außgestanden / da schreyet Er zu GOTT dem Allmächtigen: O Allmächtiger GOTT / du weist / daß ich den Namen deines eingebornen Sohn JEsu Christi zu Ehren / diesen Krieg angefangen / und auff mich genommen habe / ists anders so straffe mich. So ich aber in gerechter und billiger Sache mich auff dich verlassen hieher kommen bin / so hilff den deinen durch deine gerechte Hand / damit die Heyden nicht sagen / wo ist nun ihr GOTT? Was solt geschehen? Der HERR hörete das [693] Gebet der Verlassenen / und verschmähete ihr Gebet nicht / sondern er sendet einen starcken Stutmwind / daß er die Pfeile der Feinde in sie selbsten zurück getrieben / und er dardurch den Sieg erhalten hat. Darüber dann der alte Poet Claudianus, so doch kein Christ gewesen / heraus bricht / und mit Verwunderung in seinen Carminibus also singt: O! nimium dilecte DEO, cui fundit ab antris AEolus armatas hyemes, cui militat aether, Et conjurati veniunt ad classica venti! O du frommer Theodosi, wie hat dich dein GOTT so lieb / der die Winde dir zu gut kommen lassen / eben als wann sie geschworne Vrüder weren! Ja / Himmel und Element müssen dir dienen / daß du von deinen Feinden den Sieg im Krieg darvon trägest. 1. Wenn heutiges Tages alle Christliche Kriege zur Ehre GOttes und rechtmässig geführet würden / man auch darbey so andächtig betete / wie der Käyser Theodosius [694] gethan / so wer an dem Sieg in geringsten nicht zu zweiffeln. 2. Weil man aber vielfältig umb Geld und Gut / umb reputation, und wol nur umb einen blosen Titul / oder gar liederliche Sache streitet / darneben auch des lieben Gebets vergist und dafür fluchet und Gottloß lebet / so ist sich auch nicht zu verwundern / wenn gleich GOTT die Feinde wieder dergleichen Krieger läst einen Sieg nach dem andern erhalten.

360.
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Orosii Beschreibung der Amazonum. ORosius beschreibet weitläufftig die Heroischen und zu allen Kriegs Sachen wol abgerichten Weiber Amazones, die von den Gothen ihren Vhrsprung und Herkommen genommen / haben sich auch sehr männlich in Kriegen gehalten / trieben alle ihre Männer von sich / strebeden nach hohen Ehren und Nahmen / haben viel Schlachten mit Männern gehalten / und sie geschlagen / sie haben unter ihre Gewalt bekommen diese Länder und Völcker / die Armenier / Syrer / Cilicier / die Calater / die Pistdir / und fast alle Städte Asiae, bezwungen Joniam und AEoliam, und haben Asiam bey 100. Jahren innen gehabt. Sie haben die herrliche Stadt Taemistram erbauet / und sind diese ihre [695] vornehmsten Königinnen gewesen / Marpesia, Lampeda, Oritha, Anthiope, Menalippe, Penthesilia die im Trojanischen Kriege ist erschlagen worden. Minothea ist die gewesen / welche zum grossen Alexandro ist gezogen / daß sie von so theuren Helden möchte besamet und schwanger werden / welcher ihr Wunsch und heimliches begehren ihr auch war worden / denn als sie vierzehen Tage bey ihm gewesen / und sich schwanger befunden / hat sie ihren Abschied von ihm genommen / und ihm zum Denckzeichen deß frölichen Beyschlaffs einen Becher mit dem allerköstlichsten und Edelsten Gesteinen versätzet verehret / und als sie nachmals eine Tochter zur Welt gebracht / ist die Freude so groß gewesen / daß sie dem Alexandro zween Wage̅ mit Gold zurichten lassen / doch seynd letzlich die Amazones von Hercule gedämpfft und überwunden / Orosius. Sie waren zu streiten und kriege zu führen wieder Könige und Fürsten behertz und kühne. Hundert Jahr und drüber haben diese Weiber im Cappadocia dem Regiment vor gestanden / und sich für keiner Macht noch Gewalt entsetzet. Sie zeugeten Kinder nicht von Ehemännern / sondern welche wolte schwanger seyn / die bescheide zu ihr einen Mann oder Jüngling aus einem frembden Lande / den sie am tapffersten zu seyn erachter / und wenn sie impraegniret und schwanger worden / jagte sie den [696] Mann mit Gewalt wieder von jhr ab / und must so lieb ihm sein Leben war / sich wieder ???rollen un̅ packen. Welcher auch gefordert / und eine Magd oder Weib zuschwängern nicht Lust hatte / der muste im Lande unstähr und nicht sicher seyn: die geborne Knäblein warffen sie getöder ins Wasser / und lerneten die Mägdlein den Bogen künstlich führen und gewiß abschiessen / und mit dem Spiesse und Schwerde fechten. Sie branten den Mägdlein im siebenden Jahre die rechte Brust ab / damit sie von derselbigen ungehindert den Speer und Pfeil auf den Feind genau und recht richten könten. Im Kriege und im Treffen sind sie grimmig gewesen / fest und unüberwindlich gestanden und sich ehe und lieber alle erschlagen lassen / den daß eine aus der Ordnung hette weichen wollen. Ihr Regiment und Tyranney sol seinen Anfang also genommen haben: Es hatten die Cappadocia Pontica zweene Jünglinge / Plinius Scolopetius viel auffrührische Buben an sich gebracht / und mit derselbigen Beystand den Weibern ihre Männer die Göttinnen erschlagen / und jhnen selbst die besten Acker-Gütter zugeeignet / siehe aus diesen Ursachen ergrimmeten die Göttischen Weiber / warffen eine fürnehme mit Nahmen Lampeda unter ihnen auff zur Königin und Fürstin / die must mit andern Weibern und Mägdlein in das Feld wieder [697] den Feind / daß aber die andern / die im Lande blieben / nicht Vnlust oder Krieg anfiengen / musten sie der andern erwehleten / und zu Hauß daheim sitzenden Königin Marpesiae gehorsam seyn / und ihrem Gebieten oder Befehlen gehorchen. Mann lieset / Hercules und Achilles sollen dieser Weiber Grausamkeit mit Glimpf und guten etwas geschwächt und gelindert haben. Darnach hat sie Alexander mit glatten Worten und süsser Rede gar in seinen Gehorsam gebracht / ungeacht / daß sie in 100. Jahren vor keinem Schwerd noch Bogen gewichen. Ihre Kinder und Knäblein (wie vorgemeldet) so sie von frembden Männern zeugten / erwürgten sie. Den Töchtern aber / wenn sie siebenjährig / schnitten sie die Brüstlein ab / und branten die Stette derselbigen mit einem heissen Bech wieder zu / damit sie verharscheten. Alle Land und Provincien, darinnen man sie zu kriegen gelocket / verheerten sie mit Brand und Feuer / und traten keinem streitbaren Manne / wie keck und freudig er seyn möchte / aus dem Wege / aber Alexander hat sie mit einem Schrifflein demütig überwunden / und ihre grimmige Tyranney abgethan. Auff sein Schreiben / darinnen / wo sie sich zu seinem Imperio und Regiment mit Gehorsam unter seine / Gewalt nicht begeben würden / er sie mit Gewalt betreuete und ihnen Krieg und Vnfried ansagte / [698] antworten sie unerschrocken: Wisse König Alexander werden wir von dir überwunden / so sagt man vor dir / du hast mit Frauen gestritten uu̅ deine Macht wider Weiber in das Feld müsse̅ ausführen / und wird deiner Herrligkeit nicht wol nachgeredet noch gedeutet werden. Begibt sichs aber / daß wir dich und deinen Zeug erlegen / und von uns abtreiben / so wird dirs ja in aller Welt / und für allen Leuten eine ewige Schande / und unverweßlicher Vorwurff seyn und bleiben / solches höret und verstund Alexander / behielt derwegen sein Schwerdt in der Scheide / und handelte mit den Weibern freundlich / biß er sie zu seinem Gehorsam beredete und gewan. 1. Vielleicht dencken manche Weiber es diesen gleich zu thun / wenn sie die Herrschafft über ihre Männer suchen. Aber das ist wieder GOttes Ordnung / und sind auch noch lange nicht Amazonen, sondern mehrentheils Hiobs Kränckerin. 2. Männer sollen von Alexandro lernen / daß vielmals ein gutes Wort eine gute statt findet / und man ja zu zeiten bey den Weibern mit guten erhält / was mit schnarchen zu erhalten unmüglichen war.
|| [699]
361. Die Worte: Die Sonne ist am Niedergang / machen Friede zwischen jhrer zween. ES hatte der Alexandrinische Patriarch Johannes einen Streit mit Niceta selbiger Stadt Obristen Geschlechter: Die Sache kam für Gericht / in welcher Johannes jhme die Armen / der ander aber ihme die Pfenning liesse angelegen seyn. Es war für gut angesehen / daß sie an einem Orth zusam̅en kämen / ob sie vielleicht also mit einander möchten zu frieden werden: Da aber ward nichts als ein lanwüriges Zancken / und hefftiges Geschrey / nicht ohne Verbitterung der Gemüter / und des Magens. In dem ein jeder Theil seine Sach für billig gehalten / und zuweichen mit nichten gedacht. Hat also dieser Wort Zanck sich in viel Stunden verlängert / und erstreckt / hat auch keine Parthey mehr ausgericht / als daß die Gemüter noch mehr verbittert worden / als zuvor. Wann dann beyderseits kein Theil dem andern was zu noch nachgeben wollen / seynd sie also von einander geschieden / daß der gantze Streit unerörtert hangen blieben. Weil es etwas von Geld angetroffen / hat der Geschlechter solches habenden Rechts wegen nicht wollen begeben / noch fallen lassen. Entgegen ist der Patriarch der Meynung gewesen / [700] er handle hierinnen GOttes eigne Sache. Als aber nichts desto weniger der Geschlechter schon also darvon gangen / hat der gottselige Patriarch sich selber gestrafft / und für unrecht erkänt / daß er so hartköpsisch gewesen / und nicht weichen wollen: Wann schon (sagt er bey jhme selbst) die Sache an ihr selber so gut / daß sie besser nicht seyn könte / soll ich darumb meynen / daß GOtt eine solche hartnäckische Stetigkeit des Zorns gefallen könne? Nun gehet die Nacht jetzo daher / und sollen wir die Sonne also über unseren Zorn lassen nieder gehen? Das wäre gottloß / und wieder den Befehl deß Apostels. Hat also der fromme Patriarch unverzüglich eine zeimliche Anzahl der fürnehmbsten Priester zu dem Niceta geschickt / ihme nicht mehr zu sagen / als: Herr / die Sonne ist bey dem Niedergang. Welche wenige Wort / deß Nicetae Gemüt durch so unversehenen Angriff dermassen verendert / und alle Halßstarrigkeit überwunden / daß ihme seine Augen mit Wasser überschossen / und sich deß weinens nicht enthalten können: Saumbt sich nicht lang / sondern folget den Priestern bald auff dem Fuß nach / eylete hinein zu seinem Patriarchen / je ungestümmer / je angenehmer / und gleich: Heiliger Vater / schreyt er auff / hinfüro will ich unter eurem Gewalt seyn / darauff sie einander umbfangen / und beyde mit einander zu gewünschter Einigkeit kommen. Ist also der [701] Friede / der mit so viel Worten und Gezänck nit mögen erhalten werden / durch diesen eintzigen Spruch: Die Sonne ist am Niedergang / gemacht worden. 1. Also gäntzlich soll ein jeder / der sich einer Tod-Sünd schuldig weiß / gegen Abends / eben dieses offtermaln in seinem Gemüth bedencken und wiederholen: HERR / die Sonne gehet zum Niedergang und vielleicht auch dein Leben: Und da du diese Nacht stirbest / welches gar nichts neues / und offt geschicht / in welcher Ewigkeit vermeinst du ein zukehren? In der Seligen / oder in der Verdampten? Dieses wird dir dein Gewissen sagen. 2. Aber was sind wir vor Leute? Nicht einmal / nicht zehen mahl / nicht hundert / sondern wohl tausend und mehr mahl / lassen viel die Sonne untergehen / und behalten unversöhnliche Hertzen gegen ihre Neben-Christen. Solte das GOTT nicht sehen / und zu straffen beschlossen haben? Freylich / siehet Ers und wirds straffen / und werden solche Zorn-Hem [702] mel / woferne sie nicht ernstliche Reuhe über ihre Sünde haben / und versöhnlicher mit ihrem Nechsten leben / dermaleines ein schweres Sterben bekommen / und in ein sehr heisses Quartier eingewiesen werden. 362. Die Byzantiner habe̅ durch ihre Wasserdaucher lassen die Ancker an Schiffen abschneiden. ALs vor Zeiten die Byzantiner vom Käyser Severo drey Jahr lang belägert / haben sie sich dapffer gewehret / unter andern haben sie durch ihre Wasserdaucher die Ancker an den Schiffen abgeschnitten / sie unten unvermerckt mit Seylen angefesselt / und also mit allem / was darinnen / der Stadt zu gezogen. 1. Der leidige Teuffel machts mit den Starckglaubigen auch also: Der schiekt seine Höllische Daucher heimlich in ihr Hertz hinein / läst ihnen auch das Seil des Glaubens / und Ancker der Hoffnung / darinnen abschneiden und sie anfesseln / daß sie ihm zu geführet werden. Darumb hier auffsehen von nöthen ist. 2. Vortheil helffen / wenn mann dieselben nur recht zu gebrauchen weiß.
|| [703]
363. Wie die Mahlerden Tod mahlen. DIe Mahler und andere Künstler mahlen den Vnmenschen den Tod auff folgende weise: Ohne Ohren / damit er die Bittenden nicht höre / ohne Augen / damit er nicht zur Barmhertzigkeit bewegt werde / ohne Stirn und Backen / damit er nicht könne Schamroth werden / ohne Zung und Lefftzen / daß einer kein Trost-Wort von ihm zu gewarten habe / ohne Fleisch / dz er kein eintzige menschliche Neigung in sich hab. Nur allein das Geäder und Gebein bleiben noch über / das ist Bogen und Pfeil / die elende Menschen damit zu treffen Vnd wann sich diß Meerwunder einmal starck gebraucht hat / so hat er gewißlich dazumal kein Trutz gespart / sondern die gantze Welt gebraucht / als er Christum den Sohn GOttes / den Anfänger alles Lebens dahin gerissen / darob dann die Felsen zersprungen / der Erd-Boden erschüttert / die Sterne verfinstert worde̅ / die Sonnen erbleicht / die Engel getrauret. Ach hat denn nicht der Tod mit dem Leben alles Lebens ein grausames Spiel gewagt? 1. Ist fein abgebildet und wohl erkläret. 2. Denn sey wer du wilst / bistu ein Mensch / so läst sich der Tod von dir nicht erbitten / noch auff einigerley weise zur Barmhertzigkeit bewegen.
|| [704]

365.
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Ein williges Hertz zum Tode. ALs Zeno Citticus, wie Suidas erzehlet / aus der Schul gienge / stieß Er sich an eine Zehen. Welches er außleget und auffnamb / als wär es eine Beruffung zum Tod. Darumb klopffet Er mit der Hand auff den Boden / und sprach: Ich komm schon / es bedarff keines Ruffens. Ist also der neuntzig jährige Alte / der nie kranck gewesen / dahin gestorben. Zeno hat gar gern Hunger gelitten / ja so fast / daß er auch offt abkräfftig wurde. Er lidte solches darumb desto lieber / damit er desto weniger kranck würde / und ruhiges gesundes Alter erreichen möchte / daß ihme denn auch seinem Wunsch nach zu theil worden. 1. Was sols Wunder seyn / daß wir ein kurtz und kränckliches Leben führen: so wir unsere meiste Gefnndheit mit Essen und Trincken verderben / wann wir nicht mit gespantem Bauch vom Tisch gehen. Wol lächerliche / ja törichte Leut seind wir / daß wir unser Leben durch die Nahrung / mit der wir es erhalten sollen / erst recht abkürtzen. Diß a [705] ber kombt daher / dieweil wir nicht glauben wollen / daß die Mässigkeit zur Erlängerung des Lebens so kräfftig und nützlich sey. Es gibts aber die tägliche Erfahrung / daß ein gewisses und wares Wort sey: Alb viel ich von der Speiß weg thu / So viel setzt ich meinm Leben zu. 2. Alle sollen wir auch zum Tode bereit seyn / und eine jedwedere Kranckheit vor einem Vorboten des Todes halten / und wenn uns Schwachheit zu handen stösset / auch mit Zenone sagen: Ich komme schon / es bedarff keines Ruffens. 365. Je weniger du issest / je länger du lebest. DEr Priester Ursinus (wie S. Gregorius erzehlt) als er in seiner Kranckheit durch Himmlische Erscheinungen getröstet worden / hat offtmaln außgeschryen: ich komm / ich komm / ich sag euch Danck. Vnd nach dem er den umbstehenden erzehlet was er gesehen / widerholet er nochmaln wie zuvor / siehe ich komm / siehe ich komm / nuter welchen Worten er dann auch verschieden. 1. Gibt ein gutes sanfftes Sterben / wen̅ man fein willig zum Tode ist / und denselbengleichsam willkommen heist.
|| [706]
2. Die beste Vorbereitung aber wird gemacht durch wahre Busse und Glauben an Christum. 366. Exempel einer standhafften Bekennerin aus dem Basilio. BAsilius gedencket eines schönen Exempels / und berichtet / wie eine wolhabende Landfrau umb Christ- und seiner Warheit Bekäntnüß willen / in gefängliche Haft eingezogen worden. Als man dieselbe mit dem Tode schreckte / daß sie entweder Christum verleugnen / oder Leib / Leben Gut und Blut verlieren solte: Da sprach Sie mit grosser Freudigkeit: Valeat vita, pereat pecunia: Ade liebes Leben / und du schnödes Geld / fahre hin / wo du wilt / Famula Christi sum, ich bin eine Dienerin Christi / das ewige Leben im Himmel ist mir viel tausendmal lieber / als das Zeitliche hier auff Erden. Und als man sie zum Feuer führete / that sie eine öffendliche Vermahnung an alle Weibs-Bilder / und sprach: O lieben Frauen und Jungfrauen / folget meinem Exempel / und streitet ritterlich umbs ewige Leb??? / entschuldiget euch nicht mit der än [707] gebornen Blödigkeit. Denn der ewige GOTT hat uns Weibs-Personen auch nach seinem Ebenbilde erschaffen / daß wir Männlich und ritterlich kämpffen sollen. Sprang darauff mit freudigem Geist zum Feuer. 1. So stirbt sichs wol / so schläfft man sanfft / so steht man frölich wieder auff / so wird man seelig und ein Kind des ewigen Lebens. 2. Aber derer Hertzen an Geld-Klumpen hangen / und die das zeitliche Leben lieber haben / als ihren Erlöser / der die Thür zum ewigen Leben / ja dasselbige Leben selbsten ist / die werden schwerlich ins Himmelreich kommen / spricht Christus Matth. XIX. 367. Johann Limmens eines Pabstischen Priesters Bekehrung. ES setzt VVagnerus über dem 91. Psalm diese Historien von einem Päbstischen Priester Johann Limmen / mit Nahmen / welcher zu Pegau in Meissen gewesen / derselbe / als er in der Visitation zugesagt / das Evangelium rein zu predigen / hat er es doch nicht gethan / sondern viel mehr das Gegenspiel verübet. Als er nun vom Dienst abgesatzet / und Anno Christi 1539. nach Ranstädt kom̅en / und da gleichfals wider ernstlich das Evangeliu̅gepre [708] diget begibt es sich / daß an einem Morgen früh 2. Vhr es einen starcken Wetterleuchier in seine Kammer thät / darüber er erschrickt / auffstehet / seine horas lesen wil / ein Buch nach dem andern herfür nimbt / aber kein Wort lesen kan. Weiln er nun auch bey dieser Pfarr nichts mehrers verrichten kundt / muste er solche resigniren: Letzlich begibt er sich wieder nach Pegau / lebet da privatim, biß ins sechste Jahr / hat alles sehen und erkennen können / aber nicht reden: Gieng hernach fleißig in die Evangelische Predigten / hörete solche mit gebührender Andacht / gebrauchte sich auch deß hochwürdigen Abendmals in zweyerley gestalt / zum öfftesten / hielte sich gegen männiglich fromm / Christlich und Erbar / ist auch endlich in waarer Erkäntnüß Christi JEsu seliglich gestorben. M. Mich. Julius. 1. So kan GOtt die Leute zu paaren treiben / welche jhn zu pochen gedencken. 2. Weil dieser Priester das Evangelium nicht predigen wollen / so hat jhn GOtt darnach gestraffet / daß ers nicht predigen können. Darumb lasset Euch weisen nicht allein Ihr Könige und Weltliche / sondern auch Ihr Geistliche / und lasset euch züchti [709] gen ihr Richter und Priester auff Erden / nach dem 2. Psalm. 368. Testament einer Englischen Mutter. EIne fromme Englische Mutter / Elisabetha Jocalin / hat in ihrem Testament / der noch in ihrem Leibe verschlossenen Frucht diese Lehre hinterlassen: Die Hoffart wird sich unterstehen dich zu fällen / in dem sie dir etwan eine närrische Eitelkeit / in deiner Kleidung / wird in den Sinn geben. Vnd ob ich zwar darvor halte / daß unterschiedliche Gattungen der Hoffart seyn / die der Seelen viel schädlicher sind / als die / so in der Kleidung bestehet: So ist dieselbe gleichwol gar gefärlich. Vnd ich bin versichert / daß sie der Menschen Thorheit mehr an Tag gibt / als sonst etwas. Ist das nicht ein seltzam Ding anzusehen; Daß ein Mensch / welcher nach dem Ebenbild Gottes erschaffen / und dessen Gliedmassen alle so wol gestaltet / sich dennoch mit einer närrischen Kleidung also verstält / daß / unter allen Geschöpffen GOttes / seines gleichen nicht zu finden ist; Vnd wiewohl die Menschen / nach ihrer Leibs-Gestalt / einander nicht allemahl ähnlich sind: Nichts desto weniger sind sie ein ander gleich / so viel die vernünftige Seel anlanget. Jedoch besorg ich mich / daß diese Liebhaber aller neuen Muster / also [710] verstelleten. Wir mögen wol mit Warheit sagen; daß diese Leute einander nicht gleich seyn: Vnd ich glaube / daß die / so Verstand haben / ihnen nicht folgen werden. Denn wer wolte ihnen gleich seyn? Derowegen mein vielgeliebtes Kind! Du seyest gleich ein Sohn oder eine Tochter / so ist mein Will und Begehren / daß du solche Eitelkeit fliehest. Bistu eine Tochter / so bekenne ich / daß diese Last dir viel verdrießlicher seyn wird, weil du schwächer bist / und mehr darzu wirst angereitzet werden; Denn du wirst etwann andere sehen / die du nicht so vor reich / noch von solchem Geschlecht / wie du bist / hältst und doch stattlicher / als du / daher gehen / Da dir dann gar bald im Sinn kommen wird / (wenn du solche stehest) daß du ihnen aufs wenigst gleich / wo nicht stattlicher / zugehen begehren wirst. Aber glaube / und sey meiner Reden eingedenck; Daß das Ende aller dieser Eitelkeit bitterer / als Gall ist / Wenn du zu deinen Jahren kömbst / und an die Zeit dencken wirst / die du / nur dich zu schmücken / angewendet hast / dadurch mehr / dann der halbe Theil deines Lebens / dahingegangen / so wird dichs nur betrüben / daß du von allem / daß du ausgeseet / nichts / als Reu / ernden kanst / und daß eine Thorheit nur der andern gefolget. Gewißlich / wann du die Vrsach dieses Elends erforschest / wirstu finden / daß dein verkehrter Will die erste und vornehmste gewesen: Du [711] wirst mit Schmertzen und Trauren erkennen / daß / so du GOtt gedienet / an statt / daß du deinen eitelen Lüsten gefolget hast / du jetzunder Frieden mit jhm / und mit deinem Gewissen hättest. Der GOtt der Barmhertzigkeit verleihe dir seine Gnad / daß du ihm / alsbald in deiner Jugend / dienen mögest: Laß es nicht dazu kommen / daß du übel von mir urtheilen woltest / und sagen: Meine Mutter ist zu hart gewesen / ich bins nicht. Ich erlaube dir wol / die neue Weise und Kleidung anzunehmen / wenn dieselbe gut / und erbar ist: Allein will ich nicht / daß du den Anfang machest / noch andern nachfolgest / biß daß sie gantz gemein werde. Wenn solches ist / so wil ich dich nicht davon abhalten sonsten würde man dich ehe vor Halßstarrich / als Vorwitzig halten. Mit einem Wort zu sagen; so ist mein Will: Daß du im geringsten nicht dein Hertz an diese thörichte Dinge hängest / und daß du dich allezeit / in deiner Kleidung / der Erbarkeit befleißigest. Wenn du das thust / so wirstu von allen ehrlichen Leuten geehret werden. Also unterrichtete diese gottselige Mutter ihr Kind / als sie sich besorgete / sie würde in der Geburt sterben / und der bescherte Ehesegen Mutterloß hinter ihr verbleiben. 1. Ist eine grosse Sorgfalt von einer Mutter gewesen / die auch vor ihr noch ungebornes Kind gesorget. Al [712] len Eltern zur Nachfolge / daß sie vielmehr vor ihre Kinder sorgen sollen / wenn sie gebohren sind / und in der besten Blüte ihrer Erziehung stehen. 2. Es hat aber diese Mutter wol gewust / was der Jugend / und sonderlich Weibes-Personen pflegt in Hertzen zu stecken / nehmlich die Kleider Hoffart / darumb warnet sie vor solchem Laster. 369. Gerichts Sachen sollen öffentlich gehandelt werden. MArsias des Königes Antigoni Bruder hat mit einem Gerichtlich eine Sache außzuführen / und bat den König / daß Er dieselbe nicht öffentlich für Gericht / sondern daheim in Verhör nehmen wolte. Darauff der König antwortet: Wann wir sollen Gerichtlich handeln / so kan ja solches nirgend besser / als öffentlich und für Gerichte geschehen / da es männiglich hören und richten mag. So du / mein Bruder / weissest / daß du eine böse Sache hast / warumb zanckestu? Hast du aber eine gute Sache / warumb scheuestu das Liecht / und wilt deine Sache / so da ans Liecht und für Gericht gehöret / daheim im finstern ent [713] scheiden lassen? Das würde ohne Verdacht nicht ablauffen können / wann du auch die allerbeste Sache hettest. 1. Ist gar recht von dem König geantwortet / denn wenn eine Sache gut und recht ist / was darff man scheuen dieselbe öffentlich zu tractiren? Ist sie aber nicht recht und böse / so thut man besser / man stehe ab und lasse das litigiren unterwegen. 2. Und warumb will man nicht öffentlich Gericht halten? Wird doch das allgemeine Welt-Gericht / vor dem wir alle werden müssen erscheinen / öffentlich gehalten werden. 370. Wie ein Rauffmann wegen eines Allmosens / so er hiebevor einem geben / beym Leben erhalten worden. EIn Kauffmann gab auff eine Zeit einem armen Soldaten auff Bitten ein Allmosen / in einer frembden Stadt / und als er wieder nach Hauß reiset / muß er durch einen Wald / da wird er von drey Räubern angefallen / die nehmen ihm alles was er hat / und berathschlagen sich / ob Sie [714] ihm das Leben auch nehmen sollen? da ist unter den Räubern dieser Gesel auch mit begriffen / der vor diesem das Allmosen genossen / der spricht / sie wollen ihn an einen Baum binden / und eilends sich von dannen machen / ihre Händ in seinem Blut nicht waschen; thun es also und gehen davon; Der aber vor diesen das Allmosen genossen / sagt zu ihm ins Ohr / Abends will ich kommen / und dich loß machen; Als sie nun hinweg sind / und der Mensch also angebunden sein muß / und die Nacht herbey kommet / hörete der arme Mensch ein groß Geheul von Wölffen / fürchtete sich un̅ betete ernstlich; Endlich reucht er einen angefeuerten Lunden / welchen der Räuber zur Abscheu der Wölffe zu sich genom̅en hatte / der kommet und macht ihn der Banden ledig / und erzehlt ihm wie er der wäre / so vor dessen seine Lieb und Treu im Allmosen geben erkant hätte / und ihm solches hiermit wieder wolt genießen lassen. 1. Man soll allen Leuten dienen / wo man kan / denn man weiß nicht / wo man eines andern Dienst wiedrumb zu genießen hat. 2. Mancher dencket zwar / was soll mir dieser dienen können? Ich hab ohne das alles [715] gnug und er hat nichts. Aber es entschlage sich ja ein jedweder dieser Gedancken. Gleich wie ein menschlicher Leib auch das allergeringste Glied nicht entbehren kan / Also kan man auch offt des allerärmesten Dienst gebrauchen.

371.
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Drey Soldaten trincken auffs Teuffels Gesundheit. ZV Bernstad in Schlesien haben drey Gottlose Soldaten bey einem Leinweber / auff des leidigen Teuffels Gesundheit Anno 1643. getruncken. Da dann selbiger Gast / welcher sich leicht einladen läst / bald zum Fenster hinein kommen / einen aus denselben (ohn gezweiffelt den rechten Anfänger) bey dem Kopff erwischt / und gegen dem Ofen geworffen. Als aber solcher über laut JEsus geruffen / hat der Teuffel abgelassen / ist oben durchs Dach gefahren / und hat zwey Balcken / sambt etlichen reyhen Schindeln mit weggeführt. An dieses Exempel wird daselbst noch ein anders gehenckt / von einem Polnischen Edelmann / der umb solche Zeit / in der Stadt Bittau / auff einem Schlitten / Bier gehohlt / sich aber voll Brantenweins getruncken / und im hinweg fahren auff den Schlitten gefallen / vom Teuffel in einen Morast geführt / und sonsten auch betrogen worden / also / daß er darüber endlich umb sein Leben kommen.
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1. Mann darff den Teuffel nicht an die Wand mahlen oder provociren / er kompt wohl unbegehret. 2. Man stehet hier nicht allein des Teuffels seine grosse Gewalt / sondern zugleich auch wie der HERR JEsus / als ein stärckerer diesen starcken Gewapneten also balden seinen Harnisch nehmen und erlegen kan. 372. Wie Diocletianus der Käyser seinen Kämmerling martern lassen. DEr Käyser Diocletianus ließ Petrum seinen Kämmerling / weil er vom Christlichen Glauben nicht abtreten wolte / am gantzem Leibe zerschmeissen und durchreissen / daß man fast keine Haut mehr / sondern eitel Bein gesehen / ließ auch in die Wunden Saltz und Essig gießen und fließen / hernach auff einen eysernen Rost legen / Feuer unterschüren / und fein langsam braten und brennen. 1. So machens die Tyrannen / und gibt der Teuffel / sonderlich wenn es an die Ehre GOttes und das Evangelium gehet / einen guten Blaßbalg. 2. Gleich wie er aber hier die Kohlen wohl wird auff geblasen und recht feurig gemachet haben / also wird er in der Höl [717] len dermaleins dergleichen thun und allen Verfolgern der Lehre Christi heiß gnug einheitzen. 373. Schöne Antwort / so Chur-Fürst Mauritius seinem Hoff-Prediger geben. EIn denckwürdiges Exempel wird referiret von dem löblichen Churfürsten Mauritio Christmilder Gedächtnüß / als Jhre Churfürstl. Gnaden von ihrem Hoff-Prediger in der letzten Hinfahrt gefragt wurden / was sie für Gedancken hätten? Hat der Seelige Churfürst gar eine Christliche und bescheidene Antwort von sich gegeben: In mundo pressuram, in coelo laetitiam: Auff Erden haben wir Traurigkeit / im Himmel Freude und Seligkeit: Das war ein recht tröstliches Glaubens-Wort. 1. Wer an seinem letzten Ende solche Gedancken führet / der kan der Welt desto ehe vergessen. 2. Welche aber ihre Freude in der Welt suchen / denen kömpt das Sterben gar bitter an. Den sie sagen nicht mit Paulo: Ich habe Lust abzuscheiden / sondern ihre Meynung ist: Ich hab Lust länger zu bleiben.
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374. Von guter Anweisung junger Schüler. DIe Weisen und doch ungläubigen Heyden / so da öffentliche Schu???en / jhre Kinder darinnen in allerley Weißheit / Künsten und Geschicklichkeit zu unterweisen / angerichret / haben sondere Fest gehalten / an welchen die Schulmeister gepredïget / und die Kinder zu der Göttin / Pallas genant / dieselbe anzubeten / guwiesen. Dann sie aus der Vernunfft so viel verstanden / daß ohne Göttliche Hülff / die Jugend nicht könte fortkommen. Haben also die Palladem eine erdichtere Göttin für eine Göttin der Weißheit und Studien auffgeworffen / und geehret. Welche Abgötterey / zweiffels ohne / daher entstanden / daß / weil die Ertzväter den Sohn Gottes / als in welchem alle Schätze der Weißheit und Erkäntnüß Gottes verborgen / geehret / und darumb angeruffen haben / sie denselben nach geäffet / und ihnen eine eigene Göttin / Kunst und Weißheit zu lernen / außgedacht; Wie dann die Heydnischen Poeten / oder Propheten / vorgegeben / diese Göttin Pallas seye aus dem Haupt deß Jupiters geborn / gebe Verstand / und erinnere die Leute / daß sie weißlich und vernünfftig handeln. Auß welchem Gedicht leichtlich abzunehmen / daß diese Poeten von Japhets Lehr [719] etwas läüten gehört. Vnd weil der ewige Sohn Gottes / aus deß Jehova Wesen von Ewigkeit her gezeugt / und ein GOTT deß Verstands / deß Raths und von Gott gemacht zur Weißheit; so haben die blinden und unglaubigen Heyden / die Herrligkeit deß unvergänglichen Gottes verwandelt in ein Bild eines steinern geharnischten Weibsbilds. Im Pabstthumb hat man / an ihrer statt / Sanct Catharinen geehret / und sie für aller Schulen / wie auch der gelegrten und Schreiber / gutthäterin gehalten; an deren Tag ihr ein grosses Schulfest gestifftet / darauff viel Leute / ihr zu Ehren / zusammen kommen / viel auch / mit grosser Mühe und Vnkosten / zu dem Berg Sinai / allda sie begraben seyn solle / gezogen. Sie ehreten auch / und noch / für einen Schul-Heiligen / den H. Gregor / weil er in der Jugend ein fleißiger Schüler gewesen / und hernach viel Schulen von seinem väterlichen Erbe gestifftet hat. Vnd wird ihme daher auch noch in etlichen Evangelischen Städten die Ehr angethan / daß man an seinem Tag / so in der Fasten fällt / herumb singet / neue Schüler annimbt / und in die Schul / mit Außtheilung sonderlicher Geschenck / von Geld / Bretzeln / Zucker / etc. führet. 1. Auff solche und dergleichen Weise hat man die Jugend angeführet / und thuts noch / ist auch nicht zu dadeln / [720] wenn kein Aberglaub und Abgötterey mit unter lauffet. 2. Die allerbeste Anführung aber ist / wen̅ man sie auff Christum weiset / denn in dem liegen nicht allein alle Schätze der Weißheit verborgen / sondern Er ist auch das Lamb GOttes / das der gantzen Welt Sünde trägt. 375. Ein Mann zu Augspurg betrübt sich nicht umb sein Weib / sondern daß er nicht bald eine andere habe. JEner Mann zu Augspurg hat sich vorm Begräbnüß seiner Frauen sehr jämmerlich gestellet / und als Er von seinen Nachbarn deßwegen getröstet und gefraget worden / warumb er dann keinen Trost annehme? O! sprach er / ich weine zwar darumb nicht / daß sie todt ist / denn jhr könte auff der Welt doch nichts bessers gesehehen / darzu wer kan eines vorm Tode auffhalten? Sondern das jammert mich / daß ich nicht weiß / wo und wenn ich wieder heyrathen solle / da mirs auch wol zu thun ist? Oder / wie jener Sachse / da er gefraget / wie es dann komme / daß er so eylend [721] wieder heyrate / da er doch ein fromm / ehrentugendreiches Ehegemahl gehabt / die er billig betrauren solte / weil sie ihm alle eheliche Liebe und Treu bewiesen hätte? O! sprach er / nimmet unser HErre GOtt / so näme ich auch / wer sie gar groß in der Welt nütze gewesen / GOtt hätte jhr noch wol länger das Leben fristen können. Pomarius gedencket auch eines leichtferdigen Vogels / welcher seine Kinder und andere von weinen abzulassen vermahnet habe / mit solchen Worten: Ich mein ein grosser Jammer mag das wohl seyn / wann einer vor ein alt Brumeisen / die wol kiefeln kan / eine junge schöne und frische überkommet. 1. Solche leichtgefinnete Leute giebt es nicht allein unter Männern / sondern auch unter Weibern. Ich meine man dürffte nicht viel umbsuchen / so würde man dieses gleichen mehr finden. 2. Wer ein ehrliches Gemüht hat / und seinen Ehegatten treulich meinet / kan ihn so bald nicht vergessen / und auß dem Sinne schlagen.
|| [722]
376. Wie man die Kloster Jungfrauen in dem Kloster Altenmünster pflegt einzuweisen. EIn Kloster ist in Beyern / welches von dem heiligen Altone Altenmünster genennet wird / und in zween Theil abgetheilt / mit Männern in einem / und mit Weibern in dem andern besetzt: Umb welcher doppelten Abtheilung willen / es ein zwyfaches Kloster ist / und nicht unbillich mit dem Constantinopolitanischen mag verglichen werden / als in deme unablässig das Lob Gottes bey Tag und bey Nacht gefunden wird. In diesem Kloster ist der Brauch / wann eine Jungfrau den heiligen Weyhel in der Kirchen empfahet / und Christo zu einer Braut geweyhet / und vermählet wird / und der gantze öffentliche Gottes-Dienst verricht ist / so wird die neue Gespons Christi / durch die Sacristey in das Kloster geführet. Vier aus den Klosterfrauen gehn vor ihr her / die mit löblicher Ceremoni ein Baar tragen / und nach dem die Kloster - Jungkrauen alle hinein gangen / werden die Thüren zugeschlossen und verrigelt / allermassen und gestalt / als wann der ueuen Braut Christi also zugesprochen würde: Siehe meine Jungfrau / was du jetzo anfahest / daß du dasselbig auffrecht und beständig zu End bring est und vollziehest: Gedencke wie du jerzo [723] lebendig herein kommest / anderst nicht mehr als todt hinaus kommen werdest: Die Welt / und alles was darin̅en / must du verlassen / auch mit deinen Gedancken dich nicht mehr zurück kehren: Dem Christus seye dir an statt aller Ding: Vnd siehe / durch diese Thür gehest du ein in das Hauß deß Gehorsams / und wirst nicht mehr dardurch hinaus gehen / als allein in dieser Baar / die du da vor Augen siehest / wan̅ du deine letzte Reiß thun wirst zum Grab / auff den Achseln deiner Mitschwester. Zum Himmel ist dir der Weg allzeit offen / auff welchem Weg du frey passieren und spatzieren magst nach deines Hertzen-Lust / nicht aber zn der Welt / nicht in dein jrrdisch Vatterland / nicht in deines Vaters oder Vettern und Bluts-Verwandten Hauß. Dann wir dich anjetzo lebendig vergraben / und du selber gehest dir mit der Leich / du trägst dich selber zum Grab / und besingnüß. 1. Hier heists wol selbst aus gesonnener und vergeblicher Gottes Dienst. Wo ist das Nonnen und Münchs Leben in der Schrifft gegründet / und wie erweiset ihr solches daraus / saget an / jhr Papisten? Hats aber da keinen Grund / so ist es damit umbsonst und alles gefehlt.
|| [724]
2. Warumb zwinget ihr denn die Leute in die Klöster / und wolt sie von dannen nicht wieder herausser lassen? Könnet ihr denn selber / die ihr dergleichen Zwang vornehmet / euer Fleisch bedeuben? Das Wiederspiel erweiset bey vielen die Erfahrung. 377. Von Thoma Pistorio / der von der Lutherischen zur Calvinischen Lehre gefallen. IN der Graffschafft Oettingen ist gewesn ein Prediger mit Namen Thomas Pistorius, der Evangelischen Lehr zugethan / begab sich aber darnach zu zu den Calvinisten / und zog von dannen in die Churfürstliche Pfaltz gen Eppingen / ward daselbst Pfarrherr / und machte ein Schand bübisch Carmen, unter dem verhasten Tittel der Ubiquitisten, wieder die Himmlische und Göttliche Erhöhung unsers Heylands IEsu Christi / nach seiner menschlichen Natur. Vnd als ihn seine Lutherische Pfarr-Kinder / welche viel anders von jhren vorigen Predigern aus Gottes-Wort unterrichtet waren / seines schänd [725] lichen Abfals halben verachteten / fiel er in einen schrecklichen Zweiffelmuth / rieff in seinem Hause / daß mans auff der Gassen draussen hören konte: Ach ich bin deß Teuffels mit Leib und Seel: Nahm auch nach der Zeit keine Speiß noch Tranck zu sich / verachtete allen Trost / so lange / diß hernach in der schweren Anfechtung die Seele mit einem greulichen Geheule von ihm außfuhr. 1. Ist abermals ein Exempel eines von der reinen Evangelischen Lehr abgefallenen / so in Verzweiffelung gerahten / derer wir vorher mehr gehabt. 2. Wer Augen hat zu sehen / der sehe / wer Ohren hat zu hören / der höre / und wer Verstand nachzudencken hat / der dencke nach / Warnungs Hauß stehet am längsten

378.
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Von Dam Pflugens Freygebigkeit. JOn Dam Pflug zu Pölen lieset man / daß er sich aller Treu und Gottseeligkeit gegen die Armen befliessen hab. Er gab willig 300. Gulden zu Mutzschen zum Gottes-Acker / und als er einsmals 100. Thaler zum Schwartzenberg bekommen; hat er einen Priester mit 10. Kindern / und einen armen Schul [726] meister davon gekleidet; und als auffm Reiche-Tag zu Augspurg ein gefangener in einen Tumult eingebracht wurd / so umbs Leben kommen solt / macht er denselbigen mit erlegung zehen Thaler legig / sagte zu ihm: Du bist nun mein / ich habe dich vom Tod errettet / geh aber hin / biß fromm / und sage deinen Tyrollern / daß wir Lutherischen den Glauben nicht nur auf der Zungen haben / sondern mit der That beweisen / und auch gute Werck thun: Aber nicht umb der Werck willen / sondern durch den Glauben / der durch die Liebe thätig ist / gedencken wir die Seeligkeit zu erlangen: Mit reinem Hertzen fürchte GOtt / und halt vor Augen sein Gebot. 1. Ist ein Christlicher / guthätiger / und freygebiger von Adel gewesen. Wo sind aber die Neune? Hat sich sonst keiner funden? Möchten wir wol fragen mit Christo aus dem Luca am XVII, Capitel. 2. Das ist eben der rechte seeligmachende Glaube / welchen dieser von Adel benahmet / der nicht nur auff der Zungen / oder in Worten / bestehet / sondern sich auch durch die Werck erweiset / wiewol die Werck nicht mit seeligmachen / noch nohtwendig zur Seligkeit können genennet werden.
|| [727]
379. Ein Vater schneidet seinem Sohn das unrechte Recht aus dem Vuch. EIn Vater in Preussen fragte seinen Sohn / so gestudieret / was die grobe Schrifft / und auch die kleine / mit etlichen rothen Buchstaben / in seinen Büchern bedeuteten? Der Sohn antwortete: Die grobe Schrifft ist der rechte Text und Warheit des Rechten / daß für allen Dingen solte gehen / aber die kleine Schrifft ist die Bescheisserey / wie man das Recht beugen / vermengen / auffschieben und verfälschen soll / daraus offtmals der Recht hat / unrecht wird. Die rothe Buchstaben dedeuten die Wort des Rechtens / auff welche man kan eine Bescheisserey finden. Der Vatter hat / in Abwesen des Sohns / die kleine Schrifft mit einer Scheer alle hinweg geschnitten. 1. Damit hat Er / ob er wol ein einfältiger Bauersmann gewesen / Seinen Sohn wollen anweisen ehrlich und den Rechten gemeß zu handeln. 2. Es wer zu wünschen / daß aus aller Iuristen Bücher und auch aus ihren Hertzen und Sinne das unrechte Recht möchte geschnitten seyn / und nur das rechte Recht getrieben werden.
|| [728]
380. Von dem Frantzösischen Graffeu Fulcone, wie er seine Sünde büssen wollen. VOn einem Frantzösischen Graffen / Fulcone mit Namen / wird geschrieben / daß derselbe eine Sünde zu büssen / zween siener Diener vereydet / und ihnë anbefohlen / daß ihn der eine an einen Strick fassen / und biß gen Jerusalem zum heiligen Grabe schleppen / der ander aber mit Ruthen auff ihn zu schlagen solte / da er dann den gantzen Weg unter dem Streichen geruffen: O Domine miserere miseri peccatoris, Fulconis transfugae & perjuri: OHERR erbarm dich über den armen Sünder Fulconem / der zum Meineydigen Menschen worden ist. 1. O der ungültigen und doch sehr strengen Buß! Geiseln thuts nicht / und wenn das Blut noch so häuffig herab flösse; So hilfft auch sonsten kein ander Werck / Thun oder Leiden. Sondern 2. Das Blut JESV Christi des Sohnes GOttes / macht rein von allen Sünden / 1. Jah. 1. vers. 7.
|| [729]
381. Ein D. Medicinä hälts mit dem Teuffel und bleibet auch desselbë. ES wohnet auff eine Zeit ein D. Medicinae in einer vornehmen Stadt / welcher vielen Leuten durch seine Kunst helffen kunt; Es kömt einsmals dahin / daß er einen patienten helffen soll / dessen Kranckheit er zu curiren unwissend / bittet derwegen den Teuffel / daß er Ihm in unwissenden Fällen Rath mittheilen soll / der Gast ist geschwind fertig / thut es / macht also durch des Teuffels Hülff viel Leute gesund / daß er einen Schatz auss 26000. Gülden seinen Kindern hinderläst; Als er aber sterben soll / vermeinte er noch Buß zu thun / aber es war zu lang geharret; Er führete den Teuffel stets in seinem Munde / und lästert GOTT den heiligen Geist / vor seinem End / starb also in Verzweifflung dahin; Denn der Teuffel lohnet seinen Dienern / wie der Heneter seinen Knechten. Christianus Georgius. 1. Darumb sündige ja niemand auff Gnade / daß er gedencken wolte noch vor seinem Ende Busse zuthun / denn der Tod kömbt offt plötzlich / und der böse Feind ist geschäfftig / und wirfft allerley Hinternüß in Weg; GOtt der HERR aber / dessen Gnade ein boßhaffter Mensch offt vorsetzlich [730] von sich gestossen / dringet dieselbe niemand wieder Willen und Begehren auff. 2. Die Busse ist weit besser / die täglich geschicht / als die ins weite Feld hinaus gespielet wird. 382. Ein Jesuit schreibet GOtt die Gerechtigkeit zu / aber der Marien die Barmhertzigkeit. ANno 1607. ist ein Jesuit Johann David zu Andorff gewesen / welcher in seinen Pancarpio Mariano, oder Marien Gebeten / unter andern diese GOtteslästerung in die Welt außgesprenget / daß GOttes Reich bestehe in Gerechtigkeit und Barmhertzigkeit / die Gerechtigkeit habe er billich vor sich behalten / aber die Barmhertzigkeit / daß an der stück seines Reichs / habe er der Marien überlassen / ut quicquid salvâ justitiâ concedi possit, id solum in potestate ojus sit, ut matris misericordiae ac Reginae coeli, damit was seiner Gerechtigkeit ohn Nachtheil könte zugelassen werden / solches mit einander in der Marien Macht und Gewalt stehe / als der Mutter der Barmhertzigkeit und Himmels Königin. 1. Es ist nicht noth / daß wir uns vielfältig bemühen / diesen groben Irrthumb [731] zu widerlegen / dann wie D. Luther sagt / wann wir nicht vernünfftige Menschen / sondern Esel und Kühe weren / so könten wir diese Handgreiffliche Irrthumb nicht mit den Händen / sondern mit den Klauen tappen. 2. Maria hat selbsten von dem gnädigen und barmhertzigen GOTT Barmhertzigkeit und umb Vergebung ihrer Sünden bitten müssen / wie kan Sie denn andern Barmhertzigkeit mittheilen / und eine Mutter der Barmhertzigkeit genennet werden? 383. Hochzeitliche Begräbnüß Cortustii. LVdwig Cortusius ein Rechtsgelehrter zu Padua / hat ernstlichen im Testament befohlen / es solle ihn niemand klagen / niemand soll umb ihn trauren oder weinen / sondern es sollen Spielleuth und allerhand schöne Music bey seiner Leich seyn / deren funffzig / theils vor / theils nach der Clerisey / mit der Leich gehen sollen / und soll einem jedwedern ein halber Gulden geben werden. Die Todenbar aber sollen zwölf in gantz frisch grün bekleidet Jungfrauen tragen / die sollen von heller Stim [732] singen / was ihnen lustigs einfallen wird. Darumb er dann einer jeden Jungfrauen ein ehrlich Heyrath-Gut verschafft. Ist also in S. Sophiae Kirchen zu Padua mit hundert Wind-Liechtern zu Grab getragen worden / alle geistliche und Ordens-Leuth der gantzen Stadt / ausser Doren / so schwartzen Ordens seyn / giengen mit der Leich. Dann er eben diese auch im Testament von seiner Leich außgeschlossen / damit sie mit ihrem schwartzen Habit kein Vngleichs in solche öffentliche Frölichkeit machten. Vnd also sahe diese Begräbnüß mehrer einer Hochzeit gleich. Vnd ist dieser Hochzeitmann gestorben Anno Christi 1418. den 17 Julii / an Sanct Alexi Tag. 1. Was dieser Mann vor Ursachen gehabt sich also begraben zu lassen / wird nicht gemeldet. Vielleicht hat er sein Absehen gehabt auff die Freude deß Himmels / welches denn keine böse Gedancken wehren gewesen. 2. Es mag einer begraben werden mit oder ohne Music, traurig oder frölich / das hilfft und schadet ihm an der Seligkeit nichts. Wenn er in wahren Glauben an Christum gestorben / so ist er seelig / es mag mit der Begräbnüß hergehen wie es wil / und wenn [733] er auch gleich nicht begraben würde. 384. Adam Neusers Ende. WIe elendiglich Adam Neuser dahin gangen sey / und wie er aus einem Calvinischen Pfarrer / zu einem Arrianer / und endlich gar zu einem Türcken worden / ist bekand. Es hat aber dieser Neuser bekand / daß ihm die Lehr deß Herrn Lutheri von der wesentlichen gegenwart deß Leibes und Bluts Christi im heiligen Abendmal alß ungereime??? mißfallen / deß Calvini Meynung aber / als / welche der Vernunfft anmutiger / beliebet habe. Deßgleichen habe er auch in der disputation, von der Person Christi / ihme nicht können gefallen lassen die Lehr Lutheri und Brentii / von der reali communicatione Idiomatum, da man lehret / die beyden Naturen in Christo haben ihre Eigenschafften in der Person gemein / in der That und Warheit: Sondern habe es gehalten mit denen / die da statuiren verbalem communicationem, das ist / eine solche Gemeinschafft / da allein die Namen / und Wort gewechselt werden. Darauff habe er angefangen bey sich selbst zu zweisteln / ob auch Jesus Mariae Sohn / könne wahrer GOtt seyn / dieweil er realiter, das ist / in der That / mit Got???nichts gemein hätte / sondern allein nominaliter, den blossen Titul und Namen, Vnd nach [734] dem er diese gemeine Regeln für sich gehabt: Finitum non est capax infiniti, das ist / es ist nicht müglich / daß das Endliche deß Unendlichen fähig sey. Item: Es ist keine proportio zwischen dem Endlichen und Unendlichen / das ist / zwischen der Menschlichen und Göttlichen Natur / so habe er endlich bey sich selbst geschlossen / und es gewiß darfür gehalten: IEsus Christus sey nicht Gott und Mensch in einer Person / sondern sey allein ein wahrer Mensch / wie wol ein excellens homo, und ein fürnehmer Lehrer. Nach solchem / hat er bekand / sey er fortgeschritten zur Disputation von der heiligen Dreyfaltigkeit / und da ihm eines Arrianers und Siebenbürgers Büchlein zu Handen kommen / in welchem alle Sprüche Altes und Neues Testaments anders aus geleget / weder wir sie pflegen außzulegen / habe er endlich geschossen / es sey nur ein einiger / ewiger warhafftiger GOtt / mit welchem weder Christus / noch der herlige Geist / eines Wesens und gleich Ewig seyn. Vnd weil er nur eine Person in der Gottheit erkant / habe er auch bey zweyen Jahren nicht im Namen GOttes des Vaters / Sohns / und heiligen Geistes getaufft / (daran zu spüren / was die Calvinische Lehrer für Betrieger seyn / wie sie mit der administration der heiligen hochwürdigen Sacramenten umbgehen / wenn mann ihnen nicht gnau auff die Schantze achtung giebt.) Da nun solches kundbar / und dem Käyser Maximi [735] liano II. auff dem Reichstage zu Speyer angemeldet worden / dessen Majestät solches dem Churfürsten / Pfaltzgraff Friderichen fürgehalten / ist Neuserus gefänglich angenommen / und für den Churfürsten gebracht worden. Da hat er seiner Churf. Gnaden unter Augen gesaget: Wenn ich kein Calvinist wäre worden / so were es nimmer mit mir darzu kommen. Nach solchem ist er aus dem Gefängniß loßgebrochen / und aus der Pfaltz in Polen / von dannen in Siebenbürgen zum Francisco Davidis und andern Arrianern geflohen. Weil er daselbst sich enthält / erheben die Arianer unter sich selbst eine disputation, von der Rechtfertigung deß Menschen für GOtt: Vnd weil er bereit in den Wahn gerathen war / es were IEsus Christus nicht GOtt / sondern allein ein Mensch / so hat er es mit dem Hauffen gehalten / welche fürgeben / IEsus Christus habe mit seinem Leiden und Sterben das Menschliche Geschlecht nicht erlösen / auch das Gesetze nicht erfüllen können / vermöge uns auch mit seinem Blute weder Gerecht noch selig zu machen. Bey diesem allen hat ers auch nicht bleiben lassen / sondern ist fortgeschritten / und hat mit sich selbst und andern anfahen zu disputiren von der Autorität der Bibel / ob dieselbe das reine und unverfälschte Wort Gottes sey: Vn weil er sich bedüncken liesse / man finde viel Sprüche in der Bibel / welche wieder einander lauffen / so [736] hat er angefangen wenig / und fast gar nichts / von der Bibel zuhalten. Darauff er in folgenden Zeiten etliche Bücher wieder die heilige Dreyfaltigkeit in den Türckischen Gräntzen wollen drucken lassen / und in dem er daselbst hin verreiset / ist er dem Bassa von Demeßwar verrathen und von demselben gefangen worden / welcher ihn nach Constantinopel verschickt / dahin er mit Freuden / (wie er selbst berichtet) gezogen / dieweil er daselbst den Türckischen Alcoran finden würde / der in allen Artickeln mit seiner Religion überein komme / alda er sich beschneiden lassen / hat den Tyrolischen Glauben angenommen / ist deß Türckischen Käysers Spachi und Dolmetscher worden / aber endlich in Verzweiffelung dahin gangen / und zum Teuffel gefahren. 1. Diese Historia ist wol merckens werth / dieweil man beydes in gemein auß derselben sihet / wo es mit einem Menschen zu letzt hinkommen könne / wenn er einmal von der Einfalt des Göttlichen Worts / abweichet / der Teuffel führet ihn gemach immer von einem Grad der Gotteslästerung zum andern / biß er ihn endlich ins Berderben stürtzet.
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2. Und in sonderheit ist daraus zu mercken / wie man von dem Calvinismo in die Arrianische Ketzerey (auch wol in den Türckischen Aleoranischen Unglauben) gerathen könne. Darumb denn Adam Neuser hernach mehrmals diese Rede geführet hat: Wer sich für dem Arrianischen Irrthumb fürchtet / der hüte sich für dem Calvinismo. Es wird diß sein Bekäntnüß noch heutiges Tages zu Tübingen gezeiget / welches er mit eigener Hand geschrieben hat / daß nemblich keiner zu dieser Zeit ein Arrianer worden / welcher nicht erstlich ein Calvinist gewesen. Sein Ende / welches er zu Constantinopel genommen / soll dem schändlichen Außgang Arrii nicht ungleich gewesen seyn. Denn GOTT lässet sich nicht spotten.

385.
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Ein Exempel einer Citation vor Christi Richterstul. BEy den Westgothen war ein treffliger und wolgeborner Mann / mit Namen Herr Johann Thurson / ein ö [738] berster Richter / welcher einem Landsassen / mehr aus Privat Affecten und Grimm / dann von Billigkeit wegen / ließ das Häupt abschlagen. Als nun gedachter Unterthan nieder kniete / wandte er sich zu demselben Herren / und sprach: Sihe / hier sterbe ich / mit Unrecht verurtheilet / darumb beruffe ich dich diese Stunde für den Richterstuel GOttes / auff daß du Antwort gebest / warumb du mich unschuldigen zu tödten übergeben hast. Was geschicht? So bald dieser Mensch mit dem Schwerdte gerichtet worden / fält der ansehnliche Mann von seinem Pferde / wird mit jähem Todte geschlagen / und hat zweiffels frey dem andern einen Mitgefehrten für dem ernsten Richter-Stuel geben müssen. 1. Das sind scharffe Citationes, da wirds scharff hergehen / der Richter wird da keine Person annehmë / noch jemands schonen / sondern die Sache / wie er sie findet / verahschieden. 2. Ein jedweder lebe also / daß / wenn es dahin kömpt / er freudig stehen und Antwort geben könne. 386. Eines Banquerotirers Kopff-Küssen.
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EIn Kauffmann / welcher Banquerot gespielet / ward von einem seiner Glaubiger gebeten: Er möchte ihm doch das Haupt-Küssen / darauffer bey so grosser Schulden-Last gleichwol so sanfft ruhen und schlaffen können / zukommen lassen. Da gab er ihm zur Antwort: Ich kan auff einem jeden Bette ruhig schlaffen / denn ich befehle die Sorge und das Wachen denen / so von mir betrogen worden. 1. Ist ein leichtsinniger Mensch gewesen / wie aus der liederlichen Antwort abzunehmen. 2. Ehrliche Leute / die Schulden auff sich haben / bekümmern sich und können nicht wol schlaffen / biß sie bezahlet haben. Aber solche Ansetzer / die es vielleicht darauff gespielet / und den Vorsatz gehabt / andere zu betriegen / schlagen alles in Wind / und schlaffen in utramvis aurem ohne eintzige Sorgen. 387. D. Embsers Lästerung und Tod. ZUr Zeit Lutheri, war ein frommer und gelehrter Prediger zu Dreßden / Namens Alexius Crösnerus, so das H. Evangelium rein und lauter predigte / wurd [740] aber vom Gegentheil abgeschaffet; Als er nun von der Stadt seinen Supellectilem fortführen wolte / sagte D. Emser / so damals etlichen Päbstischen zu Dreßden bedienet war / im fürüber reiten: Ich habe nun des Ketzer-Predigers allhier auch ein Ende erlebet; Er muß ins Teuffels Namen bey Sonnen-Schein fort / da antwortete Ihm drauff Crösnerus: In GOttes Namen darvon / Herr Emser / ist auch ein Wort / ich bin in Meissen gewesen ehe weder ihr / und ich werde darinnen bleiben / wenn ihr weg seyd; Als nun demselben Abend D. Embset Mahlzeit hält / umb 9. Uhr mit einem Burger von Leipzig / wird er jehling / franck / stirbet mit Ach und Wehe / schrecklichen Worten / Reden und Geberden dahin. 1. So weiß GOTT zu straffen / wenn man Ihn / sein Wort / und die es rein predigen verachtet. 2. Es vergreiffe sich ja niemands in diesem Stück / denn mit der rechten Hand bedecket und beschützet GOTT die seinen / mit der lincken aber schlägt er gewaltig zu auff solche Verächter. 388. Zeuxes mahlet ??? Ewigkeit.
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ZEuxes / so vor alten Zeiten unter den Mahlern der berühmteste gewesen / ist über die massen lang ob seiner Arbeit gesessen / also daß man sagte / es stünde einem so trefflichen Künstler nicht wol an / sich so lang in seinen Stücken auffzuhalten. Vnd da er deßhalben befragt worden / warumb er alles auff allen Seiten / so genau / mit so viel Schattierungen gar zu fleissig außgemahlet; und woher doch seine Hand und Pensel / so verdrüssig und langsam weren? Hat er darauff geantwortet: Ich mahle wol langsamb / aber ich mahle daß es auch lang soll wehren: Ich mahle der Ewigkeit. 1. Also auch wir alle mahlen der Ewigkeit / darumb last uns langsam mahlen / das ist / unser Leben klüglich / bedachtsam und wol führen. 2. Das ist aber nicht also zu verstehen / als ob wir langsam solten Busse thun / langsam anfahen zu glauben / das Gebet weit hinaus und auff die lange Banck schieben. Nein. Langsam zum Zorn / langsam zur Rache / langsam zu allen Sünden sollen wir seyn / und dieselben vermeiden / wo wir nur können und wissen.
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389. Eine Mutter vermahnet ihren Sohn / der sterben soll / zur Beständigkeit. SImphorianus ein Christlicher Jüngling / der nicht geringe Marter und Metzgerey außgestanden / als er jetzo den letzten Strauß solte außstehen / zu Augustodun, ist ihme die Mutter auff dem Weg begegnet / mit eingerichten Haupt und Haar / mit bedeckter Brust ohn alles Weinen / und Weibisch Heulen / wie einer rechten Christlichen Matron / und dapffren Helden wol angestanden: Sohn / sprach sie mit lauter Stimm / mein Sohn / gedencke an das ewige Leben / schaue den Himmel an / und den / der da selbst regiert: Das Leben wird dir nicht genommen / sondern umb ein bessers vertauschet. Durch diese Mütterliche / Stimm ist der Jüngling also hertzhafft worden / daß er den Halß zum Schwerdt mit frölicher Beständigkeit dargereicht. 1. Diese Mutter hat nicht allein Mutter Stell / sondern auch Priesters Stell bey ihrem Sterbenden Sohn verereten / und ist weit besser gethan gewesen / als wenn sie ihn mit Weinen und Haarrauffen weich und zum Tode feige gemacht.
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2. Müttern und auch Vätern sieht besser an / daß sie ihre Kinder / wenn sie sterben sollen / es mag nun sein eines natürlichen oder gewaltsamen Todes / trösten / und GOTT willi folgen lassen / als daß sie den Willen GOttes wiederstreben / und wie die Heyden / die keine Hoffnung der Aufferstehung haben / sich traurig erzeigen. 390. Ein Comädiant stirbt / ehe er seine Comädiam ausspielet. EIn alter Comädiant Philemon zur Zeit deß Menandri / dem er es auch mit Gedicht nach thun wollen / hielt auff eine Zeit eine Comedi / und da er den dritten Actum anfieng / der dem Comedibrauch nach der lustigste soll seyn / kam jähling ein Platzregen / der alles einstellete. Vnd weil ein solches Verlangen darnach war / verhieß er den Zuschauern die Comedi den nechst folgenden Tag zu continuiren. Derwegen dann nechsten Tags hernach ein grosser Zulauff worden / ein jeder wolte das beste Ort haben / wer spat kam / dem ließ etwan ein guter Freund ein Oertlein / keiner wolt gern zu weit darvon stehen: Allenthalben war ein groß Geträng / und murret einer wieder den andern. [744] Wer von Anfang nicht darbey gewesen / der fragte was vorgangen / wer darbey gewesen / der erinnert sich / was voran gehalten worden / und wenn einem schon bewust / was vorgangen / wartet er mit Verlangen / was folgen würde. Vnter diesen gieng der Tag dahin / jederman war da / nur Philemon wolt nicht kommen. Daß dann etliche verdrosse / der mehrertheil wolte ihn defendi???n und entschuldigen. Als man aber nun gar zu lang gesessen / und noch kein Philemon kommen wolte / schickte man nach ihm: Siehe / da fand man ihn todt in seinem Bettlein / da war er eben erstarret / und lainet alda / als dichtete er noch: Die Finger lagen noch auff dem Buch / als wolte er das Blat herumb wenden / und schauet mit starcken Augen auffs Buch hinan. Aber die Seele war hin / deß Buchs hett er schon vergessen / die Comedi war aus. Die zu ihm hinein gangen waren / stunden ein kleines / und erschracken ob einem so unfürsehnen Zustand / und ob so schönen Todt. Kehren nachmals wiederumb zum Volck / und zeigen demselben an / der Poet Philemon / auff den man mit solchem Verlangen wartet / daß er sein angefangene Comedizum End führet / der hab allbereit daheim zu Hauß die wahre Commedi deß zeitlichen Lebens vollendet. Er hab nunmehr von allem menschlichen Wesen Vrlaub genommen / und sich den Leuten befohlen / den guten Freunden aber [745] Trauren und Klagen hinterlassen. Der gestrige nasse Tag sey deß künfftigen Weinens ihm wol Anzeig gewesen / aus seiner Comedi sey an statt der Hochzeitlichen Freud ein Toden Klang worden. Weil dann der gute Poet seine Person dieses Lebens auffgeben / sol man billich den geraden Weg vom Schau-Platz aus mit der Leiche gehen / und zum ersten seine Gebeine / als dann hernach auch seine Gedichte zusammen lesen. 1. Vnser Leben ist hierdurch wol vorgebildet / das ist eine Comädia in der Welt / die Comädianten in derselben sind wir Menschen / wenn wir nun meynen Comediam am besten zu spielen / und daß es am lustigsten soll hergehen / so kömpt der Tod und legt uns nieder / daß wir sterben müssen. 2. Wol nun dem / welcher zu der Zeit sein auff das ewige richtet / und / wie dieser Comödiant gethan / das Buch deß Heiligen Geistes mit starcken un verwanten Glaubens Augen anschauet / oder aus demselben seinen HERRN IEsum fest ins Hertz schliesset. 391. Von Juda Ischarioth. AUgustinus ser. 139. de temp. schreibt: Si non times peccatum, saltem time id, quod perducit ad peccatum, Wenn [746] du dich vor der Sünde nicht fürchtest / so fürchte dich doch nur vor dem / das zur Sünde führet. Diß alles findet sich an Juda dem Verräther. von Natur ist er ein böser Mensch gewesen / denn wie Jacobus de Veragine in Lombardica Historia schreckliche Ding von ihme schreibet / hat er seinen Vater erstochen / seine Mutter beschlaffen / und anderer grossen Sünden mehr sich schuldig gemacht. Weil er aber sonderlichen zum Geitz geneiget / erfüllet der Teuffel sein Hertz mit eitel Diebsstücken / und da ihm Christus den Beutel vertrauet / zwacket und stielet er ab. Johann. 12. Darnach weiset ihm der Sathan Mittel / wie er zu mehrem Gelde kommen könne. Er solle zu den Feinden Christi / als zu den Hohenpriestern und Schrifftgelehrten sich schlagen / und weil er alle Heimligkeiten deß HErrn Christi außgeforschet hatte / sol er zum Verräther deß Herrn sich gebrauchen lassen / damit würde er groß Geld erlangen. Vnd ob er wol vom HErrn Christo achtmal gewarnet wird / (wie klar in der Historien deß Evangelii zu befinden ist) so ist er doch wie ein Stock und Block / sein Hertz ist vom Teuffel gefangen / hat kein nachdencken / was für einen Außgang seine Verrätherey nehmen werdr. Er dencket / Christus ist ein guter / freundlicher / leutseliger Mann / er wird es wol mit sich machen lassen / ob ich ihn schon beleidige. Wagets derowegen thurstiglich hinein / [747] cylet mit den Henckers-Knechten zum Oelberge zu / verräth mit Gruß und Kuß seinen lieben unschuldigen Meister und Praeceptorem / der ihn vierdthalb Jahr in seiner Schule gehabt / und treulichen gelehret und unterrichtet. Endlichen da er mercket / daß die Jüden es im ernste meynen Christum zu tödten / darzu er mit seiner Verrätherey gedienet / da fallen seine güldene Gedancken / da wachet das schlaffende Gewissen auff / da kömpt der Teuffel hält ihm das Register seiner Sünden für: Du bist ein junger Christ gewesen / hast sein Wort gehöret / seine Wunder gesehen / noch bistu zugefahren / hast deinen Herrn und Meister / Gottes eingebornen Sohn / und der gantzen Welt Heyland / umb schnöder dreissig Silberling willen verrathen. Siehe wie hat man diese Nacht ihn tractiret? Wie hat man ihn gehöhnet / geschlagen / angespeyet? Thue doch die Augen auff. Sihe / jetzt führet man ihn hin gefangen für den Blutrichter Pilatum / nun werden ihm die Juden das Leben absprechen / daß er gecreutziget werde. Gebühret das einem trenen Discipulo? Hat Christus das an dir erzogen? Sollen dir die dreyssig Silberling lieber / als dein HErr und Meister gewesen seyn? Ist doch nicht eine schändlichere That begangen worden / weil die Welt gestanden. Wo wiltu hin für Gottes Zorn? Du bist verlohren / da ist nun kein Rath. Als nun der elende Mensch keinen Trost [748] hat / erhencket er sich selbst. Vnd wie jhn der Teuffel zur Sünde getrieben / so treibet er ihn auch zur Verzweiffelung. Theophylactus saget: Der Teuffel gehe mit Juda umb wie ein Fischer / wenn er sein Netze außwirfft und fische fängt: Der Teuffel ist der Fischer / das verräther Gold ist der Hamen / oder das Netze / damit Judas gefangen wird: Oder wie ein Spinne / welche die fliege in ihre Webe bestrickt. 1. Aus dieser schrecklichen Geschicht erkennen wir / was die Sünde für ein grausam Ding sey / wenn sie bey den Menschen auffwacht. 2. Hüte sich demnach ein jedweder dafür / daß sie ihm nicht zu nahe komme / denn sie sticht / wie eine Schlange / und wenn sie gleich eine zeitlang vor der Thür ruhet / so stehet sie doch endlich auff / macht dem Sünder angst und bange / und treibt derer viel / wie den Judas endlich zur Verzweiffelung.

392.
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Marter / welche die Perser den Christen haben angethan. DIe Heydnische Perser thäten vor Zeiten den Christen diese erschröckliche Marter [749] an / die sie scaphismum nennten / als wolt man sagen / die Stockmarter: Dann den Märtyrer schlossen sie zwischen zwey dicke Bretter ein / als wie eine lange und enge Truhen / da müst er auff dem Rucken liegen / und reichet allein das Haupt sampt Händ und füssen heraus. Honig und Milch goß man ihm Speiße ein / wider seinem willen / damit er desto länger leben und desto grössere Marter leiden muste. Dann unter Tags setzet man ihn an die brennheisse Sonnen / da ihme die Hitz die Augen für den Kopff heraus zoge / das Haupt / die Händ und Füß übersalber man auch mit Honig und Milch / darumb dann gantze Schwarm von Mücken und Schnacken diese heraus ragende Glieder dermassen überzogen / als wann mans mit schwartzem Tuch überdeckt hette. Was man ihm aber in Mund hinein geschütt / das erhielt ihm zwar beym Leben / weil aber solche Matery als Milch und Honig leichtlich durch flosse / ward dardurch ein sehr häßliches Gestänek und Fäule verursachet / darauß dann die Würm erwuchsen. Also ward der elende Märtyrer in diesem harten Bett haussen her von Schnacken und Weßpen / innwendig aber von Würmen und Vngeziefer jämmerlich zerbissen und durchfressen. Dahero dann wann mann den Todten-Cörper aus der Truhen heraus gezogen / er aller schon ausgefressen / und von Würmen zernagt war. Vnd solche unerhörte Marter we [750] ret offtermahl wol 15 / oder 17. oder mehr Tag 1. Solche Martern können die Menschen ersinnen und einander anthun / und sind freylich fast nicht außzusprechë. 2. Aber gegen der Höllischen Marter und Pein ist dieses alles nicht zu achten. Da / da wird erst die allerersch recklichste Marter angehen / und in ewigkeit wehren / dafür mag sich ein jedweder mit allem Fleiß hüten. 393. Einer nimbt ???. Weiber und wird jhm der Kopff abgeschlagen. IN Sicilien war einer / umb / daß er 5. Weiber genommen / ins Gefängnüß geworffen: Als er aber sich entschuldigte / daß es keiner bösen Meynung halber geschehen sey / sondern nur darumb / daß er einmahl eine gute und fromme finden und antreffen möchte / bey der er sein Leben in Frieden zubringen könte / zu erfahren; Antwortet ihm der Richter: In dieser Welt wirstu schwerlich eine finden musts derohalben in einer andern Welt versuchen / und ließ ihm das Haupt abschlagen. 1. Wie die Entschuldigung deß Beklagten [751] gewesen / so ist auch die Antwort des Richters gewesen / weil aber die That den Tod verdienet / ist dem Verbrecher nicht unrecht geschehen / daß ihm der Kopff abgerissen worden. 2. Ob gantz keine fromme Frau in der Welt zu finden sey / wehr noch eine frage zu moviren, und dürffte dieser Richter / wenn er noch am Leben und bey seiner Meynung beharrete / mit dem Weiblichen Geschlecht zu thun bekommen. 394. Von Licentiat Johann Kesen. ZU Leipzig ist gewesen ein Licentiat Johann Keß / derselbe unterstunde sich auch die Evangelische Warheit unterzudrücken / und seine falsche Lehr fort zu pflantzen. Wieder denselben schrieb Urbanus Regius und bat ihn mit den aller freunlichsten Worten / davon abzulassen: Stehe ab / Schreib er / mein Licentiat, und weiche von deiner Gleißnerey / zum rechten Christlichen Leben. Wo du aber in deinem Irrthumb wilt fortfahren / so wollen wir dich dem Gericht GOttes befehlen. Aber das halff alles nicht / auff der Cantzel hieß er Lutherum den schwartzen Teuffel / seine Zuhörer die schwartze Rotte / sein Evangeltum / das schwartze Evangelium. Da er nun einmal auffs hefftigste tobete / fält er auff der Can [752] tzel nieder / und kont nicht mehr reden / wird heimgetragen / und brüllet wie ein Ochß / und stirbe??? also. 1. Ach fürchtet euch doch / die ihr nicht allein unrecht glaubet / sondern auchbey eurem unrechten Glauben beharret / und noch darzu den rechten Glauben lästert / vor dem zornigen GOTT. Vorwar die Straffe bleibet nicht aussen. 2. Hette dieser Licentiat Johann Keß nicht besser gethan / er hette des Urbani Regii freundliche Stimm gehöret und demselben gefolget / als daß er hernachmals wie ein Ochß brüllen und ewig verdampt seyn müssen. 395. Eine Käyserin bittet bey ihrem Käyser umb eines Fürsten Leben. ALs König Carl zu Neapolis den unschuldigen Herrn Ladißlaum zu richten befohlen / auch derselbe schon auff einem schwartzen Sammeten Tuche gekniet / fället jhm sein Gemahl mit nassen Augen umb den Halß / bittet / er solte sich im Zorn nicht vergreiffen / sondern nur 24. [753] Stunden auffziehen / biß der erste Zorn für-über / dieser folget seinem lieben Ehegemahl. unter dieser Zeit kam des frommen Fürsten Unschuld am Tage / und behielt dardurch sein Leben. 1. Vbereilen thut freylich nicht gut / sonderlich wenn es Leib und Leben antrifft / da haben sich Obrigkeiten wol in acht zu nehmen / daß nicht unschuldig Blut möge vergossen werden / dann dergleichen wil GOtt von ihnen fordern. 2. Hette nicht dieser Käyser / ich frage euch / einen stets nagenden Wurm im gewissen gahabt / wenn Er den fürsten unschuldiger weise richten lassen? 396. Guerricus wird zur Erkäntnuß der Sterbligkeit und Vergängligkeit dieses Lebens bracht / als Er aus dem ersten Buch Mosis verlesen höret / daß die Alt-Väter gestorben. ALs Guerricus einest in der Kirchen aus dem Buch Genesis lesen hören: Die gantze Zeit / die Adam erlebt / ward neunhundert und dreyßig Jahr / und er ist gestorben: Alle Tag die Seth gelebet / waren neunhundert und zwölff Jahr / und er ist [754] gestorben: Alle Täg die Enos erlebt / waren neunhundert und fünff Jahr / und er ist gestorben: Alle Tag die Mathusalem erlebt / waren neunhundert / neun und sechtzig Jahr / und er ist gestorben / etc. Darauff hat er den Todt ihme so starck in sein Gemüth eingebildet / und daß er auch sterben müsse / dermassen zu Hertzen gefasset / daß er sich endlich in Sanet Dominici Orden verlobt / damit er desto seeliger sterben / und die selige Ewigkeit desto sicherer antreten möchte / sintemal auff Erden kein Ewigkeit zufinden. 1. Jenes ist wolgethan gewesen / daß Guerricus sich seiner Sterbligkeit erinnert / und offt an den Todt gedacht. 2. Daß Er aber in dem Dominicaner-Orden seeliger zu sterben vermeinet / als in einem andern Stande / darinnen hat Er gefehlet. 397. Von Johanne Stössilio / welcher von der Lutherischen zur Calvinischen Lehre Gefallen. ES ist ein Doctor der Heiligen Schrifft gewesen / mit Nahmen Johannes Stösselius / der eine / zeitlang mit grossem Ernst [755] und Eyfer der Christlichen / Evangelischen Lutherischen Warheit / wieder die schwebende Corruptelen, und Irrthumben gute Zeugnüß gab / und den Calvinischen redlich wiederstund / ließ sich aber mit Hönigsüssen Worten von den Rottengeistern bereden und einnehmen / daß er von der erkandten und bekandten Warheit abfiel / und schlug sich zu den Calvinisten. Gerieth aber darüber in solche schwere Anfechtung und Zweiffelmuth / daß er zu letzt an aller Gnade Gottes verzagete / und in seinem Todes Kampf und ängstigen Höllen-Schweiß / jämmerlich winselte / wehklagte / schrey und rieff. Ach ich bin der an der Judas und der dritte Arrius! Ach ich bin deß Sathans leibeigner / ein Gefeß deß Zorns / ein Kind deß Höllischen Feuers und Verdampt. Denn ich habe wissentlich Gottes Wort verfälschet / GOtt gelästert / wiede mein Gewissen die heiligen Geheimnüß Christi geschändet. Ich habe mich durch böse Gesellschafft lassen verführen / es ist mir unmöglich zu glauben / daß mir Gott in Ewigkeit solte oder wolte gnädig seyn. Da ihm viel Trost aus Gottes Wort für gehalten ward / hat er geantwortet / ich weiß daß dieses alles / was je mir fürhaltet / war sey / lieber gebet mir auch die Krafft daß ich glauben möge / solches gehe mich auch an. Da man ihn hieß beten / sagte er: Der Engel deß Sathans / deß ich Leibeigen bin / läst mich nicht beten. Vnd ist also in Zweiffelmuth dahin gefahren.
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1. Ist abermals ein Exempel eines / welcher von der reinen Lutherisch-Evangelischen Lehre / zur Calvinischen mehr die auff Vernunfft / als Heil. Schrifft sich gründende Lehre gefallen und verzweiffelt. 2. Ach! die ihr in Calvinischen Irthumb stecket / bekehret Euch doch / auff daß nicht auch dergleichen über euch komme / und euch der Tod / ehe ihr es vermeinet / übereile. 398. Woher kommen / daß die Herren Reussen alle Heinrich genennet werden? ???Rau Bertha / so eines Hertzogen in Kärnden Tochter un̅ Käyser Heinrichs deß sechsten Gefreunde war / hatte ihren Herrn un̅ Gemahl Heinrichen Herren von Plauen / Herren zu Weyda / Gera und Gräitz (weiln sie vier Söhne von ihm erzeuget) so hertzlich lieb / daß sie von ihrem Herren Reusen begehrte / er wolte doch zur Ehrerbietung ihres Hrren Vetters des Käysers / seiner selbsten / auch ihrer lieben vier Herrn Söhne zum ewigen Gedächtnüß bestettigen / daß biß zum Ende der Welt alle Herren Reusen keinen andern Nahmen führen [757] möchten / als Heinrich / so ihr auch zugesaget und verwilliget worden. Anno Christi 1194. und weiln einer dieser Herren vor Jahren die Stadthalterey in Groß-Fürstenthumb Reusen verwaltet / ist dieser Nahm also biß auff den heutigen Tag verblieben / daß sie Herrn Reusen genennet werden / da sie zuvor her von denen alten Käysern / zu des Heiligen Römischen Reichs Advocaten in Teutschland / als Praetores und Verwaltere derselben sind gebrauchet worden; Zur zeit als die Käyser noch in Welschland geregieret haben. 1. So kan offtmals eine Frau bey ihrem Mann und Herren etwas erbitten. 2. Ist auch nicht unrecht gethan / wenn ein Mann seiner Frauen eine ehrliche Bitte gewehret. 399. Peter von Hamburg bezahlet übel / wehr aber bald wieder recht bezahlet worden. EIner mit Nahmen Peter von Hamburg / als er einen ehrlichen Bürger von Riga etlich Geld schuldig gewesen / un̅ nicht zu bezahlen hatte / schickt sein Weib zu seinem Glaubiger in die Stadt / läst ihm sagen / er sey jetzt etwas schwach / wolt ihm sonst sein Geld selbst bringen. Aber er bäth ihn / weil er doch sonst [758] offt vor sein Hauß in der Vorstatt überspatzi???te / er wolt unbeschwert einfragen / die Handschrifft mit bringen / so wolte er schen / daß er ihm sein Gelt, wo nicht alles / doch das meiste erlegete. Dieser gute Mann feyrte nicht lang Geld zu nehmen: Wie er aber zu ihm kompt / findet er eine glatte Dirne in der Stuben / dieselbe / als die schon abgerichtet ware / hieß ihn in das ander Kamin (welches derer Oerter pfleget an der Stube zu seyn) gehen. Der gute Mann gehet hinein / meinete sein Schuldmann liege darinnen etwas schwach zu Bette. Aber die Dirne folgete ihm bald nach / und hielt ihn auff mit gelehrten Worten / bath ihn / er solte doch sitzen / Peter würde bald kommen / setzte sich selber auch zu ihm / und machte sich gar frenndlich. Vnter deß hat deß Peters Weib alles bestellt / und fället der Peter von Hamburg mit einem langen Feder-Spieß in das Gemach / und mit ihme??? ein ander loser Bube / greiffen den guten Mann an / stellen sich / als wollen sie ihn ermorden / darumb daß er seiner Freundin (die solchs auff ihn klagte) Unzucht angemuthet. Vnter deß kompt noch ein bestälter Nachbar hinein / der spricht zum Friede / und behandelt es dahin / daß Peter seinen Zorn solte fallen lassen / und seinen Gläubiger das Leben schencken / dessen solte der Glaubiger den Peter seine Handschifft wiedergeben / und beyderseits an Eydsstatt zugesagt werden / solches [75] nit ruchtbahr zu machë. Die Dieng kamen letzlich wunderlich am Tag / mein lieber Peter / und die Dirne / kamen in Hafftung / die Frau / und die andern waren entlauffen / die Dirne wurd öffentlich gestäupt / Petern aber / als einem alten Practicanten / solte es am Halse hergehen. Aber weil er sich zur Catholischen Kirchen gewendet / hat ein Jesniter so viel zu wegen gebracht / daß er loß kommen ist. 1. Dieser Peter von Hamburg ist ein rechter gottloser Mensch gewesen / von dem die Schrifft saget / daß sie borgen und nicht wieder bezahlen. Ja er ist noch ärger gewesen / denn er nicht allein kein Geld / sondern dafür noch böses vor die Gutthaten dezahlen wollen. 2. Der Jesuit / welcher den gottlosen Buben beym Leben erhalten / hat eine Prob gethan seines Jesuitischen Standes, Denn alle derer vornehmen ist nur auff böse Stück gerichtet / wie dieses auch eines war / daß er dem das Leben erhielt / welcher das Leben verbühret hatte.

400.
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Wie Käyser Honorio seine Vnachtsamkeit von seiner Schwester verwiesen worden. DEr Käyser Honorius wolte ihm nicht so viel Zeit abbrechen / daß er die Befehle / so in seinë Namen außgiengen / ehe er sie unterschrieben ge [760] lesen hätte. Von solcher Nachlässigkeit hat Ihn seine Schwester durch einen höfflichen Possen abgezogen Sie ließ einen Brieff schreiben / und darein setzen / daß der Käyser sie einem geringen verachteten Diener zur Ehe verspreche. Da nun der Käyser solchen Brieff / seiner Gewohnheit nach / unüberlesen / mit seiner eigenen Hand und Petschafft bekräfftiget / kam sie mit solcher verschreibung für ihn / that ihm einen Fußfall / und bat / er wolle sie doch / als sein Fleisch und Blut / nicht also verunehren / und übel versorgen. Der Käyser sprach / Sie klag??? zur Ungebühr / das sey ihm niemals in Sinn kommen / were es auch zu thun noch nicht gemeinet. Da legte sie Ihm seine eigene Handschrifft / und Käyserliches Secret für / und überwieß ihn höfflich seiner Vnvorsichtigkeit / bat ihn freundlich / sich hinfüro dafür zu hüten / es möchte ihm sonsten grosser Spott und Schaden daraus erfolgen. 1. Das ist eine kluge Abigail gewesen / welche das tempo wol in acht nehmen / und zu rechter Zeit kommen können. 2. Grosse Herren thun gar nicht übel / wenn sie vernünfftigen Rath folgen / und von demjenigen / was Schaden bringt / und Ihnen übel anstehet / ablassen.
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401. Josephs Art / so nicht in Unzucht willigen wollen. VOm Pindaro wird höchlich gerühmet der junge König Peleus, in dem / daß er abgeschlagen habe die angebotene unehrliche Liebe / der Gedates, des Königes Admeti geilen Ehe-Gemahls / dann / hat der junge Held gesaget / mir zweiffelt gar nicht / daß sie ihrem Herrn wegen ihrer Schöne auch hertzlich lieb sey / darumb will ich solch Band der Liebe nicht zureissen / sondern lieber sterben / als inunehrliche Liebe willigen. 1. Dieses ist ein züchtiges ehrliebendes Gemüth gewesen / und wird solchem GOTT i??? Himmel wiederumb gehuldet haben. 2. Viel geile Böcke gibt es / welche dieses vor eine gewünschte Gelegenheit würden geachtet und alsobalden ja gesaget haben. Aber wo bleibet daß Gewissen? und wie werden solche bestehen / wenn GOtt wird Rechenschafft fordern 402. Von Veronica. IN Historien lieset man / daß aus denen Weibern / die zur Zeit des Leydens Chri [762] sti / dem HERRN das Geleite gegeben haben / eine gewesen mit Namen / Veronica, von Jerusalem bürtig / da sie gesehen haben / daß der liebe HErr so matt und schwach / im Angesichte wegen der Dörnen Crone voller Bluts-Tropffen / so sey sie aus Mitleiden hinzu gegangen / und habe mit dem Tuche / daß sie bey sich gehabt / das Blutrüstige Angesichte abgewischet / da ist ihr am Tuche ein Abdruck des Angesichtes Christi verblieben / daß man die Gestalt des Angesichtes Christi eigendlich habe sehen können. Dannher man Veronicam mit einem solchen Tuche noch pfleget abzumahlen. Als Tyberius der Käyser / unter welchen der HErr Christus gelitten hat / zur Zeit in eine grosse und gefährliche Kranckheit gefallen / ist er durch anschauung des Tuchs Veronicae darauff Christi Bildnüß gewesen / wieder gesund worden. 1. Dieses ist bey des ein Päbstisches Gedicht / so wol / daß Christi Gestalt in der Veronicen Tüchlein gedrucket / als daß der Käyser Tyberius durch Anschauung dieses Tüchlein wieder gesund worden. Wer weiß / ob Veronica den HERRN JESUM einmal abgedrucknet / oder nur gesehen? In der Evangelischen Historien / wie auch andern glaub würdigen Büchern [763] wird davon nichts gemeldet. 2. Es giebet aber Veronica eine schöne Deutung / daß ein jeder glaubiger Mensch ein rechte Veronica seyn solle / und Christum nicht bloß auff Tücher / sonderm im Hertzen / als den einigen Erlöser und Heyland der Welt tragen und erhalten. 403. Ein Grosser verachtet einen Kleinen / wird aber von Ihm wieder bezahlt. EIn grosser / aber ungeschickter Dölpel / verachtete einen Kleinen / daß er kein Praesentz, oder Ansehen hätte / welchem er antwortete: Mein lieber Herr Schreckenberger / der Herr seye nicht zu gar stoltz wegen der grossen Latern / sie giebt darumb nichts des???omehr Liecht von sich / dann wann war ist / was man sagt; Si videris longum sapientem, lauda Deum omnipotentem, so müsten sie meisten theils geschossen seyn; Kleine Leut aber seynd behertzter / und haben mehr Courage als die grossen Riesen. David war ein kleines Männel / und überwand doch den grossen Goliath; Christus unser Erlöser hat die [764] kleinen Leute viel lieber / als die großen Riesen; Dann Er sagt selbsten; Sinite parvulos ad me venire. Ein klein und dürres Pferd ist besser / als ein feister Esel / etc. Auff welches der grosse Lümmel antwortete: Ach! were ich auch ein Zwergel. 1. Keiner soll den andern verachten / sondern ein jedweder bleiben / wie jhn GOtt geschaffen hat / und jhm danck sagen. 2. Man sagt zwar in Sprüchwort: Klein und unnütz / aber man sagt auch groß und faul. Hat derowegen keiner dem andern etwas vorzuwerffen. 404. Eines Burgermeisters zu Rostock Bekehrung aus den Pfalm Worten: Da Ichs wolte verschweigen / etc. EIn Burgermeister zu Rostock hat eyverig treue Lehrer verfolgen helffen / der wolte es noch bemänteln (als vor Jahren von D. Crelln auch geschah) als er nun auff dem Todt-Bett lag / und der Prediger ihn zu Erkäntnüß seiner Sünden anmanete / bat er vor und nach GOTT / man wolte ihn doch zu einem öffentlichen Bekäntnüß seiner Sünden nicht dringen / begehrte von dem Predige??? / er wolte ihm aus dem Psalm-Buch was vorlesen / und wiese selbst mit [765] dem Finger gleich auff diese Wort des 32. Psal. Da Ichs wolte verschweigen / verschmachten mir meine Gebeine; Da applicirete der Prediger solches auff ihn / und erklärete es / da er ihm nun nach der Länge also fürsagete / fieng der Krancke an bitterlich zu Weinen / daß die Thränen häuffig die Backen herunter liefen / bekante seine Sünd / und begehrete / daß man eine öffentliche Abbittung seinetwegen in der Kirchen thun solte. Conscia mens recti famae mendacia ridet. Strig. 1. Darumb ist es viel besser gethan / fein frey heraus bekennet / so folget die Vergebung desto eher. 2. Hette dieser Burgermeister nicht bekennet / so wer er in seinen Sünden dahin gestorben. 405. Von Carlstads Tode. WIe sich Carlstadt Luthero wiedersetzig gemacht habe / ist bekand / von desselben Untergange aber schreiben die Prediger zu Vasel also: Carlstad ist ein Verderber unser Kirchen gewesen / und vom Teuffel erwürget worden. Denn als Er das letzte mal geprediget / hat er einen grosen [766] langen Mann in der Kirchen gesehen / gegen ihm über / neben dem Burgemeister stehend / der ist unter der Predigt wider heraus gangen aus der Kirchen / und heim in Carlstads Hauß kommen / da hat er niemand / denn ein Kind alleine gefunden / und dasselbe angegriffen / und in die Höhe auff gehoben / als wolte ers wieder den Boden werffen / aber doch unverletzt wider gehen lassen / und ihm befohlen / dem Vater an zuzeigen / daß er über drey Tage wolle wieder kommen / und ihn holen / welches also geschehen. Denn nach drey Tagen ist er gestorben / Er hat auch den Burgermeister gefraget / wer der große Mann gewesen / der neben Ihm gestanden? Aber er hat geantwortet / erhabe nichts gesehen. 1. Ist ein Exempel / welches alle jrrige Lehrer ihnen sollen lassen zur Warnung dienen / daß sie die Majestät Gottes nicht lästern / wie Carlstadt gethan. 2. Kein Zweiffel ist / der Engel deß HErrn hat das Kind behütet / daß der Teuffel / welcher der schwartze Mann gewesen / ihm keinen Schaden zufügen können. Darumb lasset uns Morgens und Abends auch alle beten: HERR / gib uns deine [767] Engel / die lieben Wächter zu / daß wir vorn Satan mögen haben Ruh. 406 Kein Mensch hat nach Gottes Calender einen gantzen Tag gelebet. IUstinus und Ircnaeus, alte hoch berümbte Scribenten / mercken mit sonderm Sinnreichen Fleiß / daß / nach dem Urtheil über den ersten Menschen / kein Mensch dem Calender GOttes nach eine̅ gantzen Tag gelebt hab / dann wie die Propheten und Apostel bezeugen / so ist ein Tag vor dem HErrn wie tausend Jahr / und tausend Jahr wie ein Tag. Es hat aber kein Mensch tausend Jahr gelebt / so hat derhalben auch keiner einen gvntzen Tag gelebt / es muß nur gestorben seyn. Wann du schon neunhundert und noch mehr Jahr alt würdest; Es muß gestorben seyn. Diß ist so wol aus H. Schrifft / als Menschlicher Vernunfft und Erfahrenheit gewiß. Die Heil. Schrifft schreyt viel hundertmal / es muß gestorben seyn. Die Vernunfft über disputirt sich selbst mit den allerkräfftigsten Argumenten / daß ein Ding aus wiederwertigen Elementen zusam̅en gefügt / der Zergänglichkeit unterworffen sey / und darumb muß es gestorben seyn. Die Erfahrenheit eine Meisterin aller Närrischen und Gescheiden / zeigt uns unzahlbare viel Todten-Gräber / und be [768] weist Augenscheinlich / daß bißhero aus allen diesen Hauffen keiner den Todt entgehen können / es muß gestorben seyn. Sonnenklar ist es da / es müsse gestorben seyn. Kein Donner vom Himmel fält so starck zu aller Menschen Ohren / als diß einige moriendum est, es muß gestorben seyn. Da kan niemand Gehör loß seyn. Du wöllest oder wollest nicht / so wirstu doch diesen Donner-Klaff anhören müssen / es gestorben seyn / in Zorn GOttes / in Güte GOttes. 1. Ist nun dem also? Was arbeiten wir denn? was krantzen und scharren wir denn das zeitliche also zusammen / als würden wir ewig leben? Es muß gestorben seyn / habt ihr gehöret. 2. Vnd zwar / so wehret unser Leben gar eine kurtze Zeit / und ist kaum wie der Tag / der gestern vergangen ist. Kein Mensch / heist es / hat nach Gottes Calender noch einen Tag gelebet. 407. Ein Mau??? vertreibet seinem Ehebrecherischen Weibe den Kützel. EIn Student zog auff die Hohe Schul in Franckreich / blieb bey einem ehrlichen Bürger zur Herberge / der hatte ein Weib / das sich fort mit ihrem Mann zan???kete; Aber so bald der Student ins Hauß [769] kam / wird sie linder / sie versorgte den Studenten in allen besser / als den Mann selbst / entgegen begegnete ihr der Student mit aller Bescheidenheit und Höffligkeit: Letzlich kunt sie nicht mehr zurück halten / begehrete an ihn deß Beyschlaffs / er schlug es ab / betrohete sie mit jhrem Mann; da ward sie grimmig / sagt zu ihrem Mann / er solte ihn aus dem Hause schaffen / denn sie wol vermercken könt / daß er grosse Liebe zu ihr truge: Der Mann kennete sein Weib ohne das wol / sahe auch täglich an ihr die funcklenden Augen und konte nichts ungebührlichs am Studenten sehen: Einsten erzehlt es der Mann dem Studenten / daß sein Weib in diesem über ihn geklagt hätte / der Student aber sagte / daß sie ihn täglich anreitzte / und er bald nicht mehr vor ihr bleiben könte. Da gibt ihm der Haußwirth den Rath / er soll sehr freundlich gegen ihr seyn / in seine Kammer sie auff diese Stund bescheiden / da wolle er hernach an seiner Stell sich finden / und sie gebührend straffen: Das geschicht. Als sie nun denck??? sie hab gewonnen / kömpt und wil sich zum vermeinten Studenten ins Bett legen / da gab ihr der Mann eine Peitzschen mit Sterlein nach Art der Barfüsser Münch / und bezahlete fie redlich / daß ihr der Kützel vergehen must. 1. Ist ein gutes Mittel gewesen dem geilen Weibe den Kützel zu vertreiben.
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2. Wenn heut zu Tage dergleichen gebrauchet würde / dürffte es ehrlicher in der Welt hergehen. Aber / wer wolte Peitschen gnug machen und zutragen?

408.
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Dominicus wil grössere Schmertzen haben. DOminicus, als er grosse Schmertzen litte / wurde von seinem Auffwarter vermahnet / er wolte doch GOTT bitten / daß er gütiger mit Ihm handlete. Deme gab der heilige Mann eine zornige Antwort und sprach: Wann ich deine Einfalt nicht so wol kennete / so müssestu mir dieser deiner frevendlicher Red halber alsbald aus dem Gesicht gehen. Und gleich darauff wirfft er sich auff den blosen Erdboden nieder / und spricht: Ich sag dir Lob und Danck / mein allerliebster GOTT und HERR / für diß was du mir zu leiden geschickt hast. Mehre meine Schmertze̅ / schick eine Kranckheit über die ander / ich weiß wol daß du mir auch Gedult darzu geben wirst. 1. Dieser hat vermeinet / er wolte mit Leiden den Himmel von GOTT verdienen.
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2. Aber / schreibt Paulus / Ich halte es dafür / daß dieser Zeit Leiden der Herrligkeit nicht werth sey / die an uns soll offenbahr werden / Rom. IIX. vers. 18. 409. Einem Bauren kömbt sein Weib in erstern Monat in die Wochen. EInem Bauren kam sein Weib gleich in ersten Monot in die sechs Wochen / der fuhr mit einem Wagen in dte nechste Stadt kauffte 12. Wiegen / und fuhr damit wieder nacher Hause. Im Heimfahren aber begegnet Ihme sein Juncket / und fragte Ihn / was er ge / laden habe? Vnd bekombt zur Antwort: Zwölff Wiegen; Warumb so viel? damit / wann meine Frau alle Monat ein Kind kriegt / ich des Jahrs nicht so offt in die Stadt fahren dörffe; so hole ich die Wiegen auff einmal. Der Edelmann fähret fort / und spricht: Du Narr ists erst 4. Wochen / daß du hast Hochzeit gehalten / so ist das Kind nicht dein; aber der Bauer erzürnete sich und saget: Juncker / wann ihr heut eine Kuhe kauffet / welche über 4. Wochen ein Kalb hette / und ein ander spräche / daß Kalb were nicht euer / wie würd euch diß gefallen? wolte also der Edelmann Friede vor dem Bauren haben / muste Er bekennen / daß das Kind sein were.
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1. Heute zu Tage gibt es so ein einfältige Bauren nicht mehr / sie sind mehrentheils mit einer doppelten Schalcks-Haut überzogen. 2. Mancher Mann dürffte bey solcher Bewantnüß nicht zwölff Wiegen / sondern zwölff Brügel schaffen / und die Frau damit zum Hauß hinaus schlagen / thet ihr auch nicht unrecht. 410. Scanderberg ein grosser Fresser. SCanderberg ein Türckischer Obrister / welcher in eienr Schlacht umbkommen / ist so groß vom Leibe gewesen / und hat einen solchen Schmeer-Bauch gehabt / daß / wann man den Cörper etwas wenigs von fernen angeschaut / es das Ansehen gehabt / als ob ein Aaß von einem weisen Pferdt da lege. Er hat auch so wol fressen mögen / daß er in einem Tag / aber auff etlich mahl / einen gantzen Hammel / oder Castern / in einem heissen Vack-Ofen gekochet / allein hat auff zehren können; und auch daher so feist worden seyn solle.
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1. Ist viel / wenns war ist / aber ein Polnischer Ochß wehr noch mehr gewesen. 2. Viel essen macht nicht allzeit fert / wie auch nicht gut essen / welches aus der Erfahrung zu erweisen. 411. Von Rampsiniti Schatz-Kammer. RAmpsinitus der Geldreichste König in / Egypten ließ ihm eine Schatz-Kammer mauren. Der Baumeister setzt in die Seiten deß Gebäudes / so auff die Gassen gieng / einen grossen Stein / gantz künstlich ein / also / daß er gar leicht von einer oder zwey Personen heraus gehaben / und wieder hinein gesetzet werden möchte. Nach vollbrachtem Bau läst der König seinen Schatz hinein tragen. Was geschicht? Als der Baumeister nach verlauffener Zeit auff seinem Todt-Bette lag / sprach er zu seinen Söhnen: Er wolte ihnen ein solch stattlich Erbtheil lassen / daß ihnen ihr Lebe Tag kein Geld mangeln solte. Vnd offenbahret ihnen den Handel. Die Söhne / als zweene Geldhungerige Brüder / schiebens nicht lange auff / sondern gehen des Nachts zu des Königes Schatz-Kammer / finden den Stein / heben ihn aus / und nehmen eine grosse Summa Geldes vom Königlichem Schatze. Der König / da er des Morgens in diesen Orth kömpt / befin [774] det er die Thüren verschlossen / die Siegel unversehret / aber die Geldkasten etwas leerer: Verwundert sich höchlich / wie es zugehe. Endlich / weil solches offte geschiehet / läst er Fallstricke machen / und stellet sie für die Kasten Als nun die Diebe wieder kommen / und einer aus ihnen hineinsteiget / wird er beym Kasten gefangen: Rufft demnach seinen Bruder / zeiget ihm seinen übeln Zustand an / und vermahnet ihm er wolle doch zu ihm hinein steigen / und ihm das Haupt ablösen / damit er nicht erkant werde / auch er selber nicht umb sein Leben komme welches der ander gethan / hernach wieder herausgestiegen / und den todten Kopff seines Bruders mit sich anheim genommen. Da der Tag anbricht / gehet der König in die Schatz-Kammer / findet zwar den Vogel / aber ohne Kopff / in den Fallstricken / kan auch keinen Ein- oder Ausgang spüren / verwundert sich noch mehr. Läst den Dieb ohne Häupt auff die Stadtmauren hencken und bewachen. Der Bruder kan solche Schmach übel sehen. Beladet derwegen etliche Esel mit vollen Wein-Lägeln / und treibet sie an den Ort / da die Wächter sassen; Löset heimlich etlichen Lägeln die Reiffen ab / daß der Wein dahin läufft: Stehet traurig / räuffet sich bey den Haaren / und stellet sich / als wüste er nicht / zu welchem Lägeln er am ersten sich wenden solte. Die Wächter lauffen hinzu / halten ihre Gefässe unter / und sauf [775] fen sich voll. Der Eseltreiber verehret sie noch mit einem Schlaff-Trunck: Sie fangen an zu schnarchen und schlaffen / er beschieret ihnen allen den rechten Backen / nimmet darauff seinen Bruder von der Mauren / und wandert damit nach Hause. Da dieses der König vernimpt / wird er zornig / setzet seine Tochter in ein finsters Gemach / und befiehlt / daß sie mit jederman / wer es begerdte / in Vnkenschheit leben solte / doch einen jedern zuvor nöthige̅ / ihr zu offenbahren / was er sein Lebenlang am klügesten und am ärgsten gethan. Deß Diebes Bruder wil den König in alle seinen Anschlägen mit geschwindigkeit über treffen / löset dem todten Bruder die Hand abe / nimpt sie unter den Mantel / und gehet getrost zu deß Königes Tochter ins Gemach / und antwortet ihr auff ihre Frage: Das sey seine ärgste That in seinem gantzen Leben / daß er seinem in der Königlichen Schatz Kammer gefangenen Bruder das Haupt abgeschnitten: Seine klügeste That aber sey / daß er den Wächtern die Backen beschoren / und den Leib von der Mauern geholet. Des Königes Tochter wil ihn fassen / machet ein Geschrey. Er aber giebet ihr im finstern die todte Hand / und läuffer eilends davon. Vber solcher Geschwindigkeit uu̅ künheit deß Diebes erschrickt der König hefftig / läst in alle seinen Städten ausruffen / und verheissen / daß er dem Diebe / wo er in sein Angesicht käme / nicht alleine seine [776] Missethat verzeihen / sondern ihn auch mit herrlichen Gaben verehren wolle Der Dieb giebet Glauben / und gehet freymütig zum König / welcher sich über ihm hoch verwundert / und ihm als dem geschwindesten Menschen seine Tochter zur Ehe gegeben. 1. Hier mag man wol sagen: Die Kinder dieser Welt sind klüger denn die Kinder des Leichtes in ihrem Geschlechte. Wolte Gott / daß wir die geistliche Klugheit / wordurch wir zur Seeligkeit befördert werden / uns so angelegen seyn liessen / wie dieser Dieb sich in der Weltlichen exerciret. 2. Wie wenn der König nicht hette Glauben gehalten? Aber es war recht. Wenn niemand mehr Glauben halten würde / so sollens Könige / Fürsten und Potentaten thun. Daß er aber diesem Diebe seine Tochter zur Ehe geben / ist Verwunderungs würdig. 412. D. Getzner ist ein armes Kind gewesen / und ein vornehmer Mann worden / dafür hat Er GOTT auff seinem Tod-Bette gedancket.
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ALs Doctor Salomon Geßner / Professor zu Wittenberg / franck wurde / und sein Sterb-Stündlein herbey rückete / danckte er seinem lieben GOTT hertzlich / daß er ihn zu solchen Ehren bracht / und das liebe Brod mildiglich bescheret hätte / denn als sein Vater ihm abgestorben / und er sieben Jahr alt gewesen / hätte Er das date Panem propter Deum singen müssen / da er denn offtermals gesagt / daß in der Theurung das Brod / so ihm von Eicheln und Buchen gebacken / die Leute geben / viel besser geschmecket habe / als Semmel / Brod / welches durch GOttes Segen geschehen ist. 1. Das thuts sagte Doet. Luther / daß sind die rechten / die in geflickten Kleidern und Schu hen gehen / und die lieben Partecken samblen / welches gemeiniglich fürnehme und hohe Leute werden / derer ich etliche her erzehlen könte. 2. Wollen aber armer Leute Kinder fort kommen und fürnehm werden / so müssen Sie GOTT fürchten / andächtig beten / fleisig studieren / oder sonsten in dem Stande / darinnen sie leben / arbeiten / und treu / willig und gehorsam sein.
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413. Ein Weiblein einer Eln lang wird gefangen / so den Frieden verkündiget. ANno 1644. ist in Meissen / auff der Jagt / im Wald / ein Weiblein einer Ellen lang / in Gestalt eines Menschen / gefangen worden / dessen Angesicht / Hände / und Füsse sollen gantz glat / sonsten aber am Leibe gantz rauch gewesen sein / welches gesagt habe; Es verkündige und bringe den Frieden im Land. Hierauff habe man / auf Churfürstlichen Befehl / solches wiederumb ins Gehöltz lauffen / weilë für 25. Jahren / ein Männlein / in gleicher Gestalt gefangen worden / welches den Unfrieden und Krieg / verkündigt habe. 1. Dieser Friedens Both ist zwar nicht zu verachten gewesen / und hat man Ursach sich zu verwundern / sonderlich weil zuvor ein Männlich auch den Krieg angekündiget. 2. Aber die rechten Friedens-Verkündiger sind die Engel bey der Geburt Christi / die Verkündigen den Frieden GOttes / welcher höher ist / als alle Vernunfft / Phil. IV. v. 7. 414. Sardanapalus verbrennet sich selbsten nebens allen seinen Schätzen.
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ALs Sardanapalus der letzte Assyrische Monarch zu Babylon belagert ward / ließ er in Schlosse einen Holtz-Hauffen legen / 400. Schuch hoch / und darauff setzen ein leichtes höltzernes Gebände / mit vielen breternen Kammern / hieß darein tragen alle seine Käyserliche Schätze und schönesten Haußrath / 150. Güldene Tische / so viel güldene Becken / so viel güldene Kannen / so viel güldene Becher / alle feinen Schmuck / Kleinodien / allen Schatz an Silber / Gold und Gelde / viel Tonnen Goldes werth. Darnach gieng er mit seiner Königin in das höltzern Hauß / legte sich mit ihr in ein breites verschlossenen Bette / verschloß auch zu vor seine Concubinen / Diener und Dienerin / in gewisse Gemach und Bette / hieß darauff den Holtz-Hauffen unten mit Feuer anzünden / und verbrande sich also sambt den Seinigen / und allen seinen Schätzen: Welches Feuer 15. Tage gewähret / ehe alles zu Aschen worden ist. 1. Hierdurch wird angedeutet die Vergänglichkeit aller Menschlichen Dinge. Ower sich doch nur dieselbe recht einbildete und viefältig betrachtete. 2. Man kan auch dieses ihm lassen eine Errinnerung sein / wie die Welt dermaleins mit aller ihrer Pracht werde in Feuer auff fliegen. Wol dem! Der auch dasselbe offt Christlich betrachte
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415.
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Leopoldi und Leonor ä Liebe. ALs der löbliche Käyser Sigismundus nach Rohm in Welschland verreiset / und sich eine Zeitlang zu Senis auffgehalten / dahin dann auch sonst von viel frembden Orthen ein mächtig Volck kommen / diesen prächtigen Einzug anzuschauen / unter welchem auch ein Welscher Herr sampt seinem Ehegemahl und einigen Tochter / Leonora waren / was geschiehet? Als diese wolformirte Jungfrau an einem Fenster / nicht weit von deß Käysers Losament / von seinem Diener einem (welcher ein Grafe aus Franckreich war) gesehen ward / hat sie ihm alsbald sein Hertz mit Liebe so hart eingenommen / daß er sie fast nicht aus dem Gesicht lassen können / verwundert sich zum höchsten über ihrer wunderbaren Schönheit / wird auch so sehr bestürtzet / daß er bald für Hertzen-Angst nicht weiß / wo er daheim sey / dacht in seinem Hertzen / wird mir das Mensch nicht zu theil / so wil ich sterben / doch hoffe ich GOTT / und dem wunderbahren Glück / die Jungfrau sol mir werden / denn ich erfahr die Lieb ist blind / Sitten und Tugend überwind. Vnd durch solch stets anschauen / ward die Jungfrau gleich auch mit Liebs-Pfeilen troffen / denn sie ihre Augen von ihm auch nicht weit abwandte / und dachte [781] bey sich selbst: Ich habe offt gehört / daß die Deutschen an Muth und Tapfferkeit alle andere Nationen übertreffen / und ward also ingleichem in einem Augenblick mit Venus-Pfeilen getroffen (denn die Liebe überwind / und verläst alles in der gantzen Welt /) und dacht bey sich selbst / Ach Gott! wenn dich dieser zu einer Liebhaberin in Ehren außerwehlte / du woltest alsbald deine Mutter und Vatterland verlassen und wo er dich hinführte / ihm gerne folgen / denn da ist doch eins jeden Menschen Heymat / da ihn gelust zu leben. Ließ sich doch die schöne Helena gutwillig gefangen nehmen / und ward vom Peride mit ihrem Willen weggeführet. Nicht lange nach diesem offenbahrten sie einander ihre heimliche innerliche verwundte Hertzen-Gedancken durch schreiben / auff solches sprach die Jungfrau zu ihrer Magd / gehe hin und sage ihm / daß ich ihn lieb habe / denn ich weiß nicht / mit was Flammen ich gebrennet werde / Ach ich hoffe nicht / daß hertzliche Liebe wird der Zucht zu wieder seyn. Auff solches kamen sie etlich mahl zusammen [doch in rechrer Jungfräulicher Keuschheit) Vnd als er nun einmahl zu ihr zukommen verhindert ward / sprach er für grosser Angst: Ach hat doch die Schönheit ihrer Gestalt all meinen Fleiß und Arbeit überwunden / sie hat mir auch weggenommen den natürlichen Schlaff und die Speise / ist sie mir in meinem Hertzen so verwand / als [782] mit den Augen gewesen / so ist nichts unbeständiges zu hoffen / doch wollen wir unsere leibliche Begierden zwingen und zähmen / biß wir ins rechte Ehebette kommen / daß ich mich aber so vergeblich mit Gedancken plage / ist wol eine Narrheit. Aber an diesem Fieber der Lieba haben viel dapssere Leute biß an den Tode gelegen / hat sich doch der berühmte Poet Virgilius an einem Strick eines Thurns ziehen lassen / und allda lange hengen blieben / einer Jungfrau zu gefallen / denn ich begehre doch nun in der Welt nichts mehr / als nach ihren Sitten und Willen zu leben / ja ihr zu gefallen / durch ein Feuer zu gehen / und den Todt zu leiden. Es schreibet zwar der fürnemhste Poet Virgilius, daß Circes etlich ihrer Buhlen in gestalt und form unvernünfftiger Thier verkehret habe / freylich ist es also / daß aus der hitzigen Flamm der Liebe deß Menschen Gemüth also geendert wird / daß gar wenig unterscheides ist / zwischen denselben Gemüth / und einem unvernünfftigen Thier. Ach wer wolte nicht lieber sterben / als recht lieb haben / und der Liebe nicht geniessen. Nicht lange nach solchem kamen diese zwo recht liebhabende Personen gegen Abend zusammen / da sie denn erst recht einander ihre heimliche Hertzen-Gedancken offenbahren / und sprach der Jüngling: Nun ist alle meine Sorge und Angst verschwunde̅ / jetzt were leicht zu sterben / weil unsere Liebe so groß und frisch / auch kein [783] Vngemach dieselbe trennen kan. Ach mein trauthertziges Blut / habe ich dich / oder träumet es mich / oder bin ich meiner Sinne entsetzet? QHonigsüsse Liebe / aber / ach weh der kurtzen und schnellen Stunden! Ach du feindseelige Nacht / warumb fleuchstu so bald? Hat mich doch mein Tage keine Nacht kürtzer gedaucht / als diese / und erzehleten also einander nach der länge ihre sehnliche Hertzen-Begierde / und sassen also in züchtiger reiner Liebe die gantze lange Nacht beyeinander / daß die Jungfrau sich vernehmen ließ / sie gläubet nicht / daß eine lustigere un̅ frölichere Nacht jemals gewesen were / ausgenommen diese / darinn Pariß seine geraubte Helenam uff dem Schiffen weggeführet hette / ja diese Nacht war ihnen beyden so lieblich / daß auch er sich vernehmen ließ: Es könte kaum so ein lieblich Leben zwischen dem GOtt Marte, und der Göttin Venere gewesen seyn / und sprach weiter: O du auß bündige aller Edelste Leonora / warumb solte ich mich dir nicht ergeben? Solte ich dir meinen Leib nicht vertrauen? Vnd was andere Reden mehr waren / welche hier zu erzehlen zu lang würde. Da sie nun von einander scheiden solten / da gab es nasse Augen und hertzliches Vmbfangen / denn sie Zeit auch nun fast verlauffen war / dast der Käyser auffbrach. Künfftigen Morgen schrieb sie ihm / und begerte / er wolte sie mit sich nehmen / dann schrieb sie / was wolte ich arme [784] Verlassene thun? Wo solte ich ruhen? Ich bliebe nicht zweene Tage bey Leben / ich bitte euch durch euere gegebene Treu / mich nicht hinter euch zu lassen / nicht bitte ich / daß ihr hier bleibet / nur daß ihr mich mit nehmet: Ihr thut auch meinen Eltern nicht unrecht daran / denn müssen sie doch ohne das mich verlassen / wo ihr mich nichtmi neh mit / so nim̅et mich der Tod etc. Denn was die rechte Liebe sey / befinden jhr zwey erst recht / wann sie von einander scheiden sollen / da schrieb er wiever: Ach du mein hertziges Hertz / mein einiger Trost und liebstes Gemüt / warumb solte ich euch Raubisch hinwegführen? Welchen grossen Kuminer würde ich euren Eltern erwecken? Zu deme / diene ich dem Käyser / solten wir also beede dem Hofe nachziehen / so würde weder mir noch euch einerley Ruhe geschehen: Er bleibet nicht alle Wege so lange in einer Stadt / als hie zu Senis / Gesegne euch / Hertzliebe Leonora / der getreue GOtt / und behaltet Liebe / und glaubet gewiß / daß das Feuer der Liebe bey mir nicht erlöschen soll / und mir das scheiden so wol wehe thut / als euch / und zum Valet warff ein jedes nasse Augen an das ander / denn / sprach er / was ist schmertzlichers / als wenn zwey Gemüther / so durch Liebe zusammen gefüget / und vereiniget seyn / scheiden sollen / etc. Nach solchen Verlassen / ward gedachte Leonora nicht mehr frölich gesehen / konte auch durch keinerley Freude oder Schimpf [785] zulachen beweget werden / dieweil ihr Hertz nicht bey ihr / sondern von ihr war / Leopold ihres Hertzen Trost / wiederumb. Gleich aber wie er mit seinem Leibe dem Käyser nachfolgte / also folgte auch sein Gemüth der Jungfrau nach / und setzet der Autor dieser Historia / daß er stets / wie ein halb todter Mensch / oder wie ein Schatten sey gesehen worden. Gedachte Jungfrau aber / ist nach wenig Wochen / nach vielen hertzlichen Wehklagen / verschieden. 1. Hier ist zu sehen / was die Liebe kan / und wie schnell sie ein junges Hertz einnimmet / in Puncto bezwingen / nnd Kraftloß machen / ja wol gantz tödten kan. 2. Hüte sich ja ein Jedweder vor der Liebe / so viel möglichen / woferne er aber von derselben bezwungen wird / so moderire er sich also / daß er nicht wieder GOTT / Ehre / Zucht und Erbarkeit handele. 416. Ob Medici anzunehmen. BEy einer guten Gesellschafft wurde einer einsmals gefragt: Ob es nützlicher seye die Medicos zu behalten / und ihnen zu folgen / oder aber abzuschaffen? Als nun ein jeder seine Meinung gesagt / so [786] war einer / der sehr hitzig bestreiten wolte / daß die Medici der Gemein sehr nützlich wären; Dann wann sie nicht weren / so würden sich die Menschen der Gestalt vermehren / daß ihnen auch die Welt zu klein würde. 1. Kömbt auff diesen Schlag / wenn gesaget wird: Alle Medici müssen einen Kirchhoff füllen. 2. Wir wissen aber aus Göttlicher Schrifft / was von der Medicin zu halten / nemblich / daß GOTT die Kräuter / welche darzu gebrauchet werden / lasse aus der Erden wachsen / und daß Er auch den Artzt wolle geehret haben. Diesen Befehl und Willen GOttes sollen wir beobachten / die Medici aber sollen sich befleisen / daß sie als nützliche Leute können geliebet und geehret werden. 417. Johann Kotkowitzens Antwort. HOnig Sigismundus Augustus in Polen / hat auff der Lieffländer Begehren Ihnen einen Administratorn gesetzet / mit Namen Johann Kotkowitzen und zu solchen gesagt / er hoffe ja nicht / daß Er in Lieffland so Hausen werde / als für undencklichen Jahren einer in Pommern [787] gethan / welcher also regiert / daß dadurch dasselbe Land schier gantz von der Cronen kommen. Worauff Kotkowitz geantwortet: Nein / gnädigster König / jener hieß Jacobus / ich aber Johannes; Da denn der König wieder gesagt habe / gleichwol seynd sie 2. Brüder / und beyde Söhne Zebedei gewesen. 1. Es ist eine feine Zierraht / wenn man einem fein appositè und geschickt alsobalden aus dem Stegreiff antworten kan / wie dieser König gethan. 2. Mancher kans thun und stehet ihm wol an / ein ander wils Ihm nachthun / hat aber kein Geschick / sondern er plumpet ein / und fält mit der Thür ins Hauß. Wer es nicht kan / der laß es lieber unterwegen und unterfange sichs nicht. 418. Des Helden Periclis grosse Sanfftmuth. PLutarchus schreibt / es sey zu Athen einer gewesen / der dem grossen Helden Pericli gesolget / und biß an seine Thür ihm gefluchet. Ob nun wol Pericles grosse Gewalt hatte / und solchen Muthwillen zur Gnüge straffen können / so ließ ers doch bleiben / und befahl seinem Diener / er solt dem [788] Schnarcher mit der Latern zu Hausse leuchten. 1. Sihe / welch eine Sanfft- und Langmuth ist das an einem Heyden. 2. Wo findet man dergleichen unter uns Christen? Es soll aber also seyn. Segnet die Euch fluchen / thut wol denen / die euch hassen / bittet für die / so euch beleidigen und versolgen / vermahnet unser Heyland / Matth. V. v. 44. 419. Von der Meßenier grausamen Gefängnüß. DIe meßenier haben ein überaus scheuliche Gefängnüß gehabt unter der Erden / da weder Lufft noch Liecht hinkam. Damit sie aber dem grausamen Ort einen feinen Namen geben / nennten sie es Schatz-Hafen. Keine Thür war in diesem Kercker: Sondern ein Loch / dardurch man die arme Gefangne an einen Seyl hinab ließ / und über daß Loch einen grossen Stein weltzet. In diesen Schatz- oder Sparhafen ist auch der gewaltige Kriegs-Obriste und General in Griechenland / Philopemenes, geworffen worden / da er dann sein Leben mit Gifft geendet. 1. Dergleichen Gefängnüsse sind eine Vorbildung der ewigen höllischen Gefängnüsse.
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2. Gleich wie man sich nun für solchem Kerckern fürchtet / also und vielmehr soll man sich vor der Höllen fürchten. 420. Eine stumme Comödia. WIr lesen / daß dermaleins ein Comödien Spieler zu Francisco dem Könige in Franckreich kommen und gebeten / daß er ihm eine Mutam Comoediam, das ist / eine stumme Comoediam wolte spielen lassen: Es sind aber stumme Comoedien solche Comoedien / da die Personen nichts reden / sondern nur agiren. Wie es ihme nun von dem Könige zu gelassen wird / siehe / da kombt einer auff den Pallast / welcher nicht ungleich gesehen / dem Capnioni, welcher auch nicht aller Dinges mit dem Pabsithumb zu frieden gewesen / der hat einen Arm voll Holtz auff den Pallast getragen / nieder geworffen / und davon gangen: Nach diesen ist ein ander auff gezogen kommen / der den gelehrten Mann Eraßmum repraesentiret hat / welcher das Holtz zwar in die Hand genommen / und fleisig angeschauet / weil er aber den Babst anzu [790] greiffen zu verzagtgervesen / hat er das Holtz wieder von sich geworffen / und ist weg gangen / doch hat er dasselbige ein wenig in eine Ordnung bracht. Nach ihm ist kommen einer in Gestalt Lutheri / der hat mit sich ein Feuer getragen / dasselbe auff das Holtz gelegt / und mit grosser Gewalt auff geblasen / daß das Holtz an allen Orten hat angefangen zu brennen. Nach diesem ist wieder einer kommen / gebildet wie Pabst Leo Decimus, welcher in beyden Händen zwey Eymer getragen / in welchen einem Oehl / und in dem andern Wasser gewesen / dadurch das Feuer auß zuleschen / hat aber den Eymer mit dem Oehl bekommen / dadurch die Lohe nur grösser worden / und das Feuer je häfftiger hat angefangen zu brennen. Endlich ist einer auffgetreten in der Gestalt Käyser Carols, des Fünfften / mit einem blossen Schwerd / mit welchem er in das Feuer geschlagen / der Meynunge / dasselbe zu leschen und zu tilgen / aber je mehr er darein geschlagen / je hefftiger die Funcken umb ihn geflohen / und das Feuer gebrant hat. 1. Was hat dieser Comödiant anders zu verstehen geben wollen / als daß es freylich war sey / was wir singen
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Ob wolten gleich / Babst / Käyser / Reich / Dich und dein Wort vertreiben / Ist doch ihr Macht / Gegen dir nichts geacht / Sie werdens wohl lassen bleiben? 2. Vnd diß haben unsere Vorfahrer in diese zweene lateinische Verß gar fein kurtz und rund zusammen gefast / wenn sie gesaget: Sceptrum, bulla, scholae, regis, Papae monachorum, Uni Luthero, nil sociata nocent. Das ist: Vnd wenn gleich alle Käyser / Könige und Potentaten mit ihren Kriegs-Rüstungen / alle Bäbste mit ihren Bullen / alle Mönche mit ihren Schreib-Federn zusammen thäten̅ / so würden sie dennoch der Lehr Lutheri nichts können anhaben. Denn Lutheri Lehr ist ein festes Wort: Lutheri Lehr heist cedo nulli, ich frage nach keinem nichts / Ja
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Luthers Lehr heist noli me tangere: Das ist: Rühre mich nicht an / Frommer Mann Den es möcht dir übelgahn.

421.
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Die Zuchtliebende Lucretia. LIvius der berümbte Historicus beschreibet mit verwunderung der keuschen und Zuchtliebenden Lucretiä Beständigkeit in der Ehelichen Liebe / daß dieselbe Eheliche Treu so hoch bedacht / und es nicht für möglich geachtet / daß ihr zwey weiter beysammen leben können / wenn das eine unter ihnen die verpflichte zugesagte Keuschheit in Ehebette verliere oder breche / den̅ als gedachte Lucretia wegen ihrer Schöne / Tugend und Erbarkeit / durch die gantze Stadt Rom berühmet war / so von Treu und Gehorsam ihren lieben Haußwirth in aller Demuht und Unterthänigkeit / sich auff keiner Wollust und Spatziergehens ohne seine Gegenwertigkeit geacht / sondern daheim geblieben / mit ihren Mägden des Webens und anderer Hauß-Arbeit abgewart / sich auch in abwesung ihres Mannes schlecht und einfältig gekleidet. Als sie aber / wie gemeldet / wegen ihrer Tugend überall hoch berühmet wird / empfindet Sixtus [793] deß Königs Sohn zu Rom heimliche Liebe in seinem Hertzen gegen ihr / daß er auch überall Gelegenheit suchet / wie er ihrer Liebe geniessen und theilhafftig werden möchte. Als er aber vernimmet / daß der Collatinus ihr lieber Hauß-Wirth verreiset / und dieselbe Nacht nicht wieder heim kommen könte / da kömpt er gegen Abend / als ein Gast / frölich in jhr Hauß geritten / die züchtige Frau empfänget ihn mit grosser Reverentz züchtig und schöne / wie ihr denn auch gegen deß Königes Sohne wol gebührte / und beweisete ihm Zucht und Ehre nach höchstem Vermögen / wuste aber nicht / was er als ein junger freudiger Held im Sinne hatte. Als aber nun die Zeit kam / daß man schlaffen gehen solte / nahm sie einen vernünfftigen und freundlichen Abschied von ihm / wolte sich als ein züchtig Hertz in abwesung ihres Mannes über die Zeit nicht länger auff halten lassen / gieng in ihre Schlaff-Kammer / schloß die Thür fleißig nach ihr zu. Da hatte Sixtus der junge König eine verschlagene Magd bey sich / die gab ihm den Rath / wie er heimlich zu ihr in ihre Kammer kommen möchte. Als das geschah / schleichet Sixtus zu dem Bette / darinnen Lucretia das züchtige Hertz / ohn alle böse Gedancken innen lag und schlieff / die wecket er auff / und gab sich jhr zu erkennen / daß ers were / bath sie freundlich / daß sie wolt schweigen / und seinen Willen heimlich verbringen / verheis [794] set ihr darneben grosse herrliche und Königliche Geschencke. Als sie sich aber deß aus erschrockenen Hertzen und Gemüth zum hefftigsten wiederte / ließ er sie an ein bloß Schwerdt greiffen / mit Anmeldung / wofern sie seinen Willen nicht thun werde / daß sie solte als bad sterben. Das keusche tugendreiche Hertz wuste in grossen Erschrecknüß nicht / wie ihr zu thun wehre / jedoch bestund die darauff / daß sie lieber sterben / denn in der Ehelichen Liebe wancken / und ihre Weibliche Ehre verlieren wolte. Als nun Sixtus sahe / daß er sie weder mit bitten / flehen noch Dräuen bereden / und seinen Willen erlangen möchte / fiel ihm alsbald dieser krumme Grieff ein / weil sie lieber in Ehren Sterben / dan̅ in Schanden zu leben / gesonnen were / und sprach: Es sey dann / daß du meinen Willen vollbringest / wo nicht / so will ich dich alsbald tödten / und auch deinen Knech im Hause / und denselben nackend und todt zu dir ins Bette legen / und öffentlich sagen und von dir aus geben / ich habe euch beyde so schändlich bey einander gefunden in Vnzucht leben / und deinem Manne zu Ehren diese Rache gethan / und aus Freundschafft gegen ihm diß fürgenommen / und habe also wegen geübder Vnzucht euch beyden das Leben genommen / damit nach deinem Tode diese schändliche Rede dir und deinem Mann zu ewigen Spott nachgesaget werde / daß man dich in falscher Liebe / als [795] eine Ehebrech er in erfunden und getödtet habe. Da das Lucretia hörete / daß sie beydes den Todt und die Schande leyden solte / wie ihr da zu Hertzen gewesen / ist mehr zu gedencken / als zu schreiben. Ich stelle es einem jeden züchtigen Hertzen heim / denn sie kam gar in ein zweiffelhafftig Gemüth / was ihr doch zu thun were? Dann den zeitlichen Todt achte sie nicht so hoch / als ihre Weibliche Ehre / es zwang sie aber darzu die schändliche Rede / daß man ihr zu ewigen Zeiten nach sagen solte / sie hette mit einen Knechte die Ehe gebrochen / un̅ were wegen verschuldeter Sachen zu dem tode kommen / dann sie als eine Heydin nicht gewust den Lohn / welche̅ die jenigen / so unschuldig leyden / im Himmelreich zu gewarten haben / darumb ward sie aus Weiblicher Blödigkeit überwunden / daß sie Sixto zuließ seinen Willen mit ihr zu vollbringen. Da das geschah / und Sixtus mit jhr der Leibe gepfleget / und nun seinen Abschied von jhr nahm / trieb sie alsbald so jämmerliche / erbärmliche / und elende Klage / daß über alle massen / und nicht zu schreiben ist / sandte auch schnell nach ihrem Manne Collatino, so wol nach ihren Vater / der hieß Lucretius, und ließ sie höchlich bitten / schnelle zu kommen / und ja nicht aussen bleiben / denn sie in der elendesten Noth were / die nimmermehr auff Erden einem Menschen fürkommen möchte. Als die nun kamen / brachte ein jeder einen guten Freund mit [796] te / der Vater Publium Valerium, ihr Mann aber Junium Brutum, zweene der vortrefflichsten Bürger in Rom / welche die unschuldige Lucretiam bitterlich weinende funden / die fieng mit tieffen Seufftzen an zu erzehlen / die Schmach und Schande / so ihr von Sixto des Königes Sohn beygefüget worden / und bezeuget es mit dem Göttern / ob wohl ihr Leib geschmähet und verunehret wehre / daß doch ihr Hertz und Gedancken allwege rein blieben / und zu diesen Dingen niekeinen Willen gegeben hätte / aber die Schand / die ihr Sixtus nach ihre̅ Tod geträuet ihr auffzulegen / hette sie überwunden / und dieselbe Nachrede / so ihr alsdann darauß erfolget / were / ihr mehr zu Hertzen gangen / als der Tod / und solchen Spott zu fliehen / were dem boßhafftigen unzüchtigen Menschen sein fürnehmen gegen ihr gelungen / nun wüste sie wol / daß ihr solches kein Mensch gläubete / so vermochte sie es auch mit niemand zu bezeugen / sie wolte aber mit ihrem eigenen Tode und Blutver giessen beweisen und sehen lassen / daß sie solche Schande und Unehr / vielmehr als den Tod gefürchtet und geflohen hätte / und satzte ihr damit gäntzlich für / sich selber zu todten. Vnd als ihr lieber Ehe-Mann und Vatter den gar kläglichen und elenden Jammer / und die wehemütige Geberden sahen / worden sie zu Erbarmung und Mittleiden beweget / trösten sie und sprachen: Es gebe ihnen gnugsam Anzeigung [797] jhrer Unschuld / daß sie diese Dinge selber offenbarte / die doch nun wol hetten können heimlich und verschwiegen bleiben. Erzürneten sich über den jungen König / als den bewaltiger / un̅ sprach ihr lieber Haußwirth Collatinus zu ihr sie solt sästiglich glauben und für gewiß annehmen / daß er sie umb solcher That willen nichts leichter / geringer oder unehrlicher halten wolte / weil ihr Hertz und Wille / oder innerliche Begierde nicht dabey gewesen / darumb solle sie ihr nichts Arges fürnehmen / oder selbst Leid anthun. Aber die Tugendreiche Lucretia bestund auff ihrem Fürnehmen / und sprach zu Ihrem Ehegatten: Ach mein hertzlieber Haußwirth / Ach lieber Collatine / wie möchtestu immermehr eine Liebe oder geneigten Willen zu mir haben / wenn du den schmertzlichen Handel bedenckest / daß dein Schlaff-Bette mit eines frembden Mannes Fußtritt besudelt / beflecket / und also geunehret ist? Ach wie möchtestu mich doch frölich ansehen / wenn du die lästerliche That / die ich begangen / bedächtest? Ach wie were dir müglich / frölich an meiner Seiten zu liegen? Ach wie könte es dir müglich sein / heimlich oder freundlich mit mir zu reden? Ja / wenn du vermeinest deine eheliche Haußfrau zu umbfangen so würdestu eine unreine Hure in deinen Armen haben / und köntest hinfort in deinem Hertzen dich keiner Treu mehr zu mir versehen. Ach wie schmertzlich würden mir einander anbli [798] cken. Denn eben das / was uns zusammen bindet und knüpffet / daß hat einander zertrennet / und woran du die höchste Lust und Freude gehabt / das hat dir einander geraubet / und den Leib / der dir zu Ehren ergeben / auffs greulichste Beschandfleckt / ja meinen Leib / den ich dir verheissen / den hat einander besudelt und verunreiniget / und als sie dieses gesagt / spracht sie: Es soll nimmermehr keine Ehebrecherin Lucretiam zum Exempel haben / sondern ich wil mit meinem Tode beweisen / was mich zu diesen Dingen genöthiget und bewegt hat / denn ich kan aus Ehelicher Pflicht dir auch nicht gönnen Gemeinschafft zu haben mit einer / die einem andern ihren Leib in Wollust zu gebrauchen ergeben hat. Nach solcher langen Oration stach sie ein Messer (welches sie heimlich bey ihr trug) in ihre Brust / daß ihr Blut von ihr rann / und also Krafftloß zur Erden sanck / und starb. Diesen elenden und doch nach der Welt zu rechnen ehrlichen Tod / nahm die keusche Lucretia als eine erbare Heydin / und ist hoch zu rühmen / daß sie ihre versprochene Liebe und eheliche Treu höher als ihr Leben gehalten / sie hat nicht wollen über zweyen Tischen essen. 1. Wiewol daß an ihr nicht Lobwürdig / daß sie sich selbsten umbs Leben gebracht. Wolte GOTT / daß alle Christliche Hertzen ihn dieses Exem [799] pel recht zu Gemüth zögen / und sich GOttes Geist regieren liessen / und ihre verpflichte Keuschheit allen in der Welt vorzögen / denn es ist doch unter der Sonnen nichts / das ein Weiblich Bild mehr ziere / als ein rein keusches Leben / solches wird auch im Himmel hoch belohnet werden. 2. Wenig dergleichen keusche und so festiglich über Ehr haltende Lucretien dürffte es heut zu Tage geben. Es haben viel Weibes Personen nach jenem Reim von ihr also Abeschied genommen: Hab Danck Lucretia deiner Ehr / Hinfort ersticht sich keine mehr. 422. Gleiche Grabschrifft eines Alten und Jungen. IN einer fürnehmen Stad des Teuschlands seynd zwey Grab neben einander / eines Alten / und eines Jungen / die haben eine gleiche Grabschrifft / wie solches ihr viel möchten dafür halten. Auff des Alten Grab stehet diese Uberschrifft: Et [800] mortuus est: und ist gestorben. Welches auch des Adams und vieler anderer Grabschrisft gewesen. Eben diese Wort stehen auch auff des Jünglings Grab; Et mortuus est? und ist gestorben? Merck aber / lieber Leser / daß dieser anderen Grabschrifft ein Fragpüncklein beygesetzt ist / das bey der ersten Grabschrifft nicht ist. Mann wolte nemblich mit dieser Schrifft / den Alten betreffend / vernünfftiglich andeuten: Dieser Alte hab viel Sommer und Winter gelebt / als hätt der Todt seiner vergessen / hat viel ausgestanden / und ist letzlich durch menschliches Elend und hohes Alter zum End gangen / & mortuus est. Und ist gestorben. Deß Jünglings Grabschrifft aber / & mortuus est? Und ist gestorben? Ist also auszulegen: Dieser Jüngling / der an Reichthumb / an Schöne / an Stärcke / an Geschicklichkeit kaum seines gleichen gehabt / der das zwantzigste Jahr noch nicht gar erreicht hat / der nichts wenigst als an Todt gedacht / der gelebt / als könt er nimmer sterben; Et mortuus est? Und erist frey gestorben? Daß der Alt gestorben / ist wenigen Leid / und wundert niemands / daß [801] aber dieser blüend Jüngling also von dem Todt hin gerissen worden / das wundert männiglich / und ist ein groß trauren umb ihn. Da gehets an ein Fragen: Ey ist dann dieser so schöner / so dapfferer / so holdseliger Jüngling gestorben? Ach GOtt / wie grimmig ist der Tod! 1. Freylich ists also / der Tod kömbt allen gar gewieß / Alten und Jungen / jedoch ist dieses der Unterscheid: Alte Leute müssen sterben / aber junge Leute können sterben. 2. Vberheb dich aber dißwegen nicht deiner Jugend / lieber Jüngling. Denn / das können sterben / wird auch gar vielfältig von den Todt in actum versetzet / und trägt man / wie das Sprichwort lauter / je so bald eine Kälber / als eine Kühhaut zu Marckte. 423. Das unauffhörliche Lob GOttes in einem Johannis Kloster. ANno nach der Geburt Christi 459. ist die Constantinopolitanische Kirch / zur Zeit des Bischoffs Genadit gemehret worden / mit einem neuen / und überaus edlen Kloster / in der Ehre des heiligen Tauffers und Vorlauffers Joannis auffgericht / des Ordens der Acaemetarum, das ist / der Vnschlaffenden / und allezeit Wachen [802] den / derer Gewohnheit und Gebrauch war / Gottes Lob / Tag und Nacht / unauffhörlich / und unablässig zu singen / und solches auff diese weiß. Die Klosterpersonen waren in drey Theil abgetheilet / damit also / wann der erste Hauffen in dem Lob Gottes seinen Theil vollendet / stracks der ander Hauff anfienge / und so bald dieser fertig / der dritte Hauff an die statt trette / und also deß Göttlichen Lobs kein auffhören / noch End were. Auß diesem Gottseligen Institut und Anordnung hat die Stadt etlicher massen gleichsamb einen eigenen Himmel gehabt: Vnd also ist hierdurch die Himmlische Ewigkeit fürgebildet worden / durch welche GOtt ohn allen Verdruß in höchster Wollustbarkeit / unauffhörlich / und ewig gelobt wird. 1. Wenn dieses allein zur Ehre Gottes gewesen / und nicht zu gleich bey GOtt sich in Gnaden zubringen und etwas zu verdienen / so wehr es ein Werck / so nicht zu tadeln. 2. Weil aber die Papisten in allen dergleichen ihren Gottesdiensten ein Verdienst mit suchen / und darneben nicht GOtt allein anbeten und ehren / so heist es / wie Christus sagt / Math. XV. vergeblich dienen sie mir / und wie der Prophet Esaias cap. LIX. v. 6. schreibet: Ihre Spinneweb taug nicht zu Kleidern / und ihr Gewirck taug nicht zur Decke / denn ihr Werck ist Mühe.
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424.
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Wie grausam die zween Brüder Thyestes und Atreus mit einander gehandelt. DIe beyden Brüder Thyestes und Atreus lebten in grosser Vneinigkeit / und trachtete einer dem andern nach Leib und Leben. Weil dann keiner des andern mächtig werden konte / stellet sich Thyestes / als wann er sich mit sienem Bruder gütlich vertragen wolte / und ladet ihn zu Gaste. Atreus vermeynet / das Hertz stimme mit dem Munde / und erscheinet auff angesetzte Zeit mit seinem Weibe willig. Aber der Wirt schänder des Atrei Weib. Was geschicht? Atreus stellet sich / als wüste er nichts von dem Handel / und bitter ihn mit den Seinigen wiederumb zu sich. Da nun Thyestes kömpt / weiset Atreus seines Brudern und Gastes Kinderlein in ein sonderlich Zimmer / läst sie abschlachten / ihr Fleisch kochen / und dem Thyestae vorsetzen. Nach vollbrachter Mahlzeit werden ihm seiner abgethanen Kinder-Köpffe / Hände und Füsse vorgeworffen / daß er sehen möge / womit er seinen Hunger gestillet / und den Magen gefüllet habe: 1. O der schrecklichen That! O der unerhörten Grausamkeit! O der grossen Untreu!
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2. Heist das freundlich? heist das Brüderlich? heist das Christlich? heist das Menschlich gehandelt? keiner wird gewiß der Straffe GOttes entgangen seyn. 425. D. Saphi eines Perlinischë Hoff-Medici Lästerung von Abendmahl. EIn Ehrwürdig Ministerium zu Königsberg in Preussen schreibet dieses von sich: Als D. Saphus Calvinisch-Berlinischer Hoff-Medicus in vergangenem Vor Jahr an einem wolbekanten Ort gewesen / hat er einen guten Mann / welcher sich des Abendmals des HERRN gebraucht / gefraget / was er im Abendmal empfangen? Und da der gute Mann geantwortet / er hette vermöge der Einsetzung des HERRN nebenst den eusserlichen Elementen Brods und Weins auch zugleich den warhafftigen Leib / und das warhfftige Blut des HERREN empfangen / hat er darauff lästerlich geantwortet: Ey so muß euer Pfarrherr starck in Fäusten seyn / weil er mit einem Finger den allwesenden Leib [805] Christi auffheben kan. Also da neulicher Zeit zu Tapiaw ein Kindtäuffer gehalten / und der Pastor desselbigen Orts / bey der heiligen Tauffe / die gewöhnliche Ceremonien des Exorcismi verrichtet / hat ein Calvinischer ungelahrter Hoffschrantz zum andern gesaget / wenn jetzund das Kind einen etc. liesse / so würde der Teuffel von dem Kinde außfahren / etc. O Epicurerey! und eben ein solcher Vernichter des Abendmals ist gewesen der Pfarrherr zum Drüses (welches ein Dorff nahe bey Schmalkalden) denn als auff dem neuen Jahrs-Tag 1609. ein so grosse Menge der Communicanten sich eingestellt / daß es ihm bedüncket / beschwerlich zu seyn / die administration allein zu verrichten / hat er den Forst Knecht selbigen Orts / der seinen Hirschfänger an der Seiten gehabt / erfodert / daß er den Kelch hat helffen reichen müssen: Wie er denn im Filial in der Awe einen Müller darzu gebraucht haben soll / etc. 1. Solten das nicht feine Händel seyn? Hüte sich vor der Calvinisterey / wer nicht zum Lästerer / ja gantz und gar zum Epicurer werden will / etc. 2. Glaube ja keiner / wenns die Calvinisten [806] mit Worten gleich noch zu gut vorgeben. Sie tragen allezeit den Religions Schall in Hertzen / und ist unter ihnen nur der Vnterschied / daß denselben einer besser als der andere zuverbergen weiß. 426. Der Todt schickt Bohten voran. ES lag einmal ein alter Mann kranck / und als ihn der Todt jetzt holen wolt / bate ihn der Kranck / er solte noch ein kleins verziehen / nur biß er sein Testament hätt gemacht / und sich / wie zu einer solchen Reiß gehöret / aller Dings bereitet. Der Todt sprach / ey du Alter Vater / hastu dich in so viel Jahren nicht bereiten können / und hab ich dich so oft gemahnt? Der Alte antwortet: Ach lieber Todt / wie kanstu das sagen / ich weiß wol nicht / daß du mich ein einzigmahl gemahnet hättest. So hör ich wol / spricht der Todt / können die Alten auch lügen. Ich hab dich wol viel hundert und tausentmahl ermahnt / da ich nicht allein deines gleichen / von denen kaum ein eintziger übrig / sondern auch Jüngling / Knaben / Kinder / in Angesicht deiner dahin gerissen / darüber du selber erseufftzet. So mustu mir auch selber Zeugnüß geben / du vergessener Tätel / hab ich dich nicht treulich gemahnet / da dir deine Augen fiengen an dunckel zu werden / deine [807] Haar grau / deine Nasen trieffend / das Gehör überfallen / alle fünff Sinn abgenommen / und da der gantze Leib schwach und krachend worden? Diß seyn meine Bothen / diese haben bey deiner Thür angeklopfft / du hast aber allezeit gesagt / du seyst nicht daheimb. Du bist oft gnug und lang gnug ermahnet worden Jetzt ist Zeit. Komm her mit mir an Reyen / wer sich erst so spat zum Tod wil bereiten / der bereit sich selten woll. 1. Ach fieylich sind jetzt genante Dinge lauter Vorbothen des Todes / wenn wir nur solchen anklopffenden Bohten möchten aufthun und Gehör geben / und uns sein zum Sterben bereiteten. 2. Aber wie machen wirs? Es ist so sicher / blind / die Welt / Daß sie alles nicht sieht und nichts drauf hält. 427. Einer erschrickt vor einem Fisch. Kopff und stirbt. THeodoricus Veronensis der Gothen König / der den Arrianern war zugethan / hat die zween fürtreffliche Männer / Symmachum und Boetium tyrannischer weise umbbringen lassen. Als er nun ein [808] mals zu Tische sitzet / und ihm lässet Speise aufftragen / wird ihm ein grosser Kopff vom Fische fürgesetzet / da dencket der König / es sey der Kopff Symmachi, den er hatte lassen umbbringen / und kömpt ihm für / als bisse der Kopff die Zähne zusammen / und dräuete ihm. Darüber erschrack er dermassen / daß er vom Tisch auffstehet / und sich zu Bette leget. Vnd da er seinen Medico Elpideo bekant hatte / was im begegnet war / nimbt die Angst deß Hertzens dermassen zu / daß er darüber stirbet. 1. Das hat das böse Gewissen verursachet O hüte sich vor einem verletzten Gewissen / wer nur ein Füncklein Verstandes bey sich hat. 2. Sonderlich vergiese ja niemand unschuldig Menschen Blut / denn es schreyet zu GOtt umb Rache / und der läst auch die Straffe nicht aussen bleiben. 428. Wie ein Pfarrer die Leute in der Kirchen behalten. AN einem Ort hatten die Leute die böse Gewohnheit an sich / daß / wann sie schon deß Sontags zur Kirchen kamen / sie doch so bald / nach verlesung deß Evangelii wieder hinauß auff den Kirchhoff oder Flecken lieffen / [809] und daselbsten die Zeit zubrachten / welche böse Art der Priester durch keinerley Mittel abbringen köndt / biß er endlich auff die Cantzel kam / und nach abgelesenem Text / sprach: Welches fromme und ehrliche Leute seynd / die setzen sich nieder / und hören fleißig zu / die aber Schelmen und lose Leute / Huren und Buben / und dergleichen Lumpen-Gesindlein sind / die packen sich jmmer zur Kirch hinaus / damit die andern in ihrer Andacht nicht gehindert werden. Von der Zeit an begehrte keiner von seinen Zuhörern mehr / vor geendigter Predigt hinans zu gehen. 1. Diese Leute haben mehr auff ihren Namen / als auff ihrer Seelen Seeligkeit gehalten. 2. Sie sind gar nicht gesinnet gewesen / wie das Völcklein Matth. XIII, Marc IV. und Luc. IIX, das sich zu JEsu gedrungen hat / zu hören das Wort Gottes. 429. Von Episcopo Germano. IN Tischreden Lutheri cap. 9 pag. 100. wird nachfolgende Historia von Episcopo Germano gelesen. Dieser Bischoff war auff eine Zeit in eine Herberge kommen / da hat man neben seinem Tische einen andern Tisch be [810] reitet / und köstlich zugerichtet mit Essen und Trincken / und war doch gar Nacht. Wie er nun fraget / was das bedeute? Da sagte man ihm / sie würden noch mehr Gäste kriegen. Da fraget er / wer die Gäste seyn würden? Da sagten sie ihm: Es würden ihre Nachbarn seyn. Wie es nun Zeit war zu Bette zu gehen / und wil jederman schlaffen / und solten doch die Gäste noch kommen / da bittet der Bischoff den Wirt / er wolt ihn lassen in der Stuben liegen / denn Er wolte doch gerne die Gäste sehen. Der Wirt ist zu frieden / der lieget nun und wachet / da kamen die Gäste getreten / und das waren lauter Daemonia, die sihet er nun wol an / und gebeut ihnen / sie sollen da bleiben / und nicht weggehen / biß er sie es heisse / und weckte seinen Famulum auff / und schicket ihn hinauff zum Wirt / er soll herunter kommen / mit seinem Weib und Gesinde. Da sie nun kamen / fraget der Bischoff / sind das die Gäste? Da spricht der Wirth / ja / denn da sitzt Hanß / da Cuntz / und wie seine Nachtbarn geheissen hatten. Da sprach der Bischoff: Wolan / so schicke hin / und laß sie auffpochen / und sehen ob sie daheim sind / da waren sie alle daheim gewesen / da sahe der Wirt / daß es lauter Teuffels-Gespenst war gewesen / und S. Germanus gebeut den Teuffeln / daß sie sich wegtrollen solten. Darnach kamen die Gäste nicht wieder. 1. Wol zu glauben ists / daß die Teuffel aller [811] ley Gauckel-Spiel vornehmen / und die Menschen blenden / ob aber dieses eine warhafftige Gesehicht / oder nur ein Gedicht? Und ob der Bischoff so hertzhafft gewesen / und auch Gewalt gehabt den Teuffeln zu gebieten? Wird einem jedwedern zu sernern Nachdencken gestellet. 2. Wir alle sollen uns vor dem Teuffel hüten / und / wenn er uns nachstellet / fest im Glauben wie der stehen und andächtig zu Gott seufftzen und beten. 430. Der Teuffel wolt einem gerne in Hintern fahren und darff nicht. IN Doctor Melanders Schimpff und Ernst lieset man / daß einsmals die Geistlichen zu Regenspurg einen Teuffel außtreiben wollen / welcher gesagt / er müsse zwar weichen / allein sie solten ihm vergünnen / in den zufahren / so da feine ausgekräuselte Haar hatt / und nahend darbey stund / welcher Mensch anfangs erschrack / sich aber wider erholete / und sprach / er solte ihm in Hindern fahren / doch ihm das Wort als bald wieder gereuete / ein Crrutz vor den [812] Hindern machete und sprach: Behüte mich HErr / verdroß es den Teuffel so sehr / daß er ihm eine Maulschelle gab / und sagt / daß dich das Hertzeleid ankomme / du loser Schelm / du lädest Gäst / und schleust hernach die Thür vor ihnen zu / muß nun zwischen zweyen Stülen nieder sitzen. 1. Das Creutz machen dieses Mensehen hat an und vor sich selbsten nichts geholffen / sondern der Glaub an Christum hat es gethan. 2. Werden wir auch Glauben haben und uns des geerutzigten JEsu trösten / so wird uns der Teuffel auch nicht schaden können / sondern müssen zu frieden lassen. 431. Ein Einfiedler begräbt sich bendig. ZWeen Ein siedler wohneten bey einem Fluß / an einem Felsen / der Alte starb / und ward von Jungen auff dem Berg begraben Nach wenig Tagen kam des verstorbenen Alten Jünger zu einem Bauren beym Pflug / und bat Jhn: Lieber Bruder / thu mir so viel zu Gefallen / nimb Hauen und Schauffel / und folg mir nach: Der Baur gieng mit ihm hin auff den Berg / der Einsiedler zeigt des Alten Grab / und sagt / hie grab hinein / weil ich bete. Als nun das Grab eröffnet / und das Gebet vollendt war / umbfieng der [813] Einsiedler den Bauren. Bitt für mich / sagt er lieber Bruder / und nach solchen Worten wurff er sich auff seinen Lehrmeister hinein / begräbt sich also selber und stirbt. 1. Diß ist zu verwundern / aber nicht nachzufolgen. 2. Denn unser Leben stehet in GOttes Händen / und hat kein Mensch Macht ihm dasselbe zu verkürtzen / sondern wer es thut / der wird ein Märtyrer an seinem eigenen Leibe und sündiget wieder das fünffte Gebot.

432.
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Ein Discipul mahnet seinen Praeceptor von Schweren ab. IM 1593. Jahr fand ein Paedagogus eine̅ geschriebenen Zettul von Seinen Discipel, den lieset er / und wuste nicht / daß es eine Veichte war / unter andern stund auch auff dem Zettul: Als mein Paedagogus frevendlich geschworen / hab ich Jhn nicht ermahnet. Ab solchem erschrack der Student / und ward dermassen dardurch bewegt / daß Er sich alter Gewohnheit deß Schwehrens als bald abgethan. 1. GOTTerweckt auch so gar aus den Kindern sein Lob.
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2. Es sols keiner verachten / wann er gleich von einem geringern / als er ist / zu etwas Guten wird angemahnet. 433. Ein Constantinopolitanischer Käyser läst seinem Diener den Kopff abschlagen / der Jhm sein Leben errettet hatte. BAsilius Macedo Käyser zu Constantinopel / satzte zur Zeit auff der Jagt einem sehr grossen Hirschen / welcher mit seinem auffgereckten Häupt und herrlichem Geweih daher brach / hefftig nach / und kam also nahe auff ihn / daß er sein Schwerdt außzog / und den Hirsch jetzt durchstechen wolte. Aber der Hirsch stellete sich zur Gegenwehr / brachte ein Ort seines Geweihes dem Käyser unter den Gürtel / hub ihn auff / und trug ihn in alle Höhe daher / da dann der Käyser hette sterben und umbkommen müssen / wo nicht einer aus seinen Dienern mit blosser Wehre den Gürtel zerhauen / und ihn also loß gemacht. Wie ward ihm seine Treubelohnet? Trefflich übel: Der Käyser ließ ihm den Kopff abhauen / und wandte vor / er hette vor Jhm kein blosses Schwerdt zücken und rucken sollen / Da es doch ihn zum besten geschehen. 1. Jst eine schlechte Belohnung und groser Undanck gewesen vor erwiesene Treue. 2. Hier mag man wol herziehen / was Kö [815] nig Alphonsus gesagt. Denn als er dem Alpharo viel Gutes erzeiget hatte / der es ihm doch wenig Danck wuste / und solches dem Könige vorgeworffen ward / sprach Er: An ignoratis, ingenti beneficio non sine ingenti ingratitudine satis semper fieri? Wisset ihr nicht / daß man mit den grösten Wolthaten den grösten Undanck verdienet? 434. Ein Gerauiseher Calvinischer Läster-Pfaff. ZU Gerau saß ein Calvinischer Pfaff offt unter den Bauren / nam Brodschnitten und Rübenschnützel / als were es ein Sa erament / sang das Lied vom Herrn zu Falckenstein / ließ ihm letzlich ein roth Sammet Wammes aus einem Meßgewand machen / wolte in Krieg ziehen / starb aber plötzlich / sine lux & crux, und hieng ihm die Läster-Zunge Kohlschwartz zum Halse heraus. 1. Jst wiederumb ein schreckliches Exempel eines Sacrament-Verächters. 2. Ach / hüte sich doch ja ein Jedweder / daß er sich an GOtt / sein Wort und Sacramenta / wie auch dessen Diener / nicht reibe / Gewieß die Straffe bleibet nicht aussen.
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435. Kluge Antwort eines Schiffmans. MIr gefäller jenes Schiffmans Antwort nich übel / der / als ihn einer gefragt / wo sein Vater gestorben sey? Antwortete im Meer. Vnd als ihn der ander noch weiter eben diß auch von seinen Groß-Vättern nacheinander fragte / und der Schiffmann gleichfals antwortete / sie seyen alle auff dem Meer umbkommen / fragt der ander wiederumb / fürchtestu dir dann nicht / wann du auffs Meer kombst? Der Schiffmann stellet sein Antwort ein / und fragte den einen auch / wo ist dann dein Vater gestorben? Dieser Antwortet: er ist in seinem Beth gestorben. Wo seynd deine Groß-Väter gestorben? Sie seynd alle in ihrem Bette gestorben. Da sprach der Schiffmann / fürchtest du dir dann nicht / wann du ins Bett gehest / du sterbest auch darinn? 1. Eine weise Frag / und schier zu viel auf einen einfältigen Schiffmann. 2. Täglich sollen wir / wie Justus Lipsius, gedencken / da er kranck worden / gesagt / Ad lectum, ad lethum, zum Beth zum Todten-Bret. Viel gehen schlaffen und stehen nicht mehr auff; Suchen den Schlaff und finden deß Schlaffs Bruder / das ist der Todt.
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436. Ein König gibt seinem Sohn vor seinem Tode einen Apffel befiehlt denselben / ehe er die Regierung antrete / den grösten Narren zu geben. ALs ein König sterben wolt / und sahe seinen Sohn noch zu jung zum Regiment zu seyn / ließ er einen grossen güldenen Apffel machen / gab ihn dem Sohn / und sprach / er solte umbher ziehen / und der Leuté Sitten erforschen / und wo er den grösten Narren finden würd / solte er ihm den Apffel geben / und hernacher Land und Leut regieren. Da er nun überall herumb gezogen war / kam er übers Meer in ein Land zu einem König / der that was ihm gelüstet / es war gleich wieder GOtt / wieder sein Wort / natürliche und weltliche Gesetz / alle Zucht und Erbarkeit; Diß sahe der junge Herr mit verwunderung an / trat zu dem Kämmerling und fragte / was es vor eine Gelegenheit mit dem König hette: Der sagte zu ihm / wir haben in diesem Lande eine solche Gewohnheit / daß wir in erwehlung eines Königes nicht sehen auff groß Geschlecht / Kunst / Gunst oder Weißheit / sondern nehmen einen aus dem gemeinen Volck / doch mit diesem Bescheid / daß er nur ein einiges Jahr regiere / und dasselbige Jahr über in seiner Regierung macht [818] habe zu thun / was ihm gelüstet: Wann aber das Jahr umb ist / wird er seines Ampts entsetzt / un̅ in ein Gefängnüß geworffen / darin̅en muß er die Zeit seines Lebens über verbleiben / Hunger und Durst / Hitz und Frost / und den elendesten Jammer ausstehen / sterben und verderben; Ey / sagte der junge Herr / das ist ein Narr / der umb eines einigen Jahrs Wollust wegen ihm die andern Jahr bitter und herb macht / ja; spricht der Kämmerling / da man nur einen sucht / findet man ihrer wol tausend; Ach spricht der Herr / solcher thörichten Narren hab ich die Zeit über meiner Reiße nicht gefunden / gieng derwegen eilends zum Könige / und verehret ihm / als dem grösten Narren / das Geschenck seines Herrn Vaters / und zog wieder in sein Land / und regierete hernach. 1. Gleich wie dieser König umb eines eintzigen Jahres Wollust willen ihm die andere Zeit seines Lebens bitter gemachet / Also verschertzen die Welt ergebenen mit einer kuntzen Freude die ewige Freude. 2. O Thorheit! O Thumbheit! Das ewige Guth / das macht rechten Muth. Was ist es doch mit aller Welt Freude und Wollust? Eitelkeit / Eitelkeit / nichts als lauter Eitelkeit / die Ver [819] gehet / wie die Spreu vom Winde wird verwehet. 437. Eins Mannes Weib kömbt 20. Wochen nach der Hochzeit ins Kind-Bett. EInes einfältigen Menschen Hauß-Frau kam 20. Wochen nach der Hochzeit in das Kind-Bett; Wie er sich nun darüber verwunderte / und zu ihr sprach wie das zugehe? Er habe ja gehört / daß man mit einem Kind 40. Wochen schwanger gehe / wo dann übringen 20. Wochen blieben? gab zur Antwort: Du Thor / du 20. Wochen / und ich 20. Wochen / macht das nicht 40. Wochen? und stillete damit den guten Mann / daß Er den breiten Hut willig auffetzte / und fünff gerade sein Ließ. 1. Dieses / wenn es sichs in der Warheit also verhält / ist vor eine Weiber List zu achten. 2. Heut zu Tage aber dürffte man wenig Männer finden / die sich dergleichen überreden liessen. Die Bauren sind garzu Gescheide und klug worden. 438. Wie Gotthard Sitquei wieder die Bauren gestritten.
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GOtthard Sitqui ein Obrister der Schlösser Papa und Somlio ist wieder die Bauren zu Felde gezogen / hat aber Christlich gehandelt und das Geschütz nicht mit eisern Kugeln / sondern / damit destoweniger Bluts vergossen würde / mit Stroh und grünen Kraut / oder mit alten Lumpen / und dergleichen Dingen / laden / und wieder sie abgehen lassen; Welches dann / als ein ungewohnter / wie wohl unschädlicher Knall / und brasseln / sambt dem Rauch / und dem Feld-Geschrey / diese ohne das furchtsame Leute erschreckt / daß sie keines Schlagens begehrt / sondern die Waffen von sich geworffen / und schändlich davon geloffen seyn: Vnd dadurch hat dieser Obrister bey vielen ein grosses Lob erlangt. 1. Ist auch Lobens würdig. Denn ein kluger Mann soll immer ehe den Glimpff / als die Schärffe gebranuchen. 2. Hat er nicht mehr begehret / als die Bauren in die Furcht und zum Gehorsam zu bringen. Weil ers nun / ohne Blutvergiessen / erhalten / so ist es ja besser gewesen / als wenn er unschuldig Menschen Blut vergossen hette. 439. Von stehend sterbenden und abgeschlagene Köpff tragenden. IM Jahr 1605. ist zu Wien ein Wächter in seinem Wacht-Häußlein an der Christ- [821] Nacht vor Kält erfrohren / der also zu morgens zwar stehend / aber nicht wachend gefunden worden / dann er nicht sein Nachtwach allein / sondern auch sein gantzes Leben schon beschlossen hatte. In gleichem ist auch ??? anderer auff seinem Pferd erstarret / und hat ehe auffgehört zu leben / als zu reiten. Dann das Pferd / so den Weg wol wuste / trug seinen Herren treulich biß gen Costnitz ins Wirts-Hauß. Quintus Curtius ein berühmter Scribent bezeugt / wie etliche aus des grossen Königs Alexanders Soldaten vor Kälte an den Bäumen leinend erstarret / die doch nicht nur allein da gestanden / als ob sie noch lebten / sondern auch / als ob sie noch miteinander redeten / und noch selbiger Vbung / in der sie der Todt ergriffen. Der H. Martyrer Leodegarius / als ihm ward das Haupt abgeschlagen / richtet er sich wiederumb auff / und stunde noch eine gantze Stund unbeweglich. Der H. Martyrer Petrus nach dem er schon enthaupt / blieb er doch auff recht kniend. Die H. Königliche Junfrau Ositha hat ihr eigenes Haupt / als es ihr schon ab geschlagen war / den geraden Weg gantz steif biß zu der heiligen Apostel-Kirchen fast bey einer Meil wegs getragen. Der Heil. Märtyrer Boethius / als er vom Königischen Henckers-Knecht tödtlich verwundt worden / hielt er das zerspaltne Haupt mit beyden Händen [822] zusammen / und als man ihn fragte / wer ihn gehauen / antwortet er / gottlose Leut / und gieng also in die nechste Kirchen / kniet vor dem Altar nieder / empfieng noch das Heil. Sacrament / und starb bald hernach. Der Heilige Dionysius Arepagita / einer aus den ersten Martyrern / fieng sein abgeschlagenes Haupt in die Händ / als ein Ehrngewinnst / und gab solches seiner Frauen / die ihm unterwegen begegnet. Soches haben auch die unter Diocletiano und Maximiano unüberwindliche Martyrer Ursus und Viator / mit andern sechzig Marter-Gesellen / ein jeder sein Haupt / in seinen Händen / einen ziemlichen Weg getragen. Vnd diese seynd ja nicht nur allein stehend dahin gestorben / sondern sie seynd auch nach dme Todt noch gestanden. Denen billich kan zugezelt werden der seelige Simeones / von deme der Scribent Theodoretus Wunderding erzehlt / der auch das End seines Lebens wolbestätrigt. Sintemaln dieser Simeonis stehend dahin gestorben / und nach dem Todt unbeweglich stehend geblieben. Die Seel war albereit zu Himmel / der Leib von seinem Inhaber verlassen / und dannoch fiel er noch nicht umb / sondern gantz auffrecht stund er an dem Orth / wo er so ritterlich gestritten / zum Zeugnüß deß dapffern Siegs eines unüberwindlichen Ritters. Also ist auch der H. Benedict / ein Anfänger deß grossen hochlöblichen Ordens / im stehen dahin [823] gestorben / als ein warhafftig grosser Obrister und Held / der über sich selbst den grösten Sieg erhalten / in deme er mitten in Dornen sich selbst überwunden. 1. Das erstere / daß Leute sind erfroren und stehend oder reitend also todtsind bekommen worden / ist glaublich / und kan mit der Erfahrung erwiesen werden. 2. Das andere aber / daß Leute ihre abgeschlagene Köpffe sollen getragen / sich wiederumb nach abgeschlagenen Kopff auffgerichtet und bey einer Stunde gestanden seyn / wird vor ein Papistisch Gedicht angenommen.

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Ein verschlagener abgeführter Soldat. ZUr Zeit deß Schmalkaldischen Krieges oder der protestirenden Stände / wie er ins gemein genennet wird / als zwischen dem Käyser und denen protestirenden Fürsten ein hartes Treffen vorgangen / war ein Lands-Knecht gefangen worden von Statur lang / grausamen Gesichts und unerschrockenem Hertzens. Da nun dieser arme Tropff allbeteit zum Tode verurtheilet / Ferdinandus aber [824] der Römische König unter deß von dessen Mann- und Hertzhafftigkeit gehöret hatte / ist er auff Königlichem Befehl aus dem Gefängnüß ins Zimmer geführet worden / damit ihn der König von Person sehen möchte / den er zu vor wegen seiner Großmütigkeit zum öfftern hat rühmen hören. Als ihn nun der König fragte / woher er wäre? Vnd darauff die Antwort gefiel / er sey der Geburt ein Hesse / hat der König gesaget / daraus könne man abnehmen / daß nicht viel gebratens an ihme / dem Soldaten seyn möchte. Weiter wurde gefraget / an welchem Orte er auffezogen wäre? Der Soldate antwortet: Vnter den Westphalern. Gar recht / sprach der König / es kompt noch besser heraus / daß du ein loser Vogel bist. Wo hast du aber bißher gelebet? Vnter den Böhmen / antwortet der Lands Knecht. Darauff sprach der König: Es trifft alles gnau überein / denn diese / mit welchen du bißher umbgangen bist / sind die allerärgsten Bösewichter unter der Sonnen / der Soldat antwortet: Es sey dem also / wie ihre Königliche Majestät gesaget hat: Allein es gehöret noch eine Nation in dieses Register / damit die Schelm-Zunft recht vollkommen werde. Welches als sie der König wissen wolte / und begehrte der Soldat solte nur frey heraus sagen / es solte ihm keine Gefahr bringen / hat er gesaget: Die Spanier gehörten auch mit uns Schelm-Register. [825] Wormit er deß Königs / der auch der Geburt ein Spanier war / sein Vaterland heimlich angestochen. Der König über die Scharffsinnigkeit und Hertzhafftigkeit deß Landsknechts verwunderend / hat ihn nicht nur allein wegen dieser frey-kühnen Rede nicht gestrafft; Sondern auch mit einer Ritterzehrung wiederumb auff freyen Fuß gestellet. 1. Also kan offtermals ein schlechter einen vornehmen wieder Waare dran geben und mit gleicher Müntz bezahlen. 2. Was hat der König aus dieser / deß Soldatens / Antwort machen wollen? Mit fug hat Er ihn nicht straffen können. 441. Xerxes bewegt seinen Bruder Arimenem, durch Sanfftmuth / daß Er Jhm das Königreich cediret. ZWischen Xerxe und Arimene den zweyden Brüdern / war umb das Königreich ein grosser Zanck und Unfriede: Derohalben als Xerxes vernimbt / daß sein Bruder aus dem Lande der Bactrianer herab gezogen kömbt / übersendet er ihme Geschencke / und befihlet den Legaten / daß Sie ihm diese seine Worte anzeigen sollen: His in praesentiate honorat frater tuus: quod si Rex fuerit declaratus, eris apud ipsum [826] omnium primus: Mit diesen Geschencken verehret dich jetzund dein Bruder: So Er wird König werden / soltu bey Jhm der aller Fürnehmste seyn. Durch solche Freundligkeit ist Arimenes erweicht / hat vom Kriege abgelassen / und seinem Bruder die Cron auff gesetzt. Xerxes aber hat ihm den höchsten Stand neben sich gegeben. 1. O wie viel und offtmals köndte noch heute manch Vbel verhütet werden / wenn man der lieben Sanfftmuth nur ein wenig statt und raum geben wolte! 2. Es dürffte mancher Bruder gewesen seyn / der hett es umbgekehrt und Jhm selbsten lassen die Krone auffsetzen / den Bruder aber den proximum à rege, den nechsten nach dem Könige gelten. Denn das proximus egomet mihi! Ich bin mir selbsten der Nechste / wird bey den meisten practiciret. 442. Ein erschreckliches Exempel wie eine Frau vor GOttes Gericht gestanden und wieder lebendig worden. ES erzehlet Hieronymus Platus, welcher massen / nicht lang nach dem der heilige Franciscus seinen Orden aufgericht / Bertoldus / selbigen Ordens ein fürtrefflicher Mann / [827] mit solcher Macht und Frey heit im Reden / wider ein gewisses und besonders Laster auff der Cantzel gepredigt / daß ein Frau / die sich selbigen Lasters schuldig gewäst / gleich als todt niedergesuncken / und da das gantze Volck in der Predigt zu beten nieder auff die Knie gefallen / Sie / die todte Person wieder zu ihr selbst kom̅en / und lebendig worden / warumb sie aber wiederumb in dieses Leben geschafft worden / und was sie in der andern Welt gesehen / habe sie auff diese Weiß erzehlet: Als ich vor dem Richterstul GOttes gestanden / da seynd sambt und neben mir sechtzig tausend Seelen gestanden / welche aus unterschiedlichen Theilen der Welt / durch mancherley Weiß und Fäll des Tods zu dem Richter berufft worden. Vnd aus dieser gantzen Zahl / seyn mehr nicht als drey Seelen ins Fegfeuer geschafft worden / über die andern alle ist der Sententz der ewigen Pein und Verdamnüß ergangen. Ach behüte GOTT: 1. Ich glaubte nicht / was diese Frau erzehlet / wann ich nicht schon vorhin Christo geglaubt hette / derso ernstlich sagt: Es ist ein breiter Weg / der da führt zum Verderben / und viel seynd deren / die durch denselben gehn: Ein schmaler Weg ist / der zum Leben führt / und deren seynd wenig / die ihn finden.
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2. Alle Haar möchten einem gen Berg stehen / wer dieses und dergleichen Exempel lieset. O ihr Gottlosen bekehret euch von Sünden. Vor dem Fegfeuer zwar seyn ihr gesichert / denn es ist keines / aber die Hölle schnapt nach euch / da ist Feuers gnug. Weh dem / so dahin köm̅t. Er wird ewig müssen brennen und doch nicht können verbrennen. 443. Von dem Gottlosen Römischen Pabst Julio III. VOn dem Römischen Pabst Julio III. dieses Namens schreiben die Historici, daß / da einmal über der Taffel der Lutheraner gedacht worden / sol er unter andern gesagt haben: Will schwartze Dienten mangeln / so schreibe man mit Rubrica oder rothen Blut / daß den Lutheranern die Köpffe bluten. Aber endlich / fagen die Historici / ist er von hinnen gefahren / und ist zum höllischen Vater nicht frölich hinab kommen. Vnd was dieser Julius vor ein erbarer Gesell gewesen sey / erscheinet daraus / daß er mit einem Jüngling / Innocentius genand / allerley Sodomiterey getrieben / darfür er denn denselben hernach einen Cardinals Hut verehret hat: Da [829] her zu Rom auch ein gemein Geschrey gewesen / der Jupiter pflegte des Ganymedis / wiewol er heßlich were / und sol der Babst auch folches nicht in Abrede gewesen seyn. Als dieser Babst auff eine Zeit umb Erlangung eines Siegs wieder die Venedier betete / und aber / mit solchem seinen Gottlosen und sündlichen Gebet / das Contrarium erlangete / warff er das Gebet-Buch vor grossem Unmuth ins Feuer und sprach: Wenn ich mit meinem Gebet nicht mehr denn das erlangen soll / so mag der Teussel hinfort beten / und ich nicht: Zween wahnwitzige Phantasten disputirten auff eine Zeit miteinander von der Aufferstehung der Toden / der eine glaubete / der ander leugnet sie. Sie kamen darmit für den heiligen Vater sie zu entscheiden / Ach! sprach er zu dem / der die Aufferstehung gläubete: Tu videris quidem vera dicere, sed adversarii tui sententia facit bonum vultu̅: Das ist: Deine Meynung / daß die Toden werden aufferstehen / scheinet zwar der Warheit gemeß seyn / des andern Meynung aber / als welcher will / daß die Toden nicht werden auff erstehen / macht daß man recht frölich sein kan. Das last mir einen Epicurer seyn. Es hatte dieser Babst sonderlichen Lust zu Schmei [830] nen und Pfauen-Fleisch / als ihn aber der Artzt vermanete / daß er kein Schweinen-Fleisch solte essen / dieweil es dem Podagra hefftig zu wieder were / damit er Babst Julius offt geplaget ward / und da er sich desselben doch nicht enthalten wolte / vermanete der Artzt den Speisemeister / Er solte sagen / GOTT hette es verboten / man solte keins aufftragen / da fuhr der Pabst mit diesen Worten heraus / bringt mir mein Gericht / ac dispetto di dio, das ist so viel gesaget / zu Verachtung GOttes / oder GOTT zu Leid und Verdries. Als er zu Mittages Mahlzeit einen Pfauen sahe / den er nicht hette angegriffen / sagete er / heb mir diesen kalt auff zum Abendessen / und rüste mir in Garten zu / denn ich werde etliche Gäste haben. Da er nun zum Nacht-Essen andere warme Pfauen sahe auff den Tisch stehen / und den kalten Pfauen / den er hat geheissen auffheben / nicht sahe / ward er überaus grimmig / und speyhet eine greuliche GOtteslästerung aus / da saget der Cardinäl einer / der mit zu Tisch saß / euer Heiligkeit wolle sich nicht so sehr erzürnen / umb eines so schlechten Dinges willen. Da sabet der Babst Julius: Hat GOtt umb eines Apffels willen / so sehr wollen zürnen / daß er die ersten Eltern aus dem Paradiß hat verstossen / warumb solt denn ich / der ich sein Stadthalter bin / nicht Macht haben umb eines Pfauen willen zu zürnen / da doch ein Pfau mehr und grösser ist / denn ein Apffel?
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1. Ist das nicein sauberer Gesell gewesen: Man laß mir ihn vor einen heiligen Vater passieren. 2. Nicht einer Haar besser sind die andern Päbste / nur daß einer vor dem andern den Schalck besser verbergen kan. 444. Käyser Nero schlägt seine Gemahlin mit einem Schuch todt / darbey noch etzliche dergleichen Geschichte werden angeführet. KEyser Nero hat aus schnellen Zorn und blossem Verdacht sein Gemahl die Käyserin Sabina / welche er hertzlich lieb gehabet / mit einem Schuch zu todt geschlagen (die auch gleich schweres Leibes gewesen) nur darumb / daß sei aus verdachtem Muth einem Zungen Hofe Diener an nackenden Halß gegriffen hat / welches der Käyser für ein Zeichen der Liebe angesehen. Bruno / der Ander / Grafe und Herr zu Querfurt / hat sein liebes Ehegemahl bey Nacht in einer Collation erstochen / nur darumb / daß sie / nach dem alle Liecht außgelescht / bey einem Zungen Gesellen fitzen blieben / welches er für ein Zeichen der Liebe geacht / sie deßwegen in falschen Verdacht gezogen / und jämmerlich ermordet.
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Zu Brüssel im Niederlande hat Anno 1533 ein Junger Bürger eine schöne Jungfrau gefreyet / eines fürnehmen Geschlechts / welche sich in ihrem Schlaff Gemach von fernen einem hat nackent sehen lassen / welches ihr Ehemann (der sie hertzlich lieb gehabt) und unversehens darzu kommen / so übel auffgenommen / als ob sie einem andern dadurch wolt Ursach zu heimlicher oder falscher Liebe geben / und hat sie nackend erstochen / und weil er sie so hertzlich lieb gehabt / erhengt er sich aus Vnruh seines Gewissens über sie. Deß gleichen melden auch die Geschicht-Schreiber von Agamemnone, daß / als er im Trojanischen Kriege erfahren / wie seine Haußfrau in seinem Abwesen sol falsche Liebe gepfleget haben / und er Ihr deß wegen den Todt geträuet / wie jhr solches offenbahr ward / und zu Hause kommen / schläget sie ihn unversehener weisse zu todt / weil sie sich für ihm der Straffe besorgte / aber durch solches ward jhr Thun offenbahret und greulich gestraffet. Tobias Fabricanus ward von seiner Haußfrauen erwürget / aus blossem Verdacht. Als sie aber nachmals falsche Liebe pflegte mit dem Petrone Valentino, gieng es zu daß es wol besser döchte / was sie auch für einen Lohn bekommen / zeigen die Historien. Galcotius, ein Fürst in Friß-Land / ward von seinem Gemahl nur darumb erstochen / dab er [833] einer Jungfrau die Kleider entblösset hat / und sie nackend sehen wollen / welches die Frau heimlich gesehen / und es so übel auffgenommen / als ob ihm eine andere lieber wäre / als sie / (da ers doch nicht so gemeinet) und bringet Ihn die künfftige Nacht heimlich umb. Andreas König in Sicilia / ward von seinem lieben Gemahl Johanna nur darumb erwürget / daß er sich im Frauen Zimmer unzüchtiger Wort hett vernehmen lassen / daraus sie geschlossen / als ob sein Hertz nach einer andern begierig were. 1. Ehegatten sollen sich die Eyfersucht nicht lassen einnehmen / denn sie bringet nichts gutes. 2. Es soll aber auch keines dem andern / weder der Mann dem Weibe / noch das Weib dem Manne / zu eyfern Ursach geben / sondern vielmehr beyderseits alle Gelegenheit / die zum Eyferveranlassen kan / aus dem Wege räumen.

445.
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Das Creutz ist Käyser Mauritio ein Zorn-Zeichen. NIcephorus lib. 10. cap. 2. & 23. berichtet / daß das Creutz dem Käyser Mauritio ist ein Zornzeichen gewesen / denn da er auff eine Zeit eine Schlacht verlohren / und in die 2000. [834] Kriegs-Leute gefangen worden / ob sie nu wol von seinen Feinden umb einen Goldgülden ein seden abzulösen ausgeboten worden / hat ers doch aus Geitz nicht thun wollen / darüber der Feind ergrimmet / und sie alle ermordet hat. Nicht lange darnach sihet er im Traum Christum an einem hohen Creutze hangen / und die gantze Schaar der erwürgeten Lands-Knechte darneben stehen / und jhn für Christo anklagen. Es dauchte ihn aber / als wann ihn Christus für sich gefodert und gefraget / ob er seine Straffe lieber in dieser Welt / oder in jener leiden wolte / darauff er gesagt: In dieser. Da hat er vernommen / daß er von Phoca mit seinem gantzen Geschlecht würde erwürget werden. Bald darauff kompt das Geschrey / daß Phocas mit einem Heer komme / welcher ihn gefangen / und erstlicht sein Weib / darnach seine Kinder für seinen Augen getödtet. Vnd da das eine Kind bey der Ammen gewesen / und die Amme ihr eigen Kind fur des Käysers-Kind geschicket hat / wil es Mauritius nicht zulassen / sondern fordert sein Kind / und da sie alle hingerichtet worden / hat er endlich gesagt: Justus es Domine, & rectum judicium tuum, und ward darauff auch getödtet. 1. Dieses ist ein Göttlicher Traum gewesen / und hat der Käyser wol gethan / daß Er die zeitliche vor die ewige Straffe erwehlet. 2. Alle Geitzige sollen dieses Exempel mercken [835] und sich nicht allzusehr in das zeitliche verlieben / zumaln wenn man des Nechsten Leben mit Gelde fristen kan / soll solches nicht unterlassen werden. 446. Von Meerwundern. OLaus Magnus schreibet in seinem 21. Buch von Meerwundern / die nicht Fisches / sondern anderer jrrdischen Thiere gestalt gar / oder zum Theil haben; als da / unter andern / solche seyn / so einem Menschen gleich seben / die bey Nachts in die Schiffe steigen / und dieselbe beschweren / also / daß solche endlich gar sineken / wann solche Meer Menschen lang darinnen verbleiben. Vnd wann solche gefangen / und nicht alsobalden wieder ins Meer gelassen werden / so entstehet ein so greuliches Vngewitter / mit erschröcklichen heulen solcher / und etlicher anderer Meerwunder / als ob der Himmel einfallen wolte; daß die Schiff-Leute ihr Leben zu erretten genug zu thun haben. Vnd ist das fischen auff dem Nord-wegischen Meer sonderlich / dieser / und anderer Vrsachen halber / so Olaus im 1. Capitel erzehlt / gefährlich. Vnd sagt er / daß man inacht genommen / wann solche wunderliche Fische / in Löwen / oder Menschen gestalt / und dergleichen aus dem Meer gezogen werden / daß sie allzeit Vneinigkeiten und Kriege auff Erden bedeuten.
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1. Hier mögen wir wol sagen: HERR / wie wunderbar sind deine Werck? Psalm. LXVI, 3. 2. Es ist aber doch keines umbsonst geschaffen / und wird GOtt schon auch diese Meer-Wunder zu etwas gewisses verordnet haben / ob es uns Menschen gleich verborgen. 447. Leute / so sich selbsten lebendig begraben. DEr heilige Bischoff Albertus Magnus zu seiner Zeit ein Wunder der Welt / legt die Bischöffliche Hochheit zu Regenspurg ab / und kombt wiederumb gen Cölln in sein armes doch lehrreiches Kloster / allda er fast all sein Gedächtnüß / wie ihm vorlängst weiß gesagt worden / werlohren. Doch war er noch nicht so vergessen / er wuste noch täglich zu seinem Grab zugehen. Allda er schon sieben und achtzig Jähriger für sich selber / als wär er schon gestorben / täglich sein Todten-Gebet gesprochen. Der heilige Severus Bischoff zu Naverna stieg lebendig in sein Grab hinein / und [837] legte sich zwischen die Toden-Cörper seiner Tochter und seiner Hauß / Frauen / die er gehabt / ehe daß er Bischoff worden / allda er seinen Geist auff geben Macarius der Römer ist drey Jahr lang diß an Halß in der Erden vergraben gestanden. Der Priester Philoromus ein Galater / hat sechs Jahr in Toden-Grufften gewohnet / damit er des Tods-Furcht überwinden möchte. Diß ist gewießlich ein Ernsthaffte wunderbare Begräbnüß seiner selbst / dero ich eine zugleich ernstlich und lästerliche Begräbnüß beyzusetzen nicht umbgehen kan. Der Oberst Bontzenmeister in Japon grube sich selber in seinem hohen Alter in ein viereckte Gruben ein / so vier Ellbogen tieff. Die verbot er ernstlich / man solls nicht eröffnen / dann er jetzt nicht sterbe: Nach viel tausendmal tausend Jahren werd ein gelehrter Mann in die Japonischen Königreich kommen / mit Ramen Mirozu / alsdann wöll auch er wiederumb aus dem Grab herfür kommen / entzwischen aber woll er / nach so vieler Mühe und Arbeit außrasten / und [838] den außgearbeiten Leib erquicken. Umb sein Grab brennen viel Ampeln / die man aus närrischen Aberglauben von unterschiedlichen Ländern dahin schickt. Polemon von Laodicaea / des weltweisen Timocratis Lehr-Jünger / ein Meister des Redners Aristis / hat sich / wie Suidas bezeugt / im 56. Jahr seines Alters in Sein Grab hinein gelegt / und vor lauter Schmertzen des Zipperles und Podagrams / sich selbst erhüngert. Als aber die Befreundte und Vekandte umb ihn traureten / und wolten ihn wiederumb außgraben / soll er zu ihnen gesagt haben / gebt mir einen andern Leib / so will ich wiederumb hinaus steigen. 1. Worzu nützen diese Dinge? Sie sind von GOTT nirgend befohlen / man thut GOtt daran keinen Gefallen / so befördern Sie auch nicht zur Seeligkeit. 2. Viel besser ist es gethan / beten / sein Ambt verrichten / das auffgelegte Creutz gedultig tragen / und des Todes erwarten. Benn der kommet / so werden sich schon auch Leute finden / die einen begraben. Solt aber mancher unbegraben bleiben / was liegt daran? Wenn er nur stirbt / so schadets ihm an seiner Seelen Seeligkeit nichts.
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448. Denckwürdiges wolgefälltes Vrtheil. EIn welscher Edelman / sehr reich / und in grossen Gnaden bey dem Groß-Fürsten zu Florentz Alexandro de Medicis, verliebte sich in eine ehrliche und schöne Jungfrau / die aber arm / und von geringem Stande war / nehmlich eines Müllers Tochter auff dem Lande / nicht fern von Florentz / dieselbe versuchte er auff allerley Mittel zu Fall zu bringen / aber alles vergeblich: Denn das Mägdlein hielte ihre Ehre sehr feste und theuer. Endlich / von seiner hefftigen Passion getriben / nahm er Leute / die seinem Willen folgeten / zu sich / machte sich des Nachts zu der Mühle / nahm die Tochter ihrem armen Vater aus den Armen / schwang sie auff ein Pferd / und führete sie in seiner Land-Gütter eines / daselbst ward ihr das Ehren-Kräntzlein ab genommen. Der arme Vater begab sich stracks auff den Weg gen Florentz / und folgendes Tages wartete er auff den Hertzog / wenn Er aus der Messe käme / klagte ihm seine Noth / [840] und begehrte Recht und Gerechtigkeit. Der Hertzog hielte seine Gedancken heimlich / hieß ihn wieder heimgehen / und sagte / er wolte die Sache wohl beobachten. Bald nach gehaltener Tafel begab er sich zu Pferde / als wolte er auff die Jagt ziehen / nahete sich gegen der Wohnung des Edelmannes / und hielte an einem lustigen Ort stille. Als der Edelmann vermerckte / daß der Hertzog so nahe war / und aus Trunckenheit seiner bösen Begierde nicht vermeinete / daß der Müller were so kühn gewesen / ihn zu verklagen / verließ sich auch auf seine Gunst / verschloß er die Jungfer in einem abgelegenen und bequemen Ort seines Hauses. Darnach gieng er hin zu dem Hertzoge / praesentirte seine Dienste / und seinen Pallast zu einem Logiment / welches der Hertzog annahm / und stellete sich / als hätte er grosse Beliebung an diesem Lust-Hause / durchsuchte und betrachtete sehr fleisig alle Winckel / Oerter und Zimmer desselben / mit ihren Zierathen und Zugehörigen Sachen / ließ ihm alle Thüren der Kammern und Gemächer öffnen.
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Endlich kam er einen schönen langen Gang: An dessen Ende man eine verschlossene Thür sahe / die aber mit schönen und hübschen Inventionen gemahlet und gezieret war. Der Hertzog stellete sich / als wenn ihm diß besser gefiele / als alle das andere / lächelte / und sprach: Er hielte dafür / darinnen wären die besten Schrifften / Schätze und köstlichsten Kleinodien des Edelmannes. Darinnen war daß Gefängnüß der entführeten und gesehändeten Jungfrauen. Als nun der Juncker mit der Eröffnung einen Verzug machte: Muhtmassete der Hertzog alsbald / daß da innen wäre / was er suchte. Darumb befahl er / man solte auffmachen: Aber der Jungcker sagte: Seiner Diener einer wäre nach Florentz gereiset / und hätte den Schlüssel mit sich genommen. Als er aber sahe / daß der Hertzog viel mehr anhielt da hinein zu gehen / nahete Er sich zu ihm / und nach gemachtem grossen Reverentz / sagte er ihm in ein Ohr / es were eine Hure darinnen / welche er nicht gern [842] wolte sehen lassen / wenn es seinem gebietenden Herrn nicht beliebete sie zu sehen. Ja / ja / antwortete der Hertzog / das ists eben / daß ich suche. Der Edelmann vermeinete / daß wäre eine Schertz-Rede / aus Ursachen / weil der Hertzog selber sehr solchen Wollüsten ergeben war / welchen endlich eine Ursach seines Todes waren / und schloß sie Thür auff. Da fiel die arme Jungfrau mit ihren fliegenden Haaren / bittern Thränen / und ohne Kleider dem Hertzoge zum Füssen / bat umb Hülffe und Rath wieder die Unbillichkeit / so ihr angethan worden. Unterdessen ließ der Hertzog alsbald den Müller holen / schalt mit ernsten und harten Worten diesen Juncker / nebenst seinen vornehmsten / zweyen Gesellen / legte ihme zwey Mittel vor / entweder er solte ohne eintzige Erlassung und Verzug sterben / oder er solte die entführte Jungfrau heyrathen. Der Edelmann / weil er nicht gedachte loß zu kommen / in Betrachtung / daß Sein Hertzog sehr zornig war / erwehlete und nam an die Heyrath / und durch des Hertzo [843] gen Außspruch ist er verurtheilet worden / seinem Weibe drey tausend Ducaten zur Morgen Gabe zu vermachen. Als diß geschehen / und die Jungfrau ehrlich bekleidet war / ward sie in Gegenwart des Hertzogs / seiner Diener / und des Müllers ihm anvertrauet / Er hielte sie vor sein rechtmässiges Ehe-Gemahl / ist auch von andern davor gehalten / von Ihm geliebet / und in gantz Toscanien geehret worden. Und der Hertzog erlangte grossem Ruhm / wegen einer solchen löbliche That der Gerechtigkeit. 1. Ist ein Lobwürdiges Vrtheil gewesen / ob wol dieser Edelmann ein schärfferers hette verdienet gehabt. 2. So hat auch dieser Edelman wol daran gethan / daß Er die Jungfrau / welcher er zuvor ihr Ehren-Kräntzlein abgenommen / hernachmals lieb und wert gehalten.

449.
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Taulerus weiset seine Zuhörer stracks auff Christum. ZU Straßburg ist vor dritthalb hundert Jahren ein feiner Prediger gewewesen / Nahmens Taulerus / der seine Zuhörer [844] stracks auff Christum gewiesen; Darumb stehet auff seinem Grabe sein Bildnüß / wie er mit dem Fingern auff das Lämblein Gottes weise. Als nun der Rath selbigen Ortes / aus dem Closter eine Schuel gebauet / hab sichs eben geschickt / daß der Grabstein im Eingang deß Auditorii geblieben / darüber die Gelehrten feine Gedancken haben und sagen; GOtt habe die Hand im Werck gehabt / und damit allen Praeceptoribus wollen zeigen / daß sie ihre Zuhörer allein auff Christum weisen sollen. 1. Alle Lehrer in Kirchen und Schulen sollen ihnen diesen Taulerum zum Muster fürstellen / und ihre Kirch- und Schul-Kinder fein auff Christum weisen. 2. Denn Christus ist nicht allein das Lamb Gottes / das der Welt Sünde trägt / Joh. 1. v. 29. Sondern Er ist auch der Weg / die Warheit und das Leben / und niemand kömpt zum Vater / denn durch Ihn / Joh. XIV. v. 6. 450. Eine Braut trincket ihrem Bräutigam Gifft zu / weil sie ihres vorigen Mannes nicht vergessen kan. DAn lieset in Historien / daß in Gallia ein Fürst mit Nahmen Sinorix / habe eines andern Fürsten Frau Cania genant / ihrer Schöne halben / Lieb gewonnen / dieweil [845] er aber bey ihres Mannes Leben zu ihr nicht hat kommen können / hat er Buben dazu erkaufft / die derselbigen Frauen Mann umbbrachten / bald darnach warbe Er umb die Frau Caniam / welche sich zum ersten werete / aber dieweil sie vernahm / daß er mit Gewalt wolt fahren / ließ sie sich endlich hören / daß sie sich drein begeben wolte. Es war aber diese weise bey den Leuten zu den Zeiten / daß die Braut dem Bräutigam einen Trunck Weins in der Kirchen / wann mann sie zusammen gab / zutrincken muste / und den Becher Wein beyde außtrincken. Als sie nun in die Kirchen kamen / und zusammen gegeben waren / tranck die Cania ihm einen Becher Wein zu / der war mit starcken Gifft zu / der war mit starcken Gifft zu bereitet. Als nun Sinorix der Bräutigam jhr Bescheid gethan hatte / fiel Er in der Kirchen nieder und starb / und sie bald darnach auch / denn es war starck vergifft. Ihre letzten Wort sind diese gewesen: GOtt weiß es / daß ich nach meines Mannes Todt keine Lust zu leben gehabt habe / derhalben das für nehmen wollen / damit ich meines lieben Mannes Todt rechnen möchte / nun das geschehen ist / freue ich mich / daß ich nicht länger leben / sondern zu meinem lieben Manne kommen soll. 1. Wiewohl nun sich rechnen / eine Heydnische That ist / jedoch siehet man dabey / daß sie ein treu auffrichtig Hertz gegen ihrem [846] Manne getragen habe / und hat desselben Todtfeinde nicht lieben können noch wollen / sondern viel lieber sterben wollen / den̅ ihres Mannes Feind zu lieben / oder ihm Eheliche Treu zu bezeugen, 2. Allen Weibern soll dieses so weit zur Nachfolge dienen / daß sie ihren Männern auch Treu seyn. Aber sich selbsten / oder andere umbs Leben zubringen / ist von Gott verboten und wird von der Obrigkeit billing gestraffet. 451. Russische / Weiber judiciren von jhrer Männer Liebe / wenn sie von jhnen geschlagen werden. Dan schreibt in Historien / daß ein Rußsisch Weib durch viel schlagen und peutschen / ein liebreiches / und in Mangelung dessen / ein Liebloses und mißgünstiges Hertze ihres Mannes gegen ihr praesumiyen solte / wie etliche Historici und Barclajus in Icone animorum, von ihnen berichten / das hab ich nicht erfahren / kan mirs auch nicht einbilden / daß / was die Natur / und jegliche Creatur / scheuet / sie lieben / und was deß Zorns / und Feindschafts-Werck / sie für ein Lebens-Zeichen halten sollen / etc. Daß aber wol etliche mit ihren Männern solche Schärtz-Reden mügen getrieben haben / oder auch ein thöricht Weib [847] gewesen seyn / wie Petreus in der Reusischen Chronica gedenckt / die ihren Mann / mit dem sie eine geraume Zeit in Friede / und Einigkeit gelebet / zu geredet / und gesagt; Sie hette noch nie spüren können / daß er sie recht liebete / weil sie niemals Schläge von ihm empfangen: Darauff habe der Mann seine Liebe / auff begehrte masse / ihr zu erweisen / sich bald erbitten / und die Peutschen frisch wancken lassen: Solches / nach der Zeit / weil sie einen grossen Gefallen daran gehabt / wiederholet / und zum dritten mahle seine sehr grosse Liebe zu erweisen / sie gar todt geschlagen / (derselbe Mann Nahmens Jordan / soll ein Italiener gewesen seyn:) daß / sage ich / solches mit dieser einer Frauen vorgangen / kan nicht in Exempel gezogen / und aus der einem Sinn aller andern humor erzwungen werden. 1. Viel unserer Weiber dürfften dieses Liebs-Zeichen lieber an ihren Männern selbst erweisen / als an sich erweisen lassen. 2. Denn es ist gar ein scharffer Probier-Stein / welcher nicht vor eine jedwedere Haut seyn möchte. 452. Auffwachendes Gewissen.
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ES ist keine solche feste Burgk / als ein gutes Gewissen / und ist kein so grausamer Hencker / alls ein böses Ge wissen. Ein alter erbarer Wirth in einer Stadt in Teutschland hatte eine einige Tochter / wohl erzogen / und von guten Mitteln. Der Haußknecht / ein ehrlicher und geschickter Mensch / freyete umb sie: Aber es ward ihm abgeschlagen / weil er frembde / arm / und ein Hauß-Knecht were. Nichts destoweniger / weil er sich jederzeit treu erweiset / befahl und verdrauete ihm der Hauß-Herr das Hauß / als er nebenst seinem Weibe und Tochter ins Bad ziehen wolte. Weil sie aussen waren / kombt ein Kauffmann in die Herberge: Daselbst ist er solgende Nacht von diesem Knecht erwürget worden: Welcher ihn in den Stall vergrub / und deß andern Tages sein Pferd und Geräthe verkauffte. Dieser Todschlag blieb verborgen. Als der Wirth wieder aus dem Bad kam / und meinete / daß sein Diener wohl hätte Haußgehalten / liebete er ihn noch mehr / als zu vor. Vber etliche Zeit hernach erdachte dieser Mörder eine List. Er schrieb Brieffe in Namen seiner Verwandten Freunde / als wenn sie ihm den Todt seines Vaters zu wissen thäten / und ihm riethen / daß er wieder solte nach Hause kommen. Als er nun vom Marckte wiederkam / zeigette er seinem Herrn die Brieffe / nebenst achzig Kronen: Vnd sagte darzu / ob schon seine Freunde [849] ihm gerahten / daß er solte ein pferd kauffen / wolte er doch so grosse Vnkosten nicht auffwenden / sondern er wolte sich zu Fusse auffmachen. Er thäte diese Reise ungern: Wolte nichts so sehr begehren / als daß er könte bey seinem Herren bleiben. Als er nun die meisten stück Goldes ihm auffzuheben geben / mit versprechen / daß er wolte wieder kommen / machte er sich auff den Weg. Ob nun schon damals dem Hauß-Vater ungelegen war / ihm Erlaub nüß zu geben: Jedoch / weil er vermeinete / es verhielte sich mit den Brieffen also in der Warheit / ließ er ihn hinziehen. Vber etliche Wochen kömbt er wieder: Giebet seinem H. eine andere grosse Sum̅a Geldes auffzuheben: Berichtet ihm / wie das väterliche Erbe hoch käme: Vnd machet es so gut / daß ihm der Wirth seine Tochter zum Weibe giebt. Letzlich wird er ein Erbe seines Schwieger Vaters. Weil er sich nun ehrlich und ohne Tadel hielt / ist er zu einem Rathsherrn erwehlet worden: Da er denn seine Pflicht / so wohl beobachtete / daß nichts an ihm kunte getadelt werden. Aber weil sein Gewissen ihn hefftig ängstete und quälete / wolte er sich lieber offenbahren und sterben / als länger gequälet werden. Als er eines Tages durch die andere Rathsherren beruffen war / daß er solte über einem Mörder helffen ein Vrtheil fällen: Stunde er des Worgens frühe auff / gieng in die Messe / bat sein [850] Weib / mit welcher er allezeit in Fried und Einigkeit gelebet / daß sie ihm was Gutes zu essen machte / und sagte / es wäre ihm nicht gar recht / und befinde sich beschwehret / daß er diesen Tag solte helffen ein Blut-Vrtheil fällen. Als er aus der Messe wider heim kommen / sagte man ihm / er hätte zum Frühstücke einen Kalbes-Kopff / da von er gern esse. Als er ihn nun gern sehen wolte / machte er den Schranck auff / darinnen der Kopffistunde: Aber aus grosser Furcht und Schrecken / fieng er an zu klagen / und fragen: Wer einen Menschen Kopff da hinein geschlossen hätte? Sein Weib redete ihm freundlich zu / wie daß er sich irrete: Er hielte an sich / aß geschwinde / gieng in die Raths-Stube / und satzte sich an seine Stelle. Als es nun an ihm kam / daß er solte seine Meinung sagen / erklärete er sich / daß nach dem Gesetzen der Mörder solte enthäupter werden: Vnd darauff stunde er auff / und fieng an: Er hätte eben diese Lebens-Straffe selber verdienet. Vber diß erzehlete er nach der Länge alle Vmbstände seiner begangenen Mordthat in dem Hause seines seeligen Herrn / und alles / was dar auff ersolget wäre: Bat mit gefaltenen Händen / daß die Gerichtliche Obrigkeit ihn nicht wolten mit einer schändliche̅ Straffe / als mit der Enthanptung abstraffen. Etliche meinete̅ / eine Melancholey bewegete ihn also zu reden: Riethen ihm / er solte in sein Hauß gehen / und sich den Aertzten in die Cur ge [851] ben. Darauff antwortete er: Ich weiß / meine Herren / daß ihr alles Gutes von mir haltet: Ich bin auch keiner andern Vbelthat / so Menschliche Gesetze straffen / schuldig / als allein diese. Jedoch bitte ich euch inständiglich / daß ihr meinen Kopff von meinen Schuldern reiset / und mich erlöset von der grausamen Pein / die ich leide (und zwar billich) von dem Tage an meiner Missethat: Vnd machet Anftellung / daß mich die Gerechtigkeit GOttes nicht länger verfolge. Darauff lassen die Gerichte auffgraben an dem Orte / den er beniembt / da findet man die Gebeine des erschlagenen Kauffmanns: Also ist diese Person mit seinem guten Belieben auß geführt / und mit dem andern Mörder enthäuptet worden. Johan Jacob Grinaeus in Comment. Jonae cap. 1. 1. Da sihestu / lieber Mensch / was das Gewissen thun kan / wie es des Menschen sein eigener Ankläger ist / wenn es auffwachet. 2. Hüte dich derowegen und thue nichts Böses / denn sonsten wird der unter der lincken Brust liegende Hund dich ebenfalls anbellen. 453. Trauriger Fall zu Torgau.
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ANno Christi 1559. den 23. Januarii hat sich zu Torgau diese traurige Geschicht begeben. Als bey einer Hochzeit eine Jungfrau zum Tantz einem Schneider übergeben wird / gehet der Schneider etwas ab weg / als die Jungfern fort geführt werden / und der Schneider nicht vorhanden / spricht die Jungfer einen Studenten an / daß er sie zum Tantz führe / er thut es / bald darnach kombt der Schneider / läst sich nichts mercken / sondern als es Abends ist / kompt er vor deß Studentens Thür / bittet denselben heraus zukommen / als er kompt / ersticht er ihn unversehens / und läuft darvon. Als es deß Studentens Hauß Leute vermercken / tragen sie den Studenten alsobalden zum Wund-Artzt / andern Tages stirbt er / als es sein Vater erfährt / erschrickt er / und zeucht dahin / daß Vater und Sohn zugleich in ein Grab kommen / deß Schneiders Mutter stirbt auch / als sie es erfährt / der Mördische Schneider stürtzt sich in den Fluß bey der Stadt / und wird von den Fischern allda deß andern Tags gefunden. 1. Dieses ist eine böse That / und der Teuffel / welcher es hernach ins Fäustigen / wie man redet / wird gelachet haben / darzu Anstiffter gewesen. 2. Ein jedweder mag fleißig beten / und dem Teuffel / wenn er ihn in Versu [853] chung führet / nicht folgen. Denn er ist noch heutiges Tages so gescheftig / als er jemals gewesen.

454.
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Der Teuffel dienet München in einem Kloster. IN Tisch-Reden Lutheri cap. 9. fol. 108. lieset man nachfolgende Geschicht: Ein Gardian gieng mit einem andern Bruder über Feld / und da sie in die Herberge kamen / sagte der Wirth / sie solten ihm liebe Gäste seyn / er würde nun Glück haben. Dann er hatte in einer Kammer einen bösen Geist / daß niemand drinnen schlaffen kondte / doch wurden die Gäste / so darein geleget waren / nicht geschlagen / sondern nur ve???iret / und sprach: Er wolte den H. Vätern ein gut Bett drinnen zurichten lassen / es weren heilige Leute / die den Teuffel wol beschweren köndten. Deß Nachts nun / da sie sich geleget hatten / und schlaften wolten / rauffte der Geist immer dar einen nach dem andern bey dem Kräntzlein an der Platten. Da fieng???n die Münche an / sich mit einander zu zan???n / und sagte einer zu dem andern: Lieber räuffe mich doch nicht / laß uns jetzt schlaffen. Da kam der Teuffel abermal wieder / und zuckte den Gardian beym Kräntzlein / der Gardian sprach: Fahr hin in Nahmen deß Vaters / und deß Sohns / und deß heiligen Geistes / und kom [854] me zu uns ins Kloster. Da er das gesaget / schlieffen sie ein / und hatten Ruhe. Da sie nun wieder ins Closter giengen / saß der Teuffel auf der Schwell der Pfordten / und schrey / Bene veneritis Herr Gardian. Sie aber waren sicher / denn sie meineten / er were nun in ihrer Gewalt und Hand / und fragten ihn / was er wolt: Antworte er / wolt ihnen im Kloster dienen / und bat / man wolt ihn jrgend an einen Ort ordnen / da sie seines Diensts bedürfften / und ihn finden könten. Da wiesen sie ihn in einen Winckel in der Küchen / und damit man ihn kennen könte / zogen sie ihm eine Mönchs Rappen an / un̅ bunden eine Schell oder Glöcklein daran / als ein Zeichen / dabey man ihn kennete. Darnach rieffen sie ihn / daß er solt Bier holen / da hörten sie die Schelle / und daß er saget / gebt gut Geld / so will ich auch gut Bier bringen. Ist also bekandt worden in der gantzen Stad / wenn er vor ein Keller kam / daß man ihm wohl gemessen hatte / sprach er: Gebt voll Maß und gut Bier / ich habe euch gut Geld gegeben. Er war ansehnlich / und hatte einen grossen Schein. Die Papisten haben gemeynet / daß es solten gute Geister seyn / als Diana / und andere viel dergleichen Götzen und Greuel / die die Heyden für Götter ehreten. Vnd weil der Geist / wie gesaget / oder das Wichtlin (wie es unsere Leut nennen] in einem [855] Winckel in der Küche wohnete / war der Küchen-Bub ein Schalck / und goß hinein Spülich und andern Unflaht / heisse Brühe / und dergleichen unreines Dinges / was überblieben / und nicht tüchtig war / in Winckel / und ob ihn wol das Teuffelchen bat / und warnete / Er wolte auff hören / und ihm nicht mehr verdrieß thun / doch wolt ers nicht lassen / noch auff hören. Da ward der Kobel und Teuffel zornig / und hieng den Küchenbuben über Quer über einen Balcken / in der Küchen / doch daß es ihme am Leben nicht schadete. Da gab ihn der Gardian Vrlaub. 1. Lernet hieraus / was der Teuffel vor grosse Gewalt hat / wenn ihm Gott der HErr sein Unterfangen zuläst. 2. Lernet aber auch hieraus / wie er sich demütigen und in einen Engel deß Liechts verstellen kan. Aber es traue ihm ja niemand: Er ist ein Lügner und Vetrüger von Anfang. 455. Der sterbende Crisorius siehet schwartze Männer vor seinem Bett. S. Gregori erzehlet eine glaubwürdige Geschicht: Ein edler reicher Herr / so aber in Sünden vertiefft / Crisorius mit Namen / der dem Geitz / [856] der Leichtfertigkeit / der Hoffart und dem Vbermuth gantz ergeben war / hette lange Zeitguts Leben / letzlich würde er kranck / und zehret allgemach ab. Als nun das Sterbstündlein vorhanden war / sahe er sehr schwartze Männer gantzerschrecklicher Gestalt umbs Bett herumb stehen / die warteten auff seine Seel und wolten sie gen Höll führen. Der elende Mensch fieng an sich zu entsetzen / schaut hin und her zitterte / und zaget / der kalte Schweiß ran ihm übern gantzen Leib ab / und in solchen ruffte er seinen Sohn der hieß Maximus / und schrie mit heller Stimm: Lauff Maxime / lauff. Der Sohn kam alsbald gantz verwirth / ersch rocken / und traurig / rufft auch das ander Haußgesind herzu. Es sahe aber die höllischen Moren niemand dann der Sterbende. War aber aus des Krancken Schrecken und Zittern gnugsam abzunehmen / was für ungeladene Gäst ankommen wären. Dann der Krancke wendet sich im Bett hinumb und herumb / er zerret sich hin und wieder / damit er nur die schwartze höllischen Gesichter nicht dörffte ansehen / wohin er sich aber wendet / sahe er doch die Teufflischen Gespenster. Was soll er nun thun in grossen Aengsten / wo soll er hinfliehen? Wen soll er umb Hülff schreyen? Soll er zu GOTT russen? Er forchte aber GOttes Zorn / weil er in so offt beleidigt hette: Soll er sich seines Gewissens trösten? Das war ihm aber selber zu wieder / weil ers schon so offt verletzt hett Soll er eine Zuflucht zu den Heiligen [857] GOttes / oder zu den lieben Eugeln haben? Sie hörens nicht an / weil man sie gleichfals offt nicht hat wollen anhören / sondern nur verachtet und ihre Warnung in Wind geschlagen. Soll Er sich auff sein Haußgesind und Freundschafft verlassen? Das ist auch vergebens / wo der Tod für Gericht auffbietet / da ist menschliche Hülff schon zu spat: Also schrie der arme Crisorins mitten im eussersten Aengsten und Nöthen auff / so starck Er immer kund. Verzug nur biß Morgen / verzug / verzug. Es wolt ihn aber niemand erhören / niemand wolt ihm zu Hülff kommen / niemand wolt Ihm Verzug oder Stillstand geben. Dann unter diesen Worten gab er den Geist auff. 1. O lieber Crisori / schreibt der Jesuit Drexelius / dieses Begern und Bitten umb Verzug und Anstand war zwar nicht böß / es war aber zu spat. Man muß umb die gerechte Sach sehen / ehe man für Gericht kompt. Es ist aber bekand / spricht S. Gregori / daß solches für uns / und nicht für ihn / oder Ihme zu Nutz gesehen / und das Sein Erscheinung uns zu Gutem komme / auff welche die Gedult GOttes noch immerdar langmütiglichwartet. Dann was ist ihm nutz gewesen / so erschreckliche schwartze Geister vor dem Tod se [858] hen / und umb Verzug bitten / so Er doch den begehrten Verzug nicht erlanget hat? 2. Wir aber sagen / daß auch in der letzten Todes Stunde / wenn der Mensch nur zur Gnade Gottes un̅ der Barmhertzigkeit Christi Zuflucht nimbt / er nicht soll verlassen werden / denn die Gnaden Thür GOttes stehet niemals verschlossen / wol nur dem / der noch vor seinem Absterben dadurch eingehet. 456. Des Türckischen Käysers Grausamkeit gegen 2. seiner Diener. DEr Türckische Käyser Mahometh / dieses Nahmens der ander / aus dem Ottomannischen Stamme / hatte zu Constantinopel ein Lust-Hauß. Als er zur Zeit darein kommen / und im Garten herumb spatziret / hat er zween Kürbes gesehen / die da scheineten reiff und gutes Geschmacks zu seyn. Da er nun wiederumb an denselben Ort kam / und die Kürbes nicht mehr fand / vermeynete er / seine zween Knaben / so etwas von ihm gegangen waren / würden sie auch gesehen und gessen haben. Ergrimmete derhalben mit so schnellem und heff [859] tigem Zorn wieder die Knaben / und ob fie es schon constanter und beständig leugneten / so erwischte er doch seinen Sebel / hieb einen Knaben nach dem andern auff / daß er in ihrem Magen suchen und erfahren möchte / von welchem der frische Kürbes gestohlen und verzehret / da es doch keiner gethan. 1. Das ist eine grausame und unmenschliche That gewesen / welche GOtt nicht gefallen können. 2. Auch grosse Herren und Potentaten sollen sich vor dergleichen bösen Thaten hüten und immergedencken / wie sie auch einen HErren über sich in Himmel haben / und / wie Joseph / der HErr in Egypten / redet / auch unter GOTT sind. 457 Von der Persianer unsaubern abscheulichen Gefängnüß. BEy den Persianern ist ein unsaubere / abscheuliche / und erschröckliche Gefängnüß gewesen / darein man leichtlich hat kommen können / aber nicht leichtlich wiederumb heraus / und darumb ist sie Lethe, das ist / Vergessenheit / genennet worden. Also ist es gar leicht in die Höll hin unter zu steigen / welche a [860] ber einmal darein kommen / die finden keinen Außgang nimmermehr. Diese Gefängnüß und Kercker Gottes / der wird recht und warhafftig Lethe oder Vergessung genen̅et: Dann also vergisset Gott der Verdambten / daß er ihnen Gnad zuerzeigen nimmermehr gedenckt in alle Ewigkeit. Die Höll ist in der Warheit ein Land der Vergessenheit. 1. Wer nun in diesen Höllischen Kercker der Vergessenheit nicht kommen wil / mag Gottes und seines Worts / weil er lebet und noch sündigen kan / nicht vergessen. 2. Wird aber jemand so vergessen seyn / so wird er gewiß in den rechten Kercker der Vergessenheit kommen / und wird seiner in Ewigkeit vergessen seyn. 458. Von dem Tyrannen Duc de Alba. WAs der Duc de Alba vor ein unmenschlicher Tyrann gewesen sey / und wie er viel Evangelisches Blut vergossen habe / ist bekand: und wird von demselben gemeldet / daß / da er im Niederlande sein Valet geben / soll er diß seinen guten Freunden unter andern zu einem [861] Memorial hinter sich verlassen haben: Daß wann sie gefraget würden / was der Duc de Alba in so kurtzer Zeit in Niederlande außgerichtet habe / solten sie zur Antwort geben / daß er durch den Scharff-Richter 1800. Menschen / welche der Bäbstischen Lehre nicht beypflichten wollen / habe hinrichten lassen: Als aber dieser Duc de Alba kranck worden / soll er sich / nach dem das Gewissen auffgewacht / gewaltig für dem Tode gefürchtet haben: Vnd als auff eine Zeit / ein Fürst des Reichs / Käyser Carolo V. solches vermeldet / O hat der hochlöbliche Käyser gesaget / lernet er jetzt erst / daß er sterben muß? Ich betrachte es stets ohn unterlaß, und darumb schicket mir auch mein lieber GOTT ohne Zweiffel so viel Kranckheiten zu / auff daß ich mich der Sterbligkeit und Vergänglichkeit dieses Lebens stets erinnern soll. Es ist aber der Duc de Alba endlich mit aller Tyrannen Todt bezahlet worden / daß er seine Blutdürstige Seele mit Ach und Weh hat außspeyhen müssen. 1. Ein schöner unsierblicher Name! den sich dieser Duc de Alba mit vergiessung so vieler Christen Blut ge???chet. 2. Aber hingegen einen Todt / der allen Tyrannen eignet. So gehets Ihnen Endlich nehmen sie ein Ende mit Schrecken.
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459. Zween partheyische Edelleute vertragen sich iu der Güte ZWeen Edelleute werden partheyisch mit einander / die wollen zum Recht greiffen: Denn ein zorniger Mensch kein Mensch mehr / sondern ein grimmiger Löw und Beer: Der erste bewirbt sich umb einen Doctor, der sagt ihm zu / seine Sach zu führen; Der ander kömbt eben zu dem Doctor, der hört die Sach nach aller Läng an / entschuldigt sich endlich / er hette zu viel zuthun / könte ihn nicht dienen / wolt ihm aber einen andern verständigen Doctor zuweisen / commendiert ihn auch an denselbigen. Unterwegs fallen dem Edellmann allerley Tauben ein / so die Commendation hat; Er erbricht das Vriefflein / darinnen stund: Lieber Herr Doctor und Bruder / ich schicke euch hiemit eine feiste Ganß / die wollet ihr wohl berupffen / ich will der meinen ihrer Federn auch nicht sparen; Als nun der Edellmann / diesen Handel verstehet / gehet er zu dem andern Edelmann / sagt: Was wollen wir uns [863] selbst lang verderben / zeigt ihn den Brieff und vereinigen sich in der Güt / bleiben also gute Freunde. 1. Das ist eine böse Art der Advocaten gewesen / vor welchen sich Mann und Roß zu hüten Vrsach haben. 2. Wehre zu wünschen / daß alle streitige Partheyen dergleichen Mittel sich zu vereinigen ergreiffen / so würde ihrem Christenthumb / ihrem Gewissen / ihrem Beutel und vielen andern Dingen besser gerathen seyn.

460.
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Eine alte Frau beklagte sich über die Spiegelmacher. EIne alte Frau gieng über einen Marckt / auff welchem viel Spiegel feil waren / in welchen sie sich besahe / und als sie gewahr wurd / daß sie so verschrumpffelt und veraltet / sprach sie: Es ist eine Schande / daß man heutiges Tages so unnütze und heßliche Spiegel machet / vor diesem / da ich noch jung war / machte man w???it schönere Spiegel. 1. Soll es nun der Spiegel thun / und schön machen? Ich dachte die Spiegel wehren darumb erfunden / daß sie solten die Gestalt / wie sie solches fünden / wieder vorstellen?
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2. So machen wirs alle auch. Wenn wir sündigen / so geben wir nicht den Leuten / sondern der Zeit die Schuld. Die Zeit wird jmmer ärger / ist die allgemeine Klage. 461. Der Bischoff Gregorius in Capadocien / vertreibt den Teuffel in eines Kirchners Hauß. ???An lieset von dem Bischoff Gregorio in Cappadocien / daß er über das Welsche Gebürg zoge / und herberget bey einem Heydnischen Cüster oder Kirchner / der hatte einen Abgott / der antwortet ihm / was er fraget / und nehr et sich desselbigen Handels / daß er den Leuten heimbliche Dinge saget. Davon wuste nun der Bischoff nichts / und zog Morgens seine Strasse. Aber der Teuffel kunte des heiligen Mannes Gebet und Gegenwertigkeit nicht leiden / und flohe aus dem Hause / daß der Kirchner hinfort nicht mehr kunte Weissagen / wie vorhin. Da er nun seinen Abgott rieff / und heulet umb seinen Schaden / da erschien ihm das Teuffelein im Schlaff / und sprach / es were seine Schuld / daß er den Bischoff beherberget hette / für welchem er nicht hette können bleiben. Der Kirchner eylet dem Bischoffe nach / und klaget ihm / daß er ihm seinen Abgott und Nah [865] rung verjaget hette / und der Herberge übel gedancket. Da nam der Bischoff Pappier / und schrieb kurtz also / Gregorius dem Apollini, meinen gruß zuvor / ich erläubt dir zu thun / daß du zuvor gethan hast. Den Brieff nahm der Kirchner / und leget ihn bey seinem Abgott. Da kam der Teuffel wieder / und thet wie vorhin. Zu letzt gedacht der Kirchner / welch ein geringer Gott ist mir das / der sich von diesem Gast / der ein Mensch ist / treiben und führen läst? Vnd macht sich auff zu dem Bischoff und ließ sich lehren und täuffen / und nahm also zu / daß er ein trefflicher Bischoff zu Caesarien in Cappadocia wurde / nach dieses Bischoffes Tode. 1. Siehe / so einfältig gehet der Glaube daher / und handelt doch so freudig sicher und mächtig. 2. Also thu auch deinen Poltergeistern. Haec Lutherus über das Evangelium Dominica 1. Trinit: von dem reichen Mann / etc. 462. Zween Bürger / welche lang in Recht gelegen / vertragen sich in der Güte. ZWeen Bürger in Schweitzerland hatten eine lange Zeit mit ein an der im Recht gelegen; Da spricht einer zu seinem Sohn / [866] leg deinen Harnisch an ich wils auch thun / und gehe mit mir: Sie kom̅en vor deß Widerparts Hauß / und als der Haußwirth seinen Feind sihet und höret / daß er zu ihm kommen solt / sagt er gleichfals zu seinem Knecht: Leg deinen Harnisch an / ich wil es auch thun / denn mein Wiederpart ist vorhanden / laß hören / was er wil. Kommen also vor der Thüren zusammen / da fähet der Nachbar an / wir haben lange Zeit in Rechten gelegen / das unserige zugesetzt / wir wollen gute Freude werden / da hab ich einen Sohn und ihr eine Tochter / wollen solche zusammen heyrathen / und forthin gute Freunde bleiben: Der verwilligte darein / neben der Tochter / fangen an frölich zu seyn / halten eine ehrliche Hochzeit / und bleiben biß an ihr Ende gute und beständige Freunde. 1. Dieses ist ein guter Christlicher Vertrag gewesen. 2. Wolte GOtt / daß alle / so in uneinigkeit leben / sich auff dergleichen weise vertrügen / so würde denen Engeln in Himmel Freude / denen Teuffeln in der Hölle aber Traurigkeit gemachet werden. 463. Das Grab ist unser rechtes eigenes Hauß.
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EIn Bürger zu Tuders kauffte auff eine Zeit ein baar Hünlein / die wolt er heim schicken / in dem siehet er ohngefähr am Marck den frommen Jacoponum / den spricht er an / lieber thue mir so viel zugefallen / und trage mir die Hünlein heimb in mein Hauß / mach mir aber keinen Possen. Jacoponus antwort / trau du mir darumb / ich wils in dein Hauß heimtragen / wie du es befohlen. Mit diesen Worten geht er stracks Sanct Fortunati Kirchen zu / alda dieser Bürger sein Begräbnüß hatte. In dieses Grab verbarg Jacoponas die Hünlein / wie er mocht und kondte. Der Bürger kam heim / fragt alsbald nach den Hünlein / niemand wolt im Hauß darumb wissen / sie hätten niemand nie gesehen. Da laufft der Bürger wiederumb gen Marckt / und so bald er den Jacoponum sihet / sagt er / es ist mir wol vorgangen / du könst deine Possen nicht lassen: Lieber / wo seynd meine Hünlein. Jacoponus sprach / ich habs in dein Hauß getragen / wie du befohlen. Will doch / spricht der Bürger / bey mir daheim niemand darumb wissen / komm mit mir / sagt Jacoponus / ich will dir den Glauben in die Händ geben. Führet also den Burger mit sich in die Kirchen zum Grab / ruckt den Grabstein / und sagt / lieber Freund / ist dann diß nicht dein Hauß? Der Bürger konds nicht langnen / nahm die Hünlein zu sich / und schöpffet eine gute Lehr darauß.
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1. Dem ist vorwar nicht anders. Die Gräber sind unsere rechte-Wohnung und Häuser. Die jenigen Häuser aber / so wir in der Welt besitzen / sind uns nur zur Miet eingethan. 2. Die Lehre hieraus soll diese seyn / daß wir uns zum Grabe und Tode fein wol bereit machen / wie die jenigen / die eigene Häuser beziehen wollen. 464. Mutter Fluch. IN einer Stadt in Spanien hatte ein gelehrter und geehrter Mann zweene Söhne: Deren einer / seines Alters etwa dreyzehen Jahr / ein Bubenstück verübete: Darüber seine Mutter dermassen zu Vnwillen und Zorn bewogen worden / daß sie anfieng / ihn zu verfluchen / und den Teuffeln zu geben / und wünschete / daß sie kämen und ihn holeten. Dieses geschahe deß Abends umb zehen Vhr: Vnd als die Mutter jmmer anhielt mit Fluchen / gieng der Knabe gantz bestürtzet hinab in den Hof: Daselbst verschwand er / also / daß man ihn nicht kunte finden / wie sehr fleißig man ihn suchte. Sie waren alle bestürtzet über diesem Fall / in betrachtung / daß man weder Thür noch Fenster öffen fand / da er hätte können hinaus kommen.
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Vber zwey Stunden höreten die betrübten Eltern ein groß Gerausche in einer Kammer über ihnen / und den Knaben bitterlich weinen. Als sie hinauf giengen und die Kammer. Thür so wohl verwahret / mit dem Schlüssel eröffneten / funden sie den Knaben in so elenden Zustande / daß es sehr erbärmlich anzuschauen war. Denn über das / daß seine Kleider gantz zerrissen / war sein Gesichte / die Hände / und fast der gantze Leib zerstochen und zerritzet / als wie mit Dornen: Er war so verstellet und verwirret / daß er dieselbe gantze Nacht nicht kunte zu sich selbst kommen. Die Eltern thäten alles / was sie vermeinten dienlich zu seyn / ihn zu erquicken: Als sie aber folgen des Tages sahen / daß er etlicher massen zu sich selber kommen / fragten sie jhn / was sich vergangene Nacht mit ihm begeben hätte? Antwortete er / als er wäre im Hofe gewesen / da wären sehr grosse / scheußliche / und erschreckliche Männer zu ihm kommen / die hätten ihn ohne eintziges Wort genommen / und in die Lufft geführet / mit einer ungläubigen Geschwindigkeit: Darnach hätten sie ihn gebracht auff Berge / die voller Dornen gestanden / durch dieselben hätten sie ihn geschleiffet / und also zugericht / wie sie jhm hätten funden. Vnd endlich hätten sie ihn wohl gar ertödtet / wenn er sich nicht in seinen Gedancken dem lieben Gott [870] bekohlen hätte: Darauff hätten ihn diese Peiniger zurücke gebracht / und durch ein enges Kammer-Fenster hineingezwänget und gestossen: Darnach wären sie verschwunden. Dieser Knabe blieb taub / und befand sich sehr übel wegen dieser Heimsuchung: Er schemete sich / und verdroß ihm übel / so ihn jemand darumb fragete / oder ihm davon sagete. A Torque mada en la 3. journee so??? Hexameron. 1. Eltern sollen sich inacht nehmen und ihren Kindern nicht fluchen. Denn solcher Fluch gehet gemeiniglich nicht lehr ab. 2. Der Teuffel läst sich nicht lange ruffen / hüte dich für ihm / er kömpt wol ungeruffen. 465. Einem frommen gefangenen Prediger bringt ein Vogel Geld. CAmerari???, in der Historien vom Brüdern in Böhmen / setzt diese Historien; Vor etlichen Jahren ungefehr wurd ein frommer Prediger in Böhmen umb der Göttlichen Warheit / willen ins Gefängnüß geleget / den steuerten fromme Christen / daß er sich darinnen erhalten möchte; Als [871] aber solches mit grossen Ernst verboten wurde / hat er sich seines Lebens gäntzlich verziehen / und nach GOttes Willen zu sterben ergeben; was geschicht? als er sich ohn gefehr zu den Fenster im Gefängnüß wendet / und inniglich betet / siehet er / daß ein Vogel zum Fenster fleugt / (gleich wie die Raben Eliam speisen musten) läst ein Lümplein oder Zettelein fallen / er hebt es auff / findet darinnen einen Ungarischen Ducaten / davon er ihm durch die Hütter ließ Speise kauffen / biß er lang hernach aus dem Gefängnüß loß ward. 1. Hier hat sich die Göttliche Vorsorge auff sonderbare Weise blicken lassen. 2. Darumb wir billich uns alle auff dieselbe in Nöthen noch verlassen und mit der Kirchen singen sollen: Warumb betrübsiu dich mein Hertz / Beküm̅erst dich und trägest Schmertz Nur umb daß zeitliche Guth / Vertrau du deinem HErre GOTT / Der alle Ding erschaffen hat. 466 Käyser Domitiani Trauer-Malzeit.
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Käyser Domitianus hat auff eine Zeit den fürnehmbsten Rathsherren und Rittern eine solche Mahlzeit gehalten; Er ließ ein Hauß allenthalben gantz schwartz zurichten: Die Wand / der Boden und Oberdill / Sessel und Stuel war alles schwartz und auff traurig und klagerische Art. In dieses Toden Zimmer ließ Er die Gäst bey nächtlicher weil hinein führen / ohne ihre eigene Auffwärter und Diener: Neben einem Jedwedern ließ er ein Todenbaar setzen / darauff eines jeden Namen gezeichnet war / darbey ward auch gelegt eine Fackel / dergleichen man zu Begräbniß pflegt zu gebrauchen. Die Taffel-Diener waren ebenfals so wol am Angesicht / als Kleidern gantz Nachtfarb und Kohlschwartz / und spielten umb die Gäste eine̅ Toden-Tantz herumb. Vnterdeß bracht man in sehr grosser Stille die Mahlzeit ein / allein daß noch über diß alles der Käyser eine̅ neuen Sermon un̅ Gespräch vom Todt und Toden Ceremonien einführet / darbey ihnen die Gäst voller Schreckens nichts anders als den Gegenwertigen Todt könten einbilden / die dann vor lauter Furcht / schier halb todt waren. 1. Was ist daraus worden? Hette nicht der Käyser so wol ihme als andern eine heilsame Todten Gedächtnüß daraus schöpffen können? Es war aber umb Ihm nur lauter Fabelwerck und Nar [873] rentand. Ziphilin. Wie viel löblicher thäten die Egyptier / welche ihre Kurtzweil bey den Mahlzeiten mit traurigen valete castigiret und beschlossen. 2. Wir sollen uns dieses / wenn wirs lesen / dar zu dienen lassen / daß wir offt und fein viel an unser Ende gedencken / denn so werden wir nur desto weniger sündigen.

467.
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Der weise Mann Thales will kein Weib nehmen. PLutarchus schreibt in vita Solonis dieses: Als Solon auff eine Zeit zum Thalete kam und sahe / daß er kein Weib hette / und ihn derwegen fragete / schweig Thales der weise Mann gantz stille / er stifftete aber einen Bothen an / der solte sagen / es were zu Athen / eines frommen Mannes Sohn gestorben / er hette solchen hinaus sehen tragen / und sein Vater wer nicht zu Hauß / drumb were daß Leid desto grösser gewesen; da fragte Solon den vermeinten Boten; Ober nicht Solon geheissen? Ja sagte der Both / da weinete und heulete Solon: Das ist die Ursach sagt Thales / daß ich nicht heyrathen mag.
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1. Weise Leute führen weise Gedancken und Rathschläge. 2. Allein die gröste Weißheit ist / wenn man GOTT fürchtet und vertrauet / und das Creutz / welches in keinem Stande aussen bleibet / gedultig trägt. 468. Woher die Weiber die Herrschafft haben. EIn zwar großbegüterter / aber zu der nächtlichen Arbeit / ohn vermögender Edelmann / spielte einsmals zu Abends-Zeit mit seiner Liebsten in dem Garten; Als sie nun nicht einig werden konden / was es gelten solte / gab die Frau den Außschlag / daß welches Theil unter ihnen beyden verliehren würde / solte nachmals die Herrschafft im Hause haben / solches bewilliget der Juncker. Das Glück fügte sich / daß die Frau das Spiel gewan / wodurch sie die Herrschafft erhalten / welche nachgehends alle Weiber von ihr geerbet / und dahero auff heutigen Tag solche behaupten wollen. 1. Was vernünfftige Weiber seyn / die begehrten solch Spiel nicht zu gewinnen / oder / wenn sie es gewonnen / schenckten es alsobalden den Männern wieder. Denn es laufft wieder GOttes Ordnung / daß das [875] Weib über den Mann soll herrschen. 2. Aber leider! viel Weiber dürfften es mit dieser Edelfrau halten / und sich der Herrschafft anmassen. Der aber ist kein Thor / der einem eine Thorheit ansinnet / sondern der sie eingehet. 469. Von einem Bischoff / der in ein wüst Hauß eingezogen. WIr lesen in der Historia Tripartita von einem Bischoff / der gen Corinthum kam / da er zum Concilio zog / und als er nicht füglich Herberge fand für sich und sein Gesinde / sahe er ein verwüstes Hauß stehen verschlossen / fraget / ob man ihn daselbst nicht kunde herbergen / da ward ihn geantwortet / es were so ungeheuer drinnen / daß niemand daselbst wohnen könte / und weren vielmals des Morgens frühe die Leute todt drinnen funden worden. Da machte er nicht viel Wort / und hieß stracks einziehen / und lag die Nacht drinnen / denn er sahe wol / daß es des Teuffels Gespenst war / und hatte einen festen Glauben / daß Christus des Teuffels HErr were / darumb [876] verachtet er ihn / und zog zu ihm ein. Da ward daß Hauß durch sein beten und Herbergen frey / daß hinfort kein Gerümpel noch Ungeheuer drinnen gehört ward. 1. Da siehestu / daß es Teuffel sind / die Rumpel-Geister / und daß nicht viel mit Ihnen zu disputiren ist / sondern mit frölichen Glauben soll man sie verachten / als weren sie nichts. 2. Ein Jedweder Christ fasse demnach nur seinen HERRN Christum mit wahrem Glauben / und verachte den Teuffel wol / er wird Ihn müssen zu frieden lassen / und nicht schaden dürffen. 470. Von Zwey Citationen vor das Jüngste Gericht. ANno Christi 1606 sagte ein Soldat schertzweiß: Das Schildwach stehen kömbt offt an uns / aber die Zahlung gar langsam / das erfährt der Oberste / bef???hlt ihn als einen Auffrührer zu hängen / der Soldat lacht es ihm erstlich / als Er aber den Ernst siehet / sagt er; Nun Oberster / innen 4. Wochen / eben diesen Tag und Stund / solt Ihr vor GOttes Angesicht von meinem Blut Rechenschafft geben. Der Oberst sagt / du bist kein Prophet / fürcht mich vor deine̅ drohen nicht. Aber in dreyen Wochen / als er die Wach will be [877] sichtigen / sället er von einer Brücken sich zu todt. Zu Lübeck wurd eine Schnur mit Perlein verlohren / der Argwohn kombt uffs Hauß-Herrn seinen Gevattern / einen guten redlichen Handwercksmann / der wird eingezogen / und weiln Er sich nicht wol verantworten kan / gehängt / da sagt er vor seinem Tod: Lieber Herr Gevatter / weiln ich keine Gnade haben kan / so fordere ich euch in 14. Tagen vor GOttes Gericht / bald hernach wird die Perlene Schnur hinter einer Laden gefunden / der Hauß-Herr entsetzt sich über des gehängten Red / und ist traurig / solches stehet sein Diener einer / welcher domals bey diesem Wesen nicht war zu Hauß gewest / fragt Ihn / was Ihm mangelte? Er erzehlt ihm den gantzen Vorlauff / da sagt der Diener: Ich nimb ein Kleid von Lindischen Tuch / und halt einen Schadloß / er gibts Ihm / umb Mitter nacht kombt der Sathan ins Dieners Kammer / schlägt ihn den Kopff an die Wand / daß das Blut viel lange Jahre nicht hat können abgewischet / noch verstrichen werden. 1. Mit GOTT läst sichs vorwar nicht schertzen / es bilde es Ihm nur keiner ein. 2. So hüte man sich auch / daß man auff gleiche weise nicht vor daß Gericht GOttes citiret werde. Gewieß es stehet grosse Gefahr darob / und gehen [878] solche Citationes gemeiniglich nicht lehr ab. 471. Der Erben Geitz. SHieronym??? beschreibt der Erben Geitzigkeit mit diesem Beyspiel. Ein Färcklein greinete und granet bitterlich umb seine verstorbne Mutter. Als es aber aus dem Testament vernommen / daß sie ihm ein hauffen Eicheln und etzlich Metzen Kleyen hinterlassen und verschafft / höret es auff zu granen / und schwieg still. Mann fragt es / warumb es so geschwind auffhöret zu trauren? Die Kleyen und die Eicheln / sagt es / verstopffen mir den Küßl. Gewießlich war allda das Weinen eines Erben nur ein verdecktes Gelächter. 1. O wie viel Erben seynd noch heutiges Tages also beschaffen. Sie spitzen sich nur auffs Testament / tragen dem Haab und Fahrnüß dahin / rauschen im Gold und Silber umb / ziehest du / so ziehen sie auch / es gehe gleich deiner Seel wie GOTT wöll / sie fahr dahin wie sie es verdient hat. 2. Dieses ist der gemeine Welt-Laufft. Was aber Christlich gesinnete Leute seyn / die [879] betrauren ihre Verstorbene Freunde von Hertzen / und so dann geniessen sie das jenige in Friede / was ihnen hinterlassen worden. 472. Wunderlicher Türckischer Auffzug. ALs etliche Abgesandten gen Ofen in Vngarn kamen / schickt ihnen der Bassa entgegen etliche seiner Leute mit vielen Herolden und Officirern: Vnter andern war dabey einschöner Aufzug junger Reuter / welcher wegen seiner neuen ungewöhnlichen Außrüstung denckwürdig ist. Sie hatten ihre Häupter bloß und beschoren: Vber dieselben hatte ein jeder einen langen blutigen Schnitt gemacht: Vnd solche Wunden / daraus lauter Blut tropffete / mit unterschiedenen Vogels-Federn ansgefüttert: Keiner ließ sich sehen / als wenn es ihn schmertzete / sondern sie ritten mit lachenden Munde und erhabenen Häuptern. Vor mir giengen etliche Fuß-Knechte / unter welchen einer die Armen bloß unterstemmete: Vnd ein jedweder Arm war über dem Ellebogen durch und durch mit einem Messer durchstochen / welches noch darinnen stackte. Ein anderer war entblösset vom Haupte biß auff den Nabel / der hatte sein Leder an den Len [880] den oben und unten an zweyen Orten also zerschnitten / daß er quer durch ein Gewehr gestecket / welches er trug / wie wir einen Sebel in der Scharpe tragen. Einen andern sahe ich / welcher eben auff seinem Kopffe ein Huf-Eisen mit vielen Nägeln angehefftet trug / und so von langer Zeit / daß die Nägel dermassen ins Fleisch eingewimmert und verwachsen waren / daß sie sich nicht mehr bewegeten. Wir kamen mit solchem Auffzuge gen Ofen und wurden in die Behaussung deß Bassen geführet / mit welchem ich von meinen Verrichtungen handelte. Alle diese junge Leute / so sich wegen ihrer Wunden bekümmerten / spatziereten in dem untern Hofe deß Logiments: Vnd als ich mich wendete / sie anzuschauen / fragte mich der Bassa / wie mir dieses gefiele: Gar wohl / sagte ich: Ohne daß diese Kerlen an ihrem Leibsleder das thun / was ich an meinem Rocke nicht gerne thun wolte: Denn ich wolte ihn lieber gantz behalten. Der Bassa lächelte / und gab uns Vrlaub. Bußbequius in dem Discurs von seiner Türckischen Ambassada / Epist. 4. 1. Dieses hat sollen eine Mannhaffte Hertzhafftigkeit heissen / ist aber eine grosse Verwegenhtit besser zu nennen.
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2. Vor unsere Zärtlinge dienet es schon nicht / welche lieber in zerschlitzten verportirten Kleidern als zerfetzten Leibern einher gehen. 473. Der Teuffel / welcher einem Einsiedel wegen seiner Sünden zusetzet / kömpt geschlagen wieder zurück. EIn frommer Einsiedel sahe einsten den Teuffel mit einem Buch vor seiner Clausen vorüber gehen / den fragte er / wo er hin wolte? Er sagte / er wolte zu GOtt / und ihm der Menschen Sünden vorzeigen / wiese dem Einsiedler auch seinen Nahmen im Buch / und acht Bletter voller Sünden; Der Einsiedler erschrack / sagte zu ihm; Fahre hin / was du vor Antwort bekomst / sage mir wieder / fiel unter deß auff seine Knie / und betet andächtig umb Verzeihung der Sünden / und das GOTT den Sathan stürtzen und steuren wolte; Was geschicht? Der Teuffel kompt bald wieder nacket und bloß / voller Beulen und Wunden / klopffet beym Einsidel an / und sprach: Dein gecreutzigter JEsus kam mir entgegen / nahm das Buch und stach [882] ein Loch dadurch / und zutrat mir meinen Kopff / daß ich kaum gehen mocht; Der Einsiedler dancket hierneben GOtt / und ließ den Teuffel fahren. 1. Siehe / was das Gebet deß Gerechten vermag / wenn es ernstlich und im Nahmen deß gecreutzigten JEsu geschicht. 2. Wollen wir auch Erhörung haben / so lasset uns auch in diesem Nahmen beten / und wenn wir Erhörung erlanget / auch der Dancksagung nicht vergessen. 474. Von erbaueten Türckischen Tempel zu Allkäyer in Aegypten. ZU Alkäyer in Aegypten ist ein Türckischer Tempel (oder Moschen) auff folgende weiß erbauet worden. Der Bassa Assanus / ein verschlagener Geitzhalß / wolte ihm selbst in der gantzen Welt mit einem grossen Gebäu ein Gedächtnüß machen / doch daß es ihn nicht viel kostete / erdacht er diesen Fund: Er ließ allenthalben vußruffen / wie daß er willens eine̅ grossen Tempel auffzubauen / damit dann solches Werck desto glücklicher von statt gehe / werde allen darkommenden ein reiches Allmosen dargereicht werden / darzu dann ein gewisser Tag und Orth ernennet worden. Solcher Ruff beweget eine unsägliche männig Volck / nicht al [883] lein in gantz Egypten / sondern sie loffen auch aus den benachbarten Königreichen herzu. Zu der Wahlfarter Ankunfft aber ließ obgemelter Assanus einen grossen hauffen Hembder und Röcklein machen. Die aber das Allmusen empfangen wolten / muste man durch einen sehr weiten Hoff in einen andern / der eben so weit / durch etliche Thürlein führen / und solte man allweg nur einen allein hinein lassen. In diesem Durchgang ließ er einen jeglichen seine Kleider abziehen / und mit Gewalt ein neues Hembd und Röcklein anlegen / welches darum geschehen / damit alles / was so viel tausend Menschen für Zehrung mit sich genommen / an besagten Orth gelassen würde. Dann selbigen Orten bräuchig / das Geld / so man zum Reisen haben will / in Hembder und Hüt einzunehen. Vnd ob schon keiner war / der nicht lieber sein Hembd und Rock / wie zerrissen sie auch waren / behalten wolt / wurden sie doch alle genötiget / ihre / Kleider dahinden zulassen / und in neuen / doch lehren Rock zu prangen. Darumb dann unter dem gantzen Volck ein grosses Heulen und Klagen entstanden; und begehrten alle von dem Assano ihre Kleider. Assanus aber lachet das arme heulend und weinende Volck nur aus / ließ alle Kleider zusammen tragen / und auff einen Scheitterhauffen verbrennen. Auß welcher Brunst so grosses Geld auffgesamblet worden / daß es zu dem [884] stattlich fürgenommenen Bau gar wol kleckete. Eben also handelt auch der Todt mit uns / erziehet uns das alte Kleid ab / wann wir schon nicht wollen / und legt uns ein neues Toden-Kleid an. Wir zwar / wie Sanct Paulus sagt / beschweren und beklagen uns / sintemahl wir lieber wolten nicht entkleidet / sondern überkleidet werden. Wir spreitzen uns aber vergebens / unser schreyen und weinen ist dem Tod nur ein Gelächter. Du wollest oder wollest nicht / so mustu das alte Röcklein abziehen. Ziehe es nur hurtig aus und gehe fort. Es wird keinem besser / wer gebohren ist / muß sterben. Wir gehen alle durch eine Thür / einer jetzt / der ander aber ein kleines hernach. Hört aber / wie des obgedachten Geitzhalß Tyranney gestrafft worden. Nach dem der Türckisch Käyser deß Assani Schalckhafftigkeit gemerckt / schickte er den Bassa Ibraim mit einem Befelch Schreiben zu ihm / darinnen er dem Assano ernstlich gebietet / er solte ihm alsbald in Angesicht diß Brieffs / sein Haupt nach Const antinopel schicken. Solche Todten-Brieff pflegt der Türckische Käyser mit eigener Hand zu schreiben / und in schwartz Seidene Schläyer einzuwickeln. Solcher Brieff Summa und Innhalt ist diß: Schick mir dein Haupt.
|| [885]
1. Sey wer du wilst / König oder Käyser / wann dir der himmlische Käyser einen solchen schwartzen Brieff schickt / so kanst du dich nicht wiedersetzen / da hilft kein Entschuldigung / da hilfft weder Bitten noch Beten / da hilfft keine Flucht / keine Außred / es ist aus mit dir. 2. Wolan / mach aus der Noth eine Tugend / weils je ohne das muß seyn / so gib dich gleich selber drein. Schick dein Hauptfort nicht einem Tyrannen / sondern einem Vater / nicht zu einem Menschen / sondern zu Gott. Stirbe nicht nur also dahin / sondern haben auch guten Willen zu sterben. Dann warumb soll der Will nicht vorkommen / weils je seyn muß? Daß wir uns darein ergeben / ist eine Notturfft / daß wirs aber auch von Hertzen gern wollen / ist eine Tugend. 475. Ein junger Gesel soll etzliche Donatisten zu Märterer machen / gibt aber jedwedern dafür einen guten Product.
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AUff eine Zeit sind etliche Donatisten einem jungen Gesellen begegnet / deme sie ein bloß Schwerd in die Hand gegeben / und begehret / daß er sie zu Märterer machen wolle: Weil er sich aber befürchtet / daß er sich dessen ohne Gefahr nicht würde unterstehen dürffen / hat er begehret / daß sie sich zuvor wolten binden lassen / darmit er ihrer mächtig seyn köndte Da sie darein gewilliget / hat er ihme aus dem nechsten Strauche Rutheu gemacht / einem jedern einen guten Product gegeben / darvon gegangen und hat sie nicht erwürgen wollen. 1. Dieser Junge Mensch hat wol gedandelt / und dergleichen Phantasten der gebühr nach zu tractiren gewust. 2. Dann auff den Rücken der Narren gehören Ruhten / wie der weise Salomon schreibet / Prov. X. v. 13. 476 Einer wirbt lauter einbeinigte Soldaten. EInsmals sollen Werber in ein Wirtshauß deß Abends kommen seyn / darinnen sie hinter dem Tische unterschiedliche resolute Kerls antrosten: Da fragen die Werber / ob sie sich nicht wolten unterhalten lassen? Resp. Ja / so wir Geld genug bekommen / und zu Pferde dienen sollen: (Nota, daß die Werber aus Betrug vorgegeben / sie wolten Reuter [887] werben; Aber wenn sie nun mehr Volck bekommen hatten / so muste es Mußqueten tragen: ??? drauff bekommen sie die Versprechung / und ein jeder einen Ducaten / welchen sie alle flugs in Bier und Weine mit einander verschwappelten / biß die Nacht vorbey gegangen / und der Tag angebrochen: Da sprechen die Werber; Ihr Brüder / es ist nunmehr Zeit / wir wollen margiren: Was geschicht? Da hutschen die geworbene Soldaten alle hinter dem Tische hervor / und praesentiren sich: Aber allen hatte ein Bein gefehlet / weil sie aber vorher auch schon im Kriege gewesen waren / und ihnen solche Beine abgeschossen worden: sagende: so ihr uns wollet mit fort haben / so schaffet uns Pferde / wie ihr zugesaget habet. 1. Also kömpt offtmals Schalck über Schalck / und wird der jenige betrogen / wer andere zu betrügen sich unterfähet. 2. Was haben die Werber machen wollen? Das Geld ist weg gewesen / der geworbenen Beine auch. Sie haben sie entweder müssen wieder gehen lassen / oder ihnen Pferde verschaffë.

477.
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Einer nieset einen Splitter von einem Flitzsch-Pfeil heraus.
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ALexander Benedictus erzehlet im vierdten Buche von Heilung der Kranckheiten dieses / das da folget: Ein Grieche / mein guter Freund / war mit einem Flitsch-Pfeile an den Schlaff geschossen / und verwundet worden / in Eroberung eines Platzes / und nach dem er von den Türcken gefangen weggeführet worden / ist er schlecht hin von seinem Schaden geheilet worden / und in der Dienstbarkeit blieben zwantzig Jahr. Nach dem er aus ihren Händen entrunnen / hat sich dieses fünff Jahr nach seiner Wiederkunfft zugetragen. Als er an einem Sommertage seinem Mund mit frischem Wasser ausspielete / bewegt er sich / und fieng vielmahl an zu niesen / so hefftig und beharrlich / daß er anfieng zu fühlen ein groß kützeln und Wehtage in der Nasen: Darauff kam aus dem einen Nasenloch ein Stück oder Splitter von einem Flitzschpfeil mit dem Eisen forne dran / in der Länge deß mittlern Fingers / welcher der gröste ist unter allen: Vnd war an ihm kein ander Wundmahl / als das erste. Als ich dermaleins diese Historien etlichen Medicis zu Venedig erzehlete / kundten sie theils nicht gläuben / daß dieses warhafftig sey / theils forscheten nach / wie solches hätte können geschehen. Vnd siehe / da kam gleich unser Grieche / seiner Geschäffte halben / in die Stadt. Er trug immer dar dieses stücke von dem Flitzsch- [889] Pfeile bey sich / welches er uns zeigete / und bestettigte alles gar wohl / was obstehet. Er war innerhalb zehen Jahren nicht zu Venedig gewesen / und kam da gleich zu massen die Warheit einer Sachen / so für unmöglich und Fabelhafftig gehalten worden / gegenwertig zu bekräfftigen. 1. Ist ein sehr Grosses / und dürffte wol auch vielen unter uns Unglaublichen vorkommen. 2. Weil es aber so umbständlich beschrieben wird / und daß der jenige / welchem dieses wiederfahren / es selbsten mit seiner Ankunfft beste tiget haben soll / so stellen wir es dahin / es mag ein Jedweder von der Sache halten / was Er will. 478. Des Abbts Sosoii End. BEy des heiligen Abbts Sosoii End waren viel Zuseher / zu denen Er mit klarem Angesicht also redet: Sehet der Abt S. kombt zu uns. Vnd über ein kleines: Sehet eine Schaar der Heiligen Propheten stehet da. Vnd bald hernach: Jetzt kommen auch die Heiligen Apostel. Vnd weil man vermerckte / als redet er mit diesen Heiligen / fragte man Ihn / mit wem er redete? Antwortet Er / die Engel sind ankommen / [890] und wollen meine Seel anders wohin führen / die hab ich gebeten / Sie wolten mir noch eine kleine Zeit zur Busse vergönnen. Die lieben Freunde sagten: Ach! Vater / du bedarffst keiner Busse mehr. Sosojus antwortet: Ach! Ich habe noch keinen rechten Anfang zur Buß gemachet. Diese Demuth des heiligen Mannes verdiente / daß sein Angesicht immer zu heller und klärer gläntzet. Letzlich saget er mit frölicher Stimm: Sehet / sehet der HERR kombt. In welchen Worten Er sein Leben endet. O seeliger Todt / der seinen Triumph in der Ewigkeit helt. Vnd obwohln zwar umb einen solchen Sterbenden nicht König und Potentaten herumb stehen / ist doch der König aller Könige / der Potentat aller Potentaten zugegen / da kan sich ein Sterbender wohl begnügen lassen / und demselben sein letztes Wort auffopffern. 1. Ja wol seeliger Todt / wenn ein solcher Sterbender seine Seeligkeit nicht auff die Werck / sondern auff den Glauben an JEsum Christum gründet. 2. GOTT läst offtmals Sterbende / und in rechter Andacht liegende Leute solche Dinge sehen / die andere Umbstehende nicht zusehen bekommen. 479. Bambaccani eines Ungerischen Königes Stadhalters Rache.
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BAmbaccanus, König Andreae in Ungern Stadthalter / hatte ein sehr schönes und ehrliches Weib / die muste sich in Abwesenheit ihres Herren umb die Gertraut / einer Hertzogin in Beyern / auffhalten. Nun kömbt der Königin Bruder in Teutschland / sie zu besuchen / und wird gegen des Stadhalters Weib also in Lieb entzündet / daß er kranck darüber wird / endlich erlanget er durch der Königin Hülffe / daß sie mit einander in ein Gemach versperret werden / da er sie mit Gewalt schändet / das Weib klagts hernach bitterlich ihrem Herrn / bittet inständig / er wolle sie vor ihren Augen erstechen / sonst müste sie selbst zur Mörderin an ihr werden; Er tröstet sie / und sagt zu ihr / er wolle zu gelegener Zeit die Schmach und Schand mit einem grimmigen Exempel rächen; bald darauff nimbt er ehrliche Männer zu sich / dringt in der Königin Gemach ein / erzehlt ihr das geschehene Bubenstück / und ersticht sie mit seinem Degen / zeugt hernach mit etlichen Land-Herren dem König nach Constantinopel / berichtets ihm alles / darüber ihn der König loß und ledig gesprochen hat.
|| [892]
1. Des Mannes Eifer ist groß und mit keinem andern zu vergleichen. Dannenhero / menschlich von der Sache zu reden / dieser Stadthalter nicht zu verdencken gewesen / daß er sich gerechnet / wiewol er vor GOtt / als der sich die Rache vorbehalten / unrecht gethan. 2. Das Weib aber des Stadthalters ist doppelt zu loben / erstlich darumb / daß sie in das böse Ansinnen der Königin Bruder ihren Willen nicht geben / und also ihre Seele keusch behalten. Darnach auch darinnen / daß sie die ihr angethane Schande nicht verschwiegen / welches beydes wol von vielen Weibern / denen gergleichen begegnete / dürffte unterlassen werden. 480. Einen Hertzog in Bäyern / wird sein Tod in einem Traum angedeutet. WIlhelm der dritte diß Namens Hertzog in Bayern / ein Vatter der Armen / ein Schutzherr aller Religiosen / dem nach sienem Absterben / wann sonst schon alle Prediger geschwiegen hätten / jedoch das grosse Trauren und Weine̅ / so umb ihn war / eine gnugsame Leich-Predig gewesen were. Dieser hochlöbliche Fürst / als er von dem Baßlerischen Concilio, dessen Defensor er war / wiederumb anheimbs nach Mün [893] chen kommen / hat eine̅ solchen Traum gehabt: Er habe einen schönen grossen Hirschen / der trug auff dem einem Horn etliche Glöcklein / auff dem andern brennende Fackeln. Diesen Hirsche̅ setztë die Jäger und Hunde starck nach / und als er sonst nirgends mehr anders wohin fliehen kund / entflohe er letzlich auff unser lieben Frauen Freythoff. Allda fand er ein offnes Grab / darein man eine̅ Toden begraben soll / der Hirsch fiel darein / und also ward er gefangen und umbgebracht. Als nun der Fürst erwachet / gedacht er bey sich selbst / was doch dieser Traum bedeuten möchte? Vnd erzehlet ihn auch des andern Tages seinen Hoff-Herrn. Die dann solchen Traum auff unterschiedliche Außlegung gezogen. Vnd als Sie der Fürst nach einander vernommen / legt erseinen Traum selber aus: Ich bin / spricht er / dieser Hirsch / und wann ich stirb / daß dann bald geschehen wird / so will ich in unser Frauen Kirchen begraben werden. Solches ist geschehu / und der Traum wahr worden. Fürst Wilhelm wurd kranck / und starb bald hernach / der Leichnamb ward begraben / die Seel fuhre zu den ewigen Freuden. Ein guter Todt / ist ein Anfang zur seeligen Ewigkeit / 1. GOTT deutet offtmals einem etwas in einem Traum an / und er weiß Ihm auch die Außlegung selbsten wol zu machen.
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2. Jedoch soll man auff Träume auch nicht allzeit viel trauen / denn sie sind nicht einerley / kommen auch nicht alle von GOTT her. 481. Ein ersäufft Kind thut die Augen auff. JOhannes Pideritius Pfarrer der Stad Blumberg / schreibet in seinem teutschen Chronico der Graffschafft Lipp / part. 2. fol. 591. seqq. daß Anno 1545. es sich begeben / daß eine Magd / so sich schwängern lassen / und ein Kind zur Welt gebohren / selbiges in Mülen-Teich zu Saltzufen / in der Graffschafft Lipp ersäufft / worüber sie gefänglich eingezogen worden / und als man das todte Kind für sie Gefängnüß gebracht / und gefragt / ob daß nicht ihr Kind seye / so sie ersäufft / sie aber solches geläugnet / da habe das tode Kind die Augen auffgethan / und seine Mutter angesehen / und sey es in deme gantz Liecht in Gefängnüß Thurn worden: Da dan̅ hernach die Magd die That bekennet / und hingerichtet worden. Welches ein denckwürdiges Exempel ist.
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1. Solche und dergleichen Anzeigung geschehen offtmals / damit die Warheit möge am Tag gebracht werden. 2. O wie wird dieser Mutter zu Muth gewesen sein / wenn sie ihr getödtetes Kind / wieder mit auffgethanen Augen und darneben das helle gläntzende Liecht in Gefängnüß gesehen! Es wehr kein Wunder gewesen / wenn ihr das Hertz vor die Füsse gefallen. 482. Was Valerius Maximus von zween Reise-Geferten / davon einer erschlagen worden / erzehlet. VAlerius Maximus erzehlet ein schönes Exempel / von zween Reise-Gesellen aus Arcadien: Als dieselben gen Megaram kamen / und der eine bey seinem Wirth / der ander im öffendlichen Schenckhause einkehrete: Sihet jener / so beym Wirthe war / des Nachts in Traum / seinen Gesellen zu ihm kommen / höchstes Fleisses bittende / wo er ihn wolte beym Leben erhalten / so solte er eylends ihm mit Hülffe beyspringen / dann der Schencke stelle ihm nach dem Leben. Darüber erwacht er / helts aber für einen unnützen Traum / und legt sich wiederumb in die Ruhe. Im Schlaffe erscheinet er ihm zum andernmal sehr Blutrünstig / und bittet / weil er ihm ja das Leben nicht hette erhalten wollen / so wolle er doch wegen der alten Freundschafft seinen unschuldigen Tod rechnen / [896] Dann der Schencke habe ihn erschlagen / auff einen Wagen geworffen / mit Miste zugedeckt / und wolle ihn des Morgens in aller frühe zur Stadt hinaus führen / und heimlich begraben Wann er nur mit dem Tage beym Thor sich finden liesse / würde er solches in der That also erfahren. Dieser macht sich zu rechter Zeit auff kömbt zum Thore / findet alles richtig / wie ers ihm Traum gesehen / ergreifft den Schencken / bringt ihn für Gerichte / da er denn seinen verdienten Lohn wird empfangen haben. 1. Ist ein sehr wunderbahres und recht merckwürdiges Exempel / und 1. Hat man hieraus zu erlernen / wie GOtt offtmals auff eine sonderliche weise Mord- und andere böse Thaten ans Tage-Liecht bringet / damit die Thäter können abgestraffet werden. 483. Deß Römischen Scipionis Ruhm. BEym Livio lieset man eine denckwürdige Historiam. Als Scipio der dapffere Held / die Carthaginenser geschlagen / ist eine ansehnliche Frau / deß Mardonii Ehegemahl / ihm zu Fusse gefallen / und hat treflich geweinet / darneben gebeten / man wolle sie einer [897] Bitte gewehren / und ihr ihren Weiblichen Ehren-Schmuck lassen / das hat ihr der theure Held Scipio verwilliget und versprochen / weil er wol verstunde / worauff ihre Bitte gerichtet / denn sprach er: Vns gebühret nicht wieder Zucht und Erbarkeit zu handeln / darauff fieng die edle Matron an ferner zu reden / und sagt: Du siehest diese Jungfrauen / die neben mir gefangen seyn / welche sind meines Mannes Brüdern Töchter / so wol der andern Adelichen Jugend und Schönheit / welchen Zucht und Ehre lieber ist / denn alles in der Welt / zu dem sind ihr auch darunter / die schon ihre Jungfräuliche Ehre einem andern versprochen / und in der Liebe gegen denselben verknüpffet sind / an Silbernen und Güldenen Geschmeide / ist mir und ihnen wenig gelegen / unser beste Geschmeide und Zierde ist / Zucht und Ehre. Darumb bitt ich dich / du wollest ja uns gefangenen Leuten nichts unerbars / unkeusches / zumuten lassen / darauff Scipio: Ich wolte ohne deine Bitte mir und dem Römischen Volck eine solche Schande nim̅ermehr nach sagen lassen / daß euch was unzimlichs bewiesen werden solte / Nun aber weil ich sehe euer Erbarkeit und Keuschheit / solte mirs in meinem Hertzen mein Lebelang leyd seyn / daß euch was unzüchtiges solte wiederfahren. Hat sie darauff als bald einem Ehrbaren Manne befohlen / der auff sie achtung haben solte / und als ihm auch bald eine Man [898] bare Jungfrau zugebracht war / welche die Krieges-Knechte gefangen / die so schön gewesen / daß wer sie angesehen / sich an ihr vergessen / und sie mit verwunderung anschauen müssen / da hat er als bald gefraget: Wem sie angehöret? Vnd da er vernommen / daß sie einen Celibrischen Fürsten Albutio / vermählet / hat er alsbald die Eltern der Jungfrauen und ihren Bräutigam lassen fordern / ihnen die Jungfrau mit einer zierlichen erbarn Rede zugestalt / und da ihm die Eltern der Jungfrauen einen grossen Schatz verehret / hat er denselben Angesichts der Jungfrauen gescheckt / dem Bräutigam Glück gewünschet / und ihm seine hertzliebe Braut in allen Ehren folgen lassen. 1. Diese Leute / obs gleich Heyden gewesen / haben über Zucht und Erbarkeit gehalten / und wird ihnen zum ewigen Ruhm nach geschrieben. 2. O daß wir / die wir Christen heissen und seyen wollen / alle dergleichen thäten! 484. Eine Nahrhaffte Frau lehret ihre Nachtbahrin Haußhalten. ES kommet auff eine Zeit eine nahrhafftige Frau zu ihrer Nach barin / da klagt sie ihr / wie sie in ihrem Hauß [899] halten gantz nicht fortkommen könte / es gienge alles zu grund und boden. Die Häußliche spricht / sie will ihr eine Wurtzel geben / daß sie besser Glück haben soll / und fasset ihr in ein Lümplein ein gemeines Steinlein ein / das sol sie mit ihr in alle Winckel des Hauser umbtragen / so werd es besser werden; Solches geschicht und gehet ihr alles wol von statten / auff eine Zeit kompt die Häußlich Frau wieder / fragt ob es besser mit ihr stehe / ja / sagte sie / ich stehe jetzunder viel besser / da hieß sie ihr das Steinlein wiedergeben / und zeigete ihr es; sprechend / es were vorher nichts anders bey ihr gewesen / als die Hinläßigkeit deß Haußhaltens / daß sie nicht fleißig nachgesen / was Frommen und Schaden gebracht hette. 1. Das heist deß Herrn und der Frau Fußstapffen machen die Pferde und Kühe fett. 2. Wolt Ihr Hauß-Väter und Hauß-Mütter derowegen euer Haußhalten wolbestellet haben / so müst ihr selbsten mit hinden und forne seyn / sonst ist es umbsonst und gefehlt.
|| [900]
485. Historia aus den Tisch-Reden Lutheri / wie ein Poltergeist einen Pfarr-Herrn in seinem Hause geplaget / und Doctor Luthers Raht / wie solchem zu begegnen. ES kam zu D. Martin Luthern ein Dorff-Pfarrer / von Spitz / hart bey Torgau wohnent / der klaget ihm / daß der Teuffel deß Nachts / ein Poltern / Stirmen / Schlagen und werffen in seinem Hausse hette / daß er ihme auch alle seine Töpffe und hültzern Gefäß zerbreche / und er keinen Friede für ihn hette / den̅ er würffe ihm die Töpffe und Schüssel am Kopffe hin / daß sie auff stücken springen / plaget ihn / und lachet seiner noch dazu / daß er oftmals des Teuffels lachen hörete / er sehe aber nichts: Diß Wesen und Spiel hette der Teuffel ein gantz Jahr lang getrieben / daß sein Weib und seine Kinder nicht mehr im Hause bleiben wolten / sondern wolten stracks heraus ziehen. Da sprach D. M. Luth. Lieber Bruder / sey starck im HErrn / und sey deines Glaubens an Christum gewiß / weiche diesem Mörder dem Teuffel [901] nicht / leide und dulde sein eusserlich Spiel und Lermen / auch den geringen zeitlichen Schaden / daß er die Töpffe und Hültzerne Schüsseln zerbricht / denn er kan dir doch an der Seel und Leib nichts thun / das hastu bißher in der That also erfahren / denn der Engel deß HErrn hat sich umb dich her gelagert / der schützet und behütet dich / darumb laß den Teuffel jmmerhin mit den Töpffen spielen. Du aber bete zu GOtt / mit deinem Weib und Kinderlein / und sprich: Trolle dich Sathan / ich bin Herr in diesem Hause / und du nicht. 1. Also / sagt Herr D. Luther / soll man zum Teuffel sagen / wenn er von sich selbst kompt / und man ihn mit Sünden nicht hat zu Gast geladen / oder einen Boten geschickt / denn spreche man. Ego authoritate divinâ hîc sum paterfamilias, & vocatione coelesti Pastor Ecclesiae. Durch Göttliche Macht und Befehl / bin ich in diesem Hause ein Herr / und ich habe einen himmlischen Beruff / daß ich Pfarrer in dieser Kirche sey. Deß habe ich Zeugnüß vom Himmel und auff Erden / darauff poche ich. Aber du Teuffel schleichest in diß Hauß / als ein Dieb und [902] Mörder / und bist ein Bösewicht und Mörder / warumb bleibest du nicht im Himmel? Wer hat dich in diß Hauß geladen? Also singe ihm seine Litaney und Legenda / und laß ihm seine Zeit spielen. Als ich Anno 1521. zu Warten burg über Eisenach im Pathmo / auff dem hohen Schloß mich enthielt / da plaget mich der Teuffel auch offt also / aber ich wiederstund ihm im Glauben / und begegnete ihm mit dem Spruch: GOTT ist mein GOtt / der den Menschen geschaffen hat / und hat dem Menschen alles unter seine Füsse gethan / hastu nun darüber was Macht / so versuche es. 2. Aber darzu gohöret ein rechter Glaube / darumb muß man GOtt bitten / daß er solchen geben / erhalten / vermehren und stärcken wolle. 486. Ein Drach wird gefangen. ANno 1660. ward von Rom dieses geschrieben: Als dieser Tagen / etliche unserer Jäger / in den nechsten Wäldern gejagt / ist einem unter ihnen ein jun [903] ger Drach / so groß / als ein grosser Hund / begegnet / den er in einen Flügel geschossen / darauff der Drach auff ihn gelauffen / er aber entflohen / und Gelegenheit bekommen / noch einen Schuß zu thun / da er ihm dann in den Rachen geschossen / darnach vollends umbgebracht. Es ist gleichwol der Jäger acht Tag hernach gestorben / und hat am gantzen Leib grün ausgesehen. Und daß solche fliegende Schlangen gefunden werden / beweiset Herr Kirchmaier disp. Zoolog. 5. aus unterschiedlichen Autoribus, und darunter auch aus Hieron. Benzonis hist. novi Orbis. c. 4. p. 480. (so in meiner Edition, im Anhang / de Gallorum expeditione in Floridam. c. 3. p. 444. stehet) und Scaliger exerc. 183. fect. 5. und handelt er daselbst auch von den fliegen den Fischen. 1. Hieraus erhellet / daß nicht allein warhaftig solche Thiere seyn / die Drachen genennet werden / sondern 2. Daß auch diese Thiere einen treflichen Gift müssen bey sich führen / denn sonsten würde dieser Jäger nicht so bald darauff / als sich der Drach zu jhm genahet / gestorben / und am gantzen Leide grün / welches [904] ein Anzeigung deß Giffts gewesen / ausgesehen haben.

487.
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Wie vermessene falsche Zungen gestraffet worden. EUsebius Schreibet vom Bischoff Narcisso, daß derselbe von etlichen bösen nichtigen Menschen mit allerley ertichteten Aufflagen beschuldiget worden. In deme traten drey verwegene Buben herfür / als Zeugen / das jenige / was auff Narcissum gesagt / mit einem Eyde wahr zu machen. Der eine Zeuge sprach: Rede ich nicht wahr / so gebe GOtt daß ich verbrenne: Der ander sagte: Wo ich falsch zeuge / so soll mein Leib mit grausamer Kranckheit verzehret werden: Der dritte wünschte ihm: Daß / wo seine Worte nicht ja weren / er umb sein Gesicht kommen solte. Was geschicht? Das grosse Auge göttlicher Providenz hat diesen gottlosen Ertz-Buben nicht länger zusehen mögen / sondern ihren Wunsch an ihnen ergehen lassen. Dann der erste Zeuge durch ein klein füncklein Feuers mit Hauß / Hoff und alle den seinen verbrand / und zu Aschen worden. Den andern hat von Fuß an / biß zum Schädel grausame Kranckheit angestossen / und ihn umbbracht. Der dritte / als er sahe / wie es den zweyen ergangen war / und das freylich der überall gegenwertige GOtt sein schalckhafftiges Hertz wol wuste / ist [905] unter das Volck gelauffen / und all ihr Vorhaben entdecket / aber zu spät die Buß angetreten. Hat in grosser Angst Tag und Nacht geweinet / biß er umb sein Gesichte kommen ist. 1. Sehet wie der eyferige GOtt falsche Zungen gestraffet. 2. Hüte sich demnach ein jedweder / daß er wieder das achte Gebot ja nicht falsch Zeugnüß gebe. 488. Eine andere Historia wie falsche Zeugen gestraffet worden. KOenig Lotharius hatte sein frommes Gemahl Dietbertam von sich gestossen / mit der Entschuldigung / sie were von jhrem Bruder geschändet worden / schwur auch deßwegem fürm Bapst Adriano II. einen öffentlichen Eyd / er hette ihr nicht unrecht gethan. Vnd damit ja seine böse Sache desto eher und mehr ihren success und fortgang haben möchte / traten deß Königes fürnembste Räthe mit Gelde bestochen herfür / gaben falsch Zeugnüß / und empfiengen darauff zu mehrer glaubwirdigkeit nebenst Lothario das Sacrament. Aber der gerechte Richter / für dem nichts verborgen ist / straffte den König seines Meineyds halben / daß er stumm ward / und zu Placentz gantz elendiglich auffgieng. Sein [906] Herr kam unterweges erbärmlich an der Pestilentz umb. Die Räthe / als Lügenhaffte Zeugen / sturben eines schrecklichen Todes / ehe dann noch das Jahr umb war. O darumb hüte sich ja ein jeder für diesem schändlichen Laster / welches auch eines ist aus den sechs stücken / die der Herr hasset. Ein falscher Zeuge bleibet nicht ungestrafft / er wird umbkommen / saget Salomon. 1. Wie kans anders seyn? GOTT müste nicht ein gerechter GOTT sein / und die heilige Schrifft lügen. 2. Trägt sichs aber bißweilen zu / daß GOTT mit der Straffe verziehet / so ist es seiner Langmütigkeit beyzumessen. Aber lange geborgt / bleibt doch ungeschenckt. 489. Von Jacob Glatzen zu Augspurg. JAcob Glatz zu Augspurg / hieß die Lutherischen Blutsäuffer / fluchte und wünschte offt / daß sie im Blut Christi ersticken möchten / pflegete auch zu fragen / wenn der Wein zum Gebrauch des Nachtmals geholet ward / wie viel die Lutherischen Blut gesoffen? Endlich fiel er in Zweiffel [807] muth / schlug sich 4 Tage mit Gedancken / ergreifft ein Messer / sticht ihme die Kehle abe. Der Rath ließ die Leiche durch den Hencker in eine Tonne schlagen / und in den Läch werffen / auff daß er aus der Christenheit in die Heydenschafft schwömme. 1. Ein solches / oder dergleichen Ende nehmen die Sacrament Verächter / wie man mehr / als dieses Exempel hat. 2. Fürchte dich derowegen für GOTT / denn Er läst nicht ungestrafft / die Ihm / Sein Wort und Sacramenta verachten und lästern. 490. Wie der Tarter König des Todes eindenckend pflegt auffzuziehen. CAlapha der Tarter König inder Stadt Bagdad / wann er am Festag / den sie Ramadam nennen / sich vor dem Volck wil sehen lassen / kompt auff einem Maul-Esel in Silber und güldenen Stücken mit Königlichen Haupt gezieret / so von köstlichsten Perlen und Edelgestein besetzt / herfür geritten. Auff der Hauptzierd aber trägt er einen schwartzen Schlayr / durch solche Ceremonien anzudeuten / daß aller Leibs- [908] Geschmack durch Finsternüß des Todes verborgen werden müsse. 1. Dieses thut ein abgöttischer heydnischer Mann / daß er sich seiner Sterbligkeit erinnert / der doch nach diesem Leben keine Hoffnung und Versicherung zu einem bessern hat. Warumb wollen wir Christen nicht vielmehr bedencken / daß wir sterben müssen? 2. Wer klug ist / der erinnert sich seines Todes vielfältig / und bauet nicht auff dieses vergängliche und sichtbare / sondern auff das Zukünfftige und unsichtbare. 491. Ein Kauffmann strigelt sein Ehebrecherisch Weib sambt dem Ehebrecher. EIn Rittmeister / so vorher im Kriege sich wohl gehalten / verdistillirte alles wieder / gebrauchete sich einer Kauffmans-Frau / rühmete sich noch bey Gesellschafften / daß er dem Kauffmann Hörner auffsetze; als es der Mann erfährt / redete er seinem Weib zu / die sagte; er were ein alter Narr / ob er sie einzusperren gedächte / er sagt hinwieder / werd ich dich mehrer beym Rittmeister finden / so wil ich dich strigeln / daß du seiner vergessen solst: Sie / die Frau / sagt dem Rittmeister alles wie [909] der / der Rittmeister sagt dem Kauffmann unter die Augen / ich will kommen / mich in dein Bett mit deiner Frauen legen / und ich wil dich zuvor abwischen / wie ein Pferd / ehe du mich und dein Weib striegeln solst / gehet einen Weg wie zuvor zum Weib. Der Kauffmann nimbts in acht / und bestellt heimlich die Sach / daß er gleichen mit etlich Beyständern kompt / als sie im Bette beysammen liegen / und der Rittmeister sein Gewehr in der Stuben hätt liegen lassen / reisset er ihn aus dem Bett heraus / gibt ihm einen Strohwisch in die Hand / daß er seinen vorigen Worten nach gezwungen ihn abwischen muste / hernacher bindet er ihn mit allen Vieren an eine Seulen / und nimmet einen Striegel mit spitzigen Zähnen / strigelt ihn also darmit / wie auch hernach sein Weib / daß sie beyde in Blut liegend / nach zweyen Tagen drüber sterben müssen. 1. Ist eine zuläßliche Rache dieses Ehemans gewesen / welche die Obrigkeit nicht hat abstraffen können. 2. Wenn alle Männer dergleichen Hertz hetten / würde mancher Ehebruch und Schande unterwegen bleiben. Aber viel prangen lieber mit denen ihnen auffgesetzten Hörnern / und Charirisen noch wol die Ehe [910] brecher darzu und leben mit solchen in guter vertreulicher Freundschaft. 492. Von Alexandri Magni Begräbnüß. DIodorus Siculus, schreibet von Alexandri Magni deß Königes in Macedonia Begräbnüß / daß es drey Tonnen Goldes gekostet. Denn mann seinem Leib in einem güldenen Sarck geleget / auff einen silbern Wagen gesetzet / und über anderthalb hundert Meilen mit grossem Geprenge / biß zum Orth seiner Begräbnüß geführet. Es ist auch sein Leib mit solchen herrlichen Specereyen gebalsamiret / daß man solchen dem Käyser Augusto drey hundert Jahr hernach / da er in Egypten kommen / unverweset gezeiget. Vnd Plutarchus schreibet vom Könige der Griechen Demetrio / wie sein Begräbnüß herrlich gehalten worden sey. Denn nachdem er gestorben / und nach Heydnischer und der Zeit Gewohnheit zu Aschen verbrant worden / hat man seine Asche in ein Gefäß gethan / und mit etlichen Schiffen auff der See herrlich geleitet. Da solches seinem Sohne vermeldet worden / ist er ihm entgegen gezogen / und da er zu ihnen kommen / hat er seines Vaters Asche in einen güldenen Eymer gethan / und eine güldene Krone darauff gesetzt / und also mit grossem Gepränge fortge [911] schiffet. Vnd weil man zu den Zeiten Spiel-Leute gebraucht / welche köstliche Melodeyen haben blasen können / so hat man allda auch solche Spielleute gebraucht. Sonderlich aber ist Xenophantes ein solcher Meister auff klägliche Melodeyen gewesen / daß er seine Instrumenta hat wissen zu moderiren / daß sie lieblich gelautet haben. Ja das auch die Wellen im Meer / und die bewegung der Schiffe damit gestimmet. Vnd da man nach Corintho gezogen / sind ihnen allenthalben die Gesandten der Städte in Trauer-Kleidern entgegen kommen. 1. Das ist alles Welt Gepräng gewesen / und hat nicht zur Seeligkeit geholffen. 2. Ehrlich begraben ist wol und nicht übel gethan. Weg aber mit aller Pracht und Hoffart / die taug nichts. Denn was wil man viel prangen mit denen Leibern / die Erde sind und wieder zur Erden werden müssen? 493. Was von Adams Kranckheit geschrieben wird. ETzliche weise Griechen schreibe̅ vom Creutz Christi also: Als Adam kranck worden schickte er seinen Sohn ins Paradeiß zum Engel / daß er ihm schickte des Oels von Baum der Barmhertzigkeit / damit er seine Glieder salben könt / und gesund würd; Als Adams Sohn ins [912] Paradeiß kompt / läst ihn der Engel nicht ein / spricht / er könne desselben Oels jetzt nicht bekommen / gab ihm drey Körnlein von Apffel-Baum / seinem Vater solche in Mund zu geben / wenn er ihn begrübe / und wenn der Baum / so auß dem Körnlein wüchse / Frucht brächte / als denn solte sein Vater wieder genesen; Als nun der Sohn gieng / sand er seinen Vater Todt / doch auff deß Engels Besehl legte er ihm die drey Körnlein in den Mund / und auß denselbigen wuchsen hernach drey grosse Bäume / von den wurd das Creutz gemacht / an dem wir alle erlöset sind / und sey das heilige Creutz 8. Arm lang gewesen / und der theil über zweg fünffthalb Arm. Die Jüden haben auch solch Creutz in die 200 Jahr verborgen gehalten / biß es Helena / Käysers Constantini Mutter wieder gefunden. 1. Dieses ist zwar nur eine Fabel und Gesicht / wie es kein Verständiger unter uns Christen vor etwas anders halten wird. 2. Jedoch gibt dieses Gedicht feine gute Gedancken / wie wir nehmlich in der Krafft deß gecreutzigten JEsu wieder zum Leben von den Toden sollen aufferstehen,
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494. Der Teuffel plaget Lutherum zu Wittenberg. ES ist nichts seltzams / sagte Lutherus / daß der Teuffel in den Häusern poltert undumbher geher: In unsern Kloster zu Wittenberg habe ich ihn bescheiden gehöret / denn als ich anfieng den Psalter zu lesen / und nach dem wir die Nacht-Metten gesungen hatten / und ich im Rempter saß / studiret und schriebe an meiner Lection, da kam der Teuffel / und rauschet in der Hellen dreymal / gleich als wenn einer einen Scheffel aus der Höllen schleifft / zu letzt / da es nicht wolle auffbören / rafft ich meine Bücherlein zusammen / und gieng zu Bette / aber mich reuet es die Stunde / daß ich ihm nicht auffsaß / und hette doch geseden / was der Teuffel noch wolte gemacht haben. So hab ich ihn sonst auch einmal über meiner Kam̅er in Closter gehört / aber da ich vermerckte / daß ers war / achtet ichs nicht und schlieff wieder ein. 1. So pflegt der Teuffel viel heilige Leute zu plagen. Hat er doch des Sohnes GOttes selbsten nicht verschonet. 2. Wol dem nur / so die rechte Wehr und Waffen ergreiffet / welche sind das Gebet und der Glaube / und ihm mit [914] solchen wiederstehet / der wird gewieß ob / und nicht unten liegen.

295.
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Ein Richter Spiegel. DOctor Chesada wurde zum Richter nach Guatimala gesand / der aber nach zweyen Monaten / daselbst gestorben. Als denselben in seiner Kranckheit / etliche Mönche besuchten / und sagten; Herr Praesident seyt Guts und frölichen Gemüths / etc. Hat er geantwortet: Ach! wie kan es geschehen / daß der folte frölich sein / der von so viel Sachen GOTT selbsten muß Rechenschafft geben. 1. Dieser hat ein Exempel andern Richtern / und Obrigkeiten geben wollen / daß sie über andere also richten / wie sie wollen / daß Sie GOTT richte / und also in ihrem Ampt gute Rechnung anstellen / damit / wann sie aus diesem Leben wandern / sie in dem Zukünfftigen nicht ewig heulen dörffen. 2. Tretet näher heran / ihr Richter / und alle die ihr an Obrigkeiten Stellen sitzet: Lernet recht richten und immerdar bedencken / daß noch ein anderer Richter über euch sey / welcher alle das jenige / was ihr übel und nicht recht richtet / noch einmahl und euch darzu richten wird.
|| [915]
496. Von zweyer Edel-Knaben Beständigkeit beym Christlichen Glauben. EUsebius schreibet von zweyen Edlen Knaben zu Antiochia / welche unter den Römischen Käyser Diocletiano und Maximiano / in gefängliche Hafft eingezogen / und den Heidnischen Götzen zu opffern gezwungen worden. Darauff sie gebeten / man wolle sie nur bald zum Altaren führen. Vnd als man sie hinzu gebracht / haben sie ihre Hände freywillig ins Feuer gestossen / und gesprochen: Wolan / wann wir sie wiederumb heraus ziehen werden / so solt ihr gäntzlich dafür halten / daß wir hiermit euren Abgöttern geopffert und Christum verleugnet haben. Aber sie blieben bestendig / hielten ihre Hände so lange in Feuer / biß daß alles Fleisch davon verzehret war. 1. Diese hertzhafftige Freudigkeit ist von GOTT herkommen / welcher diese Edel-Knaben zweiffels frey durch seinen Engel gestärcket hat. 2. Also beharre du auch / liebe Seele / biß aus End / und leide alles sein gedultig / was dir begegnet / so solstu seelig werden.
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497. Zwingels Todt. VOn Zwingels Tranck gelde schreibt D. Albertus also: Der Satan trieb den Zwingel / daß er mit seinen Diseipeln in Krieg zog / darinnen er auch seine Besoldung empfinge. Die Zürcher hatten denen von Lucern die Strasse verleget / und wolten ihnen nicht lassen proviant zuführen / daraus ward ein Krieg / darinn die Zürcher dreymal nacheinander geschlagen worden: Zwingel blieb sambt etlichen Predigern auch im Kriege / und er kam bald in der ersten Schlacht umb. Ich höre sagen / die von Lucern haben ihn zu stücken gehauen: Etliche schreiben / daß seine Haut sey zu Riemen geschnitten / und mit dem Fett aus seinem Leibe / die Stieffeln geschmieret worden. 1. Ist ein Todt / der einem solchen Mann / wie Zwingel gewesen / gebühret. Denn Er hat einen trefflichen GOtteslästerlichen Ketzer geben. 2. Wilstu / lieber Mensch / ein gutes Sterben haben / so mustu auch ein feines Christliches und erbares Leben führen.
|| [917]
498. Einer giebt sich bey einem Bauren vor seinem siummen Sohn aus. EIn Wauer hatte einen Sohn zu Krautheim in. Thüringen / welcher taub und stumm war / der verlohr sich von Eltern. Aber Anno 1541 begibt sichs / daß ein anderer vor diesem Sohn sich angiebt / stellt sich an Geberden und andern / daß mann nicht anders vermeinte / es wäre der rechte Sohn / und weiln der Bauer gutes Vermögens / und ein Bier gebrauet hatte / solt der Stumme mit der Magddas Bier helffen tragen. Als sie nun tragen / und der Zuber schwanckte / spricht der vermeinte Stumme; Halt Vrsel / der Tragstab wird brechen / und wird uns der Teuffel beschmeissen / die Magd dacht / wie kombt es / daß der Caspar reden kan? vermeldete solches ihren Herren / der klagt es dem Juncker / der wirfft ihn in die Eysen / da hat er güttlich bekennet / daß er etliche Leute betrogen habe / ihrer etliche auch getödtet / und es allda auch thun wollen / wurd derwegen mit dem Rad vom Leben hingerichtet. 1. Betrüger gnug gibts in der Welt / und derselben nicht einerley / wie denn dieser vermeinte Stumme auch mit unter solche Zahl zu rechnen ist.
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2. Die Warheit bestehet doch am längsten! und kömbt aller Betrug endlich am Tag / trägt sich auch offtmals zu / wie dieses Exempel ausweiset / daß sich der Betrüger selber verräht. 499. Herrn Martin Zeilers Bericht von der Vuchdruckerey. Meyerus schreibet Lib. 16. rer. Flandic. fol. 339. daß des Jahrs 1440. Johannes Guttenberg von Straßburg / am ersten die Druckerey in der Stadt Straßburg erfunden / und als Er von dannen auff Mäintz kommen / dieselbe Glückseelig vollführet: Vnter dessen aber zu besagten Straßburg / Johannes Metel / eben diese Kunst getrieben habe / und seye er in kurtzem sehr reich worden: Ihme hetten Adolphus Ruchius, und Martinus Flachus gefolget / und zu Neapoli habe Sixtus Rusinger von Straßburg / Anno 1471. gewisen / wie die Bücher zu drucken / und seye deßwegen dem Käyser Ferdinanden sehr lieb worden. Vnd Vlrich Horn habe umb diese Zeit mit diesem Himmlischen Handwerck / die gute Künste aus dem Mangel zu einem sehr grosen Vberfluß gebracht. Crusius sagt in seinen Annal. part. 3. lib. 7. cap. 4. Daß Anno 1444. etliche predigten über die Sontags Episteln we [919] ren gedruckt worden / die man zu Tübingen in des Stipendii Martiniani Bibliotheck habe. Hernach aber cap. 14. fol. 412. schreibt er / daß die Buchdruckerey erstlich im Jahr 1450. seye erfunden worden / da vielleicht für 50. stehen folte / 1440. oder es ist in der ersten Zahl gefehlet worden. Weil ich aber anderswo unterschiedlich von der Buchdruckerey gehandelt / als will ich allein allhie noch dieses vermelden: Vnd zwar erstlich / daß Miraeus in seinen Elogiis Belgicis pag. 208. schreibet / daß die gantze Welt erkenne / daß dem Christoph Plantin von Tours, Bürgern zu Antorff / seine Ehr und Lob zu geben / dieweil niemand biß daher auffrichtig und fleisiger aller Sprachen Scribenten gedruckt habe / welches dann seiner tapffern Embsigkeit / und der genauen Auffsichtigkeit der Correctorum (derer er allezeit gar gelehrte gehabt / und sie reichlich unterhalten habe) insonderheit zuzuschreiben: Welche Correctores, oder Nachleser und verbesserer / wegen selbste̅ an das täglicht gegebener Schrifften oder Bücher / alle berühmt seyen / unter welchen Cornelius Kilianus gewesen / der gantzer 50. Jahr lang sich dieser Plantinianischen Druckerey angenommen / und selber ein Buch von der Wortforschung geschrieben / in welchem er die Frantzösische Wörter / deren sich die Niederländer mißbrauchen / außgemustert / und allein die lautere und reine Niederländische Sprach / neben der Lateinischen / der studierenden Jugend zum besten / gesetzt habe. Obge [920] dachtes Christophori Plantini Tochtermann / Raphelengius, ist nicht allein der Lateinischen / und Griegischen / sondern auch der Hebraeischen / Chaldeischen / Arabischen und Syrischen Sprachen sehr wohi erfahren gewesen / wie ihme dessen in deß Lud. Guieciardins Niederlands / und zwar Welsch-Flandern Beschreibung / am 254. Blat / Zeugnüß geben wird. Zum andern / daß in dem sechsten Thejl der Gespräch-Spiel am 266 Blat / fünff Vrsachen der Fehler in der Druckerey ergehlt werden. Dann es fehle entweder 1. der Verfasser / welcher auff die Sachen selbst denckend / einen Buchstaben zu viel oder zu wenig schreibe. 2. Oder fehle es sein Schreiber / den es in das Keine zu bringen / anvertrauet. 3 Fehle auch der Setzer / daß er einen Buchstaben vor den andern erwischt / und was ihm gezeichnet wird / nicht ändere. 4, Vbersehe etliches der / so den Druck lese / und von dem begangenen Druck Fehlern reinige. 5. Fehle auch der Drucker / in deme er eine Form hin und her hebt / die etwan heraus gefallene Buchstaben / aus Eil / nicht an das rechte Ort wieder einstecke. Vnd dann fürs Dritte berichte Herr Johannes Saubertus, gewesener Pfarrer zu S. Sebald in Rürnberg seelig / in seiner daselbst Anno 1643 in 12. gedruckter Historia Bibliothecae Reip. Noribergensis, pag. 60. seqq. daß man kein Buch finde / so Anno 1451. 2. 3. oder die nechsie Jahr gedrucket worden / wiewol auff etlichen Blätlein das erste Muster von [921] den gedruckten Buchstaben / oder Schrifftzeichen zu Mäintz herfür geben worden seyen. Johannes Fust / sonsten Faust genannt / Bürger zu Maintz / habe Anno 1450. für sich selbsten den Anfang dieser Kunst nach zusinnen angefangen / der zu einem Diener Johann Guttenberg bekommen / der auch allbereit damit umbgangen war. Als nun besagter Faust in seinem Vorhaben bekräfftiget worden / so hab er Anno 1452. nicht allein die Abbildungen des gantzen A. B. C. erdacht / sondern auch die Buchstaben also vermehret / daß man mit denselben gantze Wörter hat an Tag geben können. Folgends habe er mit seinem Diener Peter Schöfferm ein Gesellschafft der Arbeit heimlich eingangen / den er auch an Kindesstatt / und zu seinen Tochtermann angenommen habe. Die übrigen / seine Haußgenossen und Diener / so umb diese Kunst geheime Wissenschafft gehabt / hetten zwar den Eyd der Verschwiegenheit / so sie den andern beyden gethan / so lang gehalten / biß sie im Jahr 62. in untersehiedliche Länder sich verloffen / und alle diese Geheimuüssen hin und wieder offenbahret haben. In dem Anhang solches Büchleins / sagt seelig gedachter Herr Saubertus p 106. seqq. noch ferners / daß gemeldter Kunsterfinder sey / nicht allein des Käyser Maximilians des Ersten / in der seinem Enickel Johann / Schöffern ertheilter Freyheit / sondern auch der allerältisten Bücher Gezeugnüß nach / dem vor Zeiten niemands wie [922] dersprochen / der nechste aber nach ihnen sey der Johann Guttenbergius den Aventinus, unter deß Fausti Diener setze / und auch die Nürrenbergische Bücher nicht darwieder seyen. Vnd dann der dritte auch obernanter deß Fausten Tochtermann, Peter Schäffer. Er sagt auch am 114. Blat / daß aus genen einanderhaltung der allerältisten Bücher / zu eracheen / daß vor dem 1466 Jahr / in der Meintzischen Druckerey / noch nicht der Gebrauch gewesen / deß verfassers und deß Orts / oder der Zeit / vermerckung zu Ende hinzu thun. Vnd setzet er hierauff p. 116 seqq. eine Verzeichnüß der ersten Bücher / so zu Mayntz vom Jahr 1460. an / gedruckt worden seyn. Er schreibet auch vorher am 72. Blat / daß Varro gejrret habe / in dem er geglaubt / daß das Pergament / und die weise darauff zu schreiben / die von Pergamo erstlich erfunden; da doch sich desselben die Hebräer und Griechen / lange zeit zuvor / gebraucht hetten. Wie beym Herodoto und Iosepho und zwar bey diesem lib. 12. Antiquit. cap. 2. fol. M. 129. zu lesen. 1. Die Buchdrucker Kunst ist eine vortreffliche Kunst / und GOtt dafür sonderbahrer Danck zu sagen. 2. Buchdrucker sollen aber dieselbe bey leibe nicht mißbrauchen / welches auff mancherley weise geschehen kan / sondern fein gottsfürchtig / fleißig / wil [923] lig / treu und nicht geitzig seyn / auch sonsten allezeit in jhren Schrancken bleiben. 500. Eine Witwe betet vor ihrem Tyrannischen Herrn. EIne Wittwe betete sehr andächtig vor ???hrem Herrn / des hörte der Tyran und wunderte sich darüber / fragte sie; warumb sie so fleißig vor ihn betete? Denn Er wol wuste / daß ihm jedermann feind war / und er dieser Witten auch viel leides gethan hatte. Dem gab sie zur Antwort; als dein Großvater lebete / hatte ich zehen Kühe / davon nahm er mir zwo / da betetich / daß er bald sterben solte; als nun sein Sohn dein Vater an die stell kam / nahm er mir mit grosser Gewalt und Unrecht drey Küh / ungeacht ich vermeynete / er würde frömmer seyn; da betete ich abermals / daß du soltest Herr werden / und dein Vater sterben. Nun bistu viel hefftiger und geschwinder / und hast mir armen Frauen 4. Küh genommen / drumb bete ich fleißig vor dich / daß nach dir nicht etwan einer käm / und mir die übrigen Küh vollend gantz und gar nehme / neben dem was ich sonsten habe. 1. Man pflegt im Sprichwort zu sagen / es kömpt selten etwas bessers her [924] nach. Dieses Sprichwort machet die Wittwe mit ihrer Antwort / so sie dem Tyrannen gibt / zu einem wahren Wort. 2. Sie hat aber daran nicht unrecht gethan / daß sie für dem Tyrannen gebetet / denn auch für unbillige und wunderliche Obrigkeiten sollen Unterthanen bitten und beten. Ende des Hiftorischen Spatziergangs Ausgang.
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